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19. April 2013
Die nominalen Umsätze der deutschen Dienstleistungsunternehmen dürften 2013 um bestenfalls 1% steigen, nach einem Zuwachs um 2,2% im Jahr 2012. Ein höheres Wachstum wird u.a. durch die stagnierende Industrieproduktion in Deutschland verhindert. Den stärksten Zuwachs dürften die freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen erzielen. Auch für den Bereich Verkehr und Lagerei rechnen wir mit steigenden Umsätzen. [mehr]
Dienstleistungen 2013: Heterogener Sektor verzeichnet nur geringe Dynamik Aktuelle Themen Deutschland In diesem Bericht wird die konjunkturelle Entwicklung von vier Dienstleistungs- branchen in Deutschland analysiert. In diesen Branchen waren 2010 7,6 Mio. Menschen tätig, die einen Umsatz von EUR 830 Mrd. erwirtschafteten. Die no- minalen Umsätze aller vier Branchen zusammen stiegen 2012 um 2,2%. Ge- genüber dem Jahr 2003 expandierte der Umsatz um rd. 26%. Zum Vergleich: Das nominale BIP in Deutschland stieg im gleichen Zeitraum um 23%. Im laufenden Jahr dürften die Dienstleistungsumsätze tendenziell steigen. Da die Branche jedoch mit einem statistischen Unterhang ins laufende Jahr gestar- tet ist, dürfte der Umsatzzuwachs im Jahresdurchschnitt von 2013 bei etwa 0,5% bis 1% liegen. Die Beschäftigung sollte in etwa stabil bleiben. Der Bereich Verkehr und Lagerei ist gemessen am Umsatz die größte der hier betrachteten Branchen. Hier nahmen die Umsätze 2012 um 1,4% zu, was eine deutliche Verlangsamung gegenüber den beiden Vorjahren bedeutet. Für 2013 rechnen wir mit einem Wachstum in der Größenordnung von 1% bis 1,5%. Die Sparte Information und Kommunikation dürfte 2013 ihren Umsatz um bes- tenfalls 1% erhöhen können (2012: +2,7%). Ein höheres Wachstum wird wohl u.a. durch den hohen Preisdruck in der Telekommunikation verhindert werden. Die freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen könn- ten nach einem Plus von 2,7% im Jahr 2012 ihren Umsatz im laufenden Jahr um rd. 2% erneut steigern. Damit würde diese Sparte das kräftigste Wachstum der hier untersuchten Dienstleistungsbranchen erfahren. Die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen verzeichneten in den letzten zehn Jahren die größte Dynamik. 2013 ist jedoch bestenfalls eine Stagnation der Umsätze wahrscheinlich, nicht zuletzt, weil die Nachfrage von Seiten der Industrie im laufenden Jahr nicht wachsen dürfte. Autor en Thomas F. Dapp +49 69 910-31752 thomas-frank.dapp@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Editor Antje Stobbe Deutsche Bank AG DB Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann | Bernhard Speyer 19. April 2013 Dienstleistung en 2013 Heterogene r Sektor verzeichnet nur geringe Dynamik 90 100 110 120 130 140 150 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Verkehr und Lagerei Information und Kommunikation Freiberufliche, wiss. u. techn. Dienstleistungen Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Umsatz, saisonbereinigt, Deutschland, 2005=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Unterschiedliche Dynamik in den einzelnen Dienstleistungsbranchen DX Dienstleistungen 2013 2 | 19. April 2013 Aktuelle Themen 1. Die Bedeutung des Dienstleistungssektors Wie in allen hochentwickelten Ländern ist auch in Deutschland die gesamtwirt- schaftliche Bedeutung des Dienstleistungssektors unbestritten hoch. 2012 ent- fielen hierzulande fast 74% aller Erwerbstätigen auf Dienstleistungsunterneh- men; 1991 waren es erst 61%. Bei der Bruttowertschöpfung (BWS) ist der Anteil der Dienstleistungen mit knapp 69% (2012) nur geringfügig niedriger als bei den Erwerbstätigen. Der Zuwachs des Anteils an der BWS gegenüber 1991 beträgt rd. 6%-Punkte. Strukturwandel: Steigende Bedeutung der Dienstleistungen hat viele Gründe Viele Gründe sind dafür maßgeblich, dass der Anteil der Dienstleistungen an der Gesamtwirtschaft in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Grundsätzlich haben der technologische Fortschritt sowie Produktivitätsfortschritte im Verar- beitenden Gewerbe dazu beigetragen, dass frei werdende Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) vermehrt in den Dienstleistungen eingesetzt werden konn- ten. Verstärkt wurde der Prozess dadurch, dass sich viele Industrieunternehmen u.a. als Folge des zunehmenden internationalen Wettbewerbs auf ihre Kern- kompetenzen konzentrierten. Daher lagerten sie einzelne Unternehmensberei- che an spezialisierte Unternehmen aus. Im Zuge dieses Outsourcing-Prozesses „wanderten“ – statistisch gesehen – auch Tätigkeiten vom Produzierenden Ge- werbe zu den Dienstleitungen, obwohl sich an den operativen Aufgaben in vie- len Fällen wenig änderte (z.B. Gebäudemanagement, Transportdienstleistun- gen, IT-Dienste). Umgekehrt bieten Industrieunternehmen nach wie vor mit ei- genen Beschäftigten Dienstleitungen an bzw. bauen diese sogar aus (z.B. After- Sales-Service), weshalb die Abgrenzung zwischen beiden Bereichen künftig schwierig bleiben wird. Ein weiterer Grund für den Bedeutungsgewinn der Dienstleistungen liegt im zunehmenden Angebot an innovativen Services, das durch technologische Ver- besserungen ermöglicht wird. Viele webbasierte Technologien im Dienstlei- stungsangebot gab es vor 20 Jahren noch nicht. Mittlerweile zählen sie aber unverzichtbar zum Alltag vieler Menschen und sorgen in diversen Bereichen für Effizienz. Neben den bislang genannten Argumenten für den Strukturwandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die primär auf der Angebotsseite zu verorten sind, spielen auch Faktoren auf der Nachfrageseite eine wichtige Rolle. So konnten durch höhere Einkommen und gewisse quantitative Sättigungstendenzen bei traditionellen industriellen Erzeugnissen höhere Teile des verfügbaren Einkom- mens für neue, komplementäre Dienstleistungen verwendet werden. 1 Ein Trei- ber ist der demografische und sozio-ökonomische Wandel (z.B. Alterung der Gesellschaft, mehr Ein- und Zwei-Personenhaushalte), der zu einer größeren Nachfrage nach personenbezogenen Dienstleistungen führt. Ferner löst die zunehmende Marktdurchdringung von komplexer werdenden Gebrauchsgütern häufig einen Bedarf an beratenden und/oder ergänzenden Dienstleistungen aus. Die steigende, auch grenzüberschreitende Mobilität von Personen und Gütern ist ohne entsprechende Dienstleistungen nicht möglich. Unter dem Strich ist der Strukturwandel in Deutschland schon weit fortgeschrit- ten. In den letzten Jahren konnte die Industrie sogar den langfristigen Trend sinkender Anteile an der BWS stoppen. Letztlich ist dies auch ein Grund für die stabile wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands innerhalb der EU. Denn die deutsche Industrie konnte durch innovative Produkte und eine konsequente 1 Vgl. Ehmer, Philipp (2009). Dienstleistungen im Strukturwandel. Wissensintensive Dienste liegen im Trend. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen 446. Frankfurt am Main. 0 100 200 300 400 500 91 95 99 03 07 11 Produzierendes Gewerbe Dienstleistungen Dienstleistungen dominieren 1 Bruttowertschöpfung in Deutschland, EUR Mrd. Quelle: Statistisches Bundesamt 0 5 10 15 20 25 30 35 91 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Produzierendes Gewerbe Dienstleistungen Fast drei Viertel aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor angestellt 2 Erwerbestätige in Deutschland, Mio. Quelle: Statistisches Bundesamt 90 100 110 120 130 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Umsatz Beschäftigte Quelle: Statistisches Bundesamt Nom. Umsatz und Beschäftigte in ausgewählten Dienstleistungssektoren*, sb., 2005=100 Umsatz zuletzt leicht eingeknickt 3 * Umfasst die vier Dienstleistungsbranchen, die im vorliegenden Bericht analysiert werden Dienstleistungen 2013 3 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Internationalisierungsstrategie die Abhängigkeit von der Krisenregion Europa verringern. Andere EU-Länder haben dagegen das Problem, dass dort die In- dustrie weniger bedeutsam und dabei stärker auf Europa ausgerichtet ist. Um- gekehrt sind die in der Regel auf den Heimatmarkt fokussierten Dienstleistun- gen dort wichtiger. Deutschland ist also eine Dienstleistungsgesellschaft, verfügt aber zusätzlich über einen wichtigen und wettbewerbsfähigen industriellen Kern, der sich zunehmend mit dem Dienstleistungssektor verzahnt. Statistische Datenbasis für Dienstleistungen eher unbefriedigend Wird die Analyse gesamtwirtschaftlicher Konjunkturzyklen auf einzelne Sektoren heruntergebrochen, liegt der Fokus in der Regel auf den industriellen Wirt- schaftszweigen sowie der Bauwirtschaft. Ein Großteil der Dienstleistungsbran- chen wird bei der Untersuchung wirtschaftlicher Auf- und Abschwünge hingegen vernachlässigt. Eine Ausnahme bildet der Einzelhandel, dessen Umsatzentwick- lung regelmäßig Bestandteil der konjunkturellen Berichterstattung ist. Aus unserer Sicht sind zwei wesentliche Gründe maßgeblich für die Dominanz von Industriebranchen in der Konjunkturanalyse. Zum einen ist der Einfluss des Produzierenden Gewerbes auf die Wachstumsrate der BWS – gemessen an seinem Anteil an der BWS in Deutschland von gut 30% (2012) – deutlich höher als der Einfluss der Dienstleistungen, obwohl auf jene – wie oben erwähnt – fast 69% der Bruttowertschöpfung entfallen (s. Grafik 4). Konjunkturelle Ausschläge der BWS sind stärker auf Schwankungen im Produzierenden Gewerbe zurück- zuführen, das abhängiger vom Auslandsgeschäft ist. Zudem fällt die Korrelation zwischen den Veränderungsraten der BWS insgesamt und der BWS im Produ- zierenden Gewerbe in Deutschland (R²= 0,63, s. Grafik 5) größer aus als zwi- schen der gesamten BWS und jener der Dienstleistungssektoren (R²=0,58). Zum anderen ist die statistische Datenbasis für die industriellen Wirtschafts- zweige traditionell deutlich besser als bei den Dienstleistungen. So stellt das Statistische Bundesamt für die meisten großen Industriebranchen und deren Untergruppen zeitnah u.a. die Daten für Produktion, Aufträge, Umsatz, Exporte, Beschäftigte oder Erzeugerpreise auf Monats- und Quartalsbasis sowie in ver- schiedenen statistischen Ausprägungen zur Verfügung (z.B. arbeitstägliche oder saisonbereinigte Zeitreihen). Hinzu kommen verschiedene Stimmungs- indikatoren z.B. vom ifo Institut auf Branchenebene sowie weitere Daten der jeweiligen Industrieverbände. Dies bildet ein gutes Fundament für die Konjunk- turanalyse in den Industriesektoren. Verglichen damit ist die Datenbasis in den Dienstleistungsbranchen deutlich unbefriedigender. So veröffentlicht das Statistische Bundesamt zwar einmal im Jahr eine Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich. Die dort erhobenen Da- ten sind jedoch bei der Veröffentlichung aufgrund von nennenswerten zeitlichen Verzögerungen bereits veraltet; derzeit liegen lediglich die Zahlen für das Jahr 2010 vor. Bezüglich der Konjunkturdaten ist die Situation nur wenig besser. So existieren für die Dienstleistungsbranchen – abgesehen vom Handel sowie vom Gastgewerbe – in der Regel keine Daten auf Monatsbasis. Und nur für wenige Sparten sind überhaupt arbeitstäglich- und saisonbereinigte Umsatzzahlen ver- fügbar (auf Quartalsbasis), die für die Analyse von Konjunkturzyklen unerläss- lich sind; immerhin ist hier die Zeitverzögerung mit knapp einem Quartal recht gering. Schließlich gibt es für einige Dienstleistungssektoren weder aktuelle Strukturerhebungen noch Konjunkturdaten. - 10 - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 91 95 99 03 07 11 Produzierendes Gewerbe Dienstleistungen Gewichtete* Beiträge zum Wachstum der Bruttowertschöpfung, DE, % - Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Produzierendes Gewerbe: Großer Einfluss auf die Wachstumsrate 4 * Mit Anteil an der Bruttowertschöpfung gewichtet R² = 0,63 - 5 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 - 10 - 5 0 5 10 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research X - Achse: BWS im Prod. Gewerbe, DE, % gg. Vq. Y - Achse: BWS insg., DE, % gg. Vq. Enge Beziehung* 5 * Zeitraum: 1991 bis 2012 30,3 26,0 25,9 17,8 Verkehr und Lagerei Freiberufliche, wiss. u. techn. Dienstl. Information und Kommunikation Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Umsätze relativ gleich verteilt 6 Quelle: Statistisches Bundesamt Umsatzanteile der Dienstleistungsbranchen*, Deutschland, 2010, % * Nur Dienstleistungsbranchen, die in diesem Bericht näher untersucht werden Dienstleistungen 2013 4 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Dienstleistungskonjunktur im Fokus Im folgenden Bericht liegt der Fokus auf der jüngsten konjunkturellen Entwick- lung ausgewählter Dienstleistungsbranchen sowie auf dem möglichen weiteren Verlauf im Jahr 2013. Es werden vier Dienstleistungsbereiche untersucht: (1) Verkehr und Lagerei, (2) Information und Kommunikation, (3) freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie (4) sonstige wirt- schaftliche Dienstleistungen. Hier waren im Jahr 2010 zusammen etwa 7,6 Mio. Menschen tätig, die einen Umsatz von rd. EUR 830 Mrd. erwirtschafteten. Der Grund für die Auswahl liegt vor allem darin, dass für diese Sparten sowohl struk- turelle als auch aktuelle, konjunkturelle Daten vorliegen. Alle übrigen Dienstlei- stungsbranchen werden in dieser Analyse nicht betrachtet. 2 Da die wirtschaftliche Entwicklung der Dienstleistungen in den gesamtwirtschaft- lichen Konjunkturzyklus eingebettet ist, skizzieren wir zunächst unsere aktuelle Konjunkturprognose für Deutschland: Das reale BIP dürfte 2013 um 0,3% stei- gen, nach +0,6% im Jahr 2012. Dieser moderate Zuwachs wird vom privaten Verbrauch (+0,6%), den Staatausgaben sowie von den Bauinvestitionen getra- gen. Der Netto-Beitrag des Außenhandels dürfte 2013 dagegen negativ ausfal- len, da die Importe stärker zulegen als die Exporte. Die Ausrüstungsinvestitio- nen werden nach unserer aktuellen Prognose sogar erneut schrumpfen. Wie im Folgenden ausgeführt wird, ist die Industrieproduktion relativ eng mit der Um- satzentwicklung in einigen Dienstleistungsbereichen korreliert. Die inländische Fertigung in der Industrie dürfte 2013 in etwa stagnieren. Die Inflationsrate in Deutschland wird 2013 wohl wieder unter die Zielmarke von 2% sinken. Ange- sichts der geringen gesamtwirtschaftlichen Dynamik bleibt die Entwicklung am Arbeitsmarkt erstaunlich stabil und sorgt für Impulse; die Arbeitslosenquote steigt 2013 nur marginal auf 6,9% im Jahresdurchschnitt (von 6,8%). 