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23. November 2010
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Die Gründe für die aktuellen Probleme einiger Euro-Staaten an den Kapitalmärkten sind von Land zu Land verschieden. Den Vertrauensverlust bei Investoren verursachte im Fall Griechenlands vor allem eine über Jahre unsolide Haushaltspolitik, in Irland dagegen eine Kreditblase, die zu einem überdimensionierten Finanzsektor führte. [mehr]
Die Euro-Schuldenkrise – Rolle des Finanzsektors Aktueller Kommentar Die Euro-Schuldenkrise – Rolle des Finanzsektors 23. November 2010 Die Gründe für die aktuellen Probleme einiger Euro-Staaten an den Kapitalmärkten sind von Land zu Land verschieden. Den Vertrauensverlust bei Investoren verursachte im Fall Griechenlands vor allem eine über Jahre unsolide Haushaltspolitik, in Irland dagegen eine Kreditblase, die zu einem überdimensionierten Finanzsektor führte. Gerade in Zeiten angespannter Märkte ist es notwendig, einen klaren Blick zu behalten nicht nur für die Gemeinsamkeiten, sondern auch die Unterschiede zwischen den im Fokus stehenden Volkswirtschaften und ihren Bankensektoren. Die neue Interaktive Landkarte europäischer Bankenmärkte von DB Research hilft dabei zu differenzieren. Sie zeigt u.a. Größe und Wachstum des Finanzsektors in jedem der 27 EU-Länder in den vergangenen Jahren. Dabei wird deutlich, dass die Probleme Griechenlands und Irlands (oder auch Portugals) unterschiedlicher Natur sind und sich nicht in jedem Fall auf den Bankensektor zurückführen lassen. Die Kreditvergabe an private Unternehmen war in Griechenland mit einem Wachstum von durchschnittlich 10,6% p.a. zwar durchaus expansiv im Vorfeld der Krise, allerdings auch nicht wesentlich stärker als im Euroraum insgesamt (+8,2%). Dagegen legte das Kreditvolumen in Irland zwischen 2002 und 2007 jedes Jahr im Mittel um mehr als ein Viertel zu, nicht zuletzt aufgrund der boomenden Bauwirtschaft. Die nominale Verschuldung der Unternehmen verdreifachte sich innerhalb von nicht einmal fünf Jahren – in der Tat ein klares Indiz für übermäßiges, exzessives Kreditwachstum. In Portugal wiederum konnte von einer Kreditblase keine Rede sein, hier nahm der Kreditbestand nur um moderate 6% im Durchschnitt pro Jahr zu. Ein zweiter Blick auf die Kreditvergabe an private Haushalte bestätigt den generellen Eindruck: Ein Wachstum von gemittelt 21% p.a. von 2002 bis 2007 in Irland war sicherlich nicht nachhaltig und diente vor allem der Finanzierung immer neuer und teurerer Immobilien, während das Plus von 8,9% in Portugal nahe an dem des Euro-Gebiets insgesamt lag. In Griechenland legte das Kreditvolumen in diesem Zeitraum auf das Dreifache zu (+24% p.a.) – ebenfalls eine ungesunde Entwicklung, allerdings von einer drastisch niedrigeren Ausgangsbasis als in Irland: Die Verschuldung der privaten Haushalte verdoppelte sich in Hellas von 27% auf 56% des verfügbaren Einkommens, während sie in Irland von 92% auf 166% galoppierte. Dementsprechend waren die irischen Kreditnehmer auch deutlich anfälliger als griechische Schuldner gegenüber einer Korrektur am Immobilienmarkt und den Folgen einer mit der Finanzkrise einsetzenden Rezession. Seite 1 von 3 Hinzu kommen zwei weitere Faktoren, die die Krise für die irischen Banken und ultimativ die irischen Bürger besonders schmerzhaft werden ließen. Zum einen waren die irischen Finanzinstitute bis 2007 nur geringe Kreditausfälle gewöhnt – mit der Konsequenz, dass die operativen Margen ebenso wie die Rückstellungen für unwiederbringliche Forderungen geringer waren als in Griechenland. Zum anderen war der irische Bankensektor so stark gewachsen, dass seine Stabilisierung eine Volkswirtschaft von der Größe Irlands vor große Herausforderungen stellen musste. Mit einer Verdopplung der Aktiva bis 2007 vom ohnehin schon hohen Niveau des Jahres 2002 (360% des BIP) stellte Irland die meisten anderen EU-Länder weit in den Schatten – insbesondere auch Griechenland, wo der Finanzsektor eher moderat wuchs und zudem noch deutlich kleiner blieb als in fast allen anderen EU-15- Staaten, relativ zur Wirtschaftskraft insgesamt. Unter dem Strich waren somit vor allem länderspezifische Gründe für die jüngste Zuspitzung maßgeblich. In Irland brachte tatsächlich vor allem der durch eine Kreditblase überdimensionierte Finanzsektor den Staat in Schwierigkeiten – unterstützt durch eine mangelhafte Bankenregulierung und -aufsicht sowie getrieben von einem für Irland zu niedrigen Zinsniveau und übermäßigem Optimismus der privaten Schuldner. Von einer aufgeblähten Bankenbranche kann dagegen in Griechenland und erst recht Portugal kaum die Rede sein. In diesen beiden Ländern war es vor allem eine auch bereits vor der Krise unsolide Haushaltspolitik, die in Zeiten der Rezession zu einem massiven Vertrauensverlust an den Kapitalmärkten führte. Interaktive Landkarte europäischer Bankenmärkte Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier... ...mehr zum Research-Bereich Banken, Finanzmärkte und Regulierung Aktuelle Kommentare - Archiv Seite 2 von 3 Aktueller Kommentar Jan Schildbach (+49) 69 910-31717 © Copyright 2010. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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