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  4. Deutschland Monitor Baufinanzierung
7. November 2014
Bausparen ist in Deutschland ein weitverbreitetes Instrument zur privaten Wohnungsfinanzierung, mit rd. 30 Mio. Verträgen besitzt im Durchschnitt mehr als jeder dritte Bundesbürger einen Bausparvertrag. Gleichzeitig befindet sich der Immobilienmarkt in Deutschland seit einigen Jahren im Aufwärtstrend: Die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen und –fertigstellungen wächst, und günstige Zinsen fördern das Interesse am Immobilienerwerb. Vor diesem Hintergrund legt auch das Geschäft der Bausparkassen seit 2009 wieder zu – 2013 wurden rd. 3,3 Mio. Neuverträge abgeschlossen, was einem Zuwachs von 2,1% ggü. dem Vorjahr entspricht. Parallel setzt sich der Konsolidierungsprozess im Bausparkassenmarkt fort und die Zahl der Anbieter schrumpft weiter. [mehr]
Bausparen in Deutschland Aktuell Immobilien-Spezial Baufinanzierung * Die Autorin bedankt sich bei Marlene Braun für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieser Studie. Wohnungsbau in Deutschland verzeichnet Aufwärtstrend. Die Anzahl der Woh- nungsbaugenehmigungen in Deutschland wächst weiter: Im ersten Halbjahr 2014 wurden insgesamt 136.800 Wohnungen genehmigt, ein kräftiger Anstieg von +9,6% ggü. dem Vorjahreszeitraum. Insbesondere der Bau von Mehrfami- lienhäusern verzeichnet gegenwärtig ausgeprägtes Wachstum. Auch der Trend bei den Fertigstellungen weist aufwärts. Niedrigzinsen fördern Immobiliennachfrage. Baugeld ist derzeit in Deutschland sehr günstig. Dies befördert das Interesse am Immobilienerwerb. Bausparen ebenfalls wieder beliebter. Seit dem 10-Jahres-Tiefpunkt 2009 ist die Anzahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge jedes Jahr stetig angestie- gen. 2013 wurden rund 3,3 Mio. Neuverträge abgeschlossen (+2,1% ggü. Vor- jahr). Die Gesamtzahl liegt derzeit bei rd. 30 Mio. Bausparverträgen. Die Bausparsumme nahm seit 1991 im Schnitt um rd. 2,3% pro Jahr zu. Im Langzeitvergleich entspricht dies in etwa der durchschnittlichen Veränderungs- rate der verfügbaren Einkommen. Dabei wuchs die Bausparsumme in den 90er Jahren stärker (rd. 3,5%) als in den Nullerjahren (1,6%). Dagegen zeigten 2010- 13 wieder stärkere Zuwächse (+2,8% im Durchschnitt). Die Geldeingänge bei Bausparkassen beliefen sich 2013 auf rd. 41,6 Mrd. EUR. Sie sind damit gegenüber 2012 um 1,6% gewachsen. Die Auszahlungen der Bausparkassen stiegen ebenfalls leicht. 2013 betrugen sie insgesamt 41,3 Mrd. EUR, was einem Zuwachs von 1,2% ggü. Vorjahr ent- spricht. Insbesondere Vor- und Zwischenfinanzierungen verzeichneten in den vergangenen Jahren Zuwächse. Konsolidierung im Bausparkassenmarkt setzt sich fort. Derzeit verbleiben 9 öffentlich(-rechtliche) und 12 private Bausparkassen im Markt. Bausparen in Europa. Neben Deutschland und Österreich, die beide eine lange Bauspartradition besitzen, sind ähnliche Bausparmodelle auch in einer Reihe anderer europäischer Staaten zu finden. Autor Patricia Wruuck* +49 69 910-31832 patricia.wruuck@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 7. November 2014 Bauspar en in Deutschland Aktuell Bausparen in Deutschland Aktuell 2 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial  Die Anzahl der Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland wächst weiter: Im ersten Halbjahr 2014 wurden insgesamt 136.800 Wohnungen genehmigt, ein Anstieg von 12.000 (+9,6%) ggü. H1 2013. Der nun be- reits seit 2010 anhaltende Aufwärtstrend folgt allerdings auf eine lange Phase des Rückgangs bzw. der Stagna- tion. Eine regere Bauaktivität kann dazu beitragen, loka- le Knappheiten auf Wohnungsmärkten zu mindern.  