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  4. Ausblick Deutschland
12. Februar 2020
Deutsche Konjunktur – immer anfälliger. Aufgrund der sehr schwachen Dezember-Daten erscheint ein leichter BIP-Rückgang in Q4 2019 wahrscheinlich. Zudem stellt das Coronavirus ein Risiko für die globale Erholung dar, da die Hoffnungen auf einer Belebung der chinesischen Wirtschaft ruhen. Dieser Faktor dürfte auch das deutsche BIP-Wachstum in Q1 0,2%-Punkte kosten. Eine technische Rezession im Winterhalbjahr erscheint durchaus möglich. (Außerdem in dieser Ausgabe: Deutsche Staatsfinanzen, Arbeitsmarkt, Autokonjunktur, Berliner Wohnungsmarkt, regionale Unterschiede im Bankgeschäft, (politischer) Sturm über Deutschland) [mehr]
Microsoft Word - AD_2020.01_SA.docx Ausblick Deutschland Deutsche Konjunktur – immer anfälliger. Aufgrund der sehr schwachen Dezem- ber-Daten erscheint ein leichter BIP-Rückgang in Q4 2019 wahrscheinlich. Zu- dem stellt das Coronavirus ein Risiko für die globale Erholung dar, da die Hoff- nungen auf einer Belebung der chinesischen Wirtschaft ruhen. Dieser Faktor dürfte auch das deutsche BIP-Wachstum in Q1 0,2%-Punkte kosten. Eine tech- nische Rezession im Winterhalbjahr erscheint durchaus möglich.   Staatsfinanzen: Rückschau auf 2019 und Ausblick für 2020/21. Trotz des über- raschend hohen Überschusses von 1,5% des BIP erwarten wir für 2020/21 eine deutliche Verschlechterung der öffentlichen Haushaltslage. Der Überschuss im Bundeshaushalt 2019 hat einen Richtungsstreit über die Mittelverwendung des zusätzlichen Finanzspielraumes ausgelöst. Die Steuerpolitik dürfte bei der nächsten Bundestagswahl 2021 ein zentrales Wahlkampfthema werden.   Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassende Dynamik. Obwohl der Arbeitsmarkt noch immer gut dasteht, hat die Wirtschaftsflaute ihre Spuren hinterlassen. Bislang ist die Beschäftigung jedoch fast ausschließlich bei Zeitarbeitsfirmen gesunken. Frühindikatoren deuten auf einen anhaltend stabilen Arbeitsmarkt hin. Deutsche Autokonjunktur: Gemischte Signale. Die deutsche Automobilindustrie sendet allmählich positive Signale aus. Die Kapazitätsauslastung nahm zu Be- ginn von Q1 2020 deutlich zu. Auch Produktions- und Exporterwartungen zogen leicht an, was an der moderaten Erholung der globalen Autonachfrage liegen könnte. Dennoch dürfte die Dynamik der Branche auch 2020 gering bleiben. Berliner Wohnungsmarkt: Mietendeckel dürfte wirtschaftlichen Superzyklus und Immobilienzyklus für einige Jahre entkoppeln. Wenn der Mietendeckel verfas- sungskonform wäre, würde sich die Lage für die Investoren erheblich ändern. Aufgrund künftiger politischer Mehrheitsverhältnisse könnte die zunächst auf 5 Jahre befristete Regelung 2025 verlängert werden. Risikoaverse, kurzfristig ori- entierte Investoren haben Anreize, den Berliner Markt zu verlassen. Für langfris- tig orientierte Investoren dürfte Berlin weiterhin ein attraktiver Markt bleiben. Private Haushalte in Deutschland. Regionale Unterschiede im Bankgeschäft. Im Kredit- und Einlagengeschäft mit Privatkunden gibt es beträchtliche Unter- schiede zwischen den Bundesländern. Das Pro-Kopf-Kreditvolumen in Ost- deutschland ist 30 Jahre nach dem Mauerfall deutlich niedriger als in West- deutschland, wo es wiederum im Norden niedriger ist als im Süden. Sparkassen kommen flächendeckend auf einen Marktanteil von 25-35%, dagegen sind die Genossenschaftsbanken im Süden/Westen viel stärker als im Norden/Osten. (Politischer) Sturm über Deutschland – CDU-Chefin AKK kündigt Rücktritt an . Nachfolge und Übergabe an einen neuen Parteivorsitzenden sollen ab Som- mer/Herbst geregelt werden. Derzeit herrscht große Unsicherheit über den Pro- zess und mögliche Nachfolger. Es scheint absehbar, dass der oder die nächste CDU-Vorsitzende Kanzlerkandidat bei den Bundestagswahlen 2021 sein wird. Autoren Stefan Schneider und Team Economics Research, Büro Frankfurt Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen .................................................... 2 Deutsche Konjunktur – immer anfälliger ..... 3 Staatsfinanzen: Rückschau auf 2019 und Ausblick für 2020/21 .................................... 7 Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassende Dynamik .................................................... 15 Deutsche Autokonjunktur: Gemischte Signale ...................................................... 19 Berliner Wohnungsmarkt: Mietendeckel dürfte wirtschaftlichen Superzyklus und Immobilienzyklus für einige Jahre entkoppeln ................................................. 23 Private Haushalte in Deutschland. Regio- nale Unterschiede im Bankgeschäft .......... 24 (Politischer) Sturm über Deutschland – CDU-Chefin AKK kündigt Rücktritt an ....... 26 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .............................................. 30 Datenkalender ........................................... 31 Finanzmarktprognosen ............................. 32 Datenmonitor ............................................. 33 Original in englischer Sprache: 10.02.2020 12. Februar 2020 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 2 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P Euroland 1,2 0,8 1,2 1,2 1,0 1,2 2,5 2,1 1,8 -0,9 -1,1 -1,2 Deutschland 0,6 0,7 1,1 1,4 1,0 1,4 7,8 6,7 6,1 1,5 0,5 0,0 Frankreich 1,2 1,2 1,2 1,3 1,3 1,2 -0,8 -0,2 -0,2 -3,2 -2,4 -2,3 Italien 0,2 0,5 0,6 0,6 0,7 1,0 3,1 2,7 2,7 -2,2 -2,4 -2,3 Spanien 2,0 1,6 1,6 0,8 1,0 1,4 0,6 0,4 0,3 -2,1 -2,4 -2,2 Niederlande 1,7 1,6 1,6 2,7 1,8 1,7 10,0 9,8 9,6 0,7 0,2 0,0 Belgien 1,3 1,1 1,3 1,2 1,3 1,6 -1,0 -1,0 -1,0 -1,5 -2,0 -2,0 Österreich 1,5 1,4 1,4 1,5 1,6 1,6 2,0 1,8 1,8 0,4 0,2 0,3 Finnland 1,6 1,2 1,3 1,1 1,1 1,1 -1,5 -1,5 -1,0 -0,9 -1,1 -1,1 Griechenland 1,4 1,7 2,0 0,5 0,3 1,7 -2,5 -2,0 -1,5 1,2 0,5 0,4 Portugal 1,9 1,5 1,6 0,3 0,5 1,0 -0,2 -0,5 -0,7 -0,3 -0,2 0,2 Irland 5,4 3,0 3,5 0,9 0,9 0,8 3,0 4,0 5,0 0,4 0,0 0,2 Großbritannien 1,2 1,0 1,4 1,8 1,4 1,7 -5,3 -4,7 -4,3 -2,2 -2,8 -2,6 Dänemark 1,9 1,5 1,5 0,7 1,2 1,3 7,0 6,9 6,9 2,0 0,5 0,0 Norwegen 1,2 1,9 1,8 2,2 1,9 2,0 6,8 6,0 6,4 7,5 7,3 7,3 Schweden 1,1 1,1 1,5 1,7 1,6 1,7 3,7 4,0 4,4 0,4 0,1 0,2 Schweiz 0,9 1,9 1,5 0,4 0,5 0,9 10,1 10,2 10,3 1,1 1,1 0,9 Tschech. Rep. 2,5 2,3 2,7 2,8 2,8 2,4 0,9 0,7 0,9 0,8 0,4 0,3 Ungarn 5,0 3,5 3,5 3,4 3,8 3,4 -1,0 -0,8 -0,6 -1,7 -1,2 -1,0 Polen 4,0 3,8 3,6 2,3 3,8 3,5 -0,3 -0,7 -0,6 -1,0 -0,8 -1,1 USA 2,3 2,1 2,2 1,8 2,0 2,0 -2,7 -3,5 -3,5 -4,6 -4,6 -4,3 Japan 1,0 -0,1 1,2 0,5 0,5 0,7 3,5 3,8 4,2 -2,6 -2,8 -2,6 China 6,1 5,8 6,2 2,9 3,6 2,0 1,5 1,2 0,9 -4,5 -4,7 -4,0 Welt 3,1 3,1 3,6 3,0 3,2 2,8 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2020 2021 2018 2019 2020P 2021P Q1P Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,5 0,6 0,7 1,1 -0,1 0,1 0,4 0,3 0,1 0,2 0,3 0,3 Privater Konsum 1,3 1,6 1,2 1,0 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,3 0,3 0,3 Staatsausgaben 1,4 2,5 1,5 1,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,5 2,5 1,9 2,1 0,4 0,4 0,6 0,6 0,3 0,4 0,5 0,5 Ausrüstungen 4,4 0,4 -0,5 1,8 -0,2 0,1 0,5 0,5 0,0 0,3 0,4 0,5 Bau 2,5 3,8 3,7 2,7 0,8 0,7 0,7 0,7 0,6 0,6 0,6 0,6 Lager, %-Punkte 0,3 -0,9 -0,3 -0,1 0,0 0,1 0,0 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 Exporte 2,1 0,9 1,7 2,1 -0,1 0,2 0,9 0,7 0,4 0,4 0,4 0,4 Importe 3,6 1,9 2,9 2,6 0,7 0,7 0,7 0,7 0,6 0,6 0,6 0,6 Nettoexport, %-Punkte -0,4 -0,4 -0,4 -0,1 -0,3 -0,2 0,1 0,0 -0,1 -0,1 -0,1 -0,1 Konsumentenpreise* 1,7 1,4 1,0 1,4 Arbeitslosenquote, % 5,2 5,0 5,1 5,2 Industrieproduktion** 1,1 -4,7 -2,0 3,0 Budgetsaldo, % BIP 1,9 1,5 0,5 0,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 61,9 59,2 57,1 55,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,4 7,8 6,7 6,1 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 241,4 267,1 236 220 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 3 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Deutsche Konjunktur – immer anfälliger — Nach äußerst schwachen Dezember-Daten ist wohl mit einer leichten Kon- traktion des BIP in Q4 zu rechnen. — Die Januar-Umfragedaten sprachen für eine Wachstumsstabilisierung im ersten Quartal. Sie wurden jedoch erhoben, bevor das Auftreten des Coronavirus in China Schlagzeilen machte. — Das Coronavirus bringt beträchtliche Risiken für unsere Prognose einer Er- holung der Weltwirtschaft mit sich, da wir bis dato von einer Konjunkturbele- bung in China ausgingen. Dies gilt insbesondere für Deutschland, dessen Exporte sich nicht zuletzt aufgrund der schwachen Nachfrage aus China im Jahr 2019 verlangsamten. — Wir rechnen damit, dass das Coronavirus das BIP im ersten Quartal um 0,2%-Punkte dämpfen wird, sodass eine technische Rezession im Winter- halbjahr nunmehr zunehmend wahrscheinlich ist. Unser Mitte Dezember veröffentlichter Ausblick 2020 trug den Titel „Vorsicht, zerbrechlich!“ Sieben Wochen später und nach Ablauf des ersten Monats im Jahr 2020 scheint diese Beschreibung noch zutreffender zu sein. Zwar verbes- serten sich die Ergebnisse der Finanzmarktteilnehmer-Umfragen im Januar noch einmal deutlich und der Dax erreichte neue Höchststände. Im weiteren Verlauf brach er jedoch aufgrund der Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus um über 3% ein. Das Virus wirkte sich noch nicht auf die Ja- nuar-Ergebnisse der Unternehmensumfragen aus, weil diese vorher durchge- führt worden waren. Dennoch zeichneten diese Umfragen ein etwas weniger enthusiastisches Bild als der ZEW- oder der Sentix-Index, für die Finanzmarkt- teilnehmer befragt werden. Sie stützten allerdings unsere Prognose einer all- mählichen Konjunkturbelebung in Deutschland. BIP-Kontraktion in Q4 durchaus möglich Auch wenn sich die Stimmungsindikatoren ab dem Ende des dritten Quartals verbessert haben, legen die schwache Entwicklung der Industrieproduktion (-3,5% gg. Vm.), der Einzelhandelsumsätze (-3,3%) und der Auftragseingänge (-2,1%) im Dezember nahe, dass das BIP nach einem mageren Zuwachs in Q3 (+0,1%) in Q4 wieder geschrumpft sein könnte. Nach Angaben des Wirtschafts- ministeriums könnten die Dezember-Zahlen aus der Industrie u.a. auf die hohe Zahl von Brückentagen zurückzuführen sein. Außerdem werden die Daten für diesen Monat zuweilen deutlich korrigiert, weil die Unternehmen ihre Zahlen nach den Weihnachtsfeiertagen erst später veröffentlichen. Nichtsdestotrotz zeigt der Rückgang der Industrieproduktion um 1,9% in Q4 eindeutig, dass die Rezession in diesem Sektor bei Weitem noch nicht vorüber ist. -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 16 17 18 19 20 ifo Einkaufsmanagerindex ZEW Deutsche Stimmungsindikatoren 1 Quellen: Bloomberg Finance LP, ifo, IHS Markit Standardisiert, Mittelwert = 0 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 4 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft vor dem Auftreten des Coronavirus (!) wieder im Expansionsbereich Der Einkaufsmanagerindex (Gesamtwirtschaft) deutet mit 51,1 wieder auf eine Expansion hin, nachdem er von September 2019 bis November 2019 im Durch- schnitt bei 48,9 notierte. Insbesondere die zukunftsorientierten Komponenten konnten kräftige Zuwächse verzeichnen (Produktionserwartungen: 57,7, d.h. +10,5 Punkte gegenüber dem Tiefstand vom August; Auftragseingänge: 51,3 oder +6,3 Punkte). Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe liegt dagegen mit 45,2 nach wie vor klar im Kontraktionsbereich. Dabei konnte der Index für die Erwartungen jedoch seit August 2019 um 16,3 Punkte zulegen und liegt mit 55,4 jetzt auf dem höchsten Stand seit August 2018. Das Verhält- nis zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen lag zum ersten Mal seit September 2018 über 1. Ifo-Index: Uneinheitlicheres Bild Der Ifo-Index blieb dagegen deutlich hinter den Konsenserwartungen von +0,7 zurück; der Gesamtindex sank um 0,4 Punkte. Hauptgrund dafür war der Rück- gang der Erwartungskomponente um einen Punkt. Dies wurde durch eine Kor- rektur im Dienstleistungssektor ausgelöst, wo die Erwartungen nach einem kräf- tigen Anstieg im Dezember (von 0,2 auf 5,3) wieder auf 0,1 fielen. Im Verarbei- tenden Gewerbe stieg die Einschätzung der aktuellen Lage (Saldo der Meinun- gen) auf einen Sechs-Monats-Höchststand an. Die Erwartungen verbesserten sich weiter, blieben jedoch mit -9,2 klar im negativen Bereich. Die Produktions- erwartungen und die Einschätzung der Lagerbestände verbesserten sich, die Exportaussichten gingen jedoch nach einem kräftigen Anstieg im Dezember wieder etwas zurück. „Phase-1“-Handelsabkommen dürfte chinesische Nachfrage nach deutschen Exporten dämpfen Der Frühindikator der Bundesbank für die weltweite Industrieproduktion stieg im Januar um 0,4 Punkte auf 100,6 an. Damit legte er im vierten Monat in Folge zu. Der Indikator basiert jedoch unter anderem auf den Einkaufsmanagerindizes, bei denen sich der Effekt des Coronavirus im Januar noch nicht bemerkbar ge- macht hatte, und dürfte daher ein zu optimistisches Signal geben. Möglicherweise zeigten sich die Exporteure in der Ifo-Umfrage vorsichtiger, weil ihnen allmählich klar wird, dass das Phase-1-Handelsabkommen zwischen den USA und China zwar zunächst die handelspolitischen Unsicherheiten verringert, aber auch gleichzeitig dazu führen wird, dass ihre chinesischen Kunden ver- stärkt Güter aus den USA beziehen werden. Modellrechnungen des IfW-Instituts zufolge werden die EU-Exporte nach China im Jahr 2021 um rund USD 10,8 Mrd. niedriger ausfallen. Der Großteil des Rückgangs (USD 9,3 Mrd.) entfällt da- bei auf das Verarbeitende Gewerbe (Flugzeuge: -3,7 Mrd.; Maschinen: -12,4 Mrd.; Autos: -2,4 Mrd.), wobei Deutschland und Frankreich am stärksten in Mit- leidenschaft gezogen werden. 