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5. Juli 2023
Das Ziel unseres Wohngebäude-Klima-Modells für Deutschland ist es, ein realistisches Abbild des Wohngebäudebestandes zu bekommen. Die Modellbasis sind die Eigenschaften von Wohnungen, deren Architektur, deren Dämmungen, Sanierungen und Heizungen. Über diese Eigenschaften ermitteln wir den Energieverbrauch. Unsere Modellwohnungen stoßen im Durchschnitt über den gesamten Wohnungsbestand jährlich durchschnittlich etwa 3,6 t CO2-Äquivalent für Raumwärme und Warmwasser aus, Heizungen in neuen Modellwohnungen emittieren durchschnittlich deutlich weniger CO2. In unserem Modell reduziert der Einbau von 6 Mio. Wärmepumpen und eine Erhöhung der Fernwärmeanschlüsse um 2,2 Mio. bis zum Jahr 2030 die jährlichen CO2-Emissionen im Jahr 2030 um rund 13,5% und 4,0% relativ zum Jahr 2022. Das Ziel, vom Jahr 2022 bis zum Jahr 2030 40% weniger zu emittieren, wird mit diesen Maßnahmen also nur partiell erreicht werden. [mehr]
Deutschland - Monitor Das Modellz iel ist es, ein realistisches Abbild des Wohngebäudebestandes zu bekommen . Unser Modell beruht auf Informationen des Statistischen Bundes amtes, von Verbänden und vielen weiteren Quellen. Die Modellbasis sind die Eigenschaften von Wohnungen, deren Architektur, deren Dämmungen, Sanie rungen und Heizungen. Über diese Eigenschaften ermitteln wir den Energiever brauch. Mit diesem wiederum können wir sowohl die laufenden Haushaltskosten als auch die CO 2 -Emissionen berechnen. Ebenso modellieren wir die Eigen schaften der Haushalte, die Anzahl der Personen, das Einkommen, ob es ein Mieter- oder Eigentümerhaushalt ist und viele weitere Variablen. Unsere Modellwohnungen st o ß en im Durchschnitt über den gesamten Woh nungsbestand jährlich durchschnittlich etwa 3 ,6 t CO 2 - Äquivalent für Raumwär me und Warmwasser aus , wobei hierbei direkt am Gebäude anfallende Emissi onen und indirekte Emissionen auf den vorgelagerten Wertschöpfungskette n berücksichtigt werden . Wohnungen mit Pelletheizungen und Wärmepumpe wei sen die niedrigsten Emissionen von etwa einer Tonne auf. Wohnungen mit Fernwärme emittieren durchschnittlich ca. 2 t. Wohnungen mit Gasheizungen emittieren rund 4 t und mit Ölheizungen 5 t und mehr. Hinzu kommen durch schnittlich rund 0,7 t für den Stromverbrauch. Heizungen in neuen Modellw ohnungen emittieren durchschnittlich deutlich we niger CO 2 . So liegen aufgrund modernerer Heizkessel und besserer Dämmun gen die Emissionen bei Ölheizungen bei rund 1,5 t, bei Gasheizungen bei etwas mehr als 1 t. Wohnungen mit Fernwärme liegen bei rund 0,7 t und Wohnungen mit Pellets und Wärmepumpen emittieren weniger als eine halbe Tonne. In unserem Modell und unter unseren An nahmen reduziert d er Einbau von 6 Mio. Wärmepumpen und eine Erhöhung der Fernwärmeanschlüsse um 2,2 Mio. bis zum Jahr 2030 die direkten und indirekten jährlichen CO 2 -Emissionen im Jahr 2030 um rund 13,5% und 4,0% relativ zum Jahr 2022. Das Ziel, vom Jahr 2022 bis zum Jahr 2030 40% weniger zu emittieren, wird mit diesen Maß nahmen also nur partiell erreicht werden. Autor Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 5. Juli 2023 Ein Wohng ebäude - Klima - M odell für Deutschland Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 2 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor A. Einleitung : Was S ie erwartet In unserem Wohnungsmarktausblick 2021 nannten wir schärfere Klimaziele und die damit verbundenen Kosten für Investoren und Hauseigentümer als einen der drei Hauptgründe für das drohende Ende des Hauspreiszyklus. Heute stehen die CO 2 -Emissionen im Gebäudesektor, die Klimaschutzziele und die energeti sche Sanierung im Fokus. Sanierungskosten fließen heute wohl regelmäßig in Kalkulationen und Preisfindungen bei Transaktionen ein. Dies gilt umso mehr als der Gebäudesektor in den letzten Jahren mehr CO 2 emittiert als es der Ziel pfad im Klimaschutzgesetz erlaubt. Den aktuell diskutierten Gesetzen rund um Sanierungs- und Heizungsaustauschpflicht dürften deshalb in den kommenden Jahren weitere Verschärfungen folgen. Doch wie werden sich die Emissionen der Wohngebäude weiterentwickeln und werden die anvisierten Maßnahmen die Klimaschutzziele nach dem Klimaschutzgesetz erfüllen? Darauf geben wir hier Antworten. Basis ist ein von uns entwickeltes Wohngebäude-Klima-Modell. Zunächst definieren wir für einzelne Wohnungen architektonische und techni sche Details und leiten dann hieraus den Energieverbrauch und CO 2 - Emissionen pro Wohnung ab. Ebenso modellieren wir die Haushaltsgröße, das Einkommen und weitere sozioökonomische Variablen. Dann aggregieren wir diese Informationen, um ein technisches und sozioökonomisches Abbild des Wohnungsbestands zu erhalten. Doch bevor wir in die Details einsteigen, bli cken wir kurz auf die Historie der Gesetzgebung. 197 6 - 2023: Zahlreiche neu e Gesetze regeln die Gebäudetechnik In den letzten 50 Jahren veränderten sich die gesetzlichen Vorgaben für die Gebäudetechnik wiederholt. Zunächst überwogen wirtschaftliche, dann immer stärker auch umwelt- und klimapolitische Gründe. Der erste Ölpreisschock im Jahr 1973 erhöhte schlagartig die Nachfrage nach verbrauchsarmen Heizungen und einer soliden Dämmung. Der Gesetzgeber regulierte die Gebäudestandards mithilfe des Energieeinspargesetzes 1976 und insbesondere der 1. Wärme schutzverordnung (WSV) 1977 und der Heizungsanlagenverordnung 1978. Als Konsequenz mussten Bauteile die Wärme möglichst lange im Gebäude halten, Rohre gedämmt sein, Heizungsanlagen auf die Größe des Gebäudes ausgelegt sein und Thermostate eingebaut werden. Diese Pflichten wurden in der Folge weiterentwickelt. So wurden 1995 Energieausweise eingeführt, die in der Folge zeit immer umfangreicher wurden. Zu Beginn der 1990er Jahre gewannen Pho tovoltaikanlagen an Bedeutung. Im Rahmen des 1.000-Dächer-Programms vom Jahr 1990 bis 1992 flossen Subventionen. Daraufhin folgte eine Subventionie rungslücke, die erst Ende der 1990er Jahre im Rahmen des 100.000-Dächer Programms endete. Im Jahr 2000 trat dann das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2000 in Kraft und regelte von da an die Einspeisevergütung. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung erneuerbarer Energien wurden dann auch die 1. Wärmeschutzverordnung 1977 und die Heizungsanlagenverordnung 1978 in die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 überführt. Zudem wurde mit der EnEV 2002 die Bilanzierung des Energieverbrauchs sowohl für Wärme als auch Warmwasser verankert, wobei auch Leitungs- und Umwandlungsverluste zum und im Gebäude berücksichtigt wurden. Ziel war der Vergleich von Energieträ gern hinsichtlich ihrer CO 2 -Bilanz. Die EnEV wurde mehrmals überarbeitet, auch um europäische Gebäuderichtlinien zu berücksichtigen. Im Jahr 2009 trat das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in Kraft. Es regelte für Wär me und Kälte den Einsatz erneuerbarer Energien, beispielsweise deren partielle Nutzungspflicht im Neubau. Schließlich ging das EEWärmeG, die EnEV und das EEG im Jahr 2020 im Gebäudeenergiegesetz (GEG) auf. Im Jahr 2022 wurde Historischer Blick auf eine Auswahl ge setzliche r Pflichten im Wohnungsbau 1 1977: Dämmung von Rohren, Einbau von Thermostaten . 2002: Eigentümer von Gebäuden müssen Heizkessel mit fossilen Brennstoffen, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufge stellt worden sind, bis zum 31. Dezember 2006 außer Betrieb nehmen. 2009: Verbindliche Einführung der Energie ausweise. 2009: P artie lle Nutzungspflicht erneuerbare r Energien für Wärme - und Kälteproduktion . 2014: Eigentümer von Gebäuden dürfen Heiz kessel mit fossilen Brennstoffen, die vor dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, ab 2015 nicht mehr betreiben. 2020: Bet riebsverbot für Heizkessel mit fossi len Brennstoffen, die vor dem 1. Januar 1991 eingebaut oder aufgestellt worden sind. Quelle: Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 3 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor das GEG novelliert, es trat am 1. Januar 2023 in Kraft. Eine weitere Novellie rung steht aktuell im Fokus der Öffentlichkeit. Begrenztes Wissen über den deutschen Wohnungsbestand Es gibt in Deutschland viele Informationen über den Gebäudebestand, die aber typischerweise nicht in einem ganzheitlichen Modell zusammengeführt sind. Viele Verbände publizieren regelmäßig Daten über neue Entwicklungen. Man che stellen auf Anfrage auch weiterführende Informationen zur Verfügung. Zu dem kann man viel aus den Daten des Statistischen Bundesamtes lernen, ins besondere aus der Zusatzumfrage „Wohnen" im Mikrozensus. Dort werden auch wichtige Zusammenhänge, beispielsweise zwischen Einkommen und Wohnfläche oder Energiearten und Baujahr, dargelegt. Auch gibt es gute Stu dien wie die des Bremer Energie Instituts und des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) aus den Jahren 2009 und 2016. Ebenso gibt es seit dem Jahr 2013 den DIW-Wärmemonitor, der Abrechnungsdaten zu Heizverbräuchen auswertet und insbesondere durch die regionale Detailtiefe besticht. Interessan terweise ist der jährliche Heizenergiebedarf in Ost- und Süddeutschland rund 20% niedriger pro Quadratmeter als im Westen und Nordwesten. Zudem gibt es seit dem Jahr 2021 das Wärme- und Wohnen-Panel vom RWI zur Analyse des Wärmesektors. Dort werden im Jahr 2021, 2022 und 2023 jeweils 15.000 pri vate Haushalte befragt. Hierüber kann der sozioökonomische Einfluss auf den Heizverbrauch ermittelt werden. Zu dieser Literatur tragen wir mit unserem Wohngebäude-Klima-Modell bei. B. Die Methodologie unseres „ Fiat Data " - Modell s Angesichts der lückenhaften Datenlage modellieren wir den deutschen Woh nungsbestand, indem wir mithilfe von Zufallszahlen Daten generieren. Diese quantifizieren wesentliche Merkmale von Wohnungen und Gebäuden wie das Baujahr, technische Details von Heizungen, Dämmungen und vieles mehr. Um ein relativ realitätsgetreues Abbild des deutschen Wohnungsbestandes zu er halten, gebieten wir dem Zufall auf drei Arten Einhalt. Erstens berücksichtigen wir beim zufälligen Ziehen der Merkmale zahlreiche Nebenbedingungen, wie die Anzahl der Wohnungen im deutschen Wohnungs bestand sowohl in Ein- und Zweifamilienhäusern als auch Mehrfamilienhäusern, die Anzahl der jeweiligen Heizungsarten, die Anzahl der PV-Anlagen nach Grö ßenklassen und vieles mehr. Zweitens verzahnen funktionale Gleichungen die Variablen untereinander. So ist eine zentrale Modellierungsvariable das monatliche Haushaltsnettoeinkom men, im Weiteren Einkommen genannt. Der Mikrozensus 2022 teilt die Ein kommen in 11 Klassen ein. Der Mikrozensus 2018 enthält zudem viele Gebäu demerkmale in Abhängigkeit des Einkommens. Entsprechend können wir den Heizungstyp, die Wohnfläche, und ob es eine Eigentümer- oder Mietwohnung ist, in Abhängigkeit vom Einkommen modellieren. Über Marktpreise berechnen wir