1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Aktueller Kommentar
15. März 2016
2015 sanken die deutschen Warenausfuhren in die Ölstaaten um 7,4%; dies war der dritte Rückgang in Folge. Steigende Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate (vor allem Flugzeuge) sowie nach Saudi-Arabien verhinderten ein noch schlechteres Ergebnis. Aufgrund der vorerst niedrigen Ölpreise dürften die deutschen Ausfuhren in die Ölstaaten auch 2016 sinken. Unser Exportindikator deutet auf einen Rückgang in der Größenordnung von 5% hin. Unter den großen deutschen Industriesektoren dürfte der Maschinenbau – wie schon 2015 – am stärksten unter der sinkenden Nachfrage aus den Ölstaaten leiden. Insgesamt wird die Bedeutung der Ölstaaten als Absatzmarkt für die deutsche Industrie 2016 weiter an Bedeutung verlieren. [mehr]
Ende der goldenen Zeiten für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Ende der goldenen Zeiten für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum 15. März 2016 2015 sanken die deutschen Warenausfuhren in die Ölstaaten um 7,4%; dies war der dritte Rückgang in Folge. Steigende Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate (vor allem Flugzeuge) sowie nach Saudi- Arabien verhinderten ein noch schlechteres Ergebnis. Aufgrund der vorerst niedrigen Ölpreise dürften die deutschen Ausfuhren in die Ölstaaten auch 2016 sinken. Unser Exportindikator deutet auf einen Rückgang in der Größenordnung von 5% hin. Unter den großen deutschen Industriesektoren dürfte der Maschinenbau – wie schon 2015 – am stärksten unter der sinkenden Nachfrage aus den Ölstaaten leiden. Insgesamt wird die Bedeutung der Ölstaaten als Absatzmarkt für die deutsche Industrie 2016 weiter an Bedeutung verlieren. Der tiefe Einbruch der Ölpreise setzt seit Mitte 2014 die Wirtschaft vieler Ölproduzenten unter erheblichen Druck, und die erneuten starken Korrekturen des Ölpreises – zwischenzeitlich fiel dieser in diesem Jahr auf unter USD 30 je Barrel – verdeutlicht die anhaltend schwierige Situation in den Ölstaaten. Der derzeit hohe Angebotsüberhang spricht für zunächst weiterhin niedrige Ölpreise. Die goldenen Zeiten der Ölstaaten, als die Ölpreise nördlich der USD 100 je Barrel lagen und die Länder die sprudelnden Öleinnahmen zur Finanzierung von staatlichem Konsum und Investitionen einsetzten, dürften damit vorerst vorüber sein. Der Ölpreis, den die einzelnen Länder für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigen, liegt für alle Ölproduzenten über dem derzeitigen Niveau von etwa USD 40 je Barrel. Die ölpreisbedingte massive wirtschaftliche Abkühlung in den Ölstaaten hat vor allem über den Außenhandelskanal Implikationen für die deutsche Konjunktur. Der Gesamteffekt niedriger Ölpreise für die deutschen Ausfuhren ist zwar positiv, aber die deutschen Exporte in die Ölstaaten stehen weiter erheblich unter Druck. VAE und Saudi-Arabien sorgen 2015 für gutes Ergebnis der OPEC-Staaten Während die deutschen Exporte in alle Länder 2015 um 6,4% stiegen, fielen die Exporte in die Ölstaaten – das dritte Jahr in Folge – um etwas mehr als 7%. Die Exporte in die Nicht-OPEC-Ölstaaten befanden sich mit einem Rückgang von über 20% im freien Fall, wobei die Exporte nach Russland mit -26% (teils sanktionsbedingt) weiter besonders kräftig dämpften. Demgegenüber stiegen die Exporte in die OPEC-Staaten um etwa 7%, der vierte jährliche Zuwachs in Folge. Auffällig ist, dass innerhalb der OPEC-Staaten im Wesentlichen nur Saudi-Arabien mit einem Exportplus von 12% und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit rund 29% für den Zuwachs bei den deutschen Exporten in die OPEC-Länder gesorgt haben. Die Exporte in alle übrigen OPEC-Länder brachen dagegen um mehr als 10% ein. In Summe nahm der Anteil der Ölstaaten an den gesamten deutschen Ausfuhren ab und lag 2015 nur noch bei 5,9%; im Jahr 2012 waren es noch 7,5%. In absoluter Betrachtung sank das deutsche Exportvolumen in diese Länder zwischen 2012 und 2015 um EUR 11,6 Mrd. Aktueller Kommentar Seite 2 von 3 Flugzeugexporte verhindern 2015 Schlimmeres – Maschinenbau und Metallindustrie besonders negativ betroffen Die branchenspezifische Analyse zeigt, dass der hohe deutsche Exportzuwachs in Richtung VAE zu einem großen Teil von zwei Sektoren getragen wurde, nämlich der Elektrotechnik mit einem Plus von 33% im Jahr 2015 und vor allem dem sonstigen Fahrzeugbau (überwiegend Flugzeuge), wo die deutschen Ausfuhren in die VAE um knapp 61% expandierten. Ohne diese beiden Sektoren wären die Ausfuhren in die VAE „nur“ um 7,1% gewachsen. Im Falle von Saudi-Arabien basierte der Exportzuwachs des letzten Jahres auf deutlich mehr Sektoren. Unter den großen deutschen Industriesektoren waren 2015 der Maschinenbau sowie die Metallindustrie am stärksten von der Wirtschaftsschwäche der Ölförderstaaten betroffen. Diese Sektoren exportierten 2015 gut 18% bzw. 17% weniger Waren in die betreffenden Länder. Für den Maschinenbau fällt der negative Effekt besonders kräftig aus, denn die Ölstaaten machen 7,8% der gesamten deutschen Maschinenausfuhren aus und haben damit einen überdurchschnittlich hohen Anteil; zudem ist der deutsche Maschinenbau insgesamt sehr exportintensiv. Gerade das seit nunmehr drei Jahren stark rückläufige Russlandgeschäft schmerzt den deutschen Maschinenbau. 2015 lagen die Ausfuhren der Branche allein nach Russland um EUR 3,6 Mrd. oder 42,6% niedriger als 2012. Exporte in die Ölstaaten dürften 2016 erneut kräftig fallen Der Ausblick auf das Jahr 2016 verspricht nur wenig Besserung. Viele Ölförderländer dürften angesichts weiterhin niedriger Ölpreise auch 2016 nur schwach wachsen und engen Budgetrestriktionen unterliegen. Um die Auswirkungen auf die deutschen Exporte abzuschätzen, haben wir einen Exportindikator für die Ölstaaten berechnet, der sich aus einem Nachfrageimpuls und einem Preisimpuls (Wechselkurs) zusammensetzt.* Der Nachfrageimpuls dürfte sich danach in diesem Jahr wieder leicht verbessern. Dies wird hauptsächlich von der im Vergleich zu 2015 schwächer ausfallenden Rezession in Russland getrieben. Der – relativ gesehen – etwas günstigere Nachfrageimpuls dürfte aber durch den negativen Preisimpuls überkompensiert werden, da die teilweise dramatisch schwächeren Währungen in einigen Ölstaaten die importierten Güter, etwa aus Deutschland, drastisch verteuern. Insgesamt deutet der Exportindikator für die Ölstaaten somit auf einen erneuten Rückgang der deutschen Exporte in die Ölstaaten von etwa 5% im Jahr 2016 hin. Gerade Investitionen im Energiesektor dürften (weiter) zurückgefahren werden. Unter den deutschen Industriesektoren dürfte dies den Maschinenbau überdurchschnittlich stark treffen. Die Exporte von Flugzeugen könnten auch 2016 für Entlastung sorgen, denn hier beruhen die Auslieferungen zumeist auf langfristigen Verträgen. Und die Kunden, also die Fluggesellschaften, profitieren auf der Kostenseite von niedrigen Ölpreisen. Alles in allem dürfte die Bedeutung der Ölstaaten als Exportmarkt für die deutsche Industrie 2016 aber weiter sinken. * Die Berechnung des Exportindikators für die Ölstaaten erfolgte analog zu dem Exportindikator für die deutschen Gesamtexporte. Siehe für Details: Heymann, Eric und Heiko Peters (2016). Deutsche Exporte 2016 doppelt unter Beschuss. Ausblick Deutschland: Wachstum 2016: Exportindikator dämpft, Binnenwirtschaft läuft dank Staat und Bau. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main.   Aktueller Kommentar Seite 3 von 3 Weitere Informationen: Aktuelle Themen "Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015"             Autoren: Eric Heymann (+49) 69 910-31730 mehr zum Research-Bereich Branchen und Ressourcen Heiko Peters (+49) 69 910-21548 mehr zum Research-Bereich Makroökonomie Aktuelle Kommentare - Archiv       © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations-zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste-henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank-geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei-stungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex-change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.  
2.6.7