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11. Juli 2012
Die deutsche Energiewende zielt weit über den verordneten, beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergieerzeugung hinaus. Sie eröffnet Kommunen und Stadtwerken neue Handlungsfelder für die Energiebereitstellung, im Wärmemarkt sowie im Verkehrssektor. Angesichts des sehr hohen Investitionsbedarfs wird deutlich, dass die begrenzten Budgets der Kommunen und Stadtwerke der wichtigste Engpass für die regional unverzichtbare Energiewende sind. Für die Mittelverwendung sollte daher entscheidend sein, welche Maßnahmen die Energiewende insgesamt am meisten forcieren. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht per se miteinander vereinbar sind. [mehr]
Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke Aktuelle Themen Natürliche Ressourcen Die deutsche Energiewende zielt weit über den verordneten, beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergieerzeugung hinaus. Um die vielen energie- und klimapolitischen Ziele bewältigen zu können, müssen in Deutschland in den nächsten Jahren mindestens EUR 30 Mrd. pro Jahr u.a. in erneuerbare Ener- gien, konventionelle Kraftwerke, Netze, Speicher, energieeffiziente Gebäude und alternative Antriebe investiert werden – eine große Herausforderung. Die Energiewende eröffnet Kommunen und Stadtwerken neue Handlungsfelder für die Energiebereitstellung, im Wärmemarkt sowie im Verkehrssektor. Am stärksten dürften Kommunen und Stadtwerke auf die Elektrizitätsversorgung einwirken; auch im Wärmesegment verfügen sie über geeignete Instrumente. Im Verkehrssektor sind dagegen übergeordnete Gebietskörperschaften besser in der Lage, durch umweltpolitische Maßnahmen die Energieeffizienz zu erhöhen. Angesichts des sehr hohen Investitionsbedarfs wird deutlich, dass die begrenz- ten Budgets der Kommunen und Stadtwerke der wichtigste Engpass für die regional unverzichtbare Energiewende sind. Das gilt vor allem für Investitionen in jene Projekte, die nicht durch Zuschüsse übergeordneter Gebietskörperschaf- ten gefördert werden und/oder eine lange Amortisationszeit haben. Für die Mittelverwendung sollte daher entscheidend sein, welche Maßnahmen die Energiewende insgesamt am meisten forcieren. Dabei ist zu berücksichti- gen, dass ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht per se miteinander vereinbar sind. Abzulehnen sind eine dauerhafte Priorisierung der ökologischen Komponente des Dreiklangs der Nachhaltigkeit sowie eine Doppelförderung bestimmter Technologien. Autor en Josef Auer +49 69 910-31878 josef.auer@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Editor Antje Stobbe Deutsche Bank AG DB Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann | Bernhard Speyer 11. Juli 2012 Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 0 10 20 30 40 50 60 Klima/Energie Instandhaltung von Infrastruktur Haushaltskonsolidierung Demografischer Wandel Wirtschaftsförderung/Arbeitsplätze Mobilität/Verkehr Stadtplanung/Stadtentwicklung Bildung Naturschutz Sozialtransfers Integration von Zuwanderern Kommunen halten Klima - und Energiethemen für sehr wichtig DX Quelle: Institut für den öffentlichen Sektor Mittelfristig wichtige Themen für Kommunen* * Umfrage unter 118 größeren Kommunen; Mehrfachnennungen möglich. Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 2 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Energiewende und Klimaschutz: Die wichtigsten Ziele In Deutschland wird der Begriff der Energiewende in der öffentlichen Wahrneh- mung gelegentlich auf den letztjährigen Beschluss eines beschleunigten Aus- stiegs aus der Kernenergieerzeugung nach der Reaktorkatastrophe im japani- schen Fukushima begrenzt. Dabei ist die Energiewende sehr viel umfassender und reicht deutlich länger zurück. So rückten die Themen Energieeffizienz und Abhängigkeit von fossilen Energieträgern (v.a. Erdöl) bereits in den 1970er Jah- ren im Zuge der ersten Ölkrise in den Fokus. Und im Jahr 2000 wurde das Ende der Kernenergie in Deutschland vereinbart. Der im Energiekonzept der aktuellen Bundesregierung im Herbst 2010 vorgesehene „Ausstieg aus dem Ausstieg“ war aus heutiger Sicht nur eine kurze Unterbrechung des ursprünglichen Plans, sieht man davon ab, dass der Ausstieg 2000 das Ergebnis einer freiwilligen Vereinbarung war, dagegen 2011 ein bindender politischer Beschluss. Auf das Jahr 2000 datiert auch die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), mit dem in Deutschland der Ausbau Erneuerbare Energien massiv ge- fördert und beschleunigt wurde. Ferner sind Vorgaben zur Effizienz von Gebäu- den oder Einsparungen im Verkehrssektor nicht neu. Exemplarisch sei das Inte- grierte Energie- und Klimaschutzprogramm von Meseberg von 2007 genannt. Zudem stehen die Klimaschutzziele der Bundesregierung sowie Deutschlands Rolle in der EU Klimapolitik schon seit einigen Jahren in Grundzügen fest. Dennoch: Der beschleunigte Ausstieg aus der Kernenergie ist eine Zäsur für den Industriestandort Deutschland, denn erstmals verfolgen alle wichtigen poli- tischen Parteien die gleichen Ziele. Deshalb sind die Chancen jetzt günstig, dass die erforderlichen Investitionen in die Energieversorgung, den Ausbau von Netzen und Speichern und andere Maßnahmen zeitlich nach vorne gezogen werden. Deutschlands Energiewende wird in vielen Staaten der Erde aufmerk- sam beobachtet. Gelingt es einem industrialisierten Land mit einem beträchtli- chen Energieverbrauch und immer noch recht hohen Emissionen, die ambitio- nierten Ziele zu erreichen, ohne die Energieversorgungssicherheit zu gefähr- den, ohne einen massiven Energiepreisanstieg zu verursachen und ohne insbe- sondere die stromintensiven Industriezweige zu vertreiben? Weniger CO 2 , mehr Erneuerbare, mehr Energieeffizienz Es lohnt sich, die Herausforderungen zu skizzieren, denen sich Deutschland bezüglich Energiewende und Klimaschutz in einem großen politischen Konsens stellen will. Die wichtigsten energie- und klimapolitischen Ziele lauten: — Deutschland möchte seine CO 2 -Emissionen bis 2020 um 40% gg. 1990 und bis 2050 um mindestens 80% senken. — Bis spätestens 2022 soll der Ausstieg aus der Kernenergie erfolgt sein. — Der Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch soll von 12% (2011) auf mindestens 18% im Jahr 2020 und 60% im Jahr 2050 steigen. — Bei Strom soll der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch von 20% (2011) auf mindestens 35% im Jahr 2020 und 80% (2050) zunehmen. — Die Energieeffizienz soll in Deutschland deutlich erhöht werden. So soll der Primärenergieverbrauch bis 2050 um 50% (gg. 2008) schrumpfen; der Stromverbrauch soll bis dahin um 25% zurückgehen. — Die Sanierungsquote für Gebäude im Bestand soll von derzeit unter 1% auf 2% pro Jahr erhöht werden. Der Primärenergiebedarf von Gebäuden soll bis 2050 um 80% sinken. — Im Verkehr soll der Endenergieverbrauch bis 2050 um 40% (gg. 2005) schrumpfen. 50 60 70 80 90 100 110 90 93 96 99 02 05 08 11 14 17 20* Emissionen sinken 1 Treibhausgasemissionen in Deutschland, 1990=100 * Zielwert 2020: -40% gg. 1990 Quelle: BMU 0 5 10 15 20 90 95 00 05 10 15 20* Erneuerbare werden wichtiger 2 Quellen: AG Energiebilanzen, BMU * Zielwert 2020: 18% Anteil der erneuerbaren Energien am End - energieverbrauch in Deutschland, % 0 10 20 30 40 90 95 00 05 10 15 20* Mehr Strom aus Erneuerbaren 3 Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung in Deutschland, % * Zielwert 2020: mindestens 35% Quellen: AG Energiebilanzen, BMU Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 3 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Fast alle Ziele der so genannten Energiewende wurden bereits „vor Fukushima“ im deutschen Energiekonzept vom Herbst 2010 formuliert und blieben anschlie- ßend unverändert. Gleichwohl kam es nach dem Unfall teilweise zu einer neuen Akzentuierung in der deutschen Energiepolitik. Zu den wichtigsten Änderungen nach Fukushima gegenüber dem Energiekonzept von 2010 zählt – neben dem erwähnten Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergieerzeugung – die erst- malige Betonung von Erdgas als Stromquelle. Nach dem Willen der Bundesre- gierung sollen regelbare und grundlastfähige Gaskraftwerke – zusammen mit Erneuerbaren – die Versorgungslücke schließen, die durch den gegenüber dem Energiekonzept schnelleren Ausstieg aus der Kernenergie entsteht. Im ur- sprünglichen Energiekonzept von 2010 wurde Erdgas kaum erwähnt. Sehr hohe Investitionen erforderlich Energiewende und Klimaschutz sind nicht zum Nulltarif zu haben – im Gegen- teil: In den kommenden Jahren müssen umfangreiche Investitionen getätigt werden, um die genannten Ziele zu erreichen. Die Dimension des Vorhabens wird deutlich, wenn man sich die Schätzungen zum Investitionsbedarf verge- genwärtigt, die freilich mit vielerlei Unsicherheiten behaftet sind: — Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des BMU werden die jährlichen In- vestitionen in erneuerbare Energien (Strom und Wärme) in einer Größen- ordnung von EUR 17 bis 19 Mrd. liegen. 