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30. April 2021
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Die Pandemie und der Anstieg der Staatsschulden machen den Reformbedarf deutlich, den es bei der Regulierung der Risiken für Banken aus der Staatsfinanzierung gibt. Eine solche Reform würde auch die Stabilität der Bankenunion stärken. Die Banken im Euroraum halten Forderungen an ihre Heimatstaaten in Höhe von EUR 2,1 Bill. oder 6,2% ihrer Bilanzsumme, in Form von Anleihen und Krediten. Unter den größten Ländern sind die Banken in Italien im Verhältnis zum Eigenkapital am stärksten exponiert (194%), gefolgt von Spanien (105%). In Deutschland (67%) und Frankreich (60%) liegt diese Quote deutlich niedriger. Die Risiken aus der Staatsfinanzierung müssen verringert werden, um die Bankenunion zu vollenden. Dies erfordert aber ein ehrliches Eingeständnis der Aufsichtsbehörden und wird Einschränkungen für Banken und Politiker mit sich bringen. [mehr]
Microsoft Word - 20210430_Staatsfinanzierung durch heimische Banken_SA.docx EU-Monitor Globale Finanzmärkte    Der Nexus zwischen Staat und Banken erwies sich während der Staatsschul denkrise im Euroraum als Teufelskreis, da sich beide gegenseitig schwächten. Letztendlich geriet dadurch sogar die Existenz der Währungsunion in Gefahr. Die Risiken für Banken aus der Staatsfinanzierung sind regulatorisch immer noch nicht angepackt worden, im Gegensatz zu anderen Maßnahmen der Risi kobegrenzung in der Bankenunion. Es bleibt ein offensichtliches, aber kaum dis kutiertes Problem. Die Pandemie und der Anstieg der Staatsschulden machen den Reformbedarf deutlich. Eine Lösung wäre ein großer Schritt nach vorn, würde jedoch ein ehrliches Eingeständnis der Aufsichtsbehörden erfordern und brächte neue, unbequeme Einschränkungen für Banken und Politiker mit sich. Die gesamten Forderungen der Banken im Euroraum gegenüber staatlichen Schuldnern betragen laut EZB aktuell EUR 2,9 Bill. bzw. beträchtliche 9% der Bilanzsumme. Positionen gegenüber der öffentlichen Hand im Inland machen den Großteil aus (EUR 2,1 Bill.), wohingegen es gegenüber anderen EWU Staaten lediglich EUR 493 Mrd. sind und beim Rest der Welt EUR 316 Mrd. Zwei Drittel der gesamten Forderungen entfallen auf Anleihen, ein Drittel auf Kredite . Die Forderungen an den inländischen Staat bestehen zu fast gleichen Teilen aus Anleihen und Krediten, die an das Ausland überwiegend aus Anlei hen. Was die staatliche Ebene betrifft, richten sich zwei Drittel der Forderungen gegenüber der öffentlichen Hand im Euroraum an den Zentralstaat - v.a. in Form von Anleihen. Forderungen an Kommunen - fast nur Kredite - machen ein Fünftel aus, die an Regionalregierungen 14% (Anleihen und Kredite). Die Bankensektoren unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Unter den größten Ländern weisen die Banken in Italien den höchsten Anteil an inländi schen Staatsschulden im Verhältnis zum Eigenkapital (194%) auf, gefolgt von Spanien (105%), Deutschland (67%), Frankreich (60%) und den Niederlanden (46%). Zu den Unterschieden beim Konzentrationsrisiko kommen noch Unter schiede in der Bonitätsbewertung der Staaten hinzu. Französische und italieni sche Banken bevorzugen eindeutig inländische Staatspapiere, die über 90% ih rer gesamten Forderungen im Euroraum ausmachen. In Spanien liegt dieser „Home Bias" bei 82%, in Deutschland bei 74% und in den Niederlanden bei le diglich 59%. Angesichts solcher Unterschiede müssen zunächst die Risiken aus der Staatsfi nanzierung begrenzt werden, vor einer weiteren gemeinsamen Risikoüber nahme wie der Vergemeinschaftung der Einlagensicherung (EDIS). Forderun gen an den Staat sollten mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, basierend sowohl auf dem Kreditrisiko gemäß Länderrating als auch auf dem Konzentrati onsrisiko gemäß Schwellenwerten, was die exzessive Kreditvergabe an einen einzelnen Staat bestrafen würde. Kapitalanforderungen würden helfen Risiken zu reduzieren, zu gleichen Wettbewerbsbedingungen für Banken beitragen und die Haushaltsdisziplin im Euroraum stärken. Autorin Heike Mai +49 69 910-31444 heike.mai@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Original in engl. Sprache: 22. März 30. April 2021 Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? Risiken reduzieren, um die EU-Bankenunion zu stärken Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 2 | 30. April 2021 EU-Monitor    Staatsfinanzierung durch heimische Banken und die Bankenunion Die Forderungen von Banken an die öffentliche Hand im Inland in Form von Staatsanleihen und Krediten stehen im Zentrum der gegenseitigen Abhängigkeit von Staat und Banken. Dieser Nexus zwischen Staat und Banken existiert über all, aber in Europa und vor allem im Euroraum geriet er in den letzten Jahren in den Fokus von Investoren und Gesetzgebern. Grund dafür ist die einzigartige Situation von unabhängiger nationaler Fiskalpolitik innerhalb einer Währungs- und Bankenunion mit gemeinsamer Geldpolitik und gemeinsamer Bankenauf sicht und -abwicklung. Diese Studie befasst sich daher mit dem besonderen Ne xus zwischen Staat und Banken in der Europäischen Währungsunion (EWU), den jüngsten Entwicklungen und zeigt auf, wie es nach dem pandemiebeding ten starken Anstieg der Staatsschulden weitergehen kann. Typischerweise halten Banken inländische Staatsanleihen in Landeswährung zur Refinanzierung und Sicherstellung der Liquidität sowie aus regulatorischen und Profitabilitätsgründen. Um sich bei der Zentralbank zu refinanzieren, ver kaufen oder verpfänden Banken Staatsanleihen an die EZB. Solche Anleihen dienen am privaten Geldmarkt zudem als sogenannte „risikolose" Sicherheiten. Um die Liquidität zu steuern und die regulatorische Liquiditätsquote (LCR) 1 ein zuhalten, spielt ein großer, liquider Markt für Staatsanleihen eine entscheidende Rolle. Manche Banken halten Staatsanleihen außerdem in ihrer Funktion als „Primary Dealer", also als zentraler Wertpapierhändler für Staatspapiere. Vor al lem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten können Staatsanleihen als „sicherer Ha fen" dienen oder als Carry-Trade-Investition (wenn die Renditen der „risikolo sen" Aktiva höher sind als die Refinanzierungskosten bei der Zentralbank bei gleichen Laufzeiten). Zusätzlich dazu sind Kredite von Banken eine wichtige Fi nanzierungsquelle für Kommunen und Regionalregierungen. In den Bilanzen der Euroraum-Banken sind Schulden des Heimatstaates - ein schließlich Kredite 2 - im Wesentlichen von Kapitalanforderungen ausgenom men. Dies setzt Kapital frei, das Banken anderweitig verwenden können, um ihre Profitabilität zu erhöhen. Gleichzeitig erleichtert diese Vorzugsbehandlung dem Staat den Zugang zu frischen Mitteln. Außerdem nehmen Regierungen (über die Aufsichtsbehörden) ihre eigenen Verbindlichkeiten von Konzentrati onsgrenzen auf den Bankbilanzen aus. Die Verschuldungsquote (Leverage Ra tio) gilt hingegen für Investitionen der Banken in Staatsschulden genauso wie für andere Aktiva und setzt ihrem Spielraum, die öffentliche Hand zu finanzie ren, eine eigenkapitalbasierte Obergrenze. 3 Nexus zwischen Staat und Banken verschärfte die Schuldenkrise im Euroraum Während der Staatsschuldenkrise im Euroraum wurde der Nexus zwischen Staat und Banken zum Teufelskreis, da sich Banken und Staaten gegenseitig schwächten, was letztlich die Existenz der Währungsunion als Ganzes be drohte. Nach der Pleite von Lehman Brothers belasteten in einigen Peripherie ländern schlechtere Länderratings und stark steigende Fremdkapitalkosten die 1 Gemäß dem Basler Rahmenwerk dürfen die volatilen Verbindlichkeiten einer Bank (z.B. Kapital marktrefinanzierung) die liquiden Vermögenswerte nicht übersteigen, die vor allem aus Forderun gen an Staaten und Zentralbankguthaben bestehen. 2 In dieser Studie bezieht sich der Begriff „Schulden" sowohl auf Schuldverschreibungen als auch auf Kredite. 3 In der EU muss das regulatorische Eigenkapital einer Bank (Tier 1) mindestens 3% der gesamten nominalen Bemessungsgrundlage (nicht nach Risiko gewichtet) betragen. Nexus zwischen Staat und Banken _____________________________________ Quelle: Deutsche Bank Research 1 Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 3 | 30. April 2021 EU-Monitor    Gewinne der Banken schwer, da ihre inländischen Staatsanleihen an Wert ver loren. Gleichzeitig erhöhten teure Bankenrettungen die Staatsverschuldung. Ne ben dieser direkten finanziellen Wechselwirkung gibt es auch eine indirekte Ver bindung zwischen der Lage der Banken und den öffentlichen Finanzen, da beide vom Wohlergehen der Realwirtschaft abhängen. Schließlich einigte sich die EU und insbesondere die Eurogruppe zur Bekämpfung der Krise auf groß angelegte Rettungskredite und Sparmaßnahmen, die von einer unkonventionel len expansiven Geldpolitik unterstützt wurden. Der Teufelskreis kann seinen Anfang sowohl im Bankensektor als auch im öf fentlichen Sektor nehmen. In Irland begann die Abwärtsspirale mit einer Ban kenkrise, die durch das Platzen einer Immobilienblase ausgelöst wurde. Staatli che Garantien und Rekapitalisierungsmaßnahmen für den Bankensektor belas teten die Staatsfinanzen so sehr, dass Irlands Kreditwürdigkeit herabgestuft wurde und die staatlichen Hilfen für die Banken ihre Glaubwürdigkeit verloren. Der wirtschaftliche Abschwung verschlimmerte die Lage der Banken und ließ die Steuereinnahmen schrumpfen. Die Regierung brauchte ein Rettungspro gramm (Bail-out), das von der EU, dem Euroraum und dem IWF finanziert wurde. So konnte die Abwärtsspirale gestoppt werden. Die Wirtschaft erholte sich allmählich, aber Irland musste sich strengen Sparmaßnahmen unterwerfen. Im Gegensatz dazu destabilisierten