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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
1. März 2017
Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige verlief im vierten Quartal sehr unterschiedlich: Während es im Geschäft mit der Industrie einen Einbruch gab, beschleunigte sich der Aufschwung bei den Krediten an Dienstleister nochmals. Unter dem Strich stand ein moderates Plus von 0,3% ggü. Vq. bzw. 2% ggü. Vj., wovon in Q4 überraschend stark die Auslandsbanken und Landesbanken profitierten. Anleiheemissionen und das Leasing verzeichneten im Gesamtjahr neue Rekorde, Aktienemissionen dagegen einen neuen historischen Tiefstand. Die deutsche Volkswirtschaft ist in Q4 solide gewachsen (BIP +0,4% ggü. Vq.). Gut schnitten vor allem die Bauinvestitionen und der staatliche Konsum ab, einen negativen Beitrag leisteten hingegen erneut der Außenhandel und die Unternehmensinvestitionen. Im Gesamtjahr expandierte das BIP damit um 1,9%; 2017 dürfte die Wirtschaft auch aufgrund höherer Energiepreise und der hohen globalen politischen Unsicherheit einen Gang zurückschalten (Prognose: +1,1%). [mehr]
Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung E inbruch bei Kreditvergabe an Industrie, aber starke Expansion bei Krediten an Dienstleister. Im vierten Quartal wuchs das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland um EUR 3,2 Mrd. (0,3%) und lag damit 2% höher als Ende 2015. Hinter dem moderaten Gesamtwert verbergen sich jedoch stark gegenläufige Trends: Kredite an das Verarbeitende Gewerbe mussten mit EUR -5,2 Mrd. den stärksten Rückgang seit vielen Jahren hinnehmen, während das Geschäft v.a. mit immobiliennahen Branchen kräftig zulegte (EUR +4,2 Mrd.). Inländische Kreditbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken schwächelten etwas, wohingegen Auslandsbanken und Landesbanken besser abschnitten als zuletzt. Die Kreditzinsen verharrten im Wesentlichen auf nied- rigstem Niveau, aber die Einlagenzinsen fielen noch weiter in den negativen Bereich. Rekord bei Anleiheemissionen, Negativrekord bei Aktienemissionen. Commer- cial Paper schrumpften im Gesamtjahr minimal, andererseits erreichten die Neuabschlüsse im Leasinggeschäft trotz einer Wachstumsverlangsamung in der zweiten Jahreshälfte ein neues Allzeithoch von EUR 54 Mrd. Anleiheemis- sionen deutscher Unternehmen kletterten ebenso auf einen neuen Rekordwert von EUR 24 Mrd.; im Gegensatz dazu fielen Aktienemissionen (EUR 4,4 Mrd.) auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Konjunktur D as reale Wachstum der deutschen Wirtschaft beschleunigte sich auf 0,4% gg. Vq. in Q4 2016 von 0,2% in Q3. Der private Konsum stieg das zwölfte Quartal in Folge (+0,3%). Der öffentliche Konsum stieg um 0,8% und übertraf damit erneut das Wachstum des privaten Konsums. Die Ausrüstungsinvestitionen sanken marginal um -0,1%. Die Bauinvestitionen stiegen in Q4 mit 1,6% kräftig, nach zwei negativen Quartalen in den Sommermonaten. Dank solider inländischer Nachfrage legten die Q3 Importe stärker als die Exporte zu, wodurch der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte deutlich negativ war (-0,4%). Daher erwarten wir für Q1 2017 ein exportgetriebenes Wachstum als Gegen- bewegung zum Schlussquartal, in dem das Inlandswachstum durch eine wet- terbedingte rückläufige Investitionstätigkeit im Bausektor belastet werden dürfte. Die Binnenwirtschaft bleibt aber der Hauptwachstumstreiber im Jahr 2017. Im Gesamtjahr 2017 dürfte die deutsche Wirtschaft einen Gang zurückschalten. Wir prognostizieren eine Wachstumsrate von 1,1%. Dies ist nahezu eine Halbie- rung des Wachstums (2016: 1,9%), allerdings geht etwa die Hälfte des Rück- gangs auf einen Arbeitstageffekt zurück. Die Verlangsamung basiert auf unserer Erwartung, dass der kräftige Rückenwind für den privaten und staatlichen Kon- sum im letzten Jahr nunmehr aufgrund anziehender Inflation und der geringeren Ausgaben für Flüchtlinge abflaut. Zudem erwarten wir ein relativ schwaches Investitionswachstum angesichts der hohen internationalen politischen Un- sicherheit. