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3. März 2021
Umsatz im deutschen Einzelhandel sinkt im Januar um 4,5% gg. Vormonat. Im Vorjahresvergleich sogar ein Minus von 8,7%. Weiterhin stark gespreizte Umsatzentwicklung in einzelnen Sparten. * Fehlende Konsummöglichkeiten führen im Lockdown wieder zu höherer Sparquote (Q4: 17,7%, 20J-MW: 10,3%). Mit Lockerungen in Q2 wird der Abbau des Konsumstaus ein Konjunkturtreiber. * Deutscher Arbeitsmarkt im Februar weiterhin stabil. Arbeitslosigkeit steigt saisonbereinigt um 9.000 (Quote: 6%). Erwerbstätigkeit mit Seitwärtsbewegung im Januar, aber noch unter Vorjahr (-1,6%). * Inflationsrate im Februar voraussichtlich 1,3%. Wir erwarten im Jahresdurchschnitt 2%. * Heute nächste Bund-Länder-Beratungen. Wohl Verlängerung vieler Lockdown-Maßnahmen (bis 28. März), aber auch stufenweise Öffnungsschritte (Handel, Kultur, Sport). * Zahl der Neuinfektionen in Deutschland in der zweiten Woche in Folge gestiegen, aber erneut weniger Todesfälle. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 03. März 2021 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Corona-Update:  Die weltweite Zahl der neu registrierten COVID-19-Fälle ist (auf Wochenbasis) zum ersten Mal seit An fang Januar wieder gestiegen. Divergenz in Westeuropa. Zuwächse in Italien , Frankreich oder den Nie derlanden. UK und Spanien weiter sinkend. Weiterhin kräftige Anstiege bzw. hohe Fallzahlen in Osteu ropa (7-Tage-Inzidenz in Tschechien über 700; verschärfter Lockdown ). In Russland sinkende Neuin fektionen. USA zuletzt Stabilisierung auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Jahresbeginn. Erneute An stiege in Indien und Brasilien. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 ist welt weit in der vierten Woche in Folge gesunken, allerdings geringeres Tempo.  Die wichtigsten Daten für Deutschland: 57.212 neue Fälle in Deutschland in den letzten 7 Tagen. Zwei ter Anstieg auf Wochenbasis in Folge (+9% gg. Vorwoche). Wert liegt um 67% unter dem Höchststand der Woche vor Weihnachten. 7-Tage-Inzidenz auf 64 gestiegen (Höchststand am 21. Dezember: 197). Drosten schätzt Anteil der britischen Virusmutation inzwischen auf 50%.  Aktuell offiziell etwa 114.800 akute Erkrankungsfälle (0,14% der Bevölkerung). Leichter Rückgang bei der Zahl der akuten Erkrankungsfälle gg. Vorwoche.  2.854 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung; Rückgang um 183 Patienten in einer Woche und niedrigster Wert seit Anfang November. Zuletzt nicht immer Rückgänge auf Tagesbasis. 17% aller Intensivbetten nicht belegt.  Kumulierte Zahl der bestätigten COVID-19-Infektionen in Deutschland: 2.460.030.  Kumuliert 70.881 Todesfälle. In der letzten Woche 2.141 Todesfälle; erneut geringere Dynamik gg. Vor woche. Sterbefallzahlen in der 7. KW unter (!) dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2020. Aktuell deut lich weniger akute Atemwegserkrankungen (Grippe) als in normalen Jahren.  Geschätzt sind etwa 2.274.400 Menschen in Deutschland von ihrer COVID-19-Erkrankung genesen. Offizielle Fallsterblichkeit (Verhältnis von allen offiziellen COVID-19-Todesfällen zu COVID-19-Fällen) nur noch leicht auf 2,9% gestiegen. Wachstumsrate bei Todesfällen verringert sich. Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen nochmals deutlich gesunken (positiver Effekt durch Impfung). Private Haushalte vor Arbeitsplatz wichtigste Orte für Infektionen.  Gestern 16 Landkreise mit maximal 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Ta gen. Aktuell liegen 154 Land- bzw. Stadtkreise unter der Corona-Obergrenze (50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen). In 58 Fällen liegt die 7-Tage-Inzidenz über 100; davon in zwei Fällen über 250; Tendenz weiter ansteigend. Nachverfolgung der Infektionsketten verbessert sich dennoch.  Unterschiedliche Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz nach Altersgruppen. Gruppe der 65- bis 79-Jährigen weiter unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 64. 7-Tage-Inzidenz bei den 80- bis 84-Jährigen von über 250 (Ende 2020) auf 54 gesunken (Impfung).  7-Tage-R-Wert in der letzten Woche zumeist über 1. Gestern: 0,94. Aktueller RKI-Situationsbericht hier .  In KW 7 wurden 1,07 Mio. Tests durchgeführt; leichter Anstieg gg. Vorwoche. Positiv-Quote auf 6,1% gesunken von 6,4% (Tiefstand lag bei 0,6%). Theoretische PCR-Testkapazitäten bei knapp 2,4 Mio. pro Woche. Neue Daten zu Tests werden heute Abend veröffentlicht.  Bislang gut 4,2 Mio. Menschen einmalig geimpft. Zudem knapp 2,2 Mio. Zweitimpfungen. Insgesamt gut 1,1 Mio. verabreichte Impfdosen in der letzten Woche. Zuwachs gg. Vorwoche um etwa 200.000.  