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2. April 2014
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In Kontinentaleuropa hat sich die finanzielle Lage vieler Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV), die leistungsbezogene Rentenpläne anbieten, in den letzten Jahren wieder verbessert. Gleichwohl bleiben die Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersversorgung schwierig. Als wesentliche Belastungen gelten die anhaltend niedrigen Renditen für hochwertige Anleihen sowie die steigende Lebenserwartung der Leistungsberechtigten. Neue aufsichtsrechtliche Vorgaben, wie sie der jetzt veröffentlichte Vorschlag für eine Revision der EU-Pensionsfondsrichtlinie (IORP II) vorsieht, dürften viele EbAV ebenfalls herausfordern. In Deutschland hat die Politik, anders als in den Niederlanden und der Schweiz, noch kaum auf die jeweiligen Erfordernisse reagiert. [mehr]
Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung in Europa: Anhaltende Herausforderungen EU-Monitor Europäische Integration In Kontinentaleuropa hat sich die finanzielle Lage vieler Einrichtungen der be- trieblichen Altersversorgung (EbAV), die leistungsbezogene Rentenpläne (defined benefit, DB) anbieten, in den letzten Jahren wieder verbessert. So liegt etwa der durchschnittliche Deckungsgrad der Pensionsfonds in den Niederlan- den und der privaten Pensionskassen in der Schweiz wieder über 100%. Dies reflektiert die Erholung an den Aktienmärkten und die Stabilisierung an den An- leihemärkten, freilich auf historisch niedrigem Niveau. Gleichwohl bleiben die Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersversor- gung schwierig. Als eine wesentliche Belastung gelten die anhaltend niedrigen Renditen für hochwertige Anleihen. Indes bieten sich derzeit für gut geratete Sponsorunternehmen mit nicht ausfinanzierten Rentenplänen auch Chancen. Für diese Unternehmen kann es attraktiv sein, Anleihen zu emittieren und die dadurch erlangten liquiden Mittel zur unternehmensexternen (Aus-)Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen zu nutzen. Die niedrigen Anleiherenditen sind zu einer bekannten Herausforderung für die EbAV hinzugetreten: die steigende Lebenserwartung der Planmitglieder. In der EU nimmt die Lebenserwartung derzeit jährlich um rd. 2½ Monate zu. Experten gehen aber davon aus, dass die Menschen künftig noch älter werden als bis- lang erwartet. Der Anstieg der Lebenserwartung um ein Jahr kann den Barwert der Zahlungsverpflichtungen eines typischen Pensionsplans um 3 bis 5% erhö- hen. Allein auf die Pläne der DAX-30-Unternehmen bezogen bedeutete dies einen Anstieg der Verbindlichkeiten um rd. EUR 15 Mrd. Sowohl hohe drohende Kosten als auch neue Regulierungsansätze deuten dar- auf hin, dass die Absicherung von Risiken, v.a. des Langlebigkeitsrisikos, an Bedeutung gewinnt. EbAV können dieses Risiko prinzipiell entweder durch Übertragung an eine Versicherung bzw. Rückversicherung oder Transfer an den Kapitalmarkt, insbesondere in Form von Swap-Lösungen, absichern. Die anstehende Reform der EU-Pensionsfondsrichtlinie (IORP II) dürfte viele EbAV ebenfalls herausfordern. Zwar beinhaltet der jetzt veröffentlichte Richt- linienvorschlag keine neuen quantitativen Vorgaben für eine risikobasierte Ei- genkapitalausstattung der EbAV. Jedoch sollten sich die Einrichtungen vor al- lem auf erweiterte Anforderungen für das Risikomanagement und die Berichts- pflichten einstellen. In Deutschland hat die Politik, anders als in den Niederlanden und der Schweiz, noch kaum auf die jeweiligen Erfordernisse reagiert. So zielen in den beiden Nachbarländern (anstehende) Gesetzgebungsverfahren darauf, die nachhaltige Finanzierbarkeit der (quasi-)obligatorischen Betriebsrenten u.a. durch Leis- tungsanpassungen zu sichern. Hingegen stehen in Deutschland bessere steuer- liche Rahmenbedingungen auf der Wunschliste der EbAV weit oben. Autor Dieter Bräuninger +49 69 910-31708 dieter.bräuninger@db.com Editor Barbara Böttcher Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 2. April 2014 Einrichtungen der betriebl i chen Altersversorgung in Europa: A nhaltende Herausford eru n gen EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 2 | 2. April 2014 EU-Monitor Einleitung Mit der Erholung an den Aktienmärkten und der Stabilisierung an den Anleihe- märkten hat sich in Europa die finanzielle Lage vieler Einrichtungen der betrieb- lichen Altersversorgung (EbAV), die leistungsbezogene Rentenpläne (defined benefit, DB) anbieten, verbessert. Die Vermögensbestände sind deutlich gestie- gen. Zudem hat sich der für viele Einrichtungen und Sponsoren problematische (rechnungstechnische) Anstieg der Verbindlichkeiten zumindest merklich abge- flacht. Hier schlägt sich nieder, dass die für die Diskontierung der Zahlungsver- pflichtungen weithin relevanten Zinsen hochwertiger Anleihen in den Kernlän- dern des Eurogebietes sowie in der Schweiz relativ konstant geblieben sind. Gleichwohl bleiben die Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersversor- gung schwierig. Mit Blick auf das wirtschaftliche Umfeld sind viele Pensions- fonds bzw. EbAV 1 vor allem durch die anhaltend niedrigen Zinsen herausgefor- dert. Je länger die Niedrigzinsphase andauert, desto schwieriger wird es ten- denziell für viele Einrichtungen, eine Rendite auf ihre Anlagen zu erwirtschaften, die hinreichend hoch ist, um zugesagte Leistungen nachhaltig erfüllen zu kön- nen. Plakativ formuliert, geht es für viele EbAV darum, ungeachtet negativer Realzinsen attraktive, positive reale Renditen zu erwirtschaften, zumal viele DB- Pläne Anpassungen der Leistungen im Alter an Lohn- oder (Konsumenten-) Preisindices und damit reale (jährliche) Rentensteigerungen vorsehen. Dabei kommen angesichts der zunehmenden Lebenserwartung auf viele Pensi- onsfonds weitere erhebliche Ausgabensteigerungen zu. Kostenbelastungen drohen auch durch neue regulatorische Auflagen. Für Pensionsfonds ist es da- her hilfreich, Risiken und Kostensteigerungen entschlossen entgegenzuwirken. In verschiedenen Ländern haben zuständige (sozial-)politische und aufsichts- rechtliche Akteure Maßnahmen ergriffen, die die nachhaltige Finanzierbarkeit von DB-Plänen erleichtern sollen. Dazu gehört wesentlich auch die Reduzierung bzw. Flexibilisierung des Pflichtleistungskataloges solcher Pläne. Zu nennen sind hier etwa (erweiterte) Möglichkeiten, Leistungen an die Performance der Fonds anzupassen. Neben geeigneten Schritten seitens der Pensionsfonds zum De-Risking sowie einem umsichtigen, an den Verbindlichkeiten, aber auch den Erfordernissen des Niedrigzinsumfeldes orientierten Management der Vor- sorgevermögen (Asset-Liability-Management) können solche Anpassungen dazu beitragen, den aus Sicht von Arbeitnehmern und letztlich auch von Arbeit- gebern unbefriedigenden Trend zur Abkehr von DB-Plänen und hin zu rein bei- tragsbezogenen Plänen (defined contribution, DC) zu stoppen. All dies gibt Anlass, die für EbAV und deren Sponsoren relevanten Trends in ausgewählten europäischen Ländern näher zu betrachten. Zunächst wird die Lage der Pensionsfonds nach den Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Jahre dargestellt. Anschließend blicken wir auf die für Pensionsfonds relevanten Risiken sowie den Stand der Revision der EU-Pensionsfonds-Richtlinie. Was sind Hauptinhalte und mögliche Implikationen der Richtlinie, deren Entwurf die Europäische Kommission am 27. März präsentiert hat? In einem weiteren Teil wird aufgezeigt, wie Aufsichtsbehörden, Politik und involvierte Tarifparteien auf die vermehrten Herausforderungen reagieren. Dabei beschränkt sich die Analy- se auf Deutschland und die Nachbarländer Niederlande und Schweiz, die ange- sichts des großen Gewichts der kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung bei der Alterssicherung dort weithin als Vorbilder gelten. 1 Beide Begriffe werden hier synonym gebraucht. Soweit der Begriff Pensionsfonds den spezifi- schen (fünften) Durchführungsweg der bAV in Deutschland meint, geht dies aus dem Text hervor. 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 DAX EURO STOXX SMI IBEX Quellen: WEFA, Deutsche Bank Research Wochendurchschnitte, 1. KW 2008 = 100 Aktienindices im Eurogebiet und in der Schweiz 1 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 Quellen: WEFA, Deutsche Bank Research Rendite 10-jähriger Bundesanleihen 2 % EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 3 | 2. April 2014 EU-Monitor Exkurs: DB- und DC-Pläne 3 Nach üblicher Abgrenzung verpflichtet sich der Arbeitgeber als Plansponsor bei Defined-Contribution-Plänen (DC - Pläne) zur Zahlung bestimmter (planmäßiger), vorab festgelegter Beträge (in definierter absoluter Höhe oder als (definierter) Prozentsatz des Arbeitsentgelts oder anderer relevanter Größen wie dem Unternehmensgewinn) zum Zweck der Alter s- vorsorge. Der Arbeitgeber geht dabei keine weiteren Verpflichtungen ein. Die üblich en Chancen und Risiken der kapita l- basierten Altersversorgung, etwa bei der Kapitalanlage und hinsichtlich biometrischer Veränderungen, entfallen damit auf die Planmitglieder, d.h. die beteiligten Arbeitnehmer. Bei Defined-Benefit-Plänen (DB - Plänen) verpfl ichtet sich der Arbeitgeber zur Übernahme bestimmter, im Voraus festg e- legter Leistungen im Versorgungsfall. Je nach Ausgestaltung der Leistungszusagen trägt der Arbeitgeber einzelne Ris i- ken (so genannte Hybrid - Pläne, s. unten) oder alle relevanten Risiken der Altersversorgung. Die Unterscheidung zwischen beiden Plantypen ist insbesondere auch für die bilanzielle Erfassung bzw. Rechnungs - legung der betrieblichen Altersversorgung nach den in der EU und im EWR geltenden internationalen Rechnungsl e- gungsstand ard s IFRS (International Financial Reporting Standards) relevant. Konkrete Vorgaben sind dort im Bereich IAS 19 (Verpflichtungen aus Arbeitsverhältnissen (Employee Benefits) festgelegt. Nach IAS 19 erfasst die unternehmerische Rechnungslegung bei DC - Plänen g rundsätzlich nur die im jeweiligen Rec h- nungsjahr von Sponsorunternehmen aufgewendeten (definierten) Beiträge, die zugunsten der Mitarbeiter an Verso r- gungseinrichtungen geleistet wurden, als Personalaufwand. Das durch die Beitragszahlungen in den Einrichtun gen z u- gunsten der Mitarbeiter akkumulierte Vorsorgekapital und d i e daraus resultierende n Ansprüche der Planmitglieder gehen nicht in die Rechnungslegung des Sponsorunternehmens ein. Hingegen müssen Einrichtungen, die DB - Pläne verantworten , die Versorgungs verpflichtungen und die daraus resulti e- renden Zahlungsverpflichtungen nach bestimmten (versicherungsmathematischen) Verfahren und Richtgrößen erfassen und bewerten. Wesentliche Kenngröße dabei sind die diskontierten Zahlungsverpflichtungen, die Defined Ben efit Oblig a- tion (DBO), die dem Barwert der zum Bewertungsstichtag erdienten Pensionsansprüche der Planmitglieder entsprechen. Der Diskontierungs - bzw. Rechnu ngszinssatz muss sich dabei am Zinssatz hochwertiger festverzinslicher Unterne h- mensanleihen ( High Q uality Corporate B onds) orientieren. Für die Erstellung der Bilanz der Einrichtung bzw. des Sponsorunternehmens sind u.a. die DBO mit dem Planvermögen zu verrechnen. Als Planvermögen qualifizieren Ve r- mögenswerte, die einigen strengen Kriterien genügen. So müssen die Vermögenswerte ausschließlich der Erfüllung der Vorsorgeverpflichtungen des Sponsorunternehmens (Arbeitgebers) dienen und (im Inso l venzfall) dem Zugriff von Glä u- bigern des Sponsors entzogen sein. Das trifft international für die von Pensionsfond s gehaltenen Vermögenswerte zu. In De utschland zählen über spezielle Treuhandmodelle (CTAs) sowie externe Durchführungswege (Pensionsfonds, Pens i- onskasse und unter bestimmten Bedingungen Unterstützungskasse) ausgelagerte Vermögenswerte als Planvermögen. In des lassen sich die in dem komplexen deutschen Betriebsrentenrecht mit seinen drei Zusageformen * und fünf Durc h- führungswegen möglichen zwölf (Grund - )Varianten von Rentenplänen ** nicht pauschal entweder als DB - oder als DC - Plan klassifizieren. Vielmehr komm t es wesentlich auf die individuelle Plangestaltung an. In der Regel handelt es sich aber bei den über die nicht versicherungsförmigen Durchführungswege (Direktzusage und Unterstützungskasse) fina n- zierbaren Leistungszusagen und den beitragsorientierten Lei stungszusagen um DB - Pläne. Hingegen gelten über eine Direktversicherung finanzierte Pläne grundsätzlich als DC - Pläne, weil das Sponsorunternehmen hierbei keines der für die Altersversorgung typischen Risiken trägt. Bei Pensionskassen und Pensionsfonds rich tet sich die Einordung u.a. danach, ob Nachschusspflichten des Sponsors bestehen und ob dieser von den Erträgen der Anlage profitiert, etwa durch entsprechend verminderte zukünftige Beiträge. Beides führt i.d.R. zur Klassifizierung als DB - Plan. Internatio nal gewinnen Hybrid-Pläne , bei denen ein Teil der Risiken vom Sponsorunternehmen weg hin zu den Arbei t- nehmern verlagert wird, zunehmend an Bedeutung. So kann etwa das Anlage - und Zinsänderungsrisiko dadurch b e- grenzt werden, dass für die alljährliche Aufwer tung ( Indexierung ) von Pensionsversprechen anstelle eines festen Wertes (Rendite) ein von den Renditen an den Finanzmärkten abhängiger Wert gewählt wird. Zur Begrenzung des Inflations - risikos etwa können bei Plänen, die eine an der Entwicklung der Löhne od er der Konsumentenpreise orientierte Indexi e- rung der Betriebsrenten vorsehen, Höchstwerte für die betreffende jährliche Anpassung oder die Orientierung an Misc h- indices, die neben den Preisen oder Löhnen auch die gesamtwirtschaftliche Lage (Entwicklung des realen BIP) berüc k- sichtigen, vereinbart werden. * Leistungszusage, beitragsorientierte Leistungszusage, Beitragszusage mit Mindestleistung (s. S. 20 ) . ** Die Beitragszusage mit Mindestleistung kann nicht mittels Direktzusage und Unterstützungskasse finanzi ert werden. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 4 | 2. April 2014 EU-Monitor Zur Lage der Vorsorgeeinrichtungen Pensionsfonds im Eurogebiet verfügten nach (für Deutschland korrigierten) Angaben der OECD Ende 2012 über ein Vermögen von rd. USD 2.288 Mrd. Rechnet man die Schweiz (USD 734 Mrd.) hinzu, so ergibt sich ein Betrag von rd. USD 3,022 Billionen. Ein Jahr zuvor waren es USD 2,675 Billionen. 2 Das entspricht einem Plus von 13%. Der Zuwachs der letzten Jahre resultiert zum einen aus zusätzlichen Dotierungen; zum anderen reflektiert er aber auch nen- nenswerte Wertzuwächse der Vermögensbestände. Das Gros, fast zwei Drittel, der in dem genannten Gebiet von Pensionsfonds gehaltenen Assets entfällt auf die Niederlande und die Schweiz. Gemessen am BIP betrugen die Vermögen der Pensionsfonds dort Ende 2012 155% (nieder- ländische Statistik 153%, Ende 2013 155%) bzw. 114%. Damit liegen die bei- den Länder, sieht man von Island ab, auch an der Spitze der OECD-Länder, vor Großbritannien (104%) und Australien (92%). Für Deutschland, wo es fünf ver- schiedene Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung gibt, bezieht die OECD nur das Vermögen der Pensionskassen und Pensionsfonds in ihre Statistik mit ein und weist so einen Anteil von 6% aus. Rechnet man dazu das extern angelegte Planvermögen der Unternehmen hinzu (s. unten), so dürfte der Wert in der Größenordnung von 15% liegen. Beim Gros dieser Assets handelt es sich um für DB-Pläne oder für Hybrid-Pläne akkumuliertes Vermögen. Beide Arten von Plänen sind in den Niederlanden und in Deutschland (s. auch Box S. 3 sowie S. 19f.) verbreitet. Das obligatorische Betriebsrentensystem in der Schweiz gestattet nur DB-Pläne. DC-Pläne spielen hingegen in den größeren Ländern des Eurogebietes nur in Italien und vor allem in Spanien eine Rolle. Das in Deutschland bei Versicherungsunternehmen an- gesammelte Deckungskapital für die 7,41 Mio. Direktversicherungen, die aus Arbeitgebersicht und rechnungslegungstechnisch DC-Pläne sind, ist in den an- gegebenen Werten nicht enthalten. Die finanzielle Lage der EbAV mit DB- und/oder Hybrid-Plänen in den Ländern der Eurozone und der Schweiz hat sich in den letzten Jahren weithin verbes- sert. Während das Vermögen vieler Fonds kräftig gestiegen ist, hat sich der längere Zeit zu beobachtende Anstieg der rechnungstechnischen Verbindlich- keiten bereits 2012 deutlich abgeschwächt. 2013 war in einigen Ländern sogar ein leichter Rückgang der Verbindlichkeiten zu beobachten. Der Anstieg der Vermögen der Pensionsfonds reflektiert zum einen die Erho- lung an den jeweiligen heimischen und anderen relevanten (internationalen) Aktienmärkten. Zum anderen hat auch der Anstieg der Kurse hochwertiger Unternehmensanleihen sowie der Staatsanleihen mit hoher Bonität dazu beige- tragen. Davon haben Einrichtungen mit einem nennenswerten Bestand solcher Werte besonders profitiert, etwa die Pensionskassen in Deutschland. Die mancherorts zunächst tiefen Spuren, welche die globale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und anschließend die Eurokrise in den Vermögensaufstellun- gen vieler EbAV hinterlassen haben, sind damit wieder überdeckt oder zumin- dest nicht mehr so tief. Freilich bietet sich in Europa ein regional differenziertes Bild, zumal bei der Vermögensallokation länderspezifische Besonderheiten be- stehen. In Ländern, in denen ein größerer Teil des Vermögens der Pensions- fonds traditionell in Aktien investiert ist, war der Einbruch in der Krisenphase stärker, aber grundsätzlich fiel auch die Erholung kräftiger aus. Zu diesen Län- dern gehören etwa Schweden, die Schweiz und in der Eurozone v.a. die Nieder- lande. Unter den Peripherieländern überschritten die Vermögen der Pensions- fonds zumindest gemessen am BIP in Spanien 2012 wieder ihren Wert vor der Krise, während dies etwa in Irland und Portugal (noch) nicht der Fall war. 2 OECD (2013). Pension Markets in Focus 2013. 