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  4. Ausblick Deutschland
27. Juli 2016
EZB-Präsident Draghi zeigte sich bei der letzten Pressekonferenz zuversichtlich darüber was seine Geldpolitik erreicht hat und noch erreichen kann – falls nötig. Er forderte mehr Aktivitäten im strukturellen Bereich. Beispielsweise würde ein Markt für notleidende Kredite (NPLs) helfen, dass NPL-Problem zu lösen, auch staatliche Kapitalspritzen könnten hier hilfreich sein. Unsere Erwartungen sind unverändert. Nach dem Brexit-Referendum sind die Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Erholung und die Normalisierung der Inflation zwar gestiegen. Eine Absenkung des Einlagezinssatzes würde den Druck auf die Gewinnmargen der Banken aber weiter erhöhen. Das Vertrauen der EZB in ihr QE-Programm ist unerschüttert. Für September erwarten wir eine Ausweitung des Programms um 9-12 Monate sowie Maßnahmen zur Erweiterung des Pools berechtigter Wertpapiere. Weitere Themen in dieser Ausgabe: Insolvenzen in Deutschland, Hypothekenkredite und der deutsche Wohnungsmarkt. [mehr]
Ausblick Deutschland: EZB hilft Industrien und treibt Immobilienpreise Aktuelle Themen Konjunktur Weniger Insolvenzen in der deutschen Industrie. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/09 stieg die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren in der deutschen Industrie allein 2009 um 48%. Seither sinken die Insolvenzzahlen jedoch tendenziell, sodass 2015 in fast allen Industriebranchen weniger Verfah- ren eröffnet wurden als 2008. Für 2016 bestehen gute Chancen, dass sich der Trend fortsetzt. In den letzten Jahren hatten die jeweilige Industriekonjunktur sowie – damit zusammenhängend – die Notierung des Euro gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner einen großen Einfluss auf die Zahl der Insolvenzen. Dynamischeres Wachstum des Hypothekenkreditvolumens in den kommenden Jahren – makroprudentielle Risiken steigen. Der Nachfrageüberhang im Woh- nungsmarkt ist hoch und in den letzten Jahren gewachsen. Entsprechend dy- namisch wächst auch die Kreditnachfrage. Das Kreditangebot könnte über wei- tere geldpolitische Impulse stimuliert werden. Eine schwungvollere Kreditverga- be dürfte mittelfristig die Zinsänderungsrisiken erhöhen. Bleibt das Kreditwachs- tum dagegen gering, steigt aufgrund des hohen Nachfrageüberhangs das Risiko von Überbewertungen und einer Hauspreisblase. Dies gilt insbesondere dann, wenn wenig neue Wohnflächen, sondern hauptsächlich Bestandsobjekte finan- ziert werden. Wohnungsmarkt kurzfristig attraktiver als der Büromarkt, langfristige Preis- und Mietkonvergenz wahrscheinlich. Langfristig dürften sich Wohnungs- und Büro- mieten ähnlich entwickeln, da sowohl auf beiden Märkten gemeinsam wirkende Faktoren als auch Substitutionseffekte die Existenz eines gemeinsamen Gleich- gewichts nahelegen. Angesichts des hohen Nachfrageüberhangs im Woh- nungsmarkt und aufgrund von Konversionen und Umnutzungen dürften auch die Büroflächen in den kommenden Jahren knapper werden. Folglich ist ein kräftigeres Mietwachstum im Büromarkt zu erwarten, das dann zeitweilig über dem Mietwachstum im Wohnungsmarkt liegen könnte. EZB: Bereit, willens und fähig. EZB-Präsident Draghi zeigte sich bei der letzten Pressekonferenz zuversichtlich darüber was seine Geldpolitik erreicht hat und noch erreichen kann – falls nötig. Er forderte mehr Aktivitäten im strukturellen Bereich. Beispielsweise würde ein Markt für notleidende Kredite (NPLs) helfen, dass NPL-Problem zu lösen, auch staatliche Kapitalspritzen könnten hier hilf- reich sein. Unsere Erwartungen sind unverändert. Nach dem Brexit-Referendum sind die Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Erholung und die Normalisierung der Inflation zwar gestiegen. Eine Absenkung des Einlagezinssatzes würde den Druck auf die Gewinnmargen der Banken aber weiter erhöhen. Das Vertrauen der EZB in ihr QE-Programm ist unerschüttert. Für September erwarten wir eine Ausweitung des Programms um 9-12 Monate sowie Maßnahmen zur Erweite- rung des Pools berechtigter Wertpapiere. Autor en Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 Weniger Insolvenzen in der deutschen Industrie ..........................................................3 Dynamischeres Wachstum des Hypotheken- kreditvolumens in den kommenden Jahren – makroprudentielle Risiken steigen ..................5 Wohnungsmarkt kurzfristig attraktiver als der Büromarkt, langfristige Preis- und Mietkonver- genz wahrscheinlich........................................9 EZB: Bereit, willens und fähig ....................... 14 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 16 Exportindikator .............................................. 17 Eventkalender ............................................... 18 Datenkalender .............................................. 18 Datenmonitor ................................................ 19 Finanzmarktprognosen ................................. 20 27. Juli 2016 Ausblick Deutschland EZB hilft Industrien und treibt Immobilienpreise Ausblick Deutschland 2 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P Euroland 1,6 1,6 1,1 0,0 0,2 1,2 3,2 2,6 2,0 - 2,1 - 2,0 - 1,9 Deutschland 1,7 1,7 1,3 0,2 0,5 1,5 8,5 8,1 7,6 0,7 0,0 - 0,2 Frankreich 1,2 1,5 1,3 0,1 0,2 1,0 - 0,2 - 0,3 - 0,3 - 3,5 - 3,3 - 2,9 Italien 0,8 0,9 0,4 0,1 0,0 1,1 2,2 2,6 1,9 - 2,6 - 2,5 - 2,4 Spanien 3,2 2,8 1,7 - 0,6 - 0,4 1,3 1,4 1,1 0,3 - 5,1 - 4,0 - 3,6 Niederlande 2,0 1,3 0,9 0,2 0,2 1,1 8,6 10,5 10,2 - 1,8 - 1,8 - 1,8 Belgien 1,4 1,2 0,9 0,6 1,7 1,8 0,0 1,0 0,8 - 2,6 - 2,7 - 2,5 Österreich 0,8 1,1 1,1 0,8 1,1 1,7 2,6 2,7 2,7 - 1,2 - 1,6 - 1,5 Finnland 0,2 1,1 0,7 - 0,1 0,5 1,2 0,1 0,2 0,1 - 2,7 - 2,4 - 2,4 Griechenland - 0,3 - 0,7 1,2 - 1,1 - 0,3 0,7 0,0 1,0 0,9 - 7,2 - 3,7 - 2,0 Portugal 1,5 1,0 1,1 0,5 0,8 1,3 0,6 1,0 0,7 - 4,4 - 2,8 - 2,8 Irland 26,3 5,0 2,9 0,0 0,3 1,4 10,2 4,0 2,9 - 2,3 - 1,1 - 1,1 Großbritannien 2,2 1,7 0,9 0,0 0,7 2,2 - 4,7 - 4,0 - 3,5 - 4,3 - 3,0 - 3,0 Dänemark 1,0 1,1 1,8 0,5 0,4 1,6 7,0 7,0 7,0 - 2,5 - 2,5 - 2,0 Norwegen 1,1 0,8 1,8 2,2 2,9 2,4 9,0 6,5 6,5 9,0 6,5 6,5 Schweden 3,9 3,3 2,4 0,0 1,0 1,5 5,9 5,7 5,5 - 0,8 - 1,0 - 0,5 Schweiz 0,9 1,0 1,5 - 1,1 - 0,7 0,3 11,4 9,0 8,0 0,3 - 0,5 - 0,5 Tschech. Rep. 4,3 2,6 2,7 0,3 0,7 1,6 0,9 1,1 0,5 - 1,9 - 1,4 - 1,6 Ungarn 2,9 2,4 2,5 - 0,1 0,5 1,9 4,4 4,2 3,0 - 2,0 - 1,9 - 2,7 Polen 3,6 3,6 3,3 - 0,9 - 0,7 1,1 - 0,2 - 0,7 - 1,6 - 2,6 - 2,9 - 3,0 USA 2,4 1,5 1,7 0,1 1,4 2,0 - 2,4 - 2,4 - 2,6 - 2,4 - 2,9 - 2,9 Japan 0,6 0,2 1,1 0,8 - 0,1 0,8 3,3 3,7 3,2 - 4,0 - 4,0 - 3,8 China 6,9 6,6 6,5 1,4 1,8 1,8 2,8 2,8 2,4 - 3,5 - 4,0 - 4,0 Welt 3,1 3,0 3,4 3,4 4,4 4,7 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2015 2016 2013 2014 2015 2016P 2017P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2P Q3P Q4P BIP 0,3 1,6 1,7 1,7 1,3 0,3 0,4 0,3 0,3 0,7 0,1 0,5 0,4 Privater Konsum 0,6 0,9 2,0 1,8 1,3 0,4 0,1 0,6 0,4 0,4 0,2 0,5 0,4 Staatsausgaben 0,8 1,7 2,5 2,8 1,8 0,4 0,7 1,3 0,9 0,5 0,7 0,8 0,8 Anlageinvestitionen - 1,3 3,5 2,2 2,7 1,2 1,7 - 0,4 - 0,3 1,4 1,8 - 0,5 0,2 0,3 Ausrüstungen - 2,3 4,5 4,8 3,0 0,0 1,9 0,5 - 0,8 1,0 1,9 - 0,5 0,6 0,1 Bau - 1,1 2,9 0,3 3,0 2,2 1,8 - 1,3 - 0,3 2,0 2,3 - 0,9 - 0,2 0,4 Lager, % - Punkte 0,6 - 0,3 - 0,5 0,1 0,0 - 0,1 - 0,3 0,0 0,1 0,1 0,0 0,0 0,0 Exporte 1,6 4,0 5,4 2,5 2,8 1,5 1,8 0,2 - 0,6 1,0 0,8 1,1 0,5 Importe 3,1 3,7 5,8 4,0 3,2 2,1 0,5 1,1 0,5 1,4 1,0 1,1 0,6 Nettoexport, % - Punkte - 0,5 0,4 0,3 - 0,5 0,0 - 0,2 0,6 - 0,3 - 0,5 - 0,1 0,0 0,1 0,0 Konsumentenpreise* 1,5 0,9 0,2 0,5 1,5 0,0 0,5 0,1 0,3 0,3 0,1 0,7 1,1 Arbeitslosenquote, % 6,9 6,7 6,4 6,2 6,6 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,1 6,2 6,4 Industrieproduktion 0,1 1,5 0,5 1,3 Budgetsaldo, % BIP - 0,1 0,3 0,7 0,0 - 0,2 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 77,2 74,7 71,2 69,4 67,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,5 7,3 8,5 8,1 7,6 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 190 213 257 255 247 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen fü hren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Weniger Insolvenzen in der deutschen Industrie — Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/09 stieg die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren in der deutschen Industrie allein 2009 um 48%. Seither sinken die Insolvenzzahlen jedoch tendenziell, sodass 2015 in fast allen Industriebranchen weniger Verfahren eröffnet wurden als 2008. — Für 2016 bestehen gute Chancen, dass sich der Trend fortsetzt. In den letz- ten Jahren hatten die jeweilige Industriekonjunktur sowie – damit zusam- menhängend – die Notierung des Euro gegenüber den Währungen wichti- ger Handelspartner einen großen Einfluss auf die Zahl der Insolvenzen. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hinterließ in der Insolvenz- statistik der deutschen Industrie tiefe Spuren. Allein 2009 stieg hierzulande die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren im Verarbeitenden Gewerbe um 48%. Parallel dazu nahm die inländische Industrieproduktion um real über 17% ab. Im Zuge der raschen gesamtwirtschaftlichen Erholung der Jahre 2010 und 2011 sank die Insolvenzzahl in der deutschen Industrie jedoch wieder deutlich, und zwar um 17% bzw. 13,5%. Dies ging mit einer Expansion der Industrieprodukti- on um real 12% bzw. 8,5% einher. Seither setzt sich das Muster fort, dass in Zeiten mit sinkender Produktionstätigkeit die Insolvenzzahlen in der Industrie tendenziell steigen – und umgekehrt: — So nahm 2012 und 2013 die inländische Industrieproduktion jeweils leicht ab, während sich die Zahl der Insolvenzverfahren geringfügig erhöhte. — 2014 und 2015 war eine entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten: Die Fertigung nahm um 2% bzw. 1,1% zu. Zugleich verminderte sich die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Industrie um 20,5% bzw. 2,7%. Insgesamt lag die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren im hiesigen Verarbei- tenden Gewerbe 2015 um 15% unter dem Niveau von 2008 und um knapp 43% unter dem Wert von 2009. Alles in allem also eine sehr erfreuliche Entwicklung. Es ist wenig überraschend, dass die jeweilige Industriekonjunktur die Insolvenz- zahlen im Verarbeitenden Gewerbe beeinflusst. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt natürlich von vielen Faktoren ab, die damit direkt oder indirekt auch maß- geblich für die Insolvenzzahlen sind. Zu nennen ist der Wechselkurs: So wertete der Euro gegenüber den Währungen der deutschen Handelspartner von Ende 2008 bis Ende 2009 sowie von Mitte 2012 bis Ende 2013 im Durchschnitt um rd. 8% bzw. mehr als 10% auf. Dies verschlechterte die preisliche Wettbewerbsfä- higkeit deutscher Unternehmen im Ausland. Hierin dürfte ein (weiterer) Grund dafür liegen, dass die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren 2009 sowie in den Jahren 2012 und 2013 anstieg. Die Aufwertung des Euro belastete in den be- treffenden Jahren auch die deutschen Exporte. Umgekehrt dürfte die Abwertung des Euro um rd. 13% zwischen Anfang 2014 und Anfang 2015 zu dem erwähnten außerordentlich starken Rückgang der Insolvenzzahlen des Jahres 2014 in der Industrie (-20,5%) beigetragen haben. Auch die Erzeugerpreise haben einen gewissen Einfluss auf die Ertragskraft und letztlich auf die Insolvenzzahlen in der Industrie. Im hier gewählten Betrach- tungszeitraum ist der empirische Zusammenhang jedoch nicht eindeutig. 2009 nahmen die Erzeugerpreise ab – passend zu den steigenden Insolvenzzahlen. Von 2010 bis 2012 erholten sich die Erzeugerpreise wieder und tendieren seit- her leicht nach unten; dagegen ging 2014 und 2015 die Zahl eröffneten Insol- venzverfahren zurück. Setzt man die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren aus der Insolvenzstatistik ins Verhältnis zur Zahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen aus der Um- satzsteuerstatistik, erhält man im Ergebnis eine „Insolvenzquote“. Diese Quote spiegelt die tendenziell positive Entwicklung der letzten Jahre wider. So lag die R² = 0,86 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 - 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 Enger Zusammenhang* 1 * Dargestellt ist die Korrelation für den Zeitraum 2009 bis 2015 ** Maßgeblich sind die eröffneten Insolvenzverfahren Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research X: Reale Produktion im Verarb. Gew., DE, % gg. Vj. Y: Insolvenzverf.** im Verarb. Gew., DE, % gg. Vj. Ausblick Deutschland 4 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Insolvenzquote 2009 bei 1,08%. Bis 2014 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) sank sie auf 0,66%. Unterschiedliche Entwicklung auf Branchenebene Der skizzierte Trend bei den eröffneten Insolvenzverfahren im Verarbeitenden Gewerbe ist auch in vielen deutschen Industriebranchen in Grundzügen zu be- obachten. Gleichwohl gibt es in einzelnen Jahren große Ausschläge bei den Veränderungsraten der Insolvenzzahlen. Diese großen Schwankungen sind zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass die Gesamtzahl der eröffneten In- solvenzverfahren in einzelnen Branchen recht gering ist. Betrachtet man die großen Industriesektoren, fiel im Rezessionsjahr 2009 der Anstieg der Insolvenzverfahren in der Automobilindustrie inklusive Kfz-Zulieferer (+222%), in der Gummi- und Kunststoffindustrie (+88%), im Maschinenbau (85%) sowie in der Metallindustrie (+83%) am größten aus. Im gleichen Jahr waren auch überdurchschnittlich starke Rückgänge der jeweiligen sektor- spezifischen inländischen Produktion zu verzeichnen; in den besonders export- intensiven Sektoren Automobilindustrie und Maschinenbau wirkte die erwähnte Aufwertung des Euro belastend. In allen Branchen folgten – parallel zum Trend im gesamten Verarbeitenden Gewerbe – zwei Jahre mit zum Teil stark sinken- den Insolvenzzahlen. Auffällig ist die abweichende Entwicklung im Ernährungs- gewerbe. Hier nahm die Zahl der Insolvenzverfahren 2009 sogar um knapp 8% ab. Dass die Rezession in Deutschland nicht zu einem Anstieg der Insolvenz- verfahren im Ernährungsgewerbe geführt hat, hängt damit zusammen, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln wenig preiselastisch ist; auch der Wechselkurs ist weniger relevant. Gleichwohl folgte 2010 ein leichter Anstieg der Insolvenz- zahlen in der Branche. In den Jahren 2012 bis 2015 existiert bei der Entwicklung der Insolvenzzahlen über alle Industriesektoren hinweg kein einheitliches Muster. Lediglich der gene- relle Trend zeigt in die gleiche Richtung: 2015 lagen in allen Branchen die Insol- venzzahlen unter dem Niveau von 2009. Dies gilt für die meisten Wirtschafts- zweige auch dann, wenn man die Zahl der Insolvenzen des Jahres 2015 mit dem Wert von 2008 vergleicht. Hier gibt es jedoch einige prominente Ausnah- men. So übertraf in der Automobilindustrie die Zahl der Insolvenzen 2015 das Niveau von 2008 noch immer um gut 43%. Im Maschinenbau waren es gut 8%. In der Metallindustrie lag das Niveau 2015 fast genauso hoch wie 2008. Fairer- weise muss man bei der Beurteilung der Insolvenzzahlen in der Automobilin- dustrie berücksichtigen, dass die absolute Zahl der eröffneten Insolvenzverfah- ren 2015 mit 33 den Wert von 2008 „nur“ um zehn Verfahren übertraf. Ein abschließender Blick auf die Insolvenzquoten des Jahres 2015 zeigt, dass der Maschinenbau unter den großen Industriebranchen mit 0,91% über dem Durchschnitt liegt. Dagegen verzeichnen die Baustoffindustrie (0,36%), die Pharmaindustrie (0,43%) sowie die Chemieindustrie (0,55%) relativ niedrige Insolvenzquoten. Unter dem Strich sind die Spuren der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise in der Insolvenzstatistik der deutschen Industrie inzwischen weitgehend verwischt. Fast alle Sektoren verzeichneten 2015 weniger Insolvenzen als 2008. Für 2016 bestehen gute Chancen, dass die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Indust- rie erneut sinkt. Im 1. Quartal lag die Zahl der eröffneten Verfahren immerhin um knapp 5% unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Gleichwohl bestehen Risiken. Sie liegen u.a. in einer Aufwertung des Euro sowie – damit durchaus zusammenhängend – in einer konjunkturellen Eintrübung; beide Risiken sind nach dem „Brexit-Beschluss“ größer geworden. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Anina-Katharina Thiel - 75 - 50 - 25 0 25 50 Automobilind. Maschinenbau Metallindustrie Elektrotechnik Gummi/Kunststoff Chemieindustrie Ernährungsgew. 