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24. März 2021
Zum Beginn dieses wichtigen Wahljahres sieht sich Deutschland mit einer zunehmend multipolaren Welt, einer geschwächten liberalen, regelbasierten Weltordnung und raschem technologischen Wandel konfrontiert. Mihilfe einer SWOT-Analyse und vier Szenarien wollen wir eine Diskussion darüber anstoßen, wie sich Deutschlands Wirtschaft in der Ära nach Merkel entwickeln könnte. Für Deutschlands „Geschäftsmodell“ (eine auf den Export gestützte Wirtschaft mit einer starken, innovativen industriellen Basis) bestehen zwei Hauptrisiken: die anhaltende Erosion der liberalen, regelbasierten Handelsordnung und ein Zurückfallen im globalen Wettlauf um die Technologieführerschaft bezüglich KI, grüne Technologie und IoT. Selbstzufriedenheit oder reaktive Politik sind keine Optionen für die neue Regierung – „High-Tech Made in Germany“ könnte sich als ein zu optimistisches Szenario erweisen. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen müssen umfangreiche Reformanstrengungen unternehmen, damit Deutschland sich bestmöglich platzieren kann. Dazu gehören die richtige Allokation von F&E-Mitteln, das Nutzen des Potenzials der Industriedaten und die breite Durchdringung branchenübergreifender Technologien wie KI. [mehr]
Microsoft Word - 20210324_Deutschland in der nächsten Dekade_SA.docx Deutschland-Monitor    Die geopolitische Rolle Deutschlands/der EU wird sich nicht wesentlich ändern. Zum Beginn dieses wichtigen Wahljahres sieht sich Deutschland mit einer zu nehmend multipolaren Welt, einer geschwächten liberalen, regelbasierten Welt ordnung und raschem technologischen Wandel konfrontiert. Die künftige politi sche Rolle des Landes wird in hohem Maße von der globalen Rolle der EU ab hängen, die Deutschland wiederum aktiv mitgestalten wird. Trotz ihres Strebens nach größerer strategischer Autonomie könnte der Balanceakt der EU in der Auseinandersetzung zwischen China und den USA unhaltbar werden. Wie lässt sich Deutschlands Wirtschaftsmodell zukunftssicher machen - die Er gebnisse unserer SWOT-Analyse. Angesichts des herausfordernden globalen Umfelds sollte die neue Regierung bewusst Deutschlands Stärken ausbauen und an seinen Schwächen arbeiten: (i) Vertiefung des (digitalen) EU Binnenmarkts, (ii) kluge Nutzung des fiskalischen Spielraums, (iii) Wahrung des Wettbewerbsvorteils in der modernen Fertigung und (iv) Sicherung des sozialen Friedens. Dies bedeutet auch, die digitale Infrastruktur zu verbessern, das Po tenzialwachstum zu steigern und die Risikokapitalmärkte weiterzuentwickeln. Der zunehmende Wirtschaftsnationalismus und der Wettlauf um die Technolo gieführerschaft bezüglich KI und Green-Tech sind die größten Herausforderun gen. Eine Wiederbelebung des Multilateralismus ist eher unwahrscheinlich, da die strategische und systemische Rivalität zwischen China und den USA weiter be stehen wird. Die EU dürfte weiterhin für Multilateralismus eintreten, aber gleich zeitig auch ihr handels- und investitionspolitisches Verteidigungsinstrumenta rium weiter ausbauen. Globale Technologiestandards, ein freier Datenhandel und ein supranationales regulatorisches Rahmenwerk in der Klimapolitik (globa ler Korridor für den CO 2 -Preis) bleiben wohl Wunschdenken. Die USA-China „Entkopplung" dürfte sich in gewissem Umfang weiter fortsetzen. Deutschland fällt als Forschungs- und Innovationsstandort zurück. Bei grüner Technologie ist Deutschland in Sachen Technologieführerschaft und Export wettbewerbsfähiger Produkte gut positioniert. Große Unbekannte bleiben der zukünftige regulatorische Rahmen im Ausland sowie der Erfolg industriepoliti scher Initiativen. Bei Big Data und KI ist die Lage nicht ganz so rosig. Deutsch land (und die EU) werden im globalen KI-Wettlauf um die Spitzenplätze nicht mithalten können, insbesondere hapert es bei der Umsetzung von KI Grundlagenforschung in tragfähige Geschäftsmodelle und Anwendungen. Selbstzufriedenheit oder reaktive Politik sind keine Optionen für die neue Regie rung - „High-Tech Made in Germany" könnte sich als ein zu optimistisches Sze nario erweisen. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen müssen um fangreiche Reformanstrengungen unternehmen, damit Deutschland sich best möglich platzieren kann. Dazu gehören die richtige Allokation von F&E-Mitteln, das Nutzen des Potenzials der Industriedaten und die breite Durchdringung branchenübergreifender Technologien wie KI. Autoren Marion Mühlberger +49 69 910-31815 marion.muehlberger@db.com Barbara Boettcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Ursula Walther ursula.walther@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Original in engl. Sprache: 9. März 24. März 2021 Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 2 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor Welche Rolle kann Deutschland in einer multipo laren Welt spielen? Zum Beginn dieses entscheidenden Wahljahres sieht sich Deutschland mit einer zunehmend multipolaren Welt, einer (dauerhaft) geschwächten liberalen, regel basierten Weltordnung und raschem technologischen Wandel konfrontiert. Die Machtverschiebung in der Weltwirtschaft hat sich durch die Corona-Pandemie beschleunigt. China wird die EU (einschl. Großbritannien) hinsichtlich der Größe seiner Volkswirtschaft innerhalb der nächsten zwei Jahre überholen (Grafik 1). Wie die globale Machtverteilung zum Ende des Jahrzehnts aussehen wird, lässt sich allerdings nicht alleine dadurch beantworten, dass man die potenziellen re alen BIP-Wachstumsraten extrapoliert. Dies hängt auch vom Zusammenspiel weiterer Faktoren ab, wie der technologischen Überlegenheit der wichtigsten Akteure in den Bereichen KI und grüne Technologien, der Möglichkeit, durch Festlegung von Standards regulierend zu wirken, der Verfügungsgewalt über kritische Infrastruktur und Rohstoffe, den militärischen Fähigkeiten, der innenpo litischen Stabilität und der Dominanz an den Finanzmärkten (z.B. Status der Währung) (Grafik 2). Vor dem Hintergrund anhaltender Rivalität zwischen den USA und China 1 und raschem technologischen Wandel wollen wir eine Diskus sion darüber anstoßen, wie sich Deutschlands Wirtschaft in der Ära nach Merkel entwickeln könnte. Welche Rolle kann Deutschland in einer solchen multipola ren Welt spielen? Wie kann es diese Rolle aktiv gestalten? Wo liegen Stärken und Schwächen seines derzeitigen Wirtschaftsmodells und wie kann sich das Land auf die daraus resultierenden Chancen und Risiken vorbereiten? Wenn es um Deutschlands globale Rolle geht, kommen einem zahlreiche Attri bute in den Sinn: „Europas schlafender Riese", „Beharrungsmacht", „prinzipien orientierter Pragmatist", „verlässlicher Partner" oder „Europas Führungsmacht wider Willen" seien beispielhaft genannt. Manche dieser Attribute beziehen sich auf die jeweils aktuelle Situation in Deutschland, andere aber zeigen auf, wie sich die Wahrnehmung der ausländischen Partner und insbesondere deren Er wartungen an das Land verändern. Es lässt sich unmöglich vorhersehen, wel che Rolle Deutschland zum Ende des Jahrzehnts genau spielen wird. Sicher ist aber, dass seine künftige (geo-)politische Rolle in hohem Maße von der globa len Bedeutung der EU abhängen wird, auf die Deutschland wiederum beträchtli chen gestalterischen Einfluss hat. 1 Lippert, Barbara; Perthes, Volker (2020): Strategic Rivalry between United States and China. Stif tung Wissenschaft und Politik. Eine zunehmend multipolare Welt 2 Anm.: *nur in Bezug auf den Euro Quellen: BIP: WEO des IWF; Verteidigungsausgaben: NATO und Reuters; Devisenreserven: IWF; KI: Center for Data Innovation, 2021, Who is winning the AI Race: China, the EU or the United States? Deutschland als „Soft Power" auf Rang 3 3 Land Rang Frankreich 1 Großbritannien 2 Deutschland 3 USA 5 Japan 8 Südkorea 19 Brasilien 26 China 27 Türkei 29 Russland 30 Quelle: Soft Power Index Portland 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 12 14 16 18 20 22 24 US CN EU-28 DE BIP, zu laufenden Preisen, Mrd. USD Machtverschiebung in der Weltwirtschaft - durch Pandemie beschleunigt 1 Quelle: WEO des IWF Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 3 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Deutschland und die EU: Jede Menge „Soft Power", aber wenig realer geopolitischer Einfluss In der jüngsten weltweiten „Soft Power"-Rangliste liegt Deutschland nach wie vor hinter Frankreich und Großbritannien auf Rang 3 (Grafik 3). Joseph Nye, der den Begriff „Soft Power" in den Achtzigerjahren prägte, bezeichnet damit die Fä higkeit eines Landes, durch seine Kultur, seine politischen Ideale und seine Po litik attraktiv zu sein und zu überzeugen. 