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 1. März 2017 Gemischte Entwicklung in der Kredit- vergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 2 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Zum Jahresende hin verlief die Kreditvergabe an deutsche Unternehmen und Selbstständige solide. Das Volumen erhöhte sich in Q4 um insgesamt EUR 3,2 Mrd. (0,3%) und lag damit 2% höher als ein Jahr zuvor. Die Perspektiven für 2017 sind allerdings nur durchwachsen, denn weder von einem sich voraus- sichtlich abschwächenden Export noch von sinkenden Unternehmensinvestitio- nen dürften größere Impulse für das Kreditgeschäft ausgehen (zu den Details des Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum als Ganzes lief es zuletzt etwas besser. Zwischen September und Dezember expandierte das Kreditvolumen mit nichtfinanziellen Unternehmen um 0,2% und schloss damit 2016 mit einem Plus von 0,6% ab – immerhin einer der besten Werte der letzten fünf Jahre. Die einzelnen Sektoren in Deutschland entwickelten sich, etwas überraschend, sehr unterschiedlich. Kredite an das Verarbeitende Gewerbe brachen – in einem allerdings traditionell eher schwachen Quartal – um über EUR 5 Mrd. regelrecht ein und drehten somit ggü. dem Vorjahr abrupt von einem Wachstum in einen Rückgang um 1,8%. Es war der stärkste Rückgang in einem Vierteljahr seit 2010. Ob dies bereits auf die Wahl des neuen US-Präsidenten und die Sorge um eine Schwächung des Welthandels aufgrund des zunehmenden Protektionismus zurückzuführen ist, der die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft hart treffen könnte, bleibt aber zunächst offen; im letzten Bank lending survey hatten die Banken keine sinkende Kreditnachfrage verspürt. Im Gegensatz dazu legte das Kreditvolumen mit dem Dienstleistungssektor zum Jahresende hin erneut um sehr gute EUR 7,8 Mrd. zu – das beste Quartalsergebnis seit der Finanzkrise. Mit +4% wurde gleichzeitig der beste Vorjahresvergleichswert seit 2001 erreicht. Das Kreditgeschäft mit Selbstständigen wiederum verharrte de facto auf dem in Q3 erreichten Niveau (EUR +0,2 Mrd. ggü. Vq.; +1,4% ggü. Vj.). Branchenseitig waren die Maschinen- und Autobauer (EUR -2 Mrd.) für einen Großteil der Schrumpfung im Verarbeitenden Gewerbe verantwortlich. Aber auch die meisten anderen Industriezweige lagen in Q4 im Minus, so die Elektro- technik (EUR -0,8 Mrd.), Metall (EUR -0,5 Mrd.), Ernährung (EUR -0,5 Mrd.) und Holz/Papier/Möbel (EUR -0,5 Mrd.). Die generell recht volatilen Baustoffe erleb- ten mit EUR -0,8 Mrd. oder -16% den prozentual stärksten Absturz seit der Deutschen Einheit. Einzig und allein die Chemie konnte einen nennenswerten Zuwachs verbuchen (EUR +0,2 Mrd.). Auch außerhalb der Industrie gab es relativ viel Bewegung. Versorger/Bergbau (EUR +1,6 Mrd.) und Handel (EUR +1,3 Mrd.) sahen kräftige Anstiege; saisonübliche Rückgänge verzeichne- ten dagegen Bau (EUR -1 Mrd.) und Landwirtschaft (EUR -0,6 Mrd.). Beim Ver- kehr gab es das siebte Quartalsminus in Folge (EUR -0,8 Mrd.). Unter den Dienstleistungsbranchen setzte sich die starke Dynamik im Immobi- liensektor fort. Wohnungsunternehmen legten erneut robuste EUR 3,4 Mrd. zu, Gewerbeimmobilienfirmen EUR 0,8 Mrd. Darüber hinaus weiteten jedoch ledig- lich die Beteiligungsgesellschaften (EUR +1,5 Mrd.) und die sonstigen Dienst- leister (EUR +1,2 Mrd.) ihr Kreditvolumen in größerem Umfang aus. Mit Blick auf die verschiedenen Fristigkeiten hält die Verschiebung weg von kurzfristigen, hin zu längerfristigen Krediten an. Erstere gingen – im traditionell schlechten vierten Quartal – deutlich zurück, und schrumpften insgesamt um 3,1% ggü. Vj. Sie liegen damit absolut betrachtet auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Statistik 1990. Genau spiegelbildlich entwickelten sich die mit- telfristigen Ausleihungen (+3,1%), und das Wachstum der Kredite mit Laufzeit über fünf Jahren nahm nochmals leicht auf 2,7% zu. Einige Überraschungen brachte das Geschäft der einzelnen Bankengruppen mit sich. So ging das Kreditvolumen der Landesbanken in diesem Vierteljahr erst- -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 