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18. November 2020
Erwerbstätigkeit in Q3 auf 44,7 Mio. zurückgegangen (-0,1% gg. Vq. bzw. -48.000). Abwärtsdynamik jedoch weitaus schwächer als noch in Q2. * Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe sinkt im September um 3% gg. Vorjahr, legt aber um 0,2% gg. Vormonat zu. * Im August rd. 35% weniger Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahr. Ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen maßgeblich. * Umfrage des HDE: Knapp 60% der befragten Innenstadthändler sieht sich in Existenznöten. * DRV: Umsatz der Reisebranche sinkt 2020 um 80%. * Bund-Länder-Beratungen am letzten Montag ohne konkrete Beschlüsse. Appell an Bevölkerung, Kontakte zu minimieren. * Blick auf Infektionsgeschehen: Erster Rückgang der Neuinfektionen auf Wochenbasis seit Mitte Juli. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 18. November 2020 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Corona-Update:  Die weltweite Zahl der neu registrierten COVID-19-Fälle ist in der sechsten Woche in Folge kräftig ge stiegen. Die USA sind zuletzt wieder der wesentliche Treiber (deutlich mehr als 100.000 Neuinfektionen pro Tag). In Europa ist das Bild gemischt. Staaten wie die Niederlande, Belgien, Frankreich oder Spa nien haben das Infektionsgeschehen zuletzt spürbar eindämmen können. In Italien und UK liegen die Fallzahlen auf hohem Niveau - noch ohne Abwärtstrend. In manchen osteuropäischen Ländern (Polen, Ungarn) steigen die Fallzahlen noch. Außerhalb von Europa hat sich der Abwärtstrend in Brasilien oder Indien nicht fortgesetzt. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 ist auf globa ler Ebene erneut kräftiger gestiegen. Dazu hat auch Europa beigetragen .  Wichtige Botschaft zu den Daten für Deutschland: Die November-Maßnahmen beginnen zu wirken. 127.620 neue Fälle in Deutschland in den letzten 7 Tagen (-0,37% gg. Vorwoche). Damit erster Rück gang auf Wochenbasis seit Mitte Juli. Starkes, z.T. exponentielles Wachstum der Vorwochen gestoppt.  Aktuell offiziell etwa 274.000 akute Erkrankungsfälle (etwa 0,33% der Bevölkerung). In den letzten Ta gen überstieg die Zahl der neu Genesenen einige Male die Zahl der Neuinfektionen. Damit kein weiterer Anstieg der akuten Erkrankungsfälle.  Zuletzt 3.517 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung; Zuwachs um 458 Patienten in einer Woche. Neuer Höchststand, aber auch hier geringere Dynamik. 23% aller Intensivbetten in Deutschland aktuell nicht belegt.  Kumulierte Zahl der bestätigten COVID-19-Erkrankungen in Deutschland: 833.307. Durchschnittlicher Anstieg der kumulierten Zahl in den letzten sieben Tagen: +2,4% pro Tag (Vorwoche: +2,9%). Zum zweiten Mal in Folge geringere Dynamik.  Kumuliert 13.119 Todesfälle. Zuwachs um 1.469 gg. Vorwoche. Deutlich höhere Dynamik. Geschätzt sind etwa 546.500 Menschen in Deutschland von ihrer COVID-19-Erkrankung genesen. Offizielle Fallsterblichkeit (Verhältnis von allen offiziellen COVID-19-Todesfällen zu COVID-19-Fällen) weiter auf 1,57% gesunken. Fallsterblichkeit seit Anfang Juni liegt bei 0,7%. Hier zuletzt Anstieg, weil Todesfälle derzeit schneller steigen als Infektionen (Zeitverzug zwischen Infektion und Sterbefall).  Keine Übersterblichkeit in der ersten Oktoberhälfte in Deutschland. Im November dürfte wegen Todes fällen im Zusammenhang mit Corona wieder Übersterblichkeit zu verzeichnen sein.  In den letzten sieben Tagen gab es (Stand gestern Abend) erneut keinen Landkreis ohne neue Infektio nen und keinen mit maximal fünf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Ende Juni wurden stets in (deutlich) mehr als 100 Landkreisen innerhalb von sieben Tagen keine neuen Fälle gemeldet.  Aktuell liegen 375 Land- bzw. Stadtkreise über der Corona-Obergrenze (mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen); in 274 Fällen liegt die 7-Tage-Inzidenz über 100; davon in 20 Fällen über 250. Hohe 7-Tage-Inzidenzen also weit verbreitet. Diffuseres Infektionsgeschehen. Ge sundheitsämter zunehmend nicht mehr in der Lage, Infektionsketten zeitnah nachzuverfolgen.  Hohe 7-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen. Gruppe der 60- bis 69-Jährigen (101) sowie der 70- bis 79-Jährigen (85) stärker unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (141).  7-Tage-R-Wert weiter um 1 schwankend (gestern: 0,97). Aktueller RKI-Situationsbericht hier .  