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6. März 2015
Deutschland exportierte 2014 Waren im Wert von über EUR 1,1 Bill. (+3,7%) und stellte damit einen neuen Exportrekord auf. Die deutschen Ausfuhren nach Russland sanken dagegen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes um 18%, in einzelnen Branchen sogar um mehr als 30%. Der Anteil Russlands an den gesamten deutschen Ausfuhren ist zwar inzwischen auf nur noch 2,6% gesunken (2013: 3,3%; 2012: 3,5%). Für einzelne Branchen und Unternehmen sind die rückläufigen Ausfuhren nach Russland dennoch schmerzhaft. Auch für 2015 erwarten wir einen deutlichen Rückgang der Russlandexporte. Unter den großen Industriebranchen dürfte der deutsche Maschinenbau darunter am meisten leiden, denn hier zählt Russland noch immer zu den größten ausländischen Absatzmärkten. [mehr]
Deutsche Industrie erleidet Einbußen im Russlandgeschäft Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Deutsche Industrie erleidet Einbußen im Russlandgeschäft 6. März 2015 Deutschland exportierte 2014 Waren im Wert von über EUR 1,1 Bill. (+3,7%) und stellte damit einen neuen Exportrekord auf. Die deutschen Ausfuhren nach Russland sanken dagegen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes um 18%, in einzelnen Branchen sogar um mehr als 30%. Der Anteil Russlands an den gesamten deutschen Ausfuhren ist zwar inzwischen auf nur noch 2,6% gesunken (2013: 3,3%; 2012: 3,5%). Für einzelne Branchen und Unternehmen sind die rückläufigen Ausfuhren nach Russland dennoch schmerzhaft. Auch für 2015 erwarten wir einen deutlichen Rückgang der Russlandexporte. Unter den großen Industriebranchen dürfte der deutsche Maschinenbau darunter am meisten leiden, denn hier zählt Russland noch immer zu den größten ausländischen Absatzmärkten. Deutschland verzeichnete 2014 mit Ausfuhren von über EUR 1,1 Bill. einen Exportrekord (+3,7%). Die Ausfuhren nach Russland sind dagegen um 18% eingebrochen. Die Abwertung des Rubels, eine auffällige Investitionsschwäche, erhebliche Kapitalabflüsse sowie Handelssanktionen aufgrund der Krise in der Ost-Ukraine dämpften die russische Nachfrage nach Erzeugnissen aus deutscher Produktion. In der zweiten Jahreshälfte 2014 kam der Verfall des Ölpreises hinzu, denn die russische Wirtschaft hängt noch immer stark von Energierohstoffen ab. Der starke Rückgang der Ausfuhren nach Russland hat dazu geführt, dass der Anteil des Landes an den gesamten deutschen Exporten auf 2,6% gesunken ist; 2012 waren es noch 3,5%. In der Rangliste der wichtigsten deutschen Exportmärkte rutschte Russland damit um zwei Positionen auf Platz 13. Rückgänge auf Branchenebene unterschiedlich stark Ein Blick auf einzelne Branchen zeigt, dass die russische Nachfrageschwäche die Sektoren sehr unterschiedlich trifft. Unter den großen deutschen Industriebranchen musste das Ernährungsgewerbe die höchsten Einbußen im Russlandgeschäft hinnehmen; die wertmäßigen Ausfuhren sanken um knapp 34%. Dies kann die Branche insgesamt jedoch verkraften. Mit einer Exportquote von 22,5% ist sie nicht sonderlich exportintensiv. Zudem hat Russland als Absatzmarkt in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Das Land machte 2014 nur noch 1,8% der gesamten Ausfuhren des deutschen Ernährungsgewerbes aus (2010: 3,9%). Auch die Exporte der Automobilindustrie nach Russland brachen 2014 ein, und zwar nominal um 31,5%. Dies war bereits der zweite deutliche Rückgang in Folge (2013: -14%), weshalb der Anteil Russlands an den gesamten Ausfuhren der Branche auf nur noch 2,5% geschrumpft ist (2012: 4,6%). Innerhalb eines Jahres ist Russland in der Rangfolge der wichtigsten ausländischen Absatzmärkte der deutschen Automobilindustrie von Platz 5 (2013) auf Platz 10 (2014) abgerutscht. Den Rückgang im Russlandgeschäft konnte die Autoindustrie 2014 zwar durch höhere wertmäßige Ausfuhren nach China, in die USA und Westeuropa (vor allem Großbritannien und Spanien) ausgleichen. Die gesamten Ausfuhren der Branche stiegen 2014 um 6,5%. Dennoch ist die jüngste schwache Entwicklung der Ausfuhren nach Russland eine herbe Enttäuschung für die Branche, denn viele Marktbeobachter sahen