in Griechenland nicht nachhaltige Staatsfi nanzen die ansonsten profitablen inländischen Banken. Angesichts von schon in der Vergangenheit hohen Staatsschulden und falsch berichteten Wirtschafts daten verloren die Investoren im Nachgang der weltweiten Finanzkrise das Ver trauen in den griechischen Staat. Zwischen 2010 und 2015 musste die Regie rung dreimal mit Krediten der EU, des Euroraums und des IWF gestützt werden. Als erstes Industrieland nach dem Zweiten Weltkrieg ging Griechenland 2012 in solvent. Inhaber von griechischen Staatsanleihen erlitten einen Schuldenschnitt (Bail-in) durch einen zwangsweisen Abschlag in Höhe von 53,5% auf den Nomi nalwert und eine massive Verlängerung der Laufzeiten. Griechische Banken mussten dadurch erhebliche Abschreibungen auf ihr großes Portfolio heimischer Staatsanleihen schultern und mit Mitteln aus den Rettungsprogrammen rekapi talisiert werden. Eine äußerst schwierige Wirtschaftslage, politische Auseinan dersetzungen um die Sparmaßnahmen und ein drohender Ausstieg Griechen lands aus dem Euro lösten 2015 eine massive Kapitalflucht aus. Die Regierung verhängte Kapitalverkehrskontrollen und begrenzte die Barabhebungen, die Maßnahmen blieben zum Teil bis 2019 in Kraft. Rettungsprogramme benötigten auch Portugal, Spanien und Zypern. Insgesamt nahmen die fünf in Not geratenen Länder EUR 477 Mrd. der zugesagten EUR 616 Mrd. an Hilfskrediten in Anspruch. Über 70% (EUR 348 Mrd.) der ausge zahlten Mittel wurden von Ländern des Euroraums bereitgestellt oder garantiert, 17% stammten vom IWF und 10% von allen EU-Ländern. 4 Die EZB spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie änderte ihre Geldpolitik grund legend, um ins Straucheln geratenen Staaten und Banken in der EWU zu hel fen. Konkret begann sie damit, Staatsanleihen aus dem Euroraum aufzukaufen, um die Refinanzierungskosten für angeschlagene Länder zu drücken, und lo ckerte die Anforderungen an Sicherheiten mit dem Ziel, Banken in diesen Län dern (Notfall-)Zugang zu Zentralbankmitteln zu verschaffen sowie allen Banken längerfristige Refinanzierungen zu ermöglichen. 4 Ein umfassender Überblick über die Rettungsprogramme für europäische Länder findet sich unter https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/economic-and-fiscal-policy-coordination/finan cial-assistance-eu_de. Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 4 | 30. April 2021 EU-Monitor    Bankenunion Angesichts dieser großen Rettungsprogramme für Staaten und Bankensysteme schlug der Europäische Rat 2012 eine „Bankenunion" vor, um die Währungs union zukünftig krisenfest zu machen und die finanzielle Integration zu vertiefen. Damit soll u.a. auch verhindert werden, dass sich finanzielle Schwierigkeiten von Banken auf die öffentlichen Finanzen auswirken: Es soll Bankenpleiten und kostspieligen staatlichen Rettungsmaßnahmen vorgebeugt werden. Dafür wur den das gemeinsame Regelwerk (Single Rule Book) für eine einheitliche Ban kenaufsicht und verschärfte Eigenkapitalanforderungen eingeführt. Alle Banken im Euroraum werden nun vom gemeinsamen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism - SSM) beaufsichtigt. Dieser umfasst die EZB und die nationalen Aufsichtsbehörden. Große Banken fallen unter die direkte Aufsicht der EZB. Für den Fall, dass eine Bank trotzdem in Schieflage gerät und es nicht schafft, sich zu erholen, wurde der gemeinsame Abwicklungsausschuss (Single Resolution Board) eingerichtet, um die angeschlagene Bank abzuwickeln und dabei die Last für Steuerzahler und Wirtschaft so gering wie möglich zu halten. 5 Als letzten Baustein der Bankenunion schlug die Europäische Kommission 2015 eine europäische Einlagensicherung (European Deposit Insurance Scheme - EDIS) vor. Dieser Vorschlag endete jedoch in einer politischen Sackgasse. EDIS zielt darauf ab, die Verbindung zwischen Banken und ihrem Heimatstaat zu lockern, indem die Einlagensicherung im gesamten Euroraum vergemein schaftet wird. Das Vertrauen der Anleger in eine Bank soll nicht mehr von dem Land abhängen, in dem sie ihren Sitz hat. An einer solchen gemeinsamen Risi koübernahme gibt es Kritik aus finanziell stärkeren Mitgliedstaaten, die keine Beitragszahler für EDIS sein wollen, weil sie die Banken, nationalen Einlagensi cherungssysteme und Staatsfinanzen anderer Länder für risikoreicher halten als ihre eigenen. Folglich drängen diese Mitgliedstaaten auf weitere Risikoverringe rung, etwa durch Verkauf von notleidenden Krediten (NPL), Harmonisierung von Regelungen zu Unternehmensinsolvenzen und Abwicklung und Sanierung von ausfallgefährdeten Krediten, Harmonisierung des Insolvenzrechts für Banken 6 und einheitliche Besteuerung von Banken. Schulden des heimischen Staats, die von den nationalen Bankensystemen ge halten werden, stehen ebenso im Blickpunkt. Je höher die Forderungen der Banken an ihren Staat sind, desto wahrscheinlicher sind Insolvenzen von Ban ken und Auszahlungen aus EDIS, falls der Staat in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Solche Auszahlungen wären Transfers in dieses Land aus allen anderen. Darüber hinaus könnten in Schwierigkeiten geratene Staaten „moralischen Druck auf inländische Banken ausüben, damit diese unbegrenzt ihre Schulden aufkaufen, finanziert mit Einlagen, die durch EDIS geschützt sind (...) ohne an gemessene entsprechende Einschränkungen." 7 Angesichts der Wirtschaftskrise und des starken Anstiegs der Staatsverschul dung, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, stehen die Bankenunion und die Grundsatzdebatte über die gemeinsame Risikoübernahme und die Risikoverrin gerung wieder auf der politischen Agenda. Dementsprechend sind auch die Rufe nach EDIS bzw. nach einer Begrenzung der Risiken aus den Forderungen der Banken gegenüber den Heimatstaaten wieder hörbar. In dieser Studie wer den wir i) die unterschiedlichen Dimensionen des Engagements der Euroraum Banken in der Staatsfinanzierung analysieren, ii) potenzielle Maßnahmen zur Risikominderung vorstellen und iii) exemplarisch die Kapitalauswirkungen für 5 Eine genaue Beschreibung der Regulierung und der Organe der Bankenunion findet sich unter https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/banking-and-finance/banking-union_de. 6 Europäisches Parlament, Economic Governance Support Unit (EGOV) (2020). A roadmap to completing the Banking Union. Juni, S. 9. 7 Véron, Nicolas (2017). Sovereign Concentration Charges: A New Regime for Banks' Sovereign Exposures; provided at the request of the Economic and Monetary Affairs Committee. November, S. 12. Bausteine der Bankenunion _____________________________________ Quellen: Europäisches Parlament (EGOV), Deutsche Bank Research 2 Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 5 | 30. April 2021 EU-Monitor    Banken darlegen, falls Forderungen gegenüber dem Staat mit Kapital unterlegt werden müssten. Wie hoch sind die Forderungen der Euroraum Banken an den Staat? Kurz und knapp: ziemlich beträchtliche EUR 2,9 Bill. bzw. 9% der Bilanzsumme des Bankensystems im Dezember 2020. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch leichte Unterschiede, je nachdem, welche statistische Quelle herangezo gen wird. i) Daten der EZB. Die von der EZB veröffentlichte aggregierte Bilanzstatistik der monetären Finanzinstitute (MFIs) liefert überwiegend monatliche, und zum Teil quartalsweise länderspezifische Informationen, die alle Banken im Euroraum umfassen. 8 Im Wesentlichen stützen wir uns auf diese Daten. ii) Daten der EBA. Unsere Analyse wird ergänzt durch halbjährliche Daten aus der „Transparency Exercise" der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA). 108 Banken aus dem Euroraum, die 82% der Bilanzsumme in der Währungsunion ausmachen, haben an der letzten Runde (Juni 2020) teilge nommen. Beide Quellen nehmen die Forderungen der Banken gegenüber dem Gesamt staat in den Blick, d.h. alle staatlichen Ebenen. Der wichtigste Unterschied be steht im Konsolidierungsgrad der Banken. Die Bilanzstatistik erfasst nur das Ge schäft der Banken im jeweiligen Berichtsland, auf Basis rechtlich eigenständiger Einheiten, wohingegen die EBA-Daten auf konsolidierten Konzernbilanzen ba sieren, d.h. alle Bank- und anderen finanziellen Tochtergesellschaften weltweit (ausgenommen Versicherungsunternehmen) werden am Hauptsitz zusammen gefasst. 9 Größe und Struktur des Staatsschuldenportfolios der Banken im Euroraum Laut MFI-Statistik beliefen sich im Dezember 2020 die Forderungen des Ban kensektors im Euroraum gegenüber Staaten auf EUR 2,9 Bill., ein beträchtlicher Teil der Bilanzsumme von EUR 33,8 Bill. Forderungen gegenüber dem jeweili gen heimischen Staat stellten den Löwenanteil (EUR 2,1 Bill., 72% der gesam ten Staatsfinanzierung). Forderungen an andere Staaten im Euroraum machten EUR 493 Mrd. (17%) aus, wohingegen Staatsschulden aus dem Rest der Welt bei EUR 316 Mrd. (11%) lagen. Die Verteilung nach Art der Forderungen zeigt, dass zwei Drittel der gesamten Staatsfinanzierung der Banken auf Schuldverschreibungen entfallen und ein Drittel auf Kredite. Die Forderungen an den heimischen Staat bestehen zu fast gleichen Teilen aus Anleihen und Krediten. Bei ihrem ausländischen Staats schuldenportfolio haben die Banken dagegen eine klare Präferenz für Anleihen. MFIs finanzieren verschiedene Ebenen der öffentlichen Hand. Zentralregierun gen sind die größte Schuldnergruppe und machen 63% aller Forderungen ge genüber staatlichen Stellen im Euroraum aus. Der Großteil der Forderungen ge genüber Zentralregierungen sind Anleihen. Kommunen folgen mit einem Anteil von 20%, welche fast vollständig aus Krediten bestehen. Regionalregierungen 8 Wir haben die MFI-Statistik um Geldmarktfonds bereinigt, um ausschließlich Bankbilanzen zu analysieren. Bei der Aufschlüsselung nach staatlicher Ebene sind solche Korrekturen jedoch nicht möglich. 