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  4. Deutschland Monitor Finanzen privater Haushalte
17. Dezember 2019
ETFs haben bei Privatanlegern an Beliebtheit gewonnen, das Anlagevolumen vervielfachte sich in den vergangenen Jahren auf etwa 35 Mrd. Angesichts von insgesamt EUR 622 Mrd. Vermögen privater Haushalte in Investmentfonds sind ETFs jedoch weiterhin ein Nischenprodukt. Ursprünglich als passives Investment eingeführt, werden ETFs zunehmend als aktive Anlage genutzt. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld könnte ETFs neue Kundensegmente erschließen. Die Kreditvergabe an private Haushalte erreichte in Q3 2019 neue Spitzenwerte mit einem Plus von EUR 17,9 Mrd. ggü. Vq., getragen von einer Rekordzunahme bei Immobilienkrediten (EUR +16,3 Mrd.). Die Einlagen stiegen mit EUR 13,6 Mrd. so schwach wie seit sieben Quartalen nicht mehr. Möglicherweise beeinflusst die partielle Einführung von Negativzinsen die Stimmungslage der deutschen Sparer. [mehr]
Microsoft Word - 20191217_ETF und Privatanleger_SA.docx Deutschland-Monitor Finanzen der privaten Haushalte Im Blick: ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt ETFs haben bei Privatanlegern an Beliebtheit gewonnen. Privatkunden haben ihre Anlagen in ETFs in den vergangenen Jahren auf etwa EUR 35 Mrd. verviel- facht. Sie investieren auch über Sparpläne in ETFs. Trotzdem sind ETFs für Privatanleger weiterhin ein Nischenprodukt, angesichts eines Vermögens in Investmentfonds von insgesamt EUR 622 Mrd. ETFs spre- chen v.a. online-affine Anleger ohne Beratungswunsch an. Aktives Anlageverhalten nimmt zu. Zum einen wächst für Privatanleger die Aus- wahl an ETFs, die enge Teilmärkte, Themen oder Strategien abbilden. Zum an- deren managen Privatanleger ihre ETF-Investments zunehmend aktiv. Bei nicht oder sogar negativ verzinsten Bankeinlagen gewinnen klassische ETFs als passive Anlagestrategie für traditionelle Sparer an Attraktivität: Regel- mäßiges Ansparen in und/oder Halten von ETFs auf große Marktindizes ver- sprechen langfristig Kurssteigerungen bei vergleichsweise geringen Kosten und Risiken. Bankkredite und Einlagen der Haushalte im dritten Quartal 2019 Im dritten Quartal haben die Kredite an private Haushalte mit einem Anstieg des ausstehenden Volumens um EUR 17,9 Mrd. ggü. Vq. einen weiteren Rekord erreicht. Das Jahreswachstum betrug beachtliche 4,6%, die Expansion dauert damit seit 10 Jahren ununterbrochen an. Die Immobilienkredite stiegen um den Rekordwert von EUR 16,3 Mrd. ggü. Vq. Das Wachstum der Konsumentenkre- dite verlangsamte sich etwas und lag bei bescheidenen EUR 1,2 Mrd. ggü. Vq. Der seit 2012 bestehende Trend sinkender Margen bei Immobilienkrediten ging im dritten Quartal zu Ende. Die Hauptgründe dafür waren höhere Refinanzie- rungskosten und Bilanzrestriktionen der Banken. Im Gegensatz zu Immobilien- krediten sanken die Margen jedoch sowohl bei durchschnittlichen als auch bei risikoreichen Konsumentenkrediten. Die Einlagen stiegen mit EUR 13,6 Mrd. ggü. Vq. so schwach wie seit sieben Quartalen nicht mehr. Das Jahreswachstum verlangsamte sich auf 5,4%. Die Tatsache, dass einige Banken negative Zinsen auf Einlagen einführen, scheint die Stimmungslage der deutschen Sparer negativ zu beeinflussen. Autoren Heike Mai +49 69 910-31444 heike.mai@db.com Orçun Kaya +49 69 910-31732 orcun.kaya@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 17. Dezember 2019 ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt 2 | 17. Dezember 2019 Deutschland-Monitor Exchange-Traded Funds in Deutschland In Deutschland werden mindestens EUR 144 Mrd. in Exchange-Traded Funds (ETFs) – börsengehandelten Investmentfonds – gehalten. 