1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Deutschland-Monitor
24. Februar 2015
Die deutsche Wirtschaft erfährt durch den Rückgang der Ölpreise insgesamt zwar einen Wachstumsschub. Gleichzeitig verschlechtern sich jedoch die wirtschaftlichen Perspektiven der Ölstaaten. Die deutschen Warenexporte in diese Länder, die 2014 immerhin EUR 73 Mrd. ausmachten (Exportanteil: 6,4%), geraten somit unter Druck und könnten 2015 nominal um 10 bis 15% sinken. Zu den deutschen Branchen, die bislang besonders stark vom "Recyceln der Petrodollars" durch die Ölstaaten profitiert haben, zählen der Maschinenbau und der sonstige Fahrzeugbau (überwiegend Flugzeuge). Hier sind sowohl die Exportquoten als auch der Anteil der Ölstaaten an den gesamten Ausfuhren der Branchen überdurchschnittlich hoch. [mehr]
Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 Aktuelle Themen Natürliche Ressourcen * Die Autoren bedanken sich bei Jan Trenczek für seine Unterstützung bei der Erstellung die- ses Berichts . Die deutsche Wirtschaft erfährt durch den Rückgang der Ölpreise insgesamt zwar einen Wachstumsschub. Gleichzeitig verschlechtern sich jedoch die wirt- schaftlichen Perspektiven der Ölstaaten. Die deutschen Warenexporte in diese Länder, die 2014 immerhin EUR 73 Mrd. ausmachten (Exportanteil: 6,4%), ge- raten somit unter Druck und könnten 2015 nominal um 10 bis 15% sinken. Zu den deutschen Branchen, die bislang besonders stark vom „Recyceln der Petrodollars“ durch die Ölstaaten profitiert haben, zählen der Maschinenbau und der sonstige Fahrzeugbau (überwiegend Flugzeuge). Hier sind sowohl die Ex- portquoten als auch der Anteil der Ölstaaten an den gesamten Ausfuhren der Branchen überdurchschnittlich hoch (siehe untenstehende Grafik). In welchem Ausmaß einzelne Branchen unter der erwarteten Nachfrageschwä- che der Ölstaaten leiden werden, hängt von regional- und branchenspezifischen Faktoren ab. Da im Geschäft mit Russland 2015 mehrere belastende Faktoren zusammenkommen (Ölpreisrückgang, Abwertung des Rubels, politische Pro- bleme, Sanktionen), ist eine enge Verflechtung mit Russland wirtschaftlich ne- gativ. In dieser Hinsicht ist der deutsche Maschinenbau besonders betroffen: Russland ist für die Branche ein wichtiger Kunde, wenngleich die Ausfuhren des Maschinenbaus nach Russland schon 2014 um 16% gesunken sind. Die deut- schen Exporte in den arabischen Raum profitieren dagegen von der Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und damit auch gegenüber vielen arabi- schen Währungen, womit der Ölpreisrückgang kompensiert werden kann. Die gesamten deutschen Exporte dürften 2015 trotz der Schwäche in den Öl- staaten steigen. Die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie die Kostenentlastungen durch niedrigere Ölpreise in den ölimportierenden Staaten sind zwei Gründe, die hierfür sprechen. Dennoch sind Rückgänge im Geschäft mit den Ölstaaten für einzelne Branchen bzw. Unternehmen schmerzhaft. Autoren* Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Editoren Stefan Schneider Lars Slomka Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 24. Februar 2015 Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 -8 -4 0 4 8 12 16 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Sonstiger Fahrzeugbau Maschinenbau Anfälligkeit der Branchen gegenüber wirtschaftlicher Eintrübung in den Ölstaaten im Überblick DX Die Branchen im rechten oberen Quadranten haben eine überdurchschnittliche Exportquote. Zudem kommen die Ölstaaten hier auf einen überdurchschnittlichen Exportanteil. Tabakverarbeitung X-Achse: Abweichung der Branchen von durchschnittlicher Exportquote, 2014, %-Punkte Y-Achse: Abweichung der Branchen von durchschnittlichem Exportanteil der Ölstaaten, 2014, %-Punkte Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 2 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen Preisrückgang setzt Ölstaaten unter erheblichen Druck Der tiefe Einbruch der Ölpreise seit Mitte 2014 kam überraschend. Hauptgrund für den Preisrückgang dürfte das reichliche Angebot gewesen sein, das sich durch den Fracking-Boom in den USA stärker als erwartet erhöhte. Die USA steigerten die Ölproduktion zwischen 2008 und 2013 um fast 50% und ihren Anteil an der globalen Produktion auf etwa 10%. Die Entscheidung der OPEC Ende November 1 , ihre Fördermenge nicht zu reduzieren, hohe Lagerbestände und eine geringere Nachfrage aus China und Europa verschärften zusätzlich die Bewegung des Ölpreises nach unten. Von Mitte 2014 bis Mitte Januar fiel der Ölpreis um fast 60% auf unter USD 50 pro Barrel. Seitdem gab es eine volatile Gegenbewegung, und der Ölpreis liegt aktuell wieder rd. 20% über dem Tief, aber mit USD 55 pro Barrel immer noch um etwa 45% unter dem Vorjahres- durchschnitt von USD 96 pro Barrel (Durchschnittspreis von WTI und Brent). Die globale Konjunktur dürfte durch den starken Einbruch des Ölpreises ins- gesamt einen deutlichen Wachstumsschub bekommen. 