1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Aktueller Kommentar
7. Juni 2018
Thema:
Trägt man in diesen Tagen über Bitcoin, Blockchain und Kryptowährungen vor, steht man vor der Frage: Diskutiert man die Technologie oder präsentiert man direkt die gesellschaftlichen und ökonomischen Implikationen? Seinen Zuhörern in wenigen Minuten einen Zugang zu einer komplexen Technologie zu vermitteln, ist riskant. Schnell verliert man sich in Alices Kaninchenbau aus den Augen. Doch die Zuhörer können ebenso ratlos zurückbleiben, wenn man direkt die potenziell revolutionären Implikationen anspricht. Aufgrund dieses Dilemmas und der Komplexität von Kryptosystemen wollen wir Ihnen hier die Technologie anhand von Metaphern näherbringen. Wir hoffen, dass Sie uns so auf die Reise ins Blockchain-Universum folgen. [mehr]
PROD0000000000470034 1   |    7. Juni 2018Aktueller Kommentar 7. Juni 2018 Die Blockchain-Revolution verstehen! Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Jochen Möbert +49(69)910-31727 jochen.moebert@db.com Trägt man in diesen Tagen über Bitcoin, Blockchain und Kryptowährungen vor, steht man vor der Frage: Diskutiert man die Technologie oder präsentiert man direkt die gesellschaftlichen und ökonomischen Implikationen? Seinen Zuhörern in wenigen Minuten einen Zugang zu einer komplexen Technologie zu vermit­ teln, ist riskant. Schnell verliert man sich in Alices Kaninchenbau aus den Au­ gen. Doch die Zuhörer können ebenso ratlos zurückbleiben, wenn man direkt die potenziell revolutionären Implikationen anspricht. Aufgrund dieses Dilemmas und der Komplexität von Kryptosystemen wollen wir Ihnen hier die Technologie anhand von Metaphern näherbringen. Wir hoffen, dass Sie uns so auf die Reise ins Blockchain-Universum folgen. Die Blockchain-Revolution verstehen! 2   |    7. Juni 2018Aktueller Kommentar Blockchains sind wie Dominosteine! Nicht das Weihnachtsgebäck ist gemeint, sondern die Spielsteine.  Bei den Spielsteinen sind zwei unterschiedliche Varian­ ten beliebt. In der ersten stellt man die Steine eng hintereinander auf, sodass man durch das Umwerfen eines Steins eine Kettenreaktion auslöst. Der Weltre­ kord liegt bei mehreren Millionen Steinen. In der zweiten Variante sind auf den Spielsteinen mehrere Zahlen oder Bilder abgedruckt, die gemäß den Spielre­ geln aneinandergelegt werden. In gewisser Weise kombiniert eine Blockchain beide Varianten. Die Dominostei­ ne werden eng nebeneinander aufgestellt, aber auf jedem Stein steht nun we­ der eine Zahl noch ein Bild, sondern „dieser Stein gehört in eine bestimmte Wal­ let“. Sie merken schon, worauf ich hinaus will. Die Dominokette repräsentiert die Blockchain, jeder Stein entspricht einem „Coin“ und die „Wallets“ sind die virtu­ ellen Geldbeutel der Kryptowährung. Öffnet jemand seine Wallet, werden alle Coins angezeigt, die aktuell der Wallet in der Dominokette zugeordnet sind. Wechselt ein Coin den Eigentümer, stellen die sogenannten „Miner“ einen neu­ en Dominostein mit der neuen Information auf. Der alte Dominostein ist nun kei­ ner Wallet mehr zugeordnet, hat in diesem Sinne also keinen Wert mehr. Er bleibt aber Teil der Dominokette, sodass die gesamte Historie der Blockchain erhalten bleibt. Da die Information im Internet frei verfügbar ist, kann sie jeder Miner, aber auch jeder normale Internetnutzer, stets abrufen. Auf geht es zum nächsten Gesellschaftsspiel: Sudoku! Die Miner spielen paral­ lel zum Dominospiel auch Sudoku. Für das Aufstellen der Dominosteine werden sie mit neuen Coins belohnt, deshalb konkurrieren sie untereinander. Die Beloh­ nung bekommt derjenige, der als Erster eine Art superkomplexes Sudoku löst. Wie beim Feierabend­Sudoku sind einige Felder schon ausgefüllt und definie­ ren damit die gesuchte Lösung. In der Blockchain­Welt ist diese Vorabinformati­ on der Eigentümerwechsel der Coins. Da auch der Zeitpunkt des Eigentümer­ wechsels erfasst wird, steht auf jedem Dominostein eine andere Vorabinformati­ on. Hat der Miner eine Lösung gefunden, schreibt er sie ebenfalls auf den Do­ minostein. Dabei ist es, wie beim Feierabend-Sudoku, für die Miner sehr schwer, die Lösung zu finden, aber sehr einfach, eine richtige Lösung als solche zu erkennen. Warum schummelt, manipuliert und zerstört niemand die Dominokette? Warum schummeln die Miner nicht? Erstens kontrollieren sie sich gegenseitig. Zweitens tätigen sie teure Investitionen in Hardware und Strom, um