1 ETFs machen somit 13% des Vermögens in offenen Publikumsfonds aus, obwohl erst im Jahr 2000 die ersten ETFs an der Deutschen Börse gelistet wurden. Institutionelle Investo- ren halten den Großteil des ETF-Vermögens, aber 15-20% liegen nach Bran- chenschätzungen in Depots von Privatanlegern. Ursprünglich wurden ETFs in Deutschland als passive Indexfonds eingeführt, welche die Zusammensetzung eines breiten Marktindexes nachbilden (z.B. MSCI World, Euro Stoxx 50, Dax). ETF-Anteile werden im Gegensatz zu klassi- schen Investmentfonds an einer Börse gelistet und gehandelt. 2 Privatanleger benötigen hierfür lediglich ein Wertpapierdepot und einen Broker. ETFs können zumeist auch außerbörslich über elektronische Handelsplattformen gekauft und verkauft werden. ETFs auf große Marktindizes erleichtern es gerade Kleinanlegern, mit breiter Ri- sikostreuung und auf kostengünstige Art in Kapitalmärkte zu investieren, da die Verwaltungsgebühren i.d.R. unter denen für aktiv gemanagte Investmentfonds liegen. ETFs und Privatanleger: Starke Entwicklung, geringes Niveau ETFs haben als Anlageform bei privaten Anlegern enorm an Beliebtheit gewon- nen. Privatkunden haben ihre Anlagen in ETFs in den vergangenen Jahren auf etwa EUR 35 Mrd. vervielfacht. Das ETF-Geschäft mit privaten Haushalten läuft überwiegend online über Direktbanken, wo etwa EUR 27 Mrd. des privat gehal- tenen ETF-Anlagevolumens liegen. Die Direktbanken verzeichneten in den ver- gangenen fünf Jahren fast durchgängig Nettozuflüsse. Außerdem sind schät- zungsweise EUR 4-6 Mrd. über andere Banken und bis zu EUR 3 Mrd. über Robo-Advisors in ETFs investiert. Trotz dieser beeindruckenden Entwicklung sind ETFs weiterhin ein Nischenprodukt – angesichts von EUR 622 Mrd., die deutsche Privathaushalte insgesamt in Investmentfonds angelegt haben. 3 Private Anleger investieren zunehmend über Sparpläne in ETFs. Die Zahl der Sparpläne ist auf 1,1 Millionen angewachsen, und die durchschnittliche monatli- che Sparrate stieg im September 2019 auf EUR 162. Privatkunden haben auf diesem Wege bisher etwa EUR 4,5 Mrd. in ETFs angelegt. Das Angebot an Sparplänen ist groß und divers, sowohl was die Leistungen wie ETF-Auswahl oder Flexibilität der Sparrate angeht, als auch die Gebührenmodelle. ETFs go active ETFs bedeuten nicht mehr in jedem Fall passives Vermögensmanagement. Es ist im Gegenteil eine Bewegung hin zu aktivem Anlageverhalten zu beobachten. Dies zeigt sich zum einen in einer Verbreiterung der ETF-Palette und gleichzeiti- gen Spezialisierung einzelner ETFs, welche Privatanlegern angeboten werden. ETFs werden mittlerweile nicht nur auf die bekannten Indizes großer Aktien- märkte angeboten, sondern auf eine Vielzahl von (Teil-)Märkten, Themen und 1 BVI, Stand Q3 2019. Laut Branchenverband BVI ist die Zuordnung von ETFs zum deutschen Ab- satzmarkt nur eingeschränkt möglich, v.a. in Irland aufgelegte ETFs sind nicht vollständig erfasst. Das angegebene Volumen ist deshalb als Untergrenze zu verstehen. 2 Eine ausführliche Beschreibung des ETF-Handels findet sich in Deutsche Bundesbank, Die wachsende Bedeutung von Exchange-Traded Funds an den Finanzmärkten, Monatsbericht Okto- ber 2018, S. 83-106. 3 Deutsche Bundesbank, Statistik über Wertpapierbestände, August 2019. 