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29. Juli 2020
ifo Geschäftsklimaindex im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen. Beurteilung der aktuellen Lage erneut besser, aber Wert nur 5,6 Punkte über Mai-Tiefpunkt. Erwartungen springen weiter nach oben. * IAB-Arbeitsmarktbarometer im Juli zum dritten Mal gestiegen. Teilkomponenten Arbeitslosigkeit und Beschäftigung des Frühindikators signalisieren Ende des Abwärtstrends am Arbeitsmarkt. Gleichwohl dürfte die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Juli (Veröffentlichung: 30. Juli) nach unserer Einschätzung um 55 Tsd. ansteigen. * Bundesbank sieht deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs, wenngleich Konjunkturindikatoren ein heterogenes Bild zeichnen. Morgen veröffentlicht das Statistische Bundesamt vorläufige BIP-Wachstumsrate für Q2. * Bundesregierung will Testpflicht für Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten einführen. * Das RKI bezeichnet die Infektionsentwicklung der letzten Tage als „beunruhigend“. Aufforderung, die Hygiene- und Abstandsregeln weiter ernst zu nehmen sowie Mund-Nasen-Schutz zu tragen. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 29. Juli 2020 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Corona-Update:  Die Zahl der bestätigten COVID-19-Erkrankungen in Deutschland ist auf 206.926 gestiegen (RKI, 29. Juli; 00.00 Uhr; Dashboard ). Durchschnittlicher Anstieg in den letzten sieben Tagen: +0,3% pro Tag.  In den letzten sieben Tagen höchster absoluter wöchentlicher Anstieg der Fallzahlen in Deutschland seit Ende Juni (Ausbruch Gütersloh). Ausbruch unter Erntehelfern in landwirtschaftlichem Betrieb im Landkreis Dingolfing-Landau; Test - und Quarantänemaßnahmen wurden eingeleitet. Bundesländer ver hängen Einreisesperren für Bewohner des Landkreises ohne aktuellen negativen COVID-19-Test; Obergrenze hier überschritten (mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Ta gen). Zudem berichtet das RKI von einer Zunahme kleinerer Ausbruchsgeschehen in Deutschland. Fa milienfeiern neu als Übertragungsevents, zudem vereinzelt Reiserückkehrer. Ansonsten vor allem fleischverarbeitende Betriebe, Senioren- und Pflegeheime, Krankenhäuser, Flüchtlingseinrichtungen, religiöse Veranstaltungen, Kitas als Infektionsherde. Lesenswerter Artikel hierzu .  Das RKI bezeichnet den Trend der letzten Tage als „beunruhigend". Dennoch: Deutlich weniger Fälle pro Tag als in der Spitze Ende März, Anfang April. Zudem bislang zumeist gute Nachverfolgung durch Gesundheitsbehörden. Klar ist aber auch: Distanzgebot, Maskenpflicht dürften vorerst bleiben.  Mahnende Worte von RKI-Präsident Wieler bei gestriger PK : Aufforderung, die Hygiene- und Abstands regeln weiter ernst zu nehmen sowie Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auf Rückfragen: Schulen sollen unter Hygiene- und Abstandsmaßnahmen öffnen. Kritik an großen Partys. Regionale Eindämmungs maßnahmen grundsätzlich ausreichend. Zitat: „Wir wissen [...] nicht, ob das der Beginn einer möglichen zweiten Welle ist". Aber Wieler optimistisch, dass zweite Welle mit Einhalten der Hygiene- und Ab standsregeln verhindert werden kann. „Diese Regeln werden wir noch monatelang einhalten müssen." Wieler: Wenig wahrscheinlich, sich im Flugzeug anzustecken. Bislang wenige Ansteckungen im Zusam menhang mit Flugreisen, aber schwer zu quantifizieren, wo genau eine Infektion stattgefunden hat.  Zahl der Landkreise ohne Infektionsgeschehen ist gegenüber Vorwochen gesunken. In 95 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten kam es in den letzten sieben Tagen zu keinen neuen Infektionen. In weiteren 223 Kreisen wurden maximal fünf Neuinfektionen verzeichnet.  Etwa 191.000 offiziell Genesene; 9.128 Todesfälle. Damit derzeit insgesamt etwa 6.800 akute Erkran kungsfälle. Aufwärtstrend bei Zahl der aktiven Fälle. 35% aller Intensivbetten in Deutschland aktuell nicht belegt. Zuletzt 258 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung (Seitwärtstrend). 7-Tage-R-Wert zuletzt bei 1,12. Aktueller RKI-Situationsbericht hier . Zahl der Tests in der Kalenderwo che 29 auf gut 530.000 gestiegen (neuer Höchstwert). Positiv-Quote drei Wochen in Folge bei 0,6% (niedrigster Wert). Testkapazitäten bei 1,18 Mio.  