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28. Juli 2011
Das internationale Bankgeschäft hat durch die Finanzkrise einen Rückschlag erlitten. Dieser Beitrag thematisiert, 1.) inwieweit die Finanzmärkte in den letzten Jahren globaler geworden sind und wie groß der Rückschlag für die grenzüberschreitenden Beziehungen durch die Krise war, 2.) welche Gründe für den Internationalisierungsprozess sprechen und 3.) wie die Aussichten für internationales Bankgeschäft im neuen Umfeld nach der Krise sind. Neben den Entwicklungen der Märkte ist dafür die aktuelle politische und regulatorische Debatte ausschlaggebend, die sich auf eine stärkere - meist nationale - Kontrolle der Bankenbranche konzentriert. [mehr]
Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise Finanzmarkt Spezial EU - Monitor 80 A utor Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com E ditor Bernhard Speyer P ublikationsassistenz Sabine Kaiser Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland Internet: www.dbresearch.de E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 DB Research Management Thomas Mayer D as internationale Bankgeschäft – direkt grenzübersc hreitend oder über Filialen und Tochtergesellschaften im Ausland – hat durch die Finanzkrise einen Rückschlag erlitten. Er w ar besonders deutlich in kapita l- intensi ven Geschäftsfeldern wie dem traditionellen Kreditgeschäft mit dem Priva t- sektor, wobei die Ba nken zum Teil Kredite an private Schuldner durch Kredite an den Staat ersetzten. Das Auslands -Engagement der Banken bei reinen Interm e- diations dienstleistungen wie dem Investmentbanking oder der Vermögensverwa l- tung war kaum betroffen. Wesentlich höhere Eigenkapitalquoten dürften daher helfen, einen ähnlichen Rückschlag in Zukunft zu vermeiden. V or und während der Krise schwankte die Kreditvergabe ausländi - scher Banken mehr als die einheimischer Institute – dennoch ist ihre Marktposition heute viel stärker al s vor einigen Jahren. G renzüber- schreitende Aktivitäten nahmen während der Krise ab, haben sich mit dem Au f- schwung an den Finanzmärkten seit Mitte 2009 jedoch stabilisiert. Trotz der tei l- weisen Erholung werden die Vorkrisenniveaus meist noch nicht wieder er reicht. Na chdem sich ihr Auslandsgeschäft seit 2009 gut erholt hat, sind die größten europäischen Banken mittlerweile internationaler denn je. Di e 20 größten Institute waren bereits vor der Krise internationaler aufgestellt als ihre kleineren Rivalen. 2008 brach der Anteil der im Ausland erzielten Erträge aufgrund der in London und New York verbuchten Wertberichtigungen ein. Seitdem expan- diert das grenzüberschreitende Geschäft von Europas Großbanken jedoch wieder und macht heute schon fast 60% der Gesamtert räge aus – trotz einiger großer Übernahmen von einheimischen, ins Straucheln geratenen Konkurrenten. D ie Aussichten für das internationale Bankgeschäft nach der Krise sind grundsätzlich günstig, könnten allerdings durch neue Regulie - rung getrübt werden. Internat ional integrierte Finanzmärkte bieten Banken und ihren Kunden gleichermaßen Vorteile. Angesichts besserer Wachstumsperspekt i- ven und einer niedrigeren Verschuldung dürften westliche Banken daher weiterhin in den Schwellenländern investieren, besonders in Asien und Lateinamerika. Das größte Risiko stellt eine je nach Land unterschiedliche Umsetzung neuer Vo r- schriften dar, die Auslandsaktivitäten unattr aktiver machen könnte. 2 8. Juli 2011 G estolpert, nicht gefallen I nternationales Bankgeschäft nach der Krise Fusionen & Über- nahmen Inter- banken- geschäft Kredite an den Privat- sektor Staats- finanzie- rung Invest- ment- banking Vermögens- verwaltung Intensität grenz- überschreitender Aktivität vor der Krise Veränderung während der Krise Veränderung seit Ende der Krise Heutiges Niveau grenzüberschreitender Aktivität Hoch Mittel Gering Quelle: DB Research Auslandsgeschäft der europäischen Banken – stilisierte Darstellung EU-Monitor 80 2 28. Juli 2011 Ein führung Die Finanzkrise von 2007-09 war eine Herausforderung für das g e- samte globale Finanzsystem. Darüber hinaus stellte sie auch die internationalen Beziehungen in diesem System auf eine ernste Pr o- be. Ohne das enorme Geflecht grenzüberschreitender Forderungen, Transaktionen und Organisationen hätte sich anstelle einer globalen Finanzkrise eine Reihe nationaler Bankenkrisen ereignet, die nicht unbedingt zur selben Zeit hätten ausbrechen müssen und wesen t- lich weniger ansteckend für andere Länder gewesen wären ± aber bei den betroffenen Nationen wahrscheinlich sogar noch größeren Schaden angerichtet hätten. Das Ausmaß der Fehlallokation von Kapital hin zu wenig kreditwürdigen Hypothekenschuldnern in den USA oder Großbritannien wäre ohne die unablässige Nachfrage internationaler Investoren (vor allem auch Banken) nach verbrieften Krediten vermutlich kleiner gewesen . Jedoch bringen ausländische Banken auch beträchtliche Vorteile für die Volkswirtschaften mit sich, in denen sie aktiv sind ± z.B. stabilisierte die Präsenz weste u- ropäischer Banken in der Krise den Kreditfluss in Mittel- und Oste u- ropa (MOE). Auch fiel die Aufgabe, den dortigen Finanzsektor zu stabilisieren, weitgehend ausländischen Regierungen zu, die u m- fangreiche Staatshilfen für die Mütter der MOE-Tochtergesellschaf- ten bereitstellten. Die Finanzkrise hat dem internationalen Bankgeschäft einen erhe b- lichen Schlag versetzt. Weltweit dreht sich die politische und regul a- torische Debatte nun darum, wie sich d ie ± meist nationale ± Kon- trolle der Bankenbranche verstärken lässt, vor allem mittels schärf e- rer Regulierung und Aufsicht. Der vorliegende Beitrag thematisier t, 1.) inwieweit die Finanzmärkte in den letzten Jahren global er ge- worden sind und wie groß der Rückschlag für die grenzüberschre i- tenden Beziehungen durch die Krise war, 2.) welche Gründe für den Internationalisierungsprozess sprechen und 3.) wie die Aussichten für internationales Bankgeschäft im neuen Umfeld nach der Krise sind. Schwerpunkt der Analyse wird Europa sein, teilweise ist der Blickwinkel jedoch auch ein globaler. 1 1. Die Globalisierung der Finanzmärkte: Aufstieg und Fall? Die Internationalisierung der Finanzmärkte und des Bankgeschäfts im Speziellen fand in den vergangenen Jahren im Wesentlichen auf zwei verschiedenen Ebenen statt: a) zunehmende grenzüberschrei- tende Verflechtungen der Finanzinstitute untereinander im Interban- kenmarkt und b) intensivere Beziehungen der Banken mit Nichtba n- ken in anderen Ländern. a) Grenzüberschreitende Beziehungen zwischen Banken Das Geschäft mit anderen Banken macht einen erheblichen Teil der gesamten Aktivitäten von Banken aus, auch wenn der Anteil am gesamten Kreditbuch für Euroland-Banken in den Jahren vor der Finanzkrise abgenommen hat (mit der Euro-Schuldenkrise be- schleunigte sich dieser Trend, s. Abb. 1). Der Anteil sonstiger F i- nanzinstitute außer Banken (d.h. etwa von Versicherungen, Pens i- ons- und Investmentfonds) hat zwar zugenommen, jedoch von e i- nem viel niedrigeren Ausgangsniveau aus. 1 Ein allgemeinerer Überblick über globale Kapitalströme insgesamt findet sich bei Milesi-Ferretti und Tille (2011), die feststellen, dass grenzüberschreitende Banka k- tivitäten in der Krise besonders stark abgenommen haben (z.B. verglichen mit au s- ländischen Direktinvestitionen) sowie in Industrie- mehr als in Schwellenländern. 1,0 1,4 1,8 2,2 2,6 3,0 3,4 3,8 4,2 4,6 5,0 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 Kredite an Banken (links) Kredite an sonstige Finanzinstitute (rechts) % der Bilanzsumme Qu ellen: EZB, DB Research EWU: Kredite der Banken an andere Finanzinstitute 1 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 3 E in großer Teil der Kreditvergabe zwischen Banken findet grenz- überschreitend statt ± ein Zeichen für den Grad der internationalen Integration des Bankgeschäfts mit institutionellen Kunden vor allem in Europa. Euroraum-Banken vergeben zwar üblicherweise den größten Teil ihrer Interbankenkredite an andere Institute aus ihrem Heimatland (s. Abb. 2). Im Jahrzehnt vor der Krise sank dieser Pr o- zentsatz jedoch deutlich, von 60% Ende 1997 auf 46% im Sommer 2007, dank der Schaffung der Währungsunion (EWU) und erfolgrei- cher Bemühungen um eine noch stärkere Integration der instituti o- nellen Bankenmärkte in Europa. Im Ergebnis stieg der Anteil der Interbankenkredite an Banken im Euroraum (ohne den heimischen Markt) um mehr als die Hälfte auf 23% und der an andere EU- Banken sogar noch schneller, auf 21%. 2007 setzten sich die Inte r- banken-Kredite in Europa somit aus zwei nahezu gleich großen Teilen zusammen, dem nationalen und dem internationalen Ge- schäft. Die Finanzkrise sorgte dafür, dass die Risikoneigung verl o- ren ging; die Auslandsf orderungen der Banken sanken, auch wenn dadurch die Vorkrisen-Entwicklungen nur zum Teil umgekehrt wur- den. Heute machen Banken aus den übrigen EU-Ländern für Eur o- land-Institute knapp 37% der gesamten an Banken vergebenen Kredite aus ± immer noch ein erheblicher Prozentsatz. Auf der anderen Seite der Bilanz stellen Verbindlichkeiten gegen- über ausländischen Banken (d.h. Kredite wie auch Wertpapiere) fast 12% der Bilanzsumme der Schweizer und rund 9% bei EU-15- Banken, wohingegen dieser Anteil bei den US-Instituten gerade einmal 4% beträgt (s. Abb. 3). Bei einzelnen Banken kann diese Relation natürlich noch weit höher liegen. Ebenso wie die kurz- und langfristige Kreditvergabe unter Banken ging auch der Anteil der gesamten grenzüberschreitenden Refinanzierung bei anderen Ba n- ken seit dem Höhepunkt im Frühjahr 2008 stark zurück. 2 Damals hatte der aggregierte Durchschnitt für westeuropäische und US- amerikanische Banken 11,7% erreicht, verglichen mit heute nur noch 8,3%. Im (kurzfristigen) Euro-Geldmarkt ist das Bild weniger eindeutig. Während bei unbesicherten Geschäften der Anteil der mit Gege n- parteien aus dem Heimatland durchgeführten Transaktionen im Verlauf der Krise zulegte (von 25% im Jahr 2006 auf über 33% 2009), reduzierte er sich im letzten Jahr wieder auf etwa den Durc h- schnitt der letzten zehn Jahre (s. Abb. 4). Auffälliger ist der anha l- tende Zuwachs bei Nicht-EWU-Gegenparteien, deren Anteil sich seit dem Ausbruch der Krise um die Hälfte erhöht hat. Auch im Repo- Markt gibt es kaum Anzeichen für eine nennenswerte und dauerha f- te Verschiebung der Marktanteile hin zu oder weg von ausländ i- schen Gegenparteien, obwohl bei bilateralen Repo-Deals zune h- mend ausländische Sicherheiten verwendet werden (s. Abb. 4 und 5). Die beiden Entwicklungen im Interbankenmarkt insgesamt und im Euro-Geldmarkt im Speziellen lassen zusammengenommen eine vorsichtige Schlussfolgerung zu: Während es im kurzfristigen grenzüberschreitenden Interbankengeschäft offensichtlich keinen größeren Rückzug gab, hat ein solcher bei längeren Laufzeiten i n der Tat in gewissem Umfang stattgefunden. Das wäre allerdings auch nicht sonderlich überraschend: Angesichts eines gesteigerten Risikobewusstseins und erhöhter Risikoaversion dürften Geldmark t- kredite als relativ sicher erscheinen im Vergleich mit der längerfrist i- gen Finanzierungszusagen innewohnenden größeren Unsicherheit. 