1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Deutschland Monitor Finanzen privater Haushalte
25. Mai 2022
Autor:
Im zweiten Pandemiejahr erhöhten die Privathaushalte ihre Bankeinlagen „nur“ noch um EUR 84,6 Mrd., denn negative Nominalzinsen und steigende Inflationsraten machten Einlagen zunehmend unattraktiv. Stattdessen investierten die Haushalte eine Höchstsumme von EUR 287,5 Mrd. in andere Finanzanlagen. Die Kreditvergabe erreichte mit EUR 76 Mrd. einen neuen Rekord, getragen vom Baukreditboom. Konsumentenkredite wurden hingegen netto zurückgezahlt (EUR -1,4 Mrd.). Im laufenden Jahr dürfte sich das Wachstum leicht abschwächen – sowohl bei Einlagen und anderen Finanzanlagen als auch bei Krediten. [mehr]
Deutschland-Monitor Finanzen der privaten Haushalte Im zweiten Pandemiejahr erhöhten die privaten Haushalte in Deutschland ihre Bankeinlagen um EUR 84,6 Mrd. - eine ordentliche Summe im langfristigen Vergleich, aber ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahres-Rekord von EUR 149,4 Mrd. Der Anstieg der Bankeinlagen halbierte sich damit fast auf 3,4% ggü. Vj. und lag damit so niedrig wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die gute Einkommenssituation und der Lockdown in den ersten Monaten trugen zum Einlagenwachstum bei. Allerdings machten im zweiten Halbjahr negative Nominalzinsen auf Sichteinlagen und die anziehende Inflation Einlagen zuneh mend unattraktiv. Stattdessen investierten die Privathaushalte 2021 eine Höchstsumme von EUR 287,5 Mrd. in andere Finanzanlagen. Insbesondere legten sie Ersparnisse in In vestmentfonds, Lebensversicherungen und Aktien an. Die Kreditvergabe an private Haushalte wuchs weiter dynamisch und stieg auf den neuen Rekordwert von EUR 76 Mrd., getragen vom Baukreditboom (EUR +77,9 Mrd.). Konsumentenkredite wurden im vergangenen Jahr netto zurückge zahlt (EUR -1,4 Mrd.), was v.a. eine Folge der eingeschränkten Konsumgele genheiten war. Die große wirtschaftliche Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine, die mas sive Inflation und das weitere Pandemiegeschehen lasten auf den Privathaus halten. Im laufenden Jahr könnte die Einlagenbildung nochmals moderat unter dem Vorjahr liegen. Auch die Zuflüsse in Investments jenseits von Bankkonten dürften geringer werden. Bei der Kreditaufnahme ist ein Wachstumsrückgang auf hohem Niveau zu er warten. Die Erschwinglichkeit von Wohnungen wird sich angesichts steigender Zinsen voraussichtlich verschlechtern und die Bewertungen gelten zunehmend als unattraktiv. Autorin Heike Mai +49 69 910-31444 heike.mai@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 25. Mai 2022 Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter Sparen, Geldanlage und Kredit im Jahr 2021 Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter 2 | 25. Mai 2022 Deutschland-Monitor Einlagenwachstum der Privathaushalte bricht ein Im zweiten Pandemiejahr 2021 erhöhten die privaten Haushalte in Deutschland ihre Bankeinlagen um EUR 84,6 Mrd. auf EUR 2.547 Mrd. - eine ordentliche Steigerung im langfristigen Vergleich, aber ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Rekordzuwachs von EUR 149,4 Mrd. im Vorjahr. Die Wachstumsrate hal bierte sich fast auf 3,4% ggü. Vj. und lag damit so niedrig wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die geringere Zunahme auf den privaten Bankkonten erklärt sich fast aus schließlich durch die betragsmäßig wichtigste