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2. Juli 2020
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In vielen Ländern wächst der Finanzierungsbedarf des Staates: Regierungen legen umfangreiche Konjunkturpakete auf, um dem von der Corona-Pandemie verursachten schweren Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. Neben Zentralbanken finanzieren die Banken mehr als die Hälfte des Anstiegs der Ausgaben, was sich auf die Zusammensetzung ihrer Bilanzen auswirkt. [mehr]
PROD0000000000509868 1   |    2. Juli 2020 Aktuelle Grafik 2. Juli 2020 Corona-Krise Der Nexus zwischen Staat und Banken wird enger Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Heike Mai +49(69)910-31444 heike.mai@db.com In vielen Ländern wächst der Finanzierungsbedarf des Staates: Regierungen legen umfangreiche Konjunkturpakete auf, um dem von der Corona-Pande mie verursachten schweren Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. Ne ben Zentralbanken finanzieren die Banken mehr als die Hälfte des Anstiegs der Ausgaben, was sich auf die Zusammensetzung ihrer Bilanzen auswirkt. Nächste Krise, nächster Anstieg der Staatsschulden in den Bankbilanzen Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Deutsche Bank Research Corona-Krise: Der Nexus zwischen Staat und Banken wird enger 2   |    2. Juli 2020 Aktuelle Grafik Die Banken im Euroraum begannen im März damit, ihre Forderungen gegen über der öffentlichen Hand im Inland (bestehend sowohl aus Schuldver schreibungen als auch aus Krediten) stark zu erhöhen. Dies markiert das Ende eines seit 2015 existierenden Trends sinkender oder stabiler Forderungen. Die Banken weiteten ihr Engagement im März um EUR 61 Mrd. aus, im April um EUR 82 Mrd. und im Mai um EUR 52 Mrd., was das stärkste jemals ver zeichnete Wachstum in drei aufeinander folgenden Monaten darstellt. Ende Mai erreichten die ausstehenden Forderungen insgesamt EUR 2.173 Mrd. Im gleichen Zeitraum legten auch die Forderungen der Banken an andere Staa ten des Euroraums um EUR 67 Mrd. auf EUR 580 Mrd. zu (+13%, verglichen mit +10% bei inländischen Forderungen). Durch diesen, relativ betrachtet, so gar größeren Zuwachs verringerte sich der „Home Bias" - das Verhältnis der Bankforderungen gegenüber dem inländischen zu allen Staaten des Euro raums - leicht auf 79%. Auch relativ gesehen stiegen die Forderungen an den inländischen öffentli chen Sektor. Im Verhältnis zur Bilanzsumme nahmen sie um 30 Bp. auf 6,4% zu, trotz eines beträchtlichen Wachstums der Aktiva auf EUR 35,2 Billionen Ende Mai. Die Banken vergaben dank der stark erhöhten Nachfrage mehr Kredite an Unternehmen und vergrößerten auch ihre eigenen Liquiditätspuf fer bei der Zentralbank. Dagegen blieben Kapital und Rücklagen nahezu un verändert, was die Forderungen gegenüber dem heimischen Staat von 78% des Eigenkapitals Ende Februar auf 86% Ende Mai ansteigen ließ. Die Forde rungen der Banken gegenüber allen Staaten des Euroraums kletterten auf 7,8% der Bilanzsumme und 109% des Eigenkapitals. Ein Blick auf die nationalen Bankenmärkte offenbart beträchtliche Unter schiede innerhalb des Euroraums, obwohl alle Bankensysteme (mit Ausnah me der Niederlande) ihre Forderungen gegenüber dem inländischen Staat ab solut und relativ gesehen erhöht haben. Von den fünf größten Ländern ver zeichneten die Banken in Italien und Spanien die stärkste Zunahme und den höchsten Anteil an inländischen Staatsschulden. In Frankreich und Deutsch land liegt der Anteil unter dem Durchschnitt des Euroraums. Niederländische Banken sind finanziell am wenigsten gegenüber der heimischen öffentlichen Hand exponiert. Forderungen der Banken in den größten Euroraum-Ländern ggü. dem hei mischen Staat im Jahr 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Deutsche Bank Research Corona-Krise: Der Nexus zwischen Staat und Banken wird enger 3   |    2. Juli 2020 Aktuelle Grafik Originalfassung in Englisch vom 1. Juli 2020: ˮ Corona crisis: The sovereign-bank nexus is tightening ˮ Der Gesamtanstieg der Forderungen an den Staat war hauptsächlich auf au ßergewöhnlich umfangreiche Käufe von Schuldverschreibungen zurückzu führen, während es bei den Krediten an den öffentlichen Sektor kein ver gleichbar kräftiges Plus gab. Dies deutet darauf hin, dass die Banken in erster Linie die nationalen Regierungen finanzierten, da Regionalregierungen Wert papiere weniger stark nutzen und Kommunalverwaltungen zur Deckung ihres Finanzbedarfs meist Darlehen aufnehmen. Im März brachten die nationalen Regierungen im Schnellverfahren expansive fiskalische Programme auf den Weg, um den durch den Corona-Lockdown verursachten wirtschaftlichen Ein bruch abzumildern. Gleichzeitig schnellte die Nettoemission von Staatsanlei hen in die Höhe. Im März betrug sie EUR 84 Mrd. und war damit doppelt so hoch wie der langfristige Durchschnitt. Im April explodierte sie auf EUR 172 Mrd. Die Banken finanzieren also einen beträchtlichen Teil der expansiven Fiskalpolitik. Angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs könnten die Banken aus Grün den der Sicherheit in Staatsschulden des Euroraums investieren. Darüber hin aus könnten die Banken Staatsschulden kaufen, um sie bei der EZB gegen Li quidität zu hinterlegen. Dank gestiegener Renditen waren Anleihen aus den Peripherieländern aber auch attraktiver geworden. Angesichts von Refinan zierungsmöglichkeiten bei der EZB zu Null- oder Negativzinsen hilft ein sol cher „Carry Trade" den Banken natürlich, dringend nötige Zinseinnahmen zu generieren. Was auch immer die Gründe sind, der Nexus zwischen Staat und Banken im Euroraum wird derzeit wieder enger. Banken im Euroraum finanzieren einen Großteil der expansiven Fiskalpoli tik 2020 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Deutsche Bank Research Corona-Krise: Der Nexus zwischen Staat und Banken wird enger 4   |    2. Juli 2020 Aktuelle Grafik © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumen ten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informa tionszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollstän digkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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