2 Es gibt leider keine vergleichbaren Daten für die Zeit vor 2005. 0 10 20 30 40 50 60 70 Dez 97 Dez 99 Dez 01 Dez 03 Dez 05 Dez 07 Dez 09 Dez 10 Inland EWU Rest der EU Übrige Welt I nterbankenkredite der Banken im Euroraum N ach Sitz des Kreditnehmers, in % Qu ellen: EZB, DB Research 2 0 5 10 15 20 25 D ez 05 Jun 06 Dez 06 Jun 07 Dez 07 Jun 08 Dez 08 Jun 09 Dez 09 Jun 10 Dez 10 EU-15-Banken US-Banken Schweizer Banken % der Bilanzsumme Qu ellen: BIZ, EZB, FDIC, SNB, DB Research We stliche Banken: Refinan - zierung bei ausländ. Banken 3 EU-Monitor 80 4 28. Juli 2011 Dar über hinaus deutet der hohe Anteil ausländischer Gegenparteien im Geldmarkt auf etablierte, langfristige Beziehungen hin, die sich selbst in schwierigen Zeiten als relativ stabil und belastbar erweisen dürften. Die Offenmarktgeschäfte der EZB bringen schließlich e inen weite- ren Beleg für eine moderate Umorientierung der Banken auf ihren Heimatmarkt. Der Trend ist vergleichbar mit dem bei Interbankb e- ziehungen insgesamt: Der Anteil h eimischer Wertpapiere, die die Banken bei ihren Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank als Sicherheit hinterlegen, fiel von fast drei Vierteln 2002 auf weniger als die Hälfte vor der Finanzkrise (s. Abb. 6). Gleichzeitig reichten die Banken zunehmend internationale Aktiva im Austausch für Zen- tralbankliquidität ein. Die Krise beendete diese Entwicklung und machte sie zum Teil rückgängig. Die Verwendung ausländischer Sicherheiten in geldpolitischen Operationen kam 2010 mit dem Au s- bruch der europäischen Staatsschuldenkrise weiter unter Druck , da 6WDDWVDQOHLKHQ*GHU*Ä3HULSKHULH³ -Länder vor allem für Banken aus GHQ*Ä.HUQ³-Staaten durch die höheren Abschläge auf diese Papiere als Folge von Rating-Herabstufungen weniger attraktiv wurden (die Kernländer machen einen großen Teil des Bankensektors im Eur o- raum insgesamt aus). b) Grenzüberschreitendes Bankgeschäft mit Nichtbanken Expansion in Auslandsmärkte durch Investitionen in lokale Banken Es gibt drei mögliche Wege für Banken , neue Kunden in einem an- deren Land zu gewinnen: Sie können ihre Produkte und Dienstlei s- tungen direkt grenzüberschreitend vertreiben, eine Präsenz vor Ort JDQ]*QHX*DXIEDXHQ**ÄDXI*GHU*JUQHQ*:LHVH³**RGHU*LQ*%DQNHQ*LQYH s- tieren, die bereits über entsprechende Kundenbeziehungen im Zielmarkt verfügen. Mit Blick auf letztere Strategie hatten die Banken ihre grenzübe r- schreitenden Aktivitäten vor der Finanzkrise deutlich intensiviert. Ausländische Direktinvestitionen (FDI) in Banken in der EU-15 erreichten 2007 einen neuen Höchststand, nachdem sie bereit s in den Jahren zuvor stetig gestiegen waren (s. Abb. 7). Die Investiti o- nen europäischer Banken im Ausland überwogen regelmäßig die Investitionen ausländischer Banken in der EU-15, was zum Teil auf die Bemühungen westeuropäischer Institute zurückzuführen ist, in schnell wachsenden Schwellenländern (oftmals in Mittel- und Osteu- ropa) eine starke Marktposition aufzubauen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 brach das Volumen der Direktinvestitionen ein und die Bankensektoren der EU- 15-Länder verzeichneten sogar einen leichten Nettoabfluss von Kapital ins Ausland. Ein großer Teil dieser Investitionen erfolgt meist in Form von Fusio- nen und Übernahmen (M&A) (Direktinvestitionen umfassen auße r- dem u.a. den Kauf von Minderheitsbeteiligungen). Global betrachtet nahm sowohl das Volumen als auch der Anteil grenzüberschreite n- der Fusionen an allen Transaktionen bis 2007 stark zu (s. Abb. 8). Mit der Krise ging diese verstärkte internationale Aktivität erheblich zurück. An der Mehrzahl der Bankfusionen im Jahr 2009 ± von de- nen es insgesamt relativ wenige gab ± waren nur Partner aus de m- selben Land beteiligt, während grenzüberschreitende Zusamme n- schlüsse ein verschwindend geringes Volumen aufwiesen. Deren Anteil hat sich zwar seitdem wieder erholt, die absoluten Volumina bleiben jedoch sehr niedrig. In Europa verlief die Entwicklung weitgehend ähnlich, abgesehen davon, dass grenzüberschreitende Aktivitäten im letzten Jahr sogar 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 I nland Euroraum Übrige Welt Repo-Transaktionen Qu elle: EZB 4 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 I nland Euroraum Übrige Welt % Eu ro-Geldmarkt: Herkunft der bei bilateralen Repos verwendeten Sicherheiten Qu elle: EZB 5 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 I nland Ausland Qu elle: EZB He rkunft der zur Refinan - zierung bei der EZB hinter - legten Sicherheiten 6 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 Euro-Geldmarkt nach Sitz der Gegenpartei U nbesicherte Transaktionen Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 5 f ast völlig zum Erliegen kamen, anstatt wieder zuzulegen (s. Abb. 9). Ganze zwei Transaktionen bedeuteten den Tiefpunkt im letzten Jahrzehnt, mit entsprechend vernachlässigbaren Volumina. Alle r- dings dürfte sich dieses Bild zukünftig in dem Maße auch wieder aufhellen, in dem der Bankensektor an Stärke zurückgewinnt, zumal die gegenwärtige umfassende Überarbeitung des regulatorischen Rahmens bei vielen Banken zu einer Neubewertung ihrer Ge- schäftsmodelle und -strategien führt. Nicht zuletzt werden außere u- ropäische Märkte aller Voraussicht nach weiterhin attraktive Ziele für EU-Banken bleiben. Unter dem Strich erhöhte sich der Marktanteil der mehrheitlich in ausländischem Besitz befindlichen Banken in der EU-25 in den Jahren vor der Krise (2003-07) um 6 %-Punkte auf 29% (s. Abb. 10). Mit der folgenden generellen Umorientierung auf den Heima t- markt sank er moderat auf 27% im Jahr 2009. Die Expansion der Auslandsbanken war dabei ausschließlich auf einen größeren Marktanteil der Banken aus anderen EU-Staaten zurückzuführen, was auf den Erfolg der Bemühungen hinweist, über die Abschaffung formaler und informeller Hemmnisse für den Finanzbinnenmarkt die europäische Integration zu vertiefen. Im Gegensatz dazu stagnierte der Anteil außereuropäischer Banken praktisch ± genaugenommen liegt er heute, nach der Krise, sogar auf dem niedrigsten Stand des letzten Jahrzehnts. Allerdings täuscht der Durchschnittswert über enorme Unterschie- de zwischen den einzelnen Ländern hinweg (s. Abb. 11). Wä h- rend Auslandsbanken in vielen westlichen EU-Staaten zusammen auf etwa ein Zehntel des gesamten Markts kommen, ist ihr Anteil in anderen Regionen wesentlich höher, bei oder über 50%. In den meisten neuen Mitgliedstaaten in MOE wiederum dominieren die ausländischen Institute und vereinen manchmal sogar mehr als 90% der Aktiva auf sich. Die großen Unterschiede von Land zu Land haben verschiedene Gründe: 1) Größe ist ein wichtiger Faktor. Es ist natürlich einfacher, in einem kleinen Land eine starke Position aufzubauen, als in einem gr o- ßen. Ein Marktanteil von 10% in Deutschland entspri cht fast drei Vierteln des belgischen Marktes und nahezu der gesamten B i- lanzsumme aller Banken in den zehn MOE-Mitgliedstaaten der EU zusammen. 2) Manche Länder sind offener für Investitionen aus dem Ausland als andere (dies gilt insbesondere, wenn Ausländer die Kontrolle über einheimische Banken übernehmen wollen). Der Widerstand von Politikern, Interessenvertretern und ein erhebliches Maß an (in)formellen Barrieren kann ausländische Banken davon übe r- zeugen, dass bestimmte Märkte für grenzüberschreitenden Wettbewerb wenig aufgeschlossen sind. 3) In Verbindung mit dem eben genannten Argument steht die Ta t- sache, dass westliche Banken ihre prominente Stellung in MOE vor allem der Strategie der dortigen Regierungen verdanken, starke Partner aus ÄIRUWVFKULWWOLFKHQ³ Bankensystemen zu finden, um ihre eigenen Finanzinstitute in der Zeit nach dem Zusa m- menbruch des Sozialismus zu modernisieren. Die früher staat s- eigenen Banken wurden privatisiert und Mehrheitsanteile bevo r- zugt an Banken aus der EU-15 verkauft, die selbst eifrig nach neuen Wachstumstreibern suchten. 3 3 Die meisten Transaktionen fanden bereits in den 1990er Jahren statt. 0 20 40 60 80 100 120 140 160 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Anteil an Banken -M&A insgesamt (%, links) Volumen (Mrd. EUR, rechts) Gre nzüberschreitende Fusionen & Übernahmen von Banken, weltweit Qu ellen: Dealogic, DB Research 8 0 2 4 6 8 10 12 14 0 10 20 30 40 50 60 70 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 V olumen (Mrd. EUR, links) Zahl der Transaktionen (rechts) Gre nzüberschreitende Bank- fusionen im Euroraum Qu ellen: Bureau van Dijk, ECB 9 0 5 10 15 20 25 30 2001 02 03 04 05 06 07 08 09 EU-B anken Banken aus Drittstaaten M arktanteil ausländischer Banken in der EU-25 % der Bilanzsumme Qu ellen: EZB, DB Research 10 -50 0 50 100 150 200 250 im Ausland im Inland Mrd. USD * Aufgrund fehlender Daten ohne Belgien, Griechenland, Irland und Luxemburg. B anken in der EU-15*: ausländ. Direktinvestitionen Qu ellen: OECD, DB Research 7 EU-Monitor 80 6 28. Juli 2011 Ins gesamt hat sich in der Bankenbranche ein enges grenzübe r- schreitendes Netzwerk gebildet. 4 Spiegelbildlich zur bisherigen An a- lyse der Marktanteile lässt sich auch das Ausmaß des Auslands- engagements der Banken aus einzelnen Ländern herausarbei- ten. Tab. 12 zeigt, welch wichtige Rolle die Bilanzforderungen g e- genüber anderen europäischen Ländern für viele europäische Ban- kensektoren spielen. Österreichische Banken und ihre lokalen Toc h- tergesellschaften z.B. weisen zusätzlich zu den Aktiva im Heima t- markt weitere USD 434 Mrd. an Forderungen gegenüber anderen europäischen Ländern aus ± die damit ein Drittel der gesamten B i- lanzsumme ausmachen (hinzu kommen noch einige weitere Forde- rungen an außereuropäische Schuldner). Mit Blick auf die europä i- schen Länder ist das Engagement in Tschechien, Deutschland und Rumänien am größten, die zusammen ungefähr ein Zehntel der gesamten Bilanzsumme österreichischer Banken ausmachen. Die Forderungen bestehen dabei sowohl aus Krediten und Wertpapi e- ren (Aktien und Schuldverschreibungen) als auch aus Einlagen ± es zählen z.B. an tschechische Kunden vergebene Hypotheken dazu, Investitionen in einen von einer deutschen Bank begebenen Pfan d- brief, Investitionen in deutsche Autoaktien oder eine Einlage bei einer rumänischen Bank. So verschieden wie diese starken grenzüberschreitenden Bezi e- hungen zwischen den nationalen Bankensektoren sind, so groß sind die Unterschiede auch in der Konzentration der Forderungen an das (europäische) Ausland. Fast 30% der gesamten Aktiva schwed i- scher Banken beziehen sich beispielsweise auf die drei skandinav i- schen Nachbarn Dänemark, Norwegen und Finnland. Dagegen sind die französischen Banken insgesamt offensichtlich wesentlich stä r- ker diversifiziert ± ihre Forderungen gegenüber den drei wichtigsten europäischen Partnern (Italien, Großbritannien und Deutschland) erreichen weniger als ein Zehntel der französischen Bilanzsumme. Der Vergleich der institutionellen Perspektive von Tab. 12 mit der Marktperspektive von Abb. 11 macht zugleich aber auch deutlich, dass der Internationalisierungsgrad einzelner europäischer Banken weniger stark variiert als der ganzer nationaler Bankensysteme. 