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2. Oktober 2013
Die deutsche Industrie zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Angesichts des großen Unterhangs von 1,6% aus dem Jahr 2012 erwarten wir aber, dass die Industrieproduktion im laufenden Jahr lediglich stagniert. 2014 zieht die Industriekonjunktur weiter an (+4%). Die Belebung geht mit einem stärkeren Wachstum in den USA und – in geringerem Maße – in China einher. Auch die EWU-Länder verzeichnen wieder ein positives BIP-Wachstum, sodass die Exporte der Konjunktur Schwung verleihen. Dies hilft z.B. der Automobilindustrie, der Elektrotechnik und dem Maschinenbau. [mehr]
Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 Aktuelle Themen Branchen Die deutsche Industrie zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Die Industriepro- duktion hat ihren Tiefpunkt zum Jahreswechsel 2012/13 durchschritten und seitdem leicht angezogen. Die Erwartungskomponente des ifo-Index bewegt sich seit Februar wieder im positiven Bereich. Bei den Aufträgen entwickelt sich die Nachfrage aus Ländern außerhalb Europas seit der Jahreswende besser als jene aus der EWU. Angesichts des großen Unterhangs von 1,6% aus dem Jahr 2012 erwarten wir aber, dass die Industrieproduktion im laufenden Jahr lediglich stagniert. 2014 zieht die Industriekonjunktur weiter an (+4%). Die Belebung geht mit ei- nem stärkeren Wachstum in den USA und – in geringerem Maße – in China einher. Auch die EWU-Länder verzeichnen wieder ein positives BIP-Wachstum, sodass die Exporte der Konjunktur Schwung verleihen. Dies hilft z.B. der Auto- mobilindustrie, der Elektrotechnik und dem Maschinenbau. Automobilindustrie und Elektrotechnik 2014 stärkste Branchen. Wir rechnen damit, dass die reale inländische Automobilproduktion 2014 um 6% zulegen wird. Stützend wirkt dabei die westeuropäische Autonachfrage. Maßgeblich hierfür ist nicht zuletzt der inzwischen aufgebaute Ersatzbedarf. Auch die Elek- troindustrie dürfte mit einem Plus von 6% abschließen – nicht zuletzt begünstigt von den aktuellen Megatrends wie Energiewende, Breitbandausbau und Cloud. Maschinenbau legt 2014 um 4% zu. Neben der verbesserten Exportkonjunktur profitiert der Maschinenbau im kommenden Jahr von einer stärkeren Binnen- nachfrage. Steigende Ausrüstungsinvestitionen (real +4%) begünstigen die Nachfrage nach Maschinen. Autor en Josef Auer +49 69 910-31878 josef.auer@db.com Stefan Heng +49 69 910-31774 stefan.heng@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Antje Stobbe +49 69 910-31847 antje.stobbe@db.com Editor Antje Stobbe Deutsche Bank AG DB Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 2. Oktober 2013 Deutsche Industrie Spürbares Produktionswachstum 2014 -60 -40 -20 0 20 40 60 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Quelle: ifo Institut Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus pos. u. neg. Firmenmeldungen Geschäftserwartungen wieder positiv 80 85 90 95 100 105 110 115 09 10 11 12 13 14 +7,8% -17,3% +12% +/-0% -1,0% +4,0% Industrieproduktion auf Erholungskurs DX Produktion, Verarbeitendes Gewerbe, saisonbereinigt, geglättet, 2005=100 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 2 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Gesamtwirtschaftliches Umfeld gibt wieder Impulse Nach einem schwachen Winterhalbjahr 2012/13 sind die Aussichten für das BIP-Wachstum im 2. Halbjahr 2013 und 2014 günstiger. Dies gilt auch für die deutsche Industrieproduktion, die im vergangenen Jahr real noch um 1% schrumpfte. Die Industrieproduktion hat ihren Tiefpunkt zum Jahreswechsel 2012/13 durchschritten und seitdem leicht angezogen. Die verbesserten Aus- sichten spiegeln sich bereits seit einigen Monaten in der Erwartungskomponen- te des ifo-Index wider. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen bewegt sich seit Februar im positiven Bereich. Zuletzt ist er im September auf +8,6 gestiegen. Auch die Kapazitätsauslastung hat ihr Tief bereits im 4. Quartal 2012 durchschritten und zog zuletzt auf 83% an. Vor dem Hintergrund des gro- ßen Unterhangs von 1,6% aus dem Jahr 2012 erwarten wir aber, dass die In- dustrieproduktion im laufenden Jahr lediglich stagniert. Auch das BIP-Wachstum bleibt mit 0,5% aufgrund der schwachen Ausgangsbasis 2013 insgesamt verhal- ten, obwohl es nach einem recht kräftigen Zuwachs im 2. Quartal 2013 (0,7% gg. Vq.) in der zweiten Hälfte des Jahres weiter expandieren wird. Die Belebung der Konjunktur 2013 geht mit einem anziehenden Wachstum in den Industrieländern einher. Dies ist für das Exportland Deutschland, das Kon- junkturimpulse häufig über die Ausfuhren erhält, von großer Bedeutung. In den Ländern der Eurozone, die mit einem Exportanteil von 37,5% (2012) insgesamt Deutschlands wichtigste Ausfuhrregion sind, dürften im nächsten Jahr die Struk- turreformen und die Konsolidierung der Haushalte die Wirtschaft weniger stark dämpfen als noch in den Jahren zuvor. Für das Jahr 2014 erwarten wir daher, dass in wichtigen deutschen Exportmärkten wieder ein positives BIP-Wachstum zu verzeichnen sein wird (NL: +0,4%, FR: +1,3%, IT: +0,6%). Die Auslandsauf- träge der deutschen Industrie, die aus den EWU-Ländern kommen, haben seit dem Jahreswechsel bereits wieder leicht angezogen (Q1: +0,3% gg. Vq., Q2: +2,6% gg. Vq.). Dies dürfte den Schwergewichten der deutschen Industrie, wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau, helfen. Auch im außereuropäischen Ausland wird die Konjunktur im kommenden Jahr wieder besser laufen. Trotz eines zunächst sehr schwachen Jahresbeginns waren die Impulse aus dem Ausland jenseits der EWU (Aufträge Q2: +4,3% gg. Vq.) zuletzt erneut kräftiger als die aus der EWU. Damit setzt sich die Entwick- lung aus dem Jahr 2012 fort. Die Ausfuhren nach China und in die USA haben im 1. Quartal wieder angezogen; die jüngsten Zahlen waren aber etwas schwä- cher. Insgesamt haben die Exporte der deutschen Maschinenbauer in diese Märkte profitiert; auch die Ausfuhren der Elektroindustrie nach China legten zu. Die für Deutschland so wichtige Autoproduktion konnte aber auf dem US-Markt nur einen Teil der Einbrüche des 4. Quartals 2012 korrigieren. Für den weiteren Jahresverlauf und das Jahr 2014 erwarten wir eine anziehende Konjunktur in China und den USA, die mit einer zunehmenden Nachfrage nach Erzeugnissen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland einhergehen dürfte. In den USA dürfte das BIP im kommenden Jahr um 3,2% (2013: +1,8%) expandieren. Das BIP-Wachstum in China wird sich von +7,6% 2013 auf +8,5% im nächsten Jahr beschleunigen. Dies schließt zwar nicht mehr an die zweistelligen Wachstums- raten vor der Wirtschaftskrise an, signalisiert aber einen stabilen Wachstums- pfad. Die anziehende Weltkonjunktur schlägt sich in kräftig wachsenden deut- schen Exporten nieder, die 2014 real um 6 ½% expandieren dürften. Auch die Binnenkonjunktur zieht wieder an. Wie schon 2012 und 2013 wird auch 2014 der private Konsum in Deutschland mit einem Wachstum von ca. 1% eine stabile Stütze der Binnenkonjunktur bleiben. Dies kommt den konsum- nahen Branchen zugute, wie der Unterhaltungselektronik oder Gesundheitspro- dukten. Weitere Impulse kommen von den Ausrüstungsinvestitionen, die 2014 real um etwa 4% wachsen werden. Dies hilft vor allem dem Maschinenbau. Von Deuts chland: Prognosen auf einen Blick 2 % gg.Vj. 2012 2013 2014 Reales BIP 0,7 