12. Dezember 2017
Wir haben unsere BIP-Wachstumsprognosen für 2017 bzw. 2018 um etwa einen halben Prozentpunkt auf 2,3% angehoben, da die Investitionstätigkeit durch die günstigen Aussichten für die Exportwirtschaft angekurbelt wird. Letztere sind ihrerseits auf den globalen Investitionszyklus zurückzuführen. Dass sich die Regierungsbildung als schwierig erweist, ist zwar mit Blick auf die längerfristigen Herausforderungen für Deutschland nicht gerade ermutigend, dürfte aber kurzfristig nur begrenzte Auswirkungen haben. [mehr]
PROD0000000000458080 1   |    12. Dezember 2017Aktuelle Grafik 12. Dezember 2017 Deutschland - Politische Un- sicherheit wirkt sich nicht auf Investitionszyklus aus Wir haben unsere BIP-Wachstumsprognosen für 2017 bzw. 2018 um etwa ei- nen halben Prozentpunkt auf 2,3% angehoben, da die Investitionstätigkeit durch die günstigen Aussichten für die Exportwirtschaft angekurbelt wird. Letztere sind ihrerseits auf den globalen Investitionszyklus zurückzuführen. Dass sich die Re- gierungsbildung als schwierig erweist, ist zwar mit Blick auf die längerfristigen Herausforderungen für Deutschland nicht gerade ermutigend, dürfte aber kurz- fristig nur begrenzte Auswirkungen haben. Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Stefan Schneider +49(69)910-31790 stefan-b.schneider@db.com Im dritten Quartal fiel das BIP-Wachstum mit 0,8% uner- wartet kräftig aus, und die Stimmungsindikatoren deuten auf keine merkliche Konjunkturverlangsamung hin. Da das BIP im vierten Quartal wahrscheinlich um über 0,5% gg. Vq. expandieren wird, ist zum Jahresbeginn 2018 mit ei- nem Überhang von rund 1% zu rechnen. Im Jahr 2018 sollten die Ausrüstungsinvestitionen weiter ansteigen. Die Exportaussichten haben sich verbessert, die Kapazitäts- auslastung hat sich deutlich erhöht, und in der Wirtschaft herrscht wieder Optimismus vor. Dies deutet auf einen An- stieg der Beschäftigung um mindestens 1% im Jahr 2018 hin (2017: knapp 1 ½%), sodass eine solide Grundlage für das Wachstum des privaten Konsums vorhanden sein soll- te. 2018 stehen Tarifverhandlungen für 9,7 Millionen Ar- beitnehmer (von insgesamt 32,5 Millionen) an, unter ande- rem im Maschinenbau und der Elektroindustrie (3,9 Millio- nen), im Bausektor (0,7 Millionen) und im öffentlichen Dienst (auf Bundes- und kommunaler Ebene; 2,5 Millionen). Trotz voller Auftragsbücher und eines spürbaren Mangels an Fachkräften fordert die Gewerkschaft IG Metall die Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden zu reduzieren (der- zeit: 35 Stunden im Westen, 38 Stunden im Osten). Dies sollte den Spielraum für Gehaltsanhebungen deutlich schmälern (derzeit verlangt die IG Metall 6%). Unseres Erachtens werden die Arbeitgeber versuchen, die Gespräche über kürzere Ar- beitszeiten zu vertagen und stattdessen relativ hohe Lohnsteigerungen von deutlich über 3% akzeptieren (wobei allerdings die Autoindustrie, wo die Elektromobilität Arbeitsplätze gefährden könnte, eher dazu geneigt sein könnte, auf die Vorstel- lungen der IG Metall einzugehen). Lohnerhöhungen von 3% und mehr werden als Messlatte für die Tarifverhandlungen im Jahr 2018 dienen. Allerdings werden die Löhne und Gehälter in denjenigen Sektoren, in denen keine Tarifverhandlungen anstehen, moderater zulegen, sodass insgesamt mit einem Anstieg der Stundenlöhne um rund 2 ¾% zu rechnen ist. Bei einer Gesamtinflationsrate von durchschnittlich 1 ¾% sollte daher ein Konsumwachstum von knapp 2% möglich sein. Positiver Investitionsausblick Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Deutsche Bank Research Deutsche Bank Research Deutschland - Politische Unsicherheit wirkt sich nicht auf Investitionszyklus aus 2   |    12. Dezember 2017Aktuelle Grafik Originalversion in Englisch vom 5. Dezember 2017: ˮ Germany - Capex cycle unfazed by political uncertainty ˮ Nach dem unerwarteten Scheitern der Jamaika-Sondierungsgespräche und dem intensiven Appell von Bundespräsident Steinmeier erscheint eine neuerliche Große Koalition als wahrscheinlichste Option. Vorgezogene Neuwahlen wären jedoch ebenfalls möglich, falls die SPD zu hohe Forderungen stellt. Wir gehen nicht davon aus, dass bei einer Regierungsbeteili- gung der SPD die fiskalischen Schleusen geöffnet werden. Trotz kräftig sprudelnder Steuereinnahmen ist der Spielraum im Bundeshaushalt in den kommenden vier Jahren wohl auf rund EUR 40 Mrd. (1,2% des BIP) begrenzt. Da sich die Verab- schiedung des Haushalts für 2018 wohl verschieben wird, könnten die fiskalischen Impulse zum Teil erst 2019 wirksam werden (ca. 1/4%-Punkt). Die zeitraubende Regierungsbildung dürfte die boomende Konjunktur nicht merklich dämpfen. Allerdings ist mit zusätzlichen sozialen Wohltaten und weiteren bürokratischen Hindernissen, z.B. an den Arbeits- und Im- mobilienmärkten, zu rechnen. Deutsche Bank Research Deutschland - Politische Unsicherheit wirkt sich nicht auf Investitionszyklus aus 3   |    12. Dezember 2017Aktuelle Grafik © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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