1 — Hinzu kommen Investitionen in fossile Kraftwerke (u.a. zur Sicherung der Grundlast) in Höhe von etwa EUR 4 Mrd. pro Jahr bis 2015 sowie etwa EUR 2 Mrd. jährlich in der Zeit von 2015 bis 2020; anschließend sinken die Investitionen auf etwa EUR 1 Mrd. pro Jahr. — Die Kosten für den aufgrund der Energiewende notwendigen zusätzlichen Ausbau der Stromnetze belaufen sich laut dieser Studie auf gut EUR 2 Mrd. pro Jahr bzw. über EUR 40 Mrd. bis 2030 (Transport- und Verteilnetze). — Um die Schwankungen der erneuerbaren Energie besser glätten zu können, müssen moderne Energiespeicher gebaut werden. Hierfür müssen in Deutschland laut einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research in den kommenden beiden Dekaden rd. EUR 30 Mrd. investiert werden. 2 — Etwa 40% des Energiebedarfs und rd. ein Drittel der CO 2 -Emissionen in Deutschland entfallen auf Gebäude. In diesem Bereich liegen enorme Ein- sparpotenziale. Allein die notwendigen Investitionen zur energetischen Sa- nierung von Wohngebäuden belaufen sich laut DB Research – je nach Sa- nierungsquote und unterstelltem Effizienzstandard – auf etwa EUR 3 bis 10 Mrd. pro Jahr (bis 2030). 3 — Auch im Verkehrssektor werden Investitionen zur Verringerung des Ener- gieverbrauchs getätigt, die freilich – wie auf allen anderen Energienut- zungsebenen auch – nicht allein auf die Energiewende zurückzuführen sind. So entfällt etwa die Hälfte der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der deutschen Automobilindustrie in Höhe von rd. EUR 20 Mrd. pro Jahr auf die Verbesserung der Energieeffizienz der Antriebe. 4 1 Vgl. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt et al. (2012). Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung 2 Vgl. Auer, Josef und Jan Keil (2012). Moderne Stromspeicher. Unverzichtbare Bausteine der Energiewende. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. 3 Vgl. Auer, Josef et al. (2008). Bauen als Klimaschutz. Warum die Bauwirtschaft vom Klimawandel profitiert. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen 433. Frankfurt am Main. 4 Vgl. Verband der Automobilindustrie e.V. (2011). Jahresbericht 2011. Berlin. 11,7 8,8 10,9 34 20,4 12,6 1,6 Braunkohle Kernenergie Erneuerbare* Mineralöl Erdgas Steinkohle Sonstige Erdöl nach wie vor wichtigster Energieträger 4 Anteile am Primärenergieverbrauch in Deutschland, 2011, % * Rd. 69% der Erneuerbaren entfallen auf Bioenergien Quelle: AG Energiebilanzen 13,7 19,9 24,9 17,6 18,6 5,3 Erdgas Erneuerbare Braunkohle Kernenergie Steinkohle Sonstige Fossile Energieträger dominieren noch, Erneuerbare schon vor Kernenergie 5 Anteile an der Bruttostromerzeugung in Deutschland, 2011, % Quelle: AG Energiebilanzen Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 4 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Welche Rolle spielen Kommunen? Schon heute ist zu erkennen, dass viele der geplanten Maßnahmen nur dann realisiert werden können, wenn sie staatlich gefördert werden. Dies hat Folgen für den Wettbewerb im Energiesektor. Zwar dürfte durch die dezentralere Ener- gieversorgung die Zahl der Anbieter im Strom- und Wärmemarkt steigen, was für mehr Wettbewerb spricht. Gleichzeitig verzerren Subventionen für einzelne Energieerzeugungsformen jedoch den Wettbewerb zwischen den Energieträ- gern. Zudem werden die Mittel häufig nicht nach dem höchsten ökologischen Zielerreichungsgrad eingesetzt. Letztlich wird der Einfluss des Staates im Ener- giemarkt in den nächsten Jahren zunehmen. In der vorliegenden Studie möchten wir untersuchen, welche Rolle die Kommu- nen in diesem Zusammenhang einnehmen. Unbestritten ist natürlich, dass in vielen Bereichen, die die Energiewende betreffen, auch private Unternehmen attraktive Angebote unterbreiten und im Wettbewerb bestehen können. Es ist auch offensichtlich, dass Kommunen nur schwer gezwungen werden können, in diesen Gebieten aktiv zu werden und dass wir daher vor allem mögliche Hand- lungsoptionen diskutieren. Hier interessiert uns aber die Frage, welche Chancen und Herausforderungen aus der Energiewende für Kommunen resultieren. Wel- che Instrumente haben Kommunen, um die genannten Ziele zu erreichen? Wir wollen aber auch der Frage nachgehen, in welchen Bereichen der übergeordne- te regulatorische Rahmen (z.B. vom Bund) bereits ausreichend ist und nicht unbedingt ein zusätzlicher kommunaler Handlungsbedarf besteht. Wir konzent- rieren uns auf die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr. Dabei sind die Bezüge zu den oben genannten Zielen unterschiedlich stark. Die Erhöhung der Ener- gieeffizienz ist in allen Bereichen ein wichtiges Thema. Der Zielwert für Erneu- erbare in der Stromversorgung muss naturgemäß auch dort erreicht werden. Insbesondere im Wärmemarkt spielt wiederum das CO 2 -Ziel eine große Rolle. Strom und Gas: Viele Handlungsfelder Erst Privatisierung, … Über Dekaden zählte es zu den kommunalen Standardaufgaben, die Elektrizi- täts- und Gasversorgung auf lokaler und regionaler Ebene zu organisieren. Per Saldo erreichten die Stadtwerke wichtige energiewirtschaftliche Ziele (z.B. in puncto Versorgungssicherheit und Netzausbau). Nicht zuletzt ordnungspoliti- sche Eingriffe wie der Gebietsschutz hielten die Risiken der lokalen Investoren klein. Allerdings wurde die besonders hohe Investitionssicherheit in dieser Mo- nopolphase – nach Auffassung vieler Wissenschaftler und Teile der Politik – relativ teuer erkauft, mussten die heimischen Energiekunden im internationalen Vergleich doch vergleichsweise hohe Strom- und Gaspreise bezahlen. Die Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte Ende der 1990er Jahre in Deutschland und dem europäischen Ausland zielte auf eine preiswertere Ener- gieversorgung ab. Indem die Marktöffnung erstmals richtigen Wettbewerb bei den leitungsgebundenen Energien ermöglichte, setzte sie der bisherigen Mono- polphase ein abruptes Ende und brachte die angestammten Versorgungsstruk- turen in Bewegung. In dieser „Energiemarktphase 1.0“ veränderte sich einiges, von der neuen Möglichkeit des Lieferantenwechsels seitens der Privatkunden bis hin zur erstmaligen Preisbildung auf freien Märkten, im Extrem auf Energie- börsen. Die Energiepolitik agierte zweigleisig, um ihre Ziele zu erreichen; einer- seits wurde der Ordnungsrahmen mit der Abschaffung der Gebietsmonopole fit für den Wettbewerb gemacht. Gleichzeitig wurden andererseits neue, innovative Instrumente wie die Anreizregulierung und das so genannte Unbundling kreiert und eingeführt, die den Transformationsprozess lenk- und steuerbar machten. In diesem Zusammenhang kam es zu institutionellen Neuerungen wie der Etab- lierung der Bundesnetzagentur, die seither den Wettbewerb bei den Netzener- Staatlicher Einfluss steigt Stadtwerke mit langer Historie im Energiemarkt Liberalisierung der Energiemärkte Ende der 1990er Jahre führte zu mehr Wettbewerb Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 5 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen gien aufrechterhält und befördert. Im Ergebnis kamen viele Stadtwerke infolge des neuen Wettbewerbs zunächst unter Druck. Privatisierungen und Stadtwerk- verkäufe waren die Folge und keineswegs eine Seltenheit. … dann Rekommunalisierung In den letzten Jahren sind aber auch gegenläufige Trends beobachtbar. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die Großkonzerne den neuen Preiswettbewerb aggressiv nutzten und den kleineren Stadtwerken damit den Raum zum Überle- ben verengten. Und mit der Zeit boten sich den Kommunen und ihren Unter- nehmen wieder neue Chancen: Fast zeitgleich mit dem Beginn der Wettbe- werbsphase startete auch der Trend hin zur regenerativen Stromerzeugung, der sich allmählich verstärkte, und der bislang überwiegend dezentral angelegt ist und damit de facto lokale Anbieter begünstigt. Später führten neue Techniken zu einer globalen Gasschwemme, die den lokalen Gaskraftwerken günstigere Energiebeschaffungskosten ermöglichte. Dagegen kamen die Energiekonzerne mit ihren Großkraftwerken aufgrund internationaler Langfristverträge, über die der Gas- an den Ölpreis gebunden ist, ins Hintertreffen, wurde doch Öl in der Tendenz spürbar teurer; die Verhandlungen über die Flexibilisierung der Altver- träge zog sich bis Mitte 2012 hin. 5 Letztlich motivierte auch die von Rot/Grün eingefädelte Vereinbarung zum Ausstieg aus der Kernenergieerzeugung in Deutschland, die bis zur letzten Bundestagswahl galt, einige Kommunen, die Stromerzeugung der eigenen Stadtwerke auszubauen bzw. bereits erfolgte Pri- vatisierungen rückgängig zu machen. Regierungswechsel bremste Kommunalisierungstrend nur temporär Infolge des Regierungswechsels zu Schwarz/Gelb Ende 2009 – und damit dem angekündigten längeren Betrieb der Kernenergieanlagen – stiegen dann aber erneut die Risiken für diejenigen Kommunen, die Investitionen zugunsten be- stehender Eigenerzeugung bzw. Neuinvestitionen planten. Mithin drohte ein wichtiges Motiv für den noch jungen Trend zur Rekommunalisierung wegzubre- chen. Die Verzögerung des KKW-Ausstiegs hätte nämlich – so die Erwartung – den Druck auf die Strompreise erhöht und damit die Renditen der lokalen Anbie- ter geschmälert. Einige bereits geplante Gas- und Dampfkraftwerke (GuD- Kraftwerke), die – dank ihrer besonderen Flexibilität, hohem Wirkungsgrad, ge- ringen Emissionen und der Eignung für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – gemeinhin als besonders effizient, nachhaltig und gerade für die kommunale Energieversorgung überaus geeignet gelten, wurden in Frage gestellt. Ein stär- keres Engagement der Stadtwerke wurde auch durch EEG-Förderkürzungen z.B. bei der Photovoltaik gebremst. Gleichzeitig erschienen vielfältige Ge- schäftsmöglichkeiten rund um das Thema Energieeffizienz weniger dringlich und lohnenswert. Fortsetzung der Energiewende öffnet Kommunen viele Tore Der 2011 erfolgte Energie-Turnaround der Bundesregierung macht Stadtwerke erneut interessanter, weil er die genannten Risiken rund um die Laufzeitverlän- gerung schmälert. In der nun eingeläuteten „Energiemarktphase 2.0“ steht nicht der Wettbewerb im Vordergrund, wenngleich die Liberalisierung – zumindest de jure – nicht zurückgedrängt wird. Richtungweisend sind die neuen Zielvorgaben für die künftige Energiebereitstellung, vor allem für den Stromerzeugungsmix; diese sind ehrgeizig und eindeutig formuliert. Wurden Umweltziele wie „mehr Klimaschutz“ schon in „Phase 1.0“ höher gewichtet, so erlangen diese nun noch mehr Gewicht. Fußte der deutsche Erzeugungsmix bis dato überwiegend auf 5 Im Juli 2012 einigte sich nun E.ON mit Gazprom über neue, günstigere Lieferverträge, die rück- wirkend den Gasbezug bis zum 4. Quartal 2010 betreffen. Dezentrale Energieversorgung begünstigt kommunale Anbieter Zwischenzeitlich geplante Laufzeitve r- längerung der Kernkraftwerke änderte die Rahmenbedingungen Klare Zielvorgaben Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 6 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen fossilen Brennstoffen, sollen künftig die erneuerbaren Quellen noch mehr zu einer tragenden Säule werden. Die Neujustierung der Stromerzeugung bringt eine Reihe von Herausforderun- gen mit sich, die den Akteuren auf den Energiemärkten, insbesondere auch den Stadtwerken, viele Ansatzpunkte für Engagements bieten. Das Spektrum der Aufgaben ist breit und umfasst alle Kernbereiche, von der Elektrizitätserzeu- gung über die Netzinfrastruktur bis hin zu Energiespeichern und Effizienzinitiati- ven. Freilich spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle, da nicht alles, was in Per- spektive erforderlich scheint, auch sofort in Angriff zu nehmen ist. Überdies können regionale Besonderheiten unterschiedliche Dringlichkeiten bedingen. Ein anschauliches Beispiel ist in diesem Jahr die Stromversorgung in Süd- deutschland, die Sorgen bereitet, weil einer der wichtigsten Kraftwerksbetreiber aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Betrieb dortiger Gaskraftwerke am aktuellen Rand einstellen könnte bzw. möchte. Ein Treiber dafür ist die vorran- gige Einspeisung des grünen Stroms, der die Nutzungszeiten der Gaskraftwerke reduziert und damit deren Rentabilität mindert. Hier wird exemplarisch das Di- lemma sichtbar, dass betriebswirtschaftlich richtige Entscheidungen volkswirt- schaftlich unerwünschte Effekte nach sich ziehen können. Deshalb ist derzeit die Sicherstellung der Stromversorgung in Bayern und Baden-Württemberg eine überaus wichtige energiepolitische Aufgabe. Da der für den massiven Strom- transport (der an der Küste erzeugten Windenergie) von Nord nach Süd erfor- derliche Netzausbau aber Zeit erfordert, sind schneller realisierbare Alternativlö- sungen gefragt. Die Diskussion reicht von Eingriffen in die Entscheidungshoheit der Eigentümer bis hin zur raschen Einführung eines Kapazitätsmarktes, der bei einer vollfunktionsfähigen Netzinfrastruktur in Deutschland (bzw. Europa) freilich keineswegs vor 2020 erforderlich wäre. Alle strategischen Optionen entlang der Energiewertschöpfungsstufen prüfen Kommunen sind gut beraten, alle Wertschöpfungsstufen – also von der Be- schaffung der Brennstoffe, über die Stromerzeugung bis hin zu Handel, Ener- giespeichern, Netzen und Vertrieb – auf den Prüfstand zu stellen und eine Op- timierung unter den neuen Rahmenbedingungen anzustreben. Eine Herausforderung im aktuell noch von fossilen Brennstoffen dominierten Kraftwerkspark ist die tendenzielle Verteuerung der Primärenergien, z.B. durch den Energiehunger in Asien oder die CO 2 -Zertifikate, wenngleich deren Preis zuletzt deutlich nach unten tendierte. Dagegen bieten sich den Kommunen al- lerdings viele Anpassungsstrategien für eine fortschrittlichere Beschaffung, die auch unabhängig von den Zielen der Energiewende verfolgt werden können. Zu nennen sind die Diversifikation der Inputenergien (Portfolio-Effekt) und – sofern technisch möglich – die Substitution teurer Brennstoffe durch günstigere Alter- nativen. Erfolg insbesondere für kleinere Marktteilnehmer verspricht die Bildung von Einkaufskooperationen oder fester strategischer Partnerschaften. Gerade die Beschaffungsstrategien sind ständig zu prüfen und gegebenenfalls weiter- zuentwickeln. Die Herausforderungen auf der Erzeugungsebene sind freilich noch vielfältiger und komplexer, da sie nicht nur die Beschaffung betreffen, sondern auch die Kraftwerksinvestitionen und den zeitgemäßen Umgang mit dem Anlagenpark. Grundsätzlich kann Risiken wie dem Preisauftrieb fossiler Energierohstoffe be- gegnet werden durch höhere Wirkungsgrade, eine flexiblere Fahrweise des Anlagenparks, einen breiteren Mix der fossilen Einsatzenergien oder – aufgrund der günstigen Förderbedingungen – den Zubau regenerativer Verstromung. Grundsätzlich erfordern die konkreten Kraftwerksinvestitionen infolge der sich immer wieder überraschend ändernden Rahmenbedingungen erhöhte Vorsicht und bergen mithin erhebliche Risiken. Breites potenzielles Betäti gungsfeld für Kommunen Beschaffungsmarkt wichtig, … … Herausforderungen auf Erze u- gungsebene aber größer Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 7 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Erzeugungsstrukturen im Wandel bieten viele Chancen Vorausgesetzt, die Politik verbessert bald den Rahmen für fossil befeuerte Kraftwerke, insbesondere die für Gaskraftwerke, könnte dies einige Kommunen motivieren, hier zu investieren. Interessant wäre diese Option insbesondere bis Anfang der nächsten Dekade, wenn also die verbliebenen Restlaufzeiten der KKW ausgeschöpft sind, und vor allem – wie dargestellt – in Süddeutschland. Gleichwohl dürfte aber die Renaissance von Erdgas (und Steinkohle?) keines- wegs dauerhaft sein. Aktuell begünstigt der Wegfall von KKW-Kapazitäten zwar die Rentabilität und damit das Überleben insbesondere derjenigen Kraftwerke, die höhere Brennstoffkosten als die Kernenergie haben; also Braun- und Stein- kohle- sowie GuD-Anlagen. Längerfristig aber schiebt die Expansion der Erneu- erbaren, die keine bzw. kaum variable Kosten verursachen, neben den Gastur- binen, die schon heute nur temporär zum Spitzenausgleich zugeschaltet wer- den, zunächst die Steinkohle- und später auch die GuD-Anlagen über die Wirt- schaftlichkeitsschwelle ins Abseits – weiter sinkende Kosten der Erneuerbaren vorausgesetzt. Zum Ende der KKW-Erzeugung dürften im deutschen Kraft- werkspark vor allem noch die Erneuerbaren und – moderate CO 2 -Preise unter- stellt – auch die Braunkohle variable Kosten unter Marktpreisniveau aufweisen. 