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20. Dezember 2017
Das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständigen nahm im dritten Quartal deutlich um 0,8% zu und lag damit 3,3% höher als vor einem Jahr – der beste Wert seit der Finanzkrise. Das Wachstum wurde einmal mehr vom Dienstleistungssektor getragen. Kreditgenossenschaften und Sparkassen gewannen erneut Marktanteile, für Letztere war es sogar das stärkste Vierteljahr seit fast 20 Jahren. Bei den Einlagen nahm die Dynamik dagegen ab. Die Finanzierungsalternativen schnitten durchwachsen ab. Die deutsche Volkswirtschaft ist auch in Q3 kräftig expandiert (BIP +0,8% ggü. Vq.). Der Außenbeitrag trug dazu ebenso bei wie der Lageraufbau und die Unternehmensinvestitionen, wohingegen privater Konsum und Bauinvestitionen nach zuletzt starken Zuwächsen eine Verschnaufpause einlegten. Für den privaten Konsum endete damit nach 12 Quartalsanstiegen in Folge die längste Wachstumsphase seit der Deutschen Einheit. Die BIP-Prognose für 2018 wurde nochmals auf 2,3% angehoben. [mehr]
Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditvergabe mit stärkstem Wachstum seit der Finanzkrise, Hauptfaktor: Dienstleister. Das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland hat im dritten Quartal weiter an Schwung gewonnen (EUR +10,4 Mrd. ggü. Vorquartal/+3,3% ggü. Vorjahr). Deutliche Zuwächse verzeichneten die immobiliennahen Branchen einschließlich Bau, während das Bild in der In- dustrie durchwachsen blieb. Im Jahresvergleich das höchste Plus gab es wieder bei langfristigen Krediten, aber auch kurzfristige Ausleihungen erzielten das beste Ergebnis seit 2011. Sparkassen und Genossenschaftsbanken konnten ih- ren Marktanteil erneut ausweiten und erreichen mittlerweile zusammen fast 50%. Das Einlagengeschäft verlangsamte sich erheblich auf nur noch +0,9% ggü. Vj., auch angesichts unverändert negativer Zinsen. Die Kreditzinsen blie- ben im Großen und Ganzen stabil (sehr niedrig). Die Banken meldeten einen deutlichen Anstieg der Kreditnachfrage und gelockerte Vergabestandards. Gemischtes Abschneiden der Finanzierungsalternativen. Positiv präsentierte sich zwischen Juni und September einmal mehr das Leasing, mit Neuabschlüs- sen von EUR 14,9 Mrd. Eine mäßige Entwicklung verbuchten Aktien- und Anlei- heemissionen (EUR 2,1 bzw. 3,6 Mrd.), während die stark rückläufige Ausgabe von Commercial Paper enttäuschte (netto EUR -2,7 Mrd.). Konjunktur Die deutsche Wirtschaft legte auch im dritten Quartal kräftig zu. Der Handel mit dem Ausland sowie die Bruttoinvestitionen waren im Quartalsvergleich die ent- scheidenden Wachstumstreiber. Vor dem Hintergrund einer hohen Kapazitäts- auslastung sind die robusten Investitionen in Ausrüstungen hervorzuheben. De- ren Wachstum in den ersten beiden Quartalen wurde zudem teils deutlich auf- wärts revidiert. Wir haben unsere BIP-Prognose für das Gesamtjahr 2017 auf 2,3% (1,9%) angehoben. Die konjunkturelle Entwicklung hat durch die robuste Investitionstätigkeit weiter an Breite gewonnen. Auch für das Jahr 2018 haben wir unsere BIP-Prognose nochmals von 1,8% auf 2,3% angepasst. Damit dürfte das deutsche BIP nunmehr das fünfte Jahr in Folge über der Potenzialrate von etwa 1 ¼% wachsen. Wir erwarten für das kommende Jahr eine robuste Binnenkonjunktur, gleichermaßen getrieben vom privaten Konsum und von den Bruttoinvestitionen, der Außenbeitrag dürfte ei- nen neutralen Wachstumsbeitrag leisten. Aufgrund der engen Arbeitsmarktsitu- ation könnte es bei den Anfang 2018 anstehenden Tarifverhandlungen (Metall, Öffentlicher Sektor und Bau) zu steigenden Lohnabschlüssen kommen. Die jüngsten Forderungen der Gewerkschaften unterstreichen dies. Aufgrund der sich weiter verzögernden Regierungsbildung werden mögliche zusätzliche fiska- lische Impulse erst später als bisher erwartet einsetzen. Dennoch sehen wir für das kommende Jahr zumindest in Teilbereichen der deutschen Volkswirtschaft Überhitzungsrisiken. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin expansiven Geldpolitik. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 20. Dezember 2017 Beschleunigte deutsche Konjunk- tur und Kreditvergabe in Q3 2017 Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 2 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland befin- det sich weiter im Aufwind. Erstmals seit 2008 wurde im vergangenen Quartal bei der Wachstumsrate des ausstehenden Kreditvolumens die Marke von 3% überschritten (3,3%). Im Vergleich mit dem Vorquartal gab es ebenfalls ein soli- des Plus von 0,8% oder EUR 10,4 Mrd. Die Kreditentwicklung verläuft damit un- verändert synchron zur überraschend starken gesamtwirtschaftlichen Dynamik, denn auch die BIP-Prognosen für dieses und nächstes Jahr wurden erneut nach oben revidiert (zu den Details des Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum insgesamt fehlt dieser Schwung bei der Kreditvergabe an nichtfi- nanzielle Unternehmen trotz ähnlich guter gesamtwirtschaftlicher Dynamik wei- terhin völlig. Das ausstehende Volumen ging im dritten Quartal erneut zurück, um 0,4%, und lag damit leicht unter dem Vorjahresstand. Seit 2014 ist es prak- tisch konstant, bei geringen Schwankungen. Allerdings spielten in diesem Som- mer auch Verkäufe von Portfolios notleidender Kredite durch italienische Ban- ken eine Rolle – in Q3 war der Rückgang des Kreditvolumens in Italien in Höhe von EUR 31 Mrd. größer als der Rückgang der Kredite in Euroland als Ganzes (EUR -19 Mrd.). Nach Sektoren betrachtet lässt sich der Anstieg in Deutschland vor allem auf die Unternehmen zurückführen. Bei diesen lag das Plus bei 4,1% ggü. Vorjahr, bei Selbstständigen nur bei 2,3%. Innerhalb des Unternehmenssektors bleibt das Dienstleistungsgewerbe der größte Wachstumstreiber (+4,6%), während das Verarbeitende Gewerbe keinen stabilen Trend aufweist (+1,1%). Gegenüber Ende Juni erhöhte sich der Kreditbestand der Banken mit Dienstleistungsfirmen um EUR 6,6 Mrd., mit Selbstständigen um EUR 2,2 Mrd. und mit der Industrie änderte er sich kaum (EUR 0,3 Mrd.). Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verlief das Kreditgeschäft dementspre- chend auch sehr gemischt: Mit Maschinenbau/Auto (-0,8% ggü. Vq.) und Metall (-0,5%) verzeichneten zwei Kernbranchen der deutschen Wirtschaft leicht rück- läufige Ausleihungen, wohingegen es in zwei anderen Kernbranchen, Elektro- technik (+2,2%) und Chemie (+1,1%), Anstiege gab. Die in absoluten Beträgen größte Steigerung unter den Industriebranchen entfiel auf Ernährung (+1,9%). Bei den sonstigen Branchen setzte sich im vergangenen Vierteljahr der Auf- wärtstrend bei den Versorgern (+1,3%) und im Handel (+1,9%) fort, ebenso wie der Abwärtstrend im Verkehr (-3%). Hier hat sich das ausstehende Kreditvolu- men seit 2012 um mehr als ein Drittel verringert. Die Kreditvergabe an die Land- wirtschaft war überraschend schwach (-0,1%); am Bau lief es dagegen weiter rund (+2,1%), wobei in letzter Zeit eine erhöhte Volatilität des Kreditvolumens zu beobachten ist. Seit 2013 steht insgesamt eine Zunahme um 14% zu Buche. Im Dienstleistungssektor hielt die positive Tendenz bei den immobiliennahen Branchen an – Kredite an Wohnungsunternehmen legten in Q3 um 0,7% ggü. Vq. zu, solche an Gewerbeimmobilienfirmen um 1,1%. Besonders dynamisch war einmal mehr das Geschäft mit Beteiligungsgesellschaften (+3,9%), ihren Lauf setzten aber auch Telekom/Beratung/Werbung fort, die das achte Quar- talsplus in Folge erreichten (+0,7%). Nur geringe Zuwächse verzeichneten hin- gegen Gesundheit (+0,4%) und Tourismus/Gastronomie (+0,1%). Hinsichtlich der Kreditfristigkeiten ging das Wachstum der langfristigen Auslei- hungen (Laufzeit > 5 Jahre) unverändert weiter (+3,8% ggü. Vj.). Die ausste- henden Volumina der Kurzläufer (Laufzeit < 1 Jahr) und der mittelfristigen Kre- dite blieben im dritten Quartal nahezu konstant, sodass die Veränderungsraten ggü. Vj. ins Plus sprangen (1,5% – sogar der beste Stand seit 2011) bzw. sich leicht auf 1,6% verringerten. -2 -1 0 1 2 3 4 121314151617 ggü. Vorjahrggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 121314151617 