2015 gg. 2009 2015 gg. 2008 In vielen Branchen weniger Insolvenzen als vor der Krise 2 Veränderung der Zahl der eröffneten Insolvenz - verfahren in Industriebranchen, DE, % Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 5 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Dynamischeres Wachstum des Hypotheken- kreditvolumens in den kommenden Jahren – makroprudentielle Risiken steigen — Im aktuellen Hauspreiszyklus von 2009 bis heute war trotz rasanter Preis- entwicklung die Dynamik des Neukreditgeschäfts sehr gedämpft. Nur im letzten Jahr stieg über die Sommermonate das Kreditwachstum deutlich – in der Spitze um 50% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie im März dieses Jahres dämpfte dann wieder die Kreditvergabe. Da dieser Rückgang aber hauptsächlich auf umfangrei- che Anpassungsmaßnahmen bei den Kreditinstituten zurückzuführen ist, erwarten wir eine baldige Erholung. — Das aktuelle Immobilien- sowie volkswirtschaftliche Umfeld bleibt günstig. Der Nachfrageüberhang im Wohnungsmarkt ist hoch und in den letzten Jah- ren gewachsen. Entsprechend dynamisch wächst auch die Kreditnachfrage. Das Kreditangebot könnte über weitere geldpolitische Impulse stimuliert werden. So erwarten wir eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über März 2017 hinaus. — Eine schwungvollere Kreditvergabe dürfte mittelfristig die Zinsänderungsri- siken erhöhen. Unter folgenden drei Bedingungen bleiben diese aber be- herrschbar: konservative Tilgungssätze, niedrige Beleihungswerte und ein Neukreditgeschäft das hilft, neuen Wohnraum zu kreieren. Bleibt das Kre- ditwachstum dagegen gering, steigt aufgrund des hohen Nachfrageüber- hangs das Risiko von Überbewertungen und einer Hauspreisblase. Dies gilt insbesondere dann, wenn wenig neue Wohnflächen, sondern hauptsächlich Bestandsobjekte finanziert werden. Entwicklung des Kreditbuchs seit dem Jahr 2009 Der deutsche Hypothekenmarkt ist im aktuellen Hauspreiszyklus von 2009 bis heute vor allem durch das konservative Verhalten von Banken und Kreditneh- mer geprägt. So ist trotz bundesweiter Preissprünge von rund 35% das Kredit- buch nur wenig gewachsen (inflationsbereinigt +5%, nominal 12,5%). Bis 2014 kann man sogar von einem kreditlosen Zyklus sprechen, da die bis dahin leicht anziehende Neukreditvergabe von höheren Tilgungsraten und der Inflation aus- geglichen wurde. Wie schwach das Kreditwachstum war, lässt sich auch am Schuldenstand relativ zum BIP ablesen. So fiel das Hypothekenvolumen relativ zum BIP von 47% im Jahr 2009 auf unter 40% in 2016. Erst 2015 stieg das Vo- lumen der deutschen Hypothekenkredite um 3,5% gegenüber dem Vorjahr durch ein kräftiges Wachstum des Neugeschäfts. Hohe Kreditdynamik im Neugeschäft im Sommer 2015 Wie erwähnt entwickelte sich das Neugeschäft im letzten Jahr rasant – in eini- gen Sommermonaten wuchs es um 50% gegenüber dem Vorjahresmonat. Ge- trieben wurde diese Entwicklung womöglich durch das Absinken der 5- bis 10- jährigen Hypothekenzinsen. So fielen die durchschnittlichen Hypothekenzinsen im Mai 2016 auf das Allzeittief von 1,6% und lagen 2015 bei rund 2% – rund 0,5%-Punkte unter dem Jahresdurchschnitt des Jahres 2014. Eine weitere Ur- sache für das starke Kreditwachstum könnte auch die politische Hängepartie in Griechenland gewesen sein. Diese könnte erneut zu einer Flucht in Sicherheit und zu ausländischen Kapitalzuflüssen in den deutschen Häusermarkt geführt und auch die inländische Kreditvergabe angekurbelt haben. Dazu passt die besonders hohe Preisdynamik im Sommer 2015 – in der Spitze stiegen die Preise um 8% gegenüber dem Vorjahresmonat. 1000 1100 1200 1300 08 09 10 11 12 13 14 15 Inflationsbereinigt Nominal EUR Mrd. +12,5% +5% Hypothekenkredite 1 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 40 80 120 90 94 98 02 06 10 14 Unternehmen und Privatpersonen Hypothekarkredite Deutschland: Kreditvolumen 2 % BIP Quellen: Bundesbank, Deutche Bank Research - 30 0 30 60 08 10 12 14 16 Insgesamt 5 - 10J Laufzeit Neukreditgeschäft 3 % gg. Vj. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 6 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Bremsspuren durch Wohnimmobilienkreditrichtlinie Die am 21. März 2016 in Kraft getretene Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WoKRi) führte bundesweit zunächst zu Vorzieheffekten. So stieg das Neukre- ditgeschäft von Hypothekenkrediten im März auf EUR 22,4 Mrd. – ein Plus von 20% gegenüber Februar. Im April und Mai dagegen war das Neugeschäft deut- lich zurückhaltender und fiel unter EUR 18 Mrd., den niedrigsten Wert seit An- fang 2015. Diese zurückhaltende Entwicklung kommt nicht überraschend, da die WoKRi eine Neugestaltung der Arbeitsabläufe in der Kreditvergabe nötig macht. Vor allem die Neuerung für den Vertrieb mit Sachkundenachweis für die Berater, Trennung zwischen Tippgeber, Kundenvermittlung mit und ohne Bera- tung sowie umfangreiche Informationspflichten dürften zunächst belasten. Eini- ge Pressemeldungen suggerieren dagegen einen dauerhaften Rückgang der Kreditvergabe zum Beispiel an ältere Kreditnehmer 1 . Jedoch dürften in vielen Fällen auch im Rahmen des neuen Regelwerks Lösungen gefunden werden und lediglich ein Lernprozess nötig sein. Anhand des Bank Lending Surveys (BLS) im ersten Quartal konnte man diese Entwicklung bereits frühzeitig erken- nen. Dort wurden von den Umfrageteilnehmern bereits striktere Kreditstandards für das zweite Quartal erwartet. Laut BLS dürften diese auch im dritten Quartal ihre Bremsspuren hinterlassen. Wir vermuten aber, dass im Laufe der zweiten Jahreshälfte die Umstellung auf die WoKRi größtenteils vollzogen ist und dann wieder eine Belebung des Neukreditgeschäfts einsetzt. Argumente für eine Belebung des Neukreditgeschäfts Erstens, mit der Absenkung des EZB-Einlagenzinses auf -0,4% im März dieses Jahres dürfte im aktuellen Banken- und Finanzmarktumfeld wenig Spielraum für weitere Leitzinssenkungen der EZB vorhanden sein. Zweitens, hat die Auswei- tung des EZB-Anleihekaufprogrammes im Juni 2016 von EUR 60 Mrd. auf EUR 80 Mrd. pro Monat dazu beigetragen, die Zinskurve bis zu den 15-jährigen Bun- desanleihen in den negativen Bereich zu drücken. Die niedrigen Zinsen dürften fortbestehen, da wir in den nächsten Monaten eine Verlängerung der Dauer des Anleihekaufprogrammes über März 2017 hinaus erwarten. Drittens, hat die oben beschriebene Kreditdynamik im Sommer letzten Jahres bereits gezeigt wie nichtlinear das Neugeschäft auf sinkende Hypothekenzinsen reagiert (Grafik 6). Bisher blieben im Jahr 2016 die durchschnittlichen Hypothekenzinsen im Neu- kreditgeschäft abermals deutlich unter 2% und lagen im Mai bei 1,6%. Auch das aktuell günstigste Baufinanzierungsangebot, die Topzinsen von Dr. Klein 2 , fallen regelmäßig auf neue Tiefststände und liegen aktuell bei 5-jähriger Sollzinsbin- dung bei 0,7%. Diese Entwicklung dürfte also potenziell das Kreditgeschäft be- leben. Viertens, wie im letzten Jahr während der Griechenlandkrise dürften in diesem Jahr erneut die Krisenmomente Preistreiber sein und damit das Kredit- geschäft stimulieren. Zum Jahreswechsel stieg nach dem Zinsschritt der Fed im Dezember die globale Finanzmarktvolatilität stark an, worauf im Februar die deutschen Hauspreise um 5% gegenüber dem Vormonat stiegen (fast 9% ge- genüber dem Vorjahresmonat). Anschließend blieben bis Mai (letzter beobach- teter Monat) die Hauspreise stabil. Angesichts der erneuten Volatilität in den Finanzmärkten nach dem „Ja“ zum Brexit wäre ein erneutes Anziehen der deut- schen Wohnungspreise – gerade im Großraum Frankfurt – im Juni und Juli nicht überraschend. Diese zahlreichen Argumente lassen uns ein dynamischeres Wachstum des Neukreditgeschäfts erwarten. Diese Belebung dürfte jedoch erst im Laufe des zweiten Halbjahres sichtbar werden, da zunächst die WoKRi dämpfend wirkt. 1 IW Köln (2016), “Wir sehen immer nur die Risiken“ 2 Siehe www.drklein.de 15 19 23 27 Jan 15 Jan 16 EUR Mrd. Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Vorzieheffekt vor Einführung der Wohnimmobilien - kreditrichtlinie im März : EUR 22,4 Mrd. Monatliche Neukreditvergabe 4 1 2 3 4 5 150 175 200 225 250 2010 - 2015 2016 Prognose Zinsen und Neukreditgeschäft 5 y - Achse: Hypothekenzinsen in % x - Achse: Neugeschäft in EUR Mrd. pro Jahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 7 0 7 14 08 09 10 11 12 13 14 15 16 gegenüber dem Vormonat gegenüber dem Vorjahresmonat Quellen: Hypoport, Deutsche Bank Research % Monatliche Hauspreise: Wachstum 7 1 2 3 4 5 6 9 12 15 18 21 24 27 2004 - 2007 2008 - 2010 2011 - 2013 2013 - 2016 LATEST Rasante Entwicklung bei neuen Wohnbaukrediten 6 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research x - Achse: Neugeschäft Wohnbaukredite in EUR Mrd. pro Monat, y - Achse: Zinsen in % Ausblick Deutschland 7 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Auswirkungen auf das Kreditbuch bis zum Jahr 2020 Den 247.700 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2015 steht eine deutlich höhe- re Nachfrage gegenüber. Der Nachfrageüberhang dürfte also abermals gestie- gen sein und sein Abbau noch mehrere Jahre dauern. Angesichts der guten Wirtschaftsdynamik, insbesondere der starken Beschäftigungsentwicklung und niedrigen