5 4 Vgl. auch Weistroffer und Möbert (2010). 5 Eine vergleichbare, umfassende Darstellung der Verbindlichkeiten der Banken gegenüber einzelnen Ländern ist leider nicht möglich und damit auch keine detai l- lierte Analyse der Abhängigkeit von ausländischer Refinanzierung. Abb. 44 unten betrachtet jedoch zumindest den Teilaspekt der grenzüberschreitenden Verbin d- lichkeiten gegenüber anderen Banken. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Filiale Tochtergesellschaft % der Bilanzsumme, 2009 Qu ellen: EZB, DB Research M arktanteil ausländischer Banken nach Rechtsform 11 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 7 Finanzierung des Privatsektors und von Regierungen im Ausland Abgesehen von der Möglichkeit, Kunden in anderen Ländern durch den Zukauf von Tochtergesellschaften zu gewinnen, können Banken auch direkt um potenzielle Kunden werben. Im Kreditgeschäft sind grenzüberschreitende Aktivitäten selbst innerhalb des vermeintlich integrierten Euro-Finanzmarkts insgesamt relativ begrenzt. Von Banken im Euroraum vergebene Kredite an Nichtbanken in ande- ren europäischen Ländern (abgesehen vom Heimatmarkt) betra- gen weniger als 8% aller Ausleihungen an Nichtbanken, wovon zwei Drittel innerhalb der EWU verbleiben (s. Abb. 13). Obwohl sich di e- ser Anteil im vergangenen Jahrzehnt etwa verdoppelt hat und selbst während der Finanzkrise weitgehend stabil geblieben ist , ist er doch noch immer weit entfernt von den wesentlich engeren internation a- len Verflechtungen der Banken untereinander, wie oben gezeigt (s. Abb. 2). Dementsprechend stehen nationale Schuldner weiterhin für die ganz überwiegende Mehrheit (über 87%) der von Banken mit Sitz im Euroraum weltweit vergebenen Kredite an Nichtbanken. Diese Beobachtung trifft für nahezu sämtliche einzelnen EWU- Länder zu (s. Abb. 14). Z.B. gingen von den EUR 2.773 Mrd. an Krediten, die deutsche Banken an Privathaushalte, Unternehmen und Regierungen in Euroland vergeben haben, EUR 2.584 Mrd. an deutsche Kreditnehmer und nur EUR 189 Mrd. an Kunden in Fran k- reich, Italien, Spanien oder anderen Euro-Ländern. Auf der Einl a- genseite bietet sich im Übrigen genau dasselbe Bild. Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nur Banken mit Sitz in Deutschland (und ihre zugehörigen Zweigstellen im Ausland). Sie umfassen keine rechtlich selbstständigen ausländischen Tochterg e- sellschaften. Damit dürfte die wahre Marktpräsenz ausländischer 0 1 2 3 4 5 6 7 D ez 97 Dez 99 Dez 01 Dez 03 Dez 05 D ez 07 D ez 09 Dez 10 Euroraum Rest der EU Übrige Welt Nach Sitz des Kreditnehmers, in % aller Kredite an Nichtbanken B anken in der EWU: Kredite an ausländ. Nichtbanken Qu ellen: EZB, DB Research 13 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 EE FI SI GR ES IT SK PT FR CY DE NL AT BE MT IE LU K redite Einlagen %, 2010 Qu ellen: EZB, DB Research A nteil des Heimatmarkts an allen Krediten/Einlagen von Nichtbanken im Euroraum 14 Banken haben ein enges innereuropäisches Netzwerk aufgebaut (Stand: 2010) H erkunftsland Forderungen an europäische Länder (ohne Heimatmarkt) in % der Bilanzsumme Größte europäische Schuldnerländer Anteil der T op-3 euro- päischen Länder an der Bilanzsumme (in %) Schweden 45,8 Dänemark, Norwegen, Finnland 29,0 Österreich 33,2 Tschechien, Deutschland, Rumänien 11,4 Niederlande 26,8 Deutschland, Großbritannien, Belgien 13,8 Belgien 21,4 Tschechien, Irland, Frankreich 8,4 Griechenland 20,0 Rumänien, Großbritannien, Bulgarien 7,6 Frankreich 18,7 Italien, Großbritannien, Deutschland 8,9 Qu ellen: BIZ, EZB, DB Research 12 EU-Monitor 80 8 28. Juli 2011 Ins titute in einem gewissen Umfang unterschätzt werden. Nur wen i- ge Länder veröffentlichen Daten zur konsolidierten Kreditvergabe der Banken, die sich in ausländischem Besitz befinden. Deut- sche Statistiken ermöglichen einen genauen Blick auf die Rolle, die sowohl lokale Filialen als auch im Mehrheitsbesitz befindliche Toc h- tergesellschaften ausländischer Banken im deutschen Markt spi e- len: Die Daten zeigen einen langfristigen Aufwärtstrend im Markta n- teil der Ausländer, der zudem 2005 mit der Übernahme der Hypo- vereinsbank durch die italienische Unicredit sprunghaft zulegte (s. Abb. 15). Die Expansionsphase, die sich vor allem auf Industrieu n- ternehmen konzentriert hatte, ging abrupt zu Ende, als sich die F i- nanzkrise im Herbst 2008 verschärfte und viele Banken versuchten, Risikopositionen abzubauen (und ausländische Aktiva im Spezie l- len). 6 Dieser Rückzug ausländischer Banken aus dem deutschen Kreditgeschäft vor allem mit dem Verarbeitenden Gewerbe hält z u- dem trotz des Wirtschaftsaufschwungs seit letztem Jahr an. Ihr Marktanteil liegt mittlerweile wieder auf dem Niveau von vor Beginn des Booms (12-13%) und deutlich unter dem Höhepunkt vor der Krise von mehr als 16%, aber immer noch weit über den gerade einmal 4% vor zehn Jahren. 7 Ähnliches gilt für das Einlageng e- schäft, auch wenn sich die Position der Auslandsbanken hier über den ganzen Zyklus hinweg recht stetig entwickelt hat (s. Abb. 16). Außerhalb des Euro-Gebiets dürften ausländische Banken im Al l- gemeinen größere Marktanteile im Kredit- und Einlagengeschäft besitzen. Zum einen sind sie in Großbritannien stark vertreten dank der Rolle Londons als internationalem Finanzzentrum. Zum anderen befinden sich die meisten Bankensektoren in den MOE-Staaten überwiegend in ausländischen Händen und rein einheimische Inst i- tute sind weniger bedeutend als anderswo. In Großbritannien vereinen ausländische Banken insgesamt 20% des Einlagengeschäfts mit Haushalten und Unternehmen und 25% aller an den Privatsektor vergebenen Kredite auf sich (s. Abb. 17). Ihr Marktanteil gemessen an der Bilanzsumme insgesamt hat j e- doch im letzten Jahrzehnt etwas abgenommen, von zirka 40% auf rund ein Drittel. Dahinter verbergen sich mehrere, zum Teil gege n- läufige Effekte. 1) Die Rolle der Auslandsbanken im Interbankeng e- schäft hat abgenommen. 2) Banken im Auslandsbesitz haben ihr Privatkundengeschäft massiv ausgeweitet, vor allem dank mehrerer Übernahmen britischer Kreditinstitute durch die spanische Bank Santander. 3) Die Auslandsbanken haben die Lücke zwischen einer sehr starken Position im Kredit- und einem eher schwachen Einl a- gengeschäft mit britischen Unternehmen deutlich verringert. Der Marktanteil der Ausländer bei Firmenkrediten ging von rund 43% vor zehn Jahren auf heute nur noch 32% zurück, gleichzeitig klette r- te er bei Einlagen um 5 %-Punkte auf 27%. 8 Die Kreditvergabe ausländischer Banken schwankte jedoch tende n- ziell stärker als die inländischer Institute. Während Letztere ihr Kr e- ditbuch mit britischen Unternehmen im Vorfeld der Krise nahezu konstant um 10-15% pro Jahr ausweiteten, lagen die Wachstums- raten bei ausländischen Tochtergesellschaften und Zweigstellen in 6 Der Rückgang lässt sich nicht durch eine vermeintlich fehlende Kreditnachfrage erklären (die in der Tat ein wesentlicher Grund für die absolute Abnahme des Kr e- ditvolumens war), da hier nur relative Marktanteile betrachtet werden. Die Kredi t- vergabe durch Auslandsbanken sank schlicht stärker als jene durch einheimische, deutsche Banken. 7 Beim absoluten Volumen der Kredite an Unternehmen verzeichneten die Banken im Auslandsbesitz seit 2008 ein beträchtliches Minus von EUR 42 Mrd. 8 Vgl. auch BoE (2010a) und BoE (2010b). 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 Dez 00 Dez 02 Dez 04 Dez 06 Dez 08 Dez 10 Unternehmen & Selbstständige Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Private Haushalte Privatsektor insgesamt % Kre ditvergabe in DE: Markt- anteil ausländ. Banken nach Art des Kreditnehmers Qu ellen: Bundesbank, DB Research 15 0 2 4 6 8 10 12 14 16 2000 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 P rivate Haushalte Unternehmen Nichtbanken insgesamt % Ei nlagen in DE: Marktanteil ausländischer Banken nach Art des Gläubigers Qu ellen: Bundesbank, DB Research 16 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 1998 99 2000 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 K redite an Haushalte Einlagen von Haushalten Kredite an Unternehmen Einlagen von Unternehmen Bilanzsumme M arktanteil ausländischer Banken in Großbritannien % Qu ellen: BoE, DB Research 17 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 9 de r ersten Hälfte des Jahrzehnts meist darunter (und waren oftmals negativ) (s. Abb. 18) . In den Jahren 2005 bis 2008 stiegen sie j e- doch weit über dieses Niveau. Bemerkenswerterweise waren d ie Fluktuationen bei rechtlich unselbstständigen Filialen dabei sogar noch heftiger als bei eigenständigen Tochterunternehmen. Diese Unterschiede wurden in der Finanzkrise noch deutlicher : 1) Ausländische Banken fuhren ihre Kreditvergabe an britische Schuldner grundsätzlich schneller und stärker zurück als einheim i- sche Banken (s. Abb. 19). 2) Je enger die institutionellen Verbi n- dungen zur britischen Wirtschaft, desto stabiler und weniger schwankungsanfällig war das Kreditvergabeverhalten der Banken. 