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 121314151617 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 121314151617 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 3 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Der Aufschwung der Kreditvergabe ist breit angelegt, was sich auch daran zeigt, dass fast alle wesentlichen Bankengruppen davon profitieren. Am stärksten sind es weiterhin die Verbünde von Kreditgenossenschaften (+6,2% ggü. Vj.) und Sparkassen (+5%, der beste Wert seit dem Jahr 2000) – letztere konnten zu- dem die höchste Zunahme in einem Quartal seit 1998 verbuchen. Zusammen kommen beide Gruppen auf einen Marktanteil von mittlerweile fast der Hälfte, verglichen mit 37% vor einem Jahrzehnt. Ein gutes Q3 2017 haben auch die pri- vaten Kreditbanken hingelegt (+3,3% ggü. Vj.). Hier war erst zum zweiten Mal seit acht Quartalen die Dynamik bei den inländischen Kreditbanken höher als bei den Auslandsbanken. Wie groß der Unterschied in letzter Zeit gewesen ist, lässt sich an den Jahreswachstumsraten von 8,4% bei den Instituten in Aus- landsbesitz und gerade einmal 0,8% bei den inländischen Instituten ablesen. Jedoch war das Geschäft der Auslandsbanken im vergangenen Jahrzehnt auch das volatilste aller großen Bankengruppen in Deutschland. Die Landesbanken (+0,2%) behalten den Umfang ihres Kreditbuchs zurzeit im Großen und Ganzen bei. Seit 2007 haben sie deutlich an Marktanteil verloren (von 18% auf 12,5%). Es wird sich zeigen, ob sie in den nächsten Quartalen das außerordentlich günstige Umfeld nutzen können, um erstmals seit der Finanzkrise wieder nen- nenswertes Kreditwachstum zu erzielen. Schlusslicht bleiben mit bereinigt -3,5% ggü. Vj. die Förderbanken (einschließlich DZ Bank). Die Wachstumsschwerpunkte der Verbünde lagen branchenseitig zwischen Juni und September vor allem bei den Wohnungsunternehmen, den unternehmens- nahen Dienstleistungen, Bau und Handel sowie, für die Sparkassen, auch den Gewerbeimmobilienfirmen. Die Kreditbanken verzeichneten die größte Zu- nahme bei Beteiligungsgesellschaften und den kräftigsten Rückgang im Verkehr – beides im Wesentlichen getrieben von den Auslandsbanken. Ein hohes Minus im Verkehr erlebten einmal mehr auch die Landesbanken, die dafür sehr gut im Handel abschnitten. Gegenüber dem Verkehrssektor hat sich ihr ausstehendes Kreditvolumen seit 2012 mehr als halbiert, während es bei den anderen Banken im Schnitt nur um 15% gesunken ist. Andere Finanzierungsquellen Die übrigen externen Finanzierungsquellen zeigten im vergangenen Vierteljahr erneut ein sehr heterogenes Bild. Der Markt für Commercial Paper von Nichtbanken schrumpfte mit einer Netto- emission von EUR -2,7 Mrd. deutlich. Dies war das schwächste Q3-Ergebnis seit 2006 und ein herber Rückschlag auf dem Weg zu einer Marktstabilisierung. Nichtfinanzielle Unternehmen emittierten von Juli bis September Anleihen in Höhe von netto EUR 3,6 Mrd. – angesichts der immer noch künstlich durch die EZB befeuerten Nachfrage ein mäßiges Resultat. Angesichts des schwachen H1-Werts steht nach dem Rekord im Vorjahr für 2017 das schlechteste Ab- schneiden seit 2011 zu befürchten. Im Eurogebiet als Ganzes betrug die Neu- emission dagegen gute EUR 20,6 Mrd. Dies unterstreicht einmal mehr, dass Deutschland eine Europäische Kapitalmarktunion dringender benötigt als der Euroraum insgesamt. Unverändert hervorragend verläuft die Geschäftsentwicklung im Leasing , wo in Q3 neue Verträge im Umfang von EUR 14,9 Mrd. abgeschlossen wurden. Der Löwenanteil entfiel mit EUR 14,5 Mrd. wie immer auf das Mobilienleasing, wo das 10%-ige Wachstum ggü. Vj. maßgeblich auf Steigerungen bei PKW sowie Schienen-, Luft- und Wasserfahrzeugen zurückzuführen war. Das Leasing von Büroelektronik lag dagegen erneut unter Vorjahresniveau. Im Immobilienbereich summierten sich die Transaktionsvolumina auf EUR 403 Mio. (+6% ggü. Vj.). Mittelmäßig schnitten von Juli bis September die Aktienemissionen ab, die auf EUR 2,1 Mrd. kamen. Der Großteil entfiel auf eine Kapitalerhöhung in der Stahl- industrie. Insgesamt