Arbeitslosenraten, dürfte die Arbeits- und Flüchtlingsmigration nach Deutschland anhalten. Insbesondere junge Arbeitskräfte dürften unsere Ju- gendarbeitslosenrate von 7% als ein Versprechen für eine bessere Zukunft er- achten. Zum Vergleich: die Jugendarbeitslosenraten in Portugal, Italien, Kroati- en, Spanien und Griechenland liegen zwischen 30% und 50% und selbst in Frankreich ist sie mit 23,5% mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland. Folg- lich bleiben die Migrationsströme nach Deutschland wohl bestehen und die Wohnnachfrage steigt weiter – manche Studien ermitteln einen Baubedarf von fast 500.000 Wohnungen pro Jahr. 3 Angesichts der entsprechend hohen Kredit- nachfrage hängen die künftige Entwicklung des Kreditvolumens und die damit einhergehenden makroprudentiellen Risiken vor allem von der Kreditvergabe der Banken ab. Grundsätzlich halten wir es dabei für sinnvoll, drei Szenarien zu unterscheiden. (1) Im ersten Szenario weiten die Banken das Kreditangebot massiv aus, ver- geben aber vor allem Kredite zum Kauf von Bestandsobjekten. In diesem Szenario baut sich der Nachfrageüberhang im Wohnungsmarkt nicht ab. Die Preisdynamik wird durch die Kreditvergabe angeheizt, wodurch das Ri- siko für Überbewertungen und gegen Ende des Jahrzehntes dann auch für Hauspreisblasen weiter steigt. Entsprechend würden auch die makroprudentiellen Risiken für das Kreditbuch der Banken steigen. (2) Im zweiten Szenario bleiben die Banken risikoavers und weiten das Kredit- angebot nicht aus. Dies begrenzt zwar kurzfristig die Risiken in den Kredit- büchern, verursacht aber womöglich einen Katapulteffekt. Denn der Nach- frageüberhang im Wohnungsmarkt dürfte sich so weiter aufbauen, entspre- chend erhöht sich der Preisdruck und das Risiko von Überbewertungen und am Ende des Jahrzehntes einer Hauspreisblase steigt deutlich an. (3) Im dritten Szenario tragen die Banken durch eine stärkere Kreditvergabe zur Ankurbelung des Neubaus bei und helfen damit den Nachfrageüber- hang im Wohnungsmarkt zu reduzieren. Der Druck auf die Hauspreise und das Risiko massiver Überbewertungen sinkt. Allerdings steigen in diesem Szenario die Zinsänderungsrisiken. Denn über Jahre niedrige Kapitalmarkt- zinsen reduzieren in Deutschlands Kreditbuch sukzessive den durchschnitt- lichen Hypothekenzins. Womöglich fallen am Ende des Jahrzehntes die durchschnittlichen Hypothekenzinsen sogar unter 2% von aktuell wohl rund 4-5%. Durch kräftige Zinserhöhungen könnten sich dann potenziell makroprudentielle Risiken realisieren. Diese drei Szenarien beschreiben die grundsätzlichen Weichenstellungen, de- nen sich Banken und Regulierer gegenübersehen. Das aus makroprudentieller Sicht günstigste Szenario ist vermutlich das Dritte. Denn höhere Zinsänderungs- risiken sind relativ zu den durch eine Hauspreisblase hervorgerufenen Risiken eher verkraftbar. Dies gilt besonders für Deutschland, da der Großteil der ver- gebenen Kredite weiterhin mit fester Zinsbindung und zu langen Laufzeiten er- folgt. Negative Auswirkungen von höheren Zinsänderungsrisiken auf Bankbilan- zen können durch konservative Mindesttilgungssätze und Beleihungswerte re- duziert werden. Banken und Regulierer sollten dabei ihr Augenmerk darauf rich- ten neue Wohnflächen zu finanzieren, um den Preisdruck im Wohnungsmarkt abzubauen. Im aktuellen fast kreditlosen Zyklus ist dies womöglich die wichtigs- 3 Witkowski, Ehing und Raffelhüschen (2016). „Zur Wirkung der „Flüchtlingskrise“ auf die langfristi- ge Wohnimmobiliennachfrage in Deutschland“. 0 20 40 60 91 96 01 06 11 16 DE ES FR GR IT PT HR Jugendarbeitslosigkeit 8 % Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research 100 400 700 90 95 00 05 10 15 20 Anzahl Wohnungen Wohnbedarf laut Witkowski, Ehing und Raffelhüschen (2015) Baufertigstellungen vs. Wohnbedarf 9 '000 Quelle: Statistisches Bundesamt 50 100 150 200 250 09 10 11 12 13 14 15 16 Bestandsobjekte neue Flächen Neukreditvergabe: Finanzierung neuer Wohnflächen vs. Bestandsobjekte 10 2009=100 Quellen: Bundesbank, Hypoport, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 8 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen te makroprudentielle Kennzahl, denn nur durch die Finanzierung neuer Wohn- flächen kann der Preisdruck abebben. Die Kreditvergabe zum Kauf von Be- standsobjekten wirkt dagegen preistreibend. Hier könnte auch die offizielle Kre- ditstatistik verbessert werden, denn sie weist in ihrer monatlichen Statistik ledig- lich das gesamte Neukreditgeschäft aus. Unseren eigenen Berechnungen zu Folge ist die Finanzierung neuer Wohnflächen im aktuellen Zyklus sukzessive gestiegen und lag 2015 mit mehr als EUR 40 Mrd. doppelt so hoch wie im Jahr 2009. Damit liegt der Anteil aber nur bei 20% des gesamten Neugeschäfts (Gra- fik 12). Der Großteil der Kreditvergabe erfolgt weiterhin zur Finanzierung von Bestandsobjekten und trägt deshalb eher zu weiteren Preissteigerungen bei. Zusammenfassung Es gibt gute Gründe eine dynamischere Kreditentwicklung für die kommenden Jahre zu erwarten. Kurzfristig dürften die lockere Geldpolitik und durch die er- höhte Unsicherheit ausgelöste Kapitalflüsse in sichere Häfen weitere Impulse setzen, wenngleich aktuell durch die Einführung der Wohnimmobilienkreditricht- linie (WoKRi) temporär dämpfende Effekte vorhanden sind. Langfristig, also in den kommenden Jahren, dürfte der hohe Nachfrageüberhang am Wohnungs- markt die Kreditvergabe kräftig ankurbeln. Die dadurch potenziell entstehenden makroprudentiellen Risiken dürften auch bei weiter steigenden Preisen, insbe- sondere unter folgenden drei Bedingungen, beherrschbar bleiben: konservative Tilgungssätze, niedrige Beleihungswerte und ein Neukreditgeschäft, das hilft neuen Wohnraum zu kreieren. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 0 100 200 300 09 10 11 12 13 14 15 16 Bestandsobjekte neue Flächen Neukreditvergabe: Finanzierung neuer Wohnflächen vs. Bestandsobjekte 11 EUR Mrd. Quellen: Bundesbank, Hypoport, Deutsche Bank Research 0 25 50 75 100 09 10 11 12 13 14 15 16 Bestandsobjekte neue Flächen Neukreditvergabe: Finanzierung neuer Wohnflächen vs. Bestandsobjekte 12 Quellen: Bundesbank, Hypoport, Deutsche Bank Research % Ausblick Deutschland 9 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Wohnungsmarkt kurzfristig attraktiver als der Büromarkt, langfristige Preis- und Mietkonvergenz wahrscheinlich — Im aktuellen Zyklus von 2009 bis heute stiegen die Wohnungsmieten kräfti- ger als die Büromieten. Der große Nachfrageüberhang im Wohnungsmarkt einerseits und der recht hohe Leerstand im Büromarkt andererseits können diese Divergenz erklären, die kurzfristig fortbestehen dürfte. — Langfristig dürften sich Wohnungs- und Büromieten aber ähnlich entwickeln, da sowohl auf beiden Märkten gemeinsam wirkende Faktoren als auch Substitutionseffekte die Existenz eines gemeinsamen Gleichgewichts nahe- legen. Angesichts des hohen Nachfrageüberhangs im Wohnungsmarkt und aufgrund von Konversionen und Umnutzungen dürften auch die Büroflächen in den kommenden Jahren knapper werden. Folglich ist ein kräftigeres Mietwachstum im Büromarkt zu erwarten, das dann zeitweilig über dem Mietwachstum im Wohnungsmarkt liegen könnte. — Aktuell liegen in vielen deutschen Städten die Wohnungsmieten über den Bürodurchschnittsmieten außerhalb der Innenstadt, während seit der Wieder- vereinigung meistens die Büromieten teurer waren. Daher dürfte eine Anglei- chung wohl hauptsächlich über stärker steigende Büromieten erfolgen. Wechselbeziehung zwischen Wohnungs- und Büromarkt Die globale Finanzkrise im Jahr 2008 hatte ihren Ursprung im US-Häusermarkt. In den USA fielen jedoch nicht nur die Hauspreise massiv, sondern mit einigem zeitlichen Abstand auch die Preise für Büroimmobilien. Ähnlich starke Bewe- gungen in beiden Immobilienmärkten waren auch in europäischen Ländern zu beobachten. Doch nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in normalen Konjunk- tur- und Immobilienzyklen gibt es tendenziell eine gleichlaufende Entwicklung. Dabei kann man folgende Wechselbeziehungen zwischen Wohnungs- und Bü- romarkt beobachten: 1. Langfristige Konvergenz von Miet- und Preisveränderungen 2. Kurzfristig unterschiedliche, auch gegenläufige Dynamiken möglich 3. Viele regionale und lokale Sondereffekte – Beispiel: Unistädte. 