die super­ komplexen Sudokus zu lösen. Diese Investitionen gingen zusammen mit dem Vertrauen in die Kryptowährung verloren. Daher verhalten sie sich regelkon­ form. Drittens ist es viel attraktiver, die neuen Coins für das Lösen der super­ komplexen Sudokus einzustreichen. Würden sie trotzdem schummeln, könnten sie womöglich mehr Coins bekommen. Doch mit dem Auffliegen wären diese und die gesamte Investition in die Hardware wertlos. Warum manipuliert niemand die Dominokette? Zieht jemand einen Stein aus der Kette, um darauf zu schreiben „Dieser Coin gehört mir“, dann wirft er die komplette Dominokette um. Zumindest ist dies in der Blockchain­Welt garan­ tiert, denn alle Coins sind miteinander verkettet - daher der Name Blockchain. Eine nachträgliche Veränderung der Zuordnung der Coins falsifiziert somit die gesamte Blockchain. Deswegen werden die Kryptosysteme als „immutable“, al­ so unveränderbar, bezeichnet. Die Blockchain-Revolution verstehen! 3   |    7. Juni 2018Aktueller Kommentar Warum zerstört niemand die Dominokette? Die Selbstheilungskräfte sind stär­ ker.  Blockchains werden ständig attackiert. Aber Schäden werden schnell beho­ ben, denn es gibt viele tausende Kopien von jeder Dominokette bzw. von jeder Blockchain. Diese Kopien liegen global verteilt auf den Rechnern der Miner und anderen Computern, zum Beispiel der Wallet­Anbieter. Diese Computer tau­ schen sich ständig über den aktuellen Zustand der Dominokette aus und bilden somit ein Netzwerk. Wird an einem Computer die Dominokette manipuliert, ko­ piert man die Originale von einem der anderen Netzwerkknoten. Das System funktioniert also wie das Heilen einer kleinen Wunde. Die umliegende Haut re­ pariert das verletzte Gewebe zügig.  Diese Netzwerkstruktur ist ein Grund, war­ um Kryptosysteme als dezentral bezeichnet werden. Ein weiteres dezentrales Element ist die Governance-Struktur. Die Software und der Code vieler Blockchains sind Open Source. Jeder darf mitarbeiten und es arbeiten viele mit. Viele Köche verderben aber auch schnell den Brei. Zumal die Programmierer bei Softwareupdates nicht nur untereinander um einen Kon­ sens ringen, sondern auch die Miner und Netzwerkknoten überzeugen müssen. Andernfalls ignorieren diese die Softwareupdates. Folglich ist die Governance- Struktur komplex und das System träge, aber auch sehr stabil und nahezu ohne Hierarchie. Kryptografie sichert den Inhalt der Dominokette und den Eigentümerwechsel ab. Kryptografie wird erstens eingesetzt, um den Eigentümerwechsel mit einer digitalen Unterschrift zu bestätigen. Zweitens wird so die gesamte Historie aller Eigentümerwechsel verschlüsselt. Daher sind zwar alle Eigentümerwechsel im Internet abrufbar, aber die Eigentümer bleiben in der Regel anonym. Das Kryptonetzwerk funktioniert ohne Dritte. Die Kryptowährungen sind, wie wir beschrieben haben, unveränderbar, dezentral und global. Somit sind sie grenz­ überschreitend und sprengen den gewohnten nationalen juristischen Rahmen. Entsprechend schwer sind sie zu regulieren. Es bedarf zudem keinerlei Treu­ händer oder „trusted third parties“, wie Zentralbanken oder Central Clearing­ Stellen. Personen, die sich einen Coin schicken, müssen sich auch weder ken­ nen noch einander vertrauen. Deswegen werden Kryptosysteme auch als „trust­ less“ bezeichnet! Nun, mit einem solchen System kann man also in gewisser Weise Informatio­ nen, zum Beispiel einen Eigentümerwechsel eines virtuellen Coins, unwiderruf­ lich speichern. Da zum Beispiel die Bitcoin­Blockchain neben den Eigentümer­ wechseln der Coins auch noch ein kleines Textfeld enthält, haben manche Kryptoevangelisten ihr Eheversprechen auf der Blockchain hinterlegt. Sie hoffen auf die Ewigkeit. Welche Informationen kann man noch auf einer Blockchain speichern? Die Antwort auf diese Fragen elektrifiziert die Kryptoenthusiasten und weil es viele potenzielle Anwendungsfälle gibt, sagen manche eine Block­ chain-Revolution voraus. Die Blockchain-Revolution verstehen! 4   |    7. Juni 2018Aktueller Kommentar © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessen­ heit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaub­ nis zur Erbringung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zen­ tralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird die­ ser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure State­ ment oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.
1.0.10