9 Eine genauere Beschreibung der beiden statistischen Quellen findet sich im Absatz „EZB Statistik unterscheidet sich von der EBA Transparency Exercise". 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 außerhalb des Euroraums - Kredite außerhalb des Euroraums - Anleihen Euroraum (ohne Heimatstaat) - Kredite Euroraum (ohne Heimatstaat) - Anleihen Heimatstaat - Kredite Heimatstaat - Anleihen Forderungen an öffentliche Hand (im) ... Forderungen der Euroraum-Banken an öffentliche Schuldner in Bill. EUR bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 2020: Forderungen an Staaten steigen erst, fallen dann unter EUR 3 Bill. zurück 4 2.088 2.177 1.962 1.485 493 519 422 644 316 361 307 834 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 Q4 20 Q2 20 Q4 19 Q2 20 Forderungen an Nicht-Euro-Staaten Forderungen an andere Euroraum-Staaten Forderungen an den inländischen Staat Quellen: EZB, EBA, Deutsche Bank Research Mrd. EUR 2.963 EZB EBA 2.691 3.057 2.897 Forderungen der Euroraum-Banken an staatliche Schuldne r 3 0,0 0,4 0,8 1,2 1,6 2,0 2,4 2,8 3,2 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Forderungen an Sozialversicherungen Kredite an Kommunen Anleihen von Kommunen Kredite an Regionalregierungen Anleihen von Regionalregierungen Kredite an Zentralregierungen Anleihen von Zentralregierungen * Einschließlich Forderungen von Geldmarktfonds; EUR 116 Mrd. im Dezember 2020. Forderungen der Euroraum-Banken an öffentliche Hand im Euroraum in Bill. EUR bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Banken halten v.a. Anleihen von Zentralregierungen und Kommunalkredite 5 Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 6 | 30. April 2021 EU-Monitor    machen 14% aus, sowohl in der Form von Anleihen als auch Krediten. MFIs hal ten sehr geringe Forderungen gegenüber Sozialversicherungen (4%). Aus den EBA-Daten (Juni 2020) geht die Restlaufzeit der Forderungen der Ban ken gegenüber den Heimatstaaten hervor. Ein Drittel davon ist innerhalb der nächsten zwei Jahre fällig, ein Fünftel sind mittelfristige Schulden und fast die Hälfte weist Laufzeiten von über fünf Jahren auf. Die EBA schlüsselt ihre Daten nicht nach der Art der Forderung auf, sondern nach der Bewertungsmethode. 10 Aktiva zum Zeitwert oder Marktwert, d.h. Anleihen, machen ungefähr ein Drittel der Forderungen gegenüber öffentlichen Schuldnern im Inland aus. Sie bringen ein Zinsänderungsrisiko mit sich, das sich direkt auf die Bankbilanzen auswirken kann. Aktiva, die zu Anschaffungskosten bewertet werden, machen den Rest aus. Kredite werden zu Anschaffungskosten angesetzt. Aber auch Anleihen können auf diese Art bewertet werden, je nachdem, in welchem Portfolio sie ge halten werden. Banken im Euroraum erhöhen inländische Staatsfinanzierung in Krisenzeiten Seit 1999 ermöglicht es die EWU den Banken, in ausländische Staatsschulden in „heimischer" Währung, d.h. Euro, zu diversifizieren. Nichtsdestotrotz haben sich die Banken in Krisenphasen immer wieder auf inländische Staatsschulden konzentriert. Laut MFI-Statistik weiteten die Banken nach der Einführung der EWU zunächst ihre Staatsfinanzierung insgesamt aus, durch höhere Forderungen gegenüber anderen Staaten des Euroraums, während solche gegenüber der heimischen öffentlichen Hand unverändert blieben. Das führte dazu, dass der „Home Bias" - das Verhältnis der Forderungen der Banken gegenüber dem Heimatstaat rela tiv zu allen Eurostaaten - auf 66% fiel. Mit der Finanzkrise im Jahr 2008 began nen die Banken aber, stärker in heimische Staatsschulden zu investieren, wo hingegen ihr Engagement im Euroraum größtenteils unverändert blieb. Wäh rend der anschließenden Schuldenkrise im Euroraum erhöhten die Banken den Bestand an heimischen Staatsschulden immer weiter, stießen jedoch auf der anderen Seite Forderungen gegenüber anderen Staaten im Euroraum ab. Der Home Bias stieg auf ein Rekordniveau von 87%. Als sich die wirtschaftliche Si tuation entspannte, begannen die Banken ab 2016 damit, ihr Portfolio an inlän dischen Staatsschulden zu verringern. Im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise verblieb jedoch etwa ein Drittel (EUR 500 Mrd.) mehr in ihren Bilanzen. Zwischen März und Juni 2020 übernahmen die Banken einen erheblichen Teil der wegen der Finanzierung großer Hilfspakete stark steigenden Staatsschul den. Im vierten Quartal reduzierten sie dann ihre Bestände. Allerdings liegen die Forderungen an den heimischen und an andere Staaten im Euroraum weiter über Vor-Corona-Niveau (+ EUR 110 Mrd. bzw. + EUR 46 Mrd.). Im Gegensatz zu vorherigen Krisen investierten die Banken sowohl im Inland als auch im restlichen Euroraum. Absolut betrachtet gab es allerdings den größ ten Zuwachs im Inland. Der Nexus zwischen Staat und Banken ist also wieder enger geworden. 11 Der Home Bias sank Ende 2020 leicht auf 81%. Investitionen in Staatsschulden außerhalb des Euroraums verzeichnen seit 20 Jahren einen Aufwärtstrend, allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Ni veau. Das Wachstum beschleunigte sich 2018 und hielt auch während der Corona-Krise an. 10 Die EBA schlüsselt die meisten, aber nicht alle Forderungen gegenüber Staaten nach der Bewer tungsmethode auf. Daher sind die Zahlen nur Richtwerte. 11 Siehe auch Mai, Heike (2020). Corona-Krise: Der Nexus zwischen Staat und Banken wird enger. Aktuelle Grafik. Deutsche Bank Research. Juli. 11% 15% 8% 7% 14% 21% 24% [ 0 - 3M [ [ 3M - 1J [ [ 1J - 2J [ [ 2J - 3J [ [3J - 5J [ [5J - 10J [ [10J - mehr EUR 358 Mrd. EUR 313 Mrd. EUR 205 Mrd. EUR 105 Mrd. EUR 114 Mrd. EUR 220 Mrd. EUR 169 Mrd. Die Hälfte der Forderungen der Banken ist langfristig 6 Forderungen der Euroraum-Banken an den Heimatstaat nach Laufzeit, Juni 2020 Quellen: EBA, Deutsche Bank Research 60% 65% 70% 75% 80% 85% 90% 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Forderungen an den Heimatstaat Forderungen an andere Euroraum-Staaten Forderungen an Nicht-Euro-Staaten Home Bias (Forderungen an den Heimat staat relativ zu allen Euroraum-Staaten) Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 2008, 2011, 2020: In Krisenzeiten springen Banken dem Heimatstaat bei 7 Forderungen der Euroraum-Banken in Bill. EUR (links), Home Bias in % (rechts), bis Dez. 2020 Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 7 | 30. April 2021 EU-Monitor    Im zweiten und dritten Quartal machten von Zentralregierungen ausgegebene Anleihen über 70% der zusätzlichen Investitionen der MFIs in staatliche Titel aus dem Euroraum aus. Ein Viertel des Zuwachses ging bemerkenswerterweise an die Sozialversicherung, während es bei regionalstaatlichen und kommunalen Schulden in den MFI-Bilanzen nur zu einer leichten Steigerung kam. Was die Art der Forderungen angeht, erhöhten sich Anleihen aller staatlichen Ebenen, wohingegen Kredite größtenteils leicht zurückgingen. Forderungen an den Heimatstaat im Verhältnis zu Eigenkapital und Bilanz summe der Banken Der im Verlauf der letzten Jahre mal engere, mal lockerere Nexus zwischen Staat und Banken lässt sich auch am Verhältnis der Forderungen der Banken an den Heimatstaat zur Bilanzsumme und zum Eigenkapital ablesen. Vor der Finanzkrise ging der Anteil dieser Forderungen an der Bilanzsumme zu rück, da die Aktiva stark stiegen. Danach froren die Banken ihre Bilanzen prak tisch ein und die Quote stieg und fiel entsprechend der gehaltenen Staatsschul den. 2020 wuchsen die Forderungen, was aber vollständig durch den starken Anstieg der Bilanzsumme ausgeglichen wurde. Die Quote blieb somit fast un verändert (6,2% im Dezember). Das Eigenkapital der Banken stieg zwischen 2000 und 2014 erheblich an. Seit dem hat es nur wenig zugelegt. Daher sanken die Forderungen an den heimi schen Staat im Verhältnis zum Eigenkapital bis 2008 auf rund 100%. Da Eigen kapital und die gehaltenen Staatsschulden danach im selben Maße zunahmen, verharrte die Quote bei diesem Wert. Ab 2016 fiel sie aufgrund geringerer For derungen auf 77%. Die Corona-Krise ließ die Quote zunächst erheblich anstei gen, bevor sie im Dezember 2020 wieder auf 81% sank. Für die EBA ist statt Buchwerten aus der Bilanz das regulatorische Eigenkapital relevant. Bis Juni 2020 entsprachen die Forderungen der Banken im Euroraum gegenüber dem heimischen Staat 97% ihrer gesamten Eigenmittel und 125% des harten Kernkapitals (CET1). Obwohl sich diese Werte von der Quote aus der EZB-Bilanzstatistik unterscheiden, zeigen beide Quellen in den Jahren 2018 und 2019 sinkende Forderungen an die öffentliche Hand im Verhältnis zum Ei genkapital und einen starken Anstieg nach Beginn der Corona-Krise. Tabelle 11 vergleicht die Forderungen gegenüber dem Heimatstaat nach Anga ben der EZB und der EBA. Bisher haben die Banken umsichtiger auf die Pandemie reagiert, als das in vor herigen Krisen der Fall war. Ihre Forderungen stiegen nicht nur gegenüber dem inländischen, sondern auch gegenüber anderen Staaten im Euroraum. Darüber hinaus begannen die Banken schnell damit, das erhöhte Engagement wieder zurückzufahren. Dies ist natürlich nur ein vorläufiger Stand, da die wirtschaftli chen Auswirkungen der Krise noch lange spürbar sein werden. Euroraum-Banken: Hohe Forderungen an den Heimatstaat 11 Quellen: EZB, EBA, Deutsche Bank Research 0% 5% 10% 15% 20% 0% 50% 100% 150% 200% 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 % des Eigenkapitals (links) % der Bilanzsumme (rechts) Staatsfinanzierung verliert für Banken an Bedeutung 8 Forderungen der Euroraum-Banken an den jeweiligen Heimatstaat bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 80 90 100 110 120 130 140 