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21. Februar 2019
Robo-Advice ist eine neue Art der Vermögensverwaltung. Das verwaltete Vermögen von Robo-Advisors in Deutschland wächst schnell. Allerdings ist der Markt immer stärker konzentriert und der Wettbewerb nimmt zu. Robo-Portfolios haben in letzter Zeit eine relativ robuste Performance gezeigt. Hohe Kosten von Robo-Advice in Deutschland belasten jedoch die Renditen und können potenzielle Kunden abschrecken. Aktuell handelt es sich bei den Kunden eher um Männer mittleren Alters mit höherem Einkommen als um Millennials. [mehr]
Deutschland-Monitor * Der Autor dankt Steffen Janssen für seine wertvolle Unterstützung bei der Recherche. Original in englischer Sprache: 12. Februar 2019 Robo-Advice ist eine neue Art der Vermögensverwaltung. Das verwaltete Ver- mögen von Robo-Advisors in Deutschland wächst schnell. Allerdings ist der Markt immer stärker konzentriert und der Wettbewerb nimmt zu. Robo-Portfolios haben in letzter Zeit eine relativ robuste Performance gezeigt. Hohe Kosten von Robo-Advice in Deutschland belasten jedoch die Renditen und können potenzielle Kunden abschrecken. Aktuell handelt es sich bei den Kunden eher um Männer mittleren Alters mit höherem Einkommen als um Mil- lennials. Fortschritte in der Finanztechnologie (FinTech) ermöglichen mittlerweile die voll- ständige Automatisierung vieler Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen – von der Neukunden-Aufnahme bis zum Portfolio-Management und dem Umschich- ten dieser Portfolios. Die Kombination dieser automatisierten Dienstleistungen durch sogenannte Robo-Advisors wird häufig als echte Innovation in der Vermö- gensverwaltung mit erheblichem Wachstumspotenzial gesehen. Dementspre- chend zeigen sowohl FinTech-Start-ups als auch traditionelle Banken und etab- lierte Vermögensverwalter zunehmend Interesse daran, Robo-Advisory-Dienst- leistungen anzubieten. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick darauf zu wer- fen. 1 Während der letzten drei Jahre hat Robo-Advice in Europa einen raschen Auf- schwung verzeichnet. Ende 2018 belief sich das verwaltete Vermögen auf ca. EUR 14 Mrd. mit etwa 900.000 Kunden. Das Marktvolumen und der Kunden- stamm von Robo-Advisory-Dienstleistungen haben sich damit in den letzten zwölf Monaten ungefähr verdoppelt. In Europa ist Großbritannien der größte Robo-Advisor-Markt, gefolgt von Deutschland. Ähnlich wie der gesamteuropäi- sche Markt hat sich auch der deutsche Markt schnell entwickelt. Nach dem Start des ersten Robo-Advice-Anbieters hierzulande im Jahr 2013 stieg deren Zahl innerhalb weniger Jahre auf 40. Durch Übernahmen und Konsolidierung ging sie in jüngster Zeit allerdings wieder auf ungefähr 25 zurück. Das verwaltete Vermögen der deutschen Robo-Advisors erhöhte sich von nur EUR 0,3 Mrd. im Jahr 2016 auf EUR 3,8 Mrd. im Jahr 2018 – eine Steigerung um das Zehnfache. Das entspricht 27% des gesamten europäischen Markts. Dieses starke Wachs- tum wurde von wenigen großen Akteuren getragen. Allein Scalable Capital ver- waltet über EUR 1 Mrd. und hat damit einen Marktanteil von ungefähr einem Drittel. Nach den Start-ups fingen die Banken ebenfalls damit an, ihre Robo-Ad- visory-Dienste auszuweiten – entweder mit eigenen Angeboten oder durch die Übernahme bestehender Start-ups. Die Tatsache, dass institutionelle Akteure mit großen und etablierten Kundennetzwerken in einen bereits konzentrierten 1 Eine detaillierte Analyse findet sich bei Kaya (2017). Robo-Advice – Eine echte Innovation in der Vermögensverwaltung. Aktueller Kommentar. Autor Orçun Kaya* +49 69 910-31732 orcun.kaya@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 21. Februar 2019 Deutsche Robo-Advisors Schnelles Wachstum, solide Performance, hohe Kosten 0 3 6 9 12 15 2016 2017 2018 Restliches Europa Deutschland Quellen: Statista, Deutsche Bank Research Mrd. Euro Verwaltete Vermögen von Robo-Advisors 1 Deutsche Robo-Advisors 2 | 21. Februar 2019 Deutschland-Monitor Markt drängen, deutet darauf hin, dass dort der Wettbewerb zunimmt und das Umfeld insbesondere für kleine Start-ups herausfordernder wird. Solide Performance der Robo-Advisors Wie sehen die Anlagestrategien der Robo-Advisors aus und wie schneiden sie ab? Deutsche Robo-Advisors investieren, wie ihre internationalen