zeichnet sich für 2017 ein ordentliches Ergebnis ab. -2 0 2 4 6 8 10 121314151617 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 121314151617 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 121314151617 MobilienImmobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 121314151617 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 4 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Einlagenvolumen Etwas überraschende Anzeichen einer Abkühlung sind mittlerweile auf der Ein- lagenseite erkennbar. Nachdem das Einlagenvolumen lange Zeit trotz Null- und Negativzinsen robust gewachsen war, stagnierte es nun zum zweiten Mal hin- tereinander bei EUR 1.248 Mrd. – auf einem hohen Niveau, aber nur noch 0,9% höher als vor einem Jahr. Das ist der niedrigste Wert seit Herbst 2014. Im abge- laufenen Quartal setzte sich die Verschiebung von Termin- in Sichteinlagen fort, allerdings in moderatem Ausmaß. Erstere verloren EUR 6,1 Mrd., Letztere ge- wannen EUR 6,2 Mrd. Unter dem Strich sind damit das Einlagen- und das zu- letzt kräftig gestiegene Kreditvolumen des Unternehmenssektors bei den deut- schen Banken fast identisch. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die allgemeinen Standards für Kredite an deutsche Unternehmen wurden in Q3 von netto 10% der Banken gelockert und damit so deutlich wie zuletzt Anfang 2011. Kredite an große Unternehmen (14%, so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr) waren doppelt so stark betroffen wie Kredite an KMU. Die Locke- rung galt zudem überwiegend für langfristige Kredite (gemeldet von 13% der Banken, ebenfalls der höchste Wert seit 2007). Bei den konkreten Kreditkonditi- onen verspürten die Institute zwar weiterhin einen verschärften Wettbewerb, al- lerdings sanken die Margen für durchschnittliche Kredite kaum (berichtet von nur 3% der Banken, der niedrigste Wert seit vier Jahren). Die Anforderungen bei Covenants und Fristigkeiten wurden etwas reduziert (10%). Im Euroraum blie- ben die Standards de facto konstant und lediglich bei den Margen für durch- schnittliche Kredite wurde ein signifikantes Minus registriert (26%). Die Kreditnachfrage in Deutschland ist in Q3 deutlich angestiegen (berichtet von 19% der Institute), mit Ausnahme der kurzfristigen Kredite. Die Innenfinanzie- rung der Unternehmen blieb der größte Dämpfer, zunehmende Investitionslust wurde zur größten Triebfeder (beide je 16%). Auch in Euroland insgesamt hielt die positive Nachfragetendenz an (15%), wobei hier das Plus bei KMU, anders als in Deutschland, doppelt so groß war wie bei großen Firmen. Für das laufende Quartal erwarten die deutschen Banken fast stabile Kredit- standards und eine weitere moderate Belebung der Kreditnachfrage (10%). Im Euroraum sieht es bei den Standards ähnlich aus, dafür gehen immerhin 26% der befragten Institute von einer höheren Nachfrage aus. Laut den Sonderfragen hat das Anleihekaufprogramm der EZB zu einer gering- fügig stärkeren Kreditgewährung, aber auch einem leichten Rückgang der Zins- marge und damit der Erträge geführt. Die negativen Einlagenzinsen haben nach Einschätzung der Banken die Kreditzinsen und Margen etwas reduziert, aber gleichzeitig einen erheblichen Rückgang des Zinsüberschusses verursacht. Zinssätze Einmal mehr ergibt sich aus der Zinsstatistik kein einheitliches Bild zur Zinsent- wicklung. Im Kredit-Neugeschäft mit Unternehmen sanken in Q3 einerseits die Zinsen für Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften um 11 Bp. auf 2,0%, während sie für große und kleine Kredite an Kapitalgesellschaften prak- tisch unverändert blieben (bei 1,2% bzw. 2,4%). Andererseits wurde bei den zu- vor stark verbilligten Krediten mit mittlerer Zinsbindungsfrist von 1-5 Jahren ein Anstieg um 20 Bp. auf 1,75% verzeichnet, wohingegen variabel verzinste und langfristig zinsgebundene Ausleihungen bei 1,3% bzw. 1,7% verharrten. In je- dem Fall befinden sich die Kreditzinsen unverändert nahe historischer Tief- stände. Gleiches gilt für die Einlagenzinsen . Sichteinlagen blieben konstant bei -2 Bp.; bei Termineinlagen erholte sich das Zinsniveau nach den zuletzt starken Rückgängen ein wenig (+8 Bp.), ist aber mit -4 Bp. ebenfalls weiter negativ. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 121314151617 Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht-und Termineinlagen von inländi- schen Unternehmen &Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 5 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor -40 -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Q1 16 Q3 16 Q1 17 Q3 17 DeutschlandEuroraum ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 Quellen: Bundesbank, EZB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Q4 14 Q2 15 Q4 15 Q2 16 Q4 16 Q2 17 Q4 17 DeutschlandEuroraum ... gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 * Q4 17 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 121314151617 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø-Zins im Kredit-Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 121314151617 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 121314151617 SichteinlagenTermineinlagen % Ø-Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 Q4 14 Q2 15 Q4 15 Q2 16 Q4 16 Q2 17 Q4 17 DeutschlandEuroraum * Q4 17 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 6 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Aufwärtsrevision des BIP-Wachstums für 2017 und 2018 auf 2,3% – Überhitzungsrisiken steigen im kommenden Jahr — Die deutsche Wirtschaft hat auch im dritten Quartal ihr kräftiges Wachs- tumstempo aus H1 beibehalten. Aufgrund der Aufwärtsrevision der Vorquar- tale und der trotz Euroaufwertung weiterhin starken Vorlaufindikatoren ha- ben wir unsere Wachstumsprognose für 2017 von 1,9% auf 2,3% angeho- ben. Die Prognose für 2018 haben wir ebenfalls von 1,8% auf 2,3% ange- passt. Wir erwarten im kommenden Jahr eine robuste Binnenkonjunktur, der jedoch wechselkursbedingte Bremseffekte beim Export entgegenstehen dürften. — Die Investitionen zogen im dritten Quartal weiter an. Nachdem sich die Bau- investitionen schon in den drei Vorquartalen robust entwickelten, haben nun die Ausrüstungsinvestitionen weiter an Dynamik gewonnen. Auch die jüngste Revision von Q1 und Q2 zeigt dies deutlich. So wurden insbeson- dere die Investitionen in Ausrüstungen für Q2 von 1,2% auf 3,3% ggü. Vq. nach oben revidiert. — Die Aufwertung des Euros konnte den vom Ölpreisanstieg resultierenden Kaufkraftverlust dämpfen. Zusammen mit der weiter kräftig gestiegenen Be- schäftigung konnte der private Konsum sein hohes Vorquartalsniveau na- hezu halten. — Da sich die Aufwertung des Euros erst allmählich auf die Exporte auswirken wird, rechnen wir erst im Verlauf von 2018 mit einer sich geringfügig ver- langsamenden Expansion. Starkes BIP-Wachstum und positiver Konjunkturausblick Das Wachstum des deutschen BIP hat sich nach den kräftigen Anstiegen in Q1 und Q2 auch in Q3 mit 0,8% ggü. Vq. als sehr robust erwiesen. Das statistische Bundesamt teilte zudem mit, dass die Ergebnisse für die Quartale der ersten Jahreshälfte einer Revision unterzogen wurden. Dies betrifft insbesondere das erste Quartal, für das nun ein Wachstum von 0,9% (0,7%) ggü. Vq. gemeldet wurde. Im dritten Quartal lieferten der Außenhandel sowie die Bruttoinvestitionen (2,4% gg. Vq.) die stärksten Impulse, dabei ist insbesondere die Zunahme der Investi- tionen in Ausrüstungen um 1,5% hervorzuheben. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen um 1,7% gegenüber dem Vorquartal. Die Importe leg- ten im Quartalsvergleich mit 0,9% etwas weniger zu. Somit hatte der Außenbei- trag einen positiven Effekt auf das Wachstum. Die privaten Konsumausgaben (-0,1%) und die Konsumausgaben des Staates (0,0%) blieben nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Das Beschäftigungswachstum blieb auch im dritten Quartal hoch. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg auf rund 44,5 Millionen. Das waren 668.000 Personen mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2017 lag der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat bei jeweils 1,5%. Daneben setzte sich auch das Lohnwachstum fort. Die Tariflöhne auf Monats- basis (ohne Einmalzahlungen) wuchsen um 2,0% (Bundesbank) gegenüber dem Vorjahresquartal. Die zuletzt wieder gestiegenen Ölpreise wirkten dabei dämpfend auf das Reallohnwachstum. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar wirkte diesem Effekt im dritten Quartal entgegen. Die Sparquote der privaten Haushalte lag im dritten Quartal nach Angaben der Bundesbank bei 9,9%. -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q3 16 Q4 16 Q1 17 Q2 17 Q3 17 1617P18P Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, ggü. Vq., %-Punkte Binnenwirtschaft Hauptwachstumstreiber 16 -4 -3 -2 -1 0 1 2 -40 -30 -20 -10 0 10 20 08091011121314151617 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q % ggü. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 17 Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 7 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Die wirtschaftliche Erholung der Eurozone zeigte sich in zunehmender Breite – wir erwarten für das Jahr 2017 ein BIP-Wachstum von 2,3% sowie ebenfalls 2,3% im kommenden Jahr – dies dürfte den Euro eher auf- als abwerten lassen. Investitionen weiter im Aufwind Vor dem Hintergrund des anhaltend guten wirtschaftlichen Umfeldes entwickel- ten sich die Ausrüstungsinvestitionen nicht nur im dritten Quartal positiv, die Re- vision ergab nachrichtlich auch einen Anstieg von 3,3% (1,2%) im zweiten Quar- tal sowie 2,3% (2,1%) für das erste Quartal. Die seit einiger Zeit sehr guten Stimmungsindikatoren deuteten dies bereits an. Unserer Einschätzung folgend dürften die (Brutto-) Ausrüstungsinvestitionen 2017 rund 4,3% (real) gegenüber dem Vorjahr zulegen. Da die politischen Unsicherheiten in diesem Jahr insgesamt allmählich abneh- men, die Kapazitätsauslastung in Q3 mit 86,7% nahe dem Höchststand von Q2 2007 (88,9%) liegt und das Geschäftsklima in der Gesamtwirtschaft zu Beginn des vierten Quartals (Okt.: 116,8) einen neuen Rekordwert erreichte, sollten die Ausrüstungsinvestitionen ihre Dynamik auch im Winterhalbjahr beibehalten. Im Gegensatz dazu entwickelten sich die Bauinvestitionen mit -0,4% im aktuellen Quartalsvergleich etwas schwächer. Im Jahresvergleich legten sie im dritten Quartal aber dennoch um 3,2% zu. Dabei wurde insbesondere mehr in Wohn- bauten investiert als im dritten Quartal 2016. Das ifo Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe hat im vierten Quartal nochmals zugelegt. Im Oktober stieg der Index auf ein neues Rekordhoch von 20,2 Punk- ten. Die Unternehmen bewerten ihre Lage weiterhin als sehr zufriedenstellend und gehen davon aus, dass die Geschäfte in den kommenden Monaten weiter anziehen. Die ifo Konjunkturumfrage im Bauhauptgewerbe ergab für den Sep- tember eine Geräteauslastung von 77,8% sowie eine Auftragsreichweite von 3,7 Monaten (Sep. 2016: 3,4). Allerdings klagten auch 31% der Umfrageteilnehmer über Behinderungen in der Bautätigkeit. Dabei meldeten 18% der Unternehmen einen Arbeitskräftemangel als Grund. Der ifo-Umfrage folgend, erstreckt sich der Arbeitskräftemangel nun auf das gesamte Baugewerbe. Neben dem gegenwärtig günstigen ökonomischen Investitionsklima muss aber auch das politische Umfeld berücksichtigt werden. Dabei müssen der Verlauf des Brexits, die weiteren europäischen Reformbemühungen sowie auf längere Sicht die politische Entwicklung in Italien Beachtung finden. Zuletzt ist hier die unerwartet schwierige Regierungsbildung in Deutschland als weiterer potenziel- ler Unsicherheitsfaktor hinzugekommen. Sollte die angestrebte US- Steuerreform umgesetzt werden, könnte dies mittelfristig die Investitionen in Deutschland schwächen. Euro-Aufwertung wird sich im Jahr 2018 dämpfend auswirken Im Gegensatz zum schwächeren Vorquartal leisteten die Nettoexporte im dritten Quartal wieder einen positiven Beitrag zum Wachstum des deutschen BIP (0,1 Prozentpunkte). Gegenüber dem Vorquartal veränderten sich die Exporte um 1,7%. Dagegen stiegen die Importe in Q3 etwas