1. Research
21. April 2021
Erneuter Anstieg der Fallzahlen in Deutschland sowie der Corona-Intensivpatienten, etwas weniger Todesfälle. * EMA gibt grünes Licht für den Einsatz des Impfstoffs von Johnson & Johnson. * Leichte Korrekturen an der Bundesnotbremse, die heute im Bundestag beraten wird. * Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe steigt im Februar auf neuen Rekordstand (+1,3% gg. Vormonat). Reichweite des Auftragsbestands hat sich auf 7,1 Monate erhöht. * Aber Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe noch um 2,9% unter Vorjahresniveau. * IW Köln: Konsumausfall im Jahr 2020 zw. EUR 1.250 und EUR 1.750 pro Kopf. Gleichzeitig kletterte die Sparquote kräftig auf 16,2% (Durchschnitt der letzten 20 Jahre: 10,6%). [mehr]
Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 21. April 2021 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Corona-Update:  Die weltweite Zahl der neu registrierten COVID-19 -Fälle ist in der achten Woche in Folge gestiegen und hat ein neues Rekordniveau erreicht. Rückläufige Infektionszahlen in weiten Teilen Europas; noch stei gend in den Niederlanden. Weiterhin hohes Niveau in osteuropäischen Ländern oder Frankreich. In UK 7-Tage-Inzidenz durch Impffortschritt unter 30 und langsam sinkend. Außerhalb Europas weiter starke Zuwächse in Indien, Türkei, Iran, Argentinien. Auch in Brasilien noch hohe absolute Fallzahlen, jedoch bei sinkender Tendenz. Stabilisierung in den USA. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 ist in der letzten Woche zum fünften Mal in Folge gestiegen (Brasilien an der Spitze).  Die wichtigsten Daten für Deutschland: 144.176 neue Fälle in Deutschland in den letzten 7 Tagen. An stieg um 8% gg. Vorwoche. Aber geringere Dynamik und zuletzt auf Tagesbasis vereinzelt Rückgänge im Vorwochenvergleich. Wert liegt um 18% unter dem Höchststand der Woche vor Weihnachten. 7 Tage-Inzidenz auf 160,1 gestiegen (Höchststand am 21. Dezember: 197).  Aktuell offiziell etwa 283.500 akute Erkrankungsfälle (0,34% der Bevölkerung). Anstieg bei der Zahl der akuten Erkrankungsfälle gg. Vorwoche.  4.966 COVID-19 -Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Sechster Anstieg in Folge, aber leicht geringere Dynamik (+278 Patienten). Absoluter Höchststand waren 5.762 Patienten Anfang Januar. Nur 12% aller Erwachsenen-Intensivbetten im DIVI-Intensivregister als „frei und betreibbar" angegeben.  Kumulierte Zahl der bestätigten COVID-19-Infektionen in Deutschland: 3.188.192. Geschätzt sind etwa 2.824.100 Menschen in Deutschland von ihrer COVID-19 -Erkrankung genesen.  Kumuliert 80.634 Todesfälle. In der letzten Woche 1.546 Todesfälle; leichter Rückgang gg. Vorwoche. Rekordzahl für wöchentliche Todesfälle lag bei über 6.100. Sterbefallzahlen in der KW 14 in etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorjahre . Effekt der flachen Grippewelle läuft aus, weil Grippesaison in Vorjahren zu dieser Jahreszeit ebenfalls beendet war. Offizielle Fallsterblichkeit (Verhältnis von offizi ellen COVID-19 -Todesfällen zu COVID-19 -Fällen) leicht auf 2,5% gesunken.  Weiter nur noch wenige Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern. Private Haus halte mit großem Abstand wichtigster Ort für Infektionen (vor Arbeitsplatz). Kitas und Ausbildungsstätten erneut an Bedeutung verloren (Ferieneffekt).  Gestern kein Landkreis unter 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Aktuell liegen nur noch vier Kreise unter der Corona-Obergrenze (50 Neuinfektionen pro 100.000 Ein wohner in den letzten sieben Tagen). In 369 Fällen liegt die 7-Tage-Inzidenz über 100; davon in 44 Fäl len über 250 . Ein Landkreis mit Inzidenz über 500.  In der letzten Woche Anstieg der 7-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen. Überdurchschnittliche Werte in allen Altersgruppen der 5- bis 59-Jährigen; damit größere Spreizung über die Alterskohorten gg. Vor woche. Gesamte Gruppe der 65- bis Ü90-Jährigen weiter deutlich unter dem bundesdeutschen Durch schnitt von 160.  7-Tage-R-Wert in der letzten Woche stets über 1, zum Teil deutlich. Wert gestern jedoch 0,95. Aktueller RKI-Situationsbericht hier .  In KW 14 wurden etwa 1,15 Mio. PCR-Labor-Tests durchgeführt; marginaler Rückgang gg. Vorwoche (Ostereffekt). Positiv-Quote auf 12% gestiegen von zuvor 11% (Tiefstand lag bei 0,6%). Theoretische PCR-Testkapazitäten bei knapp 2,9 Mio. pro Woche. Neue Daten zu Tests kommen heute Abend.  Bislang knapp 16,8 Mio. Menschen einmalig geimpft. 5,6 Mio. Zweitimpfungen. Knapp 3,6 Mio. verab reichte Impfdosen in der letzten Woche; Anstieg gg. Vorwoche um 147.000 Dosen. Tägliches Update zu Impfdaten hier .  