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Q3 2019 ETFs offene Publikumsfonds (ohne ETFs) Spezialfonds und geschlossene Publikumsfonds Fondsvermögen privater und professioneller Anleger in Deutschland 1 Mrd. EUR Quellen: BVI, Deutsche Bank Research -100 0 100 200 300 400 500 600 700 800 -5 0 5 10 15 20 25 30 35 40 14 15 16 17 18 19 Verwaltetes Vermögen davon über Sparpläne angelegtes Kapital Nettozu-/abflüsse (inkl. Sparpläne) ETF-Vermögen privater Haushalte in Deutschland steigt 2 Vermögen bei Direktbanken* in Mrd. EUR (links), Nettozu-/abflüsse in Mio. EUR pro Monat (rechts) Quellen: extraETF, Deutsche Bank Research *Aggregierte Daten von 10 Direktbanken in Deutschland ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt 3 | 17. Dezember 2019 Deutschland-Monitor Strategien, wie z.B. Renten, Rohstoffe, einzelne Branchen, Volatilitätsindizes, Nachhaltigkeit. Active ETFs gewichten ihr Portfolio nach bestimmten Strategien. Es gibt auch neue Produkte, die zwar „Exchange-Traded“, aber keine „Funds“ sind. Hierzu zählen Schuldverschreibungen wie Exchange-Traded Commodities (ETCs) und Exchange-Traded Notes (ETNs). 4 Die Auswahl eines ETFs, der ei- nen engen oder Strategie-Index abbildet, ist Ausdruck der Erwartung, dass die- ses Segment eine bessere Wertentwicklung nehmen wird als der Gesamtmarkt, wie ihn ein breiter Index abbilden würde. Zum anderen managen Privatanleger ihre ETF-Anlagen zunehmend aktiv, wo- rauf ihre steigende Handelsaktivität hinweist. Die Anzahl der ETF-Order (ohne Sparplan-Ausführungen) nahm besonders seit 2017 stark zu, ebenso die Volati- lität der Handelsaktivität. Die durchschnittliche Ordergröße sank hingegen auf EUR 2.659 (Kauf) bzw. EUR 4.484 (Verkauf) im September 2019, wobei die An- zahl der Kauforder in den meisten Monaten die Verkaufstransaktionen um das Doppelte oder das Dreifache überstieg. Untersuchungen legen jedoch nahe, dass Privatanleger durch aktives ETF- Management langfristig eine geringere Rendite erwirtschaften, als sie durch das Halten eines kostengünstigen ETFs auf einen breiten Index erzielt hätten, da sie aufgrund ungünstiger Terminierung der Transaktionen und der Auswahl spezia- lisierter ETFs den Markt nicht schlagen konnten. 5 Raus aus der Nische? Bisher nutzen nur wenige Privatanleger ETFs. Lediglich 8% sind oder waren in ETFs investiert im Vergleich zu 25% bzw. 19% mit Anlagen in Aktien oder tradi- tionellen Investmentfonds. Dies liegt daran, dass ETFs ein kostengünstiges „Selbstentscheiderprodukt“ sind. Da beim Kauf eines ETFs kein Ausgabeauf- schlag anfällt, aus dem wie bei traditionellen Fonds eine Beratung finanziert werden könnte, werden ETFs überwiegend über Online-Kanäle und ohne per- sönliche Beratung vertrieben. Bisher sind also v.a. Privatleute, die sich in Fi- nanzgeschäften bewandert fühlen und mit Online-Brokerage vertraut sind, (po- tenzielle) ETF-Anleger. Auch Robo-Advisors mit ihrer digitalisierten Beratung haben keine neuen Kundensegmente für ETFs gewonnen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld lässt aber erwarten, dass sich zunehmend auch traditionelle Sparer mit ETFs vertraut machen werden. Mittlerweile geben immer mehr Kreditinstitute den Negativzins der EZB an Privatkunden weiter, weshalb in vielen Haushalten mit einem Überdenken der bisherigen Spar- und Anlageentscheidungen zu rechnen ist. ETFs sind anders als Bankeinlagen eine Kapitalanlage, die Wertschwankungen und Liquiditätsrisiken unterliegt. Aber ETFs können im Vergleich zu anderen Anlagen eine attraktive Alternative sein. Gerade Sparer, die sich nicht häufig mit ihren Geldanlagen beschäftigen wollen, können von ETFs als passiver Anlage profitieren: Regelmäßiges Ansparen in und/oder Halten von ETFs auf große Marktindizes versprechen langfristig Wert- steigerungen bei vergleichsweise geringen Kosten und Risiken. Heike Mai (+49 69 910-31444, heike.mai@db.com) 4 Anders als bei ETFs, die Sondervermögen darstellen, verliert der Anleger hier sein Geld, falls die emittierende Gesellschaft in Konkurs geht. 5 Bhattacharya, U., Loos, B., Meyer, S., Hackethal, A., Abusing ETFs, 2012. 