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18. Mai 2017
Die traditionellen deutschen Exportsektoren zahlen ihren Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter. In der Grafik befinden sich im rechten oberen Quadranten jene Industriebranchen, die 2016 einen Außenhandelsüberschuss erwirtschaftet haben und in denen zugleich die durchschnittliche Bruttolohn- und Gehaltssume je Beschäftigtem den Durchschnitt des gesamten Verarbeitenden Gewerbes überstieg. [mehr]
PROD0000000000448239 1   |    18. Mai 2017Aktuelle Grafik 18. Mai 2017 Exportbranchen entlohnen überdurchschnittlich gut Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Eric Heymann +49(69)910-31730 eric.heymann@db.com Die traditionellen deutschen Exportsektoren zahlen ihren Beschäftigten über­ durchschnittlich hohe Löhne und Gehälter. In der Grafik befinden sich im rech­ ten oberen Quadranten jene Industriebranchen, die 2016 einen Außenhandels­ überschuss erwirtschaftet haben und in denen zugleich die durchschnittliche Bruttolohn- und Gehaltssume je Beschäftigtem den Durchschnitt des gesamten Verarbeitenden Gewerbes überstieg. So lag der Außenhandelsüberschuss al­ lein in der Automobilindustrie im Jahr 2016 bei EUR 122 Mrd. (39% des gesam­ ten Überschusses). Die Löhne und Gehälter in dieser Branche übertrafen das mittlere Industrieniveau um 27%. Gemessen am Außenhandelsüberschuss folgt der Maschinenbau auf Platz 2 (2016: EUR 94 Mrd.). Hier liegen die durch­ schnittlichen Löhne und Gehälter jedoch nur um 7% über dem Mittelwert. Auch für die Chemie- und die Pharmaindustrie sowie den sonstigen Fahrzeugbau sind hohe Außenhandelsüberschüsse und eine überdurchschnittliche Entloh­ nung charakteristisch. Interessant ist dabei, dass der Zuwachs der Bruttolohn- und Gehaltssumme zwischen 2005 und 2016 in allen genannten Sektoren ebenfalls über dem Durchschnitt der Industrie lag. So nahm die Bruttolohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigtem in der Automobilindustrie und im sonstigen Fahrzeugbau im genannten Zeitraum um 38% bzw. 39% zu. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt war „nur“ ein Anstieg um 28% zu verzeichnen. Im rechten oberen Quadranten der Grafik fehlt die Elektrotechnik als weiterer wichtiger Exportsektor in Deutschland. Die beiden Sparten der Elektrotechnik (Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse sowie elek­ trische Ausrüstungen) exportierten 2016 zusammen nämlich Waren im Wert von EUR 150 Mrd. und rangieren damit in der der Ausfuhrstatistik (also vor Abzug der Importe) auf Rang 3 aller Industriebranchen hinter der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Beide Sparten befinden sich aber im rechten unteren Quadranten. Das bedeutet, sie zahlen ihren Beschäftigten zwar überdurch­ schnittlich hohe Löhne und Gehälter. Zugleich hat Deutschland 2016 jedoch mehr elektrotechnische Erzeugnisse eingeführt als exportiert, sodass die bei­ den Sparten jeweils (leichte) Außenhandelsdefizite aufweisen. Dabei stehen auf der Importseite mehr elektrotechnische Konsumgüter zu Buche, auf der Export­ seite mehr Investitionsgüter. Deutsche Bank Research Exportbranchen entlohnen überdurchschnittlich gut 2   |    18. Mai 2017Aktuelle Grafik Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass der häufig kritisierte deutsche Außenhandelsüberschuss vor allem auf der Qualität der exportierten Gü­ ter basiert und nicht durch niedrige Löhne und Gehälter „erkauft“ wird. Deutschland hat sich auf technologisch recht anspruchsvolle industrielle Pro­ dukte und das Erfüllen individueller Kundenwünsche spezialisiert, während „ein­ fachere“ Erzeugnisse zu einem höheren Anteil importiert werden. Diese Wirt­ schaftsstruktur ist über Jahrzehnte gewachsen und basiert noch dazu auf den Kaufentscheidungen von Millionen von Kunden im Ausland. Daher greift die Kri­ tik am deutschen Außenhandelsüberschuss auch zu kurz, wenn sie überwie­ gend die Exporte ins Visier nimmt. Was sollte die Politik unternehmen, um diese Exportstärke zu schwächen – und warum? In den kommenden Jahren dürfte der deutsche Außenhandelsüberschuss ohne­ hin strukturell schrumpfen. Dafür sprechen u.a. höhere Investitionen deutscher Industrieunternehmen im Ausland, die die lokale Nachfrage bedienen sollen. Auch die demografische Entwicklung (alternde Bevölkerung, sinkendes Er­ werbspersonenpotenzial) ist ein Grund dafür, dass Deutschland perspektivisch weniger fürs Ausland produziert und mehr selbst konsumiert. Dies dürfte aber ein evolutionärer Prozess sein. Wenn es den deutschen Industrieunternehmen weiterhin gelingt, innovative Produkte auf den Markt zu bringen und die Produk­ tionsprozesse fortlaufend effizienter zu gestalten (Stichworte: Industrie 4.0, Digi­ talisierung der Wertschöpfungskette, Internet der Dinge), dürfte die industrielle Exportbasis in Deutschland auch in den nächsten Jahren stark bleiben. Und die betreffenden Unternehmen dürften auch künftig in der Lage sein, ihren Beschäf­ tigten überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter zu zahlen.     Deutsche Bank Research Exportbranchen entlohnen überdurchschnittlich gut 3   |    18. Mai 2017Aktuelle Grafik © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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