12 13 14 15 16 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 12 13 14 15 16 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 12 13 14 15 16 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 12 13 14 15 16 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 3 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor mals seit Anfang 2015 wieder nach oben (+0,2%). Dafür schwächelten Spar- kassen (+0,8%) und Kreditgenossenschaften (0,7%) – für Letztere war es das schlechteste Abschneiden in einem Quartal seit drei Jahren. Das sollte jedoch nicht überbewertet werden: Beide Bankengruppen liegen weiterhin mit über 4½% Wachstum an der Spitze des Feldes mit Blick auf den Vorjahresvergleich. Bei den Kreditbanken war das Kreditgeschäft zwar insgesamt nur leicht rückläu- fig (-0,1% ggü. Vq.), hinter diesem unspektakulären Ergebnis verbarg sich je- doch einerseits der heftigste Einbruch seit der Finanzkrise bei den inländischen Kreditbanken (-1,5%), andererseits das zweitkräftigste Plus seit der Finanzkrise bei den Auslandsbanken (+2,8%). Nur die Förderbanken setzten ihren seit Län- gerem eingeschlagenen Schrumpfkurs fort (-1,1%). Das Minus der inländischen Kreditbanken resultierte vor allem aus stark rück- läufigen Volumina in nahezu allen Industriebranchen, während die Auslands- banken u.a. im Kreditgeschäft mit dem Handel und Beteiligungsgesellschaften Marktanteile gewannen. Die Landesbanken profitierten vom Wachstum der Wohnungsunternehmen und bei den sonstigen Dienstleistungen; Sparkassen und Genossenschaftsbanken vereinten allerdings den Löwenanteil des Anstiegs bei den immobiliennahen Branchen auf sich. Andere Finanzierungsquellen Bei den Finanzierungsalternativen wurden im vierten Quartal gleich mehrere Rekorde aufgestellt – allerdings sowohl im positiven als auch negativen Sinne. Nichtbanken emittierten im traditionell schwachen Q4 Commercial Paper in Höhe von netto EUR -1,8 Mrd. – das war der Finanzierungsmarkt, der am ehesten im Rahmen bisheriger Erfahrungen blieb. Für das Gesamtjahr ergab sich damit ein ganz leichtes Minus von EUR 179 Mio., nach einigem Auf und Ab in den letzten Jahren also zumindest eine relative Stabilität. Die Nettoemission von Unternehmensanleihen brachte es von Oktober bis De- zember auf exzellente EUR 7,6 Mrd. Das war der höchste Wert in einem Schlussquartal überhaupt und der starke Schlussspurt verhalf dem Gesamtjahr mit EUR 23,8 Mrd. zu einem neuen Allzeithoch – der bisherige Rekordhalter 2012 wurde um EUR 3,5 Mrd. übertroffen. Die Anleihekäufe der EZB, die 2016 auch auf Schuldverschreibungen von Unternehmen ausgeweitet wurden, haben dem Markt ganz offensichtlich zu einem Boom verholfen, der in diesem Jahr zunächst anhalten könnte. Die tragende Rolle der EZB unterstreicht der Blick auf den Euroraum insgesamt: Hier zog die Nettoemission ab dem Frühjahr ebenfalls massiv an auf in Summe EUR 79,5 Mrd., ein Zuwachs von 70% ggü. einem zugegeben eher mäßigen Vorjahr. Q4 lag bei robusten EUR 28,6 Mrd. Die neu abgeschlossenen Leasingtransaktionen beliefen sich in Deutschland im letzten Vierteljahr auf EUR 15 Mrd., den besten Wert seit der Finanzkrise. Da- von entfielen EUR 14 Mrd. auf Mobilien, die damit einen neuen historischen Spitzenwert erreicht haben dürften. In den letzten Monaten hat das Geschäft jedoch etwas an Schwung verloren. Während in H1 noch deutlich zweistellige Wachstumsraten im Vorjahresvergleich verzeichnet wurden, lag der Zuwachs in Q4 nur noch bei 3,9%. Während das Kfz-Leasing noch relativ kräftig expandier- te, war das Volumen geleaster Maschinen und Büroelektronik bereits rückläufig. Das Immobilienleasing schnitt im letzten Quartal mit EUR 907 Mio. solide ab. Im Gesamtjahr stellte das Mobilienleasing mit EUR 52,7 Mrd. einen neuen Rekord auf, das Immobilienpendant kam auf EUR 1,7 Mrd., etwa so viel wie im Schnitt der Vorjahre. Die sehr gute Entwicklung bei der Fremdkapitalbeschaffung und dem Leasing scheint zu Lasten der Aufnahme neuen Eigenkapitals gegangen zu sein: Aktienemissionen betrugen zwar im Schlussquartal immerhin EUR 