1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Deutschland-Monitor
17. Oktober 2014
Die Industrieproduktion in Deutschland dürfte – nach schwachem Winterhalbjahr 2014/15 – im Verlauf von 2015 wieder moderat nach oben tendieren. Daraus resultiert 2014 ein Plus von real rd. 1,5% und 2015 von etwa ¾%. Damit würde sich die seit 2011 insgesamt verhaltene Dynamik der Industriekonjunktur 2015 fortsetzen. Der Anteil der Industrie an der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung (2013: 21,8%) dürfte wie schon 2012 und 2013 sinken. Das nur moderate Wachstum der Industrie ist primär auf die aktuell gedämpfte Konjunktur sowie auf externe Schocks zurückzuführen. Die strukturellen Faktoren werden jedoch wieder wichtiger. Hier liegt das Staffelholz in den Händen der Politik. Viele der zuletzt beschlossenen Maßnahmen lassen befürchten, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts künftig sinkt. [mehr]
Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% Aktuelle Themen Branchen Die Industrieproduktion in Deutschland dürfte – nach schwachem Winterhalb- jahr 2014/15 – im Verlauf von 2015 wieder moderat nach oben tendieren. Dar- aus resultiert 2014 ein Plus von real rd. 1,5% und 2015 von etwa ¾%. Damit würde sich die seit 2011 insgesamt verhaltene Dynamik der Industriekonjunktur 2015 fortsetzen. Der Anteil der Industrie an der gesamten deutschen Brutto- wertschöpfung (2013: 21,8%) dürfte wie schon 2012 und 2013 sinken. In der Automobilindustrie und im Maschinenbau erwarten wir für 2015 jeweils ein Fertigungsplus von rd. 1%. Während sich der Maschinenbau damit gegen- über 2014 (Stagnation) leicht verbessert, schwächt sich in der Autoindustrie das Wachstum verglichen mit 2014 (+4%) merklich ab. In der Elektrotechnik ist 2015 Stagnation wahrscheinlich – nach einem Plus von 1,5% im laufenden Jahr. Die Chemieproduktion dürfte 2015 ihre Fertigung zwar um 2,5% ausweiten, damit würde sie jedoch „nur“ die Verluste von 2014 ausgleichen. Das nur moderate Wachstum der Industrie ist primär auf die aktuell gedämpfte Konjunktur sowie auf externe Schocks zurückzuführen. Die strukturellen Fakto- ren werden jedoch wieder wichtiger. Hier liegt das Staffelholz in den Händen der Politik. Viele der zuletzt beschlossenen Maßnahmen lassen befürchten, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts künftig sinkt. Um in einer globalisierten Welt dauerhaft erfolgreich in Deutschland zu produ- zieren, müssen die politischen Rahmenbedingungen vor Ort stimmen. Als Deutschland vor rd. zehn Jahren der „kranke Mann Europas“ war, galt dies auch für Teile der deutschen Industrie. Heute steht sie – dank der Agenda-Politik und vielfältiger unternehmerischer Maßnahmen – verglichen mit der Konkurrenz in der EU hervorragend da. Viele alte und neue Wettbewerber sitzen aber außer- halb Europas. Globalisierung ist anstrengend, aber die deutschen Industrieun- ternehmen und der Industriestandort Deutschland haben das Potenzial, diese Anstrengungen langfristig zu bewältigen. Autor en Josef Auer +49 69 910-31878 josef.auer@db.com Stefan Heng +49 69 910-31774 stefan.heng@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Christoph Laskawi +49 69 910-31924 christoph.laskawi@db.com Lars Slomka +49 69 910-31942 lars.slomka@db.com Editor Lars Slomka Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 17. Oktober 2014 Deutsche Industrie Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% -60 -40 -20 0 20 40 60 08 09 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Lage noch gut, Erwartungen eingetrübt DX Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 90 95 100 105 110 115 10 11 12 13 14 15 Nach Delle im Verlauf von 2015 wieder moderat aufwärts DX Verarbeitendes Gewerbe, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 2 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 3 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Gesamtwirtschaftliches Umfeld: Risiken für Konjunktur nehmen zu Die deutsche Wirtschaft hat in den letzten Monaten viel Gegenwind erfahren. Die höheren geopolitischen Risiken – vor allem der Konflikt in der Ost-Ukraine – drücken auf die Stimmung in Deutschland und dem Rest von Europa und führ- ten bereits zu schlechteren realwirtschaftlichen Zahlen. Der Einkaufsmanager- index tendierte in der Eurozone zuletzt deutlich nach unten. Insgesamt verstär- ken die Risiken den Investitionsattentismus der Unternehmen. Somit kommt die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone nur langsam voran und wird immer wieder von negativen Nachrichten aus einzelnen Ländern begleitet. Zwar fällt in den USA und China das Wirtschaftswachstum deutlich höher aus als in Europa und sollte sich in den USA im nächsten Jahr sogar beschleunigen. Gleichwohl kamen aus den beiden Ländern zuletzt gemischte Signale, die Anlass zur Vor- sicht geben. In der Summe spiegeln sich die genannten Faktoren bereits in ei- nem leichten Rückgang des BIP in Deutschland im 2. Quartal 2014 wider, bei dem allerdings auch statistische Effekte eine Rolle spielten. Unser Ausblick für das Jahr 2015 wird von den genannten Faktoren beeinflusst. Grundsätzlich erwarten wir, dass Deutschland in den nächsten Quartalen wieder auf Wachstumskurs zurückkehrt. Dieser wird jedoch moderat ausfallen und an- fällig für externe Schocks bleiben. Eine Stütze der Konjunktur liegt 2015 im pri- vaten Verbrauch. Hier erwarten wir einen Zuwachs von real 1,5%, was konsum- nahe Branchen begünstigt. Maßgeblich für den Anstieg dürften Lohnabschlüsse sein, die unserer Erwartung nach 2015 (erneut) über dem langfristigen Durch- schnitt liegen dürften. Auch der Arbeitsmarkt bleibt vorerst relativ robust, wenn- gleich wir mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote rechnen. Ferner dürfte der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre – auf hohem Niveau – zum Erliegen kommen. Hier zeichnen sich erste negative Folgen der Beschlüsse der Bundesregierung zum Mindestlohn sowie zur Rente ab. Schließlich stimuliert die fortgesetzte Zuwanderung nach Deutschland die Inlandsnachfrage. Auch bei den Investitionen rechnen wir für 2015 mit weiterem Wachstum. Die Ausrüstungsinvestitionen steigen 2015 nach unserer aktuellen Prognose um gut 3%, wobei das Winterhalbjahr 2014/15 noch schwach ausfallen wird. Die von uns erwartete Dynamik ab dem 2. Quartal 2015 setzt voraus, dass sich die Weltwirtschaft kräftig erholt, mehr Reformen in der Eurozone ergriffen werden und sich die geopolitischen Risiken abmildern. Höhere Ausrüstungsinvestitionen dürften im Jahresverlauf 2015 den deutschen Investitionsgüterbranchen Impul- se verleihen. Bei den Bauinvestitionen rechnen wir mit einem Plus von preisbe- reinigt knapp 3%. Wichtigste Stütze bleibt der (private) Wohnungsbau. Hier ten- dierten die Baugenehmigungen bis zuletzt nach oben. Extreme Witterungsver- hältnisse könnten die Volatilität bei den Bauinvestitionen erhöhen. Für die deutschen Exporte rechnen wir mit einem Anstieg um real 6%. Dies dürfte wichtige deutsche Industriezweige im nächsten Jahr stützen. Das ge- genüber 2014 spürbar höhere Exportwachstum hängt eng mit der erwarteten Belebung der US-Konjunktur zusammen. Gleichzeitig dürften die deutschen Importe jedoch um rd. 7% zulegen, sodass der Beitrag der Nettoexporte zum BIP-Wachstum 2015 sogar marginal negativ ausfallen könnte. Das Zinsumfeld bleibt für die Unternehmen günstig. Zwar rechnen wir im näch- sten Jahr mit einem Anstieg der Inflationsrate in Deutschland auf 1,4% (2014: 0,8%). Da die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone aber noch kraftlos bleibt und die Inflationsrate in der EWU die 1%-Marke gerade so überspringen dürfte, setzt die EZB ihren expansiven Kurs fort. Exportorientierte Branchen profitieren zudem davon, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar 2015 (weiter) abwerten dürfte. Die zuletzt gesunkenen Rohstoffpreise bringen ebenfalls Entlastung auf der Kostenseite, wenngleich dieser Effekt bei importierten und in US-Dollar fak- turierten Rohstoffen (z.B. Erdöl) durch den schwächeren Euro abgemildert wird. Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vj. 2 2013 2014P 2015P BIP 0,1 1,5 1,5 Privater Konsum 0,8 1,0 1,5 Staatsausgaben 0,7 0,8 0,5 Anlageinvestitionen - 0,7 3,5 2,4 Ausrüstungen - 2,7 3,9 3,1 Bau - 0,1 3,6 2,8 Lager, % - Punkte 0,2 0,3 0,2 Exporte 1,6 3,6 6,0 Importe 3,1 4,7 7,1 Nettoexport, % - Punkte - 0,5 - 0,2 - 0,1 Konsumentenpreise 1,5 0,8 1,4 Arbeitslosenquote, % 6,9 6,7 6,8 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research 40 45 50 55 60 10 11 12 13 14 US CN EWU JP Stimmung vor allem in der Eurozone zuletzt wieder gedämpft 1 Einkaufsmanagerindex, saisonbereinigt Quellen: ISM, Markit, Nationale chinesische Statistikbehörde Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 4 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Produktionswachstum der Industrie fällt 2015 unter 1% Die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe wird natürlich vom gesamtwirt- schaftlichen Umfeld geprägt. Am aktuellen Rand entwickelten sich Auftragsein- gänge und Produktion recht volatil, wobei dies vor allem auf Sondereffekte in der Automobilindustrie zurückzuführen war (Verschiebung von Werksferien). Insgesamt rechnen wir damit dass die Industrieproduktion im 4. Quartal 2014 saisonbereinigt gegenüber dem 3. Quartal leicht sinken und im 1. Quartal 2015 gegenüber Vorquartal in etwa stagnieren wird. Die zuletzt gesunkenen Erwar- tungen der Industrie deuten auf eine solche verhaltene Entwicklung hin. Etwa ab dem 2. Quartal 2015 dürfte die inländische Industrieproduktion dann wieder anziehen, wobei sowohl vom Ausland als auch aus dem Inland Impulse kom- men dürften. Der oben skizzierte Produktionsverlauf dürfte im Gesamtjahr 2014 zu einem Produktionsanstieg im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland von real etwa 1,5% führen. Wenn man bedenkt, dass die Industrie mit einem Überhang ins Jahr 2014 gestartet war und die Konjunkturerwartungen damals noch überwie- gend positiv ausfielen, wäre dies am Ende fast schon ein enttäuschendes Er- gebnis. Das Jahr 2014 ist ein weiteres Beispiel, wie weitgehend unvorhersehba- re externe Schocks (Ukraine-Krise) die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen sowie deren Prognose erschweren. Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland dürfte mit einem leichten Unter- hang ins Jahr 2015 starten. Dies führt dazu, dass die inländische Produktion im Gesamtjahr „nur“ um real etwa ¾% wachsen dürfte, obwohl wir etwa ab dem 2. Quartal 2015 mit einer Aufwärtsbewegung rechnen. Damit würde sich die seit 2011 insgesamt sehr verhaltene Dynamik der Industriekonjunktur auch 2015 fortsetzen. In einem solchen konjunkturellen Umfeld wäre es schon ein Erfolg, wenn das aktuell hohe Beschäftigungsniveau in der deutschen Industrie gehal- ten werden könnte. Der Anteil der Industrie an der gesamten Bruttowertschöp- fung in Deutschland dürfte in Summe der Jahre 2014/15 weiter sinken (wie schon 2012 und 2013), wenngleich die Industrie in Deutschland wesentlich bes- ser positioniert ist als im übrigen Europa. Automobilindustrie: 2015 deutlich geringere Dynamik Die Produktion der Automobilindustrie in Deutschland nahm 2013 real um 1,2% zu. Angesichts der schwachen Autonachfrage in Deutschland und Europa war dies ein respektables Ergebnis. Stützend wirkte die Nutzfahrzeugkonjunktur. Das Jahr 2014 verläuft für die Branche bislang deutlich besser. Dafür gibt es viele Gründe: Schon Ende 2013 zeichnete sich in Westeuropa nach mehrjähri- ger Krise eine Trendwende bei der Pkw-Nachfrage ab. Diese setzte sich in den ersten Monaten von 2014 fort. Im Gesamtjahr dürften die Pkw-Neuzulassungen in der EU um etwa 4% zulegen, wobei das Niveau sehr niedrig ist. Da deutsche Marken in der EU auf einen Marktanteil von etwa 50% kommen und viele der in der EU abgesetzten Fahrzeuge aus Fabriken in Deutschland stammen, profitiert die inländische Produktion. Die Nachfrage aus Spanien und Großbritannien zeigt sich 2014 besonders dynamisch. In den ersten sieben Monaten von 2014 überschritten die wertmäßigen Ausfuhren der Automobilindustrie (inklusive Zu- lieferer) dorthin das Vorjahresniveau um 24% bzw. um knapp 18%. Auch in Deutschland dürften die Pkw-Neuzulassungen 2014 um etwa 3% steigen. Impulse erhält der Wirtschaftszweig auch von außereuropäischen Märkten. Zu nennen sind vor allem China und die USA, wo die Autonachfrage weiterhin stark wächst. Die wertmäßigen Ausfuhren aus Deutschland in diese beiden Länder stiegen im bisherigen Jahresverlauf um 28% bzw. 9% gg. Vj., obwohl die lokale Fertigung deutscher Hersteller weiter expandiert. Insgesamt können durch die -30 -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 … zur Entw. der Geschäftstätigkeit … zur Entw. der Beschäftigung … zur Entw. der Produktionstätigkeit … zur Entw. der Exporttätigkeit Erwartungen der Unternehmen, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Stimmungsindikatoren in der deutschen Industrie gesunken 3 80 90 100 110 120 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Verarbeitendes Gewerbe, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Hohe Volatilität bei Aufträgen 4 80 90 100 110 120 130 10 11 12 13 14 Inland Ausland Automobilindustrie, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Quelle: Statistisches Bundesamt Rückgang der Aufträge am aktuellen Rand durch Statistikeffekt verzerrt 5 Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 5 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen höheren Exporte in die genannten Märkte die massiven Einbußen bei den Aus- fuhren nach Russland (Jan.