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29. Oktober 2019
Die deutschen Nettoenergieimporte sind zwischen 2000 und 2018 um knapp 12% gesunken. Während bei Mineralöl wegen der geringeren Bedeutung im Wärmemarkt und bei der Kernenergie wegen des Ausstiegsbeschlusses starke Rückgänge zu verzeichnen sind, nehmen die Nettoimporte von Erdgas tendenziell zu. Bei Steinkohle sinken die Nettoimporte erst seit 2016. Sie lagen 2018 aber noch deutlich über dem Niveau von 2000, weil die heimische Steinkohlenförderung zurückgefahren wurde. Deutschlands Importabhängigkeit von Energierohstoffen hat im langfristigen Vergleich kaum abgenommen. Sie betrug 2018 knapp 71% (2000: 72,6%). [mehr]
PROD0000000000501778 1   |    29. Oktober 2019Aktuelle Grafik 29. Oktober 2019 Deutsche Energieimporte sinken, aber nur leicht Autoren www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Eric Heymann +49(69)910-31730 eric.heymann@db.com Josef Auer +49(69)910-31878 josef.auer@db.com Die deutschen Nettoenergieimporte sind zwischen 2000 und 2018 um knapp 12% gesunken. Während bei Mineralöl wegen der geringeren Bedeutung im Wärmemarkt und bei der Kernenergie wegen des Ausstiegsbeschlusses starke Rückgänge zu verzeichnen sind, nehmen die Nettoimporte von Erdgas tenden­ ziell zu. Bei Steinkohle sinken die Nettoimporte erst seit 2016. Sie lagen 2018 aber noch deutlich über dem Niveau von 2000, weil die heimische Steinkohlen­ förderung zurückgefahren wurde. Deutschlands Importabhängigkeit von Ener­ gierohstoffen hat im langfristigen Vergleich kaum abgenommen. Sie betrug 2018 knapp 71% (2000: 72,6%). Die deutschen Nettoimporte von Energieträgern sind in den letzten Jahren ten­ denziell gesunken. Die gesamten Nettoimporte lagen 2018 um 11,6% unter dem Wert von 2000 und auf dem niedrigsten Niveau seit 1991. Deutsche Energieimporte sinken, aber nur leicht Quelle: AG Energiebilanzen Deutsche Bank Research Deutsche Energieimporte sinken, aber nur leicht 2   |    29. Oktober 2019Aktuelle Grafik Mineralöl: Wichtigster Energieträger verzeichnet rückläufige Importe Mineralöl ist nach wie vor der mit Abstand wichtigste Energieträger, den Deutschland importiert. Im Jahr 2018 entfielen hierauf 47,5% aller Nettoenergie­ importe. Gleichwohl gehen die absoluten Ölimporte seit vielen Jahren recht ste­ tig zurück. 2018 importierte Deutschland rd. 17% weniger Mineralöl als im Jahr 2000. Dafür gibt es mehrere Gründe: In erster Linie hat Heizöl im Wärmemarkt an Bedeutung verloren. So wurden 2000 noch 32,6% aller Wohnungen im Be­ stand mit Öl beheizt. Bis 2018 sank dieser Anteil auf knapp 26%. Bei Woh­ nungsneubauten spielt Heizöl als Wärmequelle seit etwa zehn Jahren keine große Rolle mehr. Hinzu kommt die in den letzten Jahren tendenziell wärmere Witterung, die den Heizölbedarf senkt. In Deutschland ist zudem zwischen 2010 und 2018 die Herstellung von chemischen Grundstoffen, bei der Rohöl ein we­ sentlicher Rohstoff ist, um ca. 10% gesunken (gemessen am Produktionsin­ dex). Die Nachfrage des Verkehrssektors nach Mineralölprodukten ging zwar zwischen 2000 und 2009 um 12% zurück. Seither stieg sie aber wieder um rd. 8%. In Summe trug der Verkehr damit kaum zu den rückläufigen Importen von Mineralöl bei. Erdgas: Steigende Nettoimporte Umgekehrt sieht das Bild bei Erdgas aus, dem zweitwichtigsten importierten Energieträger (Anteil an allen Nettoimporten 2018: 32%). Hier lagen die Netto­ importe 2018 um 25% über dem Wert des Jahres 2000. Der Anteil der Wohnun­ gen im Bestand, die mit Erdgas beheizt werden, ist in diesem Zeitraum um rd. 5%­Punkte auf 49,4% gestiegen. Zwar verliert Erdgas als Energieträge im Neu­ bau seit Jahren an Bedeutung (zugunsten von Elektro­Wärmepupen und Fern­ wärme). Der Anteil im Wohnungsbestand ist dennoch seit einigen Jahren recht konstant. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung im langfristigen Vergleich gestiegen ist. Im Jahr 2000 entfielen erst 8,5% der Brut­ tostromerzeugung auf Erdgas; 2018 waren es knapp 13%. Die auf Erdgas ba­ sierende Bruttostromerzeugung nahm in dieser Zeit absolut um rd. 70% zu. Schließlich ist die inländische Förderung von Erdgas im genannten Betrach­ tungszeitraum tendenziell gesunken, weshalb höhere Nettoimporte zur De­ ckung der Nachfrage nötig wurden. Deutschland ist inzwischen ein wichtiges Transitland für den Transport von Erdgas (neue Pipelines), weshalb nicht nur die Einfuhren, sondern auch die Ausfuhren zuletzt stark gestiegen sind. Steinkohle: Zweigeteilte Entwicklung Bei der Steinkohle (Anteil an gesamten Nettoenergieimporten 2018: 13,6%) mag es auf den ersten Blick überraschend sein, dass die Nettoimporte 2018 das Niveau von 2000 um 39% übertrafen. Das liegt aber vor allem daran, dass die inländische Steinkohlenförderung stetig zurückging (und Ende 2018 einge­ stellt wurde), während die Bedeutung der Steinkohle für die Stromerzeugung sehr viel langsamer abnahm. Die Lücke durch den Wegfall der heimischen Koh­ le musste demnach durch mehr Importe geschlossen werden. 2017 und 2018 sanken die Nettoimporte von Steinkohle jedoch deutlich, weil in diesen beiden Jahren auch die Bruttostromerzeugung auf Basis von Steinkohle stark zurück­ ging. Gründe hierfür sind der gestiegene Preis für CO-Zertifikate im Rahmen des EU-Emissionshandels, die Kohle im Vergleich zu Erdgas belastet, sowie der anhaltende Zubau von erneuerbaren Energien. 2 Deutsche Bank Research Deutsche Energieimporte sinken, aber nur leicht 3   |    29. Oktober 2019Aktuelle Grafik Geplanter Kernenergieausstieg hinterlässt Spuren Die Nettoimporte von Kernenergie (Uran) sanken zwischen 2000 und 2018 um etwa 55%. Der geplante Ausstieg aus der Kernenergie ist hierfür der maßgebli­ che Grund. Zudem verfügen die Kraftwerksbetreiber über Vorräte an Kern­ brennstoffen in Deutschland, die bis zum Ende der Kernenergienutzung aufge­ braucht werden können. Diese Lagerbestände verringern den Bedarf an zusätz­ lichen Importen. Importabhängigkeit kaum gesunken Ein Ziel der Energiewende ist es, die Importabhängigkeit von Energierohstoffen zu verringern. Zwar sind die absoluten Nettoenergieimporte seit 2000, wie be­ reits erwähnt, um 11,6% gesunken. Bei der Importabhängigkeit fallen die Fort­ schritte jedoch geringer aus. Im Jahr 2000 lag der Anteil der Nettoenergieimpor­ te am inländischen Primärenergieverbrauch bei 72,6%. 2018 betrug dieser Wert immer noch 70,6%. Seit 2010 sind zudem keine wesentlichen Veränderungen mehr zu verzeichnen. Lässt man die Kernenergie außen vor, deren Nutzungs­ ende kurz bevorsteht, liegt die Importabhängigkeit „nur“ bei 64%. Bei Rohöl (99%) und Erdgas (96%) fällt die Importabhängigkeit besonders groß aus. Die erneuerbaren Energien sowie die Braunkohle sind demnach die einzigen heimi­ schen Energieträger.   Deutsche Bank Research Deutsche Energieimporte sinken, aber nur leicht 4   |    29. Oktober 2019Aktuelle Grafik © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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