150 Q2 18 Q4 18 Q2 19 Q4 19 Q2 20 in % der Eigenmittel in % des harten Kernkapitals Forderungen der Euroraum-Banken an den Heimatstaat Corona-Krise: Staatsschuldenportfolio wächst wieder relativ zum Eigenkapital 9 Quellen: EBA, Deutsche Bank Research IT 676 DE 413 FR 410 ES 275 NL 70 BE 65 AT 44 PT 41 GR 27 FI 21 IE 19 Alle anderen Länder 29 Mrd. EUR, Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Euroraum-Banken: Forderungen an die öffentliche Hand im Inland 10 Dez 20 EZB EZB EBA Forderungen an den Heimatstaat (Mrd. EUR) 2.090 2.177 1.485 in % der Bilanzsumme 6,2% 6,4% 6,3% des Eigenkapitals* 81% 86% 97% * Eigenkapital - capital and reserves (EZB), Eigenmittel - own funds (EBA) Jun 20 der Forderungen an alle Euroraum-Staaten (Home Bias) 80% 81% 70% Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 8 | 30. April 2021 EU-Monitor    Staatsfinanzierung unterscheidet sich von Land zu Land Ein Blick auf die einzelnen EWU-Länder zeigt erhebliche Unterschiede bei den Forderungen der lokalen Banken gegenüber ihrem Heimatstaat und deren rela tivem Gewicht in den Bilanzen. Die größten nationalen Bankensysteme halten auch die größten Portfolios an heimischen Staatsschulden - Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und die Niederlande. Das ist keine Überraschung. Im Verhältnis zur Bilanzsumme finden sich jedoch nur die Bankensysteme in Italien und Spanien unter den top Fünf wieder. In den Ländern, wo die Forderungen relativ zur Bilanzsumme hoch sind, sind sie es zumeist auch relativ zum Eigenkapital. In diesen Ländern sind Anste ckungseffekte von notleidenden Staaten zu Banken und umgekehrt eher ein Ri siko für die Finanzstabilität. Der Home Bias in EWU-Mitgliedstaaten beträgt zwischen 52% und 95%, mit Ausnahme von Irland (44%) und Luxemburg (11%), deren (relativ kleine, aber international ausgerichtete) Bankensektoren weniger heimische als Staatsschul den von anderen Euro-Ländern halten. Außerdem gibt es erhebliche Unter schiede zwischen den Ländern hinsichtlich der bevorzugten Art der Forderun gen. In Deutschland und den Niederlanden finanzieren Banken die öffentliche Hand vorwiegend durch Kredite, wohingegen dies in Italien und Spanien über wiegend durch Anleihen geschieht. In Frankreich setzen sich die von den Ban ken gehaltenen Staatsschulden fast zu gleichen Teilen aus Krediten und Anlei hen zusammen. Die Forderungen gegenüber anderen Staaten des Euroraums bestehen jedoch in allen Ländern fast ausschließlich aus Wertpapieren. Fünf größte Märkte machen 80% des gesamten Bankensektors im Euroraum aus Im Folgenden gehen wir näher auf die fünf größten nationalen Märkte ein, die entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihres Bevölkerungsanteils über 80% des gesamten Bankensektors im Euroraum ausmachen. Die Aggre gate für den Euroraum werden stark von diesen Ländern geprägt. Aufgrund ih rer Größe hätte eine potenzielle gemeinsame Risikoübernahme in einer Krise schwerwiegende Konsequenzen. So kauften beispielsweise italienische und spanische Banken während der EWU-Schuldenkrise in großem Umfang Staats anleihen. In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden - den Nicht-Krisen- oder Kernländern - erhöhten sich die Investitionen in heimische Staatsschulden weniger stark, sowohl absolut gesehen als auch im Verhältnis zur Bilanzsumme. In allen fünf Ländern lag der Anstieg der Forderungen größtenteils an Anleihe käufen und nur zu einem kleinen Teil an Krediten. Frankreich ist mit einer Bilanzsumme von EUR 10,1 Bill. der größte Banken markt in der EWU. 12 Obwohl die Banken das drittgrößte Portfolio an heimischen Staatsschulden halten, liegen die Forderungen im Verhältnis zur Bilanzsumme oder zum Eigenkapital unter dem Durchschnitt des Euroraums. Beide Quoten gingen seit 2000 vorwiegend zurück oder tendierten seitwärts, weil der stete An stieg an gehaltenen heimischen Staatsschulden von einem mindestens gleich starken Wachstum der Aktiva und des Eigenkapitals begleitet wurde. Zwischen 2015 und 2019 reduzierten französische Banken ihre Forderungen an andere Eurostaaten stärker als die an den Heimatstaat. Dies führte zu einem Anstieg des Home Bias auf über 90%. Auch in der aktuellen Krise stiegen die Investitio nen im inländischen Segment stärker. 12 Bereinigt um EUR 400 Mrd. an Geldmarktfonds-Aktiva im Dezember 2020. 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 IT SI SK PT ES GR CY MT BE DE AT LT LV FR EE FI NL IE LU EWU der Bilanzsumme (links) des Eigenkapitals (rechts) Forderungen der Banken an den Heimatstaat in % Forderungen an den Heimatstaat: In Süd & Ost höher als in Nord & Mitte 12 Euroraum, Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% FR IT SK CY LT ES EE FI DE GR SI AT BE MT PT NL LV IE LU EWU Euroraum (ohne Heimatstaat) - Kredite Euroraum (ohne Heimatstaat) - Anleihen Heimatstaat - Kredite Heimatstaat - Anleihen Home Bias Forderungen an die öffentliche Hand im ... Starker Home Bias in den meisten Ländern 13 % der Forderungen an alle Euroraum-Staaten, Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 9 | 30. April 2021 EU-Monitor    Die Bilanzsumme deutscher Banken beträgt EUR 8,9 Bill. Bis zur Finanzkrise hielten sie absolut gesehen das mit Abstand größte Portfolio an heimischen Staatsschulden. Auch im Verhältnis zur Bilanzsumme lagen sie weit über dem Durchschnitt des Euroraums. Aufgrund eines relativ geringen Eigenkapitals übertraf die Quote von Forderungen zu Eigenkapital die anderer Länder bei Weitem. Während die Finanzkrise noch keine Investitionen in inländische Staatsschulden auslöste, tat dies, zumindest vorübergehend, die Schuldenkrise im Euroraum von 2010-11. Dies mag eine „Flucht in Sicherheit" gewesen sein, da deutsche Staatsanleihen die europäische Benchmark sind. Danach hielten die Banken ihr Engagement im öffentlichen Sektor stabil, aber als die Renditen auf deutsche Bundesanleihen 2016 negativ wurden, begannen die Banken da mit, ihre Positionen zu reduzieren. Sie verringerten auch ihre Forderungen ge genüber anderen Staaten im Euroraum. Der Home Bias lag 20 Jahre lang recht stabil bei ungefähr 80%. Als die Pandemie einsetzte, investierten die Banken zunächst sowohl in heimische Schulden als auch in solche aus dem übrigen Eu roraum. Bis zum Ende des Jahres reduzierten sie jedoch erstere wieder auf Vor krisenniveau. Dadurch fiel der Home Bias auf 74%. Italienische Banken, mit einer Bilanzsumme von EUR 3,8 Bill., halten absolut gesehen und im Verhältnis zur Bilanzsumme die meisten heimischen Staats schulden. Seit 2008 und vor allem seit der Schuldenkrise im Euroraum ist die ses Portfolio angewachsen, während die Bankbilanzen weniger stark expandier ten oder stagnierten. Auch die hohe Quote relativ zum Eigenkapital erklärt sich durch die hohen Forderungen und nicht durch eine schwache Kapitalisierung. Während der Schuldenkrise nutzten italienische Banken sogenannte „Carry Tra des", die durch steigende Renditen auf italienische Staatsanleihen attraktiv wur den, und möglich durch die expansive Geldpolitik der EZB (günstige Refinanzie rung dank längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTROs)). Italienische Ban ken hatten schon immer eine starke Präferenz für Schulden des eigenen Staats gegenüber denen anderer Euro-Länder. In der Schuldenkrise verkauften sie dann fast alle Staatsanleihen anderer Euro-Länder. Anders 2020, als italieni sche Banken ihre Finanzierung sowohl des Heimatstaats als auch anderer Eu rostaaten ausbauten. Der Home Bias blieb bei 91%. Die Bilanzsumme des Bankensektors in Spanien beläuft sich auf EUR 2,9 Bill. Zwischen 2008 und 2013 erhöhten die Banken ihre Forderungen gegenüber dem Heimatstaat um mehr als das Dreifache, größtenteils durch Anleihekäufe. In ähnlicher Weise wie ihre italienische Konkurrenz absorbierten sie steigende Staatschulden zu attraktiven Renditen. Die Forderungen gegenüber dem Staat kletterten auf 12% der Bilanzsumme, während die Banken die Kreditvergabe an Privathaushalte und Unternehmen zurückfuhren. Von 2014 bis Anfang 2020 hin gegen reduzierten spanische Banken allmählich die absolute Höhe ihrer Forde rungen gegenüber der öffentlichen Hand, was den Home Bias von 97% auf 83% senkte. Während der Corona-Krise blieb er in etwa bei diesem Wert. Die Ban ken investierten zwar wieder in heimische Staatsanleihen, aber ebenso in Titel anderer Euro-Länder. Zwischen 2008 und 2015 verdoppelten niederländische Banken (Bilanzsumme: EUR 2,5 Bill.) fast ihre Forderungen gegenüber dem inländischen Staat. Im Ver hältnis zur Bilanzsumme und zum Eigenkapital stiegen die Quoten entspre chend, blieben jedoch unter dem Durchschnitt des Euroraums. Absolut und rela tiv verzeichnen die Forderungen seit 2016 einen Abwärtstrend. Das niederländi sche Bankensystem war das einzige unter den top Fünf, das sein Portfolio an heimischen Staatsschulden im Sommer 2020 konstant gehalten und es bis zum Ende des Jahres sogar unter das Vorkrisenniveau reduziert hat. Investitionen in Schulden aus dem sonstigen Euroraum stiegen 2020 jedoch, deshalb ging der Home Bias auf 59% zurück. 0% 50% 100% 150% 200% 250% 300% 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 DE ES FR IT* NL EWU * Anstieg 2007 aufgrund einer statistischen Reklassifizierung von Krediten. Wer ist am stärksten exponiert? Früher deutsche, jetzt italienische Banken 15 Forderungen an den Heimatstaat in % des Eigenkapitals, bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18% 20% 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 DE ES FR IT* NL EWU * Anstieg 2007 aufgrund einer statistischen Reklassifizierung von Krediten. Krisenländer: Banken unterstützen die Regierungen 14 Forderungen an den Heimatstaat in % der Bilanzsumme, bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 DE ES FR* IT NL EWU * Anstieg 2011 aufgrund einer statistischen Reklassi fizierung von Anleihen anderer Euroraum-Staaten. Große Unterschiede beim Home Bias 16 Forderungen an den Heimatstaat relativ zu Forde rungen an alle EWU-Staaten, bis Dezember 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? 