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4. Mai 2015
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Die positiven Effekte der aktuellen Euroschwäche überwiegen auf Branchenebene klar deren Nachteile. Vor allem Investitionsgüterhersteller profitieren von der steigenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. 2014 erwirtschaftete z.B. die Automobilindustrie 45,5% ihres gesamten Umsatzes mit den Nicht-EWU-Ländern. Im Maschinenbau waren es knapp 43%. Auch Teile der Elektrotechnik sowie die Chemie- und Pharmaindustrie profitieren überdurchschnittlich von der jüngsten Abwertung des Euros. [mehr]
Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? Aktuelle Themen Branchen Die positiven Effekte der aktuellen Euroschwäche überwiegen auf Branchen- ebene klar deren Nachteile. Vor allem Investitionsgüterhersteller profitieren von der steigenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. 2014 erwirtschaftete z.B. die Automobilindustrie 45,5% ihres gesamten Umsat- zes mit den Nicht-EWU-Ländern. Im Maschinenbau waren es knapp 43%. Auch Teile der Elektrotechnik sowie die Chemie- und Pharmaindustrie profitieren überdurchschnittlich von der jüngsten Abwertung des Euros. Zwar steigen wechselkursbedingt auch die Preise für importierte Vorleistungen; dies gilt z.B. für Elektronik, Metalle und Metallerzeugnisse oder Gummi- und Kunststoffwaren. Dieser Preisanstieg wird jedoch durch die Vorteile auf der Ex- portseite überkompensiert. Unter dem Strich kann man unter den Industriebran- chen keinen wirklichen Verlierer der Euroschwäche ausmachen. Vielmehr ist der Wechselkurs für einzelne Sektoren schlicht weniger relevant. Wechselkurseffekte können durch verschiedene Faktoren abgemildert werden. Zu nennen sind die Lokalisierung der Produktion im Ausland, konzerninterne Handelsströme oder die Fokussierung auf Erzeugnisse, bei denen die Preis- elastizität der Nachfrage gering ist. Auf private Haushalte dürften aufgrund der Euroschwäche vor allem bei Beklei- dung und Konsumelektronik höhere Preise zukommen. Hier ist das deutsche Außenhandelsdefizit mit den Nicht-EWU-Ländern am größten. In der Konsum- elektronik können wechselkursbedingt höhere Preise jedoch durch andere Effekte überkompensiert werden (Preisverfall durch technischen Fortschritt). Der Anteil der EWU-Länder an den gesamten deutschen Warenausfuhren lag 2014 nur noch bei 36,8%, im Vergleich zu 43,2% im Jahr 2008. Damit nahm die „Anfälligkeit“ der deutschen Exportwirtschaft für Wechselkurschwankungen zu. Deutschland führt einen deutlich höheren Anteil seiner Exporte in die Länder außerhalb der Eurozone aus als z.B. Frankreich, Spanien oder Italien. Die ex- pansive Geldpolitik der EZB und die damit einhergehende Euroschwäche tragen dazu bei, dass der deutsche Handelsbilanzüberschuss 2015 steigen wird. Die aktuelle Euroschwäche und die im langfristigen Vergleich niedrigen Preise für viele Rohstoffe bergen trotz der aktuellen positiven Effekte für die Industrie- konjunktur auch ein Risiko für die deutsche Exportwirtschaft. Sie wirken wie ein Konjunkturprogramm, das man ohne Gegenleistung geschenkt bekommt, und können Anlass für eine gewisse „Bequemlichkeit“ sein. Daher mehren sich die Stimmen nicht zuletzt aus der Industrie selbst, sich nicht auf den für die deutsche Exportwirtschaft günstigen Wechselkursen auszuruhen. Autor Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Editor Lars Slomka Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 4. Mai 2015 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 2 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen 1. Einleitung: Euroschwäche betrifft Deutschland als offene Volkswirtschaft in besonderem Maße Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang 2014 (auf Monatsebene) rd. ein Fünftel seines Wertes verloren. Die expansive Gelpolitik der EZB (z.B. der zuletzt begonnene umfangreiche Kauf von Anleihen) sowie (erwartete) Zins- und Wachstumsdifferenzen zwischen den USA und Euroland waren und sind für diese Entwicklung maßgeblich. Wenngleich Wechselkursprognosen stets mit besonders großen Unsicherheiten verbunden sind, sprechen die Fundamental- faktoren (Zins- und Wachstumsausblick) dafür, dass der Euro auch in den kommenden Monaten weiter an Wert gegenüber dem US-Dollar verlieren wird. Der handelsgewichtete Wechselkurs des Euros sank seit Anfang 2014 um ca. 10%. Wir haben kürzlich dargelegt, dass die Länder der Eurozone durch die Abwertung des Euros einen konjunkturellen Impuls erfahren, weil sich die preis- liche Wettbewerbsfähigkeit für Erzeugnisse, die in Euroland produziert werden, auf dem Weltmarkt verbessert. 1 Wechselkursänderungen betreffen Deutschland als sehr offene Volkswirtschaft (siehe Grafik 3) natürlich in besonderem Maße. Im Folgenden betrachten wir die Auswirkungen der Euroschwäche auf einzelne Branchen in Deutschland. Hier ergibt sich ein differenzierteres Bild, denn natür- lich sind der Außenhandel und der Wechselkurs für die Sektoren unterschiedlich bedeutsam. Wir konzentrieren uns in diesem Bericht auf die Sektoren des Ver- arbeitenden Gewerbes (Industrie), für die jeweils aktuelle Daten zu den wirt- schaftlichen Verflechtungen mit dem Ausland vorliegen. Im nachfolgenden 2. Kapitel analysieren wir die Datenlage auf der Exportseite und stellen heraus, welche Branchen am stärksten von der Euroschwäche profi- tieren werden. Anschließend werfen wir einen Blick auf die Importseite, denn natürlich verteuern sich durch den Wertverfall des Euros auch die deutschen Importe. Im abschließenden Kapitel gehen wir auf branchenspezifische Beson- derheiten ein, deren Bedeutung für einzelne Sektoren mit der reinen Datenana- lyse nicht ausreichend abgebildet wird. In Grafiken verwenden wir die NACE- Codes der einzelnen Industriesektoren (siehe Übersicht im Anhang 1). 2. Exporte: Investitionsgüterhersteller profitieren besonders von verbesserter preislicher Wettbewerbsfähigkeit Auf Branchenebene sind in Deutschland grundsätzlich zwei statistische Größen zeitnah und auf Monatsebene verfügbar, mit denen man das jeweilige Aus- landsengagement messen kann. Dies sind zum einen die Auslandsumsätze nach Branchen des Produzierenden Gewerbes und zum anderen die Ausfuhren nach Güterabteilungen aus der Außenhandelsstatistik. Die Auslandsumsätze liegen differenziert nach dem Auslandsumsatz mit der Eurozone sowie nach dem Auslandsumsatz mit dem sonstigen Ausland vor. Damit kann unterschie- den werden, für welche Industriezweige Wechselkursänderungen relevanter sind. Die Exportquote (Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz) zeigt zudem, wie bedeutsam das Auslandsgeschäft für eine Branche insgesamt ist. Die Außenhandelsstatistik weist die Ausfuhren nach Branchen bzw. Gütergrup- pen sogar für einzelne Länder aus. Sie liefert also noch mehr länderspezifische Informationen über das Auslandsengagement auf Branchenebene. Ausfuhren übersteigen Auslandsumsätze, … In absoluter Betrachtung übersteigen die Ausfuhren in allen Branchen bzw. Gü- terabteilungen die Auslandsumsätze (siehe Grafik 4). Der wichtigste Grund für 1 Vgl. Hooper, Peter et al. (2015). Gewinner und Verlierer der