2. Verkehr und Lagerei: Enge Verknüpfung zur Industrie Die Dienstleistungssparte Verkehr und Lagerei beschäftigte 2010 laut Statisti- schem Bundesamt 1,9 Mio. Personen und erwirtschaftete einen Umsatz von gut EUR 250 Mrd.; sie ist damit die umsatzstärkste der hier betrachteten Dienstleis- tungssektoren. Gemessen am Umsatz lag die Sparte Verkehr und Lagerei in etwa auf Augenhöhe mit der größten deutschen Industriebranche, der Automo- bilindustrie. Innerhalb der Branche Verkehr und Lagerei erzielte der Bereich Lagerei sowie sonstige Dienstleistungen für den Verkehr den größten Umsatz; er wird von den Speditionen dominiert. Auf Platz 2 folgt die Sparte Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen, wo der Straßengüterverkehr mit Abstand das größte Gewicht hat (s. Grafik 8). Insgesamt umfasst die Sparte vor allem Logistikdienstleistungen (Transport, Umschlag und Lagerung von Gütern). Gleichwohl zählen auch personenbezogene Dienstleistungen zu diesem Be- reich. Zu nennen sind vor allem die Personenbeförderung im Eisenbahnfernver- kehr und in der Luftfahrt sowie der ÖPNV. Die personenbezogenen Dienstlei- stungen machten 2010 insgesamt knapp 18% des Gesamtumsatzes aus. Umsatzanstieg schwächt sich 2012 merklich ab (+1,4%) Der nominale Umsatz in der Branche Verkehr und Lagerei nahm 2012 um 1,4% zu. Dies war eine deutliche Verlangsamung des Wachstums gegenüber den Ergebnissen der beiden Jahre zuvor (2010: +6,7%; 2011: +5,7%). 2009 wurde der Bereich Verkehr und Lagerei noch von der Rezession erfasst; der Umsatz 2 Nicht betrachtet werden die Bereiche Handel usw. (NACE-Code: G), Gastgewerbe (I), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (K), Grundstücks- und Wohnungswesen (L), Öffentliche Ver- waltung usw. (O), Erziehung und Unterricht (P), Gesundheits- und Sozialwesen (Q), Kunst, Unterhaltung und Erholung (R) sowie die sonstigen Dienstleistungen (S). 2013 nur geringes Wachstum in Deutschland 7 % gg. Vj. 2011 2012 2013P BIP 3,0 0,7 0,3 Privater Konsum 1,7 0,6 0,6 Staatsausgaben 1,0 1,4 1,3 Anlageinvestitionen 6,2 - 2,5 0,2 Ausrüstungen 7,0 - 4,8 - 1,4 Bau 5,8 - 1,5 1,9 Exporte 7,8 3,7 3,1 Importe 7,4 1,8 4,2 Industrieproduktion 7,8 - 1,0 0,0 Inflationsrate 2,1 2,0 1,6 Arbeitslosenquote, % 7,1 6,8 6,9 Quellen: Bundesbank, DB Research 39,2 29,9 11,3 10,9 8,6 Lagerei, sonst. Dienstl. f. d. Verkehr* Landverkehr u. Transport in Rohrfernl. Schifffahrt Post - , Express - und Kurierdienste Luftfahrt Speditionsgewerbe vorn 8 Umsatzanteile in der Branche Verkehr und Lagerei, Deutschland, 2010, % Quelle: Statistisches Bundesamt * Sparte wird von Speditionen dominiert Dienstleistungen 2013 5 | 19. April 2013 Aktuelle Themen sank damals um mehr als 11%. In den einzelnen Sparten des Bereichs Verkehr und Lagerei waren im letzten Jahr die Unterschiede zwischen den jeweiligen Wachstumsraten relativ gering. So verzeichnete die Sparte Lagerei und sonsti- ge Dienstleistungen für den Verkehr mit einem Umsatzplus von 0,5% die geringste Dynamik. Die Luftfahrt erzielte 2012 den höchsten Zuwachs (+2,7%). In den Jahren vor 2012 war die Varianz der einzelnen Wachstumsraten in den Sparten des Bereichs Verkehr und Lagerei deutlich höher (s. Grafik 10). Dies ist zu einem großen Teil auf die Schwere der Rezession von 2009 sowie auf die im Durchschnitt relativ rasche Erholung in den Jahren 2010/11 zurückzuführen. Schifffahrt mit höchstem Wachstum im langfristigen Vergleich Im langfristigen Vergleich verzeichnete die Schifffahrt von allen Sparten inner- halb des Bereichs Verkehr und Lagerei den höchsten Umsatzzuwachs: Zwi- schen 2003 und 2012 legte hier der nominale Umsatz um 60% zu. Die Sparte wird von der See- und Küstenschifffahrt dominiert, während die Binnenschiff- fahrt sowie die Personenbeförderung mit Schiffen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der hohe Umsatzzuwachs in der Seeschifffahrt passt zur dynamischen Entwicklung des deutschen Außenhandels im genannten Zeitraum. Mit einem Umsatzplus von rd. 47% erzielte die Sparte Lagerei und sonstige Dienstleistun- gen für den Verkehr zwischen 2003 und 2012 den zweithöchsten Zuwachs. Am Ende der Skala steht der Landverkehr (inklusive Transport in Rohrfernleitun- gen), der seit 2003 seinen Umsatz nur um knapp 10% ausweiten konnte. Damit fällt das Umsatzplus in dieser Sparte deutlich niedriger aus als das Wachstum der Verkehrsleistung (in Tonnenkilometern) im Güterverkehr auf der Straße (2012 gg. 2003: +19%) und auf der Schiene (+29%). Maßgeblich für den Unter- schied könnten u.a. der hohe Preisdruck bei reinen Transportleistungen des Straßengüterverkehrs sowie der intensive Wettbewerb durch ausländische Transportunternehmen gewesen sein, deren Umsatz nicht in die inländische Statistik eingeht. In der Luftfahrt nahm der vom Statistischen Bundesamt aus- gewiesene Umsatz seit 2003 um 24% zu. Interessant ist, dass seither die Pas- sagierzahl an deutschen Flughäfen stärker expandierte (+41%), was ein Indiz für Marktanteilsgewinne von ausländischen Fluggesellschaften an deutschen Airports ist. Insgesamt ist auffällig, dass die Umsatzentwicklung im Bereich Verkehr und Lagerei von allen Dienstleistungssektoren am engsten mit der Industrieproduk- tion in Deutschland korreliert ist (R²=0,64 basierend auf Veränderungsraten). 90 100 110 120 130 140 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Verarbeitendes Gewerbe Verkehr und Lagerei Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Verkehr und Lagerei eng mit der Industrie korreliert 9 Reale Industrieproduktion und Umsatz in der Branche Verkehr und Lagerei, DE, Q1 2003=100 - 25 - 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Luftfahrt Landverkehr u. Transport in Rohrfernl. Schifffahrt Post - , Express - und Kurierdienste Lagerei, sonst. Dienstl. f. d. Verkehr 2012 nur noch geringes Wachstum 10 Nominale Umsatzentwicklung, DE, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Dienstleistungen 2013 6 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Dies ist freilich auch wenig überraschend, denn wenn die Industrie stark wächst, nimmt in der Regel auch die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen zu. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Umsatzrückgang im Bereich Verkehr und Lagerei 2009 stärker ausfiel als in den anderen Dienstleistungsbranchen; im gleichen Jahr schrumpfte die reale Industrieproduktion in Deutschland um 17%. Ausblick: Allenfalls marginales Umsatzwachstum 2013 2013 dürfte die Dienstleistungsbranche Verkehr und Lagerei ihren nominalen Umsatz bestenfalls leicht steigern können. Die oben skizzierten gesamtwirt- schaftlichen Rahmenbedingungen lassen kaum Hoffnung auf eine spürbare Belebung zu. Vor allem die stagnierende Industrieproduktion in Deutschland spricht nicht für eine erhöhte Nachfrage nach Logistikdienstleistungen. Modera- te Impulse dürften dagegen vom Außenhandel ausgehen, der insgesamt (Ex- porte und Importe zusammen) 2013 stärker wachsen dürfte als 2012. Der priva- te Verbrauch, ein wichtiger Indikator für die Nachfrage nach personenbezoge- nen Leistungen der Sparte, verzeichnet 2013 nach unserer Einschätzung wie schon 2012 eine relativ geringe Dynamik; demnach sind auch von dieser Seite keine Wunder zu erwarten. Logistik-Indikator: Erwartungen zuletzt verbessert Ein Grund für moderaten Optimismus liegt in der jüngsten Entwicklung des Lo- gistik-Indikators, der vom Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bundesverei- nigung Logistik berechnet wird: Er zeigt in der Vergangenheit eine rechte enge Korrelation zur vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Umsatzentwick- lung (s. Grafik 11). Während sich die Einschätzung der aktuellen Lage in der Logistikwirtschaft im 1. Quartal 2013 noch leicht abgeschwächt hat, zogen die Erwartungen deutlich an. In Summe hat sich der Logistik-Indikator damit leicht verbessert, was dafür spricht, dass der Umsatz in der hier betrachteten Sparte im Verlauf von 2013 nach oben tendieren könnte. Unterstützt wird diese Ein- schätzung dadurch, dass das Bundesverkehrsministerium sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr eine Zunahme der Verkehrsleistung im Jahr 2013 prognostiziert (+1,9% bzw. +0,6%). Ferner rechnen laut des jüngsten Transportmarkt-Barometers des ZEW die befragten Experten für das 1. Halbjahr 2013 im Straßengüterverkehr mit einem stabilen Transportaufkommen bei leicht steigenden Transportpreisen. Das Umsatzergebnis in einzelnen Sparten der Branche Verkehr und Lagerei wird im Jahr 2013 durch einen so genannten statistischen Unterhang belastet: So lag der saisonbereinigte Umsatz im 4. Quartal 2012 in der Luftfahrt und in der Schifffahrt um jeweils 3,6% unter dem Durchschnitt des Gesamtjahres; dies stellt eine Hypothek für das Ergebnis des Jahres 2013 dar, denn dieser Unter- hang muss im Verlauf von 2013 ausgeglichen werden, um überhaupt eine Stagnation des Umsatzes erreichen zu können. Entspannter ist in dieser Hin- sicht die Situation im Landverkehr sowie bei den Post-, Kurier- und Express- diensten, wo es keinen nennenswerten Unterhang gibt. Alles in allem dürfte der nominale Umsatz in der Sparte Verkehr und Lagerei in Deutschland 2013 um etwa 1% bis 1,5% steigen. Risiken für unsere Prognose resultieren aus dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld (Stichwort: Euro-Krise). Daneben ist auch die Preisentwicklung in der Branche unsicher. So lösen Ände- rungen der Ölpreise auch Preisänderungen bei den Logistikunternehmen aus, was den nominalen Umsatz beeinflusst. 40 60 80 100 120 140 160 180 07 08 09 10 11 12 13 Klima Lage Erwartungen Stimmung hellt sich zuletzt auf 11 Quellen: BVL, IfW Logistik - Indikator, DE, Normalniveau=100 R² = 0,52 - 10 - 7,5 - 5 - 2,5 0 2,5 5 - 40 - 20 0 20 40 Quellen: BVL, IfW, Statistisches Bundesamt, DB Research Logistik - Indikator spiegelt die Umsatzentwicklung gut wider 12 X - Achse: Logistik - Indikator, % gg. Vq. Y - Achse: Umsatz Verkehr u. Lagerei, % gg. Vq. Dienstleistungen 2013 7 | 19. April 2013 Aktuelle Themen 3. Information und Kommunikation: Einige Dienst- leistungen mit Wachstumspotenzial In der Dienstleistungssparte Information und Kommunikation waren 2010 laut Statistischem Bundesamt knapp 980.000 Personen tätig. Rund 87.000 Perso- nen davon waren selbstständig. Insgesamt wurde im Berichtsjahr 2010 ein Um- satz von EUR 215 Mrd. generiert. Gemessen am Umsatz lag dieser Sektor da- mit z.B. vor dem Maschinenbau, der Chemieindustrie oder der Elektrotechnik. Von den in dieser Studie untersuchten Teilsparten im Dienstleistungssektor generierten die Informations- und Kommunikationsdienstleistungen zwischen 2003 und 2012 das schwächste Umsatzwachstum (s. Grafik Deckblatt). Innerhalb der Branche erzielte der Bereich Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie den größten Umsatz; er wird von den Programmie- rungstätigkeiten mit beinahe der Hälfte des Umsatzes dominiert, gefolgt von den Beratungsleistungen auf dem Gebiet der IT. Auf Platz 2 liegt die Sparte Tele- kommunikation mit über EUR 72,6 Mrd. Hier liegt die leitungsgebundene Tele- kommunikation mit Abstand vorne, gefolgt von der drahtlosen Telekommunikati- on. Das Verlagswesen auf Platz 3 erzielte 2010 einen Umsatz von knapp EUR 29,9 Mrd. Das Verlegen von Büchern und Zeitschriften sowie das sonstige Ver- lagswesen vereinen hier den größten Umsatzanteil auf sich. Wachstum verlangsamt sich 2012 (+2,7%) Der nominale Umsatz in der Branche Information und Kommunikation stieg 2012 um 2,7%. Dies war ein spürbarer Rückgang der Wachstumsrate gegenü- ber dem Ergebnis aus dem Jahr zuvor (2011: +4,2%), aber ein besseres Ergeb- nis als 2010 (-0,1%). 2009 wurde der Bereich Information und Kommunikation noch von der Rezession erfasst; der Umsatz sank damals aber weniger stark (-3,5%) als in anderen (eher von der Industrie abhängigen) Dienstleistungs- branchen. Grundsätzlich korreliert die wirtschaftliche Entwicklung des Bereichs Information und Kommunikation deutlich weniger stark mit der Industrie als z.B. der Bereich Verkehr und Lagerei (R²=0,07 basierend auf Veränderungsraten). Ein Grund für die geringe Korrelation liegt darin, dass die Branche viele perso- nenbezogene Dienstleistungen umfasst, die weitgehend unabhängig von der Industriekonjunktur nachgefragt werden. In den einzelnen Sparten des Bereichs Information und Kommunikation waren insbesondere im vergangenen Jahr die Unterschiede zwischen den jeweiligen Wachstumsraten relativ deutlich. So erzielten die Sparten Informationsdienstlei- stungen und Dienstleistungen der Informationstechnologie mit einem Umsatz- plus von 14,8% bzw. 6,3% die stärksten Wachstumsraten. Die schwächste Um- satzentwicklung im Jahr 2012 mit -7,9% verzeichnete die Dienstleistungssparte 37,6 33,8 13,9 6,6 4,1 4,0 IT - Dienstleistungen Telekommunikation Verlagswesen Rundfunkveranstalter Film, TV, Kinos, Tonstudios, Musikverlage Informationsdienstleistungen Quelle: Statistisches Bundesamt IT - Dienstleistungen und Telekommuni - kation sind die größten Sparten 13 Umsatzanteile in der Branche Information und Kommunikation, Deutschland, 2010, % - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 25 30 05 06 07 08 09 10 11 12 IT - Dienstleistungen Telekommunikation Verlagswesen Film, TV, Kinos, Tonstudios, Musikverlage Informationsdienstleistungen Rundfunkveranstalter Nominale Umsatzentwicklung, DE, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Umsätze in der Information und Kommunikation eher heterogen 15 95 100 105 110 115 120 125 130 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Verarbeitendes Gewerbe Information und Kommunikation Reale Industrieprod. u. Umsatz in der Branche Information u. Kommunikation, DE, Q1 2003=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Information und Kommunikation eher unabhängig von der Industrie 14 Dienstleistungen 2013 8 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Rundfunkveranstalter, gefolgt vom Verlagswesen mit -1,3%. Generell haben sich die einzelnen Sparten im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunika- tion in den vergangenen Jahren eher heterogen entwickelt. Die Verlagsbranche befindet sich seit einigen Jahren in einem Strukturwandel, denn für immer mehr traditionelle Angebote der Verlagshäuser entstehen digitale Konkurrenzprodukte. 3 Dabei wirken folgende interdependente Trends: Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen, Konvergenz der Informations- und Kommunikationstechnologien, steigende Adaptionsgeschwindigkeit web- basierter Technologien sowie steigender Absatz webbasierter, mobiler Endgerä- te (z.B. Smartphones, Tablets, E-Reader). Es zeichnen sich zwar durchaus auch Wachstumspotenziale für Verlage im Bereich der neuen Medien ab, je- doch können nicht alle Unternehmen von diesen Trends profitieren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Verlage seit 2004 (keine Zahlen für 2003 verfügbar) Umsatzeinbußen von mehr als 7% hinnehmen mussten. Im gleichen Zeitraum erlitten auch die Rundfunkveranstalter (-19,5%) Umsatzrückgänge. In der Telekommunikation nahm der Umsatz zwischen 2003 und 2012 ebenfalls ab (-12,5%), wobei hier der anhaltende Preisverfall einen großen Anteil hatte. Ferner wird das Geschäft der Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen u.a. dadurch erschwert, dass vermehrt kombinierte Produkte (so genannte Komplettangebote zu Festpreisen, Telefon- und Internetflatrates) angeboten werden. Mittelfristig erhalten die Internetnutzer somit höhere Bandbreiten (auch im Mobilfunkbereich), um ihre steigenden Bedürfnisse zu befriedigen, ohne we- sentlich mehr dafür bezahlen zu müssen. Im Bereich Festnetz wurde diese Ent- wicklung jüngst wesentlich durch die TV-Kabelnetzanbieter vorangetrieben. Im Mobilfunkbereich wird der Ausbau mit LTE 4 -Netzen künftig für weitere Lei- stungssteigerungen sorgen, deren Investitionskosten sich aber bei den bisheri- gen Geschäftsmodellen bestenfalls teilweise auf die Konsumenten überwälzen lassen. 