10 | 30. April 2021 EU-Monitor    EZB-Statistik unterscheidet sich von der EBA Transparency Exercise Im Gegensatz zu diesen EZB-Zahlen weisen die aufsichtsrechtlichen Daten der EBA geringere Unterschiede zwischen den fünf großen Ländern aus, was die Forderungen gegenüber dem Heimatstaat im Verhältnis zur Bilanzsumme und zum Eigenkapital betrifft. Anders ausgedrückt: Solche Risiken sind für die natio nalen Bankensysteme laut EBA ungefähr ähnlich hoch. Sie berichtet im Ver gleich zur EZB für Frankreich, Deutschland und die Niederlande schlechtere (d.h. höhere) oder unveränderte Quoten und für Italien und Spanien bessere (niedrigere) Quoten. Die Unterschiede entstehen durch die unterschiedlichen Methodiken der Bilanz statistik und der aufsichtsrechtlichen Statistik. Die MFI-Bilanzstatistik dient der EZB als Grundlage für ihre Geldpolitik. Die aufsichtsrechtliche Statistik zielt da gegen darauf ab, Risiken bei einzelnen Instituten und auf Branchenebene ein zuschätzen. Die EBA Transparency Exercise baut auf den aufsichtsrechtlichen Meldungen der Banken auf (Financial Reporting und Common Reporting). 13 Die wichtigsten Unterschiede sind: i) der Konsolidierungsgrad, ii) der Kreis der Be richtspflichtigen und iii) die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. i) Die Daten der EBA sind auf Konzernebene, d.h. sie basieren auf konsolidier ten Bankbilanzen, grenzüberschreitend und über alle finanziellen Tochtergesell schaften hinweg (mit Ausnahme von Versicherungen). Das bedeutet, die Zahlen enthalten das Auslandsgeschäft der Banken und andere Finanzgeschäfte - und zwar weltweit. Die EZB-Daten hingegen beziehen sich nur auf das Bankge schäft im Heimatmarkt. Grenzüberschreitende Konsolidierung ist jedoch eine etwas technische Sicht weise. Eine Konzernmutter hat nicht immer die volle Kontrolle über eine Toch tergesellschaft, die lokal geführt wird, den nationalen Aufsichtsbehörden und na tionalem Recht unterliegt und die möglicherweise noch andere Miteigentümer hat. Die nationalen Behörden sind an starken Banken in ihrem Land interessiert, um eine mögliche Belastung ihres Einlagensicherungssystems oder ihrer Wirt schaft zu verhindern. Selbst innerhalb der EU muss mit politischer Einmischung aus den Mitgliedstaaten gerechnet werden, da die Politiker ihren einheimischen Wählern und Steuerzahlern gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet sind. Eine global konsolidierte Bilanz spiegelt einen solchen nationalen Einfluss nicht wi der. Grenzüberschreitende Konsolidierung führt zu einer höheren Bilanzsumme und höherem Eigenkapital bei der Konzernmutter. Die Bestände an inländischen Staatsschulden dürften sich aber nicht wesentlich ändern, da die Staatsschul den in den Büchern der ausländischen Tochtergesellschaften aus deren Sicht 13 Seit 2018 stammen die Daten zu den Forderungen an Staaten in der EBA Transparency Exercise aus dem CoRep (vorher aus dem FinRep). Forderungen an den Heimatstaat im Juni 2020: EZB und EBA im Vergleich 18 Quellen: EZB, EBA, Deutsche Bank Research -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 DE ES FR IT NL Rendite 10-jähriger Staatsanleihen in % Quellen: WEFA, Deutsche Bank Research Italienische und spanische Anleihen mit den höchsten Renditen 17 EZB EBA EZB EBA EZB EBA EZB EBA DE 433 200 5 5 73 91 76 68 ES 280 231 10 6 108 104 83 79 FR 426 498 4 6 65 103 88 74 IT 703 254 18 10 195 130 91 70 N L 7 8 1 3 43 6 5 28 85 96 4 gesamt, in Mrd. EUR in % der Bilanzsumme in % des Eigenkapitals* Home Bias, in % * Eigenkapital - capital and reserves (EZB), Eigenmittel - own funds (EBA) Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 11 | 30. April 2021 EU-Monitor    wohl größtenteils „inländisch" sein we rden. Daher zeigen die EBA-Daten wahr scheinlich niedrigere inländische Forderungen im Verhältnis zu Bilanzsumme und Eigenkapital als die Daten der EZB. Diesen Effekt könnte verstärken, dass auch finanzielle Tochtergesellschaften, die keine Banken sind, auf Konzern ebene konsolidiert werden. In der EZB-Statistik ist dies nicht zulässig. ii) Dem aufblähenden Effekt der grenz- und branchenübergreifenden Konsolidie rung auf die Bilanzsumme wirkt jedoch entgegen, dass di e EBA Transparency Exercise nur eine Stichprobe von Banken verwendet, was die absoluten Zahlen senkt. Die EZB-Statistik hingegen umfasst alle Banken eines Landes (zuzüglich Geldmarktfonds, die in dieser Studie von den Berechnungen ausgenommen sind). Die Stichpro bengröße der EBA ist außerdem für jedes Land anders. In Deutschland werden nur 52% der Bankaktiva einbezogen, in Frankreich dage gen 98%. Die kleineren Institute, die nich t erfasst werden, halten eventuell sys tematisch mehr oder weniger Staatsschulden (oder Eigenkapital), je nach Ge schäftsmodell. iii) Die Bilanzierungs- un d Bewertungsregeln, die der Bilanz- (EZB/MFI) und auf sichtsrechtlichen (EBA) Statistik zugrunde liegen, unterscheide n sich ebenfalls. Bei der aufsichtsrechtlichen Statistik we rden Kredite meistens zu Anschaffungs kosten nach Abzug von Rückstellungen und Wertberichtigungen bewertet. Die MFI-Statistik zeigt jedoch den vollen Betrag, den der Schuldner zurückzahlen muss, d.h. notleidende Kredite werden nicht getrennt vom Gesamtwert der Kre dite erfasst. Darüber hinaus weisen di e EBA-Daten Wertpapiere je nach Portfo lio zu Marktpreisen oder zu Anschaffungskosten aus und klassifizieren sie nach Restlaufzeit. Die MFI-Statistik dagegen gibt Wertpapiere immer zum Marktwert und nach Ursprungslaufzeit an. 14 In einer Untersuchung von 2015 stellten die italienische und die spanische Zentralban k wesentliche Unterschiede zwischen der aufsichtsrechtlichen und der Bilanzst atistik der Banken fest; die deutsche Zentralbank wies auf einige Unterschiede hin. In Frankreich und den Niederlan den wurden keine wesentlichen Unterschiede gefunden. 15 Wie können Risiken aus der Finanzierung des Heimatstaats reduziert werden? Seit Jahren gibt es Diskussionen über verschiedene Maßnahmen zur Reduzie rung von Finanzstabilitätsrisiken, die sich aus den Staatsschuldenbeständen der Banken ergeben. Dennoch fanden Vorschlä ge wie der des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht aus dem Jahr 2017 zum Abbau der regulatorischen Bevor zugung keine ausreichende politische Unterstützung und nichts änderte sich. 16 Die Europäische Kommission erkannte an, dass eine Änderung der Regulierung dazu beitragen könnte, den Nexus zwischen Staat und Banken zu lockern, gab aber zu bedenken, dass vor einer solchen Reform alle Elemente der Banken union und der Kapitalmarktunion eingeführt sein müssten. Dies würde de facto die gemeinsame Risikoübernahme vor die Verringerung von Risiken stellen. 17 Maßnahmen, um die Transparenz der Staatsschuldenportfolios der Banken zu verbessern, sind auf weniger Widerstand gestoßen und wurden bis zu einem gewissen Grad umgesetzt - in der EU zu m Beispiel durch die halbjährliche EBA Transparency Exercise. Da die Corona-Krise sowohl erneute Rufe nach einer Vollendung der Bankenunion als auch einen Anstieg der Staatsverschuldung 14 EZB (2019). Manual on MFI balance sheet statistics. Januar. 15 EZB (2015). Survey of national practices regar ding MFI balance sheet statistics. November. 16 Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2017). T he regulatory treatment of so vereign exposures. Discussion Paper. Dezember. 17 Europäische Kommission (2017). Reflexionspapi er zur Vertiefung der Wirtschafts- und Wäh rungsunion. 31. Mai. 6 6 3 19 1 12 4 12 4 6 11 1 5 1 4 6 5 2 51% 61% 62% 52% 9% 91% 83% 98% 96% 49% 84% 8% 7% 19% 53% 83% 63% 50% 82% AT BE CY DE EE ES FI FR GR IE IT LT LU LV MT NL PT SI EWU Anzahl der Banken % der nationalen Bilanzsumme Dunkle Färbung: Fünf größte Länder, die 82% der Bilanzsumme aller Euroraum-Banken ausmachen. 108 EBA-Statistik deckt nationale Banken märkte unterschiedlich gut ab 19 EBA Transparency Exercise, Juni 2020 Quellen: EBA, EZB, Deutsche Bank Research Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 12 | 30. April 2021 EU-Monitor    ausgelöst hat, dürfte die Regulierung der Forderungen der Banken an den Staat bald wieder Thema auf der politischen Agenda werden. Risikogewichte basierend auf dem Kreditrisiko Das nach der Finanzkrise verabschiedete Rahmenwerk für Kapitalanforderun gen, Basel III, führte keine neuen Regeln für die Forderungen der Banken ge genüber Staaten ein, sondern behielt grundsätzlich Risikogewichte zwischen 0% und 150% bei, je nach Bonität des Staates. In diesem Fall bräuchten die Banken des Euroraums EUR 53,6 Mrd. an zusätzlichem Kapital, um allein ihr in ländisches Engagement zu unterlegen. 