6 Politische Eingriffe wie der 2011 beschlossene Ausstieg aus der Kernenergieer- zeugung und die vorrangige EEG-Einspeisungen induzieren damit über die skizzierten Merit-Order-Effekte einen massiven Umbau der deutschen Kraft- werksstruktur. Aufgrund vieler Vorteile bleiben effiziente KWK-Anlagen – auch auf der Basis traditioneller Energien – ein interessantes Betätigungsfeld gerade für Kommu- nen; freilich müssen die Voraussetzungen für einen rentablen und/oder beson- ders nachhaltigen Betrieb stimmen (z.B. die dauerhafte Vermarktung bzw. Nut- zung der Wärme). Viele Kommunen dürften mit dem Bedeutungsverlust der fossilen Kraftwerksalternativen vor allem auf dem Felde der Erneuerbaren aktiv werden; und dies gilt mit oder ohne KWK-Möglichkeit. Alle Erneuerbaren auf lokale Relevanz prüfen Perspektivisch sind alle erneuerbaren Energien für Kommunen prinzipiell inte- ressant. Allerdings determinieren in der Praxis oftmals natürliche Gegebenhei- ten wie die Verfügbarkeit an Biomasse, Aufkommen an Wind oder oberflächen- nahe Thermalvorkommen die Wirtschaftlichkeit der Investitionsentscheidungen. Für die Domäne der Kommunen, die Dezentralität, empfehlen sich – insbeson- dere im ländlichen Raum – die Biomasse, Geothermie, Solarthermie, Photovol- taik und Onshore-Wind. Kein Wunder, dass sich z.B. die Zahl der Biogasanla- gen seit 2000 auf mehr als 7.000 versiebenfacht hat. Naturgemäß dürften grö- ßere Solar- oder Onshore-Windparks sowie die künftig wichtigeren Offshore- Windanlagen, die alle eher auf die überregionalen Märkte abzielen, zunächst vor allem das Geschäftsfeld größerer Versorger bzw. Investoren bleiben. Allerdings sind die Grenzen fließend. Kleinere Stadtwerke können im Verbund auch Großprojekte stemmen. Auf der Tagesordnung innovativer Kommunen steht nach wie vor das Konzept der virtuellen Kraftwerke. Zudem finden Stadt- werke-Kooperationen beim Betrieb bestehender Kraftwerke, dem Zukauf sowie Neuinvestitionen immer mehr Anklang. Hinzu kommen die Trends hin zu Bür- gerbeteiligung (auch zur Reduktion lokaler Widerstände) oder Mischkonzepten über Branchengrenzen hinweg. Dies alles verändert auch das Finanzierungs- umfeld im kommunalen Bereich. Freilich können Kommunen auch ohne eigenes Stadtwerk in die alternative Stromerzeugung investieren; so gibt es Gemeinden und Städte, die auf einer freien Fläche einen eigenen Solarpark errichtet haben 6 Die geringen Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erneuerbaren sorgen also an der Strombör- se für sinkende Strompreise. Ihre hohen Investitionskosten spüren die Endverbraucher gleich- wohl über die EEG-Umlage vorerst weiter. 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 Quelle: Fachverband Biogas e.V. Immer mehr Biogasanlagen 6 Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland 38,2 15,6 26,1 4,0 16,1 Windenergie Photovoltaik Biomasse Abfall Wasserkraft Wind ist wichtigstes Standbein der Erneuerbaren im Strommarkt 7 Anteile an der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland, 2011, % Quelle: AG Energiebilanzen Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 8 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen bzw. die Flächen verpachten. Den dank Förderung erzielten Gewinn können sie z.B. für die Quersubventionierung weniger lukrativer Engagements wie Alten- heim, Kindergarten oder Schwimmbad nutzen. Man kann natürlich grundsätzlich kritisieren, wenn Kommunen oder öffentlich- rechtliche Unternehmen die über das EEG garantierten Einspeisevergütungen – also quasi eine Subvention, die von einer übergeordneten Gebietskörperschaft beschlossen wurde – in Anspruch nehmen. Einzelwirtschaftlich (aus Sicht der Kommune bzw. des Stadtwerks) dürften viele Investitionen in Erneuerbare frei- lich lohnenswert sein. Insofern werden Kommunen einen erheblichen Einfluss auf das Ziel haben, den Anteil der Erneuerbaren in der Stromversorgung zu erhöhen. Eine über das EEG hinausgehende Förderung der erneuerbaren Energien durch kommunalpolitische Instrumente ist möglich, aber eher unange- bracht, käme es doch einer Doppelförderung gleich. Ferner können auf einzelne Kommunen begrenzte Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien (bis hin zum Ziel einer – zumeist rechnerischen – Autarkie bei der Energieversorgung) aus politischer Sicht zwar durchaus nachvollziehbar sein. Solche Pläne sollten jedoch stets an die übergeordneten energiepolitischen Ziele angepasst sein. Wenn z.B. einzelne Kommunen für sich das Ziel der regionalen Energieautarkie ausrufen oder eine Stromerzeugung zu 100% aus regionalen Erneuerbaren anstreben, kann dies dazu führen, dass erneuerbare Kraftwerkskapazitäten an eigentlich ungeeigneten Stellen oder regional überdimensioniert entstehen, wo- bei letzteres vor allem dadurch problematisch ist, dass die Netze zum Fern- transport noch nicht vorhanden sind. Freilich kann dies auch bei privaten Inves- titionen der Fall sein. Expansion der Erneuerbaren erfordert Investitionen in Stromspeicher Bis 2025 dürfte sich der Bedarf an neuen Stromspeichern verdoppeln. 7 Diese sind erforderlich, um die steigende Volatilität infolge des massiven Zubaus von Solar- und Windanlagen auszubalancieren. Überdies können sie Engpässe im Übertragungsnetz auffangen. Die neu entstehende Wertschöpfungsstufe bietet auch den Stadtwerken ein zusätzliches, optionales Betätigungsfeld, sofern die lokalen Bedingungen geeignet sind. Aussichtsreich sind in den kommenden beiden Dekaden vor allem Pumpspeicher und Speicherkraftwerke sowie Druck- luftspeicher. In Gegenden, wo früher Steinkohle gefördert wurde, könnten Pumpspeicher auch „unter Tage“ angelegt werden. Der Vorteil wäre, dass wohl – anders als in den Bergregionen – mit geringerem Bürgerprotest zu rechnen ist. Die E-Mobilität wird vorerst nicht die anfänglich hohen Erwartungen als inno- vativer Speicher erfüllen (s. Teil Mobilität). Verglichen mit den erneuerbaren Energien wird der Bau von Stromspeichern bislang weniger gefördert. Insofern ist eine Betätigung für die Kommunen auf diesem Gebiet automatisch ein grö- ßerer finanzieller Kraftakt. Eventuell bieten sich Kooperationen mit privaten Partnern an. Der Wandel gibt neue Chancen für den Handel Der Wandel im Energiemarkt sorgt für eine höhere Mengen- und Preisvolatilität. Überdies ermöglichen die in Europa zusammenwachsenden Energiemärkte auch grenzüberschreitendes Handelsgeschäft. Für die Kommunen und Stadt- werke kommt es in diesem Zusammenhang darauf an, einerseits Strategien zur Bewältigung der neuartigen Risiken zu entwickeln, andererseits zeitgemäße Handelsstrategien aufzubauen. Auf der Agenda stehen Zukunftsaufgaben wie die Einrichtung eines leistungsfähigen Risikomanagements, die Kreation opti- mierter Handelsvolumina sowie – sofern noch in den Kinderschuhen – der Auf- bau von Expertise im Eigengeschäft bis hin zum CO 2 -Zertifikatehandel. 