Dollar-Aufwertung. Deutsche Bank Research. Globaler Ausblick. Frankfurt am Main. 0,6 0,8 1 1,2 1,4 1,6 1,8 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/USD EUR/GBP EUR/CHF Quelle: EZB Euro verliert an Wert 1 EUR-Wechselkurs gegenüber wichtigen Währungen, Monatsdurchschnitte 0 20 40 60 80 100 DE ES FR IT Quelle: Eurostat Offenheitsgrad: Summe aus Exporten und Importen im Verhältnis zum BIP, 2014, % Deutsche Volkswirtschaft besonders offen 3 100 105 110 115 120 125 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Quelle: EZB Euro - Wechselkurs auf Sinkflug 2 Nominaler handelsgewichteter EUR - Wechselkurs, Q1 1999=100 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 3 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen diese Differenz ist, dass in den Auslandsumsätzen ausschließlich die Umsätze des jeweiligen Wirtschaftsbereiches enthalten sind. In die Außenhandelsstatistik gehen indessen die Ausfuhren der betreffenden Güter von allen Wirtschaftsbe- reichen ein. Ein Beispiel: Im Auslandsumsatz des Maschinenbaus sind lediglich die Umsätze dieser Branche (NACE-Code 28) mit dem Ausland enthalten. In der Außenhandelsstatistik werden dagegen auch jene Ausfuhren von Maschi- nen erfasst, die von anderen Wirtschaftszweigen getätigt werden, etwa von Handelsunternehmen. Insofern erklärt sich, dass die Ausfuhren die Auslands- umsätze in absoluter Betrachtung übersteigen. Die absoluten Differenzen zwischen Auslandsumsätzen und Ausfuhren unter- scheiden sich von Branche zu Branche deutlich. Relativ gering ist der Unter- schied in der Automobilindustrie, dem Maschinenbau, der Metallindustrie oder der Papierindustrie. So entspricht der Auslandsumsatz in der Automobilindustrie in absoluter Betrachtung rd. 86% der Ausfuhren (2014). Deutlich größer ist der Unterschied z.B. in der Lederwaren- und Bekleidungsindustrie, deren Auslands- umsatz nur etwa 14 bzw. 16% der gesamten Ausfuhren von Lederwaren bzw. Bekleidung ausmacht. Die Ausfuhren dieser Warengruppen werden also über- wiegend von anderen Wirtschaftsbereichen als den eigentlichen Herstellern getätigt, wobei Handelsunternehmen dominieren dürften. Auch bei pharmazeu- tischen Erzeugnissen ist der Anteil „branchenfremder“ Unternehmen an den Ausfuhren hoch: Der Auslandsumsatz der Pharmaindustrie an den Ausfuhren liegt nur bei 39%. … beide Größen sind jedoch eng korreliert Letztlich ist für unsere Untersuchung wichtig, dass die Entwicklung der Aus- landsumsätze und der Ausfuhren im Zeitablauf eng korreliert ist. Grafik 5 zeigt die Korrelation zwischen den Veränderungsraten gegenüber dem jeweiligen Vorjahreswert der Größen Auslandsumsatz des Verarbeitenden Gewerbes auf der einen Seite und gesamte deutsche Warenausfuhr auf der anderen Seite, jeweils auf Monatsebene und für die Jahre 2009 bis 2014. Das Bestimmtheits- maß von 95% bestätigt den engen Zusammenhang zwischen beiden Größen. Eine enge Korrelation besteht auf Branchenebene auch zwischen Indikatoren, die aus den Auslandsumsätzen bzw. den Ausfuhren abgeleitet sind. In Grafik 6 wird z.B. der Zusammenhang zwischen folgenden relativen Größen für einzelne Industriebranchen dargestellt: einerseits der Anteil des Auslandsumsatzes mit den EWU-Ländern am gesamten Umsatz einer Branche, andererseits der Anteil der Ausfuhren in die EWU-Länder an den gesamten Ausfuhren für einzelne Gütergruppen. Das Bestimmtheitsmaß liegt bei 70%, weshalb Aussagen zu den Auslandsumsätzen in ihrer Richtung auch auf die Ausfuhren zutreffen. 0 50 100 150 200 250 29 28 20 26 27 21 30 24 10 22 25 17 19 14 23 13 31 15 16 11 12 Auslandsumsatz Ausfuhren Quelle: Statistisches Bundesamt * Basierend auf NACE - Codes Ausfuhren größer als Auslandsumsatz 4 Auslandsumsatz und Ausfuhren nach Branchen*, Deutschland, 2014, Mrd. EUR R² = 0,95 - 40 - 20 0 20 40 - 40 - 20 0 20 40 Entwicklung relativ gleichgerichtet 5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research X - Achse: Warenausfuhr, DE, % gg. Vj. Y - Achse: Auslandsums. Industrie, DE, % gg. Vj.* * Berechnung erfolgte auf Basis der Monatswerte R² = 0,7 20 30 40 50 60 20 30 40 50 60 70 80 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Enge Korrelation 6 X - Achse: Anteil Auslandsumsatz mit EWU am gesamten Umsatz nach dt. Industriebranchen, 2014, % Y - Achse: Anteil Ausfuhren in die EWU an gesamten Ausfuhren nach dt. Industriebranchen, 2014, % Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 4 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Investitionsgüterhersteller, Pharma- und Chemieindustrie profitieren am meisten von Euroschwäche Nach diesen statistischen Vorbemerkungen zeigen wir im Folgenden, welche Branchen in Deutschland auf der Exportseite am stärksten von der Abwertung des Euros und der damit verbundenen verbesserten preislichen Wettbewerbs- fähigkeit außerhalb der Eurozone profitieren. Grundsätzlich sind jene Branchen besonders begünstigt, die sowohl einen hohen Anteil ihres Auslandsumsatzes mit den Nicht-EWU-Ländern erwirtschaften und für die zugleich das Auslands- geschäft insgesamt von großer Bedeutung ist. In Grafik 9 finden sich jene Bran- chen, bei denen beide Größen überdurchschnittlich hoch ausfallen, im rechten oberen Quadranten. Es sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau sowie die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen. Auch die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen befindet sich noch in diesem Quadranten, jedoch ist der Abstand zum Mittelwert nur klein. Überdurchschnittlich stark vom schwächeren Euro profitieren auch noch die Sektoren im rechten unteren Quadranten. Zwar liegt hier der Anteil des Aus- landsumsatzes mit den Nicht-EWU-Ländern am gesamten Auslandsumsatz unter dem jeweiligen Mittelwert, jedoch fällt die Exportquote insgesamt hoch aus. Dies gilt vor allem für die Pharmaindustrie, den sonstigen Fahrzeugbau sowie – weniger stark ausgeprägt – für die Chemieindustrie. Von geringerer Bedeutung sind Wechselkursänderungen – zumindest auf der Exportseite – für jene Branche im linken unteren Quadranten von Grafik 9. Hier liegen sowohl die gesamte Exportquote als auch die Bedeutung der Nicht-EWU- Länder unter dem Durchschnitt. Kaum überraschend treffen diese Kriterien auf das Ernährungsgewerbe sowie die Getränkeherstellung zu, die stärker auf die Bedienung des inländischen Marktes ausgerichtet sind. Zudem dürften die Aus- fuhren ins außereuropäische Ausland auch deshalb unbedeutend sein, weil die Transportkosten im Verhältnis zum Warenwert hoch ausfallen. In der Branche Kokerei und Mineralölverarbeitung spielen die Exporte sowie der Umsatz mit den Nicht-EWU-Ländern ebenfalls keine große Rolle, weil Deutschland die be- treffenden Branchenerzeugnisse vor allem importiert. Im linken unteren Quadranten befinden sich weitere Sektoren, deren Aktivitäten stärker auf Deutschland und den übrigen Euroraum ausgerichtet sind. Dazu zählen die Metallindustrie, die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren, die Baustoff-, Papier-, Möbel- sowie die holzverarbeitende Industrie. Auch hier fal- len die Impulse des fallenden Euros für die inländische Produktionstätigkeit be- scheidener aus. 0 20 40 60 80 21 30 29 28 26 20 27 13 