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12. Januar 2017
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Obwohl der Zahlungsverkehr zunehmend digital wird, wächst in Europa die Nachfrage nach Bargeld. Der Euro-Bargeldumlauf ist mittlerweile auf 1,1 Billionen Euro gestiegen – eine Verdreifachung im Vergleich zu 2003. Bargeld setzt der Macht der Zentralbanken Grenzen, es gewährleistet Datenschutz und kann somit dazu beitragen, Bürgerrechte zu sichern. Andererseits geht eine intensive Nutzung von Bargeld häufig mit einer stärkeren Schattenwirtschaft einher. Der Wechsel zu bargeldlosen Zahlungen scheint dagegen zu einem Anstieg des Kartenbetrugs zu führen. [mehr]
Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt EU-Monitor Globale Finanzmärkte Originalveröffentlichung in englischer Sprache: 23.November 2016 Angesichts zunehmender elektronischer Zahlungen ist die Notwendigkeit von Bar- geld heute nicht mehr selbstverständlich. Seine Bedeutung für Geldpolitik, Verbre- chensbekämpfung und die Wirtschaftlichkeit werden hinterfragt. Jedoch sollten Tat- sachen und nicht Gefühle die Debatte über die Zukunft des Bargelds bestimmen, auch wenn nur begrenzt Daten zur Bargeldnutzung existieren. Die Nachfrage nach Euro-Bargeld steigt. Der Euro-Bargeldumlauf stieg bis zum 3.Quartal 2016 auf 1,1 Billionen Euro. Das ist eine Verdreifachung im Vergleich zu 2003. Zudem wuchs der Bargeldumlauf schneller als das nominale BIP. Geldpolitisch betrachtet ist Bargeld für Privatpersonen ein einfaches, aber effektives Mittel, um Erspartes vor Turbulenzen im Finanzsystem oder vor Negativzinsen zu bewahren. Ein massiver Abzug von Bankeinlagen in Form von Bargeld kann im Extremfall ein Finanzinstitut in ernste Schwierigkeiten bringen und auch einer Zent- ralbank ihre Grenzen aufzeigen. Die Abschaffung von Bargeld wird gewinnorientierte Kriminalität nicht beseitigen. Beim Transfer von Einnahmen aus illegalen Geschäften gibt es Alternativen zur Barzahlung, wenn auch zu höheren Transaktionskosten. Der Zahlungsverkehr wird zunehmend digital, und Betrugsmethoden ebenso: Im (beinahe) bargeldlosen Schweden nimmt der Kartenbetrug zu. Insgesamt ist in Europa jedoch die Sicherheit von baren wie unbaren Zahlungen hoch. Bargeld gewährleistet Datenschutz und kann Bürgerrechte im Falle eines möglichen Machtmissbrauchs der Regierung stärken. Man kann daher in der Abschaffung von Bargeld auch den Versuch sehen, die Bürger mehr zu kontrollieren. Dies würde das Vertrauen in staatliche Stellen untergraben. Bargeld und Einlagen – beides ist Geld und doch nicht immer das Gleiche DX Bargeld Einlagen Geldpolitik Einschränkung der Geldpolitik Keine Einschränkung der Geldpolitik Finanzmarktstabilität Risiko eines Bankensturms durch Barabhebungen Risiko eines Bankensturms durch Über- weisung an andere Bank Individuelle Spareinlagen Schutz vor Schutz vor - Illiquidität einer einzelnen Institution oder des Finanzsystems - Illiquidität nur, wenn Schutzmechanis- men existieren (Einlagensicherung, Zugang zur Notenbank/ Lender of last resort) - negativem Zinssatz Kein Schutz vor Kein Schutz vor - Inflation - Inflation - negativem Zinssatz Krimineller Missbrauch Leicht Weitere Schritte erforderlich zur Ver- schleierung der tatsächlichen Eigentümer/ Aktivitäten Transaktionssicherheit Hoch Hoch Datenschutz Hoch Abhängig von Einhaltung der Daten- schutzgesetze Quelle: Deutsche Bank Research Autor Heike Mai +49 69 910-31444 heike.mai@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 12.Januar 2017 Bargeld, Freiheit und Verbrechen Bargeld in der digitalen Welt Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 2 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Was ist Bargeld im Euroraum? Das Euro-Bargeld besteht aus den umlaufenden Banknoten und Münzen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgegeben werden. 1 Genauer gesagt legt die EZB die Menge der Euro-Banknoten fest, die innerhalb der Europä- ischen Währungsunion (EWU) ausgegebenen werden. Die nationalen Zentral- banken übernehmen daraufhin die physische Ausgabe der ihnen zugewiesenen Menge an Banknoten. Euromünzen werden von den nationalen Regierungen über die nationalen Münzanstalten und Zentralbanken ausgegeben. Die EZB muss der Ausgabemenge und dem Wert der Münzen zustimmen. 2 Bargeld ist deswegen Geld, weil es als Zahlungsmittel, zur Wertaufbewahrung und als Recheneinheit dient. Dies gilt jedoch nicht nur für Bargeld, denn auch Sichteinlagen bei Banken sind Geld und beide Geldarten zusammen ergeben die gesamte Geldmenge im engeren Sinne (M1). Tatsächlich machen Euro- scheine und -münzen nur etwa ein Fünftel der Geldmenge M1 in der EWU aus, Sichteinlagen dagegen 80 %. 3 Bargeld hebt sich jedoch durch zwei Merkmale ab. Erstens ist Bargeld physisch. Weder Intermediäre noch elektronische Geräte sind notwendig, um Bargeld zu halten oder um bar zu bezahlen (letzteres nur bei direktem Kontakt). Es gibt keine technischen oder vertraglichen Hürden, was den Besitz von Bargeld be- trifft. Barzahlungen erfolgen durch die Übergabe – also sofort. Sowohl der Be- sitz von Bargeld als auch Bargeldtransfers sind nur schwer nachzuvollziehen. Zweitens sind Euroscheine und -münzen gesetzliches Zahlungsmittel in der EWU. Dies bedeutet, dass jeder Verkäufer Bargeld als Zahlungsmittel akzeptie- ren muss, es sei denn, Verkäufer und Käufer einigen sich auf ein anderes Zah- lungsmittel. 4 Tatsächlich wird der Begriff „gesetzliches Zahlungsmittel“ in den Mitgliedsstaa- ten der Europäischen Union (EU) unterschiedlich gelebt. Dies hat die Europä- ische Kommission 2010 dazu veranlasst, Empfehlungen für den Gebrauch von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel zu machen. 5 Demnach sollen z.B. für Zahlungen in bar keine Zuschläge erhoben werden. Bargeld sollte von Einzel- händlern generell als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Das Konzept von Bar- geld als „gesetzlichem Zahlungsmittel“ verliert jedoch zunehmend an Bedeu- tung, da sich die Geschäftsgepflogenheiten verändern. So wird z.B. häufiger mit Karte gezahlt und die Zahl von Online-Einkäufen steigt. Auch schränkt eine Vielzahl neuer nationaler Gesetze die maximale Höhe von Bargeldzahlungen ein, um illegale Transaktionen zu bekämpfen. 6 Euro-Bargeld in Zahlen Zum Ende des 3. Quartals 2016 lag der Euro-Bargeldumlauf bei 1,1 Billionen Euro. Dies ist dreimal so viel wie im 1. Quartal 2003. Da der Bargeldumlauf meist schneller anstieg als das BIP, erhöhte sich das Verhältnis von Bargeld zum BIP von 5 % auf 10 %. Euromünzen haben einen Wert von insgesamt 26 1 Auch wenn viele der in diesem Artikel diskutierten Eigenschaften und Konzepte für alle Währun- gen gelten, liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Euro, der europäischen Einheitswäh- rung. 2 Siehe Europäische Kommission, Euro-Noten und -Münzen. 3 Europäische Zentralbank, Statistical Data Warehouse. 4 Siehe Artikel 128 (1) AEUV über den Status von Euro-Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel, Artikel 11 der Verordnung (EG) Nr. 974/98 über den Status von Euromünzen als gesetzliches Zahlungsmittel. 5 Siehe Europäische Kommission (2010). 6 Siehe European Consumer Center France. 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 0 2 4 6 8 10 12 02 04 06 08 10 12 14 Euro-Bargeldumlauf Nominales BIP im Euroraum Bargeld in Relation zum BIP Immer mehr Euro-Bargeld im Umlauf 1 BIP und Bargeld in Billionen Euro, links Bargeld in Relation zum BIP in %, rechts Quellen: EZB, Deutsche Bank Research -5% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 03 05 07 09 11 13 15 Euro-Bargeld Nominales BIP Euro-Bargeldumlauf stärker gestiegen als BIP 2 Zuwachs in % gg.Vj. Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 03 05 07 09 11 13 15 5-/10-/20-Euro-Noten 50-Euro-Noten 100-Euro-Noten 200-Euro-Noten 500-Euro-Noten Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Wertanteil am gesamten Euro-Notenumlauf Notenumlauf nach Stückelung - 50-Euro-Schein immer beliebter 3 Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 3 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Mrd. Euro, Banknoten von 1.087 Mrd. Euro. Eine nähere Betrachtung der Be- deutung von Banknoten nach Nennwerten kann Erkenntnisse über die Verwen- dung von Bargeld liefern. 7 Scheine mit geringerem Wert (5-, 10-, 20-Euro-Scheine) werden überwiegend für Zahlungen im Alltag verwendet. Insgesamt betrug ihr Wert 101 Mrd. Euro im 3.Quartal 2016. 50-Euro-Scheine machten wertmäßig den größten Teil des Banknotenumlaufs aus (444 Mrd. Euro). Wahrscheinlich werden diese Scheine sowohl für Zahlungen als auch zum Horten von Geld verwendet. Dasselbe gilt für 100-Euro-Scheine, deren Wert insgesamt 234 Mrd. Euro betrug. Banknoten mit hohem Nennwert dagegen dienen vor allem der Wertaufbewahrung – sei es als Alternative zu Bankeinlagen oder auch für illegale Zwecke. 500-Euro- Scheine sind mit einem Gesamtwert von 273 Mrd. Euro beliebter als 200-Euro- Scheine (Gesamtwert 45 Mrd. Euro). Obwohl die Anzahl und der Wert aller Banknoten seit Einführung des Euro ge- stiegen sind, hat sich die relative Bedeutung der einzelnen Nennwerte bezogen auf den gesamten Notenumlauf unterschiedlich entwickelt. Banknoten mit geringerem Wert haben über die Jahre an Bedeutung verloren, was möglicher- weise den zunehmenden Gebrauch von Kartenzahlungen im Einzelhandel widerspiegelt. 