40 45 50 55 60 65 70 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 PMI Composite PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Verarb. Gewerbe: Auftragseingang PMI Verarb. Gewerbe: Geschäftsaussichten Index PMI: Schwäche in den zukunftsgerichteten Komponenten 2 Quelle: IHS Markit -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 15 16 17 18 19 20 Gesamt Dienstleistungen Bauhauptgewerbe Verarbeitendes Gewerbe ifo Erwartungen (Salden) 3 Quelle: ifo 70 75 80 85 90 95 100 105 110 115 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 06 08 10 12 14 16 18 20 Inlandsaufträge Investitionsgüter (ohne Auto & andere Fahrzeuge) ifo Geschäftsklima (rechts) Deutscher Investitionszyklus 4 Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo % gg. Vj., 3M-Durchschnitt 2015=100 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 5 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Coronavirus – ein weiterer Stimmungsdämpfer für den Export? Da Deutschland gut in den Welthandel eingebunden ist – trotz eines mageren Exportwachstums von real 0,9% hatten Güter- und Dienstleistungsexporte im Jahr 2019 einen Anteil von 41% am BIP –, beruhten Hoffnungen in der deut- schen Industrie (deren Ausstoß seit 1 ½ Jahren gesunken ist) sehr stark auf ei- ner Erholung der weltweiten Nachfrage. Diese schlug sich bereits in den Stim- mungsdaten nieder: Die Auftragserwartungen sind im Einkaufsmanagerindex um 11,4 Punkte gegenüber dem Tiefstand vom August 2019 angestiegen, und das Indexniveau von 49,6 deutet zumindest auf eine Stabilisierung hin. Die stär- ker zukunftsorientierten Exporterwartungen im ifo-Index haben sich ebenfalls verbessert, wenngleich sich die Unternehmen im Januar bereits vorsichtiger äu- ßerten; der Saldo der Meinungen sank von 2 im Dezember auf 0,9 im Januar. Vor allem bei Investitionsgütern war ein deutlicher Umschwung zu erkennen: Nach einer deutlichen Verbesserung der Exporterwartungen von -3,7 im August auf 8,9 im Dezember sank die Komponente im Januar wieder deutlich auf 3,8. Wie bereits erwähnt endeten die Erhebungsperioden für den ifo und den Ein- kaufsmanagerindex, bevor etwaige Effekte des Coronavirus zu spüren waren. Daher ist wohl mit weiteren Korrekturen zu rechnen. Negative Auswirkungen auf das BIP, deren Umfang jedoch außer- ordentlich unsicher sind In unseren aktualisierten Prognosen für die Weltwirtschaft gehen wir davon aus, dass die Verbreitung des Virus im Februar ihren Höchststand erreicht und dass sich die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf sowie im Jahr 2021 erholt. Diese Prognose stützt sich vor allem auf die Erfahrungen aus der SARS-Epidemie. Wir rechnen damit, dass sich die Aktivität bis Ende April weitgehend normalisiert. In China wird die Konjunktur bis weit ins erste Quartal hinein beträchtlich in Mitlei- denschaft gezogen und erholt sich dann in Q2, sodass das Wachstum im Ge- samtjahr nur moderat schwächer ausfällt. Allerdings dürfte sich der Schock für Chinas Wirtschaft über mehrere Kanäle auf den Rest der Welt übertragen, u.a. die Stornierung von Reisen, die Einstellung von Transport und Handel, stärkere Preisschwankungen von Rohstoffen und Vermögenswerten insgesamt und Un- terbrechungen zahlreicher weltweiter Lieferketten, die China einbeziehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit überwiegen die Abwärtsrisiken bei dieser Annahme. Die Verlangsamung des chinesischen Wachstums im Jahr 2019 hat sich klar in den deutschen Exporten niedergeschlagen. Der Anstieg der Güterexporte nach China verlangsamte sich von nominal 8,6% im Jahr 2018 auf 2,4% in den ersten elf Monaten des Jahres 2019, und seit August ist die Drei-Monats-Durch- schnittsrate gegenüber dem Vorjahr negativ. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass Chinas Wirtschaft zur Jahreswende die Talsohle durchschreiten würde. Daher hoffte vor allem die Autoindustrie auf eine Belebung der chinesi- schen Nachfrage aufgrund eines gewissen Nachfragestaus. Schätzungen von Sektorexperten zufolge erwirtschaften deutsche Autohersteller rund 35% ihres weltweiten Umsatzes in China (deutsche Autokonzerne haben keine wichtigen Fertigungsstätten in der Provinz Hubei). Wenn die Verbreitung des Coronavirus wie erwartet bald ihren Höhepunkt überschreitet, verlagert sich die Nachfrage möglicherweise schlicht in den späteren Jahresverlauf 2020. Dennoch ist in H1 wohl mit negativen Auswirkungen zu rechnen. Aufgrund der überdurchschnittlichen Margen in China schlägt sich selbst ein vorübergehender Rückschlag in den Gewinnen nieder, was die Unternehmen noch vorsichtiger werden lässt. Das Virus wird natürlich auch Auswirkungen auf die Angebotsseite haben. Ersten Berichten zufolge treten in Korea bereits Lieferkettenprobleme auf. Auch in anderen Sektoren, z.B. Elektrotechnik, wo China der größte Export- markt ist, macht sich Besorgnis breit, zumal die Exporte nach China im Jahr 85 90 95 100 105 110 Sep 17 Mrz 18 Sep 18 Mrz 19 Sep 19 Aufträge insg. Aufträge (Auto & Teile) Produktion insg. Produktion (Auto & Teile) Index, SA, 2015 = 100 Quelle: Statistisches Bundesamt Autoindustrie: Noch kein Ende der Flaute in Sicht 5 -10 -5 0 5 10 15 98 99 100 101 102 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Frühindikator für globale Industrieproduktion Auftragseingang aus dem Ausland (Kern, gleit. 3M-Durchschn, rechts) Quelle: Deutsche Bundesbank Frühindikator der Bundesbank zur globalen Industrieproduktion & deutsche Auslandsaufträge 6 Index (>100 = Expansion) % gg. Vj. 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 35 40 45 50 55 60 65 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Deutschland: PMI Verarb. Gewerbe: Neue Exportaufträge USA: ISM China: PMI Verarbeitendes Gewerbe Neue deutsche Exportaufträge (PMI): Hoffen auf China 7 Index Index Quellen: Haver Analytics LP; Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 6 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland 2019 nur um recht enttäuschende 4% anstiegen. Das ifo Institut hat Berechnun- gen auf der Grundlage der SARS-Epidemie vorgenommen, denen zufolge ein um 1%-Punkt niedrigeres Wachstum in China das Wachstum in Deutschland le- diglich um 0,06%-Punkte dämpft. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Zahl der Infizierten bereits jetzt größer ist als bei SARS. Angesichts der be- reits ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit werden wohl auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft stärker sein als bei SARS. Im Jahr 2003 wurden zudem keine Lieferketten ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen. Heutzu- tage könnte dies aber bald der Fall sein (Lieferungen von China nach Nordeu- ropa nehmen etwa vier Wochen in Anspruch). Fiat Chrysler warnte z.B. vor Kur- zem, dass einer seiner europäischen Standorte bei anhaltenden Lieferproble- men wohl in den kommenden zwei Wochen vorübergehend geschlossen wer- den müsse. Da die Lage in China wie bereits erwähnt inzwischen von größerer Bedeutung für das Unternehmensklima ist, befürchten wir, dass die Krankheit dieses Mal spürbarere Auswirkungen haben könnte. Wir haben daher unsere BIP-Prognosen für Q1 bzw. Q2 von +0,1% gg. Vq. auf -0,1% bzw. von 0,25% auf 0,1% gesenkt und diejenige für Q3 von 0,3% auf 0,4% angehoben, da wir mit einem gewissen Aufholeffekt rechnen. Damit liegt die Wachstumsrate für das Gesamtjahr statt bei 1,0% bei 0,7%. Die Annahmen über die weitere Ver- breitung sind wahrscheinlich eher optimistisch. Um diesen Bias zu „korrigieren“ haben wir etwas größere Auswirkungen auf die Wirtschaft – als beispielswiese in der ifo-Simulation - unterstellt. Dies verringert natürlich nicht die extrem hohe Prognoseunsicherheit. Letztlich doch eine technische Rezession im Winterhalbjahr? Angesichts der Brückentageeffekte im Dezember ist mit einer gewissen techni- schen Erholung der Produktionsdaten im Januar zu rechnen. Wenn unsere An- nahme zutrifft, dass das Auftreten des Coronavirus das deutsche BIP in Q1 um rund 0,2%-Punkte dämpfen könnte, könnte es aber doch zu einer technischen Rezession in Deutschland kommen, bei der das BIP zweimal (in Q4 2019 und Q1 2020) leicht schrumpft. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 2004 2018 2004 2018 2004 2018 2004 2018 Deutschland Frankreich Italien Spanien Importe Exporte Warenhandel mit China 8 Quellen: Eurostat, Haver Analytics LP, Deutsche Bank Research % BIP 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 0 10 20 30 40 50 60 Deutschland Frankreich Italien Spanien Anteil an den gesamten Wareneinfuhren (links) % BIP (rechts) Importe von Maschinen und Transport- ausrüstungen aus China 9 Quellen: Eurostat, Haver Analytics LP, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 7 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Staatsfinanzen: Rückschau auf 2019 und Aus- blick für 2020/21. Mit vollen Kassen ins neue Jahrzehnt, mit leeren wieder heraus? — Trotz Wirtschaftsflaute schließt der Gesamtstaat auch 2019 mit einem über- raschend dicken Haushaltsplus von EUR 49,8 Mrd. (1,5% des BIP) ab. Nichtsdestotrotz zeigt die fiskalische Tendenz klar nach unten, denn die Ausgaben wachsen seit Langem wieder stärker als die Einnahmen. Auf- grund der anhaltend hohen Zuwächse bei den Primärausgaben des Staates (Sozialleistungen, Investitionen) und moderater Steuererleichterungen (z.B. Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags ab 2021) dürften sich die öffentli- chen Haushalte in struktureller Betrachtung rasch verschlechtern. — Der Haushaltsüberschuss des Staates dürfte 2020 nur noch 0,5% des BIP betragen und 2021 schließlich gänzlich verschwinden. Der strukturelle Fi- nanzierungssaldo (konjunkturbereinigt und ohne Einmaleffekte) dürfte 2020 nur noch 0,4% des BIP betragen und 2021 sogar leicht ins Minus rutschen (-0,1%) (2019: 1,1%). — Der unerwartet hohe Überschuss im Bundeshaushalt von EUR 13,5 Mrd. (gegenüber einem geplanten Defizit von rund EUR 5,8 Mrd.) hat in der Bun- desregierung einen Richtungsstreit über die Mittelverwendung des zusätzli- chen Finanzspielraums von ungefähr EUR 17 Mrd. ausgelöst. Während die CDU/CSU die Mittel für Steuersenkungen verwenden möchte (z.B. für eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages für alle Steuerzahler, eine Senkung der Unternehmenssteuern oder eine Absenkung der EEG- Umlage), macht sich die SPD für eine abermalige Aufstockung der Investiti- onen stark und hält an ihrem Kurs fest, den Sozialstaat weiter auszubauen (Grundrente). — Da die Gegenfinanzierung der Grundrente über die Einführung einer Fi- nanztransaktionssteuer höchst fraglich bleibt und in der aktuellen Finanzpla- nung bis 2023 noch eine globale Minderausgabe von ca. EUR 5 Mrd. pro Jahr (bzw. kumuliert EUR 20 Mrd.) eingestellt ist, scheint der zusätzliche fi- nanzielle Spielraum schon mehr oder minder verplant zu sein. Ob danach noch genügend Spielraum für andere steuerliche Entlastungsmaßnahmen bleiben wird (wie z.B. für eine Senkung der im internationalen Vergleich ho- hen Körperschaftsteuern, Tarifverschiebungen bei der Einkommensteuer zur Entlastung der Mittelschicht oder die für 2021 versprochene Absenkung der EEG-Umlage zur Kompensation höherer Belastungen durch das Klimapaket), bleibt äußerst fraglich. — Daher dürften die Spannungen zwischen den Koalitionspartnern aufgrund unterschiedlicher Budgetschwerpunkte in nächster Zeit trotz des besseren Haushaltsergebnisses nicht kleiner, sondern größer werden. Es deutet viel darauf hin, dass die Steuerpolitik eines der zentralen Wahlkampfthemen im Bundestagswahlkampf 