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  4. Ausblick Deutschland
10. April 2018
Deutschland hat seine Warenausfuhren 2017 um nominal 6,2% erhöht und erzielte den bislang zweithöchsten Handelsbilanzüberschuss seiner Geschichte. Besonders starke Impulse gingen dabei von den Ausfuhren nach China und in die Niederlande aus. Handelskritische Äußerungen in den USA sorgten zuletzt für Irritationen und dämpfen die Exportaussichten der deutschen Exportwirtschaft, wenngleich die EU (und damit Deutschland) bislang von höheren US-Importzöllen ausgenommen ist. Die deutschen Hersteller von Investitionsgütern sowie die pharmazeutische Industrie wären von einem Handelsstreit am meisten betroffen. Sie verzeichnen eine insgesamt hohe Exportquote. (Weitere Themen in dieser Ausgabe: Mietinflation, Fiskalausblick 2018/19, Merkels vierte Legislaturperiode) [mehr]
Ausblick Deutschland Handelspolitische Irritationen dämpfen 2018 deutsche Exportaussichten . Deutschland hat seine Warenausfuhren 2017 um nominal 6,2% erhöht und er- zielte den bislang zweithöchsten Handelsbilanzüberschuss seiner Geschichte. Besonders starke Impulse gingen dabei von den Ausfuhren nach China und in die Niederlande aus. Handelskritische Äußerungen in den USA sorgten zuletzt für Irritationen und dämpfen die Exportaussichten der deutschen Exportwirt- schaft, wenngleich die EU (und damit Deutschland) bislang von höheren US- Importzöllen ausgenommen ist. Die deutschen Hersteller von Investitionsgütern sowie die pharmazeutische Industrie wären von einem Handelsstreit am meis- ten betroffen. Sie verzeichnen eine insgesamt hohe Exportquote. Trotz Boom im Häusermarkt dürfte die Mietinflation träge bleiben. Von allen Ausgabegruppen haben die Mieten den größten Einfluss auf die Inflation. Wäh- rend die Medien regelmäßig über die hohe Mietdynamik berichten, findet sie in der amtlichen Statistik nicht statt. Unseren Berechnungen nach ist die relativ ge- ringe Mietinflation aufgrund der Behäbigkeit der Bestandsmieten plausibel. Der Einfluss der ab Anfang 2019 effektiv wirksamen neuen Mietenstichprobe auf die Mietinflation dürfte limitiert sein. Die Ausgaben der Haushalte für Mieten und Wohnen ist seit dem Jahr 2010 gestiegen. Die Warenkorbgewichte sollten also höher ausfallen als bisher. Solange Mietinflation und Gesamtinflation aber na- hezu gleich verlaufen, hat ein höheres Gewicht keinen signifikanten Einfluss. Fiskalausblick 2018/19: Konjunktur lässt Kassen klingeln, aber Groko „verfrüh- stückt“ Überschüsse allmählich. Statt „Spare in der Zeit, so hast Du in der Not“ steht bei der Groko vor allem Ausgeben auf dem Programm. Allerdings dürfte von einem Großteil der im Koalitionsvertrag beabsichtigten Maßnahmen erst ab 2020/21 eine spürbarere fiskalische Belastung ausgehen. Unserer Einschät- zung nach könnte der Haushaltsüberschuss dieses Jahr unverändert bei 1,1% des BIP liegen und nächstes Jahr leicht auf 0,9% sinken. Spätestens 2020 könnte dieser dann aber spürbar zurückgehen, sollten alle im Koalitionsvertrag beabsichtigten Maßnahmen umgesetzt werden. Merkels vierte Legislaturperiode: Zurück zur Arbeit – zurück zum Krisenma- nagement? Der drohende Handelskrieg mit den USA rückt das von dem Merkel- Vertrauten Peter Altmaier (CDU) geleitete Wirtschaftsministerium ins Rampen- licht, das bei der Portfolioaufteilung zwischen CDU, CSU und SPD weithin als eher unwichtig angesehen wurde. Zwar liegt die Kompetenz in der Handelspoli- tik bei der EU, aber natürlich gibt es entsprechende Abstimmungen mit den Mit- gliedern. Das Dilemma für die EU: Reagiert sie auf die „Schutzzölle“, riskiert sie eine Eskalationsspirale, an deren Ende alle ärmer wären. Keine Reaktion des größten Handelsblocks der Welt würde aber als weitere Schwächung der WTO angesehen. Die EU sollte daher für die Wiederbelebung der TTIP-Verhandlun- gen werben, eigene Zugeständnisse eingeschlossen. Schwieriger noch ist, wie sich die EU zukünftig zwischen den Handelsmächten USA und China positio- niert, wenn die Handelskonflikte weiter zunehmen. Autoren Sebastian Becker +49 69 910-21548 sebastian-b.becker@db.com Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ......................................................2 Handelspolitische Irritationen dämpfen 2018 deutsche Exportaussichten ..........................3 Trotz Boom im Häusermarkt dürfte die Mietinflation träge bleiben ..............................9 Fiskalausblick 2018/19: Konjunktur lässt Kassen klingeln, aber Groko „verfrühstückt“ Überschüsse allmählich ...............................17 Merkels vierte Legislaturperiode: Zurück zur Arbeit – zurück zum Krisenmanagement? ..19 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................21 Exportindikator .............................................22 Eventkalender ..............................................23 Datenkalender ..............................................24 Finanzmarktprognosen ................................25 Datenmonitor ................................................26 Original in englischer Sprache: 9. April 2018 10. April 2018 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 2 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P Euroland 2,5 2,4 1,7 1,5 1,4 1,5 3,5 2,7 2,1 -1,1 -0,9 -1,0 Deutschland 2,2 2,3 1,8 1,8 1,6 1,8 7,2 6,5 6,5 1,1 1,1 0,9 Frankreich 2,0 2,0 1,6 1,2 1,3 1,4 -1,2 -0,6 -0,6 -2,9 -2,7 -2,9 Italien 1,5 1,3 1,0 1,3 1,0 1,5 2,9 2,8 2,6 -2,1 -1,9 -1,8 Spanien 3,1 3,0 2,3 2,0 1,5 1,6 1,9 1,7 1,6 -3,1 -2,2 -1,6 Niederlande 3,2 2,5 2,4 1,3 1,6 1,9 10,2 10,2 10,1 1,1 0,5 0,4 Belgien 1,7 2,2 1,7 2,2 1,6 1,7 -1,0 -0,7 -1,0 -1,8 -1,5 -1,5 Österreich 3,0 2,5 2,3 2,2 2,0 1,7 2,2 2,5 2,8 -0,9 -0,7 -0,5 Finnland 2,7 2,6 2,1 0,8 1,2 1,6 0,7 0,0 0,5 -1,2 -1,0 -0,8 Griechenland 1,3 3,0 2,2 1,1 0,7 1,1 -0,8 -0,5 0,0 -1,6 0,0 1,0 Portugal 2,7 2,0 1,5 1,6 1,2 1,5 0,6 0,0 0,0 -1,4 -1,2 -1,2 Irland 7,8 4,0 3,2 0,3 1,0 1,2 12,5 3,5 3,0 0,1 0,1 -0,4 Großbritannien 1,8 1,3 1,5 2,7 2,5 2,2 -4,5 -4,0 -3,5 -2,5 -2,1 -1,4 Dänemark 2,1 2,0 1,9 1,1 1,6 1,6 7,5 7,5 7,0 -1,0 -0,5 -0,5 Norwegen 1,8 2,2 2,0 1,9 1,9 1,8 6,0 6,0 5,5 3,5 4,0 5,0 Schweden 2,7 2,7 2,5 1,8 2,0 2,2 5,0 4,5 4,0 1,3 1,0 0,5 Schweiz 1,0 2,1 1,8 0,5 0,3 0,7 10,5 10,6 11,0 0,3 0,3 0,2 Tschech. Rep. 4,5 3,5 3,2 2,5 2,3 2,2 0,6 0,4 0,9 1,0 0,8 1,1 Ungarn 4,0 3,6 3,1 2,3 2,5 2,9 4,0 3,3 2,8 -2,0 -2,4 -2,3 Polen 4,6 4,0 3,4 2,0 2,2 2,8 -1,4 -1,4 -1,2 -1,9 -2,1 -2,5 USA 2,3 2,8 2,7 2,1 2,3 2,2 -2,9 -3,2 -3,5 -3,6 -3,7 -5,3 Japan 1,7 1,1 0,5 0,5 0,7 0,7 4,0 4,6 4,7 -2,7 -2,4 -2,2 China 6,9 6,3 6,3 1,6 2,7 2,4 1,4 1,2 0,6 -3,7 -4,0 -4,0 Welt 3,8 3,9 3,9 2,9 3,3 3,0 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2018 2019 2016 2017P 2018P 2019P Q1P Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,9 2,2 2,3 1,8 0,6 0,6 0,5 0,5 0,4 0,4 0,4 0,4 Privater Konsum 2,1 1,9 1,4 1,5 0,4 0,6 0,5 0,5 0,3 0,4 0,3 0,2 Staatsausgaben 3,7 1,6 1,3 1,0 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,1 3,2 2,8 3,5 1,1 1,0 1,0 0,8 1,0 0,9 0,9 0,8 Ausrüstungen 2,2 4,0 4,3 3,1 1,0 1,0 1,0 0,5 1,0 0,7 0,7 0,5 Bau 2,7 2,6 2,9 4,9 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 Lager, %-Punkte -0,2 0,1 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 2,6 4,7 6,2 4,5 1,2 1,2 1,2 1,2 1,1 1,0 1,0 1,2 Importe 3,9 5,1 6,1 5,1 1,3 1,4 1,4 1,4 1,2 1,2 1,1 1,2 Nettoexport, %-Punkte -0,3 0,1 0,5 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 Konsumentenpreise* 0,5 1,8 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,1 5,7 5,3 4,8 Industrieproduktion** 1,4 3,0 1,8 1,5 Budgetsaldo, % BIP 0,8 1,1 1,1 0,9 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 68,1 64,5 60,7 57,9 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8,4 7,2 6,5 6,5 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 262,6 232,0 212 214 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 3 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Handelspolitische Sorgen dämpfen 2018 deutsche Exportaussichten — Deutschland hat seine Warenausfuhren 2017 um nominal 6,2% erhöht und erzielte den bislang zweithöchsten Handelsbilanzüberschuss seiner Ge- schichte. Besonders starke Impulse gingen dabei von den Ausfuhren nach China und in die Niederlande aus. Die Exporte nach Russland expandierten um 20%, jedoch auf niedrigem Niveau. Auf Branchenebene trugen im letz- ten Jahr die Elektrotechnik, der Maschinenbau und die Chemieindustrie maßgeblich zum deutschen Exportplus bei. Diese drei Sektoren erklären 2017 knapp 50% des absoluten Wachstums der Warenausfuhren. — Handelskritische Äußerungen in den USA sorgten in den letzten Wochen für Irritationen und dämpfen die Exportaussichten der deutschen Exportwirt- schaft, wenngleich die EU (und damit Deutschland) bislang von höheren US-Importzöllen ausgenommen sind. Die deutschen Hersteller von Investiti- onsgütern sowie die pharmazeutische Industrie wären von einem Handels- streit am meisten betroffen. Sie verzeichnen eine insgesamt hohe Export- quote. Zugleich sind die USA für sie ein wichtiger Absatzmarkt. — Neben den handelspolitischen Sorgen trüben die hohen Tarifabschlüsse in Teilen der deutschen Industrie sowie der starke Euro die Exportaussichten der hiesigen Unternehmen. Die Exporterwartungen sind zuletzt viermal in Folge gesunken, liegen aber noch im positiven Bereich. Insgesamt sollten die Unternehmen in Deutschland im laufenden Jahr aufgrund der guten Weltkonjunktur ihre Ausfuhren erneut steigern können. Hoher Handelsbilanzüberschuss basiert auf Investitionsgüter- industrien Deutschland hat seine Warenausfuhren 2017 um nominal 6,2% erhöht (nach ei- nem Zuwachs um 0,9% im Jahr 2016). Die deutschen Wareneinfuhren stiegen im letzten Jahr sogar um 8,3% (2016: +0,6%). In der Folge sank der deutsche Handelsbilanzüberschuss 2017 um 1,7% auf knapp EUR 245 Mrd. Trotz des Rückgangs ist dies der zweithöchste Überschuss, den Deutschland jemals er- wirtschaftete. Der Anteil des Überschusses am BIP lag 2017 bei 7,5%, nach 7,9% im Jahr zuvor. Fast 48% aller deutschen Exporte entfielen 2017 auf die Sektoren Automobilin- dustrie, Elektrotechnik und Maschinenbau. Hierin spiegelt sich die hohe interna- tionale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen aus diesen klassischen Investitionsgüterbranchen wider. Der Überschuss im Außenhandel basiert im besonderen Maße auf der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Denn den hohen Exporten der deutschen Elektrotechnik stehen zugleich umfangrei- che Einfuhren elektrotechnischer Erzeugnisse gegenüber; dies betrifft vor allem die Konsumelektronik. Insofern fällt hier der Saldo aus Exporten und Importen deutlich niedriger aus als in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Positiver Saldo im Handel mit USA, UK und Frankreich Die Rangliste der wichtigsten Exportdestinationen führten 2017 die USA vor Frankreich, China, den Niederlanden und UK an. Diese Länder vereinten zu- sammen 37% aller deutschen Warenausfuhren auf sich. Bei den Importen lag im letzten Jahr China vor den Niederlanden, Frankreich, den USA und Italien. Gemessen am gesamten Handelsvolumen (Ausfuhren und Einfuhren) war China damit 2017 der wichtigste Handelspartner Deutschlands, vor den Nieder- 0 50 100 150 200 250 0 300 600 900 1.200 1.500 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Saldo Warenausfuhr Wareneinfuhr Quelle: Statistisches Bundesamt Handelsbilanzüberschuss 2017 leicht gesunken, aber auf hohem Niveau 1 Warenausfuhr, Wareneinfuhr und Handelsbilanz, Deutschland, EUR Mrd. 18,3 15,1 14,4 