Pendants, vor allem in börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs). Sie bil- den Portfolios bestehend aus Aktien- und Anleihen-ETFs, deren Risiko/Rendite- Parameter oder Portfoliogewichte während der Neukunden-Aufnahme festge- legt werden, wenn die potenziellen Kunden Online-Fragebögen ausfüllen. Ein typisches Portfolio enthält geringfügig mehr Aktien- als Anleihen-ETFs. Mit ei- nem derartigen Portfolio erzielten deutsche Robo-Advisors 2017 eine Durch- schnittsrendite von etwa 4% nach Gebühren (mangels Daten ist für frühere Zeit- räume keine Analyse möglich). Im Vergleich dazu erzielten aktiv gemanagte Fonds mit einem ähnlichen Risiko/Rendite-Profil eine durchschnittliche Rendite von 3% nach Gebühren. Unter schwierigeren Marktbedingungen erzielte ein Robo-Advisor-Portfolio im Jahr 2018 im Durchschnitt -5,5%, während der Wert eines typischen aktiv gemanagten Fonds sogar um 8,5% fiel. Obwohl aktiv ge- managte Fonds eine größere Bandbreite an Renditen erzielten und einige von ihnen bei Weitem besser abschneiden als der durchschnittliche Robo-Advisor, ist es nicht einfach, den „richtigen“ Fonds auszuwählen. Dies gilt vor allem des- halb, weil aktive Fonds oft keine konsistente relative Performance aufweisen und sie in einem Jahr besser, im nächsten Jahr dafür schlechter abschneiden. Als dritte Alternative können Investoren direkt und ohne großen Aufwand an ETF-Märkten selbst anlegen. Beispielsweise setzt sich ein hypothetisches Benchmark-Portfolio zu 50% aus globalen Aktien- und zu 50% aus globalen An- leihen-ETFs zusammen. Dieses ist relativ einfach zusammenzustellen und hätte 2017 eine Rendite von 8% erzielt. Im Jahr 2018 wäre die Performance ebenfalls negativ gewesen und die Rendite hätte bei fast -6% gelegen. Insgesamt waren die Renditen von Robo-Advisors in den letzten zwei Jahren im Durchschnitt hö- her als die von aktiv gemanagten Fonds, aber nicht zwingend höher als die von selbstverwalteten Portfolios. Wenn Robo-Advisors nicht eindeutig besser abschneiden, warum sollten Kun- den ihnen dann die Verwaltung ihres Finanzvermögens überlassen, statt selbst zu investieren? Zunächst einmal sparen sie natürlich die Zeit und Arbeit, sich um ihr Portfolio kümmern zu müssen. Aber noch wichtiger: Das Delegieren kann dabei helfen, bei der Geldanlage weniger Fehlentscheidungen zu treffen auf- grund von geringer finanzieller Bildung oder eines wegen Denkfehlern systema- tisch verzerrten Verhaltens. Beispielsweise widmen Einzelpersonen ihren Port- folios oft nur begrenzte Aufmerksamkeit und kümmern sich nicht aktiv um ihre Finanzen. Da es zu den Dienstleistungen der Robo-Advisors gehört, Portfolios umzuschichten, können sie das Problem der Untätigkeit von Privatinvestoren lö- sen. Außerdem gelingt es Einzelpersonen oftmals nicht, geografisch oder über Anlageklassen hinweg zu diversifizieren. Sie neigen dazu, in ETFs aus ihrem Heimatland oder ihrer Region zu investieren. Aufgrund von zu starkem Ver- trauen und Extrapolation überschätzen sie oft die Wahrscheinlichkeit günstiger Ereignisse und überschätzen systematisch die Korrelation zwischen bestimmten ETFs. Robo-Advisors verfolgen einen neutraleren Ansatz bei der regionalen Verteilung der Vermögenswerte und diversifizieren global, sodass der mögliche Home-Bias gesenkt wird. Außerdem aktualisieren sie Korrelationen fast in Echt- zeit und minimieren systematische Verzerrungen zugunsten von bestimmten ETFs. Robo-Advisors haben aber auch Nachteile. Weil es sie noch nicht lange gibt, konnten sie ihren Erfolg noch nicht über einen längeren Zeitraum unter Beweis stellen. Es ist besonders ungewiss, wie sie in Krisenzeiten reagieren, wenn die Renditen der Robo-Advisors und ihrer Bench- marks* Renditen 2017 Renditen 2018 Robo- Advisors 3,9% -5,5% Aktiv gemanagte Fonds 2,9% -8,5% ETF- Einzelinvestoren 8,4% -5,7% *jährliche Median-Rendite (nach Gebühren) der acht größten Robo-Advisors und Multi-Asset-Fonds in Deutschland Quellen: Brokervergleich.de, Deutsche Bank Research 2 Deutsche Robo-Advisors 3 | 21. Februar 2019 Deutschland-Monitor Volatilität hoch ist, die Korrelationen sich von denen unter „normalen“ Umstän- den unterscheiden und es einen allgemeinen Abwärtsdruck auf die Märkte gibt. Speziell für deutsche Robo-Advisors sind hohe Kosten für die Verwaltung der Kundengelder der