50-Euro-Scheine erfreuen sich deutlich größerer Beliebtheit. Dies gilt auch für 100-Euro-Scheine, die geringfügig wichtiger geworden sind. Bank- noten mit hohem Nennwert – meist 500-Euro-Scheine – wurden in der Lehman- Krise als „sicherer Bargeld-Hafen“ verwendet. Interessanterweise war der Zu- wachs an Euro-Bargeld in dieser Phase auch durch ausländische Nachfrage bedingt. 8 Der absolute Anstieg der Bargeldmenge um 44 Mrd. Euro zwischen September und Oktober 2008 war jedoch nicht dramatisch, wenn man berück- sichtigt, dass es gewöhnlich zum Ende eines jeden Jahres einen saisonalen Bargeldanstieg von 20–30 Mrd. Euro gibt. Außerdem sank die Wachstumsrate der 500-Euro-Scheine später wieder. Im Mai 2016 verkündete die EZB die Einstellung der Produktion und Ausgabe von 500-Euro-Scheinen bis Ende 2018. Sie begründete diese Entscheidung damit, „Bedenken Rechnung getragen (zu haben), dass diese Banknote illega- len Aktivitäten Vorschub leisten könnte.“ Gleichzeitig versicherte die EZB, dass 500-Euro-Scheine, die bereits im Umlauf sind, auch weiterhin gesetzliches Zah- lungsmittel bleiben und somit als Zahlungsmittel und zur Wertaufbewahrung verwendet werden können. Außerdem können 500-Euro-Scheine bei den Zen- tralbanken des Eurosystems auch in Zukunft – unbefristet – in andere Stücke- lungen umgetauscht werden. 9 Seit Mai 2016 ist die Nachfrage nach 500-Euro- Scheinen gesunken, die nach 200-Euro-Scheinen hingegen gestiegen. Wer verwendet Bargeld und wozu? Die EZB geht davon aus, dass die inländische Transaktionskasse 25-35 % des Euro-Bargeldumlaufs ausmacht. 10 Die Ergebnisse der indirekten Schätzmetho- den der EZB beruhen auf statistischen Daten über Wirtschaftsaktivität und Bar- geldumlauf. 11 Die Auswertung einer in Deutschland erhobenen repräsentativen Umfrage ergab jedoch einen weit geringeren Anteil für die inländische Transak- tionskasse (5 % der von der Deutschen Bundesbank ausgegebenen Bankno- ten). 12 Bis zu einem gewissen Grad könnte der Unterschied in abweichenden Stichproben begründet sein, oder in der unwahren Beantwortung von Fragen 7 Für Schätzungen zum Gebrauch von Münzen siehe Deutsche Bundesbank (2015a). 8 Siehe EZB (2011a). 9 Siehe EZB (2016). 10 Siehe EZB (2011a). 11 Siehe Fischer, B., Köhler, P., Seitz, F. (2004). 12 Siehe Deutsche Bundesbank (2010). 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 03 05 07 09 11 13 15 5-/10-/20-Euro-Noten 50-Euro-Noten 100-Euro-Noten 200-Euro-Noten 500-Euro-Noten Anmerkung: Insgesamt sind 19,5 Mrd. Euro-Noten und 120 Mrd. Stück Euro-Münzen im Umlauf (September 2016). Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Anteil an Gesamtzahl der umlaufenden Euro-Noten Relativ weniger kleine Scheine 4 -10% -5% 0% 5% 10% 15% 20% 06 08 10 12 14 16 5-/10-/20-Euro-Noten 50-Euro-Noten 100-Euro-Noten 200-Euro-Noten 500-Euro-Noten Zunahme der Anzahl der Euro-Noten gg. Vj. Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Lehman-Pleite: Nachfrage nach großen Scheinen steigt sprunghaft 5 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 0 10 20 30 40 50 60 70 03 05 07 09 11 13 15 Euro-Barvorrat der Banken im Euroraum in Mrd. Euro (links) Euro-Barvorrat der Banken im Euroraum in % des gesamten Euro-Bargeldumlaufs (rechts) Banken im Euroraum halten ihren Vorrat an Bargeld stabil 6 Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 4 | 12. Januar 2017 EU-Monitor zur Verwendung und Hortung von Bargeld. Zudem ist die Menge der Euro- scheine, die in Deutschland ausgegeben, danach aber ins Ausland „exportiert“ werden, weitaus höher als in anderen Ländern der EWU 13 . Dies wiederum ver- mindert die Transaktionskasse als prozentualen Anteil an der Bargeldausgabe. Eine weitere Komponente ist das Bargeld, das die Banken im Euroraum bevor- raten, um den Bedarf ihrer Kunden zu decken. Dieses „Tresorgeld der Banken“ wird manchmal als Teil der inländischen Transaktionskasse gesehen. Mit ca. 50 Mrd. Euro ist die Menge des Tresorgelds bei den Banken im Euroraum seit 2009 relativ stabil, mit regelmäßigen Ausschlägen am Jahresende. 14 Der Anteil des Tresorgelds der Banken am gesamten Bargeldumlauf sank jedoch auf etwa 5% (6% am jeweiligen Jahresende), da dieser weiter zunahm. Nach Schätzungen der EZB wurden Ende 2014 mindestens EUR 175 Mrd. (18 %) des Euro-Bargelds außerhalb der EWU verwendet. 15 Dieser Mindestwert wurde durch Summierung der Euroscheine berechnet, welche netto von den Banken des Euroraums an Empfänger außerhalb der EWU geliefert wurden. Jedoch werden Banknoten nicht nur über den Bankenweg transportiert. Auch der Tourismus und die Bargeldtransfers von Gastarbeitern in ihre Heimatländer tragen zum Beispiel zum Netto-Abfluss von Euro-Banknoten bei. Daher wird der im Ausland gehaltene Anteil des Euro-Bargelds eher 20-25 % des gesamten Euro-Umlaufs betragen. 16 Dies erscheint auch deswegen plausibel, weil einige der Vorgängerwährungen, vor allem die Deutsche Mark, vor Einführung des Euro in anderen Ländern als Parallelwährungen verwendet wurden. Schät- zungsweise 30-40 % (nach Wert) der DM-Banknoten und -Münzen waren außerhalb Deutschlands im Umlauf, zumeist in Osteuropa und in der Türkei. 17 Der Anteil der inländischen Hortung am Euro-Bargeldumlauf ergibt sich einfach als Restbetrag nach Abzug der oben genannten Komponenten vom Bargeldum- lauf. Die verwendeten Daten und Schätzmethoden legen nahe, dass das für illegale Zwecke missbrauchte Bargeld vor allem Teil der inländischen Hortung und des Euro-Umlaufs außerhalb der EWU ist. 13 Siehe Bartzsch, N., Rösl, G., Seitz, F. (2011). 14 Eigene Berechnung basierend auf EZB, Monetäre Statistiken und Statistik zu Banknoten und Münzen. 15 Siehe EZB (2015). 16 Siehe EZB (2010). 17 Siehe Seitz, F. (1995). Schätzung zur Verwendung der umlaufenden Euroscheine 7 2008 2014 Zweck Nutzer Anteil am Ge- samtbetrag Mrd. Euro Anteil am Ge- samtbetrag Mrd. Euro Inländische Transaktions- kasse Haushalte, Unternehmen (ohne Banken) 33% 250 30% 305 Tresor-Bargeld der Banken Banken im Euroraum 8% 60 6% 61 Euro-Umlauf außerhalb der EWU Keine Angaben nach Sektoren 20% 150 23% 230 Bargeldhortung im Inland Haushalte, Unternehmen (ohne Banken) 39% 300 41% 420 Gesamtwert des Bankno- tenumlaufs 763 1017 Quellen: EZB-Statistik über Banknoten, EZB Monetäre Statistiken, Fischer, B., Köhler, P., Seitz, F. (2004), EZB (2009), EZB (2010), EZB (2011a), EZB (2015), Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 5 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Bargeld im monetären System der EWU Im täglichen Geschäftsverkehr ist ein Euro ein Euro. Wenn man das Währungs- system der EWU jedoch genauer betrachtet, gibt es verschiedene „Arten“ von Euro hinsichtlich ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Eigenschaften. Das fällt normalerweise nicht weiter auf, weil alle Euro-„Geldarten“ kraft Gesetzes zu ihrem Nennwert gegeneinander gewechselt werden können. Dennoch kann Bargeld durch die ihm eigenen Charakteristika in einzelnen Situationen die Geldpolitik als auch die Finanzmarktstabilität beeinflussen. Denn Bargeld ist zinsfreies Zentralbankgeld, das allen zur Verfügung steht. Bargeld und Finanzmarktstabilität: Das Risiko eines Bankensturms Bankeinlagen sind eine praktische Art, Geld zu „horten“ oder zu überweisen. Allerdings unterliegen Bankeinlagen dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit der kontoführenden Bank, d.h. die Bank könnte in die Lage geraten, Einlagen nicht zurückzahlen zu können: In diesem Fall verlieren die Einleger ihr Geld. Bargeld dagegen ist Zentralbankgeld und birgt in einem Fiat-Währungssystem kein Aus- fallrisiko. Es bietet seinem Besitzer vielmehr Schutz vor Verlust durch eine Ban- kenpleite; dafür muss jedoch auf Zinserträge verzichtet und das Risiko eines Diebstahls oder physischen Verlusts in Kauf genommen werden. Genau dieses Recht, Einlagen in Bargeld umzutauschen und individuelle Ersparnisse vor dem Zahlungsausfall einer Bank zu schützen, kann allerdings den Konkurs einer 18 Siehe Europäische Union (2012). 19 Weitere Einzelheiten hierzu in EZB (2011b). 20 Siehe McLeay, M., Radia, A., Thomas, R. (2014). Das monetäre System der Europäischen Währungsunion (EWU) 8 Wie fast alle Währungen heute ist auch der Euro eine Fiat-Währung . Die Banknoten begründen zwar einen Anspruch an die ausgebende Zentralbank, aber der Besitzer einer Banknote ist nur zu einer eher theoretischen Erstattung in Form von neuen Banknoten oder einer Gutschrift auf einem Zentralbankkonto in der jeweiligen Währung berechtigt. In einem Fiat-Währungssystem unterliegt die oberste Währungsinstanz prinzipiell keiner Beschränkung der Geldschöpfung und kann daher auch nicht zahlungsunfähig werden. Heute emittieren Zentralbanken ihr Geld – „Zentralbankgeld“ – in Form von Bargeld und Bankreserven. Letztere sind die Guthaben, welche Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Zentralbank halten. Da (fast) nur Banken Konten bei der Zentralbank unterhal- ten dürfen, ist Bargeld die einzige Art von Zentralbankgeld, die privaten Haushalten und Unter- nehmen zur Verfügung steht. Ihrem Mandat entsprechend zielt die Geldpolitik der EZB hauptsächlich auf Preisstabilität ab. Da- neben unterstützt die EZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Europäischen Union. 