Bundesgesundheitsministerium will Impfverordnung ändern , sodass Impfstoff von AstraZeneca vorran gig an Personen zwischen 18 und 65 Jahren verabreicht wird. Zudem sollen ab April auch Arztpraxen und mobile Impfteams stärker in Impfprozess eingebunden werden. Dazu passt: NRW will Menschen Impfangebote machen , die nicht der ersten oder zweiten Prioritätsgruppe angehören (u.a. Ärzte, Lehr kräfte, Kita-Personal, Polizisten). Hintergrund: Impfstoff von AstraZeneca bislang noch nicht für Perso nen über 65 Jahren zugelassen. Auch andere Politiker fordern hier Änderung der Impfstrategie.  STIKO dürfte in Kürze Empfehlung zu Impfstoff von AstraZeneca ändern und auf ältere Personengrup pen ausweiten. STIKO hatte Wirksamkeit des Impfstoffs nie kritisiert, sondern darauf verwiesen, dass die zur Prüfung vorgelegten Daten für die Altersgruppe über 65 Jahre zum damaligen Zeitpunkt nicht ausreichend waren. Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.  Studie aus UK belegt hohe Wirksamkeit der Impfstoffe von AstraZeneca und Biontech/Pfizer. Zum Bei spiel Rückgang der COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalte bei den über 80-Jährigen um 80% gesunken. Zudem deutlich geringere Sterblichkeit bereits nach der ersten Impfung.  Impfstoff von Johnson & Johnson erhält Notfallzulassung in den USA . EMA will am 11. März eine Emp fehlung für die EU abgeben (Zulassung wahrscheinlich).  Durch größeren Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung könnten mehr Menschen früher eine erste Impfung erhalten. Stärkere Einbindung der niedergelassenen Ärzte möglich. Wirtschaftliches Update:  Umsatz im deutschen Einzelhandel sinkt im Januar um 4,5% gg. Vormonat (saisonbereinigt). Januar war erster vollständiger Monat mit Lockdown im stationären Einzelhandel. Umsatz im Vorjahresver gleich sogar um 8,7% im Minus. Weiterhin stark gespreizte Umsatzentwicklung in einzelnen Sparten. Zum Beispiel Einzelhandel mit Textilien/Bekleidung: -77% gg. Vorjahr. Internet- und Versandeinzelhan del: +32%. Schlechter Jahresauftakt im Einzelhandel passt zu unserer Prognose, dass der sinkende private Verbrauch in Q1 stark zum erwarteten BIP-Rückgang (-2% gg. Vorquartal) beitragen wird.  Fehlende Konsummöglichkeiten führen im Lockdown wieder zu höherer Sparquote (Q4: 17,7%, 20J MW: 10,3%). Mit Lockerungen in Q2 wird der Abbau des Konsumstaus ein Konjunkturtreiber. DBR: Im optimistischen Fall könnte diese Dynamik das deutsche BIP-Wachstum 2021 um ½ %-Punkt heben.  Deutscher Arbeitsmarkt im Februar weiterhin stabil. Arbeitslosigkeit steigt saisonbereinigt um 9.000 (Quote: 6%). Erwerbstätigkeit mit Seitwärtsbewegung im Januar (0,0% gg. Vm.) , aber noch unter Vor jahr (-1,6%). Im Januar 2021 waren (saisonbereinigt) 726.000 weniger Menschen erwerbstätig als im Februar 2020.  Inflationsrate im Februar erneut kräftig gestiegen (1,3% gg. Vj.) . Jahresdurchschnitt wohl 2%.  Ökonomenpanel von ifo und FAZ zu Corona : Gemischtes Bild zu Lockerungen. Präferenz für verbindli chen Stufenplan. Klare Mehrheit gegen sofortige umfängliche Lockerungen. Mehrheit der Ökonomen für Prämien für schnellere Impfstofflieferungen, aber gegen Vergemeinschaftung der Impfpatente. Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Heute nächste Bund-Länder-Beratungen. Laut Vorabberichten in der Presse Verlängerung vieler Lock down-Maßnahmen (bis 28. März), aber auch (weitere) stufenweise Öffnungsschritte (Handel, Kultur, Sport). Gastronomie wohl erst recht spät. Lockerung der Kontaktbeschränkungen. Öffnungen sollen durch intensivierte Teststrategie begleitet werden (in den Monaten April bis Juni, danach soll Impfeffekt überwiegen). Merkel beharrt wohl auf Notbremse im Falle stark steigender Fallzahlen . Lesenswerter Artikel mit Befragungen verschiedener Experten zu möglichen Öffnungsschritten .  DEHOGA bereits in Alarmstimmung , weil befürchtet wird, dass Gastronomie erst spät öffnet.  Strengere Einreiseregeln an der deutsch-französischen Grenze . Unternehmensnachrichten  Volkswagen erzielt im Corona-Jahr 2020 einen Netto-Gewinn von EUR 8,8 Mrd. Presse . Etwas Positives zum Schluss:  Die Frage, wie und ab wann künftig Schnelltests eingesetzt werden sollen und wer die Kosten dafür trägt, dürfte bei den heutigen Bund-Länder-Beratungen eine Rolle spielen. Positiv ist, dass Drogerieket ten und der Lebensmitteleinzelhandel bereits in den Startlöchern stehen und Schnelltests verkaufen wollen . Hilfreich wäre zeitnahe regionale Auswertung der Testergebnisse, damit Hotspots entdeckt wer den können.
13.10.5