9 Der direkte grenzüberschreitende Kreditfluss kam als Erstes zum Stillstand. Auch der Einbruch bei der Kreditvergabe durch ausländ i- sche Zweigstellen war heftig und die Erholung dauerte hier am längsten. Dagegen hielt sich das Kreditgeschäft einheimischer Ban- ken und der in Großbritannien registrierten Töchter ausländischer Finanzinstitute relativ gut. Zudem wiesen diese beiden Gruppen von Banken die gesamte Krise hindurch stets sehr ähnliche Wachstum s- raten auf, was darauf hindeutet, dass die größere Unabhängigkeit rechtlich eigenständiger Einheiten zu einer stabileren Kreditvolu- mensentwicklung führte als beim direkten grenzüberschreitenden Geschäft oder der Kreditvergabe durch Filialen ausländischer Ba n- ken. 10 Generell dürfte politischer Druck auf die Banken, weiter Kred i- te an ihre Kunden im Heimatland auszureichen, das Kreditvolumen einheimischer Banken verglichen mit Auslandsbanken stabilisiert haben. Zum Rückzug vor allem der in ausländischem Besitz befindlichen Banken während der Marktturbulenzen trug wahrscheinlich auch ein erheblicher Mittelabfluss an ausländische Banken bei. Im Gege n- satz zu den Verbindlichkeiten einheimischer Banken gegenüber ausländischen Instituten, die im Großteil der Jahre 2008 und 2009 fast konstant blieben, fielen die Verbindlichkeiten der Auslandsba n- ken gegenüber dem Ausland um über 20% des britischen BIPs ± der stärkste prozentuale Rückgang bei der grenzüberschreitenden Interbanken-Refinanzierung in allen großen Industrieländern. Dass ausländische Muttergesellschaften aus ihren britischen Zweigstellen und Töchtern offensichtlich Liquidität abzogen, dürfte deren Mö g- lichkeiten, selbst Kredite zu vergeben, zwangsläufig stark beei n- trächtigt haben (s. Abb. 20). In vielen MOE-Ländern wiederum wird das Kreditgeschäft mit dem Privatsektor von ausländischen Finanzinstituten beherrscht . Die durchschnittlichen Wachstumsraten vor der Krise waren hier übl i- cherweise höher und der Abschwung 2009/10 kräftiger als in wes t- europäischen Bankenmärkten. Dennoch wäre es in diesem Fall falsch, den Unterschied auf die überaus starke Präsenz der Au s- landsbanken in den MOE-Staaten zurückzuführen. Im Gegenteil, die meisten Finanzsektoren in Schwellenländern zeichnen sich durch eine größere Volatilität ± schnellere Expansion in guten Zeiten, schärfere Einschränkung in Rezessionen ± im Kreditgeschäft aus. Unabhängig davon, wie bedeutend die Rolle ausländischer Institute ist, YHUIROJHQ*%DQNHQ*LQ*DXIVWUHEHQGHQ*Ä:DF hstumsmärkten³*QRUPa- 9 Wie bereits oben erwähnt, ergibt sich das Kreditvolumen natürlich aus dem Z u- sammenspiel sowohl von Angebot als auch Nachfrage, und letztere brach 2008/09 ein. Es ist denkbar, dass auch die Kunden in gewissem Maße einen Unterschied machten zwischen einheimischen Banken ± die ihnen vertrauter waren oder die sie als stabiler ansahen ± und internationalen Banken, die eventuell ein größeres Reputationsproblem hatten. 10 Vgl. auch BoE (2010a) und Hoggarth et al. (2010). -20 -10 0 10 20 30 40 50 2000 01 02 03 04 05 06 07 08 09 Ausländ. Tochtergesellschaft Ausländische Filiale Einheimische Bank % ggü. Vorjahr Qu elle: BoE Kred ite an britische Unter - nehmen nach Art der Bank 18 -10 -5 0 5 10 15 2006 07 08 09 10 A usländ. Tochtergesellschaft Ausländische Filiale Einheimische Bank Direkt grenzüberschreitend % ggü. Vorquartal Qu elle: BoE Kre dite an britische Unter - nehmen nach Art der Bank 19 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 UK IE FR PT AT CA DE BE SE US IT ES JP NL CH A uslandsbanken Einheimische Banken Qu elle: BoE Ne tto -Mittelaufnahme bei ausländischen Banken % des BIP, Q2 08-Q4 09 20 EU-Monitor 80 10 28. Juli 2011 l erweise eine andere Strategie als in entwickelten Volkswirtscha f- ten. 11 Statt organisch im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in neuen Märkten im Ausland zu wachsen, könnten die Banken im internationalen Geschäft mit großen Firmenkunden unter Umstä n- den leichter Erfolg haben, insbesondere in der Kreditsyndizierung. Damit wären vermutlich ± der allgemeinen Liquiditätslage und Ris i- koneigung im internationalen Finanzsystem entsprechend ± größere Fluktuationen im Marktanteil ausländischer Banken verbunden als bei klassischen, bilateralen Gläubiger-Schuldner-Beziehungen. Tatsächlich variierte das Engagement der Banken gegenüber ihren ausländischen Großkunden im letzten Jahrzehnt erheblich. Vor ein i- gen Jahren halbierte sich der Marktanteil der ausschließlich von ausländischen Instituten geführten Kreditkonsortien in Westeuropa, als die Bankenbranche unter einem Gewinneinbruch nach dem 3ODW]HQ*GHU*Ä1HZ*(FRQRP\³-Blase litt (s. Abb. 21). Dagegen zogen sich Konsortialbanken in der jüngsten Finanzkrise nicht wie erwartet massiv aus dem Ausland zurück. Der Marktanteil der Transaktionen unter ausschließlich ausländischer Führung ging 2008 nur leicht zurück, um sich 2009 und 2010 wieder zu erholen. Offensichtlich stellen ausländische Banken heutzutage mehr und dauerhafter syn- dizierte Kredite für ihre Firmenkunden in Europa bereit. Dafür sind verschiedene Gründe denkbar. Erstens sank das Marktvolumen insgesamt sehr deutlich und verdeckte damit einen ebenfalls sta r- ken Rückgang bei den von Ausländern arrangierten Transaktionen. Zum Zweiten nehmen Konsortialführer im Gegensatz zu den sonst i- gen beteiligten Banken nicht nur einen (gewöhnlich beträchtlichen) Teil des Kreditrisikos auf sich, sondern verdienen auch erhebliche Gebühren, die ihren Einsatz attraktiver machen. Drittens dürften die Strukturierungsteams, die oft aus vielen verschiedenen Nationalit ä- ten zusammengesetzt sind und von internationalen Finanzzentren aus operieren, vor allem risikoorientiert arbeiten und sich weniger YRQ*ÄQDWLRQDOHQ³*%HZH ggründen aus den Zentralen der Banken be- einflussen lassen. Die obige Analyse hat jedoch gezeigt, dass sich Banken in anderen Bereichen aus der Finanzierung des Privatsektors im Ausland im Verlauf der Krise zurückgezogen haben. Dies ist allerdings nicht mit einer grundsätzlichen Abkehr von Auslandsmärkten gleichzusetzen: Zum Teil ersetzten die Banken lediglich Kredite an private Schuldner durch Kredite an den Staat. D.h., indem sie den gestiegenen Fi- nanzierungsbedürfnissen sowohl in- als auch ausländischer Regierungen nachkamen, reduzierten sie das Kreditangebot für Haushalte und Unternehmen. Die Rezession und Konjunkturpro- gramme trieben die Staatsausgaben in den meisten Industrielä n- dern nach oben, wohingegen die private Kreditnachfrage zurüc k- ging, so dass es zu einer Umschichtung von privaten zu öffentlichen Schulden kam. 12 Die Verschlechterung der fiskalischen Situation zwischen 2006/07 und 2009/10 war insgesamt dramatisch. Im Verlauf von nur drei Jahren explodierte das durchschnittliche Haushaltsdefizit in der EU von 1,2% auf 6,6% und in den USA von 2,4% auf 11,2% (s. Abb. 22 und 24). In den meisten Fällen führte dies zu einem deutlichen A n- 11 Im Vergleich mit der Kreditentwicklung in anderen aufstrebenden Regionen ermi t- teln Mühlberger und Deuber (2010) in den MOE- Ländern sogar eine gewisse sta- bilisierende Wirkung der starken Präsenz ausländischer Banken. 12 Angesichts der Eigenkapital-Knappheit während der Krise waren die geringeren Risikogewichte für Forderungen an die öffentliche Hand ein weiterer Anreiz für Banken, eher den Staat als den Privatsektor zu finanzieren. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 % des gesamten Konsortialkreditvolumens EU-1 5: unter ausschließlich ausländischer Führung syndizierte Kredite Qu ellen: Thomson, DB Research 21 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 11 s tieg der Käufe von Staatsanleihen (bzw. der Kreditvergabe an die öffentliche Hand) durch ausländische Banken, die in den Jahren zuvor unter dem Strich oft noch Verkäufer gewesen waren (s. Abb. 23 und 25). Natürlich brachte diese Annäherung Vorteile für beide Seiten mit sich: Die Regierungen suchten einerseits Geldgeber für ihre Ausg a- bensteigerungen, die Banken andererseits sichere und liquide Akt i- va als Ersatz für die in der Finanzkrise und der folgenden Rezession eher riskanten Kredite an den Privatsektor ± und im Vorgriff auf die sich abzeichnende neue Regulierung. Das Interesse ausländischer Banken an europäischen Staatsanleihen kühlte dann mit Beginn der Euro-Staatsschuldenkrise im Frühling 2010 auf ganzer Breite erheblich ab und die Nachfrage nach Anleihen aus den Peripherie- Staaten ± Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien ± drehte sogar ins Negative . Gleichzeitig flüchteten ausländische %DQNHQ*ÄLQ*4XDOLWlW³*XQG*NDXIWHQ*LQ*GHQ*YHUJDQJHQHQ*4XDUWDOHQ* stetig neue Staatsanleihen der USA, Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande ± also von Emittenten, die trotz tei l- weise ebenfalls hoher Defizite immer noch zu den bonitätsstärksten Schuldnern der Welt zählen. US-Staatsanleihen im Besitz ausländ i- scher Banken z.B. legten seit 2007 um über zwei Drittel bzw. USD 409 Mrd. zu; die Forderungen an den deutschen Staat erhöhten sich im gleichen Zeitraum um mehr als EUR 50 Mrd. Um diese Investit i- -8 -6 -4 -2 0 2 2006 07 08 09 10 D eutschland Italien Niederlande Belgien Frankreich Haushaltsdefizit in % des BIP * Def izit 2009 < 8%. L änder mit mittelhohem Defizit* Qu elle: EU KOM 24 -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 2006 07 08 09 10 Gr iechenland Irland Großbritannien USA Haushaltsdefizit in % des BIP * Defizit 2009 > 10%. Quelle: EU KOM L änder mit sehr hohem Defizit* 22 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 100 120 J un 06 Dez 06 Jun 07 Dez 07 Jun 08 Dez 08 Jun 09 Dez 09 Jun 10 Dez 10 Griechenland Irland Großbritannien USA Staa tsanleihen im Besitz ausländischer Banken: Länder mit sehr hohem Haushaltsdefizit Qu ellen: BIZ, DB Research % ggü. Vorjahr, nationale Währung 23 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 100 Jun 06 Dez 06 Jun 07 Dez 07 Jun 08 Dez 08 Jun 09 Dez 09 Jun 10 Dez 10 Deutschland Italien Niederlande Belgien Frankreich % ggü. Vorjahr, nationale Währung Qu ellen: BIZ, DB Research Staa tsanleihen im Besitz ausländischer Banken: Länder mit mittelhohem Defizit 25 EU-Monitor 80 12 28. Juli 2011 on en in öffentliche Papiere möglich zu machen und dabei noch, wie die Finanzbranche insgesamt, den Verschuldungsgrad zu senken und zu schrumpfen, mussten ausländische Banken im Gegenzug ihr Finanzierungsvolumen für andere Sektoren etwas verringern. Mit Blick auf die von Banken gehaltenen ausländischen Staatsanle i- hen (bzw. an ausländische Regierungen vergebenen Kredite) sind zwei weitere Fakten bemerkenswert: Zum einen decken Auslands- banken der Euro-Schuldenkrise zum Trotz immer noch etwa 10-20% des gesamten Finanzierungsbedarfs der öffentlichen Hand (s. Abb. 26). Das ist ein nicht zu vernachlässigender Anteil, zumal dieser Wert nicht einmal andere große ausländische Investorengruppen wie Versicherungen, Investment- und Pensionsfonds, Hedgefonds oder Staatsfonds enthält. Zum anderen steht der Anteil der von au s- ländischen Banken bereitgestellten Mittel in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Höhe der Staatsschuld. Ausländische Ba n- ken machen lediglich 10% der Investorenbasis für französische Staatsanleihen aus, aber über 16% der portugiesischen, obwohl die öffentliche Verschuldung in Portugal etwas höher ist als in Fran k- reich. Ebenso haben die Auslandsbanken als Investoren in Gri e- chenland eine leicht größere Bedeutung als in