18 Die EZB nutzt verschiedene geldpolitische Instrumente, um die Inflationsrate unterhalb, aber nahe bei 2% zu halten. Das Zinsniveau ist ein wichtiger Parameter für die Umsetzung ihrer Geldpolitik, weshalb die Zentralbank darauf abzielt, die Zinssätze für Kredite und Einlagen auf den verschiedenen Fi- nanzmärkten des Euroraums zu setzen oder zu beeinflussen. 19 Da Bargeld die Fähigkeit der Zent- ralbank einschränken könnte, die Zinssätze deutlich unter null abzusenken, gibt es Forderungen nach der völligen Abschaffung von Bargeld (siehe Bargeld und Geldpolitik: Die Nullzinsschranke). Die EWU ist als Giralgeldsystem strukturiert. In diesem zweistufigen System gibt die Zentralbank Zentralbankgeld aus, während Geschäftsbanken Bankeinlagen oder sogenanntes „Giralgeld“ schaffen. Banken tun dies grundsätzlich, indem sie einem Kunden gleichzeitig Kredit gewähren und seinem Konto Einlagen gutschreiben. 20 In der Bilanz einer Geschäftsbank stellen Einlagen Verbindlichkeiten der Bank gegenüber ihren Kunden dar. Auf Verlangen der Kunden müssen Ban- ken diese Einlagen in Zentralbankgeld umwandeln, sei es für Barabhebungen oder für Überwei- sungen, die im Interbankenverkehr in Zentralbankgeld verrechnet werden. Um zahlungsfähig zu sein, halten Geschäftsbanken daher Zentralbankgeld auf der Aktivseite ihrer Bilanzen vor. Da jedoch Zentralbankgeld weniger profitabel ist als andere Anlagen, halten Geschäftsbanken nur für denjenigen Anteil an Kundeneinlagen Zentralbankguthaben vor, der im Geschäftsablauf üblicher- weise durch Barabhebungen oder Überweisungen von Kunden abfließt. Hinzu kommt noch die von der EZB festgesetzte Mindestreserve. Diese nur teilweise Deckung des Giralgeldes durch Zentral- bankgeld bedeutet jedoch, dass Geschäftsbanken zahlungsunfähig werden können (siehe Bargeld und Stabilität des Finanzsystems: Das Risiko eines Bankensturms). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 6 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Geschäftsbank beschleunigen. Anleger könnten nämlich in einem Wettlauf um ihr Geld („Bankensturm“) in großem Umfang Einlagen bar von ihrer Bank abhe- ben, wenn sie diese in finanziellen Schwierigkeiten glauben, und die Bank da- durch tatsächlich in die Illiquidität stürzen. Im schlimmsten Fall kann sich der Vertrauensverlust auf die Anleger anderer Banken übertragen und so zu einer Destabilisierung des gesamten Finanzsystems führen. Um dieses Risiko abzu- fangen, wurden Einlagensicherungssysteme und die (implizite) Funktion der Zentralbank als letzter Instanz zur Refinanzierung im Notfall (Lender of last re- sort) eingeführt. Das Vertrauen von Anlegern kann aber nach wie vor erschüttert werden, so z.B. während der Krise von Northern Rock 2007. 21 Dieser Vorfall hat gezeigt, dass die Abschaffung von Bargeld nicht das Risiko eines Bankensturms beseitigt, das dem Giralgeldsystem inhärent ist: Besorgte Anleger können auch per Überweisung an andere Banken Geld abziehen – und haben dies getan – und dadurch die Krise des betroffenen Finanzinstituts weiter verschärfen. 22 Sollten Anleger ihr Vertrauen in mehrere Kreditinstitute gleichzeitig verlieren oder dem Zahlungsverkehrssystem nicht mehr trauen, werden sie ihre Einlagen natürlich durch Barabhebungen zu retten versuchen. Um das Risiko eines Bankensturms auszuschließen, müsste das Giralgeldsystem durch ein Vollgeldsystem ersetzt werden: Nur die Zentralbank würde dann Geld schöpfen, d.h. es würde nur eine „Geldsorte“ ausgegeben. Dies würde jedoch zu einer grundlegenden Transformation des Finanzsystems führen. 23 Bargeld und Geldpolitik: Die Nullzinsschranke Die Steuerung des Zinsniveaus in einem Wirtschaftsraum ist ein wichtiges In- strument der Zentralbank, um Preisstabilität und Wirtschaftswachstum zu be- einflussen. Seit Beginn der Finanzkrise mit anhaltend geringem BIP-Wachstum haben die Zentralbanken eine stark expansive Geldpolitik betrieben. Aber im- mer niedrigere Zinssätze ließen schließlich kaum noch Spielraum für weitere Senkungen und die konventionellen Instrumente der Geldpolitik schienen aus- gereizt zu sein. Die Zentralbanken ergriffen daher „unorthodoxe“ Maßnahmen: Sie begannen, Wertpapiere zu kaufen und diese Käufe sowohl mengenmäßig als auch von der Art der Papiere her auszuweiten, um so das Geldangebot zu beeinflussen und das Zinsniveau weiter abzusenken („quantitative Lockerung“). Einige Zentralbanken führten auch negative Einlagenzinsen für die Zentral- bankguthaben der Geschäftsbanken ein. Die Zentralbanken werden jedoch kaum dazu in der Lage sein, ihre Zinssätze deutlich unter null abzusenken, da Papiergeld eine Zinsschranke bei null Pro- zent einziehen dürfte. Um die Zahlung von Negativzinsen auf Bankeinlagen zu vermeiden, könnten die Anleger ihr Geld leicht in Form von Bargeld abheben, das de facto einer von der Zentralbank begebenen Nullkupon-Inhaberanleihe 24 gleicht. In der Realität wird die Nullzinsschranke unter null liegen, weil mit der Bargeldhaltung Kosten für Aufbewahrung, Transport und Versicherung verbun- 21 Siehe Bruni, F., Llevellyn, D. (2009). 22 Tatsächlich „stürmten“ vor allem institutionelle Anleger auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 diejenigen Banken, die sie als konkursgefährdet ansahen. Die institutionellen Anleger überwiesen ihre Gelder von diesen auf andere Banken, die als „sichere Häfen“ galten. Bargeld wurde für die- se Transaktionen nicht genutzt. Trotzdem waren die Folgen dieser Geldflucht für die betroffenen Banken und die Stabilität des gesamten Finanzsystems dramatisch. 23 Für eine Diskussion des Vollgeldsystems siehe z.B. Benes, J., Kumhof, M. (2012), Niepelt, D. (2014). 24 Nullkupon-Inhaberanleihe: Schuldverschreibung, auf die keine Zinsen gezahlt werden. Eigentü- mer ist derjenige, in dessen physischen Besitz sich das Dokument befindet (über Eigentümer- schaft und Transaktionen werden keine Aufzeichnungen geführt). -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 09 10 11 12 13 14 15 16 EZB, Einlagenfazilität Dänemark, Einlagenzertifikate Schweden, 1-Wochen-Schuldtitel Schweiz, Sichteinlagen Quellen: Zentralbanken, Deutsche Bank Research Reise in den Negativbereich: Zinssätze für Einlagen bei Zentralbanken 9 in % Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 7 | 12. Januar 2017 EU-Monitor den sind. Vor diesem Hintergrund kommt dem physischen Bargeld eine ent- scheidende Rolle in der Debatte über Möglichkeiten und Grenzen der Geldpoli- tik zu. Wenn weitere expansive geldpolitische Maßnahmen das Wachstum und die Inflationsrate nicht erhöhen, wäre Bargeld tatsächlich für die Zentralbank ein Hindernis, die Zinssätze soweit zu senken wie für nötig erachtet, vor allem an- gesichts eines weltweit schon niedrigen Zinsniveaus. Einige Ökonomen, die für eine weitere Lockerung der Geldpolitik eintreten, fordern daher die Abschaffung physischen Bargelds 25 oder dessen Ersetzung durch ein „elektronisches Bar- geld“ auf Blockchain-Basis, auf das auch negative Zinssätze anwendbar wä- ren. 26 Alternativ werden Maßnahmen zur Abwertung von Bargeld gegenüber Bankeinlagen erwogen, z.B. durch eine Besteuerung von Bargeldbeständen oder die Einführung eines Wechselkurses unter pari. Letzteres würde bedeuten, dass nur Einlagen („elektronisches Geld“) als Verrechnungseinheit dienten. 27 Sämtliche Vorschläge zielen darauf ab, die Vermeidung von Negativzinsen auf Ersparnisse unmöglich zu machen. Letztendlich geht es darum, die privaten Haushalte und Unternehmen dazu zu bewegen, Geld auszugeben statt zu spa- ren, um auf diese Weise das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Deflati- onsgefahr zu überwinden. Die Reaktion auf eine so extreme Maßnahme wie die Abschaffung des Bargelds wäre nicht abzusehen. Es könnte zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in den Euro und in das gesamte Finanzsystem der EWU kommen, vor allem dann, wenn das Ziel die Durchsetzung negativer Zinssätze auf Einlagen wäre. Außerdem könnten die Bürger weiterhin sparen wollen und zu diesem Zweck die offizielle Währung meiden, indem sie Teile ihrer Finanzmittel in private „Währungen“ ohne Negativverzinsung umschichten, selbst wenn diese einen größeren Aufwand als Bankeinlagen mit sich bringen. Solche „Ersatzwährun- gen“ könnten so simpel wie Geschenk- und Bonuskarten oder so technisch komplex wie virtuelle Währungen sein. 28 Offizielle ausländische Währungen in Form von Bargeld oder Bankguthaben wären leicht verfügbare Alternativen. Zudem könnten Finanzmittel in weniger liquide Anlagen wie Immobilien um- geschichtet werden und die Vermögenspreise aufblähen. Je ausgeprägter die Verlagerung weg von der offiziellen Währung – in der EWU also vom Euro –, desto größer wäre der Verlust der Zentralbank an geldpolitischem Einfluss. Anzeichen dafür, dass Bargeld tatsächlich wie eine Nullzinsschranke wirkt, gibt es trotz kontroverser Debatten bislang kaum. In Europa haben die EZB und die Zentralbanken von Dänemark, der Schweiz und Schweden ihre Einlagenzins- sätze zwischen Mitte 2014 und Anfang 2015 knapp unter null gesenkt. Bisher war aber bei den Banken kein erheblicher Abzug von Kundeneinlagen zu ver- zeichnen. Dies könnte auch daran liegen, dass die Negativzinsen der EZB eher auf die Geld- und Anleihemärkte als auf Bankeinlagen übertragen worden sind. Geschäftsbanken haben es vermieden, Negativzinsen auf Einlagen von Privat- kunden zu erheben, um nicht größere Einlagenabflüsse zu provozieren. Statt- dessen scheinen die Banken Preiserhöhungen für andere Leistungen im Privat- kundenbereich zu erwägen, etwa bei Kreditzinsen oder Kontoführungsgebüh- ren. Darauf deuten jedenfalls einzelne Berichte hin. 29 In der EWU sind die Zins- sätze für Sichteinlagen bei Banken für Privat- und Geschäftskunden im Durch- schnitt immer noch im positiven Bereich, wenn auch nur wenige Basispunkte. Im Großkundengeschäft sind negative Einlagenzinsen aber bereits jetzt ein Thema. Diese Entwicklung wird bis zu einem gewissen Grad durch die regulatorischen 25 Siehe Buiter (2016), Rogoff, K. (2014). 