0,5 1,5 Privater Konsum 0,8 0,9 1,0 Staatsausgaben 1,0 0,8 0,7 Anlageinvestitionen - 2,1 - 1,2 3,4 Ausrüstungen - 4,0 - 2,5 4,1 Bau - 1,4 - 1,1 2,2 Lager, % - Punkte - 0,5 0,2 0,0 Exporte 3,2 1,7 6,5 Importe 1,4 2,5 6,7 Nettoexport, % - Punkte 1,0 - 0,2 0,3 Konsumentenpreise 2,0 1,6 1,6 Budgetsaldo, % BIP 0,2 0,0 0,2 Arbeitslosenquote, % 6,8 6,8 6,6 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,0 7,1 7,0 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research -6 -4 -2 0 2 4 6 2008 2010 2012 2014 Deutschland Euroland USA Eurozone: Wachstum zieht wieder an 1 Reales BIP, % gg. Vj. Quelle: DB Research 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 09 10 11 12 13 China USA Deutsche Exporte: keine klare Richtung 3 Deutsche Warenexporte, EUR Mrd., geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 3 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen der Baukonjunktur erwarten wir im nächsten Jahr per Saldo einen moderaten Zuwachs von gut 2%. Dahinter verbirgt sich ein anhaltend dynamischer Woh- nungsbau, der von dem niedrigen Zinsniveau profitiert. Vom Gewerbe- und öf- fentlichen Bau geht hingegen keine nennenswerte Dynamik aus. Insgesamt erwarten wir, dass das BIP in Deutschland 2014 um 1,5% wächst. Die Industrieproduktion dürfte real um 4% zulegen. Dabei stützt sich unsere Prognose wesentlich auf eine allgemeine Belebung der Weltkonjunktur und geht davon aus, dass größere Turbulenzen in der Eurozone oder den Emerging Mar- kets ausbleiben. Automobilindustrie: 2014 mit kräftigem Wachstum Die Automobilindustrie in Deutschland hatte ihre Produktion im 4. Quartal 2012 kräftig gedrosselt und damit u.a. auf die anhaltende Nachfrageschwäche in Westeuropa reagiert. Im Gesamtjahr 2012 sank die inländische reale Fertigung – gemessen am Produktionsindex – um 0,4%. Damit legte die Branche eine Verschnaufpause nach den beiden starken Jahren 2010/11 ein, in denen jeweils ein zweistelliges Produktionswachstum erzielt werden konnte. Durch den Rückgang der Produktion Ende 2012 startete die Automobilindustrie mit einem statistischen Unterhang von rd. 3,5% ins Jahr 2013. Obwohl die Pro- duktion im Verlauf der ersten sieben Monate des Jahres 2013 tendenziell ge- stiegen ist (z.B. Q2 2013: +2,8% gg. Vq.), ist daher im Vorjahresvergleich noch ein Minus zu verzeichnen: Im Zeitraum Januar bis Juli 2013 lag die Fertigung um 1,4% unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Für den weiteren Verlauf von 2013 rechnen wir damit, dass sich die Aufwärts- bewegung der inländischen Automobilproduktion tendenziell fortsetzen wird, sodass für den Jahresdurchschnitt in etwa eine Stagnation der Produktion resul- tieren dürfte. Von den wertmäßigen Exporten der Branche gehen dabei unter- schiedliche Impulse aus. Während die Ausfuhren in die USA und nach Groß- britannien 2013 zulegen und die inländische Produktion stützen werden, errei- chen die deutschen Exporte nach Kontinentaleuropa erst allmählich die Talsoh- le. Die Ausfuhren nach China tendierten 2013 bislang nach unten, obwohl sich das Wachstum des chinesischen Automarkts fortsetzt. Hier kommt zunehmend zum Tragen, dass die Autonachfrage in China vermehrt aus lokalen Produkti- onsstätten deutscher Unternehmen bedient wird. Der Pkw-Inlandsmarkt dürfte nach einem schwachen Start ins Jahr 2013 in den kommenden Monaten wieder anziehen. Positiv entwickelt sich zudem die Nutzfahrzeugkonjunktur; die stück- zahlmäßige Produktion von Nutzfahrzeugen wird 2013 steigen. Für das kommende Jahr schätzen wir die Aussichten der Automobilindustrie in Deutschland deutlich optimistischer ein. Wir rechnen damit, dass die reale in- ländische Produktion 2014 um 6% zulegen wird. Stützend wirkt dabei die west- europäische Autonachfrage, die im nächsten Jahr erstmals seit 2009 wieder steigen dürfte. Maßgeblich hierfür ist nicht zuletzt der inzwischen aufgebaute Ersatzbedarf: 2013 liegen die Pkw-Neuzulassungen in der EU-15 zum sechsten Mal in Folge unter dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen 15 Jahre. Voraussetzung für die Erholung des westeuropäischen Automarktes ist freilich, dass weitere Rückschläge bei der Bewältigung der Schuldenkrise ausbleiben. In den USA und China dürfte die Autonachfrage ebenfalls weiter wachsen, wobei vor allem in den USA die Wachstumsdynamik wohl nachlassen wird. Schließlich dürften auch die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland 2014 wieder steigen (+3%) und somit die inländische Produktion stützen. Für eine Produktionsbele- bung in den kommenden Monaten spricht auch, dass die Geschäftserwartungen seit einiger Zeit in den positiven Bereich zurückgekehrt sind. Zudem nahm die Kapazitätsauslastung im 3. Quartal 2013 zum dritten Mal in Folge zu. 60 80 100 120 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland Impulse vor allem aus dem Ausland 4 Automobilindustrie, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt - 100 - 80 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Geschäftserwartungen wieder positiv 5 Automobilindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 60 70 80 90 100 110 120 130 09 10 11 12 13 14 - 21,7% +25,3% - 0,4% +/ - 0% +6,0% +12,7% Auf Stagnation folgt moderates Produktionsplus 6 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Automobilindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 4 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Langfristig wird das Wachstumspotenzial der inländischen Produktion dadurch begrenzt, dass der weit überwiegende Teil der Erweiterungsinvestitionen deutscher Automobilhersteller nicht in Deutschland, sondern im Ausland erfolgt. Dennoch hat der Standort u.a. aufgrund der hervorragenden Kooperation und Vernetzung zwischen Automobilherstellern, Zulieferern, Ausrüstern und For- schungsinstituten sehr gute Zukunftsperspektiven. Dass fortlaufend Innovatio- nen und Produktivitätsfortschritte notwendig sind, um im globalen Wettbewerb der Automobilstandorte zu bestehen, ist dabei unbestritten. Hilfreich für heimi- sche Produktionsstandorte wäre zudem eine stärkere Liberalisierung des Han- dels mit den wachsenden Automärkten der Zukunft (etwa Indien oder ASEAN). Maschinenbau verlässt 2014 Wachstumsdelle Die Produktionskurve der deutschen Maschinenbauer, die nach dem Einbruch 2009 stark anstieg, schwankt nunmehr bereits über zwei Jahren auf relativ ho- hem Niveau. Zugute kommt der Mittelstandsbranche ihre hohe Flexibilität – und dies nicht nur in der Fertigung, sondern auch im internationalen Marktauftritt. Daher konnte die mehrjährige Schwäche im US-Geschäft durch Vorwärtsstrate- gien auf den asiatischen Wachstumsmärkten sowie in Russland aufgefangen werden. China wurde 2012 zum Hauptabsatzland und überholte die USA. In den letzten Monaten vollzogen die Zugpferde dann erneut einen Tempowech- sel. Die neuen asiatischen Wachstumsländer schalteten einen Gang zurück; deshalb sank der deutsche Maschinenexport nach China 2012 um knapp 10%. Gleichzeitig expandierten aber die Maschinenlieferungen in die USA um 15%. Der deutsche Maschinenbau startete 2013 mit einem Fertigungsminus von 3% gg. Vj. in den ersten sieben Monaten. Die Entwicklung der Auftragseingänge ist noch verhalten. Die Geschäftserwartungen tendieren „leicht positiv“. Obwohl wir einen Rückgang der Maschinenfertigung im Gesamtjahr 2013 von 1,5% erwar- ten, liegen dieser mehrere positive Einschätzungen zugrunde: