1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Weltwirtschaftlicher Ausblick - Kurzfassung
28. Juni 2019
Im vergangenen Monat haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft eingetrübt, worauf die Zentralbanken allerdings rasch reagiert haben. Damit sollte vorerst sichergestellt sein, dass die unvermeidliche Wachstumsverlangsamung nicht allzu deutlich ausfällt. [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Die Wachstumsverlangsamung im Auge behalten 28. Juni 2019 Autoren: himanshul.porwal@db.com, quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Juni 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Vor dem Hintergrund der anhaltenden handelspolitischen Spannungen haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft im vergangenen Monat eingetrübt; die Makrodaten haben sich in den USA, Europa, China und den übrigen Schwellenländern verschlech- tert. Allerdings haben die Zentralbanken rasch darauf reagiert, um die unvermeidliche Wachstumsverlangsamung abzupuffern. — Die Fed dürfte als erste Zentralbank ihre Geldpolitik lockern. Wir rechnen inzwischen für dieses Jahr mit drei Zinssenkungen, deren erste bei der Juli-Sitzung erfolgen sollte. Danach wird die EZB ihren Leitzins voraussichtlich tiefer in den negativen Be- reich schleusen. Außerdem wären eine Wiederaufnahme der Käufe von Vermögens- werten und eine Verlängerung der Forward Guidance möglich. Dadurch dürften an- dere wichtige Zentralbanken ebenfalls unter Lockerungsdruck geraten. — In diesem Umfeld – langsameres, aber weiterhin positives Wachstum und koordinierte Lockerung seitens der Zentralbanken – werden die Anleger stärker ins Risiko gehen müssen. Dennoch bleiben Risiken bestehen. Eventuell haben die Zentralbanken der Konjunkturabschwächung nicht genug entgegenzusetzen, der Brexit wird nach der Wahl eines neuen Premierministers im kommenden Monat wieder in den Vordergrund rücken, und in der Handelspolitik könnten die Spannungen sehr rasch wieder eskalie- ren. USA — Eingetrübte Aussichten für die USA und geringerer Inflationsdruck; Wachstum jedoch weiterhin nahe der Trendrate. Insgesamt schwächerer Wachstumsausblick, aber keine bevorstehende Rezession. — Beschäftigung im vergangenen Monat unter den Erwartungen, Arbeitsmarkt jedoch insgesamt robust. Der VPI hat sich verlangsamt, was auch auf einen niedrigeren PCE hindeutet; geringere Exportorders lassen auf weiteres Abwärtspotenzial für den ISM schließen. — Wir haben unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2019 um 0,2%-Punkte auf 2,4% gesenkt, was einer Korrektur um 0,4%-Punkte auf 1,9% auf Q4/Q4-Basis gleich- kommt. Die Kernrate des PCE sollte Ende 2019 bzw. Ende 2020 bei 1,8% bzw. 1,9% liegen, d.h. unter dem Zielwert der Fed. Daher ist mit einer Lockerung der Geldpolitik zu rechnen. — Als Abwärtsrisiken sind vor allem folgende Punkte zu nennen: (i) Eskalation des Han- delskonflikts; (ii) deutliche Verschlechterung der finanziellen Bedingungen; (iii) Belas- tung des Wachstums durch die Konjunkturabschwächung in China/im Euroraum. Euroraum — Bisher waren die harten Daten aus dem Euroraum in Q2 enttäuschend und deuten auf Abwärtsrisiken für unsere BIP-Prognose (+0,2% gg. Vq.) hin. Die Einzelhandelsum- sätze gingen im April zurück (-0,4%; zuvor: 0%); die Industrieproduktion schrumpfte im April um 0,5% gg. Vm., und in Deutschland sank die Industrieproduktion (ohne Bausektor) im April um 2,3% gg. Vm. — Unsere SIREN Momentum-Reihe für Q2 liegt deutlich niedriger als zu vergleichbaren Zeitpunkten in Q1 bzw. Q4. Die Wachstumsverlangsamung im Auge behalten Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 28. Juni 2019 Internet: www.dbresearch.de — Der Gesamt-Einkaufsmanagerindex stieg im Mai um 0,3 Punkte auf 51,8 an. Getra- gen wurde er vom Dienstleistungssektor (52,9; Konsens: 52,5); der Einkaufsmana- gerindex für das Verarbeitende Gewerbe ging dagegen auf 47,7 zurück (April: 47,9). Der Index für Deutschland notierte bei 44,3. — Wir haben unsere BIP-Prognose für den Euroraum für 2020 von 1,2% auf 1% ge- senkt; die Prognose für 2019 bleibt unverändert bei 1,1%. Gründe sind die Schwäche der Binnenkonjunktur und auch die Abwärtskorrektur unserer US-Prognose. China — In China schwächte sich die Konjunktur im Mai ab und die meisten Indikatoren lagen unter den Erwartungen. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ging im Mai auf 49,4 zurück (April: 50,1), wobei vor allem Exportorders in Mitleiden- schaft gezogen wurden. Das Wachstum der Industrieproduktion schwächte sich uner- wartet von 5,6% im April auf 5% gg. Vj. ab; im Autosektor war eine weitere Verlangsa- mung zu verzeichnen. — Die Investitionen gingen ebenfalls zurück; das Wachstum des Gesamtvolumens der Anlageinvestitionen verlangsamte sich von 6,1% im Vormonat auf 5,6% gg. Vj. Die Immobilienverkäufe gingen leicht zurück, lebhafte Grundstücksauktionen sollten je- doch die Staatseinnahmen steigern. Die Einzelhandelsumsätze erholten sich, der Trend bleibt jedoch negativ. — Insgesamt sollte sich das Wachstum weiter verlangsamen; eine Eskalation des Han- delskonflikts dürfte in H2 zu Abwärtsdruck führen (es ist gut möglich, dass in diesem Jahr kein Handelsabkommen unterzeichnet wird). Wir haben die BIP-Prognose für 2019 bzw. 2020 von 6,3% auf 6,2% bzw. von 6,0% auf 5,8% gesenkt. Schwellenländer — Das Wachstum der Schwellenländer hängt nach wie vor in hohem Maße von der Kon- junktur in den entwickelten Ländern ab; intrinsische Pull-Faktoren sind sehr begrenzt. — Die Schwellenländer können Schocks nur schwer verdauen. Angesichts der weltweit zunehmenden handelspolitischen Spannungen dürften sich die Wachstumsaussichten der Schwellenländer weiter eintrüben. — In Asien dämpfen die wieder stärkeren handelspolitischen Spannungen die Aussich- ten, da die globalen Lieferketten reißen könnten. — Jüngste Wachstumsdaten deuten auf beträchtliche Unterschiede zwischen den Län- dern des CEEMEA-Raums hin; Aufwärtskorrekturen für die Tschechische Republik und Polen; voraussichtlich leichte Rezession in der Türkei und überraschend schwa- che Entwicklung in Russland und Südafrika. — Die Konjunkturdaten in Lateinamerika enttäuschen weiterhin; wir haben unsere Wachstumsprognose für Brasilien gesenkt. Geldpolitik — Fed: Drei Zinssenkungen im Jahr 2019 (Juli, September, Dezember) — EZB: Senkung des Einlagensatzes um 10 Bp. im September; sowohl Staffel-Einlagen- satz (tiering) als auch erneute QE möglich — BoJ: Abwartend, Zielrenditen für Renditekurvenkontrolle unverändert, möglicherweise bis deutlich ins Jahr 2020 hinein — BoE: Keine Zinsanhebung in diesem Jahr, eine Zinserhöhung im August 2020 — PBoC: Insgesamt zwei Senkungen des Ausleihesatzes um jeweils 25 Bp. (Q3 bzw. Q4) und zwei Senkungen der Mindestreserveanforderungen um insgesamt 150 Bp. in diesem Jahr Wichtige Abwärtsrisiken — Rezession (mittel) – Anhaltend schwaches Wachstum in China und Europa und ent- sprechende Rezession/deutliche Korrektur an den Finanzmärkten — Handelskonflikt (mittel) – Handelskonflikt entwickelt sich zu ausgewachsener Wirt- schaftskrise, Konflikt zwischen den USA und China greift über Zölle hinaus auf andere Die Wachstumsverlangsamung im Auge behalten Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 28. Juni 2019 Internet: www.dbresearch.de Themen über, Ausdehnung der Zölle auf Europa (Autozölle) würde die Weltwirtschaft merklich in Mitleidenschaft ziehen — Crash-Brexit (gering) – ein „No-Deal“-Brexit ist zwar nicht unser Basisszenario, aber nach wie vor möglich. Verzögerung/Scheitern des Austrittsabkommens oder Parla- mentswahlen in diesem Jahr würden die wirtschaftliche Unsicherheit verstärken und das Wachstum in Großbritannien und der EU dämpfen Schlüsselthemen — Globale Wachstumsverlangsamung: Aussichten für Weltwirtschaft haben sich im ver- gangenen Monat eingetrübt: Verlangsamung in den USA, schwache Q2-Daten in Eu- ropa sowie China und den übrigen Schwellenländern. Zentralbanken dürften rasch re- agieren, um Wachstum zu stützen und Abschwächung zu