0 20 40 60 80 100 120 140 160 IT DE ES PT SE DK UK CH NL % des BIP Quelle: OECD Vermögen der Pensionsfonds 2012* 4 *Autonome Pensionsfonds 41,4 14,2 24,0 3,8 3,7 12,9 NL DE* CH IT ES Übrige * Pensionskassen und Planvermögen (geschätzt) 2012 insgesamt EUR 2.332 Mrd. Quellen: Pensions Europe, Towers Watson, Deutsche Bank Research Pensionsfondsmarkt im Eurogebiet und in der Schweiz 5 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% CH DE* DE** NL SE Aktien Festverzinsliche Wertpapiere Liquidität Andere*** Vermögensanlage von Pensionsfonds 6 2012 * Pensionskassen u. Pensionsfonds; **Pläne der DAX - 30 U. *** Immobilien, Versicherungen, Private Equity etc. Quellen: OECD, Towers Watson EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 5 | 2. April 2014 EU-Monitor 90 95 100 105 110 115 120 125 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Bestand an Kapitalanlagen Pensionskassen in Deutschland 9 EUR Mrd. Quelle: BaFin In der Schweiz und den Niederlanden erhöhten sich die Pensionsfondsvermö- gen gemessen am BIP von 2008 bis 2012 um rd. 19%-Punkte bzw. 43%- Punkte, wobei v.a. in den Niederlanden das Gros des Anstiegs in den Jahren 2011 und 2012 stattfand. In der Schweiz nahmen die Vermögensbestände nach einem starken Einbruch im Jahr 2008 bereits 2009 wieder kräftig zu. Das reflek- tiert die relativ hohe Aktienquote im Pensionsfondsvermögen in beiden Ländern. Auch die Verminderung der Spreads bei High-Yields wirkte positiv. Für Deutschland bedarf es wegen der fünf Durchführungswege der Differenzie- rung. Neben der hier nicht erfassten Direktversicherung unterliegen auch die beiden anderen versicherungsförmigen Durchführungswege Pensionskasse und (grundsätzlich) Pensionsfonds u.a. bei ihren Anlageentscheidungen anderen Restriktionen als die nicht versicherungsförmigen Wege Direktzusage und Unterstützungskasse. Bei den beiden letztgenannten ist zudem die unterneh- mensexterne Anlage des Vorsorgevermögens rechtlich nicht erforderlich. Frei- lich besteht bei größeren Unternehmen, v.a. den börsennotierten und in den großen Indices DAX und MDAX vertretenen Firmen, die Tendenz zur externen Anlage der Deckungsmittel von Direktzusagen. Dafür haben sich v.a. Treu- handmodelle (CTAs, Contractual Trust Arrangements) als nützlich erwiesen. 3 Ende 2013 belief sich das Planvermögen der größten börsennotierten Unter- nehmen (DAX und MDAX) Analysen des Beratungsunternehmens Towers Wat- son zufolge auf rd. EUR 215 Mrd. (bzw. 7,9% des BIP) nach EUR 210 Mrd. Ende 2012. Rund EUR 198 Mrd. entfielen auf die 30 im DAX notierten Unter- nehmen. 4 Das gesamte Planvermögen der Unternehmen in Deutschland dürfte deutlich höher liegen, da etwa auch größere Familienunternehmen die Form der externen Anlage von Vorsorgevermögen nutzen. Pensionskassen verfügten Ende 2012 über Kapitalanlagen von EUR 122,5 Mrd. (4,6% des BIP). Das Ver- mögen der deutschen Pensionsfonds beträgt EUR 26,3 Mrd. bzw.1% des BIP (Ende 2012). Bei einem nennenswerten Teil dieses Vermögens handelt es sich indes um externes Planvermögen der großen Unternehmen. 5 Im Gegensatz zu den Vermögensbeständen vor allem vieler EbAV im Ausland entwickelte sich das Vermögen der Pensionskassen in Deutschland relativ kon- tinuierlich und stieg von 2008 bis 2012 um insgesamt 35%. Dabei nahm das Vermögen auch in den schwierigen Jahren leicht zu. Ein ausgeprägter Zuwachs zeigt sich indes für 2012. Er erklärt sich durch den relativ hohen Anteil festver- zinslicher Wertpapiere im Vermögen der Kassen (Namensschuldverschreibun- gen 30%, Schuldscheinforderungen u. Darlehen 21,5%, Inhaberschuldver- schreibungen u.a. 10%; hingegen v.a. über Sondervermögen (Investmentfonds) gehaltene Aktien u. Genussrechte nur 4,4%). Das im Rahmen der Direktzusage extern angelegte Vermögen entwickelte sich volatiler. Nach einem erheblichen Einbruch im Jahr 2008 ist das Planvermögen der DAX-30-Unternehmen aber allein in den vergangenen drei Jahren um mehr als ein Drittel (rd. 35%) gestie- gen, seit dem Tiefstand 2008 sogar um fast zwei Drittel. Das Planvermögen der DAX-Unternehmen ist Angaben von Towers Watson zufolge überwiegend (55%) in Rentenwerten, v.a. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, angelegt. Die Aktienquote beträgt knapp ein Viertel (24%). Indes haben auch Dotierungen wesentlich zu dem Anstieg beigetragen. 3 CTA unterliegen nur geringen Restriktionen bei der Vermögensanlage. V.a. können Sponsor- unternehmen damit auf effiziente Weise Bilanzkennzahlen verbessern, die Risiken aus Versor- gungszusagen reduzieren und die Ansprüche der Mitarbeiter für den Insolvenzfall schützen. 4 Towers Watson (2014). Finanzierung von Pensionsplänen: Erholungstrend setzt sich dank guter Aktienperformance fort. Pressemitteilung Januar 2014 sowie DAX-Konzerne: Rückenwind für die betriebliche Altersversorgung. Pressemitteilung März 2014. 5 Bei kapitalmarktorientierten Unternehmen, die nach ISA 19 bilanzieren, gilt sowohl das auf CTAs ausgelagerte Vorsorgevermögen als auch das Vermögen von nicht versicherungsförmig finan- zierten Pensionsfonds und u.U. auch von Pensionskassen (vgl. Box S. 3) als Planvermögen, das für bilanzielle Zwecke mit den Pensionsverbindlichkeiten zu saldieren ist. Für Unternehmen, die nach dem BilMog bilanzieren, besteht diese Möglichkeit nur für das Vermögen von CTAs. 50 70 90 110 130 150 170 190 210 230 250 2002 2004 2006 2008 2010 2012 DE IT NL PT ES SE CH Entwicklung des Vermögens der Pensionsfonds 7 % des BIP, 2002 = 100 Quellen: OECD, Deutsche Bank Research 56 58 60 62 64 66 68 70 72 0 50 100 150 200 250 300 350 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Vermögen* (links) Verplichtungen (links) Finanzierungsgrad (rechts) Entwicklung Versorgungswerke DAX - 30 - Unternehmen 8 EUR Mrd. (links), % (rechts) Quelle: Towers Watson * Planvermögen EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 6 | 2. April 2014 EU-Monitor Die in den letzten Jahren vielerorts gestiegenen Kurse wichtiger Assets der Fonds zeigen sich auch bei den von den Pensionsfonds in Europa erzielten Renditen. 2012 lagen niederländische Fonds mit einer Rendite von 13,5% an der Spitze. Hohe Renditen erzielten zudem die Schweizer Pensionskassen (7,5%) und die Pensionsfonds in Portugal (5,8%). Die Pensionskassen in Deutschland kamen auf 3,3%. Die mit der Anlage der Planvermögen der großen deutschen Unternehmen beauftragten Asset Manager erzielten 2012 eine Ren- dite von rd. 10% und 2013 von gut 5%. Freilich erschwert das inzwischen hohe Kursniveau v.a. bei hochwertigen Anleihen die Anlange von Mitteln der EbAV. Das Umfeld weithin niedriger Zinsen ist für die EbAV indes nicht nur ein Thema bei der Anlage des Vermögens. Vielmehr schlagen niedrige Renditen hochwer- tiger Anleihen bei DB-Plänen auch auf die Höhe der Verbindlichkeiten durch. Der Rechnungszinssatz, mit dem kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Ver- bindlichkeiten aus betrieblichen Rentenplänen bewerten, richtet sich gemäß dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFSR (IFS 19) nach den Um- laufrenditen hochwertiger Unternehmensanleihen (High Quality Corporate Bonds, HQCB). Davon abweichend bestehen für die EbAV in einzelnen Ländern für den Diskontierungssatz unterschiedliche regulatorischen Vorgaben. 6 Der kräftige Rückgang dieser Renditen in den vorvergangenen Jahren bis 2013 hat deswegen die Verbindlichkeiten der Pensionsfonds mit DB-Plänen entspre- chend in die Höhe getrieben. Dieser Effekt war in nicht wenigen Fällen stärker als der Wertzuwachs des Bestandes entsprechender Anleihen auf der Aktivsei- te. Im vergangenen Jahr hat die weithin leichte Aufwärtsbewegung der Renditen die Verbindlichkeiten wieder etwas reduziert. Die unterschiedlichen und teils gegenläufigen Trends beim Vermögen einerseits und den Verbindlichkeiten andererseits zeigen sich beim Deckungsrad der EbAV. Diese Größe setzt die Vermögenswerte, die Pensionsfonds auf eigenes Risiko halten, in Relation zu den Verbindlichkeiten zulasten der Fonds, bzw. den technischen Rückstellungen. So weist etwa der Deckungsgrad der niederländi- schen Pensionsfonds erhebliche Schwankungen auf. Nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise stürzte er von 144% auf nur noch 92% in Q1 2009 ab. Danach stieg er auf 112% in Q1 2011, ging aber in den folgenden 15 Monaten erneut deutlich auf 94% zurück. Ende 2013 betrug er wieder 110%. Auch in der Schweiz ist der Deckungsgrad der Pensionskassen im Gefolge der Finanzmarktkrise stark gefallen, hat sich seither unter Schwankungen aber wie- der erholt. Indes besteht ein großer Unterschied zwischen den (von der offiziel- len Schweizer Statistik erfassten) 2099 privaten Kassen und den 92 öffentlich- rechtlichen Kassen staatlicher Arbeitgeber. Während der Deckungsgrad bei den privaten Kassen im Durchschnitt über 100% liegt, befanden sich Ende 2012 fast drei Viertel der öffentlich-rechtlichen Pensionskassen in Unterdeckung. 7 Für die nach IAS bilanzierenden Schweizer Unternehmen hat die Unternehmensbera- tung Towers Watson für Ende 2013 einen (hypothetischen) Deckungsgrad (Planvermögen zu Pensionsverpflichtungen) von 102,9% errechnet. 6 In Deutschland gelten für Pensionskassen (und Direktversicherungen) vom Finanzministerium vorgegebene Diskontierungssätze. Für neu abgeschlossene Verträge beträgt der Satz derzeit 1,75%, für ältere Verträge liegt er z.T. deutlich höher. Pensionsfonds, die eingeschränkte Garan- tien übernehmen, können als Diskontierungssatz die um einen Sicherheitsabschlag verminderten erwarteten Kapitalerträge ansetzen. Nach dem BilMoG sind Verpflichtungen aus Pensionsfonds- zusagen mit dem ihrer Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergan- genen sieben Geschäftsjahre abzuzinsen. U.U. kann pauschal der durchschnittliche Marktzins- satz, der sich bei angenommener Restlaufzeit von 15 Jahren ergibt, angewendet werden. Ent- sprechende Referenzsätze gibt die Bundesbank bekannt. Pensionskassen in der Schweiz bewer- ten Verpflichtungen anhand des „technischen Zinssatzes“. Dieser wird von Aufsichtsorganen be- stimmt. Er beträgt derzeit 3% (+ max. 0,25%). In den Niederlanden wird eine marktorientierte Zinsstrukturkurve angewendet mit der Ultimate Forward Rate (4,2%) am langen Ende. 7 Die Unterdeckung vieler öffentlich-rechtlicher Kassen resultiert u.a. auch daraus, dass die regula- torischen Vorgaben diesen Kassen bis Ende 2011 eine Unterdeckung der Pläne erlaubten. - 10 - 5 0 5 10 15 NL SE CH PT IT ES DE* 2011 2012 Quelle: OECD % Reale Nettorenditen von Pensionsfonds 2011 und 2012 10 * Pensionskassen 0 20 40 60 80 100 120 140 160 450 500 550 600 650 700 750 800 850 900 950 05 06 07 08 09 10 11 12 13 Vermögen * EUR Mrd. (links) Verpflichtungen** EUR Mrd. (links) Deckungsgrad % (rechts) Deckungsgrad der Pensionsfonds in den Niederlanden 11 Quelle: DNB Jahresendstände, EUR Mrd. bzw. % * Investiertes Vermögen auf Risiko der Fonds ** Technische Rückstellungen EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 7 | 2. April 2014 EU-Monitor Bei den großen Unternehmen in Deutschland (DAX 30) fiel der durchschnittliche Grad der Ausfinanzierung der Pensionsverbindlichkeiten im Lauf des Jahres 2012 um rd. 5%-Punkte auf 61%, nachdem er sich in den Vorjahren von dem kräftigen Rückgang im Jahr 2008 erholt hatte. Der erneute Rückgang im vorver- gangenen Jahr reflektiert v.a. den 2012 weiter rückläufigen Rechnungszins. Mit dem leichten Anstieg der Zinsen relevanter hochwertiger Anleihen im Jahr 2013 ist der Analyse der Unternehmensberatung Towers Watson zufolge auch der Ausfinanzierungsgrad wieder auf 65% gestiegen. Der im Vergleich mit dem Deckungsgrad in anderen Ländern relativ niedrige Prozentsatz der Ausfinanzie- rung der großen Rentenpläne in Deutschland resultiert indes v.a. daraus, dass die deutschen Unternehmen erst relativ spät, mitunter erst im vergangenen Jahrzehnt, begonnen haben, die Direktzusagen mit unternehmensextern inve- stiertem Kapital zu unterlegen. Im Ausland unterliegen Pensionsfonds etwa in den Niederlanden und der Schweiz hingegen der aufsichtsrechtlichen Pflicht, ihre Verbindlichkeiten voll zu decken. Über versicherungsförmige Durchfüh- rungswege finanzierte Rentenpläne müssen gemäß aufsichtsrechtlichen Vorga- ben auch in Deutschland grundsätzlich voll ausfinanziert sein. Weiterhin erhebliche Risiken für EbAV 1. Umfeld niedriger Zinsen belastet Auch wenn sich die Lage vieler Pensionsfonds in jüngerer Zeit merklich verbes- sert hat, bleibt das Umfeld schwierig. So finden die niedrigen Zinsen weiterhin viel Beachtung. Niedrigzinsen fordern alle kapitalbasierten Altersvorsorgeein- richtungen heraus. Besonders gilt dies für Einrichtungen, die Rentenpläne mit fest definierten, von der Zins- bzw. Ertragsentwicklung unabhängigen Leis- tungen finanzieren. Dazu gehören etwa versicherungsförmige DB-Pläne mit garantierter, von den Marktrenditen unabhängiger Verzinsung der angesparten Beiträge während der Anwartschafts- und/oder der Auszahlungsphase. Die niedrigen Zinsen haben schwerwiegende Folgen: Einerseits fällt es den EbAV mit solchen Plänen schwer, liquide Mittel, die ihnen durch Beitragszahlungen, laufende Erträge und/oder Rückflüsse aus der Vermögensanlage zufließen, hinreichend rentierlich anzulegen. Anderseits treiben niedrige Anleiherenditen den Gegenwartswert der Zahlungsverpflichtungen in die Höhe, ohne i.d.R. die zur Finanzierung gehaltenen Vermögenswerte in gleichem Umfang zu steigern. Wie stark einzelne Einrichtungen betroffen sind, hängt von der (Fristen-)Struktur und damit den Cashflows ihrer Verpflichtungen sowie ihres Vermögens (Asset Allocation) ab. So sehen sich Pensionsfonds mit derzeit relativ hohen (netto) Mittelzuflüssen und entsprechendem (Wieder-)Anlagebedarf mit größeren Herausforderungen konfrontiert als Einrichtungen, die geringen Anlagebedarf haben. Und diese Herausforderungen treffen besonders EbAV, die bei ihren Investments etwa aus regulatorischen Gründen stark auf Assets mit derzeit niedriger Rendite fokussiert sind. Hinsichtlich der Verpflichtungen sind EbAV angesichts des i.d.R. sehr langen Zeithorizontes ihrer Leistungszusagen gene- rell stark von sinkenden bzw. niedrigen Renditen betroffen. Das gilt besonders für EbAV mit reifen Plänen, bei denen das Zahlenverhältnis von (jüngeren) Rentnern und aktiven Mitgliedern und damit die künftigen Netto-Auszahlungen relativ hoch sind. Experten zufolge steigen in Deutschland bei einem Rückgang des Rechnungszinses um 1 Prozentpunkt (100 bp) die rechnungstechnischen Verpflichtungen und damit die notwendigen Rückstellungen um bis zu 20%. 8 Mit Blick auf die Finanzierung liegt das zentrale Problem darin, dass der Rück- gang der Zinsen die Duration der Zahlungsverpflichtungen erhöht (also ähnlich wie ein Anstieg der Lebenserwartung wirkt). Für EbAV, die eine risikoorientierte 8 Heubeck AG (Hrsg.) (2013). Niedrigzins belastet die bAV: Gesetzgeber ist jetzt gefordert. Pres- semitteilung 25. Oktober 2013. Anlage - und Zinsänderungsrisiko 12 Da zwischen Einzahlungen und Auszahlungen im Fall jüngerer Planmitglieder mehrere Jah r- zehnte liegen können, ist eine fristenkongrue n- te Finanzierung mittels entsprechend lange laufender Anleihen grundsätzlich kaum mö g- lich. Anleihen mit Laufzeiten von 3 Jahrzeh n- ten und mehr stehen in europäischen Ländern i.d.R. nicht oder nicht in hinreichendem Maße zur Verfügung. Hier bieten sich indes Derivate als Alternative an. Soweit die Auszahlungen bzw. Leistungsansprüche nicht fristenko n- gruent finanziert sind (finanziert werden kö n- nen), unterliegen Pensionsfonds Anlagerisiken, insbesondere auch dem Risiko von Zinsänd e- rungen. Sinkende Zinsen erhöhen den Gegenwartswert der künftigen Zahlungsve r- pflichtungen und deren Duratio n. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 8 | 2. April 2014 EU-Monitor Anlagepolitik verfolgen, wie sie auch von den Aufsichtsbehörden zunehmend eingefordert wird (s. unten), ist es deswegen bei rückläufigen Renditen prinzipi- ell erforderlich, auch die Duration auf der Aktivseite, also beim Anlagevermögen, zu erhöhen. Allerdings ist das Angebot an geeigneten Anleihen mit entspre- chend langen Laufzeiten zumal in Europa relativ gering. Freilich bieten sich hier Derivate als Alternative an. Es ist absehbar, dass gerade die von den niedrigen Zinsen besonders betroffe- nen EbAV bestrebt sein werden, in dem Universum für sie aufsichtsrechtlich zulässiger Vermögensanlagen nach renditestärkeren Alternativen zu Invest- ments in Rentenwerten zu suchen. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. So dürfte sich insbesondere bei größeren Einrichtungen der Trend zu Inves- titionen in Infrastruktur und andere alternative Investments verstärken. Eine wesentliche Herausforderung besteht dabei darin, die Möglichkeiten für zusätz- liche Rendite zu nutzen und das (Investitions-)Risiko möglichst gering zu halten. Einiges deutet darauf hin, dass im Eurogebiet sowie auch in der Schweiz bis auf weiteres relativ niedrige Zinsen bestehen bleiben. In diesem Umfeld sind Ein- richtungen im Vorteil, die notwendige Konsequenzen rasch und konsequent (ohne erschwerende aufsichtsrechtliche Restriktionen) ziehen können. Nicht übersehen werden sollten indes die Chancen, die sich derzeit für gut geratete Sponsorunternehmen mit nicht oder nicht voll ausfinanzierten Renten- plänen bieten. Für diese Unternehmen kann es angesichts der niedrigen Rendi- ten für hochwertige Unternehmensanleihen attraktiv sein, Fremdkapital aufzu- nehmen, d.h. entsprechende Anleihen zu emittieren, und die dadurch erzielten Emissionserlöse zur unternehmensexternen (Aus-)Finanzierung ihrer Pensions- verpflichtungen zu nutzen, etwa indem die liquiden Mittel in ein CTA eingebracht werden bzw. ein schon bestehendes CTA zusätzlich dotiert wird. Über so gebil- detes externes Finanzvermögen lassen sich die immanenten Risiken von DB- Plänen bei geeigneter, an der Struktur der Pensionsverbindlichkeiten orientierter Mittelanlage (liability driven investment, LDI) 9 substanziell reduzieren (s. unten). 