Spanien, obwohl Hellas mehr als doppelt so stark verschuldet ist. D.h. ausländische Banken bleiben trotz ihrer jüngsten Verkäufe von Staatsanleihen für die Peripherie-Staaten ebenso wichtige Kreditgeber wie für solidere HXURSlLVFKH*Ä.HUQ³-Länder. Der generelle Rückgang grenzüberschreitender Bankaktivitäten als Folge der Krisen der letzten Zeit wird wieder deutlich, wenn man nicht nur die Staatsfinanzierung betrachtet, sondern die Investiti o- nen der Banken in Schuldverschreibungen ausländischer Nicht- banken insgesamt. Die von Nichtbanken (d.h. Staaten und Unte r- nehmen) emittierten Anleihen im Bestand der Banken im späteren Euroraum bestanden 1997 zu 15% aus Schuldtiteln, die von Emi t- WHQWHQ*DXV*DQGHUHQ*Ä(XUR-/lQGHUQ³*EHJHEHQ*ZRUGHQ*ZDUHQ**VRZLH* zu weiteren knapp 3% aus Schuldverschreibungen von Emittenten aus der übrigen EU (s. Abb. 27). Bis Anfang 2006 stiegen diese Werte auf 41% bzw. 7% an. Damit war der Anteil ausländischer Emittenten an den Anleiheportfolios der Banken auf fast die Hälfte gewachsen, und das bereits ohne Berücksichtigung der Investiti o- nen in Papiere, die Nichtbanken außerhalb Europas begeben ha t- ten. Seitdem ist der Anteil jedoch auf leicht unter ein Drittel gefallen. Hinter der aggregierten Betrachtung verbergen sich dabei beträch t- liche Unterschiede je nach Emittentenart: Die Bedeutung der Anle i- hen von anderen EWU-Staaten begann bereits vor der Finanzkrise zurückzugehen, da Banken unter zunehmenden Druck ihrer Invest o- UHQ**VSULFK*$NWLRQlUH**JHULHWHQ**EHL*GHU*Ä-DJG*QDFK*5HQGLWH³*DXI* profitablere ± aber auch riskantere ± Finanzinstrumente zu setzen. Infolgedessen erhöhten die Banken den Anteil von (EWU-) Unter- nehmensanleihen zu Lasten von (EWU-)Staatsanleihen bis zum Frühjahr 2008 auf den Rekordwert von 18%. Mit der Finanzkrise und dem damit einhergehenden wirtschaftlichen Einbruch kehrte sich dieser Trend abrupt um und ausländische Staatsanleihen w a- ren relativ gefragt, bevor sie angesichts der Euro-Staatsschulden- krise 2010 erneut an Attraktivität verloren. Unter dem Strich liegt der Anteil der von Nichtbanken aus dem übrigen Euroraum begebenen Schuldpapiere daher heute auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre, wenngleich er immer noch doppelt so hoch ist wie Mitte der 1990er. 13 13 S. auch EZB (2010). 0 5 10 15 20 25 30 Dez 97 Dez 99 Dez 01 Dez 03 Dez 05 Dez 07 Dez 09 Dez 10 EWU - Staaten EWU - Unternehmen Übrige EU - Staaten & Untern. Nich tbank -Anleihen im Be - sitz der Banken im Euroraum A nteil ausländischer Emittenten in %, nach Art und Sitz Qu elle: EZB 27 BE FR DE GR IE IT NL PT ES UK 0 5 10 15 20 25 40 60 80 100 120 140 160 A nteil von ausländischen Banken gehaltenen Staatsanleihen in % Staatsverschuldung in % des BIP Qu ellen: BIZ, EU KOM, Eurostat, DB Research 2010 A usländische Banken unterscheiden nicht nach Höhe des Schuldenstands 26 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 13 Investmentbanking In den Kernfeldern des Investmentbanking stellt sich die Lage äh n- lich dar wie bei den Konsortialkrediten . US-Banken sind in Europa dank ihrer Expertise auf dem Heimatmarkt mit seiner stärkeren B e- tonung der marktbasierten gegenüber der bankbasierten Finanzi e- rung seit langem stark vertreten. Es überrascht daher kaum, dass US-amerikanische Institute z.B. im Eigenkapitalmarkt-Geschäft *ÄHTXLW\*FDSLWDO*PDUNHWV³ , ECM) prominent vertreten sind, welches die Emission von Aktien und verwandten Instrumenten in Primär- und Sekundärmärkten umfasst. Der Marktanteil der US-Investment- banken unter den zehn größten ECM-Emissionsbanken in Europa fiel im letzten Jahrzehnt nie unter die Schwelle von 50% und stieg tendenziell sogar noch leicht an (s. Abb. 28). Auch in der Finanzkr i- se war der Rückgang nur minimal. Das Spiegelbild der Position europäischer Banken im US-Markt zeigt für 2010 einen plötzlichen Sprung nach oben, der sich auf eine Reihe von Faktoren zurückfü h- ren lässt: Einerseits unterliegen die Aktivitäten der Europäer in den USA tendenziell größeren Schwankungen als der Markt insgesamt, der sich dank seiner Größe durch relative Stabilität mit Blick auf Transaktions- und Ertragsvolumina auszeichnet, verglichen etwa mit dem europäischen ECM-Markt. Für ihr Engagement in den USA scheint das allgemeine Umfeld für europäische Banken in ihrem Heimatmarkt die größte Rolle zu spielen ± was sich in wachsenden Marktanteilen in guten Zeiten und sinkenden in schlechten niede r- schlägt. Europäische Banken schnitten im Boom 2004-07 folglich sehr gut ab, befanden sich 2008- 09 aber auch moderat auf dem Rückzug (analog zur Entwicklung im vorigen Zyklus), ehe sie im letzten Jahr wieder die günstigen Marktbedingungen ausnutzten . Zum verbesserten Abschneiden dürfte zusätzlich d ie Einstellung neuer Mitarbeiter beigetragen haben, d ie den europäischen Banken organisches Wachstum im Ausland ermöglichte. Nicht zuletzt half den Europäern auch die Übernahme des US-Geschäfts der inso l- venten Investmentbank Lehman Brothers, eines der fünf größten Marktteilnehmer vor der Krise, durch Barclays Ende 2008. Diese Akquisition brachte ein viertes europäisches Institut unter die Top Ten der ECM-Häuser in den USA, auch wenn sie sich im Jahr 2009 noch nicht richtig in den Marktanteilsdaten widerspiegelte. Die I n- vestitionen zahlten sich schließlich 2010 aus, als die europäischen Großbanken wieder zu alter Stärke zurückgefunden hatten. Sogar noch ausgeprägter war diese Entwicklung im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A), der prestigeträchtigsten I n- vestmentbanking-Disziplin. Der Marktanteil der europäischen Ba n- ken unter den 25 wichtigsten Beratern bei Transaktionen, die ein US-Unternehmen zum Ziel hatten, ging Anfang des letzten Jah r- zehnts zurück, bevor er sich in der Boomphase 2005- 08 wieder erholte und 2010, nach einer kurzen Unterbrechung im Zuge der Finanzkrise, schließlich ein neues Hoch erreichte (s. Abb. 29). O b- wohl die Doppelzählung der Transaktionsvolumina eine präzise An a- lyse erschwert, ist sie nicht der Grund für die offensichtlich zune h- mend stärkere Marktposition der Europäer in den USA: Die Zahl der europäischen Berater unter den 25 bedeutendsten M&A-Häusern in den USA hat sich von gerade einmal drei im Jahr 2005 auf nunmehr neun verdreifacht ± denselben Wert wie 2002, nur dass die Europä- er heute in den Ranglisten viel weiter vorn stehen. Bezüglich der Rolle der US-Investmentbanken in Europa ergibt sich ein vertrautes Bild während der Boomjahre; dagegen unterscheidet sich die Situation nach der Krise etwas von der auf der anderen Seite des Atlantiks: Der US-amerikanische Marktanteil an der euro- 0 10 20 30 40 50 60 70 0 5 10 15 20 25 30 35 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 E uropäische Bookrunner in den USA (links) US-Bookrunner in Europa (rechts) A usländische Institute unter den top-10 Emissions- banken für Eigenkapital M arktanteil in % des Transaktions - volumens der top-10 Banken Qu ellen: Dealogic, DB Research 28 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 M arktanteil* (% des Transaktionsvolumens, links) Anzahl (rechts) Eu ropäische Banken unter den top-25 M&A-Beratern in den USA Qu ellen: Thomson, DB Research * enthält Doppelzählungen. 29 EU-Monitor 80 14 28. Juli 2011 pä ischen M&A-Beratung war bereits zu Beginn des Jahrzehnts sehr hoch und wuchs auch noch deutlich weiter bis 2008, bevor er 2010 regelrecht einbrach (s. Abb. 30). Das dürfte allerdings eher ein ei n- maliger Ausrutscher gewesen sein als ein Zeichen einer dauerhaft geringeren Bedeutung der Amerikaner in Europa. Das M&A- Geschäft ist grundsätzlich sehr volatil, und es hängt stark von der Beteiligung an einigen sehr großen Deals ab, wie eine Bank in den einschlägigen Rankings abschneidet. Es wäre daher ganz und gar keine Überraschung, sollten d ie US-Institute wieder Anteile am e u- ropäischen Markt zurückgewinnen. Das ist umso wahrscheinlicher, als sich die Zahl der führenden US-Anbieter in den letzten zehn Jahren trotz des berüchtigten Endes von Lehman Brothers kaum verändert hat. Insgesamt bestätigen die Daten die einschlägige Vermutung, dass das institutionelle Großkundengeschäft wesentlich stärker internat i- onal integriert ist als klassische Geschäftsbankaktivitäten. Europä i- sche Investmentbanken haben in den USA im letzten Jahrzehnt signifikant expandiert und Europa ist ein attraktiver, offener Markt für ihre US-Pendants geblieben (die bereits eine starke Ausgangspos i- tion hatten). So ist das Kapitalmarktsegment trotz Finanzkrise auch heute noch einer der internationals ten ± und damit wettbewerbsi n- tensivsten ± Geschäftsbereiche der Banken überhaupt. Darüber hinaus dürfte diese Stärke in Zukunft durch den Aufstieg der au- ßeramerikanischen und -europäischen Investmenthäuser noch untermauert und erweitert werden. Diese stehen bislang klar im Schatten der beiden anderen Gruppen, aber es ist absehbar, dass sowohl Banken aus den Schwellenländern als auch aus anderen dynamischen Industrienationen wie Kanada und Australien bald ein JU|‰HUHV*6WFN*YRP*Ä.XFKHQ³*IU*VLFK*EHD nspruchen werden. Dass die Investoren diesen Instituten viel zutrauen, zeigte sich in den vergangenen Jahren bereits an ihrem Vorrücken in den Ranglisten der größten Banken der Welt nach Marktkapitalisierung, auch wenn vorerst abzuwarten bleibt, ob sie ihr Potenzial wirklich abrufen we r- den können (s. Abb. 31). 14 Vermögensverwaltung In keinem anderen Geschäftsgebiet hat es seit Ausbruch der F i- nanzkrise eine derart dramatische Konsolidierungswelle gegeben wie in der Vermögensverwaltung. Von den zehn größten Private- Banking-Anbietern im Jahr 2007 waren seitdem sechs an bedeu- tenden Transaktionen beteiligt, entweder als Käufer oder indem sie ihr Geschäft an einen Wettbewerber abtraten (s. Tab. 32). Zu m Teil geschah das aus eigenem Antrieb, zum Teil im Rahmen der allg e- meinen Umstrukturierung in der Finanzbranche als Reaktion auf die Krise, während der mehrere Universalbanken mit starken Verm ö- gensverwaltungsaktivitäten zusammenbrachen oder kurz davor standen. Dass so viele Konsolidierungsschritte stattfanden, lag d a- bei sicherlich auch daran, dass sich der Wert des Vermögensverwa l- tungsgeschäfts normalerweise relativ schnell bestimmen lässt und es oft in organisatorisch getrennten Einheiten geführt wird, die leic h- ter zu verkaufen sind. 14 Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ist der Anteil US-amerikanischer und westeuropäischer Institute unter den 25 größten Banken der Welt nach Marktkap i- talisierung mittlerweile sogar unter die 50%-Schwelle gefallen, während Banken aus China, Brasilien und Russland die größte einzelne Gruppe stellen ± etwas, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 Marktanteil* (% des Transaktionsvolumens, links) Anzahl (rechts) US-B anken unter den top-25 M&A-Beratern in Europa Qu ellen: Thomson, DB Research * enthält Doppelzählungen. 