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7. August 2015
Die deutsche Industrie konnte ihre Produktion im 2. Quartal 2015 um real 0,2% gegenüber dem Vorquartal steigern. Im 2. Halbjahr dürfte die Dynamik jedoch geringer ausfallen als bislang erwartet. Daher revidieren wir unsere Produktionsprognose für 2015 nach unten – von bislang real 1,5% auf 1%. 2016 dürfte sich die moderate Aufwärtstendenz in etwa fortsetzen. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe könnte im nächsten Jahr abermals um 1% steigen. Damit bliebe die Wachstumsrate unter dem langfristigen Durchschnitt. Ferner würde der Anteil der Industrie an der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung sinken. [mehr]
Deutsche Industrie: Produktionsprognose 2015 auf +1% gesenkt – auch 2016 nur verhaltene Dynamik Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Deutsche Industrie: Produktionsprognose 2015 auf +1% gesenkt – auch 2016 nur verhaltene Dynamik 7. August 2015 Die deutsche Industrie konnte ihre Produktion im 2. Quartal 2015 um real 0,2% gegenüber dem Vorquartal steigern. Im 2. Halbjahr dürfte die Dynamik jedoch geringer ausfallen als bislang erwartet. Daher revidieren wir unsere Produktionsprognose für 2015 nach unten – von bislang real 1,5% auf 1%. 2016 dürfte sich die moderate Aufwärtstendenz in etwa fortsetzen. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe könnte im nächsten Jahr abermals um 1% steigen. Damit bliebe die Wachstumsrate unter dem langfristigen Durchschnitt. Ferner würde der Anteil der Industrie an der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung sinken. Im 2. Quartal 2015 lag die reale Industrieproduktion in Deutschland saisonbereinigt um 0,2% über dem Niveau des 1. Quartals. Es war auf Quartalsebene der dritte Anstieg in Folge. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe übertrafen im 2. Quartal das Niveau der Vorperiode sogar um real 3,1%. Das 1. Quartal war mit einem Minus von 1,5% gg. Vq. jedoch schwach ausgefallen. Zudem ist der Anstieg im 2. Quartal teilweise auf umfangreiche Großaufträge (im Bereich Flugzeugbau) zurückzuführen. Bei den „Kernaufträgen“ (ohne Großaufträge) und auch bei der Produktion war im Juni saisonbereinigt ein merklicher Rückgang gegenüber dem Vormonat zu verzeichnen. Insgesamt ist im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland daher noch (immer) kein stabiler Aufwärtstrend zu erkennen. Die ifo-Stimmungsindikatoren signalisieren zudem eine gewisse Unsicherheit der Industrie hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Aussichten. Zwar befinden sich die Erwartungen zur künftigen Entwicklung der Geschäftstätigkeit, der Beschäftigung, der Produktion und der Exporttätigkeit in der deutschen Industrie derzeit ausnahmslos noch im positiven Bereich. Jedoch tendieren sämtliche Indikatoren seit einigen Monaten nach unten. Fairerweise muss man dabei festhalten, dass die deutschen Industrieunternehmen schon seit Ende 2010 ihre Erwartungen über die künftige Geschäftsentwicklung fast durchweg (sehr viel) schlechter einschätzen als ihre aktuelle Lage. Offensichtlich haben in dieser Zeit verschiedene negative wirtschaftliche oder politische Nachrichten (z.B. zur Euro-Krise, zu geopolitischen Ereignissen oder zuletzt zu den Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten) auf die Stimmung der Unternehmen gedrückt. Die tatsächliche Geschäftstätigkeit wurde dann jedoch weniger stark beeinträchtigt als eventuell befürchtet. Dennoch: Die Abwärtstendenz bei den Stimmungsindikatoren ist ein deutliches konjunkturelles Warnsignal. Hierzu passt, dass die Kapazitätsauslastung der Industrie zu Beginn des 3. Quartals zum zweiten Mal in Folge gesunken ist, wenngleich nur geringfügig. Ausfuhren 2015 wichtige Stütze Impulse erhielt die deutsche Industrie im bisherigen Jahresverlauf vom Auslandsgeschäft. Die realen Auslandsumsätze lagen im 1. Halbjahr 2015 um 3,5% über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Die gesamten nominalen Warenausfuhren übertrafen zwischen Januar und Mai 2015 das entsprechende Vorjahresniveau um 5,7%. Besonders stark legten die Exporte in die USA zu (+21,1% gg. Vj.); die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar hat dabei stützend gewirkt. Auch