Wachstumstreiber sind aktuell klar Mehrfamilienhäuser (H1 2014: +12,8%). Ein- und Zweifamilienhäuser dage- gen waren zuletzt sogar leicht rückläufig ggü. Vorjahres- zeitraum. Diese strukturellen Verschiebungen spiegeln auch eine steigende Nachfrage nach Wohnraum in ur- banen Regionen und geänderte Haushaltspräferenzen wider.  Während noch 2009 bei den Wohnungsfertigstellungen mit knapp 159.000 der tiefste Stand der Nachkriegszeit verzeichnet wurde, weist der Trend seitdem auch hier wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr wurde die 200.000er Marke wieder deutlich überschritten und mit knapp 215.000 Wohnungen ein Zuwachs von rd. 7,2% ggü. dem Vorjahr erreicht.  Angesichts der stabilen Arbeitsmarkt- und Einkommens- entwicklung, des niedrigen Zinsniveaus und der anzie- henden Genehmigungen ist auch für das laufende Jahr mit fortgesetztem Wachstum bei den Fertigstellungen zu rechnen.  Die Zinsen für neue Wohnungsbaukredite sind in den vergangenen Jahren außerordentlich stark gesunken und erreichten zuletzt einen neuen Tiefstand (Septem- ber: 2,3%). Angesichts des derzeit ebenfalls niedrigen Renditeniveaus bei Bundesanleihen und der erneuten Leitzinssenkung durch die EZB Anfang September dürf- te Baugeld auch in den nächsten Monaten sehr günstig bleiben.  Das Wachstum der reinen Baukosten blieb dagegen in den vergangenen Jahren moderat. Seit 2000 sind diese um ca. 1,7% pro Jahr gewachsen, was in etwa der durchschnittlichen Teuerung entspricht. 2013 fiel der Anstieg gering aus (+0,6%). Im mehrjährigen Vergleich sind die Materialkosten beim Bauen stärker gestiegen als die Arbeitskosten. 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 00 02 04 06 08 10 12 14 3 und Mehrfamilien 1+2 Wohnungen Quellen: Statistisches Bundesamt , Deutsche Bank Research Baugenehmigungen im Aufwärtstrend 1 Wohnungen in Wohngebäuden pro Quartal 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Fertigstellungen ziehen nach 2 Wohn - und Nichtwohngebäude Quellen: Statistisches Bundesamt , Deutsche Bank Research Wohnungsfertigstellungen inkl. Umbau 0 1 2 3 4 5 6 7 8 80 85 90 95 100 105 110 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 Baukosten insgesamt eff. Jahreszins Quellen: Statistisches Bundesamt , EZB, Deutsche Bank Research Links: Baukostenindex (2010=100), Rechts: Zinsen in % (Stand Sept. 2014) Zinsen deutlich gesunken - Baukosten steigen leicht 3 Bausparen in Deutschland Aktuell 3 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial  Im historischen Vergleich ist Wohneigentum weiterhin erschwinglich, da steigende verfügbare Einkommen und das niedrige Zinsniveau höheren Hauspreisen entge - genwirken. Abhängig von Ort und Objekt gibt es alle r- dings teils ausgeprägte Unterschiede bei der Ent wic k- lung der Immobilienpreise. Entsprechend gestaltet sich auch die Erschwinglichkeit von Wohneigentum regional mitunter sehr unterschiedlich. Erschwinglichkeit=Index der jährlichen Aufwendungen für eine Hypothek , dividiert durch das verfügbare Jahresein kommen, d.h. der Anteil des Einkommens, der für das Abzahlen einer Hypothek durchschnittlich ausgegeben werden müsste. Je niedriger der Wert, desto erschwinglicher die Wohnung.  