9,0 7,6 5,8 4,5 25,3 Automobilindustrie Elektrotechnik Maschinenbau Chemieindustrie Metallindustrie Pharmaindustrie Sonst. Fahrzeugbau Sonstige Quelle: Statistisches Bundesamt Investitionsgüterbranchen dominieren deutsche Exporte 2 Anteil einzelner Branchen an deutschen Waren- ausfuhren, 2017, % 8,7 8,2 6,7 6,7 6,6 5,1 4,9 53,0 US FR CN NL UK IT AT Sonstige Deutsche Exporte regional breit diversifiziert 3 Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil einzelner Länder an deutschen Waren - ausfuhren, 2017, % Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 4 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland landen und den USA, Frankreich, UK, Italien und Polen. Auf diese sieben Län- der entfielen im letzten Jahr 46% des gesamten deutschen Außenhandelsvolu- mens. Im längerfristigen Vergleich entwickelte sich dabei der deutsche Außen- handel mit Polen und China besonders dynamisch. Seit 2009 hat sich das Han- delsvolumen um 107% bzw. 99% deutlich erhöht. Im Handel mit Frankreich lag der Zuwachs im genannten Zeitraum „lediglich“ bei 38%. Die mit Abstand höchsten Überschüsse erzielte Deutschland 2017 im Handel mit den USA, UK und Frankreich (Investitionsgüter). Einen hohen negativen Saldo verzeichnete Deutschland dagegen im Handel mit China und Vietnam (u.a. Konsumelektro- nik) sowie mit Russland und Norwegen (Energierohstoffe). Elektrotechnik, Maschinenbau und Chemie sorgen 2017 für Impulse Neben dieser Analyse der Niveaus für 2017 ist interessant zu sehen, welche Branchen und Länder im vergangenen Jahr überdurchschnittlich zum deutschen Exportplus beigetragen haben. Auf Branchenebene waren dies die Elektrotech- nik, der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Diese drei Sektoren erklären knapp 50% des absoluten Wachstums der Warenausfuhren. Die Zuwachsraten der Exporte lagen in den genannten Sektoren 2017 bei 9,4%, knapp 8% bzw. 7%. Auf Länderebene stechen die Beiträge der Exporte nach China (+13,3%) und in die Niederlande (+9,5%) heraus. Zwar zogen die Ausfuhren in die USA 2017 mit einem Plus von 4,4 % weniger stark an als die gesamten deutschen Exporte (+6,2%). Aufgrund des hohen Gewichts der USA als Zielland ist der ab- solute Beitrag zum Wachstum der deutschen Ausfuhren dennoch recht groß. Die Ausfuhren nach Russland expandierten im letzten Jahr um gut 20%. Damit haben sich die deutsch-russischen Handelbeziehungen 2017 wieder verbessert, trotz der anhaltenden politischen Spannungen zwischen der EU und Russland. Allerdings waren die deutschen Exporte nach Russland in den vier Jahren zuvor aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche Russlands und wegen der EU- Handelssanktionen um insgesamt 44% eingebrochen. In Grafik 8 haben wir für die deutschen Warenausfuhren des Jahres 2017 jene Branchen-Länder-Paare zusammengestellt, deren absoluter Wachstumsbeitrag zu den deutschen Ausfuhren im letzten Jahr den Wert von EUR 1 Mrd. überstie- gen hat. Neben den zu erwartenden Kombinationen wie den Exporten des Ma- schinenbaus oder der Elektrotechnik nach China finden sich hier auch einige überraschende Paare. Dazu zählen etwa die Ausfuhren von pharmazeutischen Erzeugnissen oder von Bekleidung in die Schweiz sowie die Exporte der Elek- trotechnik in die Niederlande oder nach Polen. Der größte deutsche Exportsek- tor, die Automobilindustrie, taucht in dieser Statistik dagegen nur einmal auf, nämlich mit seinen Ausfuhren nach China. Brexit hinterlässt Spuren: Pharma und Automobilindustrie betroffen 2017 war freilich nicht alles eitel Sonnenschein für die deutsche Exportwirt- schaft. Beispielsweise hinterließ der Brexit Spuren in der deutschen Ausfuhrsta- tistik. 2017 sanken die deutschen Warenausfuhren nach UK nominal um 1,8%; dies war der zweite Rückgang in Folge (2016: -3,5%). Natürlich sind diese Rückgänge nicht allein auf den Brexit-Beschluss zurückzuführen. Gleichwohl haben die wirtschaftlichen Unsicherheiten rund um die Entscheidung sowie die Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro eine große Rolle ge- 0 50 100 150 200 CN NL US FR UK IT PL AT CH CZ BE ES RU Quelle: Statistisches Bundesamt China wichtigster Handelspartner Deutschlands 4 Deutsches Handelsvolumen (Ausfuhren plus Einfuhren) nach Ländern, 2017, EUR Mrd. -20 0 20 40 60 US UK FR AT ES SE AE IT PL CH BE CZ IE NL RU NO VN CN Deutscher Handelsbilanzsaldo mit ausgewählten Ländern, 2017, EUR Mrd. Quelle: Statistisches Bundesamt Hohe Exportüberschusse gegenüber den USA und UK 5 0 5 10 15 20 Elektrotechnik Maschinenbau Chemie Automobil Pharma Metallerzeugung Quelle: Statistisches Bundesamt Elektrotechnik und Maschinenbau sorgen 2017 für Dynamik bei Exporten 6 Zuwachs der deutschen Warenausfuhren nach Branchen, 2017, EUR Mrd. Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 5 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland spielt. Wie von uns erwartet wurde, sind die deutsche Automobil- und die Phar- maindustrie hiervon am stärksten betroffen. 1 So sanken die Ausfuhren der hiesi- gen Automobilindustrie nach UK 2017 um 8,3% (2016: -6,6%). Der Anteil von UK an den gesamten deutschen Ausfuhren der Automobilindustrie nahm damit von 12,8% im Jahr 2015 auf „nur noch“ 10,6% ab. Gleichwohl erzielte Deutsch- land gegenüber UK auch 2017 noch einen Überschuss im Handel mit Automo- bilprodukten von über EUR 19 Mrd. (entspricht 41% des gesamten bilateralen Handelsüberschusses); darin sind auch die Lieferungen von Kfz-Zulieferern aus Deutschland an Autofabriken in UK enthalten. Noch dramatischer fallen die Einbußen der deutschen Pharmaindustrie aus. Die Ausfuhren der Branche nach UK sanken 2017 um knapp 20%; schon im Jahr zuvor schrumpften sie um 11,5%. Dagegen sind die gesamten Exporte der Pharmaindustrie in diesen beiden Jahren um knapp 10% gestiegen. In der Folge nahm der Anteil von UK an den deutschen Ausfuhren pharmazeutischer Produkte von 10,4% im Jahr 2015 auf lediglich 6,7% im letzten Jahr ab. Handelskrieg als Negativszenario (nicht nur) für deutsche Industrie Die oben erwähnten Rückgänge der deutschen Ausfuhren nach Russland, die u.a. eine Folge der EU-Sanktionen waren, sowie das Brexit-Beispiel zeigen, wie anfällig bilaterale Handelsbeziehungen für politische Störfeuer sein können. In- sofern schauen nicht nur die deutsche Exportwirtschaft und Politik mit Sorge auf die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu möglichen Strafzöllen auf Importe in die USA. Tatsächlich hat die US-Regierung kürzlich beschlossen, Strafzölle in Höhe von 10% auf Stahlimporte und von 25% auf Einfuhren von Aluminium einzuführen. Zwar sind die EU und andere Länder von diesen Strafzöllen vorerst ausgenommen. Somit zielen die US-Importzölle derzeit vor allem auf China ab, das seinerseits höhere Zölle auf bestimmte aus den USA importierte Güter angekündigt hat; beide Seiten drohen sich derzeit mit weiteren Zollerhöhungen für weitere Produkte. Trotz der Ausnahmen für die EU sorgten die Äußerungen ganz grundsätzlich für Irritationen auch bei den westlichen US- Handelspartnern. Dies gilt umso mehr, als Donald Trump nicht nur die Stahl- und Aluminiumindustrie, sondern auch die Automobilindustrie (und dabei konk- ret deutsche Unternehmen) erwähnte und das Handelsdefizit der USA in die- sem Sektor gegenüber der EU beklagte. Obwohl also die EU aktuell von US- Strafzöllen ausgenommen ist, ist eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und der EU kein vollkommen unrealistisches Szenario mehr. US-Strafzölle würden deutsche Exportwirtschaft treffen Die deutsche Industrie wäre stark davon betroffen, wenn der transatlantische Handel eingeschränkt würde. Wie wir bereits ausgeführt haben, waren die USA mit einem Anteil von 8,7% an den gesamten deutschen Warenausfuhren im Jahr 2017 der wichtigste Exportmarkt. Dies wäre zu vernachlässigen, wenn die deutsche Industrie insgesamt nur einen kleinen Teil ihres Umsatzes mit dem Ausland erwirtschaften würde. Tatsächlich liegt die Exportquote des Verarbei- tenden Gewerbes in Deutschland aber knapp über 50% (gemessen am Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz). Auf sektoraler Ebene lohnt sich zunächst ein Blick auf die Metallindustrie, spezi- ell auf die Metallerzeugung und -bearbeitung (NACE-Code 24), da sie ja als ers- tes in den Fokus der US-Administration rückte. Die Branche umfasst u.a. die Stahl- sowie die Aluminiumindustrie. Auf die USA entfielen 2017 6,6% der ge- samten Ausfuhren der Metallerzeugung. Dies entspricht Platz 7 in der Rangliste 1 Vgl. Heymann, Eric (2016). Brexit: Deutsche Automobil- und Pharmabranche am meisten betroffen. Deutsche Bank Research. Aktueller Kommentar. Frankfurt am Main. 0 3 6 9 12 CN NL PL US RU IT FR CH Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Exporte nach China und in die Niederlande steigen 2017 kräftig 7 Zuwachs der deutschen Warenausfuhren nach Ländern, 2017, EUR Mrd. 0 1 2 3 4 Maschinenbau-CN Elektrotechnik-CN Maschinenbau-US Pharma-CH Elektrotechnik-CZ Elektrotechnik-NL Bekleidung-CH Automobil-CN Maschinenbau-RU Elektrotechnik-PL Quelle: Statistisches Bundesamt Zuwachs der deutschen Warenausfuhren nach Branchen und Ländern, 2017, EUR Mrd. Investitionsgüterexporte nach China sorgen für Impulse 8 0 50 100 150 Automobil Maschinenbau Chemie Pharma Sonst. Fahrzeugbau Elektrotechnik Gummi- u. Kunststoffw. Metallindustrie Quelle: Statistisches Bundesamt Automobilind. u. Maschinenbau für dt. Handelsbilanzüberschuss maßgeblich 9 Deutscher Handelsbilanzüberschuss nach Branchen, 2017, EUR Mrd. Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 6 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland der wichtigsten Exportmärkte. In absoluter Betrachtung entspricht dies einem Ausfuhrvolumen von knapp EUR 3,6 Mrd. Die Metallerzeugung kam 2017 auf eine Exportquote von 41,2%. Damit liegen für die Branche sowohl der US-Anteil an den gesamten Ausfuhren als auch die Exportquote unter dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes. Gleichwohl würden Zölle auf US-Importe – cete- ris paribus – zu einem Rückgang der Ausfuhren in die USA führen. Eine grobe Kalkulation verdeutlicht die Größenordnungen: Ein 25%-iger Exportrückgang der Metallerzeugung in Richtung USA entspräche (bei sonst gleichen Bedingun- gen) einem um 1,7% niedrigeren gesamten Ausfuhrvolumen. Dies wäre für die Branche sicherlich verkraftbar, wobei Zweitrundeneffekte hier nicht berücksich- tigt sind. Ein Vorteil der deutschen Stahlindustrie liegt darin, dass sie sich in den letzten Jahrzehnten auf hochwertige Spezialstahlsorten fokussiert hat. Hier ist die Preiselastizität der Nachfrage niedriger als bei „Standardstählen“. Dieser Qualitätseffekt würde die negativen Folgen von US-Importzöllen abmildern. Investitionsgüterbranchen und Pharmaindustrie wären doppelt negativ tangiert Die klassischen deutschen Investitionsgüterbranchen wären von (höheren) US- Importzöllen oder sonstigen Handelsbeschränkungen stärker betroffen als die Metallerzeugung. Sie verzeichnen allesamt eine überdurchschnittlich hohe Ex- portquote, sind also besonders stark vom Auslandsgeschäft abhängig. Zugleich kommen die USA auf einen hohen Anteil an den gesamten Ausfuhren der Sek- toren. Beispielsweise kam die Automobilindustrie 2017 auf eine Exportquote von über 64%. Mit einem Anteil von 12,2% waren die USA zudem der wichtigste ausländische Absatzmarkt für die Branche. Ähnliche Werte im Maschinenbau: Er erreichte im letzten Jahr eine Exportquote von knapp 63%. 