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3. März 2012
Das Kreditgeschäft in Europa und den USA entwickelt sich momentan in unterschiedliche Richtungen. Im Euroraum deutet vieles auf eine weitere Wachstumsverlangsamung hin, auch wenn es bislang nicht zu einer Kreditklemme gekommen ist. Dagegen hat sich der Ausblick in den USA in den letzten Quartalen deutlich aufgehellt und das Kreditvolumen steigt wieder an. [mehr]
Fünf Jahre nach Subprime: Trends im Kreditgeschäft in Europa und den USA Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Fünf Jahre nach Subprime: Trends im Kreditgeschäft in Europa und den USA 8. März 2012 Das Kreditgeschäft in Europa und den USA entwickelt sich momentan in unterschiedliche Richtungen. Im Euroraum deutet vieles auf eine weitere Wachstumsverlangsamung hin, auch wenn es bislang nicht zu einer Kreditklemme gekommen ist. Dagegen hat sich der Ausblick in den USA in den letzten Quartalen deutlich aufgehellt und das Kreditvolumen steigt wieder an. Wiederholt gab es in den letzten Jahren Befürchtungen, die Probleme der europäischen Bankenbranche könnten eine Kreditklemme auslösen und damit das Wirtschaftswachstum abwürgen. Bislang ist es zu einer solchen Kreditklemme jedoch nicht gekommen. Im Euroraum lag der Kreditbestand mit Unternehmen Ende 2011 1,1% höher als ein Jahr zuvor; bei Krediten an Privathaushalte betrug das Plus 1,4%. Selbst während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sank das Kreditvolumen an den privaten Sektor kaum. In realen Größen allerdings bedeuten die gegenwärtigen Zuwachsraten angesichts einer Inflation von rund 2,5% einen Rückgang der Verschuldung. Zudem weisen die meisten Faktoren, die für das Kreditwachstum entscheidend sind, auf eine weitere Abschwächung hin. Euroland dürfte dieses Jahr in die Rezession zurückfallen, was die Kreditnachfrage besonders in den Peripherieländern belasten dürfte. Auch haben die Banken als Konsequenz aus den Refinanzierungsproblemen am Kapitalmarkt im zweiten Halbjahr 2011 die Kreditstandards angezogen. Obwohl die EZB mit ihrem unlimitierten Angebot mittelfristiger Liquidität das Schlimmste wahrscheinlich verhindern konnte und die Refinanzierungsmärkte den Banken in diesem Jahr teilweise wieder offenstehen, dürften sich die Institute auch weiterhin mit einer deutlichen Steigerung der Kreditzusagen zurückhalten. Der Druck der Aufsichtsbehörden, die Kapitalquoten wesentlich schneller auf wesentlich höhere Niveaus zu heben als erwartet, hat vor allem bei den am stärksten betroffenen Instituten zu einer neuen Welle von Umstrukturierungen und Schrumpfungsprozessen geführt. Auch wenn die Banken versuchen, sich dabei auf ihr Auslands- und Kapitalmarktgeschäft zu konzentrieren, wird der Spielraum für eine Ausweitung des Kreditgeschäfts mit dem inländischen Privatsektor voraussichtlich gering bleiben. In Anbetracht der fortbestehenden Refinanzierungsbeschränkungen ist es umso problematischer, dass sich auch das Einlagenvolumen seit dem Ende der Rezession schwach entwickelt hat. Das Wachstum der Einlagen des Privatsektors liegt mittlerweile bei nur noch 2,3% im Vergleich zum Vorjahr und ist damit das niedrigste überhaupt seit dem Beginn der Statistik 1999 – und das, obwohl sich die Banken bemühen, diese stabile und auch von der neuen Regulierung begünstigte Refinanzierungsquelle auszubauen. Dafür dürfte insbesondere der schwache Wirtschaftsaufschwung verantwortlich sein, der auch schon wieder vorüber zu sein scheint: In diesem Umfeld ist das Wachstum der Löhne (und folglich des verfügbaren Einkommens) gering und die Arbeitslosigkeit hoch, was viele Haushalte dazu zwingt, von ihren Ersparnissen zu leben. Zinsen auf Rekord- Tiefständen tun ihr Übriges. Einlagen- wie auch Kreditvolumina werden daher wohl erst in einigen Jahren wieder nennenswert ansteigen können – wenn der laufende, schmerzhafte wirtschaftliche Anpassungsprozess in einer Reihe europäischer Länder weitgehend geschafft ist. Auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es mehrere deutliche Unterschiede zu Europa. In den USA ist der Schuldenabbau im Privatsektor viel weiter fortgeschritten. Unternehmenskredite schrumpften vom Höhe- bis zum Tiefpunkt um insgesamt 19% oder USD 600 Mrd. (Q3 08- Q1 11, in zehn Quartalen hintereinander) und Kredite an Haushalte um kumuliert 12% bzw. über USD 500 Mrd. Seite 2 von 3 (in 13 aufeinanderfolgenden Quartalen, zwischen Q4 07 und Q1 11). Die USA sind damit bislang das einzige große Industrieland, in dem die Haushalte ihren Schuldenstand signifikant verringert haben. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch, in Einklang mit dem verbesserten makroökonomischen Ausblick, eindeutig nach oben. Die Kreditvergabe an Haushalte hat sich seit dem letzten Frühjahr stetig erhöht, auch wenn das Wachstum noch auf wackeligen Beinen steht und die Volumina immer noch niedriger als vor einem Jahr sind. Das Kreditgeschäft mit Firmenkunden erlebt eine klassische „V-förmige“ Erholung und liegt bereits wieder im Plus. Insgesamt hat das Kreditgeschäft in den USA also ganz offensichtlich die Wende geschafft. Noch bemerkenswerter ist, dass das Wachstum der Einlagen das der Kreditvergabe an den Privatsektor seit dem Ende von Lehman Brothers kontinuierlich übersteigt. Die Zuwachsraten der Einlagen haben mittlerweile sogar zweistellige Werte erreicht und damit das höchste Niveau der vergangenen zwei Jahrzehnte. Das Wachstum stammt allerdings vor allem von Zuflüssen in zinslose Sichteinlagen-Konten, auf denen große Beträge in ihrer Höhe unbegrenzt staatlich garantiert sind (über die normale Schwelle von USD 250.000 hinaus). Diese Maßnahme, die ein Teil des Temporary-Liquidity-Guarantee-Programms der FDIC zur Bekämpfung der Finanzkrise ist, soll jedoch zum Jahresende auslaufen. Es wird sich also erst noch zeigen müssen, ob der starke Anstieg der Einlagen von Dauer ist. Darüber hinaus handelt es sich beim Großteil der Gelder wahrscheinlich um Liquiditätspolster, die sich hoch profitable Unternehmen angesichts eines unsicheren gesamtwirtschaftlichen Umfelds zulegen. Die Sparquote der Haushalte bleibt dagegen gering. D.h. aber auch, dass die Banken Einlagenabflüsse verzeichnen dürften, sobald die Unternehmen in einem besseren Geschäftsklima mehr investieren. Dann könnten die Wachstumsraten für Kredite und Einlagen wieder konvergieren – möglicherweise sogar noch in diesem Jahr.     Siehe auch: Vor dem Comeback: Einlagen bei Banken Infografik: Einlagen bei Banken   Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...     ...mehr zum Research-Bereich Banken, Finanzmärkte und Regulierung Aktuelle Kommentare - Archiv Aktueller Kommentar Jan Schildbach (+49) 69 910-31717 Seite 3 von 3 © Copyright 2012. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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