Seit Mitte der 90er Jahre durchläuft der Bausparkassen- markt in Deutschland eine Konsolidierungsphase. Hier- bei hat sich der Schrumpfungstrend zwar verlangsamt, hält aber auch aktuell weiter an.  Der Rückgang bei der Gesamtanzahl der Bausparkas- sen war vor allem in der Anfangsphase stark vom priva- ten Sektor getrieben, wo sich durch Zusammenschlüsse und Übernahmen die Anzahl der Institute ggü. 1996 in- zwischen fast halbiert hat. Zuletzt gab es jedoch auch im öffentlichen Bausparsektor wieder Bewegung: Zwei Landesbausparkassen (LBS) kündigten ihre Fusion an. Damit verbleiben derzeit 9 öffentliche und 12 private Bausparkassen im Markt.  Die schrumpfende Anzahl der Bausparkassen folgt dem Trend im Bankensektor insgesamt, wo die Zahl der Insti- tute ebenfalls seit Jahren zurückgeht.  Die Bilanzsumme aller Bausparkassen steigt dagegen im langjährigen Vergleich. Hier zeigen sich vor allem im Zuge der Finanzkrise divergierende Trends bei Bau- sparkassen und Banken. So haben deutsche Banken seit 2010 rund 8,5% ihrer Aktiva abgebaut, was u.a. an- haltendem Druck zu schrumpfen und Kapitalquoten zu erhöhen und einem verhaltenen Kreditgeschäft mit Unternehmen geschuldet ist. Die Bilanzsumme der Bau- sparkassen hat dagegen um rd. 5% zugelegt, was vor allem eine Kombination aus steigenden Geldeingängen und sinkenden Auszahlungen widerspiegelt.  Von der Gesamtbilanzsumme der Bausparkassen entfal- len derzeit rd. 70% auf private und 30% auf öffentliche Institute. Hierbei haben sich die Anteile in den vergan- genen Jahren leicht verschoben; die öffentlichen Institu- te legten seit 2008 um rd. 2,5 %-Punkte zu. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 0 20 40 60 80 100 120 140 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Hypothekenzinsen Hauspreise Verfügbare Einkommen Erschwinglichkeitsindex Quellen: OECD, Bundesbank, EZB, Deutsche Bank Research Wohneigentum im langjährigen Vergleich weiter erschwinglich 4 Hauspreise, Einkommen, Erschwinglichkeit, Index 2000=100 (links), Zinsen in % (rechts) 0 5 10 15 20 25 30 35 40 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 Private Bausparkassen Öffentliche Bausparkassen Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Konsolidierungstrend bei Bausparkassen hält an 5 Anzahl der Institute zu Jahresbeginn Inkl. Zusammenschluss der LBS West und Bremen, der rückwirkend zum 1.1.2014 erfolgt. 0 50 100 150 200 2000 2004 2008 2012 2014 (Juni) Bilanzsumme wächst weiter 6 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research In Mrd. EUR Bausparen in Deutschland Aktuell 4 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial  Seit dem 10 - Jahres - Tief punkt 2009 ist die Anzahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge jedes Jahr stetig angestiegen . 2013 wurden rd. 3,3 Mio . Neuverträge a b- ges chlossen (+2,1% ggü . Vorjahr). Die Gesamtzahl liegt derzeit bei rd. 30 Mio . Bausparverträgen.  