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18. März 2009
KMU spielen in Deutschland und den meisten beobachteten Ländern eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Entwicklung. Dies gilt es bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen ebenso zu berücksichtigen wie - angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise - bei der Fokussierung von „Rettungspaketen“ auf große, in der Öffentlichkeit präsentere Unternehmen. [mehr]
Dynamische Vielfalt als Chance - Mittelstand international ********** * **** * ************* *** Autor Katharina Hohmann Editor Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Publikationsassistenz Angelika Greiner Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland Internet:www.dbresearch.de E-Mail marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 DB Research Management Norbert Walter ***** ***** ****** ****************** ****** *********** * ********* ** Ob in Deutschland, der EU oder den USA: KMU unterscheiden sich nach Unternehmensgröße und Branchenzugehörigkeit. Rahmenbedingungen wie Regulierung oder Zugang zu Finanzierung wirken nicht gleich auf alle KMU. ******** * *********** !********** ******"* ******** In allen Ländern dominieren KMU die Unternehmenslandkarte mit über 99%. Zudem tra- gen KMU in den meisten Ländern mehr als die Hälfte zur Beschäftigung und Wert- schöpfung bei. Im Außenhandel hingegen ist die Bedeutung der KMU geringer als die der Großunternehmen. KMU in MOEL holen mit hohen Wachstumsraten auf. ** #****** * *** *** ***** **************** *** ***** Vor allem in den Mittelmeerländern sind überdurchschnittlich viele Beschäftigte dort ange- stellt. Anders in Deutschland und den USA: Hier liegt der Beschäftigungsschwer- punkt auf mittleren bzw. großen Unternehmen. Ein enger Zusammenhang besteht zwischen dem Anteil der Mikrounternehmen und der KMU-Beschäftigungsquote. *********$**%*"****&****' ******* Hohe Selbständigenquoten weisen auch auf einen stark ausgeprägten Gründergeist hin. Hinsichtlich Gründerfreund- lichkeit und Unternehmensfluktuation liegt Deutschland im internationalen Mittel- feld. Für Länder mit hohem Beschäftigungsanteil bei Mikrounternehmen hat hohe Fluktuation ein volatileres Beschäftigungsumfeld zur Folge. (****** )**** ** $****** ** *****"* **"*** ******** **** Der Bankensektor ist sowohl in Europa als auch in den USA von zentraler Bedeutung für die externe Finanzierung der KMU. Deutsche KMU finanzieren sich häufiger als KMU in anderen EU-Ländern über Fremdkapital. In den USA greifen KMU oft auf Kreditkarten zurück. +********, +*** ********** *** ***-*** *.** *. &******)*/ ****** Immer mehr KMU nutzen die Globalisierung durch internationale Absatz- märkte und Partnerschaften. Abwanderung von Fachkräften stellt eine Herausfor- derung für KMU in den Entsendeländern dar. *0** *****1****** ** 2**** Mittelstand international 18. März 2009 0% 20% 40% 60% 80% 100% EL * IT PT PL ES HU CZ EU - 27 NL BG SI AT SE FI IE UK DK RO FR DE US >250 50 bis 250 10 bis 49 1 bis 9 !****&********* ***** ** *$* **** 34* * EL = Griechenland. Quellen: Eurostat 2005, SBA 2005 Mitarbeiter: Aktuelle Themen 441 2 18. März 2009 1. Einleitung .............................................................................................................................................3 2. Unterschiedliche Definitionen...............................................................................................................3 3. „Black Box“ Mittelstand - - - - Volkswirtschaftliche Bedeutung beachtlich ...........................................4 3.1 Firmengrößenstruktur - fast gleich, und doch unterschiedlich ......................................................5 3.2 Die Beschäftigungsstruktur - „Jobmotor KMU“ umstritten.............................................................5 3.3 Wertschöpfung - KMU schaffen Großteil des Mehrwerts..............................................................8 4. Opening the „Black Box“ - - - - KMU unterliegen einer Vielzahl von Wirkungszusammenhängen .....8 4.1 Wirtschaftssektoren und Branchen - Wo ist „klein“ am stärksten?................................................9 4.2 Regulierung und Rahmenbedingungen bestimmen Struktur und Erfolg .....................................11 4.3 Wachstum und Veränderung - dynamische KMU zeigen Flexibilität ..........................................12 4.4 Selbständige als KMU-Initiatoren.................................................................................................13 4.5 Zugang zu Finanzierung überlebenswichtig für KMU ..................................................................14 5. Wohin geht die Reise? - - - - Zukunftsdeterminanten für KMU..............................................................18 5.1 Innovation - Wirtschaftswachstum durch Fortschritt ...................................................................19 5.2 Internationalisierung von KMU - Die Globalisierung nutzen und sich auf eigene Stärken besinnen .........................................................................................................................20 5.3 Rekrutierungsprobleme im Mittelstand?.......................................................................................22 6. Fazit ......................................................................................................................................................23 Mittelstand international 18. März 2009 3 Mittelstand oder KMU International spricht man von KMU, aber der Begriff „Mittelstand“ ist inzwischen zum Ex- portartikel geworden, gerade im angelsächsi- schen Sprachraum. So schreibt die New York Times “Mittelstand, a collection of mostly fami- ly-owned companies [ … ] forms the backbone of employment”. In Ergänzung zur quantitati- ven Definition wird mit Mittelstand zusätzlich meist auch eine Geistes- und Unternehmerhal- tung verbunden: Oft sind mittelständische Unternehmen familiengeführte Unternehmen mit enger Bindung zu Region und Wirtschafts- standort. Die rein quantitative Bezeichnung als KMU, unter die sehr viele Kleinstunternehmen fallen, aber auch solche, die an der Börse gelistet sind oder andere Eigentumsverhältnis- se aufweisen, spiegeln daher die in Deutsch- land mit dem Begriff „Mittelstand“ verbundene Konnotation nicht ausreichend wider. 1. Einleitung Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gelten als das Herzstück der deutschen Wirtschaft, und der deutsche Mittelstand sagt gerne von sich, er sei etwas Besonderes. Kritiker bezeichnen die KMU hingegen als „Hätschelkinder der Wirtschaftspolitik“. Inwiefern un- terscheiden sich die deutschen KMU von ihren europäischen Nach- barn oder den USA? Im internationalen Vergleich dominieren die KMU die Unternehmenslandkarte. Sowohl in Europa als auch in den USA machen KMU fast überall die Gesamtzahl aller Unternehmen aus: Über 99% aller Unternehmen sind KMU. Doch trotz ihrer be- achtlichen volkswirtschaftlichen Bedeutung erscheinen KMU häufig noch als „Black Box“. Kategorische Aussagen und internationale Vergleiche zu kleinen und mittleren Unternehmen sind kaum mög- lich, weil sie sich stark nach Unternehmensgröße, Beschäftigungs- anteilen, Branchenzugehörigkeit, Rechtsform, Internationalisie- rungsgrad und Innovationstätigkeit unterscheiden. Auch die Rah- menbedingungen in Bezug auf Regulierung, Rekrutierung von Fachkräften oder Zugang zu Finanzierung wirken unterschiedlich auf KMU verschiedener Größen und Sektoren. Die vorliegende Studie gibt eine Übersicht über verschiedene KMU- Indikatoren und wagt einen punktuellen internationalen Vergleich der KMU in Deutschland, der EU und den USA. Untersucht wird, welche Faktoren wie und mit welcher Intensität die gesamtwirt- schaftliche Bedeutung der KMU bestimmen. 2. Unterschiedliche Definitionen Definitionen von kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen sind international und innerhalb Europas sehr vielfältig, was den Vergleich erschwert. 1 Im internationalen Sprachgebrauch spricht man in der Regel von „Kleinen und Mittleren Unternehmen“ (KMU) bzw. „Small and Medium-Sized Enterprises“ (SME) oder „Small Businesses“ (SB). Im deutschen Sprachraum ist es zudem üblich, vom „Mittelstand” zu sprechen. Um die Vielfältigkeit der Definitionen innerhalb der EU zu beenden (und einheitliche Förderkriterien zu erhalten), hat die Europäische Kommission eine einheitliche Defini- tion festgelegt. Diese basiert auf vier Faktoren - Anzahl der Mitar- beiter, Jahresumsatz, Bilanz, Unabhängigkeit (siehe Box S. 4). In der EU-Definition zählen zu den KMU Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Es wird unterschieden zwischen Kleinstunter- nehmen (auch Mikrounternehmen) mit unter zehn Angestellten, kleinen Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern und mittleren Un- ternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern. Ab 250 Mitarbeitern sind Firmen nach EU-Standard Großunternehmen. Anders in Deutsch- land und den USA: Hier zählen traditionell Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern zur Gruppe der KMU. Damit fällt ein gewichtiger Anteil des deutschen Mittelstands (250 bis 500 Mitarbeiter) nicht mehr unter KMU im engeren Sinne, obwohl sie nach deutschem Verständnis noch keine Großunternehmen sind. 1 Aufgrund der riesigen Anzahl der KMU weltweit ist es nahezu unmöglich, vollstän- dige Daten zu erheben oder akkurate Hochrechnungen zu erstellen. Vor allem die europäischen Statistiken sind noch nicht harmonisiert und werden nicht ständig aktualisiert. Unterschiedliche Datenerhebung in den Mitgliedsländern und aufwen- diges Sammeln auf EU-Ebene erschweren den Zugang zu einheitlichen, verlässli- chen und vergleichbaren Daten. Daher können im besten Fall Tendenzen aufge- zeigt werden. DE EU USA Anzahl KMUin Mio. 3,6 19,7 6 Anteil an Gesamt- unternehmens- zahl, % 99,5 99,8 99,4 Erw erbstätige in KMUin Mio. 12,5 85,0 58,7 Anteil an allen Erw erbstätigen, % 61 67 41 Wertschöpfung in Mrd. Euro 553 3.090 k.A. Wertschöpfungs- anteil, % 53 57,6 k.A. Exportanteil, % 11 85 ***/5&*** /#****" *** Quellen: Eurostat 2005, SBA 2005 * Aktuelle Themen 441 4 18. März 2009 Die Definition der EU ist ein Tribut an die Wirtschaftsstruktur der südeuropäischen Länder, in der sehr viele sehr kleine bei gleichzei- tig einigen sehr großen ökonomischen Einheiten existieren. Eine wichtige Rolle spielt auch die weitgehende Unabhängigkeit der Un- ternehmen: Firmen, die zu Konzernen gehören, zählen nicht zu den KMU. 2 Im Folgenden wird wegen der Verfügbarkeit der Daten und zur bes- seren Vergleichbarkeit die quantitative, auf Beschäftigungszahlen bezogene, EU-Definition von KMU zugrunde gelegt. 3. „Black Box“ Mittelstand - - - - Volkswirtschaftliche Be- deutung beachtlich Über alle Ländergrenzen hinweg stellen KMU die deutliche Mehrheit aller Unternehmen. In Deutschland zählen rund 3,6 Mio. Unterneh- men zu den KMU. Dies entspricht einem Anteil von etwa 99,5% aller Unternehmen. In der EU-27 sind es etwa 19,6 Mio. Unternehmen (99,8%). Selbst in den USA liegt der Anteil der KMU bei 99,4%, da den rund 6 Mio. KMU „nur“ knapp 20.000 Großunternehmen gegen- überstehen. Hinsichtlich der Anteile an der Gesamtzahl der Unter- nehmen sind die internationalen Unterschiede damit also gering. 