2 Der positive Konsum- effekt bei den Nettoölimporteuren wird den negativen Effekt bei den Nettoölex- porteuren übertreffen, die eine deutlich höhere Sparquote haben. Die deutsche Wirtschaft profitiert vom positiven Ölpreisschock 3 über einen Schub für den privaten Konsum infolge der gefallenen Kosten für Energie und Mobilität und über eine insgesamt gestiegene Nachfrage nach deutschen Pro- dukten durch das höhere globale Wachstum. Zudem sinken für die Unterneh- men die Kosten für viele Vorleistungsgüter. Daher haben wir kürzlich unsere Wachstumsprognose für Deutschland von 1,4% auf 2,0% für 2015 angehoben, wozu der schwächere Euro ebenfalls beigetragen hat. 4 Während der Gesamtef- fekt eindeutig positiv für die deutsche Wirtschaft ist, müssen jene deutschen Branchen und Unternehmen mit einer Eintrübung ihrer Geschäfte rechnen, die Güter in die Länder exportieren, deren Wirtschaft maßgeblich von Ölexporten abhängt. Wir konzentrieren uns in der folgenden Analyse darauf, welche deut- schen Branchen besonders von der erwarteten Wachstumsabschwächung der Ölstaaten betroffen sind. Konjunkturabschwächung und Einengung des fiskalischen Spielraums in den Ölstaaten Der Einbruch der Ölpreise trifft vor allem die größten Netto-Ölexporteure nega- tiv. Dies sind insbesondere die OPEC-Länder sowie Kasachstan, Russland und Norwegen (im Folgenden: Ölstaaten), die zusammen etwa 60% des globalen Ölangebots fördern. Der Ölreichtum beschert diesen Ländern typischerweise hohe Exporterlöse, die üblicherweise zur Finanzierung der Staatsausgaben verwendet und international investiert werden; dies erfolgt oftmals über die Bündelung der Gelder in einem Staatsfonds. Approximativ entsprachen die „Petrodollars“ 2012 bei einem Ölpreis von über USD 100 USD pro Barrel einem Handelsbilanzüberschuss von USD 1.080 Mrd. Dies machte damals rd. 65% der globalen Handelsbilanzüberschüsse aus. Seither fiel der Überschuss auf 1 Vgl. OPEC (2014). OPEC 166th meeting concludes, No 7/2014. Wien. 2 Vgl. Hooper, Peter et al. (2014). World Outlook 2015. Filling the tank before liftoff. Deutsche Bank Research. London. 3 Siehe auch Peters, H. (2012) Konjunkturelle Abwärtsrisiken durch einen Ölpreisschock nehmen zu. In: Ausblick Deutschland: Rezessionsrisiko gesunken – BIP-Prognose 2012 jetzt ½%. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. Die dort berechneten Elastizitä- ten des linearen Modells gelten auch in die andere Richtung. Eine Senkung des Ölpreises um 10% erhöht das deutsche BIP um 0,1%-Punkte. 4 Vgl. Rakau, Oliver et al. (2015). Germany: Taking the leap of faith; raising 2015F GDP growth to 2%. Data Flash Germany. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main. 0 20 40 60 80 100 120 140 90 94 98 02 06 10 14 WTI Brent Angebotsbedingter Rückgang der Ölpreise 1 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research USD pro Barrel 0 2 4 6 8 10 12 60 64 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 RU SA US CN IR IQ KW VE MX BR Quelle: OPEC Top - 10 - Länder: Welt - Rohölproduktion 2 Mio. Barrel pro Tag - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 SG TH TW KR IN NL ES TR JP ID CN DE FR IT US CA NO RU KZ OPEC Quellen: EIA, IWF, Deutsche Bank Research Ölpreisrückgang wirkt nicht in allen Ländern gleich 3 Anteil der Netto - Ölimporte am BIP, 2012, % Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 3 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen USD 937 Mrd. im Jahr 2013 und auf rd. USD 850 Mrd. im Jahr 2014 (aufs Jahr hochgerechneter Wert für den Zeitraum Januar bis September), und der Anteil an den globalen Handelsbilanzüberschüssen der Ölstaaten beträgt „nur noch“ etwa 55%. Der deutliche Einbruch der Ölpreise sorgt für einen spürbaren Rückgang der Exporte und damit auch der Exporterlöse in den Ölstaaten. Öl und Öl-Derivate machen in den OPEC-Ländern etwa 80% aller Exporte aus. Dieser Effekt wird zum einen über die niedrigeren Nettoexporte das Wachstum in den Ölstaaten reduzieren. Im Juni 2014 erwarteten wir für die Länder 5 noch ein BIP-Wachstum für 2015 von real 3,6%. Aktuell liegt die Prognose nur noch bei -1,1% (2014: 2,0%), wobei die von Seiten der EU und den USA gegen Russland verhängten Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts auch eine Rolle spielen. Die russische Wirtschaft dürfte 2015 um real mehr als 5% schrumpfen (2014: +0,6%). Im Juni 2014 war unsere Wachstumsprognose für Russland noch bei +2,4% für 2015. Für die ausgewählten OPEC-Länder wurde die Wachstumsprognose um mehr als die Hälfte auf nur noch 1,9% reduziert, was auch deutlich unter der Wachs- tumsrate in Höhe von 3,2% im Jahr 2014 liegt. Das schwächere Wachstum in den Ölstaaten dürfte auch die Nachfrage nach ausländischen Gütern, vor allem Investitionsgütern, deutlich reduzieren. Zum anderen wird der fiskalische Spielraum der Regierungen, die einen erhebli- chen Anteil der Staatsausgaben über die Ölexporterlöse decken, 2015 deutlich einschränkt. Der aktuelle Ölpreis von USD 58 pro Barrel (Brent) liegt in zahlrei- chen Ölstaaten deutlich unter dem für einen ausgeglichenen Staatshaushalt notwendigen Preis 6 , sodass in diesen Ländern die Budgetdefizite steigen und/oder die Staatsaugaben