7 Vgl. Auer, Josef und Jan Keil (2012). A.a.O. Doppelförderung vermeiden Lokale Gegebenheiten müssen für Bau von Energiespeichern stimmen Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 9 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Netzinfrastruktur ist Flaschenhals – mehr Tempo auf der Dauerbaustelle! Die Energiewende kann ohne leistungsfähige und intelligente Elektrizitätsnetze nicht gelingen. Da die Politik den infrastrukturellen Flaschenhals endlich er- kennt, besteht Hoffnung für raschere Abhilfe in den kommenden Jahren. Eine Baustelle unter anderen ist der heute noch nicht mögliche Ferntransport der großen und künftig weiter steigenden Windstrommengen von der Küste nach Süddeutschland. Für die Kommunen noch interessanter sind aber die Verteilnetze, die in den kommenden Jahren ebenfalls den neuen Trends anzu- passen sind. Nach Angaben des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) werden ca. 60% der Verteilnetze in Deutschland kommunal bewirtschaftet. Der Investitionsbedarf wird hier auf EUR 25 Mrd. bis zum Jahr 2030 geschätzt; die hier notwendigen Investitionen können angesichts begrenzter Budgets u.a. in Konkurrenz zu erforderlichen Ausgaben für eigene Erzeugungskapazitäten ste- hen. Wichtige Treiber für den Netzausbau sind die fluktuierenden Einspeisun- gen durch die Erneuerbaren sowie Zukunftsthemen wie der Auf- und Ausbau intelligenter Netzstrukturen für künftige Smart Grids-Nutzungen. 8 Künftig noch mehr Gewicht dürften Themen wie intelligente Netzplanung, Optimierung von Prozessen und Ressourcen sowie die Kreation und das Angebot fortschrittlicher Dienstleistungen erhalten. Aufgrund der Dringlichkeit der Netzanpassung im kommunalen Umfeld kommt der bis Ende 2012 angekündigten Verteilnetz- analyse der Deutschen Energie-Agentur (dena) schon jetzt hohe Beachtung zu. Hinsichtlich des Netzausbaus spielen Kommunen natürlich grundsätzlich eine große Rolle, wenn es um den Umgang mit lokalem Widerstand gegen solche Pläne geht, denn diese sind bislang ein Grund für den nur langsamen Netzaus- bau. Auch bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen sind kommunale Kompetenzen gefragt. Für den Markterfolg wird die Vertriebsschiene immer wichtiger Im neuen Marktumfeld mit mehr überregionalem Wettbewerb kommt es letztlich entscheidend auf Kundennähe, Kompetenz und auch wettbewerbsgerechte Preise an. Erfolgversprechend sind Vertriebskonzepte wie die Weiterentwick- lung zum Energiedienstleister, aber auch flexible Konzepte, die den heteroge- nen Kundenwünschen Rechnung tragen, z.B. lastabhängige Tarife. Heimvortei- le können kommunale Energieversorger ernten, wenn sie sich als kompetente Energie- und Umweltberater erweisen. Gerade auf lokaler Ebene bleiben The- men wie Energiesparen und Energieeffizienz gute Türöffner und Kundenbin- dungsinstrumente. Zweckmäßig ist eine Differenzierung nach Kundengruppen wie Privathaushalten und Geschäftskunden, letzteres – falls möglich und wirtschaftlich sinnvoll – auch segmentiert nach Branchen. Für einige private Haushalte bleiben neben dem Preis auch Qualitätsmerkmale wie CO 2 - oder Kernenergieanteile relevant. Eine Rolle können überdies Determinanten wie Haushaltsgröße, Geschlecht, Bildung oder Einkommen spielen. Kommerzielle Kunden sind in der Regel wechselwilli- ger als Privathaushalte. Da gerade viele Private ökologischen Aspekten gegen- über sehr aufgeschlossen sind, sollten Stadtwerke ihr besonderes Bekenntnis zur Energiewende hervorheben und als ein günstiges Mittel zur langfristigen Kundenbindung begreifen und auch nutzen. Rund um Erzeugung und Vertrieb kann es dabei nie ein „zu viel“ an Transparenz und Bürgerbeteiligung geben. Künftig sind die Bürger schon in der Planungsphase rund um Energieinvestitio- nen stärker zu integrieren. 8 Zu Details vgl. Auer, Josef und Stefan Heng (2011). Smart Grids: Energiewende erfordert intelli- gente Elektrizitätsnetze. Deutsche Bank Research. E-conomics 84. Frankfurt am Main. Investitionsbedarf von EUR 25 Mrd. allein bei Verteilnetzen Kundendifferenzierung zweckmäßig Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 10 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Für Kommunen hat das Thema Energieeffizienz Joker-Potenzial Neben den Möglichkeiten der Kommunen und Stadtwerke, in den einzelnen Bereichen der Wertschöpfungskette der Energieversorgung stärker aktiv zu werden, können sich natürlich auch Investitionen lohnen, die darauf abzielen den eigenen Stromverbrauch zu verringern. Große Potenziale liegen dabei u.a. in den Bereichen Straßenbeleuchtung und Abwasserbehandlung (Kläranlagen). Auch der Stromverbrauch in den kommunalen Gebäuden sollte regelmäßig auf den Prüfstand. Gerade für kleinere Kommunen besteht in diesen Bereichen Beratungsbedarf, um wirtschaftliche und ökologische Ziele miteinander zu ver- einbaren. Eine Möglichkeit, solche Projekte zu finanzieren, liegt im Energiespar- Contracting, womit einzelne Kommunen schon positive Erfahrungen machen. Wärme: Energetische Gebäudesanierung bietet viel Potenzial Energetische Sanierung von Gebäuden im Bestand besonders wichtig Anfangs haben wir ausgeführt, dass ein großer Teil des Energieverbrauchs in Deutschland auf Gebäude entfällt. Kommunen haben eine wichtige Funktion, wenn das darum geht, das im Gebäudebestand schlummernde Energieeinspar- potenzial zu heben. Dabei gibt es drei wesentliche Berührungspunkte: 1. Laut Deutschem Städte- und Gemeindebund (DStGB) gibt es in Deutsch- land 176.000 kommunale Gebäude. Der DStGB beziffert hier das Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz auf 60%. Dazu sind Investitionen in eine bessere Isolierung und moderne, bedarfsgerechte Heizsysteme, aber auch Schulungen der Mitarbeiter bzw. der Nutzer der Gebäude notwendig. Für die Kommunen ist es eine große Herausforderung, diese Investitionen auch zu finanzieren. Aber spätestens dann, wenn ohnehin Renovierungsarbeiten an kommunalen Gebäuden oder der Austausch der Heizungsanlage anste- hen, sollte der Energieeffizienz große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Angesichts langfristig steigender Energiepreise kann es dann wirtschaftlich lohnenswert sein, mehr Geld für die Renovierungsmaßnahmen in die Hand zu nehmen, um später im Betrieb niedrige Energiekosten zu ermöglichen. 2. Neben den kommunalen Gebäuden (z.B. Verwaltungsgebäude, Schulen, Schwimmbäder) befinden sich mehr als 2 Mio. Wohnungen in Deutschland im Eigentum der Kommunen bzw. von kommunalen Wohnungsunterneh- men; dies entspricht einem Anteil von mehr als 5% aller Wohnungen. Ein großer Teil dieser Wohnungen wird in den kommenden Jahren energetisch saniert werden müssen. Daraus resultiert ein hoher Investitionsbedarf. 3. Kommunen können dazu beitragen, dass auch private Wohnungseigentü- mer verstärkt in die energetische Gebäudesanierung investieren (s. auch Textbox). So gibt es in ländlichen Gebieten viele Programme zum Erhalt der Ortskerne oder zur Dorferneuerung. Dabei werden u.a. Maßnahmen geför- dert, die auf die Renovierung des Gebäudebestands abzielen. Die Gelder stammen zum Teil direkt aus den kommunalen Haushalten, zum Teil gibt es Programme von übergeordneten Gebietskörperschaften bzw. Förderban- ken. Dort, wo die Kommunen unmittelbar in der Verantwortung sind, könn- ten sie den Erhalt der Zuschüsse stärker als heute an energetische Kriterien knüpfen. Eine weitere Aufgabe für Kommunen könnte darin liegen, Informa- tionen über die verschiedenen staatlichen Fördermaßnahmen für investiti- onswillige Gebäudeeigentümer bereitzustellen; in diesem Zusammenhang sollten aber auch alle anderen Gebietskörperschaften daran interessiert sein, die Transparenz zu erhöhen. Einen Anknüpfungspunkt für Kommunen gibt es auch bei der Planung von Neubaugebieten. Diese könnten dort, wo es die Topographie erlaubt, nach energetischen Gesichtspunkten ausge- richtet werden, sodass der spätere Wärmebedarf der Häuser möglichst Kommunale Versorger a ls Energieberater 8 Im Wärmemarkt werden von den etwa 18 Mio. Heizungsanlagen immer noch 60% mit Erdgas befeuert. Die kommunalen Lieferanten können hier punkten mit Beratung rund um Effizienz und Komfort. Überdies könnten die zuletzt verbe s- serten Einkau fsmöglichkeiten genutzt werden, um auch auf der Preisseite mehr Akzeptanz bei den Endkunden zu finden. Die Kunden könnten auch dahingehend beraten werden, ob nicht mittels Modernisierung bzw. Austausch der veralteten Heizanlage (z.B. zugunsten einer Pellet - , Bioerdgas - oder einer modernen Er d- gas - Brennwerttechnik, auch kombiniert mit Solarthermie) eine kostengünstigere bzw. effiz i- entere Alternative verfügbar ist. Bereits in den letzten Jahren wurden viele Wege beschritten, um die verbliebenen Ene r- gieeffizien zpotenziale zu heben. Und freilich wären die genannten Heizungen für die ko m- munale Effizienzberatung bzw. die städtischen Energieversorger nur eine Chance unter and e- ren Effizienzinitiativen. Gleichwohl könnten die ortsansässigen Versorger gerade hier ihr I mage schärfen, dürfte doch den meisten lokalen Kunden bewusst sein, dass auch das Komm u- nalunternehmen eigentlich ein konträreres Interesse haben könnte. Insofern ginge die Aktion auch zugunsten der kommunalen Glaubwürdigkeit. Günstig wären solch engagierte Energieeffiz i- enzinitiativen überdies auch aus übergeordn e- tem volkswirtschaftlichem bzw. europäischem Interesse. Denn engagierten sich künftig die kommunalen Energielieferanten, - produzenten, - verteiler und Verteilnetzbetreiber sowie Händler stärker auch i m Sinne der Energieeffizienz, profitierte davon letztlich das Gemeinwesen insgesamt. Dies erscheint auch deshalb geb o- ten und zeitgemäß zu sein, weil in der dank der Energiewende künftig stärker partizipativ ausg e- richteten Energiewirtschaft die bisherigen I nt e- ressengegensätze ohnehin schwinden. o path$$SheetNameNo sheetname$$TextTableTextTable 0 5 10 15 90 95 00 05 10 15 20* Quelle: BMU Mehr Wärme aus Erneuerbaren 9 Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärme - bereitstellung in Deutschland, % * Zielwert 2020: mindestens 14% Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 11 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen niedrig ausfällt. Ferner könnten Kommunen Vorgaben zur lokalen Energie- versorgung machen und z.B. vorschreiben, dass sämtliche Gebäude in ei- nem neuen Baugebiet an ein lokales Blockheizkraftwerk angeschlossen werden; dies wäre freilich ein erheblicher Eingriff in die Wahlfreiheit der po- tenziellen Bauherren. Die Wirtschaftlichkeit für die Kommunen sollte natür- lich auch bei solchen Maßnahmen berücksichtigt werden (z.B. eigene Inves- titionskosten, Auswirkungen auf Verkaufspreise für Bauland). In allen Bereichen dürfte der Beratungsbedarf für Kommunen in den nächsten Jahren zunehmen. Da gerade kleinere Kommunen nicht über das notwendige Know-how verfügen, um die Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Maßnah- men abschätzen zu können, sollten die kommunalen Entscheidungsgremien die Einschätzungen von Energieberatern berücksichtigen. Übergeordnete Rahmenbedingungen wichtig In welchem Umfang das Energieeinsparpotenzial im Gebäudebereich gehoben werden kann, hängt sehr stark von den übergeordneten Rahmenbedingungen ab; dazu zählen staatliche Förderprogramme bzw. die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungsmaßnahmen sowie Entwicklungen im Mietrecht. Bislang sind die staatlichen Anreize offensichtlich nicht ausreichend gewesen, um die Sanie- rungsquote im Gebäudebestand deutlich zu erhöhen. Aus unserer Sicht ist hier primär der Bund in der Verantwortung, die selbst gesteckten Ziele im Gebäude- sektor mit entsprechenden staatlichen Anreizen zu flankieren. Aus ökologischer und ökonomischer Sicht ist vorteilhaft, dass die CO 2 -Vermeidungskosten im Gebäudebereich deutlich niedriger liegen als bei vielen anderen Maßnahmen, die bislang stark subventioniert werden. Hinzu kommt, dass geringere CO 2 - Emissionen im Wärmemarkt komplett auf das nationale CO 2 -Ziel Deutschlands angerechnet werden, während CO 2 -Reduktionen im deutschen Strommarkt für die nationale Bilanz (weitgehend) wirkungslos sind, da die Emissionen aus dem Stromsektor ohnehin über den EU-Emissionshandel begrenzt werden. Verkehr: Viele Hebel, relativ geringe gesamtwirtschaftliche Wirkung Auf den Verkehrssektor entfallen in Deutschland etwa 18% der CO 2 -Emissionen und sogar rd. 29% des Endenergieverbrauchs. Damit liegt in diesem Bereich ein wesentlicher Hebel für das Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele Deutschlands. Seit 2000 sind die CO 2 -Emissionen des Verkehrs hierzulande um mehr als 15% gesunken. Damit ist Deutschland eines der wenigen Länder überhaupt, in denen in diesem Bereich schon nennenswerte Emissionsredukti- onen erzielt werden konnten. Übergeordnete Gebietskörperschaften haben größeren Einfluss als Kommunen Bevor wir einzelne kommunale Instrumente zur Beeinflussung der Energieeffizi- enz im Verkehr beleuchten, ist festzustellen, dass übergeordnete Gebietskör- perschaften (v.a. der Bund und die EU) über die wirksameren Instrumente ver- fügen, um den „ökologischen Fußabdruck“ des Verkehrssektors sowie die Antei- le der Verkehrsträger am Modal Split zu beeinflussen. So könnte der Bund u.a. durch steuerliche Maßnahmen (z.B. Steuern auf Kraftstoffe, Änderungen der Dienstwagenbesteuerung oder der Entfernungspauschale), die Einführung neu- er bzw. die Erhöhung bestehender Straßenbenutzungsgebühren für Bundes- fernstraßen, regulatorische Eingriffe in den intra- oder intermodalen Wettbewerb (z.B. weitere Ausgestaltung der Liberalisierung im Schienenverkehr oder der Luftverkehrsteuer) oder den Ausbau der überregionalen Infrastruktur die Ver- kehrsentwicklung beeinflussen. Die EU wirkt auf den Verkehrssektor, indem sie z.B. CO 2 -Grenzwerte für Kraftfahrzeuge vorgibt, den EU-Emissionshandel auf den Luftverkehr ausdehnt, den europäischen Luftraum allmählich vereinheitlicht Nachhaltige Nutzung der Wälder angezeigt 11 Biomasse (vor allem Holz und Holzpellets) machte 2011 in Deutschla nd gut 82% des auf erneuerbaren Energien basierenden Energi e- verbrauchs im Wärmemarkt aus. Damit ist Holz der mit Abstand wichtigste erneuerbare Ene r- gieträger in diesem Bereich. Gerade in ländl i- chen Gebieten werden viele Ein - und Zweifam i- lienhäuser (auch) m it Holz beheizt. Knapp 20% der Wälder in Deutschland befinden sich im Eigentum von Kommunen (so genannter Kö r- perschaftswald). In ihrem Verantwortungsb e- reich müssen die Kommunen darauf achten, dass die Wälder – im wahrsten Sinne des Wo r- tes – nachhaltig genu tzt werden: Es darf nicht mehr Holz (energetisch oder als Werkstoff) genutzt werden als nachwachsen kann. No path$$SheetNameNo sheetname$$TextTableTextTable 82,4 9,2 3,9 4,4 Biomasse Abfall (biogener Anteil) Solarthermie Geothermie Biomasse im Wärmemarkt führend 10 Anteile* an der Wärmebereitstellung aus erneuer - baren Energien in Deutschland, 2011, % Quelle: AG Energiebilanzen * Differenz zu 100% rundungsbedingt 90 100 110 120 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 Verkehrssektor verzeichnet sinkende Emissionen 12 Quelle: BMU CO 2 - Emissionen des Verkehrssektors in Deutschland, 1990=100 Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 12 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen oder den wettbewerbspolitischen Rahmen für einzelne Verkehrsträger setzt. Gemessen an diesen Hebeln, die freilich nicht immer optimal genutzt werden, ist der Einfluss der Kommunen auf den Verkehrssektor gering und lokal begrenzt. Gleichwohl sind viele der im Folgenden skizzierten Maßnahmen auf kommuna- ler Ebene aus ökologischer und häufig auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll und können die Lebensqualität innerhalb der Kommunen erhöhen. Angesichts knapper Budgets müssen die Kommunen natürlich auch hier politische Prioritä- ten setzen. ÖPNV wichtigste Stellschraube Kommunen können den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor über verschiedene Wirkungskanäle, Instrumente und Maßnah- men senken. Der Einfluss der Kommunen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist wohl die wichtigste Stellschraube, denn der ÖPNV ist im Durch- schnitt energieeffizienter und mit weniger Umweltbelastungen verbunden als viele andere Verkehrsträger (z.B. Motorisierter Individualverkehr, MIV). Der ÖPNV verbessert ferner den Verkehrsfluss vor allem in urbanen Zentren, er ist die Stütze des Schülerverkehrs, ermöglicht Mobilität für ärmere Bevölkerungs- schichten und trägt zur verkehrsmäßigen Anbindung ländlicher Gebiete bei. Kommunen beeinflussen den ÖPNV auf verschiedene Weise. Zum einen sind die Landkreise und kreisfreien Städte der