2021 werden dürfte. Trotz Wirtschaftsflaute schließt der Gesamtstaat auch 2019 mit ei- nem überraschend dicken Haushaltsplus ab, … Trotz der expansiven Ausgabenpolitik der Bundesregierung (Sozialausgaben, Investitionen) hat der Gesamtstaat – bestehend aus den Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) und den Sozialversicherungsträgern (Renten, Kran- ken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) 2019 das achte Jahr in Folge einen Finanzierungsüberschuss ausgewiesen (in konsolidierter Rechnung nach Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR); Maastricht-Definition) (siehe -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 43 44 45 46 47 48 49 Finanzierungssaldo (rechte Achse) Einnahmen (linke Achse) Ausgaben (linke Achse) % BIP (Gesamtstaat nach VGR) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Rückläufiger Haushaltsüberschuss 1 -2 0 2 4 6 8 Ausgaben Einnahmen Steuern Sozialbeiträge % gg. Vj. (Gesamtstaat nach VGR) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Wachstum der Steuereinnahmen sinkt, Sozialbeiträge legen weiter kräftig zu 2 -2 0 2 4 6 8 10 Einnahmen Ausgaben Sozialleistungen Bruttoinvestitionen % gg. Vj. (Gesamtstaat nach VGR) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Die staatlichen Ausgaben wachsen wieder stärker als die Einnahmen 3 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 8 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Grafik 1). Auch wenn der Staatsüberschuss mit EUR 49,8 Mrd. EUR (1,5% des BIP) deutlich unter dem Rekordwert des Vorjahres blieb (2018: EUR 62,4 Mrd. bzw. 1,9%), ist er vor dem Hintergrund der nach wie vor schwierigen Wirt- schaftslage (globale Unsicherheit, Industrierezession) und einer mickrigen Wachstumsrate von nur 0,6% überraschend hoch ausgefallen. Wie schon in den Vorjahren trugen sowohl sämtliche Gebietskörperschaften als auch das So- zialversicherungssystem zum Haushaltsüberschuss bei, wenngleich die Ent- wicklungen bei den einzelnen Staatsebenen uneinheitlich waren (siehe Grafik 4). … aber die fiskalische Tendenz zeigt klar nach unten: Die Ausga- ben wachsen seit Langem wieder stärker als die Einnahmen Trotz des erneuten Überschusses bleibt festzuhalten, dass der fiskalische Trend bereits klar nach unten zeigt. Einerseits hat sich das Wachstum der Steuerein- nahmen aufgrund der Wachstumsflaute auf nur noch 2,5% abgeschwächt – von zuvor 4,7% (Durchschnitt: 2015-2018). Aber auch das Wachstum der Sozialbei- träge, das sich sogar 2019 aufgrund des anhaltenden Arbeitsmarktbooms (neuer Rekord bei der Erwerbstätigkeit, hohe Lohn-/Gehaltssteigerungen) noch beschleunigen konnte (auf 4,5% nach 4,2% in 2018), dürfte mittelfristig deutlich niedriger ausfallen. Denn schon jetzt zeigen sich zunehmende Angebotseng- pässe am Arbeitsmarkt (Fachkräftemangel) und ab Mitte des Jahrzehnts dürfte die Erwerbstätigkeit demografiebedingt sogar schrumpfen. Zusätzlich dazu wachsen die Ausgaben bereits jetzt schon stärker als die Einnahmen (siehe Grafik 2). Insbesondere die Sozialleistungen (+4,9%), aber auch die Bruttoin- vestitionen (+8,0%) wurden deutlich ausgeweitet (siehe Grafik 3). Angesichts der Pläne der Regierung, die öffentlichen Investitionen in den Berei- chen Verkehr (Bahnstrecken), Digitales (Glasfaser, Mobilfunk), Klima-/Umwelt- schutz (steuerliche Förderung energetischer Sanierung und von E-Mobilität, Strukturhilfen im Zuge des Kohleausstiegs) und Forschung & Entwicklung zu stärken, als auch den Ausbau des Sozialstaats weiter voranzubringen (Grund- rente), sind auch für die mittlere Frist deutliche Ausgabenzuwächse angelegt. Überschüsse der Gemeinden gehen bereits spürbar zurück – De- mografie und Leistungsausweitungen belasten die Sozialkassen Während der Finanzierungsüberschuss auf Bundesebene mit EUR 19,2 Mrd. überraschenderweise nur geringfügig sank (2018: EUR 20,1 Mrd.), nahm er bei den Länderhaushalten um EUR 0,5 Mrd. leicht zu (auf EUR 13,3 Mrd.). Auf Ge- meindeebene halbierte sich der Überschuss in etwa auf EUR 6,6 Mrd. (2018: -125 -100 -75 -50 -25 0 25 50 75 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Bund Länder Gemeinden Sozialversicherungen Gesamtstaat Quellen: WEFA, Destatis, Deutsche Bank Research Deutscher Staatshaushalt schließt auch 2019 mit dickem Plus ab 4 Gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo (in Abgrenzung der VGR), EUR Mrd. -6 -4 -2 0 2 4 6 Q1 Q2 Q3 Q4 2016 2017 2018 2019 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Gesetzliche Rentenversicherung Kumulierter Finanzierungssaldo, EUR Mrd. Schlechtere Finanzlage bei der gesetzlichen Rentenversicherung 5 -6 -4 -2 0 2 4 Q1 Q2 Q3 Q4 2016 2017 2018 2019 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Gesetzliche Krankenversicherung Kumulierter Finanzierungssaldo, EUR Mrd. Gesetzliche Krankenversicherung dürfte 2019 Defizite ausgewiesen haben 6 -4 -2 0 2 4 Q1 Q2 Q3 Q4 2016 2017 2018 2019 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Finanzlage der Sozialen Pflege- versicherung verbessert sich dank Beitragserhöhung 7 Soziale Pflegeversicherung Kumulierter Finanzierungssaldo, EUR Mrd. Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 9 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland EUR 13,7 Mrd.) (siehe Grafik 4). Auch wenn detaillierte Zahlen aus der VGR zu den Einnahmen und Ausgaben der Gemeinden noch nicht vorliegen, deuten Daten aus der Finanzstatistik (die bis einschließlich Q3 2019 reichen) darauf hin, dass vor allem der hohe Ausgabenanstieg für den Rückgang der Über- schüsse verantwortlich gewesen sein dürfte. So legten die Ausgaben im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreswert mit sehr hohen 7,6% deutlich dyna- mischer zu als die Einnahmen (4,6%). Der kräftige Ausgabenanstieg dürfte vor allem durch deutlich höhere Sachinvestitionen (+13% gg. Vj.) verursacht worden sein. Darunter fallen u.a. Bauinvestitionen für Verwaltungsgebäude, Schulen, Krankenhäuser und Straßen. Aber auch die Zahlungen für Soziales legten 2019 laut Bundesbank kräftig zu (+4,6% gg. Vj.). Das Sozialversicherungssystem, das aufgrund der voranschreitenden Alterung – und des damit bevorstehenden Rückgangs der Erwerbstätigkeit – ab Mitte der 2020er Jahre unter erheblichen Finanzierungsdruck kommen dürfte, verbuchte dank des nach wie vor soliden Arbeitsmarktes (ein nachlaufender Konjunkturin- dikator) noch einen Überschuss. Allerdings ging dieser auf EUR 10,7 Mrd. zu- rück (2018: EUR 15,9 Mrd.) (siehe Grafik 4), was wohl u.a. die Folge vergange- ner Leistungsausweitungen gewesen sein dürfte (Mütterrente, Rente mit 63). Zahlen zu den einzelnen Sozialversicherungsträgern (nach VGR) liegen für 2019 jedoch noch nicht vor. Allerdings deuten Daten aus der Finanzstatistik darauf hin, dass sich die Finanz- lage bei allen sozialen Sicherungsträgern (mit Ausnahme der Pflegeversiche- rung 1 ) verschlechtert hat. So war der kumulierte Finanzierungssaldo der gesetz- lichen Renten- und Krankenversicherung in den ersten drei Quartalen 2019 deutlich niedriger als zum jeweiligen Vergleichszeitpunkt 2018 (siehe Grafiken 5, 6 und 7). Dieser schon jetzt sichtbare Abwärtstrend dürfte sich aufgrund zu- sätzlicher Mehrausgaben (Grundrente, Verlängerung von Kurzarbeitergeld) und des kurz bevorstehenden demografischen Kipppunktes fortsetzen – es sei denn die Regierung steuert rechtzeitig mit Leistungskürzungen, Beitragssatzerhöhun- gen und/oder einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit gegen. Dies deutet sich aktuell aber (noch) nicht an – eher das Gegenteil ist der Fall. So wurde z.B. bei der gesetzlichen Rentenversicherung eine zunächst bis zum Jahr 2025 befris- tete „doppelte Haltelinie“ eingezogen, die vorsieht, dass der Beitragssatz zur all- gemeinen Rentenversicherung nicht über 20% steigt (aktuell: 18,6%) und das Versorgungsniveau nicht unter 48% fällt (aktuell: 48,2%). 1 Aufgrund der Beitragssatzerhöhung um 0,5% im Jahr 2019 verbessert sich die Finanzlage der Pflegeversicherung zumindest temporär. -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 19 Deutsche Rentenversicherung Gesetzliche Krankenversicherung Gesetzliche Pflegeversicherung Arbeitslosenversicherung Sozialversicherung % BIP (VGR) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Finanzierungssaldo der Sozialversicherung nach Zweigen 8 80 100 120 140 160 180 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 Einnahmen Ausgaben Sozialleistungen Bruttoinvestitionen Index: 2007=100 (preisbereinigte Werte) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Einnahmen, Ausgaben und Sozialleistungen: Preis- bereinigung anhand des BIP-Deflators. Die staatlichen Sozialleistungen ziehen davon, die Investitionen holen auf 9 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 20 21 22 23 24 25 26 27 EUR Mrd. (rechts) % des BIP (links) Gesamtstaat (VGR) Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Die Sozialleistungsquote des Staates steigt schon seit vielen Jahren wieder 10 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Sonstige Anlagen Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Bruttoanlageinvestitionen Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Öffentliche Bruttoanlageinvestitionen, % BIP Die staatliche Investitionsquote steigt schon seit mehreren Jahren 11 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 10 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Finanzpolitischer Kurs bleibt unverändert: Höhere Sozialausgaben und mehr Investitionen, aber kaum Entlastung für die Steuerzahler Erst kürzlich erneuerte der IWF mehrfach seine Forderung, dass Deutschland seinen fiskalischen Spielraum doch bitte stärker nutzen – sprich mehr Geld aus- geben – sollte, um die inländischen Wachstumskräfte zu stärken. Laut IWF- Chefin Kristalina Georgiewa seien zusätzliche staatliche Investitionen (u.a. in die staatliche Infrastruktur) erforderlich, um Deutschlands Wachstumskräfte langfristig zu stimulieren und den Handelsüberschuss zu senken. Der aberma- lige und überraschend hohe Finanzierungsüberschuss des deutschen Gesamt- staates ist zweifellos weiteres Wasser auf die Mühlen der Kritiker an Deutsch- lands angeblich „viel zu restriktiven“ Finanzpolitik. Angesichts des sehr hohen Ausgabenwachstums (insbesondere im Bereich Soziales und Investitionen) (siehe Grafik 3) und der damit einhergehenden expansiven Fiskalpolitik sind derartige Forderungen jedoch nur schwer nachzuvollziehen. Die Bundesregierung ist in den letzten Jahren vieles schuldig geblieben wie z.B. eine nennenswerte Entlastung bei den hohen Einkommens-/Körperschaftsteu- ern. Aber zu wenig Geld ausgegeben hat sie wahrlich nicht. Zur Erinnerung: Die Steuerquote erreichte 2019 mit 24% vom BIP einen neuen Rekordwert seit der Wiedervereinigung! Die Abgabenquote, die die Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialabgaben misst, steigt schon seit vielen Jahren und liegt heute nur noch leicht unter dem hohen Niveau aus dem Jahr 2000 (siehe Grafik 14). Statt die hohen Haushaltsüberschüsse der letzten Jahre für nennenswerte Entlastun- gen auf der Einnahmenseite zu verwenden, die ihren Namen auch verdienen, hat die Regierung die Ausgaben immer weiter in die Höhe getrieben. Angesichts der anhaltend positiven Arbeitsmarktentwicklungen und beträchtli- cher Entlastungen auf der Zinsausgabenseite – nach unseren vorläufigen Schätzungen dürfte der deutsche Staat seit 2008 rund EUR 500 Mrd. (ca. 14,5% des BIP) gespart haben – hat sie sich dazu verleiten lassen, den Sozial- staat immer weiter auszubauen 2 . Dabei scheint die Regierung derzeit sogar ihre eigenen Prognosen auszublenden, nach denen die deutsche Volkswirtschaft schon sehr bald – ohne zusätzliche Zuwanderung – auf einen demografischen Kipppunkt zusteuert (siehe Grafik 15). Dieser dürfte Mitte der 2020er Jahre er- reicht werden, wenn die „Babyboomer“ aus dem Erwerbsleben ausscheiden und 2 Ohne den dramatischen Zinsrückgang hätte der deutsche Staat 2019 womöglich ein Defizit von schätzungsweise EUR 25 Mrd. ausgewiesen – statt eines hohen Überschusses von knapp EUR 50 Mrd. -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Reales Produktionspotenzial Reales BIP Produktionslücke % gg. Vj. bzw. % Produktionspotenzial Quelle: Bundesfinanzministerium Die Wachstumspotenzialrate wird schon bald deutlich zurückgehen 12 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Kapital Arbeit Totale Faktorproduktivität Produktionspotenzial Zerlegung der Potenzialwachstumsrate: % gg.Vj. bzw. Wachstumsbeiträge in Pp. Quelle: Bundesfinanzministerium Der absehbare Rückgang bei der Erwerbstätigkeit wird das Wachstum