2 Deutschlands „Soft Power" speist sich größtenteils aus den politischen Werten des Landes, seinen glaubwürdigen In stitutionen, seinem Einsatz für globale Entwicklungsziele, seiner Ingeni eurskunst und nicht zuletzt dem hohen politischen Ansehen und dem Führungs stil Angela Merkels. Ausgehend von dieser „Soft Power" lenken wir nun das Augenmerk auf Deutschlands geopolitische Rolle, indem wir zunächst die deutsche und an schließend die außenpolitische Haltung der EU beleuchten. Die beiden sind eng miteinander verwoben, da drängende globale Herausforderungen (Klimawandel, Digitalisierung, geopolitische Machtrivalitäten, Migration) nur gemeinsam mit den europäischen Partnern angegangen werden können. Die 50. Münchner Sicherheitskonferenz im Jahr 2014 steht für eine bedeutsame Wende in der deutschen Außenpolitik, die „mehr internationale Verantwortung" zu einem wichtigen außenpolitischen Ziel machte (vgl. die Eröffnungsrede des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck vom 31. Januar 2014). In der Tat hat sich Deutschland in den vergangenen sechs Jahren an verschiedenen Maß nahmen zur Konfliktlösung beteiligt, mehrere Initiativen auf europäischer und globaler Ebene angestoßen (Grafik 4) und seine Verteidigungsausgaben Schät zungen der NATO zufolge um rund 21% erhöht. Von außen betrachtet hat Deutschland seine geopolitische Rolle allerdings nicht grundlegend geändert. Es bleibt nach wie vor hinter den Erwartungen zahlreicher Partner und Be obachter zurück. Dies gilt vor allem für die Verteidigungspolitik und eine strategi schere Ausrichtung seiner Politik. 3 Deutschland hegt nicht zuletzt aufgrund seiner Vergangenheit Vorbehalte ge genüber einer aktiveren geopolitischen Rolle. Dies spiegelt sich im Zögern politi scher Verantwortungsträger, deutlicher die Führung zu übernehmen, und in der Skepsis der Öffentlichkeit in Bezug auf den Einsatz militärischer Gewalt wider. 4 Allerdings scheint sich die öffentliche Haltung zu ändern; inzwischen unterstützt eine Mehrheit Deutschlands Bestreben, eine aktivere internationale (wenn auch nicht unbedingt militärische) Rolle einzunehmen (Grafik 5). Diese Einstellung könnte bei den anstehenden Bundestagswahlen allerdings einem Realitätstest unterzogen werden, wenn im Wahlkampf die divergierenden Positionen der kon servativen CDU und ihres möglichen grünen Koalitionspartners stärker zutage treten. Die Vorstellungen der EU zur strategischen Autonomie sind noch nicht umsetz bar Im Jahr 2016 leitete die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini mit ihrer Globalen Strategie eine Trendwende ein: Die EU verstand sich nicht mehr als rein zivile Macht und führte das Konzept einer „strategischen Autonomie Europas" ein. Die sicher heitspolitische Interpretation dieses Begriffs bleibt allerdings vage, und je nach Mitgliedstaat fällt die Unterstützung dafür sehr unterschiedlich aus. Frankreich setzt sich klar für strategische Autonomie ein, Deutschland und Polen dagegen 2 Joseph Nye, Soft Power, 2014. 3 Münchner Sicherheitskonferenz, Zeitenwende, Wendezeiten, 2020. 4 Münchner Sicherheitskonferenz, Zeitenwende, Wendezeiten, 2020. Der Münchner Konsens - Deutschlands internationale Rolle 4 Quellen: Münchner Sicherheitskonferenz, Deutsche Bank Research 42 43 59 66 63 59 57 59 48 45 34 27 34 38 39 38 0 10 20 30 40 50 60 70 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 eine aktive Rolle verfolgen sich stärker auf die Lösung seiner eigenen Probleme konzentrieren Internationale Politik: Deutschland sollte ... In % Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich für eine aktivere internationale Rolle aus 5 Quelle: ZMSBw, 2019, Sicherheits- und verteidigungs politisches Meinungsbild der Bundesrepublik Deutschland Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 4 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    betonen das strategische Bündnis mit den USA. Die EU hat ihre Verteidigungs fähigkeit in den vergangenen Jahren etwas gestärkt: Die verteidigungspolitische Zusammenarbeit wurde ausgebaut, und die Europäische Friedensfazilität mit ei nem Umfang von EUR 5 Mrd. sorgt für mehr „Hard power" (FT, 18. Dezember 2020). Dennoch ist der Sicherheitsschirm der USA nach wie vor unverzichtbar, um die nationale Sicherheit der EU zu garantieren. Oder wie Timothy Garton Ash es formuliert: „Europäische Souveränität ist ohne Amerika eine Schimäre." Zudem werden nationale Außenpolitik und EU-Außenpolitik auf absehbare Zeit weiterhin koexistieren. Die von Merkel und Macron im Jahr 2016 vorgeschla gene Einrichtung eines EU-Sicherheitsrats (vgl. Focus Europe, 30. Juni 2017), könnte einen Rahmen schaffen, innerhalb dessen nationale Politik und gemein sames Handeln einander effektiver ergänzen. 5 Zudem könnte häufiger auf eine „Koalition der Willigen" zurückgegriffen werden, sofern sich kein europaweiter Konsens erzielt lässt (ein Beispiel hierfür wäre das Normandie-Format, das im Friedensprozess zwischen der Ukraine und Russland genutzt wurde). Solange jedoch die 27 Mitgliedstaaten einstimmig über außen- und sicherheitspolitische Fragen entscheiden, dürfte die EU keine wesentlich einflussreichere geopoliti sche Rolle spielen. Deutschland und die EU: Künftiger wirtschaftlicher und regulatori scher Einfluss hängt von Tiefe und Größe des Binnenmarkts ab Die strategische und systemische Rivalität zwischen China und den USA wird vor allem auf geoökonomischer Ebene ausgetragen. Daher dürfte es Deutsch land und der EU zunehmend schwerfallen, zwischen Handels- und Investitions politik einerseits und Außenpolitik andererseits strikt zu trennen. Die Souveränitätsagenda der EU weist bereits zahlreiche Facetten auf, neben der sicherheitspolitischen auch eine ökonomische, digitale, gesundheitliche und klimabezogene. 6 Die EU wird sich weiterhin für den Multilateralismus stark ma chen, hat aber gleichzeitig begonnen, ihr handels- und investitionspolitisches Verteidigungsinstrumentarium auszubauen (zu nennen wären z.B. die FDI Screening-Verordnung oder die aktualisierte EU- Handelsstrategie vom 22. Feb ruar). Der Binnenmarkt ist ungeachtet seiner Mängel - z.B. Probleme beim grenzüberschreitenden E-Commerce oder nationale Vorschriften, die nach wie vor den freien Verkehr von Gütern und Dienstleistungen einschränken - das bei weitem größte Kapital der EU. 7 Seine Größe und Tiefe sind entscheidend für die Verhandlungsmacht der EU (und damit Deutschlands), wenn es um Handels- und Investitionsverträge geht. Außerdem können die EU (und damit Deutsch land) aufgrund der Größe des Binnenmarkts regulatorischen Einfluss nehmen; Anu Bradford hat dies als „Brüssel-Effekt" bezeichnet. In ihrer Studie aus dem Jahr 2012 betonte sie, die EU könne derzeit als einziger Rechtsraum unilateral Einfluss auf verschiedene Rechtsgebiete nehmen, vom Kartellrecht und Daten schutzrecht bis hin zum Gesundheitswesen und Umweltvorschriften. Acht Jahre später warf sie allerdings die Frage auf, ob sich dieser Einfluss auf globale Re geln auch auf die Digitalwirtschaft erstrecken werde - auch wenn die EU sich durch die DSGVO auf diesem Gebiet als Vorreiter erwiesen hat. 8 Eine Stärkung und Vertiefung des Binnenmarkts, insbesondere des digitalen Binnenmarkts, ist ebenfalls von wesentlicher Bedeutung, wenn die EU und 5 Carnegie Europe, How the EU can survive in a geopolitical age, Februar 2020. 