135 140 145 150 155 160 165 0 200 400 600 800 1.000 1.200 Durchschnittliche Sparrate (in EUR, rechts) Anzahl ETF-Sparpläne (in Tsd., links) Quellen: extraETF, Deutsche Bank Research ETF-Sparpläne immer beliebter* 3 *Aggregierte Daten von 10 Direktbanken in Deutschland 0 3 6 9 12 15 18 0 100 200 300 400 500 600 14 15 16 17 18 19 ETF-Käufe (links) ETF-Verkäufe (links) Durchschnittliche Kaufordergröße (rechts) Durchschnittliche Verkaufsordergröße (rechts) Privathaushalte: Mehr ETF- Transaktionen, kleinere Ordergrößen* 4 Quellen: extraETF, Deutsche Bank Research Ver-/Käufe in tsd. Transaktionen pro Monat, Ordergröße in tsd. EUR (Monatsdurchschnitt); ohne Sparpläne *Aggregierte Daten von 10 Direktbanken in Deutschland 25% 19% 8% 7% 5% 2% 0% 10% 20% 30% Aktien Aktive Investmentfonds ETFs Anleihen Zertifikate Derivate 8% der Bundesbürger sind oder waren in ETFs investiert 5 Quellen: ebase, Deutsche Bank Research Anteil der Privatpersonen, die in Wertpapieren investiert sind oder waren (repräsentative Umfrage, 2019) ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt 4 | 17. Dezember 2019 Deutschland-Monitor Bankkredite und Einlagen der Haushalte Kreditvolumina Im dritten Quartal erreichten die Kredite an private Haushalte einen weiteren Rekord. Das Kreditvolumen stieg im Vergleich zum Vorquartal um EUR 17,9 Mrd. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr legte weiter zu auf 4,6%, die Ex- pansion dauert damit seit 10 Jahren ununterbrochen an. Die Immobilienkredite stiegen um den Rekordwert von EUR 16,3 Mrd. ggü. Vq. Das Jahreswachstum erreichte 4,9%. In den ersten drei Quartalen 2019 belief sich die gesamte Netto-Immobilienkreditvergabe auf beachtliche EUR 37 Mrd. Das größte Plus verzeichneten im dritten Quartal die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen (EUR 5,2 Mrd. bzw. EUR 4,8 Mrd. – beides Rekordwerte). Auch die Großbanken stockten ihr Kreditvolumen deutlich auf, um EUR 3,2 Mrd. Obwohl die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers in Deutschland die Kreditvergabe dämpfen könnte, wird seine Wirkung höchstwahrscheinlich be- grenzt sein. Die Vorliebe der deutschen Haushalte für längerfristige Festzinskre- dite hielt an: Hypotheken mit einer Zinsbindung von 10 Jahren oder mehr mach- ten 52% der gesamten Neukreditvergabe aus, gegenüber 47% im Vorjahr. Die Immobilienpreise (bundesweit, für Bestands- und Neubauwohnungen) stiegen in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um 5% p.a. und in den letzten Jahren aufgrund von Angebotsengpässen sogar noch stärker. Bei zunehmendem Belei- hungswert sollte die Refinanzierung für diejenigen Kredite, die nicht vollständig zurückgezahlt sind, kein Problem darstellen. Darüber hinaus sorgen die gute Lage am Arbeitsmarkt (die Arbeitslosigkeit sank in Q3 auf 4,9%) und steigende reale verfügbare Einkommen (+1,3% ggü. Vj. in Q2) weiterhin für ein günstiges Umfeld für Wohneigentum. Die Quote von Schulden zu Einkommen der deut- schen Haushalte, die im zweiten Quartal 2019 auf 84,5% kletterte 6 (vgl. mit 83,3% im Vorjahr), sollte im Auge behalten werden. Das Konsumentenkreditwachstum verlor weiter an Dynamik im dritten Quartal. Mit einem leichten Anstieg um EUR 1,2 Mrd. ggü. Vq. verlangsamte sich das Jahreswachstum auf 4,5%, den niedrigsten Wert seit drei Jahren. Der gesamte Anstieg kam von ausländischen Banken, die EUR 1,7 Mrd. an neuen Konsu- mentenkrediten