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31. Juli 2019
Die Aufmerksamkeit hat sich in diesem Sommer verlagert: weg vom Handelskonflikt und von der Politik und zurück zur Geldpolitik. Nachdem die Geldpolitik im vergangenen Jahrzehnt zu ganz neuen Mitteln gegriffen hat, fällt es der Weltwirtschaft nach wie vor schwer, sich davon zu lösen und zur Normalität zurückzukehren. [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Geldpolitische Medizin ist unterwegs 31. Juli 2019 Autoren: himanshul.porwal@db.com, quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 31. Juli 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Die Aufmerksamkeit hat sich in diesem Sommer verlagert: weg vom Handelskonflikt und von der Politik und zurück zur Geldpolitik. Nachdem die Geldpolitik im vergange- nen Jahrzehnt zu ganz neuen Mitteln gegriffen hat, fällt es der Weltwirtschaft nach wie vor schwer, sich davon zu lösen und zur Normalität zurückzukehren. — Mangels eines „Plans B“ werden die wichtigen Zentralbanken der Welt erneut ihre Geldpolitik gleichzeitig lockern; in den USA, China und Europa ist mit Zinssenkungen zu rechnen. Außerdem könnte die EZB noch vor dem Jahresende ihre Käufe von Ver- mögenswerten wieder aufnehmen. In Großbritannien ist der Brexit weiterhin das wich- tigste Thema. Zinssenkungen sind sehr wahrscheinlich. — Die Situation wird durch den Führungswechsel in Europa verkompliziert, der sich je- doch unseres Erachtens als Wendepunkt für Europa erweisen könnte. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Christine Lagarde als neue EZB-Präsidentin die richtige Person am richtigen Ort und zur richtigen Zeit ist. Ursula von der Leyen, die neue Kommissi- onspräsidentin, ist eine souveräne Politikerin und Administratorin; sie hat erfolgreich mehrere Bundesministerien geführt. USA — Die US-Wirtschaft wächst dank des kräftigen Konsums weiter, wenngleich die Investi- tionsausgaben unter Druck bleiben – das Wachstum des Konsums hat sich in diesem Jahr deutlich belebt, die Einzelhandelsumsätze haben sehr stark zugelegt und die Schwäche des vierten Quartals 2018 vollständig wettgemacht. Im Verarbeitenden Ge- werbe ist die Aktivität dagegen gering; die Industrieproduktion schrumpft und die wei- chen Daten deuten auf anhaltend niedrige Investitionen hin. — Positive Faktoren überwiegen; wir heben unsere BIP-Prognose für 2019 um 0,1%-Punkte auf 2,0% (Q4/Q4) an. — Wir rechnen weiterhin mit einer Kernrate des PCE von 1,8% zum Jahresende. Die In- flation sollte sich im kommenden Jahr allmählich beschleunigen und dem Zielwert der Fed annähern. — Als Abwärtsrisiken sind vor allem folgende Punkte zu nennen: (i) Eskalation des Han- delskonflikts; (ii) deutliche Verlangsamung des Wachstums in China/im Euroraum, die auch das US-Wachstum dämpft. Euroraum — Die harten Daten für den Euroraum profitierten in Q2 vom Anstieg der Industriepro- duktion im Mai um 0,9% gg. Vj., was auf die deutlich höhere Autoproduktion (+5,7%) zurückzuführen war. — Der Einkaufsmanagerindex lag im Juni mit 52,2 höher als im Vormonat und erreichte den höchsten Stand seit November 2018. — Andere Daten fielen jedoch recht moderat aus; die Einzelhandelsumsätze lagen im Mai unter den Erwartungen, die Kfz-Neuzulassungen gingen im Juni um knapp 7% gg. Vm. zurück, die Produktion im Baugewerbe war nach einem guten Q1 wieder schwä- cher. — Unser Modell für die aktuelle Lage deutet inzwischen auf ein BIP-Wachstum von 0,33% in Q2 hin (ursprüngliche Prognose: 0,25%). — Insgesamt wäre ein stärker als erwartetes Wachstum in Q2 eine willkommene Überra- schung. Wir bleiben jedoch vorsichtig, da (i) die weltweite Nachfrage weiterhin ge- dämpft ist, (ii) der Handelskonflikt noch nicht bereinigt ist, (iii) das Risiko eines „No- Deal“-Brexit besteht und (iv) die wirtschaftliche Unsicherheit zunimmt. Geldpolitische Medizin ist