Einlagenkategorie: die Sichteinla gen. Ihr Zuwachs betrug „nur" noch EUR 90 Mrd., der Anstieg halbierte sich auf 5,4% ggü. Vj. Sichteinlagen machten Ende 2021 mit EUR 1.762 Mrd. 69% aller Einlagen der Privathaushalte aus. Diese lösten im vergangenen Jahr Terminein lagen auf (EUR -7,2 Mrd./-3%) und zahlten netto erstmals seit Längerem wieder Geld auf ihre Sparkonten ein (EUR +1,5 Mrd./+0,3%). Pandemie bremst Konsumausgaben In den beiden ersten Quartalen lag der Einlagenanstieg mit jeweils über EUR 35 Mrd. noch auf sehr hohem Niveau. Erst im Sommer kam der Einbruch, erstmals seit 15 Jahren zogen die Privathaushalte in einem Vierteljahr unter dem Strich sogar Mittel ab (EUR -3,1 Mrd.). Das normalerweise starke Schlussquartal fiel mit einem Plus von lediglich EUR 16,5 Mrd. deutlich unterdurchschnittlich aus. Ein Grund für diese Trendwende dürften die pandemiebedingten Einschränkun gen und später deren Lockerungen gewesen sein. Bis in den Mai letzten Jahres hinein gab es - mit regionalen Unterschieden - Zugangsbeschränkungen zu Einzelhandel, Gastronomie, Hotels, Sport- und Kulturveranstaltungen. Somit waren die Konsummöglichkeiten ähnlich wie im Frühjahr 2020 reduziert. Dies wird zur Einlagenbildung beigetragen haben, ebenso wie die leichte nominale Steigerung des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte (2021 insge samt: +1,9%). Schon im zweiten Quartal stieg mit den Lockerungen der Konsum wieder an, v.a. die Ausgaben für Verkehr und Gastgewerbe. Im Sommerquartal scheinen viele das „verpasste Leben" nachgeholt zu haben: Die Konsumausga ben schnellten um EUR 38,3 Mrd. gegenüber dem Vorquartal in die Höhe. Am stärksten steigerten die Privathaushalte ihre Ausgaben in Gaststätten und Ho tels (EUR 11,3 Mrd.) sowie für Freizeit, Unterhaltung und Kultur (EUR 6,9 Mrd.). Auch Auslandskonsum - Urlaubsreisen - waren wieder möglich. Allerdings kann die Corona-Pandemie das Sparverhalten nicht vollständig erklären. Im Vorjahr, das einen ähnlichen Pandemieverlauf aufwies, beließen die Privathaus halte im Sommerquartal trotz stark gestiegenen Konsums weiterhin netto be trächtliche Summen auf ihren Bankkonten. Inflation und Negativzinssätze: Haushalte sparen jetzt anders Negativverzinsung und anziehende Inflation führten 2021 zu einer Abkehr von der bisherigen, starken Präferenz der privaten Haushalte für Liquidität: Bankein lagen machten das erste Mal seit 15 Jahren nicht mehr den relativ größten An teil der Ersparnisbildung aus. 2020 lag die nominale Verzinsung von Sichteinlagen im Durchschnitt noch bei 0%, aber im Mai letzten Jahres sank sie in den roten Bereich (-0,01%). Viele Privathaushalte mussten der Einführung von „Verwahrentgelten" ab einer gewis sen Schwelle per geänderter AGB explizit zustimmen und oft werden Kontoab rechnungen Abzüge ausgewiesen haben. Gleichzeitig wurde nach jahrelangem „Stillstand" die Inflation zum Thema. Im Verlauf von 2021 zog sie massiv von 1.900 2.000 2.100 2.200 2.300 2.400 2.500 2.600 -10 0 10 20 30 40 50 60 17 18 19 20 21 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts) Bankeinlagen: Das Wachstum bricht ein Mrd. EUR 1 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research -1 0 1 2 3 4 5 03 05 07 09 11 13 15 17 19 21 Zinssatz für täglich fällige Einlagen ESTR (Euro Short-Term Rate)* Sichteinlagen ab Mai '21 negativ verzinst 2 Quellen: EZB, WEFA, Deutsche Bank Research %, bis März 2022 *bis September 2019 berechnet auf EONIA-Basis Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter 3 | 25. Mai 2022 Deutschland-Monitor 1% auf 5,3% an. Weniger vermögende Haushalte werden aufgrund steigender Lebenshaltungskosten am Ende des Monats weniger Geld zurückgelegt bzw. übrig gehabt haben. Außerdem lässt eine wachsende Anzahl von Internet-Such anfragen zum Stichwort „Inflation" vermuten, dass sich viele Gedanken um reale Verluste bei ihren Geldanlagen gemacht haben. 