sinken dürften. Norwegen dürfte dank der etwas geringeren Exportabhängigkeit vom Öl, der diversifizierteren Volkswirtschaft und der hohen Budgetüberschüsse, die im staatlichen Pensionsfonds angelegt wer- den, unter den Ölstaaten in der besten Position sein. Saudi-Arabien hat eben- falls durch den Zugriff auf staatliche Vermögenswerte von rd. USD 450 Mrd. einen ausreichenden Puffer. Am schlechtesten steht Venezuela dar, das über 5 Hierbei handelt es sich um den gewichteten Durchschnitt der Länder Kasachstan, Norwegen Russland sowie die ausgewählten OPEC-Länder, für die Deutsche Bank Research regelmäßig Prognosen veröffentlicht. Dies sind von den OPEC-Ländern Nigeria, Venezuela, Saudi-Arabien und die Vereinten Arabischen Emirate, die zusammen etwas mehr als die Hälfte der Wirtschafts- kraft der OPEC-Länder ausmachen. 6 Vgl. Burgess, Robert et al. (2014). EM Oil Producers: Breakeven Pain Thresholds. Deutsche Bank Research. EM Monthly: Aiming Low. London. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 OPEC RU NO KZ DE EWU Welt Öl und Öl-Produkte machen 80% der Exporte der OPEC-Länder aus 4 Quellen: UNCTAD, Deutsche Bank Research Anteil von Öl und Ölprodukten an Exporten, % -70 -20 30 80 130 -70 -20 30 80 130 OPEC RU NO KZ Ölpreisentwicklung bestimmt Exportvolumen 5 Quellen: IWF, HWWI, Deutsche Bank Research Linearer Trend (Jan 95 - Sep 14); x-Achse: Ölpreis, % gg. Vj; y-Achse: Exporte, % gg. Vj. - 6,0 - 4,0 - 2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 VE SA AE NG OPEC* RU KZ NO Insg. 2014P 2015P (Juni 2014) 2015P (Aktuell) * Gewichteter Durchschnitt der ausgewählten OPEC - Länder % gg. Vj. Quelle: Deutsche Bank Research Wachstumsausblick für Ölförderländer seit Ölpreiseinbruch eingetrübt 6 - 50 - 30 - 10 10 30 50 70 90 110 LY SA KW DZ NG IR AE KZ RU QA EC NO AO VE DE EWU US Budgetsaldo Öffentlicher Schuldenstand Anteil öffentlicher Schulden am BIP, 2014, % Quelle: IWF Niedriger öffentlicher Schuldenstand in den Ölstaaten 7 40 60 80 100 120 140 160 QA KW AE GCC SA RU NG VE 2014P 2015P Derzeitiger Preis Quelle: Deutsche Bank Research Bedarfspreis für ausgeglichenen Staatshaushalt 8 GCC: Ländern des Golf - Kooperationsrates (Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi - Arabien, Vereinigte Arabische Emirate) Brent, USD pro Barrel Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 4 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen keine bedeutenden Reserven zur Abfederung des „Ölpreisschocks“ verfügt, mit 46% des BIP bereits im Jahr 2014 den höchsten öffentlichen Schuldenstand unter den Ölstaaten hatte und mit -14% des BIP ein relativ hohes Budgetdefizit aufweist. Globale Ungleichgewichte dürften sich abbauen Wir erwarten zwar, dass sich der Ölpreis bei anhaltender Volatilität in der kurzen Frist stabilisieren dürfte und dann auf einen Aufwärtstrend einschwenkt. Im Jahresdurchschnitt 2015 dürfte der Ölpreis aber um 40% unter dem Niveau des Vorjahres liegen, sodass damit der Handelsbilanzüberschuss der Ölstaaten ebenfalls deutlich zurückgehen würde. Für das Jahr 2016 rechnen wir mit einer moderaten Erholung, aber der Ölpreis dürfte immer noch etwa 30% unter dem Niveau des Jahres 2014 liegen. Damit verbleiben auch die Handelsbilanzüber- schüsse der Ölstaaten weiter deutlich unter den Höchstwerten. Mittelfristig rechnen wir mit einer weiteren Aufwärtsbewegung beim Ölpreis, er dürfte aber vorerst noch merklich unter der Marke von USD 100 pro Barrel blei- ben. Ein Grund für den erwarteten Anstieg ist, dass das Angebot wahrscheinlich aufgrund von geringeren Investitionen in die Erschließung neuer Förder- kapazitäten mittelfristig belastet wird. Ferner dürfte die erwartete Erholung der globalen Konjunktur die Ölnachfrage stimulieren. Unter dem Strich dürften der Handelsbilanzüberschuss der Ölstaaten und damit auch die globalen Handels- bilanzungleichgewichte aber vorerst nicht wieder die alten Höchststände errei- chen. Deutsche Industriebranchen dürften 2015 weniger Aufträge aus den Ölstaaten erhalten Der überraschend starke Rückgang der Ölpreise ist insgesamt eine Konjunktur- spritze für die deutsche Wirtschaft. Diese positive Einschätzung kann aber nicht unbedingt auf alle Wirtschaftszweige bzw. Unternehmen übertragen werden. Der Ölpreisverfall stört das so genannte Recycling der Petrodollars. Hinzu kommt, dass Investitionen in die Erschließung neuer Ölfelder angesichts des niedrigen Ölpreises zeitlich verschoben werden; auch dies mindert die Nachfra- ge nach entsprechenden Maschinen, Anlagen und sonstigen Ausrüstungen, die nicht zuletzt aus Deutschland als einem der wichtigsten Herkunftsländer der Importe bezogen werden. Insgesamt zeigt sich, dass der Handel Deutschlands (und anderer Ölimporteure) mit den Ölstaaten keine Einbahnstraße ist. Einer niedrigeren Energierechnung in Deutschland und bei anderen Ölimporteuren können weniger Aufträge für Waren und Dienstleistungen aus den ölreichen Ländern gegenüberstehen. 