-Juli 2014: -26% gg. Vj.) kompensiert werden. Unter dem Strich ist vor allem die Auslandsnachfrage die wesentliche Stütze für das gute Ergebnis der Automobilindustrie in Deutschland. In den ersten acht Monaten lag die reale inländische Produktion um real 5,7% über dem entspre- chen Vorjahresniveau. Im Gesamtjahr 2014 dürfte die Fertigung nach unserer Prognose dagegen „nur“ um rd. 4% steigen, denn die Nachfrageimpulse aus dem Ausland dürften im weiteren Jahresverlauf nachlassen. So wirkt sich in Europa die Ukraine-Krise negativ auf die Stimmung der gewerblichen und priva- ten Autokäufer aus und dämpft den allgemeinen wirtschaftlichen Erholungspro- zess. In Großbritannien ist zudem inzwischen das Absatzniveau so hoch, dass eine basisbedingte Beruhigung der Nachfrage wahrscheinlicher wird. Auch in den USA und China dürfte die hohe Dynamik der Autonachfrage der ersten Monate von 2014 im Durchschnitt des 2. Halbjahres nicht zu halten sein. Die geopolitischen Risiken und ihre Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Stimmung gerade in Europa spiegeln sich auch in den Geschäftserwartungen der Automobilindustrie wider, die am aktuellen Rand in den negativen Bereich gerutscht sind. Die Kapazitätsauslastung war im 3. Quartal 2014 gesunken. Auch 2015 dürften die ausländischen Nachfrageimpulse für die Automobilin- dustrie in Deutschland geringer ausfallen. Das zarte Pflänzchen wieder steigen- der Pkw-Verkäufe in der EWU wird durch die geopolitischen Risiken und innen- politische Schwierigkeiten bereits wieder auf eine harte Probe gestellt. Zwar rechnen wir nicht mit einem erneuten Rückgang der Pkw-Nachfrage in Euro- land, aber mehr als ein Plus von etwa 2% ist aus heutiger Sicht wenig wahr- scheinlich; in Deutschland dürften die Pkw-Neuzulassungen kaum stärker stei- gen. In Großbritannien, den USA und China wird sich das Wachstum der Auto- nachfrage im nächsten Jahr gegenüber 2014 wohl spürbar verlangsamen. Zu- dem werden die USA und China mehr und mehr aus lokaler Produktion belie- fert. Und die Exporte nach Russland könnten im Extremfall durch etwaige Wirt- schaftssanktionen 2015 einbrechen, was jedoch nicht unser Basisszenario ist. Unter dem Strich dürfte die Automobilindustrie in Deutschland ihre Produktion im Jahresdurchschnitt von 2015 nur um real etwa 1% steigern. Dabei spielt auch ein statistischer Effekt eine Rolle, denn die Branche dürfte mit einem leichten statistischen Unterhang ins Jahr 2015 starten. Maschinenbau spürt Investitionszurückhaltung Nachdem sich der deutsche Maschinenbau im Anschluss an den Tiefpunkt der globalen Wirtschaftskrise 2008/09 wieder rasch belebte, indem er in den Jahren 2010 und 2011 zweistellige Produktionszuwächse erzielte, konnte er danach das zuvor gezeigte Tempo nicht aufrechterhalten. Ganz im Gegenteil: Nach einem nur noch leichten realen Produktionszuwachs 2012 (+1,2%) und einem in etwa gleichen Rückgang 2013 (-1,6%) ist 2014 das dritte verhaltene Jahr, denn die inländische Fertigung wird wohl kaum mehr als stagnieren. Drei Jahre in Folge mit – mehr oder weniger – nur Seitwärtsbewegung sind für eine Industrie- branche wie dem deutschen Maschinenbau alles andere als normal. Gerade für den Maschinenbau ist typisch, dass er dem schwankenden Investitionsverhalten der Kundengruppen – von der Automobilindustrie bis zur Bauwirtschaft – unter- liegt und folgt. Die Seitwärtsbewegung der ansonsten sehr konjunkturreagiblen Maschinen- baubranche bis ins laufende Jahr ist letztlich das Ergebnis von in unterschied- licher Richtung wirkenden Einflussfaktoren. Positiv für die Maschinenbauer auf der Kostenseite wirk(t)en sich die sinkenden Rohstoffpreise aus, etwa bei den für die Fertigung wichtigen Nicht-Eisen-Metallen. Hinzu kommt, dass die Markt- zinsen bis zuletzt weiter nachgegeben haben; die Finanzierungskosten für Ma- -60 -40 -20 0 20 40 60 80 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Automobilindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Lage besser als Stimmung 6 80 90 100 110 120 130 140 10 11 12 13 14 15 +25,3% - 0,4% + 1,2% +4% +13,1% +1% Wachstum spürbar verlangsamt 7 Automobilindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 80 90 100 110 120 130 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Maschinenbau, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Aufträge ohne einheitliche Richtung 8 Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 6 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen schinenbauinvestitionen im Vergleich zu anderen Konjunkturphasen und auch früheren Konjunkturzyklen sind damit als günstig zu bewerten. Dem stehen frei- lich Risiken gegenüber, die insgesamt die Investitionslaune schmälern. Am ak- tuellen Rand bremst nicht zuletzt die unsichere Lage rund um den Russ- land/Ukraine-Konflikt. Diese unterminiert die in den letzten Jahren gestiegene Investitionsneigung westeuropäischer und insbesondere auch deutscher Inves- toren in Russland – von der Automobilindustrie über Energieunternehmen bis hin zu mittelständischen Maschinenbauern – und kehrt sie in ihr Gegenteil um. Die aktuell sehr negativen Erfahrungen dürften damit auch nach einer Beendi- gung des Konflikts weiter in Erinnerung bleiben und Investoren bei Ostengage- ments vorsichtiger werden lassen. Freilich werden 2014 nicht alle der über 30 Fachzweige des deutschen Maschi- nenbaus wie der Durchschnitt abschneiden. So spüren die Hersteller von Berg- baumaschinen die international schwache Preisentwicklung bei Bergbauproduk- ten und damit auch die verminderte globale Investitionstätigkeit dieser Branche. Zudem werden wohl die Produzenten von Druck- und Papiertechnik dieses Jahr unterdurchschnittlich abschließen. Besser als die Gesamtbranche Maschinen- bau dürften sich dagegen die Fachzweige Robotik und Automation, Fluidtechnik sowie Power Systems (Turbinen) entwickeln. Für 2015 erwarten wir unter der Voraussetzung einer Abschwächung der aktuel- len regionalen Konflikte, nicht zuletzt in Osteuropa, und einer damit auch wieder stabileren Weltwirtschaft, dass sich die Maschinenbaukonjunktur im Jahresver- lauf allmählich belebt. Die von der Investitionstätigkeit in den eigenen Fach- zweigen und anderen Branchen des Produzierenden Gewerbes abhängigen Maschinenbauer dürften 2015 zwar ohne statistischen Überhang starten. Blei- ben aber insbesondere politische Irritationen aus, stehen die Chancen gut für eine günstigere Auftragsentwicklung. Eine sich bessernde Investitionsneigung käme den deutschen Maschinenbauern entgegen, die damit per Saldo ein in- ländisches Fertigungsplus von 1% erzielen könnten. Ein Vorteil für die heimi- schen Maschinenbauer ist, dass sie wohl auch 2015 in einem noch günstigen Zinsumfeld agieren können. Überdies stimuliert der billigere Euro gegenüber dem US-Dollar den wieder aussichtsreicheren US-Absatz. Und auch das in den letzten Jahren wichtiger gewordene China-Geschäft dürfte weitere Impulse brin- gen, wenngleich infolge der geänderten Industriepolitik nicht mehr mit den ho- hen Zuwächsen früherer Jahre. Elektroindustrie: Weiter schwierige Zeiten zu durchlaufen Die Elektroindustrie umfasst eine breite Palette aus Konsumgütern, Investitions- gütern und Vorleistungsgütern. Mit ihren Produkten ist die Industrie eine beson- ders international ausgerichtete Branche im weiter schnell wachsenden Welt- handel. Ein Großteil dieser Dynamik geht auf die rasanten Entwicklungen in Fernost zurück. Die Entwicklung der Elektroindustrie ist seit jeher ausgesprochen volatil. So nahm der Auftragseingang im Jahr 2012 um 5,9% ab, im Jahr 2013 dann um 1,5% zu. Nachdem der Auftragseingang dank des Rückenwindes aus dem Aus- land in das Jahr 2014 mit einem Überhang von +2,6% startete, füllten sich die Bücher zwischenzeitlich nochmals schneller. So stiegen die Auftragseingänge aus dem Inland 2014 bislang um 2,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die aus dem Ausland gar um 3,9%. Damit liegt der Auftragseingang insgesamt ak- tuell bei 3,4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ganz ähnlich dazu schwanken auch die Geschäftsklima-Indikatoren seit jeher stark. So ließen die Geschäftserwartungen im