Stärkere Ausschläge im Neugeschäft scheinen oft durch das Zusammenwirken von regulatorische n Änderungen und Tarifanpassungen getrieben . So dürfte etwa die Einschränkung des Verwen dungszwecks 2009 für Vo r- zieheffekte gesorgt haben. Ähnliches gilt für die Angeb o- te r enditeorientierte r Tarife und d ie aufkommende Di s- kussion um die Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2003 .  Die wieder wachsende Beliebtheit des Bausparens in den letzte n Jahren ist sowohl durch die Suche nach s i- cheren und attraktiven Anlagemöglichkeiten im Niedri g- zinsumfeld als auch durch ein wieder stärker ausgeprä g- tes Interesse am Immobilienerwerb beding t.  Das Wachstum des Neugeschäfts der Bausparkassen zeigt im Schnitt über mehrere Jahrzehnte eine gewisse Korrelation mit dem Wachstum der Gesamtwirtschaft. Hohe Zuwächse waren insbesondere in den Wirt- schaftswunderjahren zu beobachten. Der Ausschlag im Bauspargeschäft Ende der 60er Jahre wiederum dürfte durch regulatorische Änderungen (u.a. Verlängerung der Bindungsfrist), die zunächst einen Einbruch, dann aber Aufholeffekte bewirkten, ausgelöst worden sein.  Mit der Wiedervereinigung schwächt sich dieses Muster jedoch ab, was strukturelle Veränderungen im Markt und den einsetzenden Immobilienboom der 90er Jahre widerspiegelt.  Seit 1991 ist die gesamte Bausparsumme um rd. 2,3% pro Jahr gewachsen. Im Langzeitvergleich entspricht dies in etwa der durchschnittlichen Veränderungsrate des verfügbaren Einkommens. Dabei wuchs die Bau- sparsumme in den 90er Jahren stärker (rd. 3,5%) als in den Nullerjahren (1,6%). Dagegen gab es 2010-13 wie- der stärkere Zuwächse (+2,8% im Durchschnitt). Wäh- rend die hohen Zuwächse der 90er Jahre vor allem den Bauboom nach der Wiedervereinigung widerspiegeln, zeigt auch die Belebung zuletzt ein wieder stärker aus- geprägtes Interesse am Immobilienkauf.  Die durchschnittlichen Summen pro Bausparvertrag (bezogen auf den Gesamtbestand) sind über die Jahre ebenfalls angestiegen, wenn auch mit etwa 2% im Schnitt etwas langsamer. 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Neuabschlüsse durchschnittlich vereinbarte Bausparsumme Quellen: Verband privater Bausparkassen, Deutsche Bank Research Anzahl und Volumina wachsen leicht 7 Durchschnittliche vereinbarte Bausparsumme (in EUR, links), Anzahl der Neuabschlüsse (rechts) Durchschnitt auf Basis eingelöster Neuabschlüsse. Einschließlich Erhöhungen - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 - 2 0 2 4 6 8 10 12 55 59 63 67 71 75 79 83 87 91 95 99 03 07 11 3 - Jahresdurchschnitt Wachstum 3 - Jahresdurchschnitt Bauspar BIP - Wachstum in % (links), Wachstum Nettoneugeschäft in % (Bausparsumme einschl. Erhöhungen, rechts) Quellen: Verband privater Bausparkassen, Deutsche Bank Research Bauspar - und BIP - Wachstum: früher enger beieinander 8 15.000 20.000 25.000 30.000 400 500 600 700 800 900 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 (H1) Bausparsumme gesamt Bausparsumme je Vertrag Bausparsummen wachsen weiter 9 Bausparsumme in Mrd. EUR (links), durchschnittliche Bausparsumme je Vertrag in EUR (rechts) Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Bausparen in Deutschland Aktuell 5 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial  Die Geldeingänge bei den Bausparkassen beliefen sich 2013 auf rd. 41,6 Mrd. EUR. Im Jahresvergleich war das ein leichter Zuwachs von 1,6%. Das Niveau der Zuflüsse ist dabei relativ hoch, wenngleich der Spitzenwert von 2003 noch nicht wieder erreicht wurde.  