Erstens verstär- ken sich die Zeichen einer nachhaltigen Rückkehr Chinas auf einen höheren Wachstumspfad (2014: +8,5%). Dies spricht für künftig wieder höhere Auftrags- und Liefervolumina nach China. Die Exportdynamik früherer Jahre dürfte aller- dings auf absehbare Zeit nicht wiederkehren. Zum einen wird Chinas Maschi- nenbedarf künftig weitaus mehr von chinesischen Herstellern gedeckt, deren Produktspektrum immer breiter und technologisch moderner wird. Zum anderen fertigen einige deutsche Maschinenbauer mittlerweile auch in China, z.B. um die dortigen deutschen Autoproduzenten noch effektiver zu beliefern. Zweitens er- halten die deutschen Maschinenbauer wohl weiter Nachfrageimpulse infolge der konjunkturellen Stabilisierung in den USA sowie deren Anstrengungen für eine „Reindustrialisierung“ des Landes. Drittens hellen sich zuletzt auch die Perspek- tiven in Europa auf, das 53% und damit den Löwenanteil der deutschen Ma- schinenexporte aufnimmt. Viertens sollte die in den kommenden Monaten wie- der bessere Industriekonjunktur auch eine Mehrnachfrage nach Maschinen im Inland mit sich bringen. Dies alles spricht für eine nachhaltige Belebung der Maschinenbaukonjunktur und ein höheres Produktionswachstum im Jahr 2014 (+4%). Für Maschinenbauer – und deren Kunden – sind die aktuell niedrigen Zinsen interessant. Überdies sind die Preise für Vormaterialien attraktiv: Die Eisen- und die Nicht-Eisenmetallpreise haben zum Teil erheblich korrigiert. Möglicherweise ist eine Preissicherung auf der Zeitachse künftig lohnend. Mittelfristig kommen auf den heimischen Maschinenbau durchaus gewichtige Herausforderungen zu. Mit der steigenden Sorge hinsichtlich der künftigen mengenmäßigen Verfügbarkeit von genügend qualifiziertem Personal am Standort Deutschland steht er zwar nicht alleine. Aber gerade für den Maschi- nenbau sind Know-how bzw. Kompetenzvorsprung bis dato beachtliche Wett- bewerbsvorteile. Ein weiteres Vordringen chinesischer Maschinenbauer in das technologisch mittlere Produktsegment ist absehbar. Künftig steigende Arbeits- 60 80 100 120 140 160 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland Auftragslage stagniert 7 Maschinenbau, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt - 80 - 40 0 40 80 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Geschäftserwartungen rückläufig 8 Maschinenbau, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 80 90 100 110 120 09 10 11 12 13 14 - 26,0% +4,0% +13,1% +10,7% +1,3% - 1,5% Produktion mit Delle 9 Maschinenbau, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 5 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen kosten in China und eine zu erwartende allmähliche Aufwertung der chinesi- schen Währung gegenüber dem Euro lindern allerdings den Wettbewerbsdruck. Zukünftig bieten sich dem Maschinenbau aber auch viele interessante Chancen. So widmete sich vor wenigen Tagen die Weltleitmesse der Metallbearbeitung (EMO) einem Zukunftsthema für alle Bereiche industrieller Fertigung, nämlich „Intelligenter Produzieren“. Stellschrauben sind dabei Exzellenz, Effizienz und Intelligenz, wobei der Informationstechnologie eine Schlüsselfunktion für das bessere Zusammenwirken der konventionellen Fertigungsverfahren zukommt. Hier könnten die deutschen Maschinenbauer ihre komparativen Vorteile aus- spielen, nämlich zunächst komplexe Herausforderungen zu identifizieren, zu vereinfachen und zu beherrschen und dann effektive Maschinenlösungen zu konzipieren und damit neue Märkte zu erschließen. Elektroindustrie: schwierige Zeiten nähern sich dem Ende Die Elektroindustrie ist heute bereits ausgesprochen international ausgerichtet und entwickelt sich hier schnell weiter. So stieg der globale Handel mit Elektro- produkten insgesamt im Jahr 2012 nochmals um 9%. Mittlerweile hat China von den USA die Spitzenposition unter den führenden Produktionsländern der Elek- troindustrie übernommen; gefolgt von Japan, Südkorea und Deutschland. Diese weltweit führenden Länder verlegen sich in der Produktion vorrangig auf elektro- nische Bauelemente, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Automa- tion. In Deutschland allein entfallen auf die Elektroindustrie ein Achtel der gesamten Industrieproduktion bzw. knapp 3% des heimischen Bruttoinlandsprodukts. Seit dem Tief des Jahres 2010 wurden hier bislang 45.000 neue Arbeitsplätze ge- schaffen, sodass die Elektroindustrie heute 841.000 Beschäftigte zählt. Die deutsche Elektroindustrie zeichnet ein breites, innovatives Produktportfolio aus. Vier Fünftel der Produktion entfallen auf Investitionsgüter (z.B. Automations-, Energietechnik), ein Achtel auf Vorleistungsgüter (z.B. elektronische Bauele- mente, Halbleiter) und ein Zehntel auf Gebrauchsgüter (z.B. Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik). Mit ihrem Produktportfolio profitiert die deutsche Elek- troindustrie von den derzeit viel beachteten Megatrends, nämlich Industrie 4.0 (also die durchgehende Automatisierung der Produktion), Cloud Computing, Elektromobilität, Energiewende und Breitband-Ausbau. Bei der aktuellen Debatte um die Verlagerung von Produktionsstätten sprechen etliche Argumente eindeutig für den Standort Deutschland. Neben den rechtli- chen Rahmenbedingungen sind dies vor allem Argumente hinsichtlich der Ar- beitskräfte und der branchenübergreifenden Zusammenarbeit. So gibt es hier- zulande heute beachtlich viele gut ausgebildete Fachkräfte, bis hin zum hoch- spezialisierten Ingenieur – auch wenn freilich nicht in jeglicher Spezialisierung, allerorten und jederzeit in völlig ausreichender Zahl. Daneben erweist sich im Produktlebenszyklus die Nähe zu verwandten leistungskräftigen Branchen – wie hierzulande die zu den Weltmarktführern im Maschinenbau – für die Entwick- lung der deutschen Elektroindustrie äußerst befruchtend. Mit der immer wieder aufflammenden Wirtschafts- und Schuldenkrise bewegt sich die deutsche Elektroindustrie nun schon seit einigen Jahren in schwierigen Zeiten. Entsprechend trübten sich die Einschätzungen zur Lage und die Erwar- tungen auch spürbar ein. So verlor der ifo-Index zur Geschäftslage im Zeitraum 2011 bis 2012 deutlich. Gleichzeitig durchliefen die Geschäftserwartungen von hohem Niveau kommend eine sehr volatile Periode mit einem Double Dip. Seit dem Jahreswechsel 2012/13 steigen nun beide Indizes wieder tendenziell an – auch wenn die Entwicklung der Erwartungen am aktuellen Rand derzeit ab- flacht. 