belasten 13 36 38 40 42 44 15 17 19 21 23 25 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Abgaben* (rechte Achse) Steuern (linke Achse) Sozialbeiträge (linke Achse) % BIP (Gesamtstaat nach VGR) * Steuern und Sozialbeiträge Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Die Abgabenquote steigt weiter 14 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Reales Produktionspotenzial Erwerbsbevölkerung Erwerbstätige (Inland) % gg. Vj. Quelle: Bundesfinanzministerium Die Erwerbstätigkeit wird schon bald leicht schrumpfen 15 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 11 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland diese die Sozialkassen dann nicht mehr als Beitragszahler stützen, sondern als Rentner belasten werden. Die rückläufige Erwerbstätigkeit wird dann auch das (reale) Potenzialwachstum nach unten drücken und somit die staatlichen Einnahmen noch zusätzlich über schwächere Steuerzuwächse belasten. Die Regierung geht davon aus, dass sich die Potenzialwachstumsrate bis 2024 von 1,5% auf nur noch 0,9% ab- schwächen wird. Die Erwerbstätigkeit, die 2019 einen neuen Hochstand von 45,26 Mio. Personen erreichte, dürfte schon ab 2022 leicht zurückgehen (siehe Grafik 15). Damit wird das Sozialversicherungssystem, das derzeit auf den ers- ten Blick noch relativ gut dasteht, schon sehr bald Finanznöte bekommen. Dies könnte mittelfristig den Druck erhöhen, die aufreißenden Finanzlücken über noch höhere Steuern/Sozialabgaben gegenzufinanzieren. Dies würde die Leis- tungsanreize weiter schmälern und das Wachstumspotenzial zusätzlich belas- ten. Letztlich könnte dies zu einer zunehmenden Belastung für die Wettbe- werbsfähigkeit und Standortattraktivität der deutschen Volkswirtschaft werden. In puncto Unternehmenssteuern hat Deutschland schon in den letzten Jahren zunehmend an Attraktivität gegenüber anderen wichtigen Industrieländern verlo- ren (siehe Grafik 18). Insgesamt gefährdet die ungebremste Ausgabenpolitik der Regierung (insbesondere im Rentensystem) die wirtschaftliche Wettbe- werbsfähigkeit und damit die langfristige Finanzierungsgrundlage des Sozial- staates. Höhere Finanzmittel für öffentliche Investitionen treffen auf zuneh- mende Angebotsengpässe Schon seit mehreren Jahren wachsen die öffentlichen Investitionen recht kräftig, um u.a. die physische (Verkehrs-) Infrastruktur (wie z.B. Autobahnbrücken, Stra- ßen) zu modernisieren. Allein 2019 wuchsen die staatlichen (Brutto-) Anlagein- vestitionen um 6,9% (2018: 8,7%). Die öffentlichen Bauinvestitionen nahmen sogar um 11,6% zu (2018: 9,6%). Das Problem, dass die Modernisierung bzw. der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur teilweise nur schleppend vorankommt, liegt offensichtlich nicht an fehlenden Finanzmitteln, sondern an diverseren strukturellen Hindernissen. Dazu zählen vor allem die derzeit sehr hohe Kapazi- tätsauslastung in der deutschen Bauwirtschaft, aber auch der zunehmende Fachkräftemangel (z.B. an Bauingenieuren), eine dünne Personaldecke in den Kommunen (u.a. Bauämter), aufwändige und langwierige Planungs- und Ge- nehmigungsverfahren sowie Widerstände in der Bevölkerung gegen bestimmte Bauvorhoben bei Bürgerbeteiligungen und mittels gerichtlicher Klagen (wie z.B. bei dem Ausbau von Windkraftanlagen). -10 -5 0 5 10 15 Sonstige Anlagen Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Bruttoanlageinvestitionen Wachstumsbeiträge, Prozentpunkte Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Die öffentlichen Investitionen steigen in nominaler Rechnung kräftig an 16 -10 -5 0 5 10 Sonstige Anlagen Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Bruttoanlageinvestitionen Wachstumsbeiträge, Prozentpunkte Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Preisbereinigt stagniert jedoch das Wachstum der staatlichen Investitionen 17 15 25 35 45 55 65 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 FR DE US OECD* % Quellen: OECD, Deutsche Bank Research * Einfacher Durchschnitt Gesetzlicher Körperschaftsteuer- satz (insgesamt) im int. Vergleich 18 -4 -2 0 2 4 6 Bruttoanlageinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Sonstige Anlagen Implizite Deflatoren für die öffentlichen Bruttoanlageinvestitionen, % gg. Vj. Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Der Preisdruck bei den öffentlichen Investitionen bleibt hoch 19 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 12 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Diese strukturellen Hindernisse können nur über die Zeit beseitigt werden. Die vorgenannten Investitionshemmnisse erklären auch, warum die realen (also preisbereinigten) Investitionen deutlich niedriger wachsen als die nominalen Werte (siehe Grafiken 16 und 17). Ein knappes Angebot (an Baukapazitäten, In- genieuren etc.) führt letztlich zu Preissteigerungen. Daher würden in der kurzen Frist noch mehr Finanzmittel für öffentliche Bauinvestitionen nicht weiter helfen, sondern lediglich den ohnehin schon hohen Preisauftrieb zusätzlich verstärken (siehe Grafik 19). Vor diesem Hintergrund ist die Forderung der SPD-Spitze nach noch mehr Investitionen in Schulen, Krankenhäuser und Straßen kritisch zu sehen. Nötig ist vielmehr eine Verstetigung der Investitionsmittel über die nächsten 10-20 Jahre. In den jetzigen Budget-Planungen (des Bundes, der Län- der und der Gemeinden) sind bereits kräftige Zuwächse bei den Investitionen vorgesehen. Angesichts des anhaltenden Investitionsstaus (allein auf Bundes- ebene stehen ca. EUR 20 Mrd. an bewilligten Investitionsmitteln zum Abruf be- reit) bleibt es jedoch fraglich, ob diese auch tatsächlich in dem gewünschten Maße realisierbar sind. Klar ist: Nicht die Schwarze Null oder die grundgesetzlich verankerte Schulden- bremse behindern die in manchen Bereichen mittlerweile dringend notwendigen Modernisierungen der öffentlichen Infrastruktur (wie z.B. den Ausbau des öffent- lichen Nahverkehrs oder die Verlegung digitaler Netze), sondern die oben ge- nannten strukturellen Hindernisse am Arbeitsmarkt, in der Bauwirtschaft sowie in den Verwaltungs- und Planungsprozessen. Darüber hinaus gefährden viel- mehr die langfristig nicht zu finanzierenden Sozialausweitungen/-versprechen der Regierung (Mütterrente, Grundrente, Rente mit 63, Doppelte Haltelinie) die Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung und damit auch eine mittel- bis langfristige Verstetigung der öffentlichen Investitionsmittel. Denn die Schulden- bremse wird wohl auch in fünf Jahren noch gelten (außer es finden sich die not- wendigen parlamentarischen Zwei-Drittel-Mehrheiten sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat zur Abschaffung der Schuldenregel). Daher läuft der Staat Gefahr, seine Ausgaben künftig deutlich auf das Niveau der (niedrigeren) Ein- nahmen kürzen zu müssen. Dies könnte schließlich auch den Bereich der Inves- titionen treffen. Unerwartet hoher Überschuss im Bundeshaushalt entzweit Regie- rung und löst Richtungsstreit über künftige Mittelverwendung aus Der unerwartet hohe Überschuss im Bundeshaushalt hat in der Bundesregie- rung einen Richtungsstreit über die Mittelverwendung des zusätzlichen Finanz- spielraums ausgelöst. Während die CDU/CSU die Mittel für Steuersenkungen verwenden möchte (z.B. für eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszu- schlages für alle Steuerzahler, eine Senkung der Unternehmenssteuern oder eine Absenkung der EEG-Umlage), macht sich die SPD für eine abermalige Aufstockung der Investitionen stark und hält an ihrem Kurs fest, den Sozialstaat weiter auszubauen (Grundrente). Ein großer Zankapfel bleibt die Ausgestaltung (Anspruchsprüfung) und Finanzierung der Grundrente. Diese soll zum 1. Januar 2021 eingeführt werden, rund 1,4 Mio. Personen zugutekommen und dürfte an- fangs mit rund EUR 1,4 Mrd. pro Jahr zu Buche schlagen. Das Gesetzgebungs- verfahren zögert sich derzeit noch hin, gerade vor dem Hintergrund, dass die geplante Gegenfinanzierung der Grundrente über die Einführung einer Transak- tionssteuer höchst fraglich bleibt. Laut Presseberichten haben sich die Koaliti- onspartner jedoch nunmehr zu einer gemeinsamen Lösung durchringen kön- nen, sodass die Grundrente wohl wie geplant zum neuen Jahr eingeführt wer- den kann. In puncto Einkommensteuersenkung zeigt sich die SPD-Spitze neu- erdings grundsätzlich gesprächsbereit. Angeregt wurde in diesem Zusammen- hang ein mögliches Vorziehen der für den 1. Januar 2021 geplanten Teilab- schaffung des Solidaritätszuschlags um sechs Monate. Da Olaf Scholz im Sinne 0 10 20 30 40 50 8 9 10 11 12 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 EUR Mrd. (rechts) % Anteil (links) Die Investitionen des Bundes sollen laut Finanzplan auf hohem Niveau verstetigt werden 20 Investive Ausgaben des Bundes (in Abgrenzung der Finanzstatistik) Quellen: Bundesfinanzministerium, Destatis, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 40 0 5 10 15 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 EUR Mrd. (rechts) % Anteil (links) Zinsausgaben des Bundes (in Abgrenzung der Finanzstatistik) Quellen: Bundesfinanzministerium, Destatis, Deutsche Bank Research Die Zinsausgaben sind abermals gefallen 21 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 13 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland der Koalitionspartner CDU/CSU weiterhin vehement die Schwarze Null vertei- digt, stellt sich zunächst die Frage nach der Höhe des zusätzlichen zu verteilen- den Finanzspielraums. Zusätzlicher Finanzspielraum schon weitgehend ausgeschöpft Der Bund hat 2019 einen unerwarteten (Rekord-) Überschuss von EUR 13,5 Mrd. erzielt (in Abgrenzung der Finanzstatistik). Dieser ging sowohl auf unter den Planungen liegende Ausgaben als auch auf höher als veranschlagte Ein- nahmen zurück. Auf der Ausgabenseite wirkten sich vor allem größere Minder- ausgaben in den Bereichen Zinsen (EUR 11,9 Mrd. statt EUR 17,5 Mrd.; 2018: EUR 16,5 Mrd.) (siehe Grafik 21), militärische Beschaffungen (EUR 1,5 Mrd.) sowie Bildung und Forschung (EUR 0,8 Mrd.) dämpfend aus. Die Ausgaben für Investitionen lagen laut BMF in etwa 0,9 Mrd. unter den Planwerten. Auf die Ein- nahmen wirkten sich nicht abgerufene EU-Abführungen über EUR 5,4 Mrd. po- sitiv aus. Ursprünglich wurde als Soll-Wert ein Finanzierungsdefizit von EUR 5,8 Mrd. an- gepeilt, das größtenteils durch eine Entnahme aus Rücklagen gegenfinanziert werden sollte (EUR 5,5 Mrd.). Auf diese Entnahme konnte jedoch dank des Überschusses verzichtet werden. Stattdessen wurde der Überschuss vollständig zur Aufstockung vorhandener Reserven verwendet. So wurden EUR 13 Mrd. in die „Asylrücklage“ gesteckt (siehe Grafik 22), die nunmehr EUR 48,2 Mrd. be- trägt (ca. 1,4% des prognostizierten BIP für 2020). Weitere EUR 0,5 Mrd. wur- den für die Bildung einer Rücklage zur „Gewährleistung überjähriger Planungs- und Finanzierungssicherheit für Rüstungsinvestitionen“ verwendet. 3 Laut Regie- rung stehen infolge des besseren Haushaltsabschlusses insgesamt rund EUR 17 Mrd. an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung. Da die Gegenfinanzierung der Grundrente (diese kostet allein zwischen 2021 und 2023 schätzungsweise rund EUR 4,4 Mrd.) noch in den Sternen steht und in der aktuellen Finanzplanung – die aktuell bis einschließlich 2023 reicht – noch eine globale Minderausgabe von ca. EUR 5 Mrd. pro Jahr (bzw. kumuliert EUR 20 Mrd.) eingestellt ist 4 , scheint der obige Spielraum schon mehr oder minder verplant zu sein. Dennoch könnte sich laut Finanzminister Scholz noch genug Geld finden, um ein zeitliches Vorziehen der Soli-Teilabschaffung zu finanzieren. Das obere Zehntel der Einkommensteuerzahler würde von einem solchen Vorziehen aber freilich nur stark eingeschränkt profitieren (Körperschaften gar nicht), da es auch dann lediglich bei einer Soli-Teilabschaffung für 90% der Einkommensteuerzah- ler bliebe. Ob danach noch genügend Spielraum für andere steuerliche Entlas- tungsmaßnahmen bleiben wird (wie z.B. für eine Senkung der im internationalen Vergleich hohen Körperschaftsteuern, Tarifverschiebungen bei der Einkom- mensteuer zur Entlastung der Mittelschicht oder die für 2021 versprochene Ab- senkung der EEG-Umlage zur Kompensation höherer Belastungen durch das Klimapaket), bleibt äußerst fraglich. Daher dürften die Spannungen zwischen den Koalitionspartnern aufgrund unterschiedlicher Budgetschwerpunkte in nächster Zeit trotz des besseren Haushaltsergebnisses nicht kleiner, sondern größer werden. Es deutet viel darauf hin, dass die Steuerpolitik eines der zent- ralen Wahlkampfthemen im Bundestagswahlkampf 2021 werden dürfte. 