schwächer. Sie nahmen um 0,9% gegenüber dem Vorquartal zu. Die zurückliegende Euro-Aufwertung führte im bisherigen Jahresverlauf zu ei- nem Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit (gg. 56 Ländern, CPI-Basis) von gut 2,5% gegenüber dem „Nicht-Euro-Ausland“. Der leichte Anstieg der ifo- Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes auf 21 Saldenpunkte im Ok- tober (Juli: 20,7) deutet allerdings darauf hin, dass die gute Stimmung der Ex- porteure im Moment noch nicht von dem starken Euro beeinträchtigt wird. -6 -4 -2 0 2 4 6 8 1011121314151617 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen Kapazitätsauslastung ifo (SA) (links) Investitionen in Maschinen & Ausrüstungen gg. Kapazitätsauslastung 18 Quellen: StatistischesBundesamt, ifo, Deutsche Bank Research %ggü. Vq. -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 000204060810121416 Exporte, real Deutsche Preiswettbewerbsfähigkeit vs. 56 Länder (preisbereinigt) Wettbewerbsfähigkeit & Exporte 19 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research %ggü. Vj. % ggü. Vj. invertiert -30 -20 -10 0 10 20 30 1011121314151617 …zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit …zur Entwicklung der Beschäftigung …zur Entwicklung der Produktionstätigkeit …zur Entwicklung der Exporttätigkeit Stimmungsindikatoren im Verarbeitenden Gewerbe 20 Erwartungen der Unternehmen in DE, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quellen: ifo,Deutsche Bank Research Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 8 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Diese Einschätzung wird auch von der im Rahmen der PMI-Umfragen erhobe- nen Einschätzung der Exportnachfrage untermauert. Auch wenn der Index nach dem starken Augustanstieg im Folgemonat eine Korrektur um rund 2 Punkte verzeichnete, folgte im vierten Quartal wieder eine Aufwärtsbewegung auf gut 62 (Dez.) Punkte. In den hohen Indexständen spiegelt sich letztlich auch die breite konjunkturelle Erholung der Eurozone wider, in die rund 37% der deut- schen Exporte fließen. Damit sollte die kurze Schwächephase des zweiten Quartals überwunden sein. Die kräftige Binnenwirtschaft dürfte auch das reale Importwachstum auf Jahressicht weiter fördern, sodass die Nettoexporte nur ei- nen geringen Beitrag zum weiteren BIP-Wachstum beitragen werden. Die Entwicklung des Exportwachstums geht einher mit einer weiteren Belebung des realen Welthandels. Er nahm im dritten Quartal um 5,1% gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Im ersten Halbjahr wuchsen die deutschen Exporte um 6,1% gegenüber dem Vorjahr, das entspricht 3,9% in realer Rechnung. Die Aus- fuhren nach China (14,2%), Japan (10,9%) und Russland (28,1%) stiegen dabei besonders stark an. Hingegen sanken die Exporte in das Vereinigte Königreich (-2,9%) und in die Türkei (-9,7%). Die deutsche Industrie wächst 2017 kräftig Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland befindet sich derzeit im stärksten konjunkturellen Aufschwung seit den Jahren 2010/11. Im laufenden Jahr dürfte die deutsche Industrieproduktion insgesamt um etwa 3% steigen. Für die ex- portorientierte deutsche Industrie mit ihrem Fokus auf Investitionsgüter ist posi- tiv, dass der globale Konjunkturzyklus derzeit relativ gleichgerichtet läuft. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe lag im dritten Quartal 2017 real 1,8% über dem Vorquartal. Dies war der fünfte Anstieg in Folge. Die Auftrags- eingänge lagen in Q3 3,6% über dem Vorquartal. Allerdings ist hier im Monats- vergleich eine starke Schwankung zu beobachten. Die sehr guten Stimmungsin- dikatoren sowie die Zahlen zu Produktion und Aufträgen im bisherigen Jahres- verlauf bestätigen unsere im September veröffentlichte Anpassung der Prog- nose zur Produktion im Verarbeitenden Gewerbe für das Gesamtjahr 2017 von 1,5% auf 3%. Erst im kommenden Jahr erwarten wir infolge einer weiteren Euro- aufwertung einen mäßigen Dämpfungseffekt auf das Produktionsergebnis. Die Beschäftigung im Industriesektor befindet sich gegenwärtig auf einem