75 80 85 90 95 100 105 110 115 120 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland Ausland gibt insgesamt wieder Anlass zur Hoffnung 10 Elektroindustrie, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Elektroindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Geschäftserwartungen: Erholung nach dem Tiefstand 11 80 85 90 95 100 105 110 115 120 09 10 11 12 13 14 - 21,8% +16,9% - 2,6% +11,5% - 2,0% +6,0% Erholung endlich voraus 12 Elektroindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 6 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Die wirtschaftlichen Herausforderungen des Euro-Raums und die damit verbun- dene Verunsicherung in den Hauptabnehmerländern reduzieren aktuell noch die Absatzmöglichkeiten im Ausland. Zusätzlich wirken diese Turbulenzen aber durchaus auch negativ auf die inländischen Abnehmerbranchen (also insbeson- dere Baugewerbe, Automobil, Maschinenbau), die sich dann in Zweitrunden- effekten wiederum in der Elektroindustrie bemerkbar machen. Die bislang schwierige Situation der Elektroindustrie lässt sich gut anhand der Auftragseingänge belegen. So gaben die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bislang um knapp 1% nach. Dabei wuchsen in diesem Zeit- raum die Auftragseingänge aus dem Ausland um bald 1%, während die Auf- tragseingänge aus dem Inland um gut 2% schrumpften, wobei Großaufträge diese Betrachtung durchaus positiv verzerren. Die angespannte Lage der Hauptabnehmerbranchen im Inland sowie die wirt- schaftlichen Herausforderungen in den Hauptabnehmerländern mindern aktuell die Investitionsneigung und darüber eben auch das Wachstum der Elektroin- dustrie im laufenden Jahr. Demgegenüber rechnen wir allerdings im kommen- den Jahr mit einer spürbaren Verbesserung des makroökonomischen Umfelds für die ausländischen und inländischen Abnehmer der Elektroindustrie – nicht zuletzt auch wegen der oben genannten Megatrends. Demnach dürfte die Pro- duktion der deutschen Elektroindustrie im laufenden Jahr mit einem Minus von 2%, 2014 dann aber mit einem Plus von 6% abschließen. Dabei ist gleichwohl zu bedenken, dass diese Wachstumsrate auch dem Verlauf geschuldet ist und im 15-Jahresvergleich einem nicht ungewöhnlichen Ergebnis entspräche. Metallindustrie atmet allmählich auf Metallerzeugung startet zyklischen Aufschwung Die Eisen- und NE(Nichteisen)-Metallindustrien sind für ihre zyklischen Bewe- gungen in Abhängigkeit von der Gesamtkonjunktur bekannt. Dabei spielen der tatsächliche Verlauf sowie die Erwartungen jeweils eine große Rolle. Die deut- schen Metallerzeuger beziehen ihre Primärrohstoffe – z.B. Eisenerz – in der Regel aus dem Ausland. Überdies entstammt dank über die Jahre merklich gestiegener Recyclingquoten ein Großteil der Einsatzrohstoffe mittlerweile „in- ländischen Quellen“. In Reaktion auf die nur stotternde Weltkonjunktur in den beiden letzten Jahren, insbesondere der Korrektur im führenden Kundenland für Metalle, also China, haben die Preise für Eisenerz und wichtige NE-Metalle wie Aluminium und Kup- fer spürbar korrigiert. Für die Metallerzeuger war die Korrektur der Input-Preise aber nur ein schwacher Trost, denn nicht nur ihre Produktion sank 2012 um 3,8%. Überdies standen ihre Verkaufspreise ebenfalls unter Druck: Einerseits pochten die Kunden auf Preiszugeständnisse, andererseits traten Konkurrenten aus den benachbarten EU-Ländern, die noch wesentlich stärker unter Absatz- einbrüchen litten, preisaggressiv auf dem deutschen Markt auf. Aus Sicht der Metallerzeuger zeigte sich hier die Schattenseite der globalen Überkapazitäten. Am aktuellen Rand keimt allerdings Hoffnung auf: Die Preise für Eisenerz dürf- ten bereits Mitte 2012 ihr Tief gesehen haben. Zudem beleben sich die NE- Metallpreise leicht – trotz Bremsfaktoren, wie im 3. Quartal 2013 die Syrien- Krise. Die in Deutschland wichtigen Metallkunden, wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau und der Wohnungsbau, erwarten 2014 wieder spürbares Wachstum. Kein Wunder also, dass die Geschäftserwartungen der Metallerzeu- ger bereits viel besser sind als deren Beurteilung der Geschäftslage. In Erwartung besserer Aufträge sollten die Metallerzeuger im Rest des Jahres 2013 ihre Fertigung leicht steigern können und damit das Gesamtjahr per Saldo 50 70 90 110 130 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland In- und Auslandsaufträge ohne Schwung 13 Metallerzeugung und - bearbeitung, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt 40 60 80 100 120 140 08 09 10 11 12 Preise für Eisenerz* in Bewegung 14 EUR/dmt * Eisenerz mit 62% Fe - Inhalt Quelle: The Steel Index 70 80 90 100 110 09 10 11 12 13 14 +21,0% - 27,1% +4,0% - 3,8% +2,1% +/ - 0,0% Produktion stagniert 2013 15 Metallerzeugung u. - bearbeitung, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 7 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen mit einer Stagnation beenden. 2014 stehen die Branchenampeln „auf Grün“. Die günstigeren Perspektiven der inländischen Hauptkunden sowie eine moderate Belebung der Weltkonjunktur stützen. Überdies erwarten wir im Europageschäft ein wieder etwas besseres Umfeld. Dank eines leichten Fertigungsüberhangs dürfte die Metallerzeugung 2014 um 4% zulegen. Für einige Metallerzeuger dürfte sich in Erwartung des Aufschwungs auch zunehmend die Frage der Preissicherung auf der Beschaffungsseite stellen. Metallerzeugnisse erwarten Mehrnachfrage seitens Industrie und Bauwirtschaft Im laufenden Jahr leiden die industrienahen Hersteller von Metallerzeugnissen unter der Industrieschwäche und die baunahen Produzenten unter der insge- samt schwachen Baukonjunktur. Dagegen wirken sich die in den letzten Jahren verbesserte Beschäftigungslage sowie der in Relation zum BIP überdurch- schnittlich wachsende private Verbrauch stützend auf die konsumnahen Metall- segmente wie Haushaltsgeräte und Werkzeuge aus. 2014 erwarten wir dank der sich aufhellenden Industrie- und Baukonjunktur auch eine steigende Nach- frage bei den industrienahen und bauaffinen Metallerzeugnissen, wie Stahl- und Leichtmetallbau-Produkten, Heizkörpern oder Metallbehältnissen. Die Branche profitiert von Industrietrends wie dem Trend zu Leichtbau in der Autofertigung. Aber auch die wirtschaftliche Stabilisierung in Europa ist positiv, denn die Regi- on steht für drei Viertel des Auslandsabsatzes. Für die eher mittelständisch strukturierte Branche erwarten wir 2014 ein Produktionswachstum im Durch- schnitt der Industrie von +4%. Chemieindustrie lässt Dynamik vermissen Die Chemieindustrie hat ein schwaches Jahr 2012 hinter sich, in dem die Pro- duktion real um 2,6% sank. Klare positive Signale für die Chemiekonjunktur sind bisher ausgeblieben, obwohl die Chemie als frühzyklische Branche gilt und in- sofern bereits Erholungssignale für die Industrie insgesamt senden sollte. Die Produktion lag in den ersten sieben Monaten nur um 0,3% über dem gleichen Vorjahreszeitraum. In den Monaten Mai bis Juli war allerdings mehr Dynamik zu beobachten: die Produktion bewegte sich 2,8% über dem Niveau Februar bis April, allerdings mit erheblichen Schwankungen. Die vorlaufenden Indikatoren in der Chemieindustrie lassen für den weiteren Jahresverlauf allerdings nicht auf eine ausgeprägte Dynamik schließen. Die Aufträge und die Produktion verlaufen in der Chemieindustrie weitgehend parallel. Die Aufträge sind insgesamt im 1. Halbjahr 2013 gegenüber dem 2. Halbjahr 2012 um 1,7% gesunken. Dabei kamen die negativen Impulse aus dem Ausland; die Inlandsaufträge stagnierten. Der ifo-Geschäftsklimaindex ten- diert seit einigen Monaten in beiden Komponenten weitgehend seitwärts. Die Erwartungskomponente, die sich aus dem Saldo der positiven und negativen Einschätzungen zusammensetzt, bewegt sich seit April in einem engen Korridor gerade noch im positiven Bereich. Die Geschäftslage wird von den Unterneh- men besser eingeschätzt und erreichte im September einen Wert von 19,6. Auch die Kapazitätsauslastung bewegt sich seit Anfang 2012 ohne klare Rich- tung in einem Band zwischen 82 und 84%. Im Juli tendierte sie zuletzt mit 82,2% wieder am unteren Rand. Insofern wird die reale Produktion in der Chemieindustrie im laufenden Jahr nur moderat um 1% zulegen. Der Aufschwung in der deutschen Industrie und die Belebung der Auslands- märkte dürften aber im Jahr 2014 auch der Chemieindustrie