Aufgabenträger für den Öffentlichen Straßenpersonennahverkehr (ÖSPV); darunter fallen z.B. Buslinien, Straßen- bahnen oder – in größeren Städten – auch U-Bahnen. Im Schienenpersonen- nahverkehr (SPNV; z.B. Regionalbahnen, S-Bahnen) fungieren zwar grundsätz- lich die Bundesländer als Aufgabenträger. Diese haben jedoch die Verantwor- tung häufig an überregionale Verkehrsverbünde übertragen, an denen oftmals Kommunen als Gesellschafter beteiligt sind. Sowohl im ÖSPV als auch – mit Einschränkungen – im SPNV haben Kommunen also einen Einfluss auf das jeweilige Angebot. Zum anderen bieten kommunale Unternehmen (z.B. über Stadtwerke oder kommunale Eigenbetriebe) ÖPNV-Dienste an. Diese Unter- nehmen setzen die Aufträge der genannten Aufgabenträger operativ um. 9 Grundsätzlich schafft sich ein attraktives ÖPNV-Angebot auch eine zusätzliche Nachfrage und unterstützt eine Verschiebung im „Modal Split“ hin zum ÖPNV. Hinsichtlich des Erreichens der Energie- und Klimaziele ist es von großer Be- deutung, ein möglichst energieeffizientes ÖPNV-Angebot bereitzustellen. Das bezieht sich nicht nur auf die Energieeffizienz der eingesetzten Fahrzeuge, son- dern auch auf deren Auslastung. So nutzt ein Linienbus mit einem extrem nied- rigen Kraftstoffverbrauch wenig, wenn dieser kaum ausgelastet ist. An diesem einfachen Beispiel ist zu erkennen, dass das Ziel einer möglichst hohen Ener- gieeffizienz im (wirtschaftlichen) Konflikt zu anderen Zielen des ÖPNV stehen kann, etwa einer guten Anbindung ländlicher Gebiete. Denn der ÖPNV ist – wie andere Verkehrsträger auch – durch ausgesprochene Spitzenlastzeiten z.B. in den Tagesrandzeiten charakterisiert. Über weite Strecken des Tages ist die Auslastung aber deutlich geringer, was vor allem für ländliche Gebiete gilt. Die- sem Dilemma kann man zwar durch eine bedarfsspezifische Auswahl des je- weils eingesetzten „rollenden Materials“ begegnen, und zwar sowohl hinsichtlich der Größe als auch Art der Fahrzeuge (z.B. Bus versus Bahn). Aber man sollte sich hiervon keine Wunder erhoffen, denn das Vorhalten eines möglichst flexib- len Fuhrparks (z.B. großer Bus für die Spitzenlast, kleiner Bus für den Rest des Tages) erhöht die Fixkosten des ÖPNV. 9 Auf die verschiedenen Rechts- und Organisationsformen im deutschen ÖPNV sowie dessen Finanzierung gehen wir hier nicht im Detail ein. Vielfältiger Einfluss der Kommunen auf ÖPNV Spitzenlastzeiten erschweren Kapazitätsplanung Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 13 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Ökologische Fortschritte im ÖPNV durch finanzielle Restriktionen begrenzt Letztlich sind Kommunen sowohl als Aufgabenträger als auch als operativ tätige Anbieter von ÖPNV-Dienstleistungen schon heute bestrebt, das Ziel der Ener- gieeffizienz mit anderen Zielen des ÖPNV in Einklang zu bringen. So können die Kommunen als Aufgabenträger etwa bei Ausschreibungen von ÖPNV- Dienstleistungen explizit Energieeffizienz- oder CO 2 -Ziele aufnehmen. Die Ver- kehrsunternehmen im Eigentum der öffentlichen Hand können durch den Ein- satz möglichst effizienter Fahrzeuge oder spezielle Fahrerschulungen den Energieverbrauch senken. Insgesamt wird der Handlungsspielraum jedoch durch wirtschaftliche Restriktionen eingeengt. Denn die Finanzierung des ÖPNV ist eng an die Entwicklung der öffentlichen Haushalte gebunden. So wird der SPNV u.a. durch die so genannten Regionalisierungsmittel finanziert, die vom Bund bereitgestellt werden. Der ÖSPV wird grundsätzlich aus den kommunalen Budgets bestellt und finanziert. In beiden Fällen ist nicht mit stark steigenden Zuschüssen und daher auch nicht mit massiven Erweiterungen des Angebots zu rechnen, wenngleich es aus ökologischer Sicht sinnvoll und wünschenswert wäre. Insofern dürfte sich der Trend der letzten Jahre fortsetzen, dass sich die Energieeffizienz des ÖPNV stetig, aber nur moderat verbessert; der Fortschritt bei der Fahrzeugeffizienz bleibt hier ein wichtiger Faktor. Ein Grund für Opti- mismus liegt darin, dass die Verkehrsleistung im ÖPNV in Deutschland in den letzten Jahren trotz begrenzter öffentlicher Budgets gestiegen ist. Moderne Verkehrsleitsysteme für größere Städte interessant Eine Möglichkeit für die Kommunen, den Verkehrsfluss vor allem in Großstädten zu optimieren und damit die negativen ökologischen Effekte des Verkehrs zu reduzieren, liegt in der Bereitstellung moderner, elektronischer Verkehrsleitsys- teme. Sie können die einzelnen Verkehrsträger (MIV und Car Sharing, ÖPNV, Fahrrad) effizient vernetzen, Staus vermeiden oder verkürzen und die Park- platzsuchzeiten verringern; elektronische Parkleitsysteme zählen schon heute in vielen Städten zum Standard. Künftig dürften mobile Endgeräte (Smartphones) der Verkehrsteilnehmer die Effizienz und Wirksamkeit solcher Verkehrsleitsys- teme noch erhöhen, da über sie für den Nutzer Informationen über die aktuellen Verkehrsbedingungen in Echtzeit verfügbar sein werden. Natürlich erfordern Aufbau und Wartung solcher Verkehrsleitsysteme umfang- reiche Investitionen der öffentlichen Hand. Jedoch könnten in der Praxis indust- rielle Partner ein Interesse an solchen Angeboten haben, weil bei vielen Kunden eine gewisse Zahlungsbereitschaft für solche Informationen vorhanden ist. Da- her ist eine Beteiligung privater Technologieunternehmen an der Finanzierung solcher Verkehrsleitsysteme durchaus wahrscheinlich. City-Maut: Positive ökologische Effekte möglich, aber politisch brisant Mautmodelle sind eine weitere Option für Kommunen, den Verkehr in städti- schen Gebieten zu beeinflussen. Einige Städte außerhalb Deutschlands haben schon lange Erfahrungen mit einer City-Maut (z.B. Singapur, London). Die hinter einer Maut steckende Idee ist ökonomisch überzeugend, denn das knappe Gut Straße in Innenstadtlagen wird bepreist. Im Idealfall richtet sich die Höhe der Maut nach dem Verkehrsaufkommen, wodurch der Verkehr entzerrt werden könnte. Die Mauthöhe kann natürlich auch nach ökologischen Kriterien gestaf- felt werden, etwa nach den CO 2 - oder Schadstoffemissionen oder nach der Größe oder dem Gewicht der jeweiligen Fahrzeuge. Mit einer City-Maut, even- tuell gepaart mit einem restriktiven Parkplatzangebot, würde der MIV – je nach Ausgestaltung – mehr oder weniger große Marktanteile an den ÖPNV verlieren; dies zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Städten. Einige Autofahrten würden wohl auch komplett ausbleiben. Insofern können von einer City-Maut positive ökologische Effekte erwartet werden. Dabei wären lokal geringere Fahrradwege ausbauen 14 Das Fahrrad als besonde rs umweltfreundliches Verkehrsmittel könnte durch den Ausbau bzw. eine stärkere Ausweisung innerstädtischer Radwege unterstützt werden. Beispiele wie Freiburg und Münster in Deutschland oder Kopenhagen und Amsterdam zeigen, dass sehr hohe Anteile des Fahrr ads am Verkehrsau f- kommen auch in Großstädten möglich sind. Restriktionen liegen in der begrenzten Fläche. Dagegen sind die reinen Investitionskosten zumindest für eine Ausweisung von Fahrradw e- gen auf bestehenden Straßen relativ gering. Maut - Modelle ökonomisch überzeugend 95 100 105 110 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 Verkehrsleistung (Personenkilometer) Fahrgäste ÖPNV wächst 13 Quelle: VDV Verkehrsleistung und Zahl der Fahrgäste im deutschen ÖPNV, 2001=100 Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 14 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen Schadstoff- und Lärmemissionen für die Städte wohl ein wichtigeres Argument für eine solche Maut als verringerte CO 2 -Emissionen. Eine City-Maut ist in Deutschland politisch nicht leicht durchzusetzen. Ein Indiz dafür sind die jahrzehntelangen – letztlich fruchtlosen – Diskussionen über Vor- und Nachteile einer Pkw-Maut auf Autobahnen. In der Tat wären bei der Pla- nung einer City-Maut von Seiten der Politik u.a. Effekte auf den innerstädtischen Einzelhandel, auf die Anwohner sowie soziale Aspekte zu berücksichtigen und technologische Fragen zu klären. Letztlich müssen Kommunen, die eine City- Maut in Erwägung ziehen, deren positive ökologische Potenziale gegenüber anderen Interessen abwägen. Fahrverbote versus Sonderrechte