C 22 24 17 14 25 31 23 15 16 12 10 19 11 Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz nach Branchen*, Deutschland, 2014, % * Basierend auf NACE - Codes Pharmaindustrie hat höchste Exportquote 7 0 10 20 30 40 50 29 28 26 21 20 27 30 C 13 24 22 17 14 25 23 15 31 16 12 10 11 19 Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil Auslandsumsatz mit Nicht - EWU - Ländern am Gesamtumsatz nach Branchen*, DE, 2014, % * Basierend auf NACE - Codes Automobilindustrie und Maschinenbau außerhalb der EWU sehr aktiv 8 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Investitionsgüterhersteller doppelt begünstigt 9 29 20 30 21 26 28 11 19 10 27 X - Achse: Abweichung von Ø Exportquote*; Y - Achse: Abweichung von Ø Anteil des Auslandsumsatzes mit Nicht - EWU - Ländern am gesamten Auslandsumsatz; jeweils nach Branchen**, DE, 2014, % - Punkte * Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz ** Ausgewählte Branchen sind mit ihren NACE - Codes bezeichnet 13 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 5 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Setzt man direkt den Auslandsumsatz mit den Nicht-EWU-Ländern ins Verhält- nis zum Gesamtumsatz einer Branche, wie in Grafik 8 geschehen, ist zu erken- nen, dass hier zuvor skizzierten Ergebnisse grundsätzlich bestätigt werden. An der Spitze liegt die Automobilindustrie, die 2014 knapp 46% ihres gesamten Umsatzes mit Ländern außerhalb der Eurozone erwirtschaftete. Auf den Plätzen folgen der Maschinenbau (42,7%), die Herstellung von Datenverarbeitungsgerä- ten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (40,9%), die Pharmaindustrie (35,2%), die Chemieindustrie (32%), die Herstellung von elektrischen Ausrüs- tungen (30%) sowie der sonstige Fahrzeugbau (29,3%). Auch am unteren Ende der Rangfolge decken sich die Ergebnisse. Der Auslandumsatz mit den Nicht- EWU-Ländern am Gesamtumsatz macht z.B. im Ernährungsgewerbe nur 6,4% aus (Kokerei und Mineralölverarbeitung sogar nur 3,8%). Auch in der Außenhandelsstatistik ist zu sehen, dass vor allem bei den Investiti- onsgüterherstellern ein hoher Anteil der Ausfuhren in die Länder außerhalb der Eurozone geht. 2014 waren es z.B. in der Automobilindustrie 73,5%; im Ma- schinenbau 72,4%. Diese Anteile sind in den letzten Jahren stark gestiegen, weil sich die Nachfrage aus Euroland aufgrund der hartnäckigen Wirtschaftskri- se sehr viel schlechter entwickelt hat als die Nachfrage aus dem übrigen Aus- land. So kamen die Nicht-EWU-Länder in der Automobilindustrie 2008 noch auf einen Anteil an den gesamten Ausfuhren der Branche von „nur“ 60,6%. Euro- land hat also in diesem Zeitraum rd. 13%-Punkte Marktanteil an den Ausfuhren eingebüßt. Der Anteil der EWU-Länder an den gesamten deutschen Warenausfuhren sank von 43,2% im Jahr 2008 auf zuletzt nur noch 36,8%. Damit ist die „Anfälligkeit“ der deutschen Exporte für Wechselkurschwankungen in den letzten Jahren gestiegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Deutschland einen deutlich höheren Anteil seiner Exporte in die Länder außerhalb des gemeinsa- men Währungsraums ausführt als z.B. Frankreich, Spanien oder Italien. Die expansive Geldpolitik der EZB und die damit einhergehende Euroschwäche tragen dazu bei, dass der deutsche Handelsbilanzüberschuss 2015 steigen wird, wobei die im Vergleich zu 2014 niedrigeren Importpreise (z.B. für Energie- rohstoffe) natürlich auch eine Rolle spielen. 3. Importe: Konsum- und bestimmte Vorleistungsgüter am stärks- ten von schwächerem Euro betroffen Ein schwächerer Euro bedeutet – ceteris paribus – höhere Preise für importierte Güter aus jenen Ländern, deren Währungen gegenüber dem Euro an Wert ge- wonnen haben. Um die Bedeutung von Wechselkursänderungen auf Branchen- ebene zu untersuchen, bieten sich die Einfuhren nach Güterabteilungen aus der Außenhandelsstatistik an. Wie schon die Ausfuhren liegen auch die Einfuhren recht zeitnah und auf Monatsebene sowie nach einzelnen Herkunftsländern vor. Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass man zwar sagen kann, aus welchen Ländern Deutschland z.B. Gummi- und Kunststoffwaren bezieht, aus der Au- ßenhandelsstatistik jedoch nicht hervorgeht, welcher Branche der jeweilige Im- porteur angehört bzw. welche Branche die Kosten zu tragen hat. Denn in der Außenhandelsstatistik sind – wie schon bei den Ausfuhren – auch die Einfuhren aller Wirtschaftszweige enthalten. Während man aber bei den Ausfuhren argu- mentieren kann, dass z.B. eine ausgeführte Maschine letztlich vom Maschinen- bau produziert wurde, auch wenn die tatsächliche Ausfuhr z.B. einem Handels- unternehmen zuzurechnen ist, fällt diese Argumentation bei den Einfuhren schwer. Eine Indikation, welche Erzeugnisse von welchen Wirtschaftszweigen aus dem Ausland bezogen werden, erhält man aus der Input-Output-Rechnung (Import- matrix) der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR). Diese Statistik wurde zuletzt 2014 veröffentlicht und umfasst die Daten für das Jahr 2010; sie 0 20 40 60 80 29 28 27 26 21 13 25 23 24 22 20 16 30 11 17 15 31 19 10 12 14 Anteil Nicht - EWU - Länder Anteil EWU - Länder Quelle: Statistisches Bundesamt Länder außerhalb der EWU vor allem für Investitionsgüterhersteller wichtig 10 * Basierend auf NACE - Codes Anteil an gesamten deutschen Ausfuhren nach Branchen*, 2014, % 35 45 55 65 08 09 10 11 12 13 14 Anteil Nicht - EWU - Länder Anteil EWU - Länder Euroland verliert an Bedeutung 11 Anteil an gesamter deutscher Warenausfuhr, % Quelle: Statistisches Bundesamt Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 6 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen sind also schon recht veraltet. Zudem lässt die Input-Output-Rechnung keine länderspezifische Differenzierung der Importaktivitäten zu, was für die Untersu- chung von Wechselkursänderungen notwendig wäre. Wir greifen im Folgenden in Einzelfällen – trotz dieser Unzulänglichkeiten – auf die Daten der Input- Output-Rechnung zurück. Vorab kann bereits festgehalten werden, dass der intraindustrielle Warenverkehr in den meisten Wirtschaftszweigen die wichtigste Handelsbeziehung darstellt. Ein Pendant zu den Auslandsumsätzen, die ausschließlich die Aktivitäten der jeweiligen Industriesektoren abbilden, existiert auf der Importseite nicht. Daher lässt sich auch keine Importquote berechnen, die auf einer identischen statisti- schen Abgrenzung basiert. Als Näherungslösung haben wir daher eine Import- quote berechnet, die sowohl Daten aus der Umsatzstatistik als auch aus der Außenhandelsstatistik umfasst. Dabei setzen wir die Einfuhren einer bestimm- ten Gütergruppe ins Verhältnis zum Term Gesamtumsatz der Branche minus Auslandsumsatz der Branche plus Einfuhren der betreffenden Gütergruppe (Näherungslösung für Größe des Inlandsmarktes). Da in die Einfuhren (Zähler) die Aktivitäten aller Wirtschaftsbereiche und nicht nur jene der jeweiligen Indust- riesektoren (Umsatzzahlen im Nenner) eingehen, fällt die so ermittelte Import- quote zwar tendenziell zu hoch aus; dies wird auch dadurch nicht vermieden, dass die Einfuhren auch im Nenner auftauchen. Da wir aber für alle Branchen bzw. Gütergruppen die gleiche Vorgehensweise gewählt