zugutekommen. Für die Branche ist insbesondere die konjunkturelle Erholung in Europa von großer Bedeutung, da sie über die Hälfte ihrer Ausfuhren in die EU liefert. Hier dürfte die leichte Erholung helfen, die wir für das EWU-BIP im kommenden Jahr prognostizieren. Auch in für die Chemiebranche wichtigen europäischen Nach- 70 80 90 100 110 120 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland Aufträge geben nach 16 Chemieindustrie, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Geschäftserwartungen seitwärts 17 Chemieindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 8 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen barländern jenseits der EWU dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr anzie- hen (Großbritannien: 2,1%, Polen: 2,5%). Erste positive Anzeichen gibt es von der Konjunktur aus dem außereuropäischen Ausland. Die Nicht-EWU-Aufträge nahmen im 2. Quartal um 3,6% gg. Vq. zu. Hier stehen besonders die USA und China als die beiden wichtigsten Exportmärkte im Fokus, für die wir ein kräftige- res Wachstum erwarten. Die Inlandsnachfrage nach chemischen Erzeugnissen wird im nächsten Jahr Impulse von den anderen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes erhalten. So erwarten wir 2014 zum Beispiel ein dynamisches Wachstum der Automobilpro- duktion (+6%), das auch die Chemieproduktion ankurbeln dürfte. Der konsum- nahe Absatz der Chemie dürfte im kommenden Jahr von der günstigen Entwick- lung des privaten Konsums in Deutschland profitieren. Dies kommt zum Beispiel dem (relativ kleinen) Segment der Wasch- und Körperpflegemittel zugute. Hier hat die Produktion bereits im 2. Quartal 2013 angezogen – im Gegensatz zu den chemischen Grundstoffen. Wir gehen davon aus, dass die Chemieprodukti- on im kommenden Jahr insgesamt um real 3,5% wachsen wird. Die Umsätze der Branche leiden aktuell unter der schwachen Entwicklung der Erzeugerpreise. Während sie 2012 noch um 2,9% zunahmen, lag der Index seit April im Vorjahrsvergleich im Minus. Die Preise für Naphtha, dem wichtigsten Rohstoff der Chemieindustrie, sind allerdings im 2. Quartal noch schneller ge- sunken (-12% pro Tonne), sodass sich die Margen der Unternehmen sogar ausgeweitet haben könnten. Dieser Effekt dürfte allerdings zuletzt durch den – in Folge der Syrien-Krise – wieder angestiegenen Rohölpreis gebremst worden sein. Bei einem anhaltend hohen Ölpreis dürften sich auch die Erzeugerpreise stabilisieren. Pharmaindustrie: Exportmärkte gewinnen weiterhin an Bedeutung Die Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse hat ein schwaches Jahr 2012 hinter sich: Der Rückgang der Pharmaproduktion um real 2,4% fiel sogar noch stärker aus als jener der Industrieproduktion insgesamt (-1%). Seit Mitte des vergangenen Jahres haben sich die Aussichten jedoch wieder etwas verbes- sert. Die Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse lag im 1. Halbjahr 2013 um 3,7% über dem Vorjahreswert. Auch die Kapazitätsauslastung stieg seit Anfang 2013 auf zuletzt 85,3% Mitte des Jahres. Sie übertraf damit ihr Hoch von knapp 85% aus dem Sommer 2011. Nach wie vor entwickeln sich die inländischen und ausländischen Auftragsein- gänge gegenläufig. Die Dynamik der Pharmaindustrie resultiert hauptsächlich aus dem Export; die Pharmabranche wies 2012 eine Exportquote von 68% auf. Die Auftragseingänge aus dem Ausland verzeichneten 2012 einen Anstieg von 7,3% gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (Inland -4,6%). Dieser posi- tive Trend setzte sich auch im 1. Halbjahr 2013 fort (+3,2% gg. Vj.). Auch für den weiteren Jahresverlauf 2013 und das kommende Jahr erwarten wir positive Impulse durch die Auslandsmärkte. Diese Prognose kann vor allem auf einen – trotz der Wirtschaftskrise in der EWU – wachsenden Auftragseingang aus der Eurozone, der wichtigsten Exportregion für deutsche Pharmaunternehmen, zu- rückgeführt werden. Aber auch die anziehende Konjunktur in den USA, die mit einem Anteil von fast 15% aller pharmazeutischen Ausfuhren 2012 den größten Einzelmarkt der deutschen Hersteller stellen, dürfte der Pharmabranche helfen. In die dynamischer wachsenden Emerging Markets geht bisher nur ein kleiner Teil der Exporte. Die Ausfuhren nach China haben aber 2012 kräftig zugelegt (+38%), sodass der Anteil an den deutschen Exporten insgesamt von 1,7% 2011 auf 2,2% 2012 gestiegen ist. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Gesund- heitsdienstleistungen in den Märkten Asiens und Lateinamerikas dürfte die Pharmabranche weiterhin stützen, wenngleich die Anteile der einzelnen Märkte zumeist eher gering sind. 70 80 90 100 110 09 10 11 12 13 14 +3,5% -14,3% +17,6% -2,6% -0,3% +1,0% Chemie: Erholung erst 2014 18 Chemieindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research 90 100 110 120 130 07 08 09 10 11 12 13 Inland Ausland Impulse aus dem Ausland 19 Pharmaindustrie, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt - 40 - 20 0 20 40 60 80 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Positive Geschäftserwartungen 20 Pharmaindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 9 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Im Inland haben die Pharmaunternehmen hingegen weiterhin mit schwierigen regulatorischen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Zu erkennen ist dies u.a. an den anhaltend fallenden Erzeugerpreisen (2012: -0,7%; 1. Halbjahr 2013: -0,8% gg. Vj.). Auch die neue Bundesregierung dürfte einen Kurs verfolgen, der die Kostendämpfung im Gesundheitswesen zum Ziel hat. Insofern ist – trotz des zunächst Ende 2013 auslaufenden Preismoratoriums – nicht mit einer wesentli- chen Lockerung der Rahmenbedingungen zu rechnen. Die Inlandskonjunktur hat dennoch Anfang des Jahres leicht angezogen. So lagen die Inlandsaufträge im 1. Halbjahr 2013 um 2,9% über dem Vergleichs- wert von 2012, jedoch schwächte sich dieser positive Trend im Juni und Juli bereits wieder ab. Der Ausblick für das kommende Jahr dürfte verhalten bleiben. Das solide Wachstum des privaten Verbrauchs in Deutschland in diesem und im nächsten Jahr (DBR-Prognose 2013: +0,9%, 2014: +1%) dürfte den Markt für nichtverschreibungspflichtige Medikamente weiterhin leicht ankurbeln. Hiervon dürften teurere Lifestyle-Erzeugnisse profitieren. Dies ist für die Pharmaunter- nehmen zugleich eine Chance, der verschärften Ertragsregulierung im GKV- Markt zu begegnen. Insgesamt dürfte die reale Pharmaproduktion in diesem Jahr nur leicht um 1% wachsen. Dafür sprechen auch die ifo-Geschäftserwartungen, die zwar weiter- hin positiv sind, aber seit Anfang 2012 weitgehend richtungslos auf niedrigem Niveau schwanken. Aber auch die anhaltende Schwäche der Branche im Hin- blick auf die Einführung neuer Produkte sowie die Nutzenbewertung durch das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) sind belastende Faktoren. Im nächs- ten Jahr erwarten wir vor dem Hintergrund der gegenläufigen Entwicklung zwi- schen Inlands- und Auslandsmarkt ebenfalls nur ein Produktionswachstum von real 1%. Die Produktion ist allerdings im Jahresverlauf sehr volatil, sodass Über- raschungen nach oben und unten möglich sind. Kunststoffwaren: Weg aus dem Tal gefunden Die Kunststoff verarbeitende Industrie ist eine frühzyklische Branche. Die Her- steller dieses Industriezweigs produzieren ähnlich wie die Unternehmen der chemischen Industrie vorwiegend für andere