Weiterhin global sehr aktives Infektionsgeschehen. Weltweit bis zu 290.000 Fälle pro Tag. USA, Latein amerika, Indien, Südafrika und einige Länder in Asien bleiben Hotspots. Immerhin nehmen die Todes fallzahlen im Zusammenhang mit Corona weniger schnell zu. Vor allem in Westeuropa nur noch sehr wenige Todesfälle im Zusammenhang mit Corona (mehr jüngere Infizierte; bessere medizinische Ver sorgung; absolut weniger Fälle). Derzeit keine Überlastung des Gesundheitssystems zu befürchten. Wirtschaftliches Update:  ifo Geschäftsklimaindex im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen. Beurteilung der aktuellen Lage er neut besser, aber Wert nur 5,6 Punkte über Mai-Tiefpunkt. Erwartungen springen weiter nach oben, 27,4 Punkte über April-Tief! Positive Entwicklung in allen Sektoren (Industrie, Dienstleistungen, Handel, Bau). Erwartungen in der Industrie wieder im positiven Bereich. Gleichwohl führt Saldenmechanik bei ifo-Geschäftsklima zu Überzeichnungen: Die Frage, ob die kommenden sechs Monate besser oder schlechter werden, wird nach einer sehr tiefen Krise (Lockdown) von nahezu allen Teilnehmern positiv beantwortet. Gilt auch für Anstieg der ifo Exporterwartungen .  Meldung aus der letzten Woche: Auftragseingang im Bauhauptgewerbe sinkt im Mai um mehr als 10% gg. Vorjahr. Mit Zeitverzögerung belastet Corona nun auch den Bausektor. Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.  IAB-Arbeitsmarktbarometer im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen . Teilkomponenten Arbeitslosigkeit und Beschäftigung des Frühindikators signalisieren Ende des Abwärtstrends am Arbeitsmarkt. Gleich wohl dürfte die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Juli ( Veröffentlichung: 30. Juli ) nach unserer Ein schätzung um 55 Tsd. ansteigen. In den zurückliegenden Krisenmonaten dämpften die seit März erwei terten Regelungen zur Kurzarbeit den Schock für den Arbeitsmarkt spürbar. Arbeitsminister Heil regt daher eine Verlängerung der erleichterten Zugangsregelungen an.  Bundesbank sieht deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs , (Monatsbericht Juli, S. 5 ff) wenngleich Kon junkturindikatoren ein heterogenes Bild zeichnen. Bspw. stiegen die Einzelhandelsumsätze im Mai kräf tig um 12,7% gg. Vm. ( Juni-Wert am 31. Juli ). Die Industrieproduktion erholte sich angesichts des dras tischen Einbruchs im April (-17,5% gg. Vm.) im Mai mit 7,8% gg. Vm ( Juni-Wert am 7. Aug. ) nur ver gleichsweise mäßig. Morgen veröffentlicht das Statistische Bundesamt vorläufige BIP-Wachstumsrate für Q2. Aufwärtsrisiken für unsere Prognose von -14% gg. Vq. (Consensus: -9% gg. Vq.).  Handelsverband HDE sieht Innenstädte veröden und fordert Innenstadtfonds (EUR 500 Mio.).  Bericht des IW Köln zu Langfristeffekten der Corona-Pandemie : „Verhaltensänderungen, wie etwa eine höhere Technikakzeptanz, können das Produktionspotenzial dauerhaft stärken. Dem stehen die negati ven Effekte von verstärkten protektionistischen Haltungen gegenüber. Jedenfalls hat die Krise einen Technologieschub induziert." Hoffnung auf eine Renaissance der Naturwissenschaften. Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Bundesregierung will Testpflicht für Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten einführen (u.a. USA, Türkei). Lesenswerter Artikel hierzu im Q&A-Format . Aktuell weist das RKI 130 Risikogebiete aus, da runter die USA, die Türkei sowie Luxemburg.  Baden-Württemberg plant Beteiligungsfonds - „Bayern-Fonds" wartet auf EU-Freigabe . Laut FAZ will Ba den-Württemberg Corona-Sondervermögen über EUR 1 Mrd. auflegen. Staatliche Finanzspritzen sollen etwa 200 Unternehmen stützen. Beteiligungsfonds soll Förderlücke des Bundes schließen. Eigenkapital beteiligungen ausdrücklich für mittelständische Unternehmen (50 bis 250 Mitarbeiter und Umsatz von max. EUR 50 Mio.) gedacht (kein Zugang zum Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes). Der von Bayern geplante „Bayern-Fonds" wartet seit Mai auf Genehmigung durch EU-Kommission. Dieser soll krisengebeutelte Unternehmen (mindestens 50 Mitarbeiter oder Umsatz von mehr als EUR 10 Mio.) mit staatlichem Eigenkapital versorgen (bis zu EUR 20 Mrd.).  Artikel mit Überblick zu geplanten Schulöffnungen in einzelnen Bundesländern. Skepsis beim deut schen Lehrerverband bezüglich der Rückkehr zum Regelbetrieb nach den Sommerferien.  Bundesregierung rät von Reisen nach Barcelona und benachbarte Regionen ab . Keine Reisewarnung. Unternehmensnachrichten:  Daimler vereinbart für ein Jahr Absenkung der Wochenarbeitszeit um 2 Stunden ohne Lohnausgleich . Etwas Positives zum Schluss:  Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes : Das Biopharma-Unternehmen Biontech hat zusam men mit dem Pharmaunternehmen Pfizer die Erlaubnis der US-Behörden zum Start der Phase-II/III-Stu die ihres Corona-Impfstoffkandidaten erhalten. Bei Erfolg der Studie soll schon im Oktober mit dem Zu lassungsverfahren begonnen werden. Im Idealfall wären schon Ende 2020 Impfdosen verfügbar.
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