ausreichten. Der Kreditbestand der Sparkassen und Genossen- schaftsbanken blieb praktisch unverändert. Mit EUR -0,1 Mrd. war die Kredit- vergabe der Großbanken negativ. Die Debetsalden stiegen leicht um EUR 0,4 Mrd. ggü. Vq. und die sonstigen Kredite nahmen etwas ab, um EUR 0,5 Mrd. Das Jahreswachstum der Debetsalden stieg auf 0,7% und blieb bei den sonsti- gen Krediten mit -0,4% negativ. Im dritten Quartal verzeichneten beachtliche 28% der Banken einen Anstieg der Nachfrage nach Immobilienkrediten, laut dem Bank lending survey (BLS). Das Zinsniveau und die positiven Aussichten für den Wohnungsmarkt waren die wichtigsten Faktoren, wie 28% bzw. 17% der Banken angaben. Netto 6% der Banken meldeten eine Zunahme der Nachfrage nach Konsumentenkrediten. 10% der Banken nannten die niedrigen Zinsen als Hauptgrund, 6% die Ausga- ben für langlebige Konsumgüter wie Autos und Möbel. Die Banken sind für das laufende Quartal optimistisch, 17% bzw. 6% erwarten einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Immobilien- und Konsumentenkrediten. Kreditrichtlinien für die Genehmigung von Kreditanträgen Die Standards für die Immobilienkreditvergabe blieben im Sommerquartal un- verändert. 3% der Banken erwarten, dass sie ihre Standards im laufenden Quartal lockern werden. Auch die Standards für Konsumentenkredite blieben unverändert, während 3% der Banken für Q4 eine Verschärfung erwarten. 7% 6 ECB (2019). Household Sector Report Q2. November 11, 2019, p. 25. 800 850 900 950 1.000 1.050 0 4 8 12 16 20 14 15 16 17 18 19 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts)* Immobilienkredite Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank 6 *enthält erhebliche Umklassifizierung in Q3 18. 130 140 150 160 170 180 -1 0 1 2 3 4 14 15 16 17 18 19 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts)* Konsumentenkredite Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank 7 *enthält erhebliche Umklassifizierungen in Q2 & Q3 18. -15 -10 -5 0 5 10 15 Q2/17 Q4/17 Q2/18 Q4/18 Q2/19 Q4/19 Immobilienkredite Konsumentenkredite … verschärft … gelockert Bank lending survey: Kreditrichtlinien* Quelle: Deutsche Bundesbank *Q4/19 erwarteter Wert 8 ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt 5 | 17. Dezember 2019 Deutschland-Monitor (3%) der Banken meldeten einen höheren Anteil abgelehnter Immobilien-/(Kon- sumenten-)Kreditanträge. Laut den Ad-hoc-Fragen des BLS hatte das Anleihe- Kaufprogramm (APP) der EZB keinerlei Auswirkungen auf die Kreditvergabe- standards deutscher Banken. Sowohl das APP als auch der negative Einlagen- zins trugen jedoch zu einem höheren Kreditvolumen bei, was aus Sicht der Ent- scheidungsträger wünschenswert ist. Kreditbedingungen Der seit 2012 bestehende Trend sinkender Margen bei Immobilienkrediten ging im dritten Quartal zu Ende. Immerhin 17% der Banken meldeten höhere Margen bei durchschnittlichen Krediten. Die Margen bei riskanteren Hypotheken stiegen sogar bei 28% der Banken. Als Hauptgründe nannten die Banken höhere Refi- nanzierungskosten und Bilanzrestriktionen. Bei risikoreicheren Krediten trugen auch die Risikowahrnehmung der Banken und die reduzierte Risikotoleranz zur Ausweitung bei. Im Gegensatz zu Hypotheken gingen die Margen sowohl bei durchschnittlichen als auch bei risikoreichen Konsumentenkrediten zurück (ge- nannt von 10% der Banken). Hier war der Wettbewerbsdruck der Hauptfaktor. Einlagenvolumina Die Einlagen verzeichneten im dritten Quartal einen schwachen Anstieg von EUR 13,6 Mrd. ggü. Vq., den niedrigsten Wert seit sieben Quartalen. Das Jah- reswachstum verlangsamte sich auf 5,4%. Mit EUR 17,2 