begrenzen. — Handelskonflikt: Im vergangenen Monat ist es an zahlreichen Fronten zu einer Dees- kalation gekommen. Die Präsidenten Trump und Xi treffen bei der G20-Konferenz zu- sammen. Geplante Zölle gegenüber Mexiko ausgesetzt; Eskalation bleibt möglich, da die Gespräche abgebrochen werden könnten. Es ist durchaus möglich, dass in die- sem Jahr kein Handelsabkommen zwischen USA und China abgeschlossen wird. — Brexit: Entscheidung über den nächsten britischen Premierminister (bis zum 22. Juli) derzeit im Mittelpunkt; wahrscheinlich wird der Kandidat gewinnen, der eine härtere Brexit-Linie verfolgt; momentan gilt Boris Johnson weithin als Favorit; Verhandlungen mit den EU27 beginnen möglicherweise erst ab dem 2. Oktober; im Basisszenario (in- dikative Wahrscheinlichkeit: 50%) erwarten wir vorgezogene Neuwahlen; „No-Deal“- Brexit nach wie vor möglich (25%). Marktprognosen Marktstimmung — Der Makroausblick hat sich eingetrübt; in den USA, Europa und China verlangsamt sich das Wachstum — Zentralbanken dürften ihre Politik jedoch lockern, wovon riskante Vermögenswerte profitieren sollten Aktien — Kurzfristig Risiken, aber nach wie vor optimistisch für US-Aktien. Bei voraussichtlich anhaltend solidem Wachstum sollten Aktien weiterhin gut abschneiden — Gewisse kurzfristige Risiken bei Long-Positionierung und in der Blackout-Periode für Rückkäufe Staatsanleihen — Wir ziehen Relative Value-Trades vor. In den USA sollte sich die Kurve am kurzen Ende versteilen, wenn die Fed den Leitzins senkt — In Europa präferieren wir Peripherieländeranleihen, die besser abschneiden sollten als Bunds Devisen — Wir sind für den Dollar neutral; Kursschwäche gegenüber Ländern mit Leistungsbi- lanzüberschuss sollte durch festen Kurs gegenüber Schwellenländern kompensiert werden — Lockerung der EZB sollte nicht zu deutlicher Schwäche des Euro führen — Kapitalströme stützen den Euro; europäische Anleger verringern Käufe von ausländi- schen Vermögenswerten oder stellen sie ein — Der Yen dürfte eher fester gegenüber dem Dollar notieren; da die Zinsen in den USA deutlicher gesenkt werden können als in Japan Die Wachstumsverlangsamung im Auge behalten Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 28. Juni 2019 Internet: www.dbresearch.de Unternehmensanleihen — Wir sind optimistischer für Unternehmensanleihen; EUR-Unternehmensanleihen soll- ten außerdem von möglicher erneuter CSPP profitieren Schwellenländer — Bei niedrigeren Zinsen in Kernländern sind Schwellenländeranleihen nicht mehr über- bewertet; Schwellenländerwährungen weiterhin vom Wachstum abhängig — Marktgewichtung von Schwellenländer-Unternehmensanleihen nach Wiederaufnahme der Handelsgespräche und angesichts akkommodierender Zentralbanken Öl — Brent sollte zum Jahresende nahe dem aktuellen Niveau notieren — Wieder stärkere Nachfrage in den USA; Risiko geopolitischer Konflikte als Unsicher- heitsfaktor Die Wachstumsverlangsamung im Auge behalten Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 28. Juni 2019 Internet: www.dbresearch.de Wichtige Makro- und Marktprognosen BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q2 19P Q4 19P Global 3,8 3,2 3,3 US 10J-Renditen (%) 2,04 2,00 2,15 USA 2,9 2,4 1,8 EUR 10J-Renditen (%) -0,29 -0,12 0,00 Euroraum 1,9 1,1 1,0 EUR/USD 1,13 1,16 1,13 Deutschland 1,4 0,7 1,2 USD/JPY 108 110 105 Japan 0,8 0,5 -0,1 S&P 500 2954 3075 3250 Großbritannien 1,4 1,5 1,3 Gold (USD/Unze) 1398 1300 1350 China 6,6 6,2 5,8 Oil WTI (USD/Barrel) 57,2 58,0 60,0 Oil Brent (USD/Barrel) 64,9 66,0 68,0 Aktuelle Preise vom 21.06.2019 Leitzinsen (%) Aktuell Q2/2019 P Q4/2019 P USA 2,375 2,375 1,625 Euroraum 0,00 0,00 0,00 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,75 0,75 China 1,50 1,50 1,50 Original in englischer Sprache: 21. Juni 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei- stungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Pro- duktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS be- rücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.
2.4.6