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30. September 2019
Angesichts der zunehmenden Nutzung von Online- und Mobile-Banking steht die Zukunft der Bankfilialen seit einiger Zeit auf dem Prüfstand. Neben dem allgemeinen Trend können regionale Unterschiede bei der Nachfrage nach Filialdienstleistungen einen wichtigen Einfluss auf das künftige Filialnetz haben. Strukturell weniger Kundenbesuche in bestimmten Regionen könnten den Druck erhöhen, Filialen zu schließen. In Deutschland ist die Zahl der Bankfilialen deutlich gesunken – von ungefähr 40.000 im Jahr 2007 auf etwa 28.000 im Jahr 2018. [mehr]
PROD0000000000500567 1   |    30. September 2019Aktuelle Grafik 30. September 2019 Entfernung zur lokalen Bankfiliale spielt für die Deutschen eine wichti­ ge Rolle Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Orçun Kaya +49(69)910-31732 orcun.kaya@db.com Angesichts der zunehmenden Nutzung von Online- und Mobile-Banking steht die Zukunft der Bankfilialen seit einiger Zeit auf dem Prüfstand. Neben dem all­ gemeinen Trend können regionale Unterschiede bei der Nachfrage nach Filial­ dienstleistungen einen wichtigen Einfluss auf das künftige Filialnetz haben. Strukturell weniger Kundenbesuche in bestimmten Regionen könnten den Druck erhöhen, Filialen zu schließen. In Deutschland ist die Zahl der Bankfilia­ len deutlich gesunken – von ungefähr 40.000 im Jahr 2007 auf etwa 28.000 im Jahr 2018. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, Kundenbesuche in Filialen und regionale Unterschiede näher zu betrachten. Wir greifen dazu auf einen eigenen Daten­ satz zurück, der auch den Anteil der Kunden beinhaltet, die ihre lokale Bankfilia­ le mindestens einmal jährlich besuchen. Wichtig ist, dass wir einen Besuch nur zählen, wenn der Kunde einen Termin vereinbart hat und mit einem Bankmitar­ beiter sprechen will. Reine SB-Aktivitäten wie Abhebungen am Geldautomaten werden nicht berücksichtigt. Zur Lokalisierung der Kunden verwenden wir die ersten zwei Ziffern der Postleitzahl. Damit werden die Daten erheblich aggre­ giert und die Aussagekraft auf der Mikroebene ist begrenzt.   Besuche in Bankfilialen in Deutschland Quelle: Deutsche Bank Deutsche Bank Research Entfernung zur lokalen Bankfiliale spielt für die Deutschen eine wichtige Rolle 2   |    30. September 2019Aktuelle Grafik Auf den ersten Blick sind deutliche regionale Unterschiede zu erkennen. In Re­ gionen mit geringerer Bevölkerungsdichte ist die Anzahl der Filialbesuche ten­ denziell niedriger. In Teilen Mecklenburg­Vorpommerns und Brandenburgs bei­ spielsweise, wo die Einwohnerzahl pro km2 im deutschlandweiten Vergleich am niedrigsten ist, gibt es im Durchschnitt weniger Filialbesuche (ungefähr 25% der Kunden besuchen eine Filiale). Im Gegensatz dazu liegt die Zahl der Besucher in den dicht besiedelten Bundesländern Nordrhein­Westfalen, Baden­Württem­ berg oder Hessen deutlich höher (bis zu 40% der Kunden). In den größten Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt besuchen Kunden inter­ essanterweise seltener eine Filiale. Das könnte darauf hinweisen, dass der po­ sitive Zusammenhang zwischen Besuchen und Bevölkerungsdichte nicht linear verläuft. Es scheint ein Muster in Form eines umgekehrten U zu geben: Die An­ zahl der Besuche steigt mit höherer Bevölkerungsdichte bis zu einem bestimm­ ten Punkt und sinkt danach in Ballungszentren wieder – vermutlich aufgrund der jüngeren und damit eher technologieaffinen Stadtbevölkerung. Die Entfernung zur nächsten Filiale könnte ein Grund dafür sein, warum weni­ ger Deutsche in abgelegenen, d.h. dünner besiedelten Gegenden eine Bankfi­ liale aufsuchen.[1] Dabei kommen zwei Faktoren zusammen: erstens die allge­ mein niedrigere Bevölkerungsdichte in Ostdeutschland und zweitens eine nied­ rigere Filialdichte im Verhältnis zur Bevölkerung. Es gibt im Osten nur 30 Filia­ len pro 100.000 Einwohner; in Westdeutschland sind es 45 (die aktuellsten Zah­ len stammen allerdings aus dem Jahr 2013). Das bedeutet, dass die Anzahl der Filialen pro km2 im Osten (0,07) deutlich niedriger ist als im Westen (0,2). Folg­ lich müssen Kunden in Ostdeutschland im Durchschnitt 13 km zur nächsten Bankfiliale fahren, während es in Westdeutschland nur 9 km sind. Weniger Fili­ albesuche wiederum können einen Nebeneffekt verursachen: die stärkere Nut­ zung von Online-Banking. Und tatsächlich erledigt in Sachsen, Thüringen oder Schleswig-Holstein ein größerer Anteil der Kunden Bankgeschäfte online als in Baden­Württemberg oder Nordrhein­Westfalen.[2] Während eine größere Ent­ fernung also eher dazu beiträgt, dass die Anzahl der Filialbesuche sinkt, dürfte sie gleichzeitig die verstärkte Nutzung von Online-Alternativen in Deutschland befördern. Daraus könnte ein Teufelskreis entstehen: Filialschließungen führen zu weniger Filialbesuchen und diese wiederum zu mehr Filialschließungen. Vgl. auch: „Wer geht noch in die Bankfiliale?“ [1] KfW Research (2015), 25 Jahre freier Bankenmarkt in Ostdeutschland – Deutlicher Rückbau seit Wiedervereinigung, Fokus Volkswirtschaft, Nr. 99. [2] Postbank Studie (2016), Deutsche wollen Online-Banking und Filiale       Deutsche Bank Research Entfernung zur lokalen Bankfiliale spielt für die Deutschen eine wichtige Rolle 3   |    30. September 2019Aktuelle Grafik © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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