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9. Januar 2020
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Die europäischen Banken kämpfen weiterhin darum, nicht noch mehr zurückzufallen. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 lagen Erträge und Kosten auf dem Niveau des Vorjahres. Bemerkenswerterweise stieg der Zinsüberschuss trotz der noch niedrigeren Zinsen an. Die Kreditrisikovorsorge legte nach Rekordtiefständen leicht zu. Der Nettogewinn ging moderat zurück, blieb aber solide. Das Bilanzwachstum war so stark wie seit Jahren nicht mehr – die Banken müssen sich gegen eine Reihe neuer Konkurrenten behaupten. Prägende Themen für das Jahr 2020 dürften neben Bemühungen um eine Verbesserung der Ertragslage auch die Umsetzung von Basel IV, die anhaltenden geopolitischen Risiken sowie eine schwache Konjunktur sein. [mehr]
PROD0000000000503621 1   |    9. Januar 2020Aktueller Kommentar 9. Januar 2020 Europäische Banken Schwieriges Jahr vorüber, schwieriges Jahr voraus Die europäischen Banken kämpfen weiterhin darum, nicht noch mehr zurückzu­ fallen. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 lagen Erträge und Kosten auf dem Niveau des Vorjahres. Bemerkenswerterweise stieg der Zinsüber­ schuss trotz der noch niedrigeren Zinsen an. Die Kreditrisikovorsorge legte nach Rekordtiefständen leicht zu. Der Nettogewinn ging moderat zurück, blieb aber solide. Das Bilanzwachstum war so stark wie seit Jahren nicht mehr – die Banken müssen sich gegen eine Reihe neuer Konkurrenten behaupten. Prä­ gende Themen für das Jahr 2020 dürften neben Bemühungen um eine Verbes­ serung der Ertragslage auch die Umsetzung von Basel IV, die anhaltenden geo­ politischen Risiken sowie eine schwache Konjunktur sein. Zu Beginn des neuen Jahres blickt die europäische Bankenbranche auf ein Jahr mit insgesamt solider Profitabilität zurück. Zugleich wird es für sie auch im neuen Jahr darum gehen, einen Rückgang der Erträge zu vermeiden und sich gegen Angriffe neuer Konkurrenten zu wehren. Die Neun-Monats-Ergebnisse 2019 der 20 wichtigsten Institute unterstreichen dieses ausgesprochen ge­ mischte Bild. Erträge und Kosten lagen auf dem Niveau des Vorjahres. Das Wachstum des Zinsüberschusses beschleunigte sich weiter (+2,5%). Der Ge­ genwind aus negativen Zinsen und sinkenden Margen wurde durch das eben­ falls deutlich anziehende Volumenwachstum mehr als wettgemacht. Bei der Bi­ lanzsumme betrug das Plus Ende September bemerkenswerte 7% gegenüber Vorjahr, bei den Risikoaktiva (RWA) 6% und beim Eigenkapital 5%. Eine trei­ bende Kraft war das Kreditgeschäft – im Euroraum lagen die ausstehenden Kredite aller Banken an den privaten Sektor 2,7% über dem Vorjahreswert. Das ist das beste Ergebnis seit 2011. Schwache Ertragskomponenten sind nach wie vor das Handelsergebnis (-15% bei den größten europäischen Banken) sowie der Provisionsüberschuss (-1%). Im Gegensatz zu den letzten Jahren profitieren die Banken nicht mehr von einer Verbesserung der Kreditqualität. Der Rückenwind aus der immer geringeren Ri­ sikovorsorge hat sich gedreht und in einen – geringfügigen – Gegenwind ver­ wandelt (+14%). Unter dem Strich stieg die Aufwand-Ertrag-Relation um einen %-Punkt auf 63%. Der Gewinn nach Steuern ging um 15% zurück, allerdings von einem recht robusten Niveau aus – 2018 war das beste Jahr für europäi­ sche Banken seit der Finanzkrise. Erträge der größten europäischen Banken* Quellen: Unternehmensberichte, Deutsche Bank Research Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Jan Schildbach +49(69)910-31717 jan.schildbach@db.com Europäische Banken 2   |    9. Januar 2020Aktueller Kommentar