6 ECFR, Sovereign Europe, Dangerous World, November 2020. 7 Europäisches Parlament, Legal obstacles in Member States to Single Market rules, November 2020. 8 CER, Ditchley-Konferenzbericht: COVID-19, the global economy and the return of power politics, Dezember 2020. Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 5 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Deutschland weiterhin eine einflussreiche Position in der Handels- und Investiti onspolitik einnehmen wollen. Durch den EU-Austritt Großbritanniens ist aus deutscher Sicht ein Mitgliedstaat verloren gegangen, der für freie Märkte eintrat und so ein Gegengewicht gegen über anderen, stärker zu staatlichen Interventionen neigenden Mitgliedstaaten bildete. Die Diskussion über die optimale Art und Weise sowie den besten Zeit punkt für einen Ausstieg aus den umfangreichen pandemiebedingten fiskali schen Impulsen und (industriepolitischen) Eingriffen hat dazu geführt, dass eine mit dem Aufstieg Chinas auf der EU-Ebene stattfindende Debatte jetzt auch in Deutschland erfolgt. Merkels Abgang wird ein Vakuum in der politischen Führung der EU hinterlassen Deutschlands Rolle in der Welt ist eng mit seiner Rolle in der EU verknüpft. Bun deskanzlerin Angela Merkel wird nach den Bundestagswahlen im September als erfahrenste Krisenmanagerin der EU abtreten. Sie hinterlässt ein beeindru ckendes Erbe, zu dem auch der EU-Aufbaufonds in Höhe von EUR 750 Mrd. (davon über EUR 300 Mrd. als Zuschüsse) gehört. Zugleich hinterlässt sie ein politisches Vakuum, da sich ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin möglicher weise verstärkt mit innenpolitischen Fragen und dem Koalitionsmanagement be fassen wird. Der sogenannte deutsch-französische Motor hat in jüngster Zeit zahlreiche EU-Initiativen vorangetrieben; es bleibt jedoch abzuwarten, ob der französische Präsident Macron in der nächsten Dekade als globales Gesicht der EU auftreten kann. Schließlich hat er die Vision einer „strategischen Autonomie" für die EU entwickelt. Möglicherweise verfügt er jedoch nicht über genügend In tegrationskraft, um die unterschiedlichen Interessen innerhalb der EU-27 auf ei nen Nenner zu bringen. Zudem muss sich Macron im Jahr 2022 Wahlen stellen. Daraus ergeben sich Unsicherheiten in der deutsch-französischen Zusammen arbeit. Eventuell kann Europa in nächster Zeit nicht auf eine effektive Führung vertrauen, was wiederum Auswirkungen auf Deutschlands geopolitische Rolle hätte (Grafik 6). Beziehungen zu China und den USA sind im Fluss Die USA unter Biden. Es ist alles andere als sicher, dass die regelbasierte multi laterale (Handels-)Ordnung, die einen zentralen Beitrag zum Erfolg von Deutschlands Wirtschaftsmodell leistet (Grafik 8), unter der Biden-Regierung 0 1 02 03 04 0 DE FR NL IT ES Deutschland - das Land mit dem größten Einfluss auf die EU-Politik 6 % der Gesamtstimmen Quelle: ECFR - eucoalitionexplorer 6 8 7 8 5 5 9 2 10 7 3 6 60 68 67 66 65 61 59 58 57 55 50 50 22 13 19 16 22 24 20 26 22 25 35 30 0 2 04 06 08 0 1 0 0 Total HU PT DE ES SE IT UK NL FR DK PL China unterstützen Neutral bleiben Weiß nicht Die USA unterstützen Mehrheit der Europäer möchte neutral bleiben 7 Quelle: ECFR, Jan. 2021, The crisis of American power: How Europeans see Biden's America Wie sollte sich Ihr Land verhalten, wenn es zu Unstimmigkeiten zwischen den USA und China kommt? In % AT BE BG HR CY CZ DK EE FI FR D GR HU IE IT LV LT LU MT NL PL PT RO SK SI ES SE UK CN 0 4 8 12 16 0 5 10 15 20 25 30 X-Achse: Anteil der Exporte in die USA, in % Y-Achse: Anteil der Importe aus den USA, in % Quelle: Comtrade; Daten für 2019 Deutsch-US-amerikanische Handelsbeziehungen stehen im EU-Vergleich nicht heraus 8 AT BE BG HR CY CZ DK EE FI FR DE GR HU IE IT LV LT LU MT NL PL PT RO SK SI ES SE UK US 0 4 8 12 16 20 02468 1 0 Deutschland pflegt von allen EU-Mitgliedstaaten die engsten Handelsbeziehungen zu China 9 X-Achse: Anteil der Exporte nach China, in % Y-Achse: Anteil der Importe aus China, in % 20 Quelle: Comtrade; Daten für 2019 Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 6 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    wiederhergestellt wird. Kurz nach ihrer Amtseinführung ist die Regierung Biden dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation wieder bei getreten. Bidens Hauptziel besteht jedoch ganz klar darin, tiefe innenpolitische Gräben zu überwinden. Für führende EU-Politiker war es durchaus ernüchternd, dass Präsident Biden in seiner Rede vom 25. Januar erklärte, die „Made in America"-Politik seines Vorgängers fortsetzen zu wollen, und eine „Außenpolitik für die Mittelschicht" ankündigte. Die Reform des WTO-Berufungsgremiums (nach der Ernennung eines US-Handelsbeauftragten) und die US-Position zu CO 2 -Preisen auf nationaler Ebene 9 werden zeigen, inwieweit sich Biden tatsäch lich einer Wiederbelebung des Multilateralismus verpflichtet fühlt. Insgesamt scheint eine wieder intensivere Pflege der transatlantischen Beziehungen für die neue Regierung kein politisches Ziel an sich zu sein; der Schwerpunkt der US- Außenpolitik verschiebt sich zunehmend in Richtung Asien-Pazifik. 10 Die China-Strategie Deutschlands/der EU. Die Beziehungen zwischen der EU und China sind ebenfalls im Fluss. In ihren „ Strategischen Perspektiven " aus dem Jahr 2019 beschrieb die EU China als „Systemrivale(n), der andere Gover nance-Modelle propagiert", aber auch als „Kooperationspartner, mit dem die EU eng abgestimmte Ziele verfolgt". Angesichts des attraktiven chinesischen In landsmarkts dürften die gegenseitigen Handels- und Investitionsbeziehungen noch enger werden. Ausländische Tochterunternehmen von EU-Konzernen in China haben ihren Umsatz nahezu verdoppelt, von EUR 193 Mrd. im Jahr 2010 auf EUR 368 Mrd. im Jahr 2017 (Grafik 10). Nichtdestotrotz wird die EU An strengungen unternehmen, asymmetrische Handelsabhängigkeiten, z.B. bei Seltenen Erden, zu verringern (vgl. FT, 19. Oktober). Deutschland wird voraus sichtlich weiterhin aktiven Einfluss auf die Gestaltung der künftigen EU-China- Beziehungen nehmen, da es von allen EU-Mitgliedstaaten die engsten Handels- und Investitionsbeziehungen zu China aufweist (Grafik 9). Zum Ende der deut schen EU-Präsidentschaft hin wurden die siebenjährigen Verhandlungen über das Investitionsabkommen zwischen der EU und China (das „CAI") endlich ab geschlossen; es wird jedoch erst während der französischen EU-Präsident schaft im Jahr 2022 unterzeichnet werden. Der Vertrag erscheint bei den Zuge ständnissen von China recht vage und war vermutlich nicht hilfreich für einen Neustart der Beziehungen zu den USA. Deutschlands Wirtschaftsmodell zukunftssicher machen - Ergeb nisse unserer SWOT-Analyse Nach diesem groben Überblick über das geopolitische und geoökonomische globale Umfeld möchten wir nun aufzeigen, wie sich die deutsche Volkswirt schaft in der Ära nach Merkel entwickeln könnte. Politische Stabilität wurde in den vergangenen Jahrzehnten in gewissem Umfang auf Kosten wirtschaftlicher Reformen erkauft. Insofern startet die neue Regierung mit einem Handicap in den Marathonlauf, ohne den man Deutschlands Wirtschaftsmodell für die kom menden Jahrzehnte nicht zukunftsfest machen kann. In einer SWOT-Analyse (Grafik 11) stellen wir zunächst Deutschlands aktuelle Stärken und Schwächen als stilisierte Fakten vor. Die größte Unklarheit herrscht momentan darüber, wie sich die internationale Wirtschaftsordnung künftig entwickeln wird und welche Position Deutschland im globalen Wettlauf um Technologieführerschaft bei KI und grünen Technologien belegen wird. Daher haben wir vier Szenarien entwi ckelt, die sich auf unterschiedliche Spezifizierungen dieser beiden Parameter stützen. 