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14. Dezember 2020
Die Pandemieentwicklung und das Impftempo bestimmen den Konjunkturverlauf, die Infektionsraten werden bis ins Frühjahr hoch bleiben. Im Sommer werden die Impfungen zu einer nachhaltigen Eindämmung der Pandemie führen. Die Konjunktur sollte ab Q2 an Fahrt aufnehmen, im Jahresdurchschnitt dürfte das BIP um 4,5% zulegen, nach einem Rückgang um 5,4% in 2020. Deutschland geht ins Superwahljahr 2021: Neben der Bundestagswahl stehen sechs Landtagswahlen an. Unser Baseline-Szenario ist eine schwarz-grüne Regierungskoalition, für deren Zustandekommen aber beide Seiten erhebliche Kompromisse eingehen müssen. Außerdem in dieser Ausgabe: Hochlaufphase für Impfungen hat begonnen, Welthandel und Exporte, privater Konsum, Arbeitsmarkt, Ausrüstungsinvestitionen, Wohnungsmarkt, öffentliche Finanzen, Inflation, deutsche Industrie, EZB-Geldpolitik. [mehr]
Microsoft Word - 2020.08_Ausblick_2021_SA_neu.docx Ausblick Deutschland    Pandemieentwicklung und Impftempo bestimmen den Konjunkturverlauf. Die In fektionsraten werden bis ins Frühjahr hoch bleiben. Im Sommer werden die Imp fungen zu einer nachhaltigen Eindämmung der Pandemie führen. Die Konjunk tur sollte ab Q2 an Fahrt aufnehmen, im Jahresdurchschnitt dürfte das BIP um 4,5% zulegen, nach einem Rückgang um 5,4% in 2020. Welthandel und Exporte werden im Winterhalbjahr einen Durchhänger erleben. Trotzdem dürften die deutschen Exporte im Jahresdurchschnitt um 10% stei gen. Privater Konsum mit Corona Double Dip. In Q4 2020 dürfte die Erholung pau sieren. Ab dem Sommer wird sich die Erholung des privaten Konsums fortset zen und zu einem Wachstum von 4,7% für das Gesamtjahr 2021 führen. Deutscher Arbeitsmarkt - robust dank massiver staatlicher Stütze. Die Erwerbs tätigkeit wird ihr Vorkrisenniveau nicht vor Mitte des Jahres 2022 erreichen. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 2021 auf 6,3% steigen. Ausrüstungsinvestitionen . Corona-bedingte Einschläge in die Bilanzen belasten die Investitionstätigkeit. Trotz eines kräftigen Anstiegs in 2021 werden die Inves titionen ihr Vor-Corona-Niveau wohl erst im Jahr 2022 erreichen. Wohnungsmarkt: Kein Ende des Booms. Nur geringer Einfluss der Corona Krise. Der Bausektor wächst im Jahr 2020 und 2021 solide. Öffentliche Finanzen im Corona-Abwärtsstrudel . Haushaltsdefizit (Gesamtstaat) in 2021 über 4% des BIP. Höhepunkt der Schuldenquote Ende 2021 bei 71,7%. Inflation: Normalisierung in 2021 . Wir erwarten, dass die Inflationsrate in den nächsten beiden Jahren auf 1,4% (2021) und 1,6% (2022) ansteigt. Deutsche Industrie: Corona-Verluste werden 2021 nur teilweise ausgeglichen . Die Industrieproduktion wird auch dank kräftiger Zuwächse in der Automobilferti gung real um etwa 8% anziehen Deutschland geht ins Superwahljahr 2021 . Neben der Bundestagswahl stehen sechs Landtagswahlen an. Unser Baseline-Szenario ist eine schwarz-grüne Re gierungskoalition, für deren Zustandekommen aber beide Seiten erhebliche Kompromisse eingehen müssen. Geldpolitik macht sich nochmal locker . Die EZB hat auf ihrer jüngsten Ratssit zung im Dezember die bestehenden Programme verlängert und erweitert. An gesichts der starken Zielverfehlung bei der Inflation kommt der Corona-bedingt erst im Jahr 2021 stattfindenden „Strategic Review" eine enorme Bedeutung zu. Man darf gespannt sein, ob die EZB wie die Fed ihr Inflationsziel anpasst. Autoren Stefan Schneider und Team Economics Research, Frankfurt Office Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen .................................................... 2 Corona-Konjunktur ....................................... 3 Impfungen: Hochlaufphase hat begonnen ... 6 Welthandel und Exporte über den Winter .... 8 Privater Konsum mit Corona Double Dip ... 11 Deutscher Arbeitsmarkt - robust dank massiver staatlicher Stütze ........................ 13 Ausrüstungsinvestitionen und sonstige Anlagen ...................................................... 16 Wohnungsmarkt: Kein Ende des Booms ... 19 Öffentliche Finanzen im Corona-Abwärts strudel ........................................................ 22 Inflation: Normalisierung in 2021 ................ 25 Deutsche Industrie: Corona-Verluste werden 2021 nur teilweise ausgeglichen ................ 28 Deutschland geht ins Superwahljahr 2021 . 32 Geldpolitik macht sich nochmal locker ....... 35 Eventkalender 2021 ................................... 38 Original in englischer Sprache: 10.12.2020 14. Dezember 2020 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 2 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2020P 2021P 2022P 2020P 2021P 2022P 2020P 2021P 2022P 2020P 2021P 2022P Euroland -7,4 5,6 4,4 0,3 0,8 1,1 1,8 2,5 2,5 -9,0 -6,0 -3,8 Deutschland -5,4 4,5 4,1 0,3 1,3 1,4 6,6 6,2 5,9 -6,4 -4,2 -1,4 Frankreich -9,7 6,6 4,5 0,5 0,8 1,3 -2,5 -1,5 -0,9 -10,8 -6,1 -3,4 Italien -9,1 5,5 4,3 -0,1 0,1 0,8 2,8 3,2 3,0 -11,5 -8,4 -7,4 Spanien -12,1 6,3 6,4 -0,3 0,0 0,7 2,0 2,8 2,8 -12,7 -8,9 -5,5 Niederlande -4,1 3,9 2,8 1,1 0,9 1,2 10,0 10,2 9,5 -7,0 -5,0 -2,8 Belgien -7,7 5,6 4,4 0,4 0,9 1,1 0,0 -0,1 -0,7 -11,4 -7,3 -6,1 Österreich -7,5 3,4 4,5 1,4 1,0 1,0 2,2 2,5 2,5 -10,0 -7,2 -3,3 Finnland -4,2 2,9 3,1 0,4 1,1 1,2 -0,2 -0,5 -1,0 -8,0 -5,5 -3,5 Griechenland -8,6 5,5 5,9 -1,4 -0,5 0,0 -7,4 -5,4 -4,2 -8,1 -5,3 -2,7 Portugal -8,5 5,1 4,6 -0,1 0,2 0,7 -1,3 -0,5 -0,5 -7,3 -4,5 -2,8 Irland -1,8 3,0 3,5 -0,5 0,0 0,2 5,0 7,5 10,0 -7,0 -6,0 -3,8 Großbritannien -11,3 4,6 4,5 0,9 1,7 1,6 -2,7 -4,5 -4,9 -19,5 -8,7 -5,5 Dänemark -4,1 3,5 2,5 0,4 1,0 1,2 6,7 6,8 7,0 -4,1 -2,6 -1,9 Norwegen -3,2 3,5 2,7 1,4 2,8 1,9 3,1 4,0 4,2 -1,8 2,0 4,1 Schweden -3,9 3,3 2,7 0,6 1,2 1,4 4,2 4,2 4,0 -5,6 -2,5 -1,5 Schweiz -4,9 3,7 2,3 -0,7 0,1 0,4 8,5 8,9 9,6 -4,5 -1,7 -0,7 Tschech. Rep. -6,3 3,9 4,3 3,2 2,3 2,5 1,1 0,3 0,1 -6,7 -6,3 -5,0 Ungarn -5,4 5,1 4,5 3,4 2,8 3,2 -0,8 -0,5 -0,5 -7,2 -5,8 -4,5 Polen -3,4 5,0 4,0 3,5 2,5 2,8 2,9 1,9 1,2 -4,8 -3,7 -3,3 USA -3,6 4,0 4,0 1,2 2,1 1,9 -3,1 -3,5 -3,5 -15,5 -9,5 -5,6 Japan -5,4 2,2 2,3 0,1 0,2 0,8 2,9 3,4 3,5 -14,4 -11,0 -6,5 China 2,2 9,5 5,6 2,6 1,5 2,3 2,0 1,6 1,4 -6,7 -4,0 -3,0 Welt -3,6 5,8 2,7 2,7 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB-Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2020 2021 2019 2020P 2021P 2022P Q1 Q2 Q3 Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 0,6 -5,4 4,5 4,1 -1,9 -9,8 8,5 -1,5 0,0 2,5 3,6 1,4 Privater Konsum 1,6 -6,2 4,7 4,9 -2,3 -11,1 10,8 -3,5 -0,5 4,0 5,0 0,8 Staatsausgaben 2,7 4,4 2,6 0,3 0,8 2,2 0,8 1,5 0,3 0,2 0,2 0,2 Anlageinvestitionen 2,5 -3,0 4,7 4,8 -0,4 -6,6 3,6 0,7 1,0 1,8 2,0 1,6 Ausrüstungen 0,5 -12,6 10,7 6,7 -7,0 -15,1 16,0 -1,0 2,0 3,0 4,0 3,0 Bau 3,8 2,2 1,8 3,3 5,1 -4,3 -2,0 1,8 0,5 1,5 1,0 0,8 Lager, %-Punkte -0,7 -1,3 -1,3 -0,2 0,0 -0,1 -2,0 0,0 -0,1 -0,1 -0,1 0,0 Exporte 1,0 -10,5 11,0 8,1 -3,3 -20,5 18,1 -0,6 -1,4 9,1 5,0 3,0 Importe 2,6 -9,3 8,1 7,6 -1,9 -15,9 9,1 -0,4 -1,8 10,1 4,2 2,0 Nettoexport, %-Punkte -0,6 -1,1 1,8 0,7 -0,8 -2,9 3,9 -0,1 0,1 0,1 0,6 0,6 Konsumentenpreise (VPI)* 1,4 0,5 1,4 1,6 Arbeitslosenquote, % 5,0 5,9 6,3 5,9 Industrieproduktion** -4,2 -11,0 8,0 6,0 Budgetsaldo, % BIP 1,5 -6,4 -4,2 -1,4 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 59,6 70,1 71,7 68,7 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,1 6,6 6,2 5,9 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 267,1 221 215 212 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB-Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 3 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Corona-Konjunktur Bevor seriöse Prognostiker einen Ausblick für das kommende Jahr erstellen, sollten sie erst einmal schauen, was sie vor 12 Monaten vorhergesagt haben und was davon tatsächlich eingetreten ist. Wie so oft ist das Ergebnis dieser Übung auch dieses Mal ernüchternd. Unser Jahresausblick für 2020 stand unter der Überschrift: „Vorsicht, zerbrechlich!" Damals befürchteten wir vor allem, dass die Erholung des Welthandels nach dem Kontraktionsjahr 2019 schwächer ausfallen könne als weithin erwartet, was wiederum Risiken für die deutsche In dustrie und die Investitionsausgaben mit sich gebracht hätte. Nun ja - vier Monate nach Jahresbeginn verzeichneten wir einen Rückgang des Welthandels um 16% gg. Vj. und einen Einbruch der Exportaufträge in der deut schen Industrie um rund 30% gg. Vj. Rund um die Welt befanden sich zahlrei che Länder im ersten je verhängten Lockdown, der die ungebremste Ausbrei tung des COVID-19-Virus verhindern sollte. Wie Scott Sagan in „Limits to Sa fety" so richtig schrieb, geschieht regelmäßig etwas, was es so noch nie zuvor gegeben hat. Nichtsdestotrotz wäre der Schluss allzu naiv, dass Makroprognosen wegen des - leider nicht ganz so seltenen - Auftretens von „schwarzen Schwänen" ohne hin zum Scheitern verurteilt sind. Sowohl jeder Einzelne von uns als auch ganze Gesellschaften waren und sind während der immer noch andauernden Pande mie mit Unsicherheiten konfrontiert. Dies hat klar gezeigt, dass wir Strukturen brauchen - sei es für das Funktionieren unserer Gesellschaft, sei es auch in un serem eigenen Leben. Gesellschaften sind ihrerseits dynamische Systeme, so dass der Begriff „Strukturen" in diesem Zusammenhang auch die Erwartungen für die Zukunft umfasst, auf denen das politische Handeln und die politischen Strategien basieren. Insofern lautet die Lehre für uns: Größere Sorgfalt ist so wohl bei der Erstellung von als auch im Umgang mit Prognosen geboten, und wir müssen deutlich machen, dass sie zum einen von ausdrücklich formulierten Annahmen und zum anderen (und insbesondere) von einer großen impliziten Annahme abhängen, nämlich, dass es darüber hinaus nicht zu größeren Zwi schenfällen kommt. Sinkende Infektionsraten bei steigenden Temperaturen und hohem Impftempo Wie bereits im Jahr 2020 wird die wirtschaftliche Entwicklung auch im Jahr 2021 vom Verlauf der Pandemie abhängen. Insbesondere in H1 wird das Quar talsprofil von zwei miteinander zusammenhängenden Pandemie-bezogenen Faktoren bestimmt werden: i. der Infektionsrate und der Zahl der Infizierten, die im Krankenhaus behan delt werden müssen, ii. der Zahl der wöchentlichen Impfungen, mit denen eine Herdenimmunität er reicht werden soll. Da beide Faktoren mit hohen Unsicherheiten behaftet sind und - wie wir gese hen haben - kaum zu prognostizieren sind, müssen wir auf Annahmen zurück greifen. Ungeachtet der anhaltenden Einschränkungen, die für eine soziale Dis tanzierung sorgen sollen, dürften die Infektionsraten schlicht aufgrund der un günstigen Jahreszeit über weite Strecken des Q1 nicht deutlich sinken. So ha ben die seit dem 2. November bestehenden Maßnahmen des sogenannten „Lockdown Lite" nur zu einer vorübergehenden Stabilisierung der Neuinfektio nen geführt. Seit dem ersten Dezemberwochenende steigen diese aber wieder Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 4 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    und lagen zuletzt um rund 5.000 über den Werten der Vorwoche. Am 13. De zember haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder be schlossen, den Lockdown bis zum 10. Januar zu verlängern (wie bereits am 2. Dezember vereinbart), über die Weihnachtsfeiertage im Bereich der privaten Kontakte nur in sehr begrenztem Umfang zu lockern und für Silvester sogar ein bundesweites An-/Versammlungsverbot zu verhängen. Vom 16. Dezember bis zum 10. Januar werden überdies die Geschäfte des Einzelhandels, mit Aus nahme von u.a. Lebensmittelhandel, Reformhäusern, Apotheken, Optiker-Werk stätten, Poststellen und Banken, geschlossen. Dienstleistungsbetriebe der nicht-medizinischen Körperpflege werden ebenfalls geschlossen. Unternehmen werden gebeten, in diesem Zeitraum Betriebsferien zu machen oder großzügig Homeoffice zu ermöglichen. Schulen bleiben in diesem Zeitraum geschlossen bzw. es besteht keine Präsenzpflicht. Der Bund hat angekündigt, die betroffe nen Unternehmen und Beschäftigten weiterhin finanziell zu unterstützen. Die Hoffnung ist, dass mit diesem intensiveren Lockdown die Infektionszahlen deutlicher gesenkt werden können. Allerdings erwarten wir, dass nicht zuletzt wegen der ungünstigen Jahreszeit das Ziel von unter 50 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern (etwa 6.000 pro Tag) bis zum Frühjahr nicht erreicht werden wird. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass sich die Zahl der Neuin fektionen pro Tag in einem Korridor von 10.000 - 20.000 einpendelt und eine weitere Verlängerung zumindest von einigen der aktuellen Maßnahmen über den 10. Januar hinaus erforderlich macht. In Bezug auf das Impftempo sind wir in den vergangenen Wochen vorsichtig optimistischer geworden. Nach jüngs ten, vorsichtigen Kommentaren der Bundeskanzlerin (Spiegel Online, 7. Dezem ber 2020), dem Leiter der Ständigen Impfkommission Mertens (Deutschland funk, 7. Dezember 2020) und anderer Epidemiologen sieht es so aus, als werde so etwas wie eine Herdenimmunität frühestens zur Jahresmitte erreicht. In den ersten Wochen/Monaten könnte es noch zu Problemen kommen (vgl. den fol genden Beitrag „Impfungen: Hochlaufphase hat begonnen"). Impfungen redu zieren das Infektionsrisiko für die geimpfte Person unmittelbar, werden den Ver lauf der Pandemie aber nur allmählich verlangsamen. Daher ist bisher zumin dest für den Anfang des zweiten Quartals nicht ohne Weiteres davon auszuge hen, dass die Einschränkungen gelockert werden können. BIP-Profil hängt vom Pandemieverlauf ab Angesichts dieser Unsicherheitsfaktoren hängen die BIP-Prognosen für die ein zelnen Quartale ganz offensichtlich wesentlich vom Pandemieverlauf ab. Mit Blick auf den guten Start ins vierte Quartal (Industrieproduktion: +3,2% gg. Vm.; Einzelhandelsumsätze: +2,6%) dürfte sich der BIP-Rückgang in Q4, trotz der aus der Verschärfung des Lockdowns resultierenden stärkeren Verluste des Präsenzhandels beim Weihnachtsgeschäft, wohl in dem von uns erwarteten Be reich - 1 ½% gg. Vq. (Konsens: -0,5%) - bewegen. Derzeit ist die Wahrschein lichkeit eher gering, dass der Lockdown früh genug gelockert wird, um das Wachstum bereits in Q1 zu beflügeln. Daher rechnen wir für Q1 mit einem stag nierenden BIP, zumal auch ein Brexit ohne ein „Mini-Abkommen" täglich wahr scheinlicher wird. Im weiteren Jahresverlauf könnte sich die Stimmung verbes sern, wenn die Hoffnung aufkommt, dass die Impfstoffe die Konjunktur ankur beln und auch das Leben der Menschen erleichtern - auch wenn sich dies in den tatsächlichen Infektionsraten womöglich nur sehr langsam niederschlägt. Auch die saisonalen Faktoren sollten dazu beitragen, dass sich die Aussichten für den Verlauf der Pandemie ab dem Frühjahr verbessern dürften. Das Wachs tum dürfte sich dann beleben. Insgesamt erscheint eine Erholung des BIP um rund 4 ½% nach einer Kontraktion um 5 ½% realistisch. Das BIP würde sein Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 5 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Vor-Pandemie-Niveau dann in Q3 überschreiten. 2022 könnte die Wachstums rate mit 4% deutlich über dem Potenzial liegen. Komplexe Systeme sind „emergent" Zu den typischen Eigenschaften von hochgradig komplexen Systemen wie Ge sellschaft oder Wirtschaft gehört es, dass sie emergent sind, dass sich also die Struktur des Systems aufgrund der Vorgänge im System selbst oder aufgrund des Verhaltens wichtiger Bestandteile des Systems (Parteien, Menschen, Inte ressengruppen) weiterentwickelt. Nur allzu häufig wurde nach dramatischen Er eignissen wie den Anschlägen vom 11. September oder der globalen Finanz krise der Jahre 2008/2009 mit dauerhaften Veränderungen von Gesellschaft oder Wirtschaft gerechnet. Im Rückblick ist jedoch zumeist nicht allzu viel ge schehen. Derzeit überlegen und diskutieren wir darüber, wie wir künftig leben, konsumie ren und unseren Urlaub verbringen werden und wie und wo wir arbeiten wer den. Sowohl jeder einzelne als auch die Gesellschaften insgesamt diskutieren, ob sie weniger selbstbezogen und solidarischer handeln sollten. Durch die mas siven Unterstützungsleistungen des Staates an die Bürger und (in bisher unge kanntem Umfang) für Unternehmen aller Arten und Größen hat sich das Verhält nis zwischen Marktwirtschaft und Staat deutlich zugunsten des Staates verscho ben. Nicht wenige scheinen der Auffassung zu sein, dass man diesen Weg wei ter verfolgen solle, zumal unsere Gesellschaft vor beträchtlichen Herausforde rungen steht; man denke nur an den Klimawandel, die Digitalisierung oder die Alterung der Bevölkerung. Manche erwarten sogar, dass COVID-19 zu einer größeren (fiskalpolitischen) Einheit in der EU führen könne. Sie sehen den Wie deraufbaufonds der EU als ersten Schritt auf diesem Weg an und hoffen, dass dadurch ein stärkeres politisches Mandat für die EU entstehen wird. Gleichzeitig nutzen Gruppen, die dem politischen Weg Deutschlands in den vergangenen ein bis zwei Jahrzehnten kritisch gegenüberstehen, COVID-19 für ihre Zwecke, und attackieren die Regierung und ihre Bemühungen, die Pandemie unter Kon trolle zu bekommen, auf das Schärfste. Einige kleinere Gruppen sehen in der Pandemie sogar die Möglichkeit, ihre latente Ablehnung des gesamten politi schen Systems endlich lautstark zu artikulieren. Die Proteste sind radikaler und zum Teil sogar gewalttätig geworden. Gleichzeitig hat sich in zahlreichen Teilen der Gesellschaft ein rauerer und intoleranterer Ton in den Diskussionen festge setzt. Keine Beruhigung der Gemüter im Wahljahr Der erwartete Wirtschaftsaufschwung dürfte diese Entwicklungen nicht been den, zumal die Diskussion darüber, wer für die COVID-19-bedingten Staatsaus gaben aufkommen soll, gerade erst begonnen hat. Im Vorfeld der Bundestags wahlen im September könnte daher eine sehr viel breitere und hitzigere öffentli che Diskussion stattfinden. Nach 16 Jahren unter Bundeskanzlerin Merkel und insgesamt 12 Jahren in einer großen Koalition suchen CDU und SPD noch nach ihren künftigen Positionen. Und auch die Grünen, die hoffen, in der nächsten Regierung eine bedeutsame Rolle zu spielen, müssen konkret darlegen, wie sie ihre sehr ehrgeizigen und teuren Pläne für einen Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft tatsächlich umsetzen wollen. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 6 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Impfungen: Hochlaufphase hat begonnen In Deutschland hat der flächendeckende Aufbau von Impfzentren begonnen. Es ist sinnvoll, Impfungen in solchen Zentren durchzuführen, weil die Logistik rund um den Impfprozess anspruchsvoll ist (Kühlung der Impfstoffe) und Größenvor teile erzielt werden können, wenn Personal und die notwendige Ausrüstung konzentriert sind. Laut Medienberichten werden mehr als 400 solcher Zentren errichtet. Die Bundesländer sind hierfür verantwortlich. Im Detail unterscheiden sich die Ansätze der einzelnen Staaten in Abhängigkeit von der jeweiligen Be völkerungsdichte und Siedlungsstruktur. Allerdings wollen alle Bundesländer ausreichende Kapazitäten schaffen, um einen möglichst großen Teil der lokalen Bevölkerung so schnell wie möglich zu impfen. Ab Anfang 2021 dürften die ersten Impfungen vorgenommen werden können. Nicht in jedem Impfzentrum wird von Beginn die volle Kapazität verfügbar sein. Allerdings erwarten wir nicht, dass sich die physische Infrastruktur zu einem ernsthaften Engpass für den Impfprozess entwickeln wird. Vielmehr dürfte die Verfügbarkeit von Impfstoffen der limitierende Faktor in den ersten Wochen von 2021 sein. Daher umfasst die deutsche „Nationale Impfstrategie COVID-19" eine gezielte Priorisierung, die auf epidemiologischen und ethischen Kriterien basiert. Bestimmte Personengruppen sollen vorrangig geimpft werden. Dazu zählen Mitarbeiter in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Letztlich geht es also um Per sonen, die selbst ein hohes Risiko haben, schwer zu erkranken oder die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Sobald mehr Impfstoffe verfügbar sind, könnten das medizinische Personal so wie Hilfskräfte in den Impfzentren zu einem Engpass werden. Dies gilt vor allem für Ärzte, denn jeder Impfung muss eine verpflichtende medizinische Beratung durch einen Arzt vorausgehen. Um Engpässe zu vermeiden, werden derzeit pensionierte Ärzte angesprochen, um bei den Beratungen in den Impfzentren zu helfen. Mehr als 12 Millionen Impfungen pro Monat möglich Unter der Annahme, dass in jedem Impfzentrum etwa 1.000 Impfungen pro Tag vorgenommen werden können (die geplante Kapazität ist bei einigen Zentren deutlich größer) und dass die Zentren an sieben Tagen die Woche geöffnet sind, sind mehr als 12 Mio. Impfungen pro Monat in Deutschland möglich. Diese Zahl wird wahrscheinlich noch nicht im Januar oder Februar erreicht. Gleichwohl werden zusätzliche Impfungen durch mobile Impfteams und in Arztpraxen be deutsamer, sobald Impfstoffe verfügbar sind, die leichter zu transportieren und zu lagern sind (z.B. keine Kühlung notwendig). Letztlich wird deutlich, dass es eine realistische Chance gibt, dass ein ausreichend hoher Anteil der Bevölke rung schon bis Sommer 2021 immunisiert werden kann (selbst wenn man be rücksichtigt, dass manche Impfstoffe verabreicht werden müssen). Her denimmunität kann erreicht werden, wenn etwa 60% der Bevölkerung geimpft sind. Solche Perspektiven wurden noch vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss sich die Effektivität der Impfstoffe in der Praxis bestätigen (gerade auch bei Risikogruppen) und natürlich muss die Impfbereitschaft in der Bevölkerung ausreichend groß sein. Unterschiedliche Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung grundsätzlich bereit ist, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Wir erwarten, dass dieser Anteil noch steigt, sobald sich (hoffentlich) herausstellt, dass die Nebenwirkungen der Impfung harmlos sind. Es ist natürlich klar, dass Rückschläge bei der Impfstoff herstellung und -verteilung, der Impflogistik oder der Dauer einer Immunisierung Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 7 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    bei geimpften Personen nicht ausgeschlossen sind. Solche Rückschläge wür den den Weg Richtung Herdenimmunität verlängern. Folgt also eine rasche Rückkehr zur Normalität? Nicht so schnell! Experten rechnen damit, dass eine gewisse Zeit vergeht, bis sich eine steigende Zahl an Impfungen positiv auf das Infektionsgeschehen auswirken wird. Daher dürfte die Politik vorerst weiter vorsichtig agieren. Eine umfangreiche Lockerung von Maß nahmen wie Abstandhalten, Maskenpflicht in bestimmten Bereichen oder das Einhalten von Hygienemaßnahmen ist nicht wahrscheinlich, bevor die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesunken ist. Erinnern wir uns daran, dass die Masken pflicht im Sommer 2020 beibehalten wurde, als die 7-Tage-Inzidenz unter 10 lag. Die Rücknahme von einschränkenden Maßnahmen wird sich schrittweise über mehrere Wochen oder Monate hinziehen. Eine schnelle und komplette Öff nung aller Sektoren, die aktuell vom Lockdown betroffen sind, ist unwahrschein lich. Positiv ist jedoch, dass die wärmere Witterung ab dem 2. Quartal als Ver bündeter der Impfungen dazu beitragen dürfte, die Zahl der Neuinfektionen nach unten zu drücken. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 8 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Welthandel und Exporte über den Winter … - Emerging Markets gewinnen an Bedeutung für die Exportindust rie. - Welthandel und Exporte legen über das Winterhalbjahr eine Ver schnaufpause ein. - Viele Argumente sprechen für den Ausbau kontinentaler zulas ten globaler Wertschöpfungsketten. Der historische Wirtscha ftseinbruch im Frühjahr führte zum Zusammenbruch von Wertschöpfungsketten. Die europäische Autoproduktion stand in weiten Teilen still. Lieferschwierigkeiten gab es aber auch bei Alltagsprodukten und Medikamenten. Der reale Welthandel brach von Januar bis Mai 2020 gegenüber Ende 2019 um rund 19% ein. Auf den massiven Einbruch folgte eine fast ebenso rasante Gegenbewegung, wodurch der Welthandel aktuell nur noch 2% unter dem Niveau am Jahresende 2019 liegt. Angesichts der erneuten Lock downs über das Winterhalbjahr in der nördlichen Hemisphäre dürfte die Erho lung weniger kräftig ausfallen als dies einige Vorlaufindikatoren am aktuellen Rand anzeigen. Im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Jahr 2019 dürfte der Einbruch aber bei „nur" rund 6% liegen. Dies ist im Vergleich zum Tiefpunkt im Frühjahr eine positive Entwicklung. Auch ist dies ein geringerer Einbruch als während der Finanzkrise. Damals gab der Welthandel im Jahresdurchschnitt um mehr als 12% nach. Trotz der erneuten Lo ckdowns in der westlichen Welt er warten wir, dass der Welthandel von Okt ober bis März lediglich um 2% fallen wird. Zum einen ist das Infektionsgeschehen im asiatischen Raum und auf der südlichen Halbkugel relativ mild. Zum anderen sind die globalen Wertschöp fungsketten aktuell sehr robust. Ab April erwarten wir eine kräftige wirtschaftli che Erholung. Im Durchschnitt über da s Jahr 2021 würde unserer Prognose nach der Welthandel dann um mehr als 7% zulegen. … erneut rückläufig, gefolgt von einer kräftigen Erholung Im Jahr 2020 brachen die deutschen Güte rexporte noch massiver als der Welt handel ein (siehe Grafik 2). Sowohl die nominalen als auch die realen Güterex porte fielen von Januar bis April um mehr als 30%. In der Folge erholten sich die Warenexporte im Einklang mit dem Welthandel sehr stark. Infolgedessen erwar ten wir im Jahresdurchschnitt 2020 ein Minus von etwas mehr als 10% (wobei die Exportpreise aufgrund der einbrechenden Rohölpreise um rund 1% fallen sollten). Diese Prognose berücksichtigt eine erneute Kontraktion der nominalen Exporte von Oktober bis März um fast 4%. Zu diesem Rückgang tragen die Län der, die von der zweiten Corona-Welle besonders betroffen sind, stärker bei. Die erwartete dynamische Erholung ab de m zweiten Quartal 2021 lässt die nomina len und realen Exporte im Jahresdurchschnitt dann aber um rund 10% anstei gen. Damit wird am Ende des Jahres 20 21 das Vorkrisenniveau nahezu erreicht sein. Eine noch kräftigere Erholung verhindert auch die erwartete Aufwertung 2019-2021 Gesamtwirtschaftliche Prognose 3 Variable 2019 2020 2021 Nominale Warenexporte, in % gg. Vj. 0,8 -11,8 9,8 Reale Exporte, in % gg. Vj. 1,0 -10,5 11,0 Reale Importe, in % gg. Vj. 2,6 -9,3 8,1 Nettoexporte, in %-Punkten -0,6 -1,1 1,8 (Wachstumsbeitrag zum BIP) Quelle: Deutsche Bank Research -20 -11 -2 7 37 43 49 55 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Globaler PMI Welthandel (rechts) Welthandel vs. globaler PMI und US Einkaufsmanagerindex: ISM 1 linke y-Achse: Index<50 Kontrak., >50 Expansion rechte y-Achse: % gg. Vj. Quellen: IHS Markit , ISM, CPB, Deutsche Bank Research -40 -30 -20 -10 0 10 19 20 Welt Deutschland Jan 2019 - Sep 2020: Realer Welthandel und reale Güterexporte 2 in % gg. Vj. Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 9 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    des Euros. Wir prognostizieren einen Eu rokurs gegen den US-Dollar am Jahres ende 2021 von 1,25 und gegen Pfund Sterling von 0,95 (Annahme: Handelsab kommen zwischen EU und UK. Andernfalls könnte das Pfund noch kräftiger ab werten). Im Jahresdurchschnitt wertet der Euro gegen beide Währungen um rund 6% auf. Die Exportelastizität liegt unseren Modellen nach bei 2/3, wodurch die Exporte in die USA und nach UK um rund 4% weniger zulegen als ohne diese Abwertungen. Aufgrund des relati v guten globalen Wirtschaftsausblicks - insbesondere das BIP-Wachstum in China könnte fast zweistellig zulegen - dürfte das Export- das Importwachstum im Jahr 2021 übertreffen. Daher prog nostizieren wir, nach dem negativen BIP Wachstumsbeitrag der Nettoexporte im Jahr 2020 von -1,1%-Punkten, ein Plus von 1,8%-Punkten für das Jahr 2021. Marktanteile: Nachfrage der Emerging Markets bleibt relativ hoch Die Corona-Krise verstärkt einen Trend der letzten Jahre: Die Emerging Markets gewinnen an Bedeutung. Dies gilt in Asien vor allem für China und Korea und in Europa vor allem für die Nachbarstaaten Polen und Tschechien, wobei die Grenzen zwischen Emerging Markets und entwickelten Volkswirtschaften zu nehmend verschwimmen. In der Rangliste der wichtigsten Absatzmärkte gibt es daher einige Verschiebungen. Die USA bleiben aber mit einem Marktanteil von 8,5% der wichtigste Markt im Jahr 2020 (2019 noch fast 9%). Zu dem kräftigen Anstieg auf über 9% im Jahr 2021 dürfte aber nicht nur die relativ robuste US Wirtschaft beitragen, sondern auch die neue US-Regierung. Zum einen über die Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, zum anderen über eine Stär kung der WTO. Insbesondere im Hinblick auf die Streitschlichtung zwischen Handelspartnern könnte dies zu einem Abbau der hohen politischen und wirt schaftlichen Unsicherheit weltweit beitragen. China gewinnt im Jahr 2020 an Be deutung und ist nun der zweite wichtigste Absatzmarkt vor Frankreich. Es dürfte diese Position weiter ausbauen. Der Ex portanteil der Niederlande erhöhte sich im Jahr 2020 auf über 7%. Die Exporte nach UK gehen das fünfte Jahr in Folge zurück und zwar von fast EUR 90 Mrd. im Jahr 2015 auf rund EUR 65 Mrd. im Jahr 2020. Dadurch fällt der Marktanteil von 7,5% im Jahr 2015 auf 5,4%. Auch bei einem weichen Brexit - also ohne die Einführung von WTO-Regeln und da mit einem kräftigen Anstieg der Zölle - könnten die Briten in der Rangliste im Jahr 2021 weiter abrutschen. Sogar di e Schweiz mit einem Exportanteil von 4,8% im Jahr 2020 auf Rang 9 könnte im Jahr 2021 für die deutsche Exportin dustrie wichtiger werden als UK. Polen ist im Jahr 2020 um zwei Plätze auf Rang 6 vorgerückt und liegt damit erstmals vor Italien und Österreich, die auf Rang 7 und 8 folgen. Unverändert liegt Belgien auf Rang 10. Tschechien auf Rang 11 im Jahr 2020 hat Spanien überholt. Auch der Vergleich von Regionen zeigt deutliche Verschiebungen zugunsten der Emerging Markets. Auf alle Vise grád-Staaten zusammen entfallen im Jahr 2020 zum ersten Mal mehr Exporte als auf die (nord- und süd-)amerikanischen Länder. Bereits vor der Corona Krise übertrafen die Exporte in die Visegrád-Staaten die Exporte nach Südeu ropa. Die Marktanteile der asiatischen Märkte erhöhen sich vor allem dank China und Südkorea im Corona-Jahr weiter, während der Anteil der Exporte in die amerikanischen Länder se it Jahren seitwärts läu ft. Der Abschluss im No vember des RCEP-Handelsabkommens (Regional Comprehensive Economic Partnership) zwischen 15 Ländern im pazifischen Raum impliziert vermutlich weitere positive Impulse für die Exporte nach Asien. 2019-2021 Rangliste der Exportanteile in % der gesamten Warenexporte 4 Rang Land 2019 2020 2021 1 US 8,9 8,5 9,3 2 CN 7,2 7,8 8,4 3 FR 8,0 7,6 8,2 4 NL 6,9 7,1 7,2 5 UK 6,0 5,6 5,3 6 PL 5,0 5,3 5,5 7 AT 5,0 5,0 5,2 8 IT 5,1 5,0 5,0 9 CH 4,2 4,8 4,9 10 BE 3,5 3,6 3,5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 2019-2021: Warenexporte Wachstum in % gg. Vj. 5 Regionen 2019 2020 2021 Welt 0,8 -11,8 9,8 Europa 0,3 -11,6 9,3 Amerika 4,2 -17,3 11,1 Asien 0,7 -7,8 10,1 Land US 4,7 -14,7 17,5 CN 3,2 -1,3 13,4 FR 1,1 -16,6 17,4 NL 0,5 -12,5 13,3 UK -3,6 -17,6 9,1 PL 3,9 -5,4 7,7 AT 1,6 -11,2 13,8 IT -2,8 -13,3 9,6 CH 4,3 -2,8 4,1 BE 4,3 -10,1 8,7 ES 0,1 -17,8 16,6 CZ 0,5 -13,8 15,5 SE -4,9 -12,3 11,7 RU 2,6 -13,8 10,4 HU 2,8 -11,2 11,4 TY 2,2 2,2 5,0 JP 1,1 -17,8 9,5 DK -4,2 -3,9 8,6 KO 0,0 1,7 5,7 RO 3,6 -10,3 12,3 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 10 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Perspektivisch kontinentale st att globaler Wertschöpfungsketten Die deutsche Exportindustrie ist intensiv in globale Wertschöpfungsketten ein gebettet. Aufgrund der relativ hohen nationalen Arbeitskosten, Unternehmens steuern, Strompreise und auch aufgrund der ehrgeizigen deutschen Klimaziele reduzierten Produktionsverlagerungen in der Vergangenheit die Kosten der Un ternehmen. Die Corona-Krise hat erneut die Risiken aufgezeigt, die mit dieser auf Effizienz getrimmten globalen Produk tion einhergehen. Unserer Einschät zung nach dürften kontinentale Wertsc höpfungsketten die globale Produktion auf lange Sicht teilweise ersetzen. Die Polit ik dürfte in Zukunft vermehrt Anreize setzen, um eine krisenfeste Grundversor gung zu garantieren. Im Corona-Fiskal paket wurden Mittel bereitgestellt, um wichtige Medikamente und pharmazeuti sche Erzeugnisse wieder im Heimatmarkt zu produzieren. Das im Koalitionsver trag vereinbarte, aber aufgrund der Wirtschaftskrise umstrittene Lieferkettenge setz könnte im Jahr 2021 verabschiedet werden. Dies würde die Unternehmen zwingen, die Produktion der Vorleistungs güter im Hinblick auf Arbeitsbedingun gen und Umweltstandards zu kontrollieren. Eine strenge, im Lieferkettengesetz verankerte Kontrollpflicht dürfte im europäischen Sprach-, Rechts- und Kultur raum leichter umzusetzen sein als zum Beispiel in asiatischen Märkten. Folglich könnte dieses Gesetz kontinentale zula sten globaler Wertschöpfungsketten at traktiver machen. In diesem Kontext kö nnten auch verschärfte Klimaziele und die Einführung einer „Carbon-Border-Adj ustment"-Steuer durch die EU, wie von Kanzlerin Merkel und Präsident Macron im Sommer 2020 gefordert, Produkti onsstandorte nach Europa zurückverlag ern. Geopolitische Überlegungen und insbesondere der wohl auch unter einer Biden-Administration weiter schwe lende Konflikt zwischen den USA und China, betreffend die geopolitische Vor herrschaft im pazifischen Raum unterm auern diese Überlegungen. Neben die ser politischen Perspektive sprechen auch privatwirtschaftliche Anreize für konti nentale Wertschöpfungsketten. Die Corona -Krise hat die Notwendigkeit aufge zeigt, Produktionsprozesse auf potenzielle Ausfälle abzuklopfen. Nimmt wie vom internationalen Klimarat erwartet die Zahl der Naturkatastrophen zu, dann vermindern im Krisenfall mehrere kont inentale Produktionsketten das unterneh merische Risiko. Gewinnen kontinentale Wertschöpfungsketten tatsächlich an Bedeutung, dann dürften hiervon insbesondere osteuropäische Standorte Was spricht für die Stärkung kontinentaler Wertschöpfungsketten? 8  Bessere Risikostreuung: mehrere Produk tionsstandorte/Wertschöpfungsketten  Kontrollgewinn durch räumliche Nähe  Kontrollpflichten gemäß Lieferkettengesetz (Umweltstandards & Arbeitsbedingungen)  Reduktion des CO 2 -Ausstoßes  US vs. China: Handelskonflikt und geopoli tische Vorherrschaft im pazifischen Raum 4 8 12 16 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Südeuropa Visegrád Nord- und Südamerika in % der gesamten Warenxporte Exportanteile im Warenverkehr 6 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 4 8 12 16 20 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Asien Nord- und Südamerika in % der gesamten Warenxporte Exportanteile im Warenverkehr 7 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 11 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    innerhalb der EU und potenzielle Beitrittskand idaten profitieren. Die Exporte in diese Länder würden dann wohl überproportional zunehmen. Wenngleich sol che Entwicklungen sich eher langfristig vollziehen, stehen mit dem Lieferketten gesetz und der Bundestagswahl im Jahr 2021 wichtige Weichenstellungen an. Leistungsbilanzüberschuss in we nigen Jahren unter 6% des BIP Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte im Jahr 2020 auf rund 6,6% des BIP fal len. Dies ist der fünfte jährliche Rückgang in Folge (Maximum im Jahr 2015 bei 8,6%). Wir erwarten für das Jahr 2021 eine Fortsetzung dieses Trends und ei nen Rückgang auf 6,2%. Deutschland trägt unter den großen Ländern also wei terhin besonders stark zu den globalen Ungleichgewichten bei, was jedoch eine Entscheidung von Millionen einzelner Wirtschaftssubjekte im In- und Ausland und nicht das Ergebnis einer industriepolitischen Strategie ist. Auch in den Folgejahren dürften die Überschüsse weit er abschmelzen. Wir erwarten für das Jahr 2022 einen weiteren Rückgang auf 5,9%. Damit würde Deutschland zum ersten Mal seit dem Jahr 2010 unter die 6%-Schwelle fallen, die laut der makro ökonomischen Vorgaben der EU ein Indiz für ein gesamtwirtschaftliches Un gleichgewicht ist. Die demografische Entwicklung impliziert auch in den Folge jahren weitere Rückgänge, wodurch dieses Thema zunehmend an Relevanz verlieren dürfte. Ein kompletter Abbau der Überschüsse dürfte aber auch auf grund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit einiger europäischer Handelspartner, auf die typischerweise etwas mehr als die Hälfte des Überschusses entfällt, noch viele Jahre dauern. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Privater Konsum mit Corona Double Dip - Die Corona-Pandemie und vor allem der erste Lockdown im Frühjahr führ ten bei den privaten Konsumausgaben in Q2 zu einem historischen Ein bruch von -11,1% gg. Vq. Im Gegensatz zur globalen Finanzmarktkrise 2009 konnte der private Verbrauch kein kurzfristiger Stabilitätsanker sein. In Q4 2020 dürfte die Erholung infolge des Lockdown Lite pausieren. - Mit der breiten Verfügbarkeit eines Impfschutzes dürfte im Sommerhalbjahr 2021 eine erneute kräftige Erholung de s privaten Konsums einsetzen und zu einem Wachstum von 4,7 % für das Gesamtjahr führen. Das Vorkrisen niveau könnte dann wieder Anfang 2022 erreicht werden. Die Corona-Pandemie und vor allem der erste Lockdown im Frühjahr führten bei den privaten Konsumausgaben in Q2 zu einem historischen Einbruch von -11,1% gg. Vq. Im Gegensatz zur globalen Finanzmarktkrise 2009 konnte diese Verwendungskompone nte kein kurzfristiger Stabilit ätsanker sein. Starke Ein schränkungen im stationären Handel und bei konsumnahen Dienstleistungen sowie allgemeine Vorsicht vieler Bürger ließen die Sparquote auf einen Rekord wert von 21,1% hochschießen. Gleichwohl wurden die Haushaltseinkommen durch eine massive Ausweitung staatlich er Maßnahmen gestützt. Dazu zählen vor allem der vereinfachte Zugang zur Kurzarbeit oder Hilfen für Soloselbststän dige. Auf die Lockerung der Hygieneregel n folgte eine rasante Erholung des pri vaten Konsums (Q3: 10,8% gg. Vq.). Mi t der Auflösung des Konsumstaus fiel die Sparquote in Q3 auf 16,2%, liegt damit aber immer noch über ihrem langjäh rigen Durchschnitt von 10,5%. -3 0 3 6 9 60 70 80 90 00 10 20 1960-2023 Leistungsbilanz 9 in % des BIP Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt -10 -6 -2 2 6 10 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 18 19 20 GfK Konsumklima, Vo rlauf 1M (links) Einzelhandelsumsatz (rechts) Index gleit. 3M-Durchschn., % gg. Vj. Verbrauchervertrauen deutet auf nachlassende Einzelhandelsumsätze hin 10 Quellen: GfK, Statistisches Bundesamt Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 12 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Dennoch reagiert das Konsumklima nach wie vor empfindlich auf erneut zuneh mende Infektionszahlen und ist gegen Ende des Jahres deutlich eingetrübt. Mit der zunehmend kritischen Beurteilung de r wirtschaftlichen Entwicklung sinken auch die Einkommenserwartungen. Die So rge um die Sicherheit des Arbeits platzes dämpft die Anschaffungsneigung. Im Schlussquartal 2020 dürfte die Er holung aufgrund der erneuten Verschärf ung des Lockdown Lite daher erst ein mal pausieren. Zwar könnten insbesondere die Rabattaktionen des Onlinehan dels die privaten Konsumausgaben in der Vorweihnachtszeit beflügeln, im stati onären Handel dürften die verschärften Abstandsregeln die Kauflaune jedoch deutlich dämpfen. Zudem könnten Käufe von langlebigen Konsumgütern bereits während oder im Nachgang des ersten Lockdowns vorgezog en worden sein. Laut einer GfK-Um frage wurden bereits verstärkt Tiefkühlgerät e (2. - 21. März: +185%) und Geräte zur Nahrungszubereitung (23. März - 26 . April: +28%) gekauft. Der Einzelhan delsumsatz mit elektrischen Haushaltsgeräten wuchs in Q2 um 4% gg. Vj. und in Q3 um kräftige 11%. Die massive Auswei tung von Homeoffice in H1 führte zu zeitnahen Käufen der dafür notwendigen Geräte. Angesichts der Mehrwert- steuersenkung (in Kraft bis zum Jahrese nde) zeichnet sich nur eine geringe Be lebung der Haushaltsnachfrage ab. Laut ei ner Umfrage des infas Instituts gaben nur 11 % der Befragten an, dass sie für 2021 geplante Anschaffungen vorzie hen wollen. In diesem eher durchwachsenen Umfeld erwarten wir, dass die pri vaten Konsumausgaben in Q4 um -3,5 % gg. Vq. zurückgehen werden. Ein schränkungen im Gaststätten- und Hotelg ewerbe sowie im Kulturbereich stützen diese Erwartung ebenfalls. Im Gesamtjahr 2020 dürfte der private Verbrauch um -6,2% sinken. Angesichts der anhaltenden Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie könnte sich das Verbraucherverhalten au ch längerfristig verändern. Viele vor mals skeptische Konsumenten dürften nun gelernt haben, online einzukaufen. In einer Umfrage der Deutschen Bank gaben 17% der Befragten an, dass sie dies nun vermehrt tun. Auch die Zahlungsgewohnheiten haben sich in der Krise verändert, 34% der Befragungsteilnehmer nutzen nun vermehrt das kontaktlose Bezahlen. Befragt nach Ausgabenkategorien gaben 30% an, nun weiniger für Kleidung auszugeben und 49% reduzierten die Reiseausgaben. Dafür stiegen die Ausgabenanteile für Medikamente, Lebensmittel sowie Balkon und Garten - my home is my castle. Erst die breite Verfügbarkeit eines wirkungsvollen Impfschutzes gegen das Corona-Virus bzw. erfo lgversprechende Behandlungsmethoden für Sars-Cov2 Erkrankte dürften eine Normalisierung des Alltagslebens voranbringen. Ange sichts der jüngsten positiven Nachrich ten aus der Impfstoffforschung und der bereits laufenden Vorbereitungen für die Impfkampagnen halten wir eine breite Verfügbarkeit bis zum 2. Quartal 2021 für realistisch. Sollten sich die Erwartun gen an die Impfstoffe erfüllen, dürften die Infektionsraten mit dem Grad der Im munisierung sinken, wodurch umfassende Eindämmungsmaßnahmen weniger dringlich werden. Ausblick 2021 - Impfschutz ist notw endige Bedingung für weitere Erholung Bis dahin ist jedoch zu erwarten, dass die privaten Konsumausgaben durch die anhaltenden und Mitte Dezember nochmals verschärften Maßnahmen zur Ein dämmung des Infektionsgeschehens gedämpft werden. Zu Jahresbeginn 2021 . 19 15 13 5 3 68 71 48 61 29 11 10 16 30 49 2 4 22 4 19 Lebensmittel Medizin & Hygieneartikel Dinge für Balkon, Garten Kleidung Reisen höhere Ausgaben gleich weniger trifft nicht zu, auch früher keine Ausgaben % der befragten Bundesbürger, Altersgruppe 20-65 Jahre, n=3.200 Veränderung der Konsumausgabenmuster während der COVID-19-Pandemie 11 Quelle: Deutsche Bank. GBMR Pressestudie. Robuste Deutsche? Wie die Bundesbürger die Corona-Krise meistern, Nov. 2020 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 13 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    könnte es daher zu einem erneuten leichten Quartalsrückgang kommen und die Sparquote infolge unfreiwilliger Konsumzurückhaltung vorerst wieder ansteigen. Auch vom Ende der temporären Mehrwertsteuersenkung dürfte ein dämpfender Effekt auf die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern ausgehen. Zudem könnten sich erste Nachrichten über zunehmende Firmenpleiten nach dem Aus laufen des Insolvenzmoratoriums auf die Einkommenserwartungen und damit auf die Konsumstimmung niederschlagen. Gleichwohl dürfte der für Q1 2021 erwartete Rückgang des privaten Verbrauchs durch eine Verlagerung von Konsumaktivitäten hin zum Internethandel begrenzt werden. Infolge der Einschränkungen im Weihnachtsgeschäft des stationären Handels könnten vermehrt Gutscheine ve rschenkt werden. Deren Einlösung dürfte dann die Konsumnachfrage vornehmlich im Onlinegeschäft des Frühjahrs stärken, solange die Kontaktbeschränkungen anhalten. Mit der Verfügbarkeit eines Impfschutzes dürfte dann in der Sommerhälfte 2021 eine erneute kräftige Erholung des privaten Verbrauchs einsetzen, sodass im Gesamtjahr 2021 ein Wachstum von 4,7% zu erwarten ist. Das Vorkrisenniveau könnte dann wieder Anfang 2022 erreicht werden. Neben den anhaltenden staatlichen Unterstützungsmaßnahmen dürfte der Wegfall des Solidaritätszuschlages für geringe und mittlere Einkommen ein po sitiver Impulsgeber sein. Auch die weitere Normalisierung der Sparquote könnte den privaten Konsum fördern. Die Kaufkr aft dürfte zudem von der von uns er warteten Eurostärke profitieren, wenngl eich bei einem globalen Aufschwung die Energiepreise nachfragebedingt steigen dürften. Von der Tariflohnentwicklung sind im Jahr 2021 nur geringe Impulse zu erwarten. Da die gewichtigen Ver handlungen vornehmlich in krisengeschüttelten Branchen (Einzelhandel, Metall- und Elektroindustrie) stattfinden, dürften di e Tariflöhne nur um 1,5% zulegen, nach geschätzt 2% im Jahr 2020. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Deutscher Arbeitsmarkt - robust dank massiver staatlicher Stütze - Die Corona-Pandemie hinterließ am deutschen Arbeitsmarkt deutliche Spu ren. Die Erwerbstätigkeit ging im Jahr 2020 deutlich zurück und dürfte ihr Vorkrisenniveau nicht vor Mitte des Jahres 2022 erreichen. - Die Arbeitslosenquote wird im Jahr esdurchschnitt 2020 auf 5,9% steigen (2019: 5%). Ohne die bewährte Kurzarbeit wäre der Anstieg der Arbeits- losigkeit sicherlich weitaus höher ausgefallen. - Die Tarifabschlüsse im Jahr 2021 dürften zu einer durchschnittlichen Erhö hung von rund 1,5% führen. Unter dem Eindruck der Corona-Krise und an gesichts weitreichender struktureller Veränderungen dürfte die Sicherung von Arbeitsplätzen hohe Priorität haben. Die Corona-Krise hinterließ am deutschen Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Die Erwerbstätigkeit ging in Q2 spürbar zurü ck und Arbeitslosenzahl schnellte in die Höhe. Im weiteren Jahresverlauf zeigte sich der Arbeitsmarkt dann auf den ers ten Blick vergleichsweise robust. Gleichwohl ist dies in erster Linie auf die um fangreichen staatlichen Stützungsmaßnahmen zurückzuführen. Den spürbars ten Effekt brachte die Erleichterung des Zugangs zur Kurzarbeit. So konnten die Unternehmen den Löwenanteil der Anpassung an die Unterauslastung über die Arbeitszeit realisieren. -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 22 Real, % gg. Vj. Privater Konsum mit Erholung in 2021 12 Prognose Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 13 14 15 16 17 18 19 20 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) Quelle: Bundesagentur für Arbeit Deutscher Arbeitsmarkt stabilisierte sich im 2. Halbjahr 2020 13 Tsd. Quote Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 14 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Ohne diese bewährte Maßnahme wäre der Anstieg der Arbeitslosigkeit sicher weit größer ausgefallen. So aber konnte deren Zunahme auf einen Jahres höchstwert von knapp unter 3 Mio. (Augus t, Quote: 6,4%) begrenzt werden und geht seitdem wieder zurück. Im Jahresdurchschnitt 2020 wird die Arbeitslosen quote auf 5,9% (2019: 5%) steigen. Die massive Inanspruchnahme der Kurzar beit gipfelte im April bei knapp 6 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das entspricht einem Beschäftigungsäquiv alent von 2,9 Mio. Personen und ver mittelt einen Eindruck, wie viel Unterauslastung hier kompensiert wurde. Dage gen wirkt der Höchstwert von 1,44 Mio. während der globalen Finanzmarktkrise 2009 vergleichsweise gering. Selbst im Herbst 2020 lag die Zahl der Kurzarbei ter (Sep: 2,2 Mio.) noch deutlich darüber. Trotz der Konjunkturerholung in Q3 und des Rückgangs der Kurzarbeit dürften die Effektivverdienste (Personenkonzept) auf Jahressicht um gut 1% zurückge hen und die Lohndrift damit bei gut -3% liegen. Die Zahl der Beschäftigten ging in Q2 trotz massiver Inanspruchnahme von Kurzarbeit deutlich um -0,9% gg. Vq. zu rück, eine erste Erholung setzte in Q3 ein. Hauptsächlich betroffen waren die Metall-, Elektro-, und Stahlindustrie, die Arbeitnehmerüberlassung und das Gastgewerbe. Nach den jüngsten Daten dürfte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Q3 noch 0,3% unter dem Vorjahresniveau liegen. Aus dieser Perspektive dürfte auch Q4 nochmals schwach ausfallen, da die Beschäftigun g zum Jahresende 2019 auf einem Re kordniveau von 33,9 Mio. lag. Insgesamt verzeichnete die Erwerbstätigkeit in Q2 mit -1,4% gg. Vq. (-628 Tsd.) einen noch kräftigeren Rücksetzer als die Beschäftigung. Verantwortlich dafür war vor allem der Rückgang bei den ausschließlich geringfügig entlohnten Ar beitnehmern. Diese Gruppe kann keine Kurz arbeit in Anspruch nehmen, sodass die Krise hier voll durchschlug. Mit der Konjunkturerholung während des Som mers wurde auch hier die Talsohle durc hschritten. Da eine Vielzahl dieser Ar beitsplätze aber bei den konsumnahen Dienstleistungen angesiedelt ist, dürfte die Erholung infolge des Lockdown Lite in Q4 zum Erliegen kommen. Im Ge samtjahr 2020 ist ein Rückgang der Erwe rbstätigkeit um 430 Tsd. bzw. 1% zu erwarten. Arbeitsmarkt mit durchwachsenem Ausblick für das Jahr 2021 Für die Arbeitsmarktentwicklung des kommenden Jahres wird die breite Verfüg barkeit einer Impfung gegen das Coronavirus ausschlaggebend sein. Mit der dann zu erwartenden Lockerung der Hygienemaßnahmen dürfte sich das Wirt schaftsleben bis H2 2021 wieder normalisieren. Davon wird insbesondere der Dienstleistungssektor profitieren, da hier viele Unternehmen auf die persönliche Interaktion mit ihren Kunden angewiesen sind. Allerdings könnte eine Vielzahl von Betrieben trotz staatlicher Hilfen während der vorgeschriebenen Schließun gen nicht überlebt haben und so als Arbeitgeber wegfallen. Dies könnte schon mit dem Auslaufen des Insolvenzmoratoriums zutage treten. Sollte sich die Pandemie ebenfalls global eindämmen lassen, könnte die fortge setzte Belebung des Welthandels letztlich auch den Beschäftigten in der Indus trie zugutekommen. Hier dürfte die Erholung allerdings von branchenspezifi schen Strukturveränderungen gebremst werden. Das gilt insbesondere für die Auto- und Zuliefererunternehmen, die Luftf ahrtindustrie, aber auch im Maschi nenbau und der Metall- und Elektroindustrie ganz allgemein. Zwar konnte mit hilfe der Kurzarbeit erfahrenes Personal vorerst gehalten werden, aber in wel chem Umfang die Geschäftsmodelle nach einem Jahr der Krise noch tragfähig sind, wird sich erst noch zeigen müssen. Wenn vielfach erst einmal die Kurzar - 1 2 3 4 5 6 Prognose Mio. Erwartete Entwicklung der Kurzarbeit 14 Quellen: Arbeitsagentur, ifo Institut, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 15 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    beit zurückgeführt wird, dürften die Unte rnehmen bei Neueinstellungen zurück haltend bleiben. Das gilt vor allem dann, wenn bei Umstrukturierungen vorhan denes Personal vorrangig umverteilt werden muss. Gegenwärtig deuten die Frühindikatoren (IAB- und ifo-Barometer sowie PMI Subkomponenten) für den deutschen Arbeits markt auf eine seitwärts gerichtete Beschäftigungsentwicklung hin, wenngleich die Unsicherheit gegenwärtig hoch ist. Vor dem Hintergrund unserer Konjunkt ureinschätzung für das Jahr 2021 (BIP: +4,5%) und der besonderen Konstellation am deutschen Arbeitsmarkt er warten wir im Jahresdurchschnitt 2021 eine Zunahme der Erwerbstätigenzahl um etwa 80.000 (+0,2%), nach einem Rückgang von -1% im Jahr 2020. Das Vorkrisenniveau dürfte nicht vor H2 2022 e rreicht werden. Trotz der erwarteten Konjunkturerholung dürfte die Kurzarbeit auch im kommenden Jahr eine Rolle spielen und kaum unter ein jahresdurchschnittliches Niveau von 1 Mio. zurück gehen. Mit der Kombination aus zurückhaltenden Neueinstellungen, der Rückführung von Kurzarbeit sowie strukturellen Gegenwinden dürfte sich der Abbau der Ar beitslosigkeit im kommenden Jahr sehr zäh gestalten. Infolge des Basiseffekts aus dem Jahr 2020 dürfte die Arbeitslosenquote daher im Jahresdurchschnitt 2021 auf 6,3% (2020: 5,9%) ansteigen und er st im Jahr 2022 wieder unter die Marke von 6% fallen. Tarifrunde 2021 In der Tarifrunde des Jahres 2021 stehen Verhandlungen für rund 12 Mio. tarif lich gebundene Arbeitskräfte an, knapp 36% der zuletzt rund 33,5 Mio. sozial versicherungspflichtig Beschäftigten. Im Fokus dürften die Mitte Dezember 2020 gestarteten Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie (3,8 Mio.) stehen und dann ab Q1 der Groß- und Außenhandel (März/April: 1,17 Mio.) sowie der Einzelhandel (regional März bis Juni: 2,36 Mio.). Zudem werden ab Juni im Bau hauptgewerbe (0,6 Mio.) und ab September im öffentlichen Dienst der Länder (0,9 Mio.) neue Tarifverträge verhandelt. Unter dem Eindruck der Corona-Krise, aber auch mit Blick auf weitergehende Strukturveränderungen dürfte der Beschäftigungssicherung hohe Priorität einge räumt werden, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie aber auch im Einzel handel. Das könnte sowohl eine Anpassung der Arbeitszeitmodelle (4-Tage-Wo -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 16 17 18 19 20 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Vorlaufende Arbeitsmarktindikatoren signalisie ren bislang eine weitere Stabilisierung des Arbeitsmarkts 15 Standardisierte Werte Quellen: Bundesagentur für Arbeit, ifo, IAB, IHS Markit -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 97 01 05 09 13 17 21 Tariflöhne Lohndrift Effektivlöhne Gesamtwirtschaft, Pe rsonenkonzept, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 2021: Geringes Tariflohnplus, Rückführung von Kurzarbeit dürfte Effektivlöhne treiben 16 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 16 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    che) beinhalten, als auch Weiterbildungsmaßnahmen. Die für gewöhnlich kräfti gen ersten Forderungen nach Tariferhöhungen, die in den Vorjahren bei durch schnittlich rund 6% lagen, fallen hier gegenwärtig eher zurückhaltend aus (IG Metall: 4%). Im Bauhauptgewerbe und im öffentlichen Dienst der Länder sind die Rahmenbedingungen anders. Da die Baukonjunktur weiter gut läuft und im öffentlichen Dienst Bund und Kommunen bereits vorgelegt haben, sind hier si cher progressivere Tariflohnforderungen zu erwarten. Insgesamt dürften die Tariflohnabschlüsse des Jahres 2021 zu einem Anstieg von etwa 1,5% führen, nach rund 2% im Jahr 2020. In Kombination mit der Tariflohnentwicklung dürfte eine mit der konjunkturellen Erholung einhergehende Rückführung der Kurzar beit zu einem kräftigen Anstieg der Effe ktivlöhne (Personenkonzept) von gut 3% führen. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Ausrüstungsinvestitionen und sonstige Anlagen - Die Corona-Pandemie hat sich stark ne gativ auf die Ausrüstungsinvestitio nen ausgewirkt. Auch wenn es im dritte n Quartal 2020 wieder eine deutliche Gegenbewegung gab, liegen die Ausrüstungsinvestitionen noch immer rund 8 ½% unter ihrem Vor-Corona-Niveau. - Im Prognosezeitraum 2021-22 dürfte die Entwicklung bei den Investitionen vor allem vom weiteren Pandemieablauf abhängen. Zwar dürften sich die positiven Nachrichten zur bevorstehenden Impfkampagne förderlich auf das Unternehmens- und Verbrauchervertrauen auswirken. Dennoch dürften die durch die Pandemie verursachten finanziellen Einschläge in die Unterneh mensbilanzen die Investitionstätigkeit noch eine ganze Weile belasten. So wohl angebots- als auch nachfrageseitige Hürden dürften aller Voraussicht nach einem schnellen Aufholprozess im Wege stehen. - Zum einen wird die Bewältigung des durch die Pandemie ausgelösten öko nomischen Schocks - trotz der ultra-expansiven Fiskal- und Geldpolitik - eine gewisse Zeit beanspruchen. Zum anderen bestehen viele der struktu rellen Faktoren, die die Investitionen dä mpfen, weiterhin fort. Dazu gehören u.a. der gestiegene Protektionismus, die hohen politischen Risiken oder die nachteiligen, durch den Brex it verursachten Effekte. - In diesem Jahr erwarten wir einen Rü ckgang der Ausrüstungsinvestitionen um 12,6%. Die sonstigen Investitionen dürften dagegen mit schätzungs weise 0,7% nur moderat sinken. 2021 dürften die Wachstumsraten wieder deutlich ins Plus drehen. Konkret erwa rten wir ein positives Wachstum von 10,7% bzw. 4,2%. Nichtsdestotrotz sollte das starke Wachstumsplus bei den Ausrüstungsinvestitionen nicht darüb er hinwegtäuschen, dass die Erho lung nur schleppend verlaufen dürfte. In diesem Zusammenhang sei betont, dass die Ausrüstungsinvestitionen ihr Vor-Corona-Niveau nicht vor dem Jahr 2022 übersteigen dürften. Ausrüstungsinvestitionen im Würgegriff der Pandemie Die COVID-19-Pandemie hat einen insges amt stark negativen Effekt auf die in ländischen Investitionen in Ausrüstungen, Maschinen und Fahrzeuge gehabt (im nachfolgenden nur noch mit „Ausrüstungsinvestitionen" abgekürzt). Nach dem die Ausrüstungsinvestitionen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 mit rund 2 ½% rückläufig gewesen waren (s aison-/kalender- und preisbereinigte Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtre chnung), brachen sie in der ersten 50 60 70 80 90 100 110 120 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 22 Bruttoanlageinvestitionen Ausrüstungen Sonstige Anlagen Bruttoanlageinvesti tionen der gesamten Volkswirtschaft 17 Index: Q4 2019=100 (kalender-/saison- und preisbereinigte Werte) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 50 60 70 80 90 100 110 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Bruttoanlageinvestitionen Ausrüstungen Sonstige Anlagen Bruttoanlageinvestitionen der nicht-staatlichen Sektoren 18 Index: Q4 2019=100 (kalender-/saison- und preisbereinigte Werte) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 17 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Hälfte diesen Jahres mit 15% regelrecht ein. Auch wenn es im dritten Quartal 2020 im Zuge der kurzzeitigen Sommererholung eine deutliche Gegenbewe gung gab (+16% gg. Vq.), liegen die Ausrüstungsinvestitionen noch immer rund 8 ½% unter ihrem Vor-Corona-Niveau ( aus dem Schlussquartal 2019) (siehe Grafik 17). Der Rückgang über die ersten sechs Monate des Jahres war aus schließlich auf die einbrechende Investiti onstätigkeit im Privatsektor zurückzu führen (-18%), wohingegen die stark anst eigenden Ausrüstungsinvestitionen im öffentlichen Sektor (+27%) dazu beit rugen, den Gesamtrückgang abzuschwä chen (siehe Grafiken 18 und 19). Im Gegensatz zu den Ausrüstungsinvestitio nen fiel der Rückgang bei den sonstigen Investitionen wesentlich moderater aus. Zu den sonstigen Investitionen dazu zählen u.a. Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E), Software oder Datenbanken. Genauer gesagt gingen die sonstigen Investitionen in der erst en Jahreshälfte 2020 um „lediglich" 3,3% zurück. Allerdings waren diese sowohl im Privat- als auch im Staatssektor rück läufig (-3 ½% bzw. -2 ½%). Insgesam t war der durch Corona verursachte Rück gang bei den Ausrüstungsinvestitionen des Privatsektors noch etwas heftiger als während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise (siehe Grafik 18). Vieles deutet auf eine schleppend e Erholung hin, trotz einiger Hoffnungsschimmer in der deutschen Industrie Im Prognosezeitraum 2021-22 dürfte die Entwicklung bei den Investitionen stark vom weiteren Pandemieablauf abhängen. Zwar dürften sich die positiven Nach richten zur bevorstehenden Impfkampagne förderlich auf das Unternehmens- und Verbrauchervertrauen auswirken und über die Beseitigung der pandemie bedingten Unsicherheit letztlich auch de r Investitionstätigkeit zugutekommen. Dennoch werden die durch die Pandemie verursachten finanziellen Einschläge in den Unternehmensbilanzen die Investitionstätigkeit noch eine ganze Weile belasten. Sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Hürden dürften aller Vo raussicht nach einem schnellen Aufholprozess im Wege stehen. Denn gegen eine rasche Erholung sprechen zum einen der geringere finanzielle Spielraum der Unternehmen (aufgrund gesunkener Gewinne bzw. anfallender Verluste). Zum anderen wird der Ausblick durch die insgesamt geschwächte Nachfrage der privaten Haushalte getrübt. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einen Blick auf die Gewinnentwicklung des Privat sektors zu werfen. Dieser ist schon seit knapp einer Dekade deutlich rückläuf ig: So ist die Gewinnquote - das Ver hältnis zwischen Betriebsüberschuss und Selbstständigen-Einkommen im Ver hältnis zur Bruttowertschöpfung - bereits 2019 auf 23,2% und damit auf den tiefsten Wert seit der deutschen Wiedervereinigung gefallen (siehe Gemein schaftsdiagnose-Gutachten vom Herbst 2020). Die Wirtschaftsforschungsinsti tute gehen derzeit davon aus, dass die Gewinnquote auch im Prognosezeitraum mit Werten von kaum mehr als 22% niedrig bleiben dürfte. Aufgrund der derzeit noch immer ausges etzten Insolvenzantragspflicht für über schuldete Unternehmen ist der aktuelle Trend bei den offiziell gemeldeten Un ternehmensinsolvenzen stark verzerrt. In der Tat sind die aktuellen Statistiken dazu irreführend: Denn während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Insol venzen sogar zurückgegangen. Auch wenn die Anzahl der Unternehmensinsol venzen in diesem Jahr nach einer Prognose von Creditreform auf 16,300 sinken könnten (-13,4% im Vergleich zu den 18,830 verzeichneten Fällen im Jahr 2019), stellt Creditreform fest, dass si ch die Insolvenzentwicklung aktuell von der wirtschaftlichen Wirklichkeit abgekoppelt hat (siehe FAZ vom 9. Dezember 2020). Im Besonderen konnten zunächst vor allem kleinere Firmen dank der staatlichen Hilfsprogramme finanziell am Leben gehalten werden. Wie auch im mer: Stand jetzt wird die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ab dem 1. Ja nuar 2021 letztlich auch für überschuldete Unternehmen auslaufen, was wohl zu einem starken Anstieg der Insolvenzzahlen führen dürfte. Besonders in den am 40 60 80 100 120 140 160 180 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Bruttoanlageinvestitionen Ausrüstungen Sonstige Anlagen Bruttoanlageinvestitionen des Staates 19 Index: Q4 2019=100 (kalender-/saison- und preisbereinigte Werte) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 35 40 45 50 55 60 65 70 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 Anteil an den Ausrüstungsinvestitionen Anteil an den sonstigen Investitionen Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research % Anteile an den jeweiligen Bruttoanlage investitionen Bedeutung des Dienstleistungs sektors für die Ausrüstungs- und sonstigen Investitionen 20 40 50 60 70 80 90 100 110 120 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungsbereiche Alle Wirtschaftsbereiche Neue Anlagen (brutto) (preisbereinigt), Index Ausrüstungsinvestitionen 21 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 18 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    stärksten von der Pandemie getroffenen Wirtschaftszweigen (wie der Gaststät ten- und Beherbergungsbranche oder dem stationären Einzelhandel) dürften die Insolvenzen stark ansteigen. Insgesamt geht Creditreform dav on aus, dass die Anzahl der Unternehmenspleiten im neuen Jahr um 50% auf dann 24,000 Fälle hochschießen wird. Aber auch solvente Firmen dürften nur z ögerlich ihre Investitionen ausweiten. Denn einerseits bleibt der Wirtschafts ausblick höchst ungewiss. Zum anderen dürften die Möglichkeiten bzw. Konditionen, sich neues Kapital für Investitions zwecke zu beschaffen (Eig enkapital, Bankkredite), für die Unternehmen heraus fordernder bzw. unattraktiver werden. Ebenso dürfte vor allem die Dienstleis tungsbranche bremsend auf die weitere Investitionsentwicklung einwirken. Diese war vor allem in der Vergangenheit ein Wachstumstreiber bei den Anlage investitionen (siehe Grafik 21) und steuerte 2019 noch rund zwei Drittel zu den gesamten Ausrüstungsinvestitionen bei (siehe Grafik 20). Bei den sonstigen In vestitionen, die mehrheitlich im Verar beitenden Gewerbe getätigt werden, ist der Ausblick per se deutlich günstiger. Die Notwendigkeit der Unternehmen, weiter hin in die Digitalisierung ihrer Produktions- und Arbeitsprozesse zu investieren (und damit z.B. in Software, Datenbanken oder F&E), dürfte sich in diesem Be reich positiv auswirken. Abwärtsrisiken ergeben sich für die Investitionstätigkeit durch den steigenden Protektionismus - und dem damit verbundenen Risiko einer schädlichen Außen handelspolitik zulasten anderer - sowie v on einem harten Brexit. Aber es gibt auch einige positive Entwicklungen. Die starke Wirtschaftserholung in China wird auf jeden Fall dabei helfen, das Wirtschaftswachstum und die Investitions tätigkeit in Europa und Deutschland wieder in Gang zu bringen (China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands). Darüber hinaus dürfte das EUR 130 Mrd. schwere deutsche Konjunkturprogramm dafür sorgen, die durch die Pan demie verursachten negativen volkswirts chaftlichen Auswirkungen zumindest teilweise abzumildern. Für die Investiti onstätigkeit dürften in diesem Zusammen hang sowohl der erweiterte Verlustrücktrag als auch die temporäre Wiederein führung der degressiven Abschreibung ( auf mobile Wirtschaftsgüter) für die Jahre 2020/21 am bedeutendsten sein. Schließlich gibt es noch - dank der rela tiv soliden Erholung in der Industrie - einen Silberstreif am Horizont (siehe Gra fik 23). Nach einem tiefen Einbruch um fast 30% im März/April ist die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe nunmehr schon sechs Monate hintereinander an gestiegen, mit der Folge, dass sich das Corona-Loch bei den Produktionszahlen merklich verringert hat. Im Oktober lag der Output in der Verarbeitenden Indus trie „nur" noch 6% unter dem Februar-Niveau. Weitere gute Nachrichten kamen von den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe. Im Oktober lagen diese sogar bereits leicht über dem Februar-Niveau. Dies kommt einer beein druckenden Erholung gleich: Denn im März/April wurde noch ein scharfer Ein bruch von ca. 37% verzeichnet. Zu guter Letzt hat sich auch noch die Jah reswachstumsrate bei den inländischen Investitionsgütern - unser bevorzugter Frühindikator für die Ausrüstungsinvestitionen - spürbar ins Plus gedreht (siehe Grafik 25. Ausblick 2020-22: Es dürfte ein langer und steiniger Weg auf dem Weg zur (vollständigen) Erholung werden Trotz des Silberstreifs in der deutschen Industriekonjunktur dürfte es sich bei der Erholung um einen langen und steinigen Weg handeln - zumindest mit Blick auf die Ausrüstungsinvestitionen. So wird die Bewältigung des ökonomischen Schocks trotz der ultra-expansiven Fisk al- und Geldpolitik eine gewisse Zeit be anspruchen. Eine kürzlich vom Deutsc hen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) durchgeführte Umfrage (Herbst 2020) scheint unsere Einschätzung zu bestätigen. Während rund ein Drittel der befragten Unternehmen beabsichtigt, 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2012 2014 2016 2018 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungsbereiche Alle Wirtschaftsbereiche Neue Anlagen (brutto) (preisbereinigt), Index Sonstige Investitionen 22 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0 20 40 60 80 100 120 06 08 10 12 14 16 18 20 Industrieproduktion Auftragseingänge (Verarb. Gew.) Kraftwagen und Kraftwagenteile Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Index (saison- und kalenderbereinigte Monatswerte) Produktion und Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe 23 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Ausrüstungsinvestitionen (real), % gg. Vj. (links) Welthandel (real), % gg. Vj. (links) Kapazitätsauslastung des Verarbeitenden Gewerbes, % (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausrüstungsinvestitionen vs. Welthandel und Kapazitätsauslastung 24 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 19 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    ihre Investitionsbudgets in den nächst en 12 Monaten zurückzufahren, streben nur 19% der Firmen höhere Investitionen an. Auf der Ebene der einzelnen Sek toren deuten sich insbesondere im Gastgewerbe, der Reise- und Freizeitwirt schaft sowie im Messe- und Ausstellungsbereich starke Kürzungen bei den In vestitionen an - d.h. in jenen Bereichen, deren Wirtschaftstätigkeit mit am här testen durch die Pandemie getroffen worden sind. Aber auch in der Industrie scheinen die Unternehmen mit Blick auf ih re Investitionsbudgets zurückhaltend zu sein. Laut DIHK-Umfrage dürften die Investitionspläne besonders stark im Bereich der Kapitalgüterproduzenten ge kürzt werden, mit entsprechend negati ven Auswirkungen auf die künftige Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen. Bei den Ausrüstungsinvestitionen und sons tigen Anlagen erwarten wir im neuen Jahr dennoch ein deutliches Wachstumsplus, was jedoch im Kontext des tiefen Einbruchs in diesem Jahr bewertet we rden muss. Die Wachstumsraten dürften sich unserer Einschätzung nach auf 10,7% bzw. 4,2% belaufen. Insgesamt sollte das starke Wachstumsplus bei den Ausrüstungsinvestitionen nicht dar über hinwegtäuschen, dass die Erholung nur schleppend verlaufen dürfte. In diesem Zusammenhang sei betont, dass die Ausrüstungsinvestitionen ihr Vor Corona-Niveau nicht vor dem Jahr 2022 übersteigen dürften. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) Wohnungsmarkt: Kein Ende des Booms - Der Einfluss der Corona-Krise auf die Wohnungsmärkte ist aufgrund der Knappheit an Wohnraum vielfach begrenzt. - Wir erwarten eine graduelle Zunahme der Homeoffice-Quote und keinen Strukturbruch post-Corona. - Der Bausektor ist sehr solide und wächst im Jahr 2020 und 2021. Auch die Corona-Krise hat nicht das Ende des Booms am deutschen Woh nungsmarkt eingeleitet. Insbesondere die Immobiliennachfrage institutioneller Investoren dürfte durch die Krise einen weiteren Schub erfahren. Die Flucht in Sicherheit und das Niedrigzinsumfeld dürfte einen Großteil des kräftigen Preis anstiegs im deutschen Wohnungsmarkt im Jahr 2020 erklären. Zudem ist die fundamentale Situation weiterhin geprägt von der hohen Angebotsknappheit. Deshalb erwarten wir im Jahr 2021 und auc h für einige weitere Jahre steigende Haus- und Wohnungspreise. Vielfach werden Corona-bedingte Nachfragever schiebungen diskutiert (Grafik 25). Diese würden allerdings aufgrund des knap pen Wohnraums mit massiven Miet- und Preisschüben einhergehen. Deshalb dürfte die Pandemie nur begrenzt Auswirkungen auf die Teilsegmente des Woh nungsmarkts haben. Seit dem Jahr 2009 sind im Wohnungsmarkt die Mieten etwa halb so kräftig wie die Preise gestiegen. Das künftige Verh ältnis von Preis- zu Mietwachstum könnte noch schwächer ausfallen. Neben den zahlreichen regulatorischen Ein griffen, die eher dämpfend auf die Miet en wirken könnten, belastet die Pande mie temporär die Wohnungsnachfrage voraussichtlich stärker als das Woh nungsangebot. Die Einkommen haben deutlich an Dynamik verloren. Dazu tra gen sowohl sehr geringe gesamtwirtscha ftliche Lohnanstiege als auch eine tem porär höhere Arbeitslosigkeit und eine niedrigere Beschäftigung bei. Folglich dürfte das Mietwachstum im Jahr 2020 und 2021 nur in etwa einen Inflations ausgleich darstellen, während wir für die bundesweiten Haus- und Wohnungs preise in beiden Jahren abermals einen kräftigen Anstieg um mehr als 6% ge genüber Vorjahr erwarten. Damit werden die Mietrenditen weiter rückläufig sein. Vielfach diskutierte Corona-bedingte Nachfrageverschiebungen im Wohnungs markt 26  Raus aus den Stadtzentren, hin zu den weniger dicht besiedelten Stadtteilen.  Raus aus den Metropolen, hin zu den Rändern der Metropolregionen?  