3 Darüber hinaus tragen KMU in den meisten Ländern den größten Anteil zur Beschäftigung und Wertschöpfung bei. Im Außenhandel hingegen ist die Bedeutung der KMU geringer als die der Großun- ternehmen. Um die volkswirtschaftliche Bedeutung zu spezifizieren, 2 Entsprechend der Kommissionsempfehlung (2003/361/EC) bedeutet Unabhängig- keit, dass kein anderes Unternehmen einen Anteil von mehr als 25 % des betref- fenden Unternehmens besitzen darf. 3 Eurostat, 2005; Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, 2007; U.S. Small Business Administration (SBA), 2005. 5** ********** ****** Belgien Dänemark (1) bis zu 9 Beschäftigte (1) (2) bis zu 1 Mio. Euro Jahresumsatz (2) Frankreich Großbritannien (1) Jahresumsatz max. 2,5 Mio. Pfund (1) (2) Bilanzsumme max. 1,4 Mio. Pfund (2) (3) max. 50 Beschäftigte (3) Irland Italien Niederlande Portugal Schw eden USA U.S. Small Business Administration (SBA) bis zu 50 Mitarbeiter 50 bis 249 Mitarbeiter Beschäftigte : bis zu 500 Beschäftigte für den Großteil des Verarbeitenden Gew erbes und den Bergbau: bis zu 100 Beschäftigte für den Großhandel Umsatz : < 5 Mio. USD Einzelhandel; Dienstleistungen < 17 Mio. USD Baugew erbe < 7 Mio. USD „ special trade contractors ” < 0,5 Mio. USD Landw irtschaft Quelle: Grichnik (2003). Finanzierungsverhalten mittelständischer Unternehmen im internationalen Vergleich bis zu 499 Beschäftigte bis zu 9 Beschäftigte 10 bis 100 Beschäftigte bis zu 500 Beschäftigte bis zu 200 Beschäftigte ( „ Mikro-Unternehmen ” : bis zu 10 Beschäftigte) bis zu 499 Beschäftigte Mindestens zw ei der drei folgenden Kriterien: Jahresumsatz max. 11,2 Mio. Pfund Bilanzsumme max. 5,6 Mio. Pfund max. 250 Beschäftigte bis zu 100 (bzw . 250) Beschäftigte bis zu 100 Beschäftigte Deutschland (Institut für Mittelstandsforschung, Bonn) 10 bis 499 Beschäftigte 1 bis 50 Mio. Euro Jahresumsatz ***************************** *** ****** ***** ****** 6 Mikro- Unter- nehmen Kleine Unter- nehm en Mittlere Unter- nehm en Be- schäftigte <10 10 bis 49 50 bis 249 Jahres- umsatz, in Euro 10 bis 50 Mio. Jahres- bilanz- summe, in Euro 10 bis 43 Mio. ***7(*/********** bis 2 Mio. 2 bis 10 Mio. Unabhängigkeit (keine Betei- ligung von Großunternehmen >25%) Quelle: Europäische Kommission 8 Mittelstand international 18. März 2009 5 werden im Folgenden drei Indikatoren herangezogen: Firmengrö- ßenstruktur, Beschäftigung und Wertschöpfung. 3.1 Firmengrößenstruktur – fast gleich, und doch unterschiedlich Ein Blick auf die Firmengrößenklassen gibt Aufschluss über länder- spezifische Unterschiede. Die dominante Größenklasse sind über alle Ländergrenzen hinweg die Kleinstunternehmen, die in den meisten Ländern mehr als 80% aller Unternehmen ausmachen. Ein wesentlicher struktureller Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern offenbart sich beim Blick auf die mittleren Größenklassen. Hierzulande gibt es einen relativ großen Anteil an „großen Mittelständlern“ (250 bis 500 Beschäftigte), die nicht mehr zu den KMU im engeren Sinne gehören, aber doch als Mittelstand bezeichnet werden. Darüber hinaus ist in Deutschland wie in den USA der Anteil der mittleren Unternehmen (10 bis 250 Beschäftigte) deutlich höher als im europäischen Durchschnitt (DE: 17%, USA: 20%, EU-27: 8%). Zahlreiche europäische Länder haben dagegen verhältnismäßig viele sehr kleine Unternehmen (EU-27: 92%, DE: 83%). 4 Dieses Bild bestätigt die KMU-Dichte. Sie liegt auf Länderbasis zwi- schen einer Spannbreite von weniger als 25 KMU pro tausend Ein- wohner bis zu mehr als 75 KMU pro tausend Einwohner. Je höher die KMU-Dichte, desto mehr kleine Unternehmen sind in dem jewei- ligen Land angesiedelt. Die KMU-Dichte in Deutschland ist im inter- nationalen Vergleich relativ niedrig, was dem relativ großen Anteil mittelgroßer Unternehmen geschuldet ist. Allerdings sagt die KMU- Dichte wenig darüber aus, ob ein Land KMU-„gesättigt“ ist, denn eine „optimale“ Anzahl von KMU kann nicht bestimmt werden. 3.2 Die Beschäftigungsstruktur – „Jobmotor KMU“ umstritten KMU wird oftmals der Titel des Jobmotors einer Volkswirtschaft ver- liehen. Dabei muss jedoch unterschieden werden zwischen dem relativen Anteil der bei KMU Beschäftigten, den Beschäftigungs- zugängen und –abgängen im Konjunkturverlauf und den einzelnen Größenklassen. Ein allgemeines Urteil zum „Jobmotor KMU“ wäre daher zu vereinfachend. Ungeachtet der beträchtlichen Anzahl der KMU ist ihre Bedeutung in Bezug auf die Beschäftigtenzahlen deutlich geringer. In allen be- obachteten Ländern Europas beschäftigen KMU mindestens 50% aller Arbeitnehmer. In den USA hingegen sind es etwa 42%. In Deutschland liegt der Anteil der Erwerbstätigen in KMU im Verhält- nis zur Gesamtzahl aller Erwerbstätigen bei rund 61%, was im inter- nationalen Vergleich etwa dem Durchschnitt entspricht. 5 Südeuropä- ische Länder wie Italien, Griechenland, Portugal oder Spanien wei- sen einen besonders hohen Anteil mit rund 70-80% aller Erwerbstä- tigen in KMU auf. Auch KMU in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) beschäftigen rund 70% aller Beschäftigten. Damit sind KMU zusammengenommen die größten Arbeitgeber. Im Um- 4 Regionale Unterschiede zeigen sich in Mittel- und Osteuropa (MOEL): Baltische Staaten: Kleinstunternehmensquote von 77 bis 82%; Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien: Kleinstunternehmensquote von mehr als 90%. 5 Eurostat kommt in seinen Berechnungen auf eine KMU-Beschäftigtenquote von 61% für Deutschland, während das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn auf Basis gleicher Definition eine Quote von 55% ermittelt. Dies reflektiert anschaulich das Problem der Datenerhebung zu KMU nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und den USA. Nach deutscher Definition (bis 500 Mitarbeiter) läge hingegen die Beschäftigtenquote bei 70,6%. Daraus lässt sich folgern, dass in Un- ternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern rund 15% der Beschäftigten tätig sind. 0 20 40 60 80 100 MOEL-12 EU-27 DE US 30 22 48 65 80 110 260 319 380 680 1.430 1.714 9.510 9.180 8.270 7.902 >250 50 bis 249 10 bis 49 1 bis 9 $* **** 34***** *** *** ******* ********** Quellen: Eurostat, SBA 2005 in % * 0% 20% 40% 60% IT PL EU-27 FR DE US >250 50 bis 249 10 bis 49 1 bis 9 !****&********* **** * **$* **** 34* Quellen: Eurostat 2005, SBA 2005 9 Aktuelle Themen 441 6 18. März 2009 Beschäftigungseffekte Durchschnittliche Mitarbeiterzahlen glätten die Effekte aus Firmengrößenstruktur und Beschäftigung und sind ein weiterer Indikator zur Bestimmung der Bedeutung verschiede- ner Firmengrößenklassen. In den USA hatte 2004 der durchschnittliche KMU-Arbeitgeber zehn Mitarbeiter in einem einzelnen Betrieb angestellt. Die durchschnittliche große Firma in den USA hatte im Gegensatz dazu 62 Betriebe mit 3313 Angestellten. Die durch- schnittliche Firmengröße in Deutschland liegt bei 7,7 Mitarbeitern, während in Mittelmeer- ländern wie Italien oder Griechenland nur drei bzw. zwei Mitarbeiter pro KMU beschäftigt sind. Die sehr kleine durchschnittliche Fir- mengröße reflektiert den hohen Anteil fami- liengeführter Mikrounternehmen, während in den USA der größte Anteil der Beschäftigten bei den Großunternehmen auf dem Lohnzet- tel steht. kehrschluss heißt dies allerdings, dass die wenigen großen Unter- nehmen, die gerade einmal 0,5% aller Unternehmen darstellen, im Mittel etwa 35-40% aller Arbeitnehmer beschäftigen. Aufgefächert nach Unternehmensgröße lassen sich einige Unter- schiede für verschiedene Länder und Ländergruppen zusammen- fassen: — Während in MOEL mehr als jeder dritte Erwerbstätige bei Kleinstunternehmen (bis 9 Mitarbeiter) beschäftigt ist, sind es in den USA nur etwas mehr als einer von zehn. — In Deutschland sind verglichen mit anderen Ländern überdurch- schnittlich viele Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen und bei den größeren Mittelständlern beschäftigt. Dies bestätigt die Besonderheit der deutschen Struktur, die sich schon bei den Größenklassen zeigte. — Die USA und Deutschland sind sich zwar in der Firmengrößen- struktur ähnlich, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Be- schäftigungsstruktur erheblich. Dennoch gilt, dass in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den USA die Kleinstunternehmen weniger Mitarbeiter beschäftigen als die kleinen bzw. mittleren Unternehmen. Für viele andere EU-27-Länder trifft der umge- kehrte Fall zu. Im Zusammenhang mit den hohen Beschäftigungsanteilen von KMU wird häufig davon ausgegangen, dass KMU eine größere Beschäfti- gungsdynamik (vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen) als Großunternehmen im Konjunkturablauf vorweisen, Beschäftigungs- rückgänge in wirtschaftlich schwachen Zeiten besser abfangen und weniger Mitarbeiter entlassen als große Unternehmen. Untersu- chungen in mehreren Ländern 6 zeigen jedoch, dass zumindest bei Kleinstunternehmen hohe Jobzuwachsraten häufig mit hohen Job- verlustraten gepaart sind, womit Zweifel an der These des „Jobmo- tors KMU“ aufkommen. Obwohl KMU meist in der Summe mehr Jobs generieren, tun sie dies auf eine sehr dynamische Art, wie die Grafik für deutsche Unternehmen auf S. 7 zeigt. 7 Hier weisen kleine- re Betriebe einen höheren Anteil an Beschäftigungszuwächsen und –verlusten auf. Von zehn Firmen mit Beschäftigungsgewinnen oder –verlusten haben fast vier Firmen weniger als zehn Mitarbeiter. Ähn- liche Zahlen liegen für die USA vor, wo KMU mit zunehmender Fir- mengröße anteilig weniger Jobs geschaffen haben. Dies bedeutet, dass größere Firmen tendenziell weniger Schwan- kungen unterliegen als kleinere. Kleine Unternehmen unterliegen dagegen einem wesentlich volatileren Beschäftigungsprozess als größere, was auch eine geringere Jobsicherheit für Angestellte klei- nerer Firmen bedeutet. Kleinere Firmen haben den Vorteil größerer Flexibilität und höhere Bewegung auf dem Arbeitsmarkt, sowie schnellere Anpassung an strukturelle und konjunkturelle Schwan- kungen. Nachteilig ist hingegen die Unsicherheit, die diese Fluktua- tionen bei Arbeitnehmern auslösen, so dass höher Qualifizierte un- ter Umständen Arbeitsplätze bei kleinen Unternehmen weniger at- 6 Wagner, Koller und Schnabel (2007). Sind mittelständische Betriebe der Jobmotor der deutschen Wirtschaft? Günterberg und Wallau (2007). Beschäftigungsbeitrag des Mittelstands 2007 in Deutschland, IfM Bonn. Helfand, Sadeghi und Talan (2007). Employment dynamics: small and large firms over the business cycle, BLS USA, Monthly Labor Review. Van Praag (2007). What is the value of entrepreneur- ship? A review of recent research, IZA Discussion Paper. 7 IAB Discussion Paper 2/2008. KMU und Arbeitsplatzdynamik * Eine Analyse auf Basis der Beschäftigten-Historik-Datei. Hier Daten für Westdeutschland, da Daten nur separiert vorliegen. Tendenzen für Ostdeutschland sind aber vergleichbar. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 0 20 40 60 80 100 KMU-Dichte (pro 1.000 Einw.) ******** ** Quelle: Eurostat 2005 Anteil der KMU-Beschäftigten in % ES CZ DE EU-27 FR IT PL UK HU *** *** ****** * * * 75 80 85 90 95 100 0 20 40 60 80 100 CZ DE ES EU - 27 FR IT PL UK HU Anteil Mikrounternehmen in % (re.) KMU-Dichte (li.) ******** ** ****** *** Quelle: Eurostat 2005 * Mittelstand international 18. März 2009 7 traktiv finden. Betrachtet man die Nettobeschäftigungsveränderung, gibt es die größten Nettoveränderungen bei ganz kleinen und ganz großen Unternehmen. Insgesamt lässt sich für die USA und Deutschland erkennen, dass sich die Job-Gewinn/Verlust-Raten invers zur Firmengröße verhalten. Je größer die Firmen, desto ge- ringer ist die „Turnover“-Rate. Insgesamt kann jedoch kein verallgemeinernder Schluss aus diesen Zahlen gezogen werden. Firmen innerhalb einer Größenklasse rea- gieren nicht einheitlich auf Konjunktur und strukturelle Veränderun- gen und unterscheiden sich hinsichtlich Sektoren, Exportverhalten o.ä. In den USA waren die kleinen Firmen für die Mehrheit der Job- verluste der Rezession 1991 verantwortlich, während 2001 die gro- ßen Firmen die meisten Jobverluste zu verzeichnen hatten. Diese Beobachtung ist nur strukturell zu erklären und nicht mit der Fir- mengröße allein. Stellenwert der Mikrounternehmen ist in vielen Ländern hoch Vor allem in den Mittelmeerstaaten wie Griechenland und Italien ist der größte Anteil der Beschäftigten in Kleinstunternehmen ange- stellt. Viele Kleinstunternehmen wiederum führen zu einer höheren KMU- Beschäftigung. Zwischen dem prozentualen Anteil der Beschäftigten bei Kleinstunternehmen und der Beschäftigungsquote der KMU einer Wirtschaft allgemein besteht eine positive Korrelation. Diese Beobachtung zeigt, dass die Kleinstunternehmen durch ihre Anzahl in vielen Ländern eine treibende Kraft der Beschäftigung bilden. Während in den USA nur vergleichsweise wenige Erwerbstätige sowohl bei Mikrounternehmen als auch bei KMU insgesamt tätig sind, sind z.B. in Spanien und Italien sowohl bei Kleinstunternehmen als auch in KMU überdurchschnittlich viele Mitarbeiter beschäftigt. 8 In Deutschland ist der Zusammenhang zwischen Mikrounterneh- mensanteil und KMU-Beschäftigungsanteil geringer ausgeprägt, was für den bereits erwähnten stärkeren Stellenwert der „mittleren“ KMU spricht. Die Kleinstunternehmen in Deutschland erweisen sich damit im Vergleich zu anderen Ländern als etwas schwächerer Be- schäftigungshebel. 8 Einschränkend ist anzumerken, dass der geringe Anteil von Mikrounternehmen- Beschäftigten in den USA hierbei auch zum Teil der Statistik geschuldet ist, da vie- le Einzelunternehmen nicht in der KMU-Statistik registriert werden. 0 20 40 60 Gewinn Verlust Gewinn Verlust Gewinn Verlust Gewinn Verlust Gewinn Verlust Gewinn Verlust 1 bis 9 10 bis 49 50 bis 99 100 bis 249 250 bis 499 über 500 anteilig in % für jeweilige Betriebsgröße !****&********** **** Quelle: IAB 2008 ***/** ***** 1995-2005, Westdeutschland < -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 1995 2000 2005 =****"****&********/ Quelle: IAB 2008 nach Betriebsgröße, Westdeutschl. ** &*** ***** > 10% 20% 30% 40% 50% 60% 40% 45% 50% 55% 60% 65% 70% 75% 80% 85% 90% Anteil der Beschäftigen in Kleinstunternehmen (0-9) )******* ** * ********* **( * "**&**** ********!****&******** **** Quellen: Eurostat 2005, SBA 2005 Anteil der Erwerbstätigen im Mittelstand US EU-27 DE IT AT FR ES MOEL CZ PL HU SI SK ************* ****** *? Aktuelle Themen 441 8 18. März 2009 KMU mit höherem Wertschöpfungs- anteil in den Mittelmeerländern Kleinere Firmen in Branchen, die von Flexibilität und geringeren Skaleneffekten geprägt sind 3.3 Wertschöpfung – KMU schaffen Großteil des Mehrwerts Neben den Beschäftigungseffekten von KMU für eine Volkswirt- schaft gibt der Wertschöpfungsanteil Aufschluss über die gesamt- wirtschaftliche Bedeutung. Der Wertschöpfungsanteil der KMU in der Gesamtwirtschaft liegt für fast alle untersuchten Länder über der 50%-Schwelle. Das bedeutet, dass KMU einen entscheidenden Anteil zum erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt beitragen. KMU in Deutschland steuern rund 53% zur Wertschöpfung bei, mehr als in der Slowakei, Polen und Rumänien, wo der Anteil unter 50% be- trägt. In vielen Mittelmeerländern und den baltischen Staaten dage- gen ist der Anteil mit über 60% höher als in Deutschland. Die beiden Faktoren – Erwerbstätigenanteil und Wertschöpfung – sind ein Indikator für die wirtschaftliche Bedeutung der KMU. Wie die Grafik zeigt, ist in Ländern mit höherem KMU-Beschäftigungs- anteil (welcher wiederum eng mit der Selbständigenquote korreliert ist) auch der Wertschöpfungsanteil höher. 4. Opening the „Black Box“ – KMU unterliegen einer Vielzahl von Wirkungszusammenhängen Unterschiedliche Unternehmensgrößenklassen, Beschäftigungs- quoten und Wertschöpfungsanteile der KMU in Ländern werden durch unterschiedliche Faktoren geprägt. Die folgenden acht Fakto- ren sollen eine bessere Annährung an das Phänomen KMU und die Wirkungszusammenhänge, denen sie unterliegen, ermöglichen: 1. Länder haben Stärken in unterschiedlichen Sektoren, was sich auf die Firmengrößenstruktur auswirkt. In manchen Sektoren sind kleinere Firmen aus Gründen der Flexibilität oder weniger nutzbarer Skaleneffekte von Vorteil. Dies trifft z.B. für Tourismus oder das Handwerk zu. Auf der anderen Seite können in vielen Branchen Synergien nur durch größere Firmen genutzt werden, z.B. im Anlagen- oder Großindustriebau. 2. Regulierung und äußere Rahmenbedingungen wie Bürokratie, Steuern oder Regulierungskosten wirken sich auf Unterneh- menswachstum, Größenstrukturen der Unternehmen und Fluk- tuation aus. 3. Viele Firmenneugründungen und eine hohe Fluktuation an Marktein- und -austritten könnten dazu führen, dass tendenziell mehr Kleinstunternehmen im Markt sind, da Neugründungen in der Regel als Kleinstunternehmen beginnen und sich im Zeitver- 0 20 40 60 80 100 AT CZ DE EL ES EU - 27 FI FR HU IT LV NL PL PT SI SK UK Wertschöpfungsquote Beschäftigungsquote Selbständigenquote '* ****3.*****@**** Quelle: Eurostat 2005 im Vergleich zu Beschäftigung und Selbständigenquote, in % ** Mittelstand international 18. März 2009 9 Ä hnliche Branchenstruktur in der EU -15 und den USA lauf mit zunehmendem Erfolg vergrößern (Unternehmenswach- stum) oder wieder aus dem Markt austreten. 4. Eine hohe Selbständigen-Quote weist auf einen ausgeprägten Gründergeist hin. Die Motive für Unternehmensgründungen kön- nen jedoch ganz unterschiedlich sein. 5. Der Zugang zu Finanzierung ist essentiell für KMU aller Größen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Eigenkapitalunterfütte- rung. Rechtsformen bestimmen dabei häufig den Zugang zu Fi- nanzierungsmöglichkeiten, aber auch die Steuerbelastung und damit die Fähigkeit, Eigenkapital zu bilden. 6. Innovation bedeutet Wirtschaftswachstum durch Fortschritt. Doch nicht alle KMU investieren gleich. Wie gut die KMU für die Zu- kunft gerüstet sind, hängt damit auch wieder von Finanzierungs- zugang und (internationalen) Rahmenbedingungen ab. 7. KMU nutzen und beteiligen sich an der Globalisierung durch Internationalisierung in Form von Exportorientierung, ausländi- schen Partnerschaften oder Joint Ventures. 8. Sowohl die Verfügbarkeit, als auch die Kosten und die Qualifika- tion von Personal werden für KMU verstärkt eine Rolle spielen. Besonders die letzten drei Faktoren sind für eine erfolgreiche Zu- kunft der KMU von spezieller Bedeutung. 4.1 Wirtschaftssektoren und Branchen – Wo ist „klein“ am stärksten? Ein Faktor, der Firmengrößen- und Beschäftigungsstruktur mitbe- stimmt, ist die Sektorenstruktur der Wirtschaft. Die häufig als Indus- trienationen bezeichneten Länder haben sich schon längst in Dienstleistungsnationen gewandelt. So ist es der Dienstleistungs- sektor, in dem sowohl in der EU als auch in den USA die meisten KMU tätig sind. Allerdings werden auch verschiedene Industriebe- reiche bevorzugt von kleinen Unternehmen abgedeckt. Die Branchenstruktur der amerikanischen und EU-15-KMU ist fast identisch. Dies hängt mit einer parallelen sektoralen Entwicklung in den vergangenen fünfzig Jahren zusammen. In all diesen Ländern sind über die Hälfte der KMU im allgemeinen Dienstleistungssektor aktiv. Im Gegenzug dazu ist in vielen MOEL der Handelssektor stär- ker ausgeprägt, und verhältnismäßig mehr KMU produzieren Güter im Verarbeitenden Gewerbe. Dieser Unterschied ist ein Resultat des noch nicht vollständig abgeschlossenen Transformationsprozesses der MOEL und spiegelt gleichzeitig die Investitionsschwerpunkte ausländischer Investoren dort in den vergangenen Jahrzehnten wider. Land Handel Verarb. Gew erbe Bau Untern.- serv. Andere Dienstleist. AT 17% 12% 8% 16% 48% DE 22% 9% 10% 22% 38% EL 60% 4% 14% 5% 18% ES 31% 10% 11% 18% 30% FI 23% 9% 13% 21% 34% IT 28% 15% 12% 20% 26% GB 13% 10% 22% 21% 33% Quellen: OECD, Eurostat, 2005 Sektorzugehörigkeit der KMU 12 Aktuelle Themen 441 10 18. März 2009 Fast drei Viertel der deutschen KMU im Dienstleistungssektor Betrachtet man speziell die Mikrounternehmen in den EU-Ländern, so ist zu erkennen, dass sie besonders stark im Bausektor, im Im- mobilien- und Gaststättengewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel vertreten sind. Dort haben mehr als ein Drittel aller Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter und mindestens zwei Drittel der Betrie- be weniger als 50 Mitarbeiter. In allen Ländern gibt es Branchen, die von KMU dominiert werden, wie auch Zahlen aus den USA zeigen, wo KMU den Bausektor bestimmen. Da in vielen Dienstleistungs- branchen nur geringe Synergieeffekte oder wenige Skaleneffekte mit zunehmender Größe zu nutzen sind, stellen oft weniger als 50 Mitarbeiter eine optimale Firmengröße dar. In Deutschland sind fast drei Viertel der KMU Dienstleistungsunter- nehmen. Es gab 2007 siebenmal so viele Unternehmensneuanmel- dungen im Grundstücks- und Wohnungswesen (186.000) und Ein- zelhandel (176.000) als im Verarbeitenden Gewerbe (24.000). 9 Al- lerdings ist die Unternehmensfluktuation im Dienstleistungssektor auch deutlich höher als im Verarbeitenden Gewerbe, wo die Unter- nehmen häufig größer sind. Ähnlich wie in Deutschland sind auch in Frankreich die Gründungszahlen in den letzten Jahren für den Im- mobiliensektor, Business-Services und Bausektor angestiegen. 10 Ein klassischer Dienstleistungs-KMU-Bereich ist der Tourismus, wie ein Blick nach Österreich zeigt. Dort sind überdurchschnittlich viele KMU im Tourismusbereich aktiv, insgesamt auch mit den relativ meisten KMU-Beschäftigten. Einer der wichtigsten Dienstleistungs- bereiche ist der Handel. In den USA wird der Großhandel von klei- nen und mittleren Firmen dominiert, der Einzelhandel besteht aber zur Mehrzahl aus großen Unternehmen, die immer mehr den ameri- kanischen Markt in Form von Ladenketten bestimmen. Kleine Mom- and-Pop-Shops wurden, wie in Europa, immer mehr von großen national oder international agierenden Geschäften zurückgedrängt. Trotz der dominierenden Anzahl von Dienstleistungsunternehmen bleibt die Industrie ein wichtiger Wirtschaftzweig für den Mittelstand. Den wichtigsten Anteil stellt das Verarbeitende Gewerbe (80%). Etwa 94% der Industrieunternehmen zählen zu den KMU, und von diesen haben mehr als die Hälfte weniger als 20 Mitarbeiter. 