die Exporte nach Spanien (+9,9% gg. Vj.) und ins Vereinigte Königreich (+7,5%) stiegen überdurchschnittlich stark an. Dagegen wuchsen die Ausfuhren nach China nur um 1,4%; dies ist u.a. eine Folge des geringeren chinesischen Wirtschaftswachstums sowie der zunehmenden Aktueller Kommentar Seite 2 von 3 Produktion deutscher Unternehmen vor Ort. Nach Russland führte Deutschland im bisherigen Jahresverlauf von 2015 sogar 34% weniger Waren aus als noch 2014. Russland verliert damit als Exportmarkt für Deutschland weiter an Bedeutung. Die Ausfuhren stützen auch 2016 die deutsche Industrie. Dabei dürfte die Dynamik im Vergleich zu den Jahren vor Beginn der globalen Wirtschaftskrise (2008) erneut geringer ausfallen, nicht zuletzt weil auch der Welthandel seither langsamer wächst. Man kann also sowohl für 2015 als auch für 2016 (lediglich) von einer moderaten Exportentwicklung sprechen. Die deutsche Gesamtkonjunktur wird vor allem 2015 primär vom privaten Verbrauch getragen. Die gute Situation am Arbeitsmarkt (hohe Beschäftigung sowie niedrige Arbeitslosenquote), überdurchschnittliche Lohnerhöhungen sowie reale Einkommensgewinne durch niedrigere Mobilitäts- und Energiekosten spielen eine wichtige Rolle. Auch 2016 dürfte der private Verbrauch schneller wachsen als im Durchschnitt der letzten Dekade. Zwar steigen in diesem und im nächsten Jahr auch die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland. Der Zuwachs fällt im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen jedoch bescheiden aus. Da die deutsche Industrie vor allem bei der Produktion von Investitionsgütern stark ist, bleiben die Impulse von Seiten der Inlandsnachfrage insgesamt also begrenzt. So stagnierten die realen Inlandsumsätze im 1. Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreswert. Produktionsprognose für 2015 auf 1% gesenkt – 2016 Produktionsplus in ähnlicher Größenordnung Wir rechnen damit, dass die inländische Industrieproduktion auch in den verbleibenden Monaten von 2015 auf Quartalsebene jeweils weiter steigen wird. Allerdings dürfte die Dynamik geringer ausfallen als bislang von uns erwartet. Daher revidieren wir unsere Produktionsprognose für 2015 nach unten – von bislang real 1,5% auf 1%. Auch 2016 dürfte sich die moderate Aufwärtstendenz in etwa fortsetzen; zumindest schätzen wir das Risiko einer Rezession in der Industrie derzeit als gering ein. Unter dem Strich könnte die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe 2016 abermals um 1% steigen. Damit bliebe die Wachstumsrate unter dem langfristigen Durchschnitt und unter jener der Gesamtwirtschaft. Der Anteil der Industrie an der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung würde dementsprechend sinken. Wir nehmen die veröffentlichten Halbjahreszahlen zum Anlass, die Produktionsprognose für einzelne Industriebranchen zu revidieren. Für die Automobilindustrie rechnen wir nun mit einem Produktionsplus von real 3% (zuvor +2%). Die Branche profitiert vor allem von der steigenden Nachfrage aus den USA und Europa (ohne Russland). Hinzu kommt ein statistischer Effekt: Die Daten zum Produktionsindex in der Automobilindustrie wurden zuletzt nachträglich nach oben korrigiert. Für den Maschinenbau senken wir unsere Prognose auf Stagnation (von zuvor 2%). Die Investitionen entwickeln sich angesichts moderater bis niedriger Auslastungsniveaus in vielen wichtigen Absatzmärkten nur verhalten. Insofern fallen die erhofften positiven Effekte der Euroschwäche auf den deutschen Maschinenbau bislang bescheiden aus. Die Rezession in Russland schmerzt die Branche besonders. In der Elektroindustrie senken wir unsere Prognose von 1,5% auf 1%, in der Metallindustrie von 1,5% auf 0,5%. Die Entwicklung in der Chemieindustrie (ohne Pharmaindustrie) bleibt vorerst enttäuschend. Hier revidieren wir unseren Ausblick für die Produktion im Jahr 2015 von 1,5% auf Stagnation. Im Ernährungsgewerbe bleiben wir bei unserer Prognose von 0,5%.   Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...     Aktueller Kommentar Seite 3 von 3     Autor: Eric Heymann (+49) 69 910-31730 mehr zum Research-Bereich Branchen und Ressourcen Aktuelle Kommentare - Archiv     © Copyright 2015. 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