Durchschnitt des Jahres 2012 um 8,9 Index-Punkte gegenüber dem Vorjahr nach, um dann im Jahr 2013 um 18,1 Punkte zuzulegen und damit auch wieder in den positiven Bereich zu schnellen. -60 -40 -20 0 20 40 60 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Erwartungen trüben sich seit Jahresbeginn ein 9 Maschinenbau, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 85 95 105 115 125 10 11 12 13 14 15 +/ - 0% +13,7% +10,7% +1,2% - 1,6% Maschinenbau, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Nach wie vor geringe Dynamik 10 +1% 80 90 100 110 120 130 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Bild trübt sich wieder ein 11 Elektrotechnik, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 7 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Der Indikator zur Beurteilung der Geschäftslage verlor im Jahr 2012 durch- schnittlich immerhin 26,5 Index-Punkte gegenüber dem Vorjahr, im Jahr 2013 dann 7,5 Punkte. Am aktuellen Rand haben sich die Geschäftserwartungen nach einem Zwischenhoch im ersten Quartal wieder verschlechtert. Dagegen scheint sich bei der Beurteilung der Lage nach einem Zwischenhoch im ersten Quartal nun eine Konsolidierung auf hohem Niveau einzustellen. Etwas gegensätzlich zur geschilderten Entwicklung bei den Aufträgen oder dem Geschäftsklima ist nach Jahren mit großen Schwankungen die Amplitude bei der Produktionsentwicklung in jüngster Vergangenheit ausgenommen klein. Im Spannungsfeld zwischen den deutlichen Rückgängen bei der Telekommunikati- onstechnik und der Unterhaltungselektronik beziehungsweise der günstigen Entwicklung bei der Mess- und Kontrolltechnik schrumpfte die Produktion der Industrie in den Jahren 2012 und 2013 um real 2,1% bzw. 1,8%. Nachdem die Branchenproduktion in das Jahr 2014 mit einem Überhang von 1% startete, flachte sie am aktuellen Rand zwischenzeitlich ab; auch wegen des Rückgangs bei den elektromedizinischen Geräten. Dank der derzeit günstigen Entwicklun- gen bei der Unterhaltungselektronik, speziell aber bei den Bauelementen, liegt das Produktionsniveau der Elektroindustrie derzeit noch um 2,4% über dem Vorjahreszeitraum. Wegen der aktuell äußerst unsicheren geopolitischen und wirtschaftlichen Situa- tion und der „bescheidenen“ Entwicklungen der Abnehmerbranchen erwarten wir, dass sich nach einer Schwächephase in den nächsten Monaten im Verlauf des Jahres 2015 dann die Branchenperspektiven nach und nach wieder aufhel- len könnten. Mit einer Beruhigung der Geopolitik dürften die Bereiche Industrie 4.0, Energieeffizienz und Digitale Agenda, aber auch der Wechselkurs dieses Wachstum vorantreiben. Insgesamt rechnen wir für die Branche in den Jahren 2014 und 2015 mit einer Produktionsentwicklung von real +1,5% bzw. 0%; dies ist dann auch dem Konjunkturverlauf mit dem resultierenden statistischen Un- terhang zur kommenden Jahreswende geschuldet. Mittelfristig wird das Wach- stumspotenzial der Elektroindustrie immer mehr durch den internationalen Wettbewerb geprägt. Diesbezüglich wird insbesondere den Faktoren Lohnkos- ten und Produktivität eine noch größere Rolle zukommen. Metallindustrie spürt nachlassende Dynamik ihrer Kunden Metallerzeugung verliert deutlich an Schwung Die deutsche Metallindustrie ist 2014 mit großen Hoffnungen auf eine günstige Entwicklung der Gesamtkonjunktur und damit auch ihrer wichtigen Kundenbran- chen gestartet. Im Laufe des Jahres haben sich die Erwartungen der Metaller- zeuger dann aber erheblich abgeschwächt. Nicht zuletzt sorgte dafür die nach- lassende Dynamik in Industriebranchen, die letztlich wichtige Kunden der Me- tallindustrie sind. So hat – wie dargestellt – auch der deutsche Maschinenbau seit Jahresbeginn merklich an Tempo eingebüßt. Als eine Belastung für die Metallindustrie erweist sich derzeit auch ihr geografi- sches Hauptabsatzgebiet. Aufgrund der Relevanz der Transportkosten liegt ihr Fokus nämlich auf Europa. Und der alte Kontinent leidet – nunmehr schon seit Jahren – in besonderem Maße an strukturellen Problemen (Überkapazitäten), die dazu führen, dass sich die industrielle Fertigung in vielen europäischen Kundenländern auch zur Zeit noch wesentlich schwächer entwickelt als in Deutschland. Per Saldo führt all dies dazu, dass die Produktion der Metaller- zeuger 2014 nicht in dem Ausmaß gesteigert werden kann, wie noch zum Jah- reswechsel erwartet wurde. Erschienen am Jahresbeginn noch 4% Fertigungs- zuwachs machbar, werden es im Jahresdurchschnitt nun wohl nur noch etwa 1% sein. -40 -20 0 20 40 60 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Quelle: ifo Institut Elektrotechnik, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Erholung bei Klimaindikatoren vorüber 12 90 100 110 120 10 11 12 13 14 15 +16,9% -2,7% +10,7% -2,1% +1,5% Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Elektrotechnik, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt +/- 0% Im Verlauf von 2015 wieder aufwärts 13 80 90 100 110 120 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Metallerzeugung und - bearbeitung, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Inlandsaufträge tendieren zuletzt leicht nach oben 14 - 80 - 60 - 40 - 20 0 20 40 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Quelle: ifo Institut Einschätzung der Lage seit mehr als zwei Jahren negativ 15 Metallerzeugung und - bearbeitung, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 8 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Die Perspektiven für 2015 sind aktuell auch keineswegs besser. Tatsächlich rechnen wir zwar damit, dass die Produktion der Metallerzeuger im Verlauf des kommenden Jahres wieder anzieht. Da die Branche aber mit einem statisti- schen Unterhang startet, dürfte am Ende wohl kaum mehr als eine Stagnation der Produktion herauskommen. Dafür spricht auch die ebenfalls nur verhaltene Performance wichtiger Abnehmerbranchen (Maschinenbau, Automobilindustrie, Elektrotechnik). Auf der Kostenseite kommt der deutschen Metallindustrie zugu- te, dass sie dank Recycling einen großen Mengenteil mittlerweile aus inländi- schen Quellen bezieht. Denn für Nicht-Eisenmetalle wie Nickel und Blei erwar- ten wir 2015 höhere Preise als 2014 – zudem bei einer höheren Bewertung der Fakturierungswährung, also des US-Dollars gegenüber dem Euro, was die Im- porterze bzw. -metalle zusätzlich verteuert. Metallverarbeitung vor Fertigungsdelle Die Geschäftserwartungen der Hersteller von Metallerzeugnissen haben sich gegenüber dem Jahresauftakt 2014 abgeschwächt und sind zuletzt in den nega- tiven Bereich gerutscht. Dies, sowie die im Jahresverlauf allmählich eingetrübte Gesamtkonjunktur in Europa, sind starke Signale für eine nachlassende Order- tätigkeit für Metallerzeugnisse in den kommenden Monaten. Die Metallverarbei- ter starteten allerdings mit einem Fertigungsüberhang ins laufende Jahr und dürften auch deshalb 2014 mit einem realen Produktionswachstum von rd. 3% beenden. Die zuletzt besseren Realeinkommen sollten 2015 konsumnahen Metallproduk- ten wie Werkzeugen und Haushaltserzeugnissen zugutekommen. Auch für die anderen Metallsparten rechnen wir im Verlauf von 2015 mit wieder günstigeren Perspektiven, wenn sich die vielen regionalen Konflikte, zuletzt auch in Europa, abschwächen. Schwindet 2015 allmählich die Investitionszurückhaltung, sollten auch wieder mehr industrie- und baunahe Metallerzeugnisse nachgefragt wer- den – von Leichtbauelementen für die Autoindustrie bis hin zu Heizkörpern für die Baubranche. Insgesamt rechnen wir 2015 zwar mit einer Besserung im Or- deraufkommen und im Fertigungsverlauf der Branche. Dass die Metallverarbei- tung dennoch mit einem leichten realen Produktionsrückgang um 1% abschnei- den könnte, hängt mit der für das Jahresende 2014 erwarteten „Fertigungshypo- thek“ zusammen, die 2015 den Vorjahresvergleich trübt. Chemieindustrie vor spürbarer Erholung 2015 Die Chemieindustrie hat ein recht stabiles Jahr 2013 hinter sich, in dem die Pro- duktion real um 0,5% gestiegen war. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres hingegen ist die Produktion real um 1,9% gegenüber dem entsprechen- den Vorjahreszeitraum gesunken. Dabei fiel der Rückgang vor allem im 1. Halbjahr 2014 überraschend stark aus. Zuletzt war im Verlauf jedoch wieder eine Aufwärtstendenz zu verzeichnen. Konträr dazu sanken die Aufträge der Chemieindustrie 2013 um real 1,1% ge- genüber 2012. Dies war primär durch geringere Auslandsaufträge (-1,4%) ge- trieben (Inland: -0,7%), welche rd. 50% der Gesamtnachfrage ausmachen. Im bisherigen Jahresverlauf von 2014 entwickelten sich Produktion und Auftrags- eingänge unterschiedlich. Während in den ersten acht Monaten des Jahres die Produktion – wie erwähnt – das Vorjahresniveau um 1,9% unterschreitet, liegen die Aufträge im gleichen Zeitraum real um 1,6% über dem Vorjahresniveau. Interessant ist, dass sich der in der Vergangenheit stets recht parallele Verlauf von realen Umsätzen und realer Produktion – trotz der zuletzt erfolgten Auf- wärtsrevision der Produktionsdaten – seit Anfang 2014 stark entkoppelt hat. Im Klartext: Die Umsätze der Branche entwickelten sich deutlich besser als die 40 60 80 100 120 140 08 09 10 11 12 13 14 Preise für Eisenerz und Stahlschrott in Deutschland auf Euro-Basis, 2010=100 Quelle: HWWI Preise für Vorprodukte sinken 16 90 100 110 10 11 12 13 14 15 +21% -3,7% +4,7% +1% -0,6% Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Metallerzeugung und -bearbeitung, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt +/-0% Im Verlauf von 2015 aufwärts, im Durchschnitt Stagnation 17 90 100 110 120 10 11 12 13 14 15 +14,5% - 1,5% +11,7% +3% +1,1% Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Metallerzeugnisse, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt - 1% Leichtes Produktionsminus 2015 18 90 100 110 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Chemieindustrie, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Inlandsaufträge tendieren schwächer 19 Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 9 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen inländische Produktion. Getrieben wurde diese Entwicklung insbesondere durch den Bereich der chemischen Grundstoffe. Nach einem längeren Seitwärtstrend beider Komponenten des ifo- Geschäftsklimaindex 2013 waren sowohl die Erwartungen als auch die Lage in der Chemieindustrie zum Jahresende 2013 deutlich angezogen. Im laufenden Jahr sind beide Indikatoren hingegen wieder rückläufig. Der Indikator zur Ge- schäftslage verbleibt allerdings weiterhin im positiven Bereich, während die Er- wartungen am aktuellen Rand ins Negative gefallen sind. Die Kapazitätsauslastung zeigte sich 2013 erneut recht volatil und stieg zum Jahresende hin an. Im laufenden Jahr setzte sich die volatile Tendenz fort, mit einem Rückgang im 3. Quartal 2014. Für das Gesamtjahr 2014 erwarten wir, dass die Produktion ihren jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen wird, wenngleich auf niedrigem Niveau. Ein Indiz für die erwartete Verbesserung ist die Entwick- lung der Erzeugerpreise, die zuletzt wieder leicht angezogen sind. Der bereits einsetzende Aufwärtstrend bei der Produktion unterscheidet die Chemie – tradi- tionell eine frühzyklische Branche – von den anderen großen Industriezweigen, die allerdings auch deutlich besser ins Jahr 2014 gestartet waren. Insofern kann die Chemieindustrie zwar etwas an verlorenem Boden gutmachen, im Gesamt- jahr dürfte die Produktion dennoch um rd. 2,5% sinken. Auch für 2015 rechnen wir mit einem aufwärts gerichteten Produktionsverlauf, der jedoch moderat ausfallen wird. Leichte Impulse gehen dabei sowohl von der Inlandsnachfrage als auch von ausgewählten Auslandsmärkten aus (z.B. in Europa Großbritannien, Niederlande, Polen sowie die USA und China außer- halb Europas). Risiken für das Wachstum liegen in fortgesetzten geopolitischen Krisen und ihren Auswirkungen auf wichtige Absatzmärkte und Kunden. Das Wachstum des privaten Konsums dürfte den Absatz von konsumnahen Chemi- kalien fördern. Insgesamt erwarten wir, dass die Chemieproduktion 2015 um etwa 2,5% wachsen wird, was die Verluste aus 2014 ausgleichen könnte. Das Wachstum stellt also im Wesentlichen einen Aufholeffekt nach dem schwachen Jahr 2014 dar. Pharmaindustrie vor allem 2014 mit hoher Dynamik Die Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse hat 2013 mit einem Produkti- onswachstum von real 5,3% ein starkes Jahr hinter sich. Im laufenden Jahr ist die Produktion in den ersten acht Monaten mit real +6,8% nochmals deutlich im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Nach einem Anstieg der Kapazitätsauslastung um 1,3%-Punkte 2013 setzt sich der positive Trend auch im laufenden Jahr fort. Im 3. Quartal lag die Auslastung mit 85,3% spürbar über dem langfristigen Durchschnitt. Im Gegensatz zu den Vorjahren haben sich 2013 die inländischen und auslän- dischen Auftragseingänge gleichgerichtet entwickelt. Dennoch resultiert die Dynamik in der Pharmaindustrie weiterhin aus den Exporten (Exportquote 2013: 69%). Die Auftragseingänge insgesamt nahmen 2013 um 3% zu, wobei die Inlandsaufträge um 2,2% und Auslandsaufträge um 3,4% stiegen. Das positive Klima hat sich bisher auch 2014 in einem sehr starken Zuwachs der Aufträge gezeigt (Ausland: +9,6% gg. Vj.; Inland: +6,6%). Auch für das Gesamtjahr 2014 und das kommende Jahr erwarten wir positive Impulse aus dem In- und Aus- land. Insbesondere resultiert das Auslandswachstum aus der starken Nachfrage aus Nicht-EWU-Ländern. Die dortige Verbesserung der Konjunktur, insbesonde- re in den USA, dürfte die Entwicklung der deutschen Pharmaindustrie stützen. Auch eine zunehmende Nachfrage an Gesundheitsdienstleistungen in Asien und Lateinamerika könnte der Branche zusätzliche Aufträge bescheren. Im Inland bestehen allerdings weiterhin herausfordernde regulatorische Rah- menbedingungen. Dies zeigt sich insbesondere in der diesjährig beschlossenen -40 -20 0 20 40 60 80 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Chemieindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Erwartungen zuletzt negativ 20 92 94 96 98 100 102 104 12 13 14 Umsatz, real Produktion, real Quelle: Statistisches Bundesamt Umsatz und Produktion in der chemischen Industrie, 2010=100, saisonbereinigt Umsatz und Produktion in der Chemie zuletzt entkoppelt 21 90 95 100 105 110 10 11 12 13 14 15 -2,5% +17,6% -2,8% +1% +0,5% Erholung erst 2015 22 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research +2,5% Chemieindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt 80 100 