2015 könnten die deutschen Warenausfuhren in die Ölstaaten um 10 bis 15% sinken. Deutsche Ausfuhren in die Ölstaaten: Ölpreis wichtige Variable Im Folgenden untersuchen wir, welche Industriezweige in Deutschland am stärksten von einer durch den Ölpreisrückgang induzierten Nachfrageschwäche aus den Ölstaaten betroffen sein dürften. Dies erfolgt als Partialanalyse. Das heißt, selbst wenn die makroökonomischen Daten dafür sprechen, dass die Ausfuhren einer Branche in die Ölstaaten 2015 sinken, sind dennoch insgesamt steigende Exporte des Sektors möglich, weil die Ausfuhren in andere Regionen die Verluste im Geschäft mit den Ölstaaten überkompensieren können. Bevor wir auf einzelne Wirtschaftszweige eingehen, werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der deutschen Ausfuhren in die Ölstaaten in den letzten Jahren. 0 20 40 60 80 100 120 140 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 92 96 00 04 08 12 16 Handelsbilanzüberschuss Ölstaaten*, links Ölpreis (Durchschnitt WTI, Brent), rechts * OPEC-Länder, RU, KZ, NO Quellen: IWF, Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ölpreiseinbruch dürfte Handelsbilanz- überschüsse der Ölstaaten senken 9 Annualisierte Monatswerte (USD Mrd, links); USD pro Barrel (rechts) 20 25 30 35 40 45 50 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 OPEC RU NO KZ DE EWU Welt Importanteil der Ausrüstungs - invesitionen in Ölländern relativ hoch 10 Anteil der Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge an gesamten Importen, % Quellen: UNCTAD, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 NO RU QA SA DZ AE KZ KW LY IR NG IQ VE AO EC Exportanteil Deutschlands Importanteil Deutschlands Quellen: IWF, Deutsche Bank Research In den Ölstaaten kommt hoher Anteil der Importe aus Deutschland 11 Anteil an Gesamtexporten/ - importen, (Jan. - Sep. 2014), % Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 5 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen Die Bedeutung der Ölstaaten für die deutschen Exporte nahm in den vergange- nen 15 Jahren zu, da vor allem die OPEC-Länder und Russland einen kräftigen Bedarf an deutschen Investitionsgütern hatten und diesen mit den sprudelnden Exporterlösen finanzierten. Der Anteil der Exporte in die Ölstaaten stieg von 3½ % im Jahr 1999 deutlich auf über 6% im Jahr 2014. Trotz der bedeutenden deutschen Ölimporte aus diesen Ländern wies Deutschland gegenüber den OPEC-Ländern durchweg einen nennenswerten Handelsbilanzüberschuss aus, der im Jahr 2014 etwa 10% des gesamten Überschusses oder etwa EUR 23 Mrd. ausmachte. Der überproportionale Rückgang der deutschen Warenausfuhren in die Ölstaa- ten um 25% im Jahr 2009, als die Wirtschaft in vielen Ländern der Erde schrumpfte oder zumindest spürbar schwächer wuchs und die Ölpreise deutlich nachgaben, verdeutlicht die Abhängigkeit vom Recyceln der Petrodollars. Die gesamten Ausfuhren nahmen 2009 „nur“ um 18% ab. In den Jahren 2010 bis 2012 stiegen die deutschen Exporte in die Ölstaaten jeweils schneller als die gesamten Ausfuhren. In dieser Zeit erholte sich der Ölpreis zunächst (2010) und verblieb dann auf einem relativ hohen Niveau. 2013 gingen sowohl die gesam- ten Ausfuhren als auch jene in die Ölstaaten leicht zurück. Im letzten Jahr entwickelten sich die gesamten Exporte (+3,7%) wieder besser als die Ausfuh- ren in die Ölstaaten, die um 5% sanken. Beim Anteil der Exporte in die Ölstaaten liegt Deutschland unter den Ländern der Eurozone im Mittelfeld. Einen deutlich höheren Anteil haben die baltischen Staaten und Finnland durch ihre enge regionale Verflechtung mit Russland. Anteilig an den Gesamtexporten der Eurozone in die Ölstaaten ist Deutschland aufgrund seiner Größe und des relativ hohen Offenheitsgrades mit Abstand das wichtigste Land. NACE-Codes im Überblick 12 NACE - Code Branche C Verarbeitendes Gewerbe 10 Ernährungsgewerbe 11 Getränkeherstellung 12 Tabakverarbeitung 13 Textilindustrie 14 Bekleidungsindustrie 15 Leder, Lederwaren und Schuhe 16 Holz - , Flecht - , Korb - und Korkwaren 17 Pap ierindustrie 19 Kokerei und Mineralölverarbeitung 20 Chemieindustrie 21 Pharmaindustrie 22 Gummi - und Kunststoffindustrie 23 Baustoffindustrie 24 Metallerzeugung und - bearbeitung 25 Metallerzeugnisse 24+25 Metallindustrie 26 DV - Geräte, elektron., opt. Erzeugn. 27 Elektrische Ausrüstungen 26+27 Elektrotechnik 28 Maschinenbau 29 Automobilindustrie 30 Sonstiger Fahrzeugbau 31 Möbelindustrie Quelle: Statistisches Bundesamt 0 10 20 30 40 CY MT LV EE LU LT GR SI PT FI SK IE AT ES BE IT FR NL DE Anteil an den EWU - Exporten Anteil an den EWU - Exporten in die OPEC - Länder Anteil an den EWU - Exporten nach RU Anteil an den EWU - Exporten nach NO Anteil an den EWU - Exporten nach KZ Anteil an den Exporten der EWU - Länder (%) Quellen: IWF, Deutsche Bank Research Deutschlands Anteil an den EWU - Exporten bei etwa 30% 14 0 5 10 15 20 25 30 IE SK LU BE NL AT ES DE FR CY SI MT GR IT PT FI EE LV LT Exporte in OPEC - Länder Exporte nach RU Exporte nach NO Exporte nach KZ EWU - Durchschnitt Anteil an Exporten, % Quellen: IWF, Deutsche Bank Research Negativer Wachstumseffekt für baltische Länder am stärksten 13 Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 