1,7 Mrd., dank einer größeren Transaktion im Energiesektor. Insgesamt war der 2016er Jahrgang jedoch der schlechteste seit der Wende. Mit einem Jahresergebnis -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 12 13 14 15 16 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 12 13 14 15 16 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL -2 0 2 4 6 8 10 12 13 14 15 16 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 12 13 14 15 16 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 4 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor von gerade einmal EUR 4,4 Mrd. wurde der bisherige Negativspitzenreiter (2012) eindeutig unterboten. Einmal mehr scheinen i) die strukturellen Nachteile der Eigenkapitalfinanzierung in Deutschland und ii) das Nullzinsumfeld und die Liquiditätsschwemme der EZB den Markt für Aktienemissionen regelrecht ab- zuwürgen. Zu i) zählen die steuerliche Bevorzugung von Fremdkapital, der Mangel an privater kapitalgedeckter Altersvorsorge und das sehr konservative, risikoscheue Anlegerverhalten (fehlende „Aktienkultur“) ebenso wie der hohe Anteil größerer mittelständischer Familienbetriebe. ii) machen die Anleihefinan- zierung sehr attraktiv. Diese längerfristigen Nachteile für die deutsche Volkswirt- schaft – u.a. aufgrund der einseitigen Finanzierungsstruktur – sind von der Poli- tik in den letzten Jahren allerdings ignoriert worden. Einlagenvolumen Wenig aufregend waren dagegen in Q4 die Änderungen auf der Einlagenseite. Unternehmen und Selbstständige erhöhten ihren Bestand um insgesamt EUR 5,9 Mrd., wobei die Sichteinlagen einmal mehr kräftig zulegten (EUR +13 Mrd.) und die Termingelder schrumpften (EUR -7,1 Mrd.). Im Gesamtjahr verbuchten die Banken unter dem Strich einen moderaten Zufluss von 1,6%. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die allgemeinen Kreditstandards für Unternehmenskredite in Deutschland blie- ben im vergangenen Quartal unverändert. Die konkreten Konditionen wurden aber nach eigener Aussage von netto 13% der Banken gelockert, was im We- sentlichen an weiter verschärftem Wettbewerb lag und sich in geringeren Anfor- derungen bei Covenants und reduzierten Margen niederschlug. Im Eurogebiet als Ganzes wurden die Kreditstandards erstmals seit drei Jahren minimal ver- schärft (berichtet von 3% der Institute); dabei hielt der Margendruck v.a. bei durchschnittlichen Krediten an (20%). Die Kreditnachfrage in Deutschland verbesserte sich in Q4 im Quartalsvergleich erneut (16%), der Anstieg wurde allerdings fast ausschließlich von den langfri- stigen Krediten (19%) und Krediten an KMU (10%) getragen. Als Gründe nann- ten die Banken v.a. die allgemein niedrigen Zinsen, Umschuldungen und Kapi- talbedarf aufgrund von Übernahmen. Im Gegenzug wirkte eine starke Innenfi- nanzierung nachfragedämpfend – die Emission von Anleihen trotz des hohen Volumens hingegen nicht. In der EWU insgesamt war das Bild fast identisch. Für das laufende Quartal erwarten die deutschen Banken eine moderate Locke- rung der Kreditstandards für KMU (7%) und bei diesen gleichzeitig die größte Nachfragezunahme (11%). In Euroland insgesamt gehen die Institute von prak- tisch unveränderten Standards und einem moderaten Nachfrageplus aus (10%). Letzteres ist allerdings der schwächste (d.h. pessimistischste) Wert seit drei Jahren. Zinssätze Die zum Jahresende hin gestiegenen Zinsen an den Kapitalmärkten haben zu- mindest dafür gesorgt, dass die Zinsen im Kredit-Neugeschäft der Banken mit Unternehmen in Q4 im Schnitt nicht weiter gefallen sind. Zwar gingen die Zinsen für Kleinkredite (< EUR 1 Mio.) und für Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren nochmals leicht zurück, umgekehrt stiegen sie jedoch für Großkredite und län- gere Zinsbindungen. Ein Vierteljahr, nachdem der durchschnittliche Einlagen- zins erstmals in der Geschichte negativ geworden war, setzte sich diese für die Banken positive, für Unternehmen ungünstige Entwicklung fort: Die Zinsen für Sichteinlagen (Termineinlagen) fielen auf genau null (auf -8 Bp.). Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Wenn Sie den Monitor Unternehmensfinanzierung regelmäßig erhalten möchten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail. Frühere Ausgaben stehen hier . 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 12 13 14 15 16 Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht- und Termineinlagen von inländi- schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 5 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Q1 16 Q3 16 Q1 17 Deutschland Euroraum * Q1 17 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB -40 -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Q2 15 Q4 15 Q2 16 Q4 16 Deutschland Euroraum ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 Quellen: Bundesbank, EZB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Q1 16 Q3 16 Q1 17 Deutschland Euroraum ... gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 * Q1 17 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 12 13 14 15 16 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø-Zins im Kredit-Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 12 13 14 15 16 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 12 13 14 15 16 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø-Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 6 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor Solides BIP-Wachstum in Q4 2016, aber Wachs- tumsverlangsamung im Jahr 2017 — Das reale Wachstum der deutschen Wirtschaft beschleunigte sich auf 0,4% gg. Vq. in Q4 2016 von 0,2% in Q3. Der private Konsum stieg das zwölfte Quartal in Folge (+0,3%). Der öffentliche Konsum stieg um 0,8% und über- traf damit erneut – wie in den letzten sieben Quartalen auch – das Wachs- tum des privaten Konsums. Die Ausrüstungsinvestitionen sanken marginal um -0,1%, das dritte negative Quartal in Folge (nach -0,5% in Q2 und -2,3% in Q3). Die Bauinvestitionen stiegen in Q4 mit 1,6% kräftig, nach zwei nega- tiven Quartalen in den Sommermonaten. Dank solider inländischer Nach- frage legten die Q3 Importe stärker als die Exporte zu, wodurch der Wachs- tumsbeitrag der Nettoexporte deutlich negativ war (-0,4%). — Daher erwarten wir für Q1 ein kräftiges exportgetriebenes Wachstum als Gegenbewegung zum Schlussquartal, in dem das Inlandswachstum durch eine wetterbedingte rückläufige Investitionstätigkeit im Bausektor belastet werden dürfte. Insgesamt bleibt aber die Binnenwirtschaft der Hauptwachs- tumstreiber in den kommenden Quartalen. — Im Gesamtjahr 2017 dürfte die deutsche Wirtschaft einen Gang zurück- schalten. Wir prognostizieren eine Wachstumsrate von 1,1%. Dies ist nahe- zu eine Halbierung des Wachstums (2016: 1,9%), allerdings geht etwa die Hälfte des Rückgangs auf einen Arbeitstageffekt zurück. Rechnet man die- sen heraus, verlangsamt sich das Wachstum nur noch von 1,8% auf 1,4%. Die Verlangsamung basiert auf unserer Erwartung, dass der kräftige Rück- enwind für den privaten und staatlichen Konsum im letzten Jahr nunmehr aufgrund anziehender Inflation und der geringeren Ausgaben für Flüchtlinge abflaut. Zudem erwarten wir ein relativ schwaches Investitionswachstum angesichts der hohen internationalen politischen Unsicherheit, mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen und den europäischen Wahlkalender im ersten Halbjahr 2017. 2016 Q4: Starker Konsum, aber schwächelnde Investitionen Die Zusammensetzung des allein binnenwirtschaftlich getriebenen BIP- Wachstums entspricht den bisherigen Erwartungen. Der private Konsum stieg das zwölfte Quartal in Folge (+0,3% gg. Vorquartal und +1,5% gg. Vorjahr), der längste ununterbrochene Anstieg seit der Wiedervereinigung. Im Jahr 2016 wuchs der private Konsum um 2%. Im Jahresverlauf schwächte sich das Be- schäftigungswachstum aber sukzessive von 1,3% im März auf nur noch 0,5% gg. Vorjahr ab. Ebenso verlangsamte sich das reale Lohnwachstum bei anzie- hender Inflation – und unverändertem Nominallohnanstieg von 2 bis 2 1/2% gegenüber Vorjahr. Die Sparquote zog leicht an und lag mit 9,9% nahe histori- schen Durchschnittswerten. Die staatlichen Konsumausgaben wuchsen weiter- hin besonders