5 Dies setzt die Telekommunikationsanbieter weiter unter Druck. Die Informationsdienstleistungen liegen seit Jahren auf Wachstumskurs Dagegen verzeichneten die Informationsdienstleistungen sowie die Dienstleis- tungen der Informationstechnologie langfristig die höchsten Umsatzzuwächse: Zwischen 2003 und 2012 legte hier der nominale Umsatz merklich um 95% bzw. um 32% zu. Die Sparten werden primär von der Datenverarbeitung, dem Hosting, den Dienstleistungen rund um die schnell wachsenden Webportale sowie zu einem Großteil von den Programmiertätigkeiten dominiert. Letztere wiederum beinhalten den an Dynamik gewinnenden App-Markt 6 sowie die etab- lierte Gaming-Branche. Der hohe Umsatzzuwachs in den Informationsdienst- leistungen geht auch einher mit den steigenden Zahlen der Internetnutzer in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren 76% der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig online; zehn Jahre zuvor waren es erst knapp 42%. Zu- sätzlich werden im laufenden Jahr in Deutschland wahrscheinlich mehr als 34 Mio. mobile Endgeräte abgesetzt (s. Grafik 16). Ohnehin verlagert sich der Internetkonsum zunehmend auf die mobilen, webbasierten Endgeräte. Damit eng verbunden sind zusätzliche personenbezogene Internet-Dienste, wie Cloud- Dienste, digitale Bezahlverfahren, P2P-Plattformen (Crowdfunding, Crowd- 3 Vgl. Heng, Stefan et al. (2010). Verlage im Umbruch: Digitalisierung mischt Karten neu. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen 496. Frankfurt am Main. 4 Long Term Evolution (LTE) ist ein Mobilfunkstandard der vierten Generation der mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde deutlich höhere Downloadraten erreichen kann als der (noch) aktuell bestehende 3G-Standard basierend auf UMTS (Universal Mobile Telecommunications System). 5 Vgl. Heng, Stefan (2012). Netzneutralität: Mütchen kühlen und Differenzierung nicht verteufeln. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main. 6 Seit 2008 sind schätzungsweise über 1,8 Mio. Apps erhältlich über die größten App-Stores. 28,0 5,0 1,4 0 6 12 18 24 30 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Smartphones Tablet PCs E - Reader DE, Absatz in Mio. Stück Mobile Endgeräte erobern den Massenmarkt 16 Quellen: EITO, IDATE, Bitkom 35 49 18 19 7 4 18 14 22 14 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2011 2012 Bereits vorhanden Geplant fürs laufende Jahr Geplant fürs kommende Jahr Geplant für später Nicht geplant Umfrage: Ist in ihrem Verlag die Erweiterung des Programms um E - Books für dieses Jahr geplant? Quellen: Gfk, BÖV Verlage planen ihre Zukunft mit E - Books 17 DE, %, n = 3.273 (2010); n = 3.776 (2011) 75,6* 0 10 20 30 40 50 60 70 80 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Deutsche im Internet 18 * ca. 53 Mio. Menschen Quelle: (N)Onliner Atlas 2012 Anteil der Bevölkerung (ab 14 Jahren), % Dienstleistungen 2013 9 | 19. April 2013 Aktuelle Themen investing), Musik- und Videostreaming-Dienste, Bildbearbeitungs- und Navigati- onsdienste sowie soziale Netzwerkdienste. 7 Ausblick: Umsatzwachstum 2013 höchstens 1% Die Dienstleistungsbranche Information und Kommunikation startet ins Jahr 2013 mit einem statistischen Unterhang: Der saisonbereinigte Umsatz lag in der Sparte im 4. Quartal 2012 um 2,7% unter dem Durchschnitt des Gesamtjahres. Angesichts der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es ambitioniert, diesen Unterhang im Verlauf von 2013 auszugleichen. Insgesamt dürfte der nominale Umsatz in der Sparte Information und Kommunikation in Deutschland 2013 daher höchstens um 1% steigen. Der technologische Fort- schritt sowie der anhaltende digitale Transformationsprozess sorgen mittel- bis langfristig aber weiterhin für Wachstumsimpulse und für steigende Umsätze im Dienstleistungsbereich der Information und Kommunikation. Gleichwohl werden nicht alle Sparten in den kommenden Jahren ihren Umsatz steigern können. So dürfte es den Verlagen im Durchschnitt schwerfallen, die sinkenden Umsätze im traditionellen Geschäft durch Wachstum mit neuen (digitalen) Angeboten zu kompensieren. Gerade im Telekommunikationsbereich erschwert der anhalten- de Preisdruck bzw. Preisverfall ein dauerhaftes nominales Umsatzwachstum. Preisverfall im IKT-Markt – Auswirkungen auf die Umsätze Ohnehin sind viele (Tele-)Kommunikationsdienste durch einen Preisverfall cha- rakterisiert, der die Anbieter vor große Herausforderungen stellt, denn in einem Umfeld stetig sinkender Preise ist es schwierig, dauerhaft wirtschaftlich tragfähi- ge Geschäftsmodelle zu etablieren. So verzeichnete die Sparte Information und Kommunikation seit 1991 einen Preisverfall von mehr als 25% (gemessen am Unterschied zwischen nominaler und realer BWS). 8 Obwohl also immer mehr Telekommunikations-Dienste nachgefragt werden, führt dies nicht automatisch zu steigenden Umsätzen. Nicht zuletzt liegt im jeweiligen Ausmaß des Preisver- falls ein Unsicherheitsfaktor für unsere Prognose. 4. Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen: Relativ kräftiges Wachstum 2013 Die Branche Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und techni- schen Dienstleistungen besteht aus sieben Wirtschaftsbereichen. Gemäß der Statistik des Bundesamtes für 2010 wird die Dienstleistungsbranche dominiert vom Segment der Verwaltung und Führung von Unternehmen/ Unternehmensberatung, gefolgt von den Architektur- und Ingenieursbüros etc. auf Platz 2 (s. Grafik 20). Insgesamt erwirtschafteten die freiberuflichen, wissenschaftlichen und techni- schen Dienstleistungen 2010 einen Umsatz von über EUR 216 Mrd. Gemessen am Umsatz ist dieser Dienstleistungssektor in etwa so groß wie der Bereich Information und Kommunikation. Gemessen an der Zahl der tätigen Personen 7 Dapp, T. et al. (2013). Die Zukunft des (mobilen) Zahlungsverkehrs. Banken im Wettbewerb mit neuen Internetdiensten und Dapp. T. (2013). Crowdfunding: An alternative source of funding with potential. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main. 8 Zuletzt auf den Markt kommende webbasierte Technologien sind z.T. nicht nur marginal besser als ihre Vorgängermodelle, sondern um Dimensionen leistungsfähiger. Diese Leistungs- und Qualitätssteigerungen gehen einher mit sinkenden oder gleichbleibenden Stückkosten (Moore`s Law). Eng damit verknüpft sind personenbezogene Dienstleistungen, die sich mit ähnlicher Dy- namik entwickeln und dadurch als Gesamtpaket für den Nutzer attraktiver werden. Ein Beispiel stellen die mobilen, internetfähigen Endgeräte dar, die in Kombination mit personenbezogenen Dienstleistungen in Form von Apps oder Social Networking-Diensten für den Kunden neue An- wendungsmöglichkeiten schaffen. 