haben, ist diese Im- portquote ein Indikator dafür, in welchen Sektoren die Importe bedeutsam sind. Importe bei Bekleidung und Elektronik bedeutend … Grafik 13 zeigt die nach dem oben genannten Muster berechnete Importquote für einzelne Industriezweige bzw. Gütergruppen. Die höchsten Importquoten weisen die Bekleidungs- sowie die Lederwarenindustrie auf. Überdurchschnitt- lich fällt die Importquote auch in der Pharmaindustrie, bei der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, dem sonstigen Fahrzeugbau, der Textilindustrie, der Chemieindustrie sowie der Her- stellung von elektrischen Ausrüstungen aus. Die Automobilindustrie sowie der Maschinenbau liegen im Mittelfeld. Am unteren Ende der Skala ist u.a. das Er- nährungsgewerbe zu finden. Die Ergebnisse decken sich durchaus mit den Erwartungen. Denn Bekleidung und Lederwaren oder elektronische Konsumgüter zählen traditionell zu den Produkten, die Deutschland (überwiegend) importiert; hier erfolgten in der Ver- gangenheit (lohnkostenbedingte) Produktionsverlagerungen ins Ausland. Nicht überraschend ist ferner, dass – trotz starker inländischer Pharmaindustrie – viele pharmazeutische Erzeugnisse auch importiert werden. Schließlich sitzen die weltweit größten Pharmaunternehmen in den USA, im Vereinigten König- reich (UK), in Frankreich oder der Schweiz. Die hohe Importquote im sonstigen Fahrzeugbau mag auf den ersten Blick überraschen. Hier ist jedoch zu berück- sichtigen, dass sowohl Einfuhren als auch Ausfuhren dadurch nach oben ge- trieben werden, dass die europäische Flugzeugindustrie wichtige Produktions- stätten in Frankreich und Deutschland betreibt, die sich gegenseitig mit Teilen und Komponenten beliefern (siehe auch Kapitel 4). … und Nicht-EWU-Länder dominieren Um die Auswirkungen von Wechselkursänderungen auf die branchenspezifi- schen Importe zu untersuchen, stellen wir in Grafik 14 – analog zur Analyse bei den Exporten – zwei Indikatoren gegenüber: zum einen die Abweichung einzel- ner Branchen bzw. Gütergruppen von der durchschnittlichen Importquote; zum anderen die Differenz zum durchschnittlichen Anteil der Einfuhren aus den Nicht-EWU-Ländern an den gesamten Einfuhren der betreffenden Gütergruppe. 0 20 40 60 80 100 26 29 20 28 24 27 10 21 30 14 19 22 25 17 15 31 13 23 16 11 12 Quelle: Statistisches Bundesamt Einfuhren nach Branchen*, Deutschland, 2014, EUR Md. * Basierend auf NACE - Codes Datenverarbeitungsgeräte, elektron. u. optische Erzeugnisse an der Spitze 12 0 20 40 60 80 100 14 15 21 26 30 13 20 27 C*** 31 24 28 29 22 17 19 23 16 25 11 10 12 Importquote* nach Branchen**, Deutschland, 2014, % Bedeutung der Einfuhren unterscheidet sich stark 13 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research * Zähler: Einfuhren; Nenner: Gesamtumsatz minus Auslandsumsatz plus Einfuhren ** Basierend auf NACE - Codes *** In die Berechnung gingen die gesamten deutschen Wareneinfuhren ein Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 7 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Im rechten oberen Quadranten sind demnach jene Branchen, in denen sowohl die Importquote als auch die Einfuhren der Nicht-EWU-Länder an den gesamten Einfuhren der Branche überdurchschnittlich hoch ausfallen. Dies sind die Textil-, Bekleidungs- und Lederwarenindustrie sowie beide Sparten der Elektrotechnik, wobei die Importquote bei den elektrischen Ausrüstungen nur leicht über dem Mittelwert liegt. Die Euroschwäche wird sich bei diesen Branchen bzw. Güter- gruppen also besonders stark bemerkbar machen und – unter sonst gleichen Bedingungen – zu einer Verteuerung der Einfuhren führen. Betroffen sind also überwiegend Gebrauchsgüter (Bekleidung, elektronische Konsumgüter). Unter den importierten elektrotechnischen Erzeugnissen, die aufgrund der Euro- schwäche teurer werden, befinden sich natürlich auch Vorleistungen für die deutschen Hersteller von Investitionsgütern wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau. Mit der Pharma-, der Chemieindustrie und dem sonstigen Fahrzeugbau liegen drei Branchen im rechten unteren Quadranten. Sie haben eine überdurch- schnittlich hohe Importquote, jedoch ist die Bedeutung der Nicht-EWU-Länder als Herkunftsland weniger relevant. Umgekehrt verhält es sich mit den Branchen im linken oberen Quadranten: Die Importquote ist unterdurchschnittlich hoch, jedoch kommt ein recht hoher Anteil der Einfuhren von außerhalb der Eurozone. Dies betrifft die Möbelindustrie, den Maschinenbau sowie die Herstellung von Metallerzeugnissen, wenngleich hier die Bedeutung der Nicht-EWU-Länder nur knapp über dem Mittelwert liegt. Wie schon bei der Analyse der Exporte deutlich wurde, spielen im Ernährungsgewerbe (inklusive Getränke und Futtermittel) die Einfuhren keine große Rolle – zumindest was verarbeitete Produkte und nicht die Rohstoffe betrifft (siehe Kapitel 4). Die Euroschwäche wird hier also kaum ins Gewicht fallen. Anteil der Nicht-EWU-Länder an Einfuhren teilweise über 80% Grafik 15 gibt – unabhängig von der Importquote – einen Überblick, wie hoch der Anteil der Einfuhren aus den Nicht-EWU-Ländern an den gesamten Einfuh- ren einer Branche ist. An der Spitze liegt das Bekleidungsgewerbe (85% im Jahr 2014), knapp gefolgt von der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (84,3). In der Möbelindustrie, der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen und der Lederwarenbranche liegt der Anteil der Länder außerhalb der Währungsunion an den gesamten Einfuh- ren über 70%; die Textilindustrie verfehlt diese Marke nur knapp. Den letzten - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Textilien/Bekleidung sowie Elektronik: Importquote und Einfuhren aus Nicht - EWU - Ländern jeweils überdurchschnittlich hoch 14 X - Achse: Abweichung von Ø Importquote*; Y - Achse: Abweichung von Ø Anteil der Einfuhren aus den Nicht - EWU - Ländern an den gesamten Einfuhren; jeweils nach Branchen**, DE, 2014, % - Punkte * Zähler: Einfuhren; Nenner: Gesamtumsatz minus Auslandsumsatz plus Einfuhren ** Ausgewählte Branchen sind mit ihren NACE - Codes bezeichnet 14 27 13 26 15 30 21 12 10 11 20 31 28 25 0 20 40 60 80 100 14 26 31 27 15 13 28 25 23 16 22 12 29 21 24 17 30 20 10 19 11 Anteil Nicht - EWU - Länder Anteil EWU - Länder Quelle: Statistisches Bundesamt * Basierend auf NACE - Codes Bekleidung, Elektronik u. Möbel stam - men überwiegend nicht aus der EWU 15 Anteil an gesamten deutschen Einfuhren nach Branchen*, 2014, % Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 8 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Platz in dieser List nimmt die Herstellung von Getränken ein, aber selbst hier stammen rd. ein Drittel aller Einfuhren aus den Nicht-EWU-Ländern. Im Gegensatz zu den Ausfuhren sind die Anteile der EWU-Länder auf der einen Seite sowie der Staaten außerhalb der Eurozone an den gesamten Warenein- fuhren Deutschlands in den letzten Jahren relativ konstant geblieben. Der Anteil der Nicht-EWU-Länder an den Einfuhren nahm 2014 zum zweiten Mal in Folge ab und erreichte 61,5%. Dies war jedoch noch immer knapp 1%-Punkt mehr als noch 2008 (siehe Grafik 16). 