Höchststand. Daher dürften die Löhne in den kommenden Tarifverhandlungen recht kräftig zulegen. Die jüngsten Gewerkschaftsforderungen untermauern diese Erwartung. Wenn wir davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Forderun- gen nach einer Erhöhung der Entgelte sowie die Option auf die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 28 Stunden durchgesetzt werden, dürften die Ta- riflohnsteigerungen bei gut 3% liegen. BIP-Prognose für 2017 und 2018 angehoben Die deutsche Volkswirtschaft hat ihr kräftiges Wachstum auch im dritten Quartal beibehalten. Zudem wurden die Vorquartale der ersten Jahreshälfte einer weite- ren Aufwärtsrevision unterzogen. Vor dem Hintergrund der guten Entwicklung des internationalen ökonomischen Umfeldes sowie der trotz Euroaufwertung weiterhin starken Vorlaufindikatoren haben wir unsere Wachstumsprognose für das Jahr 2017 von 1,9% auf 2,3% angehoben. Die Prognose für das Jahr 2019 haben wir von 1,8% ebenfalls auf 2,3% angepasst. In beiden Jahren sollte die deutsche Volkswirtschaft damit über Potenzial (rund 1 ¼%) wachsen. Das tat- sächliche Produktionsniveau dürfte dann gut 2 Prozentpunkte über dem Poten- zial liegen. Deutschland: Konjunkturprognose 23 % ggü. Vj. 2016 2017 P 2018 P Reales BIP 1.9 2.3 2.3 Privater Konsum 2.1 2.1 1.8 Staatsausgaben 3.7 1.1 1.0 Anlageinvestitionen 3.1 3.9 3.7 Lager, %-Punkte -0.2 0.0 0.3 Exporte 2.6 4.2 4.8 Importe 3.9 4.7 5.2 Nettoexport, %-Punkte -0.3 0.1 0.2 Konsumentenpreise* 0.5 1.7 1.6 Staatsverschuldung, % BIP 68.3 65.9 63.4 Arbeitslosenquote, % 6.1 5.7 5.4 Budgetsaldo, % BIP 0.8 0.9 0.8 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8.4 7.2 6.5 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Ab- grenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB- Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -20 -10 0 10 20 30 40 50 11121314151617 ErwartungenLage Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quellen: ifo,Deutsche Bank Research Stimmung in der Industrie auf Rekordniveau 21 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 11121314151617 Freie Stellen (links) Arbeitslosenrate (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche BankResearch Tsd. Rate Arbeitsmarkt: Anähernde Vollbeschäftigung 22 Beschleunigte deutsche Konjunktur und Kreditvergabe in Q3 2017 9 | 20. Dezember 2017 Deutschland-Monitor Wie bereits in den Vorquartalen zeigt sich die kräftige binnenwirtschaftliche Ent- wicklung in einer sehr guten Arbeitsmarktlage. Das anhaltende Beschäftigungs- wachstum spiegelt sich in der Erwerbstätigenzahl von nunmehr 44,5 Millionen wider – einem neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung. Im Jahresver- gleich bedeutet dies einen Anstieg von 1,5%. Mit dem sich verfestigenden Fach- kräftemangel, der stetig steigenden Zahl an offenen Stellen sowie der potenziell nachlassenden Arbeitsmigration aus dem Euro-Raum, sehen wir unsere Erwar- tung eines anziehenden Lohnwachstums im Jahr 2018 weiter untermauert. Zu- sammen mit dem Zuwachs der Altersrenten dürften davon weitere positive Im- pulse auf den privaten Konsum ausgehen. Die europäische Geldpolitik wird nach unseren Erwartungen noch über lange Zeit expansiv bleiben. Wir gehen aber davon aus, dass die EZB ihre Anleihe- käufe im Schlussquartal des kommenden Jahres weiter zurückfährt und Ende 2018 schließlich komplett einstellt. Bis zu einer Zinsanhebung dürfte dann noch ein halbes Jahr vergehen. In diesem Zeitraum wird die EZB die Auswirkungen ihrer reduzierten geldpolitischen Lockerung beobachten. Die erste Zinsanhe- bung um 25 Bp. erwarten wir dann im Juni 2019, also einige Monate früher als der Markt-Konsens. Sollten die Wahlen in Italien ohne Zwischenfälle verlaufen und die Wirtschaft weiter kräftig wachsen, wäre der Weg frei für die von uns er- wartete frühe Zinsanhebung, insbesondere wenn das Kreditwachstum Fahrt aufnimmt. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge- schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. 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