1. Ursachen für langfristige Konvergenz Ursächlich für die langfristige Konvergenz sind vor allem auf beiden Märkten gemeinsam wirkende Faktoren. Im aktuellen Immobilienzyklus von 2009 bis heute erhöhte das makroökonomische Umfeld, wie eine gute Beschäftigungsla- ge und steigende Löhne, in beiden Märkten die Nachfrage. Gleiches gilt für die Kreditdynamik und die Finanzierungsbedingungen. Das gestiegene Interesse an Immobilien als Anlageklasse von institutionellen Investoren, Versicherungen und Pensionsfonds dürfte risikobereinigt zu ähnlichen Renditeerwartungen und damit auch zu ähnlichen Miet- und Preisveränderungen im Wohn- und Büro- markt beitragen. Das wirtschaftspolitische Umfeld und die aktuell verfolgten generellen Regulierungsgrundsätze unterstützen ebenfalls einen Gleichlauf der beiden Märkte. Neben den gemeinsam wirkenden Faktoren tragen auch Substi- tutionseffekte zur langfristigen Konvergenz der Märkte bei. Im aktuellen Zyklus haben viele Städte durch Umnutzung und Konversion von Gewerbeimmobilien zusätzlichen Wohnraum geschaffen. Entsprechend sanken durch die hohe Nachfrage nach Wohnraum auch die Leerstände im Büromarkt. Die Knappheit -10 -5 0 5 10 15 91 95 99 03 07 11 15 Büro Wohnen 1991-2015 Deutschland: Mietveränderungen 1 % gg. Vj. Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research 100 150 200 250 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Gewerbeimmobilien Häuser 2000=100 Quellen: GSA, Case&Shiller, Deutsche Bank Research 2000-2016 USA: Immobilienpreise 2 800 1600 2400 3200 90 95 00 05 10 15 Bestandswohnungen Büro, außerhalb der Innenstadt Büro, Innenstadt EUR pro qm 1990-2015 Deutschland: Büro- und Wohnungspreise 3 Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 10 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen an Bauland ist aktuell wohl einer der wichtigsten Preistreiber für beide Märkte. Die Anreize, ungenutztes Bauland möglichst gewinnbringend zu bebauen, er- höhen das Angebot im teureren Markt, was über reduzierten Preisdruck zur langfristigen Konvergenz der Märkte beiträgt. Zu guter Letzt wirken auch beim Bauen selbst Substitutionseffekte, denn Arbeitskräfte und Maschinen, die Woh- nungen bauen, bauen keine Büros. Gemeinsame Faktoren und Substitutionsef- fekte benötigen zur Annäherung an ein Gleichgewicht tendenziell viele Jahre. Dies liegt auch an den zahlreichen regulatorischen und gesetzlichen Eingriffen in erster Linie im Wohnungsmarkt. Beispielsweise dämpften bereits vor Einfüh- rung der Mietpreisbremse die Mietspiegel und die ortsübliche Miete die Mieter- höhungen im Wohnungsmarkt. 2. Ursachen für kurzfristige Divergenz Den Argumenten für eine langfristige Konvergenz stehen eine Reihe kurzfristig wirkender Faktoren gegenüber. Die für alle Immobilienmärkte typische geringe Angebotselastizität führt aufgrund einer temporär unterschiedlich starken Büro- und Wohnnachfrage quasi zwangsläufig zu zyklischen Divergenzen. Zum Bei- spiel erhöhen Zuwanderer, die erst nach langer Ausbildung am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zunächst die Wohnnachfrage stärker als die Büronachfrage. Folglich steigen die Wohnungsmieten kräftiger als die Büromieten, bis nach einigen Jahren das Wohnungsangebot die Nachfrage übertrifft und der Miet- druck abebbt. Gleichzeitig ist der Qualifizierungsgrad der Zuwanderer potenziell gestiegen und erhöht nun die Büronachfrage. Die Mietdynamik im Büromarkt übertrifft dann womöglich das Wachstum im Wohnungsmarkt und die kurzfristig bestehenden Divergenzen bauen sich ab oder kehren sich sogar um. 3. Viele regionale und lokale Sonderfaktoren Gerade in den Wohn- und Büroimmobilienmärkten einzelner Städte können über die allgemeinen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Märkten hinaus auch regional- und stadtspezifische Besonderheiten auftreten. Solche waren beispielsweise nach der Wiedervereinigung in vielen ostdeut- schen Städten zu beobachten. So gab es von 1991 bis 2015 immerhin 13 Städ- te, in denen Wohnungs- und Büromieten eine negative Korrelation und damit eine langfristige Divergenz aufwiesen (Grafik 6). Dies ist zum Teil auf Sonderef- fekte nach der Wiedervereinigung zurückzuführen. Im ostdeutschen Woh- nungsmarkt gab es hohe Mietsteigerungen. Beispielsweise stiegen die Woh- nungsmieten von 1991 bis 2015 in Dresden, Greifswald und Leipzig mit 5% pro Jahr und in Potsdam sogar mit 6% pro Jahr. Aufgrund der im Osten sehr niedri- gen Mieten wurden Übergangsregelungen getroffen, um noch höhere Mietpreis- steigerungen zu vermeiden. Die Büromieten fielen gleichzeitig nahezu kontinu- ierlich. Hier verursachte der Niedergang der ostdeutschen Industrie und der staatlich geförderte Bauboom hohe Leerstände im Büromarkt. Bundesweit lag die durchschnittliche Korrelation über 126 Städte (alle bulwiengesa-Städte) zwi- schen Wohnungs- und Büromieten von 1991 bis 2015 deutlich im positiven Be- reich (Mittelwert: 0,4). Im aktuellen Zyklus von 2009 bis heute ist sie erwar- tungsgemäß geringer (0,12), was die aktuelle kräftige Dynamik im Wohnungs- markt und schwächere Dynamik im Büromarkt widerspiegelt. - 1 0 1 2 3 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Wohnungsmieten Büromieten 18 Unistädte vs. Deutschland: Differenz der Mietveränderungen 4 % gg.Vj. Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 04 06 08 10 12 14 Unistädte Deutschland % des Bestandes Quellen: Bulwiengesa, Deutsche Bank Research 18 Unistädte vs. Deutschland: Fertiggestellte Wohnungen 5 0 4 8 12 16 - 1 - 0,5 0 0,5 1 2009 - 2015 1991 - 2015 y - Achse: Anzahl Städte x - Achse: Korrelation Quellen: Bulwiengesa, Deutsche Bank Research Histogramm: Korrelationen zwischen Wohn - und Büromieten 6 5,0 2,8 0 2 4 6 Wohnfläche Bürofläche Mio. qm Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 2015 Neubau: Wohn - vs. Bürofläche 7 Ausblick Deutschland 11 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Aktuelles Beispiel für lokale Sonderfaktoren: Unistädte In den letzten Jahren konnte in den Unistädten 4 ebenfalls eine besondere Situati- on – verursacht durch die hohe Wohnnachfrage der Doppelabiturjahrgänge – beobachtet werden. In diesen Städten stieg in Folge der Doppelabiturjahrgänge der Zuzug um 50% jährlich an (Mittelwert 2011-2014: 180.000 pro Jahr vs. 1990- 2010: 115.000 pro Jahr) und auch die Zahl der Studienanfänger wuchs um mehr als 35% pro Jahr (Mittelwert 2011-2013: 82.300 pro Jahr, 2000-2010: 60.700 pro Jahr). Entsprechend legten die Wohnungsmieten in den Unistädten relativ zu Deutschland insgesamt überproportional zu. In den Jahren 2011 bis 2014 stiegen sie in den Unistädten mit durchschnittlich 5 ¼% pro Jahr schneller als in Deutsch- land (4 ¼% pro Jahr). 2015 gab es keinen weiteren Doppelabiturjahrgang und die Nachfrage normalisierte sich wieder. Erwartungsgemäß blieb die Büronachfrage von diesen Entwicklungen nahezu unberührt und die Büromieten entwickelten sich in den Unistädten durchschnittlich (Grafik 4). Der Druck auf die Wohnungs- mieten in den Unistädten war auch aufgrund einer regen Bautätigkeit von kurzer Dauer. Seit 2010 wurden jährlich 0,8% des Wohnungsbestandes fertiggestellt, während der deutsche Durchschnitt 0,5% betrug. In den Unistädten befriedigten dabei auch Konversionsprojekte die hohe Wohnnachfrage. Angebotsvergleich von Büro- und Wohnungsmarkt Folgende Charakteristika der Erstellung von Büro- und Wohnraum lassen sich aus der Historie seit der Wiedervereinigung ableiten (Grafiken 7 bis 11): Ers- tens, in absoluten Zahlen übertrifft die neu gebaute Wohn- die Bürofläche deut- lich. So wurden 2015 bundesweit 5,0 Millionen Quadratmeter Wohnfläche und 2,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche fertiggestellt. Zweitens, relativ zum Be- stand wurden deutlich mehr Büroflächen neu gebaut. Im Jahr 2015 steht einem Plus von rund 1% bei den Büroflächen eine geringe Ausweitung des Wohnan- gebots von nur 0,6% gegenüber. Als Faustregel gilt: Relativ zum Bestand wird jedes Jahr ungefähr doppelt so viel Büro- wie Wohnraum fertiggestellt. Eine kürzere Lebensdauer von Büros und speziellere Mieterwünsche erklären den Unterschied zum Teil. Aber auch Fehlanreize und -einschätzungen nach der Wiedervereinigung verursachten ein Überangebot. Drittens, die kürzere Le- bensdauer von Büros erklärt auch die höhere Reagibilität auf das wirtschaftliche Umfeld. Sowohl nach der Wiedervereinigung, als auch Ende der 1990er Jahre stieg das neu geschaffene Büroangebot zügig an. Der Wohnbau reagiert dage- gen deutlich langsamer auf wirtschaftliche Veränderungen. Viertens, neue Büro- flächen entstehen besonders in den Großstädten, neue Wohnungen dagegen hauptsächlich in ländlichen Regionen und Kleinstädten. 