Mrd. ggü. Vq. steiger- ten die privaten Haushalte nur ihre Sichteinlagen. Bei Spareinlagen gab es ei- nen erheblichen Abfluss von EUR 3,6 Mrd. und die Termineinlagen blieben im Wesentlichen unverändert. Während die Niedrigzinsen das Sparen bisher nicht beeinträchtigt haben, scheint die Tatsache, dass einige Banken negative Zinsen auf Einlagen einführen (zumindest bei Volumina von EUR 100.000 oder mehr), die Sparneigung negativ zu beeinflussen. Unter den verschiedenen Bankengruppen verzeichneten Sparkassen und Ge- nossenschaftsbanken mit EUR 7,5 Mrd. ggü. Vq. bzw. EUR 6,2 Mrd. die größ- ten Zuwächse bei den Sichteinlagen. Die Anleiheemissionen der Banken betru- gen netto EUR -5,7 Mrd. Auch wenn es noch zu früh wäre, darin ein Problem zu sehen, war das Umfeld für die Bankenrefinanzierung im dritten Quartal nicht be- sonders günstig. Zinssätze Seit dem ersten Quartal liegt der Zinssatz für täglich fällige Einlagen bei symbo- lischen 0,01% (EWU-Durchschnitt: 0,03%) und dürfte sich auch nicht bald än- dern. Der durchschnittliche Zinssatz für neue Immobilienkredite sank im dritten Quartal um bemerkenswerte 29 Basispunkte auf ein neues Rekordtief von 1,34%. Seit Jahresbeginn hat sich der Abstand zwischen den Zinsen für Immo- bilienkredite in Deutschland und der EWU vergrößert und im dritten Quartal 43 Bp. erreicht. Im September fiel die 10-jährige Bund-Rendite auf -0,57%. Die Kor- relation zwischen der 10-jährigen Bund-Rendite und den Immobilienkreditzinsen liegt bei rund 98%, und der Abwärtstrend bei den Leitzinsen ist der Hauptgrund für den Rückgang der Immobilienkreditzinsen. Die Zinsen für neue Konsumen- tenkredite sanken um 14 Bp. auf 5,92% (EWU: 6,24%). Orçun Kaya (+49 69 910-31732, orcun.kaya@db.com) 775 900 1.025 1.150 1.275 1.400 1.525 -10 0 10 20 30 40 50 14 15 16 17 18 19 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts) Sichteinlagen Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank 9 500 520 540 560 580 600 620 -6 -4 -2 0 2 4 6 14 15 16 17 18 19 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts) Spareinlagen Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank 10 210 220 230 240 250 260 -6 -4 -2 0 2 4 14 15 16 17 18 19 ggü. Vorquartal (links) Gesamt (rechts) Termineinlagen Mrd. EUR Quelle: Deutsche Bundesbank 11 ETFs – für Privatanleger (noch) ein Nischenprodukt 6 | 17. Dezember 2019 Deutschland-Monitor © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. -30 -20 -10 0 10 20 30 40 Q2/17 Q4/17 Q2/18 Q4/18 Q2/19 Q4/19 Immobilienkredite Konsumentenkredite … gestiegen … gesunken Bank lending survey: Kreditnachfrage* Quelle: Deutsche Bundesbank *Q4/19 erwarteter Wert 12 -30 -20 -10 0 10 20 30 Q1/17 Q3/17 Q1/18 Q3/18 Q1/19 Q3/19 Durchschnittliche Immobilienkredite Risikoreichere Immobilienkredite … gestiegen … gesunken Bank lending survey: Margen bei Immobilienkrediten Quelle: Deutsche Bundesbank 13 -30 -20 -10 0 10 20 30 Q1/17 Q3/17 Q1/18 Q3/18 Q1/19 Q3/19 Durchschnittliche Konsumentenkredite Risikoreichere Konsumentenkredite … gestiegen … gesunken Bank lending survey: Margen bei Konsumentenkrediten Quelle: Deutsche Bundesbank 14 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 14 15 16 17 18 19 Euroraum Deutschland Zinssatz für Immobilienkredite %, effektiver Jahreszins, Neugeschäft Quelle: EZB 15 4 5 6 7 8 9 14 15 16 17 18 19 Euroraum Deutschland Zinssatz für Konsumentenkredite %, effektiver Jahreszins, Neugeschäft Quelle: EZB 16 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 18 19 Euroraum Deutschland Zinssatz für täglich fällige Einlagen % Quelle: EZB 17
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