2. Niedrige Inflationsraten können laufende Zahlungsverpflichtun- gen reduzieren, aber Inflationsrisiko bleibt Das Umfeld niedriger Zinsen geht weithin mit relativ geringen Preissteigerungs- raten einher. Im Eurogebiet spricht vieles dafür, dass die Inflation bis auf weite- res kaum stärker anziehen wird. Das Wirtschaftswachstum dürfte ungeachtet der allmählichen Erholung vorerst modert bleiben. Selbst in Deutschland ist im Durchschnitt der nächsten Jahre ein Wachstum oberhalb des Potenzials wenig wahrscheinlich. Auch wird die Arbeitslosigkeit in den Peripherieländern wohl nur allmählich sinken. Deutsche Bank Research erwartet, dass die Inflationsrate im Eurogebiet 2014 und 2015 mit 0,8% bzw. 1,3% relativ gering bleibt. In der Schweiz dürften die Verbraucherpreise ebenfalls nur leicht steigen. Ceteris paribus, also losgelöst von Wechselwirkungen mit der Zinsentwicklung betrachtet, sorgen anhaltend niedrige Inflationsraten für eine Entlastung bei Pensionsplänen, deren Leistungen an Verbraucherpreisindices oder an die da- mit korrelierte Lohnentwicklung gekoppelt sind. Wie stark die Fonds aktuell ent- lastet werden, hängt dabei u.a. davon ab, wie hoch der Anteil der Rentenbezie- her bzw. der jährlichen Auszahlungen gemessen an der Zahl der Planmitglieder insgesamt bzw. dem Planvermögen ist. Tendenziell sind solche Effekte etwa in 9 Das moderne, professionelle Asset Management kennt eine Vielzahl von Anlagestrategien für institutionelles Altersvorsorgevermögen. In den letzten Jahren haben – auch angesichts der nied- rigen Renditen – u.a. so genannte Wertsicherungsstrategien an Bedeutung gewonnen. Bei dieser Strategie wird das Vermögen in ein risikoarmes und ein risikoreiches Budget aufgeteilt. Das risi- koarme Vermögen wird prinzipiell konservativ und nach Maßgabe der (Fristen-)Struktur der Ver- bindlichkeiten angelegt. Das ermöglicht es, den anderen, risikoreichen Teil stärker an Renditege- sichtspunkten orientiert zu investieren. Entwicklung von BIP und Inflationsraten 13 Stand 28 .03.2014, Veränderungen gg . Vj. in % BIP real Inflationsraten 2013P 2014P 2015P 2013 2014P 2015P EU - 18 - 0,4 1,1 1, 5 1, 4 0,8 1,3 DE 0,4 1,5 2,0 1,5 1,2 1,5 FR 0,3 1,0 1,4 1,0 1,0 1,1 IT - 1,8 0, 6 0,1 1,3 0,7 1,2 ES - 1,2 0, 7 1,5 1,5 0,5 1,1 NL - 0,8 0,9 1,4 2,6 0,5 1, 2 CH 2,0 1,8 2,0 - 0,2 0,4 0,8 GB 1,8 2,9 2,2 2,6 1,6 1,8 SE 1,5 2,7 3,0 0,0 0,5 1,8 Quelle: Deutsche Bank Research EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 9 | 2. April 2014 EU-Monitor den Niederlanden oder in Deutschland bei Plänen mit traditionellen Leistungs- zusagen, wie sie hier v.a. vor 1999 üblich waren, zu erwarten. Die auf absehbare Zeit bestehende Perspektive moderat steigender Verbrau- cherpreise heißt selbstverständlich nicht, dass die Inflationsraten dauerhaft ge- ring bleiben und für EbAV kein Inflationsrisiko besteht. Vielmehr sind Inflations- prognosen längerfristig – zumal in den für Altersvorsorgeeinrichtungen relevan- ten Zeiträumen – mit erheblicher Unsicherheit belastet. Deswegen erfordert das Preisänderungsrisiko entsprechende Beachtung. Das gilt umso mehr, als selbst geringere Trendänderungen bei der Inflation bei Rentenplänen mit indexierten Leistungen zu einem erheblichen Anstieg der zu erwartenden Auszahlungen führen können. Viele Pensionsfonds bauen deswegen auf Maßnahmen wie geeignete Anlagestrategien unter Einbeziehung von Inflations-Swaps und/oder die Auslagerung der Zahlungsverpflichtungen auf (Rück-)Versicherungen, mit denen sich das Inflationsrisiko begrenzen bzw. absichern lässt (s. auch S. 12). 3. Langlebigkeitsrisiko Die niedrigen Anleiherenditen akzentuieren eine bekannte Herausforderung für die EbAV: die steigende Lebenserwartung der Planmitglieder. So ist die Le- benserwartung Neugeborener in den großen Ländern des Eurogebietes seit 1970 um rd. 10 Jahre gestiegen. Männer im Alter von 65 Jahren, das weithin dem allgemeinen gesetzlichen Rentenalter entspricht, können in Deutschland heute erwarten, noch gut 18 Jahre zu leben. In Spanien sind es sogar gut 19 Jahre. Das sind jeweils 6,3 Jahre mehr als 1970. Dabei fiel der Anstieg der Le- benserwartung sowohl bei den Neugeborenen als auch im Alter von 65 Jahren in den vergangenen zehn Jahren besonders kräftig aus. Da das tatsächliche Renteneintrittsalter in den vergangenen Dekaden in vielen Ländern längere Zeit gesunken ist, nahm die Rentenbezugsdauer weithin noch kräftiger zu. In der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland z.B. stieg sie seit 1970 um fast 8 Jahre bzw. 70%. Auch die versicherungsmathemati- schen Rechnungsgrundlagen der betrieblichen Altersversorgung reflektieren diese Veränderungen. So ist in Deutschland nach den gängigen Sterbetafeln (Heubeck) derzeit bei einer an eine 30-jährige Person zu erteilenden Versor- gungszusage ab dem Alter 65 eine um rd. 50% längere Rentenlaufzeit anzuset- zen als nach den noch bis 1997 geltenden „Richttafeln 1983“. 10 Ein Anstieg der Lebenserwartung führt zum einen dazu, dass ein höherer Pro- zentsatz der Planmitglieder das Rentenalter erreicht. Zum anderen nimmt die Dauer des Leistungsbezugs erheblich zu. Aus beiden Effekten resultieren ceteris paribus steigende Rentnerzahlen und damit auch höhere Leistungsaus- gaben der Pensionsfonds für Altersrenten. Tatsächlich sind die Zahl der Leistungsempfänger und die Ausgaben für Ren- tenzahlungen der EbAV bereits deutlich gestiegen – wenn auch nicht allein in- folge der Langlebigkeit. So nahm etwa in der Schweiz die Zahl der in der beruf- lichen Vorsorge gezahlten Altersrenten in den 15 Jahren von 1996 bis 2011 um gut drei Viertel zu und die Rentenausgaben verdoppelten sich (+113%), was im Durchschnitt einem jährlichen nominalen Plus von 5,2% entspricht. In Deutsch- land stieg die Zahl der unter Insolvenzschutz durch den Pensions-Sicherungs- Verein (PSVaG ) stehenden Betriebsrenten (also v.a. der über Direktzusagen und Unterstützungskassen finanzierten Renten) von 1995 bis 2012 um knapp 30%. Die Leistungen niederländischer Pensionsfonds für DB-Pläne nahmen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts (brutto) nominal sogar um 44% bzw. 7,6% p.a. zu. Von 2006 bis 2012 betrug der Anstieg gut 40% bzw. 7% p.a. 10 Andersen, Jan et al. (2012). Die betriebliche Altersgrenze wandert – wohin wandern die Kosten? In: BetrAV – Betriebliche Altersversorgung. 68. Jg. H. 06/2013, S.473. Inflations - Swaps 14 Bei einem Inflations - Swap handel es sich um den Austausch von Zahlungen zu einem vorab festgelegten zukünftigen Zeitpunkt zu vorab definierten Bedingungen zwecks Absicherung gegen unerwartete Preissteigerungen. Der Vertragspartner, z.B. ein Pensionsfonds, der sich absichern möchte (Inflationskäufer), ve r- pflichtet sich zur Zahlung einer definierten Summe, z.B. entsprechend dem Wert der (bei definierter Inflation und definierten Zinsen) erwartete n Rentenzahlungen plus einer Pr ä- mie. Der andere Vertragspartner (Inflationsve r- käufer), z.B. eine Investmentbank , hingegen zahlt bei Fälligkeit einen Betrag, der sich nach der tatsächlichen Inflationsentwicklung, g e- messen an einem vereinbarten (Referenz - ) I nflationsindex, richtet. 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 1970 1980 1990 2000 2011 2050 NL CH DE ES IT Jungen und Mädchen, in Jahren Lebenserwartung Neugeborener 15 Quellen: OECD, UN 0 5 10 15 20 1960 1970 1980 1990 2001 2010 2012 Männer Frauen Bezugsdauer von Renten der GRV* 16 Jahre Quelle: Deutsche Rentenversicherung * Renten wg. verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters in West - Deutschland EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 10 | 2. April 2014 EU-Monitor Angesichts der demografischen Entwicklung zeichnen sich v.a. im kommenden Jahrzehnt kräftige Ausgabensteigerungen ab. In dieser Zeit steht in den west- europäischen Ländern der Eintritt der Babyboom-Genreration in den Ruhestand an. Die Versorgung der dann zahlenmäßig sehr stark besetzten Rentnerjahr- gänge fordert die EbAV heraus, zumal voraussichtlich auch die Rentenbezugs- dauer weiter steigen wird. So nimmt das Statistische Bundesamt in Deutschland als mittleres Szenarium an, dass die Lebenserwartung neugeborener Jungen bis 2060 um weitere 7,3 Jahre und von Mädchen um 6 Jahre auf dann 85 bzw. 89,2 Jahre steigen dürfte. Das heißt, die Pensionsfonds müssen mit einer gro- ßen Zahl lange laufender Auszahlungsverpflichtungen rechnen, sofern das Ren- tenalter nicht drastisch angehoben wird. Entsprechend groß ist der Bedarf, hin- reichendes Vorsorgekapital aufzubauen. Der kräftige Anstieg der Rentnerzahlen bei tendenziell rückläufigen Zahlen an Erwerbstätigen ist auch deswegen ein Problem, weil hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Lebenserwartung Unsicherheit besteht. Als hinreichend vor- sichtig erachtete Annahmen über die künftige Entwicklung von Zahlungsver- pflichtungen können schnell zur Makulatur werden, wenn etwa der medizinische Fortschritt oder veränderte Lebensweisen dazu führen, dass die Betriebsrentner signifikant länger als erwartet Rente beziehen. So sorgte der Kölner Statistiker Eckhard Bomsdorf vor geraumer Zeit mit Modellrechnungen für Aufsehen, de- nen zufolge die Lebenserwartung der im Jahr 2010 Neugeborenen (in einer mittleren Modell-Variante) um fast 10 Jahre länger ist, als von der amtlichen Statistik ermittelt. Die (fernere) Lebenserwartung von 65-jährigen Männern läge demnach um rd. 1½ Jahre und von Frauen um rd. 2 Jahre über den vom Stati- stischen Bundesamt errechneten Werten. 11 Dabei zeigen neuere Forschungs- ergebnisse, dass weitere Zugewinne bei der Lebenserwartung insbesondere im höheren Alter ab 80 Jahren zu erwarten sind. Zudem könnten v.a. weitere me- dizinisch-pharmazeutische Erfolge bei der Verminderung der Sterblichkeit infol- ge von Herz-Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt) oder bei der Bekämpfung von Krebs einen nennenswerten Anstieg der (ferneren) Lebenserwartung von Ren- tenbeziehern herbeiführen. Prinzipiell gilt indes, dass die Gründe für Änderun- gen der Lebenserwartung zu jeder Zeit und für jedes Lebensalter unterschied- lich sind, was die Unsicherheit von Projektionen erhöht. Renten über einen längeren Zeitraum als erwartet bezahlen zu müssen, stellt ein hohes Risiko für Vorsorgeeinrichtungen und deren Sponsoren dar. So sind Änderungen der aktuarischen Grundannahmen eines Pensionsplans grundsätz- lich bei Bekanntwerden in der Rechnungslegung zu erfassen. Sie können zur Unterdeckung des Plans und zu entsprechenden Nachschusspflichten des Sponsorunternehmens führen. Welche zusätzliche finanzielle Belastung aus einem Anstieg der Lebenserwar- tung im Einzelfall resultiert, hängt von vielen Faktoren ab. Neben der Alters- struktur der Planmitglieder spielt dabei u.a. auch die Zinslandschaft eine Rolle. Eine Abweichung der tatsächlichen von der erwarteten Lebenserwartung fällt bei niedrigen Zinsen stärker ins Gewicht als bei hohen. Wegen ihrer Kostenwirkungen haben die biometrischen Risiken, insbesondere das Langlebigkeitsrisiko, in den vergangenen Jahren in Wissenschaft und Pra- xis zunehmend Beachtung gefunden. 12 Angaben der IWF zufolge kann der An- stieg der Lebenserwartung um ein Jahr den Barwert der Zahlungsverpflichtun- gen eines typischen Pensionsplans um 3 bis 4% erhöhen. Im Fall der Nieder- lande etwa mit Verpflichtungen in DB- bzw. Hybrid-Plänen von insgesamt 11 Bomsdorf, Eckard (2010). Die Lebenserwartung in Deutschland – ein Blick in die Zukunft. Ifo Schnelldienst 22/2010, S. 25f. 12 Die Lebenserwartung ist das bedeutendste der so genannten biometrischen Risiken. Viele be- triebliche Versorgungseinrichtungen gewähren zudem auch Leistungen bei Invalidität und/oder zahlen Renten an Hinterbliebene (Witwen- bzw. Witwerrenten und Waisenrenten). Auch hier be- steht Unsicherheit über die tatsächlich anfallenden Zahlungen. 0 5 10 15 20 25 1998 2000 2002 2004 2006* 2008 2010 2012 EUR Mrd. *Bruch der Reihe Quelle: DNB Leistungsausgaben der Pensionsfonds mit DB - Plänen in NL 17 8 10 12 14 16 18 350 400 450 500 550 600 650 1996 2000 2004 2008 2011 Rentner Rentenausgaben Rentenfälle in 1.000 (linke Skala) Ausgaben für Altersrenten in CHF Mrd. (rechts) Quelle: BFS Betriebliche Altersrenten in der Schweiz* 18 * Alle Pensionskassen 3 3,5 4 4,5 5 5,5 6 6,5 1995 1998 2001 2004* 2007 2010 Anwärter Rentner Quelle: PSV Mio. * Unter Insolvenzschutz durch den Pensions - Sicherungs - Verein (DSV) stehende Versorgungsberechtigte; ** Mitte vergangnener Dekade Anstieg durch Entgeltumwandlung Deutschland: Versorgungsberechtigte im Bereich des PSV* 19 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 11 | 2. April 2014 EU-Monitor EUR 823 Mrd. errechnen sich daraus zusätzliche Verbindlichkeiten von bis zu rd. EUR 33 Mrd. Für Deutschland gehen Experten sogar von 4 bis 5% höheren zukünftigen Zahlungen aus. Allein auf die Pläne der DAX-30-Unternehmen be- zogen stiegen die Verbindlichkeiten entsprechend um rd. EUR 15 Mrd. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, das Thema Langlebigkeit zu adressieren. Dabei geht es in einem ersten Schritt darum, das Langlebigkeitsrisiko zu erken- nen, d.h. die wahrscheinlichen Mortalitätsverhältnisse in einem gegebenen Be- stand an Planmitgliedern möglichst gut zu erfassen bzw. zu antizipieren. 13 Dar- über hinaus haben viele Einrichtungen begonnen, Maßnahmen zur Begrenzung des Langlebigkeitsrisikos einzuleiten. Zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos gibt es zwei Lösungsansätze, die Übertragung an eine Versicherung bzw. Rückversicherung (Buy-out- oder Buy- in-Lösung) sowie den Transfer an den Kapitalmarkt, v.a. in Form von Swap- Lösungen (Longevity-Swaps, vgl. Box S. 12). Sowohl der Markt für Buy-out- bzw. Buy-in-Lösungen als auch jener für Longevity-Swaps hat sich 2013 positiv entwickelt. Dies zeigt, dass Sponsorunternehmen bei niedrigen Renditen hoch- wertiger Anleihen vorhandene Liquidität und/oder günstige Möglichkeiten der Fremdkapitalbeschaffung zum De-Risking von Rentenplänen genutzt haben. Einiges deutet darauf hin, dass die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos weiter an Bedeutung gewinnt. So tritt die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versi- cherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (European Insurance and Occupational Pensions Authority, EIOPA) dafür ein, dass Pensionsfonds auf- sichtsrechtlich zu einer erweiterten Kontrolle und Steuerung ihrer geschäftlichen Risiken verpflichtet werden (s. unten). Ohnehin dürfte das Langlebigkeitsrisiko spätestens mit den demografisch bedingt steigenden Rentnerzahlen in das Be- wusstsein der breiten Öffentlichkeit dringen. Dabei sind die möglichen zusätzli- chen Zahlungsverpflichtungen für viele Sponsoren von DB-Plänen hoch, selbst wenn die Lebenserwartung nicht so kräftig steigen sollte, wie von manchen Ex- perten erwartet. Für die betreffenden Unternehmen ist es aber wenig rational, die Risiken selbst zu tragen und damit neben ihrem Kerngeschäft gleichsam als Versicherung zu agieren. Das gilt umso mehr, als es die niedrigen Zinsen für hochwertige Anleihen insbesondere Anlagerestriktionen unterliegenden EbAV erschweren, die drohenden zusätzlichen Lasten zu finanzieren. Bei der Begrenzung der Risiken spricht einiges für kapitalmarktbasierte Lösun- gen. So dürften einerseits die neuen regulatorischen (Solvabilitäts-)Anforde- rungen (Solvency II) den Risikoappetit von Versicherungsunternehmen tenden- ziell begrenzen. 14 Andererseits gibt es viele Akteure, die an der Übernahme von über den Kapitalmarkt vermittelten Langlebigkeitsrisiken interessiert sein dürf- ten. Grundsätzlich kommen dabei alle größeren Akteure in Frage, die gegenläu- fige Cashflows und damit entgegengesetzte Risiken wie Pensionsfonds haben. Dazu gehören etwa (Rück-)Versicherungsunternehmen, die Risikolebensversi- cherungen anbieten (bzw. entsprechende Bestände rückversichern), Pharma- unternehmen mit einer auf ältere Kunden ausgerichteten Produktpalette sowie etwa Pflege- und Seniorenheimbetreiber. Da das Langlebigkeitsrisiko nicht mit Kapitalmarktrisiken korreliert ist, sollten auch andere Investoren wie Hedgefonds und Staatsfonds an der Übernahme entsprechender Swaps interessiert sein. 13 Die Lebenserwartung hängt stark vom Geschlecht sowie von sozialen Faktoren ab. Frauen leben bekanntlich wesentlich länger. Bekannt ist auch die starke Korrelation mit dem Einkommen, die sich dadurch erklärt, dass Personen mit höheren Einkommen i.d.R. gesünder leben. Für die Ana- lyse von Langlebigkeitsrisiken ist es deswegen von erheblicher Bedeutung die Strukturmerkmale des Bestands der Planmitglieder zu kennen. Da gesundheitliche Risiken und relevante Verhal- tensweisen auch mit den sozialen Bezugsräumen und Lebenswelten, in denen sich Personen be- finden, abhängen, bedienen sich Aktuare in Großbritannien u.a. der über Postleitzahlen ermittel- ten Wohngegenden, um das Langlebigkeitsrisiko von Versorgungsplänen abzuschätzen. 