unterwegs Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 31 Juli 2019 Internet: www.dbresearch.de China — Chinas reales BIP-Wachstum verlangsamte sich aufgrund des schwächeren Konsums von 6,4% in Q1 auf 6,2% in Q2. Der Konsum leistete in Q2 lediglich einen Beitrag von 3,4%-Punkten zum BIP-Wachstum (Vorjahr: 5%-Punkte) und der Abwärtstrend bei den Einzelhandelsumsätzen (ohne Kfz) hielt an. — Der Konsum scheint durch den ungünstigeren Ausblick für den Arbeitsmarkt und die höhere Verschuldung der privaten Haushalte gedämpft zu werden. — Das Wachstum der Industrieproduktion beschleunigte sich derweil im Juni auf 6,3% gg. Vj. (Mai: 5,0%); wahrscheinlich profitierte es von der Mehrwertsteuersenkung. — Das BIP-Wachstum dürfte sich in H2 weiter auf 6,1% verlangsamen (Gesamtjahr 2019: 6,2%), da der inländische Konsum lahmt und die Exporte sinken (Chinas Ex- portwachstum dürfte sich von 0% in H1 auf -6% in H2 2019 abschwächen). Schwellenländer — Handelsströme und strukturelle Mängel ziehen Obergrenzen für Wachstum der Schwellenländer ein. — Die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe in Schwellenländern ist inzwischen ähnlich wie in den Industrieländern dauerhaft schwach. Dies spiegelt sich in der Abwärtskor- rektur unserer Schwellenländer-Wachstumsprognosen für 2019 wider. — Vor allem asiatische Länder werden von der anhaltenden handelspolitischen Belas- tung in Mitleidenschaft gezogen. — In Lateinamerika wurden die Wachstumsprognosen für Brasilien und Mexiko für die- ses Jahr weiter gesenkt. — Das Makroumfeld für die CEEMEA-Länder hat sich nicht so deutlich verschlechtert wie für die übrigen Schwellenländer, und die CEEMEA-Länder stehen unter ver- gleichsweise geringem Druck – ungeachtet der bedingten Verbindlichkeiten in Südaf- rika, der anhaltenden Sanktionen in Russland und eventuell ähnlicher Maßnahmen gegen die Türkei. Geldpolitik — Fed: Drei Zinssenkungen im Jahr 2019 (Juli, September, Dezember) — EZB: Senkung des Einlagensatzes um jeweils 10 Bp. im September und Dezember; Staffelzins im September; QE eine knappe Entscheidung — BoJ: Abwartend, Zielrenditen für Renditekurvenkontrolle unverändert, möglicherweise bis deutlich ins Jahr 2020 hinein — BoE: Keine Zinsanhebung in diesem Jahr, eine Zinserhöhung im August 2020 — PBoC: Senkung des Zinssatzes für Offenmarktgeschäfte um 10–50 Bp; einmalige Verringerung der Mindestreserveanforderungen — Schwellenländer: Voraussichtlich Zinssenkungen in Russland, Südafrika, der Türkei, Indien, Indonesien, den Philippinen, Vietnam, Brasilien und Chile Wichtige Abwärtsrisiken — Crash-Brexit (mittel) – Risiko eines „No-deal“-Brexit steigt. Die Frist läuft in weniger als 100 Tagen ab. Der neue britische Premierminister hat nicht genug Zeit, um sich Unter- stützung für ein Brexit-Abkommen zu sichern. Vorgezogene Neuwahlen in Großbritan- nien könnten ebenfalls zur Belastung für den Brexit werden — Handelskonflikt (mittel) – Ausweitung des Handelskonflikts zwischen den USA und China und Ausdehnung der Zölle auf Europa (Autozölle) würden globale Handelsket- ten unterbrechen und die Weltwirtschaft merklich in Mitleidenschaft ziehen — Rezession (niedrig) – Anhaltende bzw. deutlich sichtbarere Wachstumsschwäche in China und Europa und entsprechende Rezession/deutliche Korrektur an den Finanz- märkten Geldpolitische Medizin ist unterwegs Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 31 Juli 2019 Internet: www.dbresearch.de — Geopolitische Risiken – Zunehmende Spannungen zwischen USA bzw. Großbritan- nien und Iran könnten für Volatilität sorgen und die Marktstimmung dämpfen Schlüsselthemen — Lockerung der Geldpolitik: Wichtige Zentralbanken werden ihre Geldpolitik im Herbst wohl gleichzeitig lockern, um die Konjunkturverlangsamung abzufangen. In den USA, Europa und mehreren Schwellenländern sind Zinssenkungen zu erwarten. — Handelskonflikt: Zuletzt eine gewisse