Industriezweige, wie den Fahr- zeug- und Maschinenbau sowie die Elektrotechnik. Zudem ist die Bauindustrie ein wichtiger Abnehmer sowie die Konsumgüterindustrie. In der Kunststoff verarbeitenden Industrie zeigt sich am deutlichsten die Erho- lung der deutschen Industriekonjunktur. Nachdem die Produktion im vergange- nen Jahr noch insgesamt um 1,1% sank, hat sie zum Jahreswechsel die Tal- sohle durchschritten. Im 2. Quartal 2013 legte sie um 2,6% gg. Vq. zu. Die Ge- schäftserwartungen liegen seit Februar wieder im positiven Bereich; tendierten aber zuletzt in einem Band zwischen +9 und +12,5 seitwärts. Demgegenüber ist die Branche sehr optimistisch im Hinblick auf die Einschätzung der Geschäfts- lage. Die Kapazitätsauslastung hat sich zuletzt bei einem Wert von 79% stabili- siert, liegt aber noch deutlich unter dem Spitzenwert von 85% vom Frühjahr 2011. Vor dem Hintergrund des Unterhangs aus dem Jahr 2012 von 1,5% er- warten wir für das laufende Jahr einen Zuwachs der realen Produktion von 1,5%. Im kommenden Jahr dürfte sogar eine reale Produktionsausweitung von 3% möglich sein. Die dynamische Entwicklung in wichtigen Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie (2014: +6%) oder der Elektroindustrie (2014: +6%) dürfte der Produktion der Kunststoff verarbeitenden Industrie Impulse geben. Zudem kommt bei einer geringen Exportquote der Branche von nur 38% der Binnen- konjunktur eine gewichtige Rolle zu. Von den Bauinvestitionen, die nach unse- ren Schätzung 2014 real um 2,2% wachsen werden, gehen positive Effekte auf die Branche aus. Die Hersteller von Verpackungsmaterialien für die Konsum- 95 100 105 110 09 10 11 12 13 14 -2,1% +1,0% +0,6% -2,4% +4,3% +1,0% Pharmaproduktion wächst 2013 moderat 21 Pharmaindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 07 08 09 10 11 12 13 Erwartungen Lage Erwartungen signalisieren Erholung 22 Kunststoffindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 80 85 90 95 100 105 110 09 10 11 12 13 14 - 10,5% +3,0% +12,7% - 1,1% +4,2% +1,5% Kunststoffe: Produktion noch richtungslos 23 Kunststoffwaren, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 10 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen güterindustrie dürften von dem anhaltend robusten privaten Konsum in Deutsch- land profitieren, der 2014 – etwa wie in den Vorjahren – um 1% wachsen dürfte. Die Preisentwicklung in der Branche verlief im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 1,6% moderat. Auch im laufenden Jahr zogen die Preise in den ersten sieben Monaten nur um 1,2% gg. Vj. an. Dies spiegelt auch die – bis zur Verschärfung der Syrien-Krise – weitgehend seitwärts gerichtete Entwicklung des Ölpreises seit Mitte 2012 wider. Sollte der Ölpreis in Folge geopolitischer Einflüsse auf einem erhöhten Niveau verbleiben, könnte sich dies in den Pro- duzentenpreisen niederschlagen. Baustoffindustrie profitiert 2014 von besserer Baukonjunktur Die Produktion von Baustoffen in Deutschland sank 2012 real um 4,3%, nach- dem sie 2010 und 2011 durchschnittlich um 8% expandiert war. Maßgeblich für den Rückgang im letzten Jahr war die geringere Bautätigkeit: Die realen Bauin- vestitionen nahmen 2012 um 1,4% ab (2011: +7,8%). Dabei schnitt der Woh- nungsbau besser ab als der gewerbliche und der Tiefbau; bei letzterem wirkte das Auslaufen staatlicher Konjunkturprogramme belastend. Ferner führten Witterungseinflüsse 2012 zu einer nachlassenden Bautätigkeit. Die Baustoffindustrie ist verhalten ins Jahr 2013 gestartet. In den ersten sieben Monaten lag die Produktion um real 3,9% unter dem entsprechenden Vorjah- resniveau. Am aktuellen Rand zeichnet sich jedoch eine leichte Erholung ab, die sich nach unserer Einschätzung bis zum Jahresende 2013 fortsetzen dürfte. Gleichwohl wird nach unserer Prognose die Baustoffproduktion im Gesamtjahr 2013 um 2% schrumpfen. Abermals fällt die Nachfrage von Seiten der Bauwirt- schaft schwach aus: Die Bauinvestitionen dürften im laufenden Jahr um rd. 1% sinken, wobei sich der Wohnungsbau erneut besser entwickeln wird als die üb- rigen Bausegmente. Für 2014 rechnen wir damit, dass die Produktion von Baustoffen in Deutschland preisbereinigt um etwa 2% zunehmen wird. Haupttreiber dieser Entwicklung ist die wirtschaftliche Belebung in der Bauwirtschaft. Wir erwarten für 2014 ein reales Plus bei den Bauinvestitionen von mehr als 2%. Hier gehen erneut die größeren Impulse vom Wohnungsbau aus, während der Tiefbau – trotz des hohen Investitionsbedarfs etwa im Bereich der Verkehrsinfrastruktur – nur leicht zulegen wird. Unsere Prognose für 2014 wird durch die Geschäftserwartungen in der Baustoffindustrie gestützt, die deutlich im positiven Bereich liegen. Papierindustrie: 2014 erstes Wachstum seit 2010 möglich In der deutschen Papierindustrie nahm die Produktion 2012 preisbereinigt um 2,3% ab. Damit lag der Rückgang in einer ähnlichen Größenordnung wie schon 2011 (-1,8%). Maßgeblich für diese Entwicklung war die insgesamt schwächere Konjunktur in Deutschland, die mit einer gedämpften Papiernachfrage sowohl von Seiten der gewerblichen als auch der privaten Kunden einherging. Im bisherigen Jahresverlauf von 2013 sind noch keine Anzeichen für eine sub- stanzielle Erholung der Papierproduktion zu erkennen. In den ersten sieben Monaten des Jahres lag die inländische Fertigung um 1,4% unter Vorjahresni- veau. Immerhin zogen die Auftragseingänge am aktuellen Rand an, wobei die größeren Impulse von der Auslandsnachfrage ausgingen. Ferner sind die Ge- schäftserwartungen zuletzt wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt. Auch die Kapazitätsauslastung ist drei Quartale hintereinander gesunken, jedoch auf relativ hohem Niveau. Unter dem Strich dürfte die Papierproduktion im Gesamt- jahr 2013 um rd. 1% sinken. 90 95 100 105 110 09 10 11 12 13 14 +7,4% -4,3% +8,7% -11,8% -2,0% +2,0% Mehr Wachstum im Jahr 2014 24 Baustoffindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research 87 92 97 102 09 10 11 12 13 14 - 1,0% - 2,3% - 1,8% +8,1% - 7,6% +2,0% Papierproduktion wächst 2014 moderat 25 Papierindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 11 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Im Jahr 2014 könnte die Branche wieder wachsen. Aufgrund der günstigeren Industriekonjunktur und wegen der Zunahme des privaten Verbrauchs dürfte die Inlandsnachfrage der Papierindustrie Impulse verleihen. Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Westeuropa, dem mit Abstand wichtigsten ausländischen Absatzmarkt, allmählich bessern, weshalb auch die Exporte die inländische Produktion stützen dürften. Im Jahresdurchschnitt hal- ten wie einen Anstieg der Papierproduktion in Deutschland um 2% im nächsten Jahr für wahrscheinlich. Die Erzeugerpreise bewegten sich wegen fehlender Konjunkturimpulse in den letzten Monaten in etwa seitwärts. Wenn die Papiernachfrage in den kommen- den Monaten wieder anzieht, dürften auch die Erzeugerpreise steigen. Textil- u. Bekleidungsindustrie: 2014 unterschiedliche Entwicklung Sowohl in der Textil- als auch in der Bekleidungsindustrie schrumpfte die inlän- dische Produktion 2012 erheblich (real -7,3% bzw. -9,3%). In der Textilindustrie war hierfür u.a. die gesunkene Nachfrage von gewerblichen Kunden nach tech- nischen Textilien maßgeblich. In dieser Sparte, die sich in den Jahren zuvor positiv entwickelt hat, sank die Fertigung 2012 um mehr als 10%. Im Beklei- dungsgewerbe sind nach wie vor strukturelle Gründe (Verlagerung oder Schlie- ßung von Produktionskapazitäten) für den Fertigungsrückgang maßgeblich. Hier ist die inländische Produktionsbasis inzwischen jedoch derart gering, dass die betreffenden Zeitreihen anfällig für statistische Ausreißer geworden sind; dies verringert deren Aussagekraft und wirkt negativ auf die Prognosegüte. Die Produktion in der Textil- und Bekleidungsindustrie tendierte im Verlauf der ersten sieben Monate von 2013 jeweils leicht nach oben. Dies reichte jedoch nicht aus, um im Vorjahresvergleich bereits wieder ein Plus zu erzielen. Im Tex- tilgewerbe lag die Fertigung im genannten Zeitraum um 1,4% unter Vorjahresni- veau; in der Bekleidungssparte waren es 2,4%. Für das Gesamtjahr 2013 er- warten wir einen Produktionsrückgang in beiden Sparten, und zwar um 0,5% in der Textilbranche und um 1,5% im Bekleidungsgewerbe. In der Textilindustrie entwickeln sich die technischen Textilien wieder besser als andere Segmente. Für 2014 erwarten wir in den beiden Sparten eine unterschiedliche Entwicklung. Während wir für die Textilindustrie – vor allem aufgrund der wieder stärkeren Nachfrage nach technischen Textilien von Seiten der Industrie – einen Anstieg der inländischen Produktion um etwa 1% erwarten, dürfte sich der Abwärtstrend im Bekleidungsgewerbe fortsetzen; hier halten wir ein Produktionsminus von 7% für wahrscheinlich. Gerade in der Bekleidungsbranche ist die Entwicklung der inländischen Produktion wegen der genannten Struktureffekte aber kein guter Konjunkturindikator. So haben sich in der Vergangenheit die Umsätze in der Branche im Durchschnitt besser entwickelt als die heimische Produktion. Zudem nutzen viele deutsche Bekleidungsunternehmen seit Jahren erfolgreich die Möglichkeiten der internationalen Arbeitsteilung, die aus der Liberalisierung des globalen Bekleidungsmarktes resultieren. Ernährungsgewerbe: 2014 moderates Produktionsplus Die Produktion im deutschen Ernährungsgewerbe dürfte 2013 um preisbereinigt 0,5% sinken. Dies wäre das dritte Jahr in Folge ohne Wachstum (2012: +/-0%; 2011: -0,6%). Eine derart lange Durststrecke ist ungewöhnlich für die Branche, die in der Vergangenheit durch einen mäßig, aber relativ konstant aufwärts ge- richteten Produktionsverlauf charakterisiert war; maßgeblich hierfür war vor allem das qualitative Wachstum (höhere Qualität, innovative Produkte). Zuletzt scheint dieser Trend jedoch gebrochen zu sein. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Erzeugerpreise im Ernährungsgewerbe in den letzten Jahren relativ 85 90 95 100 105 09 10 11 12 13 14 +0,1% -19,6% +1,0% +11,9% -7,3% -0,5% Textilindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research 2013 weiterer Produktionsrückgang 26 70 80 90 100 110 09 10 11 12 13 14 - 14,0% - 7,0% - 0,3% - 1,5% - 9,3% - 1,5% Abwärtstrend setzt sich fort 27 Bekleidungsindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research 96 98 100 102 09 10 11 12 13 14 +1,8% - 0,5% +1,0% - 0,6% +/ - 0% - 0,5% Hort der Stabilität 28 Nahrungs - und Futtermittel, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 12 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen stark gestiegen sind: Sie liegen aktuell um fast 14% über dem durchschnittli- chen Niveau von 2010. Dieser Preisanstieg könnte bei den Konsumenten im In- und Ausland eine gewisse Kaufzurückhaltung gerade bei teureren Lebensmit- teln ausgelöst haben. Grundsätzlich rechnen wir damit, dass das Ernährungsgewerbe in den nächsten Monaten und Jahren wieder auf den moderaten Wachstumskurs zurückkehren wird. Neben dem erwähnten qualitativen Wachstum spielt hierbei die zuneh- mende Erschließung von Exportmärkten eine wichtige Rolle. Mit einer allmähli- chen Erholung der wichtigen westeuropäischen Absatzmärkte dürften die Im- pulse von Seiten der Auslandsnachfrage 2014 wieder zunehmen; die Export- quote in der Branche lag 2012 bei knapp 22%. Für das kommende Jahr rech- nen wir unter dem Strich mit einem Produktionsplus von 1%. Bau: Freundlicher Ausblick Entgegen den Erwartungen schrumpfte die Baukonjunktur 2012 um 1,4% gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere der Nichtwohnbau schrumpfte stark (-4,6%) ebenso wie die Investitionen im Staatssektor (-10,5%). Der Wohnungs- bau konnte dagegen leicht zulegen (+1,1%). Die Frühindikatoren, die Baugenehmigungen und die Auftragslage haben sich im laufenden Jahr positiv entwickelt. Aktuell liegen die Baugenehmigungen im Jahr 2013 um rd. 9% höher als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei haben sich die Baugenehmigungen sowohl im Wohnungsbau (+12,5%) als auch im Nichtwohnungsbau (+5,2%) erhöht. Aufgrund verbesserter Rahmenbedingun- gen auf der Finanzierungsseite im Gewerbebau könnte die Divergenz zwischen Wohnungs- und Gewerbebau künftig geringer ausfallen. Ein ähnliches Bild liegt auch für die Aufträge vor. Der Auftragsbestand erhöhte sich 2013 deutlich, und auch die Auftragseingänge legten weiter zu. Der Zusammenhang zwischen Frühindikatoren und Investitionsprognose ist kompliziert, denn die Bauinvestitionen wuchsen nach der Großen Rezession 2008/09 sehr erratisch, was folgende Zahlen verdeutlichen: Vom 3. Quartal 2009 bis zum 2. Quartal 2013 betrug das durchschnittliche Quartalswachstum 0,7% gg. Vq. Jedoch wurde dieses Ergebnis stark von den beiden hohen Wachstumswerten von 6,6% im 2. Quartal 2010 und 9,5% im 1. Quartal 2011 getrieben. Ohne diese beiden hohen positiven Wachstumsraten kontrahierten im gleichen Zeitraum die Bauinvestitionen im Durchschnitt um 0,4% gg. Vq. Diese Datenlage macht die Prognose der Bauinvestitionen besonders schwie- rig. Die gesamten Bauinvestitionen fielen im 1. Halbjahr 2013 um rd. 2% gegenüber dem 1. Halbjahr 2012. Dabei schrumpften die Investitionen im Nichtwohnbau- segment deutlich stärker (-4,8%) als die Investitionen im Bereich der Wohnim- mobilien (-1,7%). Trotz der geringen Investitionen in den letzten Quartalen sollte aufgrund der Frühindikatoren und des verbesserten Ausblicks im Gewerbebau die positive Gesamtlage für den deutschen Immobilienmarkt fortbestehen. Die zurückgehenden Investitionen tragen zudem zu einem weiteren Anstieg der Wohnimmobilienpreise aufgrund des knappen Angebots an Wohnraum bei. Steigende Preise aber setzen Investitionsanreize und sollten sich früher oder später auch in der Investitionsaktivität widerspiegeln. Daher erwarten wir, dass die Bauinvestitionen im 2. Halbjahr 2013 anziehen. Für das Gesamtjahr 2013 dürften die Bauinvestitionen trotzdem insgesamt um 1,1% zurückgehen. Auch aufgrund des positiven Wachstumsüberhangs dürften die Bauinvestitionen 2014 dann um mehr als 2% wachsen. Wie in den vergan- genen Jahren auch bleibt der Hoch- und Wohnungsbau wachstumsstärker als der Wirtschafts- und Tiefbau. Für das Gesamtjahr 2013 erwarten wir für den Hoch- und Wohnungsbau eine Stagnation. 