6 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen Exporte nach Russland volatiler als in die übrigen Ölstaaten Auffällig ist, dass sich die deutschen Warenausfuhren nach Russland im ge- nannten Zeitraum deutlich volatiler entwickelt haben als die Exporte in die übri- gen Ölstaaten. So sanken die Ausfuhren nach Russland 2009 um 36% (das russische BIP brach damals um real knapp 9% ein), in die übrigen Ölstaaten jedoch „nur“ um 14%. Dagegen expandierten die deutschen Exporte nach Russ- land 2010 (+28%) und 2011 (+31%) jeweils deutlich stärker als die Ausfuhren in die anderen Ölstaaten. Auch 2014 werden die Unterschiede deutlich: Die Krise in der Ost-Ukraine sowie gegenseitige wirtschaftliche Sanktionen zwischen der EU und Russland haben dazu beigetragen, dass die gesamten deutschen Aus- fuhren nach Russland 2014 um nominal 18% sanken, während die Exporte in die übrigen Ölstaaten sogar um 6,4% zunahmen. Der zur Jahresmitte 2014 einsetzende Rückgang des Ölpreises war also für den Einbruch der Russland- exporte nicht der entscheidende Faktor. Dass die deutschen Ausfuhren in die übrigen Ölstaaten im Jahresdurchschnitt noch Zuwächse verzeichneten, wurde durch den Ölpreisrückgang ebenfalls nicht verhindert. Dafür erfolgte dieser zu spät und von einem zu hohen Niveau. Im Jahresdurchschnitt 2014 lag der Öl- preis nur wenig unter dem mittleren Niveau der Jahre 2011 bis 2013. 6,4% der Exporte entfallen auf Ölstaaten – Russland dominiert Die volatile Entwicklung der deutschen Warenausfuhren in die Ölstaaten spie- gelt sich auch in deren Anteil an den gesamten deutschen Exporten wider. In Summe kommen die Ölstaaten 2014 auf einen Anteil von 6,4% an den gesam- ten deutschen Ausfuhren. Sie sind damit zum zweiten Mal in Folge gesunken. Der Höchstwert lag 2012 bei 7,2%. Auf Russland entfiel 2014 ein Anteil von 2,7%. Damit ist Russland unter den Ölstaaten zwar der mit Abstand wichtigste Exportmarkt Deutschlands. Jedoch ist der Anteil des Landes an den gesamten deutschen Ausfuhren gegenüber dem Höchstwert 2012 (3,5%) deutlich gesun- ken. Hier zeigen sich die Folgen der Wirtschaftskrise in Russland, die sich 2015 aufgrund des niedrigeren Ölpreises und des noch nicht gelösten Konflikts in der Ost-Ukraine weiter zuspitzen dürfte. Unter den Ölstaaten belegen die Vereinig- ten Arabischen Emirate (1%), Saudi-Arabien (0,79%) sowie Norwegen (0,75%) die Plätze 2 bis 4 in der Rangfolge der wichtigsten deutschen Exportmärkte. In Summe ist ihr Anteil in den letzten Jahren stetig gestiegen und lag 2014 nur noch knapp unter jenem von Russland. In diesen drei Ländern dürften die histo- risch gewachsenen hohen Devisenreserven als stabilisierendes Element fungie- ren. Sie tragen dazu bei, dass die Warenimporte der Länder weniger von kurz- fristigen Ölpreisschwankungen abhängen, als dies etwa in Staaten der Fall ist, deren öffentliche Haushalte auf hohe Ölpreise angewiesen sind. In den genann- ten arabischen Staaten kommt hinzu, dass der Anteil des Staates bzw. staatlich beeinflusster Unternehmen hoch ist, was ebenfalls stabilisierend auf das Ein- kaufsverhalten wirken dürfte. „Übliche Verdächtige“ verzeichnen höchste absolute Exporte in Ölstaaten Betrachtet man nun die Entwicklung der deutschen Ausfuhren in die Ölstaaten auf Branchenebene, ist zunächst interessant, welche Branchen absolut gese- hen die höchsten Exporte verbuchen können. Insgesamt führte Deutschland 2014 Waren im Wert von rd. EUR 73 Mrd. in die Ölstaaten aus. Dabei befanden sich unter den exportstärksten Branchen auch sämtliche „üblichen Verdächti- gen“ der deutschen Wirtschaft. An der Spitze lag der Maschinenbau mit Expor- ten in Höhe von EUR 14,9 Mrd. in die Ölstaaten, gefolgt von der Automobilin- dustrie (EUR 12,6 Mrd.), der Elektrotechnik (EUR 9,4 Mrd.), dem sonstigen Fahrzeugbau (vor allem Flugzeuge; EUR 6.1 Mrd.), der chemischen Industrie (EUR 5,9 Mrd.) sowie der Metallindustrie (EUR 5 Mrd.) und der Pharmaindustrie 2 3 4 5 6 7 8 08 09 10 11 12 13 14 Alle Ölstaaten Russland OPEC, NO und KZ Quelle: Statistisches Bundesamt Russlands Anteil sinkt 16 Anteil einzelner Märkte/Regionen an deutscher Warenausfuhr, % 20,4 17,3 8,3 8,1 6,6 6,3 33,0 28 29 30 20 27 26 Rest Quelle: Statistisches Bundesamt Gesamtes Exportvolumen in Ölstaaten 2014: EUR 70 Mrd. Maschinenbau und Automobilindustrie exportieren absolut am meisten 17 Anteil einzelner Branchen* an deutschen Exporten in die Ölstaaten, 2014, % * Basierend auf NACE - Codes - 30 - 20 - 10 0 10 20 09 10 11 12 13 14 Gesamt Ölstaaten Ausfuhren in die Ölstaaten volatil 15 Deutsche Warenausfuhren, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 7 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen (EUR 3,8 Mrd.). Diese Branchen belegen – wenn auch in anderer Reihenfolge – die Spitzenplätze in der gesamten deutschen Exportstatistik. Exportanteil der Ölstaaten unterscheidet sich auf Branchenebene deutlich Will man untersuchen, welche Branchen von einer (ölpreisinduzierten) Nachfra- geschwäche aus den Ölstaaten am stärksten getroffen werden könnten, ist der relative