dynamisch (+0,8% gg. Vorquartal) und das jährliche Wachstum lag bei 4%, dem stärksten Wachstum seit dem Jahr 1992. Die Bauinvestitionen stiegen in Q4 mit 1,6% gg. Vorquartal kräftig, nachdem in den Sommermonaten zwei negative Quartale zu verzeichnen waren. Die staatli- chen Bauinvestitionen legten leicht zu, sowohl im Wohnbau +0,5% als auch im Nichtwohnbau mit 0,8% (letztere dominieren mit einem Anteil von 98% die staat- lichen Bauinvestitionen). Die privaten Bauinvestitionen stiegen mit 1,7% nach ebenfalls zwei negativen Quartalen (Q2 -1,2%, Q3 -0,5%), wobei das Q4 Wachstum im Wohnbau und Nichtwohnbau ähnlich hoch war. Der Wohnungs- bau profitiert weiter von den günstigen Fundamentalfaktoren (erhöhte Zuwande- rung, Kapitalzuflüsse, robuster Arbeitsmarkt, historisch niedrige Zinsen). Im Jahr 2016 expandierten die Bauinvestitionen um mehr als 3%. Dies ist das höchste -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q4 15 Q1 16 Q2 16 Q3 16 Q4 16 16 17P 18P Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, gg. Vq., %-Punkte Binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum 16 Quelle: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 10 11 12 13 14 15 16 17 PMI gesamt ifo Geschäftserwartungen OECD CLI Quellen: Markit, ifo , OECD, Statistisches Bundesamt standardisierte Werte Frühindikatoren zuletzt deutlich gestiegen 17 Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 7 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor Wachstum seit dem Jahr 2011, was aber angesichts des massiven Nachfrage- überhangs auf dem Wohnimmobilienmarkt – es fehlen rund 1 Million Wohnun- gen – weiterhin zu wenig ist, um den Preisdruck signifikant zu reduzieren. Feh- lendes Bauland, bestehende Kapazitätsengpässe, Fachkräftemangel, dämpfen- de regulatorische Eingriffe und politische Fehlanreize sind limitierende Faktoren. Trotz schwachen Welthandelswachstums stiegen die Q4 Exporte mit 1,8% gg. Vorquartal und 3,3% gg. Vorjahr. Mit jeweils rund 3% wuchsen die Exporte nach Asien und in die USA besonders dynamisch. Für das Jahr 2016 lag das reale Exportwachstum allerdings nur bei 2,6% (20-Jahresdurchschnitt 5,9%). Die Q4 Importe wuchsen mit 3,1%, das höchste Quartalswachstum seit Q2 2010. Noch höher waren die Zunahmen der Importe im Gesamtjahr. Dank der inländischen Nachfrage stiegen die Importe im Gesamtjahr 2016 mit 3,7% und damit fast so stark wie in den Vorjahren (2013-2015 4,2%, 20-Jahresdurchschnitt 5,1%). Folglich schrumpften die Nettoexporte sowohl in Q4 als auch im Gesamtjahr mit -0,4%. Für das Jahr 2017 erwarteten wir nur eine leichte Verbesserung bei den Exporten (+3,0% gg. Vorjahr). Die Importe dürften weiterhin kräftiger wachsen (+3,6%), so dass sich ein negativer Wachstumsbeitrag der Nettoexporte von -0,1% ergibt. Das etwas schwächere Exportwachstum im Jahr 2016 trug zu einer Investitions- zurückhaltung bei (+1,1%). Zudem schrumpften die Ausrüstungsinvestitionen in drei aufeinanderfolgenden Quartalen (Q2 bis Q4), eine Serie, die zuletzt im Jahr 2009 zu beobachten war. Hier dürfte sich auch die hohe politische Unsicherheit niedergeschlagen haben ‒ wenig überraschend angesichts der vielen negativen Überraschungen im politischen Jahr 2016. In Q4 schrumpften jedoch nur noch die privaten Ausrüstungsinvestitionen (-1,7% gg. Vorquartal), während die öf- fentlichen Ausrüstungsinvestitionen rasant stiegen (+27,8%). Deren Anteil be- trägt aber nur 6% an den gesamten Ausrüstungsinvestitionen. Die Zunahme ist zudem vor allem als Gegenbewegung zu dem ähnlich hohen Rückgang in den ersten 9 Monaten des Jahres 2016 zu verstehen. Durch die schwache Investiti- onsentwicklung im Jahr 2016 wird auch 2017 durch einen negativen Wachs- tumsüberhang belastet. So erwarten wir trotz kontinuierlicher Verbesserung im Quartalsverlauf ein negatives Wachstum für das Gesamtjahr 2017 von -0,2%. Staatssektor gewinnt an Bedeutung für BIP-Wachstum In Q4 2016 zeigte sich die hohe Bedeutung des staatlichen Sektors für das Wirtschaftswachstum. So trug der staatliche Sektor dank hoher staatlicher Kon- sumausgaben und hoher staatlicher