Englische Übersetzung vom 19. Dezember 2019: ˮTough year over, tough year ahead for European banksˮ Die Banken sind noch immer dabei, ihre Geschäftsmodelle an die neuen regu­ latorischen Rahmenbedingungen anzupassen. Diese messen nicht­risikosensi­ tiven Indikatoren zulasten risikogewichteter Kapitalquoten eine größere Bedeu­ tung bei. Daher überrascht es nicht, dass sich die Banken auf die Stärkung der Leverage Ratio konzentrierten. Diese stieg um 0,2 %­Punkte auf durchschnitt­ lich 4,9% (bei Vollanwendung von Basel III). Gleichzeitig sank die harte Kernka­ pitalquote um 0,3 %-Punkte auf 13,5%, was aber immer noch komfortabel ist. Eine durchschnittliche Mindestliquiditätsquote (LCR) von 150% (+2 %-Punkte) zeugt von hoher Widerstandsfähigkeit im Fall von erneuten Turbulenzen am Fi­ nanzmarkt. Aber sie hat auch ihren Preis: Der Einlagenzinssatz der EZB liegt bei ­0,5%; die Renditen an den europäischen Anleihemärkten sind häufig nega­ tiv. Welche Themen stehen auf der Agenda der europäischen Banken in diesem Jahr voraussichtlich ganz oben? i) Auf jeden Fall die Stabilisierung und Steige­ rung der Erträge. Die nominalen Erträge liegen immer noch unter dem Niveau vor der Finanzkrise. Der Gegenwind durch negative Zinsen und schrumpfende Margen ist beträchtlich. Aber die Banken müssen davon ausgehen, dass das aktuelle Umfeld noch viele Jahre anhalten wird. ii) Die Europäische Kommission wird voraussichtlich im Sommer Vorschläge dazu veröffentlichen, wie die end­ gültigen Basel III/Basel IV­Regeln in europäisches Recht umgesetzt werden sol­ len. Der Output­Floor, also die Mindesthöhe der Risikoaktiva nach dem Stan­ dardansatz, dürfte einigen Banken, die derzeit interne Risikomodelle verwenden und bei denen die Ergebnisse besonders stark vom Standardansatz abweichen, Probleme bereiten. iii) Die geopolitischen Risiken bleiben hoch. Im Handels­ krieg zwischen den USA und China kam es zwar zu einem vorübergehenden Waffenstillstand; der Streit kann aber jederzeit wieder eskalieren. Der Brexit wird bald vollzogen. Für Ende 2020, wenn die Übergangszeit zu Ende gehen soll, droht erneut ein harter Bruch. iv) Die europäische Wirtschaft ist immer noch schwach und anfällig für einen plötzlichen Einbruch. v) Technologieunter­ nehmen steigen zunehmend in das Kerngeschäft der Banken ein. Sowohl Start- ups als auch etablierten großen Akteuren ist es mittlerweile in vielen Fällen ge­ lungen, einzelne Elemente der traditionellen Wertschöpfungskette der Univer­ salbanken zu übernehmen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren noch verstärken. In diesem Umfeld lässt der Druck auf die europäischen Banken nicht nach. Es fehlt ihnen an fundamentalen Wachstumstreibern, und im Gegensatz zu ihren amerikanischen Konkurrenten bekommen sie Gegenwind von der Geldpolitik, der Fiskalpolitik, der Strukturpolitik und der Regulierung. Andererseits sind die meisten europäischen Banken deutlich schlanker geworden. Sie investieren in neue Technologien, verfügen über eine starke Kapital­ und Liquiditätsausstat­ tung und sind wieder hinreichend profitabel. Dennoch stehen die europäischen Banken 2020 vor ähnlich großen Herausforderungen wie in den vergangenen Jahren.   Europäische Banken 3   |    9. Januar 2020Aktueller Kommentar © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessen­ heit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaub­ nis zur Erbringung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zen­ tralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird die­ ser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. 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