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1. Februar 2021
Der globale Konjunkturoptimismus, der sich durch die schnelle Entwicklung von hochgradig wirksamen Impfstoffen und nicht zuletzt durch die Erwartungen eines massiven Fiskalstimulus in den USA Bahn gebrochen hatte, erlitt zuletzt einen herben Dämpfer. Schleppende Impfstarts mit Lieferproblemen in Europa, verlängerte und verschärfte Lockdowns aufgrund der Sorge über noch ansteckendere Mutationen des Coronavirus haben hier die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten gedrückt und den Höhenflug an den Aktienmärkten zunächst einmal beendet. [mehr]
PROD0000000000516266 1   |    1. Februar 2021 Aktueller Kommentar 1. Februar 2021 Bis zum bitteren Ende Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider David Folkerts-Landau +44(20)754-55502 david.folkerts-landau@db.com Der globale Konjunkturoptimismus, der sich durch die schnelle Entwicklung von hochgradig wirksamen Impfstoffen und nicht zuletzt durch die Erwartun gen eines massiven Fiskalstimulus in den USA Bahn gebrochen hatte, erlitt zuletzt einen herben Dämpfer. Schleppende Impfstarts mit Lieferproblemen in Europa, verlängerte und verschärfte Lockdowns aufgrund der Sorge über noch ansteckendere Mutationen des Coronavirus haben hier die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten gedrückt und den Höhenflug an den Ak tienmärkten zunächst einmal beendet. Aber die Nacht ist kurz vor der Dämmerung am dunkelsten. Spätestens im Frühsommer könnte der Impffortschritt zusammen mit steigenden Tempera turen die Infektionszahlen kräftig sinken lassen und die Stimmung nachhaltig zum Besseren wenden. Die Konsumenten können es jetzt schon kaum mehr abwarten, wieder Restaurants zu besuchen, einzukaufen und zu verreisen. Die aufgestaute Nachfrage wird dann mit einem nie da gewesenen geld- und fiskalpolitischen Impuls zusammentreffen, der durch den Schulterschluss von Geld- und Finanzpolitik geschaffen wird. Finanzpolitiker wollen mit immer neuen Programmen, die bereits im vergangenen Jahr die globale Verschul dung um 19,5 Billionen US-Dollar nach oben getrieben haben, nicht nur die Konjunktur und alle betroffenen Sektoren aus dem Corona-Tal herausbrin gen, sondern damit auch noch den notwendigen Übergang in die digitale und nachhaltige Wirtschaft bewerkstelligen. Sie finden in ihren Notenbanken willi ge Unterstützer, die ihr Zuständigkeitsgebiet immer weiter ausdehnen und die Aufblähung der Staatsschulden durch die Bereitstellung von Zentralbank geld monetisieren. Diese Politik wirkt wie eine Droge, die mit großer Wahr scheinlichkeit zusammen mit der Überwindung der globalen Pandemie zu eu phorischen Übertreibungen an den Märkten ähnlich wie in den 1920er-Jah ren, den „Roaring Twenties", führen wird. Anzeichen sehen wir bereits in den steilen Kursgewinnen der breiten Marktindizes, die jede Bodenhaftung verlo ren haben. Wie damals locken die Börsen auch schon jetzt wieder zunehmend spekulative Privatanleger an. Der Welthandel hat bereits sein Niveau vor CO VID-19 überschritten, was sich auch in explodierenden Charterraten für Frachtschiffe zeigt. Zusammen mit dem Konsumschub wird dies dazu führen, dass die Liquidität der Finanzmärkte zunehmend in die Realwirtschaft über schwappt, was dank Multiplikatoreffekten wie ein Turbolader die Konjunktur massiv antreiben wird. Dieser Aufschwung dürfte wohl bis ins Jahr 2022 an halten. Mit steigender Inflationserwartung drohen aber Zweifel an dessen Bis zum bitteren Ende 2   |    1. Februar 2021 Aktueller Kommentar Nachhaltigkeit zuzunehmen, was letztlich zu einem Einbruch der Anleihe- und Aktienmärkte führen könnte. Vor einem Jahrhundert endete die fiskal- und geldpolitisch kreierte und durch Spekulation befeuerte Scheinblüte in einem riesigen Scherbenhaufen. Wir bil den uns ein, aus diesen Fehlern gelernt zu haben. Aber glauben wir wirklich, dass all diese Billionen uns nachhaltigen Wohlstand bescheren? Spätestens wenn die Inflation aus dem Ruder läuft und die Zinsen steigen, wird die Party zu Ende sein. Die Frage, wer die Kosten der Sause zahlen muss, birgt zweifel los ein ähnliches hohes Konfliktpotenzial wie damals. Bis zum bitteren Ende 3   |    1. Februar 2021 Aktueller Kommentar © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumen ten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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