14 Nach einigen Verzögerungen wird Solvency II am 1. Januar 2016 in Kraft treten (s. Box S. 13). 10 20 30 40 50 60 70 1970 1980 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 CH DE ES IT NL Kräftig steigende Altenquotienten* 20 % Quelle: UN * Anzahl der Personen im Alter 65+ je 100 Personen im Alter von 15 bis 64 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 12 | 2. April 2014 EU-Monitor Exkurs : Möglichkeiten der Begrenzung des Langlebigkeits - Risikos 21 Pensionsfonds können das Langlebigkeitsrisiko grundsätzlich entweder hin zu Versicherungen oder hin zum Kapital- markt auslagern. Versicherungslösungen: Diese finden sich international in zwei Varianten: Erstens die so genannte Buy - out - Lösung . Darunter versteht man die vollständige Auslagerung bzw. Übertragung des Pensionsplanes auf eine Versicherung bzw. Rückversicherung. Die Versicherung tritt dann an die Stelle der Versor- gungseinrichtung. Sie übernimmt einerseits alle in dem Plan festgelegten Zahlungsverpflichtungen und folglich auch die damit verbundenen Risiken. Andererseits muss hinreichendes Vermögen an die Versicherung übertragen werden. Eine solche Lösung setzt also prinzipiell die völlige Ausfinanzierung der Zahlungsverpflichtungen voraus. In der Regel wird zusätzlich auch die Verwaltung des Plans ausgelagert. Bei der zweiten Variante, der Buy - in - Lösung , bleibt die Versorgungseinrichtung formal und faktisch zahlungspflichtig gegenüber den Planmitgliedern. Die Zahlungsverpflichtung wird aber vollständig über eine (Rück-)Versicherung rückge- deckt. Buy-ins werden in vielen Fällen nur für einen Teil der Verpflichtungen vorgenommen, etwa für die Absicherung schon laufender Rentenzahlungen an Betriebsrentner oder einzelner Gruppen von Planmitgliedern bzw. Rentnern, etwa (ehemaliger) höherer Angestellter. Zur Absicherung von Verbindlichkeiten gegenüber den Betriebsrentnern erwirbt die Versorgungseinrichtung von dem Versicherer eine so genannte Bulk Annuity, d.h. die (Rück-)Versicherung verpflichtet sich für eine entsprechende Prämie, die zur lebenslangen Versorgung der entsprechenden Rentner notwendigen (mo- natlichen) Zahlungen an die Einrichtung zu leisten. Auch diese Variante setzt i.d.R. voraus, dass die betreffenden Ver- sorgungsverpflichtungen voll ausfinanziert sind und das Planvermögen zur Finanzierung der „Prämie“ verwendet werden kann (z.B. durch Übertragung auf den (Rück-)Versicherer). Andernfalls ist ein solcher Transfer mit entsprechend hohen Kosten für das Sponsorunternehmen verbunden. Mit einer Buy-out- oder Buy-in-Lösung entledigt sich ein Pensionsfonds bzw. das Sponsorunternehmen zwar der Risiken entsprechender ungünstiger Entwicklungen. Sie können damit aber auch nicht von Chancen positiver Trends, etwa an den Kapitalmärkten, profitieren. Absicherung über den Kapitalmarkt z.B. in Form eines Longevity - Swaps . Dabei zahlt die Pensionskasse als Risikogeber dem Risikonehmer, i.d.R. einer (Investment-)Bank oder einer Rückversicherung, für jede Periode der Laufzeit eine im Voraus vereinbarte (fixe) Prämie. Diese richtet sich nach den in der Periode erwarteten Rentenzahlungen, wobei diese grundsätzlich auf Basis der zwischen beiden Seiten abgestimmten aktuarischen Annahmen kalkuliert werden, und schließt eine Prämie für die Risikoübernahme ein. Der Risikonehmer leistet dafür in jeder Periode Zahlungen, die sich nach den jeweils tatsächlich anfallenden Rentenzahlungen richten. Die Risikonehmer, insbesondere Investmentbanken, geben in vielen Fällen die Risiken ganz oder teilweise an andere interessierte Akteure am Kapitalmarkt weiter. Diese Form der Absicherung unterscheidet sich wesentlich von den Versicherungslösungen. So behält die Vorsorgeein- richtung die Kontrolle über das Vorsorgevermögen und damit auch die Entscheidungsmöglichkeiten über die (langfristi- ge) Anlagestrategie. Es kann eine separate, speziell auf das Langlebigkeitsrisiko zugeschnittene Absicherung vorge- nommen werden. Die Einrichtung kann somit auch selbst entscheiden, inwieweit und auf welche Art sie andere Risiken, z.B. das Inflationsrisiko, absichern (lassen) will. So können Longevity-Swaps mit Swaps zur Absicherung des Inflations- und des Zinsänderungsrisikos und anderen Instrumenten einer an den Zahlungsverpflichtungen orientierten professio- nellen Anlagestrategie (LDI Strategie), wie sie professionelle Asset-Manager anbieten, kombiniert werden. Auf diese Weise lässt sich ein umfassendes Hedging von Risiken erzielen. Solche Strategien werden als Do - It - Yourself (DIY) Buy - In oder synthetisches Buy-In bezeichnet. Das Risiko des Ausfalls des Transaktionspartners bzw. Risikonehmers (counterparty risk) kann u.a. durch Sicherheiten, sorgfältige Auswahl der Transaktionspartner und/oder Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern reduziert werden. Zur Absicherung kleinerer Pläne eignen sich indexbasierte Swaps . Die Zahlungen des Risikonehmers richten sich in diesem Fall nicht nach den tatsächlichen Rentenzahlungen des Fonds, sondern hängen von der Entwicklung des als Referenz gewählten Sterblichkeits-Index ab. Auf diese Weise lässt sich auch das bei maßgeschneiderten Lösungen prinzipiell auftretende Problem der Informationsasymmetrie („Lemon-risk“), d.h. die Tatsache, dass Pensionsfonds bei der Bewertung des in ihren Plänen verborgenen Langlebigkeitsrisikos tendenziell über bessere Informationen verfügen, mindern. Der Pensionsfonds trägt insoweit ein gewisses Basisrisiko, wie sich die tatsächliche Sterblichkeit der Planmit- glieder von der der Referenzbevölkerung unterscheidet, die im Index abgebildet ist. Solche Produkte haben aber prinzi- piell den Vorteil, dass sie liquide und entsprechend marktfähig sind. Als weitere Möglichkeit werden Longevity - Bonds debattiert. Allerdings haben sich die entsprechenden Märkte noch nicht etabliert. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 13 | 2. April 2014 EU-Monitor Swap-Lösungen können für bestimmte Pläne, insbesondere solche mit einer großen Zahl an Planmitgliedern bzw. Betriebsrentnern maßgeschneidert wer- den. Diese Lösung hat den Vorteil, dass die Risiken damit sehr zielgenau und in dem von den Versorgungseinrichtungen individuell gewünschten Umfang be- grenzt werden können. Stark maßgeschneiderte Swaps sind indes schwer marktgängig und folglich wenig liquide. Zur Begrenzung der Risiken kleinerer Pläne bieten sich indexbasierte Swaps an. Die Risiken des Planes werden dabei insoweit abgesichert, wie sich die Entwicklung der biometrischen Verhältnisse im Plan mit jener der im Index ab- gebildeten (Modell-)Bevölkerung decken. Wenn ein hoher Grad der Absiche- rung für möglichst vieler DB-Pläne erreichen werden soll, bedarf es dazu einer hinreichenden Zahl geeigneter Indices. Darum bemühen sich verschiedene Institutionen. In Deutschland etwa die Deutsche Börse. Auf europäischer Ebene fördert vor allem die Non-profit-Organisation Life & Longevity Market Associa- tion (LLMA) mit Sitz in London die Entwicklung eines liquiden Marktes standar- disierter, indexbasierter Produkte zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. 15 Nur begrenzte Veränderungen im regulatorischen Umfeld? IORP II: keine quantitativen Erfordernisse Neben den wirtschaftlichen und demografischen Trends beschäftigen viele Pensionsfonds und deren Sponsorunternehmen – insbesondere auch in Deutschland – seit längerem regulatorische Veränderungen, die von europä- ischen Institutionen angestrebt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der schon mehrere Jahre laufende Prozess einer Reform der Pensionsfonds-Richtlinie von 2003 (RL 2003/41 über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von EbAV (IORP-Richtlinie)). Mit der Richtlinie, unter die in Deutschland nur Pensionskas- sen und Pensionsfonds fallen, wurden u.a. das Aufsichtsrecht für Pensionsfonds teilweise harmonisiert, qualitative Mindeststandards für die Sicherheit der EbAV (z.B. Bestimmungen über die technischen Rückstellungen) erlassen, Grundprin- zipien für die Kapitalanlage (prinzipiell Orientierung am Prudent-Person-Prinzip) festgeschrieben und einige Voraussetzungen für grenzüberschreitende Aktivitä- ten von EbAV geschaffen. 16 Mit der angestrebten Reform will die Europäische Kommission insbesondere das Aufsichtsrecht weiterentwickeln und damit den Beitrag der zusätzlichen Systeme der Alterssicherung zu „angemessenen, nachhaltigen und sicheren Pensionen und Renten“ fördern. 17 Die Arbeiten an der neuen Richtlinie (IORP II) hängen mit dem Vorhaben zusammen, die Fi- nanzaufsicht im EU-Binnenmarkt zu verbessern. So hat die Kommission im Laufe des vor mehr als 10 Jahren gestarteten Solvency-II-Prozesses die Frage einer Harmonisierung aufsichtsrechtlicher Regelungen für Versicherungen und Pensionsfonds aufgeworfen. Eine Orientierung des Aufsichtsrechts für EbAV an den für (Lebens-)Versiche- rungsunternehmen vorgesehenen Solvency II-Regelungen war jedoch von Be- ginn an umstritten. Das gilt insbesondere mit Blick auf die quantitativen (Solvabilitäts-)Anforderungen, der so genannten 1. Säule des dreisäuligen Solvency-II-Ansatzes. Dabei geht es zum einen um eine marktkonforme Bewer- tung der Vermögenswerte sowie v.a. der Verbindlichkeiten der beaufsichtigten Institutionen. Durch eine marktorientierte Bewertung sollen Risiken und mögli- 15 Mitglieder der LLMA sind derzeit AVIVA, AXA, Deutsche Bank, J.P. Morgan, Legal & General, Morgan Stanley, Munich Re, Pension Corporation, Prudential PLC, RBS and Swiss Re. 16 Diese können seither prinzipiell in anderen Ländern tätig werden. Vgl. Deutsch, Klaus G. (2002). Ein Binnenmarkt für Betriebsrenten? Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen Nr. 239. 17 Europäische Kommission (2010). Grünbuch Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme. Brüssel 7.7.2010. Solvency II 2 2 Solvency II legt Anforderungen an die Kapita l- ausstattung, das Risikomanagement und das Berichtswesen von Versicherungsunterne h- men fest. Das Regelwerk wird zum 1 . Januar 2016 volle Anwendung finden. Die Umsetzung in nationales Recht muss bis 15. März 2015 erfolgt sein. Die Vorbereitungsphase dazu hat am 1. Januar 2014 begonnen. Das Regelwerk wird von den 2 8 EU - Mitgliedstaaten sowie den drei übrigen Staaten (Island, Liechtenstein , Norwegen) des Europäischen Wirtschaft s- raums angewendet. Sovency II wird allgemein in drei Säulen g e- gliedert, wobei für die Umsetz ung eine Unte r- gliederung in 15 Themenblöcke erfolgte: – Säule I umfasst im Wesentlichen quantitative Erfordernisse und Methoden zu deren Berech - nung . Dabei geht es zum einen um harmon i- sierte Vorschriften für eine marktkonsistente und risikobasierte Bewertung von Vermögen s- werten und Verbindlichkeit en . Zum anderen werden (Solvabilitäts - ) Kapitalanfo r derungen und Eigenmittelregelungen festgelegt. Die Regelungen sollen sicher stellen , dass die Unternehmen jederzeit über ausreichend es Eigenkapital verfügen. – Säule II stellt qualitative ( aufsichtsrechtli che ) Anforderungen an das Risikomanagement und die Organisation (Governance) der Versich e- rungsunternehmen sowie an die Aufsicht. Säule II umfasst u.a. ein internes Steuerungs - und Kontroll system , aufsichtsrechtliche Übe r- prüfungsverfahren (Supervisory Review Pr o- cess, SRP) sowie Verfahren der Risikoanalyse (Own Risk and S olvency A ssessment, ORSA). – Säule III enthält Berichtspflichten gegenüber Aufsichtsbehör den und Versich erten für mehr Transparenz und zur Stärkung der Marktdiszi p- lin. Dazu zählen neben umfangreiche n Verö f- fentlichungspflichten u.a. die Förderung der Transparenz und eine engere Verzahnung mit IFRS. Quelle: BaFin EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 14 | 2. April 2014 EU-Monitor che Deckungslücken, die bei marktfernen (höheren) Diskontierungssätzen nicht zutage treten, zeitnah ausgewiesen werden. Freilich werden die Wertansätze damit sensibler gegenüber Zinsänderungen und folglich volatiler. Zum anderen behandelt die erste Säule verschiedene komplexe risikobasierte Mindest- und Solvenzkapitalerfordernisse einschließlich komplexer Vorgaben für deren Be- rechnung. Dabei bestand weithin Konsens, dass eine unveränderte Übertra- gung der risikobezogenen Anforderungen den Besonderheiten der betrieblichen Versorgung nicht gerecht werden würde. Zu den hier relevanten Spezifika gehö- ren insbesondere Einstandsverpflichtungen der Sponsorunternehmen sowie die in manchen Ländern üblichen Sicherungs- bzw. Garantiesysteme, in Deutsch- land also der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG). Die Europäische Aufsichtsbehörde EIOPA, die u.a. die Kommission bei dem Reformvorhaben berät, plädiert deswegen für einen holistischen Bilanzansatz (Holistic Balance Sheet, HBS) bei den EbAV. Dabei sollen Pensionsfonds u.a. neben ihren Vermögen gegebenenfalls auch (den Wert) entsprechende(r) Ga- rantien bzw. Sicherungssysteme, die die Planmitglieder vor Verlusten schützen, ausweisen. Angemessen berücksichtig werden sollen in der holistischen Bilanz zudem die von Land zu Land unterschiedlichen Möglichkeiten der Pensions- fonds bzw. Sponsoren, zugesagte Leistungen gegebenenfalls zu reduzieren. Der HBS-Ansatz zielt darauf, in Europa eine vergleichbare und transparente risikobasierte Bilanzierung einzuführen. 18 Um ihre Vorstellungen zu verdeutlichen und mögliche Konsequenzen darzustel- len, hat EIOPA im 4. Quartal 2012 eine Folgenabschätzung durchgeführt. 19 Die Ergebnisse der auf Befragung von knapp 100 Pensionsfonds und Aufsichtsbe- hörden von sieben EU-Ländern basierenden Studie wurden im Juli 2013 publi- ziert. 20 Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. 21 Freilich bestehen gegen die am Solvency-II-Ansatz orientierte, auf marktnahe Bewertungen und risikoorientierte Eigenkapitalanforderungen zielende, harmo- nisierte Solvenzregelung weithin und insbesondere auch in Deutschland anhal- tende Bedenken. 22 So befürchten viele Akteure erheblichen zusätzlichen Kapi- 18 Die HBS soll aber die „normale“ Bilanz nicht ersetzen, sondern als „Instrument zur umsichtigen Regulierung“ ergänzen. S. Gohdes, Alf und Georg Thurnes (2013). Anmerkungen zur Quantitati- ve Impact Study (QIS) für EbAV. In BetrAV – Betriebliche Altersversorgung 03/2013 S. 179ff. 19 EIOPA (2013). Report on QIS on IORPs. Frankfurt, 4 Juli 2013. 20 Die sieben Länder waren Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien. In Großbritannien führte die Aufsichtsbehörde die Berechnungen gleichsam stell- vertretend für alle Pensionsfonds dort durch. Portugal wurde ebenfalls befragt, aber die Auf- sichtsbehörde des Landes entschied sich wegen Problemen mit der Qualität und Vollständigkeit der Daten gegen deren Publikation. EIOPA (2013). S. 4. 21 So ergaben sich in den Ländern, in denen die befragten Einrichtungen bereits marktorientierte Bewertungsmaßstäbe anwenden, wie in den Niederlanden sowie Norwegen und Schweden, im Basisszenario bei den Verbindlichkeiten bzw. den technischen Rückstellungen keine größeren Auswirkungen. Bei Berücksichtigung der in den Niederlanden möglichen Plananpassungen ver- minderten sich die Verpflichtungen dort sogar um 20%. Hingegen stiegen die Verbindlichkeiten der beteiligten Pensionsfonds und Pensionskassen in Deutschland im Durchschnitt deutlich. Das resultiert u.a. daraus, dass die deutschen Pensionsfonds für bestimmte Pläne zur Bewertung ih- rer technischen Rückstellungen grundsätzlich die um einen Sicherheitsabschlag verminderten erwarteten Kapitalerträge heranziehen können. Für Pensionskassen gelten amtlich vorgegebene Diskontierungssätze (siehe auch Fußnote 2). In beiden Fällen können die Sätze höher sein als relevante marktnahe Renditen (für risikoarme Anlagen). Allerdings gleicht die Einbeziehung von Sponsorgarantien in die ganzheitliche Bilanz diesen Effekt wieder aus. Um möglichen Bedarf an risikoorientiertem Eigenkapital zu prüfen, waren von den teilnehmenden EbAV zudem bestimmte Stresstests durchzuführen. Dabei wurde gefordert, dass die Einrichtung die in einem Einjahreszeitraum „vernünftigerweise möglichen“ Veränderungen der demografi- schen, ökonomischen oder sonstigen Parameter im Folgejahr alternativ mit 99,5-, 97,5- und 95- prozentiger Wahrscheinlichkeit überstehen kann. Dabei zeigte sich, dass in Deutschland die be- stehenden Sicherungssysteme (subsidiäre Unternehmenshaftung, PSV) prinzipiell ausreichten, und kein zusätzliches Risikokapital erforderlich wäre. Freilich wurde auch einmal mehr die Unter- schiedlichkeit der EbAV in der EU deutlich. 22 Aba – Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (2012). Aba Response to 2nd EIOPA Consultation. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 15 | 2. April 2014 EU-Monitor talbedarf der EbAV und damit weithin entsprechende Belastungen der Sponsor- unternehmen. Angesichts der Tatsache, dass in der EU noch immer fast die Hälfte der Bürger keinen Zugang zu betrieblichen Rentensystemen habe, seien solche zusätzlichen Belastungen der Sponsoren kontraproduktiv, heißt es. 23 Auch wenn die Einwände nicht von der Hand zu weisen sind, darf nicht überse- hen werden, dass die EbAV an den Finanzmärkten zunehmend Bedeutung ge- winnen. Dementsprechend werden auch angemessene, effiziente aufsichts- rechtliche Regeln zunehmend wichtiger. Generell gilt, dass eine verstärkte Be- achtung der Risiken betrieblicher Rentenpläne und ein professionelles Mana- gement dieser Risiken, das geeignete Strategien der Risikoverminderung ein- schließt, wesentlich zu einer nachhaltigen Stärkung der betrieblichen Altersver- sorgung beitragen können. Angesichts der anhaltenden Debatte über erweiterte (quantitative) Solvabilitäts- regeln für Pensionsfonds kündigte der zuständige EU-Kommissar für Binnen- markt und Dienstleistungen, Michel Barnier, im Mai 2013 an, diese Frage bis auf weiteres offenzuhalten und den Vorschlag einer Richtline vorzulegen, die sich auf die „Verbesserung der Governance, Transparenz und Berichterstattung der EbAV“, also die Säulen 2 und 3 von Solvency II, beschränkt. Der ursprünglich für Herbst 2013 angekündigte Entwurf wurde nun am 27. März 2014 präsen- tiert. 