18 Italienische Banken müssten aufgrund eines großen Portfolios und eines relativ schlechten Ratings den größten Teil der Last schultern. Banken in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden - Ländern mit hohem Rating - bräuchten kein neues Eigenkapital, aber sie müss ten sehr wohl Kapital für Forderungen an andere Staaten des Euroraums vor halten. Das Basler Rahmenwerk räumt jedoch die Möglichkeit ein, niedrigere Risikoge wichte für Forderungen an den Heimatstaat in Landeswährung zu nutzen. Tat sächlich machen alle Länder von dieser Möglichkeit vollen Gebrauch und ver wenden ein Risikogewicht von 0%. Das bedeutet, dass diese Positionen über haupt nicht in die risikogewichteten Aktiva (RWA) der Banken einfließen und so mit nicht mit Eigenkapital unterlegt sind. In der EU setzt die Kapitaladäquanzverordnung (Capital Requirements Regula tion, CRR) die Basler Regeln in geltendes Recht um und legt für Forderungen der Banken gegenüber Zentralregierungen und Zentralbanken in inländischer Währung ein Risikogewicht von 0% fest. Das Gleiche gilt für Forderungen an Regionalregierungen und Kommunen sowie an öffentliche Stellen, wenn diese über Steuererhebungsbefugnisse verfügen oder wenn sie von institutionellen Regelungen zur Verringerung des Ausfallris ikos oder von staatlichen Garantien profitieren. Diese Regeln gelten im Rahmen des Standardansatzes (STA) für die Berechnung der RWA und der Kapitalanforderungen einer Bank. Beim auf inter nen Ratings basierenden Ansatz (IRB) verwenden die Banken ihre eigenen Mo delle. In der EU wird ihnen unter bestimmten Bedingungen auch hier ein Risiko gewicht von 0% für Forderungen gegenüber dem heimischen Staat zugestan den. Aufgrund der weltweit vielfach genutzten Option eines Risikogewichts von null lag das durchschnittliche Risikogewicht der Banken für Forderungen an Zentral regierungen (sowohl im Heimatland als auch in Fremdwährung) im Jahr 2016 bei einer Stichprobe international tätiger Banken nur bei 3% im STA-Ansatz und 6,5% im IRB-Ansatz. 19 Es lag damit weit unter de n „regulären" Risikogewichten nach Basel III. 18 Unter der Annahme, dass die Banken eine Kernkapitalquote von 12% anstreben. 19 Basler Ausschuss (2017), S. 19. Kapitalunterlegung von Forderungen an Staaten nach Basel III (Standardansatz) 21 Quellen: BIZ, EZB, S&P Global, Deutsche Bank Research 50 60 70 80 90 100 110 2018 2019 2020 2021 2022 Staatsschulden im Euroraum 20 % des BIP Quelle: Europäische Kommission Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 13 | 30. April 2021 EU-Monitor    In seinem Diskussionspapier von 2017 bemühte sich der Basler Ausschuss um einen Kompromiss zwischen den ursprünglichen Regeln und ihrer aktuellen An wendung. Er schlug deutlich niedrigere Risikogewichte (0-9%) für Forderungen an Staaten in Landeswährung vor, und im Gegenzug die Streichung der Option, nach nationalem Ermessen geringere Risikogewichte zu erlauben. Auch wenn die vorgeschlagenen Risikogewichte recht niedrig sind, können sie ein Ausgangspunkt für die weitere Disku ssion und Kalibrierung sein. Eine einfa che Überschlagsrechnung zeigt, dass die Banken im Euroraum ihr Eigenkapital um EUR 5,9 Mrd. erhöhen müssten, um ihre Forderungen gegenüber dem Hei matstaat mit Kapital zu unterlegen. Italienische Banken müssten EUR 4,1 Mrd., Banken in Spanien EUR 660 Mio. und Bank en in Frankreich EUR 492 Mio. auf bringen. Aufgrund eines Risikogewichts von 0% für Staaten mit AAA-Rating würden sich die Kapitalanforderungen für Banken in Deutschland, den Nieder landen und Luxemburg nicht ändern. Allerdings müssten auch Forderungen an andere Staaten des Euroraums - die bisher ebenfalls von den Kapitalanforde rungen ausgenommen sind - unterlegt werden. Da keine Daten über die Natio nalität der ausländischen Schuldner de r Banken vorliegen, gehen wir von einem durchschnittlichen Risikogewicht von 1% aus (AA-Rating). In diesem Fall wür den die Banken weitere EUR 5 Mrd. benötigen. Gleichwohl würde das zusätzli che Kapital von insgesamt EUR 10,9 Mrd. nur einem Anstieg um 0,4% des der zeitigen Eigenkapitals der Euroraum-B anken von EUR 2,6 Bill. entsprechen. Zum Vergleich: Seit dem Ausbruch der Fi nanzkrise ist dieser Wert um 49% oder EUR 849 Mrd. gestiegen. Schulden von Nicht-Euro-Staaten, in Fremdwährung, würden erheblichen Risi kogewichten zwischen 25% und 100% unterliegen. Der Grund für diese Be stände sind in der Regel ausländische To chtergesellschaften, die Handelsfinan zierung oder das Kapitalmarktgeschä ft. Nach den Daten der EBA haben Ban ken in Frankreich, Spanien und Deutschland die größten derartigen Portfolios. Kreditrisikogewichte für Staatsschulden werden kritisiert, weil sie sich auf Ra tings von privaten Unternehmen stützen. Darüber hinaus können Länderratings schwer zu modellieren sein, da die Inso lvenz eines Staates ein seltenes, aber dramatisches Ereignis ist. Wie bei anderen finanziellen Vermögenswerten auf einer Bankbilanz ist das stärkste Argument gegen Risikogewichte nach den Basler Regeln jedoch die Prozyklizität. In einer finanziell angespannten Situa tion würden Herabstufungen des Ratings von Staaten höhere Kapitalanforde rungen auslösen, zusätzlich zu den Verlusten, die durch fallende Kurse von Staatsanleihen verursacht werden. Risikogewichte basierend auf Konzentrationsschwellen Alternativ gibt es den Vorschlag, Risiko gewichte auf Basis von Konzentrations schwellen einzuführen. 20 Großkredite an Kunden aus dem Privatsektor sind re gulatorisch auf maximal 25% des Eigenkapitals begrenzt. Forderungen der Ban ken an Staaten und öffentliche Stellen sind jedoch von diesem Limit ausgenom men 21 und übersteigen es in den meisten Euroländern bei Weitem. Die neuen Risikogewichte sollten nicht die gesamte Staatsfinanzierung betref fen. Bis zu einem gewissen Grad sollte diese weiterhin von den Großkreditgren zen ausgenommen sein, da Banken solche Portfolios zur Erfüllung von Liquidi tätsanforderungen und für viele Finanzmar ktaktivitäten halten müssen. Unter halb eines bestimmten Schwellenwerts wü rde daher ein Risikogewicht von 0% bestehen bleiben; darüber hinaus müssten die risikogewichteten Aktiva jedoch 20 Siehe z.B. Basler Ausschuss ( 2017), S. 28f.; Véron (2017), S. 21f. 21 Verordnung (EU) Nr. 575/2013 des Europäisc hen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über Aufsichtsanforderungen an Kr editinstitute und Wertpapierfirm en und zur Änderung der Ver ordnung (EU) Nr. 648/2012, Teil 4 Großkredite, Artikel 400. Simulation I 22 Quellen: BIZ, EZB, S&P Global, Deutsche Bank Research Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 14 | 30. April 2021 EU-Monitor    gemäß den dann geltenden Kapitalanforderungen unterlegt werden. Je größer die Forderungen an einen einzelnen Staat, desto höher das entsprechende „Konzentrationsrisikogewicht". Um zu sehen, wie sich dies auf den Kapitalbedarf der Banken auswirken könnte, rechnen wir in einem hypothetischen Szenario mit stufenweise anstei genden Risikogewichten für Forderungen an den Staat relativ zum Eigenkapital. Unterhalb eines Schwellenwerts von 33% würde ein Risikogewicht von 0% gel ten. Dies würde es den Banken ermögl ichen, die Liquiditätsanforderungen zu erfüllen und dennoch Risikogewichte komplett zu vermeiden, indem sie ihre For derungen in drei Euro-Staaten diversifizieren. 22 Zwischen 33% und 100% würde ein Risikogewicht von 5% gelt en, und analog darüber hinaus. Die Gesamtforderungen würden in diese Blöcke aufgeteilt und die sich daraus ergebenden RWA-Beträge würden aufaddiert, ähnlich wie bei einem progressi ven Einkommensteuersystem. In einem solchen Szenario würden die Euro raum-Banken insgesamt EUR 8,6 Mrd. an zusätzlichem Kapital benötigen, um ihre Forderungen gegenüber dem heimischen Staat zu unterlegen. Wieder müssten italienische Banken für die Hälfte des gesamten Anstiegs aufkommen (EUR 4,3 Mrd.), gefolgt von deutschen (EUR 1,3 Mrd.), spanischen und franzö sischen Banken (jeweils EUR 1,1 Mrd.). Insgesamt sind dies aber immer noch sehr bescheidene Zahlen. Angesichts des Eigenkapitals der italienischen Ban ken in Höhe von EUR 348 Mrd. würde die Erhöhung nur 1,2% betragen. In Spa nien wären es 0,4%, in Deutschland und Frankreich 0,2% und in den Niederlan den 0,1%. Für Forderungen an andere Staaten des Euroraums wäre wahrscheinlich kein Eigenkapital erforderlich, da diese in den meisten Bankensystemen unter der 33%-Schwelle liegen. Selbst in den wenigen Ländern mit höheren Quoten wer den solche Positionen in der Regel nicht auf einen Emittenten konzentriert sein. Was die Risikoreduzierung angeht, könnte es jedoch sein, dass ein ausschließli cher Fokus auf das Konzentrationsrisiko kaum Wirkung zeigt. Banken in Län dern mit relativ schlechtem Rating könnten die von ihnen gehaltenen inländi schen Staatsschulden reduzieren, um eine K apitalbelastung zu vermeiden, sich aber dafür entscheiden, das Renditeprofil beizubehalten, indem sie stattdessen in Papiere anderer Staaten mit ähnlichem Rating investieren. Tatsächlich deu ten die Daten der EBA darauf hin, das s dies seit 2015 geschehen ist. 23 Der Diversifizierung sind gleichwohl pr aktische Grenzen gesetzt. Fast die Hälfte der Forderungen der Euroraum-Banken gegenüber dem öffentlichen Sektor im Heimatland besteht aus Krediten, und Kred ite können nicht so einfach verkauft werden. Auch bei der Neukreditvergabe wäre eine Diversifizierung über ver schiedene EWU-Länder hinweg vor allem für kleinere Banken mit nationalem oder regionalem Fokus schwierig. Daher müsste eine Diversifizierung vor allem über das Anleiheportfolio erreicht werden. Allerdings könnten die Anleihemärkte schlicht zu klein sein, um eine Kapi talbelastung aufgrund des Konzentrationsri sikos zu vermeiden. Um das Risikoprof il ihres Staatsanleihenportfolios beizube halten, müssten die Banken inländische Papiere verkaufen und stattdessen Pa piere mit ähnlichem Rating aus dem Euroraum kaufen. Die Banken in Deutsch land (AAA) müssten sich z.B. von allen inländischen Anleihen im Wert von EUR 160 Mrd. trennen und in niederländische oder luxemburgische Papiere um schichten. Die gesamten ausstehenden Anleihen dieser beiden Länder belaufen sich aber „nur" auf EUR 358 Mrd. bzw. E UR 12 Mrd.. Banken in Frankreich (AA) müssten EUR 185 Mrd., Banken in Spanien (A) EUR 188 Mrd. und Banken in 22 Im Durchschnitt benötigt eine Bank hochwertige liquide Aktiva (m eist Forderungen an Staaten) in Höhe von etwa 100% des Eigenkapitals, um die regulatorische Liqui ditätsquote einzuhalten. Bas ler Ausschuss (2017), S. 30. 