1 Nachdem die Privathaushalte jahrelang trotz niedrigster nominaler Zinssätze Ersparnisse vorzugsweise in Form von Einlagen gebildet hatten, schärften „Verwahrentgelte" und eine kräftig steigende Inflation den Blick für die realen Renditen. Dies spiegelt sich in den hohen Summen wider, welche Privathaushalte in Fi nanzanlagen (ohne Einlagen) investiert haben. Insgesamt lagen diese 2021 netto bei EUR 287,5 Mrd. und damit noch einmal um EUR 52,1 Mrd. über dem Spitzenwert des Vorjahres. Aufgrund des deutlich geringeren Einlagenwachs tums blieb der Zufluss zum Finanzvermögen insgesamt mit EUR 373 Mrd. et was unter dem Rekordwert von 2020. Die Sparquote des Sektors der privaten Haushalte sank deshalb - und aufgrund des Anstiegs des nominalen verfügba ren Einkommens - im zweiten Pandemiejahr leicht auf 15%. Hierbei deutet die Abnahme im Jahresverlauf von 19% auf 12,5% an, dass auch 2022 eher mit ei ner Sparquote im unteren zweistelligen Bereich zu rechnen ist. Im langfristigen Durchschnitt liegt die Sparquote bei 11%. „Gewinner" der immer stärkeren realen Negativverzinsung von Bankeinlagen waren 2021 Investmentfonds, die eine Rekordsumme von EUR 104,6 Mrd. an neuen Mitteln bei den Privathaushalten einwarben (bisher größter Zufluss: EUR 50,9 Mrd. im Jahr 2000). Die Zahl der neuen Fondssparpläne stieg besonders stark. Aktienfonds und Mischfonds standen in der Gunst der Anleger vorn, mit einem Anteil von etwa drei Vierteln des Neugeschäfts. 2 Viele Privatanleger ent schieden sich auch für die direkte Anlage in Aktien, die Investitionssumme be trug hier EUR 31,7 Mrd. Die positive Entwicklung des DAX seit April 2020 wird dies maßgeblich beeinflusst haben. Lebensversicherungen verzeichneten einen Zufluss von EUR 51,9 Mrd., was den Rekord des Vorjahres noch leicht toppte. 1 Google Trends (https://www.google.com/trends) 2 BVI (2022), BVI: 2021 war ein Ausnahmejahr, Pressemitteilung, 10. Februar. -50 0 50 100 150 200 250 300 350 400 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Andere Pensionskassen u.ä. Lebensversicherungen Investmentfonds (ohne Geldmarktfonds) Schuldverschreibungen Aktien und Beteiligungen Einlagen Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Pandemie führt zu Anstieg der Ersparnisse - Inflation macht Einlagen unattraktiv 3 Bildung von neuem Finanzvermögen (netto) in Mrd. EUR Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter 4 | 25. Mai 2022 Deutschland-Monitor Auch weitere konservative Anlageklassen, nämlich Pensionskassen u.