10,4% der Aus- fuhren gingen in die USA, die auch für diesen Sektor der größte Exportmarkt sind. Im sonstigen Fahrzeugbau (v.a. Flugzeugbau) verzeichneten die USA ei- nen Anteil von 12,4% an den gesamten Ausfuhren, bei einer Exportquote von 69,3%. In der Elektrotechnik fallen die Zahlen nicht ganz so hoch aus. Die Ex- portquote der Branche lag 2017 bei knapp 58%, der US-Anteil an den Ausfuh- ren entsprach „nur“ dem Durchschnitt des gesamten Verarbeitenden Gewerbes (8,7%). Wie schon in der Stahlindustrie würde der Fokus der deutschen Investi- tionsgüterbranchen auf qualitativ hochwertige Erzeugnisse wie Spezialmaschi- nen oder Fahrzeuge der automobilen Oberklasse den negativen Effekt handels- beschränkender Maßnahmen abmildern. Außerhalb der Investitionsgüterbranchen zeigt vor allem die deutsche Pharma- industrie eine hohe Abhängigkeit von den Ausfuhren in die USA. Auf sie entfie- len 2017 mehr als 18% aller Ausfuhren der Branche, die mit 66,9% gleichzeitig eine besonders hohe Exportquote aufweist. Zwar ist auch bei vielen Medika- menten die Preiselastizität der Nachfrage gering. Gleichwohl könnten die US- Konsumenten im Falle von hohen US-Zöllen bei vielen Produkten auf heimische Anbieter ausweichen, denn die US-Pharmaindustrie ist ebenfalls sehr leistungs- fähig. Das Brexit-Beispiel zeigt, dass eine solche Ausweichreaktion möglich ist. 0 5 10 15 20 25 Automobil Maschinenbau Pharma Elektrotechnik Metallindustrie Gummi- u. Kunststoffw. Chemie Sonst. Fahrzeugbau Quelle: Statistisches Bundesamt Deutscher Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA nach Branchen, 2017, EUR Mrd. DE erzielt in wichtigen Branchen Handelsbilanzüberschuss gg. USA 10 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 7 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland In Grafik 11 sind an der X-Achse für deutsche Industriesektoren die Abweichun- gen des US-Anteils an den gesamten Exporten der Branchen vom US-Anteil des Verarbeitenden Gewerbes abgetragen. Die Y-Achse zeigt die Abweichung der Branchen von der durchschnittlichen Exportquote im Verarbeitenden Ge- werbe. Insofern liegen im rechten oberen Quadranten all jene Sektoren, die so- wohl eine überdurchschnittlich hohe Exportquote aufweisen und bei denen ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Ausfuhren in die USA geht. Diese wären von Beschränkungen im Handel mit den USA am stärksten betroffen. Deutsche Automobilindustrie wichtiger Produzent und Exporteur in den USA Kommen wir zurück zur Automobilindustrie: Aktuell liegt der Zollsatz der EU auf aus den USA importierten Pkw bei 10%. Im umgekehrten Fall sind es lediglich 2,5%. Diese Differenz dürfte zu den grundsätzlichen handelskritischen Äußerun- gen von Donald Trump beigetragen haben. Das explizite Erwähnen deutscher Autohersteller sorgte für Irritationen und Sorgen in der deutschen Automobilin- dustrie. Ein Grund hierfür liegt darin, dass die deutsche Automobilindustrie in den letzten Jahren ihre Produktion in den USA deutlich ausgebaut und sich zu einem wichtigen Exporteur aus den USA heraus entwickelt hat. 2017 liefen etwa 804.000 Autos deutscher Konzernmarken von den Bändern in US-Fabriken. Das waren 264% mehr Fahrzeuge als 2005. Die USA sind damit nach China und Tschechien der wichtigste ausländische Produktionsstandort der deutschen Automobilindustrie; weitere Investitionen in den USA sind geplant. Etwa 60% der von deutschen Herstellern in den USA gefertigten Fahrzeuge gingen im letz- ten Jahr in den Export. Richtig ist gleichwohl, dass Deutschland wertmäßig deutlich mehr Produkte der Automobilindustrie in die USA exportiert als die USA nach Deutschland ausführen. Das liegt auch daran, dass US-amerikanische Hersteller den europäischen Markt zu einem nennenswerten Teil aus Fabriken in Europa bedienen. Zudem sind viele der für den US-Markt konzipierten Fahr- zeuge (z.B. schwere Pick-ups, die seitens der USA mit einem 25%-igen Zoll ge- gen ausländische Importe geschützt werden), die amerikanische Hersteller im Angebot haben, für die europäische Kundschaft nicht attraktiv. Höhere US-Importzölle oder sonstige Handelsbeschränkungen könnten dazu führen, dass andere Länder ihrerseits mit Handelsbeschränkungen reagieren, was wiederum die Exporte aus den USA träfe. Insofern würde ein Handelskon- flikt ganz unabhängig von der Nationalität der betreffenden Unternehmen so- wohl Exporteure in die USA als auch Unternehmen bzw. Produktionsstätten in den USA treffen. Die Konsumenten in allen von einem Handelskonflikt betroffe- nen Staaten müssten höhere Preise für importierte Produkte zahlen. -30 -20 -10 0 10 20 30 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 Automobil Pharma Nahrungsmittel Chemie Maschinenbau Sonst. Fahrzeugbau Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research X-Achse: Abweichung von Ø US-Anteil an gesamten Exporten des deutschen Sektors, 2017, %-Punkte Y-Achse: Abweichung von Ø Exportquote des gesamten Verarbeitenden Gewerbes, 2017, %-Punkte Deutsche Investitionsgüterbranchen u. Pharmaindustrie am stärksten von USA abhängig 11 Elektrische Ausrüstungen DV-Geräte, elektron. u. opt. Erzeugnisse 0 100 200 300 400 500 02 04 06 08 10 12 14 16 USA Ausland gesamt Autoproduktion in den USA wächst überdurchschnittlich schnell 12 Quelle: VDA Pkw - Produktion (Stückzahlen) dt. Hersteller in Fabriken im Ausland, 2002=100 0 2 4 6 CN CZ US ES MX BR SK HU ZA PL UK NL RU IN Quelle: VDA Pkw - Produktion (Stückzahlen) dt. Hersteller in Fabriken im Ausland nach Ländern, Mio. China weit voran, USA auf Platz 3 13 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 8 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Die negativen Auswirkungen, die durch Zölle oder Handelsbeschränkungen für viele beteiligte Akteure zu erwarten wären, dürften maßgeblich dafür sein, dass die Reaktionen anderer Länder auf die Androhung bzw. Verhängung von US- Zöllen bislang recht zurückhaltend ausfallen. Die Sorge der europäischen Han- delspartner gilt dabei nicht nur der Vermeidung einer Eskalationsspirale bei Im- port- bzw. „Schutzzöllen“, sondern angesichts der handelskritischen Rhetorik des US-Präsidenten ganz generell der Unterminierung der multilateralen Welt- handelsordnung, wie sie die WTO vorsieht. Diese Sorgen dürften auch nicht durch die kritischen Stimmen an den handelspolitischen Plänen ausgeräumt werden, die in den USA selbst zu vernehmen sind. Wenn es den USA tatsäch- lich um eine stärkere bilaterale Öffnung der Märkte zwischen den USA und Eu- ropa geht, könnte eine Wiederbelebung der Verhandlungen über eine Transat- lantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) dazu beitragen, offene handelspolitische Baustellen (unterschiedlichen Zollsätze, nicht-tarifäre Han- delsbeschränkungen) abzubauen. Gleichwohl dürften sich hierfür kurzfristig kaum ausreichend viele und wichtige politische Fürsprecher auf beiden Seiten finden. Wechselkurs und Tarifabschluss als weitere belastende Faktoren Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob der Handelsstreit regional und hinsichtlich der betreffenden Branchen weiter eskaliert, auf nur wenige Sek- toren und Länder (und moderate Gegenmaßnahmen) begrenzt bleibt oder gar wieder abflaut. Angesichts der wechselhaften politischen Aussagen in den USA ist hier kaum eine Prognose möglich. Mit Blick auf die deutsche Exportwirtschaft bleibt jedoch festzuhalten: Die Hersteller von Investitionsgütern sowie die phar- mazeutische Industrie wären von einer Eskalation des Handelsstreits am meis- ten betroffen. Der Handelsstreit trübt die Aussichten der deutschen Exportwirtschaft auf das Jahr 2018. Hinzu kommen weitere Faktoren, die das Wachstum der deutschen Ausfuhren im laufenden Jahr bremsen dürften. Zu nennen sind die recht hohen Tarifabschlüsse in Teilen der deutschen Industrie, die zu höheren Produktions- kosten führen werden. Angesichts der sehr gut ausgelasteten Kapazitäten und der aktuell noch hohen Auftragsbestände sind diese jedoch kurzfristig und im Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes recht gut zu verkraften. Ferner ver- schlechtert der recht starke Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der hiesi- gen Exporteure. Der nominale handelsgewichtete Euro-Wechselkurs hat seit Anfang 2015 um etwa 14% aufgewertet. In Summe könnte dies den gerade an- gelaufenen Investitionszyklus in Deutschland belasten und die Bereitschaft der Unternehmen senken, mehr Beschäftigte einzustellen. Insgesamt ist es in die- sem Umfeld nachvollziehbar, dass die ifo-Exporterwartungen zuletzt viermal in Folge gesunken sind. Ferner sind auch die Erwartungen der Unternehmen über die künftige Entwicklung der Beschäftigung zuletzt zurückgegangen. Beide Frühindikatoren liegen jedoch noch immer im positiven Bereich. Trotz der han- delspolitischen Irritationen sollten die Unternehmen in Deutschland im laufen- den Jahr ihre Ausfuhren erneut steigern können. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) -30 -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 16 17 18 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Beschäftigung … zur Entwicklung der Produktionstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Erwartungen der Unternehmen in DE, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe nach wie vor positiv 15 100 105 110 115 120 125 05 07 09 11 13 15 17 Wechselkurs Durchschnitt seit 2005 Euro-W echselkurs zuletzt stärker 14 Nominaler handelsgewichteter EUR-Wechselkurs, Q1 1999=100 Quelle: EZB Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 9 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Trotz Boom im Häusermarkt dürfte die Miet- inflation träge bleiben — Von allen Warengruppen haben die Mieten den größten Einfluss auf die In- flation. Während die Medien regelmäßig über die hohe Mietdynamik berich- ten, findet sie in der amtlichen Statistik nicht statt. In den letzten zehn Jah- ren lag die Mietinflation stets unter 2%. — Ende 2017 haben wir auf die besonders hohe Diskrepanz zwischen offiziel- len Mieten und Marktmieten in Berlin hingewiesen. Hier werfen wir einen de- taillierten Blick auf die bundesweite Statistik. Dabei beleuchten wir auch die zu erwartende Auswirkung der neuen Methodik Anfang nächsten Jahres. — Unseren Berechnungen nach ist die relativ geringe Mietinflation der vergan- genen Jahre durchaus plausibel. Die Mietinflation ist aufgrund der Behäbig- keit der Bestandsmieten träge. — Der Einfluss der ab Anfang des Jahres 2019 effektiv eingesetzten neuen Mietenstichprobe auf die Mietinflation dürfte begrenzt sein. Die Berücksichti- gung neu erstellter Wohnungen und die systematische Rotation der Vermie- ter dürften tendenziell die Mietinflation erhöhen. Tendenziell dämpfend dürfte jedoch die Berücksichtigung von Kleinvermietern wirken, deren Mie- ten bisher nicht erhoben wurden. Der Nettoeffekt ist vermutlich gering. — Anfang des Jahres 2019 werden neue Warenkorbgewichte eingeführt. Die Daten des Statistischen Bundesamtes legen nahe, dass die Ausgabenquo- ten der deutschen Haushalte für Mieten und Wohnen seit dem Jahr 2010 gestiegen sind. Daher sollten deren Warenkorbgewichte höher ausfallen als bisher. Solange Mietinflation und Gesamtinflation aber nahezu gleich ver- laufen, hat das höhere Gewicht keinen signifikanten Einfluss auf die Ge- samtinflation. Träge Nettokaltmieten im gesamten aktuellen Hauspreiszyklus Die in Zeitungsberichten thematisierte Mietdynamik und die kräftigen Erhöhun- gen der Marktmieten sind in der amtlichen nationalen Statistik nicht zu finden. So stiegen über den gesamten Hauspreiszyklus von 2009 bis heute die Netto- kaltmieten laut Verbraucherpreisstatistik in gleichem Tempo wie die Inflation ins- gesamt. Auch im Jahr 2017 waren Gesamtinflation und Mietinflation mit 1,7% identisch. Aufgrund dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Entwicklung versuchen wir hier drei Fragen zu beantworten. Erstens prüfen wir, ob die Ver- braucherpreisstatistik das Mietwachstum akkurat misst. Zweitens analysieren wir, wie die neue Mietenstichprobe ab dem Jahr 2019 die (Miet-)Inflation verän- dern könnte. Drittens untersuchen wir, wie sich die neuen Warenkorbgewichte für Mieten und Wohnen verändern werden und welche Auswirkung sie auf die Inflation haben könnten. Abschließend vergleichen wir noch die nationale Inflati- onsmessung mit der harmonisierten Inflationsrate. Wie akkurat ist die Messung der Mietinflation bundesweit? Dass die offizielle Statistik tatsächlich nicht immer die Lebenswirklichkeit der Menschen widerspiegelt, lässt sich unserer Ansicht nach an den Mieten in Berlin belegen. Dort wuchsen die Bestandsmieten laut den Berliner Mietspiegeln mehr als doppelt so schnell wie die Nettokaltmieten laut Verbraucherpreisstatistik (vgl. „Unterschätzte Inflation: Ein Berliner oder doch ein bundesweites Problem?