4. Branchenspezifische Besonderheiten Im abschließenden Kapitel beleuchten wir eine Reihe von branchenspezifischen Besonderheiten, die den aktuellen Wechselkurseffekt abmildern oder verstärken können. Diese umfassen z.B. besondere Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen, Produktionsverbünde, Wettbewerbskonstellationen oder Preisentwicklungen. Darüber hinaus gehen wir in ausgewählten Fällen darauf ein, welche Branchen (gemäß Importmatrix der Input-Output-Rechnung) bestimmte Erzeugnisse überwiegend importieren und daher – zumindest im ersten Schritt – mit höheren Kosten konfrontiert sind. Automobilindustrie Wir haben gezeigt, dass die Automobilindustrie aufgrund ihrer hohen Export- quote sowie des hohen Anteils der Nicht-EWU-Länder an den Exporten zu den Profiteuren der Euroschwäche zählt. Dies trifft auf die Autohersteller und die Kfz-Zulieferindustrie zu. 2014 gehörten die drei (mit Abstand) wichtigsten Ex- portmärkte der deutschen Automobilindustrie, nämlich die USA, UK und China, nicht der Eurozone an. Hinzu kommt, dass die Branche auch absolut gesehen sowohl die höchsten Ausfuhren aller Industriebranchen als auch den höchsten Außenhandelsüberschuss erzielt (siehe Grafik 17). Der Wechselkurseffekt wird jedoch durch folgende Faktoren relativiert: — Die Auslandfertigung der deutschen Automobilindustrie hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Gerade die wichtigen Automärkte werden zu großen Teilen oder ganz überwiegend aus lokaler Produktion bedient, was den Wechselkurseffekt verringert. Dies gilt z.B. für China: Die meisten der knapp 4 Mio. Pkw mit deutschem Markenzeichen, die 2014 in China von den Bändern liefen, wurden auch vor Ort abgesetzt. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. 2 Jedoch ist das Vermeiden von Wechselkursrisi- ken ein klares Motiv für die Lokalisierung der Produktion. Dies trifft natürlich auf Automobilhersteller aus Japan, den USA oder Südkorea ebenfalls zu, die ihrerseits global aufgestellt sind. — Ein nennenswerter (wenngleich nicht quantifizierbarer) Teil des Außenhan- dels der deutschen Automobilindustrie entfällt auf konzerninterne Handels- beziehungen (z.B. Motorenlieferungen von Deutschland in ein ausländi- sches Werk des gleichen Herstellers). Auch hier spielen Wechselkurse kei- ne (große) Rolle. — Wechselkurseffekte werden ferner durch den Fokus der deutschen Auto- mobilindustrie auf das Premiumsegment abgemildert. Hier ist die Preis- sensitivität der Kunden niedriger als bei Klein- und Kompaktwagen. — Charakteristisch für die Automobilindustrie ist, dass Änderungen des Wech- selkurses nicht unmittelbar zu entsprechenden Preisanpassungen in einem ausländischen Absatzmarkt führen. So sinkt der Listenpreis eines in 2 Siehe hierzu Heymann, Eric (2014). Zukunft des Automobilstandorts Deutschland. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. 35 40 45 50 55 60 65 08 09 10 11 12 13 14 Anteil Nicht - EWU - Länder Anteil EWU - Länder Einfuhranteile relativ stabil 16 Anteil an gesamter deutscher Warenausfuhr, % Quelle: Statistisches Bundesamt - 20 0 20 40 60 80 100 120 29 28 20 21 27 30 25 22 10 17 23 12 26 13 16 24 11 31 15 19 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Saldo aus Ausfuhren und Einfuhren nach Branchen*, Deutschland, 2014, Mrd. EUR * Basierend auf NACE - Codes Autoindustrie und Maschinenbau für Handelsüberschuss maßgeblich 17 0 1 2 3 4 CN ES US CZ BR MX SK HU PL ZA BE UK RU AT 2014 2005 Quelle: VDA Pkw - Produktion deutscher Autohersteller außerhalb Deutschlands, Mio. China mit Abstand der wichtigste Produktionsstandort 18 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 9 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Deutschland produzierten und in die USA exportierten Autos vor Ort in der Regel nicht im gleichen Verhältnis zur Wechselkursänderung, da die Preis- bildung sich an den lokalen Gegebenheiten (Angebot und Nachfrage, Wett- bewerb) orientiert und zumeist über einen längeren Zeitraum konstant ist. In solchen Fällen beeinflusst der Wechselkurs eher die Rendite pro Fahrzeug, die der jeweilige Autohersteller erzielen kann. Gleichwohl erhöht der schwa- che Euro die Möglichkeiten, wirtschaftlich vertretbare Rabatte zu gewähren. Die bedeutendsten Herkunftsländer deutscher Importe von Kraftwagen und Kraftwagenteilen waren 2014 Tschechien, Spanien, Ungarn, Frankreich, Polen und Österreich. Insofern dominieren hier Länder der Eurozone sowie Staaten, deren Währungen gegenüber dem Euro in den letzten Monaten nicht aufgewer- tet oder sogar tendenziell abgewertet haben (siehe Anhang 2). Die Importe deutscher Autohersteller von Kfz-Zulieferern etwa aus UK oder den USA dürften sich wechselkursbedingt jedoch verteuern. Dies könnte für die Abnehmer ein Anreiz sein, auf europäische Lieferanten umzusteigen, falls dies technisch mög- lich ist und entsprechende Unternehmen lieferfähig sind. Weitere wichtige Importgüter der deutschen Automobilindustrie gemäß Input- Output-Rechnung sind Erzeugnisse des Maschinenbaus, Metalle, chemische Erzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren sowie elektrische Ausrüstungen. Auch hier ist eine wechselkursbedingte Verteuerung der Einfuhren zu erwarten, sofern diese natürlich aus Ländern stammen, die gegenüber dem Euro aufge- wertet haben. Dieser Effekt wird jedoch dadurch relativiert, dass wichtige Roh- stoffe (auf USD-Basis) derzeit relativ niedrig notieren (siehe Grafik 19). Unter dem Strich überwiegen die aus der Euroschwäche resultierenden Vorteile auf der Exportseite eindeutig die Nachteile aus wechselkursbedingt höheren Importpreisen für einzelne Vorprodukte. Kurzfristig ist nicht zu erwarten, dass importierte Fahrzeuge für die privaten Haushalte, auf die ein nennenswerter Teil der „letzten Verwendung“ der Einfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen entfällt (Import-Pkw), allein aufgrund des schwächeren Euros teurer werden. Auch hier wird sich eher die Rendite pro Fahrzeug bei den Importeuren ändern. Maschinenbau Der deutsche Maschinenbau verzeichnet das zweitgrößte absolute Ausfuhrvo- lumen und den zweitgrößten Außenhandelsüberschuss aller Industriebranchen (jeweils hinter der Automobilindustrie). Unter den größten vier Exportmärkten der Branche befanden sich 2014 mit China, den USA und UK drei Länder, die nicht der Eurozone angehören und deren Währungen gegenüber dem Euro aufgewertet haben. Insofern profitiert der Maschinenbau von der Euroschwä- che. Etwas abgemildert wird der Effekt jedoch dadurch, dass der deutsche Ma- schinenbau traditionell auf Spezialmaschinen fokussiert ist. Hier fällt die Preis- elastizität der Nachfrage grundsätzlich geringer aus als bei Standardmaschinen, die stärker „über den Preis“ verkauft werden. Eine Besonderheit des Maschinenbaus auf der Exportseite ist die im Vergleich zu anderen Sektoren immer noch hohe Bedeutung Russlands als Absatzmarkt. Das Land war 2014 der sechstgrößte ausländische Absatzmarkt der Branche. Insofern dürfte der Maschinenbau am stärksten davon betroffen sein, dass der russische Rubel gegenüber dem Euro in den letzten Monaten stark abgewertet hat und die russische Wirtschaft 2015 spürbar schrumpfen dürfte. Auf der Importseite sind laut Importmatrix der VGR Maschinen das wichtigste Importgut des Maschinenbaus (intraindustrieller Handel dominiert). Zu den größ- ten Lieferländern zählen China und die Schweiz. Die Importe aus diesen Staa- ten dürften sich wechselkursbedingt verteuern. Weitere wichtige Importgüter sind Metalle und Metallerzeugnisse sowie elektrotechnische Produkte. Hier gilt grundsätzlich die gleiche Argumentation wie schon in der Automobilindustrie. 