2015 wurden rund ein Drittel der Büroflächen in den A-Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) und mehr als 45% in den B-, C-, und D- Städten fertiggestellt. Der Wohnbau fand dagegen zu gut zwei Dritteln in kleine- ren Städten und der ländlichen Region statt, während in den A-Städten nur rund 15% und in den B-, C-, und D-Städten zusammen rund 20% des jährlichen bun- desweiten Neubaus erfolgte. In dieser regionalen Verteilung spiegelt sich auch die geringe Angebotselastizität des Wohnraums wider, denn trotz rasanter Preisdynamik stieg der Anteil der wichtigsten 126 Städte (ABCD-Städte) am bundesweiten Neubau in den letzten Jahren nur geringfügig. Aufgrund des hohen Nachfrageüberhangs und der sehr geringen Leerstände im Wohnungsmarkt (bundesweit lag der CBRE Leerstandsindex bereits 2014 bei 3%, in vielen großen Städten deutlich unter 1%) erfolgten in vielen Städten 4 Zu diesen Städten zählen wir Gießen, Marburg, Tübingen, Erlangen, Würzburg, Göttingen, Darm- stadt, Passau, Jena, Regensburg, Aachen, Greifswald, Konstanz, Mainz, Siegen, Trier, Bamberg, Bayreuth - alle mit Studentenquoten von über 18% relativ zur Einwohnerzahl. 0,0 1,0 2,0 3,0 91 95 99 03 07 11 15 Büro Wohnungen in % des Bestandes Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research Deutschland: Neubauquoten 8 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 90 95 00 05 10 15 A B C D Mio. qm Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research ABCD - Städte: Neue Büroflächen 9 0 10 20 30 40 Büro Wohnen in % Deutschland Quellen: Riwis, Staistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 2015 Neubau: Bedeutung der A - Städte 10 0 4 8 12 90 95 00 05 10 15 A - Städte Deutschland Büro: Leerstandsquoten 11 Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research % Ausblick Deutschland 12 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Konversionen und Umnutzungen von Büro- zu Wohnraum. Dadurch und auf- grund des eher gedämpften Neubaus im Büromarkt sinken die Büroleerstände. Zu Beginn des Zyklus lagen die Büroleerstandsquoten bei rund 10% in den A- Städten und 8% in Deutschland. 2015 lagen die Leerstandsquoten sowohl in den A-Städten als auch in Deutschland insgesamt bei 6%. Setzt sich der Immo- bilienzyklus noch einige Jahre fort, dürften die Büroleerstände dann auch unter den Sockelleerstand fallen (den Praktiker oft auf 5% beziffern) und einen erheb- lichen Neubaubedarf auslösen. Dieser dürfte aber regional ungleich verteilt sein, denn in Berlin, München und Stuttgart liegen die Leerstandsquoten deutlich unter 5%, in Frankfurt am Main dagegen sind sie immer noch zweistellig. Ur- sächlich hierfür sind in erster Linie Überkapazitäten am Stadtrand und die seit der Finanzkrise eher sinkende Zahl an Bankangestellten. Nachfrage nach Büroflächen dürfte anziehen Das „Ja“ zum Brexit dürfte die Nachfrage nach Büroflächen in erster Linie im Großraum Frankfurt erhöhen und damit zu einem Abbau der Überkapazitäten beitragen. Das bundesweite Angebot dürfte künftig aber auch deshalb knapper werden, weil die Büronachfrage insgesamt weiter anzieht. In vielen Städten legte die Zahl der Beschäftigten im aktuellen Zyklus von 2009 bis 2015 kräftig zu. In den Großstädten war die Beschäftigungsdynamik mit +14% besonders hoch und lag über dem bundesweiten Zuwachs (+12%). Auch 2016 setzt sich diese Entwicklung fort. Im Mai stieg die Zahl der Beschäftigten um 1,3% gg. Vj. (auf 43,5 Mio.) und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sogar um 2,2% (auf 31,3 Mio.). Die gute Inlandskonjunktur dürfte dabei die Zahl der Büro- beschäftigten etwas überproportional erhöhen. Auch aufgrund des relativ zu anderen Ländern kleineren Dienstleistungssektors könnte es Aufholeffekte ge- ben. So sind in Deutschland nur 70% der Beschäftigten im Dienstleistungssek- tor tätig, während die Quote in unseren Nachbarländern Belgien, Frankreich und den Niederlanden bei 75% und in Großbritannien bei fast 80% liegt. Gleichgewicht zwischen Büromarkt und Wohnungsmarkt Die oben genannten Gründe für eine langfristige Konvergenz zwischen Büro- und Wohnungsmärkten implizieren die Existenz eines Gleichgewichts, also ei- nes langfristigen Verhältnisses der Ertragschancen, bei dem Investoren zwi- schen beiden Märkten indifferent sind. Eine umfassende Analyse eines solchen Gleichgewichts bedarf langer, mehrere Zyklen umfassende Zeitreihen über Mie- ten und Preise sowie risikobereinigte Renditeentwicklungen und erklärende Variablen. Der Einfachheit halber vergleichen wir hier die Mieten. Dabei sind am ehesten folgende Wohn- und Büromärkte vergleichbar: die Wiedervermie- tungsmieten im Wohnungsmarkt und die durchschnittlichen Büromieten außer- halb der Innenstadt. Die Grafiken 14 und 15 zeigen die deutlich über den Woh- 40 50 60 70 80 GB SE CA DK BE NO ES FR NL IR CH FI DE AT IT PT RU HU HR BG SK MY SI CZ PO PH TR TN MK AZ IR ID RO Beschäftigung im Dienstleistungssektor 12 in % der Gesamtbeschäftigung Quellen: Weltbank, Deutsche Bank Research 0 4 8 12 16 DE A - Städte B - Städte C - Städte D - Städte 2009 - 2015: Soz.vers.pfl. Beschäftigte in Deutschland und ABCD - Städten 13 %, Veränderung seit 2009 Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 90 95 00 05 10 15 Wohnungen, Wiedervermietung Büromieten außerhalb der Innenstadt Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research EUR pro qm Westdeutschland: Durchschnittsmieten 14 0 2 4 6 8 10 90 95 00 05 10 15 Wohnungen, Wiedervermietung Büromieten außerhalb der Innenstadt EUR pro qm Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research Ostdeutschland: Durchschnittsmieten 15 Ausblick Deutschland 13 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen nungsmieten liegenden Büromieten im Jahr 1990. Während im Westen die Bü- romieten rund 2 Euro pro Quadratmeter über den Wohnungsmieten lagen, war die Differenz im Osten doppelt so hoch. Anschließend konvergierten Büro- und Wohnungsmieten im Osten wie im Westen. Die Konvergenz wurde dabei so- wohl von eher steigenden Wohnungsmieten als auch von meist seitwärts lau- fenden oder fallenden Büromieten getrieben. Der Bauboom in den 1990er Jah- ren verursachte angesichts der zunächst enttäuschenden wirtschaftlichen Ent- wicklung in Ostdeutschland ein großes Überangebot an Büroflächen und redu- zierte damit den Spielraum für Mieterhöhungen. Im aktuellen Zyklus stiegen die Wohnungsmieten dynamischer als die Büromieten, sodass die Wohnungsmie- ten im Westen wie im Osten nun fast 10% über den Büromieten liegen. Auf- grund des hohen Nachfrageüberhangs im Wohnungsmarkt und des Angebots- überschusses im Büromarkt dürften momentan die Entwicklungen weiter diver- gieren – die Wohnungsmieten also stärker wachsen als die Büromieten. In den kommenden Jahren könnte aber mit knapper werdenden Büroflächen ein Auf- holen im Büromarkt einsetzen. Die geringeren Leerstände im Büromarkt haben bereits die Mietdynamik erhöht. 2016 verzeichneten die durchschnittlichen Bü- romieten außerhalb der Innenstadt mit 4% gegenüber dem Vorjahr den stärk- sten Anstieg seit dem Jahr 2000. Entsprechend der historischen Entwicklungen und beschriebenen Dynamiken dürften die Gleichgewichtsmieten im Wohnungs- und Büromarkt ähnlich hoch sein. Vergleich verschiedener Büromärkte und Stadtteillagen Die hier gemachten Aussagen für die durchschnittlichen Büromieten außerhalb der Innenstadt dürften grundsätzlich auch für andere Stadtteillagen gelten. Die Riwis-Datenbank (Regionales Immobilien-Wirtschaftliches Informations-System) von bulwiengesa enthält neben den Durchschnitts- auch die Spitzenmieten au- ßerhalb der Innenstadt und ebenso die Durchschnitts- und Spitzenmieten für die innerstädtische Lage. Grundsätzlich kann man für alle vier Zeitreihen deutsch- landweit einen hohen Gleichlauf feststellen. So liegen von 1990 bis 2015 die Korrelationen untereinander über 0,8 und relativ zur Wiedervermietung im Woh- nungsmarkt zwischen 0,6 und 0,7. Eine Ausnahme stellen die Spitzenmieten in innerstädtischer Lage dar, deren Korrelation mit den Wohnungsmieten aber mit 0,5 immer noch beträchtlich ist. Ganz ähnliche Korrelationen ergeben sich auch bei einem Vergleich der Wohnungs- und Büromieten in den A-Städten. Entspre- chend dürften unsere Aussagen über langfristige Konvergenz von Büro- und Wohnungsmieten für alle Stadtteillagen zutreffen. Zusammenfassung Wegen der hohen Nachfrage stiegen die Wohnungsmieten in den letzten Jah- ren recht dynamisch an, während die hohen Überkapazitäten das Mietwachs- tum im Büromarkt dämpfte. Aufgrund der guten Konjunkturlage und durch Kon- versionen und Umnutzungen sind jedoch auch im Büromarkt die Leerstände in vielen Städten gesunken. Entsprechend dürften die Büromieten bei weiter fal- lenden Leerstandsquoten in