9 The German Marshall Fund of the United States, Biden's pivot to Europe, Februar 2021. 10 Carnegie, Working with the Biden administration - opportunities for the EU, Januar 2021. SWOT-Analyse 11 0 200 400 600 800 1.000 1.200 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Übrige EU-Länder in China Deutschland in China Übrige EU-Länder in den USA Deutschland in USA Ausländische Tochtergesellschaften von EU-Unternehmen sind in den USA weiterhin sehr viel aktiver als in China 10 Umsatz (Industrie, Bausektor & Dienstleistungs sektor), Mrd. EUR Quellen: Eurostat (FATS), Deutsche Bank Research Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 7 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Stärken Solides makroökonomisches Rahmenwerk - beträchtlicher fiskalischer Spiel raum. Deutschland hat bereits mehrfach gezeigt (Wiedervereinigung, Finanz krise, Corona-Pandemie), dass es schwerwiegende Schocks meistern kann, ohne die Stabilität seiner öffentlichen Finanzen zu gefährden (Grafik 12). Das beträchtliche Anlegervertrauen in seine Bonität und der dank der relativ soliden Finanzpolitik große fiskalpolitische Spielraum ermöglichen umfangreiche anti zyklische Maßnahmen in Stressphasen. Durch die Schuldenbremse, welche die strukturelle Kreditaufnahme auf 0,35% des BIP begrenzt, wurde sichergestellt, dass die nach der globalen Finanzkrise verbrauchten Reserven in den Jahren vor der Pandemie wieder aufgefüllt wurden. Der Binnenmarkt verdreifacht die Größe von Deutschlands Heimatmarkt. Als Teil des EU-Binnenmarkts haben deutsche Unternehmen vergleichsweise pro blemlosen Zugang zum zweitgrößten Binnenmarkt der Welt. Die daraus entste henden Kostenvorteile (z.B. in Form von Skaleneffekten und niedrigen Transak tionskosten, u.a. nicht vorhandenen Wechselkursrisiken) machen deutsche Un ternehmen gegenüber globalen Wettbewerbern wettbewerbsfähiger. Größe spielt darüber hinaus eine Rolle, wenn es um die Verhandlungsposition in glo balen Handels- und Investitionsabkommen und um regulatorischen Einfluss auf global festzulegende Standards geht. Die Aussicht auf Zugang zum gesamten Binnenmarkt macht Deutschland als Investitionsstandort für nicht in der EU an sässige Unternehmen attraktiver. Rein unter handelspolitischen Gesichtspunk ten brächte eine hypothetische „Auflösung Europas" (einseitige Verdoppelung der nicht-tarifären Handelsbarrieren Deutschlands gegenüber der EU) Verluste in Höhe von real 10% des Wohlstands und 9% der Produktion mit sich. 11 Relativ geringe Ungleichheit. Gemessen am Gini-Koeffizient gehört Deutschland zu dem Drittel der OECD-Länder mit der geringsten Ungleichheit. Grund hierfür ist das gut entwickelte Sozial- und Umverteilungssystem. Schul- und Universi tätsausbildung werden weitgehend kostenfrei angeboten. Sozial schwächere Schüler und Studenten können auf Unterstützungsprogramme zurückgreifen. Soziale Teilhabe und gleiche Lebensbedingungen genießen bei politischen Ent scheidungen hohe Priorität. Dennoch wird in Deutschland zunehmend über so ziale Ungerechtigkeiten oder eine ungleiche Vermögensverteilung diskutiert. Steigende Immobilienpreise und höhere Bewertungen von Finanzanlagen wer den ebenso kritisch gesehen wie das Entstehen eines Niedriglohnsektors. Die letztgenannte Entwicklung hat jedoch zu einer größeren Erwerbsbeteiligung bei getragen. Deutschland bleibt ein wichtiger Industriestandort. Deutschland ist eine der we nigen großen hoch entwickelten Volkswirtschaften, die nach wie vor über eine starke industrielle Basis verfügen (Grafik 15). Es ist als Hersteller hochwertiger Anlagegüter (Automobilsektor, Maschinenbau und Elektrotechnik) bekannt. Da rüber hinaus verfügt das Land über eine vollständige industrielle Wertschöp fungskette, von qualitativ hochwertigen Metall- und Chemieprodukten bis hin zu Kunststoffen, technischen Textilien und elektrischen Ausrüstungsgütern. Warum sehen wir diese starke Konzentration auf die „Old Economy" als Stärke an? Die im Verarbeitenden Gewerbe tätigen Unternehmen (häufig KMUs) entwickeln und produzieren innovative und maßgeschneiderte Industriegüter für Kunden aus aller Welt. Die Nachfrage nach solchen Produkten dürfte zunehmen, auch wenn sich die Verschiebung in Richtung Dienstleistungswirtschaft fortsetzt. Zu dem ist das deutsche Verarbeitende Gewerbe ein wichtiger Kunde für lokale Unternehmensdienstleistungen wie z.B. Entwicklungs- und technische Dienst leistungen, Forschungsinstitute oder Logistik. Eine wettbewerbsfähige industri elle Basis der „Old Economy" stärkt also die Entwicklung eines eng damit ver knüpften Dienstleistungssektors. 11 IfW, Lierferketten in der Zeit nach Corona, November 2020. -20 -15 -10 -5 0 5 91 95 99 03 07 11 15 19 US JP DE FR IT Finanz krise COVID-19 nach der Wieder vereinigung Öffentliche Finanzen widerstandsfähig gegenüber Schocks 12 Haushaltssaldo (Gesamtregierung), % des BIP Anm.: DE, FR, IT: Haushaltssaldo laut Maastricht-Definition. USA, JP: Haushaltssaldo laut IWF-Definition Quellen: WEO des IWF, AMECO, Deutsche Bank Research 53 42 15 20 9 15 7 15 16 8 0 2 04 06 08 0 1 0 0 Güter (2019) Dienstleis tungen (2018) EU-27 Restliches Europa USA China Asien Übrige Welt EU-27 als wichtigste Exportpartner Deutschlands 13 Anteil an den Gesamtexporten in % Anm.: Güterexporte machen rund 80%, Dienstleistungs exporte etwa 20% der deutschen Gesamtexporte aus Quellen: Statistisches Bundesamt, OECD 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2010-11 2014 2017 Mittelwert Quantile Grenzwert für die reichsten 10% im Jahr 2017: EUR 555.400 Median 2017: EUR 70.800 Quelle: Deutsche Bundesbank, Umfrage "Private Haushalte und ihre Finanzen" Zunehmend ungleiche Vermögens verteilung 14 Verteilung der Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland in EUR Tausend, laufende Preise Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 8 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Das Verarbeitende Gewerbe ist ein wichtiger Innovationstreiber. In den vergan genen Jahrzehnten haben die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes eine enge regionale und wissenschaftliche Zusammenarbeit begründet. Dazu tragen auch spezialisierte Forschungs- und Entwicklungsinstitute an Universitä ten oder bekannte Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck- oder Fraun hofer-Institute bei. F&E wird vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe vorange trieben, das rund 87% der gesamten internen und externen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen aufbringt. Die Forschungs- und Entwicklungsinten sität hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren auf 3,2% im Jahr 2019 erhöht. Sie ist damit höher als in der EU, den USA oder China (Grafik 16), wobei allerdings eine starke Konzentration auf den Automobilsektor festzustellen ist. Bei Zukunftstechnologien allerdings hat Deutschland im vergangenen Jahrzehnt an Boden verloren. Einer Studie zu weltweiten Schlüsselpatenten in 58 Techno logiebereichen zufolge fällt Deutschland bei der Technologieführerschaft zurück (Halbleiter, Nanotechnologie, synthetische Biologie). Im Jahr 2000 gehörte es bei 47 Technologien noch zu den Top 3, 2019 war dies nur noch bei 22 Techno logien der Fall. 12 Schwächen Hohe Abhängigkeit von Exportnachfrage. In den vergangenen Jahrzehnten ist Deutschland gut mit seinem exportabhängigen Wachstumsmodell und seiner Handels- und Investitionsoffenheit gefahren. Gerade diese hohe Offenheit macht es jedoch auch für exogene Schocks anfällig, die wirtschaftlicher oder geopolitischer Natur sein oder auch mit Änderungen der globalen Handels- und Finanzarchitektur im Zusammenhang stehen können. Die deutschen Exporte gehen insgesamt vorwiegend in die EU-27; einzelne Sektoren sind jedoch stär ker von Handelsbeziehungen zu Ländern außerhalb der EU abhängig (z.B. Au tomobilindustrie und Elektrotechnik von China, Maschinenbau von den USA). Zudem erstrecken sich die Wertschöpfungsketten für essenzielle Zulieferpro dukte (z.B. Halbleiter, Chips) über weitere Länder. Schließlich steigt der Umsatz ausländischer Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen in den USA und China stetig an. Rasch alternde Bevölkerung . Der demografische Wandel wird vor allem zum Ende der 2020er-Jahre hin sichtbar werden, wenn die Babyboomer (also die Generation der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Geborenen) allmählich in den Ruhestand gehen. Wenn Einwanderung oder Erwerbsbeteiligung nicht 12 Bertelsmann Stiftung, Weltklassepatente in Zukunftstechnologien, 2020. 