Investitionen fast 0,3%-Punkte zum Ge- samtwachstum von 0,4% bei. Der öffentliche Konsum stieg dabei um 0,8% und übertraf damit erneut – wie in den letzten sieben Quartalen auch – das Wachs- tum des privaten Konsums (+0,3%). Der Aufwärtstrend der staatlichen Konsum- und Investitionsausgaben nimmt also weiter zu, so dass auf den Staat (in realer Rechnung) ein Anteil von fast 22% des BIP entfällt. Die Bedeutung des Staates erreicht damit ein mit den frühen 1990er Jahren vergleichbares Niveau, als die Regierung die Effekte der Wiedervereinigung schulterte, und war nur kurzzeitig während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise höher. Zudem scheinen viele politische Parteien eher eine Ausweitung der Staatsaktivität zu befürwor- ten, was in der Legislaturperiode nach der Bundestagswahl im September 2017 den BIP-Anteil der Staatssektoren weiter erhöhen könnte. -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 -30 -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 16 17 Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten % gg. Vj. (3-Monatsdurchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research Exportausblick: ifo signalisiert schwächere Entwicklung als PMI 18 -0,5 -0,3 -0,1 0,1 0,3 0,5 0,7 0,9 13 14 15 16 Staat Rest Reales BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Wachstumsbeitrag zum realen BIP, gg. Vq., %-P. Q3 2016: Stagnation ohne Staat 19 Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 8 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor 2017 Q1 BIP Prognose: 0,4% gg. Vorquartal ‒ schlechtes Wetter dürfte Bauinvestitionen belasten Obwohl in den nächsten Quartalen die Binnenwirtschaft der Hauptwachstums- treiber bleiben dürfte, erwarten wir für Q1 ein exportgetriebenes Wachstum. Dies liegt an zwei Faktoren. Erstens erwarten wir für Q1 ein schwaches Investi- tionsumfeld, da die Bauinvestitionen aufgrund des relativen kalten Januar/Anfang Februar deutlich schrumpfen dürften (-1,4%). Zudem dürfte die politische Unsicherheit rund um die US-Präsidentschaft von DJ Trump und ebenso mit Blick auf den europäischen Wahlkalender die Investitionsneigung dämpfen. Investoren könnten insbesondere vor der französischen Präsidentschaftswahl zurückhaltend agieren. Zudem könnte das Risiko von Neuwahlen in Italien belastend wirken. Zweitens erwarten wir für Q1 positive Nettoexportbeiträge als Gegenbewegung zu dem recht kräftigen Rückgang der Nettoexporte im zweiten Halbjahr 2016. Einige Vorlaufindikatoren, wie der Einkaufsmanagerindex und die ifo-Umfrage, zeigen basierend auf unseren Modellen aktuell ein Q1 Wachstum von mehr als 0,4% an. Entsprechend überwiegen bei unserer Prognose eher die Aufwärts- risiken. Allerdings überzeichneten die weichen Indikatoren in den vergangenen Quartalen regelmäßig das BIP-Wachstum, weshalb die hohen Umfragewerte sich abermals nicht in harten Daten widerspiegeln dürften. Auch unser DB Mak- ro-Überraschungsindex liegt auf neutralem Niveau, weshalb wir an unserer Pro- gnose von 0,4% gg. Vorquartal festhalten. 2017er BIP-Prognose +1,1% dank Inlandswachstum 1 Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahr 2017 einen Gang zurückschalten. Wir prognostizieren eine Wachstumsrate von 1,1%. Das ist zwar nahezu eine Hal- bierung des Wachstums (2016: 1,9%), allerdings geht etwa die Hälfte auf einen Arbeitstageffekt zurück. Rechnet man diesen heraus, verlangsamt sich das Wachstum nur noch von 1,8% auf 1,4%. Damit läge es aber immer noch über der mittelfristigen Potentialrate, die sich angesichts der demografischen Aus- sichten Deutschlands und der Produktivitätsentwicklung ergibt. Die Verlangsamung basiert auf unserer Erwartung, dass der kräftige Rücken- wind für den privaten und staatlichen Konsum aufgrund anziehender Inflation und der stark eingeschränkten Flüchtlingszuwanderung abflaut. Die Inflation dürfte getrieben vom ölpreisbedingten Anstieg der Energiepreise von 0,5% auf 1,6% zulegen. Zudem unterstellen wir eine anhaltende Flüchtlingszuwanderung in ähnlicher Höhe wie im Herbst 2016 (16.000 pro Monat vs. 180.000 pro Monat im Herbst 