3 Anstatt Überschüsse zur Schuldentilgung einzusetzen, setzt die Bundesregierung diese weiterhin für die (Gegen-) Finanzierung von Ausgaben bzw. Defiziten in künftigen Haushaltsjahren ein, um auf dem Blatt Papier weiterhin die Schwarze Null halten zu können. Aus Transparenzgesichts- punkten ist dies kritisch zu beurteilen (siehe Ausblick Deutschland „Staatshaushalt glänzt (noch) trotz zunehmender Gegenwinde“ vom 4. Oktober 2018). 4 Um diesen Betrag müssen die Ausgaben unter den jetzigen Planungen noch gekürzt werden. -30 -20 -10 0 10 20 30 Finanzierungssaldo (Kernhaushalt) Nettokreditaufnahme Saldo der Rücklagenbewegungen* EUR Mrd. Quellen: BMF, Deutsche Bank Research Finanzierungssaldo: ohne Einzahlungen in bzw. Entnahmen aus Rücklagen. * nur Asylrücklage Die Bundesregierung plant mit dauer- haften Defiziten bis mindestens 2022 22 -0,25 0,00 0,25 0,50 0,75 1,00 1,25 1,50 DB Research EC OECD Bundesregierung SVR GD Quellen: Destatis, Internationale and Nationale Quellen, Deutsche Bank Research Struktureller Finanzierungssaldo, % BIP Die Fiskalpolitik bleibt expansiv 23 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 14 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Der Staatsüberschuss dürfte schon 2021 verschwinden Während der Staat weiterhin von immer weiter sinkenden Zinsausgaben profitie- ren dürfte (aufgrund niedriger oder gar negativer Renditen für Bundesanleihen angesichts der ultra-expansiven Geldpolitik), dürfte sich das Wachstum bei den Staatseinnahmen wegen der Wirtschaftsflaute weiter verlangsamen. Aufgrund der anhaltend hohen Zuwächse bei den Primärausgaben des Staates (Sozial- leistungen, Investitionen) und moderater Steuererleichterungen (z.B. Teilab- schaffung des Solidaritätszuschlags ab 2021) dürften sich die öffentlichen Haus- halte in struktureller Betrachtung rasch verschlechtern. Wir gehen davon aus, dass sich der strukturelle Primärsaldo (Haushaltssaldo vor Zinsausgaben) des Gesamtstaates 2020 um 0,8 und 2021 um 0,5 Prozentpunkte vom BIP ver- schlechtern dürfte. Der Haushaltsüberschuss des Staates dürfte 2020 nur noch 0,5% des BIP betragen und 2021 schließlich gänzlich verschwinden. Der struk- turelle Finanzierungssaldo (konjunkturbereinigt und ohne Einmaleffekte) dürfte 2020 nur noch 0,4% des BIP betragen und 2021 sogar leicht ins Minus rutschen (-0,1%) (2019: 1,1%) (siehe Grafik 25). Zum Vergleich: Die Bundesregierung er- wartet, dass der strukturelle Finanzierungssaldo 2021/22 bei nur noch rund ¼% des BIP liegen dürfte. Die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Wirt- schaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass es 2021 keinen strukturellen Haushaltsüberschuss mehr geben wird (siehe Grafik 23). Trotz dieser Entwicklungen und dank eines negativen Zins-Wachstumsdifferen- zials dürften die gesamtstaatlichen Schulden relativ zum nominalen BIP zu- nächst weiter sinken. Bereits 2019 könnte die Schuldenquote unter die Maas- tricht-Grenze von 60% des BIP gefallen sein (die Veröffentlichung durch die Bundesbank steht noch aus). Unserer Prognose nach dürfte die Schuldenquote allerspätestens in diesem Jahr weniger als 60% betragen. 2021 könnte sie so- gar auf rund 55% zurückfallen. Langfristig sieht das Bild für die öffentliche Ver- schuldung aber gänzlich anders, sprich deutlich trüber aus. Die Demografie wird die öffentlichen Haushalte und Sozialversicherungen schon ab Mitte dieses Jahrzehnts spürbar(er) belasten. Mit einer gewissen Verzögerung würde dies dann auch den Trend in der Verschuldung (trotz anhaltender Niedrigzinsen) um- kehren. Erschwerend kommen noch die hohen Kosten auf dem Weg hin zu ei- ner klimaneutralen Wirtschaft hinzu. Allein der für 2038 geplante Kohleausstieg dürfte zusätzliche öffentlichen Ausgaben im Volumen von mindestens EUR 50 Mrd. nach sich ziehen, die u.a. für Strukturausgleichshilfen, Vorruhestandsrege- lungen betroffener Kohlearbeiter sowie Entschädigungszahlungen an die Betrei- ber gezahlt werden sollen. Es gibt viele Gründe, dass die deutschen Staatsfi- nanzen, die noch mit vollen Kassen ins neue Jahrzehnt gestartet sind, dieses jedoch mit leeren Kassen beenden werden. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 Sozialversicherung Gemeinden Länder Bund Gesamtstaat Struktureller Finanzierungssaldo Finanzierungssaldo (VGR), % BIP Prognosen: Stabilitätsrat Finanzierungsüberschuss dürfte sich 2021 in Luft aufgelöst haben 24 Quellen: Destatis, Stabilitätsrat, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 19 21 Sonder- und Einmaleffekte Konjunkturkomponente Zinsausgaben Struktureller Primärsaldo Finanzierungssaldo Ausblick für die Staatsfinanzen 25 % BIP (Gesamtstaat nach VGR) Quellen: Destatis, AMECO, OECD, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 15 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassende Dynamik Die Erwerbstätigenzahl und insbesondere die Zahl der sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten haben im letzten Quartal 2019 einen weiteren Rekord- stand erreicht. Im vierten Quartal wurden 81 Tsd. neue Arbeitsplätze geschaf- fen, nach nur 41 Tsd. in Q3 und 43 Tsd. in Q2 2019. Obwohl sich der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in einer guten Verfassung befindet, sind die Brems- spuren der Konjunkturabschwächung vor allem im Verarbeitenden Gewerbe un- übersehbar. Im Vorjahresvergleich nahm das Beschäftigungswachstum jedoch erwartungs- gemäß weiter ab. Im Dezember lag der Anstieg der Erwerbstätigenzahl bei 0,6% gg. Vj. (Q4: 0,7% gg. Vj.) und bei den sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten im November bei 1,4% gg. Vj. (Q4: 1,5% gg. Vj.). Die sich bereits abzeichnende Abflachung wird im Jahr 2020 anhalten. Unabhängig von den konjunkturellen Gegenwinden kommen strukturelle Anpas- sungsprobleme weiter zum Tragen. Für das laufende Jahr erwarten wir eine Zu- nahme der Erwerbstätigenzahl um etwa 130 Tsd. (+0,3%) nach rund 400 Tsd. in 2019 (+0,9%). Am aktuellen Rand (Daten bis November 2019) ist die Beschäftigung nach wie vor fast ausschließlich bei den Zeitarbeitsfirmen (-76 Tsd. gg. Vj.) zurückgegan- gen. Im Gesundheitswesen, der Pflege, den Informationsdienstleistungen, wie auch bei den qualifizierten Unternehmensdienstleistungen sowie im Handel und natürlich in der Baubranche gab es im Vorjahresvergleich weiterhin einen nen- nenswerten Beschäftigungsaufbau. 65 67 69 71 73 75 27 28 29 30 31 32 33 34 35 09 11 13 15 17 19 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (links) Anteil an Erwerbstätigen insgesamt (rechts) Weiterhin Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 1 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Mio. (sb.) % 0 100 200 300 400 500 600 700 800 14 15 16 17 18 19 Differenz Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Erwerbstätige Anhaltendender Beschäftigungsaufbau mit nachlassender Dynamik 2 Veränderung gg. Vj., '000 Personen Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 16 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Die Frühindikatoren des ifo und IAB (Beschäftigungsbarometer) sowie die Un- terkomponenten der Einkaufsmanagerindizes (PMI) deuten – trotz ihrer spürba- ren Rückgänge – insgesamt noch auf einen vergleichsweise stabilen Arbeits- markt. Dabei ist die Entwicklung jedoch zweigeteilt. Die Daten signalisieren ei- nen weiteren Stellenaufbau im Bau und bei den Dienstleistungen, während im Verarbeitenden Gewerbe Stellen wegfallen (Automobilbranche: Nov. -1,8% im Vgl. zum Höhepunkt im Jahr 2018). Insgesamt dürfte der Stellenaufbau jedoch weiterhin überwiegen, allerdings mit einer geringeren Wachstumsrate als in den Jahren zuvor. Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, wann es vor allem in der export- orientierten Industrie zu einer nachhaltigen Bodenbildung kommt und ob sich der Dienstleistungssektor weiterhin gegen negative Übertragungseffekte der In- dustrierezession behaupten kann. Nach den jüngsten Umfrageergebnissen zur Beschäftigungskomponente des PMI der Dienstleistungen (Jan. 54,8 nach 53,7 in Q4 und 54,5 in Q3 2019) hat dieser Sektor als Jobmotor wieder an Kraft ge- wonnen. -120 -90 -60 -30 0 30 60 90 17 18 19 Bau Handel, Instand- haltung von Kfz Information und Kommunikation sonst. wirtschaftl. Dienstleistung Arbeitnehmer- überlassung Öff. Verwaltung, Verteidigung Gesundheits- wesen Pflege Veränderung im Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, ausgewählte Bereiche 3 Veränderung gg. Vj., Tsd. Personen Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research -2 -1 0 1 2 15 16 17 18 19 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Arbeitsmarktindikatoren: Allgemeine Stabilisierung, aber negative Aussichten in der Industrie 4 Standardisierte Werte Quellen: Bundesagentur für Arbeit, ifo, IAB, IHS Markit Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 17 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Nachdem die Arbeitslosenzahl in den letzten 6 Monaten nahezu stagnierte, dürfte sie in Q1 (-15 Tsd.) wieder leicht abnehmen. Dies setzt allerdings voraus, dass es in der Industrie tatsächlich zu einer Stabilisierung kommt. Wir gehen davon aus, dass der Rückgang der Arbeitskräftenachfrage durch mehr Kurzarbeit ausgeglichen wird. Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die Zahl der Kurzarbeiter im Februar allmählich auf 117 Tsd. steigen (107 Tsd. Jan.). Im Vergleich dazu waren es im Februar 2019 nur rund 29 Tsd. Kurzarbeiter (Höchstwert in 2009: 1,4 Mio.). Insgesamt ist der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in guter Verfassung. Die Anzahl der offenen Stellen – wenn auch langsam schrumpfend (Jan. 713 Tsd. nach 732 Tsd. in Q4 und 768 Tsd. in Q3 2019) – deutet immer noch auf eine starke Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften hin. -40 -20 0 20 40 60 80 0 1 2 3 4 5 6 7 15 16 17 18 19 Veränderung gg. Vm. in Tsd. (rechts) Arbeitslosenqoute (links) Veränderung der Arbeitsmarktlosigkeit gegenwärtig seitwärts gerichtet 5 Quelle: Bundesagentur für Arbeit -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50 60 70 14 15 16 17 18 19 20 Arbeitslose IAB* ifo* PMI* Prognosen: Vorlaufende Indikatoren deuten auf leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit (s.b.) in Q1 2020 6 Veränderung gg. Vm., Tsd. Personen Quellen: ifo, IAB, Bundesagentur für Arbeit * Einfache lineare Regression der Änderung der Arbeitslosenzahl basierend auf den Arbeitsmarktfrühindikatoren (1 bzw. 2 Monate verzögert). Aufgrund der Sonderprüfung zum Vermittlungsstatus von ALG-II Empfängern kam es im Mai 2019 zu einem Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 62 Tsd. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hätte der Anstieg ohne den Sondereffektf bei 20-30 Tsd. gelegen. Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 18 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Für das Jahr 2020 erwarten wir eine Verlangsamung des Wachstums der Er- werbstätigkeit auf 0,3 % gg. Vj. Die Arbeitslosenzahl dürfte um 50 Tsd. steigen, auf dann gut 2,3 Mio. Das entspricht einem leichten Anstieg der Arbeitslosen- quote auf 5,1%. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) Arbeitsmarkt: Fast Vollbeschäftigung, aber Bremsspuren sichtbar 7 Tsd. Quote Quelle: Deutsche Bundesbank Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 19 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Deutsche Autokonjunktur: Gemischte Signale Die Automobilindustrie ist – gemessen am Umsatz – die größte deutsche In- dustriebranche. Ihre Entwicklung ist ausschlaggebend dafür, wann und in wel- chem Ausmaß die deutsche Industrie die seit Q3 Quartal 2018 anhaltende Re- zession überwinden kann. Die inländische Automobilproduktion (inklusive Zulie- ferer) sank 2019 um real knapp 12%. Die schwache globale Autonachfrage ist ein Grund hierfür. Hinzu kommt, dass wichtige Automodelle, die in Deutschland produziert werden, 2019 ans Ende ihres Lebenszyklus kamen. Dieser Sonderef- fekt ist ein Grund dafür, dass die deutsche Automobilindustrie mit ihren internati- onalen Fertigungsstätten im letzten Jahr besser abgeschnitten hat als die Auto- mobilproduktion in Deutschland. Indikatoren wie die Kapazitätsauslastung oder die Auftragseingänge deuten darauf hin, dass der Tiefpunkt im Konjunkturzyklus erreicht sein könnte. Ein Rückschlag für die deutsche Automobilindustrie wäre es, wenn die USA ihre Zölle auf Autoimporte aus der EU erhöhte. Die Debatte ist immer noch nicht vom Tisch und könnte dazu beigetragen haben, dass die Geschäftserwartungen der Branche zuletzt wieder gesunken sind. Grafik 1: Die Geschäftserwartungen der deutschen Automobilindustrie lagen fast über den gesamten Jahresverlauf von 2019 im negativen Bereich. Zuletzt gaben sie sogar erneut spürbar nach. Aussagen von US-Präsident Trump zu Autozöllen könnten hierbei eine Rolle gespielt haben. Ihre aktuelle Lage schät- zen die Unternehmen per Saldo allerdings leicht positiv ein. Der Auftragsbe- stand in der Branche entwickelte sich zuletzt auf hohem Niveau recht stabil. -40 -20 0 20 40 60 80 17 18 19 20 Lage Erwartungen ifo Geschäftsklima in der deutschen Automobilindustrie 1 Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 17 18 19 20 … der Produktionstätigkeit … des Exportgeschäfts … der Beschäftigungsentwicklung ifo-Erwartungen hinsichtlich ... 