Die Zusammensetzung der Geldeingänge hat sich ver- ändert: Spargeldeingänge gewannen in den letzten Jah- ren an Bedeutung. Zuletzt stieg ihr Anteil noch einmal leicht und erreichte 2013 gut 71% (+1,7 %-Punkte ggü. Vorjahr). Dagegen betrug der Anteil im Jahr 2000 nur knapp 60%. Zins- und Tilgungszahlungen verloren da- gegen an Bedeutung (2013 knapp 28%). Die Verschie- bungen spiegeln teils auch die Konditionen von Altver- trägen im Bausparbestand wider, die mitunter Gutha- ben- und Kreditzinsen über dem gegenwärtigen Markt- niveau vereinbart hatten.  Die Auszahlungen der Bausparkassen stiegen 2013 ebenfalls leicht (+1,2% ggü. Vorjahr) und betrugen ins- gesamt 41,3 Mrd. EUR.  Vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsumfelds bleiben Entnahme und Wiederanlage zuteilungsfähiger Einlagen vergleichsweise unattraktiv. Verträge werden daher oft nach Möglichkeit weiter bespart. Die klassische Darle- hensvergabe sank im letzten Jahr weiter (-4,4% ggü. Vorjahr) und liegt inzwischen rd. ein Drittel unter dem Niveau von 2008. Bankkredite bieten sich hier als Alter- nativen an. Das Geschäft mit Vor- und Zwischenfinan- zierungen – der Bausparvertrag ist hier noch nicht zutei- lungsreif – verzeichnet dagegen solide Zuwächse (2013 rd. +7% ggü. Vorjahr und +20% ggü. 2008). Diese Ent- wicklung deutet darauf hin, dass Bausparen als Bau- stein eines Finanzierungskonzepts beim Immobiliener- werb beliebter wird.  Während sich in den 90er Jahren Einlagen und Darle- hen weitgehend ähnlich entwickelten, setzt diese Parallelität seit 2004 aus. Ein schwacher Immobilien- markt Anfang der Nullerjahre dürfte zunächst die Kredit- vergabe gedämpft haben.  Zwar ist mit der anziehenden Immobilienkonjunktur in den letzten Jahren hier eine leichte Erholung erkennbar, demgegenüber steht jedoch eine rasant gestiegene Be- liebtheit der Einlagen bei Bausparkassen (2013 +5% ggü. 2012 und +24% ggü. 2008; Darlehen zum Ver- gleich: +1% bzw. 6%). Dies dürfte im Zuge der Finanz- krise vor allem durch die Suche nach sicheren Anlage- möglichkeiten im Niedrigzinsumfeld getrieben worden sein. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 Spargeldeingänge Zins - und Tilgungseingänge Wohnungsbauprämien Spargeldeingänge gewinnen weiter an Bedeutung 10 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 5 10 15 20 25 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 zugeteilte Bauspareinlagen zugeteilte Bauspardarlehen Vor - und Zwischenfinanzierungskredite Klassische Darlehen sinken, Vor - und Zwischenfinanzierungen ziehen an 11 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 80 90 100 110 120 130 140 150 160 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 Einlagen Baudarlehen Bauspareinlagen boomen, Darlehen wachsen nur moderat 12 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Mrd. EUR Bausparen in Deutschland Aktuell 6 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial  Mit dem „Wohn - Riester“ wird seit Ende 2008 der Bau oder Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum zur Altersvorsorge unterstützt. Die Förderung erfolgt über Zulagen sowie steuerliche Vergünstigungen, die das E i- genkapital in der Sparphase erhöhen und die finanzie l- len Belastungen in der Darlehensphase reduzieren.  