die Verbrauchskosten im Verhältnis zum Einkommen. Die CO 2 -Emissionen modellieren wir in Abhängigkeit des Heizungstyps und des Verbrauchs und vie ler weiterer Faktoren. Drittens modellieren wir genau 8.190 Wohnungen. Die uns zur Verfügung ste henden Rechenkapazitäten begrenzen eine höhere Zahl an Modellwohnungen, da manche Rechenoperationen bereits mehrere Stunden dauerten. Aufgrund der vielen Modellwohnungen und des Gesetzes der großen Zahl schwanken die unten dargestellten Ergebnisse letztlich unwesentlich. Auf den ersten Blick er scheint das Einführen von Zufallszahlen, um sie dann wieder statistisch einzu Monte - Carlo - Simulation 2 Die hier verwendete Methodik ist eine Monte Carlo - Simulation. Sie wird seit Jahrzehnten verwendet, um über das Gesetz der großen Zahl Ergebnisse annäherungsweise zu errech nen. Das wohl einfachste Beispiel ist das mehrfache zufällige Ziehen mit Hilfe eines Würfels und die anschließende Berechnung des Stich probenmittels. Dieses Ergebnis kann auch analytisch berechnet werden. Bei kom plexeren Problemen können analytische Lö sungen schnell unübersichtlich werden, wenn sehr viele Unterscheidungen nötig sind, oder bei nichtlinearen Problemen Lösungen nicht analyti sch bestimmt werden können. In der Praxis werden Monte - Carlo - Simulationen insbesondere bei Risiko - und Portfolioanaly sen, Stresstests, in Lebensversicherungen und epidemiologischen Studien angewendet. Quelle: Deutsche Bank Research 0 4 8 12 16 [0,500) [500,1000) [1000,1250) [1250,1500) [1500,2000) [2000,2500) [2500,3000) [3000,3500) [3500,4000) [4000,5000) [5000, inf) Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt Mikrozensus 2022: Haushaltsnetto - einkommen nach Einkommensklassen 3 Anteil in % Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 4 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor fangen, widersprüchlich. Jedoch erlaubt dieses Vorgehen die Entwicklung eines komplexen Modells und in der Folge die Modellierung des Wohngebäudebe standes unter Berücksichtigung zahlreicher Einflussfaktoren. Beispielsweise können wir die CO 2 -Emissionen nach Wohnflächen- oder Einkommensklassen ermitteln. Bei komplexen Modellen steht die Frage im Raum, ob die Ergebnisse valide sind. Wir vertrauen unseren Ergebnissen, weil die Modellergebnisse der Realität ähneln. So liegt die berechnete Eigentümerquote, die wir nicht explizit modelliert haben, in etwa bei 49% und damit ähnlich hoch wie in der Realität. Ebenso äh nelt die Verteilung (Grafik 6) des Energieverbrauchs unserer Modellwohnung pro Quadratmeter und pro Jahr der Verteilung von wohngebaeude.info, die über mehr als 20 Jahre eine der umfangreichsten Datenbanken mit mehr als 1,8 Mio. Beobachtungen gesammelt haben. Im Appendix haben wir weitere Vergleiche zusammengestellt, die die Validität unserer Ergebnisse untermauern. Modell basis : Baujahr, Gebäudetypen und Architekt ur Laut Mikrozensus 2018 sind fast 20% der heute existierenden Wohnungen vor dem Jahr 1948 gebaut worden. Die meisten Wohnungen, rund 44%, entstanden vom Jahr 1949 bis 1978 und vor allem in den Wirtschaftswunderjahren. Die 1. WSV spielte somit beim Bau von rund 60% des Wohnungsbestands nahezu keine Rolle. Entsprechend der Verteilung der Baujahre im Mikrozensus 2018 modellieren wir das Baujahr, wobei das älteste Baujahr das Jahr 1900 ist. Alle modellierten Gebäude sind reine Wohngebäude, es gibt keine Gewerbeflächen. Es gibt Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser. Die Einfamilienhäuser haben eine, die Zweifamilienhäuser zwei Wohnungen. Wenn bei Ein- und Zweifamilienhäu sern die Wohnfläche unter 100 m 2 liegt, dann ist das Gebäude ein-, ansonsten zweistöckig. Die Mehrfamilienhäuser sind immer dreistöckig und haben 3, 6, 9 oder 12 Wohnungen. Alle Gebäude sind freistehend. Wohnungen in Mehrfamili enhäusern haben weniger Gebäudeflächen nach außen als Ein- und Zweifami lienhäuser und dadurch typischerweise einen geringeren Energieverbrauch. Wohnungen im ersten Stock und in der Gebäudemitte der größeren Mehrfamili enhäuser haben besonders wenig Bauteile nach außen. Zudem modellieren wir 15-stöckige Hochhäuser mit 60 Wohneinheiten. Dort haben alle Wohnungen zwei Wände nach außen und zwei nach innen. Alle Gebäude haben ein Flach dach, was die Berechnung des Wärmeverlustes im Vergleich zu Pult-, Satteldä chern usw. ein wenig vereinfacht. Die modellierte Wohnfläche verteilt sich für Merkmale unseres Excel - Modells 4 Gefüllte Zellen: mehr als 6 Mio. Dimension der größten Tabelle: 515x16384 Anzahl Formeln: 4,7 Mio. Anzahl modellierte Wohnungen: 8190 Anzahl Formeln pro modellierte Wohnung: rund 5 00 Dateigröße: rund 160 MB Quelle: Deutsche Bank Research Abweichungen zwischen unserer Modell verteilung und der empirischen von wohn gebaeude.info 5 Beim Modellieren haben wir versucht, unsere Verteilung durch Veränderung der Modellpa rameter (U - Werte, Jahresnutzungsgrad, Raumtemperatur etc.) an die von wohnge b aeude.info anzunähern. Dies ist aber nicht völlig gelungen. Womöglich bildet unser einfa cher Ansatz nicht alle Elemente der Realität ab. Wir mussten aber auch die gesetzlichen Vorgaben der U - Werte und die in der Literatur vorhandenen Jahresnutzungsgrade be rück sichtigen. Zudem wollten wir unsere Ergebnis se auch an den direkten und indirekten CO 2 - Emissionen im Bedarfsfeld Wohnen des Um weltbundesamtes und den Haushaltsausgaben relativ zum Einkommen orientieren. Zu guter Letzt könnten wir uns vorstellen, dass e s auch Selektionsprobleme im Datenbestand von wohngebaeude.info gibt. So könnten Wohnun gen mit sehr hohen und sehr niedrigen Emissi onen im wohngbaeude.info - Datenbestand unterrepräsentiert sein. Quelle : Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 0-10 10-20 20-30 30-40 40-50 50-60 60-70 70-80 80-90 90-100 100-110 110-120 120-130 130-140 140-150 150-160 160-170 170-180 180-190 190-200 200-210 210-220 220-230 230-240 240-250 250-260 260-270 270-280 280-290 290-300 300-310 310-320 320-330 330-340 340-350 350-360 360-370 370-380 380-390 390-400 400-410 410-420 420-430 430-440 440-450 450-460 Empirie gemäß wohngebaeude.info Wohngebäude-Klima-Modell Quellen: Deutsche Bank Research, wohngebaeude.info Verteilung des Endenergieverbrauchs der Wohnungen in Deutschland 6 y - Achse: Häufigkeit in % x - Achse: kWh/m2a = Energie pro Quadratmeter und pro Jahr 32 13 15 12 14 13 1 EFH ZFH MFH mit 3 Wohnungen MFH mit 6 Wohnungen MFH mit 9 Wohnungen MFH mit 12 Wohnungen MFH = 60 Wohnungen Modellierte Wohngebäudetypen 7 Anteil in % aller modellierten Wohngebäude Quelle: Deutsche Bank Research EFH = Ein - , ZFH = Zwei - , MFH = Mehrfamilienhaus Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 5 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor beide Gebäudetypen entsprechend der Wohnfläche im Mikrozensus. Das Ver hältnis von Länge zu Breite beträgt bei allen Wohnungen vier zu drei. Die Raumhöhe ist stets 2,50 m. Der Anteil der Fensterflächen an der Außenwand beträgt 30%. Alle Fenster sind rechtwinkelig zum Boden verbaut. Die Fenster verteilen sich gleichmäßig über die Gebäudehülle in alle Himmelsrichtungen. Es gibt keine Dachfenster. Wir unterscheiden nicht, wie das GEG, zwischen Wohn-, Nutz- und Gebäudenutzfläche. Die Wohnfläche ist komplett beheizt. Modellierung der Eigenschaften private r Haushalte , wie Haus haltsgröße , Einkommen & Wohnfläche In unseren Wohnungen leben private Haushalte. Es gibt keinen Leerstand. Die Anzahl der Personen im Haushalt (Haushaltsgröße) können wir gemäß dem Mikrozensus 2018 getrennt nach Eigentümer- und Mietwohnungen bestimmen. Der Anteil der Singlehaushalte bei Mietwohnungen beträgt 51%, während bei Eigentümerwohnungen 2-Personenhaushalte mit einem Anteil von 42% über wiegen. Die Haushaltsnettoeinkommen fließen gemäß der Verteilung des Mi krozensus 2022 in unser Modell ein. Dank der detaillierten Informationen durch die Zusatzumfrage „Wohnen" im Mikrozensus 2018 bestimmen wir dann über die Einkommen die Eigentümerquoten und ebenso, ob ein Haushalt in einem Ein- oder Mehrfamilienhaus wohnt. Gleiches gilt für die Wohnfläche, jedoch ist die größte im Mikrozensus erhobene Wohnfläche 140 m 2 und mehr. Dadurch liegt bei den Eigentümern das größte Gewicht bei Haushalten mit mehr als EUR 6.000 Monatseinkommen und einer Wohnfläche von 140 m 2 und mehr. Wir er weitern die Zahl der Wohnflächenklassen und führen die Klassen 140 bis 160 m 2 , 160 bis 180 m 2 , 180 bis 200 m 2 und 200 m 2 und mehr ein. Für die bis her größte Klasse unterstellen wir unabhängig vom Einkommen eine Verteilung von 4 zu 3 zu 2 zu 1 auf die zusätzlichen Wohnflächenklassen. Architektur: 7 Typen von modellierten Wohngebäuden 8 Quelle: Deutsche Bank Research 0 20 40 60 1 2 3 4 5 und mehr Eigentümerwohnungen Mietwohnungen Haushaltsgröße laut Mikrozensus 2018 9 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt y - Achse: Anteile in % x - Achse: Anzahl Personen pro Haushalt Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 6 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Monatliches Haushaltsnettoeinkommen und Wohnfläche gemäß Mikrozensus 2018 und eigenen Berechnungen 10 Dimensionen und Legende Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 7 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Noch dominieren fossile Heizungen im Wohng ebäudebestand Im Jahr 2022 wurden unseren Berechnungen nach etwas mehr als die Hälfte aller Heizungen mit Gas und etwas weniger als ein Viertel mit Öl betrieben. Et wa die Hälfte der Gas- und ein Sechstel der Ölheizungen hatten einen Brenn wertkessel. Der Rest entfiel wohl vor allem auf Niedertemperaturkessel. Kon stanttemperaturkessel dürften heute die Ausnahme sein. Die Brennwertkessel weisen, da sie neben der direkten Verbrennungsenergie der fossilen Rohstoffe auch die Verdampfungsenergie nutzen, eine höhere Effizienz und somit niedri gere CO 2 -Emissionen als die Nieder- und Konstanttemperaturkessel auf. Nie dertemperaturkessel sparen gegenüber Konstanttemperaturkesseln vor allem dank niedrigerer Vorlauftemperaturen Energie ein. So liegt laut thermondo die Energieeffizienz gemessen an der in der fossilen Energie enthaltenen Energie bei Brennwertkesseln bei rund 98%, bei Niedertemperaturkesseln bei 87% und bei Konstanttemperaturkesseln bei 68%. Die Brennwertkessel nutzen also na hezu die komplette in den fossilen Rohstoffen gespeicherte Energie. In der Pra xis kann es aber je nach Planung und Einstellung, handwerklicher Qualität und Abnutzung der Geräte noch zusätzliches Einsparpotenzial geben. Alle diese technischen Verbesserungen dürften den Verbrauch in den letzten Jahren ge senkt haben. So fiel nach unseren Berechnungen der durchschnittliche Ver brauch von Ölheizungen von deutlich über 4.000 Liter pro Jahr im Jahr 2008 auf rund 3.000 Liter im Jahr 2020 und 2021. Hierzu dürften ebenso eine verbesser te Dämmung, mildere Winter, tendenziell höhere Energiepreise über die letzten Jahrzehnte und folglich sparsamere Haushalte beigetragen haben. Die dritthäufigste Heizungsart im Jahr 2022 war nach unseren Berechnungen Fernwärme mit einem Anteil von etwa 16%. Laut der Studie „Gebäudestrategie Klimaneutralität" erhöhte sich die Zahl der Anschlüsse deutlich von rund 6 Mio. im Jahr 2015 auf aktuell rund 6,8 Mio. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der An schlüsse auf rund 9 Mio. und langfristig fast 14 Mio. zulegen. Fernwärme exis tiert vor allem in den Großstädten und Metropolen. Dies erklärt den relativ ho hen Anteil bei kleinen Wohnungen. Laut Mikrozensus lag bei einer Wohnfläche unter 40 m 2 ihr Anteil bei Eigentümerwohnungen bei rund 15% und bei Miet wohnungen bei über 30%. Dagegen liegt der Anteil bei Wohnungen mit mehr als 140 m 2 Fläche für Eigentümer- und Mietwohnungen jeweils lediglich im ein stelligen Prozentbereich. Holz- und Pelletöfen waren unseren Berechnungen nach im Jahr 2022 mit ei nem Anteil im Bestand von fast 4% aktuell noch häufiger zu finden als die Wär mepumpe mit einem Anteil von 3,2%. Bis zum Jahr 2030 soll es laut Plänen der Bundesregierung 6 Mio. Wärmepumpen im Bestand geben. Bei Erreichung des Ziels, welches, wie wir im Wohnungsmarktausblick 2023 dargelegt haben, mög lich erscheint, würde der Anteil der Wärmepumpen den von Pelletöfen klar übersteigen. Geht dieses Wachstum insbesondere zulasten von Ölheizungen, könnte es auch mehr Wärmepumpen als Ölheizungen geben. Bisher sind Wär mepumpen typischerweise in Ein- und Zweifamilienhäusern und großen Woh nungen zu finden. Laut des Mikrozensus 2018 gab es bei den Eigentümerwoh nungen keine Wärmepumpen bei einer Wohnfläche unter 60m 2 . Dagegen sind sie überproportional oft in neueren Gebäuden zu finden. Ihr Anteil lag in den Baujahren 2011 bis 2022 bei den Eigentümerwohnungen bei über 40% und bei den Mietwohnungen bei fast 20%. Mittlerweile können sie wohl auch im Bestand vernünftig eingesetzt werden, was das Wachstumspotenzial unterstreicht. Bis zum Jahr 2022 wurden laut Bundesverband Wärmepumpe fast 1,5 Mio. Wär mepumpen abgesetzt. Davon nutzten rund zwei Drittel die Luft, fast 28% die Erde und die restlichen 5% Wasser als Energiequelle. In unserem Modell hat jede Wohnung genau eine Heizung, welche nicht nur den Raum, sondern auch das Leitungswasser erwärmt. Folgende Typen haben wir modelliert: Öl- und Gasheizungen, wobei wir mithilfe der Informationen des 0 50 100 150 200 55 72 89 06 23 real (Basis 2023) nominal 1955-2023: Rohölpreise: Brent 11 USD/barrel Quellen: Deutsche Bank Research, IWF 2000 3000 4000 5000 08 10 12 14 16 18 20 Liter pro Jahr Quellen: BAFA, BDEW, Deutsche Bank Research 2008 - 2021: Ölverbrauch pro Heizung 12 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 8 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie jeweils Niedertemperatur- und Brennwertkessel unterscheiden, Pelletheizungen, Fernwärme, zudem Luft Wasser- und erdgekoppelte Wärmepumpen. Unberücksichtigt bleiben weitere Heizungstypen wie Hackschnitzel, Biomasse oder Stromheizungen. Das Ein kommen dürfte die wichtigste Variable für die Wahl des Heizungstyps sein. Die sen Zusammenhang weist der Mikrozensus 2018 nicht aus, jedoch die Vertei lung der Heizungsarten nach Wohnfläche (Grafik 14). Die Wohnfläche weist mit dem Einkommen eine Korrelation von rund 0,5 auf. Somit berücksichtigen wir das Einkommen indirekt und zumindest teilweise. Der Mikrozensus bietet auch die Verteilung der Heizungsarten nach Wohnflächenklassen jeweils für Eigen tümer und Mieter. Beispielsweise sind 77% aller Wärmepumpen in Eigentümer- und nur 23% in Mietwohnungen eingebaut. Bei Pelletheizungen ist das Verhält nis 70% zu 30%. Dank des Mikrozensus können wir eine weitere Unterschei dung vornehmen, und zwar in Ein- und Zweifamilienhäuser einerseits und Mehr familienhäuser andererseits. So beträgt bei Eigentümerwohnungen der Anteil von Wärmepumpen in Ein- und Zweifamilienhäusern 92,4% und bei Mehrfamili enhäusern 7,6%. Bei Mietwohnungen dagegen ist der Anteil von Wärmepum pen in Ein- und Zweifamilienhäusern 58,4% und bei Mehrfamilienhäusern 41,6%. Alle diese Informationen fließen in unser Modell ein, wodurch wir den empirischen Bestand an Heizungen detailliert abbilden dürften. Mikrozensus 2018: Heizungen, nach Eigentümer vs. Mieter und nach Ein- und Zweifamilienhäusern einerseits & Mehrfamilienhäusern andererseits 13 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 9 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Mikrozensus 2018 korrigiert um Entwicklungen bis zum Jahr 2022: Heizungen nach Baujahr, Wohnfläche und Eigentümer vs. Mieter 14 Ohne Berücksichtigung von Hackschnitzel, Biomasse oder Stromheizungen. Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 10 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor 2000-2021 Heizungen in Deutschland 15 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 11 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Über die letzten Dekaden große Fortschritte bei der Dämmung Die Dämmung wird über den U-Wert gemessen. Kleinere Werte bedeuten eine bessere Dammqualität und geringere Energieverbräuche. Die Einheit des U Wertes ist Watt, also Energieabgabe pro Zeit, im Verhältnis zu der Wandfläche in m 2 und dem Temperaturunterschied zwischen innen und außen gemessen in Kelvin, kurz W/m 2 K. Laut der EPISCOPE-Studie des IWU lagen im Jahr 2015 im deutschen Wohngebäudebestand die U-Werte für die Gebäudeteile Kellerde cke, Außenwand und Fenster zu grob 50% über 0,7, zu grob 50% zwischen 0,3 und 0,7 und nur zu einem einstelligen Prozentsatz unter 0,3. Bei den Dächern sind die U-Wert tendenziell niedriger und liegen zu zwei Dritteln zwischen 0,3 und 0,7. Nur ein Viertel der Beobachtungen liegt über 0,7 und ein einstelliger Prozentsatz unter 0,3. In den letzten Jahrzehnten sind die U-Werte kräftig gefallen, wozu dickere Bau stoffe und technischer Fortschritt beigetragen haben. Neben der Dicke zwischen Innen- und Außenwand ist der U-Wert abhängig vom Baustoff. Glas hat relativ hohe U-Werte. Es dämmt im Vergleich zu vielen anderen Baustoffen, wie Beton, Holz und Styropor, schlechter. Aber auch im Fensterbau wurden über die letzten Jahrzehnte beachtliche Fortschritte erzielt. So haben einfach verglaste Fenster typischerweise einen U-Wert von über 5 W/m 2 K, doppelt verglaste Fenster von in etwa 3 W/m 2 K, Fenster mit Wärmeschutz von etwas über 1 W/m 2 K und mo derne dreifach verglaste Fenster mit Edelgasfüllung, um die Energieabgabe im Vergleich von mit Luft befüllten Fenstern weiter zu reduzieren, von unter 1 W/m 2 K. Auch bei anderen Bauteilen verbesserten sich in den letzten Jahrzehn ten die U-Werte kräftig. Von der 1. WSV bis zum GEG wurden die gesetzlichen Anforderungen an die Dämmung stufenweise herabgesetzt. Die gesetzlichen Vorgaben stellten in der Praxis aber zumeist kein Hindernis da. So lagen die U-Werte von neuen Bautei len grundsätzlich unter den gesetzlichen Mindestwerten, was wir in unserem Modell berücksichtigen. In unserem Modell unterstellen wir für die vier Gebäu deteile Kellerdecke, Außenwand, Dach und Fenster & Türen einen linear fallen den Verlauf der U-Werte, wobei wir die Steigung aus den gesetzlichen Verände rungen von der 1. WSV bis zum GEG ableiten und im Anschluss die Kurve nach unten verschieben, bis sie nahezu komplett unter den gesetzlichen Werten liegt. Für Außenwände wären die so modellierten U-Werte in den letzten Jahren ins Negative gerutscht, weshalb wir sie auf maximal 0,10 W/m 2 K begrenzen. Typische U-Werte von Bauteilen 17 Quellen: energie-experten.org, Deutsche Bank Research 1900-2022 Dämmung: Gesetzliche Vorgaben und für Modell angenommene U-Werte 18 Quellen: Verschiedene Gesetze, Deutsche Bank Research 0 0,2 0,4 0,6 0,8 Außenwand Dach Boden Fenster größer 0,7 W/m²K 0,7 bis 0,3 W/m²K kleiner gleich 0,3 W/m²K 2015: U - Werte laut EPISCOPE - Studie im Wohngebäudebestand 16 W/m2K Quellen: IWU, Deutsche Bank Research Bauteile Dicke in cm U-Werte in W/m2K Außenwand Holzrahmenbau 25,0 0,20 Außenwand aus Porenbeton 36,5 0,23 Innenwand aus Porenbeton 28,0 0,60 Polysyrol (Styropor) 10,0 0,35 3-fache Isolierverglasung mit Edelgas 2,4 0,50 2-fach Verglasung mit Wärmeschutz 2,4 1,30 2-fach Isolierverglasung mit Luft 2,4 3,00 1-fach Verglasung 0,4 5,90 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 12 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Modellierte Sanierungshistorie für jede Wohnung und fünf Gebäu deteile: Dach, Keller, Außenwand, Fenster & Türen und Heizung Über den aktuellen Sanierungszustand des Wohngebäudebestandes gibt es relativ wenig detaillierte öffentliche Informationen. Deshalb modellieren wir die Sanierungshistorie und zwar mit folgenden Regeln: Erstens erfolgt 20 Jahre nach dem Baujahr keine Sanierung. Dies steht im Einklang mit den Daten der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) für die Baujahre 2001 bis 2021 und dürfte in ähnlicher Weise auch in der Vergangenheit gegolten haben. Zweitens werden Gebäude mit dem Baujahr 1951 oder früher vor dem Jahr 1973 vollsaniert. Dies ist nötig, um sehr alte Heizungen, Einfachverglasung und wenig gedämmte Gebäudehüllen loszuwerden. Ansonsten wären diese ohne weitere Sanierungen in der Folgezeit immer noch Teil unseres Modells, was die Realität wohl nur selten abbildet. Drittens können diese vollsanierten Gebäude im Jahr 1973 oder später noch einmal saniert werden. Wenn saniert wird, handelt es sich entweder um eine Voll- oder Teilsanierung. Das Gleiche gilt für Gebäude mit dem Baujahr 1952 oder später. In beiden Fällen replizieren wir die Sanierungswahrscheinlichkeiten nach Baualtersklassen gemäß den ARGE-Daten (Grafik 19 oben). In diesen Daten wurden an Gebäuden mit dem Baujahr 1987 und später fast ausschließ lich Teilsanierungen vorgenommen. Zudem liegt der Anteil der Teilsanierungen in den letzten Jahren bei 94%, Vollsanierungen sind also eher die Ausnahme. Folglich werden in unserem Modell wie in der Realität Sanierungen mit dem Alter wahrscheinlicher und die Wahrscheinlichkeit für Teilsanierungen nehmen früher zu und liegen generell höher als für Vollsanierungen. Viertens schließen wir Gebäude mit schlechter Bausubstanz von der Sanierung unter drittens aus. Laut ARGE lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht bei vielen Gebäuden, die vor dem Jahr 1979 errichtet wurden, eine Sanierung nicht, der sogenannte Bestandsersatz. Bei Einfamilienhäusern beträgt der Anteil sehr grob 17% und bei Mehrfamilienhäusern 11%. Insbesondere Gebäude, die in den Wirtschaftswunderjahren errichtet wurden, weisen Modernisierungshinder nisse auf. Diese bestehen typischerweise in einer zu geringen Wohnfläche, zu niedrigen Deckenhöhe oder auch Schadstoffbelastungen. Der Anteil des Be standsersatzes wird bei den Sanierungswahrscheinlichkeiten bereits berück sichtigt. Bei jüngeren Baujahren fällt der Anteil rapide. Gebäude, die nach dem Jahr 1993 errichtet wurden, weisen keinen Bestandsersatz auf. Fünftens umfasst eine Vollsanierung folgende fünf Maßnahmen: Abdichtung und Dämmung erstens des Daches, zweitens der Kellerdecke, drittens der Au ßenwand, viertens der Austausch von Fenster & Türen und fünftens der Hei zung. Eine Teilsanierung umfasst mindestens eine, aber nicht alle Maßnahmen. Sechstens, werden diese Gebäude teilsaniert, erfolgen die Sanierungswahr scheinlichkeiten für die einzelnen Maßnahmen in Anlehnung an Daten von AR GE. Die Sanierungswahrscheinlichkeiten verändern sich über die Zeit, jedoch ohne klaren Trend. Daher nehmen wir pauschal eine Sanierungswahrschein lichkeit von 15% für die Dämmung des Kellers, der Außenwände und des Da ches, 25% für die Fenster und Türen und 30% für die Heizung an. Siebtens liegt laut BDEW das durchschnittliche Heizungsalter in Deutschland bei rund 17 Jahren. Ein sehr geringer Teil der Heizungen ist älter als 30 Jahre. In unserem Modell werden Heizungen, die älter als 30 Jahre sind, automatisch ausgetauscht. Dies gilt auch für den Bestandsersatz, da 30 Jahre alte Heizun gen sowohl aufgrund gesetzlicher Vorgaben, technischer Grenzen als auch wirtschaftlicher Gründe nur noch selten vorzufinden sein dürften. Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 13 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Für Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser: Oben: Sanierungsquoten nach Sanierungsintensität und Gebäudealter, links unten: Bestandsersatz nach Baujahr, rechts unten: Alter der Heizungen 19 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 14 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Die so modellierten Sanierungen haben den Endenergieverbrauch durch die Sanierungen über die Jahrzehnte und unter der Annahme eines konstanten Nutzerverhaltens kräftig gesenkt. So fiel der Endenergieverbrauch in unseren Modellwohnungen im Median von über 1000 kWh/m 2 a im Jahr 1900 auf rund 155 kWh/m 2 a im Jahr 2023. Photovoltaik : 10 - kWp - Anlagen dominieren Für die Wärme- und Energiewende soll auch die Zahl der PV-Anlagen steigen. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im März 2023 2,6 Mio. PV-Anlagen mit einer Nennleistung von 70,6 GW. Laut dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur und unseren Berechnungen hatten private Haushalte Mitte Februar 2023 1,8 Mio. Anlagen installiert, die unseren Berechnungen nach am Jahresende 2022 eine durchschnittliche Nennleistung von 7,8 kWp aufwiesen, während die Nennleistung aller PV-Anlagen von privaten Haushalten 13,8 GWp betrug. Dies entspricht fast 20% der gesamten installierten PV-Nennleistung. Ähnlich hoch dürfte der Anteil der privaten Haushalte am erzeugten Solarstrom sein. Im Jahr 2022 generierten alle PV-Anlagen 54,1 TWh oder 10,6% der Stromproduktion insgesamt. Die PV-Anlagen der privaten Haushalte hätten damit im Jahr 2022 rund 2,1% der Bruttostromerzeugung insgesamt beigesteu ert. Ende der 1990er und am Anfang der 2000er Jahre wurden hauptsächlich PV Anlagen mit einer Nennleistung von weniger als 4 kWp installiert. Im Anschluss dominierten Nennleistungen zwischen 4 und 12 kWp. Auf diese Größenklassen entfallen heute rund 78% aller Anlagen im Bestand und jeweils 11% auf weniger als 4 und mehr als 12 kWp. Auch bei der Nennleistung liegt der Anteil der Anla gen mit 4 bis 12 kWp bei 70%, bei weniger als 4 kWp liegt der Anteil bei 5% und bei mehr als 12 kWp bei rund 24%. Dabei hat sich die Nennleistung über die Jahre kräftig erhöht. Im Jahr 2022 wurden am häufigsten PV-Anlagen mit einer Nennleistung von 10 kWp installiert, welche auch am häufigsten im Bestand zu finden sind. Dies ist eine Folge regulatorischer Vorgaben. So erhielten Betreiber von Anlagen mit weniger als 10 kWp höhere Einspeisevergütungen und muss ten zudem keine Einkommensteuer zahlen. Die Einkommensteuerpflicht gilt seit dem 1. Januar 2022 erst für Anlagen mit mehr als 30 kWp. Die Einspeisevergü tung reduziert sich bei der hier unterstellten Teileinspeisung aber weiterhin um etwa 13% von 8,2 ct/kWh auf 7,1 ct/kWh, wenn die 10 kWp-Grenze überschrit ten wird, entsprechend könnte die höchste Nachfrage weiterhin auf die knapp darunter liegenden Nennleistungen entfallen. Photovoltai k - Anlagen auf Ein - und Zweifamilienhäusern dominieren Unseres Wissens ist die Verteilung von PV-Anlagen auf Ein-, Zwei- und Mehr familienhäuser nicht statistisch erfasst. PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäuser können zumindest in drei wesentliche Typen eingeteilt werden: Solarstrom für Eigentümergemeinschaften, für Vermieter mit und ohne Mieterstrommodell. Aufgrund des komplexen regulatorischen Umfeldes sind PV-Anlagen auf Mehr familienhäusern selten. Eigentümergemeinschaften müssen sich über das Ma nagement für die Installation und den Betrieb einigen. Der Beschluss muss auf der jährlichen Eigentümergemeinschaft mit Mehrheit gefasst werden, was ins besondere bei großen Eigentümergemeinschaften herausfordernd sein kann. Auch bei Mieterstrommodellen gilt es Hindernisse zu überwinden. So können Mieter ihren Stromlieferanten frei wählen, sie sind also nicht verpflichtet, den Strom des Vermieters abzunehmen. Nimmt er Strom ab, dann wird der Vermie ter im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes zu einem Elektrizitätsversorgungs unternehmen. Damit gehen Pflichten bei der Vertrags-, Rechnungsgestaltung, sowie bei Registrierungs- und Mitteilungspflichten einher. Zudem muss der 0 300 600 900 1200 1500 1800 2100 2400 2700 09 19 29 39 49 59 69 79 89 99 09 19 Min 5% 25% Median 75% 95% Max kWh/m2a Quelle: Deutsche Bank Research 1900-2023 Modellierter Endenergie verbrauch aufgrund der Sanierungshistorie 20 0 100 200 300 [0,1) [1,2) [2,3) [3,4) [4,5) [5,6) [6,7) [7,8) [8,9) [9,10) [10,11) [11,12) [12,13) [13,14) [14,15) [15,16) [16,17) [17,18) [18,19) [19,20) [20+ Anzahl in '000 Quellen: Bundesnetzagentur, Deutsche Bank Research PV - Anlagen auf Wohngebäuden nach Nennleistung in kWp 21 11 78 11 weniger als 4 kWp 4 bis 12 kWp mehr als 12 kWp 2023 PV: kWp - Größenklassen 22 in % aller PV - Anlagen Quellen: Marktstammdatenregister, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude-Klima-Modell für Deutschland 15 | 5. Juli 2023 Deutschland-Monitor Vermieter bei Stromausfällen die Versorgung sicherstellen. Trotz Förderung der Mieterstrommodelle seit dem Jahr 2017 blieb die installierte Nennleistung ge ring. Sie beträgt wohl aktuell nur rund 0,1 GWp. 1 In der dritten Variante produ ziert der Vermieter Strom und speist ihn ins Netz. Diese Modelle dürften im Marktstammdatenregister in der Regel aber nicht unter private Haushalte, son dern unter Gewerbe, Handel und Dienstleistungen fallen. Dort können sie unse res Wissens nicht isoliert abgerufen werden. Für unser Modell unterstellen wir eine Nennleistung aller Mehrfamilienhäuser von 0,5 GWp. Die gesamte Nenn leistung über alle Mehrfamilienhäuser beträgt somit lediglich 0,6 GWp, was 4,2% der Nennleistung aller Wohngebäude entspräche. Zudem nehmen wir an, dass der Anteil der PV-Anlagen mit hoher Nennleistung überproportional zu nimmt. Daher liegt der Anteil der Anlagen mit geringer Nennleistung nahe null, mit 10 kWp bei 4,3% und bei 20 kWp bei 8,7% relativ zu allen PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern. Unter diesen Annahmen dürften lediglich etwa 50.000 Mehrfamilienhäuser oder 1,5% aller Mehrfamilienhäuser in Deutschland eine PV-Anlage haben. Damit verbleiben 1,7 Mio. PV-Anlagen für Ein- und Zweifamilienhäusern, was einem Anteil von fast 10,6% aller Ein- und Zweifamilienhäuser entspricht. Basie rend auf diesen Zahlen und unseren Annahmen ordnen wir die PV-Anlagen unter Berücksichtigung der Verteilung der Nennleistung und dem Installations jahr unseren Modellwohnungen zu. Dabei erlauben wir nur Installationen ab dem Jahr 1999. Die Verteilung auf die Jahre erfolgt gemäß den Daten des Marktstammdatenregisters und getrennt nach Ein- und Zweifamilienhäusern einerseits und Mehrfamilienhäusern andererseits. Unter unseren Annahmen beträgt die Eigentümerquote von PV-Anlagen etwas mehr als 81%. Photovoltaik: Produktion und Eigenverbrauch Für die Stromproduktion pro Wohnung unterstellen wir die in der Planung für den Bau von PV-Anlagen gängige Formel, dass pro kWp-Nennleistung jährlich 1000 kWh produziert werden. Der Eigenverbrauch ist aufgrund der hohen Stromproduktion von Frühjahr bis Herbst und der deutlich geringeren Produktion von Herbst bis Frühjahr limitiert. Laut energie-experten.org liegt er oftmals zwi schen 25% und 30%. Wir setzen den modellierten Eigenverbrauch auf maximal 30% des produzierten Solarstroms fest. Bei eher geringen Stromverbräuchen und relativ großen PV-Anlagen kann der Eigenverbrauch auch deutlich niedriger sein. Die Differenz zwischen Produktion und Eigenverbrauch, also mindestens 70% der Produktion, wird ins Netz eingespeist. Beim Eigenverbrauch unterstel len wir primär eine Nutzung für den regelmäßig typischerweise unabhängig von der Jahreszeit anfallenden Alltagsverbrauch, also zumeist für Elektrogeräte und Licht. Übersteigt der generierte Solarstrom diesen Alltagsverbrauch, wird der Überschuss für eine ggf. vorhandene Wärmepumpe benutzt. In unserem Modell haben aber lediglich 0,3% aller Wohnungen eine PV-Anlage und eine Wärme pumpe. Unter diesen Vorgaben liegt der tatsächliche Eigenverbrauch in unseren Modellwohnungen bei fast 27%, während der jährliche durchschnittliche Eigen verbrauch rund 1.900 kWh und die Einspeisung 6.000 kWh beträgt. Die Ein nahmen und Ausgaben durch PV diskutieren wir unten. Zunächst erklären wir aber die unterschiedlichen Energiebegriffe für Raumwärme und Warmwasser. 5 70 24 weniger als 4 kWp 4 bis 12 kWp mehr als 12 kWp 2023 PV: Nennleistungklassen 23 in % der 13,8-GWp-Gesamtnennleistung Quellen: Marktstammdatenregister, Deutsche Bank Research 1 I n „Mieterstrom - Komplizierte Energiewende auf dem Dach", Orsted, Energiewinde, 13.4.2022. Demnach betrug die installierte Mieterstromleistung im November 2021 61,8 Megawatt. Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 16 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor PV-Anlagen 24 Quellen: Bundesnetzagentur, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 17 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Drei gesetzliche Energiebegriffe: Nutz - , End - und Primärenergie . Die Endenergie ist zentral für den Bandtacho i m Energieausweis Energieverbräuche werden in kWh gemessen und für Wohngebäude typischer weise pro m 2 und pro Jahr ausgewiesen, kurz kWh/m 2 a. In der Gesetzgebung und den relevanten Normen existieren drei Definitionen von Energieverbräu chen: Nutz-, End- und Primärenergie. Besonders bedeutend ist die Endenergie, worüber die nationale Einteilung in neun Energieeffizienzklassen, A+ und A bis H im Energieausweis, erfolgt. Der mittlere Wert sowohl in den Daten von wohn gebaeude.info als auch unseren Modelldaten ist E und der Endenergiever brauch liegt bei rund 155 kWh/m 2 a. Unsanierte oder nur geringfügig sanierte Gebäude, die vor der 1. WSV im Jahr 1977 errichtet wurden, dürften typischer weise in der Klasse H eingeordnet sein. Sie können Verbräuche von deutlich über 300 kWh/m 2 a aufweisen. Gebäude, die moderne Effizienzhausstandards (EH) erfüllen, und eine Wärmepumpe nutzen, dürften regelmäßig in die Klasse A+ und A fallen und oft deutlich weniger als 50 kWh/m 2 a verbrauchen. Hierunter fällt auch die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude für den Neubau, die seit April 2023 nur noch Gebäude fördert, die den EH40-Standard erfüllen. Bandtacho im Energieausweis bestimmt Endenergieeffizienzklasse A+ bis H 25 Quelle: Deutsche Bank Research End- & Nutzenergie, Heizwärme- & Warmwasserbedarf: Orientierungswerte für verschiedene Wohngebäude nach Baujahr und Heizung inklusive Endenergieeffizienzklassen gemäß Energieausweis 26 Quellen: verbraucherzentrale.de, GEG, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 18 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Bausteine der End - und Nutzenergie : Energiebilanz und - gleichgewicht Der wichtigste Baustein der Endenergie ist die Nutzenergie. Diese dient der Bereitstellung von Warmwasser und der Aufrechterhaltung der Raumtempera tur. Eine konstante Raumtemperatur erfordert einen Ausgleich von Energiege winnen und -verlusten. In unserem Modell berechnen wir die Energiebilanz für jede Wohnung auf der Basis des vereinfachten Verfahrens gemäß DIN V 4108 6. Diese Methodik diente zur energetischen Bewertung von Gebäuden. Wenn gleich dieser Ansatz heute vor allem eine pädagogische und keine praktische Bedeutung mehr hat, liefert er, wie wir im Vergleich mit den empirischen Daten von wohngebaeude.info oben und im Appendix zeigen, brauchbare Ergebnisse. Wir haben sie für unsere Zwecke weiter vereinfacht (Details im Appendix). Die Analyse der Energiebilanz beginnen wir mit den Energiegewinnen. Diese beruhen auf den Sonnenstrahlen und internen Wärmequellen, wie Menschen und Elektrogeräten. Aufgrund unserer Annahmen liegen die internen Wärme gewinne für alle Modellwohnungen bei 27 kWh/m 2 a. Die solaren Wärmegewinne werden nach dem vereinfachten Verfahren über die Sonneneinstrahlung auf die Fensterflächen ermittelt. Der Energiegewinn ist je nach Himmelsrichtung unter schiedlich. Die Strahlungsenergie für nach Süden ausgerichtete Bauteile ist fast doppelt so hoch wie nach Westen und Osten und fast dreimal so hoch wie nach Norden. Wir unterstellen für unsere Modellgebäude eine Gleichverteilung der Fensterflächen in alle Himmelsrichtungen. Daher empfangen alle unsere Woh nungen einheitlich durchschnittlich 170 kWh pro m 2 Gebäudefläche und pro Jahr Strahlungsenergie. Nach dem vereinfachten Verfahren erhält man je nach Wohnungsgröße solare Wärmegewinne von etwa 5 bis 35 kWh pro m 2 Wohn fläche und pro Jahr. Von den Energiegewinnen muss man die Verluste abziehen. Energie geht vor allem über die Wärmeabgabe der Bauteile verloren, den sogenannten Trans missionswärmeverlusten. Diese sind umso größer, je geringer die Dämmung ist, also je höher die U-Werte sind. Ebenso beeinflusst das Verhalten der Haushalte Nutz- und Endenergie ohne Warmwasser: Energiegewinne und -verluste und Komponenten = Solare und interne Wärmegewinne, Transmissions wärmeverluste und Lüftungsverluste 27 Quelle: Deutsche Bank Research Solare Wärmegewinne nach vereinfach tem Verfahren: Jährliche Sonneneinstrah lung pro Jahr pro Quadratmeter 28 Quelle: Deutsche Bank Research Himmelsrichtung kWh/m 2 a Süd 270 Nord 100 West 155 Ost 155 Mittelwert 170 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 19 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor den Energieverbrauch. Die Transmissionswärmeverluste sind zudem umso größer, je kälter es ist und je mehr Heiztage es gibt. Wir unterstellen 222 Heiz tage pro Jahr und setzen die Innentemperatur auf 19°C. Im vereinfachten Ver fahren multipliziert man zur Bestimmung der Transmissionswärmeverluste die Fläche der Gebäudehülle mit den U-Werten der jeweiligen Bauteile. Das Ergeb nis wiederum wird mit der Anzahl der Heiztage und dem Temperaturunterschied zwischen innen und außen multipliziert. Der durchschnittliche Transmissions wärmeverlust in unserem Modell beträgt 94 kWh/m 2 a, das Minimum liegt unter 10 kWh/m 2 a und das Maximum bei über 500 kWh/m 2 a. Zudem fließen in unser Modell Lüftungsverluste ein, die unter unseren Annah men für alle Wohnungen bei 32 kWh/m 2 a liegen. Des Weiteren modellieren wir den Energieverbrauch für Warmwasser. Laut thermondo liegt er zwischen 600 und 800 kWh pro Jahr und pro Person. 2 Wir unterstellen einen Verbrauch von 650 kWh/aPerson für Wohnungen in Mehr- und 750 kWh/aPerson für Wohnun gen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Der mittlere Wasserverbrauch liegt in unserem Modell bei rund 13 kWh/m 2 a. Die Spannweite ist beachtlich. Einige wenige Haushalte haben einen niedrigen einstelligen Verbrauch und einige we nige, insbesondere Haushalte mit eher kleiner Wohnfläche und vielen Perso nen, einen Verbrauch von über 50 kWh/m 2 a. Addiert man zur Nutzenergie Leitungs- und Umwandlungsverluste, erhält man die bereits oben diskutierte Endenergie. Diese müssen die Haushalte am Markt einkaufen. Das Verhältnis von End- zu Nutzenergie nennt man Jahresnut zungsgrad. In der Praxis wird er durch viele Faktoren wie beispielsweise den Energieträger, die Effizienz des Heizkessels bei fossilen Heizungen oder die Jahresarbeitszahl bei Wärmepumpen, Verluste über Rohrleitungen, die Hei zungsplanung beim Einbau, den Sanierungszustand und die Wartung der Hei zung bestimmt. Zur Wartung kann man auch den hydraulischen Abgleich zäh len. Dieser sorgt für eine optimale Verteilung der Wärme über die gesamte Hei zungsanlage. Im Zuge der Energiekrise 2022/23 hat der Gesetzgeber Vermieter von Mehrfamilienhäusern mit mehr als zehn Wohnungen zu einem hydrauli schen Abgleich bis 30. September 2023, und mit sechs bis neun Wohnungen bis 15. September 2024 verpflichtet. Die Fallbeispiele in den Heizkostenverglei chen für den Neu- und Altbau des Bundesverbandes der Energie- und Wasser wirtschaft (BDEW) liefern Anhaltspunkte für die historische Entwicklung von unterschiedlichen Heizungstypen. Basierend auf diesen Anhaltspunkten unter stellen wir linear fallende Verläufe des Jahresnutzungsgrades vom Jahr 1900 bis heute für unsere unterschiedlichen Heizungstypen. Das Bau- oder Sanie rungsjahr bestimmt dann das Heizungsalter und damit den Jahresnutzungsgrad und den Endenergieverbrauch. Im Altbau kann die End- die Nutzenergie oft um mehr als 50% übertreffen. Im Neubau dagegen sind es oft 25% und weniger. Unter diesen Annahmen beträgt die Endenergie im Modell durchschnittlich rund 155 kWh/m 2 a und die durchschnittliche Energie pro Wohnung beträgt rund 13.700 kWh/a. Die Primärenergie und die Primärenergiefaktoren gemäß des GEG Der dritte Energiebegriff ist die Primärenergie, die wie die Endenergie auf dem Energieausweis eines Gebäudes auf dem Bandtacho angegeben wird. Die Pri märenergie ist kein physikalischer, sondern ein regulatorischer Begriff. Sie wird berechnet durch Multiplikation der Endenergie mit den Primärenergiefaktoren. Diese Faktoren und der Begriff Primärenergie sind im GEG definiert. Der Ge setzgeber will damit die gesamte Wertschöpfungskette der Energieproduktion inklusive der Leitungs- und Umwandlungsverluste zum Gebäude erfassen. Zu dem dienen sie wohl der Steuerung von Anreizen. So sind die Primärenergie faktoren für Wärmepumpen null, obwohl der hierfür nötige Strom teilweise auf 2 https://www.thermondo.de/info/rat/heizen/sparpotenzial-warmwasserverbrauch/ 0 1 2 3 4 09 19 29 39 49 59 69 79 89 99 09 19 Heizöl-Kessel Pellets Fernwärme Luft-Wasser-WP Erdgekoppelte WP Gas-Kessel 1900-2022 Modellierter Jahres nutzungsgrad in Ein- und Zweifamilienhäusern 29 dimensionslos Basierend auf dem Vergleich von Neubau und Altbau, gemäß BDEW - Heizkostenvergleich und Daten vom BDH Quelle: Deutsche Bank Research 0 1 2 3 4 5 09 19 29 39 49 59 69 79 89 99 09 19 Heizöl-Kessel Pellets Fernwärme Luft-Wasser-WP Erdgekoppelte WP 1900 - 2022 Jahresnutzungsgrad von Heizungstypen in Mehrfamilienhäusern 30 dimensionslos Basierend auf dem Vergleich von Neubau und Altbau, gemäß BDEW - Heizkostenvergleich und Daten vom BDH Quelle: Deutsche Bank Research 0 1 2 Heizöl Gas Strom, netzbezogen Strom, PV o. Windkraft* Wärme pumpen Holz *gebäudenah Primärenergiefaktoren nach GEG 31 dimensionslos Quellen: Gebäudeenergiegesetz, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 20 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor fossilen Energieträgern beruht. Sie betragen für Heizöl und Gas 1,1, für netzbe zogenen Strom 2,8 und für gebäudenahe produzierten Strom aus Photovoltaik und Wind null. In unserem Modell ignorieren wir die Primärenergie und berech nen direkt die CO 2 -Emissionen. CO 2 - Emissionen von Wohngebäuden und Z iele im Jahr 2030 Die Zielvorgaben des Klimaschutzgesetzes erfolgen im Einklang mit den inter nationalen Verträgen quellenbasiert und territorial. Nach dieser Methodik fielen im Gebäudesektor im Jahr 2022 112 Mio. t CO 2 -Äquivalent, im Weiteren CO 2 - Emissionen genannt, an. Im Jahr 2030 sollen nur noch 66 Mio. t emittiert wer den, ein Minus von 46 Mio. t oder mehr als 40%. Vom Jahr 2014 bis 2022 fielen sie um lediglich 6,6 Mio. t. Die quellenbasierte Berechnungsweise berücksichtigt nur die Energieverbrennung im Gebäude. Der Großteil entfällt auf Öl- und Gas heizungen. Fernwärme und Strom aus fossilen Energieträgern dagegen ist nach dieser Methodik nicht Teil des Gebäude-, sondern Teil des Industriesektors. Nach den Emissionsübersichten nach Sektoren des Umweltbundesamtes (UBA) emittierten die privaten Haushalte im Jahr 2022 etwas mehr als 80 Mio. t der 112 Mio. t, in etwa 72%. Der Rest entfällt auf Unternehmen und das Militär. Im Jahr 2022 gab es 40,9 Mio. Haushalte. Demnach emittierten die privaten Haus halte durchschnittlich direkt fast 2 t pro Haushalt. Die umweltökonomische Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts be rücksichtigt die gesamte Wertschöpfungskette und damit auch Fernwärme und Strom aus fossilen Energieträgern. Dort werden nach der Veröffentlichung Ende 2022 für das Jahr 2020 für private Haushalte CO 2 -Emissionen in Höhe von fast 199 Mio. t ausgewiesen. Hiernach entfallen 27% aller Emissionen im Jahr 2020 auf die privaten Haushalte. Direkte und indirekte Emissionen für Raumwärme & Warmwasser betragen 62% und 23%, auf Elektrogeräte und Licht entfallen di rekt 14,7% und indirekt 0,3%. Heruntergebrochen auf einen durchschnittlichen Haushalt betragen die direkten und indirekten Emissionen für Raumwärme & Warmwasser 3,0 t und 1,1 t pro Haushalt, in Summe also 4,1 t pro Haushalt. Modellierter Nutz- und Endenergiebedarf inklusive Komponenten 32 Methodische Frage zur CO 2 - Messung 33 Im Jahr 2020 fielen laut UBA rund 80 Mio. t CO 2 bei Haushalten von 112 Mio. t CO 2 im Gebäudesektor insgesamt an. Laut der um weltökonomischen Gesamtrechnung fielen im Bedarfsfeld Wohnen direkte und indirekte Emissionen in Höhe von 123 Mio. t und 75 Mio. t an. Bisher verstehen wir, trotz Nachfor schung, den exakten Zusammenhang zwi schen beiden Berechnungen nicht. Das Glei che gilt für den Zusammenhang zwischen den absoluten Emissionen und den Emissionsfak toren. Wir freuen uns über Hinweise. Quelle: Deutsche Bank Research 0,6 0,1 3,0 0,6 direkt: Strom Alltag ohne PV indirekt: Strom Alltag ohne PV direkt, Raumwärme & Warmwasser indirekt, Raumwärme & Warmwasser in Tonnen pro Jahr Quelle: Deutsche Bank Research CO 2 - Emissionen der mittleren Modellwohnung 34 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 21 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Die direkten und indirekten Emissionen aufgrund des Stromverbrauchs für Elektro-, Küchengeräte und Licht betragen 0,7 t pro Haushalt. CO 2 - Emissionen im Wohngebäude - Klima - Modell Auch in unserem Modell können wir für jede Wohnung die CO 2 -Emissionen in Tonnen pro Jahr berechnen. Hierfür werden die modellierten Endenergiever bräuche in kWh/m 2 a mit der Wohnfläche und den Emissionsfaktoren in kg/kWh multipliziert. Die direkten und indirekten Emissionsfaktoren werden vom UBA publiziert. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat sie in seinem CO 2 - Rechner übersichtlich zusammengefasst, weshalb wir auf diese Quelle zugrei fen. Lediglich für den Strommix nutzen wir die Emissionsfaktoren des UBA, da für den Stromverbrauch das LfU nicht zwischen direkten und indirekten Emissi onen unterscheidet. Unter diesen Vorgaben emittiert die durchschnittliche Mo dellwohnung für Raumwärme und Warmwasser direkt 3,0 t und indirekt 0,6 t. Für den Stromverbrauch fallen weitere 0,7 t an. Haushalte mit einer PV-Anlage weisen durchschnittlich 0,2 t CO 2 -Emissionen für den Stromverbrauch auf. Un sere Ergebnisse ähneln im Durchschnitt also den Ergebnissen der umweltöko nomischen Gesamtrechnung. Haushaltsausgaben für Strom, Wärme, Nebenkosten und Wohnen Laut Statistischem Bundesamt betrug der Stromverbrauch der Haushalte im Jahr 2020 fast 126 TWh. Davon entfielen 6% auf Raumwärme und 11% auf Warmwasser. Diese Anteile rechnen wir pauschal aus dem Stromverbrauch, der vor allem auf Küchen-, Elektrogeräte und Licht entfällt, heraus. Dadurch beträgt der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 1-Personen-Haushalten 1640 kWh, bei 2-Personen-Haushalten 1350 kWh und bei größeren Haushalten setzen wir fast 1200 kWh an. Unter diesen Vorgaben beträgt der mittlere model lierte Stromverbrauch pro Haushalt rund 2.630 kWh/a. Ein- und Zweifamilien häuser verbrauchen rund 2.700 kWh/a und Mehrfamilienhäuser 2.580 kWh/a. Für die Raumwärme und Warmwasser benötigte Endenergie beträgt in unserem Modell für Ein- und Zweifamilienhäuser rund 22.400 kWh/a und für Mehrfamili enhäuser rund 12.500 kWh/a. Für die modellierten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern betragen die jährlichen Heizkosten von fossilen Heizungen rund EUR 2.600 und von nicht fossilen Heizungen EUR 1.750. Die jährlichen Stromkosten für Ein- und Zwei familienhäuser liegen in etwa bei EUR 1.060, wobei hier der Eigenverbrauch durch eine eventuell vorhandene PV-Anlage bereits berücksichtigt wurde. Die jährlichen Nebenkosten liegen bei rund EUR 1.880. Die Heizkosten bei Mehr familienhäusern liegen sowohl bei fossilen als auch nichtfossilen Heizungen fast 40% niedriger als bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Die jährlichen Stromkosten liegen bei Mehrfamilienhäusern etwa bei EUR 950 und die Nebenkosten bei EUR 1.330. Für diese Berechnung haben wir die Marktpreise vom 15. Juni für private Haus halte unterstellt. Diese liegen für alle Rohstoffe noch höher als vor der Energie krise im Jahr 2022. Die Preise beginnen sich seit ein paar Monaten wieder zu normalisieren. In unsere Kalkulation fließen auch Grundpreise für Strom und Fernwärme in Höhe von EUR 120 und EUR 350 und ein Aufschlag für die An fahrt von EUR 10 für Ölheizungen ein. Bei den Gaspreisen steckt der Grund preis laut Verivox bereits in den Verbrauchspreisen drin. Kein Grundpreis fällt unseres Wissens bei der Lieferung von Pellets an. Ist eine PV-Anlage vorhanden, dann berücksichtigen wir die Einspeisevergü tung. Solarstrom wird und wurde für PV-Anlagen in den ersten 20 Jahren geför dert. Deshalb bekommen um den Jahrtausendwechsel installierte Anlagen heu Grau e Energie durch Neubau und Abriss eine weitere bedeutende Emissionsquelle 36 Neben den direkten und indirekten Emissionen fallen CO 2 - Emissionen auch beim Bau und Abriss von Gebäuden , die sogenannte graue Energie, an. Die EU - Kommission schreibt auf ihrer Homepage, dass in der EU 36% aller Emissionen durch Gebäude verursacht wer den. Mit den vermutlich sinkenden CO 2 - Emissionen durch Heizen werden die Emissio nen am Bau wohl stärker in den Blickpunkt rücken. Quelle: https://commission.europa.eu/news/focus - energy - efficiency - buildings - 2020 - 02 - 17_en Stromverbrauch im Jahr 2020 in kWh 37 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0,0 0,2 0,4 0,6 direkte indirekte Direkte & indirekte Emissionsfaktoren 35 CO 2 - Äquivalente in kg/kWh KT=Konstant - , NT=Niedertemperaturkessel, BW = Brenn - wertkessel. Benutzte Umrechnungsfaktoren in kg/kWh: Heizöl 10,6 kWh/l, Gas: 11 kWh/m3, Pellets 4.9 kWh/kg Quellen: Deutsche Bank Research, Umweltbundesamt, Bayerisches Landesamt für Umwelt 1 Person 1978 1978 1642 2 Personen 3252 1626 1350 3 und mehr Pers. 5047 1442 1197 pro Kopf ex Raumwärme & Warmwasser Haushalt pro Kopf Haushaltsgröße 0 100 200 300 400 15 16 17 18 19 20 21 22 23 Gas Heizöl Pellets Fernwärme Strom 2015=100 Quellen: Deutsche Bank Research, Verivox, C.A.R.M.E.N., AGFW, EC Preisindizes für Energie: Neue Verträge 38 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 22 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor te keine Förderung mehr. Die Kenntnis über das Installationsjahr erlaubt es, die Höhe der Einspeisevergütung und der Stromgestehungskosten einfließen zu lassen. Beide Größen fielen parallel von über 50 ct/kWh am Anfang der 2000er Jahre auf unter 9 ct/kWh im Jahr 2022, wobei die Einspeisevergütung typi scherweise etwas über den Stromgestehungskosten liegt. Diese Kosten und Erträge sind Teil der Stromkosten. Zudem berücksichtigen wir die Aufteilung des CO 2 -Preises zwischen Mieter und Vermieter je nach der Energiebilanz der Wohnung. Dieser macht bisher aber nur wenige Euro für den Vermieter aus. Die Nebenkosten berechnen wir an hand der Daten im Mikrozensus 2022. Demnach beträgt die durchschnittliche Differenz zwischen Brutto- und Nettokaltmiete EUR 1,30 pro m 2 . Diesen Wert setzen wir sowohl für Miet- als auch Eigentümerwohnungen an. Im Mikrozensus 2022 liegen die Nettokaltmieten bei EUR 7,40 pro m 2 . Diese fließen ebenfalls in unser Modell ein. Die Wohnkosten der Eigentümer berech nen wir mit Hilfe der Bundesbankumfrage „Private Haushalte und ihre Finan zen". In der jüngsten Welle aus dem Jahr 2021 gaben 18% der Haushalte an, besicherte Kredite abzuzahlen. Zudem findet man dort die Höhe des Schulden diensts gestaffelt nach Einkommensperzentilen. Demnach gab das obere Perzentil rund 35%, die mittleren Perzentile rund 13% und das untere Perzentil 1% des Einkommens für den Schuldendienst aus. Diese Informationen berücksichtigen wir ebenfalls in unserem Modell. Demnach beträgt die Summe aus den jeweils mittleren Heiz-, Strom-, Neben- und Wohn kosten für alle Wohnungen rund 30% des Einkommens. Bei Mehrfamilienhäu sern und ebenso für Mieterhaushalte betragen sie fast 40%. Für Eigentümer mit Immobilienkrediten betragen diese Kosten etwas mehr als 30% des Einkom mens, während sie bei Ein- und Zweifamilienhäusern und Eigentümern ohne Immobilienkredit bei lediglich 15% liegen. Die Unterschiede beruhen vor allem auf den unterschiedlichen Ausgaben für Miete und Kredite, während die Heiz-, Strom- und Nebenkosten nur geringfügig zwischen den verschiedenen Gruppen variieren. 0,0 20,0 40,0 60,0 00 04 08 12 16 20 Einspeisevergütung Stromgestehungskosten Photovoltaik: Einspeisevergütung und Stromgestehungskosten 39 ct/kWh 2000 - 2009 Stromgestehungskosten: modellbasiert auf der Entwicklung der Einspeisevergütung von 2010 bis 2022 Quellen: echtsolar.de, Solarenergie - Förderverein, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 40 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Quelle: Bundesbank Perzentile für den Schuldendienst von verschuldeten Haushalten 40 in % des Anteils am Haushaltsnettoeinkommens Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 23 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Durchschnittliche Heiz-, Strom- und Nebenkosten für Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser nach Heizungstypen 41 Quelle: Deutsche Bank Research Mittlere Heiz-, Strom-, Neben- und Wohnkosten für Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser, Mieter und Eigentümer 42 Heizkosten Alle Heizungen 25900 Gas-Brennwertkessel 27600 10.78 m3 2560 m3 1.36 m3 3500 Gas-Niedertemperaturkessel 28700 9.77 m3 2938 m3 1.36 m3 4000 Heizöl-Brennwertkessel 27300 10.60 l 2575 l 0.99 l 2500 Heizöl-Niedertemperaturkessel 27200 9.94 l 2736 l 0.99 l 2700 Fossile Heizungen 27700 3200 Fernwärme 17100 14.0 kWh 2400 Pellets 23600 5.20 kg 4.5 t 446 t 2000 Luft-Wasser-WP 7400 0.317 kWh 2300 Erdgekoppelte WP 6000 0.317 kWh 1900 Nichtfossile Heizungen 13500 2200 Stromkosten Verbrauch ex (Raumw. & Warmw. und 2980 0.317 kWh 1060 Nebenkosten 1880 Heizkosten Alle Heizungen 13900 Gas-Brennwertkessel 17300 10.78 m3 1605 m3 1.36 m3 2200 Gas-Niedertemperaturkessel 17300 9.77 m3 1771 m3 1.36 m3 2400 Heizöl-Brennwertkessel 17300 10.60 l 1632 l 0.99 l 1600 Heizöl-Niedertemperaturkessel 16400 9.94 l 1650 l 0.99 l 1600 Fossile Heizungen 17075 2000 Fernwärme 9200 14.0 kWh 1300 Pellets 15700 5.20 kg 3.0 t 446 t 1300 Luft-Wasser-WP 4600 0.317 kWh 1500 Erdgekoppelte WP 3200 0.317 kWh 1000 Nichtfossile Heizungen 8175 1275 Stromkosten Verbrauch ex (Raumw. & Warmw. & PV) 2610 0.317 kWh 950 Nebenkosten 1330 Mehrfamilienhäuser Ein- und Zweifamilienhäuser Verbrauch pro Jahr Kosten in EUR pro Jahr Kosten in EUR pro Jahr Preise in EUR pro… Preise in EUR pro… Endenergie verbrauch in kWh/a Endenergie verbrauch in kWh/a Brenn-/ Heizwert in kWh pro… Brenn-/ Heizwert in kWh pro… Verbrauch pro Jahr Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 24 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor C. Beantwortung von Research - F ragen Mit unserem Modell können wir nun Forschungsfragen beantworten. 