“, Dezember 2017). Aufgrund der hohen Divergenz beider Zeitreihen halten wir eine Unterschätzung durch die offizielle Verbraucherpreisstatistik für Berlin für 0 50 100 150 200 250 Promille Quelle: Statistisches Bundesamt Die Güter im nationalen Warenkorb mit dem größten Warenkorbgewicht 1 0 3 6 9 12 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Offizieller VPI (Stat. Bundesamt) Wiedervermietung (riwis) Berlin: Nettokaltmieten 2 % gg. Vj. Quellen: riwis, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 100 103 106 109 112 115 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Insgesamt ex Energie Nettokaltmieten 2009=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland: Verbraucherpreise 3 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 10 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland wahrscheinlich. Deshalb untersuchen wir, ob es auch bundesweite eine Unter- schätzung geben könnte. Wird die Mietinflation richtig gemessen? Zweifellos stiegen in den letzten Jahren in vielen Regionen die Mieten beim Ab- schluss neuer Verträge. Viele Haushalte haben aber jahrelang oder gar jahr- zehntelang keinen Wohnungswechsel vollzogen. Entsprechend divergieren in vielen Städten die Bestandsmieten von den Marktmieten. Dies erklärt, warum die Mietinflation deutlich niedriger ausfällt als die rasant steigenden Wiederver- mietungsmieten. Um die offizielle Mietinflation der Verbraucherpreisstatistik in den letzten Jahren zu plausibilisieren, berechnen wir die Mietinflation mittels fol- gendem Vorgehen: Für ein neues Jahr unterteilen wir die Mietverträge in neu abgeschlossene und Bestandsverträge. Die neuen Verträge unterteilen wir nochmal in die 126 Städte (riwis-Universum), zu denen uns detaillierte Informati- onen über die Wiedervermietungsmieten vorliegen, und den Rest Deutschlands. Im Detail erfolgt unsere Berechnung bzw. unser Näherungsverfahren der Mietin- flation folgendermaßen: 1. Verteilung der Mieterhaushalte: Lt. riwis gibt es in den 126 Städten 29 Mio. Einwohner, die in 16,5 Mio. Haushalten leben. In Metropolen wie Berlin liegt der Anteil der Mieterquote bei rund 80% in Hamburg bei rund 70%. Auch in den anderen deutschen Metropolen dürfte die Mieterquote deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 54% liegen. Unterstellt man in den Me- tropolen eine durchschnittliche Mieterquote von 70%, erhöht sich die Mieter- quote in den 126 Städten insgesamt auf rund 60%. Für den Rest Deutsch- lands ergibt sich dann eine Mieterquote von 48%. Folglich sind von den 19,7 Mio. deutschen Mieterhaushalten 10 Mio. in den 126 Städten und 9,7 Mio. im Rest von Deutschland. 2. Feststellung der Miethöhe: Laut dem 3. Bericht der Bundesregierung über die Wohnungswirtschaft betrug die durchschnittliche Netto- und Bruttokalt- miete im Jahr 2015: EUR 404 und 482 pro Monat. 3. Verteilung der Mieten im Jahr 2015: Der Bericht der Bundesregierung weist dabei in etwa folgende Verteilungen der Mieten auf, wobei die Vertei- lung mit den Durchschnittswerten aus 2. im Einklang stehen. Tabelle 1: Brutto- und Nettokaltmieten (BKM/NKM) EUR-Klassen pro Monat unter 300 300 bis 400 400 bis 500 500 bis 600 600 bis 700 700 und mehr BKM %-Anteile lt. 3. Wohnungsbericht (Bundesregierung) 19,2 23,5 20 15,5 9,3 12,5 Mieterhaushalte in Mio. 3,8 4,6 3,9 3,1 1,8 2,5 Aus Anteilen der BKM abgeleitete Verteilung der Mieten Angenommene mittlere BKM in EUR 280 350 450 550 650 880 NKM in EUR 235 294 377 461 545 738 Quellen: Bundesregierung, Eigene Berechnungen 0 25 50 75 100 Berlin Hamburg 126 Städte (riwis) DE DE ex 126 Städte Mieterquoten 4 % Quelle: Statistisches Bundesamt 402 482 0 200 400 600 Nettokaltmiete Bruttokaltmiete Quellen: Bundesregierung, Deutsche Bank Research Deutschland: Durchschnittliche Miete 5 EUR pro Monat 0 1 2 3 4 5 0 5 10 15 20 25 BKM %-Anteile lt. 3. Wohnungsbericht Mieter-HH (rechts) Deutschland: Verteilung der Bruttokalt - mieten nach EUR - Klassen 6 linke y-Achse: %-Anteil rechte y-Achse: in Mio. Quellen: Bundesregierung, Deutsche Bank Research Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 11 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland 4. Ausgaben für Mieten: Basierend auf dieser Verteilung zahlen die deut- schen Mieterhaushalte rund EUR 8 Mrd. pro Monat bzw. fast EUR 100 Mrd. pro Jahr für die Nettokaltmiete. Ausgehend von der Verteilung der Mieter- haushalte entfallen etwas mehr als EUR 4 Mrd. auf die Mieterhaushalte in den 126 Städten und etwas weniger als EUR 4 Mrd. auf den Rest Deutsch- lands. 5. Umzüge pro Jahr: Eine Hauptgröße zur Berechnung des Einflusses der Wiedervermietungsmieten auf die Inflation ist die Zahl der Umzüge. Offizi- elle Wanderungsstatistiken erfassen nur Umzüge über offizielle Gebiets- grenzen hinweg und damit nur einen geringen Teil der Umzüge. Private Quellen zeigen, dass mehr als 10% der Haushalte pro Jahr umziehen (deutscher-umzugsmarkt.de), wobei wohl zumindest in einigen Metropolen die Umzugshäufigkeit im laufenden Hauspreiszyklus gesunken ist. Je stär- ker die Wiedervermietungsmieten von den Bestandsmieten abweichen, desto weniger bereit ist man zum Umzug. Wir unterstellen, dass 10% der Haushalte pro Jahr umziehen und zwar sowohl für die 126 Städte als auch den Rest von Deutschland. 6. Mieten: Zu guter Letzt brauchen wir noch eine Einschätzung, wie sich die Mieten bei einem Mieterwechsel erhöhen. Hierzu vergleichen wir einige Wiedervermietungsmieten (126 Städte) mit den eher an Bestandsmieten orientierten Mieten aus den Mietspiegeln der entsprechenden Städte. Im Durchschnitt liegen die Wiedervermietungsmieten 30% über den Mieten in den Mietspiegeln. In Frankfurt ist der Abstand mit 55% am größten, am niedrigsten mit etwas weniger als 20% in Erfurt und Schwerin. Für den Rest Deutschlands (außerhalb der 126 Städte) haben wir keinen Anhaltspunkt, wie stark die Wiedervermietungsmieten über den Bestandsmieten liegen. Wir vermuten für den Rest von Deutschland eher eine kleine Differenz und unterstellen bei der Berechnung der folgenden Ergebnisse eine Differenz von 0%. Würde man hier positive Werte unterstellen, so stiege die Mietinfla- tion in Deutschland linear mit der prozentualen Differenz zwischen Wieder- vermietungs- und Bestandsmieten und zwar um 0,05%-Punkte je Prozent- punkt, d.h. eine Differenz von 10% zwischen Wiedervermietungs- und Be- standsmieten im Rest von Deutschland würde die Mietinflation insgesamt um 0,5%-Punkte erhöhen. 7. Berechnung der Mietinflation: Basierend auf den vorhandenen Informatio- nen kalkulieren wir die gesamten Mietausgaben in Deutschland für die Jahre 2016 und 2017 und berechnen dann die durchschnittliche Mietinfla- tion. Ergebnisse und Ausblick Die offizielle Verbraucherpreisstatistik ist basierend auf unserem Näherungsver- fahren einigermaßen plausibel. Während die Verbraucherpreisstatistik für die Mietinflation der Nettokaltmieten für die Jahre 2016 und 2017 1,2% und 1,7% ausweist, berechnen wir auf unserer Datenbasis eine Mietinflation von 1,52% und 1,54%. Aufgrund der trägen Bestandsmieten rechnen wir auch auf kurze Sicht mit keinem deutlichen Anziehen der Mietinflation. Langfristig könnte es po- tenziell zu einer leicht höheren Mietinflation kommen – insbesondere wenn, wie von uns erwartet, die Wiedervermietungsmieten in den kommenden Jahren wei- ter ansteigen und es im Zuge des demografischen und des Strukturwandels ver- mehrt zu Umzügen kommt. Dies könnte vor allem dann die Mietinflation erhö- hen, wenn es noch stärker als bisher zu Umzügen von Regionen mit niedrigem Mietniveau hin zu den Metropolregionen kommt. 0 5 10 15 20 B e r l i n B o n n D r e s d e n D ü s s e l d o r f E r f u r t F r a n k f u r t H a m b u r g K ö l n M ü n c h e n P o t s d a m S c h w e r i n S t u t t g a r t T r i e r W i t t e n lt. Mietspiegel Wiedervermietung (Riwis) Deutschland: Mieten 7 Quellen: BulwienGesa, Mietspiegel der einzelnen Städte, Deutsche Bank Research EUR/qm 0 1 2 3 0 5 10 15 Mietinflation in Abhängigkeit von der ... 8 ... Differenz zwischen Wiedervermietung und Bestandsmieten in "DE ohne 126 Städte" Quelle: Eigene Berechnungen 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 16 17 VPI DB-Näherung Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Mietinflation 9 % Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 12 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Kritikpunkte an unserem Näherungsverfahren Viele Faktoren bleiben bei unserem Näherungsverfahren unberücksichtigt. So fließen weder die höheren Mieten für neue Wohnimmobilien noch Indexmieten bei Bestandsverträgen in unsere Berechnung ein. Für die Berechnung der Miet- inflation macht es zudem einen großen Unterschied, ob jedes Jahr die gleichen Mieter einen weiteren Umzug vornehmen oder ob jedes Jahr ein „Bestandsmie- ter“ einen neuen Mietvertrag abschließt. Auch haben wir hier nicht diskutiert, dass Mieter zu Eigentümern werden können und umgekehrt. Ebenso abstrahie- ren wir hier auch von Umzügen, die vorgenommen werden, um die Mietausga- ben zu reduzieren oder um eine Mieterhöhung zu vermeiden. Die offizielle Ver- braucherpreisstatistik berücksichtigt zudem qualitätsbedingte Preisveränderun- gen nicht (Hedonik). Für unser Näherungsverfahren und unsere Datenlage ist die Anwendung hedonischer Methoden unmöglich. Kritikpunkte an der öffentlichen Statistik Wenngleich wir die offizielle Mietinflation für plausibel halten, wollen wir hier auch einige kritische Anmerkungen anfügen, die Ansätze zur Verbesserung der Statistik aufzeigen: — Unsere eigenen Berechnungen haben uns dafür sensibilisiert, dass sich die Parameter deutlich ändern müssen, um die Mietinflation innerhalb eines Jahres um 0,5%-Punkte (2016 1,2% vs. 2017 1,7%) zu erhöhen. Interes- sant wäre es, detaillierte Informationen über die Stichprobenerhebung des Statistischen Bundesamtes zu bekommen. Dies ist leider oft nur begrenzt möglich. — Unseres Erachtens ist insbesondere die Entwicklung auf Länderebene über- raschend und erklärungsbedürftig: - Das Bundesland mit der höchsten Mietinflation im Jahr 2017 war das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern. - Dort beschleunigte sich die Mietinflation auch besonders kräftig von 1,4% im Jahr 2016 auf 2,4% im Jahr 2017. - Auch Berlin weist eine kräftige Beschleunigung von 