30 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 1999 2004 2007 2011 U SA Europa Japan Übrige Industrieländer Schwellenländer Sc hwellenländer-Banken gehen in Führung M arktkapitalisierung der 25 größten Banken der Welt nach Region S tand: jeweils Mitte Juni (2011: Mitte März) Quellen: The Banker, Thomson, DB Research 31 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 15 Nur eines hat sich trotz all dieser Umwälzungen nicht verändert: Die großen Vermögensverwalter tun sich recht schwer damit, wirklich internationale Unternehmen zu werden. Im Gegensatz dazu erzielen viele der größten Banken in den meisten anderen Geschäftszwei- gen bereits höhere Erträge im Ausland als im Heimatmarkt (s. Abb. 40 unten). Selbst die wenigen Institute, die die Verteilung ihrer ver- walteten Aktiva nach nationalen und internationalen Kunden verö f- fentlichen (und das sind vermutlich diejenigen, die überhaupt ein nennenswertes Auslandsgeschäft betreiben), weisen üblicherweise einen geringeren Auslandsanteil aus als für die Bank insgesamt. Zudem scheinen die Fortschritte in den vergangenen Jahren gering gewesen zu sein. Von den in Abb. 33 aufgeführten Banken haben drei die relative Bedeutung ihrer Vermögensverwaltung im Ausland in der jüngeren Vergangenheit leicht ausgebaut, während dieser Anteil bei der Deutschen Bank deutlich zurückgegangen ist ± vor allem aufgrund der Übernahme von Sal. Oppenheim, einem deu t- schen Konkurrenten. Die Verhältnisse in der Branche insgesamt dürften noch stärker auf einen nationalen Fokus ausgerichtet sein als bei den abgebildeten Banken, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Mehrzahl der in der obigen Tabelle aufgelisteten Fusionen und Übernahmen wiederum zwischen Instituten aus demselben Land stattfand. Die Konzentration auf den einheimischen Markt findet sich auch auf Seiten der Anleger wieder. Sie ist dabei natürlich nicht nur ein E r- gebnis der eher schwachen Marktpräsenz (und damit Vertriebskraft) ausländischer Finanzdienstleister, sondern auch Ausdruck einer immer noch bestehenden Präferenz der Investoren für inländische Wertpapiere und die Folge regulatorischer Bestimmungen, die den Heimatmarkt bevorteilen. Wenigstens in der langfristigen Sicht sin d die Portfolios der Investoren allerdings internationaler geworden. 'HU*ÄHome-Bias³ 15 bei Aktien sank im ungewichteten Durchschnitt der meisten Euro-Länder zwischen 1991 und 2008 von 84% auf 48% ± d.h., inländische Papiere sind zwar weiterhin überrepräse n- tiert, aber das Ausmaß der Verzerrung hat über die letzten beiden 15 Definiert als 100% - (Anteil ausländischer Wertpapiere am Portfolio des inländ i- schen Investors / Anteil ausländischer Wertpapiere am Weltportfolio). Ein Home- Bias von 100% entspricht einem Portfolio, das ausschließlich aus inländischen Papieren besteht ± ein Wert von 0 steht für ein Portfolio, in dem ausländische Wertpapiere denselben Anteil haben wie in einem Portfolio, das sämtliche Papiere der ganzen Welt umfasst. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 CS* DB BNP** JPM CA*** 2004 2010 %, ausgewählte Banken Qu ellen: Unternehmensberichte, DB Research * 2006/10; ** Q1 10; *** 2004/09 A uslandsanteil am gesam- ten verwalteten Vermögen 33 Wichtige M&A-Transaktionen in der Vermögensverwaltung seit 2008 (Auswahl) J ahr Verwaltetes Vermögen (Mrd. EUR) Käufer Land Verkäufer Land 2008 177 Wells Fargo US Wachovia US 2009 896 Bank of America US Merrill Lynch US 2009 55 Allianz DE Commerzbank cominvest DE 2009 200 BNP Paribas FR Fortis BE 2009 863 Morgan Stanley US Citigroup Smith Barney US 2009 1.187 Blackrock US Barclays Global Investors UK 2009 170 Crédit Agricole FR Société Générale FR 2010 137 Deutsche Bank DE Sal. Oppenheim DE Qu ellen: Unternehmensberichte, DB Research 32 EU-Monitor 80 16 28. Juli 2011 J ahrzehnte hinweg abgenommen (s. Abb. 34). Auch der Home-Bias bei festverzinslichen Wertpapieren fiel von 91% im Jahr 1991 auf nur noch 57% 2008. 16 Insgesamt macht das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft langsam Fortschritte, auch wenn ausländische Anbieter in anderen Geschäftssegmenten schon eine größere Rolle spielen und das grenzüberschreitende Geschäft dort weiter entwickelt ist. Und wie die Integration nationaler Finanzmärkte generell einen Rückschlag durch die Krise erlitten hat, so haben auch die Vermögensverwalter und ihre Kunden dem Heimatmarkt wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. 17 Daraus lassen sich zwei Dinge schlussfolgern: 1) Die Vermögensverwaltung bleibt in vielerlei Hinsicht ein vor Ort vera n- kertes Geschäft, weswegen Banken bei der Expansion ins Ausland besondere Vorsicht walten lassen sollten. Angesichts der im heim i- schen Markt oft begrenzten Wachstumschancen dürften sie hieran in den kommenden Jahren zumindest etwas größeres Interesse zeigen als in der jüngeren Vergangenheit. 2) Nach ihrem wenig überzeugenden Abschneiden während der Krise wird es Vermö- gensverwaltern noch schwerer fallen, Kunden und Regulierer davon zu überzeugen, ihre Vorliebe für inländische Dienstleis ter und inlä n- dische Wertpapiere aufzugeben. 2. Gründe für die Globalisierung des Bankgeschäfts Nac h dieser empirischen Analyse der tatsächlichen kurz- und lang- fristigen Entwicklungen in internationalen Bankenmärkten stellt sich die Frage, warum diese Verä nderungen überhaupt stattgefunden haben. Mehrere Gründe sprechen dafür, dass Banken ihren geo- grafischen „Horizont“ erweitern und Geschäft mit Kunden in an- deren Ländern als ihrem angestammten Heimatmarkt betreiben 18 : ² Stärkeres Wachstum im Ausland. Viele westliche Banken operi e- ren in großen, aber gesättigten Heimatmärkten mit nur mäßigen langfristigen Wachstumsaussichten. Dagegen hat der Aufholpr o- zess der Schwellenländer im vergangenen Jahrzehnt gerade erst richtig begonnen und dürfte sich noch längere Zeit fortsetzen ± eine weiterhin überwiegend vernünftige Wirtschaftspolitik und ein stabiles institutionelles Umfeld vorausgesetzt (s. Abb. 35). Der relativen Position der Schwellenländer kommt außerdem der b e- ginnende grundlegende demografische Wandel zugute sowie die Tatsache, dass die Kreditmärkte in Industriestaaten üblicherwe i- se wesentlich größer sind als in den aufstrebenden Nationen (s. Abb. 36). Unter dem Strich sollte das Ertragswachstum in Asien, 16 Zum Teil ist dies nur auf den Aufstieg (seit der Jahrhundertwende) von Fonds zurückzuführen, die rechtlich in Ländern wie Luxemburg oder Irland ansässig sind, anstatt auf eine echte Verschiebung hin zu einem geografisch ausgewogeneren Portfolio. Vgl. auch Bundesbank (2011) und Bundesbank (2009). Inzinger und Haiss (2006) beobachten ebenfalls einen Rückgang des Home-Bias auf Aktien- märkten, während Capgemini und Merrill Lynch (2010) feststellen, dass es im ob e- ren Segment des VerP|JHQVYHUZDOWXQJVPDUNWHV**EHL*GHQ*VRJHQDQQWHQ*Ä+LJh net ZRUWK*LQGLYLGXDOV³**+1:,V in der Krise eine Rückbesinnung auf inländische F i- nanzaktiva gegeben hat. 17 Die gegen angebliche Steueroasen gerichteten politischen Initiativen in wichtigen Ländern haben diese Tendenz nur noch verstärkt. Allerdings wird die Bedeutung der Offshore-Zentren oft überschätzt ± in den Industrienationen werden Vermögen ganz überwiegend im Inland verwaltet. IFSL (2009) verweist darauf, dass lediglich Investoren aus Lateinamerika und dem Nahen Osten einen beträchtlichen Teil i h- rer Vermögen im Ausland deponiert haben. SBA (2009) und BCG (2010) wiederum berichten, dass die Offshore- Aktiva in den vergangenen Jahren langsamer g e- ZDFKVHQ*VLQG*DOV*GHU*Ä2QVKRUH³ -Markt, und erwarten zudem weiter anhaltenden regulatorischen Druck. 18 Vgl. auch Schildbach (2008). 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 DE ES FR GR IT NL PT 1998 2008 Qu elle: Bundesbank I ndexwert für Schuldverschreibungen 34 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 DE ES FR GR IT NL PT Ho me-Bias der Investoren geht zurück I ndexwert für Aktien -4 -2 0 2 4 6 8 10 1995 2000 05 10 15 Industrienationen Schwellenländer R eales BIP-Wachstum % ggü. Vorjahr Qu elle: IWF 35 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 17 La teinamerika oder dem Nahen Osten daher um einiges höher ausfallen als in reife ren Märkten. ² Breitere Nutzung starker Produkte, Prozesse und Marken. Wes t- liche Banken können IT-Systeme, Produktplattformen, Risikom a- nagement-Technologien oder Markennamen, die sich in ihren Kernmärkten bewährt haben, für eine erfolgreic he Expansion ins Ausland nutzen und damit das Geschäftsvolumen unter relativ geringen zusätzlichen Kosten ausweiten. ² Diversifizierung von Risiken und Renditen. Geografisch breit aufgestellte Banken erwiesen sich selbst während der globalen Finanzkrise als insgesamt stabiler als ihre spezialisierten Wet t- bewerber ± was die Frage aufwirft, ob der Rückzug einiger Ba n- ken aus dem Ausland wirklich so sinnvoll war. 19 Banken mit ei- nem starken Schwellenländergeschäft verzeichneten im Allge- meinen eine kontinuierlichere Gewinnentwicklung dank der gr ö- ßeren Widerstandsfähigkeit dieser Regionen. Durch Aktivitäten in vielen verschiedenen Ländern sollten also die Schwankungen in den Erträgen und Gewinnen eines Finanzinstituts ebenso a b- nehmen wie die Wahrscheinlichkeit schwerer, unternehmen s- spezifischer Schocks. ² Skalen- und Verbundeffekte. Zumindest für kleinere Banken kann es sich ausgesprochen lohnen, durch einen Gang ins Ausland an Größe zu gewinnen, nicht zuletzt aufgrund sinkender Stückko s- ten. Manchmal mag allerdings auch Wachstum im heimischen Markt einfacher sein; zudem lassen sich Größenvorteile tende n- ziell umso schwieriger realisieren, je größer ein Institut bereits geworden ist. 20 Natürlich sind nicht nur die Banken Nutznießer von integrierten F i- nanzmärkten. Ebenso vielfältig sind die Vorteile für ihre Kunden: ² Höhere Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Ausländ i- sche Banken bringen ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus a n- deren Ländern mit und dürften ihre Aushängeschilder, d.h. die e r- folgreichsten Produkte, zum Markteintritt verwenden ± die wiede- rum dem bisherigen Angebot der lokalen Banken überlegen sein N|QQHQ**(LQ*VROFKHU*Ä,PSRUW³*YRQ*)LQDQ]GLHQVWOHLVWXQJHQ*K|KHUHU* Qualität ist vor allem in weniger entwickelten Märkten bedeu t- sam, aber längst nicht auf sie beschränkt. ² Größere Auswahl an Finanzdienstleistungen. Grenzüberschrei- tende Integration hat nicht nur einen Qualitäts-, sondern auch e i- nen Quantitätsaspekt. Auslandsbanken können die ersten sein, die bestimmte Produkte überhaupt erst verfügbar machen (oder für ihren Durchbruch sorgen ± man denke nur z.B. an die Ve r- breitung von Kreditkarten in Kontinentaleuropa). ² Niedrigere Preise. Banken aus dem Ausland dürften die Wettb e- werbsintensität in ansonsten eher abgeschotteten Märkten erh ö- hen und damit nicht nur zu Verbesserungen bei Qualität und U m- fang des Angebots beitragen, sondern auch die Kosten für die Kunden verringern. Ein Oligopol mit hohen Preisen lässt sich ZHVHQWOLFK*OHLFKWHU*LQ*LVROLHUWHQ*DOV*LQ*ÄEHVWUHLWEDUHQ³*0lUNWHQ*DX f- rechterhalten ± also solchen, die für Ausländer offenstehen. ² Ausländische Banken als Dienstleistungsanbieter für große, mu l- tinationale Unternehmen. Nicht alle Länder können internationale Großbanken vorweisen, die in der Lage sind, ähnlich großen und 19 In vielen dieser Fälle waren jedoch auch andere, nicht geschäftsbezogene Fakt o- ren mit ausschlaggebend, wie etwa die EZB (2011) bemerkt. 