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17. September 2019
Nach einem ereignisreichen Sommer haben sich die Abwärtsrisiken zweifellos erhöht und die Zentralbanken werden darauf mit weiteren Lockerungen reagieren. Wir haben unsere US-Prognosen vor allem aufgrund der handelspolitischen Unsicherheiten nach unten korrigiert. Das Verarbeitende Gewerbe schrumpft und es sind erste Belastungserscheinungen am ansonsten robusten Arbeitsmarkt zu erkennen. [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Gegen Abwärtsrisiken absichern 17. September 2019 Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 17. September 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Die Weltwirtschaft wächst zweifelsohne langsamer und die Risiken haben zugenom- men. Sowohl in den entwickelten Märkten als auch in den Schwellenländern werden die Zentralbanken zu geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen greifen. Wir sind je- doch nicht sicher, ob diese von Erfolg gekrönt sein werden. — Der Handelskonflikt stellt das größte Risiko für die Weltwirtschaft dar. Der weitere Ver- lauf ist nur äußerst schwer vorherzusagen, was für Unsicherheit sorgt und ungeachtet der tatsächlichen Entwicklung die Konjunktur dämpft. Unseres Erachtens werden die Fed, die EZB und die PBoC mit einer lockereren Politik auf diese gestiegenen Risiken reagieren müssen. USA — Die US-Wirtschaft wächst zwar nach wie vor, aber eine Konjunkturverlangsamung lässt sich nicht leugnen. Wir prognostizieren für 2019 bzw. 2020 Wachstumsraten von 2,2% bzw. 1,5% im Gesamtjahr. Damit haben wir unsere früheren Erwartungen nach unten korrigiert. Hauptursache dafür ist die Eskalation des Handelskonflikts. — Die handelspolitischen Spannungen belasten das Verarbeitende Gewerbe und die Unternehmensinvestitionen. Dies dürfte das Wachstum in den kommenden Quartalen merklich dämpfen. Die Entwicklung ist bereits in den Daten zu erkennen: Der ISM- Index für das Verarbeitende Gewerbe notiert unter 50, und die zukunftsorientierten Teilindizes deuten auf eine weitere Verlangsamung hin. — Die Fundamentaldaten für den Konsum bleiben unter Herausrechnung der Auswirkun- gen des Handelskonflikts solide, es sind aber erste Ansteckungseffekte im Dienstleis- tungssektor und am Arbeitsmarkt zu erkennen. Das Beschäftigungswachstum und der Anstieg der Arbeitsstunden haben sich verlangsamt, die Löhne steigen allerdings wei- ter an. — Die Inflation dürfte unter dem Zielwert der Fed verharren; der Preisdruck in der Wirt- schaft ist begrenzt und die Erwartungen liegen nach wie vor deutlich unter dem Stand von vor 2014. — Die Hauptaufwärts- bzw. -abwärtsrisiken für unsere Prognose gehen vom Handels- konflikt aus. Eine Lösung könnte zu einem Anstieg der Investitionen führen, eine wei- tere Eskalation dagegen die Wirtschaft in eine Rezession stürzen. Euroraum — In Europa hat sich das Wachstum verlangsamt und die Risiken sind hoch. Für das Gesamtjahr 2019 prognostizieren wir ein Wachstum von 1,1%. Damit besteht nur be- grenzter Spielraum, um einen negativen Schock abzufangen, ohne in eine Rezession zu geraten. — Die Risiken sind recht hoch, da die Unsicherheit beim Thema Brexit anhält und der Handelskonflikt andauert. Nach wie vor könnten die USA Zölle auf die Autoexporte der EU verhängen. — Das Verarbeitende Gewerbe befindet sich insbesondere in Deutschland weiter im Ab- schwung und es gibt keine Anzeichen