11 Trotzdem sind Deutschlands im Verarbeitenden Gewerbe tätige KMU im Vergleich zu anderen EU-Ländern überdurchschnittlich groß: ein doppelt so hoher Anteil an KMU (40%) wie in Frankreich, Italien oder Polen (weniger als 20%) hat mehr als zehn Mitarbeiter. Geht man zudem über die enge Definition der EU-Kommission hinaus, so wird klar: Kein anderes großes Industrieland verfügt über einen so breiten, international aufgestellten Mittelstand wie Deutsch- land. 9 Statistisches Bundesamt, 2008. 10 Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE) (2006): Les grandes évolutions – La demographie des PME. 11 IfM Bonn/BDI: Mittelstandspanel 2007. 1 bis 9: 7% 10 bis 19: 8% 20 bis 49: 7% 50 bis 249: 25% > 250: 53% 1* " ********A* * "* Deutschland - Beschäftigungsanteile, nach Größenklasse Quelle: Eurostat 2006 *8 Mittelstand international 18. März 2009 11 Die Leichtigkeit des Seins… Doing Business 2009 Die International Bank for Reconstruction and Development (IBRD) der Weltbank hat in ihrer „Doing Business“-Serie Indikatoren in einen „Ease of Doing Business“-Index zusammenge- fasst, an dessen Spitze Singapur liegt. Der Index umfasst Regulierungsindikatoren wie Regulierungskosten, internationaler Handel, Höhe des Aufwandes Steuerzahlungen vorzu- nehmen und andere bürokratische Faktoren. Die europäischen Länder, die es in die Top-Ten schafften, sind Dänemark, UK und Irland. Die hinteren EU-Plätze belegen Tschechien, Polen und Griechenland. Deutschland nimmt den 25. Platz unter 181 Ländern ein, denn Steueroa- sen oder Niedrigregulierungsländer sind in diesem Index höher gelistet. Da der Index eine Gleichgewichtung der Indikatoren vornimmt und makroökonomische Faktoren, Stabilität, Infrastruktur u.ä. ausschließt, besitzt er nur eine beschränkte Aussagekraft. 4.2 Regulierung und Rahmenbedingungen bestimmen Struktur und Erfolg Rahmenbedingungen wie Bürokratie, Steuern, Regulierungskosten oder Bildungsangebote entscheiden mit darüber, wie schwer oder einfach Unternehmensgründungen durchzuführen oder wie viele Fachkräfte verfügbar sind. Dies wiederum hat einen Einfluss darauf, wie hoch die Fluktuation der Unternehmen (d.h. Marktzugänge und Marktaustritte) auf dem Markt ausfällt oder wie häufig es zu Unter- nehmenserweiterungen kommt. Regulative Rahmenbedingungen Der Länderindex der Stiftung Familienunternehmen 12 gibt einen Eindruck über regulative Rahmenbedingungen in ausgewählten Ländern. Während die USA, die Schweiz und Großbritannien im Vergleich das unternehmensfreundlichste Regulierungsklima auf- weisen und auch im Gesamtindex vorne liegen, hat Polen die güns- tigsten Steuerbedingungen. Trotz Unzufriedenheit deutscher Unter- nehmen sind diesem Index zufolge die finanziellen Rahmen- bedingungen bei weitem nicht so negativ wie bei Unternehmensbe- fragungen gelegentlich der Eindruck entsteht (s. Kapitel Finanzie- rung). Deutschlands steuerliches Umfeld schneidet darüber hinaus im Vergleich fast identisch mit dem der Schweiz ab, während Frank- reichs steuerliche Rahmenbedingungen als relativ unternehmens- unfreundlich eingestuft werden. Firmengröße und Regulierungskosten Je kleiner eine Firma, desto mehr leidet sie unter Beschränkungen durch Regulierung. Große Firmen spüren die Belastungen weniger, da sie sich bei diesen auf mehrere Schultern verteilen. Die Grenz- kosten des Zugangs zur Finanzierung, der Überwindung der Büro- kratiehürden oder der Erfüllung von rechtlichen Vorschriften nehmen mit zunehmender Unternehmensgröße ab. Zahlen bestätigen, dass kleinere Unternehmen stärker unter Finan- zierungsbeschränkungen, Regulierung, Bürokratie oder gar Korrup- tion leiden als große. 13 In Deutschland sind bürokratiebedingte Kos- ten pro Beschäftigten für kleine Unternehmen bis zu viermal so hoch 12 Länderindex Stiftung Familienunternehmen, http://www.familienunternehmen.de, Maximale Punktzahl 100: Je höher, desto bessere Rahmenbedingungen. 13 World Bank (2008): Doing Business 2009 0 50 100 ES FI PT EL AT UK FR EU-27 PL BG IT DE MOEL SI SK CZ HU Quelle: Eurobarometer 2006 !* ** ***** *** % der Unternehmen mit Problemen *9 0 20 40 60 80 100 GB CH US DE FR ES PL IT Gesamtindex 2008 Steuern Arbeitskosten, Produktivität, HK Regulierung Finanzierung öffentliche Infrastruktur 5&*** ****%6??< Quelle: Stiftung Familienunternehmen 2008 ** Aktuelle Themen 441 12 18. März 2009 wie die für große Unternehmen. 14 Auch eine Studie 15 zu KMU in den USA kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Obwohl die USA im All- gemeinen ein gutes, prosperierendes Regulierungsklima für Firmen aufweisen, so sind auch dort die kleineren KMU hinsichtlich der Einhaltung von Regulierungsvorschriften schlechter gestellt als grö- ßere KMU oder große Unternehmen. Kleine Unternehmen mit weni- ger als 20 Mitarbeitern müssen im Vergleich zu Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bis zu 45% höhere Kosten pro Mitar- beiter aufbringen, um regulative Vorschriften zu erfüllen. Besonders gravierend ist der Unterschied dort bei den Kosten für die Erfüllung von Umweltauflagen. 4.3 Wachstum und Veränderung - - - - dynamische KMU zeigen Flexibilität Zahlreiche Unternehmensgründungen trotz Bürokratie Um ein Unternehmen zu gründen, braucht es neben einer Idee vor allem Kapital und Zeit. Eine Unternehmensidee in die Tat umzu- setzen, kann je nach Land im Schnitt von sieben bis zu 50 Tagen dauern. Schneller als in Deutschland (18 Tage) geht es in manchen EU-Nachbarländern und den USA (6 Tage). 16 Unterschiede beste- hen außerdem bei den Aufwendungen, die für eine Unternehmens- gründung erforderlich sind. Gemessen am Anteil des Pro-Kopf- Einkommen des Landes sind Unternehmensstarts verhältnismäßig kostenintensiv in Italien, Spanien oder Polen. In Deutschland kosten Unternehmensgründungen rund 5% des Pro-Kopf-Einkommens. Allerdings lässt sich schwer feststellen, wie stark Bürokratie Unter- nehmensgründer in den verschiedenen Ländern durchschnittlich behindert, denn Länder mit hoher Firmengründungsrate haben nicht nachweisbar weniger Bürokratie vorgeschaltet. Weder die Kosten der Unternehmensgründung noch die Angst vor Misserfolg bestim- men offensichtlich die Gründungsentscheidung maßgeblich. Der negative Zusammenhang zwischen Firmengeburtsrate und Kosten des Unternehmenseintritts bzw. der Angst vor Misserfolg 17 ist nicht unerwartet, allerdings ist dieser Zusammenhang nicht stark ausge- prägt. Administrative Regulierung wird eher als Problem bei existie- renden Unternehmen gesehen, statt als Hinderungsgrund für Start- up-Gründer. Auf der anderen Seite könnte die Gründungsrate ver- mutlich mit weniger Bürokratie in manchen Ländern höher ausfallen. Fluktuation – Lebenszyklen von KMU oft nur kurz Fluktuation betrachtet neben den Unternehmensgründungen auch die Zahl der Unternehmensaustritte aus dem Markt – sei es durch Insolvenz oder einfache Unternehmensaufgabe. Höhere Fluktuation über den Konjunkturablauf kann zum einen durch einen flexibleren Markt, zum anderen aber auch durch ein unsicheres oder volatiles Umfeld bedingt sein. Nettozuwachsraten hängen meist mit der kon- junkturellen Lage zusammen oder sind durch Strukturwandel be- dingt. Das Verhältnis von Unternehmenseintritten und -austritten auf dem Markt zeigt für Deutschland eine deutlich niedrigere Fluktuation als für Länder wie die USA, die Niederlande oder eine Reihe osteu- ropäischer Länder. Dabei verbleibt aber trotz allem in Deutschland 14 IfM (2004). Bürokratiekosten kleiner und mittlerer Unternehmen; IHK Schwaben (2004). Initiative gegen Bürokratie. 15 SBA (2005). The Impact of Regulatory Costs on Small Firms. 16 Unter den EU-15 dauert es besonders lange in Spanien, Österreich und Luxem- burg, um die behördlichen Hürden zu überwinden; fast 50 Tage sind in Bulgarien notwendig. OECD, 2005. 17 Global Entrepreneurship Monitor (GEM). Fear of Failure. 0 20 40 60 NL US BE HU SI SE FI CZ PT IE IT DE UK FR ES Gründungsrate Angst vor Misserfolg ****** ***** **** Quellen: GEM, OECD 2005 in % *: -5 0 5 10 15 CZ HU NL USA IT SI SE FI DE UK ES BE IE PT FR SK Netto-Fluktuation Austrittsrate Gründungsrate ***/$********* Quelle: OECD 2005 in % *; Mittelstand international 18. März 2009 13 ein positiver Gründungssaldo, da neben der Eintrittsrate auch die Rate der Insolvenzen relativ niedrig ist. Die Eintrittsraten überstei- gen die Austrittsraten besonders stark beispielsweise in der Slowa- kei mit einem Zuwachs von über 5%. Zu einer Reduktion der KMU- Zahl kam es in den letzten Jahren in Tschechien und Ungarn, wo die Zahl der Insolvenzen die der Unternehmenseintritte in den Markt überstieg. In Ungarn oder den USA, wo entweder der Aufwand oder die Kosten für Gründungen relativ niedrig sind, könnte die hohe Fluktuation zum Teil auch mit der relativen Einfachheit, ein Unter- nehmen zu gründen, erklärt werden. In Ländern mit höherer Angst vor Misserfolg, wie in Deutschland, sind Gründer vermutlich zögerli- cher. Diese plausible Erklärung kann empirisch aber nicht unter- mauert werden. Bei den Überlebensraten gibt es für das erste Jahr eher geringe Unterschiede zwischen den Ländern. Mehr als 80% aller KMU wer- den älter als ein Jahr. In Spanien beispielsweise überleben mehr als 80% der Firmen ihr erstes Jahr, drei Viertel ihr zweites und noch über die Hälfte ihr fünftes Jahr. Firmen im Servicesektor kränkeln dabei eher als Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe. Durch- schnittlich überleben etwa die Hälfte der KMU die ersten fünf Jahre. Unternehmenswachstum als Erfolgsindikator Neben dem Überleben ist Wachstum eine Erfolgsgröße für Unter- nehmen. Als „Gazellen“ bezeichnet man stark wachsende Firmen, die mindestens fünf Jahre bestehen. Die meisten „Gazellen“ gibt es in den baltischen Staaten und Bulgarien, sowohl nach Beschäfti- gung als auch nach Umsatz, was u.a. den wirtschaftlichen Aufhol- prozessen in diesen Ländern zuzuschreiben ist. Zieht man auch neugegründete Unternehmen, die in der Regel stärkeren Schwan- kungen unterliegen und schneller wachsen als etablierte Firmen, in diese Betrachtung mit ein, so gibt liegt der Anteil von KMU mit schnell wachsender Beschäftigung in einigen MOEL bei 5% bis 9%, in den USA im Vergleich bei rund 5%. 