1,1% im Jahr 2016 auf 1,9% im Jahr 2017 auf. - In Berlin bleibt die Mietinflation aber weiterhin unter der Mietinfla- tion in Bremen, die in diesen Jahren 2,1% und 2,0% betrug. Auch in den Jahren 2014 und 2015 war die Mietinflation in Bremen hö- her als in Berlin, während die Wiedervermietungsmieten seit dem Jahr 2009 in Berlin um rund 60% und in Bremen um nur rund 25% anstiegen. Erhöht die neue Mietenstichprobe künftig die Mietinflation? Das Statistische Bundesamt überarbeitet seit Jahren seine Methodik. Die Netto- kaltmieten sollen künftig mithilfe einer neuen Stichprobe detaillierter und reprä- sentativer erfasst werden. Die Tabelle 2 enthält einen kurzen Vergleich der alten und neuen Stichprobe. Die ökonomisch relevantesten Änderungen der neuen Mietenstichprobe dürften — die systematische Aufnahme von neu erstellten Wohnungen, — die systematische Rotation der Vermieter und — die Aufnahme von Kleinvermietern sein. 0 1 2 3 MV Hessen Bremen Berlin NRW Bayern % Quelle: Statistisches Bundesamt 2017 Bundesländer mit höchsten Mieten im Jahresvergleich 10 0 1 2 3 4 2014 2015 2016 2017 Bremen Berlin % Quelle: Statistisches Bundesamt 2014 - 17: Mietinflation 11 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 13 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Die Aufnahme neu erstellter Wohnungen dürfte tendenziell die Mietinflation er- höhen. Gleiches gilt für die systematische Rotation der Vermieter, wodurch eine Überrepräsentierung von Bestandsmieten vermieden wird. Die Aufnahme der Kleinvermieter könnte dies indes mehr als kompensieren. Der Anteil der Klein- vermieter am gesamten Vermietermarkt ist in Deutschland recht groß. Da diese oft hohe Transaktionskosten bei einem Mieterwechsel haben, setzen sie Miet- erhöhungen eher selten durch. Daher tragen sie zur trägen Entwicklung der Mieten in Deutschland bei. Tabelle 2: Vergleich von neuer und alter Stichprobe Variable Bisher ab dem Jahr 2019 Befragte Vermieter & Mieter Vermieter Abgefragtes Merkmal ohne mit Vermietertyp Hedonik Bundesländer-spezifisch einheitlich Ersetzungen, z.B. wegen dauerhaftem Leerstand Bundesländer-spezifisch einheitlich Rotation der Befragten nicht/ unsystematisch systematisch, 12,5% pro Jahr Neu erstellte Wohnungen nicht/ unsystematisch systematische Berücksichtigung Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Die Umsetzung der neuen Methode ist in vollem Gange. Wirksam wird die neue Methode wohl aber erstmals Anfang des Jahres 2019. Da die neue Zeitreihe bis ins Jahr 2015 zurückgerechnet wird, wäre selbst bei einer (bisher nicht erfass- ten) Preiswirkung mit einer geringen Wirkung auf die aktuelle Mietinflation und die aktuelle Inflation insgesamt zu rechnen. Wirkung eines neuen Warenkorbs auf die Inflation Gleichzeitig mit der Umstellung auf die neue Mietenstichprobe wird ein neuer, abermals bundesweit einheitlicher Warenkorb eingeführt, wodurch auch die Mie- ten und Wohnausgaben insgesamt neu gewichtet werden. Dies hat potenziell großen Einfluss auf die Mietinflation, da die Mieten generell das größte Gewicht im Warenkorb der Verbraucherpreisstatistik haben. Das Statistische Bundesamt unterscheidet dabei drei wesentliche Mietkonzepte: Nettokaltmieten, Bruttokalt- mieten und die gesamten Wohnausgaben (die letzte Kategorie lautet offiziell „Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung“, wobei die Wohnungsinstand- haltung eine vernachlässigbare Größe ist). Bereits die Nettokaltmieten haben mit rund 21% das größte Gewicht im Warenkorb. Das Gewicht der Nettokaltmie- ten setzt sich dabei ungefähr zur Hälfte aus tatsächlich beobachteten Mieten und zur anderen Hälfte aus unterstellten Mieten für selbstgenutztes Wohneigen- tum zusammen. Addiert man die Betriebskosten, z.B. Müllabfuhr und Wasser, zu den Nettokaltmieten insgesamt hinzu liegt das Gewicht der Bruttokaltmieten bei 24%. Die Wohnausgaben insgesamt, die auch Energie und Strom umfas- sen, liegen lt. Warenkorb bei fast 32% der privaten Konsumausgaben. Eine Grundlage für die Berechnung dieser Anteile im Warenkorb der Verbraucher- preise ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, die sogenannte EVS. Das Ziel der EVS ist die repräsentative Erfassung der Konsumgewohnheiten der privaten Haushalte. Der aktuell verwendete Warenkorb stammt aus dem Jahr 2010 und dieser beruht auf der EVS aus dem Jahr 2008. Entsprechend berück- sichtigt das aktuelle Gewicht der Nettokaltmieten nicht die Entwicklung des Hauspreisbooms seit dem Jahr 2009. Bei besonders kräftig steigenden Preisen Gewichte im Warenkorb der Verbraucherpreisstatistik in % der privaten Konsumausgaben Nettokaltmiete 21,0 + Betriebskosten = Müllabfuhr, Wasser- verbrauch, Abwasserentsorgung, Schornsteinfeger, Straßenreinigung 3,1 Bruttokaltmiete 24,1 + Energiekosten = Fernheizung, Warm- wasser, Strom, Gas, Heizöl, Flüssiggas, feste Brennstoffe 6,8 + Wohnungsinstandhaltung 0,8 Wohnen, insgesamt 31,7 Quelle: Statistisches Bundesamt Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 14 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland verzerrt die Anpassung der Warenkörbe die Inflation nach unten. Dies gilt insbe- sondere dann, wenn wie beim Wohnen in den angespannten Wohnungsmärk- ten, z.B. in Berlin, die Substitutionsmöglichkeiten begrenzt sind. Wie hoch sind die Mieten für einen repräsentativen Haushalt? Basierend auf dem Warenkorb der Verbraucherpreisstatistik aus dem Jahr 2010 gibt unseren Recherchen nach ein deutscher Haushalt EUR 490 für die Netto- kaltmiete inkl. unterstellter Mieten für selbstgenutztes Wohneigentum aus, wäh- rend die gesamten privaten Konsumausgaben bei rund EUR 2.330 liegen (EUR 490 entsprechen rund 21% von EUR 2.330). Hat sich diese Quote in den letzten Jahren verändert? Neben der vom Statistischen Bundesamt alle 5 Jahre erho- benen EVS gibt es die Laufende Wirtschaftsrechnung (LWR), die nahezu jähr- lich erhoben wird. 2 Die in beiden Quellen bereitgestellten Mietinformationen sind entweder die Bruttokaltmiete und/oder die Wohnausgaben inklusive Energiekos- ten. Beide Quellen veröffentlichen die Nettokaltmieten unseres Wissens nicht. Hier die Ergebnisse: (1) Zu den Wohnausgaben inklusive Energie: — Lt. EVS 2013 lagen die Ausgaben eines Haushalts für Wohnen plus Energie bei EUR 845 bzw. 34,5% der privaten Konsumausgaben. — Lt. LWR 2016 (publiziert im Februar 2018) sind die gleichen Werte EUR 877 bzw. 35,4%. Þ Die Quote in der aktuellen Verbraucherpreisstatistik beträgt 32%, der Eurobetrag wird dort nicht ausgewiesen. (2) Zur Bruttokaltmiete: — Die LWR 2016 enthält auch Angaben zur Bruttokaltmiete. Diese betrug EUR 700 bzw. 28,2% der privaten Konsumausgaben. Þ Die Ausgabenquote der Bruttokaltmiete in der aktuellen Verbraucher- preisstatistik beträgt 24%, der Eurobetrag wird dort nicht ausgewiesen. Entsprechend der lt. EVS und LWR angestiegenen Ausgabenquoten der deut- schen Haushalte erwarten wir bei der Einführung des neuen Warenkorbs An- fang 2019 höhere Warenkorbgewichte. Sowohl die Wohnausgaben insgesamt als auch die Bruttokaltmieten dürften wohl um einige Prozentpunkte höher aus- fallen und gleiches vermuten wir auch für die Nettokaltmieten. Das höhere Ge- wicht hat aber, so lange Mietinflation und Gesamtinflation nahezu gleich verlau- fen, keinen signifikanten Einfluss. Erst wenn sich in kommenden Jahren die Wiedervermietungsmieten weiter von den Bestandsmieten entfernen und die Mietinflation höher ist als die Inflation ex Mieten, werden die höheren Waren- korbgewichte relevant. Widerspruch in der öffentlichen Statistik Die Daten der EVS und der LWR deuten höhere Warenkorbgewichte im neuen Warenkorb an. Dieses Ergebnis klingt widersprüchlich zu unserem Resultat aus dem ersten Abschnitt. Denn wie kommen die höheren Warenkorbgewichte zu- stande, wenn in den vergangenen Jahren Mietinflation und Gesamtinflation ähn- lich stark wuchsen? Die Verwendung unterschiedlicher Statistiken erklärt die Resultate: die EVS/LWR für die Berechnung der Warenkorbgewichte und die 2 Die (qualifizierten) Mietspiegel könnten die beste Datenquelle sein. Allerdings werden diese Stadtdaten von keiner offiziellen Stelle gesammelt, aufbereitet oder veröffentlicht. Quellen des Statistischen 2010 2013 2016 Bundesamts VPI EVS LWR Merkmale der Stichprobe Umfang - ~80k HH ~7.7k HH Freiwillig/ verpflichtet Frei- willig Frei- willig in EUR Private Konsum- ausgaben 2330 2448 2480 Nettokaltmiete 490 Bruttokaltmiete 700 Wohnen & Energie 739 845 877 in % der privaten Konsumausgaben Nettokaltmiete 21,0 Bruttokaltmiete 28,2 Wohnen & Energie 31,7 34,5 35,4 Quelle: Statistisches Bundesamt 0 50 100 150 200 250 300 96 00 04 08 12 16 Wohnen Mieten Deutschland: Gewicht im harmonisierten W arenkorb 12 Promille Quelle: Eurostat Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 15 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Verbraucherpreisstatistik für die Ermittlung der Preisentwicklung. Aus ökonomi- scher Sicht wären Konsistenzprüfungen zwischen beiden Statistiken zu begrü- ßen, um solche Divergenzen zu vermeiden. Vergleich der harmonisierten Warenkörbe in Euroland Der harmonisierte Warenkorb von Eurostat ist die Grundlage der Inflationsmes- sung in der EU und damit auch für die Geldpolitik der EZB. Dieser unterscheidet sich nur in Details vom nationalen Warenkorb. Jedoch erfasst der harmonisierte Warenkorb keine unterstellten Mieten für selbstgenutztes Wohneigentum. 3 Das Mietgewicht halbiert sich entsprechend auf 10% und die Ausgaben für Wohnen insgesamt sind nur 20% des gesamten Warenkorbes (im nationalen Index 21% und 32%). Interessanterweise hat Deutschland im Vergleich zu den anderen Eurozonenländern das höchste Gewicht im harmonisierten jeweiligen nationalen Warenkorb. Für die Eurozone insgesamt liegen die Gewichte für die Mieten bei lediglich 6% und für Wohnen insgesamt bei 15%. Unserer Ansicht nach könnte es sinnvoll sein darüber nachzudenken, die unterstellte Miete für selbstgenutz- tes Wohneigentum ebenfalls in den harmonisierten Warenkorb aufzunehmen. Die deutschen privaten Haushalte haben gemessen an der Wirtschaftskraft im internationalen Vergleich niedrige Hypothekenschulden und entsprechend auch niedrige Eigentümerquoten. Länder mit deutlich höheren Hypothekenschulden und höheren Eigentümerquoten geben vermutlich deutlich mehr für Wohnen aus als dies der harmonisierte Warenkorb impliziert, denn dieser erfasst weder Hypothekenzinsen noch die Tilgung. Untermauert wird dieses Argument bei ei- nem Vergleich der Haushaltsausgaben für Wohnen relativ zum verfügbaren Haushaltseinkommen. 4 Die OECD-Daten belegen für die Eurozone zwei we- sentliche Fakten: Erstens liegen die deutschen Ausgaben für Wohnen gemes- sen am verfügbaren Einkommen nahe am Durchschnitt der Eurozonenländer. Zweitens gibt es keinen Zusammenhang zwischen den prozentualen Ausgaben für Wohnen gemessen am verfügbaren Einkommen und den Gewichten im har- monisierten Warenkorb (Korrelation 0,05). Werden die tatsächlichen Ausgaben für Wohnen vom harmonisierten Warenkorb unterschätzt, liegt es nahe, dass insbesondere während Häuserbooms der Einfluss der Mieten auf die Inflation unterschätzt wurde und damit die Geldpolitik zu locker war. Auch am aktuellen Rand könnte die harmonisierte Inflation – unter Berücksichtigung der unterstell- ten Mieten für selbstgenutztes Wohneigentum – somit zumindest für einige Eu- roländer etwas höher liegen. Zusammenfassung Die erste unserer vier Fragen lautete: Misst die Verbraucherpreisstatistik das Mietwachstum akkurat? Unsere Analyse hat im Großen und Ganzen die relativ geringe Mietinflation in den vergangenen Jahren bestätigt. Die Bestandsmieten verändern sich in Deutschland nur langsam. Entsprechend entwickelt sich auch die Mietinflation träge. Jedoch gibt es unserer Ansicht nach einige Details, die überraschen und bei denen es sich lohnen könnte, genauer hinzuschauen. Die Antwort auf die zweite Frage, wie die neue Mietenstichprobe ab dem Jahr 2019 die (Miet-)Inflation verändern könnte, lautet: Der Einfluss dürfte limitiert sein. Die Berücksichtigung neu erstellter Wohnungen und die systematische Ro- tation der Vermieter dürften tendenziell die Mietinflation erhöhen. Die Berück- sichtigung von Kleinvermietern dürfte die Mietinflation tendenziell dämpfen. 