für eine Wende. Die Arbeitsmarktsituation ist dagegen nach wie vor günstig und die finanziellen Bedingungen stützen das Wachs- tum. Gegen Abwärtsrisiken absichern Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com 17. September 2019 Internet: www.dbresearch.de China — Das Wachstum in China verlangsamt sich; es besteht jedoch noch Spielraum für eine moderate Unterstützung durch die Politik. Für das Gesamtjahr 2019 prognostizieren wir nunmehr ein Wachstum von 6,2%, das sich 2020 auf 5,9% verlangsamen dürfte. — Im Zuge der Wachstumsabschwächung sollten die Importe rascher zurückgehen als die Exporte. Davon sollte die Gesamtwachstumsrate wegen des höheren Außenbei- trags profitieren. Der Konsum der privaten Haushalte bleibt kräftig und die Aussichten sind günstig. — Die PBoC dürfte weitere politische Unterstützungsmaßnahmen ergreifen, der fiskalpo- litische Spielraum ist jedoch bis zum kommenden April begrenzt. Wenn die Lockerung stärker als erwartet ausfällt, besteht Spielraum für Aufwärtsrisiken in Form höherer Vermögenspreise und eines stärkeren Verbrauchervertrauens. — Der Handelskonflikt bleibt ein ernsthaftes Risiko, da die Zölle den Export dämpfen. Eine Eskalation über die Zollpolitik hinaus in den Finanz- oder Technologiesektor brächte noch größere Risiken mit sich und dürfte das Wachstum noch stärker belas- ten. Schwellenländer — Das Wachstum in den Schwellenländern verlangsamt sich, zumal der Handelskonflikt ein ernsthaftes Risiko darstellt. Eine Deeskalation wäre sehr positiv. — In Asien senken die Zentralbanken die Zinsen und greifen zu unterstützenden Maß- nahmen, um der Konjunkturabschwächung entgegenzuwirken und mit den Zinssen- kungen der Fed und der PBoC Schritt zu halten. — In Lateinamerika macht das schwächere Wachstum die größeren Länder für Schocks anfällig. — Im Raum CEEMEA erweist sich das Wachstum als widerstandsfähig, schwächt sich aber ab. Geldpolitik — Fed: Vier weitere Zinssenkungen (Sep., Okt., Dez. und Jan.) — EZB: Senkung des Einlagensatzes um jeweils 10 Bp. im September und Dezember; Staffelzins im September; QE eine knappe Entscheidung — BoJ: Abwartend, Zielrenditen für Renditekurvenkontrolle unverändert, möglicherweise bis deutlich ins Jahr 2020 hinein — BoE: Keine Zinsanhebung in diesem Jahr, eine Zinserhöhung im August 2020 — PBoC: Senkung des Zinssatzes für Offenmarktgeschäfte um 10–50 Bp. bis zum Jah- resende — Schwellenländer: Mehrere Zentralbanken senken Zinsen Wichtige Abwärtsrisiken — Crash-Brexit: Risiko eines „No-deal“-Brexit steigt an, Neuwahlen werden wahrscheinli- cher. Bis zum 31. Oktober bleibt nicht viel Zeit — Handelskonflikt: Ausweitung des Handelskonflikts zwischen den USA und China und Zölle auf europäische Produkte (Autos) würden globalen Handel dämpfen und die Weltwirtschaft merklich in Mitleidenschaft ziehen — Rezession: Anhaltende bzw. deutlich sichtbarere Wachstumsschwäche in China und Europa und entsprechende Rezession/deutliche Korrektur an den Finanzmärkten — Geopolitische Risiken: Zunehmende Spannungen zwischen USA bzw. Großbritannien und Iran könnten für Volatilität sorgen und die Marktstimmung dämpfen Schlüsselthemen — Lockerung der Geldpolitik: Wichtige Zentralbanken werden ihre Geldpolitik im Herbst wohl gleichzeitig lockern, um die Konjunkturverlangsamung abzufangen. In den USA, Europa, China und mehreren Schwellenländern sind Zinssenkungen zu erwarten. Gegen Abwärtsrisiken