2 Automobilindustrie in Deutschland, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 20 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Grafik 2: Bei den Unterkomponenten des ifo-Konjunkturtests zeigt sich ein ge- mischtes Bild. Die Produktions- und Exporterwartungen haben sich zuletzt er- holt, ein weiteres Zeichen dafür, dass das Konjunkturtief nah sein könnte. Die Beschäftigungserwartungen waren zu Jahresbeginn jedoch negativ. Die Be- schäftigung in der Autoindustrie, ein nachlaufender Indikator, begann Mitte 2019 zu sinken, was sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Ein Grund hierfür ist auch die strukturelle Umstellung auf E-Mobilität. Grafik 3: Die Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie nahm Anfang Q1 2020 deutlich zu, der erste Anstieg seit Q2 2019. Allerdings liegt sie noch unter dem Durchschnitt von 2018. Auch der Anstieg der Auslastung ist ein Indiz für das Erreichen des konjunkturellen Tiefs. Wir erwarten eine leichte Zu- nahme der globalen Pkw-Nachfrage im Jahr 2020, wobei China die „große Un- bekannte“ ist, erst recht nach dem Ausbruch des Corona-Virus, der die Pkw- Nachfrage in China in Q1 stark belasten wird. Unter dem Strich könnten Kapazi- tätsauslastung und Produktion im 1. Halbjahr 2020 leicht ansteigen. Grafik 4: Die stückzahlmäßige Pkw-Produktion in Deutschland lag 2019 durch- weg unter dem Vorjahreswert. Sie sank 2019 um 9%. Das Minus fiel beim Pro- duktionsindex, der auch qualitative Komponenten umfasst (z.B. bessere Aus- stattung), sogar noch stärker aus (-11,7%). Der Produktionsindex könnte 2020 wegen der Erholung der globalen Autonachfrage leicht steigen. Zudem läuft die Produktion wichtiger Automodelle in Deutschland an. Alles in allem dürfte die Wachstumsrate aber moderat ausfallen. Zudem haben die Abwärtsrisiken ha- ben nach dem Corona-Ausbruch zugenommen. 85 90 95 100 105 110 75 80 85 90 95 100 15 16 17 18 19 20 Kapazitätsauslastung, % (links) Produktion, sb., 2015=100 (rechts) Produktion und Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie 3 Quellen: ifo, Statistisches Bundesamt -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 17 18 19 20 Pkw-Produktion, Stückzahlen, gleit. 3-Monatsdurchschn. Produktionsindex, arbeitstägl. ber., gleit. 3-Monatsdurchschn. Automobilproduktion in Deutschland 4 % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, VDA Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 21 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Grafik 5: Die Auftragseingänge aus dem Inland und die Auslandsbestellungen entwickelten sich in den letzten Monaten recht stabil. Wenngleich die Aus- landsaufträge im Dezember enttäuschten, ist dies ein Zeichen für die Bodenbil- dung im Zyklus. Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland stiegen 2019 um 5% und erreichten das höchste Niveau seit 2009, dem Jahr der Abwrackprämie. Grafik 6: Die schwache Autonachfrage in wichtigen deutschen Exportmärkten seit Jahresende 2018 und im Jahr 2019 belasteten die deutschen Autoexporte. Die Pkw-Exporte sanken 2019 um 13% (Stückzahlen). Allerdings ist eine Erho- lung der globalen Autonachfrage in Sicht. Vor dem Corona-Ausbruch hatten wir erwartet, dass der Pkw-Absatz in China, der fast zwei Jahre lang rückläufig war, 2020 positiv überraschen könnte. Nun wird der Pkw-Absatz im 1. Quartal durch Corona deutlich gedrückt. Dennoch dürfte ein gewisser Nachholbedarf für Im- pulse sorgen, sobald das Virus unter Kontrolle ist. Man darf zudem nicht verges- sen, dass sich das Konsumentenvertrauen nach Abschluss des ersten Handels- abkommens verbessern könnte. Wir werden die Entwicklung aufmerksam ver- folgen. Wir sind aber vorsichtiger für den US-amerikanischen und europäischen Automarkt. 90 100 110 120 130 17 18 19 Inland Ausland Auftragseingang in der deutschen Automobilindustrie 5 sb., 2015=100 Quelle: Statistisches Bundesamt -15 -10 -5 0 5 10 15 20 14 15 16 17 18 19 Pkw-Neuzulassungen, CN, US*, EWU, UK Nom. Exporte der dt. Automobilind. (Euro), gleit. 3M-Durchschn. % gg. Vj. * Light vehicles Globale Autonachfrage und Exporte der deutschen Automobilindustrie 6 Quellen: ACEA, Bureau of Economic Analysis, China Automotive Information, Statistisches Bundesamt Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 22 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Grafik 7: Abgesehen vom aktuellen Konjunkturzyklus setzen Autohersteller und Kfz-Zulieferer ihre Anstrengungen fort, die Produktion von Elektrofahrzeugen bzw. entsprechenden Zulieferteilen und Ausrüstungen in ihren Fabriken zu stei- gern. Immer mehr Modelle befinden sich im Angebot. Bis spätestens 2021 müs- sen die durchschnittlichen CO 2 -Emissionen aller neu zugelassenen Pkw in der EU auf 95 g/km sinken. Wird dieses Ziel verfehlt, drohen Strafzahlungen für die Automobilindustrie. Bei einem Neuzulassungsanteil von 10 bis 15% kann die Branche als Ganzes diese Strafzahlungen vermeiden; dies wäre gegenüber dem derzeitigen Anteil von weniger als 3% ein enormer Anstieg. Gemessen an der gesamten Pkw-Produktion bleibt der Anteil der Elektrofahrzeuge jedoch auch 2020 noch klein. Insofern schlägt sich dieser evolutionäre Wandel bei den Antriebstechnologien noch nicht so stark in den Produktionszahlen nieder. Grundsätzlich positiv für den Produktionswert ist, dass Elektrofahrzeuge derzeit im Durchschnitt teurer sind als entsprechende Fahrzeuge mit Verbrennungsmo- tor. Allerdings wird die inländische Produktion dadurch negativ beeinflusst, dass manche Produktionsstätten umstrukturiert werden, um die Produktion von Elek- trofahrzeugen hochfahren zu können (Kapazität steht während der Umbau- phase nicht vollständig zur Verfügung). Der technologische Wandel stellt die globale (und nicht nur die deutsche!) Automobilindustrie vor große Herausforde- rungen, denn er wird bislang vor allem durch strenge staatliche CO 2 -Grenzwerte für Pkw und weniger durch Marktkräfte getrieben. Die Autokäufer sind bislang noch zurückhaltend, zumindest solange keine kräftigen Subventionen gewährt werden. Hohen Investitionen steht also ein kleiner Markt gegenüber (in der EU im 1. Halbjahr 2019: 2,4%). Aber noch einmal: Dies ist kein spezifisches Prob- lem der deutschen Automobilindustrie. Die deutsche Automobilindustrie ist aus heutiger Sicht besser für die „elektromobile“ Zukunft gerüstet als der Automobil- standort Deutschland, wo sich in den letzten Jahren einige kostenseitige Stand- ortfaktoren gegenüber anderen Standorten verschlechtert haben (Steuersätze für Kapitalgesellschaften, Löhne, Strompreise). Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 01234567 Diesel Benzin Elektroautos* Sonstige Q1-Q3 2018 Q1-Q3 2019 * Batterieelektrisch, Plug-in-Hybride, Range Extender, Brennstoffzelle Quelle: ACEA Pkw-Neuzulassungen in der EU nach Antriebsart 7 Mio., Einheiten Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 23 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Berliner Wohnungsmarkt: Mietendeckel dürfte wirtschaftlichen Superzyklus und Immobilienzyk- lus für einige Jahre entkoppeln 5 Die wichtigste Botschaft lautet: Wenn der Mietendeckel verfassungskonform ist, verändert sich die Lage für Investoren erheblich. Zumal aufgrund der zukünfti- gen politischen Mehrheitsverhältnisse die zunächst auf fünf Jahre befristete Re- gelung im Jahr 2025 verlängert werden könnte. Risikoaverse, kurzfristig orien- tierte Investoren haben Anreize, den Berliner Markt zu verlassen. Für langfristig orientierte Investoren ist Berlin unserer Ansicht nach weiterhin ein attraktiver Markt. Ob der Mietendeckel verfassungskonform ist, wird voraussichtlich eine Normen- kontrollklage klären. Im Allgemeinen wird erwartet, dass im Herbst 2020 ein Ur- teil gefällt wird. Es herrscht unter den Juristen Uneinigkeit über das zu erwar- tende Urteil, entsprechend hoch ist die Rechtsunsicherheit. Bisherige Regulierungsansätze, wie Mietpreisbremse, Neuregelung des Miet- spiegels, Wohngipfel, etc., waren Randerscheinungen des deutschen Immobili- enbooms. Angesichts der Knappheit an Wohnraum hatten sie bestenfalls einen leicht dämpfenden Effekt auf die Preisanstiege. Mit der Neuausrichtung der Wohnungspolitik der Stadt Berlin und dem Mietendeckel wird ein radikaler Ver- such unternommen, marktwirtschaftliche Mechanismen auszuhebeln. Die Ent- wicklungen in Berlin dürften wohl auch großen Einfluss auf die Wohnungspolitik in Deutschland haben. Das Hauptanliegen des Senats ist es, die Mieten des gesamten freien Woh- nungsmarkts für fünf Jahre einzufrieren. Dazu wurde Ende Januar 2020 der Mietendeckel verabschiedet, welcher voraussichtlich Ende Februar in Kraft tritt. Das Gesetz friert die Mieten rückwirkend auf dem Niveau von Juni 2019 ein. Damit dürften Mieterhöhungen bis zum Jahr 2021 gesetzlich verhindert werden. Anschließend wären Mieterhöhungen um 1,3% pro Jahr erlaubt. Der Mietende- ckel behebt das Kernproblem des knappen Wohnraums nicht. Im Gegenteil, er erhöht die Nachfrage und reduziert das Angebot. Die Zahl der potenziellen Aus- weichbewegungen ist groß und könnte das Bemühen des Senats, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, konterkarieren. Der wirtschaftliche Superzyklus in Berlin setzt sich unvermindert fort. Die Ein- wohnerzahl steigt, der Arbeitsmarkt boomt und das reale BIP wächst in den letz- ten Jahren mit fast 4% pro Jahr. Zudem ist Berlin aufgrund seines starken wis- sensintensiven Dienstleistungssektors vor globalen Risiken geschützt. Langfristig dürften die negativen Nebenwirkungen des Mietendeckels auf dem Wohnungsmarkt klar hervortreten. Daher erwarten wir keine Verlängerung über das Jahr 2030 hinaus und betrachten Berlin für langfristig orientierte Investoren aufgrund des wirtschaftlichen Superzyklus als weiterhin attraktiven Standort. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 5 Kernthesen des Deutsche Bank Research Deutschland Monitor „Berliner Wohnungsmarkt. Mie- tendeckel dürfte wirtschaftlichen Superzyklus und Immobilienzyklus für einige Jahre entkoppeln“, wird in Kürze erscheinen. Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 24 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Private Haushalte in Deutschland Regionale Unterschiede im Bankgeschäft 6 In welchen Bundesländern haben Privatpersonen die meisten Kredite aufge- nommen, und bei wem? Dank der regionalen Bankenstatistik der Bundesbank ist es in Deutschland möglich, regionale Unterschiede bei der Kreditaufnahme und bei Bankeinlagen zu erkennen. Außerdem lassen sich regionale Schwer- punkte der einzelnen Bankengruppen herausarbeiten, deren Ursachen teilweise erstaunlich weit in die Vergangenheit zurückreichen. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das Pro-Kopf-Kreditvolumen in Ostdeutschland deutlich niedriger als in Westdeutschland, wo es wiederum ein gewisses Nord- Süd-Gefälle gibt. Beides hängt nicht zuletzt mit der Einkommensverteilung und den Lebenshaltungskosten zusammen. Die Sparkassen als bundesweite Num- mer eins im Privatkundengeschäft kommen flächendeckend auf einen Marktan- teil bei Krediten von rund 25-35%. Dahinter liegen die Genossenschaftsbanken, deren Marktposition allerdings stark schwankt: Sie haben ihre (historisch be- gründeten) Hochburgen im Süden und Westen, sind jedoch im Norden und Os- ten ausgesprochen schwach vertreten. Drittgrößte Bankengruppe sind die priva- ten Großbanken, die bundesweit recht ausgewogen aufgestellt sind, aber in Ostdeutschland und den Stadtstaaten einen überdurchschnittlichen Marktanteil von in der Regel 20-25% erreichen. Grundsätzlich ähnlich sieht das Bild auf der Einlagenseite aus. Allerdings haben hier die von Direktbanken dominierten sonstigen Kreditbanken den Großbanken den Rang als bundesweite Nummer drei abgelaufen. Insgesamt ist die Sprei- zung zwischen den Bundesländern bei der Einlagenhöhe geringer als beim Kre- ditvolumen. Keine gravierenden regionalen Unterschiede gibt es auch bei der 6 Zusammenfassung des Deutsche Bank Research Deutschland-Monitors „Regionale Unter- schiede im Bankgeschäft“, 19. November 2019 0 3 6 9 12 15 18 21 Hamburg Baden-Württemberg Bayern Rheinland-Pfalz Saarland Hessen NRW Schleswig-Holstein Niedersachsen Bremen Mecklenburg-Vorpommern Brandenburg Berlin Thüringen Sachsen Sachsen-Anhalt Sparkassen Kreditgenossenschaften Großbanken Sonstige Kreditbanken Regionale Bausparkassen, Förderbanken u.a. Überregionale Bausparkassen Kredite an unselbstständige Privatpersonen 1 Pro Kopf, in EUR '000, 2018 Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, Unternehmensberichte, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 25 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Art der Einlagen: Den größten Block machen die Sichteinlagen aus, gefolgt von den Spareinlagen und den kräftig geschrumpften Termingeldern. Die deutschen Banken haben einen hohen Einlagenüberhang im Geschäft mit Privatkunden – einem durchschnittlichen Einlagenvolumen von rund EUR 24.000 pro Kopf steht ein Kreditvolumen von nur etwa EUR 14.900 gegenüber. Die Differenz ist in Ostdeutschland besonders groß, was mit ausgeprägter Risi- koscheu oder geringerer Wertpapier-Erfahrung zu tun haben könnte. Insgesamt sind fast nur Sparkassen, Kreditgenossenschaften und sonstige Kreditbanken vom Einlagenüberhang betroffen, die ersten beiden sogar flächendeckend in sämtlichen Bundesländern. Die Sparkassen kommen lediglich auf eine Quote von Krediten zu Einlagen von 52%. Angesichts der gegenwärtigen Negativzins- politik der EZB ist ein solcher „Anlagenotstand“ besonders problematisch. Bei den Großbanken hingegen übersteigt das Volumen der Kredite das der Einla- gen immerhin in drei Bundesländern. Manche regionale Schwerpunkte der einzelnen Bankengruppen haben sich als sehr langlebig erwiesen. Angesichts der Digitalisierung und dem Bedeutungs- verlust der Filialen könnte diese Marktaufteilung jetzt erstmals seit Jahrzehnten wieder fundamental in Bewegung geraten. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 0 2 4 6 8 10 12 Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen NRW Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen Pro Kopf, in EUR '000, 2018 Einlagenüberhang bei Privatpersonen 2 Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, Unternehmensberichte, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 26 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland (Politischer) Sturm über Deutschland – CDU-Chefin AKK kündigt Rücktritt an — Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) kündigte überraschend ihren Rücktritt von der CDU-Führung an. Dabei verwies sie auf die unterschiedlichen par- teiinternen Auffassungen über den Umgang mit der rechtsextremen AfD und den damit verbundenen politischen Turbulenzen in Thüringen. — Da die Wahl eines neuen Vorsitzenden / einer neuer Vorsitzenden nur auf einem außerordentlichen Parteitag erfolgen kann, wird ihr Rücktritt nicht so- fort wirksam. Laut AKK sollen die Nachfolge und die Übergabe an einen neuen Parteivorsitzenden ab Sommer/Herbst geregelt werden. Auch wenn derzeit große Unsicherheit über den Prozess und mögliche Nachfolger herrscht, erwartet man, dass der oder die nächste CDU-Vorsitzende auch Kanzlerkandidat der CDU bei den Bundestagswahlen 2021 sein wird. — Die große Frage lautet: Wird dies Friedrich Merz sein, der sich großer Beliebtheit an der CDU-Basis erfreut und regelmäßig ganze Säle füllt? Oder Armin Laschet, der NRW-Ministerpräsident, der politisch als eher gemäßigt eingeschätzt wird und dem daher eher zugetraut wird, die Brücke zu den Grünen für eine mögliche Koalition nach der nächsten Bundestagswahl zu schlagen? Was genau ist passiert? Vergangenes Wochenende zog über Deutschland – genauso wie über weite Teile Nord-/Westeuropas – der schwere Sturm „Sabine“ hinweg und verursachte weitgehende Störungen und große Schäden. Gleichzeitig kam es zu größeren Störungen und Schäden politischer Dimension, die durch einen „Politthriller“ in Thüringen verursacht wurden. Diese Entwicklungen gipfelten im Rücktritt der CDU-Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Obwohl der plötzliche Rücktritt viele Beobachter überraschte, kam er nicht gänz- lich unerwartet. Zuvor war AKK wegen ihres Umgangs mit der politischen Situa- tion in Thüringen heftig kritisiert worden. Dort kam es in der vergangenen Wo- che zu einer heftigen politischen Krise, als Thomas Kemmerich (FDP), als Mit- glied der kleinsten Fraktion im Landtag, gemeinsam mit den Stimmen von FDP, CDU und der – vor allem in Thüringen teilweise rechtsextremen – AfD zum Mi- nisterpräsidenten gewählt wurde. Die Wahl eines FDP-Landesvorsitzenden mit Stimmen aus der AfD gilt als politi- scher Tabubruch, da alle deutschen Parteien der Mitte bisher jegliche Zusam- menarbeit mit der Rechtsextremen ausdrücklich abgelehnt haben. Darüber hin- aus hat die AfD in Thüringen sogar freimütig zugegeben, dass sie nicht für ihren eigenen Kandidaten gestimmt hat, um die Wahl Kemmerichs herbeizuführen. Darin sahen Beobachter einen politischen Coup, der gleich- zeitig die wach- sende Bedeutung der AfD unterstreichen und die demokratische Mitte düpieren sollte. Die CDU-Führung, darunter AKK und Bundeskanzlerin Merkel, kritisierten die Abstimmung des Landesverbandes ihrer Partei in Thüringen scharf. Die Nicht- beachtung von Anweisungen aus Berlin durch den CDU-Landeschef Mike Moh- ring sowie dessen Weigerung, sich den Forderungen nach Neuwahlen der Par- teispitze anzuschließen, nachdem Kemmerich seinen Rücktritt angekündigt hatte, wurde auf mangelnde Durchsetzungskraft und fehlendes Krisenmanage- ment der Parteivorsitzenden zurückgeführt. Aufgrund der fehlenden Unterstüt- zung der CDU für den beliebten vorherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linkspartei bleibt unklar, wie die politische Zwickmühle in Thüringen aufgelöst werden kann. 0% 5% 10% 15% 20% 25% AKK Merz Söder Laschet Spahn Wähler Gesamt CDU-Wähler % der Befragten Mögliche CDU-Kanzlerkandidaten – Rückhalt in der Bevölkerung 1 Quelle: dpa/YouGov Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 27 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Was steckt hinter der aktuellen Eskalation? Zwar sind die aktuellen Entwicklungen in Thüringen der unmittelbare Auslöser für den Rücktritt AKKs, gleichzeitig war die Reputation der Vorsitzenden schon vorher durch diverse Pannen und Fettnäpfchen angeschlagen. Schlechte Beliebtheitswerte und ein brüchiger Rückhalt in der Partei seitdem sich Bundes- kanzlerin Merkel vom Parteivorsitz zurückzog und AKK als präferierte Nachfol- gerin etablierte, warfen einen Schatten auf ihre Amtszeit. Letztlich versuchte AKK vergebens, das Profil der CDU zu schärfen, ihre eigene Popularität zu stei- gern und sich eine Reputation als durchsetzungsstarke Vorsitzende aufzu- bauen. Auf dem Parteitag im Dezember 2018 gewann AKK das interne Rennen um den Parteivorsitz gegen ihren Hauptkonkurrenten, den aus dem wirtschaftsliberalen und konservativen Flügel stammenden Friedrich Merz. Allerdings fiel der Sieg mit 52% zu 48% sehr knapp aus (s. Grafik 2). Zwar zeigte sich Merz nach seiner Niederlage durchaus kooperativ, gleichzeitig blieb aber klar, dass er seine Ambi- tionen auf den Parteivorsitz und eine Kanzlerkandidatur nicht endgültig begra- ben hatte. So wurde spekuliert, dass die Merz-Anhänger auf dem Parteitag 2019 eine erneute Abstimmung über den Parteivorsitz herbeiführen bzw. den traditionellen Anspruch der Parteivorsitzenden auf die Kanzlerkandidatur infrage stellen könnten. Allerdings wurden derartige Überlegungen unter AKKs Gegen- spielern auf dem Parteitag nicht in die Tat umgesetzt, auch weil AKK selbst in ihrer Eröffnungsrede offen eine Art Vertrauensfrage gestellt hatte. Somit ordne- ten sich die Merz-Befürworter der allgemeinen Parteilinie unter und sahen von etwaigen Revolten gegen die Vorsitzende ab. Die von der CDU demonstrierte Einheit auf dem Parteitag stellte somit keine Lösung für den unterschwellig an- dauernden Konflikt dar. Stattdessen blieb der oder die Kanzlerkandidat(in) zur Bundestagswahl 2021 weiterhin die unausgesprochene Frage im Raum. Das Chaos rund um die Wahl in Thüringen kann jedoch nicht allein auf die man- gelnde Durchsetzungskraft und Führungskompetenz der Vorsitzenden zurück- geführt werden. So stellte sich der Versuch, den liberalen Flügel der CDU mit den konservativeren Kreisen zu versöhnen, als eine wahre Herkulesaufgabe dar. Die Situation in Thüringen war für AKK letztlich der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Gleichzeitig hat sich hier der grundsätzli- che Mangel an programmatischen Konsens innerhalb CDU offenbart, der für die Zukunft der Partei nach dem Ende der Ära Merkel bestimmend sein wird. Welche unmittelbaren politischen Konsequenzen sind zu erwar- ten? Aus einschlägigen Berichten geht hervor, dass AKK die CDU-Führungsriege vor ihrer Rücktrittserklärung nicht umfassend von ihren Plänen unterrichtet hatte. Dies könnte die bereits schwierige Lage der CDU bzgl. zeitlicher Abläufe bei der Wahl eines Nachfolgers und dem bestehenden Machtvakuum an der Partei- spitze, vor allem mit Hinblick auf die Bürgerschaftswahlen in Hamburg am 23. Februar, weiter verkomplizieren. In Hamburg ist die CDU traditionell eher schwach aufgestellt. Der Stadtstaat wurde in der Vergangenheit mehrheitlich unter Führung der Sozialdemokraten regiert. Auch bei den bevorstehenden Wahlen ist zu erwarten, dass das Rennen ums Rathaus zwischen dem amtie- renden Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD und seiner Stellvertrete- rin Katharina Fegebank von den Grünen entschieden wird. Beide regieren be- reits gemeinsam in einer rot-grünen Koalition. Auch wenn die Chancen der CDU und FDP im Hamburg somit ohnehin schon schlecht stehen, könnten die Ent- wicklungen in Thüringen und Berlin die Position beider Parteien in der Hanse- stadt weiter verschlechtern. 45% 39% 16% 52% 48% 0% 10% 20% 30% 40% 50% (1. und 2. Wahlgang in %) Quelle: Zeit Ergebnisse der Wahlen zum Parteivorsitz der CDU 2018 2 Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 28 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Wer wird der/die nächste CDU-Vorsitzende und CDU/CSU- Kanzlerkandidat(in)? Obwohl AKK erklärte, sie wolle den Prozess ihrer Nachfolge ab Sommer/Herbst organisieren, bleibt unklar inwieweit die anstehenden Entscheidungen und der Zeitplan noch in ihrer Hand liegen. Ein außerordentlicher Parteitag, der für die Wahl eines neuen CDU-Chefs erforderlich ist, kann recht kurzfristig vom CDU- Vorstand einberufen werden. Unabhängig vom Zeitpunkt der Wahl dürften der- zeit der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Friedrich Merz und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet die aus- sichtsreichsten Kandidaten sein (laut deutschen Medien) – auch wenn theore- tisch auch andere Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen könnten. — Friedrich Merz erfreut sich weiterhin starker Beliebtheit an der CDU-Basis, vor allem bei der Jungen Union. So kündigte er letzte Woche an, seinen Aufsichtsratsposten bei BlackRock in Deutschland aufzugeben, um sich mehr der Politik zu widmen. Merz hatte sich 2009 aus der aktiven Politik zu- rückgezogen, nachdem er seine Enttäuschung über die Politik von Kanzle- rin Merkel zum Ausdruck gebracht hatte. Er kommt wie Laschet aus dem mitgliederstärksten Landesverband der CDU in NRW. Nach seiner Rück- kehr in die Politik hatte Merz einen Hype um sich ausgelöst. Vor allem die Junge Union befürwortet eine stärkere Rolle für Merz aufgrund seiner marktfreundlichen und konservativen Positionen. Darüber hinaus könnte er von den Befürchtungen der Konservativen, die den Industriestandort Deutschland zunehmend gefährdet sehen, weiter profitieren. Gerade im Kontrast zur Politik Merkels, die sich in den letzten Jahren zunehmend auf die sozialpolitischen Positionen der SPD zubewegt hat, könnte dies einen Vorteil darstellen. — Armin Laschet , derzeit Ministerpräsident von NRW, wird dagegen als gemä- ßigter CDU-Politiker gesehen, der es gleichzeitig schafft, eine strikte Innen- und Sicherheitspolitik auf Landesebene durchzusetzen. Darüber hinaus könnte er einem potenziellen grünen Koalitionspartner bei der nächsten Re- gierungsbildung leichter zu vermitteln sein. Laschet verfügt über mehr als 25 Jahre politische Erfahrung im Bundestag und im Landtag NRWs. Bevor er Ministerpräsident einer liberal-konservativen Koalition in NRW wurde, be- kleidete er mehrere hohe Partei- und Staatsämter. Darüber hinaus hat er seit Beginn der Koalition mit der FDP im Jahr 2017 eine breite Popularität bei den CDU-Mitgliedern aufgebaut. Seine politischen Ansichten werden da- bei als liberal bzw. an der Mitte orientiert eingeschätzt. — Jens Spahn , einer der Kandidaten für den Parteivorsitz auf dem Parteitag 2018, wird wahrscheinlich von einer erneuten Kandidatur für die CDU- Spitze absehen. Bei der Ankündigung ihres geplanten Rücktritts betonte AKK explizit, dass der Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur zusammengehören würden. Somit kann man davon ausgehen, dass die Entscheidung über den künftigen Vorsitzenden auch eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur 2021 sein wird. Bei der Frage nach der Kanzlerkandidatur wird häufig auch der bayerische Mi- nisterpräsident und CSU-Parteichef Markus Söder genannt. Er wies jedoch wie- derholt Spekulationen über eine mögliche Kandidatur zurück. Darüber hinaus taten sich Kanzlerkandidaten der CSU in der Vergangenheit schwer, Wähler au- ßerhalb Bayerns für sich zu überzeugen. Bezüglich ihrer eigenen politischen Zukunft stellte AKK klar, dass mit ihrem Rücktritt vom Parteivorsitz kein Rücktritt vom Amt der Verteidigungsministerin einhergeht. Sie möchte auch nach der Übergabe der Parteiführung im Amt blei- ben. Dieses hatte sie erst im vergangen Sommer von ihrer Vorgängerin, der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, übernommen. 