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28. Februar 2020
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Inzwischen wirkt sich das Coronavirus nicht mehr allein über die Exportnachfrage aus China und die Lieferketten auf die europäische Wirtschaft aus, sondern das Virus selbst ist in Europa angekommen. Freiwillige Maßnahmen („soziale Distanzierung“) und offizielle Schritte zur Eindämmung der weiteren Verbreitung des Virus dürften zu Störungen des wirtschaftlichen Lebens führen. Und davon dürfte nicht nur Norditalien betroffen sein, wo rund 5% des BIP des Euroraums erwirtschaftet werden. Wenn lediglich 10% des Euroraums von einem vorübergehenden Konjunkturschock ähnlichen Ausmaßes wie in Hongkong nach dem SARS-Ausbruch im Jahr 2003 in Mitleidenschaft gezogen würden, dürfte das BIP im gesamten Euroraum in H1 stagnieren und die Region an den Rand einer technischen Rezession geraten. Bisher ist noch unklar, wie sich die Lage entwickelt – und das hier vorgestellte Szenario könnte sich noch als optimistisch erweisen. [mehr]
PROD0000000000505627 1   |    28. Februar 2020Weitere Research-Beiträge 28. Februar 2020 COVID-19 Welche politischen Maßnahmen können den virusbe- dingten Schock abfedern? Inzwischen wirkt sich das Coronavirus nicht mehr allein über die Exportnach- frage aus China und die Lieferketten auf die europäische Wirtschaft aus, son- dern das Virus selbst ist in Europa angekommen. Freiwillige Maßnahmen („soziale Distanzierung“) und offizielle Schritte zur Eindämmung der weiteren Verbreitung des Virus dürften zu Störungen des wirtschaftlichen Lebens füh- ren. Und davon dürfte nicht nur Norditalien betroffen sein, wo rund 5% des BIP des Euroraums erwirtschaftet werden. Wenn lediglich 10% des Euro- raums von einem vorübergehenden Konjunkturschock ähnlichen Ausmaßes wie in Hongkong nach dem SARS-Ausbruch im Jahr 2003 in Mitleidenschaft gezogen würden, dürfte das BIP im gesamten Euroraum in H1 stagnieren und die Region an den Rand einer technischen Rezession geraten. Bisher ist noch unklar, wie sich die Lage entwickelt – und das hier vorgestellte Szenario könn- te sich noch als optimistisch erweisen. An dieser Stelle befassen wir uns mit zwei Themen. Erstens analysieren wir, wie deutlich die Konjunktur durch einen virusbedingten Schock gedämpft werden könnte, über welche Kanäle der Schock übertragen wird und welche Sektoren besonders anfällig sind. Zweitens befassen wir uns mit der Frage, welche politische Reaktion auf eine solche Situation sinnvoll sein könnte. Um die Dauer des Virusausbruchs zu minimieren, müssen womöglich umfangrei- che Quarantänemaßnahmen angeordnet werden. Dies könnte die Erträge in den betroffenen Regionen und Sektoren über einige Wochen oder Monate hinweg deutlich in Mitleidenschaft ziehen. Zunächst sollte sich die Politik auf die betroffenen Regionen und Sektoren konzentrieren und sicherstellen, dass der virusbedingte Schock nicht noch durch Entlassungen oder Unterneh- menskonkurse verstärkt wird. EZB-Chefvolkswirt Lane hat die Tür für eine weitere Senkung des Einlagen- satzes offen gelassen, die Äußerungen von Präsidentin Lagarde sprechen je- doch dafür, dass die EZB vorerst abwartet. Von einer Zinssenkung würden italienische Unternehmen netto profitieren, die privaten Haushalte würden dagegen durch sinkende Zinserträge in Mitleidenschaft gezogen. Ein Schul- denmoratorium wäre wirksamer. Solange die Renditen von Staatsanleihen nicht ansteigen, sollten es beim Abfedern des virusbedingten Schocks vor al- lem darum gehen, die Kapitalflüsse in der Realwirtschaft zu sichern, und nicht so sehr darum, die ohnehin schon niedrigen Finanzierungskosten weiter zu reduzieren. Ein kurzfristiges LTRO mit einer Laufzeit von 6 Monaten wäre ei- ne hilfreiche Maßnahme, um die Kreditvergabe an KMU in vom Virus betrof- Belastung der KMU wird sich wahr- scheinlich eher in steigenden NPLs niederschlagen Quellen: Deutsche Bank, Europäische Kom- mission Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Mark Wall +44(207)545-2087 mark.wall@db.com Deutsche Bank Research COVID-19 2   |    28. Februar 2020Weitere Research-Beiträge fenen Regionen zu unterstützen. Gleichzeitig könnten die Vorgaben für Rück- stellungen für Kreditverluste angepasst werden, sodass das Risiko einer re- striktiveren Kreditvergabe der Banken in den betroffenen Regionen abgefan- gen wird. Fiskalpolitische Maßnahmen können besser auf ein bestimmtes Ziel ausge- richtet werden. Um das Risiko von Zweitrundenschocks zu minimieren, sind rasche und gezielte fiskalpolitische Schritte erforderlich. Dabei sollte das Ge- wicht weniger auf langsam wirkenden öffentlichen Investitionen als auf kurz- fristigen, zielgerichteten politischen Maßnahmen liegen, um die Cashflows in betroffenen Sektoren und Regionen zu unterstützen. Sinnvoll wären z.B. Sen- kungen der Sozialversicherungsbeiträge (die EU-Länder könnten Kurzarbeits- regeln nach dem deutschen Modell einführen und so Entlassungen begren- zen), gezielte Steuererleichterungen und Einkommensunterstützung. Der letztgenannte Punkt könnte z.B. die Übernahme von Schuldenverbindlichkei- ten, Rechnungen für Versorgungsleistungen usw. durch den Staat umfassen. Dies ist ein Auszug aus unserem „ Focus Europe “ über mögliche politische Maßnahmen, mit deren Hilfe der Covid-19-Schock abgefedert werden kann, vom 28. Februar 2020 Wichtige rechtliche Hinweise finden Sie unter: https://research.db.com/Rese- arch/Disclosures/Disclaimer Deutsche Bank Research COVID-19 3   |    28. Februar 2020Weitere Research-Beiträge © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih- rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumen- ten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informa- tionszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollstän- digkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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