120 140 10 11 12 13 14 Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Pharmaindustrie, realer Auftragseingang, 2010=100, saisonbereinigt Auslandsaufträge sehr volatil 23 Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 10 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Verlängerung des Preismoratoriums für Arzneimittel bis 2017, welches einen Anstieg der Arzneimittelversorgungskosten verhindern soll. So sind die Erzeu- gerpreise in der Branche seit Jahren tendenziell rückläufig. Insgesamt dürfte die reale Pharmaproduktion in diesem Jahr um mindestens 4% wachsen. Gegen ein höheres Wachstum, welches man nach den Ergebnissen der ersten acht Monate hätte erwarten können, sprechen die gestiegen ge- samtwirtschaftlichen Risiken sowie die ifo-Geschäftserwartungen, die zuletzt in den negativen Bereich gerutscht sind. Belastende Faktoren sind weiterhin die regulatorischen Vorschriften für Produktneueinführungen sowie die Nutzenbe- wertung von Produkten im Rahmen des Arzneimittelneuordnungsgesetzes. Für das kommende Jahr erwarten wir bei anhaltend positiven Fundamentaltrends (Demografie, höheres Gesundheitsbewusstsein) mit 2% ein geringeres Produk- tionswachstum als 2014, was auch auf einen statistischen Unterhang zurückzu- führen ist. Kunststoffwaren: Berg- und Talfahrt setzt sich fort Die Herstellung von Kunststoffwaren umfasst eine breite Palette aus Konsum- und Vorleistungsgütern. Die Produkte reichen damit von Folien, Schläuchen und Profilen über Verpackungsmittel bis hin zu Baubedarfsartikeln. Die Branche ist typischerweise frühzyklisch und zeichnet sich aus durch eine im Vergleich zu anderen Branchen relativ niedrige Auslandsabhängigkeit (Exportquote: 37,5%) sowie eine überdurchschnittliche Abhängigkeit von der Konjunktur ihrer Abneh- merbranchen. Als Vorleistung fließen die Branchenprodukte insbesondere in den Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie das Baugewerbe. Die Kunststoffbranche durchlief in der jüngeren Vergangenheit durchaus wech- selhafte Zeiten. So schrumpfte die inländische Kunststoffproduktion im Jahr 2012 um 1,2%, um dann 2013 wieder leicht um 1,6% zu steigen. Nachdem die Branchenproduktion in das Jahr 2014 mit einem Überhang von 2,6% startete, legte sie bis April sogar nochmals zu, um dann am aktuellen Rand wieder etwas nachzulassen. Damit liegt das Produktionsniveau der Kunststoffindustrie derzeit um immerhin 3,7% über dem Vorjahreszeitraum. Entsprechend der Entwicklung bei der Produktion schwankten die Geschäfts- klima-Indikatoren deutlich. So ließen die Geschäftserwartungen im Durchschnitt des Jahres 2012 um 18,8 Index-Punkte gegenüber dem Vorjahr nach, um dann 2013 um 17,1 Punkte zuzulegen und damit auch wieder in den positiven Be- reich zu schnellen. Der Indikator zur Beurteilung der Geschäftslage verlor im Jahr 2012 immerhin 18 Index-Punkte gegenüber dem Vorjahr, 2013 dann 5,2 Punkte. Am aktuellen Rand haben sich die Geschäftserwartungen nach einem Zwischenhoch im ersten Halbjahr wieder schnell verschlechtert. Darüber hinaus stellt sich auch bei der Beurteilung der Lage nach einem Zwischenhoch im 1. Halbjahr nun ebenfalls eine spürbare Verschlechterung ein. Wegen der aktuell fragilen geopolitischen und wirtschaftlichen Situation, der perspektivisch weiteren Verteuerung der Rohstoffe und den bescheidenen Ent- wicklungen der Abnehmerbranchen dürfte sich die Berg- und Talfahrt der Bran- che weiter fortsetzen. Mit einer Beruhigung der geopolitischen Lage sollten sich im Verlauf des Jahres 2015 die konjunkturellen Branchenperspektiven nach und nach wieder aufhellen. Insgesamt rechnen wir für die Branche in den Jahren 2014 und 2015 mit einer Produktionsentwicklung von real +1,5% bzw. -2,5%, wobei der erwartete Rückgang 2015 auch dem resultierenden statistischen Un- terhang zur kommenden Jahreswende geschuldet ist. 95 100 105 110 115 120 10 11 12 13 14 15 +4% +0,6% -2,4% +4,8% +5,3% Pharmaindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Produktion wächst weiter, wenn auch gedämpfter 24 +2% - 20 0 20 40 60 10 11 12 13 14 Erwartungen Lage Klimaindikatoren fallen nach Erholung 25 Kunststoffindustrie, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut 90 95 100 105 110 115 10 11 12 13 14 15 +12,7% +1,6% +5,9% - 1,2% +1,5% Kunstoffindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 2,5% Produktionsminus 2015 26 Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 11 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Baustoffindustrie: Kein Wachstum 2015 trotz guter Baukonjunktur Die Baustoffindustrie in Deutschland war fulminant ins Jahr 2014 gestartet. Ein wesentlicher Treiber hierfür lag in der günstigen Witterung im 1. Quartal, die eine stark steigende Bauproduktion ermöglichte und zu einer höheren Nachfra- ge nach Baustoffen führte. In den Folgemonaten kühlte sich die Konjunktur in der Branche – gemessen am hohen Ausgangsniveau – jedoch merklich ab. Im Gesamtjahr 2014 dürfte die Baustoffindustrie „nur noch“ ein Produktionsplus von real etwa 2% erzielen (2013: -0,5%). Wird berücksichtigt, dass die Produk- tion zu Jahresbeginn noch zweistellige Zuwachsraten (im Vorjahresvergleich) erzielen konnte, ist dieses Ergebnis eher als enttäuschend zu bezeichnen. Die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft, den wichtigsten Kunden der Baustoffindustrie, bleiben 2015 relativ günstig. Die Bauinvestitionen dürften 2015 insgesamt um real knapp 3% zulegen (2014: etwa +3,5%). Impulse gehen dabei vor allem vom Wohnungsbau aus (steigende Zahl von Baugenehmigun- gen). Der öffentliche Bau könnte von höheren Infrastrukturausgaben des Bun- des profitieren. Dagegen dürften sich die gewerblichen Hochbauinvestitionen schlechter entwickeln, weil die Unternehmen angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten, geopolitischer Risiken und verschlechterter politischer Rah- menbedingungen bei Investitionen vorsichtig agieren dürften. Insgesamt unterstellen wir, dass die inländische Produktion in der Baustoffin- dustrie im Verlauf von 2015 dank der steigenden Bauproduktion leicht nach oben tendieren dürfte. Da die Branche aber mit einem signifikanten statistischen Unterhang ins kommende Jahr starten dürfte, resultiert im Gesamtjahr nicht mehr als eine Stagnation der realen Baustoffproduktion in Deutschland. Papierindustrie: Auch 2015 marginales Produktionsplus möglich Die Produktion in der deutschen Papierindustrie tendierte zuletzt leicht nach oben, wenngleich auf Monatsebene viele Aufs und Abs zu verzeichnen waren. Im Durchschnitt des Jahres 2014 dürfte die Fertigung real um etwa 1% zulegen. Dabei schneidet die Papierzeugung, die aktuell auf einen Umsatzanteil von knapp 46% an der gesamten Branche kommt, im laufenden Jahr etwas besser ab als die Papierverarbeitung (Umsatzanteil 54%). Innerhalb der Papierverarbei- tung profitieren die Haushalts- und Hygieneartikel vom robusten Konsumklima und verzeichnen 2014 ein überdurchschnittliches Wachstum. Die Herstellung von Wellpappe und -papier, die mit Abstand größte Sparte innerhalb der Pa- pierverarbeitung, bekam in den letzten Monaten die schwächere Industriekon- junktur zu spüren; hier könnte die Produktion 2014 leicht sinken. Wellpappe ist das wichtigste Material für Transportverpackungen in der