20 S. z.B. Goisis et al. (2009). 0 50 100 150 200 250 Argentinien Indonesien Mexiko Türkei Nigeria Ägypten Pole n R ussland Rumänien Indien Brasilien Japan Deutschland Italien Großbritannien USA Entwicklungs- & Schwellenländer Industrieländer Ausstehendes Volumen in % des BIP, 2009 Qu elle: Weltbank Kred ite an den Privatsektor 36 EU-Monitor 80 18 28. Juli 2011 brei t aufgestellten nicht-finanziellen Unternehmen als Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Letztere benötigen unter Umständen ein weltweites Cash-Management, einen Anbieter für komplexe grenzüberschreitende Zahlungsdienste, Unterstützung bei gro ß- volumigen Investmentbanking-Transaktionen (insbesondere bei der Emission von Fremd- oder Eigenkapital) oder Hilfe bei einer sonstigen großen Finanzierung, etwa einem Ä-XPER³-Kredit. Eine der Kernkompetenzen globaler Banken ist es, genau solchen U n- ternehmen als Dienstleister zur Verfügung zu stehen ± wofür sie wiederum Zugang vor allem (aber nicht nur) zu den Märkten brauchen, die keine einheimischen Institute haben, die diese Aufgaben wahrnehmen könnten. 21 Es steht außer Frage, dass eine Erweiterung des Geschäfts auf das Ausland auch viele Risiken für die Banken bereithält. Dazu gehören politische und rechtliche Risiken ebenso wie solche, die von mögl i- cherweise höherer makroökonomischer Volatilität herrühren oder von kulturellen Unterschieden, und d as Transferrisiko, wenn Au s- landsbanken ihre Gewinne ins Heimatland zurückführen wollen. Höhere Margen und Risikoprämien sollten das jedoch unter norm a- len Umständen ausgleichen, so dass in den meisten Fällen die Vo r- züge der Internationalisierung die Nachteile insgesamt überwiegen dürften. 3. Ausblick E ine Zeit lang sah es 2008 und 2009 so aus, als ob die Internation a- lisierung des Bankgeschäfts ± einer der wichtigsten fundamentalen Trends in der Branche in den letzten Jahrzehnten ± einen schweren Rückschlag erleben würde. Die Krise brachte den Staat zurück ins Zentrum des GesFKHKHQV**DOV*Ä,QYHVWRU*GHU*OHW]WHQ*,QVWDQ]³*XQG*DOV* Regelsetzer, und es liegt in der Natur der Sache, dass nationale Regierungen sich auf nationale Märkte konzentrieren. 22 Praktisch beispiellose Verwerfungen auf den globalen Finanzmärkten und in der Folge e LQ*Ä+HU]LQIDUNW³*GHU*:HOWZLUWVFKDIW**GHU*]HLWZHLVH*ZLH*GHU* Beginn einer zweiten Weltwirtschaftskrise aussah, führten zu extr e- mer Unsicherheit im Bankensektor und dazu, dass Bankmanager ihre ganze Aufmerksamkeit wieder dem jeweiligen Kerngeschäft zuwandten ± und damit vor allem dem Heimatmarkt (der natürlich je nach Definition nicht nur ein einzelnes Land umfassen kann, so n- dern ebenso auch eine größere Region ). Die Stützungsmaßnahmen der nationalen Regierungen gaben einen weiteren Anstoß in diese Richtung, indem sich die Banken oftmals verpflichten mussten, im Gegenzug für erhaltene Hilfen weiter Kredite an inländische Kunden zu vergeben. Damit standen andererseits in einer Zeit des Umbaus, Schrumpfens und der Verringerung des Verschuldungsgrads der Banken insgesamt weniger Mittel für das internationale Geschäft zur Verfügung. Nicht zuletzt sind einige Banken auch noch dabei, im Rahmen von laufenden Umstrukturierungen (d.h. Schrumpfung s- prozessen) Randaktivitäten im Ausland abzustoßen, um damit Au f- lagen der Europäischen Kommission zu erfüllen, die Staatshilfen genehmigen muss. Gemessen am Anteil ausländischer Aktiva an der Bilanzsumme hatte das Niveau grenzüberschreitender Aktivitäten in den meis- 21 Vgl. auch die Fallstudien in IIF (2010). 22 U.a. in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Island, Lettland, den Niede r- landen, Österreich und Spanien wurden Banken von Regierungen verstaatlicht, indem diese mehr als 50% des Aktienkapitals übernahmen. Auch in anderen Lä n- dern wie Frankreich, Italien oder der Schweiz (oder den USA) beteiligte sich die öffentliche Hand an Finanzinstituten. S. z.B. Schildbach (2009). Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 19 ten großen europäischen Bankensystemen seinen Höhepunkt 2007/08 erreicht (auf der Refinanzierungsseite ist das Bild nicht ganz so eindeutig ± hier hatten manche Länder die stärkste gren z- überschreitende Verflechtung bereits im vorigen Zyklus, 2001/02, aufgebaut, wie die Abb. 37 und 38 zeigen). 23 Der Auslandsanteil ging dann in der Krise erheblich zurück , bevor er sich 2010 sta- bilisierte . Großbanken, die traditionell viel internationaler aufgestellt sind als der Durchschnitt der Branche, konnten die Krise auch mit als erste hinter sich lassen: Der Anteil der im Ausland erzielten E r- träge bei den 20 bedeutendsten europäischen Banken liegt heute höher denn je ± vor allem, weil der Beitrag, den europäische Länder außerhalb des Heimatmarkts beisteuern, im Verlauf des letzten Jahrzehnts um fast 10 %-Punkte auf nahezu 30% angestiegen ist (s. Abb. 40). 23 Die größten Kapitalexporteure waren deutsche und britische Banken, bei denen die ausländischen Aktiva die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland um rund 4- 8% der Bilanzsumme überstiegen (s. Abb. 39). Nur die Gründe dafür waren zie m- lich verschieden: Britische Banken sind entsprechend der Geschichte des Landes als dem Kernland eines früheren Weltreichs und der Bedeutung Londons als inte r- nationalem Finanzzentrum traditionell sehr stark im Ausland engagiert. Teile des deutschen Bankensystems hingegen, insbesondere die Landesbanken, wandten sich erst dem Auslandsgeschäft zu, als ihr Geschäft im Heimatmarkt zunehmend unattraktiv und weniger profitabel wurde ± sowohl aufgrund eines immer weniger tragfähigen Geschäftsmodells als auch wegen der jahrelangen relativen St agnati- on der deutschen Volkswirtschaft. Banken aus anderen großen europäischen Lä n- dern wiederum waren moderate Kapitalimporteure, wenngleich oft in abnehme n- dem Maße. Mit der Krise verringerten sich die Ungleichgewichte (weiter), abges e- hen von den britischen Banken. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 UK SE+DK DE FR ES IT 2001 Maximum 2009 2010 Ex terne Aktiva einheimischer Banken % der Bilanzsumme E xtern: ausländisch für Großbritannien, Skandinavien; außerhalb des Euroraums für Banken in der EWU Quellen: EZB, DB Research D ez 07 Jul 08 Okt 08 Mai 07 Okt 03 Mrz 07 37 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 UK SE+DK FR DE ES IT 2001 Maximum 2009 2010 Ex terne Verbindlichkeiten einheimischer Banken % der Bilanzsumme E xtern: ausländisch für Großbritannien, Skandinavien; außerhalb des Euroraums für Banken in der EWU Quellen: EZB, DB Research D ez 08 Apr 08 Mai 07 Apr 02 Dez 01 Feb 02 38 EU-Monitor 80 20 28. Juli 2011 Was stand hinter dieser Erholung? Es waren vor allem die Stabilisi e- rung der Finanzmärkte, die dank massiver und zügiger Eingriffe der Staaten (und Notenbanken) schneller kam als erwartet, die Kürze der Rezession in den Industrieländern ± wozu ebenfalls umfangrei- che Konjunkturprogramme beitrugen ± sowie der Boom in den Schwellenländern, durch deren beeindruckende Wachstumsraten westliche Banken bald wieder angelockt wurden. Die obigen Zahlen für den Bankensektor insgesamt beinhalten jedoch wieder nur das direkt grenzüberschreitende (und das über Filialen im Ausland a b- gewickelte) Geschäft, ohne rechtlich selbstständige ausländische Tochtergesellschaften mit einzubeziehen. Sie dürften damit in einem gewissen Maß den tatsächlichen Umf ang der internationalen Aktiv i- täten von Banken unterschätzen. Die einzige Quelle für aggregierte Daten einschließlich Tochterunternehmen im Ausland ist die kons o- lidierte Bankenstatistik der BIZ. Sie bietet trotz einiger Probleme 24 (u.a. ist sie anfällig für möglicherweise unterschiedliche Berichtsm e- thoden der nationalen Behörden) einen einzigartigen Überblick über das Auslandsengagement der Bankensektoren einzelner Länder. Tatsächlich sind die in Abb. 41 und 42 dargestellten Ergebnisse denen in Abb. 37 s ehr ähnlich. Europas Banken waren vor der Krise auf klarem Internationalisierungskurs, der sich von Land zu Land bemerkenswert wenig unterschied. Er umfasste eine Mischung aus organischem Wachstum, Zukäufen ausländischer Banken ± und Fehlinvestitionen, z.B. i n Wertpapiere, die mit US-Subprime-Hypo- theken unterlegt waren. Die Auslandsforderungen brachen 2008 auf breiter Front ein, während in der Stabilisierungsphase seitdem die Bankensektoren hinterherhinken, die ohnehin noch größere Pro b- 24 Vgl. z.B. BIZ (2010a), BIZ (2010b) und BIZ (2011) oder Hoggarth et al. (2010). -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 2002 03 04 05 06 07 08 09 10 Deutschland Großbritannien Frankreich Italien Spanien Schweden+Dänemark Ne ttoauslandsposition des Bankensektors E xterne Forderungen - Verbindlichkeiten in % der Bilanzsumme Qu ellen: EZB, DB Research 39 H eimatmarkt Rest Europas Übrige Welt Ert räge der 20 größten europäischen Banken nach Region E rtragsstruktur 2001 Qu ellen: Unternehmensberichte, DB Research 40 E rtragsstruktur 2006 Ertragsstruktur 2010 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50 60 Jun 06 Dez 06 Jun 07 Dez 07 Jun 08 Dez 08 Jun 09 Dez 09 Jun 10 Dez 10 AT DE ES FR IE UK % ggü. Vorjahr Qu ellen: BIZ, DB Research A uslandsforderungen der Banken aus europäischen Ländern 41 Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 21 l eme haben (etwa die irischen oder deutschen Banken). Mit Blick auf die Regionen, in denen europäische Banken investieren, laufen die Entwicklungen seit Sommer 2009 sogar noch stärker ausei- nander: Der Rückgang der Geschäftsaktivität in vielen entwickelten Volkswirtschaften ließ zwar nach, doch blieb neues Wachstum dort bislang aus. Auf der anderen Seite kehrten die europäischen Ba n- ken recht schnell und mit viel Schwung in die meisten Schwelle n- länder zurück , im Einklang mit der generellen Widerstandsfähigkeit insbesondere der südostasiatischen und lateinamerikanischen Öko- nomien. Im Ergebnis hat das absolute Engagement in diesen Reg i- onen schon wieder neue Rekordwerte erreicht, wohingegen es in Großbritannien und den USA nur bei gerade einmal rund zwei Dri t- teln des Vorkrisenniveaus dümpelt. 