24 Mit der Richtlinie will die Europäische Kommission die Bildung von be- trieblichen Altersvorsorgeersparnissen erleichtern. Sichere, effizientere Be- triebsrenten werden nach Ansicht der Kommission die Nachhaltigkeit und An- gemessenheit der Renten stärken. Die Richtlinie soll auch die Rolle der EbAV als Investoren in der Realwirtschaft fördern. Schwerpunkte des Richtlinienvorschlages Schwerpunkte des Kommissionsvorschlags bilden in Einklang mit den Ankündi- gungen: 1. Bestimmungen zur Governance und zum Risikomanagement der EbAV, 2. Informationspflichten gegenüber Planmitgliedern und Aufsichtsbehörden, 3. Befugnisse für Aufsichtsbehörden, die es den Behörden ermöglichen bzw. erleichtern sollen, die EbAV effizient zu beaufsichtigen, 4. erweiterte Vorgaben für grenzüberschreitende Aktivitäten der EbAV. Vorgaben für grenzüberschreitend tätige EbAV finden sich im ersten Kapitel (Titel I) des Vorschlags, das allgemeine Bestimmungen wie Definitionen enthält. Dabei definiert die Richtlinie zunächst grenzüberschreitende Aktivitäten und Prozesse und verpflichtet die Mitgliedstaaten, den Sponsorunternehmen und EbAV solche Aktivitäten zu gestatten. Dem Ziel, die Betätigung von EbAV in Partnerländern zu erleichtern, dienen neben begrifflichen Klarstellungen Vorga- ben für den Abbau aufsichtsrechtlicher Barrieren. So soll EbAV innerhalb der EU die grenzüberschreitende Verlagerung von Rentenplänen in der Weise er- möglicht werden, dass nur die Aufsichtsbehörde des Heimatlandes der Einrich- tung, zu der hin der Rentenplan verlagert wird, zuständig ist. (Sie muss den Transfer vorab genehmigen.) Eine solche Übertragung bedarf aber der vorheri- gen Zustimmung der betroffenen Planmitglieder und Leistungsempfänger oder 23 In diesem Zusammenhang wird auch die Auswirkungsstudie der EIOPA kritisiert. So bemängelt etwa in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V., dass für eine Wirkungsanalyse erforderliche Daten zur Bewertung der Arbeitgeberunterstützung v.a. bei EbAV mit vielen Arbeitgebern (multi-employer schemes), industrieweiten Einrichtungen sowie Arbeitge- bern, die mehrere EbAV finanzieren, nur zum Teil oder gar nicht vorliegen. S. Aba (2012). Aba Antwort zur EIOPA Konsultation „Arbeitgeberunterstützung“ (Frist: 31.Oktober 2013). Das Pro- blem der Bewertung der Sponsorgarantien wurde auch von EbAV aus anderen Ländern als kri- tisch betrachtet. Zudem gelten die erforderlichen Kalkulationen als aufwändig und kostspielig. 24 S. im Internet http://ec.europa.eu/internal_market/pensions/directive/index_en.htm#maincontentSec1 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 16 | 2. April 2014 EU-Monitor deren Repräsentanten. Zudem dürfen Mitgliedstaaten grenzüberschreitend täti- gen EbAV keine zusätzlichen Investitionsregeln (z.B. Anlagerestriktionen) mehr auferlegen. Ebenso dürfen Gastländer bei ihnen tätigen EbAV aus anderen Ländern keine zusätzlichen Informationspflichten als die in der Richtlinie ge- nannten (s. unten) auferlegen. Allerdings bleibt bei grenzüberschreitenden Akti- vitäten die Pflicht zur jederzeitigen vollen Ausfinanzierung der Verpflichtungen (technischen Rückstellungen) bestehen. Mit den Vorgaben in Titel II widmet der Richtlinienvorschlag quantitativen Erfor- dernissen zwar ein eigenes Kapitel. Jedoch decken sich die Erfordernisse hier weithin mit den Ergänzungen, die bereits 2009 durch die Solvabilität-II-Richlinie (RL 2009/138EG) der IORP-Direktive hinzugefügt wurden. So hat die Kommis- sion u.a. auch – anders als im Vorfeld der Veröffentlichung des Richtlinienent- wurfes von Vertretern der EbAV befürchtet – darauf verzichtet, festzuschreiben, dass die Verpflichtungen (technischen Rückstellungen) jederzeit voll ausfinan- ziert sein müssen. Vielmehr sind – außer bei grenzüberschreitend tätigen EbAV – weiterhin befristete Deckungslücken zugelassen. In einem solchen Fall sollen die Aufsichtsbehörden jedoch von den EbAV einen Sanierungsplan einfordern, der eine zeitnahe (in due time) Rückkehr zur vollen Ausfinanzierung vorsieht. Die involvierten Behörden der EU wollen das Thema quantitative Vorgaben jedoch wieder aufnehmen, wenn weitere Informationen bzw. Daten (wohl auch aus weiteren Folgenabschätzungen) vorhanden sind. Die umfangreichen Governance-Regeln im 3. Kapitel orientieren sich an den qualitativen Anforderungen von Solvency II, sind aber laut Kommission auf die EbAV zugeschnitten. Die neuen Regeln zielen auf verbesserte Governance und ein leistungsfähiges Risikomanagement und Kontrollsystem der EbAV. Diesem Zweck sollen einem begleitenden Arbeitspapier zufolge drei komplementäre, sich gegenseitig verstärkende operative Unterziele dienen. 25 Diese Unterziele manifestieren sich im Richtlinienvorschlag anhand verschiedener Erfordernisse: — Professionelles Management der EbAV soll dadurch erreicht bzw. gewähr- leistet werden, dass Einrichtungen mit DB- oder Hybrid-Plänen neben der bislang schon erforderlichen aktuarischen Funktion zusätzlich über die bei- den Aufgabenbereiche Risikomanagement sowie interne Revision und Kontrolle verfügen müssen. Bei Einrichtungen mit DC-Plänen, bei denen prinzipiell keine aktuarischen Aufgaben anfallen, müssen diese beiden Funktionen (ebenfalls) etabliert sein. Die Schlüsselaufgaben dürfen bei den EbAV grundsätzlich nicht von denselben Personen ausgeführt werden, die entsprechende Tätigkeiten bei deren Sponsorunternehmen ausüben. Im Einzelnen sollen etwa Anforderungen an die Qualifikation und Reputati- on der Führungskräfte und Personen in Schlüsselfunktionen der EbAV (Fit & proper-Kriterien) dafür sorgen, dass die EbAV gut geführt und Risiken vermieden werden. Gleiches gilt für die Entlohnungspolitik, die u.a. im Ein- klang mit den Zielen und dem Risikoprofil der Einrichtung stehen (also keine Anreize für riskantes Verhalten z.B. bei der Mittelanlage bieten) und Inter- essenkonflikte vermeiden soll. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Schlüsselfunktionen frei von sachfremden und der Aufgabenstellung unzu- träglichen Einflüssen durchgeführt werden können. — Zwecks Dokumentation des Risikomanagements ist die Einführung eines Berichts über die Risikoevaluierung (Risk Evaluation for Pensions (REP) Report) vorgesehen. Die Risikobewertung ist regelmäßig sowie bei einer signifikanten Änderung des Risikoprofils der EbAV unverzüglich vorzuneh- men. Der REP-Bericht soll v.a. auch gegenüber den Aufsichtsbehörden do- kumentieren, wie ein Pensionsfonds die mit seiner Tätigkeit verbundenen 25 European Commission (2014). Commission Staff Working Document. Executive Summary of the Impact Assessment. Accompanying the document … IORP II. Anforderungen an die Governance 2 3 – Allgemeine Anforderungen: EbAV müssen über ein wirksames System der Governance verfügen, das gutes und vorsichtiges Man a- gement ihrer Tätigkeiten gewährleistet. Das System soll transparent und in Relation zu Natur, Eigenschaften und Komplexität der Tätigkeit angemessen (proportional) se in. Es soll Verfahren der Rechnungslegung, interne Kontrolle und ein angemessenes Berichtsw e- sen einschließen. – Fit & proper - Kriterien: Personen in Schlüsse l- funktionen sollen über notwendige Qualifikat i- on, Kenntnisse und Erfahrung sowie gute Reputation v erfügen. – Entlohnungspolitik: Diese soll proportional ( d.h. u.a. angemessen in Relation zur Größe und zum Geschäft der EbAV, s. oben ) sein. Relevante Informationen der Entlohnungspol i- tik sind grundsätzlich zu veröffentlichen. Die Entlohnung soll u.a. in E inklang mit der Täti g- keit und dem Risikomanagement der EbAV sowie mit deren Risikoprofil, Zielen und langfr i- stigen Interessen stehen. Die Übernahme von Risiken, die die Toleranzgrenzen der Einric h- tung überschreiten darf nicht gefördert werden. – Funk tionen: EBAV müssen über ein Risik o- management und eine interne Revision sowie – soweit erforderlich (DB - und Hybrid - Pläne) – aktuarische Kapazitäten (Funktionen) verf ü- gen. Eine einzelne Person oder organisator i- sche Einheit darf mehr als eines dieser Aufg a- be nfelder übernehmen. Risikomanagement und Revision müssen aber stets getrennt sein. Bei den EbAV dürfen die Funktionen nicht von denselben Personen wie beim Sponsor unter - nehmen ausgeführt werden. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 17 | 2. April 2014 EU-Monitor Risiken einschätzt und bewertet. Dazu muss der Bericht eine qualitative Be- schreibung nachfolgend genannter vier Schlüsselelemente enthalten, die laut Arbeitspapier der Kommission die finanzielle Lage (funding position) des Fonds determinieren: 1. explizite Einschätzung der zur Kalkulation des Risikopuffers (Solvabili- tätsspanne) bei den technischen Rückstellungen angenommenen Abwei- chung von der besten Schätzung, 2. qualitative Bewertung der Unterstützung durch Sponsorunternehmen, auf die EbAV im Fall einer (starken) Unterdeckung zugreifen können, 3. Darstellung der Sicherheitsmechanismen bzw. Sanierungsmaßnahmen, z.B. nachträgliche Leistungskürzungen, die den EbAV bei einer Deckungs- lücke zur Verfügung stehen, 4. qualitative Evaluierung der operationellen Risiken. Zudem soll die REP u.a. eine qualitative Evaluierung neuer oder aufkom- mender Risiken infolge des Klimawandels und des Verbrauchs natürlicher Ressourcen beinhalten. — Zum Schutz des Vermögens vor operationellen Risiken sollen u.a. finanziel- le Instrumente umsichtig gehandhabt, verschiedene Dokumentationspflich- ten erfüllt und Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten getrof- fen werden. Zudem sind reine DC-Systeme verpflichtet, einen Verwahrer bzw. eine Depotstelle (Depository) zu beauftragen. Bei Fonds mit DB- oder Hybrid-Plänen können die nationalen Behörden dies verlangen. Neben den Regeln für die Governance der EbAV stellen deren Informations- pflichten gegenüber Plananwärtern (mit noch nicht unverfallbarer Anwartschaft), Planmitgliedern und Leistungsbeziehern den zweiten großen Block der von der Kommission angestrebten Neuerungen dar. Im Mittelpunkt steht dabei die Pflicht der EbAV, alle 12 Monate für die Planmitglieder einen Rentenstatus- Bericht (pension benefit statement, PBS) zur Verfügung zu stellen. Den relativ detaillierten Regeln für das Informationssystem PBS (s. Box) widmet die Richtli- nie ein eigenes Kapitel mit 15 Artikeln (von insgesamt 81 Artikeln). Auch das belegt die Bedeutung, die die Kommission diesem Vorhaben beimisst. Das Kapitel zur Aufsicht (Titel V) gibt den Behörden ein klares Hauptziel vor: Schutz der Planmitglieder und Leistungsberechtigten. Unbeschadet dieses Zie- les sollen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass die Aufsichtsbehörden bei ihrer Tätigkeit mögliche Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Stabilität des Finanzsystems beachten. Aufsichtsrechtliche Befugnisse sollen zudem rechtzei- tig und entsprechend dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit angewendet wer- den. Zur Klarstellung verweist die Richtlinie darauf, dass EbAV insbesondere hinsichtlich 10 explizit genannter Felder der Aufsicht unterliegen sollen. 26 Weite- re Vorgaben verpflichten die Mitgliedstaaten dazu, die Aufsichtsorgane mit den für ihre Tätigkeit erforderlichen Befugnissen auszustatten. So soll etwa sicher- gestellt werden, dass die Behörden über Instrumente wie Stress-Tests verfügen. Mehrere Artikel der Richtlinie verpflichten die Aufsichtsbehörden zudem zu ei- nem professionellen und vertraulichen Umgang mit den ihnen zufließenden Informationen. Darüber hinaus beinhaltet Titel V Vorgaben für den Informati- onsaustausch mit anderen Behörden, insbesondere anderen für die Finanzsta- bilität verantwortlichen, sowie zwischen den verschiedenen nationalen Auf- sichtsbehörden untereinander und mit EU-Behörden wie EIOPA. Der Informati- onsaustausch soll helfen, das Finanzsystem zu stärken. 26 Voraussetzungen für den Betrieb der EbAV, technische Rückstellungen, Bedeckung der techni- schen Rückstellungen, aufsichtsrechtliche Eigenmittel, verfügbare Solvabilitätsspanne, erforderli- che Solvabilitätsspanne, Anlageregeln, Anlagemanagement, Bedingungen für die Ausübung der Tätigkeiten und Informationspflichten. Informationen für Planmitglieder 2 4 Die EbAV müssen allen Planmitgliedern , ei n- schließlich ausgeschiedenen Mitgliedern mit unverfallbarer Anwartschaft, ein Dokument mit Schlüsselinformationen über relevante Eige n- schaften, Risiken und Kosten des Pension s- plans zukommen lassen. Das standardisierte Dokument (pension benefit statement, PBS) soll u.a. folgenden Anforderungen genügen: – Das PBS muss jedem Mitglied mindestens alle 12 Monate kostenfrei übermittelt werden (auf Verlangen ( auch ) in Papierform). – Informationen sollen in verständlicher Spr a- che geboten werden. – Der Umfang darf 2 Seiten (A4) nicht übe r- schreiten. – Es müssen personenbezogene Einzelheiten, soweit relevant einschließlich des gesetzlichen Rentenalters, enthalten sein. – Angaben zur Ident ifikation der EbAV müssen u.a. deren Name n und Adresse sowie den Namen des Sponsorunternehmens enthalten. – Soweit der Rentenplan Garantien vorsieht, sind deren Natur, der Deckungsgrad der ind i- viduellen Anwartschaft des Mitgliedes, die Mechanismen zum Schutz der Anwartschaften und – soweit gegeben – (Sanierungs - )Ver - fahren, die zu Leistungskürzungen führen können, zu erläutern. – Es müssen Angaben über die Höhe der erreichten Anwartschaft, bei DC - Plänen die Höhe des zugunsten des Mitglieds angespa r- ten K apitals sowie über Beiträge und Kosten enthalten sein. – Bei Plänen, die ein vorab definiertes Leis - tungsniveau vorsehen, müssen grundsätzlich Projektionen (unter Berücksichtigung künftiger Lohnsteigerungen) über die zu erwartenden Renten gegeben werden, u nd zwar über die monatlichen Leistungen zum Renteneintrittsa l- ter sowie für die Zeitpunkt e zwei Jahre davor und danach. – Bei DC - Plänen müssen Projektionen für das zu den drei genannten Zeitpunkten vorau s- sichtlich vorhandene Vorsorgekapital vorg e- nommen werd en. – Bei Pläne n , bei denen Mitglieder das Anlag e- risiko tragen sowie zwischen Anlagealternat i- ven wählen können, sind die Anlageprofile der Pläne durch eine kurze Beschreibung der einzelnen Optionen anzuzeigen. – Die Performance des Rentenplans oder gegebe nenfalls der vom Mitglied gewählten Anlageoption ist – soweit verfügbar – für die vergangenen zehn Jahre u.a. in Form eines Charts darzustellen. Darüber hinaus müssen die EbAV Anwärter , Mitglieder und Leistungsberechtigte in unte r- schiedlichen Phasen mit allen relevanten Informationen versorgen, nämlich vor Ei n- schreibung in einen Plan sowie v.a. zwei Jahre vor, zum und zwei Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 18 | 2. April 2014 EU-Monitor Balance zwischen Kosten und Nutzen erforderlich Hier ist nicht der Ort, die zahlreichen Bestimmungen des Richtlinienvorschlages im Einzelnen zu bewerten. Das gilt umso mehr, weil wichtige Fragen, wie die genaue Ausgestaltung der Risikoevaluierung (REP) und v.a. die dabei anzu- wendenden Methoden, wohl erst noch geklärt werden müssen. Offenkundig ist jedoch, dass die Europäische Kommission insbesondere im Hinblick auf das Risikomanagement sowie auf Dokumentations- und Informationspflichten ambi- tionierte Erfordernisse festschreiben will. Dies reflektiert Erfahrungen der Fi- nanzmarkt- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre, zielt aber auch auf die wachsende Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung in den alternden Gesellschaften Europas. Freilich dürften neue Standards, insbesondere soweit sie neben schon besteh- ende nationale Vorgaben treten, nicht immer die Zustimmung der EbAV und der Sponsorunternehmen finden. Die Implementierung neuer Standards verursacht i.d.R. nennenswerte Kosten. Zusätzliche Ausgaben zu finanzieren, etwa für erweiterte Kontrollmechanismen und/oder zusätzliche Dokumente, dürfte vielen EbAV nicht leicht fallen, auch wenn sich die finanzielle Lage vieler Einrichtun- gen wieder verbessert hat. Exemplarisch hierfür ist die Debatte um zusätzliche Informationspflichten gegenüber den Planmitgliedern. So ist die jetzt vorgesehene Einführung eines PBS schon seit längerem umstritten. Während die Europäische Kommission Informationsdefizite bei Planmitgliedern sieht, die das geforderte PBS vermin- dern soll, sorgt sich etwa Pensions Europe, der europäische (Dach-)Verband der EbAV, über die damit verbundenen Aufwendungen. 