0 1 02 03 0 KR JP DE* IT EU NL ES* US** FR UK * 2020 ** 2018 Deutschland verfügt über eine starke industrielle Basis 15 Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung, 2019, in % Quellen: Eurostat, OECD 012345 KR* JP* DE US* FR EU CN* UK IT ES * Anm.: *2018 Hohe Forschungs- und Entwicklungs ausgaben 16 Anteil der Forschungs- und Entwicklungs aufwendungen am BIP, 2019, % Quelle: Eurostat 10,5 79,0 1,9 1,6 0,9 6,1 EU-28 (ex DE) DE US CN RU RoW Herkunft der Wertschöpfung deutscher Exporte: 10% aus der EU, 10% aus dem Rest der Welt 17 Ursprung der Wertschöpfung der deutschen Bruttoexporte in % Quellen: OECD TiVA, Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 9 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    deutlich zunehmen, wird das Arbeitskräftepotenzial deutlich sinken. Gleichzeitig wird die Zahl der Rentner deutlich zunehmen, was die Herausforderungen für das Sozialsystem, nicht zuletzt in der Altenpflege, verstärkt. Wenn zahlreiche er fahrene Arbeitnehmer in Rente gehen, muss die institutionelle und unterneh mensspezifische Expertise effizient an jüngere Mitarbeiter weitergegeben wer den, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Da die Altersstruktur regional sehr unterschiedlich ist, werden manche Regionen in Deutschland die Auswir kungen des demografischen Wandels früher und stärker zu spüren bekommen als andere. Daraus könnten sich für die Wirtschafts- und Sozialpolitik auf Bun desebene zusätzliche Spannungen ergeben. Relativ schwache digitale Infrastruktur. Während Deutschland bei der physi schen Infrastruktur gut abschneidet, ist die Bewertung bei der digitalen Infra struktur uneinheitlich. In Sachen effektiver Nutzung von schnellen Festnetz Breitbandverbindungen liegt Deutschland hinten und verliert weiter an Boden (Grafik 19). Dies ist ein klarer Standortnachteil, weil Gigabit-Konnektivität (sei es über Breitband- oder Glasfaseranschlüsse) für die Unternehmen eine zentrale Voraussetzung sein wird, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. Deutschland hat allerdings bei der mobilen Breitband-Konnektivitätsinfrastruktur (z.B. 5G) aufgeholt. 5G ist eine wichtige Voraussetzung für künftige digitale Dienstleistun gen wie das IoT für Maschinen, mobile Roboter im Verarbeitenden Gewerbe oder autonomes Fahren. Parallel zu den öffentlichen 5G-Netzwerken, die schon für über 20 Millionen Einwohner verfügbar sind, richtet die Industrie (z.B. Sie mens) private 5G-Netzwerke ein. So können die Unternehmen das Potenzial dieser Schlüsseltechnologie in vollem Umfang nutzen. Anhaltend niedriges Wachstumspotenzial. Der Faktor Arbeit wird durch die Alte rung und den Rückgang der Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen. Der Kapi talstock wächst derzeit moderat und die Investitionstätigkeit ist gedämpft. Der Beitrag der gesamten Faktorproduktivität ist wie in zahlreichen anderen Ländern zuletzt zurückgegangen, möglicherweise weil die Vorteile der Spezialisierung schrumpfen und Input-Faktoren weniger effizient eingesetzt werden. Dies spie gelt sich in der überproportionalen Expansion des deutschen Dienstleistungs sektors mit seiner zumeist geringen Arbeitsproduktivität wider. Das Wachstum der Fertigungstiefe hat sich zudem verlangsamt. Die Wirtschaft befand sich vor der Corona-Pandemie in einem Aufschwung. Seither ist die Diskussion über eine strukturelle Verlangsamung des Wachstums abgeklungen. Die Pandemie hat die Defizite in Bezug auf die Digitalisierung des deutschen Bildungssystems und die Effizienz und Effektivität der Verwaltung schonungslos offengelegt. Da mit die gesamte Faktorproduktivität gesteigert werden kann, müssen vor allem digitale Querschnittstechnologien im KMU-Sektor, im Bildungssystem und in der Verwaltung breiteren Einzug halten. Schwaches Finanzsystem. Deutschlands bankbasiertes Finanzsystem ist strikt in drei Säulen geteilt, steht aber ausländischen Akteuren offen, welche auch über einen nennenswerten Marktanteil verfügen. Die klassische Kreditvergabe an Privat- und Unternehmenskunden funktioniert aufgrund eines intensiven Wettbewerbs gut. Das Finanzsystem leidet jedoch unter strukturellen Verkrus tungen, anhaltend geringer Effizienz und niedriger Rentabilität - verschärft durch die große Bedeutung von Zinserträgen, die infolge der Negativzinspolitik der EZB immer stärker unter Druck geraten. Dies stellt auch eine große Bürde für den traditionell starken Versicherungssektor in Deutschland und die privaten Ersparnisse dar, die zu einem großen Teil in Einlagen und Versicherungen an gelegt sind. Die Kapitalmärkte (vor allem für Aktien) und der Wagniskapitalmarkt sind im internationalen Vergleich unterentwickelt, weil das rechtliche Rahmen werk ungünstig und die Gesellschaft eher risikoavers und am Status quo orien tiert ist. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 >100 Mbit/s >25/30 Mbit/s Deutschland: Anteil der Hochgeschwin digkeits-Breitbandanschlüsse eher gering 19 Breitbandanschlüsse mit vertraglich zugesicherten Übertragungsraten von mehr als 25/30 Mbits bzw. 100 Mbit/s, Dezember 2019, in % Quelle: OECD -0,50 0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 Kapitalstock Gesamte Faktorproduktivität Arbeitsvolumen Potenzielles BIP, % Komponenten des potenziellen BIP (modifizierte EU-Methode), in %-Punkten Quelle: Statistisches Bundesamt; Berechnungen und Projektionen der Gemeinschaftsdiagnose Potenzialwachstumsrate könnte unter 1% fallen 20 0 2 4 6 8 10 12 14 SE ES NL FR IT UK DE US Schlusslicht: Eigenkapitalrendite deutscher Banken nach Steuern 21 %, 2003-2019 Median Quellen: EZB, FDIC, Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 10 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Was nun? Nachdem wir Deutschland mithilfe eines strategischen Management instruments analysiert haben, lässt sich die Schlussfolgerung auf folgenden poli tischen Rat eindampfen: die Stärken ausbauen, an den Schwächen arbeiten und nie die Chancen und Risiken aus dem Blick verlieren. Aus den Ergebnissen unserer SWOT-Analyse für Deutschland lassen sich zusammengenommen fol gende Handlungsanweisungen ableiten: (i) den (digitalen) EU-Binnenmarkt wei ter ausbauen, (ii) den fiskalpolitischen Spielraum weise nutzen/beibehalten, (iii) den Wettbewerbsvorteil im hoch innovativen Verarbeitenden Gewerbe halten und (iv) für einen hohen Grad an gesellschaftlichem Zusammenhalt sorgen. Gleichzeitig ist es dringend erforderlich, die digitale Infrastruktur zu verbessern, das Wachstumspotenzial durch eine bessere Durchdringung branchenübergrei fender Technologien zu steigern und die Risikokapitalmärkte weiterzuentwi ckeln. Das mag alles sehr offensichtlich klingen. Wir sind aber mit der Analyse noch nicht fertig. Ein Blick auf die größten Risiken und Chancen für das deut sche Wirtschaftsmodell gibt Aufschluss darüber, wo der dringendste Handlungs bedarf besteht - je nachdem, wie sich die Zukunft entwickelt. Von der SWOT-Analyse zur Entwicklung von Szenarien Für Deutschlands „Geschäftsmodell" (eine auf den Export gestützte Wirtschaft mit einer starken, innovativen industriellen Basis) bestehen zwei Hauptrisiken: a) die anhaltende Erosion der liberalen, regelbasierten Handelsordnung und b) ein