2014 sollte der Hochbau dann mit 70 90 110 130 07 08 09 10 11 12 13 Tiefbau Sonst. Hochbau Wohnungsbau Impulse in allen Sparten 29 Bauwirtschaft, Auftragseingang, 2010=100, geglättet Quelle: Statistisches Bundesamt 80 90 100 110 120 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Produktion Investitionen Wohnbau Investitionen Nichtwohnbau Bau: Produktion & Investitionen 30 Bauwirtschaft, Produktion und Investitionen, 2010=100 Quelle: Statistisches Bundesamt 90 100 110 120 09 10 11 12 13 14 +1,2% +0,1% - 1,8% +13,2% +0,5% - 0,4% Bauhauptgewerbe, realer Produktionsindex, 2010=100, geglättet Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Bauwirtschaft: Wachstum legt 2014 zu 31 Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 13 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen mehr als 2% wachsen; während der Tiefbau nur leicht zulegen dürfte. Entspre- chend der Investitionsprognose erwarten wir eine stagnierende Bauproduktion im laufenden Jahr. Im Jahr 2014 sollte die Bauproduktion dann um 1,2% zule- gen. Ausblick: Weitere Erholung im kommenden Jahr Die deutsche Industrie zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Die Industriepro- duktion hat ihren Tiefpunkt zum Jahreswechsel 2012/13 durchschritten und seitdem leicht angezogen. Die Erwartungskomponente des ifo-Index bewegt sich seit Februar wieder im positiven Bereich. Bei den Aufträgen entwickelt sich die Nachfrage aus Ländern außerhalb Europas seit der Jahreswende besser als jene aus der EWU. Angesichts des großen Unterhangs von 1,6% aus dem Jahr 2012 erwarten wir aber, dass die Industrieproduktion im laufenden Jahr lediglich stagniert. 2014 wird die Industriekonjunktur weiter anziehen (+4%). Die Belebung der Konjunktur geht mit einem stärkeren Wachstum in wichtigen Auslandsmärkten der deutschen Industrieunternehmen einher, insbesondere in den USA und – in geringerem Maße – in China. Auch die EWU-Länder verzeichnen wieder ein positives BIP-Wachstum, sodass die Exporte der Konjunktur Schwung verlei- hen. Dies hilft z.B. der Automobilindustrie, der Elektrotechnik oder dem Maschi- nenbau. Die Automobilindustrie und die Elektrotechnik werden 2014 die stärksten Bran- chen sein. Wir rechnen damit, dass die reale inländische Automobilproduktion 2014 um 6% zulegen wird. Stützend wirkt dabei die westeuropäische Autonach- frage, die von dem inzwischen aufgestauten Ersatzbedarf belebt wird. Auch die Elektroindustrie dürfte mit einem Plus von 6% abschließen – begünstigt von den aktuellen Megatrends wie Energiewende, Breitbandausbau und Cloud Compu- ting. Der Maschinenbau wird 2014 mit 4% etwas schwächer zulegen. Neben der verbesserten Exportkonjunktur profitiert der Maschinenbau im kommenden Jahr von einer stärkeren Binnennachfrage. Steigende Ausrüstungsinvestitionen (real +4%) begünstigen die Nachfrage nach Maschinen. Unsere Prognose stützt sich wesentlich auf eine allgemeine Belebung der Welt- konjunktur und geht davon aus, dass größere Turbulenzen in der Eurozone oder den Emerging Markets ausbleiben. Sollte es zu einer erneuten Krise in der Eurozone kommen oder das Wachstum in den USA oder China deutlich schwä- cher ausfallen, so entstehen Abwärtsrisiken für unsere Prognose. Josef Auer (+49 69 910-31878, josef.auer@db.com) Stefan Heng (+49 69 910-31774, stefan.heng@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Antje Stobbe (+49 69 910-31847, antje.stobbe@db.com) 60 70 80 90 100 110 120 130 09 10 11 12 13 EWU Nicht - EWU Ausland insges. Verarbeitendes Gewerbe, Index, 2010=100, saisonbereinigt Quelle: Statistisches Bundesamt Auftragseingang aus der EWU wieder etwas stärker 32 Deutsche Industrie: Spürbares Produktionswachstum 2014 14 | 2. Oktober 2013 Aktuelle Themen Prognose der wichtigsten Industriebranchen 33 Produktion Branche NACE Bruttowert - schöpfung* Export - quote Geschäfts - klima** Kapazitäts - auslastung** Erzeuger - preise 2011 2012 2013 2014 EUR Mrd., 2011 %, 2012 Diff. gg. Vj., Saldopunkte Diff. gg. Vj., % - Punkte letzte 12M, % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. Ernährung 10 25,8 21,8 9,9 2,2 3,9 - 0,6 0,0 - 0,5 1,0 Getränke 11 6,5 10,8 0, 2 - 0,8 1,8 3,1 - 0,5 0,5 0,5 Textil 13 3,4 46,5 17,2 0,0 0,1 0,1 - 7,3 - 0,5 1,0 Bekleidung 14 2,2 39,1 5,2 7,7 1,9 - 1,5 - 9,3 - 1,5 - 7,0 Papier 17 9,3 39,9 8,9 - 1,9 - 1,6 - 1,8 - 2,3 - 1,0 2,0 Chemie 20 37,1 56,6 8,9 - 1,9 1,0 - 0,3 - 2,6 1,0 3,5 Pharma 21 16,4 67,7 16,3 2,7 - 0,7 4,3 - 2,4 1,0 1,0 Kunststoffwaren 22.2 17,0 37,9 17,7 - 0,6 1,3 4,2 - 1,1 1,5 3,0 Baustoffe 23 12,5 30,3 21,4 0,6 1,9 8,7 - 4,3 - 2,0 2,0 Metallerzeugung 24 19,6 38,5 12,9 - 0,4 - 3,2 2,1 - 3,8 0,0 4,0 Metallerzeugnisse 25 37,7 32,2 23,4 0,8 0,3 10,9 - 1,4 1,0 4,0 Elektrotechnik 26+27 60,4 53,1 16,6 - 0,7 0,7 11,5 - 2,6 - 2,0 6,0 Maschinenbau 28 75,1 62,4 11,4 - 1,7 1,6 13,1 1,3 - 1,5 4,0 Automobil 29 78,6 64,0 38,9 6,0 0,4 12,7 - 0,4 0,0 6,0 Verarbeitendes Gewerbe 10 - 33 504,2 47,5 16,1 0,1 0,9 7,8 - 1,0 0,0 4,0 Bau 41+42 107,5*** - 4,1 0,4 1,0 13,2 - 1,8 0,1 1,2 * Gemäß Kostenstrukturstat i s - tik (Bruttowertschöpfung gemäß VGR ist nicht für alle Branchen verfügbar) ** Letzter verfügbarer Wert *** Baugewer be insgesamt Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Aktuelle Themen Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch .de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Ausblick Deutschland: Deutschland nach der Wahl ................................ .......... 1. Oktober 2013  Reform der OTC - Derivatemärkte: Erste erkennbare Wirkungen und o f fene Fragen ................................ .................. 18. September 2013  Ausblick Deutschland: Deutsches BIP +0,5% in 2013 – trotz Verlan g samung in H2 ................................ ....... 2. Septe m ber 2013  Private Equity: In Zeiten monetärer Normalisierung ................................ ............... 8. August 2013  Ausblick Deutschland: Trendwachstum der Beschäftigung – auf läng e re Sicht negativ ................................ ................. 1. August 2013  Niedrigzinsumfeld und Banken: Was lehrt die Erfahrung japanischer Banken? ................... 17. Ju li 2013  Visuelle Medien: Fernsehen mit neuen Akteuren aus verwandten Branchen ................................ ................. 12. Juli 2013  Ausblick Deutschland: Strukturelle Verbesserungen stützen Sonderstellung ................................ ......................... 1. Juli 2013  Ausblick Deutschland: Die schöne neue Welt der Geldpolitik ................................ . 4. Juni 2013  Glob aler Kraftwerkspark: Wandel durch unkonventionelle und grüne Energien ........ 31. Mai 2013  Ausblick Deutschland: BIP - Prognose: Leichter Anstieg in Q1, Verlangsamung in Q2 ................................ ....................... 30. April 2013  Dienstleistungen 2013: Heterogener Sektor verzeichnet nur geringe Dynamik .......................... 19. April 2013  Ausblick Deutschland: Stimmungs - indikatoren – erneuter Dämpfer im Frühjahr ....................... 2. April 2013  Mittelstand und Demografie: Der Handlungsdruck steigt ................................ ............... 25. März 2013  Preisgestaltung im Retailbanking: Chancen für Kundenzufriedenheit & Profitabilit ät ................................ ................................ ..... 7. März 2013  Ausblick Deutschland: Tiefpunkt (wohl) durchschritten ................................ .......................... 1. März 2013  Die Zukunft des (mobilen) Zahlungs - v erkehrs: Banken im Wettbewerb mit neuen Internet - Dienstleistern ................................ ........ 5. Februar 2013  Ausblick Deutschland: Langsam aufwärts in 2013 ................................ ............ 28. Ja nuar 2013 © Copyright 2013. Deutsche Bank AG, DB Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenan- gabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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