26 Siehe Haldane, A. (2015). 27 Siehe Buiter, W. (2009); Agarwal, R., Kimball, M. (2015). 28 Siehe Cochrane, J. H. (2016). 29 Siehe Bech, M., Malkhozov, A. (2016). 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Sichteinlagen der privaten Haushalte Sichteinlagen der Unternehmen Zinssatz für Sichteinlagen der privaten Haushalte Zinssatz für Sichteinlagen der Unternehmen Euroraum: Zinsen sinken, Einlagen wachsen 10 Euro-Sichteinlagen bei Banken; in Mrd. Euro (links), Zinssätze in % (rechts) Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 8 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Beschränkungen für solche Einlagen durch die Liquiditätsvorgaben von Basel III weiter verstärkt. Bislang haben Großanleger in Europa aber keine erheblichen Mengen an Bar- geld von ihren Bankkonten abgezogen, auch wenn einige eher symbolische Geldbewegungen in der Öffentlichkeit bekannt wurden. So lagerte z.B. die Munich Re testweise Gold und eine zweistellige Millionensumme Bargeld in ihren Tresor ein. 30 Nichtsdestoweniger vergleichen professionelle Marktteilneh- mer die Kosten von Bargeldbeständen und von Einlagen bei (Zentral-)Banken. 31 Auch Ökonomen versuchen, die Nullzinsgrenze zu schätzen unter Berücksichti- gung verschiedener Faktoren, wie z.B. dem höchsten Banknotenwert oder Ver- sicherungsgebühren. Doch selbst wenn die Leit- und Marktzinssätze die Null- zinsgrenze letztlich unterschreiten würden, wäre die Reaktion der Anleger nicht vorherzusehen: ob sie ihre Bankeinlagen überhaupt abziehen würden, in wel- chem Umfang und wie schnell. Ebenso unklar ist, ob sie ihre Finanzmittel in Bargeld oder andere Vermögenswerte umschichten oder mehr konsumieren würden. Bargeld und Kriminalität Bargeld kann nicht nachverfolgt werden – wodurch seine Nutzung für Geschäfte in der Schattenwirtschaft, für Bestechung, Terrorismusfinanzierung oder zum Unterlaufen wirtschaftlicher Sanktionen attraktiv wird. Der Begriff „Schattenwirt- schaft“ bezieht sich sowohl auf legale Geschäfte, die aber nicht über die Bücher laufen, als auch auf illegale Machenschaften. Grundsätzlich legale Geschäfte und Tätigkeiten, die aber nicht dokumentiert werden, um so die Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zu vermeiden, gehören ebenso in den Bereich der Schattenwirtschaft wie die illegale Beschäftigung von Arbeits- kräften und die gewinnorientierte Kriminalität, also z.B. der Drogen- und Men- schenhandel, Betrug, Produktpiraterie usw. 30 Siehe Spiegel Online (2016). 31 Siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung (2016). Wie schwer ist eine Million Euro? 11 Eine internationale Auswahl umlaufender Banknoten mit hohem Nennwert Banknote Währung Wert in Euro Ungefähres Gewicht (Gramm) Gewicht (kg) von 1 Mio. Euro Ausgabe (demnächst) eingestellt* Singapur 10.000 SGD 6.564 1,6 0,2 2014 Schweiz 1.000 CHF 919 1,3 1,4 Kanada 1.000 CAD 681 1,1 1,5 2000 Singapur 1.000 SGD 656 1,4 1,8 Euroraum 500 EUR 500 1,1 2,2 2018 Euroraum 200 EUR 200 1,1 5,4 Vereinigte Staaten 100 USD 90 1,0 11,0 *Umlaufende Scheine bleiben weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel. Stichtag für Wechselkurse: 30. September 2016. Quellen: EZB, nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 9 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Bargeld kein verlässlicher Indikator für die Größe der Schatten- wirtschaft Überraschenderweise zeigen Studien und Schätzungen für verschiedene Län- der, dass ein hoher Anteil von Barzahlungen an den Gesamtzahlungen nicht immer Kennzeichen eines großen Schattensektors ist: Deutschland und Öster- reich sind bargeldintensive Länder mit relativ kleinem Schattensektor. In Schweden wird nur noch selten in bar gezahlt, aber es gibt einen Schattensek- tor mittlerer Größe. Dennoch scheint es in vielen Fällen einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Bargeldnutzung und der Größe der Schattenwirt- schaft eines Landes zu geben: Spanien, Italien und Griechenland weisen eine hohe Bargeldnutzung wie auch eine große Schattenwirtschaft auf. Dagegen gibt es in Ländern mit vergleichsweise geringer Bargeldnutzung tendenziell auch weniger Schattenwirtschaft (so in den angelsächsischen Ländern, der Schweiz, den Niederlanden oder Frankreich). Diese unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, dass Bargeld kaum der Auslöser für schattenwirtschaftliche Aktivitäten sein kann. Die Größe der Schattenwirtschaft eines Landes wird eher von anderen Einflussfaktoren bestimmt. Dazu gehören die Besteuerung, Qualität öffentlicher Institutionen, Steuermoral und die Höhe des Pro-Kopf-Einkommens. 32 Die Ab- schaffung von Bargeld würde die Schattenwirtschaft nicht beseitigen, aber die Kosten für illegale Zahlungen erhöhen. So könnte die Größe der Schattenwirt- schaft um geschätzt 2-3% verringert werden. 33 Ebensowenig kann Bargeld für die Existenz von Korruption verantwortlich ge- macht werden. In vielen Ländern scheint die einfache Gleichung „wo viel Bar- geld, da viel Korruption“ zwar zuzutreffen. In Ländern wie der Schweiz, Deutsch- land und Österreich geht aber ein geringes wahrgenommenes Korruptionsni- veau staatlicher Behörden mit einem hohen Barzahlungsanteil an den Gesamt- zahlungen und/oder wenigen bargeldlosen Zahlungen pro Kopf einher. 32 Siehe Schneider, F., Boockmann, B. (2016). 33 Siehe Schneider, F. (2016). FR (2011) UK IT (2009) ES (2013) NL AT (2011) SE CH GR (2012) US (2012) AU (2013) DE 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 0 5 10 15 20 25 Anteil von Barzahlungen kein verlässlicher Indikator für die Größe einer Schattenwirtschaft 13 Anteil der Barzahlungen an Zahlungen insgesamt in % (y-Achse); Schattenwirtschaft in % des offiziellen BIP (x-Achse). Die Angaben beziehen sich auf 2014, wenn nicht anders angegeben. Quellen: Schneider, F. und Boockmann, B. (2016); Bagnall, J. et al (2014), Deutsche Bundesbank, Payments Council, Banca d'Italia, Banco de España, De Nederlandsche Bank, Sveriges Riksbank, Verband Elektronischer Zahlungsverkehr, G4S, Federal Reserve Banks of Boston, Richmond und San Francisco, Reserve Bank of Australia, Deutsche Bank Research. Anmerkung: Erhebungen und Schätzungen zu Barzahlungen unterscheiden sich von Land zu Land. Allen gemeinsam ist der Fokus Zahlungen der Verbraucher an der Ladenkasse. Manche Erhebungen umfassen darüber hinaus auch P2P- oder Online-Zahlungen, einige berücksichtigen nur Zahlungen über einem bestimmten Schwellenwert. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 SE CH NL AU DE UK US AT FR ES IT GR Korruptionswahrnehmungsindex* Anteil von Barzahlungen an Zahl aller Zahlungen (%) Quellen: Transparency International, Bagnall, J. et al (2016), Payments Council, Verband Elektronischer Zahlungsverkehr, G4S, nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Research. Häufige Bargeldnutzung nicht identisch mit starker Korruption im öffentlichen Sektor 12 2014 oder letzter verfübarer Wert * Der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) misst weltweit das wahrgenommene Korruptionsniveau im öffentlichen Sektor auf einer Skala von 0 (sehr korrupt) bis 100 (sehr sauber). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 10 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Im Gegensatz dazu, und weniger überraschend, gibt es Anzeichen für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Bargeld und solchen Delikten, die ge- zielt verübt werden, um an Bargeld zu gelangen. Eine neue US-amerikanische Studie hat herausgefunden, dass nach einer Senkung des Bargeldumlaufs die Kriminalitätsrate insgesamt zurückging, wie auch die Rate der Diebstähle, Ein- brüche und Überfälle. Die örtliche Kriminalitätsrate in armen Stadtvierteln ver- besserte sich, nachdem kartenbasierte Sozialleistungen eingeführt worden wa- ren, welche vermutlich die Menge des „Bargelds auf der Straße“ verringerten. 34 In Schweden führte der Übergang von baren auf elektronische Zahlungen, in dessen Verlauf viele Bankfilialen ihre Bargelddienstleistungen eingeschränkt oder eingestellt haben, in den vergangenen Jahren zu einer deutlich rückläufi- gen Zahl von Banküberfällen und Überfällen auf Geldtransporte. 