27 So dürfte die Einfüh- rung eines PBS selbst nach Angaben der Europäischen-Kommission einmalige Einführungskosten von etwa EUR 22 je Planmitglied und Folgekosten von je EUR 0,27 bis EUR 0,80 pro Jahr verursachen. Freilich ist zu bedenken, dass den höheren Kosten ein Gewinn an Transparenz und ein besserer Informationsstand der Beteiligten gegenübersteht. So ist es etwa für die Planmitglieder in Zeiten zunehmend eingeschränkter Leistungen der staatlichen Alterssicherungssysteme wichtig zu wissen, wie hoch ihre Be- triebsrenten im Alter voraussichtlich ausfallen werden. Ohne entsprechende Kenntnisse können Mitarbeiter ihren Bedarf an zusätzlicher, von ihnen selbst finanzierter betrieblicher oder individueller Altersvorsorge schwerlich richtig ein- schätzen. Angesichts der für viele potenziell betroffene EbAV marktbedingt rela- tiv niedrigen Erträge der Vermögensanlage sollte bei allen kostensteigernden Vorgaben aber genau geprüft werden, ob sie erforderlich sind. Wenn Sponsorunternehmen aus Kostengründen Rentenpläne für Neumitglieder hin- sichtlich des Leistungsumfangs (weiter) beschränken oder gar gänzlich schlie- ßen müssten, wäre nichts gewonnen. Steigende Verwaltungskosten dürften zudem den bereits zu beobachtenden Trend zur Fusion von EbAV und/oder die Auslagerung der Aufgabe der Verwal- tung der Pläne an externe Anbieter verstärken. Um wirksam zu werden, muss die Richtlinie noch vom Europäischen Parlament sowie dem Ministerrat beschlossen und in nationales Recht umgesetzt werden. Dieser Prozess wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, zumal im Mai die Neuwahl des EP ansteht und sich das Parlament danach erst noch konstituie- ren muss. Gleichwohl soll die Richtlinie bis 31. Dezember 2016 in nationales Recht umgesetzt sein. 27 Pensions Europe (2014). Reaction Pensions Europe on revised IORP Directive. Press Release 27 March 2014. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 19 | 2. April 2014 EU-Monitor Entschärfte EU-Mobilitätsrichtlinie Nach langer Debatte haben sich im Dezember 2013 die beteiligten europä- ischen Organe (Kommission, Parlament und Ratsvertreter) auf einen Vorschlag zur EU-Mobilitätsrichtlinie geeinigt. Die Richtlinie zielt darauf, die EU-weite Übertragbarkeit von Betriebsrentenansprüchen zu vereinfachen und so die grenzüberschreitende Mobilität von Arbeitskräften zu erhöhen. Anders als ur- sprünglich von der Kommission geplant, bezieht sich der Vorschlag nicht auf Sachverhalte beim Arbeitgeberwechsel (frühere „Portabilitätsrichtlinie“), sondern nur auf die grenzüberschreitende Mobilität zwischen Staaten. Der Vorschlag berücksichtigt damit Einwände v.a. auch seitens deutscher EbAV und ihrer Sponsorunternehmen. Die Anwendung bei Arbeitgeberwechsel im Inland hätte die arbeitgeberfinanzierte Vorsorge mit erheblichen zusätzlichen Risiken und Kosten befrachtet. So hätte etwa die generelle Verkürzung der in Deutschland (für arbeitgeberfinanzierte Rentenpläne) geltenden Unverfallbar- keitsfrist von fünf auf drei Jahre die Kosten für Abfindungen gering dotierter Rentenpläne erhöht. Freilich müssen Arbeitgeber in Deutschland mit Über- schreiten der Frist erworbene Anwartschaften nicht weiterführen, wenn der Mit- arbeiter das Unternehmen wechselt, sondern haben das Recht, ihn abzufinden. Es ist deswegen einer der wesentlichen Kritikpunkte v.a. seitens deutscher, aber auch niederländischer und britischer EbAV, dass gemäß Richtlinienvor- schlag eine Abfindung geringerer Anwartschaften beim Fortzug in ein anderes Land nur mit Zustimmung der Arbeitnehmer erfolgen kann. Nach der demnächst zu erwartenden Annahme durch Rat und Parlament müs- sen die Mitgliedstaaten die Vorschläge binnen vier Jahren in nationales Recht umsetzen. Die Folgen der neuen Regeln dürften begrenzt bleiben, da derzeit in der EU nur 0,2% der Arbeitskräfte alljährlich über Landesgrenzen hinweg mobil sind. Freilich bleibt abzuwarten, inwieweit Staaten bei der Umsetzung einzelne Regeln auch für nationale Arbeitgeberwechsel verbindlich machen, wie es die Richtlinie anregt. Ohnehin stellt sich die Frage, ob etwa unterschiedliche Unver- fallbarkeitsfristen nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen würden. Vor neuen Reformrunden? Angesichts niedriger Renditen einerseits und steigender Kosten andererseits besteht die Tendenz, Leistungen der betrieblichen Altersversorgung anzupas- sen. Darüber hinaus leisten in vielen Fällen Beschäftigte und Sponsorunter- nehmen höhere Beiträge bzw. dotieren Rentenpläne zusätzlich. Freilich sind verstärkten Belastungen der im harten Wettbewerb stehenden Unternehmen enge Grenzen gesetzt. Und bei höheren Beiträgen der Beschäftigten stellt sich bei DB-Plänen, je mehr sie von der aktuarischen Fairness abweichen, also Ele- mente der Umverteilung zwischen unterschiedlichen (Alters-)Gruppen von Bei- tragszahlern und Rentnern enthalten, die Frage der (Generationen-)Gerechtig- keit. Daher richten sich auch Hoffnungen an die Politik, die etwa steuerliche Rahmenbedingungen der betrieblichen Vorsorge verbessern könnte. Wie rea- gieren die Akteure auf nationaler Ebene? Dies soll am Beispiel Deutschlands sowie der Niederlande und der Schweiz dargestellt werden. Die (quasi-)obliga- torischen Betriebsrentensysteme beider Länder gelten weithin als vorbildlich. Deutschland: kaum Impulse durch die Politik In Deutschland beobachten die Experten das herausfordernde Umfeld für die betriebliche Altersversorgung aufmerksam. Insbesondere der mit den niedrigen Anleiherenditen verbundene Anstieg der Finanzierungskosten hat zu erhöhter Sensibilität gegenüber zusätzlichen Belastungen geführt – vor allem vom Staat Kernelemente der EU - Mobilitätsrichtlinie 2 5 – Geltungsbereich: Die Richtlinie gilt nur bei grenzüberschreitenden Sachverhalten, aber nicht bei Arbeitgeberwechsel innerhalb eines Mitgliedstaates. Die Richtlinie soll nur Diens t- zeiten ab dem Zeitpunkt der Umsetzung in nationales Recht (spätestens im Ja hr 2018) betreffen und nicht für derzeit bereits für Ne u- mitglieder geschlossene Rentenpläne gelten. – Unverfallbarkeitsfrist: Diese darf drei Jahre nicht überschreiten (Deutschland derzeit 5). – Mindestalter: Das Mindestalter für den E r- werb unverfallbare r Ansprüche darf 21 Jahre nicht überschreiten (DE derzeit 25 Jahre). – Gleichbehandlung bzw. Dynamisierung von Anwartschaften: Anwartschaften ausgeschi e- dener Mitglieder sollen entsprechend den Anwartschaften der aktiven Mitarbeiter oder den laufenden Rente nzahlungen oder in and e- rer geeigneter Weise fair behandelt und ang e- passt werden. (Unverfallbare Anwartschaften ausgeschiedener (ehemaliger) Mitarbeiter aus einer Leistungszusage müssen nach deut - schem Recht bis zum Renteneintritt nicht angepasst werden.) – Abfindungen: Anwartschaften eines au s- scheidenden Arbeitnehmers können – mit dessen Einvernehmen – durch eine entspr e- chende Kapitalauszahlung abgegolten werden. – Informationspflicht: Arbeitnehmer können Informationen darüber verlangen, wie sich die Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses auf ihren betrieblichen Rentenanspruch au s- wirkt. Ausgeschiedene Mitglieder können Auskünfte über den Wert ihrer (ruhenden) Anwartschaften oder der en zeitnahe (nicht älter als 12 Monate) Bewertung verlangen. Pensions - fonds 5,2 Direktver - sicherungen 11,1 Pensions - kassen 23,8 Unterstützungs - kassen 7 Direkt - zusagen 52,9 Quelle: aba 2011, in %, insgesamt: EUR 500,7 Mrd. Deckungsmittel der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland 26 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 20 | 2. April 2014 EU-Monitor administrierter Kosten. Hier besteht, ungeachtet der vielfältigen Landschaft mit den fünf Durchführungswegen, weithin Einigkeit unter den Akteuren. Für die deutsche Politik ist die betriebliche Altersvorsorge derzeit kein besonde- res Thema. Der im Dezember unterzeichnete Koalitionsvertrag enthält dazu nur wenige Sätze. Demnach will die neue Bundesregierung die betriebliche Alters- versorgung stärken und v.a. deren Verbreitung bei kleinen und mittleren Unter- nehmen verbessern. Tatsächlich verfügen derzeit nur etwa ein Drittel der Be- schäftigten in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern über einen betriebli- chen Rentenplan, während es in Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten mehr als drei Viertel sind. Deswegen soll laut Koalitionsvertrag geprüft werden, ob bei den kleineren Firmen Hemmnisse bestehen und inwieweit diese abgebaut wer- den können. Konkrete Maßnahmen nennt der Vertrag jedoch nicht. Forderungen von Experten und Fachverbänden nach verbesserten steuerlichen Rahmenbedingungen treffen bislang indes auf wenig Resonanz. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes könnten neue Impulse hier aber durchaus förderlich sein. Dabei geht es vor allem um folgende Punkte: — Eine Ausweitung steuerlicher Dotierungsmöglichkeiten bei Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherung (sowie der Riester-Förderung). 28 Im Interesse einer nachhaltigen Stärkung der betrieblichen Altersversorgung könnten substanziell erweiterte Dotierungsmöglichkeiten hier neue Freiräu- me für zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern schaffen. — Verbesserte steuerliche Möglichkeiten der Auslagerung von Direktzusagen in Pensionsfonds, die bislang nur bedingt möglich ist. 29 — Beseitigung der (vollen) Anrechnung von Betriebsrenten (und individuellen Riester-Renten) auf die Grundsicherung im Alter. Da derzeit selbst niedrige Betriebsrenten voll auf diese staatliche Transferleistung für Rentner mit ge- ringem Einkommen angerechnet werden, haben Geringverdiener nur schwache Anreize zur Entgeltumwandlung. Im Widerspruch zum Erfordernis eines förderlichen steuerpolitischen Umfeldes stehen Bestrebungen der Bundesregierung und von zehn weiteren EU-Staaten, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Würden Transaktionen der EbAV bzw. der für sie tätigen Finanzdienstleister in Deutschland mit einer solchen Steuer belegt, könnten allein die Kosten der Unternehmen bei der betrieblichen Altersversorgung um rd. 700 Mio. steigen. 30 Dabei träfe die Steuer v.a. jene Akteure, die wegen der niedrigen Renditen und zur Absicherung von Risiken der Rentenpläne viele Transaktionen durchführen und Derivate einsetzen. Intensiv ist in Deutschland schon lange im Vorfeld der jetzt erfolgten Ver- öffentlichung des Vorschlags die von der Europäischen Kommission angestreb- te neue EU-Pensionsfondsrichtlinie (IORP II) debattiert worden. Mit dem Hin- weis, dass die neue Richtlinie keine quantitativen Solvabilitätserfordernisse be- 28 Bei diesen Durchführungswegen liegt die Höchstgrenze für nachgelagert besteuerte Beiträge bei 4% der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung, derzeit also bei EUR 2.856 p.a. Zusätzlich können EUR 1.800 p.a. steuer-, aber nicht beitragsfrei eingezahlt werden. Diese Anreize wurden geschaffen, um das Recht der Arbeitnehmer auf eigenfinanzierte Betriebs- rentenpläne (Entgeltumwandlung) steuerlich zu flankieren. Inzwischen stocken viele Arbeitgeber die Entgeltumwandlung durch Zuschüsse auf. Arbeitgeber, die solche Beiträge leisten – etwa um die niedrigen Renditen auszugleichen –, können dabei leicht an die engen Grenzen stoßen. 29 Bislang können Unternehmen grundsätzlich nur laufende Renten und bereits erdiente Ansprüche ohne negative steuerliche Folgen für die begünstigten Planmitglieder in einen Pensionsfonds auslagern (so genannter past service). Unternehmen, die ihre Direktzusagen vollumfänglich aus- lagern wollen – also einschließlich der künftigen Beitragszahlungen zugunsten der aktiven Mitar- beiter (future service) –, müssen deswegen zwei Durchführungswege (einen separaten für den future service) nutzen. Die daraus resultierenden zusätzlichen Kosten können v.a. kleinen und mittleren Unternehmen die effiziente Gestaltung ihrer betrieblichen Versorgung verwehren. 30 Oliver Wyman u. Deutsches Aktieninstitut (2013). Die Finanztransaktionssteuer – ein politischer Irrweg. Auswirkungen auf private Haushalte und Unternehmen in Deutschland. Zusagearten der bAV in Deutschland 2 7 Das Betriebsrentengesetz kennt drei Arten von Zusagen: – Klassische Leistungszusage: Hier sagt der Arbeitgeber dem Mitarbeiter konkrete Leistu n- gen, i.d.R. die Zahlung einer Altersrente (oft ergänzt um eine Versorgung für Hinterbliebene und/oder den Invali ditätsfall), verbindlich zu. Dabei übernimmt der Arbeitgeber die releva n- ten Risiken. – Beitragsorientierte Leistungszusage: Der Arbeitgeber verpflichtet sich, bestimmte Be i- träge (während einer bestimmten Zeit) in eine Anwartschaft auf Alters - , Invalidität s - und/ oder Hinterbliebenenversorgung umzuwandeln. Die Leistung ergibt sich dann nach Maßgabe ver - sicherungsmathematischer Kalkulationen. Dabei wird i.d.R. eine Mindestverzinsung der Beiträge gewährleistet. – Beitr agszusage mit Mindestleistung: Hierbei h andelt es sich um Rentenpläne, bei denen sich die vom Arbeitgeber für den Ver sor gungs - fall (Renteneintritt) fest zugesagte bzw. gara n- tierte Leistung auf den Werterhalt eingezahlter Beiträge beschränkt. Die Beiträge sind an eine externe Vorsorgeeinrichtung (Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung) zu entrichten. Für Arbeitgeber zeichnet sich diese Zusageart durch Planbarkeit und begrenzte Risiken aus. Arbeitnehmer profitieren von den Erträgen erfolgreicher Mittelanlage der Vorso r- geeinrichtungen, die durch höhere Auszahlu n- gen im Rentenalter zufließen. Andererseits tragen die Arbeitnehmer das Risiko einer nur niedrigen (bzw. im Grenzfall ausbleibenden) nominalen Verzinsung des Kapitals. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 21 | 2. April 2014 EU-Monitor inhalten wird, hat die Kommission ein zentrales Element der gerade auch hier- zulande vorgetragenen Kritik an den Plänen entkräftet. Seither fokussiert sich die Debatte v.a. auf zwei Fragen: 31 — Qualitative Erfordernisse bei der Risiko-Steuerung. Dabei geht es etwa um die künftige Rolle des holistischen Bilanzansatzes (HBS). Viele Vertreter be- troffener EbAV halten dieses Konzept für verzichtbar. Hohen Kosten der da- für vorzunehmenden Analysen und Simulationen steht ihrer Ansicht nach nur begrenzter Nutzen gegenüber – zumal in Deutschland bereits sachge- rechte Standards für das Risiko-Management etabliert seien. Zudem sei nicht klar, welche Konsequenzen im Rahmen des HBS bzw. von Stresstests festgestellte Ergebnisse nach sich zögen. Andere Experten halten das Ziel eines risikobasierten Ansatzes für sinnvoll, sehen aber noch Änderungsbe- darf beim HBS-Konzept. — Berichtspflichten. Das von der EU-Kommission angestrebte Ziel höherer Transparenz findet prinzipiell breite Zustimmung. Vertreter der EbAV beto- nen aber auch, dass erweiterte Informationspflichten gegenüber Mitarbei- tern, wie sie die von der EU geforderte Standard-Renteninformation (PBS, s. Box S. 17) vorsieht, nicht „zu Kostentreibern“ werden dürfen. 32 Ungeachtet der weithin eher kritischen Haltung in Fragen der risikobasierten Aufsicht erhoffen sich die EbAV in Deutschland auch Unterstützung aus Brüs- sel. Das gilt insbesondere für den Ruf nach einer weiteren Liberalisierung der Anlagerichtlinien für Pensionskassen und Pensionsfonds. Statt quantitativer Vorgaben sollte hier auch in Deutschland das Prudent-person-Prinzip gelten. In Deutschland ist die Zahl der aktiven Anwartschaften in der betrieblichen Al- tersversorgung nach einer Stagnationsphase Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt wieder gestiegen. Für 2011 weist der letztverfügbare Alterssicherungsbericht der Bundesregierung 19,6 Mio. Anwartschaften aus – gegenüber 18,75 Mio. 2009. Allerdings hat sich der Anteil von rd. 60% an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kaum mehr er- höht. Das resultiert aber auch aus der Zurückhaltung vieler Arbeitnehmer. Um die Reichweite zu steigern, wird deswegen u.a. vorgeschlagen, automati- sche Einschreibungsverfahren (Opting-out-Modelle) einzuführen. Solche Verfah- ren könnten für einen gewissen Schub bei der Entgeltumwandlung sorgen. Frei- lich würde ein obligatorisches Opting-out-Verfahren den Arbeitgebern neue Pflichten und zusätzliche Verantwortung etwa hinsichtlich der Auswahl des Durchführungsweges und der Information der Arbeitnehmer aufbürden. Dies könnte sich negativ auf die arbeitgeberfinanzierte Versorgung auswirken. Diese spielt in Deutschland mit einem Anteil von rd. 30% an der betrieblichen Altersversorgung nach wie vor eine gewichtige Rolle. Und rd. 40% der laufen- den Anwartschaften werden gemeinsam von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Für die Zukunft kommt es daher wesentlich auf das weitere Engage- ment der Unternehmen an. Die Bereitschaft der Unternehmen, betriebliche Ren- tenpläne (mit) zu finanzieren, dürfte indes von den Kosten und damit wesentlich auch von den Rahmenbedingungen abhängen. Das gilt umso mehr, da in Deutschland die Möglichkeiten der Anpassung zugesagter Pensionsleistungen relativ begrenzt sind (s. Box). 31 Vgl. dazu Ottawa, Barbara (2013). We have a few questions. In: Investment & Pensions Europe (IPE) April 2013, S. 44ff. 32 Aba (Hrsg.) (2014). Für ein Rentensystem mit dualem Kern in Deutschland. aba-Roadmap zu einem robusten System – Thesen und Maßnahmenpakete. aba Arbeitsgemeinschaft für betriebli- che Altersversorgung e.V. Begrenzte Möglichkeiten der Anpassung von Rentenplänen in Deutschland 2 8 In Deutschland sind Betriebsrenten für Pla n- mitglieder vergleichsweise gut abgesichert. Es besteht relativ umfassender Bestandsschutz. Arbeitgeber müssen für zugesagte Pension s- leistungen einstehen. V.a. bereits e rdiente Anwartschaften können kaum gekürzt werden. Bei l aufenden Renten haben Arbeitgeber lediglich die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen die – je nach Zusageart bzw. Durchführungsweg – geset z- lich prinzipiell vo rgeschriebene Anpassung an die Steigerung der Verbraucherpreise au f- zuschieben oder (befristet) auszusetzen. Die Änderung von Zusagen bezüglich noch nicht erdienter Leistungen (future service) ist ebenfalls restriktiv geregelt. Sie erfordert i.d.R. die Mit wirkung des Betriebsr ates. Zudem besteht ein nach Intensität der Eingriffe abg e- stufter Bestandsschutz . E s darf nur insoweit eingegriffen werden, wie es die wirtschaftliche Lage des Sponsorunternehmens erfordert. Anders verhält es sich v.a. bei der Beitra gsz u- sage mit Mindestleistung, bei der die Verzi n- sung der Beiträ ge vo n der Kapitalmarkt en t- wic k lung abhängt (s. Box S. 20 ). 