Industrie. Bei den Aufträgen in der Papierindustrie war in den letzten Monaten (noch) kein Abwärtstrend zu erkennen. Jedoch sind die Geschäftserwartungen der Branche zuletzt in den negativen Bereich gefallen, was nicht nur auf die höheren geopoli- tischen Risiken, sondern auch auf eingetrübte Aussichten bei vielen Abnehmer- branchen zurückzuführen sein dürfte. Auch die Erzeugerpreise in der Branche tendieren seit einigen Monaten eher nach unten, was ein Zeichen für fehlende Konjunkturimpulse ist. Insofern rechnen wir für die nächsten zwei Quartale be- stenfalls mit einer Seitwärtsbewegung der inländischen Produktion. Ab dem 2. Quartal könnte die Fertigung dann wieder leicht anziehen. In der Summe dürfte daraus im Gesamtjahr 2015 jedoch nur ein Produktionsplus von etwa 0,5% resultieren. Haushaltsnahe Sparten könnten aufgrund der zufriedenstel- lenden Entwicklung des privaten Verbrauchs erneut etwas besser abschneiden als industrienahe Bereiche. Die Wellpappenproduktion dürfte 2015 mit einem statistischen Unterhang beginnen, was das Ergebnis des Gesamtjahres – trotz angenommener Erholung im Jahresverlauf – belasten wird. 85 90 95 100 105 110 115 10 11 12 13 14 15 +7,4% -4,4% -0,5% +8,1% +2% Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Produktion stangiert 2015 in etwa 27 Baustoffindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt +/ - 0% 90 95 100 105 110 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Erzeugerpreise tendieren zuletzt nach unten 28 Papierindustrie, Erzeugerpreise, 2010=100 Quelle: Statistisches Bundesamt 90 95 100 105 10 11 12 13 14 15 - 2,1% +1% +8,1% Leichtes Wachstum 2015 29 +0,6% - 1,4% Papierindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research +0,5% Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 12 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Textilindustrie: 2014 besser als 2015 – jeweils Produktionsplus Die Textilindustrie in Deutschland zeigt sich im Verlauf von 2014 bislang noch unbeeindruckt von der sich abschwächenden Gesamtkonjunktur und dürfte im Jahresdurchschnitt ein beachtliches Produktionsplus von real etwa 2,5% erzie- len (2013: -0,6%). Haupttreiber für diese Entwicklung ist die Sparte der „sonsti- gen Textilwaren“. Sie umfasst die qualitativ hochwertigen und forschungsinten- siven technischen Textilien sowie Vliesstoffe, die zusammen inzwischen auf einen Umsatzanteil von rd. 37% an der Textilindustrie kommen. Gerade die Hersteller von technischen Textilien profitieren davon, dass ihre Produkte immer mehr Anwendungsfelder erschließen (z.B. Fahrzeugbau, Bauwirtschaft, Ener- giesektor, Medizintechnik, Funktionsbekleidung). Zur Sparte der sonstigen Tex- tilwaren zählen auch konfektionierte Textilwaren, die 2014 ebenfalls deutlich zum Wachstum der Gesamtbranche beitragen. Unterdurchschnittlich schneiden dagegen – wie häufig in der Vergangenheit – die traditionellen Sparten der Branche ab (z.B. Spinnereien oder die Teppichherstellung). Zwar tendierten die Aufträge in der Textilindustrie in den letzten Monaten noch leicht nach oben. Allerdings sind die Geschäftserwartungen in der Branche zu- letzt deutlich gesunken. In den restlichen Monaten von 2014 sowie im 1. Quartal von 2015 dürfte sich die abkühlende Konjunktur negativ auf die Textilnachfrage und damit auch auf die inländische Produktion auswirken. Dies gilt auch für die technischen Textilien, die zu einem erheblichen Teil im Produzierenden Gewer- be abgesetzt werden. Dank der ab dem 2. Quartal erwarteten Erholung dürfte die inländische Produktion im Gesamtjahr 2015 noch um real 0,5% steigen. Ernährungsgewerbe tritt auf der Stelle Im Ernährungsgewerbe dürfte 2014 die inländische Produktion real etwa stag- nieren. Damit würde die Branche erneut auf der Stelle treten, denn schon 2013 (-0,2%) und 2012 (+/-0%) konnte sie nicht wachsen. Diese Entwicklung erstaunt angesichts insgesamt recht günstiger Rahmenbedingungen für die Branche. So legt der private Verbrauch im laufenden Jahr etwas stärker zu als in den Vorjah- ren. Die Bevölkerungszahl in Deutschland wird 2014 abermals steigen, was eine höhere Nachfrage nach Nahrungsmitteln bedeutet. Der Arbeitsmarkt ent- wickelt sich relativ positiv. Und auch die nominalen Auslandsumsätze der Bran- che legen 2014 – trotz des Einbruchs im Russlandgeschäft – moderat zu. Ein Grund für die Seitwärtsbewegung 2014 (und den beiden Vorjahren) könnte in der Entwicklung der Erzeugerpreise der Branche liegen. Diese werden 2014 gegenüber 2013 zwar kaum steigen, sie überschreiten aber das Niveau von 2010 um 14%. Dies könnte bei gewerblichen und privaten Konsumenten von Nahrungsmitteln ein bewussteres Kaufverhalten ausgelöst haben (Fokus auf preisgünstigere Lebensmittel, weniger Verschwendung). Gleichzeitig tendieren mehr Verbraucher bei einzelnen Produktgruppen häufiger zu frischen statt zu verarbeiteten Lebensmitteln; nur letztere zählen zum Ernährungsgewerbe. Dies betrifft etwa den Bereich der Obst- und Gemüseverarbeitung, wo die inländische Produktion im Durchschnitt der letzten Jahre relativ stark gesunken ist. Für 2015 erwarten wir einen Anstieg der Fertigung im Ernährungsgewerbe von etwa 0,5%. Das immer noch recht stabile Konsumklima sowie die auch 2015 steigende Bevölkerungszahl wirken stützend. Allerdings könnte die Auslands- nachfrage einen Dämpfer erfahren, wenn der wirtschaftliche Erholungsprozess in Westeuropa weiterhin stottert. Grundsätzlich rechnen wir damit, dass das qualitative Wachstum (höhere Qualitäten der Lebensmittel, innovative Produkte) mittelfristig ein Impulsgeber in der Branche bleibt. Überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten werden in der Branche aber genauso wenig zu beobachten sein wie starke Einbrüche der inländischen Produktion bzw. Nachfrage. 90 95 100 105 110 10 11 12 13 14 15 +1,5% +2,5% +11,9% -0,6 % Leichtes Wachstum zu erwarten 30 -7,4 % Textilindustrie, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research +0,5% 80 90 100 110 120 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Preise zuletzt auf hohem Niveau stabil 31 Nahrungs - und Futtermittel, Erzeugerpreise, 2010=100 98 100 102 10 11 12 13 14 15 +1,8% +/ - 0% +0,6% +/ - 0% - 0,2% Moderates Wachstum 2015 32 Nahrungs - und Futtermittel, realer Produktionsindex, 2010=100, saisonbereinigt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research +0,5% Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 13 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen Ausblick: Strukturelle Aspekte bereiten Sorge Die nur moderaten Wachstumsraten der Industrieproduktion in Deutschland in den Jahren 2014 und 2015 sind vor allem auf die aktuell gedämpfte Konjunktur in vielen Absatzmärkten sowie auf externe Schocks zurückzuführen. In der mitt- leren Frist werden jedoch strukturelle Faktoren für den Industriestandort Deutschland wichtiger, die zu einem großen Teil von der Politik beeinflusst wer- den können. Viele der zuletzt von der Politik beschlossenen und/oder umge- setzten Maßnahmen lassen jedoch befürchten, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts – und damit auch der hiesigen Unternehmen – im internationalen Vergleich in den nächsten Jahren sinkt. Zu nennen sind die Beschlüsse im Bereich der Rentenpolitik (Rente mit 63, Mütterrente) sowie