einigen Jahren deutlich dynamischer wachsen als heute und dann womöglich sogar stärker als die Wohnungsmieten. Matthias Gnewuch Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 0 5 10 15 20 90 95 00 05 10 15 Innenstadt Spitzenmieten Innenstadt Durchschnittsmieten Stadtrand Spitzenmieten Stadtrand Durchschnittsmieten Wohnen Wiedervermietung 1990-2015 Deutschland: Büromieten 16 EUR pro qm Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research 0 8 16 24 32 90 94 98 02 06 10 14 Innenstadt Spitzenmieten Innenstadt Durchschnittsmieten Stadtrand Spitzenmieten Stadtrand Durchschnittsmieten Wohnen Wiedervermietung 1990 - 2015 A - Städte: Büromieten 17 EUR pro qm Quellen: Riwis, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 14 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen EZB: Bereit, willens und fähig — Europa hat sich, mit der Entscheidung des Vereinigten Königreiches die EU zu verlassen, verändert und es wäre falsch anzunehmen, dass der Euro da- von nicht beeinflusst würde. EZB Präsident Draghi verhielt sich bei der letz- ten Pressekonferenz sehr geschickt. Er war ruhig, wie es ein Zentralbank- gouverneur angesichts gestiegener Unsicherheit sein sollte, und zuversicht- lich darüber was seine Geldpolitik erreicht hat und noch erreichen kann – falls nötig. Die Tür für eine weitere geldpolitische Lockerung ist geöffnet, aber es gab kein Signal, dass Draghi derzeitig beabsichtigt diesen Schritt zu machen. — Dagegen hat Draghi mehr Aktivitäten im strukturellen Bereich eingefordert, wo es noch zu viele Baustellen gibt. Beispielsweise würde ein Markt für not- leidende Kredite (NPLs) helfen, das NPL-Problem zu lösen. Auch staatliche Kapitalspritzen könnten hier hilfreich sein. Damit würde sich dann der geld- politische Transmissionsmechanismus verbessern. Draghi unterstrich auch seine Forderung nach entschlosseneren wirtschaftlichen Strukturreformen. — Unsere Erwartungen sind unverändert. Nach dem Referendum sind die Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Erholung und die Normalisierung der Inflation zwar gestiegen. Eine Absenkung des Einlagezinssatzes würde den Druck auf die Gewinnmargen der Banken aber weiter erhöhen. Das Ver- trauen der EZB in ihr QE-Programm ist unerschüttert, und wir erwarten eine Ausweitung des Programms um 9-12 Monate. Diese Ankündigung in Ver- bindung mit weiteren Maßnahmen zur Erweiterung des Pools berechtigter Wertpapiere dürfte im September erfolgen. Dabei dürfte eine deutliche Auf- weichung des Kapitalschlüssels eine eher unwahrscheinliche Option sein. Weniger taubenhaft als es möglich gewesen wäre Zufrieden mit der Stabilität des Finanzsystems post Brexit: Die ruhige Reaktion der Finanzmärkte und der Banken in der Eurozone auf die gestiegenen Unsi- cherheiten nach dem Brexit Referendum dürfte die EZB erfreut haben. Sie schätzt die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone auch nach dem Brexit noch als stark unterstützend ein. Fortbestehende Unsicherheiten: Mario Draghi beschrieb die konjunkturelle Er- holung der Eurozone als andauernd, wenn auch mit einem geringeren Tempo und gestiegenen Risiken. Dies entspricht seiner Einschätzung vor dem Brexit- Referendum. Allerdings gab es einen neuen und stärkeren Verweis auf „große Unsicherheiten“, insbesondere mit Blick auf die Geopolitik. Diese sind schwieri- ger zu modellieren als beispielsweise der Außenhandelskanal. Draghi bestätigte die erste Einschätzung der EZB, dass der Brexit zu einem um 0,2-0,5 Prozent- punkte niedrigeren BIP-Wachstum innerhalb der nächsten drei Jahre führen könnte, betonte aber die Unsicherheit derartiger Einschätzungen. Unsere eige- ne Einschätzung liegt bei 0,8%-Punkte. Bessere Entscheidungsbasis im September: In der Presseerklärung wird auf die zusätzlichen Informationen – unter anderem die neuen Projektionen des Stabes – verwiesen, die bei der nächsten Sitzung Anfang September vorliegen werden. In Verbindung mit der früheren Botschaft, dass “falls nötig die EZB mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten tätig werden wird“ vermittelt dies den Eindruck, dass die Septembersitzung schon früher ein realistischerer Zeitpunkt für weitere Lockerungsschritte gewesen ist. Das NPL-Problem muss adressiert werden: Eine effizientere Transmission der Geldpolitik durch das Bankensystem setzt voraus, dass das NPL-Problem ge- löst wird. Draghi vertrat die Ansicht, dass die Regeln für staatliche Beihilfen und Ausblick Deutschland 15 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen ähnliches genügend Flexibilität aufweisen, aber dass deren Interpretation letzt- lich Zuständigkeit der EU-Kommission sei. Draghi skizzierte die Elemente einer umfassenderen NPL-Strategie: ein konsistenter Ansatz der Aufsicht, ein funktio- nierender Markt für NPLs und Maßnahmen der Regierungen, von der Schaffung eines Marktes für NPLs über Reformen des Insolvenzrechtes bis hin zu mögli- chen staatlichen Stützungsmaßnahmen, um Notverkäufe im Falle extremer Um- stände zu vermeiden. Allerdings haben wir nichts darüber gelernt, wie die Situa- tion in Italien kurzfristig adressiert werden könnte, falls dies überhaupt der Fall sein wird. Die Gewinne der Banken und nicht ihre Insolvenz sind das Problem: In den letzten Monaten hat die EZB die Auffassung vertreten, dass unter Berücksichti- gung aller Umstände – Kreditentwicklung, Kapitalgewinne, Risikovorsorge, etc. – die Gewinne der Banken im Eurosystem dank ihrer Geldpolitik gestiegen sind. Dies war kein Eingeständnis, dass die Geldpolitik per se ein Problem für die Banken darstellt, zeigte aber doch die Erkenntnis, dass die schwierige Gewinn- lage der Banken ein zu berücksichtigender Faktor bei der Auswahl der Politik- maßnahmen sein wird. Beispielsweise erwarten wir keine weitere Senkung des Einlagezinssatzes aufgrund des damit einhergehenden Drucks auf die Banken und deren Gewinne. Keine Diskussion über die Verknappung der zur Verfügung stehenden Anleihen: Draghi betonte, dass es keine Diskussion zu spezifischen Maßnahmen oder Instrumenten gegeben hat. Er gab auch keine Hinweise, ob eine Lockerung des Kapitalschlüssels eine mögliche Option sei. Der einfachste Weg mögliche Ver- knappung zu umgehen, wäre unserer Ansicht nach eine Erhöhung der Ober- grenze für Anleihen ohne Umschuldungsklauseln auf 50%. Zusätzlich könnten auch regionale Anleihen stärker in das Programm einbezogen werden. Bereit, willens und fähig: Draghi ließ die Tür für weitere Maßnahmen offen. Er verwies auf das Verhalten der EZB in der Vergangenheit, um den Eindruck zu verstärken, dass die Zentralbank bereit, willig und fähig ist, den Umständen entsprechend zu agieren. Wird eine QE-Verlängerung ausreichen um das Vertrauen in die konjunkturelle Erholung und die Normalisierung der Inflation wiederherzustellen? Wohl eher nicht, aber das Schicksal der Eurozone liegt auch nicht ausschließlich in den Händen der EZB. Ein schwächerer Eurowechselkurs würde beispielsweise die Inflationserwartungen erhöhen. Dementsprechend würde eine weitere Zinsan- hebung der Fed der EZB nicht ungelegen kommen. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland 16 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. 5 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 5 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)4 201607.06.160,50,7-0,2-0,10,5 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)4 201609.06.1628,421,07,41,81,0 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)5 201610.06.160,10,10,00,30,3 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)6 201621.06.1619,24,814,41,70,9 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)6 201621.06.1654,553,01,50,10,5 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex6 201624.06.16108,7107,41,30,90,8 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)5 201628.06.16-5,5-5,80,30,60,8 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)6 201630.06.16-6,0-5,01,0-0,20,4 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)5 201630.06.160,70,60,10,40,7 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe6 201601.07.1654,554,40,10,10,5 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor6 201605.07.1653,753,20,50,60,7 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)5 201606.07.160,01,0-1,0-0,50,3 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)5 201607.07.16-1,30,1-1,4-1,10,1 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)5 201608.07.1617,524,6-7,1-2,50,0 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)6 201612.07.160,30,30,00,30,3 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)7 