1,4 1,2 0,8 0,7 0,5 0,2 0 0 -0,3 -0,8 -1,2 -0,2 0,8 1,8 A. Merkel (CDU) R. Habeck (Grüne) O. Scholz (SPD) Heiko Maas (SPD) M. Söder (CSU) J. Spahn (CDU) C. Linder (FDP) F. Merz (CDU) H. Seehofer (CSU) A.K.K.(CDU) Quelle: Forschungsgruppe Wahlen Politbarometer Jan. 2020 "Was halten Sie von?...", Skala von+5 (höchste Meinung bis -5 (niedrigste Meinung) Beurteilung deutscher Spitzenpolitiker nach Sympathie und Leistung 3 27,8 14,0 13,3 7,8 8,8 22,1 6,2 32,9 20,5 12,6 10,7 9,2 8,9 5,2 0 5 10 15 20 25 30 35 CDU/CSU SPD AfD FDP Linke Grüne Sonstige Aktuelle Umfragen* Bundestagswahl 2017 % der Stimmen Aktuelle Stärke der Parteien & Ergebnis der Bundestagswahl 2017 4 Quelle: Wahlrecht.de, 10 Feb. 2020 * Durchschnitt der Ergebnisse jüngster Umfragen führender Meinungsforschungsinstitute (Forsa, Kantar, Allensbach, INSA, FG Wahlen, Infratest Dimap) Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 29 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Was bedeutet das für die Groko in Berlin? Wir erwarten nicht, dass die Ereignisse in Thüringen und der Rücktritt der Par- teivorsitzenden die Stabilität der großen Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD unmittelbar gefährden. Beide Koalitionspartner haben eine intrinsische Mo- tivation, weiteren Schaden zu vermeiden, der durch ein Auseinanderbrechen der Koalition vor der Bundestagswahl 2021 entstehen würde. Bundeskanzlerin Merkel, deren Rolle bei den aktuellen Entwicklungen nach wie vor schwer einzu- schätzen ist, bleibt eine der beliebtesten deutschen Politikerinnen. Die Mehrheit der Wähler befürwortet zudem eine Fortsetzung der derzeitigen Regierung bis zum nächsten Urnengang (s. Grafik 3). Allerdings hat die SPD jüngst einen deutlichen Linksruck vollzogen. Statt den Groko-Befürworter Finanzminister Olaf Scholz an die SPD-Spitze zu wählen, setzte sich bei der Mitgliederbefragung das Groko-kritische Tandem von Norbert Walter Borjans und Saskia Esken durch. Somit würde die Wahl des wirtschafts- und fiskalpolitisch konservativen Merz die Zusammenarbeit in der Koalition si- cherlich schwieriger machen. Ein Vorsitzender Laschet könnte hingegen weni- ger Probleme bei der Zusammenarbeit mit der SPD haben. Gleiches gilt auch für die Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Merkel, zu der Merz ein ange- spanntes Verhältnis nachgesagt wird. Auch wenn Merz gewählt wird, scheint es realistisch, dass er, aufgrund des rela- tiv kurzen Zeitabstands zur Bundestagswahl 2021, eine konstruktive Rolle inner- halb der Koalition übernehmen wird. Doch auch wenn dies nicht unser Basisszenario ist, könnte die „lieblose Ehe“ zwischen CDU/CSU und SPD noch vor der Wahl im September 2021 geschie- den werden. Dazu könnte es etwa kommen, wenn anhaltende Machtkämpfe in der CDU/CSU und in der SPD, das Fehlen klarer Antworten auf den Aufstieg der AfD, sowie das Bedürfnis beider Parteien, sich gegenüber den Wählern deutlicher voneinander abzugrenzen, zu nicht mehr überbrückbaren Differenzen in der Koalition führen. Das Ende der Koalition könnte dann den (umständli- chen) Weg zu Neuwahlen oder in eine Minderheitsregierung ebnen. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Kevin Körner (+49 69 910-31718, kevin.koerner@db.com) Hagen Blöcher Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 30 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsin dex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentli-- chungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardi- sierte Über- raschung Quantils- rang GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 11 2019 09.01.2020 1,2 0,8 0,4 0,0 0,7 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 11 2019 09.01.2020 18,6 21,3 -2,7 -1,2 0,1 GRCAEU Index Leistungsbilanzsa ldo (EUR Mrd.) 11 2019 09.01.2020 24,1 23,8 0,3 -0,2 0,4 GRBTIMMM Index Importe (% gg. Vm.) 11 2019 09.01.2020 -0,6 0,1 -0,7 -0,3 0,4 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 11 2019 09.01.2020 -2,2 -0,9 -1,3 -0,7 0,2 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 12 2019 16.01.2020 1,5 1,5 0,0 0,2 0,4 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 1 2020 21.01.2020 -9,5 -13,5 4,0 0,5 0,7 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 1 2020 21.01.2020 26,7 15,0 11,7 1,5 0,9 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 12 2019 29.01.2020 -0,7 -0,7 0,0 0,3 0,7 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 1 2020 30.01.2020 -2,0 5,0 7,0 0,1 0,6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 1 2020 30.01.2020 1,7 1,7 0,0 0,2 0,4 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 12 2019 31.01.2020 -3,3 -0,5 -2,8 -2,0 0,0 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 1 2020 03.02.2020 45,3 45,2 0,1 0,1 0,6 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 1 2020 05.02.2020 54,2 54,2 0,0 0,0 0,5 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 12 2019 06.02.2020 -2,1 0,6 -2,7 -1,3 0,1 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 12 2019 07.02.2020 -3,5 -0,2 -3,3 -2,7 0,0 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 12 2019 07.02.2020 0,1 0,5 -0,4 -0,3 0,4 GRBTIMMM Index Importe (% gg. Vm.) 12 2019 07.02.2020 -0,7 0,3 -1,0 -0,4 0,3 GRCAEU Index Leistungsbilanzsa ldo (EUR Mrd.) 12 2019 07.02.2020 29,4 23,5 5,9 1,4 0,9 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 12 2019 07.02.2020 15,2 15,0 0,2 0,0 0,5 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 14 15 16 17 18 19 20 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 31 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 14.02.2020 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q4 2019 0,0 0,1 21.02.2020 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Februar 45,0 45,3 21.02.2020 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Februar 54,0 54,2 24.02.2020 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Februar 96,1 95,9 25.02.2020 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q4 2019 0,0 0,1 28.02.2020 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) Februar 1,6 1,7 28.02.2020 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) Februar 5,0 5,0 04.03.2020 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Januar 1,8 -3,3 06.03.2020 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Januar 0,5 -2,1 09.03.2020 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Januar 1,6 -2,9 09.03.2020 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Januar 18,6 19,2 09.03.2020 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) Januar 0,5 0,1 09.03.2020 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) Januar 0,5 -0,7 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, IHS Markit Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 32 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,625 -0,10 0,00 0,75 -0,75 0,00 -0,75 1,50 1,50 0,32 2,25 Mrz 20 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 0,00 -0,75 1,50 1,50 0,22 2,25 Jun 20 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 0,00 -0,75 1,50 1,50 0,18 2,25 Sep 20 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 0,00 -0,75 1,50 1,50 0,15 2,25 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 1,73 0,02 -0,40 Mrz 20 1,75 0,05 -0,40 Jun 20 1,75 0,05 -0,40 Sep 20 1,75 0,05 -0,40 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,57 -0,06 -0,41 0,56 Mrz 20 1,75 -0,05 -0,12 0,63 Jun 20 1,70 0,00 -0,16 0,63 Sep 20 1,55 0,00 -0,26 0,60 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,09 109,80 0,85 1,29 1,07 10,55 7,47 10,15 4,27 338,09 25,04 Mrz 20 1,10 112,00 0,87 1,26 1,13 10,50 9,75 4,37 336,00 25,70 Jun 20 1,13 110,00 0,87 1,30 1,15 10,25 9,50 4,32 327,00 25,60 Sep 20 1,17 105,00 0,87 1,34 1,13 10,50 9,75 4,30 330,00 25,55 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich 33 | 12. Februar 2020 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q1 2019 Q2 2019 Q3 2019 Q4 2019 Q1 2020 Sep 2019 Okt 2019 Nov 2019 Dez 2019 Jan 2020 Feb 2020 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 99,6 98,5 95,1 95,4 94,7 94,7 95,1 96,3 95,9 ifo Geschäftserwartungen 95,0 94,8 91,5 92,6 90,9 91,6 92,2 93,9 92,9 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 98,0 95,1 91,0 91,0 90,5 91,0 90,9 91,2 92,8 Produktion (% gg. Vp.) -0,7 -1,9 -0,9 -2,3 -1,4 -1,4 1,0 -2,9 Auftragseingang (% gg. Vp.) -4,3 -1,2 -0,8 -0,6 1,0 0,2 -0,8 -2,1 Grad der Kapazitätsauslastung 86,3 85,3 83,9 82,6 82,9 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 3,7 0,7 0,1 0,3 2,2 -1,3 2,1 -2,8 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -2,2 -5,7 0,6 4,1 -2,0 14,2 ifo Bauhauptgewerbe 111,8 113,2 112,8 111,4 112,7 112,0 111,6 110,6 108,6 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -0,2 -1,7 -3,1 -3,3 -2,4 -4,1 -2,0 -3,7 -3,6 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 1,8 0,2 0,6 -0,7 0,1 -0,7 1,6 -3,3 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,2 0,9 6,8 13,7 22,2 12,7 9,7 19,5 -7,3 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) -5,4 0,9 -1,1 0,0 0,6 2,4 -2,0 -4,5 Exporte (% gg. Vp.) 0,6 -1,4 0,6 0,8 1,4 1,5 -2,2 0,1 Importe (% gg. Vp.) 0,6 -0,9 -0,5 0,7 1,2 0,4 -0,6 -0,7 Nettoexporte (EUR Mrd.) 56,3 54,1 57,5 58,2 19,1 20,4 18,5 19,2 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -33,0 19,7 21,3 -4,3 -9,0 7,0 -14,0 8,0 -3,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,1 1,0 0,8 0,7 0,8 0,7 0,6 0,6 ifo Beschäftigungsbarometer 102,4 100,6 98,8 99,0 98,9 98,7 99,5 98,9 99,7 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,6 1,0 1,2 0,9 0,9 1,2 1,5 1,6 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,5 1,5 0,9 1,5 1,0 1,1 1,8 1,7 1,3 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 1,5 0,2 6,3 5,3 6,7 3,3 3,5 9,2 9,1 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 63,8 68,6 62,1 62,5 62,3 59,7 62,7 65,2 63,4 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 31,7 33,8 33,7 31,6 31,5 34,0 28,3 32,5 35,1 EC Unternehmensumfrage 14,4 7,1 2,2 2,7 1,1 2,3 3,1 2,7 3,2 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 3,1 4,3 2,9 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 3,0 3,3 3,3 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,6 4,4 2,9 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 5,1 4,8 5,1 4,6 5,1 5,1 4,6 4,6 Trend von M3* 5,4 5,4 5,0 4,8 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 4,1 4,6 4,5 4,9 4,5 4,7 4,8 4,9 Kredite an öffentliche Haushalte 14,1 5,7 3,1 -5,9 3,1 6,4 9,4 -5,9 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit   A usblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich ..... 12. Februar 2020  Ausblick 2020: Vorsicht, zerbrechlich! ................... 19. Dezember 2019  Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen ....... 4. November 2019  Klimapaket: Kein Kurswechsel in der Fiskalpolitik .................... 30. September 2019  Nur eine „technische Rezession“? Die Risiken sind entscheidend! .................................. 20. August 2019  Schwarz-Grün im Bund – schmerzhafte Kompromisse drohen ................................... 8. Juli 2019  Nicht über den Berg, Politik ist keine Hilfe ....................... 17. Mai 2019 © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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