Deeskalation zwischen USA und China, aber noch keine Anzeichen für eine Lösung. Bisher haben die USA und China noch keinen Durchbruch in entscheidenden Fragen erzielt (Rolle staatlicher Unternehmen in der chinesischen Wirtschaft, Schutz geistiger Eigentumsrechte). Anhaltendes Risiko von Autozöllen gegen die EU. — Brexit: Boris Johnson ist zum Vorsitzenden der Konservativen Partei gewählt worden und wird damit neuer britischer Premierminister. Er hat klargestellt, dass Großbritan- nien die EU am 31. Oktober mit oder ohne Anschlussvertrag verlassen wird; damit steigt das Risiko eines „No-Deal“-Brexit. In unserem Basisszenario erwarten wir Neu- wahlen in diesem Jahr, wobei jedoch zunehmend unklar ist, ob sie vor oder nach ei- nem „No-deal“-Brexit stattfinden werden. Wir messen einem „No-deal“-Brexit inzwi- schen eine Indikative Wahrscheinlichkeit von 45% bei (wahrscheinlichster Ausgang). Marktprognosen Marktstimmung — Geldpolitische Lockerungen sollten die aktuelle Wachstumsverlangsamung abpuffern und die Expansion verlängern. — Kurzfristig bestehen angesichts der aktuellen Bewertungen und Positionierungen Risi- ken. Aktien — Das Wachstum sollte anhalten, da der Lockerungskurs der Zentralbanken dem politi- schen und handelspolitischen Gegenwind entgegenwirkt. — Kurzfristig sind wir jedoch wegen der erhöhten Positionierungsrisiken vorsichtig. Staatsanleihen — Treasuries und Bunds sollten in diesem Jahr etwa unverändert auf dem aktuellen Ni- veau verharren. — Wir empfehlen Relative Value-Trades vor Zinssenkungen und einer möglichen Wie- deraufnahme der QE im Herbst. Devisen — Die Fundamentaldaten sind uneinheitlich; der Dollar könnte gegenüber Ländern mit einem Leistungsbilanzüberschuss abwerten, was aber durch die Festigkeit gegenüber Schwellenländerwährungen kompensiert wird. — Der Euro und der Yen dürften mittelfristig aufwerten. — Beide profitieren von positiven Außenhandelsbilanzen und voraussichtlich höheren Kapitalzuflüssen. Geldpolitische Medizin ist unterwegs Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 31 Juli 2019 Internet: www.dbresearch.de Unternehmensanleihen — Unternehmensanleihen sollten vom zu erwartenden Lockerungskurs der Zentralban- ken profitieren. EUR-Unternehmensanleihen sollten außerdem durch die erwartete Wiederaufnahme des CSPP gestützt werden. Schwellenländer — Weithin lockere Geldpolitik sorgt für günstiges Umfeld; langsames Wachstum und lan- desspezifische Risiken begrenzen jedoch die Performance in H2. — Bewertungen von Schwellenländeranleihen sind derzeit mit Ausnahme einiger ausge- wählter High-Yield-Anleihen unattraktiv; wir verringern das Gewicht von Unterneh- mensanleihen von Über- auf Marktgewichtung. Öl — Aus fundamentaler Sicht besteht kurzfristig ein gewisser Spielraum für Preisanstiege. — Wir sind jedoch vorsichtig, da politische Entwicklungen derzeit überproportionale Aus- wirkungen auf die Märkte haben. Geldpolitische Medizin ist unterwegs Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 31 Juli 2019 Internet: www.dbresearch.de Wichtige Makro- und Marktprognosen BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q3 19P Q4 19P Global 3,8 3,2 3,3 US 10J-Renditen (%) 2,07 2,05 2,15 USA 2,9 2,5 1,9 EUR 10J-Renditen (%) -0,38 -0,35 -0,30 Euroraum 1,9 1,1 1,0 EUR/USD 1,11 1,10 1,13 Deutschland 1,4 0,7 1,2 USD/JPY 108 108 105 Japan 0,8 0,5 -0,1 S&P 500 3006 3.175 3.250 Großbritannien 1,4 1,2 1,3 Gold (USD/Unze) 1.423 1.400 1.420 China 6,6 6,2 5,9 Oil WTI (USD/Barrel) 56,8 62,0 60,0 Oil Brent (USD/Barrel) 64,1 70,0 68,0 Aktuelle Preise vom 24.07.2019 Leitzinsen (%) Aktuell 2019P 2020P USA 1,88 1,63 1,63 Euroraum -0,50 -0,60 -0,60 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,75 1,00 China 1,50 1,50 1,50 Indien 5,50 5,25 5,25 Original in englischer Sprache: 23. Juli 2019 © Copyright 2019. 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