201619.07.1649,851,8-2,0-0,40,3 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)7 201619.07.16-6,89,0-15,8-1,90,0 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe7 201622.07.1653,753,40,30,30,7 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor7 201622.07.1654,653,21,41,50,9 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex7 201625.07.16108,3107,50,80,50,7 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 DB Makro - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland DX Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 17 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Exportindikator 2016: Nachfrageimpuls weiter schwach – Preisimpuls ins Negative gedreht Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währung s- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 6 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 6 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Ausblick Deutschland 18 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen Bis 4. Sep. Deutscher Bundestag Parlamentarische Sommerpause 4. Sep. Landtagswahl in Mecklenburg - Vorpommern In dem von einer SPD/CDU - Koalition regierten Bundesland zeichnet sich ein Kopf - an - Kopf - Rennen beider Parteien ab. Ob sie erneut eine Koalition bilden können, ist wegen der Stärke der AfD aber offen. 4./5. Sep. G20 - Gipfel, Hangzhou (China) U.a. Debatte üb er Förderung des Wirtschaftswachstums durch Innovationen (digitale Wirtschaft), Strukturreformen, Welthandel und globale Regeln für Auslandsinvestitionen sowie über vertiefte Reformen der Architektur intern a- tionaler Finanzmärkte. 8. Sep. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Der Ton beim EZB - Treffen im Juli lässt erwarten, dass die Tür für eine weit e- re Lockerung der Geldpolitik offen ist. Eine Verminderung des Einlagesatzes wäre wegen des Drucks auf Banken nicht angemessen. Die EZB vertraut indes weiterh in auf ihr QE - Programm. Im September erwarten wir eine Ve r- längerung des Programms um 9 bis 12 Monate sowie zusätzlich Maßna h- men, die sicherstellen, dass hinreichend Wertpapiere für Käufe verfügbar sind. 9./10. Sep. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Lage in Griechenland, Qualität öffentlicher Finanzen i.d. Eurozone – Überprüfung staatlicher Ausgaben, Vorbereitung G7 - Treffen einschließl. Debatte über Wechselkurse. 16. Sep. (Informeller) Europäischer Rat, Bratislava Debatte über die Zukunft der EU, Konsequenzen des britischen EU - Referendums. 18. Sep. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin Umfragen zufolge dürfte die regierende SPD/CDU - Koalition ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verlieren. Ein starkes Ergebnis der AfD könnte die Bi l- dung einer neuen Regierung schwierig machen, da sich dann drei Parteien zusammenfinden müssten. 10./11. Okt. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel U.a. finanzwirtschaftliche und makroökonomische Stabilität i.d. Eurozone, thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung: Gesundheitsw e- sen/Pflege. 20. Okt. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 20./21. Okt. Europäischer Rat, Brüssel Voraussichtl. Flüchtlingskrise – u.a. Stand der Umsetzung des EU - Türkei - Abkommens, Folgen des Referendums in GB. Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 28. Jul 2016 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juli 0,3 (0,4) 0,1 (0,3) 28. Jul 2016 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juli 6,1 6,1 29. Jul 2016 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. Juni - 0,5 0,7 5. Aug 2016 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (Index, sb.), % gg. Vm. Juni - 0,5 0,0 8. Aug 2016 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. Juni 1,0 - 1,3 9. Aug 2016 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Juni 22,0 22,2 9. Aug 2016 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juni 0,1 ( - 0,9) - 1,9 ( - 1,8) 9. Aug 2016 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juni 0,3 ( - 1,7) 0,1 ( - 2,3) 12. Aug 2016 8:00 Reales BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q2 2016 0,1 0,7 23. Aug 2016 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) August 53,0 53,7 23. Aug 2016 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) August 54,0 54,6 25. Aug 2016 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) August 107, 5 108,3 30. Aug 2016 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) Juli 0,0 ( - 3,9) 0,5 ( - 4,6) Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 19 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q3 2015 Q4 2015 Q1 2016 Q2 2016 Q3 2016 Feb 2016 Mrz 2016 Apr 2016 Mai 2016 Jun 2016 Jul 2016 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 108,4 108,7 106,7 107,7 105,8 106,8 106,7 107,8 108,7 108,3 ifo Geschäftserwartungen 102,7 104,3 100,5 101,8 99,0 100,2 100,5 101,7 103,1 102,2 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 103,1 103,3 100,5 101,8 99,5 100,4 100,9 101,6 103,0 102,4 Produktion (% gg. Vp.) - 0,1 - 0,4 1,8 - 0,6 - 1,1 0,5 - 1,3 Auftragseingang (% gg. Vp.) - 2,0 0,6 0,8 - 0,8 2,6 - 1,9 0,0 Grad der Kapazitätsauslastung 84,3 84,4 85,1 84,4 84,7 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) - 0,6 3,5 1,4 4,4 - 5,1 - 3,7 - 0,3 Auftragseingang (% ggü. Vp.) 0,7 10,2 6,3 - 1,9 - 0,2 - 0,9 3,5 ifo Bauhauptgewerbe 121,4 123,3 122,5 124,5 122,9 122,4 123,1 124,9 125,6 126,0 Ko nsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung - 0,3 - 4,4 - 6,1 - 3,2 - 6,4 - 6,2 - 4,8 - 3,2 - 1,6 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,6 0,2 0,4 0,1 - 1,1 0,0 0,7 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 6,1 5,7 4,5 9,4 12,1 0,0 8,4 11,9 8,3 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) - 3,8 0,2 2,1 - 2,1 4,4 - 4,3 1,4 Exporte (% gg. Vp.) - 1,0 - 0,6 0,4 1,3 2,1 0,1 - 1,9 Importe (% gg. Vp.) 0,9 - 0,8 - 0,2 0,1 - 2,5 - 0,3 0,1 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,3 60,6 62,1 19,8 23,8 24,1 22,2 Ar beitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,4 6,3 6,2 6,1 6,2 6,2 6,2 6,1 6,1 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) - 3,3 - 24,3 - 39,3 - 30,3 - 10,0 - 2,0 - 17,0 - 10,0 - 6,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,9 1,0 1,3 1,3 1,2 1,3 1,3 ifo Beschäftigungsbarometer 108,1 109,7 108,4 108,2 108,0 107,5 108,3 108,3 108,0 Pr eise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,0 0,2 0,1 0,0 - 0,2 0,1 - 0,3 0,0 0,2 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,2 1,1 1,0 0,8 1,3 0,7 1,1 1,2 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 1,7 - 2,3 - 2,8 - 2,6 - 3,0 - 3,1 - 3,1 - 2,7 - 2,2 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) - 8,7 - 12,6 - 14,6 - 6,5 - 15,8 - 11,2 - 8,5 - 6,9 - 3,9 Ölpreis (USD) 51,3 44,8 35,1 46,9 33,6 39,8 43,2 47,7 49,9 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 4,9 4,0 5,3 3,6 5,4 4,3 3,0 1,9 5,9 EC Unternehmensumfrage 0,8 1,5 - 2,4 1,7 - 2,9 - 3,5 - 0,5 2,4 3,2 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,7 1,5 2,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,7 2,5 2,4 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,6 1,4 3,2 Mo netärer Sektor (gg. Vj.) M3 8,2 9,2 7,8 8,2 7,8 7,1 7,2 Trend von M3* 8,3 7,7 7,3 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,5 2,7 2,0 2,3 2,0 2,5 2,7 Kredite an öffentliche Haushalte 11,1 11,7 - 9,1 4,6 - 9,1 - 5,0 1,4 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland 20 | 27. Juli 2016 Aktuelle Themen Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinss atz, % Ak tuell 0,375 - 0,10 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,05 Sep 16 0,375 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Dez 16 0,625 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Mrz 17 0,625 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,65 0,06 - 0,30 0,56 Sep 16 0,58 0,05 - 0,30 0,24 Dez 16 0,83 0,05 - 0,30 0,24 Mrz 17 0,83 0,05 - 0,35 0,24 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,55 - 0,22 - 0,12 0,83 Sep 16 1,25 - 0,15 - 0,10 0,90 Dez 16 1,25 - 0,15 0,00 1,00 Mrz 17 1,25 - 0,10 0,10 1,05 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,10 104,40 0,84 0,76 1,09 9,28 7,44 9,44 4,36 313,16 27,02 Sep 16 1,08 97,00 0,88 1,23 1,10 9,24 7,46 9,20 4,34 318,08 27,10 Dez 16 1,05 94,00 0,91 1,15 1,12 8,90 7,46 9,00 4,30 320,00 27,10 Mrz 17 1,01 94,00 0,88 1,15 1,16 8,80 7,46 8,94 4,23 321,25 27,10 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank © Copyright 2016. 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