ä. sowie Nicht-Lebensversicherungen, wiesen hohe Mittelzugänge von jeweils über EUR 20 Mrd. auf. Einzig bei den Schuldverschreibungen schrumpfte das Portfolio der privaten Haushalte (EUR -5,9 Mrd.) - sicherlich wegen der verbreiteten Negativ renditen. Neuer Rekord bei Kreditaufnahme Bei der Kreditvergabe gab es das siebte Mal in Folge einen neuen Rekord: Die Privathaushalte nahmen netto EUR 76 Mrd. auf, das ausstehende Kreditvolu men bei Banken erreichte somit EUR 1.429,3 Mrd. (+5,6% ggü. Vj.). Davon ent fielen 84% (EUR 1.196,6 Mrd.) auf die wiederum stark ausgeweiteten Woh nungsbaudarlehen (EUR +77,9 Mrd.). Die Konsumentenkredite verringerten sich über das Jahr gesehen um EUR 1,4 Mrd. Debetsalden nahmen leicht zu, sonstige Kredite leicht ab - ihr gemeinsamer Anteil am gesamten Kreditbestand liegt jedoch unter 4%. Prozentual lag das Wachstum der Kredite 2021 erstmals seit 2003 über dem der Einlagen; absolut blieb es jedoch darunter. Baukredite boomen weiter Seit 2015 nehmen die Privathaushalte jährlich immer größere Summen an Im mobilienkrediten auf, die Wachstumsraten legten entsprechend von knapp 2% auf 7% zu. Sowohl eine gute Arbeitsmarkt- und Einkommenssituation, Preisstei gerungen am Wohnungsmarkt als auch sinkende, historisch niedrige Finanzie rungskosten trugen bisher zu dieser Entwicklung bei. Letztere erhöhten sich im vergangenen Jahr jedoch erstmals seit Langem. Bis Jahresende 2021 stieg der durchschnittliche Zinssatz für neue Immobilienkredite um 16 Bp. auf immer noch sehr günstige 1,37%. Die Nachfrage nahm weiter zu, abgesehen vom ersten Quartal, als sie stagnierte. In der Baufinanzierung sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit 31% bzw. 25% Marktanteil die bevorzugten Partner der Privathaushalte. Sie nahmen dementsprechend den überwiegenden Teil der neuen Kredite auf ihre Bücher. Großbanken halten 18%, Bausparkassen 13% und Regional- sowie sonstige Kreditbanken 9% des ausstehenden Volumens. Rückzahlung bei Konsumentenkrediten Schon im ersten Pandemiejahr nahmen die Privathaushalte netto nur noch we nig neue Ratenkredite für Konsumzwecke auf. 2021 verringerte sich das Kredit volumen dann um 0,8% ggü. Vj. Das dynamische Wachstum der Jahre vor Corona kam somit vollständig zum Erliegen. Neben einem geringeren Bedarf dank höherer Ersparnis werden die eingeschränkten Konsummöglichkeiten die entscheidende Rolle gespielt haben. Entsprechend ging im ersten Quartal die Nachfrage nach Konsumentenkredit (wie schon während des ersten Lock downs) sehr stark zurück. Die Haushalte verschoben viele größere Anschaffun gen und zahlten netto Konsumentenkredite zurück. Während des relativ „restrik tionsfreien" Sommerquartals hingegen wurde nicht nur viel konsumiert, sondern dafür auch mehr Kredit aufgenommen - allerdings konnte das den Rückgang im Rest des Jahres nicht kompensieren. Auch die Unsicherheit aufgrund der Pan demie dürfte viele Haushalte vorsichtiger und zurückhaltender gegenüber Kon sumdarlehen gemacht haben. Die Auslandsbanken, welche mit 36% Marktanteil das Geschäft mit Konsumen tenkrediten in Deutschland anführen, reichten im vergangenen Jahr EUR 1,5 Mrd. an neuen Mitteln aus. Mit Ausnahme der Genossenschaftsbanken (EUR 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 0 4 8 12 16 20 24 17 18 19 20 21 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts)* Neuer Rekord bei Immobilienkrediten Mrd. EUR 4 *enthält erhebliche Umklassifizierung in Q3 18. Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 Q4/19 Q2/20 Q4/20 Q2/21 Q4/21 Q2/22 Immobilienkredite Konsumentenkredite … gestiegen … gesunken Bank lending survey: Kreditnachfrage* Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 5 *Q2/22 erwarteter Wert 130 140 150 160 170 180 190 -2 -1 0 1 2 3 4 17 18 19 20 21 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts)* Mrd. EUR Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research *enthält erheblicheUmklassifizierungen in Q2 & Q3 18 sowie Korrekturen in Q4 21. Privathaushalte zahlten 2021 netto Konsumentenkredite zurück 6 Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter 5 | 25. Mai 2022 Deutschland-Monitor +0,3 Mrd.) schrumpfte bei allen anderen Bankengruppen der Bestand. Genos senschaftsbanken und Sparkassen stehen für jeweils 16% des Marktes, Groß banken (mit Überschneidung zu den Auslandsbanken) für 10%. Ausblick Das Jahr 2022 ist geprägt vom russischen Angriff auf die Ukraine, der für die Wirtschaft (und die Bürger) einen neuen Schock darstellt. Die Aussichten auf eine kräftige Erholung nach der Pandemie haben sich eingetrübt, es ist nur noch mit einem BIP-Wachstum von 2,3% zu rechnen. 3 Trotzdem dürfte die wirt schaftliche Situation der privaten Haushalte insgesamt positiv bleiben: Die Ar beitslosigkeit wird voraussichtlich gering bleiben und das nominale Einkommen dürfte um bis zu 4% steigen. 4 Eine kräftige Anhebung des Rentenniveaus im Sommer und des Mindestlohns im Herbst wird vielen einkommensschwächeren Haushalten zugutekommen. Allerdings wird die massive Inflation real zu Ein kommensverlusten führen. Und es ist offen, ob die Corona-Pandemie endgültig ausgestanden ist, trotz der derzeit entspannten Situation in Deutschland. Lock downs im Ausland können Lieferketten weiter belasten und die Konjunktur bremsen. Bankeinlagen wegen stark negativer Realzinsen unattraktiv Die Inflationsrate wird im laufenden Jahr voraussichtlich hoch bleiben und bei durchschnittlich knapp 7% liegen, v.a. aufgrund von Preissteigerungen bei Ener gie und Nahrungsmitteln. Viele Haushalte werden daher gezwungen sein, ent weder weniger zu sparen oder weniger für „verzichtbaren" Konsum auszugeben. Die Inflation wird auch die Wahl der Anlageform beeinflussen, da die reale Ver zinsung von Einlagen vermutlich deutlich negativ bleiben wird. Auch einkom mensstärkere Privathaushalte dürften somit 2022 relativ wenig neue Einlagen bilden. Das Einlagenplus insgesamt könnte nochmals moderat unter dem Wert des letzten Jahres liegen. Ein erneuter Einbruch ist jedoch nicht zu erwarten. Zum einen lag das Einlagenwachstum zum Jahresanfang 2022 im langjährigen Durchschnitt. Zum anderen könnte durch die unsichere geopolitische Lage das Bedürfnis nach liquidem Vermögen zunehmen. Und schließlich dürften die Zin sen auch im Euroraum perspektivisch spürbar steigen. Der Löwenanteil der neuen Ersparnisse des Haushaltssektors wird jedoch wohl erneut in Anlagen wie Investmentfonds, Lebensversicherungen und Aktien flie ßen. Aufgrund steigender Renditen könnten zudem die Anleihemärkte für die privaten Anleger nach langen Jahren wieder interessant werden. Allerdings ist auch für die Investments jenseits von Bankkonten und damit für das Finanzver mögen insgesamt ein geringerer Zuwachs als im Vorjahr zu erwarten. Immer noch hohes Plus bei Immobilienkrediten, aber unter Vorjahr Das Volumen neuer Wohnungsbaukredite dürfte auch 2022 wieder sehr hoch sein, aber deutlich unter dem Rekordwert des vergangenen Jahres liegen. Stei gende Hauspreise werden nicht mehr durch sinkende Kreditzinsen kompensiert. Die Zinswende dürfte sich fortsetzen, wenn auch auf extrem niedrigem Niveau. Angesichts der erwarteten restriktiveren Geldpolitik sowie hoher Staatsdefizite 3 Deutsche Bank Research (2022). Vor einer harten Landung. Weltwirtschaftlicher Ausblick, April. 