im Straßenverkehr – Bauleitplanung wichtig Eine extreme Form der Einflussnahme auf den innerstädtischen Verkehr wären (regional begrenzte) Fahrverbote z.B. für Fahrzeuge mit besonders hohen Schadstoff- oder CO 2 -Emissionen. So wurde mit der Einführung der Umweltpla- kette die Einfahrt von Autos mit sehr hohen Emissionswerten in die von vielen Städten neu eingerichteten Umweltzonen verboten, um die lokale Feinstaubbe- lastung zu verringern; von diesen Fahrverboten sind freilich nur sehr wenige Fahrzeuge betroffen. Umfangreiche Fahrverbote für einen nennenswerten Teil der Autos würden sicherlich auf erheblichen politischen Widerstand stoßen. Die Verhältnismäßigkeit einer solchen Maßnahme wäre durchaus zu diskutieren. Anstatt Fahrverbote auszusprechen, könnten Kommunen auch besonders emissionsarme Fahrzeuge im Straßenverkehr mit Verweis auf ökologische Vor- teile begünstigen. Zu denken wäre etwa an die Benutzung von Busfahrstreifen, vergünstigte Parkmöglichkeiten oder – verbunden mit einer City-Maut – eine geringere Mauthöhe. Diese Option wird häufig im Zusammenhang mit der För- derung der Elektromobilität diskutiert (siehe unten). Die Wirksamkeit einer sol- chen Maßnahme ist freilich nur so lange gewährleistet, wie die Anzahl der be- günstigten Fahrzeuge nicht zu groß wird, denn die Nutzungskonkurrenz steigt mit der Fahrzeugzahl. Moderne Verkehrsleitsysteme und City-Maut-Modelle ließen sich gut miteinan- der kombinieren. Letztlich sind die Maßnahmen aber nur für größere Städte interessant. Für Kommunen in ländlichen Gebieten ergibt sich in dieser Hinsicht kaum Handlungsbedarf. Kommunen haben auch über die Bauleitplanung Einfluss auf die lokale Ver- kehrsentwicklung. Dies bezieht sich nicht nur auf die Ausweisung von Flächen für den Straßenbau, Parkplätze oder andere Verkehrswege, sondern auch auf die Planung von Einkaufszentren, Gewerbe- und Neubaugebieten. So führen Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“ zu einem höheren Verkehrsaufkommen im MIV. Dies gilt auch für Gewerbegebiete, die nicht an den ÖPNV angeschlos- sen sind. Insofern sollten bei der Bauleitplanung – wie schon heute zumeist der Fall – auch die Folgen für die Verkehrsentwicklung berücksichtigt werden. E-Mobilität: Vor allem die Industrie ist in der Pflicht Bei der für die nächsten Jahre angestrebten Marktdurchdringung der Elektro- mobilität werden Kommunen eine wichtige Rolle spielen; dies gilt vor allem für die Bereitstellung der Ladeinfrastruktur. Aus unserer Sicht sind dabei jedoch nicht die Kommunen in der Verantwortung, Ladestationen für Elektroautos zu finanzieren, zumal diese noch sehr teuer sind. Hierfür zeichnet in erster Linie die Industrie verantwortlich. Vielmehr sehen wir die Aufgabe der Kommunen darin, den benötigten Platz für Ladestationen flexibel zur Verfügung zu stellen; natür- lich gibt es auch hier eine Konkurrenz um den begrenzten Parkraum. Da der Anteil von Elektrofahrzeugen in den nächsten Jahren nur allmählich steigt, bleibt Umfangreiche Fahrverbote würden auf erhebliche Widerstände stoßen Finanzierung von Ladestationen keine kommunale Aufgabe Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke 15 | 11. Juli 2012 Aktuelle Themen der ökologische Effekt vorerst sehr klein. 10 Und die meisten potenziellen Erst- kunden dürften ohnehin bereits über eine Lademöglichkeit verfügen, weshalb kaum Handlungsbedarf für die öffentliche Hand existiert. Dies gilt erneut beson- ders für Kommunen in ländlichen Gebieten, wo die Ein- und Zweifamilienhäuser in der Regel über einen eigenen Pkw-Stellplatz mit einem Anschluss ans Strom- netz verfügen. Effizienzpotenziale im eigenen Fuhrpark heben Wie in den Bereichen Strom und Wärme sollten Kommunen auch beim eigenen Fuhrpark der Energieeffizienz einen höheren Stellenwert beimessen; so sind bei Neuanschaffungen grundsätzlich Fahrzeuge mit einem geringeren Kraftstoffver- brauch als beim Vorgängermodell zu berücksichtigen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass sich etwaige höhere Anschaffungskosten für verbrauchsarme Fahrzeuge innerhalb ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer amortisieren. Fazit und Ausblick Die Energiewende bedeutet für Kommunen und Stadtwerke neue Handlungs- felder und damit auch Chancen. Viele der auf Bundesebene geplanten energie- und klimapolitischen Ziele erfordern eine Umsetzung auf lokaler/kommunaler Ebene. Gleichzeitig stehen die Kommunen auch vor großen Herausforderun- gen. Der wichtigste Engpass für notwendige Investitionen sind die begrenzten Budgets der öffentlichen Hand und der Stadtwerke. 11 Das gilt vor allem für In- vestitionen in jene Projekte, die nicht durch Zuschüsse übergeordneter Gebiets- körperschaften (Bund) gefördert werden und/oder eine lange Amortisationszeit haben. Kommunen und Stadtwerke sollten daher aus ihrer einzelwirtschaftli- chen Sicht darauf achten, welche Unterstützung für einzelne Maßnahmen von übergeordneten Gebietskörperschaften bereitgestellt werden, wenngleich jene Förderung nicht immer zu gesamtwirtschaftlich optimalen Ergebnissen führen muss. Die Kommunen müssen dabei auch berücksichtigen, welche kommuna- len Folgekosten mit dem Erhalt etwaiger Zuschüsse verknüpft sind. Innovative Finanzierungsmodelle, die den Staat und Private (Unternehmen und Bürger) einbeziehen, können hilfreich sein, um den Engpass abzumildern. Die Risikoallokation spielt hierbei eine entscheidende Rolle: Risiken sollten grund- sätzlich von jenem Partner getragen werden, der diese am besten beeinflussen kann. Letztlich dürfte das Erreichen vieler der oben genannten klima- und ener- giepolitischen Ziele ein stärkeres finanzielles Engagement des Bundes verlan- gen. In einigen Bereichen (z.B. Verkehr) verfügt der Bund auch über die effekti- veren Instrumente als die Kommunen. Für die Mittelverwendung sollte entscheidend sein, welche Maßnahmen den höchsten ökologischen Zielerreichungsgrad haben. Hierbei ist zu berücksichti- gen, dass ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht per se miteinander vereinbar sind. Eine Priorisierung der ökologischen Komponente des Dreiklangs Nachhaltigkeit (etwa nach dem Prinzip „Viel hilft viel“) ist abzulehnen, denn da- runter würden andere Aufgaben der Kommunen leiden (z.B. Bildung). Zudem würden Effizienzkriterien bei der Umsetzung der Energiewende (z.B. Wahl der geeigneten Standorte für Erneuerbare) vernachlässigt. Eine weitere Herausforderung für die Kommunen und Stadtwerke liegt in den erhöhten Anforderungen an die Verwaltungen bzw. das Management. Mehr Kooperationen mit anderen Kommunen und/oder Stadtwerken könnten dazu beitragen, die Aufgaben effizienter zu bewältigen. Zielführend können auch Zu- 10 Vgl. Heymann, Eric et al. (2011). Elektromobilität: Sinkende Kosten sind conditio sine qua non. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen 526. Frankfurt am Main. 11 Vgl. Zipfel, Frank (2010). Kommunalfinanzen – zukunftssicher aufgestellt? Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen 482. Frankfurt am Main. Kooperationen können gerade für kleinere Kommunen sinnvoll sein 0 40 80 120 160 200 99 01 03 05 07 09 11 Schuldenstand Einnahmen Ausgaben Begrenzter Handlungsspielraum 15 Einnahmen, Ausgaben und Schuldenstand der Kommunen in Deutschland, Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke sammenschlüsse zum Erreichen einer optimalen Betriebsgröße sein. Gerade kleinere Kommunen werden häufiger auf externe Beratung zurückgreifen müs- sen. Übergeordnete Gebietskörperschaften (z.B. Bundesländer, Bund) tragen eine Verantwortung dafür, dass sich die vielen neu entstehenden kommunalen Energiekonzepte mit den übergeordneten Zielen decken, wenngleich dies einen Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung bedeuten kann. Die Bewältigung der Energiewende erfordert also sowohl kommunale/regionale Kooperation als auch überregionales Handeln. Josef Auer (+49 69 910-31878, josef.auer@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) © Copyright 2012. Deutsche Bank AG, DB Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenan- gabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verfügt. 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