23 Hussain, Monsur und Erik Rankeskog (2020). Co ronavirus Relief Reinforces the EU Sovereign Bank Nexus. Fitch Ratings. 31. Juli. Simulation II _____________________________________ Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 23 Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 15 | 30. April 2021 EU-Monitor    Italien (BBB) EUR 419 Mrd. umschichten. 24 Somit würden sich vor allem die in großen Ländern ansässigen Banken schwertun, einen RWA-Anstieg zu vermei den. Bündelung von Risiken: Next Generation EU, SURE & Sovereign Bond-Backed Securities Die Fiskalpolitik liegt grundsätzlich in der alleinigen Kompetenz der einzelnen EU-Mitgliedstaaten, mit Ausnahme des relativ kleinen EU-Haushalts, der eben falls einstimmig verabschiedet werden muss. Dennoch gab es in den letzten Jahren zunehmend Versuche der Kommission und einiger Länder, die Mittelauf nahme der Staaten (teilweise) zu vergemeinschaften oder zumindest schwä chere Staaten von den besseren Ratings der stärksten Staaten profitieren zu lassen. Während die Verbriefung von Staatsanleihen nicht in Schwung kam, nahm die Emission von Schuldverschreibungen durch die EU Fahrt auf. Solche EU-Anleihen stellen für Investoren, eins chließlich Banken, eine supranationale Art von Forderungen gegenüber Staaten dar. Im Jahr 2018 schlug die Kommission eine Verordnung zu „durch Staatsanleihen besicherten Wertpapieren" (Sovereign Bond -Backed Securities, SBBS) vor, die den Banken helfen würde, den Home Bias in ihrem Staatsschuldenportfolio zu verringern, und die Integration der Finanzmärkte in Europa verbessern würde. Dazu sollte den Anlegern eine neue risikoarme, liquide Assetklasse angeboten werden. 25 Als Verbriefung würden SBBS von privaten Zweckgesellschaften emittiert und mit einem Pool von Staatsanleihen aus dem gesamten Euroraum besichert, gemäß dem Kapitalschlüssel der EZB. 26 Die Kommission schlägt die gleiche regulatorische Bevorzugung wie bei Anleihen einzelner Länder vor, in Bezug auf Kapitalanforderungen, die Berü cksichtigung für Liquiditätsquoten und als Sicherheiten. Die Regulierung sbehörden erwarten, dass SBBS ein AAA Rating erhalten, aber die Ratingagenturen haben aufgrund von Korrelations- und Konzentrationsrisiken im Deckungsstock Zweifel geäußert. 27 Es gibt hauptsächlich zwei Probleme mit SBBS. 28 Erstens ist es höchst fraglich, ob die Banken lieber in SBBS als in inländische Schuldverschreibungen inves tieren würden. Banken haben schon lange die Möglichkeit, von ihren heimi schen Staatsanleihen in andere Schulden de s Euroraums zu diversifizieren, ha ben dies aber kaum getan. Zweitens zi elen SBBS nicht darauf ab, das Risiko zu reduzieren. Kapitalanforderungen oder Konz entrationsgrenzen sind explizit aus geschlossen, d.h. es gibt keinen Anreiz für Banken, sich mit Risiken aus der Staatsfinanzierung zu beschäftigen. St attdessen sollen die Risiken von hoch verschuldeten Staaten gestreut werden, sodass die Banken im gesamten Euro raum potenzielle Verluste wegen einer Rating-Herabstufung oder gar Insolvenz in geringer, überschaubarer Höhe verkraften könnten. Angesichts dieser Man kos und inhärenten Wi dersprüche ist es nicht überraschend, dass das SBBS Konzept ins Leere lief. 24 Selbst wenn sie all ihre Bundesanleihen und BTPs (italienische Staatsanleihen) verkaufen wür den, könnten die Banken in Deutschland und Itali en nicht unter die 33%-Schwelle kommen, da sie diese allein schon mit ihren Kr editen an den inländischen Staat überschreiten. 25 Europäische Kommission (2018). Häufig gestellte Fragen: Rahmen für durch Staatsanleihen be sicherte Wertpapiere. Factsheet. 24. Mai. Zu weit eren Details siehe Deslandes, J., Dias, C., Mag nus, M. (2018). Are Sovereign Bond-Backed Securi ties ('SBBS') a 'self standing' proposal to ad dress the sovereign bank nexus? Eur opäisches Parlament, EGOV. September. 26 Europäische Kommission (2018). Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über staatsanleihebes icherte Wertpapiere. 24. Mai. Dieser basiert auf einem früheren Working Paper des Europäischen Ausschu sses für Systemrisiken (European Systemic Risk Board, ESRB) (2016). ESBies: Safety in Tranches. September. 27 S&P Global Ratings (2017). Wie S&P Global Rati ngs „sichere" europäisc he Bonds (ESBies) be werten würde. 2. Mai. 28 Eine ausführliche Analyse findet sich bei Wall, Ma rk und Kevin Koerner (2018). European safe bonds - politically contentious, di fficult to implement. Deutsc he Bank Research. 29. Januar. Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 16 | 30. April 2021 EU-Monitor    Aufgrund der tiefen Rezession, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, einigten sich die EU-Mitgliedstaaten 2020 jedoch auf umfangreiche An leiheemissionen durch die EU. Während die einen den Ausnahmecharakter und die Bedingung betonen, dass all diese Schulden am Ende aus EU-Mitteln (ein schließlich neuer Finanzierungsquellen für die EU) zurückgezahlt werden müs sen, sehen andere darin den Beginn des Aufbaus einer dauerhaften Fiskalkapa zität und damit einen großen Durchbruch hin zu einem echten „Bundesstaat Eu ropa". Wenn die EU in der Vergangenheit Anleihen direkt emittierte, waren die Volumina deutlich geringer. Und sie tat dies nur für eng definierte Zwecke, wie die Rettungspakete für Staaten während der Schuldenkrise, die durch den Euro päischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und seine Vorgänger, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und den Europäischen Finanzstabilisie rungsmechanismus (EFSM), bereitgestellt wurden. Die neuesten Programme werden den Mitg liedstaaten helfen, die Corona-Krise zu überwinden. Ihr Umfang ist viel größer und das Geld kann freier ausgegeben werden. Was sich nicht geändert hat, sind die grundlegenden Mechanismen der Emission: Die EU nimmt an den Kapitalmärkten Mittel auf, wobei die Anleihen anteilig von den Mitgliedstaaten durch den EU-Haushalt und potenziell neue Fi nanzierungsquellen garantiert werden (keine gemeinsame Haftung). Die EU zahlt die Gelder dann sowohl in Form von Zuschüssen als auch, sofern es die nationalen Regierungen beantragen, als Kred ite aus. Diese profitieren von dem niedrigen Zinssatz, den die EU dank ihre s AAA-Ratings zahlt. Die Anleihen ha ben in den Bankbilanzen ein Risikogewicht von null. Die Emission neuer Anlei hen hat bereits begonnen im Rahmen des bis zu EUR 100 Mrd. schweren SURE-Programms („Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency" / „Unterstützung bei der Minderung von Ar beitslosigkeitsrisiken in einer Not lage"). 29 Die europäischen Staats- und Regierungschefs einigten sich auch auf das „Next Generation EU"-Programm (einsc hließlich der Aufbau- und Resilienz fazilität), und die Emission der Anleihen wird nach der Ratifizierung durch die nationalen Parlamente oder andere zuständige Gremien beginnen. 30 Mit bis zu EUR 750 Mrd. wird es die mit Abstand größte EU-Emission der Geschichte wer den, die von den Märkten - wenn auch formal falsch - als großer Schritt zu mehr gemeinsamer Verschuldung in Europa wahrgenommen wird. Weitere Maßnahmen, um Risiken aus der Staatsfinanzierung zu begrenzen - Basel III/IV, Säule 2: Die Aufsichtsbehörden können einzelne Banken auffor dern, mehr Kapital für ihr Staatsschuldenportfolio zu halten, oder sie können bei der Überprüfung des Risikoprofils ei ner Bank qualitative Beschränkungen auferlegen. Allerdings sind die Leitlini en der EBA für den aufsichtlichen Über prüfungs- und Bewertungsprozess (Super visory Review and Evaluation Pro cess, SREP) und für Stresstests nicht sehr konkret in Bezug auf Forderun gen an Staaten, wie vom Basler Ausschuss 2017 gefordert. - Basel III/IV, Säule 3 : Die Offenlegung des Engagements der Banken in der Staatsfinanzierung hat sich dank der EBA Transparency Exercise, die Daten für einzelne Banken wie auch aggregierte Informationen liefert, deutlich ver bessert. Allerdings umfasst die Untersuchung nicht alle Banken und wird nur zweimal im Jahr durchgeführt. Dass B anken zur Meldung verpflichtet werden und dabei mehr Details veröffentliche n sollen, haben sowohl die EBA als auch der Basler Ausschuss empfohlen. 29 Weitere Informationen hierzu finden si ch unter https://ec.europa.eu/info/business-economy euro/economic-and-fiscal-policy-coor dination/financial-assistance-eu_de. 30 Weitere Informationen hierzu unter https://ec.eur opa.eu/info/strategy/recovery-plan-europe_de. Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 17 | 30. April 2021 EU-Monitor    - Staatliche Ebene: Damit die Banken mehr Kapital für Forderungen an Staa ten vorhalten, könnte die Befreiung v on der Risikogewichtung strikt auf For derungen an Zentralregierungen beschränkt werden. Bisher wird der Begriff „Regierung" sehr weit ausgelegt. - Bilanzierung: Eine marktbasierte Bewertung aller öffentlichen Anleihen sowie Wertberichtigungen für Kredite würden die tatsächlichen Risiken aus der Staatsfinanzierung genauer widerspiegel n. Allerdings würden stärker markt basierte Preise auch potenziell schädliche Rückkopplungseffekte zwischen Banken und Staaten verstärken. Fazit Die aktuelle Krise unterstreicht die posi tiven kurzfristigen Aspekte der engen Be ziehung zwischen Staaten und Banken. Gr oße staatliche Hilfspakete zur Be kämpfung der Pandemie und zur Abmilderung ihrer wirtschaftlichen Auswirkun gen haben zu einem sprunghaften Anstieg der Staatsverschuldung im Euro raum geführt. Die Banken kauften ein Dr ittel (EUR 284 Mrd.) der von den Staa ten zwischen März und September 2020 ausgegebenen Anleihen, bevor die öf fentliche Hand im letzten Quartal 2020 ihre ausstehenden Schulden reduzierte und die Banken ihre Anleihebestände verringerten. Die Banken kauften auch mehr als ein Viertel der Anleihen im Wert von EUR 53,5 Mrd., die von der EU bis Januar 2021 im Rahmen des SURE-Programms begeben wurden. 