20 40 60 80 100 1000 u. mehr 500 bis 999 250 bis 499 50 bis 249 10 bis 49 1 bis 9 Beschäftigte Betriebsstätten Betriebliche Altersversorgung: Noch viel Raum bei KMU 29 Quellen: BMAS, TNS Infratest Sozialforschung Anteil der Betriebe bzw. Beschäftigter mit bAV, Privatwirtsch. nach Betriebsgröße, Dez. 2011, % EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 22 | 2. April 2014 EU-Monitor Niederlande: Suche nach neuen Antworten für die alternde Gesell- schaft Zu den Besonderheiten der betrieblichen Altersversorgung in den Niederlanden gehört die hohe Reichweite. 33 Da die Teilnahme durch Betriebsvereinbarungen oder allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge quasi obligatorisch ist, verfügen rd. 90% der Beschäftigten über betriebliche Rentenpläne. Dabei handelt es sich zu 93% um DB- oder Hybrid-Pläne. Der Anteil der DC-Pläne ist mit 6% gemes- sen an der Mitgliederzahl gering, aber im Trend steigend. Allerdings sind dies keine reinen DC-Pläne. Vielmehr tragen die Mitglieder (Anlage-)Risiken nur während der Anwartschaftsphase. Bei Renteneintritt muss das angesparte Kapi- tal hingegen grundsätzlich in eine lebenslange Rente umgewandelt werden. Vor allem die DB- oder Hybrid-Pläne werden ganz überwiegend durch Pensi- onsfonds finanziert. I.d.R. bieten diese Pläne relativ umfangreiche Leistungen. Viele Pläne zielen zusammen mit der staatlichen Grundrente auf eine Lohner- satzrate von 70% des Endgehalts. Insgesamt stammen rd. 50% der Altersein- kommen der Arbeitnehmer aus Betriebsrenten. Niederländische Pensionsfonds garantieren bis dato i.d.R. nur nominale Renten, streben aber deren Anpassung an die Inflation oder die Löhne an. Ein weiteres Merkmal ist der hohe Rang der Solidarität zwischen den Genera- tionen: Demografisch bedingte Kostensteigerungen sowie andere Risiken durch Inflations-, Zins- und Vermögenswertänderungen werden meist von den Be- schäftigten, den Sponsorunternehmen und – zunehmend – den Rentnern getra- gen. Bei finanziellen Problemen der Pensionsfonds können i.d.R. sowohl Bei- träge als auch Anwartschaften und Leistungen (Indexierung) angepasst werden (s. unten). Folglich handelt es sich um Hybrid-Pläne. Im April 2013 mussten rd. 70 Fonds Rentenleistungen für eine Million Rentner um bis zu 7% kürzen. 2014 werden es Presseberichten zufolge über 30 Fonds sein. In der niederländischen Pensionsfondslandschaft zeigt sich ein anhaltender Konsolidierungsprozess. Unter den drei Haupttypen von Pensionsfonds ist ins- besondere die Zahl der Unternehmenspensionsfonds im vergangenen Jahr- zehnt von 904 im Jahr 1999 auf 292 in 2013 stark zurückgegangen. V.a. viele kleinere Fonds konnten angesichts steigender (regulatorischer u.a.) Anforde- rungen und Kosten ihre Selbständigkeit nicht erhalten. Die Zahl der (obligatori- schen) Branchenfonds nahm in dem Zeitraum hingegen von 67 auf 60 nur we- nig ab, freilich war sie bis 2006 noch auf 78 gestiegen. Die Branchenfonds hal- ten indes fast drei Viertel des niederländischen Pensionsfondsvermögens. Die aufsichts- und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen für die Pensionsfonds sind wesentlich durch Reformen Mitte des vergangenen Jahrzehnts geprägt worden. Damals reagierten die Tarifparteien und der Gesetzgeber auf die Fi- nanzmarktturbulenzen nach der Jahrhundertwende – der Deckungsgrad der Pensionsfonds fiel von 150% Ende 1999 auf 110% Ende 2002 – sowie auf den Anstieg der Lebenserwartung und die geringe Erwerbstätigkeit Älterer. 34 Um die finanzielle Stabilität und Nachhaltigkeit zu sichern und die Beitragszah- ler nicht zu überfordern, stellten viele Fonds den Berechnungsmodus für die Betriebsrenten um. Die Renten richten sich seither i.d.R. nach dem während des Erwerbslebens erzielten Durchschnittsgehalt und nicht mehr nach dem (hö- heren) Gehalt des letzten Berufsjahres. Während 1999 rd. 60% der aktiven Mit- glieder über einen Endgehaltsplan verfügten, sind es derzeit nur noch rd. 1%. 33 Vgl. Broeders, Dirk und Eduard H.M. Ponds (2012). Dutch Pension System Reform. A step closer to the ideal design? CESifo DICE Report 3/2012; Federation of the Dutch Pension Funds (2011). Collectivity, solidarity. The evolution and position of collective pensions in the Netherlands. 34 Die Erwerbstätigkeitsquote der 55- bis 64-Jährigen lag in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit knapp 32% deutlich unter dem Durchschnitt der EU-15 von rd. 36%. Kerneigenschaften (quasi) obligatorischer niederländischer DB - bzw. Hybrid - Betriebsrentenpläne* 30 – Einheitssatz für Anwartschaftsberechnung: Für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit steigt die Anwartschaft um rd. 2% (vgl. Box S. 25 oben ) des in dem Jahr erzielten (rentenfäh i- gen) Arbeitseinkommens (2013: EUR 12.555 - 100.000). Nach 40 Jahren beträgt der indiv i- duelle Rentenanspruch folglich 80% des (im Laufe des Erwerbslebens erzielten durc h- schnittlichen) jährlichen (nominalen) Arbeit s- einkommens. – Einheitlicher Beitragssatz: Dieser ist für alle Mitglieder eines DB - Planes einheitlich, aber von EbAV zu EbAV unterschiedlich (durch - schnittlicher Sat z 2014 17,6% , nach 19,2% 2013). Arbeitgeber bezahlen i.d.R. 2/3 (2014 durchschnittl. 11,2%, 2013 12,5%**), Arbei t- nehmer 1/3. Die Beiträge müssen die (aktuarischen) Kosten des Anstiegs der A n- wartschaften und der jeweils geplanten Ind e- xierung im betreffenden Jahr sowie die Solvabilitätserfordernisse decken. – Einheitlicher Indexierungssatz: Die Anwar t- schaften aller Planmitglieder werden mit de m- selben Satz an die Inflation bzw. die Löhne angepasst. Gleiches gilt für die Renten. Viele Fonds werten prinzipiell d ie Anwartschaften nach Maßgabe der Löhne auf und passen die Renten an die Inflation an. Auch Anpassungen an Mischindices sind verbreitet. – Kürzungsmöglichkeit von Anwartschaften (variable bzw. bedingte Indexierung): Bei Unterdeckung kann nicht nur die In dexierung der Anwartschaften bzw. Renten reduziert oder ausgesetzt (oft in Abhängigkeit vom Deckungs - grad (Indexleiter)), sondern diese können sogar gekürzt werden (durchschnittl. Indexi e- rungssatz für aktive Mitglieder 2013 0,1%). – Einheitliche Vermöge nsstruktur: Das Verm ö- gen aller Mitglieder ist kollektiv in einem Pool angelegt. Es erfolgt z.B. auch keine Differe n- zierung der nach dem Alter. * Broeders, Dirk und Eduard H.M. Ponds (2012). A.a.O. S.67 ** Lt. Erhebung der niederländischen Zentralbank für d ie größten Pensionsfonds, dabei erheben viele Unternehmens - P ensionsfonds deutlich höhere Sätze. Branchen - fonds 60 Fonds für Berufs - gruppen 12 Unter - nehmens - Pensions - fonds 292 Andere* 18 Typen niederländischer Pensionsfonds 31 Anzahl, insgesamt 382, Stand 2013 * Nicht obligatorische Branchenfonds, Unternehmens - sparpläne u.a. Quelle: DNB EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 23 | 2. April 2014 EU-Monitor Vor allem wurden mit dem Financieel Toetsings-Kader ( FTK) des Rentengeset- zes 2007 die (aufsichtsrechtlichen) Rahmenbedingungen für die finanzielle Lage eines Pensionsfonds neu definiert. Zu den Kernelementen des bis heute gelten- den Regelwerks gehören u.a.: — Eine marktorientierte Bewertung. Das Vermögen muss zu Marktpreisen bewertet werden, Verbindlichkeiten mit Diskontsätzen, die sich an risiko- freien Marktrenditen (Swap-Kurve) orientieren. — Erhöhte Solvabilitätserfordernisse. Für die Fonds gilt eine Mindestfinanzie- rungsquote von 105% der Verbindlichkeiten. Unterschreiten Fonds die Quo- te, müssen sie die Unterdeckung innerhalb von drei Jahren beheben. Wenn dazu Beitragsanhebungen und der Verzicht auf die Anpassung der Renten- anwartschaften und Renten an die Inflation (Löhne) nicht ausreichen, müs- sen beide letztgenannten gekürzt werden. — Darüber hinaus benötigen die Fonds risikobasiertes (Reserve-)Eigen- kapital gemäß dem Value-at-Risk-Ansatz. 35 Je nach Plangestaltung erfor- dert dies ein Vermögen von 120 bis 130%. Wenn die Quote diesen Wert nicht erreicht, aber mindestens 105% beträgt, liegt ein Defizit an Reserven vor. Dieses ist binnen 15 Jahren auszugleichen. — Strenge Kapitalanforderungen bei Rentenplänen, bei denen eine Anpas- sung der Renten an die Inflation oder die Löhne ohne Einschränkungen zu- gesagt wird. Dies beschleunigte den Trend zu Plänen mit bedingter, vom Deckungsgrad abhängiger Indexierung. 36 Die Reformen trugen dazu bei, dass sich die finanzielle Lage der Fonds bis zum Beginn der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wieder erholte. Die mit der Krise verbundenen Turbulenzen, die niedrigen Zinsen und vor allem die Demografie brachten aber viele Fonds erneut in Schwierigkeiten. Deshalb sa- hen sich Regierung und Aufsichtsbehörde zu unterstützenden Maßnahmen veranlasst. So wurde von 2009 bis 2013 die Sanierungsfrist bei Unterdeckung auf fünf Jahre erhöht. 2012 erließ die Regierung ein weitergehendes Paket, das die Lage der Fonds auch mit Blick auf gesamtwirtschaftliche Erfordernisse (möglichst keine Beitragssteigerungen) kurzfristig entspannen sollte (Box). Zu- dem hilft den Fonds die seit Anfang 2013 laufende Anhebung des Rentenalters bis 2025 auf 67 und danach gemäß dem Anstieg der Lebenserwartung. 37 Schon zuvor befeuerten die Probleme eine anhaltende Debatte über Nachhal- tigkeit und Generationengerechtigkeit des niederländischen Pensionsfonds- systems. Dabei kristallisierten sich Konzepte für zwei neue Arten von Renten- plänen bzw. Verträgen heraus. 38 Sie waren auch Kernelement eines allerdings umstrittenen vorläufigen Gesetzesentwurfs für ein neues Regelwerk (FTK), den das niederländische Sozialministerium im vergangenen Jahr dem Parlament zur Beratung vorlegte. Die beiden Planarten, nominale und reale Verträge, unter- scheiden sich hinsichtlich der Leistungsgarantien und damit ihres Chan- ce/Risiko-Profils. Schlagwortartig verkürzt heißen die Alternativen Sicherheit oder Indexierung bzw. Rendite. — Nominale Verträge. Sie stehen für das Stichwort Sicherheit und stellen eine Variante der verbreiteten Hybrid-Pläne dar. Änderungen betreffen v.a. zwei Bereiche: Zum einen wird die – nur bedingt gewährte – Indexierung der 35 D.h. es muss gewährleistet sein, dass das Fondsvermögen mit 97,5%iger Wahrscheinlichkeit die erforderlichen technischen Rückstellungen von 100% innerhalb eines Jahres nicht unterschreitet. 36 Eine 100%ige Anpassung erfolgt demnach nur bei einem Deckungsgrad oberhalb des vorge- schriebenen Reserveniveaus (also z.B. ab 125%). Bei Unterdeckung (d.h. unterhalb von 105%) unterbleibt die Anpassung ganz. Dazwischen wird teilweise angepasst. 37 Auf die ebenfalls im vergangenen Jahr beschlossenen neuen Governace-Regeln kann hier nicht eingegangen werden. 38 S. Röhrlein, Nina (2013). Decision time. Pensions in the Netherlands. Investment & Pensions Europe (IPE), September 2013, S. 36ff. Maßnahmen des „September - Pakets“ 2012* 3 4 – Anpassung der Diskontierungssätze: Die Sätze für lange Laufzeiten (über 20 J.) werden an die Ultimate Forward Rate (UFR, prinzipiell eine Mischrate aus langfristigen Marktzinssä t- zen und hypothetischen Sätzen, z.Zt. 4,2%) angenähert. – Aufschubsoption für Beitragserhöhungen: Pensionsfonds mit Unterdeckung (unter 105%) konnten unter bestimmten Bedingungen 2013 erneut (ähnlich wie 2011 u. 2012) die in di e- sem Fall grundsätzlich unabdingbaren Be i- tragserhöhungen für ein Jahr aussetzen. – Aufschubso p tion für Leistungskürzungen: Pensionsfonds mi t Unterdeckung können erforderliche Leistungsbegrenzungen 2013 u. 2014 auf maximal 7% begrenzen. – Anreize für mehr Nachhaltigkeit: Inanspruc h- nahme von Option 2 od. 3 setzt voraus, dass in betroffenen Plänen das Rentenalter auf 67 erhöht oder die Basis der Rentenberechnung gekürzt wird. – Einführung eines Lebenserwartungs - Anpassungsmechanismus: Der Kosteneffekt eines (unerwarteten) Anstiegs der Lebense r- wartung muss durch entsprechende Vermind e- rung der Indexierung und/oder der Rentenb e- rechnungsbasis neutrali siert werden. * Vereinfachte Darstellung komplexer Maßnahmen Verbindlichkeiten als zentrales Problem, bedingt durch Demografie u. Niedrigzinsen 32 … „Es ist nicht notwendigerweise die Verm ö- gensseite in den Bilanzen der Pensionsfonds, die zu den gegenwärtig niedrigen Reserven geführt hat, sondern (viel) eher die Seite der Verpflichtungen. Mit anderen Worten: Unsere Renten werden zunehmend kostspieliger.“* * Federation of the Dutch Pension Funds (2011). A.a.O. S. 80. Übersetzung v. Autor. 0 0,5 1 1,5 2 2,5 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Quelle: DNB % Indexierunssätze (Valorisierung) für Anwartschaften aktiver Mitglieder 33 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 24 | 2. April 2014 EU-Monitor Renten stärker an die Solvabilitätserfordernisse gebunden. Solange diese nicht erfüllt sind, findet keine volle (100%ige) Indexierung statt. Zudem muss ein Fonds zwingend Leistungen kürzen, wenn er eine Unterdeckung (unterhalb 105%) nicht innerhalb von 3 Jahren beseitigen kann. Zum ande- ren unterliegen die Fonds restriktiveren Solvabilitätsanforderungen und müssen höhere Risikokapitalpuffer halten. Im Ergebnis sind die Leistungen bei den nominalen Verträgen zwar prinzipiell flexibel, aber durch höhere Kapitalpuffer stärker gegenüber Risiken abgeschirmt als die heutigen Pläne. Daher wird erwartet, dass Anpassungen hier seltener, aber wohl umfangrei- cher als bislang erfolgen. — Reale Verträge. Dieser chancenorientierte Plantyp sieht, wie der Name besagt, eine Indexierung der Renten vor. Allerdings hängt diese (linear) vom Deckungsgrad ab. Und bei Unterdeckung erfolgen sogar Rentenkür- zungen. Die unmittelbare Koppelung der Rentenanpassung an die Solvabili- tät geht mit modifizierten Erfordernissen einher. So müssen die realen Plä- ne zu 101% ausfinanziert sein, d.h. es muss relativ wenig Eigenkapital vor- gehalten werden. Bei Unterdeckung können die Fonds eine Sanierungspe- riode von bis zu 10 Jahren beanspruchen. Zudem gelten für reale Pläne spezielle Diskontsätze (s. Box). Dieses Plandesign, d.h. die prinzipiell jeder- zeit möglichen Leistungsanpassungen, die damit verbundenen geringeren Solvabilitätserfordernisse sowie die längere Sanierungsfrist, ermöglicht eine flexiblere Anlagepolitik und eröffnet damit die Perspektive für höhere Rendi- ten. Die enge Koppelung der Inflationsanpassung an den Deckungsgrad (Indexierungs-Leiter) verlagert indes Risiken teilweise weg von den Bei- tragszahlern und hin zu den Planmitgliedern, insbesondere den Rentnern. Gegenüber beiden vorgeschlagenen Plantypen gibt es unter den niederländi- schen Pensionsfonds, Sponsorunternehmen und Consultingfirmen indes erheb- liche Vorbehalte. So gelten die realen Verträge zwar v.a. für größere Unterneh- men als grundsätzlich interessant. Mit dem Versprechen inflationsindexierter Anwartschaften und Renten könnten die Unternehmen ihren Mitarbeitern attrak- tive Zusagen machen. Allerdings lässt sich dieses Versprechen in einer altern- den Gesellschaft mit tendenziell immer weniger Beitragszahlern nur insoweit realisieren, wie hinreichende Renditen erzielt werden können. Hier setzt das schwierige wirtschaftliche Umfeld niedriger Anleiherenditen aber Fragezeichen, auch wenn das Design der Verträge förderlich gestaltet ist. Dementsprechend würde das Angebot eines realen Vertrages die Pensionsfonds, insbesondere die zuständigen Asset Manager, in hohem Maße herausfordern. Die Crux nominaler Verträge sind die erhöhten Solvabilitätsanforderungen. Die- se führen dazu, dass ein durchschnittlicher Fonds seinen Risikokapitalpuffer um 5 Prozentpunkte erhöhen müsste. Das wäre eine schwierige Hürde. Sie würde wohl viele Sponsorunternehmen bzw. Pensionsfonds davon abhalten, nominale Verträge anzubieten – zumal das notwenige höhere Risikokapital innerhalb von drei Jahren anzusammeln wäre. Experten gehen deshalb davon aus, dass die- se Fonds ein De-Risking vornehmen und generell stärker sicherheitsorientierte Anlagestrategien verfolgen müssten. Zudem wird hinsichtlich beider Vertrags- typen kritisiert, dass Mitglieder Vertrauen in das Betriebsrentensystem verlieren könnten, wenn Möglichkeiten der Leistungsanpassung erweitert würden und die Unsicherheit hinsichtlich der Höhe künftiger Renten entsprechend zunähme. Inzwischen mehren sich in den Niederlanden kritische Stimmen, die das System kollektiver Kapitalbildung bei Pensionsfonds prinzipiell in Frage stellen. 