1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Aktueller Kommentar
20. April 2020
Die Corona-Krise wirft die Frage auf, ob die verstärkte Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Homeoffice letztlich die Nachfrage nach Büroraum reduziert. Je länger die Krise dauert, desto normaler und womöglich auch effizienter könnte sich die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Teams über die Distanz hinweg gestalten. Jedoch gibt es in der Corona-Krise sehr unterschiedliche Erfahrungen. Zudem dürfte es einen großen Unterschied machen, wie eingespielt ein Team vor der Corona-Krise war. [mehr]
PROD0000000000507172 1   |    20. April 2020Aktueller Kommentar 20. April 2020 Büromarkt nach der Corona-Krise Nur graduelle Ausweitung des „Homeoffices“ Die Corona-Krise wirft die Frage auf, ob die verstärkte Verlagerung von Ar- beitsplätzen ins Homeoffice letztlich die Nachfrage nach Büroraum reduziert. Je länger die Krise dauert, desto normaler und womöglich auch effizienter könnte sich die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Teams über die Dis- tanz hinweg gestalten. Jedoch gibt es in der Corona-Krise sehr unterschiedli- che Erfahrungen. Zudem dürfte es einen großen Unterschied machen, wie eingespielt ein Team vor der Corona-Krise war. 2020 Homeoffice-Ausweitung dämpft nur temporär die Nachfrage Die Zusammenstellung neuer Teams und auch die Einarbeitung neuer Mitar- beiter könnte über die Distanz hinweg eine Herausforderung darstellen. Ins- besondere direkt nach der Corona-Krise dürfte es einen hohen Kommunikati- onsbedarf sowohl seitens der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer geben. Deshalb gehen wir nur vereinzelt von einer Ausweitung von Homeoffice-Re- gelungen für das Jahr 2020 aus und erwarten keine unmittelbare Wirkung auf die Büronachfrage. Perspektivisch könnte Homeoffice an Bedeutung gewinnen Bereits im März des Jahres 2020 und als Teil des Maßnahmenpakets der Bundesregierung konnten kleinere und mittlere Unternehmen Unterstützung für IT-Dienstleistungen zur Einrichtung von Homeoffice beantragen. Nach der Corona-Krise könnten Förderungen in diesem Bereich, womöglich sogar steu- erliche Anreize, noch an Bedeutung gewinnen. Um die Pendlerströme zu re- duzieren, könnte es im Hinblick auf das Erreichen unserer CO-Ziele hierfür eine breite politische Unterstützung geben. Homeoffice könnte auch deshalb an Bedeutung gewinnen, da in einigen Sektoren, in denen bisher Homeoffice kaum verbreitet war, wie beispielsweise im öffentlichen Sektor, die Corona- Krise die Digitalisierung von Arbeitsabläufen beschleunigt. 2   Autoren www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Jochen Möbert +49(69)910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49(69)910-31875 marc.schattenberg@db.com Büromarkt nach der Corona-Krise 2   |    20. April 2020Aktueller Kommentar Es gibt aber auch Gegenargumente. Viele Arbeitsplätze können aufgrund rechtlicher und regulatorischer Vorgaben nicht vollständig in die Heimarbeit verlegt werden. Auch wenn dies kein unüberwindliches Hindernis darstellt, belegen viele Umfragen unter Arbeitnehmern eine erhöhte gesundheitliche Belastung im Homeoffice. Arbeitnehmer vermissen insbesondere eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit. Auch strukturelle Gründe, wie der hohe An- teil des Verarbeitenden Gewerbes, könnten einer kräftigen Ausweitung des Homeoffice im Wege stehen. So haben Länder, in denen das Verarbeitende Gewerbe von geringerer Bedeutung ist, typischerweise eine höhere Homeof- fice-Quote. Deutschland hat im EU-27-Vergleich eine etwas unterdurch- schnittliche Quote, die über die letzten 30 Jahre sehr stabil war. Dabei gibt es nur geringe Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Der Anteil derjenigen, die manchmal oder regelmäßig im Homeoffice arbeiten, liegt bei rund 12% (EU-27: rund 14%). In den meisten Nachbarländern, allen voran der Nieder- lande mit einer Quote von 36%, liegt der Anteil höher. Die Abwägung aller aufgeführten Argumente spricht unseres Erachtens für eine graduelle Aus- weitung des Homeoffice in Deutschland. Der Zuwachs dürfte einige Zehntel Prozentpunkte pro Jahr betragen. Daher erwarten wir keinen großen Einfluss auf die Nachfrage nach Büroraum. Das „Social Distancing“ könnte die Fläche pro Bürobeschäftigten, die derzeit bei rund 23 Quadratmetern liegt, temporär sogar erhöhen. Bedingungen für ein Ende des Bürozyklus In den vergangenen zehn Jahren hätte die Homeoffice-Quote jährlich um rund 1 1/3%-Punkte zulegen müssen, um den durchschnittlichen jährlichen Zuwachs an Bürobeschäftigten von rund 100.000 in den 126 größten deut- schen Städten zu neutralisieren. Nach der Corona-Krise und einer wirtschaft- lichen Normalisierung könnte der benötigte Anstieg der Quote noch niedriger sein, wenn es entgegen unserer Erwartung zu einer deutlich geringeren Nachfrage nach Bürobeschäftigten käme. Viele der bereits begonnenen, aber noch nicht fertig gebauten Objekte würden dann wohl den Leerstand erhö- hen. Ausgehend von diesen Überlegungen könnte bereits eine kräftig stei- gende Homeoffice-Quote, zum Beispiel um mehr als 1%-Punkt pro Jahr, das Zyklusende im Büromarkt einläuten.     15-64jährige Beschäftigte im "Home- office" Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat 2018 "Homeoffice" vs. Verarbeiten- den Gewerbes Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, Weltbank Büromarkt nach der Corona-Krise 3   |    20. April 2020Aktueller Kommentar © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih- rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumen- ten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informa- tionszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollstän- digkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Er- laubnis zur Erbringung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäi- schen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten König- reich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securi- ties Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinfor- mation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.
7.4.5