3 HICP Manual (2017): Imputed or estimated rentals for owner-occupied housing are not within the scope of the HICP, as they do not involve any monetary transaction. 4 Die Haushalte geben rund 75% ihres Einkommens für private Konsumausgaben aus. 0 20 40 60 80 100 120 DE NL FI FR EA BE AT ES IT Quelle: Eurostat Promille Gewichte im harmonisierten W arenkorb größerer Euroländer 13 8% 12% 16% 20% 24% 8% 12% 16% 20% 24% Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, OECD Ausgabegewichte für Wohnen: OECD vs. Eurostat 14 y - Achse: Gewichte der Wohnausgaben in % im harmonisierten Warenkorb (HICP, Eurostat) x-Achse: Wohnen in % des verfügb. Eink. (OECD) Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 16 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Drittens untersuchten wir die Wirkung des neuen Warenkorbs, der ebenfalls An- fang 2019 eingefügt wird, auf die Mietinflation. Die Daten des Statistischen Bun- desamtes legen nahe, dass die Ausgabenquoten der deutschen Haushalte für Mieten und Wohnen seit dem Jahr 2010 gestiegen sind. Daher sollten auch die neuen Warenkorbgewichte für Mieten und Wohnen in der Verbraucherpreissta- tistik höher ausfallen. Solange Mietinflation und Gesamtinflation aber nahezu gleich verlaufen, hat das höhere Gewicht keinen signifikanten Einfluss. Erst wenn sich in kommenden Jahren die Wiedervermietungsmieten weiter von den Bestandsmieten entfernen und die Mietinflation höher ist als die Inflation ex Mie- ten, haben die höheren Warenkorbgewichte einen Einfluss auf die Inflation. Viertens verglichen wir die nationale mit den harmonisierten Inflationsraten in der Eurozone. Der Hauptunterschied zwischen dem nationalen und dem harmo- nisierten Warenkorb von Eurostat ist die Nichterfassung von unterstellten Mieten für selbstgenutztes Wohneigentum. Dadurch fallen die Gewichte für Mieten und Wohnen im harmonisierten Warenkorb deutlich kleiner aus als in der nationalen Statistik. Deutschland hat aufgrund seiner hohen Mieterquote somit die höchs- ten Gewichte für Mieten und Wohnen unter den Euroländern. Die Messung der europäischen Inflation ist somit zumindest während eines Hauspreisbooms ten- denziell nach unten verzerrt. Appendix: Empfehlungen für mehr Transparenz und Qualität in der Verbrau- cherpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes — Alle relevanten Datenquellen des Statistischen Bundesamtes mit Bezug zur Verbraucherpreisstatistik sollten sowohl Netto- als auch Bruttokaltmieten so- wie die Wohnausgaben inklusive Energie und Wohnungsinstandhaltung ausweisen. — Die Verbraucherpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes berücksichtigt qualitätsbedingte Preisveränderungen nicht (Hedonik). Unseres Wissens nach wird die unbereinigte Zeitreihe bisher nicht veröffentlicht. Wir empfeh- len die Veröffentlichung der Daten, um die Berechnungen des Amtes besser nachvollziehen zu können. — Die neue Mietenstichprobe enthält eine Reihe von statistischen Verbesse- rungen. Nach unserem Kenntnisstand werden die Meldungen der Vermieter aber nicht detailliert hinterfragt oder mit anderen Quellen abgeglichen. Da die Vermieter keinen Anreiz haben eine hohe Datenqualität abzuliefern, könnten Mieterhöhungen so gar nicht oder verzögert gemeldet werden. — Regional unterschiedliche Warenkorbgewichte könnten die Statistik verbes- sern. Bisher hat das relativ arme Berlin mit relativ hohen Mieten die identi- schen Warenkorbgewichte für Mieten und Wohnen wie jedes andere Bun- desland auch. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 17 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Fiskalausblick 2018/19: Konjunktur lässt Kassen klingeln, aber Groko „verfrühstückt“ Überschüsse allmählich Aus finanzpolitischer Sicht läuft es nach wie vor bestens. Die Kassen klingeln und der Staatssäckel ist prall gefüllt! Der gesamtstaatliche Haushalt (bestehend aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern) erzielte 2017 schon das vierte Jahr in Folge einen Finanzierungsüberschuss, der sich aber- mals erhöhte (auf EUR 36,6 Mrd. bzw. rund 1,1% des BIP 5 von EUR 25,7 Mrd. bzw. 0,8% des BIP 2016). Ausschlaggebend für die nochmal verbesserte Haus- haltslage waren die weiterhin rückläufigen Zinsausgaben sowie die dank Hoch- konjunktur und Beschäftigungsboom kräftig wachsenden Staatseinnahmen (Steuern und Nettosozialbeiträge). Insbesondere die Länderhaushalte (EUR 16,2 Mrd. bzw. 0,5% des BIP), aber auch die Haushalte der Gemeinden (EUR 8,8 Mrd. bzw. 0,3% des BIP) und Sozialversicherungsträger (EUR 10,5 Mrd. bzw. 0,3% des BIP) erzielten in aggregierter Betrachtung hohe (und steigende) Finanzierungsüberschüsse, wohingegen das Haushaltsplus des Bundes deut- lich kleiner und rückläufig war (EUR 1,1 Mrd. nach EUR 7,4 Mrd. 2016 6 ). Infolge der guten Haushaltslage sanken die Staatsschulden 2017 das dritte Jahr in Folge. So ging die gesamtstaatliche Verschuldung im letzten Jahr – in Ab- grenzung der Finanzstatistik – auf nunmehr EUR 1.965 Mrd. zurück (um 2% bzw. EUR 40,2 Mrd.). Der Rückgang der Verschuldung wurde von allen staatli- chen Ebenen getragen, wobei der Rückgang der Länder- und Gemeindeschul- den prozentual (-3,4% bzw. -3,8%) deutlich kräftiger ausfiel als derjenige der Bundesschulden (-1,1%). Die gesamtstaatliche Schuldenquote ermäßigte sich auf knapp über 60% des BIP (von 64% 2016). Die für das EU-Haushalts- überwachungsverfahren maßgebliche Schuldenquote (Maastricht-Notifikation) wird von Eurostat erst am 23. April 2018 veröffentlicht. Auf Basis des bereits ge- meldeten Maastricht-Haushaltüberschusses (VGR) dürfte diese 2017 auf ge- schätzt 64,5% des BIP gesunken sein (nach 68,1% 2016). Aufgrund der anhaltend günstigen Konjunktur wären – ohne zusätzliche finanz- politische Maßnahmen (d.h. Ausgaben erhöhende und/oder Einnahmen min- dernde Eingriffe) anhaltend hohe (und weiter wachsende) Finanzierungsüber- schüsse auf Gesamtstaatsebene angelegt. Dies würde über eine sinkende Ver- schuldung die öffentlichen Haushalte auf die absehbaren künftigen Belastungen (Zinsnormalisierung, Alterung der Bevölkerung) vorbereiten. Statt „Spare in der Zeit, so hast Du in der Not“ steht bei der Groko aber mal wieder vor allem Aus- geben auf dem Programm. Zwar werden die (derzeit noch) vollen Kassen von der Politik wohlwollend wahrgenommen, die mittel- bzw. langfristigen Risiken (höhere Zinsen, abnehmendes Erwerbspersonen- und Wachstumspotenzial) werden jedoch scheinbar ausgeblendet. So will die neue Bundesregierung den für den Bund ausgemachten zusätzlichen Haushaltsspielraum von kumulierten EUR 46 Mrd. für 2018-21 nicht für eine konsequente steuerliche Entlastung und/oder eine deutliche Schuldenrückführung nutzen, sondern neben zögerli- chen Einnahmenmindernden Maßnahmen (wie z.B. die schrittweise Entlastung beim Solidaritätszuschlag ab 2021) und Ausgaben mit Investivcharakter (Digita- lisierung, Bildung) zum Großteil für teure und womöglich ineffektive Ausgaben- programme (Baukindergeld, Mütterrente II, Grundrente, Sozialer Arbeitsmarkt) verwenden. 5 In Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) nach ESVG 2010. 6 Auf Basis des „Vorläufigen Haushaltsabschlusses 2017“ (in Abgrenzung der Finanzstatistik) wurde für den Bund ein Finanzierungsüberschuss (mit Münzeinnahmen) von rund EUR 5,3 Mrd. erzielt, der gemäß Haushaltsgesetz 2017 der Flüchtlingsrücklage zugeführt wurde. Infolgedessen erhöhte sich diese auf nunmehr EUR 23,9 Mrd. zum Jahresende 2017. -120 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Sozialversicherungen Gemeinden Länder Bund Gesamtstaat Quellen: WEFA, Destatis, Deutsche Bank Research Gesamtstaatlicher Haushalt das vierte Jahr in Folge im Plus 1 Gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo in Abgrenzung der VGR, EUR Mrd. 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 2.000 2.200 1 9 9 0 1 9 9 2 1 9 9 4 1 9 9 6 1 9 9 8 2 0 0 0 2 0 0 2 2 0 0 4 2 0 0 6 2 0 0 8 2 0 1 0 2 0 1 2 2 0 1 4 2 0 1 6 Staat insgesamt Bund Länder Gemeinden EUR Mrd. Quellen: WEFA, Destatis, Deutsche Bank Research Die gesamten Staatsschulden sanken 2017 das dritte Jahr in Folge 2 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 18 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Diese kurzfristige Sichtweise und eine zunehmend prozyklisch ausgerichtete Fiskalpolitik implizieren für die mittlere bis lange Frist erhebliche Haushaltsrisi- ken. Spätestens dann, wenn die Konjunktur nicht mehr rund läuft und die Zinsen wieder steigen, dürften größere fiskalische Korrekturen erforderlich werden. Wie bereits erwähnt 7 , dürften die gesamten fiskalischen Haushaltsbelastungen bei Umsetzung aller im Koalitionsvertrag geplanten Maßnahmen allein auf Bundes- ebene um rund EUR 20 Mrd. über dem veranschlagten Spielraum von EUR 46 Mrd. liegen. Auf Gesamtstaatsebene könnte die fiskalische Gesamtbelastung für 2018-21 – die u.a. die beabsichtigte Beitragssatzsenkung zur Arbeitslosenversi- cherung um 0,3%-Punkte, den geplanten Abbau der kalten Progression oder die Belastung durch die Einführung der Mütterrente II für die Rentenversicherung berücksichtigt – auf fast EUR 90 Mrd. hinauslaufen. Da von einem Großteil der Maßnahmen (wie z.B. das Baukindergeld, Kinder- gelderhöhung, Soli-Abbau) erst 2020/21 eine spürbarere fiskalische Belastung ausgehen dürfte, ist erst ab 2020 mit einem deutlichen Abschmelzen des ge- samtstaatlichen Finanzierungsüberschusses zu rechnen. Aufgrund der zeitli- chen Verlagerung eines Großteils der geplanten Maßnahmen in die Jahre 2020/21 und dank Hochkonjunktur (DB-Wachstumsprognose für 2018: +2,3%) dürfte der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo im Prognosezeitraum 2018/19 noch im Plus bleiben. Unserer Einschätzung nach könnte der Haushaltsüber- schuss dieses Jahr unverändert bei 1,1% des BIP liegen und nächstes Jahr leicht auf 0,9% zurückgehen (vorherige Prognose: 0,8% und 0,5%). Der struktu- relle Primärsaldo (Finanzierungssaldo vor Zinsausgaben und bereinigt um Kon- junktur- und Sondereffekte) dürfte sich auf ca. 1,4% des BIP 2018 und 0,6% 2019 verschlechtern (nach 1,9% 2016) und zeigt damit eine zunehmend prozyk- lische Ausrichtung der Fiskalpolitik an. Bei Umsetzung aller im Koalitionsvertrag erwähnten Maßnahmen – und ohne neue positive Überraschungen bei der Konjunktur und den Staatseinnahmen und/oder entsprechende fiskalische Gegenfinanzierungsmaßnahmen – könnte der gesamtstaatliche Finanzierungsüberschuss jedoch spätestens 2020 spürbar zurückgehen und der gesamtstaatliche Haushalt schon ab 2021 wieder ins Defi- zit rutschen. Allerdings könnte die Schuldenbremse, die noch zu deutlich schlechteren fiskalischen Zeiten (2009) beschlossen wurde, einer größeren Ver- schlechterung der deutschen Staatsfinanzen vorbeugen. Die Staatsverschul- dung dürfte unseres Erachtens zum Jahresende auf 60,7% des BIP fallen und 2019 mit 57,9% (erstmals seit 2002) wieder unterhalb der Maastricht-Grenze von 60% liegen (vorherige Prognose: 60,9% und 58,1%). Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) 7 Standpunkt Deutschland. Koalitionsvertrag – Zukunft geht anders. 5. März 2018, Seiten 12-15. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 1 9 9 0 1 9 9 2 1 9 9 4 1 9 9 6 1 9 9 8 2 0 0 0 2 0 0 2 2 0 0 4 2 0 0 6 2 0 0 8 2 0 1 0 2 0 1 2 2 0 1 4 2 0 1 6 Sozialversicherung Gemeinden Länder Bund Staat insgesamt % BIP Quellen: WEFA, Destatis, Deutsche Bank Research Die gesamtstaatliche Schuldenquote ist seit Jahren stark rückläufig 3 0 20 40 60 80 100 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 1 9 9 5 1 9 9 7 1 9 9 9 2 0 0 1 2 0 0 3 2 0 0 5 2 0 0 7 2 0 0 9 2 0 1 1 2 0 1 3 2 0 1 5 2 0 1 7 2 0 1 9 Staatsschulden (rechts) Finanzierungssaldo (links) % BIP (Gesamtstaat) Quellen: Destatis, Eurostat, WEFA, Deutsche Bank Fiskalausblick 2018/19: Rückläufige Schuldenquote dank Hochkonjunktur 4 Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 19 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Merkels vierte Legislaturperiode: Zurück zur Arbeit – zurück zum Krisenmanagement? Kanzlerin Merkel hat einen erheblichen Teil ihrer Regierungszeit im Krisenmo- dus verbracht (Finanz- und Euroschuldenkrise). Noch keine vier Wochen offiziell im Amt, sieht sich die neue Regierungskoalition nun erneut mit Entwicklungen konfrontiert, deren krisenhafte Zuspitzung nicht ausgeschlossen ist – dem han- delspolitischen Konflikt mit den USA. Für sich genommen wiegen die angedroh- ten, aber erst einmal bis zum 1. Mai ausgesetzten, „Schutzzölle“ auf Stahl- und Aluminiumexporte aus der EU ökonomisch erstmal nicht so schwer. Schwerer wiegt, dass mit der handelskritischen Rhetorik des US-Präsidenten und der pau- schalen Begründung der Strafzölle mit nationalen Sicherheitsinteressen die Welthandelsordnung infrage gestellt wird, wie sie sich im Zuge der weltweiten Handelsliberalisierung in den 1990er Jahren etabliert hat. Für das exportorientierte Deutschland ist die Perspektive einer Eskalationsspi- rale und weitere Schwächung der WTO-Handelsordnung besonders problema- tisch (siehe Beitrag „Handelspolitische Irritationen dämpfen 2018 deutsche Ex- portaussichten). Seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 hat der Trend zu pro- tektionistischen Maßnahmen zugenommen. Der Anteil der von Handelsschutz- maßnahmen wie Antidumping- und Schutzzöllen oder Quoten betroffenen Pro- duktlinien hat sich zwischen 1990 und 2015 auf 2,5% mehr als verdoppelt (auch wenn diese Maßnahmen durch internationale Handelsgesetze reguliert und ge- gebenenfalls berechtigt sind). Der Abschluss regionaler Freihandelsabkommen – als Alternative nach dem Zusammenbruch der multilateralen Doha-Runde Mitte der 2000er Jahre – stagniert ebenfalls seit einiger Zeit. Dies liegt zum ei- nen daran, dass die neue Generation von FTA tiefgreifender und umfassender ist als frühere und zum Teil die gegenseitige Anerkennung von Produktstan- dards oder den Dienstleistungsverkehr einschließen. Zum anderen dürfte aber auch die skeptische öffentliche Haltung selbst in einer so von liberalen Handels- beziehungen abhängigen Volkswirtschaft wie Deutschland eine Rolle spielen. Globalisierung und offene Märkte werden hier zwar von einer in jüngerer Zeit wieder größer gewordenen Mehrheit grundsätzlich gutgeheißen. Wenn es aber um die konkrete Umsetzung dieser Prinzipien geht, erhebt sich lautstarke Oppo- sition, wie die Erfahrung der letzten Jahre lehrt. Beides erschwert es der Politik, entsprechende Abkommen erfolgreich zu verhandeln – siehe den schwierigen Abschluss von CETA zwischen der EU und Kanada und das vor-läufige Ruhen der TTIP-Verhandlungen zwischen der EU und den USA. Angesichts eines drohenden Handelskriegs rückt mit dem Wirtschaftsministe- rium nun ein von dem CDU-Politiker Peter Altmaier geleitetes Ministerium ins Rampenlicht, das bei der Verteilung der Portfolios in den Koalitionsverhandlun- gen zwischen CDU, CSU und SPD weithin als eher unwichtig angesehen wurde. Vor allem die CDU-Parteibasis konnte sich nicht der Begründung von Kanzlerin Merkel anschließen, dass das Wirtschaftsministerium die Vergabe des Finanzministeriums an die SPD (neuer Finanzminister Olaf Scholz) aufwiegen würde. Überfrachtet mit dem Mythos von Ludwig Erhard hat das Wirtschaftsmi- nisterium nach Ansicht vieler in den letzten Jahrzehnten aus unterschiedlichen Gründen einen erheblichen Bedeutungsverlust erlitten. Dabei bietet das Wirt- schaftsministerium durchaus wichtige Aufgabenfelder, etwa mit Blick auf den Außenhandel und die Aktivitäten ausländischer Investoren wie China, die Rüs- tungskontrolle, Energie oder Digitalisierung. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 2016 2017 2016 2017 (sehr) positiv (sehr) negativ EU28 DE Quelle: Eurobarometer 88 Positive Meinung zum Freihandel 1 Mit dem Begriff „freier Handel" verbundene Wertung, in % der Befragten 57 55 49 43 40 39 26 26 25 Angela Merkel (Kanzlerin) Peter Altmaier (Wirtschaft) Olaf Scholz (Finanzen) Heiko Maas (Außen) Ursula v.d. Leyen (Verteidigung) Horst Seehofer (Inneres) Andreas Scheuer (Verkehr) Jens Spahn (Gesundheit) Hubertus Heil (Arbeit) Kabinett: Sind diese Politiker eine gute Besetzung? 2 Quelle: Infratest dimap, AlD-Deutschlandtrend, 5. April 2018 % CDU/CSU SPD Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 20 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Kompetenz für Handelsfragen liegt bei der EU Nicht immer aber liegt die Entscheidungsgewalt allein beim Wirtschaftsministe- rium. Dies gilt gerade für die Handelspolitik, die in der alleinigen Kompetenz der EU-Kommission liegt. Diese stimmt ihre Entscheidungen, besonders wenn es um die Festlegung von Handelsschutzmaßnahmen geht, zwar mit den Mitglieds- ländern ab, eigene Verhandlungsmöglichkeiten mit Drittländern haben die Natio- nalstaaten als Mitglieder in der Zollunion jedoch nicht – dieser Umstand ist im Zuge der Brexit-Verhandlungen auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst ge- worden. Deutschland wäre daher gar nicht in einer Position, die von US- Präsident Trump mehrfach angesprochene, vermeintlich unfaire Situation, dass US-Pkw einem Importzoll von 10% in der EU unterliegen gegenüber 2,5% für deutsche Pkw-Importe in die USA, anzugehen – wie manche Presseberichte im Nachgang der USA-Reise von Minister Altmaier kolportierten. Auch für die EU wäre ein solches sektorales Vorgehen nur eingeschränkt möglich. Jegliche han- delspolitische Begünstigung, die die EU den USA außerhalb eines Freihandels- abkommens anbietet, muss dem Meistbegünstigungsprinzip der WTO entspre- chend auch allen anderen WTO-Mitgliedern zugestanden werden und würde damit in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen weit über die bilateralen Handels- effekte zwischen den USA und der EU hinausgehen. Gleichwohl spielt Deutsch- land in der Person ihres Wirtschaftsminister Peter Altmaier in diesem Handels- konflikt und der Festlegung der europäischen Antwort eine wichtige Rolle. Die EU befindet sich bei ihrem Vorgehen jedoch in einem Dilemma, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass die USA die Verhängung der „Schutzzölle“ bis um 1. Mai ausgesetzt hat: Reagiert sie auf eine tatsächliche Verhängung mit entsprechenden Gegenmaßnahmen – das Recht steht jedem WTO-Mitglied im Rahmen bestehender Regeln zu – riskiert sie eine Eskalationsspirale von Ver- geltungszöllen, an deren Ende alle ärmer wären. Keine Reaktion der EU als größtem Handelsblock der Welt ist allerdings auf mittlere Sicht auch nicht sinn- voll, da sie so eine weitere Schwächung der liberalen Welthandelsordnung und ihrer Institutionen in Kauf nehmen würde, zumal die kaum nachprüfbare sicher- heitspolitische Begründung von jedem Land mit beliebig hohen Zöllen einge- setzt werden könnte. Der Europäische Rat hat sich in seinen Schlussfolgerun- gen zum Gipfel am 22./23. März daher deutlich geäußert und das parallele Vor- gehen der EU-Kommission (Einbindung Streitschlichtung bei der WTO – Liste von Vergeltungsmaßnahmen im Volumen von EUR 2,8 Mrd. – Maßnahmen ge- gen Handelsumlenkung) bestätigt (siehe Box 3). Das Bekenntnis der EU zum multilateralen Handelsansatz schließt eigentlich auch aus, dass sie sich auf einen Spezialdeal mit den USA einlässt, um eine dauerhafte Ausnahme von den sog. Strafzöllen zu erreichen. Die Glaubwürdig- keit der WTO wäre weiter beschädigt. Ökonomisch wenig überzeugend ist es auch, die Gewährung von Ausnahmen bei Schutzzöllen mit anderen Politikbe- reichen zu verknüpfen. So hat Präsident Trump darauf hingewiesen, dass stär- kere Anstrengungen der EU-Mitgliedsländer, ihr im Rahmen der Nato vereinbar- tes Ziel, wonach die Verteidigungsausgaben 2% des BIP erreichen sollten, das transatlantische (Handels-)Konfliktpotential entschärfen könnten. Wenn es schon nicht gelingt, multilateral eine neue Handelsrunde auf den Weg zu bringen, sollte die EU für die Wiederbelebung der TTIP-Verhandlungen wer- ben, einschließlich möglicher Zugeständnisse von ihrer Seite. Angesichts des Konfliktes mit den USA stellt sich für die EU und ihre Mitglieder umso mehr die Frage, wie sie sich zwischen den beiden Handelsmächten USA und China posi- tionieren soll, sollten sich die Wirtschaftsbeziehungen weiter abkühlen. Keine leichte (handelspolitische) Agenda also für den neuen CDU-Wirtschaftsminister und engen Vertrauten von Kanzlerin Merkel, Peter Altmaier. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Auszug aus den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates, Brüssel, 23. März 2018 3 „Der Europäische Rat bekräftigt sein Engage- ment für ein offenes und regelbasiertes multi- laterales Handelssystem, in dem die WTO eine zentrale Rolle spielt, und ist fest davon über- zeugt, dass der freie und gerechte Handel ei- ner der stärksten Wachstumsmotoren ist, der Millionen von Arbeitsplätzen sichert und zum Wohlstand beiträgt. […] Der Europäische Rat bedauert den Beschluss der Vereinigten Staa- ten, Stahl und Aluminium mit Einfuhrzöllen zu belegen. Diese Maßnahmen lassen sich nicht mit Gründen der nationalen Sicherheit recht- fertigen, und ein für den gesamten Sektor gel- tender Schutz in den Vereinigten Staaten ist eine ungeeignete Abhilfemaßnahme für die re- alen Probleme der Überkapazitäten, bei denen die EU den Vereinigten Staaten bereits ihre uneingeschränkte Zusammenarbeit in zahlrei- chen Gremien, einschließlich des Globalen Fo- rums, angeboten hat. […] Der Europäische Rat unterstützt nachdrücklich die Schritte, die von der Europäischen Kommis-sion eingeleitet wurden, um sicherzustellen, dass die Interes- sen der Union uneingeschränkt gewahrt wer- den, und um sich das Recht vor-zubehalten, in Übereinstimmung mit den Regeln der Welthan- delsorganisation gege-benenfalls auf die Maß- nahmen der Vereinigten Staaten auf verhält- nismäßige Weise zu reagieren.“ Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 21 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 18 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröf fentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 2 2018 01/03/2018 60.6 60.3 0.3 0.3 0.7 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 1 2018 02/03/2018 -0.3 0.7 -1.0 -0.5 0.2 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 1 2018 02/03/2018 0.7 0.7 0.0 0.3 0.6 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 2 2018 05/03/2018 55.3 55.3 0.0 0.0 0.5 GRIORTMM Index Auf tragseingänge (% gg. Vm.) 1 2018 08/03/2018 -3.5 -1.7 -1.8 -0.9 0.2 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 1 2018 09/03/2018 0.1 0.6 -0.5 -0.4 0.3 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 1 2018 09/03/2018 20.3 17.2 3.1 0.6 0.7 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 2 2018 14/03/2018 1.4 1.4 0.0 0.2 0.3 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 3 2018 20/03/2018 5.1 13.0 -7.9 -1.0 0.1 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 3 2018 20/03/2018 90.7 90.0 0.7 0.0 0.5 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 3 2018 22/03/2018 114.7 114.6 0.1 -0.1 0.4 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 2 2018 27/03/2018 -0.6 -0.3 -0.3 0.1 0.5 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 3 2018 29/03/2018 1.6 1.6 0.0 0.2 0.3 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 3 2018 29/03/2018 -19.0 -15.0 4.0 -0.1 0.5 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 3 2018 03/04/2018 58.2 58.4 -0.2 -0.3 0.3 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 2 2018 03/04/2018 -0.7 0.7 -1.4 -0.8 0.2 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 3 2018 05/04/2018 53.9 54.2 -0.3 -0.3 0.4 GRIORTMM Index Auf tragseingänge (% gg. Vm.) 2 2018 05/04/2018 0.3 1.5 -1.2 -0.6 0.3 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 2 2018 06/04/2018 -1.6 0.2 -1.8 -1.5 0.1 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 2 2018 09/04/2018 20.7 22.9 -2.2 -1.0 0.1 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Research Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 22 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Deutscher Exportindikator Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währungs- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 8 8 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 23 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Deutschland: Termine der Finanz-, Wirtschafts- und Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 15./16. April Dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst (Bund u. Komunen) Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden kündigte Ver.di im Vorfeld des dritten Termins weitere Warnstreiks an. Die Bediensteten der Länder er- halten bereits – auf Basis separater Verhandlungen im vergangenen Jahr – seit Jahresbeginn 2,35% mehr Lohn. 16./17. April Dritte Verhandlungsrunde für das Bauhauptgewerbe Die IG Bau fordert Einkommenssteigerungen von 6% (für 12 Monate) sowie ein volles 13. Monatsgehalt. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungs- runden erwarten wir eine schwierige Kompromissfindung, in deren Verlauf es auch zu Streiks kommen könnte. 20. April Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankgouver- neure, Washington, D.C. Debatten über Lage der Weltwirtschaft, (voraussichtl.) einschließl. der Ef- fekte des internationalen Handels auf das Wirtschaftswachstum, über Infra- strukturfinanzierung, (voraussichtl.) über Chancen und Risiken der Digitali- sierung und über die Widerstandsfähigkeit des internationalen Finanzsys- tems u.a. 26. April Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. Die von der EZB am 8. März be- kannt gegebene Änderung der Forward guidance bedeutet, dass der Aus- stieg aus der unkonventionellen Geldpolitik gemäß unseren Erwartungen er- folgt. So dürfte die EZB im Juni ankündigen, dass ihre Nettoanleihekäufe im Dezember auslaufen werden. Auch ist damit eine vorzeitige Anhebung des Leitzinssatzes im Juni 2019 angelegt. 27./28. April Eurogruppe und informeller ECOFIN-Rat in Sofia, Bulga- rien Thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung – Dynamik der Löhne u. Gehälter, (voraussichtl.) im Nachgang zur März-Tagung des Rates – Vertiefung der EWU, Bankenunion, siebte Anhörung der Vorsitzenden der EZB-Bankenaufsicht, Bericht über die Tätigkeiten des Single Resolution Board (Einheitliches Abwicklungsgremium). 7./9. Mai Arbeitskreis Steuerschätzungen, Mainz Bei der Sitzung im November prognostizierte der Arbeitskreis für 2018 und 2019 einen Anstieg des Steueraufkommens von je 4,1% auf insges. EUR 734,5 Mrd. bzw. 795,4 Mrd. Da Bundesregierung und Institute inzwischen ein (noch) etwas kräftigeres Wachstum des nominalen BIP und der Bruttolöhne u. -gehälter prognostizieren als im November angenommen wurde, dürfte der Arbeitskreis seine Schätzungen leicht anheben. 24./25. Mai Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Wirtschaftliche Lage im Eurogebiet, thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung – Überprüfung der Staatsausgaben, (möglicherweise) Lage in Griechenland und in Zypern. 14. Juni Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 21./22. Juni Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Voraussichtl.) Implikationen der Frühjahrsprognose der Kommission für De- fizitverfahren (EDP) und Innovationspartnerschaften (EIPs) für Länder des Eurogebiets, thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung: Effizi- enz der Arbeitsmärkte u. Nachhaltigkeit der Alterssicherung; (voraussichtl.) Lage im Eurogebiet gem. IWF-Vorgaben, Lage in Griechenland u.a. 28./29. Juni Europäischer Rat, Brüssel Auswärtige Angelegenheiten und internationale Beziehungen, v.a. Handels- beziehungen, Migrations- und Asylpolitik der EU, (voraussichtl.) Stand der Brexit-Verhandlungen. Quelle: Deutsche Bank Research Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 24 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 23 Apr 2018 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) April 57,5 58,2 23 Apr 2018 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) April 53,5 53,9 24 Apr 2018 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) April 114,0 114,7 27 Apr 2018 09:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) März 5,3 5,3 30 Apr 2018 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) April 1,5 1,6 30 Apr 2018 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* März 1,5 -0,7 7 May 2018 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) März 2,0 -3,9 8 May 2018 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) März 1,0 -1,6 8 May 2018 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) März 21,5 19,2 8 May 2018 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) März 3,3 -3,2 8 May 2018 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) März 3,7 -1,3 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 25 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,03 0,75 Jun 18 1,875 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,05 0,75 Sep 18 2,125 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,05 0,75 Dez 18 2,375 -0,10 0,00 0,75 -0,50 -0,50 0,05 0,50 1,75 0,05 1,00 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 2,30 0,07 -0,33 0,76 Jun 18 2,34 0,05 -0,35 0,55 Sep 18 2,52 0,05 -0,35 0,55 Dez 18 2,76 0,05 -0,35 0,80 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,77 0,05 0,50 1,47 Jun 18 3,00 0,00 0,80 1,50 Sep 18 2,95 0,00 1,00 1,65 Dez 18 3,25 0,00 1,25 1,75 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,23 107,17 0,87 1,40 1,18 10,33 7,45 9,59 4,20 312,56 25,34 Jun 18 1,24 102,00 0,91 1,37 1,20 9,60 0,00 9,25 4,17 317,00 25,08 Sep 18 1,26 105,00 0,93 1,35 1,22 9,40 0,00 9,10 4,12 316,00 24,94 Dez 18 1,28 105,00 0,93 1,38 1,25 9,20 7,46 9,00 4,15 315,00 24,97 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 26 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q1 2017 Q2 2017 Q3 2017 Q4 2017 Q1 2018 Okt 2017 Nov 2017 Dez 2017 Jan 2018 Feb 2018 Mrz 2018 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 111,0 114,5 115,9 117,3 115,9 116,9 117,6 117,3 117,6 115,4 114,7 ifo Geschäftserwartungen 104,4 106,2 107,5 109,9 106,0 109,3 111,0 109,5 108,3 105,4 104,4 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 105,9 109,8 112,0 113,4 112,0 113,0 113,9 113,3 113,9 111,4 110,6 Produktion (% gg. Vp.) 0,9 1,9 1,1 1,0 -0,9 2,9 -0,6 0,1 -1,6 Auftragseingang (% gg. Vp.) -0,3 1,2 3,3 3,5 0,9 -0,1 3,0 -3,9 Grad der Kapazitätsauslastung 85,8 86,0 86,7 87,3 87,9 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 1,4 5,4 -0,4 -1,0 -1,7 2,4 -3,3 5,9 -7,2 Auftragseingang (% ggü. Vp.) 0,3 -2,0 -1,7 10,2 -0,7 9,2 13,5 -12,8 ifo Bauhauptgewerbe 128,7 130,5 132,9 134,0 133,2 135,1 133,1 133,7 133,5 132,4 133,6 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -0,6 3,6 4,1 5,5 6,7 5,2 5,3 6,1 7,4 6,5 6,1 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,1 1,1 0,4 0,7 -0,8 1,6 -0,8 -0,3 -0,7 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 6,7 0,0 0,3 4,2 4,0 3,9 9,4 -1,0 11,6 7,4 -3,4 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 0,7 1,5 3,5 4,9 1,3 -0,3 4,4 -4,6 Exporte (% gg. Vp.) 2,8 1,6 0,7 3,0 -0,3 4,1 0,0 -0,4 -3,2 Importe (% gg. Vp.) 3,7 1,4 0,3 2,9 -4,4 2,3 1,1 -0,4 -1,3 Nettoexporte (EUR Mrd.) 59,2 60,6 62,0 64,1 19,7 22,6 21,8 21,5 19,2 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,9 5,7 5,7 5,5 5,4 5,6 5,5 5,5 5,4 5,4 5,3 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -52,3 -41,7 -25,0 -55,7 -72,7 -13,0 -21,0 -30,0 -24,0 -23,0 -19,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 1,4 1,4 ifo Beschäftigungsbarometer 110,3 111,1 111,9 112,9 113,2 112,1 113,1 113,5 113,8 113,5 112,4 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,9 1,6 1,7 1,6 1,4 1,5 1,8 1,6 1,4 1,2 1,5 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,4 1,5 1,3 1,3 1,1 1,3 1,4 1,3 1,4 1,3 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) 2,8 2,8 2,7 2,5 2,7 2,5 2,3 2,1 1,8 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 32,7 8,9 4,2 -5,6 -12,4 0,7 -6,2 -10,5 -11,1 -13,5 -12,6 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 54,5 50,8 52,2 61,5 57,6 62,7 64,4 69,1 65,3 66,0 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 18,9 17,6 16,3 16,0 16,4 16,0 17,2 14,8 16,6 18,3 14,4 EC Unternehmensumfrage 13,0 12,2 11,7 14,2 14,3 12,3 13,4 16,9 15,1 14,4 13,5 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 0,9 2,6 1,9 1,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,6 2,7 2,7 2,5 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 1,2 4,1 2,8 2,8 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 5,9 5,6 4,7 4,3 4,9 4,5 4,3 3,6 3,2 Trend von M3* 4,7 4,8 4,7 4,6 3,7 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 3,3 3,8 3,9 4,2 3,9 4,0 4,2 4,3 0,0 Kredite an öffentliche Haushalte 21,0 4,1 5,5 -2,9 -0,6 -4,4 -2,9 -5,4 -12,9 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung 27 | 10. April 2018 Ausblick Deutschland Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung .... 10. April 2018 * Kräftiges Wachstum, (noch) begrenzte Inflation ........... 13. März 2018 * Partyzeit ................................................................... 5. Februar 2018 * Ausblick 2018: Robuste Konjunktur – fragile Politik ...................... 14. Dezember 2017 * Konjunktureller Rückenwind für Koalitions- verhandlungen ....................................................... 3. November 2017 * Jamaika-Koalition dürfte kein Füllhorn ausschütten .... 6. Oktober 2017 * Konjunkturboom – noch ohne Lohndruck ............... 6. September 2017 * Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit ...................................................... 8. August 2017 * Überhitzungsrisiken drohen ............................................. 7. Juli 2017 © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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