4.4 Selbständige als KMU-Initiatoren Obwohl sich statistisch schwer zwischen Selbständigen, Einzelun- ternehmen und KMU trennen lässt, kommt der Selbständigenquote eine besondere Rolle zu. Eine hohe Selbständigenquote weist auf einen aktiven Gründer- und Unternehmergeist hin. Die Selbständi- genquote steht außerdem im positiven Zusammenhang mit der Er- werbstätigenquote und dem Wertschöpfungsanteil. KMU sind in den häufigsten Fällen familiengeführt, partnergeführt oder von Einzelunternehmern gegründet. Dadurch herrscht eine natürliche Korrelation zwischen Selbständigenzahlen und KMU- Zahlen, weil beide Variablen statistisch nicht unabhängig sind. Die Motivation für die Selbständigkeit oder Unternehmensgründung kann ganz unterschiedlicher Natur sein. So sind die Motive für ein Start-up in der EU beispielsweise der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, mehr Geld zu verdienen oder die mit der Selbständigkeit ver- bundene Herausforderung. Zudem wird nicht selten aus der Not eine Tugend gemacht: Viele machen sich selbständig, um der Ar- beitslosigkeit zu entgehen. Nach EU-Verständnis sind Selbständige als alleinige oder gemein- same Eigentümer eines Unternehmens definiert, in dem sie arbei- ten. 18 Da pro Unternehmen mehrere Personen, z.B. auch Familien- 18 In den USA wird stärker zwischen „self-employed“ und „business owner“ abgrenzt. Während der Inhaber nicht zwangsläufig am täglichen operativen Geschäft seines 0 20 40 60 80 IE US FI FR BG AT DE PL PT IT ES EL CZ UK HU Kosten, in % des Pro-Kopf-Einkommens Anzahl der Tage Anzahl der Vorgänge **** ******** ****** / Quelle: Weltbank 2007/08 (** ** ** **** "******* *< 0 20 40 60 80 100 FI IT NL ES SE UK HU SK 1 Jahr 2 Jahre 4 Jahre 5 Jahre B"* **"*** *** ** *** Quelle: OECD 2005 in % *> Aktuelle Themen 441 14 18. März 2009 Banken finanzieren KMU weltweit Eine Studie unter dem Dach der Weltbank vergleicht das Kreditvergabeverhalten von Banken an KMU in 45 Ländern. Am ehesten führen fehlende Informationen über das Leistungsvermögen oder Kredithisto- rie sowie zu geringe Sicherheiten bei jungen Unternehmen zu Unsicherheiten bei Banken hinsichtlich deren Kreditwürdigkeit. Ältere etablierte Firmen hingegen bauen über die Zeit eine Beziehung zum Kreditgeber auf bzw. verfügen über genügend Bonität oder Sicher- heiten, um als kreditwürdig und mit niedrigem Risiko eingestuft zu werden und so Zugang zu Krediten mit günstigeren Konditionen zu erlan- gen. Von über 80% der Banken in Entwicklungs- und Industrieländern wird das Geschäft mit KMU als profitabler Unternehmensbereich angesehen. Der KMU-Markt wird dabei eher von einheimischen Banken bedient als von ausländischen. Makroökonomische Instabilität (Entwicklungsländer) bzw. Wettbewerb (In- dustrieländer) werden als wichtigste Hindernis- se von Banken bei der KMU-Finanzierung angesehen. Die wichtigsten Kriterien für die Kreditentscheidung sind: die Begutachtung der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens, Bonität, Persönlichkeit des Besitzers, Sinn und Zweck des Kredites und Sicherheiten (wichti- ger bei kleineren Banken). Wichtigste Sicher- heiten sind in der Regel Hypotheken, Eigenka- pital und persönliche Sicherheiten. Banken fordern oft höhere Gebühren und Zinsen von KMU als von großen Unternehmen, haben aber auch mehr überfällige Kredite von KMU in ihrem Portfolio. Das Ergebnis der Studie ist, dass die Finanzierung der KMU weniger von deren Größe abhängig ist, als vom gesamten Finanzierungsumfeld des Landes. Quelle: Beck/Demirgüc-Kunt/Peria (2008): Banking SMEs around the World – Lending practices, business models, drivers and obstacles. World Bank. angehörige, als selbständig erfasst werden können, ist die Zahl der Selbständigen höher als die Zahl der KMU. In Deutschland gibt es über 4 Mio. Selbständige, in der EU sind es fast 33 Mio. (jeweils inklusive Landwirtschaft). In den USA gibt es rund 16 Mio. Selbstän- dige im weiteren Sinne; etwas über 5 Mio. sind „incorporated“. In Deutschland wird zudem statistisch zwischen Selbständigen mit Beschäftigten und Selbständigen ohne Beschäftigte unterschieden. Etwa 56% der Selbständigen operieren demnach als Einzelunter- nehmer, während 44% Mitarbeiter haben. 19 Mit Einführung des Internet sind die Möglichkeiten für Selbständige, eine Unternehmensidee auf kleinster Skala in die Tat umzusetzen, immens gestiegen. In Deutschland ist nach mehr als einem Jahr- zehnt des Anstiegs seit 2006 ein leichter Rückgang der Selbständi- genquote zu verzeichnen. Dies ist zum einen auf die gute konjunktu- relle Lage der letzten Jahre zurückzuführen, die zu einer Zunahme der Arbeitsplätze in Unternehmen führte und weniger Menschen aufgrund mangelnder Alternativen in die Selbständigkeit trieb, zum anderen auf geänderte Fördermaßnahmen zur Ich-AG. 20 In der EU führen Mittelmeerländer die Selbständigenquote an. Über 20% aller Erwerbstätigen in Griechenland, Italien, Portugal oder Rumänien sind Selbständige, die damit einen sehr wichtigen – und höheren – volkswirtschaftlichen Stellenwert einnehmen als bei- spielsweise in Deutschland, wo die Selbständigenquote mit rund 10% unter dem EU-Schnitt liegt (EU-27 rund 17%). Im internationalen Vergleich zeigt sich neben einem hohen Beschäf- tigungseffekt durch eine hohe Selbständigenquote darüber hinaus eine länderübergreifende positive Korrelation zwischen KMU- Beschäftigungsanteil, Mikrounternehmensanteil, Selbständigenquo- te und Wertschöpfungsanteil, wie weiter oben bereits angedeutet wurde. 4.5 Zugang zu Finanzierung überlebenswichtig für KMU Zugang zu externer Finanzierung ist essentiell für das Überleben kleiner und mittlerer Unternehmen, da sie in der Regel nicht mit Eigenkapital alleine prosperieren können. Verschiedene Finanzie- rungsformen sind verfügbar, jedoch nicht alle für alle gleich empfeh- lenswert. Darüber hinaus liegt ein besonderer Fokus auf der Eigen- kapitalunterfütterung. Die Rechtsform eines Unternehmens ist inso- fern von Bedeutung, als dass sie über die Inanspruchnahme ver- schiedener Finanzierungsinstrumente mitentscheidet. Rechtsform – Die Beziehung von Eigentum und Risiko Die besondere Beziehung von Eigentum und Leistung bzw. Haftung und Risiko ist der vielleicht entscheidendste Unterschied der KMU zu den Großunternehmen. 21 Denn diese Verflechtung schlägt sich auch in unternehmenspolitischen Entscheidungen nieder und be- stimmt so die Finanzierungsbedürfnisse. Ob ein Unternehmen risi- Unternehmens beteiligt sein muss, sondern als Teilhaber agieren kann, ist es für Selbständige notwendig, das Unternehmen selbst operativ zu gestalten und zu führen, um Einkommen zu generieren. In Deutschland wird die Selbständigenquo- te als Anteil der Selbständigen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen über den Mikrozensus erfasst. 19 OECD, Eurostat, IfM Bonn. 20 Für Ich-AGs können Arbeitslose zur Existenzgründung einen staatlichen Zuschuss erhalten, welcher den Einstieg in die Selbständigkeit erleichtern und Existenzgrün- dungen fördern soll. 21 Grichnik, Dietmar (2003). Finanzierungsverhalten mittelständischer Unternehmen im internationalen Vergleich. In Kienbaum/Börner. Neue Finanzierungswege für den Mittelstand. Düsseldorf. 0 10 20 30 40 LU US FR DE HU AT FI UK EU-27 CZ ES PL PT IT EL #**"**&******@**** Quelle: OECD 2006/2007 in % 6? Mittelstand international 18. März 2009 15 Small Business Act für Europa (SBAE) In der Europäischen Kommission stehen KMU seit einigen Jahren weit oben auf der Prioritä- tenliste. Die EU strebt an, einheitlichere, ver- gleichbarere Bedingungen für kleine Unter- nehmen in Europa zu schaffen, um so das administrative und rechtliche Umfeld zu ver- bessern. Die im SBAE enthaltenen zehn Grundprinzipien stehen unter der Maxime „think small first“: — Günstigere Bedingungen für Unternehmer und Familienbetriebe — zweite Chance für insolvente Unternehmer — Abbau von Verwaltungsaufwand — KMU-freundliche Verwaltungsverfahren — verbesserter Zugang zu öffentlichen Aus- schreibungen und Beihilfen — erleichterter Zugang zu Kapital — verbesserter Zugang zum Binnenmarkt — Förderung von Ausbildung und Innovation — Unterstützung in Umweltschutzangelegen- heiten — verbesserter Zugang zu Märkten außer- halb der EU Außerdem soll eine neue Rechtsvorschrift zur Europäischen Privatgesellschaft ermöglichen, dass in allen EU-Mitgliedstaaten Tochterunter- nehmen grenzüberschreitend als Privatgesell- schaft gegründet werden können, anders als bisher in jedem Mitgliedstaat mit jeweils unter- schiedlicher Rechtsform. Weitere Reformen sehen einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für lokal erbrachte arbeitsintensive Dienstleis- tungen und Zahlungsfristenbeschränkung auf 30 Tage vor. Die EU bietet außerdem Förderprogramme für KMU an. Dazu gehören Finanzierungsmög- lichkeiten, die den KMU direkt zur Verfügung stehen und speziell die Bereiche Umwelt, Forschung und Bildung fördern, Strukturfonds zur Förderung strukturschwacher Gebiete und Regionen und verschiedene Finanzierungsin- strumente. Diese Finanzierungsinstrumente laufen üblicherweise über Finanzintermediäre, um das Kreditvolumen für KMU insgesamt zu erweitern. Der Europäische Investitionsfonds, (EIF), die Europäische Investmentbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung stellen dazu Garantien für Kredite, Startkapitalfazilitäten oder Finanzie- rungsfazilitäten bereit. Einzelunternehmen typische Rechtsform bei KMU koadvers oder risikofreudig agiert, hängt bei vielen Unternehmen stark mit der Persönlichkeit des oder der Eigentümer - und natürlich dem Eigenkapitalpolster zusammen. Einzelunternehmen sind die typische Rechtsform von KMU in Deutschland, und die Eigentümer sind in den häufigsten Fällen auch die Unternehmensführer. Von fast 700.000 Unternehmensneuan- meldungen in 2007 waren 81% Einzelunternehmen,12% starteten als GmbH und 5% als GbR. 22 Während bei Personengesellschaften keine Mindestkapitalvoraussetzung aufgrund der persönlichen Haf- tung der Eigentümer besteht, ist für GmbH und AG Mindesteigenka- pital gesetzlich vorgegeben. Damit ist das Haftungsrisiko für Betei- ligte bei Personengesellschaften höher. Für Gläubiger ist die Eigen- kapitalausstattung von großer Bedeutung, da Gesellschaften für Verbindlichkeiten mit ihrem Vermögen haften. Je geringer die Höhe des Eigenkapitals, desto größer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit der Forderungen. In den USA sind 44% der KMU Proprietorships, 47% Corporations, und 9% Partnerships. Der wichtigste Unterschied zwischen Proprie- torships und Corporations ist, dass bei Proprietorships und Part- nerships die Inhaber mit ihrem Privatvermögen haftbar sind, bei Corporations in der Regel nicht. Dafür bringen Corporations steuer- liche Vorteile und die Nutzbarkeit einer Vielzahl von Finanzierungs- instrumenten mit sich. Für Proprietorships spricht dagegen der ge- ringe Bürokratieaufwand bei Gründung. 