25 Wie wird es mit dem internationalen Bankgeschäft nun weiterg e- hen? Viel hängt von der Entwicklung einiger Schlüsselfaktoren ab: ² Wachstumstrends. Je mehr sich die momentan enormen Wachstumsunterschiede zwischen entwickelten und aufstrebe n- den Volkswirtschaften als dauerhaft herausstellen, desto lauter wird der Ruf nach einer größeren Präsenz in den wachstum s- starken Regionen werden. Und da es sich dabei um kein u n- wahrscheinliches Szenario handelt (auch mit Blick auf die sich abzeichnenden demografischen Veränderungen), dürften westl i- che Banken weiterhin an einem Ausbau ihres Geschäfts vor al- lem in Asien und Lateinamerika arbeiten. ² Regulierung. Nach der Finanzkrise rollt eine Welle neuer R e- geln und Vorschriften über Europa, ja fast die ganze Welt. Höh e- re Eigenkapitalanforderungen z.B. sind dabei an sich kein Pro b- lem für grenzüberschreitende Aktivitäten. Sollten sie sich jedoch als zu streng herausstellen und die Banken dazu zwingen, ihre Risikoaktiva (bzw. das Wachstum derselben) zu reduzieren , dann könnte dies zu Lasten ausländischer Kreditnehmer gehen. Vor die Wahl gestellt, entweder ihr Engagement im Ausland zu reduzieren oder möglicherweise langfristige Kundenbeziehungen in ihrem Heimatmarkt zu beenden, womit sie weitere politische Gegenmaßnahmen riskieren würde und ihren Ruf als verantwo r- tungsbewusster Teil der Gesellschaft eventuell irreparabel b e- schädigen könnte, dürfte sich eine Bank mit ziemlicher Sicherheit für die erste Option entscheiden. Es wird daher auf die Politiker und andere Entscheidungsträger ankommen, wie sehr die neuen Regularien ± beabsichtigt oder unbeabsichtigt ± die weitere grenzüberschreitende Integration der Finanzmärkte behindern werden. Im Prinzip dürften die diskutierten Maßnahmen nicht d a- zu führen, dass Banken nicht mehr über den nationalen Telle r- rand hinausschauen wollen. Es besteht allerdings das ernstz u- nehmende Risiko, dass die uneinheitliche Umsetzung einer solch großen Zahl verschiedener Regeln genau das bewirken könnte, indem sie einen internationalen Flickenteppich schafft. 25 In Abb. 43 findet sich der entsprechende Rückgang bei der von ausländischen Banken bereitgestellten Finanzierung für einzelne europäische Länder. Er war mit Abstand am ausgeprägtesten in Island, gefolgt von anderen in Schwierigkeiten steckenden Volkswirtschaften wie Griechenland und Irland. Auf der anderen Seite gelang es den skandinavischen Nationen und der Schweiz, ihre grenzüberschre i- tende Refinanzierung bei fremden Banken nahezu stabil zu halten. Wie Abb. 44 zeigt, war der Einbruch im speziellen Fall der reinen Interbankenrefinanzierung im Ausland ± wenig überraschend ± sogar noch heftiger (hier betrug er im Durc h- schnitt 41%, verglichen mit 27% für alle Wirtschaftszweige zusammengenommen), worin sich sowohl die Auswirkungen der Finanzkrise als auch die Folgen der a n- haltenden Staatsschuldenkrise widerspiegeln. 50 60 70 80 90 100 110 120 Jun 08 Sep 08 Dez 08 Mrz 09 Jun 09 Sep 09 Dez 09 Mrz 10 Jun 10 Sep 10 D ez 10 Europäische Schwellenländer Asiatische Schwellenländer Lateinamerika Offshore-Zentren Großbritannien USA März 2008 = 100 Qu ellen: BIZ, DB Research A uslandsforderungen euro - päischer Banken insgesamt an einzelne Regionen 42 -80 -70 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 IS GR IE IT NL ES AT UK PT LU FR DE SE DK CH FI % (in USD), Q1 08-Q4 10 F orderungen ausländischer Banken an europäische Länder Qu ellen: BIZ, DB Research 43 -100 -80 -60 -40 -20 0 IS GR IE BE NL IT ES LU AT UK DE PT DK FR SE CH V erbindlichkeiten der europäischen Banken ggü. ausländischen Banken % (in USD), Q1 08-Q4 10 Qu ellen: BIZ, DB Research 44 EU-Monitor 80 22 28. Juli 2011 ² Marktzugang. Hier geht es nicht wie im Vorherigen um die Sicht des Heimat-, sondern um die des Gastlandes. Das Entstehen e i- nes zumindest in Teilen integrierten europäischen Finanzbinnen- markts während der letzten zwei Jahrzehnte wurde praktisch erst durch die Abschaffung formeller und informeller Hürden möglich, die ausländische Anbieter bis dato ferngehalten hatten. Obwohl dies nicht unmittelbar gefährdet scheint, müssen die Entsche i- dungsträger doch Vorsicht walten lassen, nicht zu viele neue Hemmnisse für Banken aus anderen Ländern, sogar aus EU- Staaten, zu errichten. So könnte es ausländische Interessenten abschrecken, wenn von ihnen verlangt würde, unabhängige Tochtergesellschaften mit eigenen Kapital- und Liquiditätsrese r- ven, eigenem Management und umfangreichen Berichtspflichten ggü. den nationalen Aufsichtsbehörden zu gründen . Noch prob- lematischer wäre es, wenn gerade in Schwellenländern das g e- samte Konzept der Öffnung des nationalen Markts für ausländ i- sche Finanzinstitute (einschl. der Möglichkeit von mehrheitlichen Übernahmen) in Zweifel gezogen würde und die Behörden in diesen Ländern die Finanzkrise als Argument nutzten, um den MarkteinWULWW*DQJHEOLFK*LQVWDELOHU*Ä6FK|QZHWWHUEDQNHQ³*DXV*GHP* Westen zu blockieren. Die obige Analyse hat jedoch gerade ge- zeigt, dass westeuropäische Banken in Mittel- und Osteuropa e i- nen stabilisierenden Effekt gehabt haben, während ein Rückzug der Ausländer aus den EU-15-Staaten vor allem den betreffe n- den Banken selbst schadet und so lange hingenommen werden sollte, wie dadurch keine Gefahr für die Finanzstabilität entsteht (was angesichts des nur moderaten Marktanteils ausländischer Institute in diesen Ländern wiederum wenig wahrscheinlich ist). 26 Insgesamt ist der Ausblick wesentlich günstiger als noch vor zwei Jahren. Das internationale Geschäft zwischen Banken und zw i- schen Banken und ihren Kunden hat in der Krise einen erheblichen Rückschlag erlitten, erholt sich aber mittlerweile wieder. Da auch viele der strukturellen Trends, die den Internationalisierungsprozess schon vor 2007 angetrieben hatten, weiterhin intakt oder sogar stä r- ker geworden sind, dürften westliche Banken ihre Investitionen im Ausland fortsetzen und insbesondere in die Schwellenländer e x- pandieren. Dennoch bleiben Risiken, v.a. mit Blick auf neue Regulie- rungsmaßnahmen, deren Gesamtwirkung sich bislang kaum ab- schätzen lässt. Sie dürften aber die relative Attraktivität des He i- matmarkts erhöhen, zu Lasten des Geschäfts im Ausland. Trotzdem gibt es für die Banken kein Zurück, und sie dürften und sollten, wie andere Wirtschaftszweige bereits vor ihnen , weiter daran arbeiten, eine wirklich internationale und globale Branche zu werden. Jan Schildbach, (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 26 Der Druck der Aufsichtsbehörden auf den Europäischen Pass (der es Banken erlaubt, in allen Mitgliedstaaten auch ohne eigenständige Tochtergesellschaften Filialen zu betreiben) hat seit der Krise zugenommen. Zum einen liegt dies am Rückzug der internationalen Banken, zum anderen beklagen die Gastlandaufseher einen Mangel an Informationen und dass sie keine Möglichkeit hatten, ausländ i- schen Banken die Einhaltung bestimmter (nationaler) Vorschriften vorzuschreiben. Obwohl es offenbar in der Tat einige Defizite vor allem beim Austausch von Daten und anderen Informationen zwischen den Aufsichtsbehörden gab, ist jedoch auch festzuhalten, dass manche Aufseher ihre bereits bestehenden Rechte nicht voll ausgeschöpft haben und nun riskieren, Banken mit unnötiger zusätzlicher Bürokr a- tie zu belasten. Ebenso würden deren Kunden in dem betroffenen Land darunter leiden, wenn sie nicht mehr von allen Vorteilen profitieren könnten, die ein multin a- tionales Finanzinstitut bietet ± z.B. dadurch, dass Ersparnisse und damit Kredite von einem Land in ein anderes übergeleitet werden. Die richtige Antwort der En t- scheidungsträger wäre in diesem Fall stattdessen, die Aufsichtsstrukturen an die Realität der existierenden europaweit aktiven Banken anzupassen und eine schlagkräftige pan-europäische Finanzaufsicht zu schaffen. Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise 28. Juli 2011 23 Liter atur Bank of England (2010a). Financial Stability Report. 27. Juni 2010. Bank of England (2010b). Financial Stability Report. 28. Dezember 2010. BIZ (2010a). BIZ-Quartalsbericht. Juni 2010. BIZ (2010b). BIZ-Quartalsbericht. Dezember 2010. BIZ (2011). BIZ-Quartalsbericht. März 2011. Boston Consulting Group (2010). Regaining Lost Ground. Bundesbank (2009). Monatsbericht. Dezember 2009. Bundesbank (2011). Monatsbericht. Januar 2011. Capgemini und Merrill Lynch (2010). World Wealth Report. EZB (2010). Financial integration in Europe. EZB (2011). Financial integration in Europe. Goisis, Gianandrea, Maria Letizia Giorgetti, Paola Parravicini, Fran- cesco Salsano und Giovanna Tagliabue (2009). Economies of scale and scope in the European banking sector. International Review of Economics, 56 (3). S. 227-242. Hoggarth, Glenn, Lavan Mahadeva und Jeremy Martin (2010). Un- derstanding international bank capital flows during the recent financial crisis. Bank of England Financial Stability Paper 8. Institute of International Finance (2010). Systemic risk and systemically important firms: An integrated approach. International Financial Services London (2009). International Priva- te Wealth Management 2009. Inzinger, Dagmar und Peter Haiss (2006). Integration of European Stock Markets. A Review and Extension of Quantity-Based Measures. 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Große Datenmengen effizient darstellen, um wichtige Zusammenhänge schnell zu erkennen – mit den inter- aktiven Landkarten hat Deutsche Bank Research hierfür eine einzigartige Lösung geschaffen: Alle interaktiven Landkarten bieten Zahlen, Grafiken und Karten, nutzerfreundlich aufbereitet und flexibel in Office-Anwendun- gen integrierbar. Interaktive Landkarte europäischer Bankenmärkte Die interaktive Landkarte europäischer Bankenmärkte bietet anhand eines Dutzends wichtiger Indikatoren einen breiten Überblick über die Strukturen und Entwicklungen der Bankensysteme in den Ländern der EU. So sind etwa Daten zur Marktgröße ebenso abrufbar wie Informationen zum Kreditgeschäft, der Eigenkapitalaus- stattung oder der Profitabilität. Hier finden Sie die interaktiven Landkarten: www.dbresearch.de/imaps-de © Copyright 2011. Deutsche Bank AG, DB Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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