35 Weniger Bar- geld bedeutet daher wohl weniger Verbrechen, bei denen es um Bargelddieb- stahl geht. Allerdings sind in Schweden die Fälle von Kartenbetrug angestiegen (siehe unten, „Bargeldloses“ Schweden). Bedeutung von Bargeld für das internationale organisierte Ver- brechen Es gibt nur sehr wenige und vage Schätzungen zu den Einnahmen des interna- tionalen organisierten Verbrechens. Das Büro der Vereinten Nationen für Dro- gen- und Verbrechensbekämpfung (United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) bezifferte den Wert des weltweiten illegalen Drogenmarktes im Jahr 2003 auf ca. 322 Mrd. US-Dollar. 36 Die OECD geht davon aus, dass durch Pro- duktpiraterie im Jahr 2007 Erlöse im Wert von 250 Mrd. US-Dollar erzielt wur- den. 37 Diesen Studien und Schätzungen anderer illegaler Einkünfte zufolge (aus Menschenhandel usw.) entfallen ca. 50% der Gesamteinnahmen aus dem internationalen organisierten Verbrechen auf das illegale Drogengeschäft und 39% auf die Produktpiraterie. 38 Dabei soll das Drogengeschäft (80%) mehr als die Produktpiraterie (30%) auf Bargeschäfte angewiesen sein. Politische Maß- nahmen zur Einschränkung der Nutzung und des Umlaufs von Bargeld würden zwar mit Sicherheit die Transaktionskosten der internationalen Kriminalität er- höhen. Da jedoch von hohen Gewinnspannen auszugehen ist, würde die Ein- führung solcher Maßnahmen wahrscheinlich nur zu einem mäßigen Rückgang (10-20 %) der internationalen Kriminalität führen. Außerdem werden die Ein- nahmen aus Finanz- und Steuerbetrug auf ungefähr das Doppelte der Einkünfte aus dem internationalen organisierten Verbrechen geschätzt. 39 Und diese Fi- nanzflüsse werden sehr wahrscheinlich weniger in Form von Barzahlungen ab- gewickelt, wie u.a. der Skandal um die Panama-Papiere nahelegt. 40 Um Gelder aus kriminellen Aktivitäten oder Steuerbetrug zu investieren oder auszugeben, wird das „schmutzige“ Geld von den Kriminellen zunächst gewa- schen, d.h. es wird in den offiziellen Wirtschaftskreislauf eingeschleust. Staatli- che Behörden haben Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche ergriffen. Die Aufdeckung von Geldwäsche soll auch dazu beitragen, die Täter der zugrundeliegenden Straftaten zu überführen. Außerdem gilt: Je schwieriger es ist, Gelder illegalen Ursprungs im legalen Wirtschaftskreislauf zu verwenden, desto niedriger wird die Gewinnspanne krimineller Geschäfte. Nach einem ak- tuellen Bericht von Europol hängt Geldwäsche weiterhin beträchtlich von kon- ventionellen Methoden ab und schließt zumeist den Gebrauch von Bargeld an 34 Siehe Wright, R. et al. (2014). 35 Siehe Bra (Schwedischer Nationalrat für präventive Verbrechensbekämpfung). 36 Siehe Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (2005). 37 Siehe OECD (2009). 38 Siehe Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (2011). 39 Siehe Schneider, F. (2015). 40 Siehe The International Consortium of Investigative Journalists (2016). 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 SE CH NL AU DE UK US AT FR ES IT GR Korruptionswahrnehmenungsindex* (links) Anzahl unbarer Zahlungen je Einwohner (rechts) Quellen: Transparency International, EZB, BIZ, Deutsche Bank Research Nutzung unbarer Zahlungsmittel und Korruption im öffentlichen Sektor 2014 14 * Der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) misst weltweit das wahrgenommene Korruptionsniveau im öffentlichen Sektor auf einer Skala von 0 (sehr korrupt) bis 100 (sehr sauber). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 11 | 12. Januar 2017 EU-Monitor irgendeiner Stelle des Prozesses ein, trotz zunehmender Verfügbarkeit neuer Technologien. Die Studie von Europol stützt sich auf die Analyse enttarnter Geldwäschesysteme. Danach besteht der erste Schritt der Geldwäsche oftmals darin, die Bareinnahmen z.B. aus dem Drogenverkauf an Endkunden wieder loszuwerden, indem das Bargeld auf Bankkonten oder in kleinen Unternehmen untergebracht wird, ohne dabei Verdacht zu erregen. Die Studie ergab außer- dem, dass Bargeld auch verwendet wird, um ein lückenloses Nachvollziehen von Buchungen zu verhindern. Dazu werden etwa Einnahmen aus Onlinebetrug in bar vom Bankkonto eines Mittelsmanns abgehoben. 41 Eine aktuelle Untersu- chung der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von Geldwäsche (Financial Action Task Force, FATF) kommt zu dem Schluss, dass Geldwäsche in der Regel grenzüberschreitende Geldtransfers umfasst und der physische Bargeldtrans- port wegen der Geldwäschebekämpfung im Finanzwesen an Bedeutung zu- nimmt. 42 Die Berichte von FATF und Europol zeigen, wie wichtig Bargeld für die Durchführung der Geldwäsche ist, basierend auf Auswertungen von Geldwä- schedelikten, welche von den Behörden verschiedener Länder aufgedeckt und gemeldet wurden. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich die Strafverfol- gungsbehörden einfach besser auf die Aufdeckung illegaler Bargeldbewegun- gen eingerichtet haben und daher hier erfolgreicher sind als bei der Aufdeckung illegaler unbarer Finanzströme. Die meisten Terroranschläge werden ohne hohen Kostenaufwand verübt Ähnlich wie bei der Geldwäsche werden auch bei der Beschaffung und Über- mittlung von Geldern für terroristische Zwecke Techniken zur Verschleierung solcher Finanzströme verwendet, darunter auch Bartransaktionen. Wenn sie den Weg des Geldes nachverfolgen, wird es für die Ermittler möglich, Terrori- sten zu identifizieren und Anschläge zu verhindern, so die FATF. 43 Aber der Terrorismus hat seit 2001 trotz aller Maßnahmen im Finanzsektor zur Terroris- musbekämpfung zugenommen. Dies führt zu der Frage, ob die Maßnahmen der FATF unzureichend waren bzw. mangelhaft umgesetzt wurden oder ob der Ter- rorismus im Allgemeinen nur schwer durch Finanzkontrollen zu bekämpfen ist, die hauptsächlich von westlichen Regierungen verhängt werden. Terroristische Organisationen, die eigene Gebiete kontrollieren, können Gelder in den besetz- ten Gebieten beschaffen. 44 Was den Terrorismus in Europa betrifft, so zeigt eine Analyse von 40 Terroranschlägen mit dschihadistischem Hintergrund in den vergangenen 20 Jahren, dass der größte Teil der eingesetzten Finanzmittel aus eigenen Geldquellen der Täter stammte. 75% der Anschläge konnten mit einem Kostenaufwand von insgesamt weniger als 10.000 US-Dollar 45 durchgeführt werden – Geldbeträge, die kaum Verdacht erregen, selbst wenn sie mit Karte gezahlt werden. Abschaffung von Bargeld wird Kriminalität nicht beseitigen Es gibt kaum Daten zum Zusammenspiel von organisierter Kriminalität und ille- galer Bargeldnutzung, und diese Daten beinhalten obendrein oftmals Schätzun- gen. Allerdings lassen die verfügbaren Informationen vermuten, dass eine Ein- schränkung des Bargelds die gewinnorientierte Kriminalität wahrscheinlich ver- 41 Siehe Europol Financial Intelligence Group (2015). 42 Siehe Financial Action Task Force (FATF, Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von Geldwäsche) (2015). 43 Siehe FATF (2016). 44 Siehe Zeit Online (2015). 45 Siehe Oftedahl, E. (2015). 3 3 4 20 5 3 2 Vereitelt, bevor Kosten entstanden < 100 USD 100-1.000 USD 1.000-10.000 USD 10.000-20.000 USD > 20.000 USD Keine Einschätzung möglich Terroranschläge der letzten 20 Jahre in Europa kosteten zumeist unter 10.000 USD 15 Zahl der Anschläge nach geschätzten Kosten Quellen: FFI (Norwegisches Forschungsinstitut für Verteidigungsfragen), Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 12 | 12. Januar 2017 EU-Monitor ringern, aber nicht beseitigen würde. Es existieren bereits andere Möglichkeiten, illegal beschaffte Vermögenswerte aufzubewahren oder zu transferieren, ohne leicht erkennbare Datenspuren zu hinterlassen. Dazu gehören der Transport physischer Wertgegenstände (z.B. Prepaid-Instrumente, Edelmetalle) sowie die Verwendung von falschen Identitäten, kriminellen Mittelsmännern und Strohfir- men, unter deren Namen bargeldlose Geldtransfers über regulierte Zahlungs- verkehrsdienstleister getätigt werden, z.B. über das Bankensystem, Geldtrans- fer-Dienstleister (money remitter) oder Anbieter von Online-Zahlungen. Zudem können Gelder über unregulierte traditionelle oder neue, alternative Überwei- sungssysteme wie Hawala oder private virtuelle Währungen bewegt werden. 46 Einstweilen aber macht Bargeld das Leben von Kriminellen leichter, vor allem im „Geschäft mit Privatkunden“. Und es kann noch einige Zeit dauern, bis sich eine alternative Zahlungsmethode durchsetzt, die dem Bargeld einer offiziellen Wäh- rung in Reichweite und Anonymität vergleichbar ist. Für den Gebrauch von Bar- geld sind keine besonderen Kenntnisse in den Bereichen IT, Buchhaltung oder Recht erforderlich. Die Nutzung alternativer Zahlungstechniken könnte jedoch auf gut ausgebildete Kriminelle beschränkt sein. Vor diesem Hintergrund werden derzeit Wertgrenzen bei Barzahlungen und die Abschaffung von Banknoten mit hohem Nennwert diskutiert. Radikalere Stim- men fordern die vollständige Abschaffung physischen Bargelds. Jedoch würde eine völlige Umstellung auf transparente und überprüfbare elektronische Geld- mittel die Bürger auch einer einfachen Möglichkeit berauben, ihre persönlichen Daten zu schützen. Dies könnte in der Folge einem möglichen Missbrauch per- sonenbezogener Daten sowie der Einschränkung von Bürgerrechten durch staatliche Stellen, Unternehmen und Kriminelle Tür und Tor öffnen. Jede Ent- scheidung zur Einschränkung der Bargeldnutzung muss daher durch die Sen- kung der Kriminalität begründet werden, welche realistischerweise erwartet werden kann. Ein Rückgang der Kriminalität wäre zwar wahrscheinlich, würde aber eher gering ausfallen. Daher sollten zunächst weniger kontroverse und drastische Möglichkeiten im Bereich der Strafverfolgung ausgeschöpft werden. So können die gängigen Methoden der Strafverfolgung durchaus noch intensi- viert werden, etwa durch bessere Abstimmung und optimierten Informationsaus- tausch zwischen den verschiedenen Behörden (Polizei, Zoll) und Staaten unter- einander – allesamt Maßnahmen, die dazu beitragen würden, Kriminelle zu enttarnen und abzuschrecken. 