Raus aus den Büros, rein in das Home office 20 40 60 80 100 120 -30 -20 -10 0 10 20 30 15 16 17 18 19 20 Ausrüstungsinvestitionen (real), % gg. Vj. (links) Industrieproduktion (Investitionsgüter), % gg. Vj. (links) Einkaufsmangerindex (neue Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe), Index (rechts) Ifo-Geschäftserwartungen (Verarbeitendes Gewerbe), Index (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Raues Umfeld für Ausrüstungs investitionen 25 0 200 400 600 90 94 98 02 06 10 14 18 A-Städte B-Städte C-Städte D-Städte DE Anzahl der Wohnungen in '000 Quellen: riwis, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 1990-2019 Baufertigstellungen 27 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 20 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Das bekannte fundamentale Problem im Wohnungsmarkt ist durch die Corona Krise zumindest temporär verschärft worden. Die Ausweitung des Wohnungsan gebots insbesondere in den Ballungsgebieten lahmt. Die Zahl der fertiggestell ten Wohnungen im Jahr 2020 (Daten liegen erst im Mai 2021 vor) stagniert un serer Einschätzung nach erneut auf dem Vorjahresniveau von 293.000 Woh nungen. Auch im Jahr 2021 dürfte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen kaum 300.000 Wohnungen überschreiten und damit nur marginal über dem Ni veau der Vorjahre liegen. Nachfrageseitig dürfte sich die wirtschaftliche Erho lung ab dem zweiten Quartal des Jahres 2021 positiv auf die Nachfrage nach Wohnraum auswirken. Nachfrageimpulse dürften dann auch wieder von der Zu wanderung kommen. Wir erwarten, dass die Nettozuwanderung wieder auf das Vorkrisenniveau von rund 300.000 Personen ansteigen wird. Womöglich ist Deutschland aufgrund seines guten Gesundheitssystems und der relativ zu an deren Ländern guten politischen Führung als Einwanderungsland noch attrakti ver geworden. Politik und Regulierung: Strikter e und mehr Regeln , mehr Forde rungen nach bezahlbarem Wohnraum mit limitiertem Erfolg Die Debatte um weitere regulatorische Verschärfungen dürfte im Jahr 2021 wie der viele Schlagzeilen machen. Im Mitte lpunkt steht die Bundestagswahl und nahezu alle Parteien dürften sich erneut darin gefallen, bezahlbaren Wohnraum zu fordern (als ob jemand für unbezahlbaren Wohnraum plädierte) und sich in Versprechungen von Wahlgeschenken zu überbieten. Auch die Forderung der Konservativen bei der letzten Bundestagswahl, 1,5 Millionen Wohnungen in der Legislaturperiode 2017 bis 2021 zu bauen, dürfte sich wiederholen. Dass das Ziel in der aktuellen Legislaturperiode unmissverständlich verfehlt wird - wohl um deutlich mehr als 200.000 Wohnungen - dürfte, da bei einigen Parteien die ses marktwirtschaftliche Argument sowieso nicht verfängt, dagegen kaum be achtet werden. Nach heutigem Stand wird am 31. März 2021 das Baukindergeld auslaufen, was potenziell einen leicht dämpfenden Effekt auf die Preise im unte ren und mittleren Segment des Wohnungsmarktes haben sollte. Am 31. Dezem ber 2021 werden die Sonderabschreibungen für Investitionen in Mietwohnungen enden, was die Angebotsknappheit perspektivisch erhöhen könnte. Aber wo möglich könnte es hier zu einer Verlängerung kommen. Daneben steht die Ent scheidung an, inwieweit der Berliner Mietendeckel verfassungskonform ist. Die ses Urteil dürfte weitreichende Konsequenzen für die immer sozialistischer ge dachte Wohnungspolitik haben. Ist der Mietendeckel verfassungskonform, dürfte sich die abzeichnende Verschärfung der Angebotsknappheit am Berliner Wohnungsmarkt manifestieren. Wäre der Mietendeckel dagegen mindestens in Teilen verfassungswidrig, hätte das Jahr 2021 auch das Potenzial, das Ende der sozialistischen Tendenzen in der Wohnungspolitik einzuleiten. Unabhängig von dieser Entscheidung dürfte der imme r striktere regulatorische Rahmen und die vielen gut gemeinten Initiativen, inklusive der Wohnraumoffensive, das Kern problem des „knappen Wohnraums" bestenfalls dämpfen, nicht beseitigen, und schlimmstenfalls verschärfen. 200 250 300 350 400 2018 2019 2020P 2021P 2018/19: Realisiert e Werte und 2020/21: DBR-Prognose Ziel der Konservativen lt. Wahlprogramm im Jahr 2017 (durchschnittliche Verteilung von 1,5 Mio. Wohnungen auf vier Jahre) 2018-2021: Fertiggestellte Wohnungen 28 in '000 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt -20 -10 0 10 20 30 40 19 20 gg. Vm. gg. Vj. Jan 2019 - Sep 2020: Online-Handel 29 in % Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, Haver Analytics LP Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 21 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Gewerbeimmobilien: Corona-Krise wirkt als Be schleuniger bestehender Trends Zweifellos stehen viele Segmente im Gewerbeimmobilienmarkt vor großen Um brüchen. Logistikimmobilien profitieren von dem Corona-bedingten Schub für den Online-Handel. Dieser lag insbesondere in den Lockdown-Monaten mehr als 30% über den Vorjahresmonaten. Der Verlierer dieser Entwicklung ist der stationäre Einzelhandel mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels. In die sem Segment gelingt es den Online-Anbietern selbst im Pandemie-Jahr 2020 nicht, die Marktanteile massiv auszuweiten. Es besteht weitgehender Konsens, dass diese Trends weit über das Jahr 20 20 Bestand haben. Des Weiteren leidet der Hotelmarkt massiv unter den Lockdowns. Auch hier erwarten wir im An schluss an die Corona-Krise eine substanziell niedrige Zahl von Geschäftsrei sen und Übernachtungen. Web- und Vide okonferenzen sind aus unserer Sicht oftmals ein sinnvoller Ersatz zumindest bei etablierten Geschäftsbeziehungen. Zudem gab es anekdotische Evidenz, dass schon vor dem Jahr 2020 in einigen Städten das Hotelangebot über die Nachfrage hinaus ausgeweitet wurde. Im Jahr 2021 droht daher zumindest r egional eine Marktbereinigung. Die größte Unsicherheit besteht im größten Gewerbemarkt, dem Büromarkt. In Deutschland gibt es fast 15 Millionen Bürobeschäftigte. Am Anfang der Pande mie war vielfach von einem Abgesang auf das traditionelle Büro zu lesen. Heute ist die Diskussion differenzierter. Die große Unbekannte in der Nach-Corona Welt bleibt die Produktivität von Team s im Homeoffice. Auch in der akademi schen Literatur ist dies eine offene Forschungsfrage. Die Produktivität war im März und April des Jahres 2020 überrasc hend hoch. Wir sind aber skeptisch, dass die kurzfristigen Erfolge langfristig Bestand haben. Insbesondere das Ein arbeiten neuer Mitarbeiter und das Schaffen und Weiterentwickeln einer Team- und Unternehmenskultur könnte die Produk tivität reduzieren. Die Knappheit an Wohnraum ist ein weiteres Hindernis, was einem Strukturbruch entgegenwirkt. Zudem rudert auch die Politik nach anfänglichen Versprechungen, ein Recht auf Homeoffice einzuführen, mittlerweile zurück. Daher erwarten wir nur eine gradu elle Ausweitung des Homeoffice und keinen Strukturbruch. Ebenso halten wir die Überlegungen von einer flexiblen Nutzung von verschiedenen Büroflächen (kurzfristig Anmietung von leerstehend en Flächen am Stadtrand, Co-Working, Hotels etc.) nur für wenige Unternehmen geeignet und überwiegend für ein me diales Strohfeuer. Die Umsatzverluste durch Produktivitätsverluste dürften schnell die Kostenersparnis durch günsti gere Bürofläche übersteigen. Aus un serer Sicht bleibt das traditionelle Büro ein wesentlicher Eckpfeiler. Daher er warten wir zwei sehr unterschiedliche Halb jahre im Jahr 2021. Zunächst dürften sich Corona-bedingt die negativen Entw icklungen des Jahres 2020 fortsetzen: Eine geringe Anzahl von neuen Vertragsabschlüssen, neue Flächen, die keinen Abnehmer finden, führen folglich margi nal zu höheren Leerstandsquoten, wäh rend Mieten und Preise stagnieren. In einzelnen Städten ist auch mit fallenden Mieten und Preisen zu rechnen. Im zweiten Halbjahr dürften sich dann die post Corona-Welt herauskristallisieren und erste Unternehmen beginnen, Homeoffice wieder etwas restriktiver zu fahren. Folglich dürfte die Zahl der Transaktionen wieder zulegen, Leerstände beginnen zu stagnieren und zumindest in den Städ ten mit sehr geringen Leerständen Mieten und Preise wieder anziehen. Bauinvestitionen: Gewer bebau dürfte einbrechen Die Baubranche war über die gesamte Pandemie sehr robust. Zwar ist der ifo Index für das Bauhauptgewerbe kräftig eingebrochen, aber die Baubranche un terschätzte über den gesamten Zyklus se it dem Jahr 2009 die tatsächliche Ge schäftslage deutlich. Auftragsbestand und Kapazitätsauslastungen veränderten sich laut der ifo-Umfrage nur geringfügig im Vergleich zum Vorjahr. Zudem sind Strukturbruch-Szenario: Zwei Tage Home office pro Woche für 50% der Büro- beschäftigten 30 Wenn ein Bürobeschäftigter statt 10% seiner Arbeitszeit (wie vor der Corona-Pandemie) nunmehr 40% seiner Arbeitszeit (nach der Corona-Pandemie) zu Haus e arbeitet, sinkt die Zahl der „Präsenzarbeitstage" von 162 auf 120 pro Jahr, also je Arbeitnehmer um rund 26%. Unter der Annahme, dass solche flexiblen Ar rangements für 50% der Bürobeschäftigten in frage kommen, sänke die Nachfrage nach Bü roraum um 13%. Bei einer durchschnittlichen Vertragslaufzeit von 10 Jahren und unter der Annahme, dass jedes Jahr 10% der Mietver träge auslaufen, ginge die Nachfrage nach Bü roraum gegenüber dem Vor-Pandemie-Niveau um 1,3% zurück. Folge 1: Dies entspricht rund 2,4 Mio. m² pro Jahr. Von 2009 bis 2019 dagegen wurden in den untersuchten 126 Städten jedes Jahr rund 1 Mio. m² an Büroraum zusätzlich vermietet. Dies ist eine Differenz von 3,4 Mio. m² pro Jahr und Mieten und Preise würden kräftig nachge ben. Folge 2: In diesem Fall erwarten wir, dass Standardaufgaben im Homeoffice erledigt wür den und die Zeit im traditionellen Büro für mehr Austausch, Kommunikation und Pflege der Un ternehmenskultur nötig wäre. Folglich erwarten wir in diesem Szenario, dass die Flächennach frage pro Person steigen würde und teilweise den Nachfragerückgang kompensiert. Auch die geringere Zahl an Geschäftsreisen dürfte die Flächennachfrage erhöhen und würde den po tenziellen Schock dämpfen. Arbeitstage pro Jahr pre COVID post COVID Insgesamt 250 250 - Krankheit 10 10 - Urlaub 30 30 - Reise 30 10 =Bürotage 180 200 von zu Hause 18 (=10%) 80 (=40%) Traditionelles Büro 162 120 Quelle: Deutsche Bank Research 80 120 160 200 240 05 07 09 11 13 15 17 19 Wohnungsbau Gewerbebau Tiefbau 2005=100 2005-2020 Auftragseingang 32 Quellen: DB Research, Statistisches Bundesamt 31 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 22 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Auftragseingang und Bauproduktion nur leicht rückläufig gewesen und haben sich seit dem Tiefpunkt im Frühjahr bis September weitestgehend erholt. Insbe sondere der Auftragseingang im Wohnungsbau liegt aktuell über dem Niveau der Höchststände vor der Corona-Krise. Im Gewerbe- und im öffentlichen Bau waren im Jahr 2020 dagegen deutliche Rückgänge zu verzeichnen und eine deutliche Erholung blieb bisher aus. Die negativen Entwicklungen im Einzelhan del, im Hotelsektor und die hohe Unsicherheit im Büromarkt dürften auch weit in das Jahr 2021 und teilweise darüber hinaus den Gewerbebau belasten. Dage gen dürfte das umfangreiche Fiskalpaket dem öffentlichen Bau wieder auf die Sprünge helfen. Nach einem Plus bei den realen Bauinvestitionen von 2,2% im Jahr 2020 erwarten wir für das Jahr 2021 ein Wachstum von 1,8%. Abermals dürften der Wohnbau und der öffentliche Bau das Wachstum tragen, während die Investitionen im Gewerbebau einbrechen dürften. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Öffentliche Finanzen im Corona-Abwärtsstrudel - Die Corona-Pandemie hat den seit 2014 herrschenden, hohen Haushalts überschüssen ein jähes Ende gesetzt. Die Staatsfinanzen werden bis 2022 ganz im Zeichen der Corona-Krise stehen. Das gesamtstaatliche Finanzie rungsdefizit (Maastricht-Defizit) dürfte sich unserer Einschätzung nach in diesem Jahr auf knapp 6 ½% vom BIP belaufen und 2021 noch immer bei mehr als 4% liegen. Die Schuldenquote dürfte erst Ende 2021 mit ca. 71,7% ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. - Auf die neue Bundesregierung kommen schwere Herausforderungen und Entscheidungen zu. Sie muss es letztlich schaffen, die öffentlichen Finan zen wieder auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, ohne dabei der Wirt schaft über noch höhere Steuer- und Beitragsbelastungen die Luft zum At men zu nehmen. Eine nachhaltige Konsolidierung der Staatsfinanzen dürfte dieses Mal um ein Vielfaches schwerer fallen als im Nachgang zur globalen Finanzkrise, als ein Arbeitsmarktboom, Sonderkonjunktur und riesige Zins ersparnisse der Finanzpolitik goldene Jahre bescherten. - Nach der Bundestagswahl im nächsten Herbst wird ein großer Kassensturz unausweichlich sein. Somit dürfte auch die künftige Ausrichtung der Finanz politik - vor allem mit Blick auf den aufgestauten Reformbedarf in den Berei chen Rente, Gesundheit und Pflege - die Themenwahl für den kommenden Bundestagswahlkampf mitprägen. Corona-Pandemie bringt Staatsfinanzen in Schieflage Die Corona-Pandemie hat den seit 2014 herrschenden, hohen Haushaltsüber schüssen ein jähes Ende gesetzt. Auch wenn die staatlichen Zinsausgaben dank Niedrig- und Negativzinsen in den kommenden Jahren überschaubar blei ben, hat die Corona-Pandemie den gesamtstaatlichen Haushalt - direkt über diskretionäre Ausgaben, aber auch indirekt über konjunkturelle Mindereinnah men/Mehrausgaben - schwer getroffen. Laut BMF-Schätzungen aus dem Früh herbst dürften sämtliche im Zusammenhang mit COVID-19 ergriffenen Maßnah men - einschließlich des EUR 130 Mrd. schweren Konjunkturprogramms (siehe auch „Allmählich aus der Konjunkturschlucht") und weiterer prioritärer Maßnah men des Bundes und der Sozialversicherungen - alleine in den nächsten bei den Jahren zu Haushaltsbelastungen von fast EUR 230 Mrd. führen (weitere In formationen zu den krisenbedingten Mehrausgaben finden sich in „Corona Überbrückungshilfen: Wumms oder Wümms'chen?"). Aufgrund der wegen des 2018-2021: Reale Bauinvestitionen Jahr Wohnungs- bau Gewerbe- bau Öffentlicher Bau Bauinvestitionen 2018 3,1 1,2 3,9 2,7 2019 4,0 2,5 6,0 3,8 2020P 2,3 -0,9 4,1 2,2 2021P 4,0 -4,5 5,0 1,8 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 33 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 23 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Lockdowns gewährten außerordentlichen Wirtschaftshilfen (November-/Dezem ber-Hilfen) zeichnet sich jedoch schon jetzt ab, dass die direkten Rettungskos ten noch deutlich größer ausfallen dürften (siehe auch „Bundeshaushalt 2021: Folgt auf den Kreditrausch schon bald der Schuldenkater?"). Trotz des im nächsten Jahr wieder deutlich anziehenden Wachstums dürften die konjunktur- bzw. Corona-bedingten Steuermindereinnahmen im Finanzpla nungszeitraum bis 2024 weiterhin erheblich bleiben. Alleine in diesem Jahr dürf ten die gesamtstaatlichen Steuereinnahmen um knapp 9% einbrechen. Laut dem Arbeitskreis Steuerschätzung dürfte sich der Pandemie-bedingte (kumu lierte) Steuerausfall zwischen 2020 und 2024 auf insgesamt rund 330 Mrd. be laufen (aktuelle November-Schätzungen im Vergleich zu den Steuerschätz- ergebnissen in der Vor-Corona-Zeit aus dem Oktober 2019). Allein in diesem Jahr dürften die Steuereinnahmen um etwa EUR 88 Mrd. niedriger ausfallen als noch vor Ausbruch der Corona-Krise prognostiziert wurde. Selbst im Jahr 2024 dürften die erwarteten Steuerausfälle noch immer EUR 56 Mrd. betragen. Al leine auf Bundesebene muss laut dem Finanzplan zwischen 2022 und 2024 noch eine Finanzlücke von über EUR 42,5 Mrd. geschlossen werden. Ausblick 2020-22: Weiterhin ganz im Zeichen der Corona-Krise So ist es alles andere als verwunderlich, dass der Ausblick für den öffentlichen Gesamthaushalt und die Staatsverschuldung im gesamten Prognosezeitraum weiterhin ganz im Zeichen der Corona-Krise stehen wird. Das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit (Maastricht-Defizit) dürfte unserer Einschätzung nach eine Größenordnung von knapp 6 ½% des BIP erreichen (z. Vgl. 2019: Überschuss von 1 ½%). Auch wenn die konjunkturelle Erholung sich im nächsten Jahr zu nehmend positiver auf die Staatsfinanzen auswirken sollte - ablesbar an dem erwarteten Rückgang des konjunkturbedingten Defizits auf „nur" noch rund 1% vom BIP in 2021 von leicht über 2 ½% in 2020 - dürfte das Haushaltsdefizit auf grund der diskretionären Antikrisenmaßnahmen noch immer mehr als 4% vom BIP betragen. So erwarten wir auch, dass das strukturelle - also um konjunktu relle sowie Einmal- und Sondereffekte bereinigte - Defizit nur leicht zurückgeht: von schätzungsweise 3,8% vom BIP in diesem auf ca. 3,1% im nächsten Jahr (siehe Grafik 34). Der weitere Kurs der Fiskalpolitik ab dem Jahr 2022 wird maßgeblich vom Ausgang der Bundestagswahl und der haushaltspolitischen Prioritätensetzung der nächsten Bundesregierung abhängen. Zwar muss ange sichts der derzeit enorm hohen Neuverschuldung hinter die Wiedereinhaltung -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 22 Zinsausgaben Konjunkturkomponente Konjunktbereinigter Primärsaldo Finanzierungssaldo % BIP (Gesamtstaat - VGR) Quellen: Statistisches Bundesamt, AMECO, OECD, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Ausblick für die Staatsfinanzen (2020-22) 34 0 100 200 300 400 500 600 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Nettokreditaufnahme Ausgaben Einnahmen Steuereinnahmen Haushalt 2020/21, Finanzplan bis 2024 (Kernhaushalt des Bundes) 35 EUR Mrd. Quellen: Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 24 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    der Schuldenbremse für den Bund ab 2022 wohl ein großes Fragezeichen ge setzt werden (siehe Grafik 35), aber wir rechnen in den kommenden Jahren mit einer graduellen Konsolidierung und somit rückläufigen gesamtstaatlichen Staatsdefiziten (siehe Grafik 34). Infolge der schuldenerhöhenden Haushaltsdefizite (Zähler) sowie des tiefen BIP-Rückgangs (Nenner) dürfte die Schuldenquote in diesem Jahr von knapp unter 60% Ende 2019 auf leicht über 70% ansteigen (siehe Grafik 36). Im nächsten Jahr dürfte die Schuldenquote nochmals leicht ansteigen und Ende 2021 ca. 71,7% vom BIP betragen. Auch wenn die Schuldenquote ab 2022 wie der leicht sinken könnte, zeichnet sich mittelfristig ein erheblicher Konsolidie rungsbedarf ab: Einerseits, weil der haushaltsentlastende Effekt durch die stark gesunkenen Zinsausgaben nach und nach ausläuft und andererseits, weil schon sehr bald deutlich spürbare Demografie-bedingte Finanzlasten auf den Staat zukommen - gepaart mit einer rückläufigen Erwerbsbevölkerung und ei nem deutlich sinkenden Wachstumspotenzial. Vom Kreditrausch zum Schuldenkater: Nach der Bundestagswahl wartet ein großer Kassensturz Auch wenn die Maastricht-Schuldenquote trotz Corona-Pandemie wohl unter halb des Rekordwertes von 82,3% vom BIP aus dem Jahr 2010 verbleiben dürfte, stellt der sprunghafte Anstieg der Staatsverschuldung eine große finanz politische Bürde dar. Denn laut Stiftung Marktwirtschaft ist die öffentlich ausge wiesene Verschuldung nur die Spitze des Eisbergs: Einschließlich der impliziten bzw. „versteckten" Staatsverschuldung dürfte die sogenannte Nachhaltigkeitslü cke (also die Summe der expliziten und impliziten Schulden) im Zuge des zwei ten Lockdowns auf über 400% vom BIP hochschießen. Angesichts dessen dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Politik die Steuer- und Bei tragszahler noch stärker zur Kasse bittet. Die (zunächst nur) bis Ende 2021 ver sprochene Garantie einer Beitragsbelastung von höchstens 40% („Sozialgaran tie 2021") wackelt angesichts dessen schon gewaltig. Bereits im nächsten Jahr steigt die Beitragsbelastung für Arbeitnehmer mit Kindern auf 39,95% und kommt damit der 40%-Marke sehr nahe (siehe Grafik 37). Für kinderlose Arbeit nehmer wird sie aufgrund des Zuschlags in der Pflegeversicherung schon 2021 auf über 40% steigen. Mit dem „Gesundheitssoli" oder einer einmaligen Vermö gensabgabe kursieren schon jetzt verschiedene Vorschläge, die einseitig auf 0 20 40 60 80 100 0 1 2 3 4 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 Staatsschulden (rechts) Zinsausgaben (links) % BIP (Gesamtstaat) (VGR) Quellen: WEFA, Destatis, Eurostat, DB Research Schuldenquote steigt stark an 36 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Allgemeine Rentenversicherung Krankenversicherung Arbeitslosenversicherung Pflegeversicherung Insgesamt (allg. RV + KV + AV + PV) Beitragssätze zur Sozialversicherung, % Bruttoarbeitsentgelt Quellen: Deutsche Rentenversicherung, Deutsche Bank Research Sozialversicherungsbeiträge noch knapp unter 40% 37 Beitragssätze: Jahresdurchschnittswerte. Krankenversicherung: Beitragssatz inklusive Zusatzbeitragssatz. Pflegeversicherung: Ab 2005 zahlen kinderlose Beitragszahler einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag gegenüber Beitragszahlern mit Kindern. Der hier dargestellte Satz bezieht sich auf Beitragszahler mit Kindern. Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 25 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    eine Erhöhung der Staatseinnahmen abzielen. Ob jedoch noch höhere Steuern und Abgaben die richtige Medizin für die Nach-Corona-Zeit darstellen, kann mit Blick auf die bereits hohe Steuer- und Abgabenbelastung der Unternehmen und Arbeitnehmer stark bezweifelt werden. Auch eine vielfach geforderte Erhöhung des Spitzensteuersatzes dürfte nicht nur einkommensstarke Privathaushalte treffen, sondern vor allem auch die in der Krise stark gebeutelten Personenge sellschaften. Auf die neue Bundesregierung kommen schwere finanz- und wirtschaftspoliti sche Herausforderungen und Entscheidungen zu. Sie muss es letztlich schaf fen, die öffentlichen Finanzen wieder auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, ohne dabei der Wirtschaft über noch höhere Steuer- und Beitragsbelastungen die Luft zum Atmen zu nehmen. Eine nachhaltige Konsolidierung der Staatsfi nanzen dürfte dieses Mal um ein Vielfaches schwerer fallen als im Nachgang zur globalen Finanzkrise, als ein Arbeitsmarktboom - der Schröder'schen Agenda 2010 sei Dank -, Sonderkonjunktur (zukünftig wegen einer Zunahme des Protektionismus ein gutes Stück weit unwahrscheinlicher) und riesige Zins ersparnisse der Finanzpolitik goldene Jahre bescherten. Nach der Bundestagswahl im nächsten Herbst wird ein großer Kassensturz un ausweichlich sein. Somit dürfte auch die künftige Ausrichtung der Finanzpolitik - vor allem mit Blick auf den Reformbedarf in den Bereichen Rente, Gesundheit und Pflege - den kommenden Bundestagswahlkampf mitprägen. Eine erfolgrei che Gesundung der Staatsfinanzen dürfte wohl nur mit echten Strukturreformen gelingen (Stichwort: Begrenzung des Ausgabenwachstums auf ein nachhaltiges Niveau - auch im Sinne der Generationengerechtigkeit). Die Wiedereinführung des Nachholfaktors bei der gesetzlichen Rentenversicherung wäre schon mal ein Anfang. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) Inflation: Normalisierung in 2021 - Die Corona-Pandemie hat der Verbraucherpreisinflation einen ordentlichen Dämpfer versetzt. Auch wenn es aufgrund der Pandemie bei einigen Waren und Dienstleistungen zu preistreibenden Effekten gekommen ist, dominie ren die preisdämpfenden Faktoren bisher (noch) deutlich. Die derzeit nega tive Inflationsrate ist aber auch zu einem großen Teil das Ergebnis der stark gesunkenen Energiepreise. Eine erhebliche Diskrepanz ist derzeit bei der Preisentwicklung für Waren- und Dienstleistungen festzustellen. - Mit finanziellen Lasten für die öffentlichen Haushalte erscheint es nicht ab wegig, dass - wie schon in der Vergangenheit - schon bald die Preise für einige staatlich administrierte Güter und Dienstleistungen deutlich anziehen könnten. - 2021 dürften leicht höhere Energiepreise und die zum 1. Januar einset zende Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung die Inflation aber wieder spürbar anschieben. Nach einem Rückgang auf 0,5% in diesem Jahr rech nen wir mit einen Anstieg der Inflationsrate auf 1,4% in 2021 und 1,6% in 2022. Diese Einschätzung fußt auf der Erwartung, dass die Kerninflation 2021/22 mit 1,4% bzw. 1,2% wieder höher liegen dürfte als in diesem Jahr mit nur rund 1%. -2 -1 0 1 2 3 4 14 16 18 20 Harmonisierter Verbraucherpreisindex Waren (Gesamtindex ohne Dienstleistungen) Industrielle Waren (ohne Energie) Dienstleistungen (Gesamtindex ohne Waren) % gg. Vj. Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Harmonisierter Verbraucherpreisindex 38 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 26 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Corona-Krise, Ölpreissturz und temporäre Mehrwertsteuersenkung haben der Inflationsrate einen ordentlichen Dämpfer versetzt Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Weltwirtschaft im Rekordtempo abstür zen lassen, sondern auch der Verbraucherpreisinflation einen Dämpfer versetzt. Auch wenn von der Pandemie für einige Waren und Dienstleistungen preistrei bende Effekte ausgehen (z.B. aufgrund gestörter Lieferketten oder Mehrausga ben wegen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen), dominieren die preisdämpfen den Faktoren (noch) deutlich. Wie schon im September lag auch im Oktober die national gemessene Inflationsrate (VPI-Jahresveränderungsrate) bei -0,2%, wo bei die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) mit +0,5% noch im po sitiven Bereich lag. Bezogen auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag die Jahresinflation im Oktober sogar bei -0,5% (Kerninflation: +0,2%). Die derzeit negative Inflationsrate ist aber zu einem großen Teil das Er gebnis der stark gesunkenen Energiepreise (-6,8% gg. Vj.). Darüber hinaus gibt es aktuell eine erhebliche Diskrepanz in der Preisentwicklung von Waren- und Dienstleistungen (VPI-Oktoberwerte: -1,5% bzw. +1,0% gg. Vj. ) (siehe auch Grafik 38 für die entsprechenden Entwicklungen beim harmonisierten Verbrau cherpreisindex). Zusätzlich zum Absturz der Ölpreise von rund USD 64 (pro Fass) im Januar auf zwischenzeitlich unter USD 20 im April wirkt sich mit der zum Jahresende 2020 auslaufenden, temporäreren Mehrwertsteuersenkung ein weiterer Sonderfaktor stark preissenkend auf die Inflation in 2020 aus. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Konjunkturpaketes die Mehrwertsteuersätze zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 vorübergehend gesenkt. Während sich in diesem Zeitraum der Normalsatz von 19% auf 16% ermäßigt, sinkt der ermäßigte Steu ersatz von 7% auf 5% (siehe Grafik 39). In Deutschland werden ca. 70% der im Warenkorb enthaltenen Güter und Dienstleistungen entweder mit dem ermäßig ten oder dem regulären Mehrwertsteuersatz belegt, während ca. 30% - u.a. die Nettokaltmieten - von der Mehrwertsteuerpflicht ausgenommen sind. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes führt die Mehrwertsteuer senkung rein rechnerisch - also im Fall einer vollständigen und unmittelbaren Preisweitergabe - zu einem Preisrückgang von rund 1,6%. Daher könnte die Mehrwertsteuersenkung die Jahresinflationsrate im Jahr 2020 maximal um ca. einen vollen Prozentpunkt drücken. Der tatsächliche Effekt dürfte wohl aber niedriger ausgefallen sein. Aber in dem Fall einer - nicht unrealistisch erschei nenden - hälftigen Weitergabe der Steuersenkung würde die Jahresinflations rate im Jahr 2020 um wenigstens 0,6 Prozentpunkte gedämpft werden. Aber leere Staatskassen könnten schon bald einen Preisschub bei staatlich administrierten Preisen auslösen Mit den immer offener zutage tretenden finanziellen Lasten für die öffentlichen Haushalte erscheint es aber nicht abwegig, dass schon bald die Preise für ei nige staatlich administrierte Güter und Dienstleistungen spürbar anziehen könn ten (weitere Informationen finden sich in unserem Inflationsartikel im Ausblick Deutschland: „November-Lockdown = Q4 BIP Knockdown"). Laut Eurostat liegt der Anteil der staatlich administrierten Preise gegenwärtig (2020) bei ca. 12,4% vom gesamten HVPI-Warenkorb. Dieser Anteil ergibt sich aus den Gewichten für die direkt (6,7%) sowie teiladministrierten Preise (5,7%). Erstere umfassen u.a. die Preisentwicklung für die Wasserversorgung/-entsorgung, die Müllabfuhr, Verwaltungs-/Kindergartengebühren, den Personenverkehr oder Krankenhaus dienstleistungen - letztere hingegen jene für Museums- oder Zoobesuche, Zahndienstleistungen oder pharmazeutische Produkte. Ein Blick in die Vergan genheit zeigt, dass es bereits in schlechten finanziellen Zeiten zu teils kräftigen Anstiegen bei den administrierten Preisen gekommen ist (siehe Grafik 40). Auch -1 0 1 2 3 4 4 6 8 10 12 14 16 18 20 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 19 Mehrwertsteuer: Regelsatz (%) Mehrwertsteuer: Ermäßigter Satz (%) VPI (Gesamt) Verbraucherpreise in % gg. Vj. (rechts), Mehrwertsteuersätze in % (links) Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesfinanz ministerium, Deutsche Bank Research VPI: Mehrwertsteuersenkung dämpft Headline-Inflationsrate 39 -1 0 1 2 3 4 5 6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 Sozialversicherungen (% BIP) Gemeinden (% BIP) Länder (% BIP) Bund (% BIP) Administerierte Preise Preisentwicklung in % gg. Vj. (rechts), Finanzierungssaldo (links) Quellen: Statistisches Bundesamt, Eurostat, Deutsche Bank Research Administrierte Preise (HVP) im Kontext der deutschen Staatsfinanzen (VGR) 40 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Administerierte Preise HVPI ohne administrierte Preise Harmonisierter Verbraucherpreisindex % gg. Vj. bzw. Beiträge (Prozentpunkte gg. Vj.) Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research HVPI: Beitrag der adminstrierten Preise zur Headline-Inflationsrate 41 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 27 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    wenn diese Preise kräftiger anstiegen als derzeit, dürfte sich der Gesamteffekt auf die Inflationsrate aufgrund des begrenzten Gewichts im Warenkorb in Gren zen halten - vorausgesetzt, dass diese Preiserhöhungen nicht allzu heftig aus fielen. Sollten die administrierten Preise aber deutlich höhere jährliche Preisstei gerungsraten aufweisen - so wie z.B. zuletzt im Jahr 2004 in Höhe von +5,8% - könnte diese die deutsche Inflationsrate mit rund 0,7 Prozentpunkten spürbar nach oben ziehen (siehe Grafik 41). Höhere Energiepreise und Rücknahme der Mehrwertsteuersen kung schieben Inflation in 2021 an In diesem Jahr dürfte die VPI-Inflationsrate vor allem durch die niedrigen Ener giepreise und die temporäre Mehrwertsteuersenkung nach unten gezogen wer den. Die Energiekomponente dürfte unseren Schätzungen nach im Jahres durchschnitt um 4 ¾% sinken (z. Vgl. 2019: +1,3%) und damit die Inflationsrate im Jahr 2020 um ca. ½ Prozentpunkt drücken (siehe Grafik 43). Dies dürfte den durch höhere Nahrungsmittelpreise ausgelösten Preissteigerungseffekt von et was mehr als zwei Zehntel Prozentpunkten deutlich überwiegen. Schließlich dürfte auch die Kerninflation deutlich nachgeben (von 1 ½% im Jahr 2019 auf nur noch rund 1% in diesem Jahr). 2021 dürften sich die Vorzeichen dann um kehren. Zum einen dürfte sich die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung zum 1. Januar 2021 (geschätzter Effekt: +0,8 Pp. bzw. +0,4 Pp. bei einer vollständi gen bzw. hälftigen Weitergabe) inflationserhöhend auswirken. Zum anderen dürften steigende Energiepreise die Inflation anschieben, wenngleich die davon ausgehenden Preissteigerungseffekte durch die erwartete Euro-Aufwertung (auf USD/EUR 1,30 bis zum Jahresende 2021) im Gegenzug etwas abgeschwächt werden dürften (siehe Grafik 42). In der Summe dürften die Energiepreise um knapp 1% steigen und damit die Inflation um rund ein Zehntel erhöhen. Zudem gehen von dem im letzten Jahr beschlossenen Klimapaket preissteigernde Ef fekte aus. Die von der geplanten CO 2 -Bepreisung (in den Sektoren Trans port/Gebäude) ausgehenden Preissteigerungen dürften die von der Absenkung der EEG-Umlage ausgehenden Preissenkungseffekte (niedrigere Strompreise) überwiegen. Die Deutsche Bundesbank erwartet in der Summe der beiden Maß nahmen einen preissteigernden Nettoeffekt von ca. 0,3 bzw. 0,2 Prozentpunk ten im Jahr 2021 bzw. 2022. Aufgrund der strukturell dämpfenden Faktoren auf die Preisentwicklung (Rezes sion, negative Output-Lücke, Lohn- und Kaufzurückhaltung) dürfte die Inflations rate im nächsten Jahr aber dennoch recht moderat ausfallen. So erwarten wir nach einem Rückgang der VPI-Inflationsrate auf rund 0,5% im Jahr 2020 einen Anstieg auf 1,4% bzw. 1,6% im Jahr 2021 bzw. 2022 (siehe Grafik 43). Diese Einschätzung basiert u.a. auf der Annahme, dass die Kerninflation 2021 und 2022 mit 1,4% bzw. 1,2% wieder etwas höher liegen dürfte als in diesem Jahr (rund 1%). Hauptausschlaggebend für den erwarteten Anstieg der VPI Inflationsrate im Jahr 2022 dürften spürbar steigende Energiepreise sein. Mittel- bis langfristig, d.h. für die Zeit nach 2023, könnten neue Preisgefahren drohen. So könnte z.B. ein nachlassender Wettbewerbs- und Preisdruck - aufgrund ei ner möglichen Zunahme der Marktkonzentration (Stichwort: mögliche Pleite welle) - preissteigernd wirken. Aber auch eine abrupte mögliche Entladung der derzeit aufgestauten Nachfrage könnte zumindest temporär in manchen Berei chen zu kräftigen Preissteigerungen führen. Ebenso gehen von der ultra-expan siven Geld- und Fiskalpolitik tendenziell höhere Preisgefahren aus. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) -15 -10 -5 0 5 10 15 20 0 20 40 60 80 100 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Ölpreis (Brent Blend), EUR pro Barrel (links) Energiekomponente (HVPI) (rechts) % gg. Vj. Quellen: Eurostat, WEFA, Deutsche Bank Research HVPI: Energiekomponente dürfte mit höheren Ölpreisnotierungen künftig wieder anziehen 42 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Kerninflation Energie Nahrungsmittel Inflation VPI: Inflationsausblick 2020-22 43 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research % gg. Vj. bzw. Wachstumsbeiträge zur jahresdurchschnittlichen Inflationsrate in Pp. Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 28 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Deutsche Industrie: Corona-Verluste werden 2021 nur teilweise ausgeglichen - Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland dürfte 2020 um real etwa 11% sinken. Die globale Nachfrage nach Investitionsgütern sollte im kommenden Jahr jedoch für Impulse für deutsche Industrieunternehmen sorgen. Wir erwarten für 2021 einen Anstieg der Industrieproduktion um real etwa 8%. - 2021 wird sich die Automobilindustrie von ihrer tiefen Rezession erholen. Wir rechnen mit einem Anstieg der inländischen Produktion um etwa 30% nach einem Rückgang um 25% im Jahr 2020. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland dürfte 2020 um real etwa 11% sinken. Dies ist der zweite Rückgang in Folge und der kräftigste seit 2009, als die globale Wirtschafts- und Finanzkrise die deutsche Exportwirtschaft besonders hart getroffen hatte. Der Tiefpunkt im aktuellen „Corona-Zyklus" lag im 2. Quartal 2020. Damals schlossen einige Unternehmen aus wichtigen In dustriebranchen (freiwillig) für einige Wochen ihre Werke. Sie reagierten damit auf die wegbrechende Nachfrage oder Störungen der Wertschöpfungskette und wollten Ansteckungen in den Belegschaften vermeiden. Produktion und Auftragseingänge sind seither stetig gestiegen. Die Nachfrage aus China war dabei ein wichtiger Faktor. Die deutschen Ausfuhren nach China übersteigen das Vorjahresniveau bereits wieder seit einigen Monaten. Gleich wohl werden Lockdown-Maßnahmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern den Aufholprozess im November und Dezember (und wohl auch noch Anfang 2021) verzögern, obwohl die Industrie selbst (wohl) nicht direkt von den einschränkenden Maßnahmen betroffen ist bzw. sein wird. Die Investitionsbe reitschaft in wichtigen deutschen Exportmärkten wie der EU oder den USA dürfte gedämpft bleiben, solange dort das Infektionsgeschehen intensiv bleibt und solange die Politik einschränkende Maßnahmen ergreift, um die Corona Krise einzudämmen. Die wirtschaftliche Dynamik im Winterhalbjahr 2020/21 dürfte daher gezügelt sein. Dieses gemischte Bild spiegelt sich auch in der Entwicklung der Geschäfts-, Ex port- und Produktionserwartungen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe wi der. Alle drei Indikatoren zogen unmittelbar nach dem Corona-Schock an und kehrten bereits im Juni/Juli 2020 wieder in den positiven Bereich zurück. Aller dings gaben die Erwartungen mit den steigenden Infektionszahlen und den ein schränkenden Politikmaßnahmen wieder nach. Die Exporterwartungen waren zuletzt sogar wieder leicht negativ. Obwohl sich die Auftragseingänge seit Q2 2020 recht erfreulich entwickelt ha ben und die Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe das höchste Niveau seit April 2019 erreicht haben, könnten die Unternehmen die Aufträge über ei nen längeren Zeitraum strecken, um eine zu hohe Volatilität bei der Kapazitäts auslastung oder einen übermäßigen Lageraufbau zu vermeiden. Impfungen entfesseln Investitionsbereitschaft Sobald erkennbar wird, dass eine weitere exponentielle Verbreitung des Coronavirus verhindert und die Krise wegen steigender Impfungen und höherer Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre allmählich unter Kontrolle gebracht werden kann, wird das Vertrauen in einen sich selbst tragenden Aufschwung gestärkt. Letztlich wird dies die Lebensgeister in den Unternehmen wecken - eine Entwicklung, die an den Aktienmärkten offenkundig schon vorweggenom men wird. In der Folge werden die Wachstumsraten der globalen Anlageinvesti 60 70 80 90 100 110 120 15 16 17 18 19 20 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Verarbeitendes Gewerbe in DE, 2015=100 Tiefpunkt bei Produktion und Aufträgen durchschritten 44 60 70 80 90 100 110 120 15 16 17 18 19 20 Inland Ausland Insgesamt Quelle: Statistisches Bundesamt Verarbeitendes Gewerbe in DE, Auftragseingang, 2015=100 Aufträge auf Erholungskurs 45 -60 -40 -20 0 20 40 60 15 16 17 18 19 20 Erwartungen Lage Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Dämpfer bei Erwartungen 46 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 29 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    tionen spätestens ab Q2 2021 wieder höher ausfallen. Ein gewisser Nachholbe darf nach mehreren Quartalen mit schwacher wirtschaftlicher Aktivität dürfte hierbei für zusätzliche Impulse sorgen. Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland wird von einer steigenden globalen Nachfrage nach Investitionsgütern profitieren. Die jüngste positive Entwicklung der Ausfuhren nach China ist ein Beispiel dafür, wie die Auslandsnachfrage das Produktionswachstum in Deutschland stützen kann, sobald die Corona-Krise in wichtigen Exportmärkten eingedämmt ist. Die großzügigen Regelungen zur Kurzarbeit helfen dabei, die Beschäftigung in den Betrieben hochzufahren, so bald die Nachfrage wieder anzieht, weil die Unternehmen in der Lage sind, ei nen großen Teil ihrer Stammbelegschaften zu halten. Wir rechnen damit, dass die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe 2020 nur um 2 bis 3% sinken wird. Das wird bei steigender Nachfrage ein Vorteil gegenüber der europäischen Konkurrenz. Wir erwarten, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe 2021 um real etwa 8% steigen wird. Das absolute Niveau würde damit dennoch um etwa 10% unter dem Höchststand von 2018 bleiben. Die Industrie dürfte damit die Corona Verluste aus dem Jahr 2020 nicht vollständig ausgleichen können. Die Indus trieproduktion könnte 2022 um weitere 6% steigen. Automobilindustrie: Hohe Volatilität - strukturelle Herausforderun gen relevanter Die Produktion der Automobilindustrie in Deutschland (inklusive Zulieferer) dürfte 2020 um real etwa 25% schrumpfen. Dies ist der dritte Rückgang in Folge (nach -1,7% im Jahr 2018 und -11,3% 2019) und der stärkste seit der deut schen Wiedervereinigung. Für 2021 halten wir einen kräftigen Aufschwung für wahrscheinlich. Die Produktion könnte dank der wieder anziehenden globalen Autonachfrage um etwa 30% expandieren. Dabei spielt auch ein enormer statis tischer Überhang eine große Rolle. Für einen Anstieg um 30% ist noch nicht einmal eine besonders hohe Dynamik im Verlauf von 2021 notwendig. Gleich wohl würde das Produktionsniveau selbst bei einem derart kräftigen Zuwachs noch um 10% unter dem Niveau von 2017 liegen. Einige strukturelle Entwicklungen bleiben für die Automobilindustrie in den kom menden Jahren die größere Herausforderung als die kurzfristige Entwicklung der Nachfrage. Zu nennen sind die strengen CO 2 -Grenzwerte für Pkw in der EU. Bis spätestens 2021 müssen die durchschnittlichen CO 2 -Emissionen aller neu zugelassenen Pkw in der EU auf 95 g/km sinken. Für einen großen Teil der Neuwagenflotte muss dieses Ziel bereits 2020 erreicht werden. Wird dieses Ziel verfehlt, drohen Strafzahlungen für die Automobilindustrie. Ironischerweise hilft die Corona-Krise dabei, das CO 2 -Ziel im Jahr 2020 zu erreichen. Denn der Ab satz von Benzinern und Diesel-Pkw gab im Zuge der Corona-Krise deutlich nach, während Elektrofahrzeuge in vielen Ländern von (noch) höheren Förder programmen profitieren. Es ist jedoch eine offene Frage, wann der durchschnitt liche Autokäufer bereit ist, ein Elektroauto zu kaufen, ohne dafür Subventionen zu verlangen. Eine weitere Bedrohung für den Verbrennungsmotor liegt in der neuen Euro-7-Abgasnorm, die derzeit diskutiert wird und die bereits 2025 umge setzt werden könnte. Die künftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA bzw. China sowie das Verhältnis zu UK nach dem Brexit sind weitere Bereiche, die Anlass zur Sorge geben. Aus unserer Sicht ist die deutsche Auto mobilindustrie besser für diese Herausforderungen gerüstet als der Produktions standort Deutschland. 50 60 70 80 90 100 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Kapazitätsauslastung Mittelwert seit 1992 Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland, % Quelle: ifo Institut Kapazitätsauslastung zieht an 47 -60 -40 -20 0 20 40 15 16 17 18 19 20 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Beschäftigung … zur Entwicklung der Produktionstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Erwartungen der Unternehmen in DE, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Exporterwartungen wieder leicht negativ 48 -70 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 CN US* EU * Light vehicles Pkw-Neuzulassungen bzw. Pkw-Absatz, % yoy, gleitender 3-Monatsdurchschnitt Quellen: ACEA, BEA, CAAM Automarkt in China wieder im Plus 49 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 30 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Maschinenbau und Elektrotechnik: Steigende Nachfrage nach In vestitionsgütern führt zu Produktionswachstum im Jahr 2021 Die Corona-Krise hat den Maschinenbau und die Elektrotechnik unterschiedlich stark erfasst. Selbst zum Höhepunkt der ersten Welle blieb die Produktion in ei nigen Teilbranchen der Elektrotechnik wie der Medizintechnik recht stabil. Hinzu kommt, dass Elektrotechnik vor der Corona-Krise einen sehr guten Start ins Jahr 2020 hingelegt hatte, während die Fertigung im Maschinenbau zu Jahres beginn eher seitwärts tendierte. Wir rechnen damit, dass die Produktion im Maschinenbau 2020 um real 14% sinken wird (2019: -3,1%). In der Elektrotechnik dürfte die inländische Produk tion um etwa 8% sinken (2019: -2,4%). Beide werden von einer stärkeren heimi schen und internationalen Nachfrage nach Investitionsgütern profitieren. Für 2021 erwarten wir ein Produktionsplus von 8% im Maschinenbau und von 5% in der Elektrotechnik. Der starke Euro könnte dazu beitragen, dass deutsche Un ternehmen den einen oder anderen Auftrag an ausländische Konkurrenten ver lieren. Der chinesische Yuan hat jedoch auch aufgewertet. Zudem schützt die Fähigkeit deutscher Hersteller, maßgeschneiderte Spezialmaschinen oder elek trische Ausrüstungen für ihre Kunden zu fertigen, in einem gewissen Maß vor Aufwertungen der eigenen Währung. Metallindustrie: Eingeschränkte Erholung im Jahr 2021 Angesichts der rückläufigen Produktion in wichtigen Abnehmerbranchen ist es wenig überraschend, dass auch die Metallindustrie im Jahr 2020 kräftige Ferti gungseinbußen erleiden wird. Wir erwarten einen Produktionsrückgang in der gesamten Metallindustrie um real 13% (2019:-4,3%). Dabei dürften die Verluste in der Metallerzeugung etwas größer ausfallen als bei der Herstellung von Me tallerzeugnissen. Im kommenden Jahr halten wir ein Produktionsplus von etwa 6% für möglich. Strukturell sehen wir die Perspektiven der Metallerzeugung we niger günstig als die Aussichten für die Hersteller von Metallerzeugnissen. In der Metallerzeugung wirken vor allem die globalen Überkapazitäten in der Branche sowie die Unsicherheiten rund um die klima- und energiepolitischen Rahmenbe dingungen in Deutschland und der EU belastend. In der Metallerzeugung schrumpft der Kapitalstock in Deutschland bereits seit vielen Jahren. Für die Hersteller von Metallerzeugnissen sind die direkten energiepolitischen Rahmen bedingungen weniger relevant, weil ihre Produktion bei Weitem nicht so ener gieintensiv ist wie die Metallerzeugung. Vielmehr ist für die künftige Entwicklung der Produktion maßgeblich, in welchem Ausmaß die Abnehmer aus dem Be reich der Investitionsgüter ihre Wertschöpfung in Deutschland aufrechterhalten. Chemieindustrie: Strukturelle Probleme setzen Grenzen Die Chemieindustrie hat in der Hochphase der ersten Welle der Corona-Krise nur moderate Produktionsverluste erlitten - zumindest im Vergleich zu anderen Industriebranchen. 2020 wird die Chemieproduktion in Deutschland um real etwa 2% sinken. Allerdings dürfte sie 2021 nach unserer Prognose auch ledig lich um 3% steigen. Grundsätzlich dürfte sich in der Chemieindustrie in Deutsch land in den kommenden Jahren die strukturelle Schwächephase mit einer ten denziell sinkenden oder bestenfalls stagnierenden inländischen Produktion fort setzen. Ähnlich wie in der Metallerzeugung sinkt auch in der Chemie der Kapi talstock seit Jahren. Die Gründe für diese Entwicklung sind ebenfalls ähnlich. Die Unsicherheiten bezüglich der langfristigen klima- und energiepolitischen Re gulierung führen bei Anlagen, deren Nutzungsdauer mehrere Jahrzehnte be trägt, zu Investitionszurückhaltung. 0 20 40 60 80 100 120 15 16 17 18 19 20 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Quelle: Statistisches Bundesamt Produktion in ausgewählten Industriebranchen in DE, 2015=100 Lücke zum Vorkrisenniveau trotz jüngster Erholung noch groß 50 60 70 80 90 100 110 120 15 16 17 18 19 20 Chemieindustrie Metallerzeugung Metallerzeugnisse Quelle: Statistisches Bundesamt Produktion in ausgewählten Industriebranchen in DE, 2015=100 Metallerzeugung noch schwach 51 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 31 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Pharma: 2020 leichtes Produktionsplus möglich - weiterer Anstieg im Jahr 2021 Die Auslandsnachfrage nach pharmazeutischen Erzeugnissen aus Deutschland hat die inländische Produktion während der Corona-Krise gestützt. In den ersten drei Quartalen von 2020 lagen die deutschen Pharmaexporte um nominal 7% über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Wir rechnen damit, dass die Phar maproduktion 2020 um real 1% und 2021 um 5% steigt. Ein Teil der Impfstoffe gegen COVID-19 wird auch in Deutschland produziert. Gleichwohl könnte sich die Nachfrage nach normalen Grippe- und Erkältungsmitteln abschwächen, wenn die in den Wintermonaten sonst üblichen Erkältungswellen aufgrund der herrschenden Abstandsregeln eingedämmt werden können. Bezüglich der in ländischen Produktion dürfte die Pharmaindustrie einer der dynamischsten Sek toren in Deutschland bleiben. Ernährungsgewerbe: Weiterhin stabile Entwicklung Der Einfluss der Corona-Krise auf das Ernährungsgewerbe war auf die Monate Mai und April begrenzt. Unternehmen fuhren die Produktion zurück, um Hygie nemaßnahmen umzusetzen und um die Beschäftigten vor Ansteckungen zu schützen. Inzwischen hat sich die Produktion in der Branche deutlich erholt. Wir erwarten nun sogar ein Produktionsplus von 1% im Jahr 2020 und von 2% im kommenden Jahr. Die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels und der da mit einhergehende Preisdruck bleibt einer der größten Herausforderungen des Sektors. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 32 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Deutschland geht ins Superwahljahr 2021 - Das nächste Jahr wird mit der Bundestagswahl und sechs weiteren Land tagswahlen politische Aufmerksamkeit binden. Auf dem Prüfstand wird auch das COVID-19-Krisenmanagement stehen. - Die CDU/CSU führt in den Umfragen trotz ihrer offenen Personal- und Füh rungsfragen. Unser derzeitiges Baseline-Szenario ist eine schwarz-grüne Regierungskoalition, für deren Zustandekommen aber beide Seiten erhebli che Kompromisse eingehen müssen. - Die öffentlichen Proteste, die sich neben den Corona-Maßnahmen zuneh mend auch ganz fundamental gegen den demokratischen Staat richten, werden sich vermutlich in 2021 fortsetzen. Zwar spiegeln sie eine gewisse Polarisierung wider, die aber die Gesellschaft und das politische System in Deutschland nicht destabilisieren wird. Regierungshandeln während der Pandemie hat v.a. die CDU/CSU gestärkt. Trotz der parteiinternen Kämpfe um die Nachfolge von Kanzlerin (und früheren CDU-Parteivorsitzenden) Merkel führt die CDU/CSU in den Umfragen mit einem komfortablen Vorsprung sowohl ggü. der SPD als auch den Grünen (siehe Gra fik). In der Spitze erreichten die Unionsparteien fast 40% (derzeit um die 36%), nachdem Merkels Regierung noch in 2019 als schwach und zerstritten wahrge nommen wurde und Tiefstwerte von fast 25% in den Umfragen zu verkraften hatte. Die SPD, die im Krisenmanagement eigentlich mit dem populären Finanz minister und Kanzlerkandidaten Scholz eine herausragende Rolle spielt, konnte ihre Regierungsverantwortung kaum in steigende Umfragewerte umsetzen und bewegt sich weiterhin um die 15%. Eine unklare politische Agenda könnte es er schweren, auch traditionelle Wähler zurückzugewinnen. Nun hat die SPD ge rade angekündigt, ihren für März vorgesehenen Parteitag auf den 9. Mai zu ver schieben - auch, um mehr Zeit für die Beratung des Wahlprogramms zu gewin nen. Die Grünen haben die SPD vom zweiten Platz verdrängt und dürften eine ent scheidende Rolle bei der nächsten Regierungsbildung spielen. Im Gegensatz zu CDU/CSU verzeichneten die Grünen ein Hoch in den Umfragen von 26% im Sommer 2019, das sich allerdings während der Pandemie, in der die Opposition lange keine sichtbare Rolle spielte, auf 15% zurückbildete und erst kürzlich wie der Richtung 20% erholte. Dennoch lässt der deutliche Vorsprung von CDU/ CSU in den Umfragen frühere Spekulationen, nach den nächsten Wahlen könn ten die Grünen sogar den Kanzler bzw. die Kanzlerin stellen, unrealistisch er scheinen. Zudem traut eine Mehrheit der Deutschen (64%) den Grünen nicht zu, eine Bundesregierung zu führen und einen eigenen Kanzler zu stellen (Polit barometer, 27. Nov). Mit der Verabschiedung ihres neuen Grundsatzprogramms auf dem Parteitag im November hat die Partei jedoch ihren Führungsanspruch unterstrichen. In manchen Politikbereichen, v.a. der Sozialpolitik, liegen die Vor stellungen der Grünen aber näher bei der SPD oder sogar der Linken. Koaliti onsvereinbarungen mit der CDU/CSU, die auch von der Basis der Grünen mit getragen werden, dürften daher einiges an Verhandlungsgeschick seitens der grünen Parteiführung erfordern. Die aktuellen Umfragen deuten auf eine schwarz-grüne Regierungskoalition nach den nächsten Wahlen. Gegenwärtig erlaubt die Umfragearithmetik nur zwei politisch plausible Optionen für eine Mehrheitsregierung: Entweder eine Große Koalition - was allerdings mehrfach von der SPD-Führung ausgeschlos sen wurde, die auf einen stärker links ausgerichteten Politikkurs setzt. Oder eine CDU/CSU/Grüne-Koalition, die bei einer relativen Mehrheit der Deutschen Rückhalt finden würde (Politbarometer, Nov 27). Dies scheint uns die wahr scheinlichste Alternative zu sein. Freilich dürfte die Unsicherheit über die Wahl absichten diesmal höher sein als sonst: Erstens sind die (guten) Umfragewerte 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Mrz 20 Jun 20 Sep 20 CDU/CSU SPD Grüne FDP Linke AFD Quellen: Wahlrecht.de, Deutsche Bank Stärke der Parteien seit Beginn der COVID-19 Pandemie 52 % der Stimmen, wöchentlicher Duchschnitt der aktuellen Umfrageergebnisse* * Umfragen der führenden Meinungsforschungs institute (Allensbach, Kantar, Forsa, FG Wahlen, Infratest, INSA). Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 33 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    von CDU/CSU eng korreliert mit Merkels Popularitätswerten (s. Grafik). Daher muss abgewartet werden, wie die Umfragen auf die Wahl des CDU Parteivorsitzenden und - später - die Nominierung des gemeinsamen Kanzler kandidaten von CDU und CSU reagieren. Zweitens hat in der öffentlichen Wahr nehmung die Bundesregierung mit Kanzlerin Merkel ein bisher recht erfolgrei ches Krisenmanagement für Deutschland betrieben. Allerdings hat sich die Un terstützung im Zeitverlauf etwas abgeschwächt und die öffentliche und politi sche Debatte ist kontroverser geworden (s. Grafik). Ein deutlicher Anstieg der Unternehmensinsolvenzen, schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt oder ein wachsendes Gefühl in der Bevölkerung, dass selbst die umfangreichen finanzi ellen Hilfen nicht ausreichen, um soziale und wirtschaftliche Härten zu vermei den, könnte die bisherige Einschätzung zum Krisenmanagement verändern. Als Folge könnte der „Krisenbonus" der CDU/CSU im Laufe des Wahljahres kleiner werden. Corona-Pandemie begünstigt Polarisierung in Politik und Gesellschaft. Das Kri senmanagement der Bundes- und Länderregierungen wird zunehmend begleitet von Protesten, die sich von der ursprünglichen Kritik entfernt und nun immer mehr auch Gruppen mit z.T. verfassungsrechtlich problematischen Forderungen einschließen. Diese politisch und gesellschaftlich heterogene Protestbewegung dürfte sich auch im Jahr 2021 fortsetzen. Die einzige Partei, die sich bisher ex plizit bei diesen „Anti-establishment"-Protesten engagiert hat, ist die AfD - ver mutlich auch, weil ihr derzeit ein mobilisierendes Wahlkampfthema fehlt. Bisher allerdings ohne Auswirkungen auf ihre schwächeren Umfragewerte. Anders als während der Flüchtlingskrise in 2015 kann Kanzlerin Merkels Regierung auch keine Schuld an der gegenwärtig schwierigen Lage gegeben werden, zumal sie sich als schnell und umfassend handlungsfähig erwiesen hat. Zudem hat sich auf dem jüngsten Parteitag der AfD die innere Zerrissenheit der Partei gezeigt, die möglicherweise auch eine Rückkehr der AfD zu ihrer früheren Stärke - ge rade auch in Ostdeutschland - behindert. Sollte es freilich der AfD gelingen, eine allgemeine Stimmung gegen die Regierung und die demokratische Ord nung zu erzeugen, könnte sich das Bild noch ändern. Immerhin aber lehnen 86% der Deutschen diese Proteste ab und zeigen weiterhin hohes Vertrauen in die demokratischen Institutionen (Politbarometer). Ungeachtet einer gewissen Zunahme der Polarisierung in Gesellschaft und Politik dürfte Deutschlands de mokratische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz hoch bleiben. Wahlkampf dürfte diesmal kontroverser geführt werden. Die Parteien, beson ders die jetzigen Koalitionspartner CDU/CSU und SPD, werden auf eine deutlich stärkere inhaltliche Profilierung im Wahlkampf achten. Eines der wichtigen The men werden die öffentlichen Finanzen sein. Dies schließt die Frage nach der Rolle des Staates angesichts seines starken finanziellen und eigentumsrechtli chen Engagements im Unternehmenssektor ein. Die anhaltend hohen fiskali schen Stützungsmaßnahmen haben die Haushaltsdefizite sowie die öffentliche Verschuldung nach oben getrieben (vgl. „Öffentliche Finanzen im Corona-Ab wärtsstrudel" in dieser Ausgabe). Die Debatte über die Kostenverteilung hat ge rade erst begonnen. Die Vorschläge dazu reichen von einem moderaten Konso lidierungskurs und der baldigen Einhaltung der nationalen Schuldenregeln über höhere Steuern und einen COVID-Soli bis zu einer Vermögensabgabe bzw. ei nem Lastenausgleich und der Abschaffung der Defizitregeln - all dies entlang der wohlbekannten parteipolitischen Linien. Die anstehende Diskussion über die Fiskalregeln auf EU-Ebene wird dies weiter komplizieren. Das andere promi nente Thema dürfte der Klimawandel sein, der zumindest vor der Pandemie die Prioritätenliste der Deutschen anführte (s. Grafik). Dennoch, selbst in Deutsch land dürfte die Klimapolitik kein Selbstläufer werden, da die beschlossenen kli mapolitischen Ziele weitreichende strukturelle Veränderungen erfordern und - sofern technologische Innovation nicht breit eingesetzt werden - dabei Gewin ner und Verlierer unter den privaten Haushalten und den Unternehmen produ zieren werden. Konflikte um Verteilungsfragen und Kompensationsmöglichkei 0 20 40 60 80 Mrz. 20 Apr. 20 Jun. 20 Aug. 20 Sep. 20 Nov. 20 ... übertrieben sind ... gerade richtig sind ... härter ausfallen müssten Lock down Lite Lock down % der Befragten, die der Ansicht sind, dass die geltenden Corona-Maßnahmen ... Schwächer werdende öffentliche Unterstützung für die Corona-Politik 54 Quelle: Politbarometer, 27. März bis 27. November 2020 0 1 2 3 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 05 07 09 11 13 15 17 19 Bundestagswahl % der Stimmen CDU/CSU (linke Skala) Beliebtheitswerte Kanzlerin Merkel (rechte Skala) Beliebtheitswerte % der Stimmen Quellen: FG Wahlen, Deutsche Bank Stärke CDU/CSU und Beliebtheit Kanzlerin Merkel 53 2 33 19 10 13 9 80 13 12 4 4 3 0 2 04 06 08 0 1 0 0 Corona Umwelt Migration Bildung Renten Soziales Gefälle Vor COVID-19 (7. Feb. 2020) Aktuell (13. Nov. 2020) Die wichtigsten Probleme in Deutschland aus Sicht der Wähler 55 % der Wähler, die ein Thema als ein wichtiges Problem für Deutschland sehen* * Befragte Wähler konnten max. 2 Themen nennen Quelle: FG Wahlen, Politbarometer. Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 34 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    ten werden gerade in fiskalisch engeren Zeiten zunehmen. Im Falle von Koaliti onsverhandlungen zwischen CDU/CSU und Grünen dürften bei aller grundsätz lichen Einigkeit über die Bedeutung von Klimapolitik eher schmerzhafte und teure Kompromisse von beiden Seiten erforderlich sein. Ein weiteres Thema ist interessant sowohl für ausländische Investoren als auch Deutschlands Partner in der EU: Europapolitik . Allerdings zeigen die Erfahrun gen früherer Wahlen, dass diese keinen wesentlichen Einfluss auf die Wahlent scheidungen hat. Das wichtigste Projekt auf EU-Ebene ist derzeit der Wieder aufbaufonds. Nach schwierigen Verhandlungen unter deutscher EU-Rats präsidentschaft grundsätzlich verabschiedet, kann man ihn als Paradigmen wechsel in der deutschen Europapolitik bezeichnen. Die Einschätzungen dazu sind zumindest gespalten (s. Grafik). Die Konservativen zumal hätten ein ande res Verhältnis zwischen Zuschüssen und Krediten bevorzugt und betonen die temporäre Struktur des Fonds und seiner Finanzierungsmodalitäten über die Emission von Anleihen durch die Europäische Kommission. Die Grünen dage gen fordern mehr fiskalpolitische Zuständigkeiten für die EU, vor allem die Kom petenz zur eigenen Einnahmen- bzw. Steuererhebung und die Möglichkeit, den EU-Haushalt als Teil einer eigenen anti-zyklischen Finanzpolitik über Kredite zu finanzieren. Einer Umfrage unmittelbar nach der Einigung zum Wiederauf baufonds zeigt, dass die Deutschen mit 66% eine solche Lösung unterstützen (Politbarometer, 31. Juli). Einer jüngeren Umfrage des ECFR 1 zufolge halten sich mit je einem Drittel der Befragten die positiven und negativen Einschätzun gen eher die Waage. Bei der ablehnenden Gruppe ist die Sorge groß, dass die Mittel nicht effizient eingesetzt werden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die kritischen Stimmen zunehmen, sollte es sich nicht erweisen, dass die Trans fers Produktivität und Strukturwandel in den Empfängerländer vorangebracht haben. Wichtig auf die kürzere Sicht. Das Wahljahr 2021 beginnt mit einer wichtigen Entscheidung, der lange aufgeschobenen Wahl des nächsten CDU-Partei vorsitzenden am 16. Januar in einem noch genauer zu klärenden virtuellen For mat. Das Rennen dürfte als weitgehend offen gelten, auch wenn Friedrich Merz in den Umfragen führt (s. Grafik). Aber Umfragen sind in diesem Fall das eine, die geheime Wahl durch 1.001 Delegierte, die nicht an Empfehlungen ihrer Par teigruppierungen gebunden sind, das andere. Eine Stichwahl dürfte aber unver meidlich sein. Spannend wird danach werden, ob sich der neue Parteivorsit zende auch als Kanzlerkandidat durchsetzen kann. Die Nominierung des ge meinsamen CDU/CSU-Kanzlerkandidaten dürfte allerdings kaum vor Ende März erfolgen - zumindest lassen dies Äußerungen von Markus Söder vermuten, der ja selbst von vielen als möglicher Kanzlerkandidat gesehen wird. Ebenfalls im 1. Quartal nächsten Jahres finden Landtagswahlen in Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg statt (s. Tabelle). Besonders letztere dürfte auf merksam beobachtet werden, auch über Deutschlands Grenzen hinaus, weil sich hier unter dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann eine grün schwarze Koalition zur Wiederwahl stellt. Natürlich werden in diesem strukturell von der Automobilindustrie und dem Maschinenbau dominierten Bundesland re gionale Aspekte eine wesentliche Rolle spielen. Dennoch: Es wird die erste echte Gelegenheit sein, um die Stimmung der Wähler hinsichtlich Parteien und Koalitionen potenziell auch für die Bundestagswahl aufnehmen zu können. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Ursula Walther (ursula.walther@db.com) 1 European Council on Foreign Relations (2020). The transformative five: A new role for the frugal states after the EU recovery deal. Superwahljahr 2021 58 Quelle: Wahlrecht.de 17 30 37 35 32 50 43 43 51 36 36 36 33 31 31 28 -60 -40 -20 0 20 40 60 PL DK DE FR SE FI AT NL Negative Gefühle (Sorgen, Frustration, Wut) Positive Gefühle (Optimismus, Erleichterung, Enthusiasmus) Deutschland hat gemischte Gefühle gegenüber dem EU-Aufbaufonds 56 Vorherrschende Gefühle gegenüber dem EU-Auf baufonds, % der Wähler Quelle: ECFR (2020). The transformative five: A new role for the frugal states after the EU recovery deal. 27 16 15 21 39 22 15 15 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Merz Röttgen Laschet Keiner der drei Alle Wähler CDU-Anhänger Beliebtheit der Kandidaten für den CDU Vorsitz 57 Gewünschter künftiger CDU Parteivorsitzender, % der Wähler Quelle: ARD Deutschlandtrend, 27. Nov. 2020 Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 35 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Geldpolitik macht sich nochmal locker - Die EZB hat auf ihrer jüngsten Ratssitzung im Dezember die bestehenden Programme verlängert und erweitert. So wurden weitere Anleihekäufe und Kredite beschlossen. - Diese Maßnahmen sollen die Finanzmarktstabilität angesichts der erneuten wirtschaftlichen Verschlechterung im Winterhalbjahr gewährleisten. Zudem will die EZB hiermit eine abrupte Verschlechterung der Marktbedingungen und Verteuerung von Krediten in der wirtschaftlichen Erholung verhindern. - Angesichts der starken Zielverfehlung bei der Inflation kommt der Corona bedingt erst im Jahr 2021 stattfindenden „Strategic Review" eine enorme Bedeutung zu. Man darf gespannt sein, ob die EZB wie die Fed ihr Inflati onsziel anpasst. Rückblick auf das Gesamtjahr 2020 In der ersten Phase der Corona-Krise war die Herausforderung für die Geldpoli tik vor allem die Instabilität der Märkte. Der Abverkauf im März wurde mit sehr umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen verhindert. Das sehr flexibel ausge staltete Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), die Versorgung der Wirtschaft mit günstigen Krediten zur Unterstützung der expansiven Fiskal politik und aufsichtsrechtliche Änderungen bei den Kapital-, Liquiditäts-, Sicher heiten- und Leverage-Vorschriften hielten die Risikoprämien schließlich in Schach. Der durch die Wirtschaftskrise ausgelöste negative Inflationsschock verschärfte aber die Verfehlung des Inflationsziels. Die EZB hat ihre Projektio nen für die künftige Inflationsentwicklung deutlich nach unten angepasst. Die schlechtere Infektions- und Wirtschaftslage gegen Jahresende belastet den In flationsausblick weiter. Zudem schwächelt jüngst die Kreditvergabe der Banken. Aus beiden Gründen hat der EZB-Rat am 10. Dezember weitere Lockerungen beschlossen. Die jüngsten Beschlüsse des EZB-Rats: Weitere Anleihekäufe … Abermals stand das PEPP im Mittelpunkt der Ratssitzung. Insgesamt werden über diesen Zeitraum weitere EUR 500 Mrd. (DB-Erwartung: EUR 400 Mrd.) in vestiert, wodurch sich die Anleihekäufe alleine aus dem PEPP bis März 2022 auf EUR 1.850 Mrd. summieren werden. Daneben werden über das Asset Purchase Programm (APP) weiterhin Anleihekäufe in Höhe von EUR 20 Mrd. pro Monat getätigt. Die EZB verlängerte darüber hinaus die Nettoanleihekäufe um neun Monate bis März 2022 (DB-Erwartung: sechs Monate) und die Rein vestitionsphase um ein Jahr bis zum Jahresende 2023 (wie erwartet). Es gab und gibt jedoch eine unbefristete Verpflichtung zum PEPP. So hat sich die EZB mit der Formulierung „und auf jeden Fall, bis der EZB-Rat zu dem Ergebnis kommt, dass der Krisenmodus beendet ist" stets alle Optionen offen gehalten. Trotz dieser geldpolitischen Lockerungen betonte die EZB-Präsidentin Lagarde auch, dass, wenn die wirtschaftliche Erholung besser als erwartet verläuft, die nun beschlossene Ausweitung des Programms der letzte Schritt vor einer Nor malisierung der Geldpolitik sein könnte. -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 17 18 19 20 COVID shock Eurozone: 10J Staatsanleiherenditen 59 %, BIP-gewichtete Länder-Zeitreihen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 36 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    … und bessere Konditionen für Banken bei der Kreditvergabe Die EZB setzte weitere Anreize für die Banken, die Kreditvergabe im Rahmen der TLTRO-Operationen anzukurbeln. So verlängerte die EZB die im Rahmen der Pandemie eingeführten sehr günstigen Refinanzierungskonditionen um 12 Monate (DB-Erwartung 6 Monate). Diese Maßnahme verschiebt auch potenzi elle Probleme aufgrund hoher Überschussliquidität nach der Corona-Krise nach hinten. Die Banken könnten aufgrund der Negativzinsen versucht sein, TLTROs frühzeitig zurückzuzahlen. Die Finanzbedingungen der Banken und Finanz märkte dürften anziehen, wenn dieser Punkt erreicht ist. In Zukunft könnten wei tere politische Schritte nötig sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Diese Maßnahme verschafft den Banken auch eine Verschnaufpause, um den Corona-bedingten Anstieg der notleidenden Kredite absorbieren zu können. So mit werden auch eine vorsichtigere Kreditvergabe und damit eine schwache wirtschaftliche Erholung verhindert. Damit zieht man die Lehren aus der Ent wicklung nach der Finanzkrise. Auch die neue TLTRO3-Benchmark für die Kre ditvergabe passt hier ins Bild und verbessert die Finanzierungsbedingungen. Banken, die ein Deleveraging ihrer Kreditbücher zwischen Oktober 2020 und Dezember 2021 vermeiden, profitieren weiterhin von dem Abschlag von 50 Bp auf den Zinssatz der Einlagefazilität - in Summe ein Zinssatz von -1% für wei tere 12 Monate bis Mitte 2022. Das Inflationsziel von „unter, aber nahe 2%" rückt in die Ferne Die verbesserten Kreditvergabebedingungen implizieren Aufwärtsrisiken für hö here Inflationsraten, wenngleich die EZB hiervon nicht überzeugt ist. EZB Präsidentin Lagarde bezeichnete die Inflationsaussichten in der Pressekonfe renz als „enttäuschend". Entsprechend liegen die EZB-Prognosen (Staff fore casts) für die Inflation in den Jahren 2021, 2022 und 2023 bei 1,0%, 1,1% und 1,4%. Die Erwartungen für die Kerninflation liegen sogar wenige Zehntel Pro zentpunkte darunter. Auch die potenziell positiven Wachstumseffekte des „Next Generation" EU-Recovery-Programms haben nicht zu einer höheren Inflations prognose geführt. Dabei ist die jüngste Aufwertung des Euros noch nicht be rücksichtigt worden. Somit wäre die Prognose vermutlich noch geringer ausge fallen. Das Inflationsziel wird seit Jahren verfehlt. Aufgrund der schon vor der Corona-Krise vorhandenen Reformmüdigkeit besteht die Gefahr, dass die Infla tionsrate strukturell niedrig bleibt. -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2020 2021 2022 Dez 19 Mrz 20 Jun 20 Sep 20 EZB-Prognosen: HVPI-Inflation 61 % gg. Vj. Quellen: Deutsche Bank Research, EZB -50 -30 -10 10 30 50 70 90 110 130 150 Aug 19 Nov 19 Feb 20 Mai 20 Aug 20 DE FR IT ES NL Andere EA Unternehmenskredite: Veränderung 60 EUR Mrd. Quellen: Deutsche Bank Research, EZB, Haver Analytics LP Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 37 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Der „Strategic Review" kommt eine zentrale Bedeutung zu Angesichts der jahrelangen Zielverfehlung und des nicht nur Corona-bedingt mauen Inflationsausblicks gewinnt die „Strategic Review" im Jahr 2021 der EZB und damit die Überprüfung des EZB-Inflationsziels eine zentrale Bedeutung. Es bleibt abzuwarten, ob die EZB zu dem Schluss kommt, dass die Grenzen der Geldpolitik erreicht sind. Womöglich geben aber wie in der Vergangenheit die Tauben wieder den Ton an. Die Fed hat bereits ein durchschnittliches Inflations ziel beschlossen und lässt damit auch ein temporäres Überschießen der Infla tion auf über 2% ohne restriktivere geldpolitische Maßnahmen zu. Daher hat die Entscheidung der EZB über ihr künftiges Inflationsziel nicht nur weitreichende Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung, sondern insbesondere auch für den Wechselkurs. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 38 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland    Eventkalender 2021 1. Januar Portugal übernimmt EU-Ratspräsidentschaft von Deutschland 14. Januar Bruttoinlandsprodukt 2020 plus Pressekonferenz des Statistischen Bundesamts 1. Halbjahr* Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Mietendeckel 20. Januar Tarifverhandlungsrunden 2021 in der Metall- und Elektroindustrie: Üblicherweise zwei bis drei Verhandlungsrunden über zwei Monate 29. Januar Bruttoinlandsprodukt Q4 2020, Schnellmeldung 24. Februar Bruttoinlandsprodukt Q4 2020, tiefer gegliederte Ergebnisse März/April Tarifverhandlungsrunden 2021 im Groß- und Außenhandel (regional unterschied lich): Üblicherweise zwei bis drei Verhandlungsrunden über zwei Monate März/April/Mai/Juni Tarifverhandlungsrunden 2021 im Einzelhandel (regional unterschiedlich): Übli cherweise zwei bis drei Verhandlungsrunden über zwei Monate 14. März Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 25. April Landtagswahl in Thüringen 30. April Bruttoinlandsprodukt Q1 2021, Schnellmeldung 25. Mai Bruttoinlandsprodukt Q1 2021, tiefer gegliederte Ergebnisse 6. Juni Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Ende Mai/Anfang Juni Veröffentlichung der Fertigstellungen 2020 im Wohnbau, Statistisches Bundesamt Mai/Juni* Ausschuss für Finanzstabilität (AFS): Bericht an den Deutschen Bundestag zur Fi nanzstabilität. Evtl. Vorschläge/Eingriffe in die Hypothekenkreditvergabe mit Aus wirkungen auf den Immobilienmarkt Mitte 2021* Entscheidung des Eurosystems, ob ein Projekt zum digitalen Euro gestartet wird, möglicherweise beginnend mit einer Untersuchungsphase mit dem Ziel der Ent wicklung eines minimalen realisierbaren Produktes 30. Juli Bruttoinlandsprodukt Q2 2021, Schnellmeldung 24. August Bruttoinlandsprodukt Q2 2021, tiefer gegliederte Ergebnisse September Tarifverhandlungsrunden 2021 im öffentlichen Dienst (Länder): Üblicherweise zwei bis drei Verhandlungsrunden über zwei Monate 26. September Bundestagswahl 26. September Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und Wahl Abgeordnetenhaus Berlin 29. Oktober Bruttoinlandsprodukt Q3 2021, Schnellmeldung 23. November Bruttoinlandsprodukt Q3 2021, tiefer gegliederte Ergebnisse Anfang/Mitte Januar Bruttoinlandsprodukt 2022 plus Pressekonferenz des Statistischen Bundesamts *voraussichtlich Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick 2021: Corona-Konjunktur 39 | 14. Dezember 2020 Ausblick Deutschland         A usblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Ausblick 2021: Corona-Konjunktur ........................ 14. Dezember 2020  November Lockdown = Q4 BIP Knockdown ........... 4. November 2020  Deutsche Wirtschaft unerwartet robust ................ 25. September 2020  Wie stark fällt die Erholung in Q3 aus? ...................... 12. August 2020  Allmählich aus der Konjunkturschlucht ............................... 1. Juli 2020  Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! ............... 13. Mai 2020  Deutsche Konjunktur weiterhin sehr zerbrechlich ..... 12. Februar 2020  Ausblick 2020: Vorsicht, zerbrechlich! ................... 19. Dezember 2019  Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen ....... 4. November 2019 © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg ISSN (Print): 2512-2371; ISSN (Online): 2568-1079 Press Quality.joboptions << /ASCII85EncodePages false /AllowTransparency false /AutoPositionEPSFiles true /AutoRotatePages /None /Binding /Left /CalGrayProfile (Dot Gain 20%) /CalRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CalCMYKProfile (U.S. Web Coated \050SWOP\051 v2) /sRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CannotEmbedFontPolicy /Error /CompatibilityLevel 1.4 /CompressObjects /Tags /CompressPages true /ConvertImagesToIndexed true /PassThroughJPEGImages true /CreateJobTicket false /DefaultRenderingIntent /Default /DetectBlends true /DetectCurves 0.0000 /ColorConversionStrategy /CMYK /DoThumbnails false /EmbedAllFonts true /EmbedOpenType false /ParseICCProfilesInComments true /EmbedJobOptions true /DSCReportingLevel 0 /EmitDSCWarnings false /EndPage -1 /ImageMemory 1048576 /LockDistillerParams false /MaxSubsetPct 100 /Optimize true /OPM 1 /ParseDSCComments true /ParseDSCCommentsForDocInfo true 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