Anteil dieser Länder an den gesamten Exporten einer Branche wichtiger als die absolute Höhe des Exportvolumens. Der Anteil der Ölstaaten an den gesamten Exporten unterscheidet sich auf Branchenebene deutlich, und es ist durchaus überraschend, welche Wirtschaftszweige einen besonders hohen Anteil ihrer Ausfuhren in die Ölstaaten liefern. An der Spitze der Statistik liegt die Tabakverarbeitung. Sie lieferte 2014 gut 20% ihrer Ausfuhren in die Ölstaaten; dabei dominieren die OPEC-Staaten mit einem Anteil von fast 19%. Allein Saudi-Arabien kommt auf knapp 13%. Der Exportanteil der Ölstaaten in der Tabakverarbeitung ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Noch im Jahr 2008 gingen „nur“ gut 9% der Ausfuhren dieser Branche in die Ölstaaten. Da die Nachfrage nach Tabakprodukten in der Regel einkommensunelastisch ist, dürften die Folgen der wirtschaftlichen Abkühlung in den Ölstaaten für die Branche in Deutschland gedämpft werden. Den zweithöchsten Exportanteil verzeichneten die Ölstaaten 2014 in der Bran- che sonstiger Fahrzeugbau (11,9%), zu der vor allem Flugzeuge und Schiffe zählen. Auch hier dominieren die OPEC-Staaten mit einem Anteil von 9%. Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate sind mit einem Exportanteil von knapp 8% wichtiger Kunde der Branche. Ganz überwiegend handelt es sich hier um Ausfuhren von Flugzeugen an die stark expandierenden Airlines in den Golf- staaten. Auch im deutschen Maschinenbau fällt der Exportanteil, den die Ölstaaten auf sich vereinen, überdurchschnittlich hoch aus. Er lag 2014 bei 9%. Anders als in der Tabakverarbeitung sowie im sonstigen Fahrzeugbau ist im Maschinenbau Russland der wichtigste Exportmarkt. Obwohl die deutschen Maschinenausfuh- ren 2013 und 2014 um 5% bzw. 16% sanken, kam Russland 2014 immer noch auf einen Anteil von 4,1% an den gesamten Exporten der Branche (2012: 5,1%). Deutlich erfreulicher entwickelten sich die Ausfuhren in die OPEC- Staaten, die 2014 um knapp 8% expandierten. Weitere Branchen, in denen die Ölstaaten einen überdurchschnittlich hohen Exportanteil aufweisen, sind die Herstellung von Metallerzeugnissen (2014: 7,5%), die Baustoffindustrie sowie die Herstellung von elektrischen Ausrüstun- gen (jeweils 7%). Für diese Sektoren ist jeweils Russland der wichtigste Einzel- markt unter den Ölstaaten. Bei den Baustoffen und den elektrischen Ausrüstun- gen halten sich Russland für sich genommen und die OPEC-Staaten in etwa die Waage, wenngleich auch hier der Exportanteil Russlands 2014 gesunken ist. Für die deutsche Automobilindustrie und die Pharmaindustrie liegt die Bedeu- tung der Ölstaaten mit einem Exportanteil von 6,2% bzw. 6,1% (2014) leicht unter dem Mittelwert der gesamten Warenausfuhren in diese Länder. Größer ist der Abstand vom durchschnittlichen Exportanteil in der Möbelindustrie (5,5%), der Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (5,2%), der Gummi- und Kunststoffindustrie (5,1%), der Papierindustrie (5%), der Metallerzeugung (4,1%) oder dem Textilgewerbe (4%). In allen Branchen ist Russland der wichtigste Absatzmarkt unter den Ölstaaten – mit Ausnahme der Metallerzeugung, wo Saudi-Arabien 2014 der wichtigste Exportmarkt unter den Ölstaaten war. 0 5 10 15 20 25 12 30 28 25 23 27 11 Gesamt 16 14 29 21 26+27 24+25 20 31 26 22 17 10 15 24 13 19 Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil der Ölstaaten an den gesamten Ausfuhren einzelner Branchen*, 2014, % * Basierend auf NACE - Codes Exportanteil der Ölstaaten variiert von Branche zu Branche spürbar 18 0 20 40 60 80 21 30 29 28 26 20 26+27 27 13 C 22 24 17 14 24+25 25 31 23 15 16 12 10 19 11 * Basierend auf NACE - Codes Quelle: Statistisches Bundesamt Deutliche Unterschiede bei Exportquote 19 Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz nach Branchen*, 2014, % Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 8 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen Hoher Exportanteil der Ölstaaten gepaart mit hoher Exportquote birgt Risiken Wir haben gezeigt, welche Branchen einen hohen Anteil ihrer Exporte in die Ölstaaten liefern und welche nicht. Dabei ist insgesamt auffällig, dass manche klassische deutsche Exportbranchen eine überdurchschnittlich hohe Handels- verflechtung mit den Ölstaaten aufweisen, andere dagegen nicht. Umgekehrt verzeichnen manche der weniger exportintensiven Branchen einen hohen Ex- portanteil mit den Ölstaaten, andere wiederum nicht. Für die Frage, in welchem Ausmaß die wirtschaftliche Eintrübung in den Ölstaa- ten negativ auf die einzelnen Industriebranchen auswirkt, ist neben dem Export- anteil der Ölstaaten auch die gesamte Exportquote einer Branche entscheidend. So kann ein Sektor selbst dann von der Nachfrageschwäche in den Ölstaaten betroffen sein, wenn diese einen unterdurchschnittlichen Exportanteil auf sich vereinen. Dafür muss „lediglich“ die gesamte Exportquote hinreichend hoch sein; für einzelne Unternehmen kann dies natürlich noch mehr zutreffen als für eine Branche. Umgekehrt ist ein hoher Exportanteil der Ölstaaten in der aktuel- len Situation