Für viele Haushalte ist Altersvorsorge ein wichtiges M o- tiv beim Immobilienkauf . Dies spiegelt sich auch in der Beliebtheit des Wohn - Riesters wider, der in den verga n- genen Jahren deutliche Zuwächse verzeichnete. Zuletzt wurden die Förderbedingungen durch gesetzliche Änd e- rungen verbessert ( u.a. flexiblere Entnahmemöglich - keiten und Änderung der steuerlichen Regelungen ), was diesen Trend weiter stützen dürft e.  In den vergangenen Jahren hat sich die Kundenstruktur der Bausparkassen verändert. Bei den privaten Bau- sparkassen ist der Anteil sehr junger Bausparer an den Neuverträgen deutlich gewachsen, wohingegen der An- teil der 40- bis 50-Jährigen abnahm.  Auch bei den öffentlichen Bausparkassen ist der Anteil der jüngeren Kunden (< 30 Jahre) an den Neuverträgen ggü. 2011 gewachsen.  Für jüngere Kunden dürfte ein Mix aus sicherer Geldan- lage und einem langfristigen Anspar-Gedanken im Vor- dergrund stehen, da der tatsächliche Immobilienerwerb vielfach erst später erfolgt. In Deutschland sind Immobi- lienkäufer beim Erstkauf im Schnitt 42 Jahre alt, Bau- sparer dabei etwas jünger (39).  Die Marktanteile öffentlicher und privater Bausparkassen am Neugeschäft betrugen 2013 bundesweit rd. 37% bzw. 63%. Hierbei zeigen sich moderate regionale Un- terschiede. So lag der Anteil öffentlicher Bausparkassen in Hamburg oder Bremen über dem Bundesschnitt (42% bzw. 49%); private Bausparkassen verzeichneten dage- gen Spitzenwerte in Berlin, dem Saarland und Thürin- gen.  Die Bedeutung der regionalen Märkte bemisst sich je- doch nicht allein an der Einwohnerzahl, denn die Bau- sparaktivität ist in den einzelnen Bundesländern unter- schiedlich stark ausgeprägt. Höhere Einkommen und ei- ne bestimmte Gebäudestruktur – Wohneigentum wird klassischerweise gerne in 1- bis 2-Familienhäusern ge- bildet – gehen tendenziell mit einer größeren Beliebtheit des Bausparens einher. So sind Bausparverträge insge- samt im Süden Deutschlands (HE, BW, BY) nach wie vor am stärksten verbreitet. 0 2 4 6 8 10 12 14 16 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Wohn - Riester / Eigenheimrente Banksparverträge Investmentfondsverträge Versicherungsverträge Wohnriestern wird immer beliebter 13 Abgeschlossene Verträge in der zusätzlichen privaten Altersvorsorge in Mio. Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutsche Bank Research 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2013 2011 2009 2007 2005 unter 20 20 - unter 30 30 - unter 40 40 - unter 50 50 - unter 60 60+ Quellen: Verband der privaten Bausparkassen, Deutsche Bank Research Beliebtheit des Bausparens bei Jüngeren steigt 14 Anteile an den neu abgeschlossenen Bausparverträgen (einschl. Erhöhungen) nach Alter in Jahren, für private Bausparkassen 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 0% 20% 40% 60% 80% 100% HB SL HH MV BE BB SA TH SH SN RP HE NS BW NW BY private Bausparkassen öffentliche Bausparkassen Gesamtzahl der Neuverträge Quellen: Verband privater Bausparkassen, LBS, Deutsche Bank Research Marktanteile bei Neuverträgen 2013 (links), Gesamtzahl