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21. August 2012
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Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 haben die Banken des Euroraums ihre Aktivitäten auf dem amerikanischen Markt sukzessive reduziert und teilweise anderen Instituten überlassen. So konnten vor allem Banken aus Kanada, Japan und einigen Schwellenländern ihr US-Geschäft deutlich ausbauen. [mehr]
Europäische Banken in den USA auf dem Rückzug Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Europäische Banken in den USA auf dem Rückzug 21. August 2012 Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 haben die Banken des Euroraums ihre Aktivitäten auf dem amerikanischen Markt sukzessive reduziert und teilweise anderen Instituten überlassen. So konnten vor allem Banken aus Kanada, Japan und einigen Schwellenländern ihr US-Geschäft deutlich ausbauen. Vor der Krise hatten die europäischen Banken ihr Engagement in den USA stetig erweitert. Die Bilanzsumme der Euroraum-Banken stieg bis September 2007 auf über USD 1,5 Bill. und erreichte damit 50% aller von ausländischen Banken gehaltenen US-Aktiva. Seitdem ist dieser Anteil auf nur noch 30% (USD 973 Mrd.) gefallen. Deutsche Banken verringerten ihr Geschäftsvolumen in den USA auf USD 267 Mrd. – womit es auf dem tiefsten Stand seit 2004 liegt. Auch niederländische Banken kürzten ihre US-Aktiva in den vergangenen fünf Jahren um fast 70%. Institute aus Belgien und Irland stellten ihre US-Aktivitäten beinahe vollständig ein. Lediglich französische und spanische Banken widerstanden zunächst dem allgemeinen Abwärtstrend und weiteten ihr Geschäft in den USA noch bis Ende 2008 aus, wodurch französische Banken deutsche Institute innerhalb des Euroraums als wichtigster Gläubiger der US-Volkswirtschaft ablösten (allerdings sanken nach einigem Auf und Ab 2009 und 2010 zuletzt auch die US-Aktiva französischer Banken). Angesichts des erheblichen Drucks auf den gesamten EU- Bankensektor, seine Eigenkapitalausstattung zu verbessern und das Augenmerk wieder stärker auf den Heimatmarkt zu richten, kommt der teilweise Rückzug europäischer Banken aus den USA wenig überraschend. In Deutschland ist vor allem bei Landesbanken, die im Zuge der Finanzkrise auf staatliche Hilfen angewiesen waren, ein Rückgang ihres US-Engagements zu verzeichnen. Im Ergebnis konzentriert sich das deutsche US- Geschäft nun auf einige wenige (private) Finanzinstitute. Auch belgische, irische und niederländische Banken dürften in Folge der für sie besonders schweren Finanzkrise ihr Geschäft in den USA drastisch zurückgefahren haben. Mit Blick auf die für die meisten europäischen Institute auch weiterhin angespannte Refinanzierungssituation in US-Dollar scheint zudem ein weiterer Rückzug der Euroraum-Banken in der nächsten Zeit sehr wahrscheinlich (aus denselben Gründen reduzieren EU-Banken auch ihr Engagement in Asien). Während sich die Banken des Euroraums zuletzt wieder verstärkt ihren Heimatmärkten zugewandt haben, nutzten kanadische und japanische Institute die Gelegenheit, ihre Position auf dem amerikanischen Markt deutlich auszubauen. Verglichen mit der Zeit vor der Krise konnten kanadische Banken ihre US-Aktiva auf USD 655 Mrd. mehr als verdoppeln. Auch japanische Institute erhöhten ihr Geschäftsvolumen auf USD 487 Mrd. Gemeinsam kommen die Banken beider Länder mittlerweile auf eine größere Bilanzsumme in Amerika als alle Euroraum-Banken zusammen. Einen Grund für diesen Anstieg dürften die traditionell engen bilateralen Beziehungen zu den USA darstellen. Des Weiteren überstanden die Finanzsysteme sowohl in Kanada als auch in Japan die jüngste Krise relativ unbeschadet. Aktueller Kommentar Seite 2 von 3 Neben kanadischen und japanischen Banken haben auch Institute aus Brasilien, Indien und China den amerikanischen Markt stärker ins Visier genommen. Obwohl sie bislang nur einen sehr begrenzten Marktanteil erreichen, ist es doch beachtlich, wie schnell sie gegenüber etablierten Wettbewerbern aufgeholt haben: Zusammengenommen haben sich die US-Aktiva der Banken aus den drei Schwellenländern in den letzten fünf Jahren verneunfacht. Zudem ist mit einer weiteren Fortsetzung dieses Trends zu rechnen, da sich die US-Konjunktur relativ positiv entwickelt und große Banken aus Schwellenländern zunehmend nach internationaler Diversifizierung streben. Trotz all dieser Veränderungen ist der aggregierte Marktanteil aller ausländischen Banken in den USA in den letzten Jahren überraschend stabil geblieben. Seit 2007 liegt er bei rund 23%, aktuell bei 23,5%. Der im internationalen Vergleich relativ hohe Anteil ist ein Zeichen für die Attraktivität und Offenheit des US- Marktes und erst recht eindrucksvoll bei Berücksichtigung der absoluten Marktgröße. In Deutschland beispielsweise beträgt der Anteil ausländischer Banken – trotz des europäischen Binnenmarktes und des Euro – lediglich 11%. Wie robust der hohe Anteil ausländischer Banken am amerikanischen Markt wirklich ist, wird sich jedoch demnächst erst noch zeigen, da auch einheimische Institute in die von den Europäern hinterlassenen Lücken vorstoßen wollen. Im Gegensatz zu ihren europäischen Konkurrenten sind die meisten US-Banken heute wieder sehr profitabel und haben bereits begonnen, die Kreditvergabe wieder auszuweiten. Auch einheimische Banken könnten somit in den nächsten Jahren krisengebeutelten europäischen Instituten Geschäft abjagen – sei es durch organisches Wachstum oder über Zukäufe von US-Portfolios.   Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...       ...mehr zum Research-Bereich Banken, Finanzmärkte und Regulierung Aktuelle Kommentare - Archiv     Jan Schildbach (+49) 69 910-31717 Claudius Wenzel Aktueller Kommentar Seite 3 von 3 © Copyright 2012. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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