für eine Branche dann weniger schädlich, wenn diese insgesamt nicht sonderlich exportintensiv ist. Eine geeignete Maßeinheit für die Anfälligkeit einer Branche gegenüber der erwarteten wirtschaftlichen Schwäche in den Ölstaaten ist das Produkt aus ge- samter Exportquote und dem jeweiligen Exportanteil der Ölstaaten. Gemessen an diesem „Anfälligkeitsmaß“ ist die Belastung für den sonstigen Fahrzeugbau am größten, denn hier kommen eine hohe Exportquote und ein hoher Exportan- teil der Ölstaaten zusammen. Auf den Plätzen danach folgen der Maschinen- bau, die Tabakverarbeitung, die Pharmaindustrie, die Automobilindustrie, die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen sowie die Chemieindustrie. Die nachstehende Grafik 21 fasst die Kriterien „Exportanteil der Ölstaaten“ und „Ex- portquote insgesamt“ für die einzelnen Branchen zusammen. Alle Sektoren im oberen rechten Quadranten verzeichnen bei beiden Größen überdurchschnittli- che Werte, können grundsätzlich also als besonders betroffen gelten. Deutlich in diesem Quadranten sind nur die Branchen sonstiger Fahrzeugbau und Ma- schinenbau platziert. 0 2 4 6 8 30 28 12 21 29 27 26+27 20 C 26 25 14 23 22 24+25 17 13 16 31 24 15 10 11 19 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Anfälligkeitsmaß: Sonst. Fahrzeugbau und Maschinenbau besonders anfällig 20 * Basierend auf NACE - Codes; das Produkt aus Exportquote und Exportanteil wurde noch durch 100 geteilt Produkt aus Exportquote (2014, %) und Export - anteil der Ölstaaten (2014, %) nach Branchen* - 8 - 4 0 4 8 12 16 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Sonstiger Fahrzeugbau Maschinenbau Anfälligkeit der Branchen gegenüber wirtschaftlicher Eintrübung in den Ölstaaten im Überblick 21 Die Branchen im rechten oberen Quadranten haben eine überdurchschnittliche Exportquote. Zudem kommen die Ölstaaten hier auf einen überdurchschnittlichen Exportanteil. Tabakverarbeitung X - Achse: Abweichung der Branchen von durchschnittlicher Exportquote, 2014, % - Punkte Y - Achse: Abweichung der Branchen von durchschnittlichem Exportanteil der Ölstaaten, 2014, % - Punkte Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 9 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen Regional- und branchenspezifische Besonderheiten zu beachten Um die Betroffenheit einer Branche richtig einzuordnen, ist es zudem wichtig, regional- und/oder branchenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. So basieren die Auslieferungen im sonstigen Fahrzeugbau (überwiegend Flugzeu- ge) an die arabischen Staaten auf langfristigen Bestellungen. Es ist unwahr- scheinlich, dass diese Bestellungen allein aufgrund eines sinkenden Ölpreises von den (arabischen) Airlines storniert werden, zumal deren Geschäftsmodell ja vom sinkenden Ölpreis profitiert (geringere Kosten für Kerosin). Dieser Zusammenhang dürfte den sonstigen Fahrzeugbau also spürbar schützen. Im Maschinenbau überwiegen jedoch belastende Faktoren: Das Geschäft mit Russland – unter den Ölstaaten der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der Branche – dürfte auch 2015 durch die angespannten politischen Rahmenbedin- gungen erschwert werden. Hinzu kommt, dass Russland nicht nur unter dem Verfall des Ölpreises leidet, sondern auch unter den von der USA und der EU verhängten Sanktionen. Gleichzeitig hat der Rubel gegenüber dem Euro stark abgewertet, was deutsche Exporte nach Russland verteuert. Unter dem Strich ist der Maschinenbau also über mehrere Kanäle betroffen. Für die Tabakverarbeitung dürfte wiederum hilfreich sein, dass die Nachfrage nach den Produkten der Branche – wie bereits erwähnt – wenig einkommens- elastisch ist. Trotz des hohen Anfälligkeitsmaßes könnte sich dadurch die tat- sächlich Belastung für die Tabakverarbeitung in Grenzen halten. Das Argument der relativ einkommensunelastischen Nachfrage gilt grundsätzlich auch für die Pharmaindustrie. Für die Automobilindustrie, die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen und die Chemieindustrie ist jeweils ein belastender Faktor, dass Russland der wichtigste Einzelmarkt unter den Ölstaaten ist. Wie im Maschinenbau kommen hier politische Probleme in Russland, sinkende Ölpreise und der Verfall des Rubels zusammen. Die Exporte jener (und anderer Branchen) in den arabi- schen Raum profitieren jedoch davon, dass viele arabische Währungen eng an den US-Dollar gekoppelt sind, der gegenüber dem Euro aufgewertet hat. Hier verbessert sich also die preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Fazit: Nachfrageschwäche aus Ölstaaten dürfte Maschinenbau überproportional belasten Insgesamt bekommt die deutsche Wirtschaft einen Wachstumsschub durch den Einbruch der Ölpreise, da der private Konsum steigt, die Produktionskosten der Unternehmen fallen und die Weltwirtschaft insgesamt stärker wächst. Infolge des Ölpreiseinbruchs verdunkeln sich allerdings die Aussichten für die Ölstaa- ten, die über das Recyceln der Petrodollars eine relativ hohe Nachfrage nach deutschen Erzeugnissen haben, weshalb einige Branchen negativ betroffen