1. Einfache Abfragen über die Höhe der CO 2 - Emissionen und komplexere, bspw. über das Heizungsalter nach Heizungstypen und Einkommen Unsere durchschnittliche Modellwohnung emittiert unabhängig vom Baujahr für Raumwärme und Warmwasser jährlich direkt 3 t und indirekt 0,6 t CO 2 - Emissionen. Wohnungen mit fossilen Heizungen emittieren deutlich mehr als der Durchschnitt. Die direkten und indirekten Emissionen von Ölheizungen sind mit mehr als 5 t besonders hoch. Die Emissionen für Fernwärme liegen bei 2 t und für Pellets und Wärmepumpen bei rund 1 t. Neue Wohnungen mit moder nen Heizungen weisen deutlich niedrigere Emissionen auf. In den letzten Jah ren erbaute Wohnungen emittieren durchschnittlich 1 t, wobei fossile Heizungen wiederum deutlich mehr und nicht fossile deutlich weniger CO 2 produzieren. Aufgrund der niedrigen Emissionen von neuen Wohnungen reduzieren sich durch Neubau die durchschnittlichen Emissionen des Gebäudebestandes. Die absoluten Emissionen werden durch neue Wohnungen aber weiter erhöht und die Klimaziele sind somit schwieriger zu erreichen. Eine Reduktion der absolu ten Emissionen des Gebäudesektors entsteht erst, wenn der Neubau ursächlich für den Abriss oder den Leerstand von bewohnten Wohnungen mit hohen Emis sionen ist. Für die sektorübergreifende Erreichung der Klimaziele sind dann zusätzlich die beim Bau und Abriss entstehenden Emissionen zu berücksichti gen, die gemäß dem Klimaschutzgesetz dem Industriesektor zugerechnet wer den. Neben diesen einfachen Berechnungen kann unser Modell auch komplexere Fragen beantworten. Das aktuelle GEG enthält wie viele Vorgängergesetze ein Betriebsverbot für mehr als 30 Jahre alte Heizöl- und Gaskessel. Mit unserem Modell können wir das Alter der Heizungen nach Heizungstypen berechnen und damit über die nächsten Jahre abschätzen, welche Heizungen wann ausge tauscht werden müssen. Dies können wir auch für unterschiedliche Einkommen berechnen. So werden von Haushalten mit einem monatlichen Einkommen von unter EUR 2.000 etwa 0,5% bis 1% aller fossilen Heizungen in den kommenden Jahren ausgetauscht, während Haushalte mit einem monatlichen Einkommen von mehr als EUR 2.000 etwa 1,5% bis 2% aller fossilen Heizungen austau schen werden. 0 2 4 6 direkt indirekt in t pro Jahr Quelle: Deutsche Bank Research Mittlere CO 2 - Emissionen nach Hei - zungstypen der Modellwohnungen im Bestand 43 0 1 2 direkt indirekt in t pro Jahr Quelle: Deutsche Bank Research Mittlere CO 2 - Emissionen nach Hei - zungstypen der Modellwohnungen mit Baujahr 2020 oder später 44 BW = Brenntwert, NT = Niedertemperatur, WP = Wärmepumpe 0,0 0,5 1,0 Gas-BW-Kessel Gas-NT-Kessel Heizöl-BW-Kessel Heizöl-NT-Kessel Quelle: Deutsche Bank Research Heizungsalter nach fossilen Heizungstypen mit Monatseinkommen von bis zu EUR 2.000 45 y - Achse: in % der fossilen Heizungen im Gebäudebestand x - Achse: Alter der Heizung 0 1 2 3 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Gas-BW-Kessel Gas-NT-Kessel Heizöl-BW-Kessel Heizöl-NT-Kessel Heizungsalter nach fossilen Heizungstypen mit Monatseinkommen von EUR 2.000 und mehr 46 Quelle: Deutsche Bank Research y - Achse: in % der fossilen Heizungen im Gebäudebestand x - Achse: Alter der Heizung Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 25 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor 2. Das Erreichen des 6 - Mio. - Wärmepumpenziels würde die jährlichen CO 2 - Emissionen im Jahr 2030 um 13,5 % reduzieren Eines der klimapolitischen Ziele ist die Installation von 6 Mio. Wärmepumpen bis zum Jahr 2030. Hier berechnen wir die CO 2 -Ersparnis im Jahr 2030 im Ver gleich zum Jahr 2022. Typischerweise stehen Luft-Wasser-Wärmepumpen im Fokus der Debatte, weshalb wir von erdgekoppelten und anderen Wärmepum pen abstrahieren. Bis zum Jahr 2022 wurden laut des Bundesverbandes Wär mepumpe 1,45 Mio. Wärmepumpen eingebaut. Für unsere Berechnungen un terstellen wir, dass alle Wärmepumpen in Wohngebäude eingebaut wurden. Zudem nehmen wir an, dass Wohnungen mit Wärmepumpe diese auch noch im Jahr 2030 einsetzen. Folglich müssten bis zum Jahr 2030 weitere 4,55 Mio. Wärmepumpen in neuen oder bestehenden Gebäuden installiert werden. Gemäß des Neubaupfads in unserem Wohnungsmarktausblick 2023 werden vom Jahr 2023 bis 2030 2,1 Mio. Wohnungen gebaut. Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im Jahr 2022 in 57% der neuen Wohnungen eine Wärme pumpe eingebaut. Bleibt dieser Anteil bis zum Jahr 2030 konstant, dann erhöht der Neubau die Zahl der Wärmepumpen um 1,2 Mio. Heute beträgt der End energieverbrauch von Wohnungen mit Luft-Wasser-Wärmepumpen etwa 1.400 kWh pro Jahr. Die durchschnittlichen jährlichen CO 2 -Emissionen betragen in unserem Modell 0,4 t pro Wohnung. Der Neubau erhöht somit die CO 2 - Emissionen im Jahr 2030 gegenüber dem Jahr 2022 um 0,48 Mio. Tonnen. Es verbleiben 3,35 Mio. Wärmepumpen. Wir unterstellen, dass der Austausch komplett in Ein- und Zweifamilienhäusern erfolgt. Des Weiteren nehmen wir an, dass nur Heizungen mit einem Alter von mindestens 15 Jahren, der Austausch zu zwei Dritteln gegen Gas- und zu einem Drittel gegen Ölheizungen und unab hängig vom Kesseltyp erfolgt. Gemäß diesen Kriterien beträgt die durchschnittli che Endenergie der modellierten Öl- und Gasheizung etwa jeweils 28.000 kWh/a und die durchschnittlichen CO 2 -Emissionen betragen für Wohnungen mit Gasheizungen rund 6,6 t/a und mit Ölheizungen rund 8,4 t/a. Gegenüber den 0,4 t für neue Wohnungen mit Luft-Wasser-Wärmepumpe reduzieren sich die CO 2 -Emissionen der Bestandswohnungen um rund 22,9 Mio. t. Ohne die zu sätzlichen Emissionen im Neubau reduzieren sich die CO 2 -Emissionen folglich um rund 22,4 Mio. t. Der weitere Ausbau von erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion könnte die Emissionen der 6 Mio. Wärmepumpen weiter redu zieren. Zudem könnte technischer Fortschritt die Jahresarbeitszahl deutlich erhöhen. Unserer Abschätzung nach liegt das hierin begründete zusätzliche Einsparpotenzial bei weiteren 4 bis 5 Mio. t. Unterstellt man in Summe eine Einsparung von 26,9 Mio. t, dann ist dies eine Reduktion um 13,5% relativ zu den direkten und indirekten CO 2 -Emissionen im Jahr 2022 in Höhe von fast 199 Mio. t. 3. Der Fernwärme ausbau reduziert die CO 2 - Emissionen um 4 % Auch mehr Fernwärmeanschlüsse sollen die Emissionen reduzieren. Laut dem Hintergrundpapier „Gebäudestrategie Klimaneutralität 2045" der Bundesregie rung soll die Zahl der Anschlüsse von 6,8 Mio. im Jahr 2022 auf rund 9 Mio. im Jahr 2030 zulegen. Wir unterstellen, dass dieser Anstieg um 2,2 Mio. Anschlüs se komplett in Mehrfamilienhäusern erfolgt. In den letzten Jahren entfällt in etwa 60% des Neubaus auf Mehrfamilienhäuser. Im Jahr 2022 wurden 21% der neu en Wohngebäude ans Fernwärmenetz angeschlossen. Wir unterstellen diese Quote bis zum Jahr 2030 für Mehrfamilienhäuser. Gemäß des Neubaupfads in unserem Wohnungsmarktausblick 2023 werden vom Jahr 2023 bis 2030 2,1 Mio. Wohnungen gebaut. Hiervon sind dann 1,26 Mio. in Mehrfamilienhäu sern und 0,26 Mio. werden ans Fernwärmenetz angeschlossen. Diese weisen eine durchschnittliche Endenergie von 2.200 kWh pro Jahr und CO 2 -Emissionen Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 26 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor von 0,7 t pro Jahr auf. In Summe emittieren diese neuen Wohnungen mit Fern wärme dann zusätzlich 0,18 Million Tonnen CO 2 . Für die verbleibenden 1,94 Mio. Wohnungen im Bestand unterstellen wir den Tausch einer fossilen Heizung gegen Fernwärme. Auch hier unterstellen wir, dass nur 15 Jahre alte und ältere Heizungen ausgetauscht werden. In Mehrfa milienhäusern beträgt der durchschnittliche Endenergieverbrauch sowohl für Öl- als auch Gasheizungen etwa 17.000 kWh/a. Die zugehörigen CO 2 -Emissionen betragen für Gasheizungen rund 4,0 t pro Jahr und für eine Ölheizung rund 5,1 t pro Jahr. Unterstellt man, dass doppelt so viele Gas- wie Ölheizungen ausge tauscht werden, was dem Verhältnis im Bestand entspricht, dann emittieren die 1,94 Mio. Wohnungen rund 7,2 Mio. t CO 2 pro Jahr. Reduziert um den Neubau sinken die CO 2 -Emissionen im Jahr 2030 um 7,0 Mio. t. Auch hier könnten sich die Emissionsfaktoren durch einen größeren Anteil der Erneuerbaren Energien bei der Fernwärmeproduktion reduzieren. Unterstellt man eine weitere Einspa rung um 1 Mio. t, dann betragen die eingesparten 8,0 Mio. t CO 2 rund 4,0% relativ zu den direkten und indirekten CO 2 -Emissionen im Jahr 2022. 4. H istorische Pfadabhängigkeit erklärt wohl Orientierung an den Emissio nen pro Quadratmeter und nicht pro Wohnung oder pro Gebäude Das GEG ist an der End- und Primärenergie ausgerichtet. Dabei ist der Ver brauch pro Quadratmeter und pro Jahr eine zentrale Regulierungsgröße. Dies ist wohl eine historische Folge der WSV und der EnEV. Dort werden die U Werte (bzw. in den WSV Wärmedurchgangs- und Fugendurchlasskoeffizienten), Wärmebrücken, Warmwasserverbrauch, Primärenergie etc. auf Quadratmeter basis geregelt. Durch diese Fokussierung kann heute ein Haus der Energieeffi zienzklasse A+ mit einem Verbrauch von nur 10 kWh/m 2 a in der Summe mehr Energie verbrauchen und auch mehr CO 2 emittieren als eine Wohnung in der Effizienzklasse G mit deutlich mehr als 200 kWh/m 2 a. Hierfür muss man ledig lich eine relativ große Wohnfläche des Hauses bzw. eine relativ kleine der Woh nung ansetzen. Da die gesetzlichen Vorgaben gemäß Klimaschutzgesetz für das Jahr 2030 auf absoluten CO 2 -Emissionen beruhen und voraussichtlich ver fehlt werden, könnte eine Orientierung an den Gesamtemissionen einer Woh nung anstatt pro Quadratmeter stärker in den Fokus rücken. Mit unserem Modell können wir CO 2 -Emissionen der Wohnungen nach unter schiedlichen Wohnflächen berechnen. Die Grafik 48 zeigt, dass größere Woh nungen oftmals deutlich mehr emittieren. Angesichts der hohen Korrelation zwi schen Wohnfläche und Einkommen nehmen die Emissionen der Haushalte auch mit dem Einkommen zu (Grafik 47). Jedoch gibt es weniger große als klei ne Wohnungen, wodurch große Wohnungen insgesamt relativ wenig zu den Gesamtemissionen beitragen. So beträgt der Anteil der CO 2 -Emissionen von Wohnungen mit mehr als 200 m 2 nur 2,8% und die Wohnungen mit mehr als 150 m 2 bis 200 m 2 14,1% an den Emissionen aller Wohnungen. Eigentümer großer Wohnungen dürften grundsätzlich mehr finanzielle Spielräume haben als die Eigentümer kleinerer Wohnungen. Zudem könnte man über die kommenden Jahre sukzessive kleinere Wohnflächen regulatorisch erfassen. Die Eigentümer der kleineren Wohnungen könnten dann später von den Erfahrungen und dem technischen Fortschritt profitieren. Dies könnte zu weniger sozialen Härten, geringeren Subventionen und einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung bei tragen. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 3 4 5 6 0,05 0,15 0,25 0,35 1400 2800 4200 5600 7000 0 1400 2800 4200 5600 Emissionen relativ zum Einkommen Absolute Emissionen (rechts) linke y-Achse: kg pro EUR rechte: y-Achse: t pro Jahr Quelle: Deutsche Bank Research CO 2 -Emissionen nach monatlichem Einkommen 47 Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 27 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Verteilung der CO 2 -Emissionen nach Wohnfläche in unserem Modell 48 Quelle: Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 28 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor D. Appendix Appendix 1 Eine der wichtigsten Variablen für die Klimapolitik ist der Endenergieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr. Die wohl umfangreichste Datensammlung besitzt die Firma co2online. Nutzer können auf co2online.de in Energiesparchecks Daten eintragen und so ihre Energieverbräuche mit anderen vergleichen. Diese Informationen wurden seit dem Jahr 2001 zumeist online gesammelt. Wesentli che empirische Auswertungen dieser Angaben werden auf wohngebaeude.info veröffentlicht. Unsere Modellergebnisse ähneln den empirischen Daten von wohngebaeude.info, was die Validität unserer Ergebnisse unterstreichen dürfte. Vergleich von Verteilungen von Endenergieverbräuchen pro Wohnung in kWh/m 2 a 49 Quellen: wohngebaeude.info, Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 29 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Appendix 2 Die folgenden Eigenschaften modellieren wir in der aktuellen Fassung nicht: - Wir modellieren keine Einzel- und Etagenheizungen. Wir modellieren auch nicht, ob ein Wohngebäude eine oder mehrere Heizungen hat. - Solarthermie bleibt unberücksichtigt. Laut BDEW gab es im Jahr 2021 2,5 Mio. Solarthermieanlagen mit 21,6 Mio. Quadratmetern Kollektorfläche, die hauptsächlich Warmwasser generieren. - Bei der Bestimmung des Wärmeenergiebedarfs werden keine Wärmebrü cken berücksichtigt. Ebenso ignorieren wir bei den solaren Wärmegewinnen die Himmelsrichtung. Zudem ist der Neigungswinkel der Sonneneinstrah lung auf die Fenster in unserem Modell stets 90° relativ zum Boden. - Regionale Unterschiede: Wie unterschiedliche Wohnflächen und Haus haltsgrößen in Großstädten und außerhalb, ebenso unterschiedliche regio nale Verteilung von Heizungsarten oder die unterschiedliche Anzahl von Sonnen- und Heizstunden pro Jahr in Nord- und in Süddeutschland. - Da wir den Ort der Heizung nicht modellieren, setzen wir auch nur einen Preis für Fernwärme an. Laut AGFW lag der durchschnittliche Fernwärme preis im Jahr 2022 über alle Bundesländer bei EUR 119,45 pro MWh, im günstigsten Bundesland Rheinland-Pfalz bei EUR 70,75 pro MWh und im teuersten Bundesland Saarland EUR 181,33 pro MWh. Es gibt also eine große Spannweite, die wir nicht abbilden. - Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Photovoltaik-Anlagen: Neuere, nach Süden ausgerichtete und Anlagen mit einem optimalen Neigungswin kel haben in der Regel besonders hohe Erträge. Diese Faktoren fließen nicht in unser Modell ein. - Wir berücksichtigen auch keine Investitionskosten und die durch Neubau und Abriss entstehenden CO 2 -Emissionen. Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 30 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor Formelappendix Vereinfachte Berechnung des Heizwärmebedarfs nach DIN V 4108 - 6 50 ���������������������������� ä���������������������� = ���������������� �������� ℎ ������ ℎ + ���������������� �������� ℎ ���� ß������������ + ���������������� �������� ℎ �������������� & �� ü������ + ���������������� �������� ℎ ���������� ���������������� �������� ℎ ������ ℎ = �� ������ ℎ ∗ ������ ℎ���� ä�� ℎ�� ∗ ( ������������������������������ − ���� ß������������������������ ) ∗ 24 1000 ⁄ ���������������� �������� ℎ ���� ß������������ = �� ���� ß������������ ∗ ���� ß���������������� ä�� ℎ�� ∗ ( ������������������������������ − ���� ß������������������������ ) ∗ 24 1000 ⁄ ���������������� �������� ℎ �������������� & �� ü������ = �� �������������� &�� ü������ ∗ ������������������ ä�� ℎ���� ������ �� ü���������� ä�� ℎ���� ∗ ( ������������������������������ − ���� ß�������������� ���������� ) ∗ 24 1000 ⁄ ���������������� �������� ℎ ���������� = �� ���������� ∗ �������������� ä�� ℎ�� ∗ ( ������������������������������ − ���� ß������������������������ ) ∗ 24 1000 ⁄ �� = �� ä�������������� ℎ�������������������������������� ������ �������������������� �������������� �� ���� �� �� 2 �� �� ü���������������������������� = ������������������ ℎ�� �� ä�������������������� ä�� ������ �������� ∗ �������������� ℎ������ ������ ������������ ∗ ���� ℎ������������ ������������������������ ∗ ( ������������������������������ − ���� ß���������������� �������� ) ∗ 24 1000 ⁄ ������������������ ℎ�� �� ä�������������������� ä�� ������ �������� = 0,34 �� ℎ �� 3 �� �������������� ℎ������ ������ ������������ = 0,65 �������������� �� ä�������������������� = ���������������� �������������� �� ä���������������������� ∗ ���������� ������ ���������������������� ∗ ���� ℎ������ ä�� ℎ�� ∗ 24 1000 ���������������� �������������� �� ä���������������������� = 5 �� �� 2 �������� ������ ä�������������������������������� ���������� ������ ���������������������� = �������� ℎ�� ������ �������� ������ �� �� ℎ�� , ������ ���������� ������ ���� ß������������������������ ������ �������������������������������������� �������������� ℎ������������ = 222 �������� ������ ���� ℎ�� ������ ���������� �������������������������������������� ������ 15°�� ������������ �� ä�������������������� = ���������������������������������� ℎ���������������� ∗ ���������� ℎ�������������������������� ∗ ���������������� ���������������� ℎ�� �������� ℎ�������� ������������������ ä�� ∗ �� ü���������� ä�� ℎ���� & ������������������ ä�� ℎ���� ���������������������������������� ℎ���������������� = 0,6 ���������� ℎ�������������������������� = 0,567 ���������������� ���������������� ℎ�� �������� ℎ�������������������������� ä�� = 170 ���� ℎ �� 2 �� ���������������������������������� = ���������� ä������������������ = ������������������ ℎ�������������� ∗ ( ���������������������������� ä���������������������� + �� ü���������������������������� ) − �������������� �� ä�������������������� − ������������ �� ä�������������������� ������������������ ℎ�������������� = 24 1000 ������������������ ℎ�� ������������������ ℎ�� = ���������� ������ ���������������������� ���������� ℎ���� ���������� ������������������������ �������������������������������������� ������ ������ �������������������� �������� ℎ���� ℎ�������������� ℎ���� �������������� ß������������������������ ���������� ℎ������ ������ �������������������������������������� �� ü�� �������� �������� ���������� ���� ℎ������ Quellen: Schild und Willems (2022) , Deutsche Bank Research Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland 31 | 5. Juli 2023 Deutschland - Monitor E. Literatur Diefenbach, N., T. Loga, B. Stein (2015): Szenarienanalysen und Monitoring konzepte im Hinblick auf die langfristigen Klimaschutzziele im deutschen Wohngebäudebestand. Bericht im Rahmen des europäischen Projekts EPISCOPE. Institut Wohnen und Umwelt, September 2015. Manuel Frondel, Andreas Gerster, Kathrin Kaestner, Michael Pahle, Antonia Schwarz, Puja Singhal und Stephan Sommer (2022): Das Wärme- & Woh nen-Panel zur Analyse des Wärmesektors: Ergebnisse der ersten Erhebung aus dem Jahr 2021. RWI-Materialien, No. 152. Mailach, Bettina und Bert Oschatz (2021): BDEW-Heizkostenvergleich Altbau 2021. Ein Vergleich der Gesamtkosten verschiedener Systeme zur Heizung und Warmwasserbereitung in Altbauten. Mailach, Bettina und Bert Oschatz (2021): BDEW-Heizkostenvergleich Neubau 2021. Ein Vergleich der Gesamtkosten verschiedener Systeme zur Heizung und Warmwasserbereitung in Neubauten. 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Walberg, Dietmar, Timo Gniechwitz, Klaus Paare und Thorsten Schulze (2022): Wohnungsbau: Die Zukunft des Bestandes. Studie zur aktuellen Bewertung des Wohngebäudebestands in Deutschland und seiner Potenziale, Moderni sierungs- und Anpassungsfähigkeit. Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. In der Reihe „Deutschland-Monitor" greifen wir politische und strukturelle Themen mit großer Bedeutung für Deutschland auf. Darunter fallen die Kommentierung von Wahlen und politischen Weichenstellungen sowie Technologie- und Bran chenthemen, aber auch makroökonomische Themen, die über konjunkturelle Fragestellungen - die im Ausblick Deutsch land behandelt werden - hinausgehen. D eutschlan d - Monitor © Copyright 2023. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail ein tragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Ein Wohngebäude - Klima - Modell für Deutschland ............. 5 . Juli 2023  Kosten der Stromerzeugung: Auf die Systemkosten kommt es an ................................ . 30. Mai 2023  Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2023: Preisdelle und Zinsgipfel voraus ................................ .... 1 8 . April 2023  Digitaler Aufbruch für Deutschland: Digitalstrategie der Bundesregierung 2022 - 2025 ..... 25. Oktober 2022  Deutschem Arbeitsmarkt droht schwieriger Winter ... 13. Oktober 2022  Energiekrise trifft Industrie bis ins Mark ...................... 5. Oktober 2022  2022: Rekordzuzug seit 1990 . 2030: Fast 86 Mio. Einwohner . Wohnraumknappheit verschärft sich ............................ 2. August 2022  Ein außergewöhnlicher Halbleiterzyklus: Sonderfaktoren sowie zyklische und geopolitische Effekte ....................... 30. Mai 2022  Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2022 ff. ..... 1. April 2022  Deutsche Energieversorgung an einem historischen Wendepunkt ................................ .............. 30. März 2022  Die Bedeutung systemischer Komplexität und Kritikalität für volkswirtschaftliche Prognosen ........................ 22. Dezember 202 1  Wirtschaftlich - technologische Revolution durch Quantum 2.0: Neue Supertechnologien kommen in Reichweite ... 9. Dezember 2021  Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig ................................ .... 14. Oktober 2021  Störungen der Lieferketten: Auch 2022 noch Konjunktur - und Inflationsrisiko . 28 . September 2021  Wohnungspolitik in Deutschland: Linke und rechte Parteien mit nur kleiner Schnittmenge ................... 6 . September 2021  Verteilungsfragen rücken in den Vordergrund: Mehr Anreize und Chancen statt mehr Umverteilung 30. August 2021  Vorfahrt der E - Mobilität vom Staat teuer erkauft .......... 5. August 2021  Die Rückkehr massiver Staatsausgaben: Wird dieses Mal wirklich alles anders? ........................ 4. August 2021  Nehmen die Inflationsrisiken in Deutschland tatsächlich zu? Oder machen wir uns wieder einmal umsonst verrückt? . 29. Juli 2021  Die deutsche EU - Politik post - Merkel: Grüner, aber finanzpolitisch weiter hin eher konservativ .. 27. Juli 2021  Zuwanderungsd elle durch Corona in den Jahren 2020/ 2021: Lohndruck könnte in der Dekade ansteigen .......... 22. Juli 2021
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