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24. Juni 2020
Weitere Verbesserung des ifo-Geschäftsklimas für Juni erwartet; Veröffentlichung heute um 10.00 Uhr. * PMI-Daten für Deutschland und andere Industrieländer gestern bereits gestiegen. * Sachverständigenrat und Bundesbank aktualisieren Konjunkturprognose. BIP-Rückgang um knapp 7% im Jahr 2020. Sachverständigenrat (+5%) für 2021 optimistischer als Bundesbank (+3,2%). * Stabilitätsrat erwartet für 2020 Staatsdefizit von über 9% des BIP. * BA-Chef erwartet im Sommer Anstieg der Zahl der Arbeitslosen auf über 3 Millionen. * Studie bestätigt Deutschlands geringe Pandemie-Anfälligkeit. * Lokale Ausbrüche für relativ hohe COVID-19-Fallzahlen in den letzten Tagen maßgeblich. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 24. Juni 2020 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Unser Update erscheint künftig einmal pro Woche, immer mittwochs. Corona-Update:  Die Zahl der bestätigten COVID-19-Erkrankungen in Deutschland ist auf 191.449 gestiegen (RKI, 24. Juni; 00.00 Uhr; Dashboard ). Anstieg in letzten fünf Tagen: +0,3%; +0,4%; +0,3%; +0,3%; +0,3%.  In den letzten Tagen relativ hohe absolute Fallzahlen, die zu einem großen Teil auf Ausbruch in fleisch verarbeitendem Betrieb im Landkreis Gütersloh zurückzuführen sind. Allein hier sowie im benachbarten LK Warendorf wurden in den letzten sieben Tagen laut RKI (Stand gestern) mehr als 1.120 Fälle gemel det; beide Landkreise über der Obergrenze von 50 Fällen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Poli tik reagiert mit lokalen Lockdown-Maßnahmen in beiden Landkreisen (u.a. Kontaktbeschränkungen), die zunächst bis 30. Juni gelten. Keine Ausreiseverbote, aber manche Urlaubsregionen in Deutschland verhängen Einreiseverbote für Gäste ohne negativen Test oder haben Gäste aus dem Landkreis Gü tersloh wieder nach Hause geschickt. Weitere lokale (bekannte) Ausbrüche in Göttingen, Berlin-Neu kölln und Magdeburg.  RKI-Präsident Wieler in gestriger PK bestätigt: Jüngster Anstieg der Fallzahlen liegt vor allem an loka len Ausbrüchen und entsprechenden Reihentestungen. Diese führen auch zu Anstieg bei 7-Tage-R Wert, der bei 1,67 liegt. Den aktuellen RKI-Situationsbericht finden Sie hier .  176.300 offiziell Genesene; 8.914 Todesfälle. Damit derzeit insgesamt gut 6.230 akute Erkrankungs fälle. In den letzten Tagen tendenziell mehr neu Erkrankte als neu Genesene. 35% aller Intensivbetten in Deutschland aktuell nicht belegt. Zuletzt 337 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behand lung (weiter sinkend).  In 137 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten kam es in den letzten sieben Tagen zu keinen neuen Infektionen. In weiteren 212 Kreisen wurden maximal fünf Neuinfektionen verzeichnet.  Mehr Männer sterben an COVID-19 als Frauen.  Außerhalb von großen Teilen Westeuropas sowie von China, Südkorea oder Japan nach wie vor sehr intensives Infektionsgeschehen (u.a. Lateinamerika, Indien, USA). Wirtschaftliches Update:  Heute um 10.00 Uhr kommen neue ifo-Daten zum Geschäftsklima für Juni. Weitere Verbesserung bei Einschätzung der aktuellen Lage und bei Geschäftserwartungen erwartet. PMI-Daten für Deutschland und anderen Industrieländern gestern bereits gestiegen, zum Teil deutlich (Frankreich). Stützt unsere These, dass konjunktureller Tiefpunkt hinter uns liegt.  