40 60 80 100 120 140 07 08 09 10 11 12 13 14 15 NE - Metalle Eisenerz und Schrott Quelle: HWWI Preise für Industrierohstoffe sinken 19 Weltmarktpreise auf USD - Basis, 2010=100 0 5 10 15 20 CN US FR UK AT RU IT NL PL CH Quelle: Statistisches Bundesamt China und USA dominieren 20 Exporte des deutschen Maschinenbaus nach Absatzmärkten, 2014, Mrd. EUR 0 2 4 6 8 CN IT CH FR JP AT CZ US NL PL Quelle: Statistisches Bundesamt China, Italien und die Schweiz als Lieferanten von Maschinen wichtig 21 Dt. Importe von Erzeugnissen d. Maschinenbaus nach Herkunftsländern, 2014, Mrd. EUR Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 10 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Elektrotechnik Zieht man beide Sparten der Elektrotechnik (Datenverarbeitungsgeräte, elektro- nische und optische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen) zusammen, kommt die Branche auf das drittgrößte Exportvolumen aller deutschen Indust- riesektoren. In beiden Sparten zählen China, die USA und UK zu den größten Absatzmärkten. Wie schon im Maschinenbau gilt jedoch auch hier, dass Wech- selkureffekte umso niedriger ausfallen, je kundenspezifischer (und hochwerti- ger) die exportierten Güter sind, weil die Preissensitivität der Kunden hier nied- riger ist. Bei Investitionsgütern dürfte sich die Euroschwäche also weniger be- merkbar machen als bei konsumnaher Elektrotechnik oder elektrotechnischen Standarderzeugnissen. Auf der Importseite ist – wie bereits erwähnt – gerade im Bereich der Daten- verarbeitungsgeräte, elektronischen und optischen Erzeugnisse die geringe Bedeutung der EWU-Länder an den gesamten deutschen Einfuhren jener Pro- dukte bemerkenswert (Anteil: 15,7%). Unter den 15 größten Importländern be- finden sich mit den Niederlanden und Frankreich nur zwei Staaten der Eurozo- ne. Ein großer Teil der Importe stammt aus Asien, wobei China dominiert. Ins- gesamt sind hier – ceteris paribus – wechselkursbedingte Preiserhöhungen zu erwarten. Gerade im Bereich der Konsumelektronik muss dies jedoch nicht hö- here Verkaufspreise im Einzelhandel bedeuten, denn die Preise für elektroni- sche Konsumgüter befinden sich u.a. aufgrund des technischen Fortschritts seit Jahren auf Sinkflug. Der Wechselkurseffekt dürfte hiervon überlagert werden. Abgesehen von den privaten Haushalten als Endkundengruppe von elektroni- schen Erzeugnissen sind die Elektrotechnik selbst, der Maschinenbau, die Au- tomobilindustrie sowie das Baunebengewerbe (Bauhandwerk, z.B. Elektroinstal- lation) wichtige Importeure. Wechselkursbedingte Preiserhöhungen könnten die gewerblichen Kunden auch hier bewegen, sich nach alternativen Lieferanten im Euroraum umzuschauen, deren preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importeuren aus Asien oder den USA wegen der Euroschwäche steigt. Chemieindustrie Die deutsche Chemieindustrie belegt den vierten Platz in der Rangliste der ex- portstärksten Industriebranchen. Im Gegensatz zu den zuvor genannten Sekto- ren zählen in der Chemieindustrie Staaten der Eurozone sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite zu den wichtigsten Handelspartnern. Daher ist hier der Euro-Wechselkurs – trotz der insgesamt hohen Exportquote – weniger rele- vant. Chemieimporte aus den USA, UK oder der Schweiz, allesamt wichtige Lieferländer, verteuern sich jedoch durch den schwachen Euro; die Exporte in diese Länder profitieren. In der Branche dominiert mit großem Abstand der intraindustrielle Handel, d.h. der größte Importeur chemischer Erzeugnisse ist die Chemieindustrie selbst. Regionale Verbünde einzelner Chemiewerke inner- halb Kontinentaleuropas dürften dabei eine Rolle spielen. Ein wichtiges Vorpro- dukt der Chemieindustrie ist Rohöl. Zwar verteuert der schwächere Euro die Ölimporte, jedoch wird dies durch die niedrigeren Rohölpreise überkompensiert. Auch in der Chemieindustrie hat die Lokalisierung der Produktion in den letzten Jahren zugenommen. Die ausländischen Standorte sind häufig auf die Bedie- nung der lokalen Nachfrage ausgerichtet. Daneben sind konzerninterne Han- delsströme in der Chemieindustrie von großer Bedeutung. Durch beide Effekte werden Wechselkurseffekte abgemildert. 0 10 20 30 CN US NL JP CZ CH MY TW KR UK PL HU FR VN PH Quelle: Statistisches Bundesamt Euroländer spielen keine große Rolle 22 Dt. Importe v. DV - Geräten, elektron. u. opt. Erzeugn. nach Herkunftsland, 2014, Mrd. EUR 0 3 6 9 12 FR NL BE IT US UK PL CN ES AT CH CZ Ausfuhren Einfuhren Staaten der Eurozone wichtige Handelspartner 23 Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Exporte und Importe von chemischen Produkten nach Handelspartnern, 2014, Mrd. EUR 40 60 80 100 120 140 160 180 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR - Basis USD - Basis Quelle: HWWI Ölpreise auf niedrigem Niveau 24 Weltmarktpreise für Rohöl, 2010=100 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 11 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Pharmaindustrie In der Pharmaindustrie zählen die USA, die Schweiz und UK zu den wichtigsten Handelspartnern – sowohl bei den Ausfuhren als auch bei den Einfuhren. Die deutschen Exporte in diese Länder sollten also von der Euroschwäche Impulse erfahren. Gleichzeitig werden sich aber auch die Importe aus diesen Staaten verteuern. Wichtigste Endverbraucher von (importierten) pharmazeutischen Erzeugnissen in Deutschland sind die Krankenhäuser und sonstige Gesund- heitseinrichtungen sowie die privaten Haushalte. Aufgrund der spezifischen Preisbildung für patentgeschützte Medikamente in Deutschland ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Euroschwäche kurzfristig zu deutlich höheren Prei- sen in den Apotheken führt. Die Marge des Importeurs (Großhändlers) dürfte jedoch stärker und unmittelbarer mit dem Wechselkurs schwanken. Sonstiger Fahrzeugbau Innerhalb der Branche sonstiger Fahrzeugbau ist die Sparte der Flugzeugin- dustrie durch einige Besonderheiten charakterisiert, die auch die Auswirkungen der Euroschwäche auf die Branche betreffen. Auffallend ist der erwähnte hohe Anteil des branchen- bzw. konzerninternen Handels zwischen Deutschland und Frankreich. Hier spielen Wechselkurse keine Rolle. Auf der Exportseite zählten in den letzten Jahren die USA, China, die Vereinig- ten Arabischen Emirate sowie UK zu den wichtigsten Absatzmärkten – mithin Länder, die nicht der Eurozone angehören. Die Ausfuhren aus Deutschland in diese Länder sollten auf den ersten Blick von der Abwertung des Euros profitie- ren, zumal der global Flugzeugmarkt ein USD-Markt ist, ein großer Teil der Kos- ten der europäischen Flugzeugindustrie jedoch in Euro anfällt. Es ist jedoch zu beachten, dass in der Branche gerade bei Großaufträgen Rabatte üblich sind, die den jüngsten Wechselkurseffekt übersteigen