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21. September 2020
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Die vom Coronavirus ausgelöste Rezession hat die europäischen Großbanken erheblich getroffen. Ihre Erträge sanken im ersten Halbjahr um 5% verglichen mit dem Vorjahr und die Kreditrisikovorsorge legte enorm zu, weswegen unter dem Strich praktisch kein Gewinn mehr übrig blieb. Trotzdem kletterte die Kernkapitalquote auf 14% und die Leverage Ratio ging nur leicht auf 4,8% zurück. Aufgrund eines massiven Anstiegs der Liquiditätsreserven bei Notenbanken, einer boomenden Kreditvergabe an Unternehmen und beträchtlichen Staatsanleihekäufen nahm die Bilanzsumme kräftig zu. Verglichen damit haben die großen US-Banken die Krise bislang etwas besser überstanden. Sie sind moderat profitabel geblieben, obwohl sie größere Rückstellungen für zukünftige Kreditausfälle gebildet haben. Ihre Erträge sind trotz des stärkeren Gegenwinds durch die Zinssenkungen der Fed um 2% ggü. Vorjahr gewachsen. Allerdings wirken die Kapitalquoten weniger robust als in Europa. [mehr]
PROD0000000000512158 1   |    21. September 2020 Aktueller Kommentar 21. September 2020 Corona-Krise trifft europäische Banken härter als ihre US-Wettbewerber Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Jan Schildbach +49(69)910-31717 jan.schildbach@db.com Die vom Coronavirus ausgelöste Rezession hat die europäischen Großbanken erheblich getroffen. Ihre Erträge sanken im ersten Halbjahr um 5% verglichen mit dem Vorjahr und die Kreditrisikovorsorge legte enorm zu, weswegen un ter dem Strich praktisch kein Gewinn mehr übrig blieb. Trotzdem kletterte die Kernkapitalquote auf 14% und die Leverage Ratio ging nur leicht auf 4,8% zu rück. Aufgrund eines massiven Anstiegs der Liquiditätsreserven bei Noten banken, einer boomenden Kreditvergabe an Unternehmen und beträchtlichen Staatsanleihekäufen nahm die Bilanzsumme kräftig zu. Verglichen damit ha ben die großen US-Banken die Krise bislang etwas besser überstanden. Sie sind moderat profitabel geblieben, obwohl sie größere Rückstellungen für zu künftige Kreditausfälle gebildet haben. Ihre Erträge sind trotz des stärkeren Gegenwinds durch die Zinssenkungen der Fed um 2% ggü. Vorjahr gewach sen. Allerdings wirken die Kapitalquoten weniger robust als in Europa. Die vom Coronavirus ausgelöste Rezession hat die europäischen Banken er heblich getroffen. Die Erträge der 20 größten Institute sanken im ersten Halb jahr um 5% verglichen mit dem Vorjahr. Das lag vor allem an einem Minus beim Zinsüberschuss (-3½%) und den sonstigen Erträgen (-34%), das ein flo rierendes Kapitalmarktgeschäft nicht ausgleichen konnte. Der Zinsüber schuss profitierte zwar vom Volumenwachstum, litt aber unter anhaltendem Margendruck, Zinssenkungen in den USA und Mittelosteuropa, der Aufwer tung des Euro gegenüber vielen Schwellenländerwährungen und geringeren Dividendeneinnahmen. Der Provisionsüberschuss war konstant. Hier hielten sich einerseits höhere Einnahmen aus dem Wertpapierhandel und der Emissi on von Anleihen und Aktien und andererseits geringere Erträge aus der M&A- Beratung und der Vermögensverwaltung aufgrund niedrigerer verwalteter Aktiva die Waage. Den größten Effekt auf die GuV insgesamt hatte jedoch der massive Anstieg der Kreditrisikovorsorge, die sich mehr als verdreifachte. Im Ergebnis blieb nach Steuern fast kein Gewinn mehr übrig (-94%), obwohl es den Banken erneut gelang, die Kosten zu verringern (-4%). Positiv entwickelte sich dagegen die Kernkapitalquote (CET1), die im Vorjah resvergleich um 0,5 %-Punkte auf durchschnittlich 14% zulegte, und auch die Leverage Ratio ging nur leicht um 0,1 %-Punkte auf 4,8% zurück. Beide profi tierten von der Streichung von Dividendenzahlungen auf Anraten der EZB. Ei nen Boom verzeichnete seit Beginn der Krise die Kreditvergabe an Unterneh men, unterstützt von staatlichen Garantien. Die Banken erhöhten auch ihre Einlagen bei den Notenbanken enorm und sicherten damit ihre starke Liquidi Kreditrisikovorsorge der europäischen Großbanken Quelle n : Unternehmensberichte, Deutsche Bank Research Corona-Krise trifft europäische Banken härter als ihre US-Wettbewerber 2   |    21. September 2020 Aktueller Kommentar tätsausstattung. Zusammen mit beträchtlichen Staatsanleihekäufen führte dies zu einer kräftigen Ausweitung der Bilanzsumme (+7½%). In den nächsten Quartalen wird sich eine Reihe dieser Effekte voraussichtlich ins Gegenteil umkehren. Das Wachstum der Unternehmenskredite dürfte sich aufgrund einer schwächeren Nachfrage und verschärfter Kreditstandards deutlich verlangsamen. Im Einklang mit einem weiteren Rückgang der Finanz marktvolatilität und der beginnenden wirtschaftlichen Erholung werden die Banken wahrscheinlich auch ihre überschüssigen Liquiditätsreserven schritt weise reduzieren. Dies dürfte geringere Einnahmen aus dem Wertpapierhan del mit sich bringen, aber auch die Risikovorsorge sollte langsam vom gegen wärtig hohen Niveau aus wieder zurückgehen. Verglichen mit ihren europäischen Wettbewerbern haben die sieben großen US-Banken (ähnlich wie die Volkswirtschaft als Ganzes) die Krise bislang et was besser überstanden. Sie sind insgesamt - bei einem Gewinnrückgang um rund 60% - moderat profitabel geblieben, obwohl sie weit größere Rückstel lungen für zukünftige Kreditausfälle gebildet haben. Diese stiegen auf das 5½-fache des Vorjahreswerts. Das ist insofern erstaunlich, als die Wirt schaftsleistung in den USA dieses Jahr dank einer geringeren Exportabhän gigkeit, eines größeren Konjunkturprogramms und weniger strengen Lock downs nicht so stark schrumpfen dürfte (-4%) wie in Europa (Euroraum -8%, Großbritannien -10,2%). Andererseits fehlen in den USA staatliche Kreditaus fallgarantien wie in Europa, außerdem enthält das Kreditbuch der US-Banken im Durchschnitt mehr Risiken und nicht zuletzt können sich die dortigen Kre ditinstitute dank einer fundamental besseren Profitabilität auch schlicht eine höhere Risikovorsorge „leisten". Die Erträge der US-Banken sind trotz des stärkeren Gegenwinds durch die Zinssenkungen der Fed sogar um 2% ggü. Vorjahr gewachsen. Allerdings wirken die Kapitalquoten etwas schwächer und weniger robust als in Europa.   Nettogewinn der europäischen Groß banken Quellen: Unternehmensberichte, Deutsche Bank Research Corona-Krise trifft europäische Banken härter als ihre US-Wettbewerber 3   |    21. September 2020 Aktueller Kommentar © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. 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