Zurückfallen im globalen Wettlauf um die Technologieführerschaft bezüglich KI, grüne Technologie und IoT. Wir haben das erstgenannte Risiko auf einer horizontalen und das zweitge nannte auf einer vertikalen Achse abgetragen (Grafik 22). Nun werden wir dieje nigen Treiber ermitteln, von denen es abhängt, welche Position Deutschland auf diesen Achsen einnimmt. Wir konzentrieren uns dabei auf die in den Grafiken 23 und 26 angeführten Punkte und beurteilen, wie sie sich auf die Positionie rung Deutschlands auf den beiden Achsen auswirken. Leichte Stärkung der liberalen Weltordnung deutet auf vorsichtiges Nach-rechts-Rutschen entlang der x-Achse Positive Entwicklungen Führt das CAI zu inkrementellen Verbesserungen innerhalb der WTO? Die USA werden sich vorwiegend auf innenpolitische Themen konzentrieren und China wird den Aufbau von Parallelinitiativen (z.B. die Initiative „Neue Seidenstraße" oder das 17+1-Format) vorantreiben. Nach den ersten Amtswochen der neuen US-Regierung sind allerdings auch Anzeichen dafür zu erkennen, dass die Funktionsfähigkeit der WTO teilweise wiederhergestellt wird (Ernennung der Schritt 1: Die Achsen unserer Szenarioanalyse 22 Quelle: Deutsche Bank Research Zentrale Treiber (x-Achse) 23 - WTO Reformfortschritte - Bilaterale Handels- und Investitions- abkommen der EU - Alternative Formen der internationalen Governance - Nicht-tarifäre Handelshemmnisse gegen über der EU - Supranationales Rahmenwerk in der Klimapolitik - Globale Technologiestandards - Grad der USA/China-Entkopplung - Erfolg populistischer Parteien Quelle:Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 11 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    neuen Generaldirektorin; als nächster Schritt steht die Reform des Berufungs gremiums an). Das vor Kurzem abgeschlossene Investitionsabkommen zwi schen der EU und China („CAI") könnte zudem eine neue Ära bilateraler Verein barungen einleiten, die gleichzeitig die multilaterale Wirtschaftsordnung stärken könnten. Das CAI ist zwar noch nicht in Kraft und seine genauen Bedingungen sind noch nicht bekannt, aber es könnte die Transparenz bei Aspekten wie staatlichen Unternehmen und Subventionen erhöhen. Gleichzeitig könnte es ge genüber China signalisieren, dass das Land die derzeitigen Vorteile seiner WTO-Mitgliedschaft nicht als gegeben hinnehmen kann. 13 Allerdings ist derzeit noch fraglich, wie gut das Abkommen durchgesetzt werden kann. Die Zahl der regionalen Handelsvereinbarungen nimmt zu. Dies ist nach einer Wiederbelebung des Multilateralismus die zweitbeste Lösung (Grafik 24). Die EU hat vor Kurzem Handelsabkommen mit Japan, Vietnam und Singapur abge schlossen und verhandelt derzeit mit Indonesien (Stichwort EU-Asien Konnektivitätsstrategie). Alternative Formen der internationalen Governance entstehen. An dieser Stelle sind Club-Governance-Formate wie die G7, die G20 (deren Erfolg allerdings un einheitlich ist) oder die vor Kurzem eingeführte Allianz für den Multilateralismus zu nennen. Negative Entwicklungen Nicht-tarifäre Handelshemmnisse nehmen zu und nationale Regulierungen wie z.B. der CO 2 -Grenzausgleichsmechanismus im Rahmen des Green Deals der EU könnten zu neuen Störfaktoren für das globale Handelssystem werden. Auch wenn ein Konflikt zwischen Handels- und Klimapolitik vermieden werden kann, werden sich die jeweiligen Wettbewerbspositionen dadurch verändern - hauptsächlich zuungunsten von Schwellenländern mit einem großen CO 2 - Fußabdruck. 14 Die Klimapolitik kann geopolitische Auswirkungen haben, was wiederum die Unwägbarkeiten für die strategische Planung der deutschen Un ternehmen im Export- (und Import-)Sektor erhöht. Globale Technologiestandards, ein freier Datenhandel und ein supranationales regulatorisches Rahmenwerk in der Klimapolitik (globaler Korridor für den CO 2 - Preis) bleiben wohl Wunschdenken. Diese beide Achsen betreffenden Treiber diskutieren wir im nächsten Abschnitt, in dem es um die y-Achse geht. Die China-USA-Entkopplung wird sich in gewissem Umfang fortsetzen. Es gibt zwar keine Anzeichen dafür, dass die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit als „Waffe" eingesetzt wird. Die USA werden jedoch weiterhin gezielte Exportbe schränkungen vornehmen und einzelne chinesische Unternehmen auf die schwarze Liste setzen (FAZ, 11. Januar). China wird seinerseits weiterhin auf selektive/konditionale „Kopplung" setzen, und zwar in jenen Sektoren, in denen es die Technologie oder den Wettbewerb benötigt (Grafik 25). Für europäische bzw. deutsche Unternehmen könnten daher zusätzliche Lieferkettenrisiken (für essenzielle Vorprodukte) entstehen. Zudem müssen sie sich eventuell der digi talen Entkopplung bezüglich Data Governance, Standards und technischer Aus rüstung stellen - was bedeutet, dass Exporteure und Anleger auf doppelte Sys teme oder eine flexible Architektur zurückgreifen müssen. 15 Zuspruch für populistische Parteien schwindet in Deutschland - aber nicht über all. Die Fähigkeit der EU bzw. Deutschlands, die multilaterale Weltordnung aktiv zu schützen oder eine zweitbeste Lösung voranzutreiben, könnte abnehmen, wenn der Populismus auf nationaler Ebene zunimmt. Aktuellen Umfragen zu folge scheint die Zahl der Menschen, die internationale Zusammenarbeit als 13 PIIE, Conference Statement von Sabine Weyand, Februar 2021. 14 BCG, How an EU Carbon Border Tax could jolt world trade, 2020. 15 Merics/EU Chamber of Commerce in China, Decoupling-Severed Ties and Patchwork Globalisa tion, 2021. 0 100 200 300 400 500 600 0 10 20 30 40 50 60 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 Beitritt zu einem regionalen Handelsabkommen Notifikation bzgl. Dienstleistungen Notifikation bzgl. Güter Kumulierte Anzahl von RTA-Notifikationen in Kraft Kumulierte Anzahl regionaler Handelsabkommen in Kraft Zahl pro Jahr Kumulierte Zahl Quelle: WTO Anm.: 2020 betrafen die meisten Notifikationen bilaterale Handelsabkommen mit Großbritannien Steigende Zahl regionaler Handels abkommen - allerdings durch Post Brexit-Abkommen verzerrt 24 0 2 04 06 08 0 Fahrzeuge mit alternativem Antrieb High-Tech Schiffsbauteile Anlagen für neue und erneuerbare Energien Industrieroboter Hoch leistungsfähige medizinische Geräte Große Traktoren und Erntemaschinen Mobiltelefonchips Großraumflugzeuge 2020 2025 Made in China 2025 25 Quelle: MERCIS Avisierter inländischer Marktanteil in % Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 12 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Nullsummenspiel ansieht und von der EU Schutz gegen (vermuteten) unfairen Wettbewerb aus dem Ausland erwartet, leicht zu sinken. Wenn in Frankreich demnächst gewählt wird, könnte Präsident Macron von Marine Le Pen unter Druck gesetzt werden, das Konzept eines „schützenden Europas" stärker in den Vordergrund zu rücken. Verlust der Innovationsführerschaft, aber weiterhin stark im Tech nologieeinsatz: Leichte Aufwärtsbewegung entlang der y-Achse Positive Entwicklungen Steigende und etwas breiter gestreute Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Das Verarbeitende Gewerbe bleibt der wichtigste Innovationstreiber. Dank die ses Sektors ist die Forschungs- und Entwicklungsintensität in Deutschland hö her als in den anderen EU-Ländern, den USA oder China. Allerdings konzentrie ren sich die F&E-Ausgaben großer Unternehmen vor allem auf die Automobilin dustrie (Grafik 27). Bei KMUs liegt der Fokus der Ausgaben dagegen auf Ma schinenbau, Elektrotechnik und Pharmazie. Bei Zukunftstechnologien (Halblei ter, Nanotechnologie oder synthetische Biologie) hat Deutschland im vergange nen Jahrzehnt an Boden verloren (Grafik 28). Positiv ist festzuhalten, dass die staatlichen F&E -Ausgaben gezielter auf disruptive Innovationen ausgerichtet werden (zu nennen ist z.B. die im Jahr 2019 nach dem Vorbild der US-DARPA eingerichtete Bundesagentur für Sprunginnovatione n). Klimavorschriften entscheidend für Fortsetzung der Erfolgsgeschichte im Be reich grüne Technologien. Deutschland dürfte seine Technologieführerschaft in zentralen Bereichen beibehalten und ist für den Export wettbewerbsfähiger Pro dukte gut positioniert. Strikte Klima- und Umweltschutzvorgaben sowie Subven tionen haben dazu beigetragen, dass sich Unternehmen mit einem Fokus auf traditionelle grüne Technologien etablieren konnten. 