das Land bereits auf dem Weg zum größten Pkw-Markt in Europa. Im Maschinenbau nahmen die Ausfuhren nach Russland 2014 zwar „nur“ um 15,8% ab (2013: -4,6%). Dennoch traf dieser Rückgang die Branche vergleichsweise hart. Russland war nämlich 2014 – trotz der Rückgänge – Aktueller Kommentar Seite 2 von 3 immerhin noch der sechstgrößte Exportmarkt des deutschen Maschinenbaus (Anteil: 4,1%; 2012: 5,1%). Hinzu kommt, dass der Maschinenbau insgesamt zu den exportintensiven Branchen zählt (Exportquote 2014: 65,4%). In absoluter Betrachtung ist der Maschinenbau der Sektor mit den höchsten wertmäßigen Exporten nach Russland (2014: EUR 6,8 Mrd.). Sowohl in der Chemie- als auch in der Pharmaindustrie entwickelten sich die wertmäßigen Ausfuhren nach Russland 2014 vergleichsweise robust. Die wertmäßigen Ausfuhren der Chemieindustrie sanken 2014 nur um 3,2%. Der Anteil Russlands an den gesamten Exporten der Branche beträgt allerdings nur 2,8%. In der Pharmaindustrie gingen die wertmäßigen Exporte nach Russland im letzten Jahr um 9,2% zurück. Allerdings ist dabei zu beachten, dass sich die Ausfuhren der Branche nach Russland zwischen 2009 und 2013 mehr als verdoppelt hatten. Maschinenbau auch 2015 überdurchschnittlich betroffen Die wirtschaftlichen Aussichten für Russland haben sich in den letzten Wochen weiter eingetrübt. Wir rechnen für 2015 mit einem BIP-Rückgang um real 5%. Anhaltende Kapitalabflüsse, ein niedriger Ölpreis, die Abwertung des Rubels und anhaltende Handels- sowie Finanzsanktionen im Zuge des noch ungelösten Konflikts in der Ost-Ukraine bleiben auch 2015 belastende Faktoren. In diesem Umfeld werden die deutschen Exporte nach Russland auch im laufenden Jahr sinken. Hiervon sind grundsätzlich jene Sektoren am meisten betroffen, die insgesamt eine hohe Exportquote aufweisen und in denen zugleich Russland auf einen überdurchschnittlichen Anteil an den gesamten Ausfuhren kommt. Dies gilt z.B. für den deutschen Maschinenbau, der 2015 deutlich weniger Aufträge aus Russland erhalten dürfte, weil die dortigen Investitionen sinken werden. Auch in der Pharmaindustrie sind beide Kriterien erfüllt, jedoch werden pharmazeutische Erzeugnisse relativ einkommensunelastisch nachgefragt. Spannend ist die Frage, ob es der deutschen Chemieindustrie 2015 erneut gelingen wird, im Russlandgeschäft mit einem blauen Auge davonzukommen. In der Automobilindustrie ist der Anteil Russlands an den gesamten Exporten inzwischen nicht mehr sonderlich hoch. Ein weiterer Rückgang der Autonachfrage in Russland ist gleichwohl schmerzhaft. In der Autoindustrie wiegt insgesamt wohl schwerer, dass die Unternehmen vorerst nur wenig Nutzen aus den Investitionen in Russland ziehen können, die sie in den letzten Jahren getätigt haben. Dies betrifft natürlich auch Konkurrenten aus anderen Ländern. Insgesamt werden die deutschen Exporte nach Russland 2015 weiter sinken. Damit fällt der einstige Hoffnungsträger in seiner Bedeutung für die deutsche Exportwirtschaft (vorerst) weiter zurück. Von der rückläufigen Entwicklung dürfte sich keine der großen Industriebranchen abkoppeln. Für einzelne Unternehmen mit einem besonders großen Engagement in Russland kann die Belastung durch Einbußen im Russlandgeschäft sehr viel größer ausfallen. Zutreffend ist aber auch, dass sich die gesamten deutschen Exportperspektiven in den letzten Monaten aufgehellt haben. Die wichtigsten deutschen Exportmärkte profitieren vom niedrigeren Ölpreis. Zudem verbessert der schwächere Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Erzeugnissen aus Deutschland. Unter dem Strich trübt der erwartete Rückgang der deutschen Ausfuhren nach Russland 2015 die ansonsten relativ positiven deutschen Exportaussichten; im Gesamtjahr 2015 dürften die deutschen Ausfuhren um real rd. 5% wachsen. Siehe auch: Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...   Aktueller Kommentar Seite 3 von 3       Autoren: Eric Heymann (+49) 69 910-31730 Jan Trenczek mehr zum Research-Bereich Branchen und Ressourcen Aktuelle Kommentare - Archiv         © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. 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