realisierte oder diskutierte arbeitsmarktpolitische Maßnah- men (Mindestlohn, Einschränkungen bei Zeitarbeit und Werkverträgen). Diese führen zu höheren Arbeitskosten in der Industrie und unternehmensnahen Dienstleistungen. Sie werden zudem den Fachkräftemangel, der sich regional und in einzelnen Branchen immer mehr manifestiert, genau zu jenem Zeitpunkt verschärfen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter eintreten. Zudem sind sie in einer Zeit der notwendigen Strukturreformen in Europa ein vollkommen falsches Signal an Deutschlands Partner in der EU. Zu nennen ist ferner die deutsche Energiepolitik, die zwar erstrebenswerte Ziele verfolgt, dafür aber zu oft auf die falschen Instrumente setzt, sich zu wenig an europäischen Wechselwirkungen im Energiemarkt orientiert und letztlich zu einseitig höheren Energiepreisen in Deutschland führt. Die Unsicherheit über die künftige Aus- gestaltung der Energiepolitik ist trotz der jüngsten Reformen in diesem Bereich nach wie vor groß. Hinzu kommen sich punktuell massiv zuspitzende Ver- schlechterungen der Verkehrsinfrastruktur sowie ein zu langsamer Ausbau der Breitbandnetze. Beide Infrastrukturbereiche sind für den Hochlohnstandort Deutschland essentiell, um stetige Produktivitätsfortschritte erzielen zu können. Auch im Bildungsbereich wird zu wenig investiert, um die wichtigste Ressource Deutschlands, das Humankapital, noch stärker zu fördern. Wenn man zudem bedenkt, dass das Wachstumspotenzial in vielen Emerging Markets deutlich höher ist als in Deutschland oder Europa, so steht zu befürch- ten, dass Investitionen deutscher Unternehmen in diesen Wachstumsmärkten, die aus deren Sicht nachvollziehbar und notwendig sind, künftig häufiger zu Lasten der hiesigen Produktionsbasis gehen. Dabei ist klar, dass Deutschland nach wie vor ein attraktiver Investitionsstandort ist. Es wäre aber aus politischer Sicht fatal, das in den letzten rd. zehn Jahren Erreichte leichtfertig zu verspielen. Verantwortung liegt auch bei den Unternehmen; dies gilt hinsichtlich der Weiter- bildung der Belegschaft und Entwicklung innovativer Produkte und Dienste, die auch auf das digitale Zeitalter ausgerichtet sind. Um aber in einer globalisierten Welt dauerhaft in Deutschland zu forschen, zu investieren und letztlich auch zu produzieren, müssen die politischen Rahmenbedingungen vor Ort stimmen. Als Deutschland vor rd. zehn Jahren der „kranke Mann Europas“ war, galt dies auch für Teile der Industrie. Heute steht die deutsche Industrie im Vergleich zur Kon- kurrenz in der EU – dank der Agenda-Politik und vielfältiger unternehmerischer Maßnahmen – hervorragend da. Aber viele alte und neue Wettbewerber sitzen in den USA, in Japan und Korea, in China und zunehmend in anderen Emerging Markets. Globalisierung ist anstrengend, aber die deutschen Industrieunter- nehmen und der Industriestandort Deutschland haben das Potenzial, diese An- strengungen zu bewältigen. Das Staffelholz liegt in den Händen der Politik. Josef Auer (+49 69 910-31878, josef.auer@db.com) Stefan Heng (+49 69 910-31774, stefan.heng@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Christoph Laskawi (+49 69 910-31924, christoph.laskawi@db.com) Lars Slomka (+49 69 910-31942, lars.slomka@db.com) Deutsche Industrie: Produktionswachstum bleibt 2015 unter 1% 14 | 17. Oktober 2014 Aktuelle Themen 33 NACEBruttowert- schöpfung Export- quote Geschäfts- klima* Kapazitäts- auslastung* Erzeuger- preise 2012201320142015 EUR Mrd., 2012 %, 2013 Diff. gg. Vj., Saldopunkte Diff . gg. Vj., %-Punkte letzte 12M, % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. % gg. Vj. 1026,321,9-6,4-3,20,50,0-0,20,00,5 133,247,7-35,0-9,10,6-7,4-0,62,50,5 Papier179,540,6-4,31,30,2-2,1-1,41,00,5 2034,756,4-4,31,3-2,4-2,80,5-2,52,5 Pharma2116,668,6-31,20,20,2-2,45,34,02,0 22.216,938,3-2,21,20,7-1,21,61,5-2,5 Baustoffe2312,629,9-9,5-0,40,8-4,4-0,52,00,0 2418,738,86,12,9-4,6-3,7-0,61,00,0 Metallerzeugnisse2537,833,22,41,2-0,5-1,51,13,0-1,0 26+2757,554,4-6,51,60,0-2,7-2,11,50,0 2875,662,6-12,10,81,21,2-1,60,01,0 2978,264,9-11,61,90,1-0,41,24,01,0 10-33499,648,2-6,10,8-0,1-1,1-0,11,53/4 * Letzter verfügbarer Wert Branche Produktion Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Elektrotechnik Ernährung Textil Chemie Kunststoffwaren Metallerzeugung Maschinenbau Automobil Verarbeitendes Gewerbe Aktuelle Themen Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Neue Wachstumschancen für den deutschen Maschinenbau: Techn o logieführerschaft & Auslandsinvest i tionen ................................ ................ 13. Oktober 2014  Ausblick Deutschland: Risiken nehmen zu ................................ ................ 30. September 2014  Fintech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor: Algorithmenbasiertes Banking mit human touch ................................ ...... 23. September 2014  Ausblick Deutschland: Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ ... 2. September 2014  Ausblick Deutschland: Nur schwache Konjunkturerholung in H2 ................................ ................................ ............... 4. August 2014  Fortschritt braucht Breitband: Private Investitionen benötigen mehr staatliche Impulse ................................ .................... 31. Juli 2014  Ausblick Deutschland: Solides Wachstum, wenig Inflation (trotz EZB) ................................ ................ 30. Juni 2014  Ausblick Deutschland: Robuste Binnenwirtschaft durch gute Ab sichten gefährdet ................................ .......... 4. Juni 2014  Energiemix in Deutschland im Wandel : Treiber sind Energiewende und internationale Trends ................................ ......................... 2 3 . Mai 2014  Ausblick Deutschland: So weit, so gut ................................ ................................ ...... 2. Mai 2014  Zukunft des Automobilstandorts Deutschland ................................ ................................ ..... 17. April 2014  Crowdfunding: Trübt die Euphorie der Crowd das Risikobewusstsein? ................................ .. 14. April 2014  Big Data – die ungezähmte Macht ................................ ..... 4. März 2014  Ausblick Deutschland: 2% Wachstum in 2015 trotz belastender Beschäftigungspolitik ............ 28. Februar 2014  Industrie 4.0: Upgrade des Industrie - standorts Deutschland steht bevo r ............................... 4. Februar 2014  Deutsche Energiewende treibt Power - to - Gas: Von einer Idee zur Markteinführung ................................ ...................... 29. Januar 2014  Ausblick Deutschland: Weiter im Aufwind ..................... 27. Januar 2014  Argumente für eine quantitative Lockerung der EZB ................................ ....................... 10. Januar 2014 © Copyright 2014. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Fi- nanzdienstleistungsaufsicht verfügt. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die in Bezug auf Anlagegeschäfte im Vereinigten Königreich der Aufsicht der Financial Services Authority unter- liegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Limited, Tokyo Branch, genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 1430 - 7421 / Internet: ISSN 1435 - 0734 / E - Mail: ISSN 1616 - 5640
2.4.4