sind. Die Ausführungen zu den potenziellen Belastungen auf Branchenebene zeigen, dass verschiedene Aspekte dafür maßgeblich sind, in welchen Sektoren die Exporte in die Ölstaaten 2015 am stärksten unter Druck geraten könnten. Da im Geschäft mit Russland im laufenden Jahr mehrere belastende Faktoren zusammenkommen (Ölpreisrückgang, Abwertung des Rubels, politische Pro- bleme, Sanktionen), ist eine enge Verflechtung mit Russland in jedem Fall ne- gativ, zumal sich die Ausfuhren nach Russland schon in der Vergangenheit deutlich volatiler entwickelten als jene in die OPEC-Staaten (Stichwort: hohe Devisenreserven). Die deutschen Exporte in den arabischen Raum profitieren dagegen von der Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und damit auch gegenüber vielen arabischen Währungen, womit der Ölpreisrückgang zum Teil kompensiert werden kann. Zählt man alle Faktoren zusammen, dürfte der -80 -70 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 Jun 14 Aug 14 Okt 14 Dez 14 Feb 15 RU NO KZ US OPEC Ölpreis Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Aufwertung gg. EUR Abwertung gg. EUR USD-Bindung bewirkt Aufwertung gg. dem EUR für OPEC und KZ 22 Index, Juni 2014=100 Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015 10 | 24. Februar 2015 Aktuelle Themen deutsche Maschinenbau 2015 die größten Einbußen im Geschäft mit den Öl- staaten hinnehmen müssen. Es gibt in jeder Branche einzelne Untergruppen und natürlich auch Unternehmen, die aufgrund einer besonders engen Verflech- tung mit einem oder mehreren Ölstaaten stärker unter den Nachfrageschwäche leiden werden als der jeweilige Branchendurchschnitt. Wir haben zu Beginn der Branchenbetrachtung ausgeführt, dass wir die Auswir- kungen des Ölpreisverfalls auf das Exportgeschäft einzelner Branchen in Form einer Partialanalyse untersuchen. Dies soll hier nochmals betont werden. Auf globaler Ebene sprechen viele Gründe dafür, dass die gesamten deutschen Exporte 2015 auch in jenen Branchen steigen dürften, in denen die Ölstaaten auf einen überdurchschnittlichen Exportanteil kommen. Die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie die Kostenentlastungen durch niedrigere Öl- preise in den ölimportierenden Staaten sind nur zwei dieser Faktoren. Insofern kann insgesamt für viele Branchen Entwarnung gegeben werden, wenngleich die erwarteten Rückgänge im Geschäft mit den Ölstaaten für einzelnen Bran- chen und Unternehmen schmerzhaft sind. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Fokusthema Natürliche Ressourcen Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  CO 2 - Emissionen von Pkw: Regulierung über EU - Emissionshandel besser als strengere CO 2 - Grenzwerte (Aktuelle Themen) ................................ ................... 15. Dezember 2014  Energiemix in Deutschland im Wandel: Treiber sind Energiewende und internationale Trends (Aktuelle Themen) ................................ .............................. 2 3 . Mai 2014  Deutsche Energiewende treibt Power - to - Gas: Von einer Idee zur Markteinführung ( Aktuelle Themen ) ................................ ......................... 29 . Januar 2014  Carbon Leakage: Ein schleichender Prozess ( Aktuelle Themen ) ................................ .................. 18. Dezember 2013  Energiewende 2.0 – Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren ( Standpunkt Deutschland ) ................................ ....... 26. November 201 3  Globaler Kraftwerkspark: Wandel durch unkonventionelle und grüne Energien ( Aktuelle Themen ) ................................ .............................. 31. Mai 2013  Energiewende fordert Kommunen und Stadtwerke ( Aktuelle Themen ) ................................ ............................. 11. Juli 2012  Lebensmittelpreise: Anstieg des Lebensmittelpreisindexes im 1. Quartal, Weizen und Reis jedoch unter Abwärtsdruck ( Research Briefing ) ................................ ............................ 5. Juni 2012  Moderne Stromspeicher: Unverzichtbare Bausteine der Energiewende ( Aktuelle Themen ) ................................ ......................... 31. Januar 2012  Minderung des Klimawandels durch Landwirtschaft: Ein ungenutztes Potenzial ( Aktuelle Themen ) ................................ ....................... 18. Oktober 2011  Emissionshandel im Luftverkehr: Belastung vorerst moderat, Wettbewerbseffekte spürbar ( Research Briefing ) ................................ ............... 21. September 2011    Strukturelle Verbesserungen stützen Sonder stellung (Aktuelle Themen – Konjunktur ) ................................ .......... 1. Jul i 2013  Deutsche Sonderstellung – Gefahr für den Euro? ( Research Briefing – Konjunktur ) ................................ ...... 14. Juni 2013  Die schöne neue Welt der Geldpolitik © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei- stungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Limited, Tokyo Branch, genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 1430 - 7421 / Internet: ISSN 1435 - 0734 / E - Mail: ISSN 1616 - 5640