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25. Februar 2013
Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in Deutschland haben ihre durchschnittliche Eigenkapitalquote seit 1997 deutlich von 6% auf 22% gesteigert, nicht zuletzt als Reaktion auf höhere Anforderungen bei der Kreditvergabe durch Banken. Gleichzeitig sank die Abhängigkeit der KMUs von Bankkrediten, deren Anteil an der Bilanzsumme im selben Zeitraum von 37% auf nur noch 26% fiel. Weiterhin große Unterschiede bestehen zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften. [mehr]
Deutscher Mittelstand finanziell auf festerem Grund Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Deutscher Mittelstand finanziell auf festerem Grund 25. Februar 2013 Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in Deutschland haben ihre durchschnittliche Eigenkapitalquote seit 1997 deutlich von 6% auf 22% gesteigert, nicht zuletzt als Reaktion auf höhere Anforderungen bei der Kreditvergabe durch Banken. Gleichzeitig sank die Abhängigkeit der KMUs von Bankkrediten, deren Anteil an der Bilanzsumme im selben Zeitraum von 37% auf nur noch 26% fiel. Weiterhin große Unterschiede bestehen zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften. Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) in Deutschland haben ihre Finanzierungsstruktur in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten einem grundlegenden Wandel unterzogen. Am stärksten war dies bei der Eigenkapitalausstattung zu spüren: Der Anteil von Eigenmitteln an der Bilanzsumme legte zwischen 1997 und 2010 von durchschnittlich gerade einmal 6% auf mehr als 22% zu. Die Kapitalquote von großen Unternehmen, d.h. solchen mit mehr als EUR 50 Mio. Jahresumsatz, erhöhte sich dagegen im selben Zeitraum nur leicht von 25% auf 29%. Ein wichtiger Grund für die erhebliche Verbesserung der Kapitalniveaus gerade bei KMUs dürften die in den letzten Jahren gestiegenen Anforderungen der Banken sein: Für die Banken wurde mit der Einführung von Basel II die notwendige Kapitalunterlegung von Unternehmenskrediten stärker nach Risiken differenziert, d.h. Kredite an bonitätsschwächere Schuldner verlangen seitdem mehr Eigenkapital und sind somit teurer. Für Unternehmen wiederum entstand dadurch ein Anreiz, ihre Bilanzen zu stärken, weil sie auf diese Weise ihre Finanzierungskosten reduzieren konnten. Allerdings dürfte die Zunahme der berichteten Eigenkapitalquote bei KMUs die tatsächliche Stärkung der finanziellen Robustheit dieser Unternehmen überzeichnen. So wiesen viele Kleinst- und Einzelunternehmen in den 1990er Jahren negative Kapitalquoten auf, weil ein Teil der Vermögenswerte rechtlich dem Eigentümer anstelle des Unternehmens zugeordnet war. Die in den Folgejahren eingetretene deutliche Verbesserung der offiziellen Eigenkapitalquote wurde jedoch teilweise schlicht durch eine andere Verteilung zwischen dem Privatvermögen des Unternehmers und den Vermögenspositionen des Unternehmens erreicht – was die reale Wirtschaftskraft des Unternehmens in der sachlich gebotenen Gesamtschau von Unternehmen und Eigentümer freilich unverändert ließ. Aktueller Kommentar Seite 2 von 3 Eines ist allerdings die ganze Zeit über auch in den Statistiken gleich geblieben: der große Abstand zwischen den Kapitalquoten von Kapital- und  Personengesellschaften. GmbHs und AGs (mit einer größeren Bandbreite bei den GmbHs) kommen mit 31% unverändert auf ein rund doppelt so hohes Eigenkapitalniveau wie der Durchschnitt der OHGs, KGs und GbRs mit nur etwa 15%. Das mag zum einen daran liegen, dass mehr Kapitalgesellschaften (v.a. börsennotierte Unternehmen) im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit stehen – auch weil es hier eine deutlich größere Zahl größerer Unternehmen gibt. Zum anderen verfügen Kapitalgesellschaften über mehr Möglichkeiten zur Stärkung ihrer Kapitalbasis, da sie üblicherweise einen breiteren Eigentümerkreis haben und – als Aktiengesellschaften – bei Bedarf eben Kapital über den Aktienmarkt aufnehmen können. Wie wird sich die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen und insbesondere von KMUs in den nächsten Jahren weiterentwickeln? Vieles spricht dafür, dass sich der Anstieg vorerst durchaus noch fortsetzt. Allerdings zeigen sich auch gewisse Sättigungstendenzen bei einer Quote von mehr als 30-35% – über alle Wirtschaftszweige hinweg, aber mit deutlichen Unterschieden. Für eine weitere Zunahme spricht u.a. die derzeit gute Ertragslage vieler Unternehmen, dagegen sowohl das extrem niedrige Zinsniveau, welches zu einer stärkeren Verschuldung einlädt, als auch die abnehmende Bedeutung von Bankkrediten für die Unternehmensfinanzierung: Verbindlichkeiten bei Banken machen aktuell bei KMUs nur noch 26% und bei Großunternehmen ganze 6,8% der Bilanzsumme aus, verglichen mit 37% bzw. 8,7% im Jahr 1997. Diese geringere Abhängigkeit von Kreditinstituten senkt auch den Druck, mittels einer hohen Eigenkapitalquote eine gute Bonität signalisieren zu müssen.     Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...       ...mehr zum Research-Bereich Banken, Finanzmärkte und Regulierung Aktuelle Kommentare - Archiv   Jan Schildbach (+49) 69 910-31717 Aktueller Kommentar Seite 3 von 3 © Copyright 2013. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. 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