46 Siehe Weltbank (2016) für eine eingehende Beschreibung der Digitalisierung illegaler Geldflüsse. Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 13 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Überraschenderweise ist aber die Zahl der gemeldeten Geldwäschedelikte in den letzten Jahren gestiegen. Dies könnte darauf hinweisen, dass Geldwäsche nicht unmittelbar etwas mit der Nutzung und der Verfügbarkeit von Bargeld zu tun hat oder sogar davon abhängt. Möglicherweise spiegeln die gemeldeten Fälle von Geldwäsche aber auch nicht die volle Wirklichkeit wider. Erstens sagen diese Zahlen nichts über die Höhe der gewaschenen Beträge aus. Zweitens könnten die Banken aufgrund der höheren Aufmerksamkeit der Behörden für das Thema Geldwäsche mehr Sorgfalt darauf verwenden, Transaktionen zu prüfen und verdächtige Zahlungen zu melden. Und schließlich könnte das Ausmaß der Geldwäsche grundsätzlich unterschätzt werden, da fast nur Banken und Zahlungsdienstleister verdächtige Zahlungen dokumentieren, während es kaum Meldungen von Rechtsanwälten oder Händlern von Kunst- und anderen Wertgegenständen gibt. Die Zahl elektronischer Zahlungen ist in Schweden in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 7% gestiegen. Kartenzahlungen verzeichneten eine größere Zunahme als Lastschriften oder Überweisungen. Die Zahl der betrügerischen Kartenzahlungen wuchs ebenfalls, und zwar stärker als die Kartenzahlungen insgesamt. Seit 2013 sind die Zahlungen mit gestohlenen Kartendaten enorm gestiegen. Dies fiel mit einem deutlichen Rückgang der Barzahlungen zwischen 2012 und 2014 zusammen. „Bargeldloses“ Schweden: Weniger Banküberfälle, mehr Kartenbetrug 16 In Schweden sinkt der Bargeldumlauf wie auch der Anteil der Barzahlungen seit Jahren. Gleichzei- tig steigt die Verwendung unbarer Zahlungsmittel. 1,8% 2,0% 2,2% 2,4% 2,6% 2,8% 3,0% 3,2% 3,4% 70 75 80 85 90 95 100 105 110 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Bargeldumlauf in Mrd. SEK (links) Bargelumlauf in Relation zum BIP in % (rechts) Quellen: Sveriges Riksbank, Statistics Sweden, Deutsche Bank Research Schweden: Bargeldumlauf nimmt ab DX 100 150 200 250 300 350 400 450 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 2008 2010 2012 2014 < 100 SEK (ca. < 10 EUR) 100-500 SEK (ca. 10-50 EUR) > 500 SEK (ca. > 50 EUR) Elektronische Zahlungen pro Kopf Anteil der baren an allen Zahlungen nach dem Wert der Transaktion (%, links), Zahl der elektronischen Zahlungen pro Kopf (rechts) Quellen: Sveriges Riksbank, Statistics Sweden, Deutsche Bank Research Schweden: Weniger Barzahlungen, mehr elektronischer Zahlungsverkehr DX 0 300 600 900 1200 1500 1800 2100 2400 0 20 40 60 80 100 120 140 160 2008 2010 2012 2014 Banküberfälle (links) Überfälle auf Geldtransporte (links) Bargeldfälschung (rechts) Zahl der gemeldeten Delikte pro Jahr Quellen: Brå/Schwedisches Justizministerium, Deutsche Bank Research Schweden: Weniger Bargeld - weniger Bargeld-Kriminalität DX 0 100 200 300 400 500 600 700 800 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014* 2015* Schweden: Weniger Bargeld - mehr Geldwäsche? DX Zahl der gemeldeten Delikte pro Jahr *Mitte 2014 wurden die Gesetze zur Verhinderung von Geldwäsche geändert. 1.968 Fälle Quellen: Brå/Schwedisches Justizministerium, Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 14 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Zahlungen: Bar oder bargeldlos? Nutzerfreundlichkeit ist entscheidend für die Wahl des Zahlungs- mittels, Sicherheit wird vorausgesetzt Mehrere Faktoren beeinflussen einen Zahlenden bei seiner Entscheidung zwi- schen einer baren oder unbaren Zahlung. Für private Verbraucher scheinen Zahlungsgewohnheiten und Nutzerfreundlichkeit – einschließlich der Kriterien Reichweite und Akzeptanz – entscheidend zu sein. 47 Eigenschaften wie das Alter oder Einkommen beeinflussen die Zahlungsgewohnheiten. Die Präferenz für Barzahlungen ist in Europa unterschiedlich ausgeprägt. Dies spiegelt sich auf der Händlerseite wider. Die (noch) weitverbreitete Akzeptanz von Bargeld ist sicher ein wichtiger Aspekt der Nutzerfreundlichkeit, ebenso wie die Transpa- renz über die persönlichen Ausgaben. Nutzerfreundlichkeit ist aber ebenfalls die treibende Kraft hinter dem enormen Wachstum der Anzahl und des Werts der Kartenzahlungen, die die Verwendung von Bargeld an der Ladenkasse in den letzten Jahrzehnten zurückgedrängt haben. Eine Zahlungskarte ermöglicht hö- here Ausgaben als Bargeld im Portemonnaie ist. Dies ist ein wichtiger Grund für Händler, die Infrastruktur für Kartenzahlungen bereitzustellen. Die benötigte Infrastruktur ist aber auch ein Nachteil: Privatpersonen können keine Kartenzah- lungen empfangen, da sie diese Infrastruktur nicht haben. Daher sind P2P- Zahlungen 48 (im Nahbereich) größtenteils Barzahlungen. Neue Anbieter und Brancheninitiativen nehmen den P2P-Markt mit Lösungen für mobile Sofortzah- lungen ins Visier. 49 Alles in allem bleibt festzustellen, dass die Barzahlung in vielen Ländern, wenn auch in unterschiedlichem Tempo, nach und nach von 47 Bargeld kann für Teile der Bevölkerung das einzige verfügbare Mittel zur Teilnahme am Wirt- schaftsleben darstellen. Eine Mehrheit (76 %), aber nicht alle Bürger der EU besitzen ein Giro- konto (Special Eurobarometer 446, Juli 2016). 48 Person-zu-Person. 49 Siehe Mai, H. (2015) zu verschiedenen Zahlungssituationen und Bargeld. 0,000% 0,004% 0,008% 0,012% 0,016% 0,020% 0,024% 0,028% 0,032% 0,036% 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 2008 2010 2012 2014 Kartenzahlungen Überweisungen (beleglos) Lastschriften Anteil betrügerischerTransaktionen an allen Kartenzahlungen Anzahl der Zahlungen in Mio. (links); Anteil betrügerischer Kartenzahlungen in % (rechts) Quellen: Sveriges Riksbank, Brå/Schwedisches Justiz- ministerium, Deutsche Bank Research 2015* * Schätzung Schweden: Elektronischer Zahlungsverkehr und Kartenbetrug DX 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Betrügerische Zahlungen mithilfe von Daten gestohlener Debit-/Kreditkarten Betrug bei Kartenzahlungen an der Ladenkasse Betrug bei Barabhebungen am Geldautomaten Zahl gemeldeter betrügerischer Zahlungsaufträge Quellen: Brå/Schwedisches Justizministerium, Deutsche Bank Research Schweden: Zunehmender Kartenbetrug bei Online-Zahlungen DX 0 20 40 60 80 100 120 2000 2003 2006 2009 2012 2015 Kartenzahlungen Überweisungen Lastschriften E-Geld- und andere Zahlungen Scheckzahlungen EU: Unbare Zahlungen nehmen zu 17 Anzahl der Zahlungen in Mrd. Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 15 | 12. Januar 2017 EU-Monitor bargeldlosen Zahlungsmethoden abgelöst wird. Dieser Prozess vollzieht sich im Spiel von Angebot und Nachfrage. Anbieter stellen elektronische Zahlungsin- strumente zur Verfügung – von Karten- und mobilen Zahlungen bis hin zu Bitcoins – und die Nutzer treffen ihre Wahl. Privatkunden orientieren sich auch deshalb vor allem an der Nutzerfreundlich- keit, weil das allgemeine Vertrauen in die Integrität und Funktionstüchtigkeit bargeldloser Zahlungsmethoden hoch ist. Verbraucher achten bei der Wahl der Zahlungsweise normalerweise weniger auf Sicherheit, Ausführungsdauer oder Kosten als auf die Nutzerfreundlichkeit. 50 Allerdings erlaubt es der konventionel- le Zahlungsverkehr den Verbrauchern auch, bei der Wahl zwischen barer und unbarer Zahlung Aspekten wie Sicherheit oder Kosten eher wenig Beachtung zu schenken. Denn sowohl die technischen Sicherheitsstandards der bestehenden elektronischen Bank- und Kartenzahlungssysteme als auch strenge Regeln im Verbraucherschutz bewahren die Nutzer weitgehend vor Verlusten durch Betrug oder fehlerhafte Zahlungsausführung. Außerdem werden Privatkunden in der Regel keine Gebühren pro Transaktion (bar und unbar) berechnet. Für Händler und Banken spielen die Kosten einer Zahlung jedoch eine große Rolle, da sie die Transaktionskosten tragen müssen. Ob Händler und Zahlungs- dienstleister Konsumenten für (bare oder unbare) Zahlungen Gebühren berech- nen können oder nicht, hängt von der Wettbewerbssituation, den Marktgepflo- genheiten und aufsichtsrechtlichen Vorgaben ab. Innerhalb großer Unterneh- men spielen Kosten und die sichere Ausführung von Zahlungen eine große Rol- le. Diese Unternehmen haben den Bargeldverkehr weitgehend eingeschränkt oder abgeschafft zugunsten elektronischer Zahlungsinstrumente, um die inter- nen Kontrollsysteme zu stärken und Gelder effizienter zu verwalten. Sind bare oder unbare Zahlungen sicherer? Auch wenn Privatkunden Sicherheit im Zahlungsverkehr als gegeben voraus- setzen, solange keine größeren Probleme auftreten, sind Sicherheit und die fehlerfreie Ausführung Schlüsselgrößen bei der Bewertung von baren und bar- geldlosen Zahlungen. Da jede Zahlung die Verfügbarkeit von Geld voraussetzt, hängt die Sicherheit von Bankkonten und Bargeldbeständen eng mit der Zah- lungsintegrität zusammen. Sicherheitsverstöße können sich durch Betrug, Dieb- stahl oder gleich beides ereignen, wie z.B. im Fall gestohlener Zahlungsdaten. Betrug kommt zwar vor, aber insgesamt in sehr geringem Ausmaß angesichts der hohen Zahl und des großen Betrags aller Zahlungen. Die bei Verbrauchern im Euroraum beliebtesten beiden Zahlungsmethoden – Karten- und Barzahlungen – weisen niedrige Betrugsraten auf, wobei Bargeld weniger betrugsanfällig zu sein scheint als Kartenzahlungen, sofern man nur die Integrität der Zahlungen untersucht. 