16 Gleichzeitig wurde die In novation bei neuen grünen Technologien vorangetrieben (z.B. Elektromobilität durch CO 2 -Obergrenzen für Pkw). Allerdings ist unklar, wie sich das regulatori sche Rahmenwerk in wichtigen Exportmärkten künftig entwickeln wird. Dabei geht es vor allem um Subventionen (z.B. für erneuerbare Energien oder Elektro autos), Umweltvorgaben (z.B. Verbote oder Quoten für bestimmte Produkte) und industriepolitische Initiativen (z.B. die Initiative Made in China 2025). Grüne Technologie aus Deutschland dürfte vor allem von Importländern nachgefragt werden, die sich ein striktes regulatorisches Rahmenwerk leisten wollen und können. Insofern ist es von großer Bedeutung, wie sich der rechtliche Rahmen in wichtigen Exportmärkten entwickelt. Das Konzept Industrie 4.0 wurde im Jahr 2010 in Deutschland entwickelt - und wird zunehmend umgesetzt. Deutsche Unternehmen haben begonnen, die ent sprechenden Technologien in ihre industriellen Produktionsverfahren und ihre Produkte einzubinden (z.B. miteinander kommunizierende Maschinen, Einzelan fertigungen, Distanzwartung, vernetztes Fahren u.v.a.). Auch künftig wird es vor allem um die beschleunigte Anwendung solcher Technologien gehen, während die Technologieführerschaft in Sachen Software unerreichbar bleibt. Gleichzei tig werden beim Einsatz digitaler Zwillinge im Produktionsprozess Fortschritte erzielt (im September 2020 haben 20 deutsche Unternehmen die Industrial Digi tal Twin Association gegründet). Digitale Zwillinge ermöglichen digitales Design, virtuelle Forschung und Entwicklung und vollständige Kontrolle über die Ferti gung in Echtzeit. 16 Filtersysteme für Luft- und Wasserverschmutzung, Wassertechnologie, Energieeffizienz, Teile für erneuerbare Energien, Abwasserklärungs- und Abfallentsorgungstechnologien usw. Zentrale Treiber (Innovations-Achse) 26 13 13 49 72 55 38 26 21 8 3 5 13 7 15 4 14 18 13 34 10 7 3 10 12 6 11 3 10 11 8 35 21 5 11 15 0 50 100 Fahrzeuge und Fahrzeugteile (EUR 133 Mrd.) Elektronik und elektronische Ausrüstung (69) Pharmazeutik & Biotechnologie (EUR 167 Mrd.) Software & Computer dienstleistungen (143) Technologie-Hardware & Ausrüstung (140) Gesamte Industrie (EUR 904 Mrd.) US JP CN DE Restliche EU Rest der Welt Alles auf eine Karte: F&E-Ausgaben konzentriert auf die Automobilindustrie 27 F&E-Investitionen der 2.500 größten Unternehmen % der Summe innerhalb einer Branche Quelle: Europäische Kommission, Europäischer Innovationsanzeiger 2020 0 10 20 30 40 50 60 2000 2010 2019 DE CN JP US* Quelle: Bertelsmann Stiftung, 2019, Weltklassepatente in Zukunftstechnologien Kumulierte Zahl der Bereiche, in denen das Land zu den Top-3 im Patentranking gehört (58 Technolog.) Anm.: *Für USA: Top 1-Patentrang Verlust der Technologieführerschaft 28 - Umfang und Allokation von F&E -Ausgaben - Klimavorschriften (national und international) - Industriepolitische Initiativen (national und in ternational) - Europäische Datenräume - Hoheit über industrielle Daten / digitale Zwillinge - Globale Technologiestandards als DIN-Normen des 21. Jahrhunderts - Kartellrechtliche Maßnahmen in den USA/der EU (große Technologiekonzerne) - Fähigkeit, globale Talente zu gewinnen Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 13 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Negative Entwicklungen Deutschland fällt bei KI und Big Data zurück. Im Wettlauf um die KI Technologieführerschaft werden Deutschland (und die EU) kaum noch zu den USA und China aufschließen können. Insbesondere hapert es bei der Umset zung von KI-Grundlagenforschung in tragfähige Geschäftsmodelle und Anwen dungen (EU Monitor, 18. März 2020). Bei KI und Big Data handelt es sich je doch um die wichtigsten branchenübergreifenden Schlüsseltechnologien. Was bedeutet dies also für das deutsche Verarbeitende Gewerbe? Nachdem deut sche/europäische Unternehmen das Rennen um die Hoheit und Verwertung von Konsumentendaten verloren haben, lauten nun die beiden zentralen Fragen: (i) Wer besitzt zukünftig die Hoheit über die Industriedaten und die Instrumente, um sie zu analysieren? (ii) Wer setzt Standards und legt Terminologien fest, die vergleichbar sind mit den DIN-Normen im 19. Jahrhundert? Der Zugang zu Big Data/digitalen Zwillingen und das Wissen, wie man aus der Nutzung die größten Vorteile zieht, sind essenziell für die künftige Gewinnerzielung. Wenn es der EU also gelingt, einen gemeinsamen europäischen Datenraum für Sektoren wie die industrielle Fertigung (oder Mobilität) zu schaffen, sind deutsche Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes besser dafür gerüstet, um von den erforderlichen Skaleneffekten zu profitieren. Anpassung der Qualifikation der Arbeitnehmer erfolgt zu langsam. Bildung und Gewinnung von globalen Talenten tragen entscheidend zur Innovation und zur Anwendung von Zukunftstechnologien bei. Der Mangel an MINT-, IKT- und Da tenspezialisten verlangsamt den technologischen Wandel bereits, vor allem beim Einsatz moderner IKT-Instrumente (Grafik 30). Der Anteil von IKT Spezialisten an der gesamten Erwerbsbevölkerung ist in Deutschland langsa mer gewachsen als in anderen europäischen Ländern. 17 Sneak-Preview Deutschland 2030: Vier Handlungsstränge im An gebot Im vorangegangenen Kapitel haben wir die beiden aus unserer Sicht zentralen Bestimmungsgrößen für Deutschlands Zukunft diskutiert, deren künftige Ent wicklung ex ante unbekannt ist. Nun spannen wir die einander entgegengesetz ten Spezifizierungen zu einer 2-mal-2-Matrix auf (Grafik 31), die uns vier mögli che Szenarien aufzeigt. Wir haben bewusst eher extreme Spezifizierungen ge wählt, damit sich daraus klar unterscheidbare Szenarien ergeben. So können unsere Leser wichtige Implikationen leichter erfassen. High-Tech Made in Germany: Umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsin vestitionen machen sich bezahlt. Deutschland (und die EU) übernehmen die Technologieführerschaft in den Bereichen grüne Technologie, smarte Robotik und IoT. Durch die zunehmende Verbreitung und Nutzung digitaler Technolo gien (nicht zuletzt durch KMUs und im öffentlichen Sektor) und die entspre chende Qualifizierung der Erwerbsbevölkerung ist Deutschlands Potenzial wachstum angestiegen. Der Multilateralismus wurde erfolgreich wiederbelebt, was zur Konvergenz globaler Technologiestandards, einem freien Datenverkehr und einem supranationalen regulatorischen Rahmenwerk in der Klimapolitik (Entwicklung eines globalen Korridors für CO 2 -Preise) führt. Altbackener Exportmeister - Technologieführerschaft rückt weiter in die Ferne: Deutschland und die EU operieren in einer gestärkten und erneuerten Welt- ordnung, die auch die Bereiche Digitales und Ökologie umfasst. Das Regulie rungstempo in Sachen Klimaschutz ist global in etwa gleich, die WTO ist refor miert und ihre Funktionsweise wurde verbessert. Da es jedoch zu Fehlallokatio nen bei den Innovationsinvestitionen gekommen ist (z.B. Mangel an Integration 17 CWS/DZHW/SOFI, Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähig keit Deutschlands 2021. 