wichtigste Nachteil. Da die Jahresgebühren im Median bei etwa 1% liegen (plus ETF-Kosten von etwa 0,25%), sind deutsche Robo-Advi- sors sehr viel teurer als ihre US-amerikanischen Pendants, deren Jahresgebüh- ren bei nur 0,3% liegen. Die hohen Kosten deutscher Robo-Advisors spiegeln offensichtlich die Fixkosten für den Aufbau einer solchen Plattform sowie die bislang recht begrenzten Skaleneffekte wider. Wenn das verwaltete Vermögen zunimmt, könnten die Gebühren sinken. Ein weiterer Nachteil ist die Tatsache, dass passives Investieren als Konzept seine Grenzen hat. Mit zunehmendem Alter und Vermögen dürften Kunden komplexere Anlagestrategien benötigen, die – per Definition – von ETFs und Robo-Advisors nicht erfüllt werden können. Mithilfe von maschinellem Lernen sowie Big Data könnten jedoch die Algorith- men der Robo-Advisors im Laufe der Zeit ausgefeilter werden und so besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Kunden sind normalerweise keine Millennials Wer sind bislang die Kunden der deutschen Robo-Advisors? Zu ihrem sozioöko- nomischen Hintergrund gibt es nur wenige Informationen. Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass sie im Schnitt 48 Jahre alt sind und damit überwiegend nicht zu den oft genannten Millennials zählen. Etwa neun von zehn Kunden von Robo-Advisors sind Männer mit einem mittleren Jahreseinkommen von über EUR 50.000. Ein typischer Kunde investiert jährlich zwischen EUR 1.000 und EUR 1.500 in seine Robo-Konten – eine ziemlich beträchtliche Summe. Aller- dings ist das Interesse an diesen Angeboten bislang überschaubar: Nur 4% der Deutschen haben laut einer Online-Umfrage schon einmal eine Robo-Advisor- Plattform genutzt (siehe Postbank Digitalstudie 2018) . Das verwaltete Vermö- gen der Robo-Advisors entspricht 3% des Volumens des deutschen ETF- Markts. Der Markt für Robo-Advisors scheint sich derzeit mehr auf der Anbieter- seite zu befinden – was allerdings nicht ungewöhnlich ist für einen jungen, sich gerade erst entwickelnden Markt. Insgesamt ist es mehreren Robo-Advisors gelungen, sich im deutschen Markt zu etablieren. Aber es liegt noch immer ein langer und steiniger Weg vor ihnen. Für Neueinsteiger wird es zunehmend schwieriger. Um profitabel zu sein, müs- sen alle Robo-Advisors – egal ob Start-ups, Banken oder Vermögensverwalter – ihr verwaltetes Vermögen innerhalb von ein paar Jahren deutlich steigern. Auf der Nachfrageseite zeigen die Deutschen bislang mäßiges Interesse an Robo- Advisor-Leistungen. Allerdings bekunden 75% Interesse an Anlageberatung. Wenn Robo-Advisors ihr Angebot über die reine Finanzanlage hinaus um echte Beratungselemente erweitern könnten, dürfte das ihre Attraktivität steigern. Die Deutschen nutzen außerdem immer häufiger Finanztechnologie; 20% haben eine Finanz-App auf ihrem Smartphone. Das bedeutet, dass deutsche Robo-Ad- visors über erhebliches Wachstumspotenzial verfügen, wenn sie diese technolo- gieaffinen und an Beratung interessierten Kunden von sich überzeugen können. Orçun Kaya (+49 69 910-31732, orcun.kaya@db.com) Kunden der deutschen Robo-Advisors 3 Durchschnittsalter 48 Jahre Geschlecht 90% männlich Median-Einkommen EUR 54.000 p.a. Robo-Investitionen EUR 1.000 - 1.500 p.a. Quelle: Deutsche Bank Research In der Reihe „Deutschland-Monitor“ greifen wir politische und strukturelle Themen mit großer Bedeutung für Deutschland auf. Darunter fallen die Kommentierung von Wahlen und politischen Weichenstellungen sowie Technologie- und Bran- chenthemen, aber auch makroökonomische Themen, die über konjunkturelle Fragestellungen – die im Ausblick Deutsch- land behandelt werden – hinausgehen. Deutschland-Monitor © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge- schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. 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Oktober 2018 * Wachsender Handlungsdruck bei Unternehmenssteuern ..................................... 6. September 2018 * Digitalisierungstrend begünstigt Bildung für alle: Mehr Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Stabilität .... 29. Mai 2018 * Deutscher Häuser- und Wohnungsmarkt 2018: Ausblick auf Preise und Mieten in den Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart ............. 15. Januar 2018
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