2013 kam eine gefälschte Banknote auf 24.600 echte Geldscheine, bei den Kartenzahlungen ein Betrugsfall auf 5.300 Transaktionen. Auch die absolute Zahl der Betrugsfälle im Kartenzahlungsver- kehr beträgt ein Vielfaches der Anzahl der gefälschten Banknoten. Dement- sprechend ist der Wert des gefälschten Bargelds niedriger als der Wert nicht autorisierter Kartenzahlungen. Dies ist plausibel, wenn man bedenkt, dass hö- here Beträge häufig mit Karte und nicht bar bezahlt werden. Während sich im Jahr 2013 der Nennwert der entdeckten gefälschten Euro-Banknoten auf 32 Mio. Euro belief, betrug der Schaden durch Kartenbetrug im Euroraum 430 Mio. Euro. Obwohl die beiden Werte nicht direkt miteinander vergleichbar sind, scheinen Barzahlungen insgesamt sicherer als Kartenzahlungen zu sein. 50 Ebenda. 0,000% 0,005% 0,010% 0,015% 0,020% 2011 2012 2013 2014 2015 Anteil gefälschter Banknoten an der Gesamtzahl der umlaufenden Noten Anteil betrügerischer Kartenzahlungen an der Gesamtzahl der Kartenzahlungen Euroraum: Geringes Betrugsrisiko - bei Barzahlungen noch geringer als bei Kartenzahlungen 18 % Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Anmerkung: Die aktuellste Zahl für Betrug bei Karten- zahlungen bezieht sich auf das Jahr 2013. Kartenbetrug meint Betrug an der Ladenkasse, am Geldautomaten und online (ohne physischen Einsatz der Karte). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 16 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Ein Grund für die vergleichsweise hohe Zahl von Betrugsdelikten bei Kartenzah- lungen könnte deren häufige Verwendung bei Käufen im Internet sein. Mögli- cherweise ist ein Konsument im virtuellen Raum weniger in der Lage, betrügeri- sches Verhalten zu bemerken als in einer realen Situation. Kartenbetrug kommt an der Ladenkasse seltener vor als bei Onlinekäufen, wahrscheinlich auch dank der in Karten verwendeten EMV-Technologie. 51 Beim Bargeld legen die Zentral- banken großen Wert auf die Qualität und Sicherheit von Banknoten und er- neuern laufend deren Sicherheitsmerkmale. Das Diebstahlrisiko ist nur schwer einzuschätzen, da die nötige Datengrundlage fehlt. Die Kriminalstatistik für Deutschland lässt vermuten, dass der Schaden infolge von Bargelddiebstahl den Schaden durch Falschgeld (4,4 Mio. Euro im Jahr 2015) bei weitem überwiegen könnte. 2015 wurden 168.142 Fälle von Ta- schendiebstahl bekannt. Da die Deutschen im Durchschnitt 103 Euro Bargeld bei sich tragen, ergibt sich eine Schadenshöhe von wahrscheinlich über 17 Mio. Euro. 52 Die 441 Mio. Euro Schaden aus Einbrüchen in Privathäusern bestehen vermutlich zu einem gewissen Anteil auch aus gestohlenem Bargeld. 53 Dieser groben Schätzung steht in Deutschland ein Kartenbetrug in Höhe von ca. 53 Mio. Euro gegenüber, so die Angaben der EZB. Laut deutscher Polizei sum- mierte sich der Schaden durch Betrug mit Hilfe gestohlener unbarer Zahlungsin- strumente (meist Karten) auf 62,9 Mio. Euro. Eigentlich müsste auch Betrug bei elektronischen Zahlungen hinzugerechnet werden, die keine Kartenzahlungen sind. Solche Daten sind aber kaum verfüg- bar. Auch zu den Schäden, die durch Cyber-Diebstahl von Geld entstehen, das auf Konten bei Zahlungsdienstleistern liegt, gibt es nur gelegentlich Hinweise in Presseberichten. Die Regulierungsbehörden nehmen das Risiko von Cyber- Betrug jedenfalls ernst und sind dabei, Gegenmaßnahmen zu entwickeln. 54 Nicht zuletzt kann Bargeld auch in Notfällen als Zahlungsmittel genutzt werden, da es im Gegensatz zu elektronischen Zahlungen und Konten weniger stark von einer funktionierenden IT-Infrastruktur abhängt. So gesehen ist Bargeld ein Re- serve-System für Ausnahmesituationen, z.B. bei einem Stromausfall oder all- gemeinen Notstand. Im Großen und Ganzen weisen Zahlungen, die innerhalb des regulierten Sy- stems getätigt werden, ein sehr geringes Betrugs- und Diebstahlrisiko auf. Um ein detailliertes Bild zu erhalten, sind mehr Daten nötig, nämlich zu allen Zah- lungsinstrumenten und -konten, Tresoren usw. Ob es sicherer ist, bar oder un- bar zu bezahlen, hängt letztlich in jeder konkreten Situation sowohl von der Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls, Betrugs oder Cyber-Verbrechens ab als auch von der Fähigkeit und der Vorsicht des Nutzers bei der Sicherung seiner Zahlungsmittel. Letztlich findet Kriminalität meistens dort statt, wo hohe Werte zu erbeuten sind. In Schweden schlägt sich der Übergang von baren zu bar- geldlosen Zahlungen in einer Verlagerung der Kriminalität nieder: weg von Geldfälschung und Banküberfällen, hin zu elektronischem Zahlungsbetrug. Kosten von baren und bargeldlosen Zahlungen Trotz zahlreicher Studien zu den Kosten von Zahlungssystemen ist bisher keine klare Aussage möglich, welche Kosten einer Volkswirtschaft insgesamt durch Zahlungsvorgänge entstehen. Untersuchungen hierzu beinhalten üblicherweise 51 Die EMV-Technologie verbessert die Sicherheit von Kartenzahlungen durch einen Chip auf der Karte anstelle eines Magnetstreifens. Der Begriff „EMV“ leitet sich von Europay, Mastercard und Visa ab, welche diesen Standard ursprünglich eingeführt haben. 52 Siehe Deutsche Bundesbank (2015b). 53 Siehe Bundeskriminalamt (2016). 54 Siehe Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (2016). 0 1 2 3 4 5 2011 2012 2013 2014 2015 Anzahl gefälschter Banknoten Anzahl betrügerischer Kartenzahlungen Euroraum: Mehr betrügerische Karten- zahlungen als gefälschte Banknoten 19 Anzahl in Mio. Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 0,000% 0,005% 0,010% 0,015% 0,020% 0,025% 0,030% 0,035% 0,040% 2011 2012 2013 2014 2015 Anteil gefälschter Banknoten am Wert aller umlaufenden Noten Anteil betrügerischer Kartenzahlungen am Wert aller Kartenzahlungen Euroraum: Höherer Betrugsschaden bei Kartenzahlungen als bei Banknoten 20 % Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Anmerkung: Die aktuellste Zahl für Betrug bei Karten- zahlungen bezieht sich auf das Jahr 2013. Kartenbetrug meint Betrug an der Ladenkasse, am Geldautomaten und online (ohne physischen Einsatz der Karte). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 17 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Schätzungen der Kosten, die den Zahlungspflichtigen, Händlern, Banken, Zent- ralbanken und Zahlungsdienstleistern (Netzwerkbetreibern, Geldtransportunter- nehmen etc.) bei Nutzung verschiedener Zahlungsinstrumente entstehen. Je- doch unterscheiden sich die Ergebnisse der Studien von Land zu Land erheb- lich, je nach theoretischem Ansatz, Datenverfügbarkeit, Einschätzung der durchschnittlichen Transaktionsgröße usw. Krüger und Seitz haben eine umfas- sende Übersicht dieser Studien und der jeweiligen geschätzten Kosten je Zah- lungsinstrument zusammengestellt. 55 Laut einer in 13 EU-Ländern erhobenen Studie macht Bargeld die Hälfte der gesellschaftlichen und privaten Kosten im Massenzahlungsverkehr aus. Mit Bargeld sind in den meisten Ländern die nied- rigsten Kosten pro Transaktion verbunden, u.a. wegen seiner häufigen Verwen- dung, gefolgt von Zahlungen mit Debitkarten. 56 Da sowohl bare als auch elektronische Zahlungen eine eigene Infrastruktur benötigen und der Stückko- stendegression unterliegen, überrascht es nicht, dass das Niveau der Bargeld- nutzung die Stückkosten für bare wie auch für die alternativen elektronischen Zahlungsinstrumente stark beeinflusst. Analyse der Zahlungsverkehrsdaten: Vor- und Nachteile Bargeld hinterlässt kaum Spuren, unbare Gelder und Zahlungen aber sehr wohl. Während die Angaben in einem elektronischen Zahlungsauftrag früher nur zu dessen Durchführung dienten, sind diese Informationen heute ein wertvolles Nebenprodukt. Moderne Instrumente der Datenanalyse ermöglichen es, Daten zu extrahieren und zu sammeln, und einem individuellen Nutzer zuzuordnen („Big Data“). Dadurch kann der Datenverarbeiter dem Verbraucher Produkt- und Dienstleistungsangebote machen, die seinen (angenommenen) Bedürfnissen entsprechen. Unternehmen haben ein großes Interesse an diesen Daten, um ihre Werbung kundenorientierter zu gestalten und somit ihre Umsätze zu stei- gern. Daten sind zu einem Wirtschaftsgut geworden, für welches ihr (unwissent- licher) „Produzent“ in der Regel nicht vergütet wird. Jedoch können Angebote, die besser auf die Bedürfnisse und Vorlieben des Datengebers abgestimmt sind, als nicht-monetärer Kundennutzen betrachtet werden. 