0 10 20 30 40 50 US CN EU Entwicklung Talente Research Hardware Umsetzung Daten Quelle: Center for Data Innovation, Januar 2021 Gewichtete Scores, 100 = Gesamtscore USA liegen im globalen KI-Wettlauf deutlich vorn 29 0 20 40 60 80 100 Breitband Website E-Einkauf E-Verkauf CRM ERP Soziale Medien Cloud Computing Schnelles Breitband Big-Data-Analysen Basis Prozessbezogen Fortgeschritten Deutschland OECD Am besten abschneidendes Land Quelle: OECD ICT Access and Usage by Businesses % aller Unternehmen, die moderne IKT-Instrumente und -Aktivitäten einsetzen; 2019 bzw. letzte verfügbare Daten Anm.: Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten, ohne Finanzbranche. ERP steht für Enterprise Resource Planning, CRM für Customer Relationship Management; schnelles Breitband als Anschlüsse mit über 100 Mbit/s Deutsche Unternehmen bei Nutzung moderner IKT-Instrumente im Rückstand 30 Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 14 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    digitaler Dienstleistungen in Ausrüstungsgüter), hinkt Deutschland bei der digita len Transformation hinterher. Die Kooperation zwischen deutschen Industrie konzernen und US-Technologiegiganten stellt sicher, dass digitale Technolo gien oder KI-Lösungen in traditionelle Investitionsgüter eingebunden werden - allerdings auf Kosten der deutschen Gewinnspannen und der Wertschöpfung der deutschen Industrie. Allein im grünen Technologieparadies. Deutschland/die EU haben die Technolo gieführerschaft in Sachen grüner Technologie größtenteils verteidigt und ver stärken ihr Streben nach strategischer Autonomie. Die USA-China-Entkopplung in Sachen Standards, Data Governance und essenzieller Vorprodukte nimmt zu. Da ökonomische Abhängigkeiten zunehmend als Druckmittel eingesetzt wer den, werden kontinentale Wertschöpfungsketten aktiv forciert. Zunehmende ta rifäre und nicht-tarifäre Handelshindernisse führen zu einer immer stärkeren Marktfragmentierung. Global agierende deutsche Unternehmen verfolgen eine Lokalisierungsstrategie der Produktion im Ausland, welche den nationalen Re gulierungen und dortiger Nachfrage angepasst wird. Anschluss verpasst - technologischer Niedergang in einer fragmentierten Welt: Die liberale, regelbasierte Weltordnung erodiert weiter; sie wird von unilateralen Maßnahmen ausgehöhlt, die Deglobalisierung verstärkt sich, und die USA China-Entkopplung beschleunigt sich. Deutschland hat zu wenig für Forschung und Entwicklung ausgegeben und/oder in die falschen Technologien investiert. Große US-Technologiekonzerne dominieren nicht nur den B2C-, sondern auch den B2B-Markt, sodass das deutsche Verarbeitende Gewerbe langfristig die Kontrolle über seine Produkte verliert. Die Disruption des Verarbeitenden Ge werbes ist nicht aufzuhalten, weil große (US-)Technologiekonzerne immer brei tere und tiefere Kenntnisse sowohl über Produkte, Herstellungsverfahren und Kundenanforderungen (via digitale Zwillinge) erlangen. Ausblick: Stärken und Schwächen erkennen und „weise" Entschei dungen treffen! Bei den Bundestagswahlen im Herbst steht viel auf dem Spiel. Selbstzufrieden heit und eine nur reagierende Politik sind keine Option für die nächste Regie rung - das haben unsere SWOT-Analyse und die vier Szenarien gezeigt. Die Pandemie hat als Katalysator im Aufzeigen von Schwächen und der Verstär kung von Risiken gewirkt. Die künftige Entwicklung der internationalen Handels- und Investitionsordnung (waagerechte Achse) entzieht sich weitgehend der Sneak-Preview Deutschland 2030: Vier Handlungsstränge im Angebot 31 Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale 15 | 24. März 2021 Deutschland-Monitor    Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Akteure aus Deutschland - auf europäi scher Ebene gilt dies wahrscheinlich in geringerem Maße. Auf das Momentum auf der Innovations- und Technologieachse (vertikale Achse) hingegen können die deutsche Politik und Wirtschaft ganz klar Einfluss nehmen. Deutschland muss die verfügbaren Optionen nutzen, um das Land auf eine erfolgreiche Zu kunft vorzubereiten. Idealerweise gilt dies sowohl in einer stärker von wirtschaft lichem Nationalismus geprägten Welt als auch in einer Welt des wiederbelebten Multilateralismus. Nicht nur die Regierung, sondern auch die Unternehmen müs sen umfangreiche Reformanstrengungen unternehmen, damit Deutschland sei nen Platz im „High-Tech Made in Germany"-Szenario einnehmen kann. Dies er fordert unter anderem (i) eine sinnvolle Allokation privater und öffentlicher For schungs- und Entwicklungsinvestitionen, (ii) eine bessere Qualifizierung der Er werbsbevölkerung (MINT-Absolventen, Programmierkenntnisse), (iii) das Nut zen des Potenzials von Industriedaten und digitalen Zwillingen im Fertigungs prozess, und (iv) eine beschleunigte Durchdringung von branchenübergreifen den Technologien wie KI. Ansonsten könnte sich das „High-Tech Made in Ger many"-Szenario rasch als zu optimistisch entpuppen. Dies ist die Auftaktstudie unserer Publikationsreihe im Vorfeld der Bundestags wahlen. In den folgenden Publikationen werden wir die hier erwähnten wichtigen Politikbereiche näher beleuchten. In einer komplexen und interdependenten Welt können wichtige Politikbereiche jedoch nicht isoliert voneinander analysiert werden. Dementsprechend wird die neue Regierung einen ganzheitlichen Poli tikansatz verfolgen müssen. Dies kann nur mithilfe realistischer Szenarien ge schehen, in denen aufgezeigt wird, welche Entwicklungen Deutschland nicht be einflussen kann und bei welchen Parametern deutsche oder EU-Politiker (be trächtlichen) Handlungsspielraum haben. Marion Mühlberger (+49 69 910-31815, marion.muehlberger@db.com) Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Ursula Walther (ursula.walther@db.com) Beiträge von Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com)      In der Reihe „Deutschland-Monitor" greifen wir politische und strukturelle Themen mit großer Bedeutung für Deutschland auf. Darunter fallen die Kommentierung von Wahlen und politischen Weichenstellungen sowie Technologie- und Bran chenthemen, aber auch makroökonomische Themen, die über konjunkturelle Fragestellungen - die im Ausblick Deutsch land behandelt werden - hinausgehen. Deutschland-Monitor © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg ISSN (Print): 2511-1663 Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail ein tragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Deutschland in der nächsten Dekade: Ambitionen und Potenziale ............................................ 24. März 2021  Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2021 ff.: Hauspreiszyklus könnte im Jahr 2024 enden .................. 8. März 2021  Abbau des Konsumstaus wird im Sommer: zum Wachstumstreiber ..................................................... 3. März 2021  Zukunft des Automobilstandorts Deutschland: Detroit lässt grüßen .................................................... 19. Januar 2021  Homeoffice - gekommen um zu bleiben ............... 17. Dezember 2020  Die COVID-19-Pandemie: Wahrnehmung, Verwirrung und Verschwörungstheorien ............... 15. Dezember 2020  Corona-Überbrückungshilfen: Wumms oder Wümms'chen? ................................ 23. November 2020 Press Quality.joboptions << /ASCII85EncodePages false /AllowTransparency false /AutoPositionEPSFiles true /AutoRotatePages /None /Binding /Left /CalGrayProfile (Dot Gain 20%) /CalRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CalCMYKProfile (U.S. Web Coated \050SWOP\051 v2) /sRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CannotEmbedFontPolicy /Error /CompatibilityLevel 1.4 /CompressObjects /Tags /CompressPages true /ConvertImagesToIndexed true /PassThroughJPEGImages true /CreateJobTicket false /DefaultRenderingIntent /Default /DetectBlends true /DetectCurves 0.0000 /ColorConversionStrategy /CMYK /DoThumbnails false /EmbedAllFonts true /EmbedOpenType false /ParseICCProfilesInComments true /EmbedJobOptions true /DSCReportingLevel 0 /EmitDSCWarnings false /EndPage -1 /ImageMemory 1048576 /LockDistillerParams false /MaxSubsetPct 100 /Optimize true /OPM 1 /ParseDSCComments true /ParseDSCCommentsForDocInfo true /PreserveCopyPage true /PreserveDICMYKValues true /PreserveEPSInfo true /PreserveFlatness true 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