Sachverständigenrat aktualisiert Konjunkturprognose : BIP-Rückgang um 6,5% im Jahr 2020 und An stieg um knapp 5% 2021 (Eurozone: -8,5% bzw. +6,2%). Wenig überraschend: Schlechtes außenwirt schaftliches Umfeld als wesentlicher Dämpfer für deutsche Konjunktur. Fiskalpolitik wirkt stützend: Den Gesamtbericht finden Sie hier . Auch Bundesbank legt im aktuellen Monatsbericht neue Konjunkturprog nose vor (2020: -6,8%; 2021: +3,2%).  Stabilitätsrat erwartet Staatsdefizit von über 9% des BIP in 2020 . Beirat merkt kritisch an, dass dem Stabilitätsrat von der Regierung keine konsistente Fiskalschätzung, sondern lediglich eine rechnerische Fortschreibung der älteren Projektion vorgelegt wurde (mit Beschränkung auf das strukturelle Defizit im Jahr 2020). Demnach erwartet das Bundesfinanzministerium bereits ohne Berücksichtigung des jüngst verabredeten Konjunkturprogramms in diesem Jahr ein strukturelles (um konjunkturelle Effekte berei nigtes) Staatsdefizit von 5,5% vom BIP. Laut unabhängigem Beirat dürfte das Defizit aufgrund des Kon junkturpakets jedoch höher ausfallen und könnte auf über 9% des BIP steigen. Schuldenaufnahme für expansive Fiskalpolitik wird als richtig und notwendig eingeschätzt.  BA-Chef Scheele erwartet im Sommer Anstieg der Zahl der Arbeitslosen auf über 3 Millionen . Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.  Reallöhne in Deutschland steigen in Q1 2020 nur um 0,4% gg. Vorquartal ; niedrigster Anstieg seit Ende 2013. Corona-Krise wird ab Q2 (noch sehr viel) deutlicher zu spüren sein.  ifo: Dauerhafte Folge der Corona-Krise: 57% der Unternehmen halten weniger Dienstreisen auch nach der Corona-Krise für wahrscheinlich. Industrie liegt mit 64% vorne.  Untersuchung von Creditreform zeigt geringe Pandemie-Anfälligkeit Deutschlands . Wirtschaftsstruktur und Gesundheitssystem zählen zu positiven Faktoren ( Gesamtbericht ). Auch Deutsche Bank Research hatte Deutschlands Krisenresilienz herausgearbeitet (erscheint in Kürze in deutscher Sprache).  WTO : Welthandel dürfte im 2. Quartal 2020 um 18,5% gg. Vorjahr einbrechen. Im Gesamtjahr im opti mistischen Szenario ein Minus von 13% erwartet. Positiver Ausblick auf 2021, aber hohe Unsicherheit. Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Den oben genannten lokalen Lockdown-Maßnahmen in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf ste hen weitere angekündigte oder umgesetzte Lockerungsmaßnahmen in einzelnen Bundesländern ge genüber (z.B. Schulöffnungen, Lockerung bei Kontaktbeschränkungen, Veranstaltungen oder Sport wettkämpfen).  Aktueller Überblick zu Reisewarnungen und -hinweisen des Auswärtigen Amtes . Die New York Times berichtet, dass die EU-Einreisebeschränkungen für US-Amerikaner über den 30. Juni hinaus bestehen bleiben könnten.  Noch keine Einigung zum Wiederaufbaufonds beim EU-Gipfel Ende letzter Woche; war auch nicht zu erwarten. Aber Zeitdruck , weil EU-Haushalt bis Ende des Jahres stehen muss. Unternehmensnachrichten:  Noch keine Einigung zwischen Lufthansa und Gewerkschaften bezüglich Sparmaßnahmen bei Perso nalkosten. Morgen außerordentliche Hauptversammlung zur Abstimmung über Rettungspaket. Mehrheit ungewiss .  Galeria Karstadt Kaufhof: Überblick , welche Filialen geschlossen werden sollen. Auch Sport-Filialen be troffen. Etwas Positives zum Schluss:  Innerhalb gut einer Woche haben mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland die Corona-Warn App heruntergeladen. Damit wird eine solche App sehr viel aktiver genutzt als in Frankreich, wo dies erst 1,5 Mio. Menschen getan haben. Positiv auch: Im April wurden in Deutschland 35% weniger Stra ßenverkehrsunfälle als im Vorjahresmonat verzeichnet.
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