57 Personenbezoge- ne Daten aus dem Zahlungsverkehr können mit Informationen aus anderen Quellen verbunden werden, z.B. aus datengenerierenden Anwendungen wie Online-Marktplätze oder soziale Medien. Die Bürger haben aber auch das Recht, ihre Privatsphäre zu schützen. In der heutigen digitalen Welt bekommen oft diejenigen einen tiefen Einblick in das Leben eines Menschen, die Zugang zu seinen personenbezogenen Daten ha- ben und sie zu analysieren wissen. Banken unterliegen schon lange besonders strengen Datenschutzregeln, die auch ihr Zahlungsverkehrsgeschäft einschlie- ßen. Online-Zahlungssysteme und -Dienstleister sind vor allem in ihrer Start- phase und je nach ihrem Herkunftsland nicht immer denselben strengen Regeln und Prüfungen unterworfen. Den höchsten Datenschutz bieten Barzahlungen, weil hier überhaupt keine Daten entstehen. Bargeld und Bürgerrechte Die Bedeutung von Bargeld geht über die oben beschriebenen, wirtschaftlichen Aspekte hinaus. Sie betrifft auch die Beziehung zwischen Bürgern und Staat. Befürworter einer Einschränkung oder Abschaffung von Bargeld argumentieren, dass eine engmaschigere und umfassendere staatliche Kontrolle über die finan- 55 Siehe Krüger, M., Seitz, F. (2014). 56 Siehe Schmiedel, H., Kostova, G., Ruttenberg, W. (2012). 57 Siehe Jentzsch, N. (2014). Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 18 | 12. Januar 2017 EU-Monitor ziellen Mittel und Transaktionen der Bürger Kriminalität wirksam bekämpfen werde. Doch kann die Umstellung auf transparente und nachprüfbare elektroni- sche Gelder bzw. die Abschaffung der einzigen allgemein verfügbaren anony- men Zahlungsoption auch zu Datenmissbrauch und der Beschränkung bürgerli- cher Freiheiten führen. Darüber hinaus hätte eine solche Maßnahme auch den Beigeschmack, alle Bürger ohne konkreten Anlass unter Generalverdacht zu stellen. Dies würde das Vertrauen in staatliche Institutionen wohl kaum stärken. Die Verfügbarkeit umfassender Daten über den einzelnen Bürger kann in der Tat für die Überwachung zu politischen Zwecken missbraucht werden. Auch wenn in westlichen Demokratien das Rechtsstaatsprinzip gilt, sind die Bürger gut beraten, darauf zu achten, dass staatliche Behörden ihre Macht nicht miss- brauchen. Dies gilt nicht nur für offensichtliche exekutive Machtbefugnisse des Staates wie das Gewaltmonopol der Polizei. Kenntnis über die private und fi- nanzielle Situation einzelner Bürger verleiht den Behörden zusätzlich Macht über sie. Auch wenn strengste Datenschutzregeln gelten, kann ein Missbrauch einer solchen Datenasymmetrie nicht vollkommen ausgeschlossen werden. So kann das Sammeln umfassender Daten zu einzelnen Personen zu Datenmiss- brauch aus persönlichen, kommerziellen oder politischen Motiven verleiten. Es könnte sowohl ein einzelner Beamter seine Befugnisse überschreiten als auch ein in- oder ausländischer Geheimdienst. Die Bereitschaft der Bürger zur Offen- legung von persönlichen Daten gegenüber Behörden hängt entscheidend von ihrem Vertrauen ab, dass staatliche Stellen ihre Aufgaben erfüllen und ihre Rechtsbefugnisse nicht überschreiten. Bargeld kann aufgrund der Anonymität Steuerhinterziehung leichter machen, insbesondere für jene, die es sich nicht leisten können, ihr Vermögen in nicht- registrierte Vermögenswerte oder komplexe rechtliche Strukturen zu stecken. Dennoch ist Bargeld eindeutig nicht der Grund dafür, dass es Steuerehrlichkeit oder Steuerhinterziehung gibt. Die abschreckende Wirkung von Steuerprüfun- gen und Strafen erhöht die Steuerehrlichkeit, erklärt aber erstaunlicherweise nicht die Höhe der tatsächlich gezahlten Steuern. Es ist vielmehr die grundsätz- liche Bereitschaft der Bürger, Steuern zu zahlen, die sie zu Steuerehrlichkeit veranlasst. Und diese Steuermoral der Bürger hat mit ihrer Beziehung zur Re- gierung zu tun: Ein höherer Grad an (direktem) politischem Einfluss erhöht die Steuermoral und veranlasst Steuerbehörden dazu, Steuerzahler respektvoll und nicht wie Verdächtige zu behandeln. 58 Die Steuermoral ist auch dann höher, wenn Bürger das Verhältnis von Besteuerung und staatlichen Leistungen als angemessen ansehen. 59 Allgemeines Vertrauen in die Qualität staatlicher Insti- tutionen stellt eine wesentliche Bedingung für Steuerehrlichkeit dar. Die Abschaffung oder weitgehende Einschränkung der Bargeldnutzung wäre mit dem Risiko verbunden, das Vertrauen der Bürger in staatliche Behörden zu untergraben. Man würde die Bürger in Fällen, in denen staatliches Verhalten als illegitim angesehen wird, einer einfachen Methode berauben, sich staatlicher Kontrolle zu entziehen. Dies kann leicht kontraproduktiv sein: Sich staatlichen Stellen gegenüber ausgeliefert zu fühlen – d.h. Untertan statt Bürger zu sein – würde das Band zwischen den Menschen und ihrer Regierung deutlich lockern. Trotz dieser psychologischen Wirkung bleibt unklar, ob und in welchem Ausmaß die Bürger tatsächlich staatliche Macht durch die Nutzung von Bargeld statt elektronischen Buchgelds einschränken können. Vor dem Hintergrund der – tatsächlichen oder empfundenen – Bedeutung von Bargeld für die Bürgerrechte müsste seine Beschränkung oder Abschaffung in jedem Fall durch erkennbare Vorteile für die Öffentlichkeit begründet werden. Nur dann könnte das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und Staat intakt 58 Siehe Feld, L., Frey, B. (2000). 59 Siehe Feld, L., Frey, B. (2007). 0 2 4 6 8 10 12 02 04 06 08 10 12 14 16 Euro-Einlagen von Nichtbanken davon Sichteinlagen Euro-Bargeldumlauf Quellen: EZB, Deutsche Bank Research Billionen Euro Euroraum: Höhe der Bankeinlagen ein Vielfaches des Bargeldumlaufs 21 Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 19 | 12. Januar 2017 EU-Monitor bleiben. Eine deutliche Senkung der Kriminalität kann aber hierfür kein über- zeugendes Argument sein, da Bargeld weder der Grund für Kriminalität noch die einzige Methode ist, Finanzmittel auf illegale Weise zu verschieben. Kurz ge- sagt: Die Entscheidung zwischen Bargeld und Buchgeld auf elektronischen Konten sollte den Nutzern überlassen bleiben, denn sie sind gleichzeitig auch Bürger, Steuerzahler, Verbraucher und Produzenten. Bisher scheint ihr Vertrau- en in staatliche Behörden und die finanzielle Infrastruktur in Europa zum Glück stark ausgeprägt zu sein, was sich an der wachsenden Bedeutung elektroni- scher Gelder und Zahlungen zeigt. Heike Mai (+49 69 910-31444, heike.mai@db.com) Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt 20 | 12. Januar 2017 EU-Monitor Literaturverzeichnis Agarwal, R., Kimball, M. (2015). Breaking through the Zero Lower Bound. IMF Working Paper. Bagnall, J., Bounie, D., Huynh, K. 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Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Start-ups und ihre Finanzierung in Europa – Besserung dank Kapitalmarktunion (nur in Englisch verfügbar) ..................................... 29. September 2016  Wer zahlt die Rechnung? Europas neues Bail-in-Regime und die Auswirkungen auf die Bankenrefinanzierung ............................................. 3. Juni 2016  Investitionen und Wachstum stärken: Die Rolle der Förderbanken in Europa ................................ 9. Mai 2016  Kapitalmarktunion: Ambitioniertes Ziel, aber kaum schnelle Erfolge ........................................... 8. Februar 2016  Geldmarktfonds: Wie sie funktionieren und wer sie nutzt ................................................................ 18. Mai 2015  Europas Populisten im Profil: Strukturen, Stärken, Potenziale .......................................... 7. April 2015  Mittelstandsfinanzierung im Euroraum: Neue Lösungen für ein altes Problem ........................... 13. Januar 2015  Investitionen im Euroraum: Initiativen, Handlungsfelder, Erfolgsfaktoren ............................ 18. Dezember 2014  Alleine sind wir stark? Ökonomische Aspekte regionaler Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa ............... 17. Dezember 2014  Eine Zukunft in der EU? Die Brexit-Diskussion als Anstoß für eine modernere EU ........................................... 29. September 2014  Klein, aber fein? Kapitalmarkt- finanzierungsubnationaler Gebiets- körperschaften im Aufwind .................................................25. Juli2014  Atlantisches Fragment? Finanzmarktregulierung, die G20 und TTIP .................................................................3. Juli2014  Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgungin Europa: Anhaltende Herausforderungen ..........................................2. April2014  EU-Skeptiker im Aufwind? Wirtschaftspolitische Implikationen der Europawahl .............................................................31. Januar 2014  Re-Industrialisierung Europas: Anspruch und Wirklichkeit .........................................4. November 2013  EU-Bankenunion: RichtigeIdee, schlechte Durchführung .........................................20. September 2013  Der EU-Binnenmarkt nach 20 Jahren: Erfolge, unerfüllte Erwartungen und weitere Potenziale ..................................................19. September2013  Project Bond Initiative: Projektauswahl für Erfolg entscheidend ........................23. August2013 © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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