23 Auch in den meisten EU-Ländern sind mehr als die Hälfte aller KMU im Besitz von persönlich haftenden Eigentümern. Dazwischen gibt es je nach Land Mischformen, die Inhaber beschränkt haftbar ma- chen. Die EU hat außerdem europäische transnationale Rechtsfor- men ins Leben gerufen, die Unternehmen, die über Ländergrenzen hinweg operieren, das Leben erleichtern sollen. Eine solche Rege- lung ist darüber hinaus für KMU im Small Business Act for Europe vorgesehen (s. Box), der europäisch agierenden Unternehmen die Möglichkeit bietet, Tochterunternehmen grenzüberschreitend in ei- ner einheitlichen Rechtsform zu gründen. EU: Finanzierungsgewohnheiten unterschiedlich Kleine Unternehmen finanzieren typischerweise ihre Aktivitäten an- ders als große. Da der Zugang zu Finanzierung essentiell für Fir- menexpansion, Beschäftigungszuwachs und Wachstum ist, ist er ein wichtiger Hebel für die Wirtschaftspolitik, um ein besseres Innovati- ons- und Wachstumsklima zu schaffen. Über alle Ländergrenzen hinweg ist das Bankensystem der wichtigste institutionelle Anbieter von Finanzierung und Krediten für KMU. Der kritische Faktor, der häufig über den Zugang zu Finanzierung entscheidet, ist die Verfüg- barkeit von Informationen über das Unternehmen für das Finanzin- stitut bzw. die vorhandenden Sicherheiten auf Seiten der Unterneh- men. Banken spielen sowohl in den USA als auch in Europa die größte Rolle in der Finanzierung der KMU. Im Vergleich zu 65% in den USA verlassen sich 79% der europäischen KMU auf Banken als Geldge- ber. Leasingfirmen (24%) und öffentliche Einrichtungen (11%) folgen an zweiter und dritter Stelle in der EU. Doch auch hier sind die na- tionalen Unterschiede groß: Während nur die Hälfte der finnischen 22 Statistisches Bundesamt (2008). Neugründungen im Jahr 2007, http://www.destatis.de 23 Federal Reserve Board (2006). Financial Services Used by Small Businesses: Evidence from the 2003 Survey of Small Business Finance. Aktuelle Themen 441 16 18. März 2009 KMU Finanzierung bei Banken nachfragen, sind es in Irland oder Österreich über 90%. Andere Finanzierungsformen wie Leasing sind in Deutschland weit verbreitet (71%), aber deutlich weniger verbrei- tet in Finnland (27%). Überziehungskredite werden vorzugsweise von dänischen oder irischen Firmen in Anspruch genommen. Für das Güter produzierende Gewerbe lohnen sich außerdem Lieferan- tenkredite, eine Finanzierungsform, die in der Regel entweder über eine kurze Frist von Vorteil ist, da die Zinsraten für längere Lieferan- tenkredite über den üblichen Kreditraten liegen oder für KMU, die keinen Zugang zu anderen Finanzierungsquellen haben. Eine nied- rigere Finanzierung durch Banken ist aber nicht unbedingt auf das Angebot, sondern auch auf die Nachfrage zurückzuführen. Die Finanzierungsstrukturen und ihre Unterschiede in Europa sind eher dem Finanzierungssystem und den -gewohnheiten eines Lan- des sowie den historisch gewachsenen Strukturen geschuldet, als der Unternehmensgröße, dem Wirtschaftssektor oder Alter des Un- ternehmens. Steuersystem, Finanzsystem (bankbasiert, marktba- siert) oder rechtliche Vorschriften, wie Minimum-Eigenkapitalvor- schriften, ebenso wie kulturelle Gründe und Familienbesitz spielen eine Rolle. Deutschland: Hausbankbeziehungen bleiben wertvoll Die Europäische Kommission hat Deutschland das beste Förder- konzept für KMU innerhalb der EU, inklusive Finanzierung, beschei- nigt. Dennoch zeigten sich auf der anderen Seite deutsche Unter- nehmen bereits vor der Wirtschafts- und Finanzkrise mit den Finan- zierungsbedingungen unzufrieden. 24 Woran die Unzufriedenheit liegt, ist auf Makroebene nicht zu entschlüsseln. Die Beziehung der KMU zu ihren lokalen Hausbanken bleibt in Deutschland wertvoll. Rund 80% der KMU nutzen Banken zur Finanzierung, über 70% der Firmen haben ihre Hauptbankverbindung bei ihrer lokalen Sparkas- se oder Volks- und Raiffeisen- bzw. Genossenschaftsbank. Aber auch staatliche Förderprogramme werden von fast einem Drittel der Unternehmen nachgefragt. Besonders kleine Unternehmen sahen diese Förderung als essentiell für ihre Investitionsentscheidung an. USA: Kreditkarten zur KMU-Finanzierung Wer in den USA ein kleines Unternehmen startet oder ein wenig profitables Unternehmen besitzt, verlässt sich in der Regel auf Kre- ditkarten (privat oder Firmenkreditkarte) oder auf Eigenheimkredite. Sobald das Unternehmen Fuß fasst oder eine Wachstumsphase erlebt, greifen Eigentümer verstärkt auf reguläre Bankkredite oder Small Business Loans zurück, welche günstigere Kreditkonditionen aufweisen, aber höhere Standards verlangen und bessere Bonität voraussetzen. Obwohl die USA ein marktbasiertes Finanzsystem (arm-length lending) im Vergleich zum deutschen bankbasierten (relationships lending) Finanzsystem darstellen, nutzen in den USA speziell die kleineren Unternehmen vorzugsweise Banken (65% der KMU), um sich zu finanzieren und greifen auf traditionelle Kredite wie Kreditlinien, Darlehen, oder Leasing zurück. Die meisten der amerikanischen KMU sind in städtischen Gegenden angesiedelt, was ihnen verstärkt Zugang zu großen Banken verschafft. Dem- 24 Flash Eurobarometer 2005. Hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Zugang zu Finanzierung durch Banken sind andere europäische Länder Deutschland voraus. Denn rund ein Viertel der befragten deutschen KMU zeigte sich 2005 mit dem Zu- gang zu Finanzierungmöglichkeiten bzw. der finanziellen Sicherung der angestreb- ten Projekte nicht zufrieden; über 80% sagten, der Zugang zu Bankkrediten hätte sich im Vergleich zum Vorjahr erschwert; was zu den höchsten Unzufriedenheits- quoten innerhalb der EU-Länder zählt. 0% 50% 100% andere Kreditlinie Darlehen Leasing Inhaberkredit Persönliche Kreditkarte Unternehmens- Kreditkarte Lieferantenkredit Irgendeine Kreditform $****** **** ** *** *** ******# Quellen: SBA, Federal Reserve 2003/2006 66 0 10 20 30 40 DE FR ES EU-15 IT EL UK FI ********,****%** ** $*** *** ********* in % Quelle: Eurobarometer 2005 6* 0 50 100 FI CZ UK PL EL IT EU-15 DE ES FR IE AT Leasing Bank -&******* $****** **** ** *** Quelle: Eurobarometer 2005, 2006 in % 68 Mittelstand international 18. März 2009 17 Hohe Verwendungsrate von Firmen- kreditkarten bei amerikanischen KMU Kein klarer Zusammenhang zwischen Firmenalter und Finanzierungsform Eigenkapitalquote steigt tendenziell mit Unternehmensgröße entsprechend ist in den vergangenen Jahren auch der Anteil der großen Banken an Small Business Lending und Micro Business Lending größer geworden. Einen starken Anstieg erlebten auch „nondepository institutions“ (Hypothekenfirmen, Leasing-Firmen, Kreditkartenanbieter, Familien, Lieferanten, Venture Capital Firmen). Eine Besonderheit der amerikanischen KMU ist die hohe Verwen- dungsrate von Firmenkreditkarten (48% bei kleinen, bis zu 71% bei größeren Unternehmen). Der Vorteil von Kreditkarten für viele Un- ternehmer ist die Kombination aus Mittel zum Zahlungsverkehr und Vorfinanzierung, die eine einfache, flexible Möglichkeit vor allem für Kleinstunternehmen darstellt, sich schnell und kurzfristig mit Liquidi- tät zu versorgen. Vornehmlich jüngere und kleinere Unternehmen, die von Geldgebern in aller Regel als riskanter eingestuft werden und nur schwer Zugang zu regulären KMU-Krediten haben, nutzen Kreditkarten als Substitut für andere Kreditformen. Zahlen bestätigen, dass mit zunehmender Größe des Unterneh- mens mehr Kredite nachgefragt werden. Der Zusammenhang zwi- schen dem Alter einer Firma und der Finanzierungsform ist kaum gegeben. Auf der einen Seite neigen jüngere Firmen (unter fünf Jahren) dazu, weniger Kredite zu bekommen oder nachzufragen, was damit zusammenhängen kann, dass noch keine Bonität und persönliche Beziehungen zum Kreditinstitut aufgebaut sind. Auf der anderen Seite müssen ältere Firmen keine Anfangskosten mehr bedienen und haben mehr Eigenkapital angehäuft, wodurch sie weniger auf alternative Finanzierungsformen zurückgreifen müssen. Insgesamt sind KMU in ihrer Finanzierung häufig von privaten Be- ziehungen und Finanzierungsquellen abhängig bzw. von der persön- lichen Kreditwürdigkeit des Unternehmenseigentümers. Wichtig für alle KMU ist, auf einen ausgewogenen Finanzierungsmix zu setzen und das Eigenkapital zu stärken, um konjunkturelle Zyklen besser abzufedern. Eigenkapitalquote im Fokus – Federkissen und Trampolin In Deutschland steht immer wieder die Eigenkapitalquote (EK- Quote) von Unternehmen im Fokus. Trotz steigender Tendenz bleibt der Eigenkapitalanteil bei KMU deutlich unter dem großer Unter- nehmen. Kleine KMU mit einem Jahresumsatz von unter 2 Mio. Euro haben im Schnitt Eigenmittel von knapp 19%. Problematisch ist hierbei, dass im untersten Quartil KMU im Schnitt nur mit 3% Eigenkapital unterlegt sind, das Top-Quartil hingegen mit fast 40%. Die Eigenkapitalquote steigt außerdem mit zunehmender Unter- nehmensgröße. Große Unternehmen in Deutschland haben durch- schnittlich eine EK-Quote von 30%, wobei in dieser Gruppe die Un- terschiede zwischen den Quartils nicht so groß sind. Der Trend der steigenden Eigenkapitalausstattung hielt auch in 2008 an. So kön- nen Ende 2008 rund 27% der deutschen KMU eine Eigenkapital- quote von über 30% aufweisen. Weiterhin 32% der KMU bleiben mit weniger als 10% Eigenkapitalanteil unterkapitalisiert. 25 Unterschie- den werden muss zudem auch nach Branchen und nicht nur Unter- nehmensgröße. Die meisten ausreichend kapitalisierten Unterneh- men finden sich im Verarbeitenden Gewerbe. In bestimmten Sekto- ren dieser Branche 26 haben fast die Hälfte (48%) der Unternehmen mehr als 30% haftendes Eigenkapital zur Verfügung. 27 25 Deutsche Bundesbank 2006, Creditreform 2008. Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand 2008. 26 „Herstellung von Eisen-, Blech und Metallwaren, Möbeln, Musikinstrumenten, Sportgeräten, Spiel- und Schmuckwaren“. 27 Creditreform 2008. Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand 2008. Aktuelle Themen 441 18 18. März 2009 Hohe Eigenkapitalquote als Krisenpolster Innovationen wichtig auch für KMU In den meisten europäischen Ländern ist das Eigenkapitalpolster der KMU durchschnittlich dicker als bei deutschen Firmen. Daten zur EK-Unterlegung bei europäischen KMU nach Unternehmens- größe zeigen, dass in Deutschland zum einen die EK-Quote sowohl über Sektoren als auch über Größenklassen hinweg deutlich niedri- ger ist, als beispielsweise in Portugal, Spanien oder Frankreich, zum anderen aber auch, dass in anderen europäischen Ländern der EK- Anteil zwischen kleineren und größeren Unternehmen geringere Differenzen aufweist. 28 Eine Erklärung ist die in der Vergangenheit leichtere Fremdkapital- aufnahme in Deutschland, die weniger Eigenkapital notwendig machte und die traditionellen Finanzierungsmuster des Mittel- standes. Das in Deutschland stark ausgeprägte Hausbankprinzip und bestimmte Insolvenz- und Steuerrichtlinien haben einen hohen Eigenkapitalbestand in der Vergangenheit nicht notwendig gemacht. Studien 29 weisen zudem darauf hin, dass das tatsächliche Haftkapi- tal deutscher KMU häufig um einiges höher ist, als es das bilanzier- te Eigenkapital ausweist. Dies steht auch im Einklang mit der Wahr- nehmung der Unternehmer, die in der Vergangenheit mit großer Mehrheit (80%) ihre EK-Quote als ausreichend bezeichneten. Veränderte Finanzmarktstrukturen mit integrierten globalen Märkten und stärkerem Wettbewerbsdruck führen nun dazu, dass auch deutsche KMU ihr Eigenkapital aufstocken. Der größte Teil befragter Unternehmen sagten bereits in 2005, dass Eigenkapitalfinanzierung zukünftig für sie mehr Bedeutung gewinnen wird. Besonders für Existenzgründer, innovative Unternehmen und Krisenbranchen wird eine gesunde Eigenkapitalhinterlegung dringend benötigt, um bes- ser auf veränderte Finanzierungbedingungen vorbereitet zu sein. Mit der momentanen Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Eigenkapital- unterfütterung und die Diversifizierung von Finanzierungsformen für KMU noch wichtiger geworden, um gut durch den Abschwung und rasch wieder auf die Beine zu kommen. 5. Wohin geht die Reise? - - - - Zukunftsdeterminanten für KMU Technischer Fortschritt ist der entscheidende Motor des Wirtschafts- wachstums. Unternehmer zeichnen sich nach der Meinung des Ökonoms Schumpeter dadurch aus, dass sie ihre wirtschaftliche Position ständig durch Innovationen verbessern wollen. Unterneh- mergeist erzeugt Innovationen und damit Wirtschaftswachstum und Strukturwandel. Ob sich Innovationen durchsetzen, liegt zwar auch stark in der Hand von Unternehmen, darüber hinaus aber auch an der kulturellen Ak- zeptanz und der Nachfrage nach innovativen Produkten, ohne die weniger Innovationen kreiert würden. Sowohl das Innovationsklima in den jeweiligen Ländern als auch die Unternehmensgröße und Sektorzugehörigkeit bestimmen die Innovationsintensität. Im Trans- port- oder Bausektor sind Innovationen weniger wahrscheinlich oder 28 Grichnik, Dietmar (2003). Finanzierungsverhalten mittelständischer Unternehmen im internationalen Vergleich. In Kienbaum/Börner: Neue Finanzierungswege für den Mittelstand, Düsseldorf. Observatory of European SMEs, SMEs and Access to Finance, 2003. BACH Datenbank 2007. Deutsche Bundesbank 2006. 