können. Abzuwarten bleibt, ob die Euroschwäche von den Kunden außerhalb der Eurozone genutzt wird, die Preis neu zu verhandeln, oder ob sich die Industrie die höhere Rendite dauer- haft sichern kann. Im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz haben sich die Verhandlungsspielräume der europäischen Flugzeugindustrie durch die Euro- schwäche in jedem Fall erhöht. Auf der Importseite muss sie freilich höhere Kosten z.B. für Zulieferteile aus den USA, UK oder China tragen. Metallerzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren Gummi- und Kunststoffwaren sowie Metallerzeugnisse verzeichnen zwar keine überdurchschnittlich hohen Export- und Importquoten, jedoch entfallen auf die Nicht-EWU-Länder jeweils mehr als 50% der Ausfuhren bzw. Einfuhren. Wichti- ge Abnehmer der Produkte sind die Investitionsgüterhersteller in Deutschland sowie die privaten Haushalte. Importe aus manchen Nicht-EWU-Ländern wie China oder die Schweiz werden im Verhältnis zu den Einfuhren aus den Staaten der Eurozone durch die Abwertung des Euros teurer. Insgesamt steigt also die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Produzenten. Textil- und Bekleidungsindustrie Textilien und noch viel mehr Bekleidung sind klassische Importgüter. Die Be- kleidungsindustrie ist die Branche mit dem größten negativen Außenhandels- saldo. Gerade bei Bekleidung ist der Anteil der Nicht-EWU-Länder an den ge- samten Einfuhren groß (2014: 85%; Textilien: 68,4%). Dabei dominieren asiati- sche Länder als Lieferanten von Bekleidung. Aufgrund der Abwertung des Eu- ros ist hier mit Preissteigerungen für den Endverbraucher zu rechnen, da diese Hauptabnehmer der Branchenerzeugnisse sind. Für Industriebranchen sind 0 2 4 6 8 10 CH NL US IT BE FR IE UK SE ES Quelle: Statistisches Bundesamt Schweiz wichtigster Lieferant pharmazeutischer Erzeugnisse 25 Deutsche Importe pharmazeutischer Erzeugnisse nach Herkunftsland, 2014, Mrd. EUR 0 5 10 15 20 FR US AE CN UK ES RU NL CA BE Quelle: Statistisches Bundesamt Frankreich mit Abstand wichtigster ausländischer Absatzmarkt 26 Deutsche Exporte des sonstigen Fahrzeugbaus nach Absatzmärkten, 2014, Mrd. EUR 0 2 4 6 8 10 CN BD TR NL IN IT VN KH PK ID Quelle: Statistisches Bundesamt Asien dominiert 27 Deutsche Importe von Bekleidung nach Herkunftsländern, 2014, Mrd. EUR Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 12 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Textilien und Bekleidung als Vorleistungsgüter laut Importmatrix der VGR je- doch nur von geringer Bedeutung, sodass höhere Importpreise hier nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Die Textilindustrie dürfte auf der Exportseite vom schwachen Euro profitieren, denn gut 63% der Ausfuhren gehen in die Nicht- EWU-Länder. Gerade die wachstumsstarken technischen Textilien könnten Impulse erhalten. Ernährungsgewerbe Im Ernährungsgewerbe fallen sowohl Export- als auch Importquote unterdurch- schnittlich aus. Dies gilt vor allem für verarbeitete Lebensmittel. Dennoch hat der Eurokurs eine nennenswerte Bedeutung für die Branche. Denn sie ist mit großem Abstand (vor den privaten Haushalten) der wichtigste Endabnehmer von importierten landwirtschaftlichen Produkten/Rohstoffen. Da diese zumeist in US-Dollar gehandelt werden, verteuert die Abwertung des Euros deren Einfuhr. Allerdings liegen die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe aktuell auf einem recht niedrigen Niveau, selbst wenn man den Wechselkurseffekt berücksichtigt. Grundsätzlich befindet sich das Ernährungsgewerbe auf der Importseite derzeit also in einem günstigen Umfeld. Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland dürfte niedrigere Kosten des Ernährungsgewerbes auf der Einkaufsseite zum Anlass nehmen, seinerseits Preisnachlässe einzufordern. In Summe dürfte der schwächere Euro kaum auf die Preise für verarbeitete Lebensmittel für die End- verbraucher (überwiegend private Haushalte sowie die Gastronomie) durch- schlagen. Grundsätzlich sind die Margen des Ernährungsgewerbes aufgrund der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels dauerhaft unter Druck. Die ak- tuelle Euroschwäche könnte zumindest dabei helfen, ausländische Absatzmärk- te außerhalb der Eurozone stärker zu erschließen. Die Exportquote des deut- schen Ernährungsgewerbes dürfte in den nächsten Jahren weiter moderat stei- gen. 5. Fazit und Ausblick Zwar steht die deutsche Exportwirtschaft langfristig vor strukturellen Herausfor- derungen. 3 Aktuell überwiegen die positiven Effekte der Euroschwäche auf Branchenebene aber ganz klar deren Nachteile. Die preisliche Wettbewerbsfä- higkeit des Produktionsstandorts Deutschland steigt. Wir haben nicht zuletzt wegen der überraschend starken Abwertung des Euros vor einigen Wochen unsere Prognose für die Industrieproduktion in Deutschland auf real 1,5% an- gehoben (von zuvor ¾%). Der deutsche Handelsbilanzüberschuss wird dank der Euroschwäche 2015 steigen. Besonders begünstigt sind die Investitionsgüterhersteller wie die Automobilin- dustrie und der Maschinenbau. Sie weisen gegenüber den Nicht-EWU-Ländern den größten Außenhandelsüberschuss auf. Auch Teile der Elektrotechnik sowie die Chemie- und Pharmaindustrie profitieren überdurchschnittlich. Höhere Im- portpreise für ausgewählte Vorleistungen (z.B. Elektronik, Metalle und Metaller- zeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren) werden durch die Vorteile auf der Exportseite überkompensiert, zumal wichtige Rohstoffpreise derzeit niedrig no- tieren. In den zuletzt genannten Branchen steigt die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen in Deutschland und der Eurozone gegenüber Importeuren etwa aus den USA, UK, der Schweiz oder Asien. Während also vor allem die Investi- tionsgüterhersteller von der Euroschwäche profitieren, kann man auf Ebene der Industriebranchen keinen wirklichen Verlierer ausmachen. Vielmehr ist der Wechselkurs für einzelne Sektoren schlicht weniger relevant. 3 Vgl. Heymann, Eric et al. (2015). Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euro- abwertung. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Ausblick Deutschland. Frankfurt am Main. 0 10 20 30 40 50 60 07 08 09 10 11 12 13 14 Ernährungsgewerbe Verarbeitendes Gewerbe Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, Deutschland, % Exportquote im Ernährungsgewerbe unterdurchschnittlich, aber steigend 29 60 80 100 120 140 160 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR - Basis USD - Basis Quelle: HWWI Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Rohstoffe*, 2010=100 * Nur Rohstoffe für Nahrungs - und Genussmittel Landwirtschaftliche Rohstoffe derzeit recht günstig 28 - 20 0 20 40 60 80 100 120 29 28 20 21 27 30 25 22 24 10 17 23 11 12 16 13 19 31 15 26 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Saldo des Außenhandels mit Nicht - EWU - Ländern nach Branchen*, Deutschland, 2014, Mrd. EUR * Basierend auf NACE - Codes Handelsdefizit bei Bekleidung, DV - Geräten, elektron. u. opt. Erzeugn. 