2015). Mit gut einem Prozent Wachstum sollte der private Konsum dank der anhaltend robusten Lage des Arbeitsmarktes kombiniert mit der Anhe- bung des Mindestlohns aber weiter die wichtigste Konjunkturstütze bleiben. Auch der Staatskonsum mit 1,5% und die Bauinvestitionen mit 1% dürften ähn- lich dynamisch wachsen wie das reale BIP insgesamt. Ein Zuwachs der Bauin- vestitionen in der von uns prognostizierten Höhe ist angesichts des erheblichen Nachfrageüberhangs im Wohnungsbau und der Infrastrukturpläne der Regie- rung aber enttäuschend. Allerdings dürften Kapazitätsengpässe aufgrund des Fachkräftemangels und staatlich/regulatorische Hürden ein stärkeres Ausweiten des Angebots behindern. 1 Siehe für weitere Details: Ausblick Deutschland: Ausblick 2017 – solide, trotz nachlassendem Rückenwind, Deutsche Bank Research, 16. Dezember 2016. -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 Jan 14 Jul 14 Jan 15 Jul 15 Jan 16 Jul 16 Jan 17 DB Marko-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland 20 75 80 85 90 95 Maschinen- bau Chemie Pharma Ver. Gewerbe Metall- erzeugnisse Elektro- technik Metall- erzeugung Automobil Durchschnitt seit 2000 2015 2016 Q4 16 Kapazitätsauslastung, sb., % Quellen: ifo, Deutsche Bank Research Auslastung der Industrieunternehmen in der Automobilindustrie am höchsten 22 -4 -3 -2 -1 0 1 2 -40 -30 -20 -10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von *2Q **1Q % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 23 Gemischte Entwicklung in der Kreditvergabe, solide deutsche Konjunktur in Q4 2016 9 | 1. März 2017 Deutschland-Monitor Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft sind insgesamt gemischt. Während die Weltwirtschaft 2017 stärker wachsen sollte, dürfte die Konjunktur in Europa an Tempo verlieren. Angesichts des sehr hohen Anteils dieser Region an den deutschen Exporten bedeutet dies eine nur marginal aufwärtsgerichtete Nachfrageentwicklung. Insgesamt rechnen wir für Deutschland mit einem ähn- lich mauen Exportplus wie 2016, was zusammen mit der anhaltenden Unsicher- heit ein ungünstiges Investitionsumfeld ergibt. Wir rechnen für 2017 trotz über- durchschnittlicher Kapazitätsauslastung mit leicht rückläufigen Ausrüstungsin- vestitionen in Höhe von -0,2%. Ab der zweiten Jahreshälfte könnte aber ein beginnender US-Aufschwung der globalen Konjunktur Schwung verleihen und damit auch die Ausrüstungsinvestitionen nach und nach an Fahrt gewinnen. Insbesondere im Hinblick auf das Jahr 2018 erwarten wir dann Wachstumsim- pulse. Die Ausrüstungsinvestitionen könnten dann mit 2% wachsen und das BIP mit 1,6%. Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, heiko.peters@db.com) Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 25 2016 2017 2014 2015 2016 2017P 2018P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,6 1,7 1,9 1,1 1,6 0,7 0,5 0,1 0,4 0,4 0,3 0,4 0,4 Privater Konsum 0,9 2,0 2,0 1,0 1,4 0,7 0,2 0,2 0,3 0,3 0,2 0,4 0,3 Staatsausgaben 1,2 2,8 4,0 1,5 1,0 1,3 0,9 0,2 0,8 0,3 0,2 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,4 1,7 2,3 0,4 2,8 1,8 -1,5 -0,2 0,8 -0,2 1,2 0,6 0,7 Ausrüstungen 5,5 3,7 1,1 -0,2 2,4 0,9 -2,3 -0,5 -0,1 1,1 0,3 0,3 0,3 Bau 1,9 0,3 3,0 1,0 3,7 2,7 -1,7 -0,3 1,6 -1,4 2,2 1,0 1,2 Lager, %-Punkte -0,3 -0,5 -0,1 0,2 0,0 -0,4 -0,1 0,3 0,3 -0,1 -0,1 0,0 0,0 Exporte 4,1 5,2 2,6 3,0 3,7 1,4 1,2 -0,3 1,8 0,8 0,7 1,1 1,0 Importe 4,0 5,5 3,7 3,6 4,1 1,4 0,1 0,4 3,1 0,1 0,6 1,3 1,1 Nettoexport, %-Punkte 0,4 0,3 -0,4 -0,1 0,0 0,1 0,5 -0,3 -0,4 0,4 0,1 0,0 0,0 Konsumentenpreise* 0,9 0,2 0,5 1,7 1,6 0,3 0,1 0,5 1,1 1,9 1,6 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,7 6,4 6,1 6,1 6,4 6,2 6,1 6,1 6,0 5,9 6,0 6,1 6,2 Industrieproduktion 1,5 0,5 1,3 0,6 1,4 Budgetsaldo, % BIP 0,3 0,7 0,8 0,5 0,2 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 74,9 71,2 68,3 65,9 63,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,3 8,3 8,4 8,0 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 213 253 263 259 260 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. 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