29 KfW Mittelstandsmonitor (2003). Mittelstandsfinanzierung im Umbruch. 18,9 24 28,5 30 0 5 10 15 20 25 30 35 < 2 Mio. 2 - 10 Mio. 10 - 50 Mio. > 50 Mio. (*****.***@**** ** ********** nach Umsatzgrößenklasse, in % Quelle: Deutsche Bundesbank 2006 6* Mittelstand international 18. März 2009 19 Deutsche KMU innovationsbereiter als ihre französischen Wettbewerber nötig, um auf dem Markt bestehen zu können, als im Handel oder Verarbeitenden Gewerbe, welche von neuen Produkten leben. 30 5.1 Innovation - - - - Wirtschaftswachstum durch Fortschritt Mit der Lissabon-Strategie versucht die EU, Produktivität und Inno- vationsgeschwindigkeit durch verschiedene politische Maßnahmen zu erhöhen, um zu Japan und den USA aufzuschließen. Das im Jahr 2000 von der EU gesetzte Ziel, den F&E-Ausgabenanteil am BIP auf 3% (von 1,9%) bis zum Jahr 2010 zu steigern, ist bei der Überarbeitung der Lissabon-Strategie beibehalten worden. Außer- dem sollte der Anteil des privaten Sektors an den F&E-Investitionen zunehmen. In der EU haben etwa drei von zehn Firmen neue Produkte in ihrem Portfolio oder generieren Einkommen daraus. Dabei sind es mehr KMU in den neuen als in den alten Mitgliedsländern, die aus Innova- tionen Einkommen schaffen. Insgesamt gilt: Je größer eine Firma, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass sie innovativ ist. Während 62% der Mikrounternehmen Umsatz aus neuen oder verbesserten Produkten generieren, sind es unter Großunternehmen mehr als drei Viertel. Über die Größenklassen hinweg ist nur ein geringer Unterschied am Umsatzanteil durch Innovation der Unternehmen festzustellen (rund 12%), während der Anteil der innovativen Firmen mit zunehmender Größe ansteigt. Daraus resultiert, dass kleinere innovative Firmen im Vergleich einen höheren Anteil ihrer Umsätze aus Innovation schaffen. 31 Als wichtigste Barrieren für Innovationen werden in der EU Finanzie- rungsprobleme, Fachkräftemangel, Nachfragemangel und Perso- nalkosten genannt. Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass kaum Unternehmen, den (mangelnden) Schutz von Eigentumsrech- ten oder fehlende Fähigkeiten, neue Technologien zu nutzen, als Hinderungsgrund sehen. Insgesamt sind es aber deutlich mehr Fir- men, die gar nicht planen, sich innovativ zu betätigen, als solche, die sich aufgrund von Schwierigkeiten gegen Innovation entschei- den. Außerdem war auch 2006 noch ein leichter Aufholeffekt der MOEL festzustellen. Während sich die jüngeren EU-Mitglieds- länder mehr durch eingeschränkten Finanzierungszugang und zu wenig qualifiziertem Personal bei Innovationen gehindert sehen als die EU-15-Länder, hatten sie den Vorteil geringerer Personalkosten und stärkerer Innovationsnachfrage. Im Vergleich zu den Nachbarn Polen und Frankreich leiden deutsche KMU bei Innovationen stärker unter Personalkosten, aber weniger unter restriktivem Finanzie- rungszugang. Auch ist der Anteil der innovationsbereiten Unterneh- men höher als zum Beispiel in Frankreich. In den produzierenden Branchen sind rund zwei Drittel der deutschen KMU und fast 90% der großen Unternehmen innovativ. 32 Insgesamt stammen in Deutschland etwa 12% der F&E-Aufwendungen von KMU. Rund 20% des F&E-Personals sind bei KMU angestellt. Bei der Untersuchung des Einflusses von Innovation auf das Wirt- schaftswachstum entdeckten amerikanische Forscher einen Zu- sammenhang zwischen Innovation und Unternehmertum als trei- bende Faktoren für regionales Wirtschaftswachstum. Kleine Unter- nehmen entwickeln mehr Patente pro Angestellten als große Unter- 30 Auf der anderen Seite liegt im Handelsgewerbe auch ein Interpretationsproblem vor, da Einzelhändler, die innovative Produkte vertreiben, automatisch Umsatz durch innovative Produkte generieren ohne selbst innovativ zu sein. 31 Flash Eurobarometer Survey 2007. 32 Eurostat 2004, IfM 2006. 0 20 40 60 80 1 bis 9 10 bis 49 50 bis 249 250+ (*/6;7******(**/ Quelle: Eurobarometer 2006 ******** +**** **** Beschäftigte, in % 69 0 20 40 60 Fachkräfte/Personal zu teuer Fachkräftemangel Finanzierungs- Probleme Schutz geistigen Eigentums Nachfragemangel für Innovationen Innovation nicht geplant PL FR DE - *.* *** ******** Quelle: Eurobarometer Survey 2006 +***** *** in % 6: Aktuelle Themen 441 20 18. März 2009 nehmen; die kleinsten Unternehmen haben dabei das größte Pa- tent/Angestellten-Verhältnis. Hightech- und Wachstums-Industrien wie Biotechnologie oder Pharma werden dabei von innovativen KMU am ehesten bedient. Obwohl KMU nur 6,5% aller Patente in der untersuchten Datenbank ausmachen, spielen sie eine wichtige Rolle für die technologische Weiterentwicklung, da Innovationen von kleinen Firmen oft von großen Firmen aufgegriffen, genutzt oder auch weiterentwickelt werden. 33 5.2 Internationalisierung von KMU – Die Globalisierung nutzen und sich auf eigene Stärken besinnen Mit wachsender Globalisierung orientieren sich auch KMU vermehrt auf dem Weltmarkt, sowohl, um neue Absatzmärkte zu erschließen, als auch für Einkauf und Joint Ventures. Große Marktchancen und Wachstumspotential liegen im Export. Manche KMU, zahlreiche davon in Deutschland, sind Weltmarktführer auf ihrem Gebiet („hidden champions“) und können ihre Stärken global vermarkten. Europäischer Binnenmarkt wichtigstes Exportzielland Europäische Daten sind schwer zu vergleichen, weil sie vielfach intra-europäischen Handel beinhalten. Wenn Bier aus Freiburg nach Straßburg geliefert wird, geht es anders in die Statistik ein als Whis- key von Tennessee nach Florida oder Textilien von Guangzhou nach Peking. Fasste man die Eurozone oder alle EU-Länder als europä- ischen Binnenmarkt zusammen, würden bis zu 62% des Außenhan- dels aus der Statistik fallen; rund 40% der deutschen Exporte gehen in die Eurozone. Auf der anderen Seite lässt sich die Eurozone als Binnenmarkt nicht mit dem Binnenmarkt der USA gleichsetzen. Trotz einheitlicher Währung in den 16 Ländern erschweren Sprach- barrieren, unterschiedliche Gesetzgebung und Absatzmärkte sowie Handelshemmnisse durch unterschiedliche Regulierung stärker als in den USA den Handel. Der Small Business Act for Europe soll verbleibende Barrieren im intra-europäischen Handel abbauen und zu Erleichterungen für KMU führen. Weniger als 10% der europäischen KMU exportieren, dagegen ge- nerieren 28% der großen Unternehmen Umsätze aus Exporten. 34 Nach Umfragen sehen die meisten europäischen KMU als Haupt- hindernisse vor allem Unkenntnisse über den ausländischen Markt (13%), Importzölle (9%) und Kapitalzwänge (9%). Dennoch expor- tieren in manchen Ländern mehr als 20% der KMU. In kleinen Bin- nenmärkten wie Luxemburg suchen die Unternehmen stärker als anderswo den Weg ins Ausland. Um die geographische Distanz zu ihren Abnehmern zu verringern, gehen 5% der europäischen KMU darüber hinaus den Weg, Joint Ventures oder Niederlassungen im Ausland zu unterhalten. Entge- gen häufiger Befürchtungen haben diese Auslandsverbindungen in der Regel keinen oder gar einen positiven Effekt auf heimische Be- schäftigungszahlen. 35 Obwohl die mittel- und osteuropäischen Länder immer stärkere Handelspartner werden, zeigen sich europäische KMU zum Teil skeptisch der größeren EU gegenüber. Allerdings verbessert sich die Einstellung der KMU zur vergrößerten EU mit steigender Ex- portquote. 33 SBA (2005). The Innovation-Entrepreneurship-Nexus. SBA (2008). An Analysis of Small Business Patents by Industry and Firm Size. 34 Europäische Kommission (2007). The Observatory of European SMEs. 35 IfM Bonn – Bedeutung der außenwirtschaftlichen Aktivitäten für den deutschen Mittelstand. 0 10 20 30 40 US FR UK EU-15 DE NL BE SE (%.* *@******* Quelle: KfW 2004 in % 6; 0 20 40 60 80 100 Durchschnitt: 11% (%.* *** @**** *** *** ******** in % kleine >>> große Unternehmen Quelle: IfM Bonn 2005 6< Keine Probleme: 36 % Import- zölle: 9 % Kapital- zwänge: 9% Sonstige Gründe: 33% Unkenntnis über ausländische Märkte: 13% (%.* ****** ***** ** *** *(*/6;* Quelle: EU-Kommission 2007 6> Mittelstand international 18. März 2009 21 Wenn die kleinen Drachen erwachen – Chinas KMU Die Definition und Abgrenzung von KMU in China ist komplex, da chinesische Statistiken auch z.T. die nach westlichen Standards sehr großen Firmen mit bis zu 2000 Mitarbeitern zu den KMU zählen. Außerdem befinden sich nicht alle KMU in Privatbesitz, was die Ab- grenzung weiter erschwert. Bis in die 1980er Jahre waren die meisten KMU noch soge- nannte „Stadt-und-Dorf-Unternehmen“. Nach Daten aus der Zensusbefragung 2004 sind rund 40 Mio. privatgeführte KMU in China tätig. Sie stehen damit im Vergleich zu rund 19 Mio. in der EU und rund 6 Mio. KMU in den USA. Eine wie in anderen Ländern beobachtete Unternehmensdichte würde erst durch rund 60 Mio. KMU erreicht werden. Nur langsam steigende Binnennachfrage treibt viele Unternehmen auf den internatio- nalen Markt; ein Schritt, der durch neue Technologien begünstigt wird. Anders als in den OECD-Ländern kommen die meisten der chinesischen Exporte von kleinen und mittle- ren Unternehmen. Es sind häufig Rückwanderer, die im Ausland ausgebildet wurden und nun erfolgreiche, international tätige chinesische Unternehmen gründen. Ein niedriges Lohnniveau gibt Chi- nas KMU einen großen Kostenvorsprung. Quelle: CESifo Forum, Chris Hall Macquarie School Sydney, 2007. Deutsche KMU: Auslandsengagement lohnt Bei den deutschen KMU ist über die letzten Jahre ein Anstieg der Exportquoten und der Zahl der Exporteure in den kleinen Unter- nehmensgrößenklassen zu verbuchen. Laut KfW haben über 20% der KMU Auslandsumsätze verzeichnet (21% der KMU mit fünf oder weniger Beschäftigten). Aus der Umsatzsteuerstatistik hingegen ergibt sich, dass nur rund 11% aller KMU exportieren. Es wird je- doch angenommen, dass die Exportbeteiligung kleinster Unterneh- men höher ist, als die Unternehmenssteuerstatistik ausweist. 36 In 2004 exportierten rund 250.000 KMU und 5.000 Großunternehmen in Länder außerhalb der EU. 37 Insgesamt ist eine klare Tendenz zu erkennen, wonach mit zunehmender Unternehmensgröße die Ex- portquote steigt * bis hin zu den Großunternehmen, von denen 81% exportieren. Obwohl die meisten international aktiven Firmen nur im Außenhandel engagiert sind, unterhalten rund die Hälfte außerdem Kooperationen und/oder Direktinvestitionen im Ausland. 38 Hauptexporteur ist das Verarbeitende Gewerbe, das auf sich zwei Drittel aller Exporte vereint. Die größten Zuwächse hatten jedoch in den letzten Jahren Handel und Dienstleistungen. Auch bei den Im- porten ist das Verarbeitende Gewerbe der Hauptabnehmer und zeichnet für rund die Hälfte aller Importe verantwortlich. Im Jahr 2006 waren Frankreich, die USA und zahlreiche EU-Länder die wichtigsten Exportziele deutscher Unternehmen. 