31 Offensichtlich gibt die Nachfrage der Ba nken den Regierungen in Krisenzeiten dringend benötigten finanziellen Spielraum und dies ist ein starkes Argument für eine regulatorische Bevorzugung. Tatsächlich hat die EU kürzlich sogar einige der wenigen bestehenden Kapitalanforderungen für Forderungen an Staaten gelockert, um die Finanzierung der öffentlichen Hand zu erleichtern. Außerdem sollen diese Erleichterungen verhindern, dass es negative Auswirkungen auf die Eigenkapitalposition der Banken gibt, die deren Fähigkeit, die Wirtschaft zu fi nanzieren, beeinträchtigen würden. 32 Gleichzeitig macht ein großes Anleihepor tfolio die Banken aber auch anfällig für fiskalische Probleme des Heimatstaats, wa s zu einem Teufelskreis führen kann, der nur schwer zu durchbrechen ist und schwerwiegende wirtschaftliche und so ziale Auswirkungen haben kann. In der aktuellen Situation wachsen die Forde rungen der Banken gegenüber Staaten nicht nur direkt, sondern auch indirekt über staatlich garantierte Bank kredite an private Unternehmen. In Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland beliefen sich diese zwischen April und August 2020 auf EUR 320 Mrd. 33 31 Bisher wurden vier Anleihetranchen begeben, alle als „soziale" Anleihen, die für Institute attraktiv sind, die nach ESG-Kriterien (Env ironment, Social, Governance - Umwelt, Soziales und Unter nehmensführung) anlegen. 32 Die EU hat vorübergehend wieder einen aufsichtlic hen Korrekturposten (prudential filter) einge führt, um potenzielle negative Auswirkungen auf das Eigenkapital durch volatile Kurse von Anlei hen von Zentralregierungen zu beseitigen, und befr eit Staatsschulden in der Währung eines be liebigen EU-Landes, die die Banken halten, vorübergehend von Kapitalanforderungen und der Großkreditgrenze. Siehe Verordnung (EU) 2020/8 73 des Europäischen Parlaments und des Ra tes vom 24. Juni 2020 zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 575/2013 und (EU) 2019/876 aufgrund bestimmter Anpassungen infolge der COVID-19-Pandemie, Erwägungsgründe 15 und 21. 33 Falagiarda, Matteo, Prapiesti s, Algirdas, Rancoita, Elena (2020). Staatliche Kreditgarantien und Bankkreditvergabe während der Covid-19-Pan demie. Wirtschaftsbericht der EZB. Ausgabe 6/2020. September. Nach Angaben der EBA („First ev idence on the use of moratoria and public guarantees in the EU banking sector", November 2020) haben 99 EU-B anken bis Juni 2020 EUR 181 Mrd. an staatlich garantierten Krediten vergeben. 0 50 100 150 200 250 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20 Anleiheemissionen der EWU-Staaten (netto) Davon übernommen von den Banken im Euroraum Banken in der Corona-Krise: Wichtige Investoren für öffentliche Anleihen 24 Mrd. EUR Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 18 | 30. April 2021 EU-Monitor    In der EWU ist der Nexus zwischen Staat und Banken sogar noch komplizierter, weil Fiskalpolitik eine nationale Aufgabe ist, aber die Folgen nationaler Ent scheidungen, die Bürger und Steuerzahl er aller Mitgliedstaaten betreffen kön nen. Aus demselben Grund ist der Wettbew erb zwischen den Banken verzerrt. Banken, die stark in hochverzinsliche Anleihen von Staaten mit relativ schlech tem Rating investiert haben, müssen kein wertvolles Eigenkapital vorhalten, um die Risiken zu begrenzen. Wenn jedoch in einer schweren Krise aus den Risi ken Verluste werden, müssen die Banken im gesamten Euroraum wegen der Mechanismen der gemeinsamen Risikoübernahme (oder wegen politischer Ad hoc-Entscheidungen) mit für die Verluste aufkommen. Solche Mechanismen, die von allen Banken in der Bankenunion finanziert werden, sind der gemeinsame Abwicklungsfonds und (in Zukunft wahrscheinlich) EDIS. Das Problem kann sich dadurch verschärfen, dass Banken in Kr isenzeiten ihren Einsatz noch deutlich erhöhen, anstatt Risiken abzubauen: Während der Schuldenkrise im Euroraum flüchteten Banken in Krisenländern nicht in sichere Anlagen, sondern investier ten noch mehr in heimische Staatss chulden. Gründe dafür mögen die Suche nach höherer Rendite, aber auch Einfluss nahme der Politik und von Aufsichts behörden gewesen sein. Das Fehlen von Kapitalanforderungen für Positionen gegenüber der öffentlichen Hand schwächt also die staatliche Haushaltsdiszip lin. Die Bankenunion wird die europäische Integration vertiefen und die Banken we niger anfällig machen, aber nur, wenn eine rigorose Risikoreduzierung - nicht nur, aber auch bei Risiken aus der Staatsfinanzierung - einer weiteren gemein samen Risikoübernahme, wie durch EDIS, vorausgeht. Andernfalls könnte ein gegenseitiger Unterbietungswettlauf dr ohen. Erhöhte NPL-Quoten geben wei terhin Anlass zur Sorge und werden nach jahrelangem Fortschritt voraussicht lich wieder ansteigen. Notwendig ist eine Harmonisierung der Prozesse zur Ab wicklung und Sanierung von ausfallgefährd eten Krediten. Das Insolvenzrecht und die Besteuerung von Banken dürfen kein Hindernis für gleiche Wettbe werbsbedingungen sein. Risiken aus Forderungen gegenüber Staaten sollten durch Kapitalanforderun gen verringert werden, die sowohl auf dem Kreditrisiko als auch auf Konzentrati onsschwellen basieren. Obwohl eine Kapitalunterlegung die Banken niemals vollständig vor der Insolvenz eines Staates schützen kann, kann sie i) die Ban ken dazu zwingen, die Anleiherenditen und ihre Kapitalkosten abzuwägen (über Kreditrisikogewichte) und ii) ein übermäßiges Engagement in der Staatsfinanzie rung verhindern und somit die negativen Auswirkungen von vorübergehenden fiskalischen Problemen begrenzen (über Konzentrationsrisikogewichte). Letz tere sind nicht zuletzt deshalb wichtig, weil auch Länder mit hohem Rating in Schwierigkeiten geraten können und sich ih re Kreditwürdigkeit plötzlich ver schlechtern kann. Eine sorgfältige Kalib rierung solcher Kapitalanforderungen (einschließlich der Freibetragsgrenzen) ist definitiv erforderlich , einschließlich ei nes längeren Zeitraums für die Umsetzung. Die Berechnungen in dieser Studie sind eine nützliche Illustration, aber die verwendeten Zahlen sind nur beispiel haft und eher niedrig. Letztlich sollte die Regulierung die Banken davon abhalten, übermäßige Risiken in ihren Bilanzen aufzubauen, indem sie stark in Vermögenswerte investieren, die zwar risikoarm, aber keinesfalls risikolos sind. Im schlimmsten Fall können übergroße Forderungen eine tickende Zeitbombe sein, wie die Insolvenz Grie chenlands im Jahr 2012 auf drastische Weise gezeigt hat. Außerdem „könnte eine solche Reform, wenn sie klug und schrittweise umgesetzt wird, die Anreize für Regierungen erhöhen, das mit ihren eigenen Anleihen verbundene Risi koprofil zu reduzieren". 34 Langfristig könnte eine risi kosensitive Regulierung - und Bepreisung - von Staatsanleihen und -k rediten zu nachhaltigeren Staatsfi 34 Europäische Kommission (2017), S. 22. Staatsfinanzierung durch hei mische Banken - was tun? 19 | 30. April 2021 EU-Monitor    nanzen beitragen. Fiskalische Solidität und Disziplin ermöglichen es den Regie rungen, in einer Krise entschlossener zu handeln. Eine Eindämmung der Forde rungen gegenüber dem Heimatstaat würde daher nicht nur die Widerstandsfä higkeit des Bankensektors in Europa er höhen, sondern auch die Europäische Währungsunion als Ganzes stärken. Heike Mai (+49 69 910 31444, heike.mai@db.com)      EU-Monitor Unsere Publikationen finden Sie unentgelt lich auf unserer Internetseite www.dbrese arch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Staatsfinanzierung durch heimische Banken - was tun? Risiken reduzieren, um die EU-Bankenunion zu stärken 30. April 2021  EU-Krisenpaket: Erhöhte Haushaltsobergrenze und (neue) Einnahmequellen für die EU ..................... 13. August 2020  Digitalpolitik: KI, Big Data und die Zukunft der Demokratie ...... 12. September 2019  Libra - eine globale Herausforderung im Zahlungsverkehr und für Zentralbanken? .............. 21. August 2019  Künstliche Intelligenz im Bankensektor: Ein bisher kaum genutzter Hebel für Rentabilität ............... 4. Juli 2019  Digitalsteuer: Skepsis angebracht ..................................... 2. Mai 2019  3D-Druck: Starkes Wachstum in der Nische .................... 2. April 2019 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage , Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einsc hätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih rer assoziierten Unternehmen entspricht. All e Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg ISSN (Print): 1612-0256; ISSN (Online): 1612-0264 Press Quality.joboptions << /ASCII85EncodePages false /AllowTransparency false /AutoPositionEPSFiles true /AutoRotatePages /None /Binding /Left /CalGrayProfile (Dot Gain 20%) /CalRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CalCMYKProfile (U.S. Web Coated \050SWOP\051 v2) /sRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CannotEmbedFontPolicy /Error /CompatibilityLevel 1.4 /CompressObjects /Tags /CompressPages true /ConvertImagesToIndexed true /PassThroughJPEGImages true /CreateJobTicket false /DefaultRenderingIntent /Default /DetectBlends true /DetectCurves 0.0000 /ColorConversionStrategy /CMYK /DoThumbnails false /EmbedAllFonts true /EmbedOpenType false /ParseICCProfilesInComments true /EmbedJobOptions true /DSCReportingLevel 0 /EmitDSCWarnings false /EndPage -1 /ImageMemory 1048576 /LockDistillerParams false /MaxSubsetPct 100 /Optimize true /OPM 1 /ParseDSCComments true /ParseDSCCommentsForDocInfo true 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