70 80 90 100 110 120 91 94 97 00 03 06 09 12 Preisverfall bei Informations- und Kommunikationsdienstleistungen 19 Quelle: Statistisches Bundesamt * Berechnet aus der unterschiedlichen Entwicklung der nominalen und realen Bruttowertschöpfung Preisindex*, 1991=100 34,1 25,0 19,3 10,4 5,5 4,7 1,1 Verwaltung und Führung v. Unt. u. Betrieben/Unternehmensberatung Architektur - u. Ing. - Büros; techn., physik. u. chem. Untersuchung Rechts - und Steuerberatung, Wirtschaftsberatung Werbung und Marktforschung Sonst. freiberufl, wissenschaftl. u. techn. Tätigkeiten Forschung und Entwicklung Veterinärswesen Quelle: Statistisches Bundesamt Verwaltung, Führung und Beratung von Unternehmen mit größtem Umsatz 20 Umsatzanteile in der Branche freiberufl., wissen - schaftl. u. techn. DL, Deutschland, 2010, % Dienstleistungen 2013 10 | 19. April 2013 Aktuelle Themen (2 Mio.) sind die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienste die zweitgrößte Branche hinter den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen. In diesem Bereich sind auch mit Abstand die meisten Personen selbstständig tätig: Rund 20% der Beschäftigten sind als selbstständige Rechtsanwälte, Steuerbe- rater, Wirtschaftsprüfer, Architekten oder Ingenieure berufstätig. Allein auf diese Freien Berufe entfallen mehr als 60% der Selbstständigen in dieser Sparte. Merkliches Umsatzplus, aber geringere Dynamik (2012: +2,7%) Der nominale Umsatz der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen stieg 2012 um 2,7%. Gegenüber den Wachstumsraten von 2011 (+7%) und 2010 (+3,9%) fällt die Dynamik in der Branche damit spürbar niedriger aus. Auch an den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen ist die Rezession von 2009 nicht spurlos vorbeigegangen; damals sank der nominale Umsatz um 5,5%. Interessant ist dabei, dass die Untergruppe der Rechts- und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer als einzige Teilsparte 2009 ihren Umsatz stabil halten konnten. Dies spricht dafür, dass einzelne Leistungen aus diesem Bereich trotz oder gerade in Krisenzeiten eine höhere Nachfrage erfahren. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Dienstleistungssektor der sonstigen frei- beruflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten mit 6,4% das höchste Umsatzwachstum, gefolgt von den Architektur- und Ingenieursbüros etc. mit +3,5%. Mit einem Umsatzplus von 2,8% folgt die Rechts- und Steuerbe- ratung sowie Wirtschaftsprüfung. Die Umsätze des Sektors Werbung und Markt- forschung stagnierten 2012, nach einem marginalen Umsatzanstieg von 0,8% im Jahr 2011. Die Umsätze dieser Sparte brachen seit 2003 um insgesamt 8,4% ein. Werbewirtschaft: Der Wachstumsgarant von einst schwächelt seit Jahren Die Werbewirtschaft war über Jahrzehnte von stetig steigenden Umsätzen ge- prägt. 9 Seit 2000, dem Höhepunkt der New Economy, tendieren die Umsätze in der Branche jedoch nach unten. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Ein entschei- dender Faktor für den Rückgang der Werbeeinnahmen ist die Konjunkturanfäl- ligkeit der kommerziellen Werbung. Die Höhe von Werbeetats orientiert sich häufig nicht nur an betriebswirtschaftlichen Größen, sondern auch an volkswirt- schaftlichen Erwartungen, d.h. ein (erwarteter) gesamtwirtschaftlicher Ab- schwung führt auch zu vorsichtigen Werbeplanungen und sinkenden Werbe- budgets. Zudem gibt es einen statistischen Effekt: So werden große Teile des wachsenden Bereichs der Online-Werbung nicht in der Statistik des ZAW er- fasst. 10 Im Zuge der branchenübergreifenden Digitalisierungstrends der letzten Dekade hat sich aber das Mediennutzungs- und Konsumverhalten der Men- schen stark geändert, was bei traditionellen Werbeträgern zu rückläufigen Ein- nahmen geführt hat. Insbesondere die Symbiose von traditionellen Medien mit den digitalen, webbasierten Werbeträgern stellt die Werbewirtschaft vor enorme Herausforderungen. 11 9 Die zugrundeliegenden Zahlen stammen vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Die Größenordnung passt aber in etwa zu den Daten des Statistischen Bundesamts. 10 Dies gilt für die Suchwortwerbung und Affiliatevermarktung, bei denen beispielsweise durch einen Internetlink Einnahmen generiert werden können. Ein Affiliate-Link enthält einen Code, der den Affiliate eindeutig beim Händler identifiziert. Die Zahlung der Provision wird beispielsweise durch einen „Click“ auf das digitale Werbemittel ausgelöst. 11 Siehe Werbung in Deutschland 2012. Verlag edition zaw. Zentralverband der deutschen Werbe- wirtschaft. Berlin. 0 5 10 15 20 25 52 56 60 64 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 Mrd. EUR, Deutschland* Quelle: ZAW Netto-Werbeeinahmen 21 *Ab 1991 Gesamtdeutschland, ohne Suchwort - und Affiliate - Werbung Dienstleistungen 2013 11 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Die „Sonstigen“ erzielten in den letzten Jahren das höchste Wachstum Die sonstigen freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten haben mit knapp EUR 12 Mrd. einen überschaubaren Umsatzanteil an der ge- samten Dienstleistungsbranche, weisen aber zwischen 2003 und 2012 mit ei- nem Umsatzanstieg von 76% die höchsten Wachstumsraten auf. Am aktuellen Rand gibt es für die Teilbranche Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben/Unternehmensberatung keine Umsatzzahlen. Innerhalb dieses Bereichs konnte die Sparte der Public-Relations- und Unternehmensberatung im Zeitraum 2003 bis 2012 ein Umsatzwachstum von über 50% erzielen. Die Teilbranchen Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung sowie die Archi- tektur- und Ingenieursbüros etc. liegen im Langfristvergleich mit 35% bzw. 34% in etwa gleichauf und somit an dritter Stelle. Ausblick: 2013 höchstes Umsatzwachstum von allen Dienstleistungssparten Die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen wer- den sich 2013 nicht vom schwachen gesamtwirtschaftlichen Trend abkoppeln können. Gleichwohl könnten die unternehmensnahen beratenden Berufe mode- rate Wachstumsimpulse erfahren; sie haben schon in der Vergangenheit ihre relative Resistenz gegenüber Krisen unter Beweis gestellt. Von den technischen Sparten dürften die Architektur- und Ingenieurbüros 2013 spürbar von den an- ziehenden Bauinvestitionen in Deutschland profitieren. Wir rechnen mit einem Zuwachs der realen Bauinvestitionen um 2,5%, wobei die Wohnungsbauinvesti- tionen sogar um rd. 3% expandieren könnten. In der mittleren Frist könnte die Sparte durch energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden zusätzliche Impulse erfahren: In Deutschland sind mehr als zwei Drittel der Wohnungen mindestens 25 Jahre alt. Der Energieverbrauch von Wohngebäuden im Bestand kann durch bessere Isolierung und moderne Heizsysteme durchschnittlich um 50% gesenkt werden. Die Bundesregierung strebt an, die Sanierungsquote von aktuell rd. 1% der Wohngebäude im Bestand auf 2% zu verdoppeln. Derzeit reichen die staatlichen Förderprogramme aber noch nicht aus, um dieses Potenzial zu heben. Für die Sparte Werbung und Marktforschung rechnen wir bestenfalls mit einer „schwarzen Null“, da die Werbebudgets der Unternehmen angesichts der schwachen Konjunktur 2013 kaum steigen dürften. Zu einer ähn- lichen Prognose kommt auch die jüngste Trendbefragung der ZAW-Mitglieds- verbände. Aus statistischer Sicht ist erwähnenswert, dass die freiberuflichen, wissenschaft- lichen und technischen Dienstleistungen mit einem deutlichen statistischen - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Rechts - und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung Public - Relations und Unternehmensberatung Architektur - u. Ing. - Büros; techn., physik. u. chemische Untersuchung Werbung und Marktforschung Sonst. freiberufl., wissenschaftl. u. techn.Tätigkeiten Nominale Umsatzentwicklung, DE, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Umsätze bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen 22 Aktuelle Umsatzzahlen nicht für alle Untergruppen (siehe Grafik 20) verfügbar. 