absichern Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com 17. September 2019 Internet: www.dbresearch.de — Handelskonflikt: Zuletzt eine gewisse Deeskalation zwischen USA und China, aber noch keine Anzeichen für eine Lösung. Autozölle gegen die EU sind nicht vom Tisch. Waffenruhe möglicherweise nur vorübergehend. — Brexit: Im Basisszenario rechnen wir nach wie vor mit Parlamentswahlen noch in die- sem Jahr. Mit 50% messen wir einem „No-deal“-Brexit inzwischen eine höhere Wahr- scheinlichkeit bei als der Konsens. Marktprognosen Marktstimmung — Geldpolitische Lockerungen sollten die aktuelle Wachstumsverlangsamung abpuffern und die Expansion verlängern — Kurzfristig bestehen angesichts der aktuellen Bewertungen und Positionierungen Risi- ken Aktien — Das Wachstum sollte anhalten, da der Lockerungskurs der Zentralbanken dem politi- schen und handelspolitischen Gegenwind entgegenwirkt — Kurzfristig sind wir jedoch wegen der erhöhten Positionierungsrisiken vorsichtig Staatsanleihen — Aufgrund der Bewertungen und des größeren Zinssenkungsspielraums der Fed im Vergleich zur EZB ziehen wir Treasuries gegenüber Bunds vor — Innerhalb des Markts für europäische Staatsanleihen setzen wir auf Relative-Value- Trades Wechselkurse — Die Fundamentaldaten sind uneinheitlich; der Dollar könnte gegenüber Ländern mit einem Leistungsbilanzüberschuss abwerten, was aber durch die Festigkeit gegenüber Schwellenländerwährungen kompensiert wird — Mittelfristig sollte der Dollar abwerten, da die Fed über mehr Zinssenkungsspielraum verfügt und der Dollar nahe dem oberen Rand seines historischen Korridors notiert Unternehmensanleihen — Unternehmensanleihen sollten von den zu erwartenden Lockerungen der Zentralban- ken profitieren; angesichts höherer Risiken und hoher Bewertungen sind wir jedoch vorsichtig — Wir rechnen in diesem Jahr mit einer leichten und 2020 mit einer stärkeren Auswei- tung Schwellenländer — Weithin lockere Geldpolitik sorgt für günstiges Umfeld; langsames Wachstum und lan- desspezifische Risiken begrenzen Performancechancen jedoch — Wir sind in Bezug auf Schwellenländerwährungen weniger pessimistisch, wählen aber innerhalb der Assetklasse genau aus Öl — Aus fundamentaler Sicht besteht kurzfristig ein gewisser Spielraum für Preisanstiege — Wir sind jedoch vorsichtig, da politische Entwicklungen derzeit überproportionale Aus- wirkungen auf die Märkte haben Gegen Abwärtsrisiken absichern Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com 17. September 2019 Internet: www.dbresearch.de Wichtige Makro- und Marktprognosen BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q3 19P Q4 19P Global 3,8 3,1 3,2 US 10J-Renditen (%) 1,73 2,05 2,15 USA 2,9 2,2 1,5 EUR 10J-Renditen (%) -0,56 -0,35 -0,30 Euroraum 1,9 1,1 1,0 EUR/USD 1,10 1,10 1,13 Deutschland 1,5 0,3 0,7 USD/JPY 108 108 105 Japan 0,8 0,9 -0,1 S&P 500 2.989 3.175 3.250 Großbritannien 1,4 1,2 1,3 Gold (USD/Unze) 1.494 1.488 1.488 China 6,6 6,2 5,9 Oil WTI (USD/Barrel) 56,1 62,0 60,0 Oil Brent (USD/Barrel) 61,1 70,0 68,0 Aktuelle Preise vom 11.09.2019 Leitzinsen (%) Aktuell 2019P 2020P USA 1,88 1,38 1,13 Euroraum -0,50 -0,60 -0,60 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,75 1,00 China 3,30 3,00 Indien 5,40 4,90 4,75 Original in englischer Sprache: 11. September 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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