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4. August 2011
Zwei Jahre nach dem Ende der Finanzkrise ist die Gewinnlage bei westlichen Banken wieder zufriedenstellend. Die Aussichten für weitere Profitabilitätsverbesserungen sind jedoch angesichts steigender Zinsen und eines mäßigen Wirtschaftswachstums weniger günstig. [mehr]
Bankerträge nach der Krise Seite 1 von 3 Aktueller Kommentar Bankerträge nach der Krise 4. August 2011 Zwei Jahre nach dem Ende der Finanzkrise ist die Gewinnlage bei westlichen Banken wieder zufriedenstellend. Die Aussichten für weitere Profitabilitätsverbesserungen sind jedoch angesichts steigender Zinsen und eines mäßigen Wirtschaftswachstums weniger günstig. Zwei Jahre nach dem Ende der Finanzkrise scheint es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen, wie sich die Erträge und Gewinne der Banken seither entwickelt haben und wie ihre zukünftigen Aussichten einzuschätzen sind. Wir analysieren dabei sowohl die Entwicklung in Europa als auch in den USA. Auf den ersten Blick erzielen die US-amerikanischen und europäischen Banken schneller als erwartet wieder solide Gewinne, gemessen an der außergewöhnlichen Schwere der Krise: Der Nettogewinn hat jetzt wieder annähernd 2/3 des Niveaus vor der Krise erreicht. Drei Faktoren haben zu diesem Comeback maßgeblich beigetragen: 1. der kontinuierliche Anstieg des Zinsüberschusses, 2. die Erholung des Handelsergebnisses und 3. in jüngerer Zeit der Rückgang der Kreditrisikovorsorge. Der Zinsüberschuss, die größte Ertragskomponente bei den meisten Banken, ist beeindruckend stark gewachsen. Bei den 20 größten europäischen Banken betrug der Anstieg zwischen 2007 und 2010 durchschnittlich 11% pro Jahr, bei allen US-Banken zusammen immerhin noch 7%. Damit setzte der Zinsüberschuss seinen langfristigen Aufwärtstrend fort, der in den letzten Jahren hauptsächlich auf den Rückgang der Leitzinsen und damit die niedrigeren Finanzierungskosten zurückzuführen war. Nachdem vor etwa zwei Jahren in den meisten Volkswirtschaften eine konjunkturelle Erholung einsetzte, verringerten sich 2010 dann auch die Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle um ca. 1/3 gegenüber den Höchstständen nach der Krise, was zu dem Gewinnanstieg der letzten Zeit beitrug. Schließlich normalisierte sich – dank der Finanzmarktrallye auf breiter Front seit dem Ende der Krise – das Handelsergebnis; in Europa stieg es zum Beispiel von einem Verlust von EUR 30 Mrd. im Jahr 2008 auf einen Überschuss von EUR 60 Mrd. im vergangenen Jahr. Allerdings ist diese Ertragskomponente weiterhin recht schwankungsanfällig. Trotz der Erholung sind die Chancen auf ein weiteres Gewinnwachstum eher gering. Das Bankgeschäft dürfte deutlich weniger profitabel bleiben als vor der Krise, als es von immer niedrigeren Zinsen (wo das Abwärtspotenzial heute begrenzt ist), einem hohen Kreditwachstum (die Kreditexpansion ist derzeit gering und dürfte dies auch auf absehbare Zeit bleiben) und niedrigen Kreditausfallraten profitierte (diese haben sich in den letzten Quartalen von einem außerordentlich hohen Niveau aus verringert; die geringen Vorkrisenwerte dürften jedoch nicht wieder erreicht werden). Kurz gefasst: Die Wachstumstreiber sowohl der Boomjahre bis 2007 als auch der Erholung nach der Krise werden auf mittlere Sicht wahrscheinlich nicht für weitere signifikante Gewinnsteigerungen zur Verfügung stehen. Genauer gesagt könnte der Zinsüberschuss in naher Zukunft sogar unter Druck geraten. In diesem Kontext sollte man zwischen Ländern unterscheiden, in denen es in der letzten Zeit eine Immobilienblase gegeben hat, und solchen, in denen dies nicht so war. Im ersten Fall dürfte das Kreditwachstum aller Voraussicht nach noch längere Zeit gering bleiben, da die privaten Haushalte ihre Verschuldung weiter reduzieren müssen. Im anderen Fall spielt die Zinsentwicklung eine entscheidende Rolle: 1. Je länger die Zinsen auf dem aktuell sehr niedrigen Seite 2 von 3 Niveau bleiben, um so wahrscheinlicher ist es, dass die Zinsmarge unter Druck gerät, nachdem sie sich durch die Zinssenkungen 2008/09 erhöht hatte. Bereits heute ist der Zinsüberschuss in den USA rückläufig, während sich das Wachstum in Europa abgeflacht hat. 2. Sobald die Zinsen wieder steigen, sind zwei Konsequenzen zu berücksichtigen: a) ein Preiseffekt und b) ein Volumeneffekt. Der