80 90 100 110 120 130 140 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Verarbeitendes Gewerbe Freiberufliche, wiss. u. techn. Dienstleistungen Reale Industrieprod. u. Umsatz in den freiberufl., wiss. u. techn. DL, DE, Q1 2003=100 Nur bedingter Gleichlauf 23 Quelle: Statistisches Bundesamt Dienstleistungen 2013 12 | 19. April 2013 Aktuelle Themen Überhang ins laufende Jahr starteten: Der saisonbereinigte Umsatz lag im 4. Quartal 2012 um 1,5% über dem Durchschnitt des Gesamtjahres. Insgesamt erwarten wir für 2013 ein nominales Umsatzplus in der Sparte freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen in Deutschland von 2%. Somit würde diese Sparte das größte Wachstum der hier untersuchten Dienst- leistungsbranchen erzielen. 5. Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Die Branche sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen setzt sich aus recht un- terschiedlichen Teilsparten zusammen, wobei keine eine dominierende Rolle einnimmt. Die größte Sparte ist die Vermittlung und Überlassung von Arbeits- kräften (vor allem die Zeitarbeitsbranche) mit einem Umsatzanteil von knapp 20%. Dicht dahinter folgen die Vermietung von beweglichen Sachen (Vermie- tungsgeschäft) sowie der Bereich Gebäudebetreuung und Garten- und Land- schaftsbau (s. Grafik 24). Insgesamt erwirtschafteten die sonstigen wirtschaftli- chen Dienstleistungen 2010 einen Umsatz von knapp EUR 148 Mrd. Sie ist damit die kleinste der hier betrachteten Dienstleistungsbranchen. Gemessen an der Zahl der tätigen Personen (2,7 Mio.) ist sie aber die größte Branche. Der relativ geringe Umsatz pro Erwerbstätigen dürfte u.a. darauf zurückzuführen sein, dass die Entlohnung in der Branche im Durchschnitt geringer und/oder der Anteil an Teilzeitbeschäftigten höher ausfällt. Zuletzt deutlich verringertes Umsatzwachstum (2012: +2,6%) Der nominale Umsatz in der Branche der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleis- tungen nahm 2012 um 2,6% zu. Gegenüber dem Wachstum von 2011 (+8,3%) und 2010 (+6,2%) hat sich die Dynamik in der Branche damit deutlich abge- schwächt. Wie alle anderen Dienstleistungsbranchen waren auch die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen von der Rezession des Jahres 2009 betroffen; damals sank der nominale Umsatz um 7,3%. Von den einzelnen Sparten der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen verzeichneten 2012 die Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter das höchste Umsatzwachstum (+5,7%), gefolgt von den Reisebüros und Reisever- anstaltern (+4,6%). 12 Am unteren Ende der Skala steht die Branche Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, die 2012 ihren Umsatz nur noch um 0,7% steigern konnte; hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese Sparte in den Jahren 2010 und 2011 um insgesamt 48% expandierte. Wenngleich die Statisti- ken unterschiedlichen Abgrenzungen unterliegen, passt die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Umsatzentwicklung der Zeitarbeit damit im Großen und Ganzen zu den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sowie des Bun- desarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) über die Entwicklung der Leiharbeiter in Deutschland. Deren Zahl hat sich hierzulande zwischen 2009 und 2011 um 40% erhöht; 2012 dürfte sie nach Schätzungen des BAP leicht gesunken sein (s. Grafik 25). Im letzten Jahr waren im Durchschnitt gut 873.000 Zeitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Zeitarbeit verzeichnet langfristig das höchste Umsatzwachstum Im langfristigen Vergleich ist die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräf- ten innerhalb der sonstigen Dienstleistung die Sparte mit dem höchsten Um- satzwachstum: Zwischen 2003 und 2012 expandierte der nominale Umsatz in der Zeitarbeit um 93%. Der Umsatz der Messe-, Ausstellungs- und Kongress- 12 Für die Sparten Vermietung von beweglichen Sachen sowie Gebäudebetreuung und Garten- und Landschaftsbau werden keine aktuellen Umsatzzahlen ausgewiesen, weshalb eine Beschreibung der konjunkturellen Entwicklung hier nicht möglich ist. 27,5 19,8 18,6 18,2 15,9 Sonstige Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften Vermietung von beweglichen Sachen Gebäudebetreuung; Garten - und Landschaftsbau Reisebüros, Reiseveranstalter u. Erbringung sonst. Reservierungsdienstleistungen Quelle: Statistisches Bundesamt Keine Sparte ragt heraus 24 Umsatzanteile in der Branche Erbringung von sonst. wirtschaftl. DL, Deutschland, 2010, % 50 100 150 200 250 300 350 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Zeitarbeiter, Quartalsdurchschnitte Umsatz, Vermittl. u. Überl. v. Arbeitskräf. Deutschland, Q1 2003=100 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Bundesarbeitgeber - verband der Personaldienstleister, Statistisches Bundesamt Die Zahl der Zeitarbeitenden wächst schneller als der Umsatz 25 Dienstleistungen 2013 13 | 19. April 2013 Aktuelle Themen veranstalter legten im gleichen Zeitraum um 75% zu. Die Sparte Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien steigerte ihren Umsatz seit 2003 immerhin um 48%. Damit haben diese Untergruppen entscheidend dazu beigetragen, dass die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen von den in diesem Bericht betrachteten vier Dienstleistungsbranchen seit 2003 mit einem Plus von 51% den höchsten Umsatzzuwachs erzielen konnten (s. Grafik auf dem Deckblatt). Reisebüros und Reiseveranstalter sowie Reinigungsdienste sind die Sparten innerhalb der sonstigen Dienstleistungen, die ihren Umsatz im langfristigen Ver- gleich nur unterdurchschnittlich erhöhen konnten (+21% bzw. +28%). Industriekonjunktur wichtiger Impulsgeber Interessant ist, dass die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen – trotz ihrer recht heterogenen Zusammensetzung – relativ eng mit der Industriekonjunktur korreliert sind (R²=0,32 basierend auf Veränderungsraten). Zwar wuchsen die Umsätze der Branche in den letzten zehn Jahren insgesamt schneller als die inländische Industrieproduktion. Gleichwohl zeigen die Konjunkturverläufe der beiden Größen ein ähnliches Muster. Mit Blick auf die Branchenstruktur finden sich verschiedene Gründe für diese gewisse Parallelität: So umfassen die sons- tigen wirtschaftlichen Dienstleistungen mit dem Vermietungsgeschäft (z.B. Ver- mietung von Maschinen) sowie der Zeitarbeit zwei Sparten, die es der Industrie ermöglichen, flexibel auf konjunkturelle Schwankungen zu reagieren. Bei guter Auftragslage leihen sich viele Unternehmen also zunächst zusätzliche Maschi- nen oder Arbeitskräfte, bevor sie diese kaufen bzw. fest einstellen. Ist ein Auf- schwung nur von kurzer Dauer, können diese Kapazitäten relativ kostengünstig wieder zurückgefahren werden, ohne dass sich die eigenen Fixkosten erhöht hätten. Insofern ist es wenig überraschend, dass gerade die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften den konjunkturellen Einbruch in der Industrie 2009 besonders stark zu spüren bekam, sich anschließend aber auch wieder schnell erholte. Auch der Umsatz der Messe-, Ausstellungs- und Kongressver- anstalter sank in der Krise – wenn auch zeitverzögert – deutlich, um danach wieder nach oben zu tendieren. Ausblick für 2013: Umsatzstagnation wäre bereits ein Erfolg Die Industriekonjunktur in Deutschland setzt wohl auch im Jahr 2013 den Rah- men für die Entwicklung der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen. Ange- sichts der von uns erwarteten Stagnation der Industrieproduktion im laufenden Jahr bleiben damit auch die Perspektiven der Dienstleistungsunternehmen ge- - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 05 06 07 08 09 10 11 12 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften Reisebüros, - veranstalter u. sonst. Reservierungen Messe - , Ausstellungs - und Kongressveranstalter Reinigung von Gebäuden, Straßen, Verkehrsmitteln Wach - und Sicherheitsdienste sowie Detekteien Nominale Umsatzentwicklung, DE, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Moderate Dynamik im Jahr 2012 26 Aktuelle Umsatzzahlen nicht für alle Untergruppen (siehe Grafik 24) verfügbar. 