39 Die wichtigsten Gründe für ein Auslandsengagement sind für KMU mit deutlichem Vorsprung der Zugang zu neuen Absatzmärkten (78%) und die Sicherung bestehender Märkte, gefolgt von der Nähe zum Kunden (34%), Zugang zu Einkaufsmärkten (34%) und Perso- nal- und Sachkosten (26%). Dass sich Auslandsengagement lohnt, zeigt sich daran, dass fast zwei Drittel der Unternehmen ihr Auslandsengagement in den letz- ten Jahren ausgeweitet haben. Die auslandsaktiven Unternehmen schätzen ihre Ertrags- und Beschäftigungslage außerdem positiver ein als die Unternehmen, die nur in Deutschland tätig sind. Höhere Wachstumsraten in den Exportländern, EU-Osterweiterung und Ausweitung der Eurozone erleichtern den Weg ins Ausland. 40 Inwie- fern dieser Trend angesichts der aktuellen weltwirtschaftlichen Prob- leme ungebrochen ist, wird sich erst noch zeigen müssen. USA goes China (and back) In den USA sind es knapp 5% der kleineren Unternehmen, die ex- portieren und die dabei 96% der Exporteure stellen. Rund 25% der Exportumsätze kommen von den KMU, die übrigen 75% werden von großen Firmen generiert, von denen etwa 40% aktiv im Außen- 36 KfW-Mittelstandspanel (2008). Mittelstand – auch kleine Unternehmen – erfolg- reich im Ausland. KfW (2008). Wie international ist der deutsche Mittelstand? Wirt- schaftsobserver Online, Nr. 34. Neuere Datenauswertungen lassen zudem an- nehmen, dass 15-25% der Kleinstunternehmen exportieren, da viele Kleinstunter- nehmen durch das Raster der Unternehmenssteuerstatistik rutschen. 37 Berechnung des IfM Bonns aus Daten der Umsatzsteuerstatistik. Wallau, Frank (2007). Internationalisierung der mittelständischen Wirtschaft – Chancen und Risi- ken. Eine Studie der KfW (Wirtschaftsobserver Nr. 34) führt Unterschiede in den Daten aus Umsatzsteuerstatistik und Befragungen darauf zurück, dass die Export- beteiligung bei Befragungen überschätzt, in amtlichen Statistiken unterschätzt wird. 38 IfM Bonn (2007). Mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 125.000 Euro. 39 Statistisches Bundesamt, 2006. 40 KfW (2008). Wie international ist der deutsche Mittelstand? Wirtschaftsobserver Online, Nr. 34. Zugang zu neuen Absatz- märkten: 78% Nähe zum Kunden: 34% Zugang zu Ein- kaufs- märkten: 34% Personal -/Sach- kosten: 26% A ************ ***** Quelle: KfW 2008 *** *********** * 8? Aktuelle Themen 441 22 18. März 2009 Geringere Exportorientierung in den USA - - - - bei Groß und Klein Demografische Entwicklung führt zu Fachkräftemangel nicht nur in Deutschland Qualifikation der Mitarbeiter wichtiger Wettbewerbsfaktor handel sind. In den USA machten in 2006 die Top 20 Exporteure bereits ein Fünftel der Exporte unter sich aus. Die wichtigsten Ex- port-Ziele (25%) sind Kanada und Mexiko aufgrund der geographi- schen Nähe und der Integration in NAFTA. In den letzten Jahren ist der Anteil der KMU-Exporte nach China überdurchschnittlich stark gewachsen. Seit 1992 hat sich die Zahl der nach China exportieren- den amerikanischen KMU mehr als versechsfacht. Dabei sind es vergleichsweise wenige KMU, die Exportumsätze nach China er- wirtschaften, was darauf hindeutet, dass in erster Linie größere KMU den Sprung über den Pazifik wagen, während kleinere KMU ihr Glück auf dem amerikanischen Kontinent versuchen. 41 Gründe dafür sind die hohen Hürden nach China aufgrund von Regulierung, Sprache, Zugang und kulturellen Barrieren, denen sich Exporteure gegenüber sehen. Auf der anderen Seite des Pazifiks sind auch Chinas KMU stark im Export vertreten (s. Box: Chinas KMU). 5.3 Rekrutierungsprobleme im Mittelstand? Eine wichtige Rolle für die Zukunftsfähigkeit mittelständischer Un- ternehmen spielt auch die Frage der Beschäftigungsentwicklung. Angesichts der demografischen Entwicklung geht es zum einen um die quantitative Verfügbarkeit von Mitarbeitern, zum anderen um deren Qualifikation und Kosten. Qualifikation und Verfügbarkeit KMU in verschiedenen Ländern bemängeln zu einem unterschiedli- chen Grad das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften. So klagen in den baltischen Staaten und Griechenland mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, dass sie nicht ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte finden können, sei es wegen unzureichender Ausbil- dung im Land oder Abwanderung in andere Länder. Die baltischen Staaten und Polen leiden besonders unter der Abwanderung von Arbeitskräften. Arbeitsströme gen Westen haben einen nicht unbe- deutenden Einfluss auf die Entsendeländer, bis zur mittelfristigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Arbeitgeber in Ländern mit Mangel an Fachkräften gaben an, dass sie durchschnittlich 15- 20% unbesetzte Stellen zur Verfügung haben. Deutsche Unterneh- mer haben weniger Grund zum als zahlreiche andere europäische Länder: Nur rund 5% der Stellen blieben 2006 unbesetzt. Insgesamt sagen EU-weit etwa die Hälfte der KMU, dass sie keine Probleme mit der Suche nach geeigneten Mitarbeitern haben. Da die Arbeits- losenzahlen in allen Ländern über der natürlichen Arbeitslosigkeit liegen, ist zumindest auf kurze Sicht auch weniger die Anzahl von Arbeitskräften ausschlaggebend, sondern deren Qualifikation und Verteilung. Können Länder qualifizierte Arbeitskräfte nicht gegen eine Abwanderung überzeugen, entstehen Lücken für Unterneh- men. Auf der anderen Seite sagen auch 5% der befragten EU- Firmen, dass sie außerdem einen Mangel an ungelernten Arbeits- kräften verzeichnen. Mit Sorge werden darüber hinaus auch man- gelnde Fähigkeiten der Firmengründer und ihres Umfeld gesehen, was schon als gewichtigeres Problem als die Finanzierung für KMU eingeschätzt wird. 42 41 http://www.census.gov/foreign-trade/Press-Release/edb/2006/edbrel.pdf ; U.S. Department of Commerce, Exporter Database. Ohne Service-Exporte, nur Güter. Small & Medium-Sized Exporting Companies: Statistical Overview, 2006. 42 SUERF-Konferenz 2008, Von Derwall (ING). Mittelstand international 18. März 2009 23 Kostenentwicklung Ein weiteres Problem für KMU sind die Personalkosten. Zwar gilt zumindest für Deutschland, dass KMU einen Lohnkostenvorteil ge- genüber Großunternehmen haben, was zum einen daran liegt, dass Großunternehmen tendenziell über einen höheren Anteile hochqua- lifizierter Mitarbeiter verfügen, und zum anderen, dass die Personal- zusatzkosten bei den Großunternehmen höher sind. Gleichzeitig arbeiten KMU aber deutlich personalintensiver, der Anteil des Per- sonalaufwands am Gesamtaufwand liegt mit 23,3% fast 10%- Punkte höher als bei Großunternehmen. Dies relativiert den Lohn- kostenvorteil wieder. Laut Eurobarometer-Umfrage 43 empfinden besonders ungarische Unternehmer (über 70%) teure Arbeitskräfte als Einschränkung ihres Unternehmenserfolgs. In Deutschland sind es 35% der Befragten, die dieser Aussage zustimmten. Das Lohnni- veau in Ungarn liegt ungefähr ein Drittel unter EU-Niveau, ist aber in den letzten Jahren stark gestiegen. Da der Anstieg der Produktivität nicht mit dem Lohnanstieg mitgehalten hat, ist das Personal verhält- nismäßig teuer. Die Differenz zwischen Produktivität und Lohnans- pruch kann auch in Zukunft Schwierigkeiten für Unternehmen, natür- lich nicht nur KMU, verursachen. Die Annahme, dass der Unternehmensstandort ausschlaggebend für ein ausreichendes Angebot an qualifizierten Kräften ist, konnte für Deutschland nicht gestützt werden. Es ist sogar festzustellen, dass Unternehmen aus Kleinstädten oder dem ländlichen Raum weniger Probleme bei der Personalsuche haben als Mittelständler in Ballungsräumen. In Großstädten ist der Wettbewerb um qualifizierte Kräfte härter: zum einem mit ähnlich großen Mitbewerbern, zum anderen mit Großunternehmen. Die gleiche Umfrage erschloss zu- dem, dass 62% der befragten KMU im Personalmarketing wenig strategisch agieren, 90% aber den Aufbau einer eigenen Arbeitge- bermarke (Employer Branding) als erfolgsentscheidend im Kampf um Fachkräfte sehen. KMU kämpfen immer wieder mit einem „Mauerblümchen-Dasein“ in ihrer Reputation, das manche aber durch ihre Stellung als „hidden champions“ oder durch Wachstums- chancen ihrer Branche aufpolieren und glänzen lassen können. 44 Wie sehr KMU innovativ und international agieren, bestimmt darüber mit, wie attraktiv sie für (hoch-)qualifizierte Arbeitnehmer sind. Fazit KMU spielen in Deutschland und den meisten beobachteten Län- dern eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche und beschäftigungs- politische Entwicklung. Dies gilt es bei der Gestaltung der Rahmen- bedingungen ebenso zu berücksichtigen wie - angesichts der Wirt- schafts- und Finanzkrise - bei der Fokussierung von „Rettungspake- ten“ auf große, in der Öffentlichkeit präsentere Unternehmen. Katharina Hohmann 43 Eurobarometer Umfrage der Europäischen Kommission 2006/2007. 44 Angebot oder Nachfrage? – Nach einer Compamedia-Umfrage unter deutschen Job-Bewerbern sind für rund 35% große Arbeitgeber das ideale Arbeitsumfeld. 50% empfinden KMU als das beste Arbeitsumfeld, 14% sind freiberuflich/selb- ständig tätig. Setzt man diese Zahlen in das Verhältnis zu den Beschäftigungsver- hältnissen, ergibt sich ein interessanter Zusammenhang: Die Verhältnisse der Ar- beitsplatznachfrage entsprechen der Arbeitsplatzverteilung. Die Frage ist nun: Be- stimmt das Angebot an Arbeitsplätzen die Nachfrage oder umgekehrt? -100 -50 0 50 100 UK LU ES EE FR PL EL EU-27 PT DE FI LT SI CZ IT HU Fachkräftemangel Fachkräfte/Personal zu teuer '***"***C** **** ****/ Quelle: Eurobarometer Survey 2006 . *"******* **D 8* ******** * * ** ISSN 1430-7421 Unsere Publikationen finden Sie kostenfrei auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com © Copyright 2009. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 1430-7421 / Internet: ISSN 1435-0734 / E-Mail: ISSN 1616-5640 Schulverwaltungsausgaben auf dem Prüfstand Investitionen in Lerninnovationen statt Geld für Bürokratie Nr. 440 .......................................................................................................................................... 18. Februar 2009 Immobilien in Köln und Düsseldorf Büromärkte deutlich stärker belastet als Wohnungsmärkte Nr. 439 ............................................................................................................................................ 13. Januar 2009 Konjunkturausblick 2009 Deutsche Wirtschaft in stürmischer See Nr. 438 ............................................................................................................................................ 26. Januar 2009 Apotheke der Zukunft Mehr Ketten – mehr Wettbewerb – günstigere Produkte Nr. 437 .......................................................................................................................................... 22. Oktober 2008 Deutsche Industrie im Abschwung Nr. 436 .......................................................................................................................................... 14. Oktober 2008 Deutscher Maschinenbau macht Wirtschaft fit für die Zeit nach dem Öl Nr. 435 .......................................................................................................................................... 14. Oktober 2008
1.3.7