4 Schattenberg, Marc (2022). Arbeitsmarkt hält Erholungskurs, in: Stefan Schneider et al. Krieg in der Ukraine - Neue Realitäten 2.0. Ausblick Deutschland. Deutsche Bank Research, 9. März. -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 03 05 07 09 11 13 15 17 19 21 Zinssatz für Immobilienkredite (Neugeschäft, effektiver Jahreszinssatz) Rendite 10-jähriger Bundesanleihen %, bis März 2022 Quellen: EZB, WEFA, Deutsche Bank Research Trendwende bei Immobilienzinsen 7 Einlagenwachstum bricht ein, Baukredit boomt weiter 6 | 25. Mai 2022 Deutschland-Monitor hat die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen den Negativbereich bereits ver lassen und dürfte weiter steigen, mit entsprechenden Folgen für die Bauzinsen. Daneben sind weitere dämpfende Einflüsse zu erwarten. Die BaFin hat die Ban ken kürzlich verpflichtet, zwei zusätzliche Eigenkapitalpuffer aufzubauen (einen allgemeinen antizyklischen und einen speziellen Systemrisikopuffer zur Abfede rung von Risiken aus Baukrediten). Dies dürfte Immobilienfinanzierungen (wei ter) verteuern. Außerdem ist mittelfristig ein Ende des Hauspreiszyklus zu er warten, da die Angebotsknappheit nachlässt und die Bewertungen zunehmend als unattraktiv gelten. 5 Verhaltenes Wachstum bei Konsumentenkrediten Bei den Konsumentenkrediten kann 2022 dank des Wegfalls der Corona-Ein schränkungen mit einem positiven, aber verhaltenen Wachstum gerechnet wer den. Allerdings dürfte es angesichts der während der Pandemie recht starken Käufe langlebiger Konsumgüter wie Möbel, Fahrräder, Fitnessgeräte hier bald Sättigungseffekte geben, was den Bedarf an Konsumentenkrediten weiterhin bremsen könnte. Heike Mai (+49 69 910-31444, heike.mai@db.com) 5 Möb ert, Jochen (2022). Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2022 ff. Deutsc hland-Moni tor. Deutsche Bank Research, 1. April. In der Reihe „Deutschland-Monitor" greifen wir politische und strukturelle Themen mit großer Bedeutung für Deutschland auf. Darunter fallen die Kommentierung von Wahlen und politischen Weichenstellungen sowie Technologie- und Bran chenthemen, aber auch makroökonomische Themen, die über konjunkturelle Fragestellungen - die im Ausblick Deutsch land behandelt werden - hinausgehen. Deutschland-Monitor © Copyright 2022. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail ein tragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2022 ff. ..... 1. April 2022  Deutsche Energieversorgung an einem historischen Wendepunkt .............................................. 30. März 2022  Die Bedeutung systemischer Komplexität und Kritikalität für volkswirtschaftliche Prognosen ........................ 22. Dezember 2021  Wirtschaftlich-technologische Revolution durch Quantum 2.0: Neue Supertechnologien kommen in Reichweite ... 9. Dezember 2021  Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig .................................... 14. Oktober 2021  Störungen der Lieferketten: Auch 2022 noch Konjunktur- und Inflationsrisiko . 28. September 2021  Wohnungspolitik in Deutschland: Linke und rechte Parteien mit nur kleiner Schnittmenge ................... 6. September 2021  Verteilungsfragen rücken in den Vordergrund: Mehr Anreize und Chancen statt mehr Umverteilung 30. August 2021  Vorfahrt der E-Mobilität vom Staat teuer erkauft .......... 5. August 2021  Die Rückkehr massiver Staatsausgaben: Wird dieses Mal wirklich alles anders? ........................ 4. August 2021
30.5.0