In KW 45 wurden 1,57 Mio. Tests durchgeführt (leichter Rückgang). Positiv-Quote auf 7,88% von zuvor 7,17% gestiegen (Tiefstand lag bei 0,6%). Theoretische Testkapazitäten bei gut 1,96 Mio. pro Woche. Neue Daten zu Tests werden heute Abend veröffentlicht. Presse deutet darauf hin, dass Zahl der Tests in KW 46 stark gesunken ist. Dies muss bei Infektionsgeschehen berücksichtigt werden.  Randnotiz: Bei der Spanischen Grippe (1918/19) lag die zweite Welle in den Wintermonaten und for derte von den drei Wellen mit Abstand die meisten Todesopfer. Wirtschaftliches Update:  Erwerbstätigkeit in Q3 auf 44,7 Mio. zurückgegangen (-0,1% gg. Vq. bzw. -48.000) . Abwärtsdynamik jedoch weitaus schwächer als noch in Q2 (-1,4% gg. Vq. bzw. -627.000). Größte absolute Beschäfti gungsverluste gg. Vj. im Handel, Verkehr und Gastgewerbe (-2,5% bzw. -260.000) sowie bei Unterneh mensdienstleistern inkl. Überlassung von Arbeitskräften (-3,1% bzw. -190.000 Personen). Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.  Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe sinkt im September um 3% gg. Vorjahr, legt aber um 0,2% gg. Vormonat zu; erster unterjähriger Anstieg im Jahr 2020. Unter den großen Industriebran chen weiterhin stärkste Verluste (im Vorjahresvergleich) in der Metallindustrie, im Maschinenbau bei Herstellern von elektrischen Ausrüstungen.  Im August mehr als 35% weniger Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahr. Ausgesetzte Insolvenzan tragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen trägt hierzu maßgeblich bei. Trend dürfte sich im Okto ber fortsetzen. Zudem 65% weniger Verbraucherinsolvenzen. Dies hat jedoch nichts mit Corona zu tun, sondern liegt an der geplanten Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre, die bereits für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren gelten soll.  Umfrage des HDE : Knapp 60% der befragten Innenstadthändler sieht sich in Existenznöten. Deutliche Umsatzeinbußen in der ersten Novemberhälfte (etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr), obwohl Einzel handel nicht vom Teil-Lockdown betroffen ist. Kunden wegen Social Distancing zurückhaltend.  DRV : Umsatz der Reisebranche sinkt 2020 um 80%.  Sinkende Mobilität in Deutschland nach Teil-Lockdown-Beschluss.  Rückblick auf letzte Woche: Inflationsrate in DE bei -0,2% im Oktober (Energiepreise, MwSt.). Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Bund-Länder-Beratungen am letzten Montag ohne konkrete Beschlüsse . Appell an Bevölkerung, Kon takte zu minimieren. Gefährdete Menschen sollen mit FFP2-Masken versorgt werden; Kosten trägt zu großen Teilen der Bund. Offenkundig unterschiedliche Auffassung zwischen Bund (und Bayern) auf der einen und anderen Bundesländern auf der anderen Seite. Noch kein Beschluss zu Maskenpflicht an Schulen. Wir finden: Da sich wichtige Zielgrößen zuletzt in die gewünschte Richtung bewegt haben, ist die abwartenden Haltung mancher Bundesländer durchaus nachzuvollziehen. Aber politischer Streit um die „beste Lösung" sollte nicht als Politikversagen interpretiert werden. Kommenden Montag nächste Beratungen. Schulen und Kontaktzahlen (auch für Kinder und Jugendliche) könnten im Fokus stehen.  Lesenswerter Kommentar zum Infektionsschutzgesetz , das heute weiter beraten werden soll. Konkrete Benennung von Schwellenwerten und hohes Tempo bei Beratungen sorgen für Kritik. DEHOGA sieht erhebliche Eingriffe in Grundrechte der Gastronomie und erwartet Verfassungsbeschwerden, wenn es keine Entschädigungsregeln gibt. Kampagne gegen das Gesetz im Netz . Presseartikel zum Gesetz .  Bundesregierung will Krankenhäuser (finanziell) entlasten . Zudem Zuschuss für Soloselbstständige in Höhe von EUR 5.000 sowie Hilfen für Kultur- und Veranstaltungsbranche geplant.  Presse : Hilfsprogramm für Automobilindustrie (insgesamt EUR 3 Mrd.). U.a. Verlängerung der Subven tionen für Elektroautos.  Weitere Ausweitung von Risikogebieten . Unternehmensnachrichten:  Hapag-Lloyd erzielt Gewinn in Q3. Transportvolumen nur noch knapp unter Vorjahr. Spricht für Bele bung des Welthandels. Etwas Positives zum Schluss:  In der letzten Woche war der Fortschritt bei der Entwicklung eines Impfstoffs (Biontech und Pfizer) die erste Meldung. Heute schließen wir unser Weekly mit einer ähnlich positiven Meldung. Der US-Konzern Moderna meldet eine Wirksamkeit von mehr als 94%. Laut Presse verhandelt die EU-Kommission über Lieferung von bis zu 160 Mio. Impfdosen.
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