der Neuverträge im jeweiligen Bundesland 2013 (rechts) Marktanteile unterscheiden sich regional 15 Bausparen in Deutschland Aktuell 7 | 7. November 2014 Immobilien-Spezial Bausparen in Europa 16  Die I mmobilienmärkte in Europa sind insgesamt sehr heterogen. Dies gilt zum einen hinsic htlich der aktuellen Marktlage (Preisentwicklu ng und Erschwingli chkeit von Wohneigentum ). Z um anderen auch für strukturelle Faktoren und Rahmenbedingungen, die die Immobilienfinanzierun g b e- einflussen.  Der Erwerb von Wohneigentum wird auf unterschiedliche Weise staatl ich gefördert. Bausparen ist hierbei ein Instrument, das in einer Reihe europäischer Mitgliedstaaten bekannt und z.T. sehr beliebt ist. Neben einer langen Tradition in Deutschland und Österreich sind ähnliche M odell e vor allem in Mi ttel - und Osteuropa verb reitet. Hier gewann das Bauspar en vor allem im Zuge der Transformationsprozesse als Möglichkeit zur Wohnungsfinanzierung an Bedeutung.  Durch Ansparen von Eigenkapital und Zugang zu langfristigen Krediten mit festen Konditionen kann Bausparen zu einer stabilen Immobilienfina n- zierung beitragen. Insgesamt existiert in 8 EU - Mitgliedstaaten eine gesetzliche Förderung des Bausparens . D aneben werden Bausparverträge in einigen weiteren Ländern angeboten . Bausparen verbreitet Bausparen gefördert (seit) Eigent ümer - quote (Werte 20 13 , IE 2012 ) Immobilie n - kre dit - verschuldung / verfügb ares Haus halts - einkommen (2012 , in % ) Immobilienpreisentwicklung (Q 2 2014 , DE Q 4 2013 ) Hauspreise / Mieten Hauspreise / verfügbares Einkommen ggü. 2010 in % ggü. Vorjahr in % Abweichung vom historischen Mitte l- wert in % , Angaben Q 2 201 4 oder letzt er verfügbarer Wert AT X X (1925) 57 44 1 4 ,0 1 9,1 BE X 72 80 6,4 - 0 , 8 55,7 47,1 BG 86 - 8, 4 0, 5 CY 74 104 - 1 3 , 1 - 1,5 CZ X X (1993) 80 25 - 0, 5 0,7 DE X X (1973 * ) 53 66 11 ,0 1,5 - 1 2 ,0 - 1 4,7 DK 63 206 4,6 4 , 0 14 ,0 10 ,0 EE 81 64 4 4 1 4 ,5 - 12 ,0 - 8,3 ES 78 95 - 2 8 , 1 0,8 1 7,3 13,7 FI 74 73 7 , 1 - 0, 2 4 4 ,0 - 2,5 FR X 64 63 1, 9 - 1, 1 3 3,7 27,3 GR 76 56 - 16 , 7 - 8,6 HR X X (1998) 89 - 22,2 - 2 , 9 HU X X (1997) 90 35 - 7 ,8 1 , 4 IE 70 141 - 1 4 , 2 12,5 1 4,4 - 4,4 IT X 73 34 - 1 1 , 2 - 4, 8 - 2,2 3,9 LT 92 15,3 6,5 LU X X (1983 ** ) 7 3 1 7 , 5 3,8 LV 81 40 30,0 8,2 MT 80 8,0 6,0 NL 6 7 227 - 13, 6 1,3 4,4 2 1,4 PL 84 34 PT 7 4 89 - 9 , 0 5,9 - 1 7,3 - 6,1 RO X X (2004) 9 6 - 2 2,1 - 3, 8 SE 70 157 17,9 8,7 33 ,8 21,6 SI 77 23 - 1 5 , 7 - 9,8 SK X X (1992) 91 31 2,0 1,2 - 5,5 - 1 3 ,0 UK 6 5 119 13,6 10,2 44,8 24,3 *Bausparkassengesetz und Verordnung. Historische Ursprünge und Förderung des Bausparens in Deutschland reichen weiter zurück. ** Förderung über Steuergesetzgebung. Quellen: Verband privater Bausparkassen, LBS, IWF, Eurostat, European Mortgage Federation, EuBV, Deutsche Bank Research © Copyright 2014 . Deutsche Bank AG, D eutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage - , Rechts - oder Steuerberatung dar. Alle Meinu ngsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht . Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen k önnen von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research - Veröffentlichungen, vertreten werden. 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