Preiseffekt bezieht sich auf die Refinanzierungskosten der Banken, die voraussichtlich ansteigen werden. Sie steigen ohnehin aufgrund von Basell III, der Diskussion um eine Gläubigerbeteiligung im Insolvenzfall, höherer Beiträge für die Einlagensicherung und höherer Zinsniveaus für die Schuldenaufnahmen der Staaten, die der Referenzpunkt für die Refinanzierungskosten der Banken sind. Aufgrund steigender Zinsen könnte sich dieser Effekt jedoch noch verstärken, da die Einlagenzinsen in den meisten Ländern voraussichtlich rascher angepasst werden als die Kreditzinsen. Nur in den Ländern, in denen variabel verzinste Kredite – insbesondere bei Hypotheken – stärker verbreitet sind als Festzinskredite (z.B. in Großbritannien, Irland und Spanien) könnten die Margen mit dem höheren Zinsniveau sogar ansteigen. Der Volumeneffekt wiederum bezieht sich auf die negativen Auswirkungen, die höhere Zinsen auf das Kreditwachstum und damit den Zinsüberschuss haben. Normalerweise – in Ländern, die keine Immobilienblase zu verdauen haben – dürfte der Volumeneffekt weniger bedeutend sein als der Preiseffekt. Allerdings dürfte nicht nur der Zinsüberschuss unter Druck geraten, sondern auch der Rückgang der Kreditrisikovorsorge erheblich an Schwung verlieren. Sowohl in Europa als auch in den USA wird das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich deutlich unter dem Vorkrisenniveau bleiben, das in vielen Ländern nicht tragfähig und durch hohes Kreditwachstum aufgebläht war (auch Länder ohne Kreditblase profitierten davon, z.B. dank intensiver Handelsbeziehungen mit den Boom-Volkswirtschaften). Darüber hinaus beeinträchtigen die Staatsschuldenkrisen und harte Sparmaßnahmen der Regierungen weiterhin die allgemeine Stimmung, das Wachstum und die Beschäftigungssituation und könnten einem weiteren Rückgang der Kreditverluste im Weg stehen. Das Provisionsergebnis dürfte das schwerlich kompensieren können. Die Erträge aus Verbriefungen und komplexen strukturierten Produkten, die vor der Krise wichtige Wachstumstreiber gewesen waren, haben seitdem stark gelitten und dürften vorerst nicht an ihre Performance in der Vergangenheit anknüpfen können. Die Nachfrage nach hochmargigen, speziell auf den einzelnen Kunden zugeschnittenen Produkten könnte sich zwar leicht erholen, da die Risikobereitschaft der Investoren wieder zunimmt; das dürfte jedoch nicht ausreichen, um dem Ertragswachstum insgesamt wieder Schwung verleihen zu können. Viele der Dienstleistungen für Kunden, bei denen die Banken selbst keine nennenswerten Risiken eingehen, sollten allerdings aufgrund der niedrigen Kapitalanforderungen unter dem neuen Basel IIIl-Reglement attraktiver werden. Insgesamt dürften die besten Zeiten für die europäischen und die US-Banken vorüber sein. Da die äußerst vorteilhafte Ära fallender Zinsen der Vergangenheit angehört, könnte der Zinsüberschuss seine Rolle als wichtiger Wachstumsfaktor zunächst verlieren. Die eher bescheidenen Aussichten für das Wirtschaftswachstum in den USA und großen Teilen Europas in Kombination mit hoch verschuldeten Staaten bieten keine guten Voraussetzungen für das Kreditwachstum und dürften auch dafür sorgen, dass der Rückgang der Risikovorsorge eher früher als später zu Ende geht. Das Handelsergebnis schließlich bleibt weiterhin durch eine hohe Volatilität gekennzeichnet und gerät zunehmend durch neue Regulierungen unter Druck. Worauf können die Banken also hoffen – abgesehen von der Tatsache, dass sie innovativer und effizienter werden müssen? Am Ende werden sie wahrscheinlich stärker im Ausland investieren müssen, um den mäßigen Aussichten in Europa und den USA etwas entgegensetzen zu können. Aufgrund der besseren Perspektiven mit Blick auf das Wirtschaftswachstum, der geringeren Verschuldung und der guten demografischen Situation sind Aktueller Kommentar Seite 3 von 3 die Schwellenländer wahrscheinlich die einzige Region, in der sich im kommenden Jahrzehnt beträchtliches Ertragswachstum erzielen lässt.   EU-Monitor 80: Gestolpert, nicht gefallen: Internationales Bankgeschäft nach der Krise   Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...   ...mehr zum Research-Bereich Banken, Finanzmärkte und Regulierung Aktuelle Kommentare - Archiv   © Copyright 2011. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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