90 100 110 120 130 140 150 160 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 Verarbeitendes Gewerbe Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Reale Industrieproduktion und Umsatz in der Branche sonst. wirtschaftl. DL, DE, Q1 2003=100 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Ähnliches Profil, aber mehr Dynamik bei sonst. wirtschaftl. Dienstleistungen 27 Dienstleistungen 2013 14 | 19. April 2013 Aktuelle Themen dämpft. Ein Indiz für die zurückhaltenden Erwartungen ist die aktuelle Beschäf- tigungsprognose der Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland. Zwar rechnet noch eine Mehrheit der befragten Unternehmen mit einem Beschäftigungsauf- bau im 1. Halbjahr 2013, jedoch ist die Stimmung im Vergleich zu den Umfragen früherer Jahre weniger optimistisch. In anderen unternehmensnahen Bereichen wie dem Vermietungsgeschäft, dem Gebäudemanagement oder dem Messe- wesen bleiben die Impulse begrenzt, weil die Unternehmen ihre entsprechen- den Ausgaben für diese Zwecke in konjunkturell schwierigen Zeiten kaum aus- weiten dürften. Die Branche der Reisebüros und Reiseveranstalter dürfte zu spüren bekommen, dass die Urlaubsbudgets der privaten Haushalte allenfalls marginal steigen. Neben diesen qualitativen Aspekten belastet auch ein statistischer Effekt die Umsatzentwicklung der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen im Jahr 2013. So sank in der Branche sowie in den meisten Untergruppen der saisonbe- reinigte Umsatz im 4. Quartal 2012, was zu einem statistischen Unterhang ge- führt hat, der den Start ins Jahr 2013 belastet. In der Obergruppe der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen liegt der Unterhang bei rd. 3%. D.h., wenn der saisonbereinigte Umsatz im Verlauf von 2013 um 3% zulegen würde, resultierte daraus im Jahresdurchschnitt „lediglich“ eine Stagnation des Umsatzes. Ange- sichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, das kaum nennenswerte Preis- steigerungen in den Dienstleistungsbranchen zulassen dürfte, wäre eine solche Entwicklung durchaus schon als Erfolg zu interpretieren. 6. Fazit und Ausblick Alle vier Dienstleistungsbranchen, die in diesem Bericht analysiert werden, haben 2012 zusammen ihren nominalen Umsatz um 2,2% steigern können. Gegenüber dem Jahr 2003 expandierte der Umsatz um rd. 26%. Zum Vergleich: Das nominale BIP in Deutschland stieg im gleichen Zeitraum um 23%. Etwas weniger dynamisch entwickelte sich die Zahl der Beschäftigten in den Dienst- leistungsbranchen: Sie nahm gegenüber 2003 um 16% zu. Insofern hat sich die Umsatzproduktivität, also der Umsatz pro Beschäftigtem, im Verlauf der letzten Jahre erhöht. Der statistische Unterhang, der sich in den einzelnen Dienstleistungsbereichen zeigt, spiegelt sich natürlich auch in den zusammengefassten Zahlen wider; im 4. Quartal 2012 lagen die saisonbereinigten Umsätze aller Dienstleistungsbran- chen zusammen um 1,3% unter dem Durchschnitt des Gesamtjahres. Wir er- warten, dass im Verlauf von 2013 die Umsätze nach oben tendieren und damit der Unterhang mehr als ausgeglichen werden kann. Im Jahresdurchschnitt ist ein Umsatzplus von 0,5 bis 1% möglich. Für eine aufwärts gerichtete Umsatz- entwicklung sprechen die Geschäftserwartungen im Dienstleistungssektor, die zuletzt deutlich angezogen haben. Bei den Beschäftigten rechnen wir mit einer stabilen Entwicklung. Viele der hier betrachteten Dienstleistungen verfügen auch mittelfristig über ein nennenswertes Wachstumspotenzial und werden künftig positiv auf den Ar- beitsmarkt wirken. Wenn der Industriestandort Deutschland im internationalen Wettbewerb dauerhaft konkurrenzfähig bleibt, profitieren auch die inländischen Dienstleister, denn viele Dienstleistungen sind eng mit der lokalen Produktion verknüpft (z.B. Logistik). Von günstigen politischen Rahmenbedingungen, die der heimischen Industrie zugutekommen, profitieren demnach auch unmittelbar die jeweils wirtschaftlich nahestehenden Dienstleistungssektoren. Thomas F. Dapp (+49 69 910-31752, thomas-frank.dapp@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 Umsatz Beschäftigte * Umfasst die vier Dienstleistungsbranchen, die im vorliegenden Bericht analysiert werden Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Der Umsatz ist stärker gestiegen als die Beschäftigung 28 Nom. Umsatz und Beschäftigte in ausgewählten Dienstleistungsbranchen*, % gg. Vj. - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Geschäftsklima * Ohne Handel, Kreditgewerbe, Leasing, Versichungen und Staat Quelle: ifo Institut Erwartungen zuletzt optimistischer 29 Stimmungsindikatoren in Dienstleistungs - branchen*, Saldo pos. und neg. Firmenmeldungen Aktuelle Themen Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Ausblick Deutschland: Stimmungsindikatoren – erneuter Dämpfer im Frühjahr ................................ ............. 2. April 2013  Mittelstand und Demografie: Der Handlungsdruck steigt ................................ ............... 25 . März 2013  Preisgestaltung im Retailbanking: Chancen für Kundenzufriedenheit & Profitabilität ................................ ................................ ......... 7 . März 2013  Ausblick Deutschland: Tiefpunkt (wohl) durchschritten ................................ .......... 1. März 2013  Die Zukunft des (mobilen) Zahlungsverkehrs: Banken im Wettbewerb mit neuen Internet - Dienstleistern ................................ ................... 5. Februar 2013  Ausblick Deutschland: Langsam aufwärts in 2013 ................................ ............ 28. Januar 2013  Universalbanken: gut für Kunden und Finanzstabilität ........................ 19. Dezember 2012  Ausblick Deutschland: Deutsche Konjunktur am Wendepunkt? ................... 3. Dezember 2012  Mehr Wertschöpfung durch Wissen(swerte): Folgen für regionale Wachstumsstrategien ............ 19. November 2012  Medizintechnik: Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich ................................ ............. 8. Nove mber 2012  Gesundheitswirtschaft: Weiteres Aufwärtspotenzial ................................ ....... 7. November 2012  Ausblick Deutschland: Eurokrise bringt Wirtschaft im Winterhalbjahr zum Stillstand ................................ ... 1. November 2012  Ausblick Deutschland: Ein riesiger Schritt für die EWU oder Echternacher Springprozession? ..... 1. Oktober 2012  Deutsche Industrie: Nur moderate Erholung im Jahr 2013 .................... 2 8 . September 2012  Amerika vor der Wahl ................................ ............. 27. September 2012  Ausblick Deutschland: Zunehmend im Griff der Eurokrise ................................ 24. August 2012  Einer für alle, alle für Einen? Kommunale Finanzagentur – ein Überblick .................. 21. August 2012  Nutzfahrzeuge: Marktumfeld schwierig – Energieeffizienz wird wichtiger ................................ ........ 3. August 2012 © Copyright 2013. Deutsche Bank AG, DB Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenan- gabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. 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