Vergleich Deutschland und UK in Sachen Impffortschritt: Anfang März hatte etwa ein Drittel der UK-Be völkerung eine erste Impfdosis verabreicht bekommen. Damals rutschte die 7-Tage-Inzidenz unter 60 (Lockdown-Maßnahmen noch in Kraft). Kein Wiederanstieg der Inzidenz seither. In Deutschland dürfte spätestens Anfang Mai ein Drittel der Bevölkerung einmalig geimpft sein. Witterungseffekt kommt hinzu. Zahlen lassen auf Trendwende im Mai hoffen. Auch Lauterbach rechnet ab Ende Mai mit stark sinken den Fallzahlen (und plädiert bis dahin für Fortsetzung des Lockdowns). Presse zum Impffortschritt . Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deu tsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder A ngemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied d er London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschrän kten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Ber icht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung tref fen.  EMA gibt grünes Licht für den Einsatz des Impfstoffs von Johnson & Johnson . Einsatz damit auch in der EU uneingeschränkt möglich. Keine Aussage in der Presse, ab wann Impfung mit diesem Präparat be ginnen wird. US-Behörde FDA fordert Produktionsstopp in einem Werk des Unternehmens in den USA, weil es dort zu Fehlern bei der Herstellung kam. Zugesicherte Liefermengen wohl dennoch gesichert. Wirtschaftliches Update:  Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe steigt im Februar auf neuen Rekordstand (+1,3% gg. Vor monat). Reichweite des Auftragsbestands hat sich auf 7,1 Monate erhöht. Industrie profitiert von stei gender Auslandsnachfrage. Aber Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe noch um 2,9% unter Vor jahresniveau. Metallindustrie und Maschinenbau mit stärksten Rückgängen.  IW Köln : Konsumausfall im Jahr 2020 zw. EUR 1.250 und EUR 1.750 pro Kopf. Gleichzeitig kletterte die Sparquote kräftig auf 16,2% (Durchschnitt der letzten 20 Jahre: 10,6%). Allein in Q4 wuchsen Bestände an Bargeld und Einlagen der priv. Haushalte um EUR 74 Mrd. (+8% gg. Vj.). In der Eurozone erfolgte der Löwenanteil zusätzlicher Ersparnis bei Haushalten mit einem Alter von 65+ (EZB, Folie 13) .  Ausblick auf EZB-Sitzung am Donnerstag: Keine Zinsänderung erwartet. Entscheidung über Beibehal ten des höheren Tempos der PEPP-Käufe wird erst für die folgende Ratssitzung am 10. Juni erwartet.  Flash-Indikatoren dt. Einkaufsmanagerindizes (PMI) am kommenden Freitag für Industrie und Dienst leistungen im April. Markterwartungen für PMI Industrie mit 65,8 Pkt. etwas leichter, nach Rekordhoch im März (66,6 Pkt.) . Dienstleistungen ebenfalls schwächer erwartet (anhaltender Lockdown), mit 51 Pkt. (Mrz. 51,5), aber noch über Expansionsschwelle von 50.  Einnahmen aus Luftverkehrsteuer sinken 2020 um 70,6%. EUR 350 Mio. Steuereinnahmen.  Rückblick auf letzte Woche: 31% weniger Unternehmensinsolvenzen im Januar (-31,1% gg. Vorjahr). Aussetzen der Insolvenzantragspflicht. Aber Zahl eröffneter Regelinsolvenzverfahren steigt im März. Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Leichte Korrekturen an der Bundesnotbremse : Grundsätzliche Ausgangssperre bei Inzidenz über 100 zwischen 22.00 Uhr (zuvor 21.00 Uhr) und 05.00 Uhr (Sport allein zwischen 22.00 Uhr und 00.00 Uhr im Freien bleibt erlaubt). Schulen: Wechselunterricht ab einer Inzidenz von 100, Distanzunterricht ab 165 (zuvor 200). Einschränkungen bei Kindersport (U14, kleinere Gruppen). Homeoffice-Pflicht soll ge setzlich verankert werden. Einzelhandel darf bei Inzidenzen zwischen 100 und 150 mit Terminbuchung und negativem Corona-Test Kunden empfangen. Weitere Regelungen im Artikel. Bundestag berät heute (Mittwoch) zum Gesetzentwurf.  Großbritannien gilt nicht mehr als Risikogebiet . Aktueller Überblick über Risikogebiete hier .  System zur Kontaktnachverfolgung (Sormas) steht inzwischen in 84% der Gesundheitsämter zur Verfü gung. Behörden, die Sormas einsetzen, berichten von erheblichen Arbeitserleichterungen. Aber auch Probleme wegen fehlender Kompatibilität zu bislang genutzten Systemen.  Artikel zu Kinderkrankengeld . Stärkere Nutzung zu Jahresbeginn. Unternehmensnachrichten  BMW steigert Gewinn im 1. Quartal deutlich (ganz ohne Kaufprämie für Autos in Deutschland). Zudem Rekordabsatz im 1. Quartal. Letzte Woche schon Gewinnsprung bei Daimler . Presse. Etwas Positives zum Schluss:  Vielleicht nur einen Randnotiz, aber wirtschaftlich und gesellschaftlich dennoch relevant: Nach den Osterurlauben auf Mallorca ist kein Anstieg der 7-Tage-Inzididenz zu verzeichnen .
14.8.2