30 Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 13 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Wechselkurseffekte können durch die Lokalisierung der Produktion im Ausland, konzerninterne branchenspezifische Handelsströme, die Fokussierung auf Er- zeugnisse, bei denen die Preiselastizität der Nachfrage gering ist, oder beson- dere Preisbildungsmechanismen abgemildert werden. Auf Unternehmensebene kann die Euroschwäche stärkere Spuren hinterlassen, als es eine Branchenbetrachtung erwarten lässt. Dies hängt von spezifischen Konjunkturzyklen, regionalen oder produktspezifischen Substitutionsmöglichkei- ten, der jeweiligen Wettbewerbssituation (Möglichkeiten der Preisüberwälzung) oder individuellen Wechselkursabsicherungsgeschäften ab. Auf private Haushalte dürften vor allem in den Bereichen Bekleidung und Le- derwaren (mit Abstrichen auch Textilien) und Konsumelektronik wechselkursbe- dingt höhere Preise zukommen. In der Herstellung von Datenverarbeitungsgerä- ten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sowie in der Bekleidungsin- dustrie ist das deutsche Außenhandelsdefizit mit den Nicht-EWU-Ländern am größten. In der Konsumelektronik können wechselkursbedingt höhere Preise jedoch durch andere Effekte überkompensiert werden (Preisverfall durch techni- schen Fortschritt). Wir erwarten auch für 2015 und 2016 eine niedrigere Inflati- onsrate, wenngleich die deutschen Importpreise zuletzt wieder gestiegen sind. Dies ist natürlich auch eine Folge des schwächeren Euros, wobei zu beachten ist, dass die Importpreise ohnehin stärker schwanken als die gesamte Inflations- rate (siehe Grafik 31). Die aktuelle Euroschwäche und die im langfristigen Vergleich niedrigen Preise für viele Rohstoffe bergen trotz der aktuellen positiven Effekte für die Industrie- konjunktur auch ein Risiko für die deutsche Exportwirtschaft. Sie wirken wie ein Konjunkturprogramm, das man ohne Gegenleistung geschenkt bekommt, und können Anlass für eine gewisse „Bequemlichkeit“ sein. Nicht ohne Grund meh- ren sich daher die Stimmen nicht zuletzt aus der Industrie selbst, sich nicht auf den günstigen Wechselkurseffekten auszuruhen. Stattdessen sollten sich die Unternehmen weiterhin anstrengen, qualitativ hochwertige, innovative und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähige Produkte herzustellen. Dies klingt zwar wie eine Selbstverständlichkeit. Aber in den Dekaden vor der Einführung des Euros haben sich Unternehmen z.B. in einigen südeuropäischen Ländern zu oft darauf verlassen, dass ihnen die Zentralbank – gestützt durch die Politik – mit einer Abwertung der nationalen Währung zur Seite springt, wenn die Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. Dass diese Strategie langfristig nicht erfolgreich war, ist bis heute an den unterschiedlichen industriellen Strukturen in Deutschland auf der einen Seite und Südeuropa auf der anderen Seite zu er- kennen. Eric Heymann* (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) * Der Autor bedankt sich bei Christoph Laskawi für die Unterstützung bei der Datenaufbereitung und -analyse. 90 95 100 105 110 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Importpreise Inflationsrate insgesamt Importpreise ziehen zuletzt wieder an 31 Importpreise und Inflationsrate, Deutschland, 2010=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 14 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Anhang 1: NACE-Codes NACE-Codes im Überblick 32 NACE - Code Branche C Verarbeitendes Gewerbe 10 Ernährungsgew erbe 11 Getränkeherstellung 12 Tabakverarbeitung 13 Textilindustrie 14 Bekleidungsindustrie 15 Leder, Lederwaren und Schuhe 16 Holz - , Flecht - , Korb - und Korkwaren 17 Papierindustrie 19 Kokerei und Mineralölverarbeitung 20 Chemieindustrie 21 Pharm aindustrie 22 Gummi - und Kunststoffindustrie 23 Baustoffindustrie 24 Metallerzeugung und - bearbeitung 25 Metallerzeugnisse 24+25 Metallindustrie 26 DV - Geräte, elektron ische , opt ische Erzeugn isse 27 Elektrische Ausrüstungen 26+27 Elektrotechnik 28 Maschinenbau 29 Automobilindustrie 30 Sonstiger Fahrzeugbau 31 Möbelindustrie Quelle: Statistisches Bundesamt Euroschwäche und Branchen: Wer profitiert, wer verliert? 15 | 4. Mai 2015 Aktuelle Themen Anhang 2: Ausgewählte Wechselkurse 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/CHF 35 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/USD 33 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/GBP 34 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 6 8 10 12 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/CNY 36 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 80 100 120 140 160 180 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/JPY 37 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 3 4 5 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/PLN 38 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 22 24 26 28 30 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/CZK 39 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 220 240 260 280 300 320 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/HUF 40 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte 1 2 3 4 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EUR/TRY 41 Quelle: EZB Monatsdurchschnitte Fokusthema D eutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Ausblick Deutschland: Deutsches Sparverhalten vor QE - Herausforderungen (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ....... 30. April 2015  Ausblick Deutschland: Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ...... 30. März 2015  Einheit in Vielfalt? Trends & Treiber von Immobilienbesteuerung in Europa und Deutschland (Research Briefing – Deutschland ) ................................ .. 26 . März 2015  Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland (Monitor Unternehmensfinanzierung) ................................ 4. März 2015  Ausblick Deutschland: Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ........ 2. März 2015  Ausblick Deutschland: Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ........ 2. März 2015  Biotechnologie : Finanzierungslücke gefährdet Wettbewerbsfähigkeit (Aktuelle Themen – Branchen) ................................ ... 11. Februar 2015  Ausblick Deutschland: Deutsches BIP nach Öl, EUR und EZB (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ... 2. Februar 2015  Ausblick Deutschland – 2015: Konjunkturerholung mit Risiken (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ..... 6. Januar 2015 Konjunktur in Deutschland (Monitor Unternehmensfinanzierung) ..................... 12. Dezember 2014  Investitionen in Deutschland auf Branchen - ebene: Dienstleister (noch) expansiv, Industrie schrumpft leicht (Aktuelle Themen – Deutschland) ............................. 9. Dezember 2014  Mehr Infrastrukturinvestitionen – trotz fragwürdiger „Lückenanalyse“ (Standpunkt Deutschland) ................................ ......... 5. Dezember 2014  Ausblick Deutschland: Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum (Aktu elle Themen – Konjunktur) ............................... 2. Dezember 2014  KONZEPT Ausgabe 01 (Konzept) ................................ ................................ . 27. November 2014 © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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