39 Die Höhe der individuellen Renten richtet sich dabei nur bedingt nach den indivi- 39 Vgl. Van Alphen (2013). Second pillar to be divided between first and third pillar. Netspar Maga- zine 15, S. 6-8; Van der Westen, Mariska (2014). Can they have their cake and eat it? Artikel auf Basis eines Interviews mit Theo Kocken, Cordano. Investment & Pensions Europe (IPE), März 2014, S. 43f. Mögliche Diskontierungssätze bei debattierten realen Verträgen 3 7 Die Diskontierungssätze basieren auf der Euro - Swap - Kurve m it der Ultimate Forward R ate (4,2%) am langen Ende, wie sie derzeit gilt und für nominale Kontrakte vorgesehen ist. Modifikationen erfolgen in zweierlei Hinsicht: – Erstens werden d ie se Sätze durch eine Risikoprämie erhöht, die die höhere Risikotra g- fähigkeit bei flexiblen Leistung en reflektiert . – Zweitens handelt es sich um reale Sätze, da reale Leistungsverpflichtungen bewertet we r- den sollen. Die nominalen Sätze werden daher um die erwartete Inflationsrate vermindert. Dabei wird für die ersten 2 Jahre des Laufzei t- spektrums die vo m Planungsbüro der Niede r- lande erwartete Inflationsrate angesetzt und für das lange Ende ein Wert von 2% (EZB - Inflations ziel ) . Dazwischen erfolgt eine lineare Extrapolation. Die so modifizierte Kurve weist – unter derzeitigen Bedingungen – geringere Sätze auf als die ursprüngliche. -50 0 50 100 90 100 Grad der Anpassung (0 = keine; 100 = volle) in Abhänhgigkeit vom Deckungsgrad Quelle: Broeders, Dirk und Eduard H.M. Ponds (2012), a.a.O. * Exemplarische Darstellung, zwecks Veranschaulichung angenommene Werte. Index-Anpassungs-Leiter* für debattierte reale Verträge 36 -20 0 20 40 60 80 100 120 140 95 105 115 125 135 145 Grad der Anpassung (0 = keine; 100 = volle) in Abhänhgigkeit vom Deckungsgrad Quelle: Broeders, Dirk und Eduard H.M. Ponds (2012). * Exemplarische Darstellung, angenommene Werte. Index-Anpassungs-Leiter* für nominale Verträge 35 EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 25 | 2. April 2014 EU-Monitor duellen Beiträgen und der Kapitalmarktentwicklung während der Mitgliedschaft im Rentenplan. Vielmehr üben sozialpolitische bzw. aufsichtsrechtliche Rege- lungen (Indexierungs-Leitern, Sanierungsmaßnahmen bei Unterdeckung) we- sentlichen Einfluss aus. Mit der Festlegung der relevanten Parameter entschei- den die entsprechenden Akteure damit auch mit über die Verteilung des Kapi- talstocks zwischen den Generationen. So besteht hier eine offene Flanke für Generationenkonflikte und Bedarf an politischer Moderation. Manche Kritiker plädieren deshalb dafür, dass sich neue Rentenpläne stärker an den Prinzipien von DC-Plänen orientieren sollten. Andere Vorschläge zielen darauf, auf kollektive, generationenübergreifende Kapitalbildung zu verzichten und stattdessen für jede Generation separat Kapital anzusammeln. Das System käme damit der Funktionsweise privater Rentenversicherungen näher. Derzeit erscheint offen, in welche Richtung sich das niederländische System weiterentwickeln wird. Das niederländische Sozialministerium sucht wohl nach einer Kompromisslösung, die Elemente der beiden lange debattierten Vertrags- typen in einem neuen Typ vereint. Freilich hat sich die Debatte in den letzten Monaten weiter in die Breite entwickelt. Daher ist es auch fraglich, ob das neue Regelwerk 2015 in Kraft treten kann oder ob der einst schon für Januar 2013 und später 2014 geplante Starttermin erneut verschoben werden muss. Schweiz: Umfassende Reform auf dem Weg Die obligatorische betriebliche Altersversorgung in der Schweiz galt lange als nahezu unerschütterlich. Ähnlich wie in den Niederlanden stammen in der Schweiz Schätzungen zufolge über 40% der Alterseinkommen aus Betriebsren- ten, während es in Deutschland nur etwa 6% sind. Das reflektiert die lange Tra- dition der beruflichen Vorsorge in der Schweiz, die zudem seit 1985 obligato- risch ist. Es resultiert aber auch aus dem substanziellen Leistungsversprechen (s. Box). Zusammen mit der staatlichen Rente soll die Betriebsrente für den versicherten Lohn eine Lohnersatzrate von etwa 60% ermöglichen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und volatiler Finanzmärkte mehr- ten sich in der Schweiz aber schon im vergangenen Jahrzehnt die Zweifel an der langfristigen Finanzierbarkeit der obligatorischen Betriebsrenten. Die mehre- re Jahre relativ niedrige Deckungsrate vieler Pensionskassen und anhaltend große Deckungslücken öffentlich-rechtlicher Kassen nährten diese Zweifel zu- sätzlich. So forderten immer mehr Stimmen, nicht zuletzt auch die Aufsichtsbe- hörde, substanzielle Reformen. 40 Im Fokus stand dabei der Rentenberech- nungsmodus, insbesondere Umrechnungssatz. Dies ist der Prozentsatz, mit dem die individuellen Altersguthaben bei Renteneintritt in eine Rente umge- rechnet werden. Experten wiesen darauf hin, dass der Satz, der bis 2005 7,2% betrug und seither schrittweise auf ein neues Niveau von 6,8% reduziert wurde, angesichts der immer längeren Rentenlaufzeiten und der niedrigen Renditen stärker anpassungsbedürftig sei. 41 Eine Initiative des Bundesrates, der eine weitere Absenkung auf 6,4% beschlossen hatte, wurde jedoch bei einer Volks- abstimmung 2010 abgelehnt. Gleichwohl hat die Politik in der Schweiz in den letzten Monaten erneut ein um- fassendes Reformvorhaben auf den Weg gebracht. Unter dem Titel „Altersvor- sorge 2020“ sieht der Entwurf sowohl Reformen bei der staatlichen Alterssiche- rung als auch bei der obligatorischen betrieblichen Säule vor. Zu den wesentli- chen Elementen gehört dabei ein erneuter Versuch, den Umwandlungssatz zu reduzieren, und zwar auf 6% binnen vier Jahren. Zudem soll das frühestmög- 40 Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) (2013). Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2012, S. 8 u. 28. 41 Ein marktgerechter Umwandlungssatz liegt Experten zufolge derzeit bei 5,3 bis 5,6%. Zanella, Peter (2013). Solidarity put to the test. Investment & Pensions Europe (IPE) Dez. 2013, S. 36f. Einschnitte bei Steueranreizen 3 8 Obgleich die Demografie und niedrige Rend i- ten gerade auch in den Niederlanden anha l- tende Anstrengungen bei m Aufbau von Vo r- sorgekapital bei den EbAV erfordern, hat die Regierung aus haushaltspolitischen Gründen die Höchstgrenze für steuerlich absetzbare Z uwächse der Leistungsverpflichtungen (Rückstellungen) vermi n dert. So sind 2014 bei Durchschnittsgehaltsplänen nur noch Rückste l- lungen für Zuwächse in Höhe von 2,15% statt zuvor 2, 25% steuer lich absetzbar. Bei Endg e- haltsplänen sinkt der Wert von 2 auf 1,9%. Bei DC - Plänen werden die hier altersabhängigen Sätze ebenfalls r eduziert. Zudem steigt das Rentenalter für steuerliche Zwecke auf 67 Jahre und wird künftig gemäß der Entwicklung der Lebenserwartung angepasst. Weitere Begrenzungen sind ab 2015 geplant. Leistungen der obligatorischen Vorsorge i n der Schweiz 3 9 Die obligatorischen Leistungen richten sich nach der Höhe des (individuellen) Altersguth a- ben s bei Renteneintritt (gesetzliches Rentena l- ter derzeit bei 64 und 65 Jahre n für Frauen bzw. Männer). Das Altersguthaben resultiert aus den jährlichen Altersgutschriften und deren Verzinsung. Für beide Parameter bestehen staatliche Vorgaben: Die obligatorischen jährl i- chen Altersgutschriften bemessen sich als feste (mit dem L ebensalter steigende) Anteile des versicherten Lohnes. Der Mindestzinssatz, mit dem das so aufwachsende Guthaben alljährlich jeweil s verzinst werden muss, wird vom Schweizer Bundesrat jedes Jahr festg e- legt. Für 2014 hat der Bundesrat im vergang e- nen Herbst den Satz von 1,5% im Jahr 2013 auf 1,75% erhöht. Das aufgebaute Altersguthaben muss zu Beginn der Re ntenphase mit einem festen, vom Gesetzgeber bestimmten Satz , dem Umrechnungssatz, von derzeit 6,8% in eine lebenslange Rente umgewandelt werden. Die so be rechneten Renten müssen entsprechend der finanziellen Möglichkeiten der Verso r- gungseinrichtung an die Inflation angepasst werden. Zudem schließt die obligatorische betriebliche Versorgung Renten für den Inval i- ditätsfall sowie im Todesfall für Hinterblieben e ein. Teilbeträge des Altersguthabens können kapitalisiert werden. Zudem ist die vorzeitige Entnahme zum Zweck des Erwerbs einer Wohnimmobilie möglich. EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 26 | 2. April 2014 EU-Monitor liche Ende für Pflichtzahlungen von 58 auf 62 Jahre angehoben werden. Das würde auch das große Zeitfenster für vorzeitigen Rentenbezug (allerdings mit erheblichen Abschlägen) einengen. Des Weiteren soll der Mindestzinssatz vom Bundesrat künftig nicht mehr vor dem Beginn des betreffenden (Rechnungs-) Jahres, sondern zu dessen Ende hin festgesetzt werden. Davon erwartet die Regierung eine mehr marktorientierte (Mindest-)Verzinsung der Altersguthaben. Experten und Wirtschaftsvertreter begrüßen die vom Bundesrat beabsichtigte Reform als Schritt in die richtige Richtung. Allerdings gibt es Stimmen, die weiterreichende Einschnitte für erforderlich halten. Sie verweisen darauf, dass bei (freiwilligen) überobligatorischen Rentenplänen bereits stärkere Anpassun- gen zu beobachten sind. Hier wenden Pensionskassen schon heute Umwand- lungssätze von z.T deutlich unter 6,8% an. Zudem nimmt die Zahl der Pläne, deren (überobligatorische) Leistungen sich an der Lohnhöhe orientierten (so genanntes Leistungsprimat) gegenüber Plänen mit an den Einzahlungen orien- tierten Leistungen (Beitragsprimat) im Trend deutlich ab. Mehr noch: Bei Neu- zusagen gehen Sponsorunternehmen auch auf Hybrid-Pläne über, bei denen sich ein Teil der Leistungen nicht mehr nach den traditionellen Parametern be- misst, sondern variabel ist – etwa abhängig von der Performance der Versor- gungseinrichtung. Um die Finanzierbarkeit der obligatorischen Betriebsrenten nachhaltig zu sichern, wird von Seiten der Wissenschaft auch vorgeschlagen, den Umrechnungssatz an die Lebenserwartung zu koppeln. 42 Wie stark die Pensionskassen bei der Finanzierung der Leistungen herausge- fordert sind, zeigt sich bei ihren Deckungsgrad. Dieser ist, wie oben erwähnt, in den letzten Jahren gestiegen und betrug Ende 2012 106% bei den privaten Kassen (ohne Staatsgarantie), aber nur 80% bei den öffentlich-rechtlichen Kas- sen (mit Staatsgarantie). Insgesamt wiesen zu diesem Zeitpunkt 229 Einrich- tungen (rd. 9%) eine nicht nur kurzzeitig befristete Unterdeckung auf. Das Ausmaß der Unterdeckung hängt dabei wesentlich vom zugrundegelegten Diskontierungssatz der Verpflichtungen, dem technischen Zins, ab. Dabei kann eine konservativ zu schätzende Rendite des Vermögens zugrunde gelegt wer- den. Für die Mitglieder der Schweizer Kammer der Pensionskassenexperten gilt ein von der Kammer festgesetzter Höchstzinssatz von derzeit 3% (2012: 3,5%), von dem grundsätzlich höchstens um 0,25%-Punkte nach oben abgewichen werden darf. 2012 verwendeten die privaten Kassen der Aussichtsbehörde zu- folge im Durchschnitt einen Satz von 3,22%. Der für Zwecke der Rechnungs- legung nach IAS 19 von kapitalmarktorientierten Sponsorunternehmen anzu- wendende marktbasierte Rechnungszins liegt hingegen mit derzeit rd. 2% noch unter diesem Wert. Bei den öffentlich-rechtlichen Kassen betrug der durch- schnittliche technische Zinssatz hingegen 3,56%. Auf der Basis eines einheitli- chen technischen Zinses von 3,3% hätte die Unterdeckung der öffentlichen Kassen der Behörde zufolge 25% statt 20% betragen. Bei nicht nur kurzzeitig befristeter Unterdeckung sind die Pensionskassen grundsätzlich zu Sanierungsmaßnahmen verpflichtet (bei einem Deckungsgrad unter 90% unausweichlich). Bei privaten Kassen muss eine Sanierung innerhalb von 5 bis 7 Jahren, höchstens aber 10 Jahren abgeschlossen sein. 43 Dabei richtet sich die Sanierungsstrategie nach den Ursachen der Unterdeckung. Zeigt sich diese etwa bei den überobligatorischen Leistungen, so wird der Hebel hier angesetzt. So kann der Zinssatz bei den überobligatorischen Altersguthaben bis auf Null herabgesetzt und/oder – wie erwähnt – der Umwandlungssatz reduziert 42 Bütler, Monika (2009). Finanzkrise und Altersvorsorge: Wie steht es um unsere Vorsorge. Prä- sentation gehalten in Zürich am 19. Juni 2009. 43 Unterfinanzierte öffentlich-rechtliche Kassen können seit Anfang 2012 unter zwei Möglichkeiten wählen. Erstens können sie eine 100% Kapitaldeckung anstreben. Die volle Deckung muss dann binnen 10 Jahren erreicht sein. Alternativ dazu können öffentliche Kassen, für die eine Garantie ihres Heimatkantons besteht, eine Teilkapitaldeckung von 80% wählen. Dieses Ziel muss dann auch erst bis 2052 erreicht sein. Gesetzentwurf Altersvorsorgereform 2020 in der Schweiz:* Kernpunkte für Betriebsrenten 40 – Einheitliche Regelaltersgrenze: Auch Frauen können volle Rente erst mit 65 Jahren (derzeit 64) beanspruchen. Wie bislang ist vorzeitiger Altersrentenbezug nur mit Abschlägen mö g- lich. Wer länger arbeitet, erhält Zuschläge. – Mindestumwandlungssatz : Über 4 Jahre wird der Mindestumwandlungssatz um jährlich 0,2% - Punkte von 6,8 auf 6,0 % gesenkt. – Höheres Mindestalter für die Beendigung des Sparprozesses: Dieser kann erst ab 62 Jahren statt bislang mit 58 beendet werden. – Mindestzinssatz: Er wird künftig nachträglich zum Jahresende mit Blick auf die Performance der Pensionskassen festgelegt und nicht mehr vorab im Spätherbst des Vorjahres. – L eistungen für Hinterbliebene: Waisenrenten werden erhöht, dafür die Renten von verwitw e- ten Frauen mit Kindern gekürzt, die Renten für Witwen ohne Kinder entfallen. * Die Gesetzesvorlage durchlief bis Ende März einen Absti m- mungsprozess mit Parteien, Verbänden und Kantonen . Dabei zeigte sich Presseberichten zufolge , dass wesentliche Teile des Reformvorhabens weiterhin umstritten sind. 0 20 40 60 80 100 120 Individueller techn. Zins Einheitlicher techn. Zins* ohne Staatsgarantie mit Staatsgarantie Deckungsgrad Schweizer Pensionskassen 41 Quelle: OAK BV 2012; % * Angenommener einheitl. Diskontierungssatz für alle Kassen 3,3% EbAV in Europa: Anhaltende Herausforderungen 27 | 2. April 2014 EU-Monitor werden. Bei den obligatorischen Leistungen dürfen die Pensionskassen hinge- gen nur begrenzt eingreifen. So ist eine Absenkung des Mindestzinssatzes (an- ders als bei der Indexierung der Anwartschaften in den Niederlanden) nur als Ultima ratio und nur um höchstens 0,5%-Punkte für maximal 5 Jahre erlaubt. Möglich ist die Verminderung künftiger Leistungen bei Invalidität und Tod. Im Vordergrund steht hier jedoch die Zufuhr zusätzlicher Mittel durch Sanierungs- beiträge der aktiven Belegschaften und insbesondere auch der Sponsorunter- nehmen. Die Sanierungsfähigkeit hängt damit auch vom Anteil der Rentner ab. Prinzipiell sind Sponsorunternehmen aber erheblich involviert. Auch wirft die relativ einseitige Sanierungsweise die Frage der Generationengerechtigkeit auf. Für Debatten sorgen in der Schweiz nicht nur die von den Unternehmen und der Politik eingeleiteten Anpassungsmaßnahmen bei den Betriebsrenten. Auch die seit Anfang 2013 geltenden modifizierten Standards der unternehmerischen Rechnungslegung nach IAS 19 stellen die betroffenen Unternehmen vor erheb- liche Herausforderungen. Die neuen Regeln gelten angesichts von Besonder- heiten der Schweizer Vorsorgepläne als zu kompliziert und insbesondere hin- sichtlich der Bilanzierung bei einer Unterdeckung als nicht sachgerecht. 44 Pres- seberichten zufolge besteht bei Unternehmen eine gewisse Tendenz, zu dem Bilanzierungsstandard Swiss GAAP zu wechseln. 45 Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) 44 Müller, Lukas (2013). Abbildung von Risk-Sharing bei der Bilanzierung nach IAS 19. Denkanstoß auf dem Weg zur Berücksichtigung der Besonderheiten von Schweizer Vorsorgeplänen. Der Schweizer Treuhänder 2013/10 S. 674ff. 45 Bouvier, Stephen (2013). A mountain of problems. IPE Dec. 2013, a.a.O. S. 37f. EU - Monitor Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  EU - Skeptiker im Aufwind? Wirtschaftspolitische Implikationen der Europawahl ................................ ............................. 31. Januar 2014  Re - Industrialisierung Europas: Anspruch und Wirklichkeit ................................ ......... 4. November 2013  EU - Bankenunion: Richtige Idee, schlechte Durchführung ................................ ......... 20. September 2013  Der EU - Binnenmarkt nach 20 Jahren: Erfolge, unerfüllte Erwartungen und weitere Potenziale ................................ .................. 19. September 2013  Project Bond Initiative: Projektauswahl für Erfolg entscheidend ........................ 2 3 . A ugust 2013  Zinsbesteuerung, Amtshilfe und Co.: Steuerlicher Informationsaustausch setzt sich durch ................................ ............................... 5. August 2013  Atlantische Einheit im weltweiten Wettbewerb: T - TIP in Perspektive ................................ ........................ 2. August 2013  Unternehmensanleihen in Europa: Wo stehen wir und wohin geht die Re ise? ....................... 11. März 2013  Alle Wege führen in die Fiskalunion? Optionen für mehr fiskalische Integration in der Eurozone ................................ ................................ .. 5. März 2013  EU - Bankenunion: Besser gründlich als schnell! ................................ ......... 30. August 2012  Primus sucht Partner : Die Freihandels - abkommen der EU in Perspektive ................................ ........ 8. Mai 2012  Die Rolle von Steuersystemen für Wachstum : Europa im Überblick ................................ ....... 27. April 2012  Der Englische Patient ................................ .............. 16. Dezember 2011  Griechenland, Irland, Portugal: Mehr Wachstum durch Innovationen ...................... 16. November 2011  Die verborgene Zahlungsbilanzkrise der Eurozone ................................ ............................. 8. November 2011  Erlöse, Wettbewerb, Wachstum: Möglichkeiten der Privatisierung im Eurogebiet .......... 20. Oktober 2011  Wie Banken in der EU Wohnimmobilienkredite refinanzieren ......................... 11. Oktober 2011  Finanzaufsicht in der EU: Inkrementeller Fortschritt, Erfolg ungewiss .............. 9. September 2011  Arbeitskräftemobilität in der Eurozone .......................... 10. 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